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Re: Wirtschaftsmodell
Zehra - 08.12.2004, 01:50Wirtschaftsmodell
Selamun Aleykum
Das Islamische Wirtschaftsmodell
Offene Märkte / Gold und Silber / Zakat
Die ursprüngliche islamische Lebensweise ist ein erstaunliches Phänomen. Seit jeher umfaßt sie einen Kosmos des Wissens und der gesellschaftlichen Verantwortung des Menschen. Das Wirtschaftsleben einer Gesellschaft ist von wesentlicher Bedeutung für ihren Zustand und ihr Wohlergehen. Die Lebenspraxis des Islam ist ein einfaches, zeitlos praktikables Verfahren, das zu Gerechtigkeit in jedem Lebensbereich führt. Die Wirtschaft, d.h. der Handel der Muslime ist von jeher ein Instrument der Zivilisation und der natürlichen Verbreitung des Islam gewesen.
Heute, angesichts von weltweiten Handelskriegen, Embargos, Monopolherrschaften und galoppierenden Staatsverschuldungen aller Länder der Erde, kann der Handel der Muslime erneut diese Rolle übernehmen. Wie es schon früher im europäischen Mittelalter geschehen ist, wird man auch heute wieder auf das islamische Wirtschaftsmodell zurückgreifen müssen, wenn man Wohlstand mit Gerechtigkeit verbinden und einen zunehmenden wirtschaftlichen Abgrund zwischen reichen und verarmten Ländern vermeiden will.
Die Einführung der Kommanditverträge im Europa des 10. Jahrhunderts war beispielsweise einer der wichtigsten Einflüsse für das Wirtschaftsleben jener Zeit. Der Ursprung der Kommanditverträge stammt von den arabischen Händlern, die darin dem Vorbild der besten Gemeinschaft in Madina, der Stadt des Gesandten Allahs, sallallahu ´alaihi wa sallam, gefolgt sind. Sie waren ein Instrument des Investments, das die Rechte der beteiligten Partner ausreichend festlegte und sie auf gleichberechtigter Grundlage an ihre Verpflichtungen band, ohne daß eine Seite sich über die andere einen Vorteil verschaffen konnte. Das islamische Währungssystem (der Gold- und Silberwährung) wurde damals in ganz Europa benutzt. Die Münzgehalt der Muslime galten als rein und stand somit für das Vertrauen, das damals die Menschen in Europa den islamischen Handelspraktiken entgegenbrachten.
Das hochentwickelte islamische System der Gilden setzte sich in allen Städten Europas durch. Die islamische Auffassung von Brüderlichkeit, das Waqf-System (Stiftungen), das Erziehungs- und Bildungssystem der Muslime und ihr Rechtswesen suchte man in jener Zeit in vielen Städten Europas auf die jeweiligen Gegebenheiten zu übertragen. Auch heute, vierzehnhundert Jahre nach dem Vorbild von Madina, gibt es heute in Europa neue Ansätze, die Grundlagen islamischer Wirtschaft praktisch anzuwenden. Die Islamische Welthandelsorganisation (IWHO), eine Organisation unter der Führung europäischer Muslime, mit Vertretungen in Großbritannien, Deutschland, Spanien und der Schweiz errichtet derzeit ein Netzwerk von islamischen Märkten in Europa.
Mithilfe von modernen internationalen Handels-Karawanen, sollen diese eine Alternative zu den zunehmend kritisch beurteilten Großmärkten auf der grünen Wiese darstellen, die ihrerseits die Innenstädte veröden. Damit soll gerade auch das Bild der Muslime wieder zu einem Symbol der Gerechtigkeit und Solidarität zwischen den Menschen werden. Darüberhinaus erhalten entfernt liegende Länder der traditionellen Muslime einen Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Die IWHO entwickelt momentan verschiedene Projektbereiche: · Ein europaweites Netz von Offenen Märkten, in denen das islamische Handelsrecht gilt. ·
Offene Verteilungs-Netzwerke: moderne Produkt-Karawanen · Offene Produktionsgemeinschaften: Gilden · Einrichtung eines islamischen Marktgerichts · Offenes Währungssystem (Gold-und Silbermünzen) DER OFFENE ISLAMISCHE MARKT Der Markt ist - wie damals in Madina - eine leere (in nördlichen Breiten: überdachte) Fläche, die sich morgens mit Händlern jeder Größe füllt und die abends nach dem Abendgebet wieder völlig frei geräumt sein muß, damit am nächsten Morgen jeder Händler erneut freien Marktzugang hat.
Keine Standortrechte, keine Standgebühren, keine Privilegien, keine zusätzliche Besteuerung der Händler. Damit hat jedes Unternehmen, groß oder klein, seinen Absatz. Jeder Arbeitslose kann so ohne weiteres auf diesem Markt sein eigener Unternehmer werden, indem er für einen Produzenten ein Produkt bzw. eine Dienstleistung anbietet. Die Markthalle trägt sich finanziell aus den geringen Gebühren, die manche Händler für angeschlossene gemietete Lagerflächen bezahlen. Das europaweite Netz dieser Offenen Märkte wird reihum besucht von ... PRODUKTKARAWANEN Sie versorgen einen Markt mit Produkten aus aller Herren Länder und stellen somit die Warenvielfalt, d.h. die Attraktivität des Marktes sicher.
