Al-Wasatiyya (Mittigkeit und Kompromissbereitschaft)

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    Re: Al-Wasatiyya (Mittigkeit und Kompromissbereitschaft)

    Anonymous - 07.03.2005, 14:23

    Al-Wasatiyya (Mittigkeit und Kompromissbereitschaft)
    Al-Wasatiyya (Mittigkeit und Kompromissbereitschaft)

    Der Begriff Al-Wasatiyya (die Mitte, die Mittigkeit) tauchte erst in der neueren Zeit bei den Muslimen auf und ist ein fremder Ausdruck. Er stammt aus dem Westen und der kapitalistischen Ideologie, deren Überzeugungsfundament auf der Kompromisslösung beruht. Diese Lösung ist das Resultat einer blutigen Auseinandersetzung zwischen der Kirche und der ihr zugehörigen Herrschern auf der einen Seite und den westlichen Denkern und Philosophen auf der anderen Seite. Die erste Partei vertrat die Ansicht, dass das Christentum dazu geeignet sei, alle Angelegenheiten des Lebens zu lösen, während die zweite Partei der entgegengesetzten Meinung war und das Christentum (bzw. die Kirche) für Unterdrückung und Rückständigkeit verantwortlich machte. Zudem habe der Verstand (die Vernunft) ihrer Meinung nach die Fähigkeit, selbst ein System zu schaffen, das imstande sei, die Angelegenheiten des Lebens zu regeln.

    Nach einer bitteren Auseinandersetzung zwischen beiden Seiten einigte man sich auf eine Kompromisslösung (al-Hall al-wasat), welche die Religion als Beziehung des Menschen zum Schöpfer zwar akzeptiert, jedoch unter der Bedingung, dass sie keinen Einfluss auf das Leben ausübt und die Regelung der Angelegenheiten des Lebens dem Menschen selbst überlassen bleibt. Im weiteren Verlauf nahmen sie die Idee der Trennung von Religion und Leben als Überzeugungsfundament (Aqida) ihrer Ideologie auf, aus der schließlich das kapitalistische System hervorging. Auf seiner Grundlage kam es auch zu ihrem Aufstieg. In Form des Kolonialismus haben sie dieses System weiter an andere Menschen herangetragen.

    Der Einfluss dieser Kompromisslösung, die ihrem Überzeugungsfundament zugrunde liegt, begann bei jeder Gesetzgebung und jeder Handlungsweise der Kapitalisten hervorzustechen; nicht zuletzt im Bereich der politischen Angelegenheiten. Der Fall Palästinas sei hier ein Beispiel. Die Muslime beanspruchen das gesamte Land als ihr Heimatland für sich, während die Juden es zur selben Zeit als das ihnen von Gott verheißene Land betrachten, das allein ihnen gehört. Nun schlugen die westlich-kapitalistischen Länder 1947 eine Lösung vor, die einen Teilungsplan beinhaltete, der die Errichtung zweier Staatsgebilde für Juden und Araber in Palästina vorsah. Entsprechend einer solchen Kompromisslösung wird bei allen internationalen Problemfällen verfahren, die von den kapitalistischen Staaten gesteuert werden, wie im Falle Kaschmirs, Zyperns, Bosniens und andere Länder.

    Folglich basiert ihre Politik auf Hinterlist und Lüge, nicht unbedingt, um das ganze einem zustehende Recht zu erlangen, sondern um irgendetwas zu erhalten, sei es mehr oder weniger als der rechtmäßige Anspruch. Dabei geht es nicht darum, dass jeder sein Recht erhält, sondern es geht um das finden einer Kompromisslösung, die beide Seiten zufrieden stellt. Nicht, weil es unbedingt die richtige Lösung ist, sondern weil die entsprechende Schwäche oder Stärke der jeweiligen Partei dies zulässt. Der Starke nimmt sich demnach alles, was er bekommen kann, während der Schwache auf das verzichten muss, was er nicht in der Lage ist zu erhalten.

