Der Platz des Schutzes

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    Re: Der Platz des Schutzes

    kiamara - 24.07.2007, 15:49

    Der Platz des Schutzes
    Hier in kleinen Hütten, oberhalb der Baumkronen, wachen die Grenzwachen, die die Alben stellen.
    Dies sind ausgebildete 'Soldaten' die unter Maja, der Prinzessin dienen.
    Einige von ihnen sind einfache Palastwachen, die den Schutz der Königin direkt garantieren, andere arbeiten als Soldaten im Auftrag der Prinzessin überall dort, wo sie gebraucht werden und dann gibt es die Grenzwachen.
    zwei Greznwachenposten schützen den magischen Wald vor Besuchern oder die Besucher vor dem Wald. Denn ein unwillkommenes Eindringen kann tödliche enden.
    Einer befindet sich in der Nähe von Unaxius und dem Korempass, der andere hier an der Grenze zur Wüste Shielak.
    Die Grenzwachen überwachen auch den Handel mit den Shie, wenn man sich hier dafür trifft.
    Die Wachen leben zwar auch in Eriel, jedoch nur dann, wenn sie nicht einteilt sind gerade die Grenze zu bewachen.
    Dies richtet sich nach Wochen.
    Jede Grenzwache übernimmt den Dienst für zwei Wochen, um dann zwei Wochen zurückzukehren ...usw.