Eine Karawane besteht sinnvollerweise aus mehreren Händlern der gleichen Branche. In Gemeinschaft ist man sicherer unterwegs und wirtschaftlich potenter. Eine solche durch ihre Branche verbundenen Gemeinschaften von Händlern nennt man seit je her ... GILDEN Sowohl Dienstleistungen (Schuhmacher, Schlüsseldienst etc.) als auch Händler einer bestimmten Branche finden sich zusammen, um ihre Dienstleistungen bzw.Waren effektiver organisiert auf Märkte bringen zu können. Für die Wahrung der Qualität einer Dienstleistung bzw. eines Produktes sorgt die Einrichtung eines allgemein anerkannten Gildenmeisters. Die gildenübergreifende, unabhängigen Schiedsstelle auf jedem Markt ist das ... MARKTGERICHT.
Es besteht aus einer oder mehreren Personen, die geschult im Fiqh des islamischen Handelsrechtes, in der Lage sind unmittelbar und unbürokratisch Streitfälle zu schlichten, um sowohl die Marktfreiheit, als auch den Marktfrieden zu schützen. Sie achten darauf, daß sich der Markt im Rahmen der Schari´a bewegt. Und darüber hinaus vor allem darauf, daß weder Händler noch Kunden, in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, mit jeder (erlaubten) Ware, d.h. auch mit jedem (vom Käufer und Verkäufer freiwillig akzeptierten) Zahlungsmittel zu handeln.
Sobald dies eine ausreichende Verbreitung gefunden hat, führt dies zur Sunna des Gesandten Allahs, sallallahu ´alaihi wa sallam, d.h. zu einem ... OFFENEN WÄHRUNGSSYSTEM Demnach kann jede Ware als Zahlungsmittel fungieren, auf das sich Käufer und Verkäufer freiwillig einigen. Auf natürliche Weise gelangt man so wieder zu Geld, das einen tatsächlichen, ihm innewohnenden Wert hat (Kurantgeld).
Sowohl in Madina, als auch zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte, waren dies Gold- und Silbermünzen.) In Holland, in der Schweiz und in Großbritannien wird damit begonnen, diese bewährten Wirtschaftsformen praktisch umzusetzen. Mehr Information zur praktischen Umsetzung der Idee eines Islamischen Marktes
ISLAMISCHE ZEITUNG, Nr: 1, 1995
Selamun Aleykum
Re: Wirtschaftsmodell
Zamzam - 09.12.2004, 00:55
Assalamu Alaikum,
Hierzu würde ich gerne auf einen Vortrag, über das Wirtschaftssystem im Islam, eines Bruders verweisen:
Der Islam und die Herausforderung der Zukunft
von Shaker Assem, Wien
Der folgende Vortrag wurde am 6. Islamischen Lager in Einsiedeln am 22. Juni 1996 gehalten. Er ist auch auf Kassette bei der Redaktion der Zeitschrift „Die Barmherzigkeit” bestellbar.
Im Namen Allahs, des Erbarmungsvollen des Barmherzigen, des einzigen Allmächtigen Gottes. Er ist erhaben über alles, was Ihm Menschen in ihrer Irre zur Seite setzen, weder zeugte Er, noch wurde Er gezeugt und nichts ist Ihm ebenbürtig. Wir vermögen es nicht, o Allah, Dich gebührend zu preisen, wie Du Dich selbst gepriesen hast. Du beherrschst die Welten, die Himmel und die Erde, Du hast ihnen Deinen Willen und Dein Gesetz aufgezwungen und sie sind Manifeste Deiner Existenz für alle Menschen mit Verstand!
Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt ausser Dir, o Allah, und bezeugen, dass Muhammad Dein Diener und letzter Gesandte ist. Du hast ihn als Gnade entsandt, für die gesamte Menschheit, um sie aus der Finsternis, der Not des Unwissens und Unglaubens hin zum Lichte der Erkenntnis und Rechtschaffenheit zu führen. Er ist der Führer der Erlauchten, der Herr der Propheten, Dein Friede und Dein Segen über ihn!
Liebe Schwestern, liebe Brüder, es ist für mich eine besondere Freude mit Muslimen hier in der Schweiz neuerlich zusammen zu kommen und fühle mich geehrt und auch zu Dank verpflichtet, dass ich von den Veranstaltern die Möglichkeit bekommen habe, heute über den Islam zu referieren. An dieser Stelle möchte ich vor allem Bruder Hamit Duran und seiner lieben Frau danken, dass sie uns unsere heutige Zusammenkunft ermöglicht und sich dafür so eingesetzt haben. Eine Zusammenkunft die vor allem für jüngere Muslime, für ihr Zusammen- und Zugehörigkeitsgefühl so wichtig ist. In diesem Sinne möchte ich euch beiden ein herzliches „Jasakum-ullahu-khairan“ aussprechen!
Ursprünglich wollte ich meinen Vortrag „Islam und die Herausforderungen der Moderne“ bezeichnen. Da nun das Wort „Moderne“ sowohl die Gegenwart als auch die nahe Vergangenheit betrifft und wir, als Muslime, stets nach vorne blicken müssen, habe ich mit Bruder Hamit gemeinsam entschieden, ihn mit „Islam und die Herausforderungen der Zukunft“ zu titulieren, entsprechend dem quranischen Vers „Möge Allah das Vergangene verzeihen“ und dem Hadith des Gesandten: „Sagt niemals: Wenn ich das so oder so getan hätte, wäre es so oder anders gekommen, sondern sagt: Allah hat dies bestimmt und was Er will das tut Er!“ Wenn die Vergangenheit für uns Muslime wichtig ist, dann nur, um aus ihr zu lernen. Dumm ist nämlich nicht jemand der Fehler macht, sondern nur jener, der aus seinen Fehlern nicht lernt. Tatsache ist, dass die Muslime - und dies sei keineswegs abschätzend gemeint - in der Vergangenheit viele Fehler begangen haben. Es liegt an uns, diese Fehler zu erkennen und aus Ihnen die richtigen Schlüsse zu ziehen!