    Anstatt die Idee des Kompromisses und die Kompromisslösung für nichtig zu erklären und ihre Fehler und Falschheit deutlich zu machen, haben einige Muslime diese Idee angenommen und zudem noch behauptet, sie sei ein Bestandteil des Islam. Sie meinten sogar, dass er darauf aufbaue. So stehe der Islam zwischen Spiritualität und Materialismus, Individualismus und Kollektivismus, Realität und Idealismus und zwischen Beständigkeit und Veränderung. Es gebe weder Übermaß noch Mangelhaftigkeit, weder Übertreibung noch Vernachlässigung.

    Um die Ansicht, die sie angenommen hatten, zu beweisen, untersuchten sie die verschiedensten Aspekte und fanden heraus, dass jede Sache zwei Extreme und einen Mittelpunkt besitze. Der Mittelpunkt sei der sichere Bereich, wohingegen die beiden Extreme der Gefahr und dem Verderben ausgesetzt seien. Ferner stellten sie fest, dass der Mittelpunkt das Kraftzentrum sei und das Gleichgewicht und die Balance für jedes Extrem darstelle. Nachdem Mittelpunkt und Mitte all diese Vorteile aufweisen, sei es kein Wunder, dass sich die Mittigkeit in jedem Aspekt des Islam offenbare. Denn der Islam sei die Mitte in Glaube und Anbetung, in Gesetzgebung und Ethik.

    Nachdem sie die Gesetze des Islam und die Realität der Dinge in rationale Analogie setzten, untersuchten sie einige Gesetzestexte, verdrehten ihre Bedeutungen und unterwarfen sie ihrem neuen Verständnis, damit sie mit ihrer neu angenommenen Meinung konform gehen.

    So sagten sie in Bezug auf die Aussage Allahs (t):"Und so machten Wir euch zu einer Gemeinde von redlicher Gesinnung (wasata), auf dass ihr Zeugen seid über die Menschen und auf dass der Gesandte Zeuge über euch sei […]" (al-Baqara 2, Aya 143), dass die mittlere, gemäßigte Position (wasata) der Umma aus der Mäßigung ihres Planes und ihres Systems resultiere.

    So sei darin weder die übertrieben Strenge der Juden noch die sorglose Nachsichtigkeit der Christen vorhanden. Ferner sagten sie, dass das Wort "Mitte" (al-Wasat) Gerechtigkeit bedeute und dass die Gerechtigkeit ihrer Behauptung nach stets in der Mitte zweier streitender Kontrahenten stehe. Somit gaben sie der Gerechtigkeit die Bedeutung von Versöhnung, um der Idee des Kompromisses dienlich zu sein. Hingegen ist die richtige Bedeutung der Aya die, dass die islamische Umma eine gerechte, rechtschaffene Umma ist und Rechtschaffenheit eine der Bedingungen für den Zeugen im Islam darstellt. Diese Umma wird ein rechtschaffener Zeuge über andere Nationen sein, dass sie ihnen den Islam verkündet hat. Obwohl dieser Vers in Form einer Mitteilung (Ihbar) gehalten ist, beinhaltet er den Befehl von Allah (t) an die islamische Umma, den Islam an andere Nationen heranzutragen. Unterlässt sie dies, begeht sie eine Sünde. Sie stellt als Zeuge einen Beweis gegenüber den anderen Nationen dar, genauso wie der Prophet (s) als Zeuge einen Beweis ihr gegenüber darstellt:

    "[…] damit der Gesandte Zeuge sei wider euch." (Al-Hagg 22, Aya 78), nämlich in der Übermittlung des Islam an euch und in seiner Forderung von euch, dass ihr ihn ebenso anderen übermittelt, denn:

    "Der Anwesende soll dem Abwesenden davon erzählen."


    Sie zogen auch aus der Aussage des Erhabenen "Und diejenigen, wenn sie ausgeben, weder Israf noch Taqtir begehen; dazwischen ist die Redlichkeit (Qawam)." (Al-Furqan 25, Aya 67) ihre eigenen Schlüsse.

    So machten sie aus der Aussage zwei Seiten, nämlich die Verschwendung (Israf) und den Geiz (Taqtir), und gaben dem eine Mitte, und zwar den Qawam. Ihrer Meinung nach stelle dies einen Beweis für die Mäßigung beim Ausgeben dar. Sie verstanden nicht, dass die Bedeutung des Verses die ist, dass drei Arten des Ausgebens existieren, nämlich „Israf“, „Taqtir“ und „Qawam“.