    Re: Der Platz des Schutzes

    Elira - 10.07.2008, 17:42

    Elira, Jalil, Nara, Deril, Balir und Lerkos / vorher: Maja
    Es war der der 29te Tag im Zyklus Cryssir und nun schon vier Mondwechsel her, dass die Dryadenzwillinge Braidir und Braidy Maeve von ihrer Pflicht, über das Wetter in Kiamara zu wachen, abgelöst hatten. Trotzdem ließen sich die Dryaden, die als junge unschuldige Mädchen erschienen, obgleich sie so alt wie die Welt selbst waren, Zeit damit den von Airik gefrorenen Erdboden aufzuwärmen, so dass endlich wieder Gras und Blumen trieben und alles in ein etwas schöneres Bild tauchen würden. Zwar konnte man sich in der Tiefe des magischen Waldes nicht über zu wenig Grün beklagen, aber Elira, der der Anblick des Waldes so vertraut wie jedem anderen Alb war, vermisste jene Blumen und Sträucher, die ganz typisch für Cryssir waren. Zwar war ihr Zyklen wie Arik oder Sum lieber als Fisla, indem Rikla mit heißen Nächten und noch heißeren Tagen die Welt zum Stillstand beschwor, aber des bedeutete nicht, dass sie es nicht mochte, wenn Cryssir die Natur zum Leben erwachte. Wie alle Alben hatte auch die in Majas Truppe kämpfende Albe eine enge Verbindung zur Natur. Sie mochte alles was blüht, alles das Leben birgt und erschafft. Nur mit den Naturgeistern, mit ihnen hielt sie es nicht unbedingt. Sie waren ihr in ihrer unnahbaren Allmächtigkeit unheimlich. Sie lebten ewig und ihre Seelen trieben im Gleichklang mit Kiamara selbst, aber trotz ihrer Macht ewig fortzubestehen waren sie verdammt dazu nicht eingreifen zu können und das Schicksal der Welt zu lenken. Es war ihnen, wie allen Wesen dieser Welt möglich in menschlicher Gestalt zu erscheinen, aber sie durften doch nicht mehr als zusehen und mussten Zuschauer bleiben. Etwas, dass sich Elira für sich so gar nicht vorstellen konnte.
    „Elira, Nevren, Jalil. Ihr seid da.“
    Elira senkte den Blick aus den träumerischen Wolken und richtete ihn auf die silberweiße Treppe, die zum Palast führte. Er glitzerte und strahlte in solch blendender Schönheit, dass die Sonne, die heute alles zum Glitzern brachte, neben dem hellen Licht des Mondpalastes verblasste. Maja, Truppenführerin, und Eblin, ihr treuer Berater und Freund, kamen zu ihnen. Sie waren im Palast gewesen, um die Königin davon zu unterrichten, dass alle Vorbereitungen getroffen waren. Ihre Schwester, Kaleel, Imrir und die beiden Alben Yorik und Likir waren noch im Norden. Sie kundschafteten mit weiteren fünf Mitgliedern der königlichen Truppen die Grenze zum Eisreich aus, um die Gerüchte zu überprüfen, deren Dichte kaum mehr zu leugnen war. Für den Fall, dass sich Aramandis Rückkehr bestätigte – was fast alle in ihrer Truppe glaubten, sie eingeschlossen – war es notwendig, dass sie Informationen über seine Stärke und sein mögliches Vorgehen gewannen. Kaleel, Lilian und die anderen Alben, die Maja geschickt hatte dies herauszufinden, waren genau die Richtigen dafür. Sie verstanden sich aufs spionieren, aufs sammeln von Informationen ohne aufzufallen.
    Elira fühlte keine Furcht ihre Schwester so nah am Feind zu wissen. Sie beide hatten sich – der Gefahr bewusst – für den Dienst in Prinzessin Liras Truppen entschieden und keiner von ihnen beiden hatte es seit jeher bereut. Sie mochten unterschiedlich sein und ihrem unterschiedlichen Wesen auch unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, aber das hatte nie bedeutet, dass Elira sich ihrer Schwester überlegen fühlte, oder gar glaubte sie wäre nicht in der Lage ihr Leben geschickt und mit Effekt zu schützen. Vielleicht kannte ihre Schwester das Wort Furcht und das Gefühl der Angst mehr, als es Elira eigen war, die mit solchen Gefühlen nur wenig verband, aber das machte sie nicht zu einer weniger mutigen Kämpferin. Sie alle hatten eine mehr als gute Ausbildung genossen und wussten um das was es galt zu beschützen. Nicht weniger als das Leben der Prinzessin und damit das ganz Kiamaras.
    „Ich habe unser Eintreffen der Prinzessin berichtet. Ivabelle, Jenks, Sesaya und die Berater sind bereits eingetroffen.“ , erklärte Maja weiter, während Eblin sich zu ihnen gesellte und die Nähe seiner Gefährtin suchte. Elira hatte nie ein Problem darin gesehen, dass Nevren und Eblin in ihrer Truppe Seite an Seite kämpften und doch in ihrer Herzen durch Liebe verbunden waren. Eblin und Maja teilten etwas, das Elira sicher mit ihrer Schwester oder guten Freunden, wie Nevren und Jalil teilte, aber jene Seelenverbundenheit, die bis in den Tod der Alben, der die meisten von ihnen erst spät ereilen würde, sollte Aramandis dies nicht zu verhindern wissen, war keinen von ihnen bisher vergönnt. Elira neidete es beiden dennoch nicht. Manchmal war es nahezu schön mit anzusehen, wie sie einander kleine Aufmerksamkeiten entgegenbrachten und sich umeinander sorgten. Es bedeutete nicht, dass beide nicht genauso aufopferungsvoll für das Leben anderer Truppenmitglieder kämpften und sorgten, wie alle. Es war ihre größte Stärke, der Zusammenhalt und das Wissen darum, dass sie nur in diesem etwas hatten, das Armandis gegenüber ein Vorteil sein konnte.
    „Folgende Aufgaben stehen an, damit die Ratsversammlung geplant stattfinden kann.“ , kündigte Maja an und Eliras Blick legte sich abwartend auf die Anführerin.
    „Wir werden den den Vertreter Gai, den Kanzler der Thalin und die Vertreter der Shies an den Grenzen abpassen, um sie im Geheimen herzuführen. Keiner darf den Weg sehen, denn es ist unsere Pflicht jenen nicht über die Grenzen des Waldes bekannt werden zu lassen. Denn der Wald schützt seine Geheimnisse selbst, solange sie ihn nicht verlassen.“