Falsch wäre es zu glauben, dass wir Muslime die Wahl hätten, die Herausforderung, die sich uns entgegenstellt, anzunehmen - nach dem Motto: es steht mir frei an einer Auseinandersetzung teilzunehmen oder nicht. Tatsächlich stehen die Muslime, ob sie es wollen oder nicht, mitten in der Auseinandersetzung mit dem Unglauben und haben nur zwei Möglichkeiten: entweder die Herausforderung anzunehmen und zu gewinnen oder schrecklich zu verlieren! Allah hat im Qur’an gesprochen: „Und hätte Allah die einen Menschen durch die anderen nicht zurückgehalten, wäre die Erde dem Unheil verfallen“ (2/251)
Die Auseinandersetzung mit dem uns umgebenden Unglauben ist - und dies ist meine tiefste Überzeugung - vor allem auf der gedanklich - ideologischen Ebene zu führen, denn diese gedankliche Auseinandersetzung ist die Grundlage, als auch die entscheidende Voraussetzung für eine spätere Herausforderung auf der materiellen Ebene. Die Gedanken sind es nämlich, die gefestigte Überzeugungen formen und diese Überzeugungen kann keine Macht der Welt willkürlich entfernen! Ein Mensch kann beispielsweise gezwungen werden, etwas zu sagen, oder etwas zu tun, was er nicht will, er kann jedoch niemals gezwungen werden, seine innere Überzeugung aufzugeben!
Im Gegenteil, die Anwendung von Gewalt bewirkt nur noch das stärkere Festhalten an der eigenen Überzeugung. So ist Bosnien ein lebendes Beispiel dafür, wo die Muslime erst durch die schlimme Gewalt, die ihnen zugefügt wurde, zum Islam zurückgefunden haben. Auch ist es die Macht der Gedanken, die wahrlich Berge versetzen kann, die dekadente Personen zu gewaltigen Persönlichkeiten, wie Omar Ibn Al-Khattab und Khalid Ibn Al-Walid werden liess. Durch die Kraft seiner Überzeugung wächst der Mensch über sich hinaus und ist fähig mit der Hilfe Allahs bis zum 10-fachen seines normalen Potentials zu entwickeln.
Dies hat Allah, der Erhabene, im Qur’an bestätigt als er in Sure 8 / 65 zu den Gläubigen spricht: „Prophet! Feure die Gläubigen zum Kampfe an! Wenn unter euch zwanzig Standhafte sind, werden sie über zweihundert, und wenn unter euch hundert sind, werden sie über tausend der Ungläubigen siegen, da es Leute sind ohne Verstand! Jetzt hat Allah euch Erleichterung gewährt und Er weiss, dass euch Schwäche befallen hat (Anm.: kann nur Überzeugungsschwäche bedeuten, da die Muslime zahlenmässig und waffenmässig bei der Offenbarung dieses zweiten Verses wesentlich stärker waren als bei der Offenbarung des ersten es kann sich also hier nur um eine intellektuelle Schwäche handeln), wenn nun unter euch hundert Standhafte sind, so werden sie mit Gottes Erlaubnis über zweihundert und wenn unter euch tausend sind, so werden sie zweitausend besiegen und Allah ist mit den Standhaften!“
Nachdem wir nun festgestellt haben, dass die Auseinandersetzung mit den sich uns entgegenstellenden Herausforderungen zuerst auf gedanklicher Ebene erfolgen muss, wollen wir nun einen kurzen Blick auf die Sunna des ehrwürdigen Propheten werfen und auf die Art und Weise wie er sich mit den Herausforderungen von damals auseinandergesetzt hat. Die ersten 13 Jahre seines Wirkens als Gesandter und zwar bis zur Gründung des islamischen Staates in Medina, hat der Prophet die Auseinandersetzung mit dem Unglauben ebenfalls auf rein ideologischer Basis geführt. In diesem intellektuellen Kampf jedoch ging der Prophet absolut kompromisslos vor, er scheute keinen Zusammensstoss mit den Mächtigen und ihren Handlangern, stellte offen und ohne Umschweife das damalige Gesellschaftssystem mit den fehlgeleiteten Vorstellungen der Menschen und ihren heruntergekommenen, widernatürlichen Verhaltensweisen und -massstäben an den Pranger. Der Gottesgesandte (a.s.) wandte sich in dieser Auseinandersetzung vor allem gegen das, was den Quraischiten damals am heiligsten war; ihre religiösen Vorstellungen und Gottheiten: Er beschimpfte ihre Götzen, stellte sich offen gegen die Herrscherkaste und ihre Ungerechtigkeiten, gegen die Unterdrückung und unmenschliche Behandlung der Sklaven und Minderprivilegierten und gegen die bestialische Ermordung von Säuglingen weiblichen Geschlechts, durch lebendiges Begraben im Wüstensand! Wichtig bleibt zu erwähnen, dass auch der Qur’an an dieser ideologischen Auseinandersetzung mit dem Unglauben in Mekka aktiv teilgenommen hat; so stellt Allah (t) in Sure 21/98 fest: (zu ihnen, den Ungläubigen wird gesagt): „Ihr, und das, was ihr an Stelle Allahs anbetet seid Brennstoff für das Höllenfeuer. Ihr werdet darin weilen!“. In Sure 81/8 heisst es: „Und wenn die im Sand Verscharrte gefragt wird: Wegen welcher Schuld sie ermordet wurde?“