    Israf bedeutet das Ausgeben im Verbotenen, egal ob es sich um kleine oder große Summen handelt. Wenn z.B. eine Person einen Silberling für den Kauf von Alkohol, für Glücksspiel oder Bestechung ausgibt, so ist es Israf. Und Israf ist verboten.

    Was den Taqtir betrifft, so bedeutet es die Verweigerung von Pflichtzahlungen. Wenn eine Person sich weigern würde, einen Dirham, der an Zakat fällig ist, zu bezahlen, oder wenn sie sich weigern würde, denen Geld zu geben, für die sie unterhaltspflichtig ist, so fällt dies unter die Bezeichnung Taqtir, was verboten ist.

    Der Qawam hingegen, ist das Ausgeben gemäß den islamischen Gesetzen, sei es viel oder wenig. So ist die Ehrung eines einzigen Gastes durch die Schlachtung eines Schafes, Huhnes oder sogar eines Kamels eine Ausgabe gemäß dem Qawam. Und dies ist erlaubt, denn Allah, der Erhabene, hat in der Aya die Formulierung „baina dhalika“ (dazwischen) verwendet, um zu zeigen, dass drei Arten der Ausgaben existieren, nämlich der Israf, der Taqtir und der Qawam. Eine dieser drei Arten ist islamrechtlich verlangt, und dies ist die Ausgabe im Qawam. So hat Allah (t) nicht gesagt „baina dhalikuma“ (zwischen den beiden), um die (mögliche) Mittelposition zwischen zwei Gegensätzen aufzuzeigen.

    So existiert keine Mittelposition und keine Kompromisslösung im Islam. Es ist Allah, der Erhabene, Der den Menschen erschaffen hat und seine Realität in einer Weise kennt, wie sie kein Mensch zu kennen vermag. Allah (t) ist der Einzige, Der fähig ist, das Leben des Menschen mit so einer Genauigkeit zu ordnen, wie es kein anderer bewerkstelligen kann. Seine Gesetze sind demnach präzise ergangen, ohne dass die Spur einer Mittelposition oder einer Kompromisslösung zu finden ist, weder in den Gesetzen noch in den Offenbarungstexten des Islam. Ganz im Gegenteil herrscht dort Genauigkeit, Klarheit und Abgrenzung, so dass Allah sie sogar als Hudud, als Grenzen bzw. Schranken, bezeichnet hat. So sagt Er:

    "Dies sind die Schranken Allahs, die Er den Wissenden klarmacht."
    (Al-Baqara 2, Aya 230)

    Ebenso sagt Allah (t):

    "Und wer Allah und Seinem Gesandten den Gehorsam versagt und Seine Schranken übertritt, den führt Er ins Feuer ein; worin er ewig verweilt."
    (Al-Nisa’ 4, Aya 14)

    Wo ist denn die behauptete „islamische“ Mittelposition, die Mittigkeit und die Kompromisslösung in der Aussage des Propheten (s) an seinen Onkel Abu Talib, als sein Stamm ihm eine hohe Stellung, Geld und Würde anbot, damit er vom Islam ablässt:

    "Bei Allah, mein Onkel! Wenn sie mir die Sonne zu meiner Rechten und den Mond zu meiner Linken setzen würden, damit ich diese Sache sein lasse, so werde ich es nicht tun, bis Allah sie zum Siege führt oder ich dabei untergehe."

    Ebenso fehlen jede Mittelposition und Kompromissbereitschaft in der Aussage des Propheten (s) an den Stamm ‘Amer Ibn Sa’sa’a, als dieser darum bat, nach dem Propheten (s) die Führung zu erhalten, als Gegenleistung für dessen Unterstützung. Der Prophet (s) antwortete:

    “Die Angelegenheit gehört Allah, Er gibt sie, wem Er will.”

    So ist die Mittigkeit (al-Wasatiyya) und die Bereitschaft zur Kompromisslösung eine Idee, die dem Islam fremd ist. Die westlichen Staaten sowie die ihnen loyalen Muslime haben diese Idee mit dem Islam verbunden, um sie so den Muslimen im Namen der Gemäßigtheit und der Toleranz zu verkaufen. Dabei haben sie die Absicht, die Muslime von den klar definierten Schranken und Gesetzen des Islam wegzubringen.



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