    Alle wussten sie davon und es gebe niemand, der dieses Gesetz anzweifelte. In jeder Ratsversammlung – und dies war nicht die Erste – wurde es auf jene Weise gemacht. Das Volk der Hewendi hatte nie ein Platz im Rat gehabt und Kor, Anführer der in Kiamara verbliebenen Drachenreiter, würde seinen Platz – wie je- nicht wahrnehmen. Also waren die einzigen Vertreter, die es abzuholen galt, jene der Rigoros, mit Namen Gai. Er war ein junger Vertreter seines Volkes und wurde von dem älteren Rai begleitet. Die Thalin schickten ihren anerkannten Kanzler und den Herrscher über Thul, der von seinem Truppenführer und Berater begleitet würde. Und dann würde noch der König des Wüstenvolks erwartet. Auch er kam nie allein.
    „Eblin und Nevren? Ihr werdet Gai und Rai iN Empfang nehmen. Sie sollten an der Grenze des Waldes warten. Ich gehe Kanzler Moron entgegen und hole in mit der Kutsche vom Korempass ab.“
    Das war vernünftig. Die Grenze des Waldes lag näher. Vom Pass her war es noch ein Stück des Weges und die Versammlung sollte in zwei Stunden beginnen. Aber mithilfe der Laos, die die königliche Kutsche zogen, würde das zu schaffen sein, denn die Wesen die keine Müdigkeit oder Erschöpfung empfanden, war man schnell am Ziel. Maja sah zu ihr und Jalil.
    „Ihr geht König Balir abholen und seine Leute. Vergesst nicht die Tücher, um unseren Gästen die Augen zu verbinden.“
    Alle nickten sie, ohne zu kontrollieren, dass sie jene bei sich trugen. Sie waren auch ohne vorherige Anweisungen auf die Befehle Majas vorbereitet gewesen. „Deril und Nara erwarten euch an der Grenze zu Shielak. Denkt daran, auch wenn dies ein Volk des Stolz und des Kampfes ist, so ist dies eine friedliche Versammlung. Die Vertreter des Rates sind mit Respekt und Höflichkeit zu behandeln.“
    Elira nahm es Maja nicht übel, dass diese das extra noch einmal betonte. Sowohl sie als auch Jalil waren in ihrem Gemüt sehr aufbrausend und forsch. Leicht zu provozieren und der Umgang mit den Shie war den Alben nicht immer ein leichter. Was daran lag, dass die Tradition und Lebensweise der Shie vielleicht am wenigsten der der Alben glich. Aber beide waren sie stolz auf ihre Art zu leben und da konnte es geschehen, dass Höflichkeiten schon einmal verloren gingen. Respekt jedoch nie. Als Beschützer der Prinzessin hatten sie eine Pflicht gegenüber Kiamara und diese ließ sie nicht vergessen, dass jedes Volk ein Teil der Welt war, die die Prinzessin bewahrte. Ein jeder hatte Recht auf Leben und seinen eigenen Weg zu wählen.
    Nickend erklärten sie sich einverstanden mit den Aufgaben, die verteilt worden waren, dann verabschiedete man sich und eilte sich, die Ratsmitglieder zu begrüßen.
    Weder sie noch Jalil fragten sich, weshalb Maja es vorzog den Kanzler abzuholen. Jeder wusste, dass die Anführerin dem Reich Thul nicht wohl gesonnen war. Sie verspürte keine Abneigung, denn diese Art Gefühl war in jener Form den Alben fremd. Aber sie kam regelmäßig – gerade mit Calem, dem Berater des Kanzlers – wieder mit Thalin ins Gespräch und am Ende in Streitigkeiten. Aber es war nicht an ihr oder Jalil nach den Gründen zu fragen, oder die Entscheidungen zu bezweifeln. Maja wusste sicher was sie tat, daran gab es nichts zu bezweifeln.
    Elira widmete sich eher ihrer Aufgabe und grüßte sowohl Deril, den sie aus der Ausbildung und dem Training kannten, als auch Nara. Die aufgeweckte Albe unterhielt sich scherzend mit Deril. Sie beide hatten heute Dienst an der grenze, die nach dem Eintreffen der Shie ruhig bleiben sollte. Aber das musste es nicht. Wenn herausgekommen war, dass der Rat heute tagte und worum es in der Versammlung ging, konnten sie nicht sicher sein, dass Aramandis nicht einen Vorstoß wagte. Auch wenn keiner hier glaubte, dass er schon so weit genesen und vorbereitet war.
    „Da kommen sie.“ , rief Nara aus. Die Grenzwache deutete auf einen entfernten Punkt. Sie alle hatten eine hervorragende Sehkraft und doch musste Elira immer wieder zugeben, dass jene der Grenzwachen noch besser war. Es war ihre größte Waffe, die Gefahr frühzeitig zu erkennen, weswegen sie darauf trainiert waren diese schon in unglaublicher Entfernung zu sichten. Bei den Eingetroffenen handelte es sich nicht um eine wirkliche Gefahr. Trotzdem war die Begrüßung durchaus angespannt.
    Elira verbeugte sich höflich vor Balir und den älteren Mann, der ihn begleitete. Sie verzog jedoch kurz missmutig das Gesicht. Sie konnte weder verstehen wie man in der Wüste leben konnte, noch wie man diese zu Fuß durchqueren konnte. Die Shies waren gute Läufer und das war überall bekannt, dennoch war es für Elira, die wenige Dinge nicht mochte, aber Blasen unter den Füßen und Hitze gehörten dazu, nicht zu verstehen. Dieses Wüstenvolk.
    Jalil näherte sich dem älteren Mann, also übernahm sie den König, während Deril und Nara weiter die Wüste beobachten. Es war nicht auszuschließen, dass eines der Wüstenmonster sie zu überraschen versuchte. Sie taten das hin und wieder, ganz zu Derils Gefallen, der sich gerne mit ihnen maß.
    „Schließt eure Augen bitte.“ , wies sie den König mit dunkler, ruhiger Stimme an. „Und senkt euren Kopf. Ich muss euch die Augen verbinden. Aber“ , sie lächelte für einen kurzen Moment und offenbarte ein Flackern in den funkelnden Augen. „das wisst ihr sicherlich.“