Der Qur’an wandte sich auch dem Wirtschaftsbereich zu und gegen die von den damaligen Mekkanern ausgeübten Handelspraktiken, bei der sich der Händler beim Kaufen von Ware etwas mehr als das bezahlte Gewicht nahm und beim Verkaufen dem Käufer etwas weniger als das bezahlte Gewicht aushändigte, so heisst es in Sure 83/1-6: „Wehe den Betrügern, die, wenn sie sich von den Leuten etwas zumessen lassen, volles Mass verlangen, wenn sie aber jemanden anderen etwas zumessen oder abwägen, ihn schädigen! Wissen diese Leute denn nicht, dass sie dereinst auferweckt werden, an einem gewaltigen Tag, dann wenn sich die Menschen vor dem Herrn der Welten erheben?“
Die Aufregung unter den Mekkanern, ihre Erbostheit über die Gewagtheit der Angriffe, ihr Widerstand gegen diese neue Religion war verständlicherweise gross. Dabei störte sie die Tatsache, dass Muhammad und einige anderen einen neuen Glauben angenommen hatten in keinster Weise, was sie jedoch erzürnte und sie unter keinen Umständen hinnehmen würden, war das stete Anprangern und Verreissen ihrer Götzen, ihrer Wertvorstellungen und ihrer heiligsten Dinge, eine Vorgehensweise die das damalige Gesellschaftssystem in ihren Grundmauern erschüttern liess. Und so wandten sich auch die Stammesfürsten von Quraisch an Abu-Talib, Muhammads Onkel, auf dass dieser auf den Gesandten, seinen Schützling, Druck ausübe, nicht etwa, um den Propheten von seinem Glauben abzubringen, sondern lediglich, dass er mit seiner ständigen Kritik und seinen unentwegten Angriffen aufhöre. In dieser Situation machte Muhammad (a.s.) seinen berühmten Ausspruch: „Bei Allah, mein Oheim, wenn sie mir die Sonne zu meiner Rechten und den Mond zu meiner Linken setzen, auf dass ich damit aufhöre (mit dem Anprangern), so werde ich dies nicht tun, bis Allah diese Sache zum Durchbruch führt, oder ich darin untergehe!“ Hier ging es nicht um die Aufgabe des Islam selbst, sondern einzig darum, die Gesellschaft und ihr System nicht mehr herauszufordern. Und dies hat der Prophet auf solch eine beeindruckende Weise abgelehnt!
Die Mekkaner machten noch eine Reihe von Versuchen, den Propheten von seiner Herausforderung abzubringen, vergebens!
In Sure 17/73-75 warnt Allah sogar den Propheten davor und sagt: „Und sie (die Ungläubigen) hätten dich beinahe in Versuchung gebracht, von dem was Wir Dir (als Offenbarung) eingegeben haben, abzuweichen, damit du gegen uns etwas anderes als den Qur’an aushecken würdest. Dann hätten sie dich zum Freund genommen. Wenn Wir dich nicht gefestigt hätten, hättest du dich ihnen fast ein wenig zugeneigt. Dann hätten Wir dich aber sowohl im Leben als auch im Tode das Doppelte (an Strafe) spüren lassen. Und dereinst fändest du keinen der dir gegen uns beistehen würde!“
Im Lichte dieser Verse und den Aussprüchen des ehrwürdigen Propheten, liegt es nun an uns, ihm in seinem Handeln mit bestem Beispiel zu folgen. Allah (t) hat uns befohlen Sure 33/21: „Es ist euch im Gesandten Gottes ein nachahmenswertes Beispiel gegeben worden für diejenigen, die auf Gott hoffen, auf den jüngsten Tag gefasst sind und Allahs immerfort gedenken!“ Auch wir haben also die Pflicht, dem Beispiel des Gesandten folgend , die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzunehmen und den ideologischen Kampf des Propheten gegen den uns umgebenden Unglauben fortzuführen. Darunter ist aber keinesfalls ein blindes „Nachäffen“ des Propheten zu verstehen, indem wir uns irgendwelche Statuen nehmen und sie anprangern, sondern indem wir uns den Herausforderungen von heute stellen genau, wie sich der Prophet den Herausforderungen von damals gestellt hat, darin liegt die Befolgung der Sunna. Die Gelehrten haben „At-Taassi“ d.h. die Befolgung der Taten des Propheten folgendermassen definiert: Der Vollzug der gleichen Tat des Propheten, auf die gleiche Art zum gleichen Zweck!
Die Tat des Propheten war der ideologische Kampf, die Herausforderung der Menschen in dem, was ihnen am heiligsten ist, ihrem Glauben, ihrem Gesellschaftssystem, ihrer Lebensweise, um ihre falschen Vorstellungen, ihre verkrusteten Strukturen zu erschüttern, indem sie mit dem rechten Weg, der klaren Idee und den richtigen Lösungen menschlicher Probleme konfrontiert werden. Dies muss auch heute unsere Vorgangsweise sein, wir müssen uns den Götzen des 21 Jahrhunderts stellen! Das sind heute die freie Marktwirtschaft, der Kapitalismus, der Säkularismus, die grenzenlose Freiheit, der übertriebene Fortschrittsglaube und alles was den Menschen von heute am heiligsten ist!
Vorerst muss aber uns selbst klar sein, dass der Islam auf alle Probleme, die sich für Menschen jemals ergeben können, die richtige Lösung gefunden hat. Der Islam ist mit seiner Rechtssprechung also - entgegen den Behauptungen seiner Gegner und irregegangener Muslime - weder orts- noch zeitgebunden vielmehr ist er für alle Zeit und an jedem Ort wo Menschen leben gültig. Allah (t.) hat im Qur’an festgestellt: „Und wir haben zu Dir das Buch herabgesandt in dem Erklärung ist für alle Dinge“. In Sure 4 bekräftigt Allah (t.): „Bei deinem Herrn, sie sind nicht gläubig, ehe sie dich zum Richter machen in allem was unter ihnen strittig ist, sie alsdann keinen Zweifel an deinem Richtspruch in ihrem Herzen hegen und ihn in Ergebung hinnehmen!“ Allah (t.) verwendet in diesem Zusammenhang stets das Wort „ma“: „Fima schajar“, das allgemeingültig und allumfassend ist; also alle Probleme die unter Menschen entstehen umfasst. Der Prophet Muhammad (a.s.) hat gesprochen: „Jede Tat, die nicht unserem Befehl entspringt ist zurückzuweisen!“ Wir haben uns also in all unseren Taten an die Gebote Allahs und seines Gesandten zu halten!
Obwohl diese Tatsache vielen Muslimen selbstverständlich erscheint, ist mit meiner Ausführung hier nicht die blosse Hinnahme bzw. Akzeptanz dieses „Dogmas“ gemeint - da wir daran glauben, es nicht in Frage stellen - entscheidend ist vielmehr es in unserem Leben real umzusetzen. Und hierbei ergeben sich für die Muslime die meisten Schwierigkeiten. Die eigentliche Problematik die sich dabei ergibt ist die, da die Muslime es zwar aus ihrer Religiosität heraus nicht wagen, diese „Wahrheit“ anzuzweifeln - da der Islam Lösungen für die menschlichen Probleme aller Zeiten hat - es fehlt ihnen jedoch das Vertrauen in die Durchführbarkeit bzw. in die Effizienz dieser Lösungen! Tatschlich haben die Muslime zwar nicht den Glauben, sehr wohl aber das Vertrauen in die islamischen Lösungen verloren. Die Ursache dafür liegt z.T. weit in der Vergangenheit, massgebend war jedoch die westliche Herausforderung seit Mitte des vorigen Jahrhunderts, die sich vor allem aus der materiellen Überlegenheit gegenüber den Muslimen ergab und die demütigende Kolonialisierung weiter Gebiete der islamischen Welt. Diese Überlegenheit versuchte der Westen den Muslimen gegenüber stets damit zu begründen, da sie unzeitgemäss an einem „überkommenen“ Glauben festhielten und da der Westen seinen Fortschritt nur dadurch erreichte, indem er sich von den Ketten der Religion befreite. Den Kolonialmächten war von Anfang an klar, dass sie die Muslime von ihrem Glauben nicht abbringen können, wohl aber versuchten sie - und dies gelang ihnen auch - die Muslime in ihren Überzeugungen zu verunsichern. Sie griffen bestimmte islamische Gesetze, die ihrer Meinung nach nicht mehr zeitgemäss waren, gnadenlos an, um das Vertrauen der Muslime zu erschüttern. So kritisierten sie die Mehrehe im Islam als frauenfeindlich, obwohl sie sogar in der Bibel als selbstverständlich angesehen wird, von Martin Luther in Briefen an Adlige ausdrücklich gutgeheissen wird und sie zudem unter Menschen, in welcher Form auch immer, stets ein Faktum gewesen ist. Die islamische Errungenschaft liegt lediglich darin, mit dieser Realität auch umzugehen, indem die Mehrehe eingeschränkt, geregelt und einer Ordnung zugeführt wird. Sie attackierten das islamische Strafsystem als barbarisch und unzeitgemäss, obwohl sie selbst mit ihrem vermeintlich humanen Strafvollzug gescheitert sind und die Rufe nach wesentlich strengeren Strafen im Westen immer lauter werden. Das Zinsverbot im Islam betrachteten Sie als überholt und der wirtschaftlich industriellen Entwicklung konträr. Tatsache ist jedoch, wie wir später noch sehen werden, da das Zinssystem in all seinen Schattierungen, ein Eckpfeiler des kapitalistischen Wirtschaftssystems, grosses Unheil unter den Menschen angerichtet hat.
Kurzum verfehlten diese Angriffe, obwohl bei genauerer Betrachtung fadenscheinig und hohl, ihr Ziel unter den Muslimen nicht. Sie waren verunsichert, hatten das Vertrauen in die Effizienz der islamischen Lösungen verloren und versuchten krankhaft durch Uminterpretation bzw. Umgehung eindeutiger Aussagen in den Offenbarungstexten, eine Übereinstimmung zwischen dem Islam und dem Kapitalismus - zweier grundsätzlich konträrer Ideologien zu finden. Ihnen war dabei nicht bewusst, dass sie sich immer mehr von „islamischem Boden“ entfernten und das Vertrauen in den Islam immer weiter verschwand.
Aus diesem Grund hatte ich auch anfangs erwähnt, da wir, ob wir es nun wollen oder nicht durch die heutigen Mächte bereits herausgefordert sind und uns dieser Herausforderung stellen müssen! Im Sinne der Sunna des ehrwürdigen Propheten (a.s.) und aus der Zwangssituation, in der wir uns befinden, nehmen wir also die Herausforderung an und wenden uns dem zu, was den Menschen hier hoch und heilig ist, in Wahrheit aber „bis zum Himmel stinkt“!