    Re: Der Platz des Schutzes

    Balir - 30.07.2008, 17:59


    Im Schatten der großen Halle der Könige entflammte ein hitziges Intermezzo von Stimmen. Der Bote, der aus dem Süden nach Isess gelangt war, kniete vor dem steinernen Thron, den Kopf gesenkt. Er hatte die Nachricht überbracht, eine Ratsversammlung werde einberufen. König Balir wurde zu dieser gebeten, also handelte sich es um eine Entscheidung, die das Schicksal Kiamaras bestimmen würde. Der scheinbare Grund für die Versammlung der Völkervertreter löste das impulsive Gewirr an stimme aus. Die schwarzen Brauen hatte der König der Feuerläufer tief in die Stirn gezogen.
    “Erhebt Euch.“, bat er die Elfe in einem Ton, der einem König gebührte. Seine schwarzen Augen suchten die des schmächtigen Boten. “Ruht Euch aus. Solange Ihr in der Königsstadt seid, seid Ihr mein Gast, Elf.“
    Eine junge Shie in lose fallenden Kleidern bat den Elf, ihr zu folgen und verließ mit ihm gemeinsam die Halle. Das Gerede über die Nachricht von Aramandis Rückkehr war verstummt, sobald Balir das Wort ergriffen hatte. Die Anwesenden warteten auf die Worte, die er an sein Volk richtete. Aber Balir schwieg ungewöhnlich lange. Das Kinn in die Hand gestützt überlegte er sichtlich. Dann winkte er einen jungen Diener herbei, der zum Zeichen seiner Unerfahrenheit nur eine Hose aus grobem trug. Seine Haare waren abrasiert, wodurch die kindlichen Augen betont wurden.
    “ Hole den Propheten Luceos.“ Sobald der Junge genickt hatte, drehte Balir sich wieder zu den versammelten Shie in der Halle. Sein Blick streifte Chiara. Völlig in weiß gewandet, saß sie auf einer Bank neben Urios, dem Volkshelden. Kein anderer Mann zu dieser Zeit hatte mehr Beinamen, Verdienste und Titel. Selbst Balir nicht. Doch dem Helden von Isess lag jegliche Politik fern. In den Augen von der Farbe Himmels über Shielak loderte nur das Feuer für Tugenden der Shie und die Frau an seiner Seite. Gegen viele hatte Urios sie schon verteidigt und selten zweifelt ein Anderer dieses Vorrecht des Helden mit den sonnengebleichten, blonden Haaren an. Chiara war die Traumseherin der Shie und der König bediente sich ihrer Visionen und Weissagungen.
    Marcos, der Kriegsherr erhob sich von seinem Stuhl, nahe seinem Freund Urios. Er bat um das Recht, sprechen zu dürfen, welches Balir ihm gewährte. Dann trat er vor, das Ende des blutroten Umhangs in einer Geste des Anstandes über den linken Arme gelegt. Marcos scharfsinniger Blick wich Balir nicht aus,. Mit ruhiger Stimme erklärte er, was wohl zu tun wäre.
    Jedem Anwesenden stand das recht zu, den König zu beratschlagen.
    “Geht Ihr, mein Herr, so werden wir Euch folgen.“ Mit diesem Bekenntnis, neigte Marcos den Kopf. Er war zum Sprecher derer Berufen worden, die sich in nichts anderem verdientem, als dem Kriegshandwerk. Balir erwiderte die Geste dankbar.