Wie gesagt, sind die richtigen Antworten auf unsere Fragen im Islam vorhanden, es liegt nur an uns, diese Antworten auch zu finden. Hierbei ist es wichtig, den Menschen, greifbare Lösungen anzubieten. Für die Muslime, damit sie das Vertrauen in den Islam zurückgewinnen, und für die Nichtmuslime damit sie die Richtigkeit und Umsetzbarkeit der islamischen Lösungen erkennen. Der Prophet Muhammad (a.s.) hat gesagt: „Wer zu den Leuten spricht in Worten, die ihren Verstand nicht erreichen ist eine Fitnah für sie“
Und Allah (t.) hat befohlen: „Rufe auf zum Weg Deines Herrn, mit Weisheit und gutem Rat und disputiere mit ihnen mit dem besseren Argument!“
Kommen wir nun zu den praktischen Beispielen, wo wir lediglich in einem kurzen Umriss sogenannte Wahrheiten aus verschiedenen Bereichen in Frage stellen:
1. Zinssystem:
Das Zinssystem ist wie bereits erwähnt, ein Eckpfeiler im kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftssystem. Bei jeder Investition, Industrieansiedelung, Kalkulation, grösserer Anschaffung oder Kaufvertrag ist das Kreditwesen im Kapitalismus ein wesentlicher Bestandteil. Für den kapitalistisch denkenden Menschen eine Selbstverständlichkeit im Interesse von Wirtschaftsdynamik und Fortschritt, birgt dieses System schwerwiegende Nachteile in sich. So wird durch diesen Zins- bzw. Sparmechanismus von den Banken Geld gehortet, das nunmehr aus dem Verkehr gezogen ist und somit im Geldumlauf fehlt. Das Investitionspotential und auch die Investitionsfreude in einem Land wird dadurch reduziert, was eine direkte Ursache für Arbeitslosigkeit sein kann, weil ein Teil der Kaufkraft bzw. des Investitionsvolumens auf Eis gelegt wurde. Die Gründe für Arbeitslosenraten von über 10% mit der daraus resultierenden Armut, den gesellschaftlichen Spannungen, dem entstehenden Frust verbunden mit Drogenkonsum und Kriminalität in vielen westlichen Industrienationen sind unter anderem auch hier zu suchen.
Ein weiteres offensichtliches Beispiel für die Unzulänglichkeit des Zinssystems ist das grosse Unheil das die Kreditpolitik in den Ländern der Dritten Welt, sowie im ehemaligen Ostblock angerichtet hat. Hoffnungslose Staatsverschuldung, wo ein grosser Teil der Einnahmen allein zur Tilgung des „Schuldendienstes“ aufgeboten werden, bzw. man neue Kredite zur Tilgung der alten aufnehmen muss, im Fachjargon als „Umschuldungsverfahren“ bezeichnet, finanzieller Ruin ganzer Gemeinschaften, Verslummung der Städte und schreckliche Armut sind daraus die Folge. Das ist Ausbeutung in einer ihrer heimtückischsten Formen!
Der Islam beugt solchen Entwicklungen von vorneherein vor, indem er erstens die Zinsnahme kategorisch und in jeder Form radikal verboten hat. Allah (t) hat in Sure 2/275 gesprochen: „Und Allah hat den Handel erlaubt und die Zinsnahme verboten!“ Weiter heisst es 2/278-279: „Ihr Gläubigen, fürchtet Allah und entledigt euch dessen, was an Zinsen übrig geblieben ist. Wenn Ihr dies jedoch nicht tut, so macht euch auf einen Krieg mit Allah und seinem Gesandten gefasst!“.
Zweitens hat der Islam das Horten von Geld ebenfalls strikt verboten, Sure 9/34: „Denjenigen nun, die Gold und Silber horten und es nicht um Allahs Willen ausgeben, verkünde eine schmerzhafte Strafe!“ Dadurch ist der Mensch gezwungen, vorhandenes Kapital zu investieren und nicht Brach liegen zu lassen, es wird kein Geld aus dem Verkehr gezogen, und das grösstmögliche Investitionsvolumen wird somit erreicht, was für die Wirtschaftsentwicklung in einem Staat nur positiv sein kann. Dies erkennt man auch aus der Tatsache, dass bereits eine leichte Anhebung bzw. Absenkung der Leitzinssätze der Zentralbanken, enorme Einflüsse auf die Wirtschaftsentwicklung haben.
Der Islam war nie in seinem Wirtschaftssystem auf Ausbeutung ausgerichtet, was auch durch das Zinsverbot unterstrichen wird. Im Gegenteil bemüht er sich um Ausgleich, grösstmögliche Umverteilung und garantiert jedem Staatsbürger, egal welcher Konfession er angehört ein menschenwürdiges Einkommen. So waren die zahlreichen Provinzen des islamischen Staates keine Kolonien, die an die Zentralmacht besondere Abgaben oder Tribute entrichten mussten, sondern vollwertige Teilgebiete des Staates, die der Hauptstadt Medina in nichts nachstanden. Im Gegenteil, der Wohlstand in diesen Provinzen war weitaus höher als in der medinensischen Zentrale. Der Islam kennt also keine Weltbankkredite, keine Wucherzinsen, keine verdeckte Ausbeutung und keine menschlichen Dramen.