    Die Sonne war weit gewandert, als Balir erneut das Wort ergriff.
    “Es ist von zwingender Notwendigkeit, bei der Ratsversammlung anwesend zu sein.“, manifestierte Balir weisend. “Um für die Belange der Unsrigen zu sprechen, werde ich diese Reise unternehmen. Lerkos, mein alter Freund und Berater wird mich begleiten.“ So hatte der König entschieden. Er kreuzte einen Blick mit Luceos, dem Propheten und fügte an, dass Lerkos als Einziger nicht als Beeinträchtigung von Balirs Prüfung gelten würde. Luceos nickte ergeben, nachdem er zuvor diese Botschaft nicht als einen Trick des Bösen, sondern jene Prüfung vorhergesehen hatte. Als Prophet der Shie war er mehr als nur ein Medium, dass weissagte. Von dem Propheten sagte man, er sei die Verbindung zur Wüste und wusste als Einziger die Zeichen der Wüste auch in die Zukunft zu deuten. Viele Entscheidungen in der Kultur des Volkes mussten von Luceos mitgetragen werden. Und selbst der König war seinem Wort Respekt verpflichtet, wenn auch nicht in Handlung, so doch in der Anhörung dieser.
    Balir erhob sich aus seinem Thron. Der lange, weißgraue Umhang, dessen Ende von seiner Schwester respektvoll über einer Armlehne gelegt worden war fiel auf den hellen Steinboden. Zwei junge Dienerinnen kamen herbei, rafften den schweren Stoff und reichten ihn unter Kraftanstrengung Balir. Der schien ihn mit Leichtigkeit über die Schulter zu werfen.
    “Lasst uns nun endlich Essen.“
    ….
    Beide Männer vom Volk der Feuerläufer trugen blutrote Umhänge und jene mit Gold plattierte Rüstung an Schienbeinen und Unterarmen, die sie schon von weitem als Shie auswiesen. Den Speer in der Rechten, das Schwert an der linken Körperseite geschnallt, waren sie durch endlose Wüste unter sengender Sonne gelaufen. Mit dem Orientierungssinn der Shie und deren Ausdauer aber kamen ihnen die Strapazen nicht als solche vor. Lerkos, der ältere Berater, den Balir lediglich auf diese Reise mitgenommen hatte, folgte dem König. Abrupt blieb er stehen und trat neben seinen König, der auch inne gehalten hatte. Er deutete mit einem Nicken in südliche Richtung auf einen in der brennenden Sonne Shielaks schwarzgrünen Streifen am Horizont.
    “Bald haben wir es erreicht, mein Freund.“ Lerkos, dessen teils ergrautes Haar von der Weisheit und Erfahrung zeugte, die er gemacht hatte, stimmte Balir zu.
    “Der Weg scheint friedlich.“, fügte er an. Balir verzog das Gesicht verstimmt.
    “Das bereitet mir Sorge.“, deutete er kurz an, ohne allzu nachdenklich zu werden. Es blieb nicht mehr viel Zeit für die Wüste, ihn zu proben, um seine rechtmäßige Herrschaft zu sichern. Die Dryaden hatten seit vier Sonnenwechseln die Plätze getauscht. Aber Balir blieb zuversichtlich.
    “Gehen wir weiter.“ Balir zog den Speer, an den er sich gestützt hatte, aus dem Sand.
    “Recht so.“
    Die beiden Shie legten auch den Rest des Weges in ihnen eigener Geschwindigkeit zurück. Als sie die Grenze zum Magischen Wald erreichten, begrüßten sie zwei Wachposten, von denen Balir wusste, sie bräuchten nur ein Blinzeln abzuwarten, um ihre Bögen zu ziehen und sie auf Lerkos und ihn zu richten. Doch diese Reise war in keiner Weise feindselig. Auch Lerkos wusste das. Er war besonnener als die Jüngeren, von dene er die Bitte Xerkses abgewiesen hatte, ebenfalls mitzukommen.
    Neben den beiden Grenzposten, gaben sich auch zwei Kampfalben zu erkennen. Der eine von ihnen hatte schwarz gelocktes Haar und einen recht scharfen Blick, die andere Albe war von schlanker Gestalt. Ihr Haar funkelte in der Sonne in dem Ton Baumrinde. Ebenso unstet waren ihre dunklen Augen.
    Das war also ihr Geleit.
    Balir nahm den höflichen Gruß der beiden Alben, die der ihm bekannten Albe Maja unterstellt waren, entgegen.
    Dann ließ er sich von Lerkos vorstellen und nannte auch den Namen und Status seines Begleiters. Er erwartete die Zeremonie, die jedem Fremden zu Teil wurde, der die magischen Wälder bereisen wollte.
    „Schließt eure Augen bitte.“ Er warf Lerkos einen wissenden Blick zu, lächelte bestätigt. Denn Lerkos hatte mit ihm um ein Fass nero (so nennen die Shie ein Getränk aus vergorenen Kiess-Früchten von trüb gelber Konsistent und hohem Alkoholgehalt) gewettet, dass solche Respektlosigkeit gegenüber einem König nicht vollzogen würde.
    „Und senkt euren Kopf. Ich muss euch die Augen verbinden. Aber“ , wies die Albe ihn an und schloss in diese auch die Anweisung für Lerkos ein. Sie besaß eine dunkle Stimme, die für Alben ungewöhnlich war. Dennoch unterschied sie sich von den rau dunklen Stimmen der Shie in einer Zerbrechlichkeit, die auch ihre Gestalt widerspiegelte. Balir fügte sich der Bitte mit kräuselnden Lippen und flackerndem Blick, ihr Lächeln erwidernd. Er sah die Albe für einen Moment durchdringend in ihre unergründlichen geheimnisvollen Augen, dann schloss er die seinen und neigte den Kopf leicht.
    „das wisst ihr sicherlich.“
    Sein Lächeln wurde offensichtlicher. Er strengte sich nicht an, zu erahnen in welche Richtung er sprechen müsste. Sobald sie seine Augen verbunden hatte, hob er sein Kinn soweit, dass es geradeaus wies. Mit ruhiger und kehlig rauer Stimme erwiderte er den freundlichen Empfang mit Dank.
    “Nun, es ist einige Dryadenwechsel, seit ich die Gastfreundschaft der Alben in Anspruch habe nehmen können.“ Er reichte mit einem Lächeln auf seinen ausgeprägten Lippen den Speer dem Alben entgegen, der ihn verlangt hatte und schnallte danach das Schwert von seinen Hüften. “Es beruhigt mich, dass sich an dieser seither nichts geändert hat. Es werden Freunde wie Feinde gleichermaßen behandelt.“
    Er vernahm das verhalten verächtliche Lachen von Lerkos, der ihm damit zustimmte. Sie liefen einige Schritte schweigend. Balir hatte die Erfahrung gemacht, der magische Wald würde sie so führen, dass sie auch mit verbundenen Augen ihr Ziel ohne zu stolpern oder vom Weg abzukommen, erreichen würden. Er wollte dem Grund für die Eskorte herausfinden und sprach dafür die weibliche Albe an, die ihm die Augen verbunden hatte. Er wusste nicht, wo sie war... ob sie neben ihm oder vor ihm ging. Also wante er seinen Kopf zur linken Seite, wie er es als König gewohnt war, mit Begleitern zu sprechen, die stets links und versetzt ihrem König folgten.
    “Wie lang werdet Ihr uns führen, Albe?“