2. Ungedeckte Währungen und Inflation:
Bis zu Beginn des 20 Jahrhunderts waren die verschiedenen Landeswährungen mit Gold und Silber kompatibel bzw. wurden sie zu 100% durch Goldreserven des Staates gedeckt. Kurz vor dem 1. Weltkrieg begann man in den westlichen Ländern jedoch, aus Geldnot bzw. um grössere Summen flüssig zu machen mehr an Scheinen auszugeben, als durch Gold gedeckt war. Man verliess sich hier auch auf das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaft des betreffenden Staates. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges und dem Auftreten wirtschaftlicher Probleme, sank jedoch das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaft, der Staat war, um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen gezwungen noch mehr Scheine zu drucken, wodurch irgendwann die Verknüpfung zwischen der betreffenden Währung und ihrem Gegenwert in Gold auseinanderbrach und sich die Inflationsspirale zu drehen begann. Diese Entwicklung setzt sich, wenn auch in z.T. verminderter Art und Weise bis zum heutigen Tage fort. Diese Entwicklung hat sowohl auf den Wohlstand von Einzelpersonen, wie auch von Staaten entscheidenden Einfluss. So werden Arbeitstätige, Vermieter, oder Sparer durch die Inflation um einen Teil ihres Einkommens bzw. ihres Vermögens geprellt, da ja ihr Geld einen Teil seines Wertes verloren hat. Bei Staaten, vor allem - wie sollte es auch anders sein? - in der dritten Welt liegen die Dinge ähnlich; so haben viele Staaten ihre Zahlungsreserven nicht nur in Gold sondern auch in sog. Hartwährungen westlicher Länder angelegt, vor allem in amerikanischen Dollars. Allein durch die extremen Dollarschwankungen und dessen Inflation, haben die Reserven dieser Länder in 20 Jahren fast die Hälfte ihres Wertes verloren.
Das Zahlungsmittel das vom Islam festgelegt wurde, ist Gold, der islamische Dinar (= 4,25 Gramm) und Silber, der islamische Dirham (= 2,975 Gramm). Sollten Papierscheine ausgegeben werden, so müssen diese zu 100% von Gold bzw. von Silber gedeckt sein! Jede andere Währungspolitik ist haram. Allah (t.) hat im Qur’an befohlen 26/181-183: „Gebt volles Mass, bringt niemanden zu Schaden und zwackt den Leuten nicht ab, was ihnen gehört, und treibt nicht im Land euer Unwesen!“
Solche Probleme also, die durch die kapitalistische Währungspolitik entstehen, gibt es im Islam keine.
3. Das Sozialversicherungsystem:
Das System der Sozialversicherungsanstalten, dessen man sich im westlichen Europa so sehr rühmt, weist bei näherer Betrachtung ebenfalls fundamentale Mängel auf. So kann in diesem System nicht der Staatsbürger, sondern nur der Versicherte die Leistung beziehen. D.h. man muss als Versicherter in der jeweiligen Anstalt eingetragen sein, um medizinisch versorgt zu werden, andernfalls muss man die Leistung selbst bezahlen. Aus diesem Grundgedanken heraus ist ein riesiger bürokratischer Apparat entstanden, der nur die Aufgabe hat Nummern zu verteilen, bzw. nachzufolgen, Gelder zwischen den einzelnen Anstalten zu verschieben und Bilanzen für die Ein- und Ausgaben der Versicherung zu erstellen. Allein in Österreich sind mindestens 15’000 Personen in diesen Anstalten beschäftigt. Ein Arbeitspotential, das nur gewaltige Kosten verursacht, für die Volkswirtschaft im Grunde aber unproduktiv ist.
Ausserdem wurden, im Sinne einer unabhängig agierenden Dienstleistungsanstalt, Beiträge eingehoben, egal ob das Geld benötigt wurde oder nicht. In den satten 70er Jahren, zu Zeiten der Vollbeschäftigung und geringen Pensionsaufwendungen, wusste man nicht wohin mit dem Geld und verschleuderte es im Bau von Glaspalästen und der Verteilung von Supergagen, heute versucht man durch überhöhte Beitragszahlungen und zusätzlichen Belastungen für die Bevölkerung den Ausgleich zu schaffen.
Im Islam ergibt sich für uns ein vollständig anderes Bild. Der Staat im Islam ist nicht nur Wächter von Freiheiten, sondern Hüter und Betreuer aller Staatsbürger, egal welcher Konfession sie angehören. Er ist für sie verantwortlich; so sagt der Prophet (a.s): Der Imam ist ein Hüter, und er ist für das Wohl seiner Herde verantwortlich!“ Weiter sagt er: „Wer geschützt in seiner Umhausung übernachtet, in seinem Körper gesund ist und seine Tagesnahrung hat, dem ist als ob ihm die Erde zu Füssen liegt!“ Mit diesem Hadith hat der Prophet festgelegt, dass auch die medizinische Versorgung zu den Grundbedürfnissen des Menschen zählt, für die der Staat aufkommen muss. Auch hat der Prophet gesagt: „Wer einen Bedürftigen hinterlässt, so sind wir (d.h. der Prophet in seiner Funktion als Staatsoberhaupt) für ihn zuständig, und wer ein Vermögen hinterlässt, so gehört es seinen Erben!“ Und berühmt ist der Ausspruch des Kalifen Omar als er sagte: „Bei Allah wenn eine Ziege am Ufer des Euphrat stolpert, so fürchte ich, dass Allah mich zur Rechenschaft zieht, warum ich ihr nicht den Weg geebnet habe?!“
Aus diesen Ausführungen und vielen anderen erkennt man, dass der Staat für die Anliegen der Bürger, darunter fällt auch die Gewährleistung der medizinischen Versorgung, verantwortlich ist. Deshalb stellt der Staat all seinen Bürgern eine medizinische Versorgung zur Verfügung, mit einem blossen Personalausweis kann der Bürger das staatliche Krankenhaus betreten und die Leistung entgegennehmen. Der gewaltige bürokratische Aufwand an Versicherungspapieren und -nummern bleibt uns damit erspart! Somit ein weitaus effizienteres System, dass das gewaltige Arbeitspotential der Volkswirtschaft erhält.
4. Konzernunternehmen:
Ein Vorwurf, der uns Muslimen des öfteren vor allem von Wirtschaftsleuten gemacht wird ist jener, dass es im islamischen Wirtschaftssystem nicht möglich ist, grosse Geldmittel aufzubringen um grosse Projekte zu realisieren und dass hierfür westliche Konzernstrukturen notwendig sind. Obwohl es unwahr ist zu behaupten, da im Islam die Aufstellung grosser Geldmittel unmöglich ist beschränke ich mich an dieser Stelle darauf festzustellen und zu beweisen, dass das Konzerndenken fehlerhaft und sogar hier im Westen bereits überholt ist. So wird heute allerorts beklagt, dass grosse Konzerne starre Strukturen aufweisen, unflexibel sind und aufgeblasen. Auch bei „unabhängigen“ Tochtergesellschaften ist die Konzernmentalität vorhanden. Man denke nur an die riesigen Pleiten und Probleme der Deutschen Konzerne wie AEG, Deutsche Babcock AG und auch Bereiche des Daimler Benz Konzerns. Heute erkennt man, dass mehrere kleine unabhängige Einheiten viel effizienter und dynamischer agieren können, v.a. in High-Tech-Zeiten als grosse Konzerne. Als Beispiel sei hier eine Industrieansiedelung in der Steiermark (Österreich) angeführt, an der viele kleine und unabhängige Unternehmen sich ergänzend spezialisiert haben und in Summe eine Gesamtproduktion ergeben. Eine äusserst effizient und ertragreich arbeitende Industriestruktur im Anlagenbau, die immer mehr an Bedeutung und wirtschaftlichem Gewicht gewinnt. Für solche kleinere Einheiten ist das islamische Rechtssystem massgeschneidert.
Ausserdem entstehen durch Konzernkonzentrationen bzw.- fusionierungen negative marktbeherrschende Monopole, die durch die islamische Gesetzgebung unmöglich gemacht werden!
5. Umweltschutz:
Allah (t.) sagt 30/41: „Unheil ist auf dem Festland und auf dem Meer sichtbar geworden, mit dem was die Hände der Menschen gewannen. Allah wollte sie dadurch etwas spüren lassen von dem was sie getan hatten, auf da sie sich vielleicht bekehren würden!“
Es wird heute viel über Umweltschutz gesprochen aber wenig getan! Der Grund warum effektive Massnahmen für den Umweltschutz verhindert werden ist der alles beherrschende Gedanke nach kurzzeitigem Profit. Weil der Profit im kapitalistischen System das Mass aller Dinge ist, werden alle anderen Massstäbe diesem untergeordnet. Da wiederum im Kapitalismus die Konzerne und Industriellen gewaltigen Einfluss auf die Politik haben, werden somit dringende umweltpolitische Massnahmen zunichte gemacht.
Im Islam ist der Profit keineswegs das Mass aller Dinge, entscheidend ist für uns halal (erlaubt) und haram (verboten), egal ob dies für uns materiellen Profit bringt oder nicht. Ausserdem hat im islamischen System die Wirtschaft keine Macht über die Politik, da die wirtschaftlichen und politischen Strukturen im islamischen Staat anders als im Kapitalismus vollständig getrennt sind und bereits die Möglichkeit der Einflussnahme der Wirtschaft auf die Politik unterbunden wird. So gesehen ist es nicht anmassend zu behaupten, dass der Islam, als umfassende Lebensweise, den wahren Umweltschutz realisieren kann!
Obwohl es noch viele Themen gibt, die Zeugnis von der Fehlerhaftigkeit des kapitalistischen Systems abgeben, wie die Art der Entscheidungsfindung in westlichen Staaten, oder das System der Legislaturperioden, wo Politiker aus Angst vor unpopulären Massnahmen, die den Wahlerfolg kosten könnten, schwerwiegende Probleme einfach vor sich her schieben, möchte ich mich mit diesen beispielhaften Ausführungen, die als Denkanstösse zu verstehen sind, begnügen und die Suche nach sich daraus ergebenden Erkenntnissen dem Zuhörer überlassen.
Schluss:
Uns Muslimen muss klar sein und auch den Nichtmuslimen muss klar gemacht werden, dass nicht das Christentum und nicht die im Westen lebenden Menschen unsere Feinde sind, sondern der [b]Kapitalismus. Denn der Kapitalismus hat viel Unheil über die Menschheit gebracht; man denke nur an die unzähligen Kriege, die schreckliche Not, das unbeschreibliche Elend, das vielerorts vorhanden ist . In unserer High-Tech-Zeit, in der die gewaltigen technischen Errungenschaften eigentlich dem Wohle der Menschen dienen sollten, in der jedoch der Kapitalismus zur alles beherrschenden Weltordnung aufgestiegen ist, schlittert die Menschheit in immer grössere Probleme. Da sich der Islam nie mit Teillösungen zufrieden gibt, das Übel stets an der Wurzel packt, muss der Kapitalismus als Ideologie und Lebensanschauung erbarmungslos an den Pranger gestellt werden. Ebenso muss den Menschen hier im Westen klargemacht werden, dass der Kapitalismus auch ihr Feind ist. Gleichzeitig muss man ihnen den Islam als ernsthafte Alternative anbieten. Dabei muss stets betont werden, dass das islamische System besser ist, weil es göttlich offenbart und nicht von irrbaren Menschen erdacht wurde, denn:
„Es ist schon schlimm genug, wenn Menschen sich an bestimmte Regeln halten sollen, noch schlimmer ist es aber, wenn Menschen diese Regeln selber schaffen!“
Ein sehr empfehlenswerter Vortrag, den ich gegebenfalls auch als Audio habe. Bei Interesse bitte melden.
Wassalamu Alaikum,
Zamzam
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Den Alltag heiligen - gepostet von Thomas am Sonntag 05.12.2004
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