    Re: Der Platz des Schutzes

    Elira - 04.09.2008, 13:51


    “Nun, es ist einige Dryadenwechsel, seit ich die Gastfreundschaft der Alben in Anspruch habe nehmen können.“ , erklärte ihr der König daraufhin ruhig. Obwohl seine Stimme etwas Raues anhaftete, schien er es freundlich zu meinen. Es lag jedenfalls keine Zweideutigkeit in dem Wort Gastfreundschaft, so dass Elira ihm weiter zuhörte, ohne darauf zu reagieren, oder sich durch seine Worte angegriffen zu fühlen. Ob sie dagegen der Wahrheit entsprachen, konnte sie nicht wissen und beurteilen. Sie wusste, dass die Grenzwachen mit den Shie handelten und man sich dazu ab und an hier traf, um die Waren zu tauschen, wann man einander jedoch zum letzten mal zu solch Zweck begegnet war, wusste Elira nicht, deren Aufgaben andere waren.
    Ohne über seine Worte zu urteilen, nahm sie Speer und anschließend das Schwert entgegen, dass er ihr reichte. Auf die Worte, die er derweil weiter sprach, lachte sein Begleiter in eindeutigerer Weise noch, als man die Worte von König Balir verstehen konnte. Elira tauschte einen Blick mit Jalil, der nur die Augen rollte. Sie war froh, dass er nicht zu einer Gegenantwort angesetzt hatte, die wohl weitaus scharfzüngiger ausgefallen wäre, so wie es Jalils Art war.
    Elira selber versuchte Balir selbst einzuschätzen. Wie mochte der König der Shie seine Aussagen gemeint haben? Lag mehr Eindeutigkeit in seinen Worten, als sie alle glaubten? Und in welche Richtung schlug diese dann?
    Wie immer die Antworten aussahen, es war nicht ihre Aufgabe über die Anweisungen zu urteilen, die seit Beginn der Zeit vorherrschten und für jedes Volk gleich waren. Jeder musste seine Waffen abgeben, als Zeichen der Friedfertigkeit. Und das nicht einmal, weil die Alben es so wollten. Elira glaubte daran das Jalil und sie die beiden Männer in einem fairen Kampf schlagen konnten, wenn sie es drauf ankommen ließen. Der Grund für die Abgabe der Waffen lag im Wald selbst begründet. Er ertrug keine Gewalt. Noch weniger seit der dunklen Zeit der Kriege, die die Natur in Mitleidenschaft gezogen hatte. Der magische Wald war von allen Orten Kiamaras am stärksten mit Lira verbunden und somit litt er ebenso stark unter Gewalt und dunklen Mächten, wie es die Prinzessin selbst tat.
    Und wir müssen verhindern, dass sich wiederholt, was hätte niemals geschehen dürfen! , dachte Elira entschlossen, als sie den Weg anführte, dabei linker Hand des Königs schritt. Sie mussten verhindern, dass Prinzessin Lira das gleiche Ende nahm wie ihre Eltern. Es würde das Ende ihrer Welt bedeuten, egal welchem Volk man angehörte. Deswegen hatte sie eine Versammlung einberufen, um alle daran zu erinnern, dass sie das gleiche Ziel verfolgten.
    Maja hatte es ihnen deutlich gemacht und immer wieder eingeschärft. Elira hatte es sich gut eingeprägt und hielt sich zum Zeichen der Versammlung und des Friedens wegen an die Regeln, die Maja ihr noch einmal erklärt hatte. Man schritt immer linker Hand des Königs der Wüste, denn so war er es gewohnt mit Untertanen zu sprechen. Sie war zwar nicht seine Untergebene, aber sie bewies ihren guten Willen und die Kraft sich zu beherrschen. Und gerade für sie und Jalil war das eine durchaus schwere Prüfung.
    “Wie lang werdet Ihr uns führen, Albe?“
    Elira sah nicht überrascht zu ihm herüber, aber sie musterte ihn eindringlich, als könnte sie seine Augen selbst durch das verbundene Tuch hindurch ausmachen. Sie erinnerte sich deutlich an die ungewöhnliche Farbe, die der Rinde uralter Bäume im Herzen des magischen Waldes entsprach, dort wo auch Elira und ihre Schwester geboren wurden. Sie hätte erwartet in seinen Augen den Hauch Rot zu finden, den sie als Albe mit den Shies verband, aber nichts davon hatte sich gefunden. Trotzdem besaßen sie einen Glanz, der seine Augen anders wirken ließ, als die ihren, die ebenso braun waren.
    Sie näherte sich Balir, der sich instinktiv nach links gewandt hatte, und hielt ihn am Arm, damit er stehen blieb. Seine Haut war warm, obwohl die Wälder seit Tagen einen kühlen Wind beheimateten. Sie hätte erwartet, dass sich dies auf ihn auswirkte, aber scheinbar behielt er ein Teil der Hitze seiner Heimat in sich, wenn er diese verließ.
    Als hätte er ihr Vorhaben geahnt, neigte er den Kopf ihr entgegen. Aber anstatt ihm das Tuch abzunehmen, näherte sich Elira seinem Ohr und flüsterte: „Ich könnte Euch noch viel länger herumführen und viel mehr zeigen, Balir.“
    Den eher formlosen, persönlichen Schluss, der seiner Majestät wohl unwürdig wäre, lockerte Elira dadurch auf, dass sie sein Band abnahm und ihm zulächelte.
    „Aber wir sind angekommen.“
    Elira trat zur Seite und gab den Blick auf den Palast der Prinzessin frei. Ohne es zu bemerken, leuchteten ihre Augen, so wie sie es immer bei dem Anblick taten. Das war das Herz Kiamaras und das galt es zu beschützen, um jeden Preis.
    „Ich muss nun gehen.“ Sie deutete auf die Palastwachen, die sich näherten. „Man wird Euch in den Saal begleiten.“
    Elira reichte ihm seine Waffen, die er im Palast erneut ablegen würde und wartete, dass die Palastwachen sie erreichten und ihn wegführten. Dabei vermied sie es nicht ihn anzusehen, obgleich ihr Verhalten vielleicht weniger eindeutig war, als es zu erwarten gewesen wäre.



    Re: Der Platz des Schutzes

    Balir - 08.05.2011, 12:06


    8) :lol: :lol: :lol: :lol: falscher thread!



    Re: Der Platz des Schutzes

    Elira - 13.06.2011, 14:40


    “Umgehend. Wenn ihr noch etwas zu erledigen habt, erledigt es.“ , lautete Balirs Antwort, so wie sie sie erwartet hatte. Nicht nur, dass sie richtig eingeschätzt hatte, das er sofort und jetzt gleich aufbrechen wollte. Umgehend, wie er es auszudrücken wünschte. In seiner Stimme lag eine gewisse Härte, die sie in ihm vermutet hätte. Er legte keinen besonderen Wert darauf länger als notwendig hier zu sein. Das war nicht weiter schlimm, da sie auch keinen besonderen Wert auf seine Anwesenheit legte. Insofern konnte Elira davon ausgehen, das sie sich verstanden und den Weg bis zu der Grenze schnell hinter sich gebracht haben würden. Umso schneller konnte sie zurück im Lager sein und dem Training beiwohnen. Sie schulte die Kampfalben im Unterricht mit einem Leichtschwert und dem Stab. Sie mochte diese Aufgabe ebenso sehr wie sie sie ernst nahm. Sie konnte sich vorstellen wie Jalil bereits damit anfing seine Gruppe im Umgang mit 2 Kurzschwertern zu trainieren, denn das war sein Schwerpunkt. Er würde sich sicher köstlich vor den anderen darüber amüsieren, dass ihr die Aufgabe zugefallen war Eskorte zu spielen.
    Für einen Moment verzog sie ob dieser Gedanken das Gesicht, dann sah sie wieder zu Balir, suchte dabei seine Augen.
    „Zu warten ist nicht notwendig. Ich bin bereits bereit, aufzubrechen.“
    Maja achtete darauf dass ihre Leute immer und zu jederzeit aufbruchsbereit waren. Es gehörte zur Ausbildung der Kampfalben, dass sie schnell und ohne Verzögerung veränderte Situationen erfassten und sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Elira hatte alles was sie benötigte dabei.
    Sie nickte ihm also zu und drehte sich dann um, den Gang vorausgehend.
    Als sie den Palast über die Treppen die zum imposanten Haupteingang führten, hinunter gegangen waren, blieb Elira stehen. Sie zog aus ihrem Gürtel zwei purpurfarbene Bänder und sah ernst zu den beiden Shie.
    Sie wussten was sie wollte und Elira konnte ihnen ansehen, das sie nicht widersprechen würden, auch wenn sie nicht begeistert waren. Balirs Begleiter noch weniger als dieser selbst, oder zumindest wusste er es besser zu verbergen. Er besaß Selbstdisziplin und ein hohes Maß an Beherrschung, das musste Elira ihm lassen. Vielleicht musste er das als König der Wüste ja.
    Warum immer die einen König brauchte. Es war ne Wüste.
    „Der Weg zurück wird schneller sein.“
    Dass ihnen das nicht die Tatsache erleichterte, dass sie sich hier von ihr die Augen verbinden lassen mussten, war absehbar, aber nicht zu ändern.
    Sobald die beiden bereit waren, brach die Gruppe auf. Elira ging vorweg, aber nur soweit, das die beiden Männer ihr folgen konnten. Dabei stellte sich bald heraus, dass sie ein gutes Gehör hatten und es ihnen nicht schwer fiel, trotz ihren Augenbinden Schritt zu halten. So kamen sie zügig vorwärts, auch deshalb weil Elira nicht viel zu sagen brauchte. Die Männer schwiegen und so tat sie es.
    Als sie in die Nähe des Grenzübergangs kamen, verengten sich Eliras Augen zu aufmerksamen Schlitzen. Es war den Weg über still gewesen, wie es für die Ruhe des magischen Waldes üblich war. Aber das hier war keine Ruhe. Es war Stille. Kein Laut von Vögeln oder anderen Tieren und so strengte sich Elira an, vorauszusehen. Etwas verriet ihr, dass es zu still war und dass kein gutes Zeichen war. Dank der Tatsache, dass sie als Albe in einige Entfernung sehen konnte und außerdem ein gutes Gehör besaß, erkannte sie die Anzeichen von Kampfgeräuschen und Bewegungen schon bevor ein anderer sie bemerkt hätte.
    Noch während sie ihr Schwert zog, forderte sie ihre beiden Begleiter auf, die Augenbinden abzunehmen.
    Da es keine Zeit für Erklärungen gab, schlich Elira weiter vorwärts, allerdings in schnelleren und hastigeren Bewegungen, die dennoch kein Geräusch auf dem Waldboden machten. Als sie in Sichtweite der Grenze waren, konnte sie zunächst nur Niori sehen. Diese lag niedergestreckt auf dem Stück Wiese, das in die Wüste überging. Von Deril war nichts zu sehen. Auch wenn es Elira dazu drängte herauszufinden, ob Niori lebte und wie schwer ihre Verletzungen waren, denn sie konnte eine ordentlich große Blutlache sehen, die im Sand versickerte, blieb sie in dem letzten bisschen Deckung, die sie verborgen hielt. Sie spürte die Anwesenheit der Shie hinter sich. Auch sie schienen angespannt und wie es für diese üblich war, kampfbereit.
    Doch Elira hatte keine Zeit etwas zu sagen, denn plötzlich wirbelte Staub auf, der es schwer machte etwas zu sehen. Doch für einen Moment sah sie etwas Gelbliches und leuchtend braune Augen. Da blitzten Fangzähne auf und etwas das aussah wie Tentakel. Was immer es war, es gehörte nicht in den Wald und auch nicht in die Wüste. Was immer es war, es war schnell und es war gefährlich. Elira erkannte ein blaues Leuchten, das sie als Waffe der Kampfalben ausmachen konnte. Deril war also im Kampf mit diesem Wesen verstrickt. Da sie darum wusste, dass Niori ebenfalls eine herausragende Kämpferin war, konnte Elira einschätzen das dieses Wesen nicht zu unterschätzen war. Bevor sie jedoch eingreifen konnten, stürmten schon die Shie an ihr vorbei und Elira sah ihnen für einen Moment ungläubig hinterher, dann wurde sie aus dem Moment der Starrheit gerissen, als Deril aus dem Staub herausflog und neben Niori zu Fall kam. Sie sah das gelbe eitrige Flüssigkeit aus einer Wunde quoll die ihm den Brustkorb aufgerissen hatte.
    Elira musste nicht länger überlegen. Das hier war Aramandis Werk. Eindeutig.
    Sie lief zu in geduckter Haltung zu ihren beiden Freunden und erkannte, dass beide atmeten. Sie lebten, waren aber nicht ansprechbar. Ihre Verletzungen waren gravierend, wenn auch nicht tödlich und beiden quoll dieselbe Flüssigkeit aus ihren Wunden.
    Elira sah zu der Staubwolke aus der hin und wieder Gebrüll erklang und schüttelte den Kopf. Sie glaubte nicht daran, dass die Shie diesem Wesen allein gewachsen waren. Als sie näher kam, dabei ging sie sehr langsam, fühlte sie die Hitze des Sands unter sich. Elira verzog angewidert das Gesicht.
    In diesem Moment schnellte schneller als sie es sehen konnte einer der Tentakel vor und umschloss ihren rechten Fuß. Elira kam zu Fall und wurde durch den Sand gezogen. Bevor sie jedoch ganz in der Wolke, die einem beinah die Sicht raubte verschwand, hatte sie mit einer Bewegung ihres Schwertarms die Tentakel abgetrennt. Als die Wunde sich begann zu schließen, war jeder Zweifel ausgeschlossen. Hier war Magie am Werk. Dunkle Magie. Aramandis Werk. Was immer er bezwecken wollte, das Wesen musste vernichtet werden. Elira riss an einem der Bänder, die sie um ihren Gürtel trug und band sich dieses über den Mund, so fiel das atmen einfacher. Dann verengte sie die Augen zu Schlitzen und schlich auf vorsichtigen Füßen ganz in den Nebel aus Sand und Finsternis. Ihr Fuß brannte dort wo die Tentakel sie erwischt hatte, aber Elira blendete den Schmerz aus. Sie war konzentriert und ihr Körper angespannt vor Aufmerksamkeit. Irgendwo sah sie etwas rot aufleuchten und wieder verschwinden. Sie nahm an, das war die Richtung in der sie die Shie finden würde. Und dort wo sie waren, würde sie auch das Monster finden, das es zu vernichten galt.



    Re: Der Platz des Schutzes

    Balir - 03.07.2011, 21:23


    cf: Mondpalast- Ratsversammlung


    Für einen Moment verzog die Albe für Balir sichtbar ihr Gesicht, dann antwortete sie mit der ihr eigenen, albischen Überheblichkeit, die diesem Volk anhaftete: „Zu warten ist nicht notwendig. Ich bin bereits bereit, aufzubrechen.“
    Ihre Augen, die seine gesucht hatten, denn Alben scheuten die Konfrontation ebenso wenig, wie es die Shie taten, glänzten in einem dunklen Farbenspiel aus verschiedenen Brauntönen. Sein Blick wirkte hart, allerdings beobachtete er sie genau.
    Er nickte knapp auf ihre Aussage hin. Balir konnte es nicht unterbinden, dass es wie die Geste eines Königs wirkte und sie eine seiner Untergebenen war.
    Doch die Albe ignorierte es. Sie ging voraus und Balirs alter Freund, der neben ihm ging, konnte sich eines Kommentars nicht erwehren.
    “Wenn sie eine Shie wäre, dann läge sie längst in deinem Bett.“ Balirs schwarze Augen lagen auf dem schlanken, geschmeidigen Körper der Albe. Er lächelte mit nur einem Mundwinkel.
    “Ich weiß nicht, wovon Ihr redet, mein Freund.“
    Lerkos blieb seinem König eine Antwort schuldig. Er lächelte wissend.
    Als sie durch die weiten Türen des Palasteingang gegangen waren, eröffnete sich die breite, weitläufige Treppe vor ihnen, die in den magischen Wald führte, der vor den beiden Shie wie ein grüner Wall auftauchte. Was ihnen die Wüste war, war dem Mondpalast der Wald.
    Balir bemerkte das Unwohlsein gegenüber dem Wald. Er lebte in den Dünen der Wüste Shielak. Es war ein Unterschied, wie Tag und Nacht, wenn Balir den Wald mit seiner Heimat verglich. Und so war er kaum böse, dass die Albe ihm die Augen verband. Er begrüßte dabei ihre Ansicht, der Rückweg wäre weit schneller hinter sie gebracht. Balir ließ sich, wie auch Lerkos die Augenbinde anlegen.
    Dieses Mal tauschte er kein Wort mit der Albe. Wenn es um den Beweggrund seiner Reise ging, war schnell etwas Dringenderes in sein Blickfeld gerutscht: Die Rückkehr von Aramandis, dessen Name allein verhieß, dass es für Kiamara das Ende bedeuten konnte.
    Ein König musste auf dem schnellsten Weg zurück zu seinem Volk, um dieses auf den Krieg gegen Aramandis einzuschwören. Für die Shie war es nach Zeiten des Friedens eine Herausforderung ganz anderer Art und doch konnte auch Balir diese gewisse Lust nicht leugnen, die er verspürte, wenn er an den Kampf dachte, der womöglich bevorstand.
    Es war dieses Kribbeln in seinen Händen, das sich wie eine Horde Wüstenskorpione seine Arme heraufzog und bis in den Nacken lief.
    Lerkos und erfolgten der Albe, die sie über den weichen Boden durch den Wald führte. Sie war eine gute Führerin, der die beiden Shie mit verbundenen Augen folgen konnten. Es war tatsächlich an dem, dass die Rückreise weitaus schneller ging. Wahrscheinlich tat der Wald sein Übriges dazu.
    Allerdings stimmte etwas nicht. Es fiel Balir nicht auf, dass der Wald still war… stiller als gewöhnlich, denn er kannte die Geräusche des Waldes und dessen Eigenleben nur bedingt. Er spürte es an der Art, wie die Albe plötzlich den schritt wechselte, wie sie einen Fuß bedächtig vor den anderen setzte. Balir hielt Lerkos zurück, der an ihm vorbei in demselben Tempo wie zuvor laufen wollte. Balir schob die Augenbinde nach oben und sofort fiel ihm die Albe erneut in den Blick. Diese schien etwas bemerkt zu haben. Balirs Griff nach seinem Schwert führte ins Leere und er verzog missbilligend seine steinharten Züge. Auch Lerkos zeigte mit seinem Augenrollen, dass er über die Entwaffnung ebenso unglücklich war.
    Beide hielten sich hinter der Albe, da diese offensichtlich das Schlachtfeld besser kannte. Nach einigen weiteren Schritten, wies Elira an, sie an, ihre Augenbinden abzunehmen, was sie unlängst getan hatten.
    Balir sah den reglosen Körper eines Alben, der auf der Wiese in einiger Entfernung lag. Doch weniger für das Blut, als vielmehr für die albische Waffe, die neben ihr im Gras lag hatte er ein Auge.
    Dass etwas nicht stimmte, deuteten bald die Kampfgeräusche an, die zu ihnen herüber drangen. Die Deckung des Waldes verlor sich mehr und mehr. Lerkos kaute ungeduldig auf seinem Unterkiefer, während Balir spürte, wie sein Blut in Wallung geriet. Der Sandsturm, der aufzog wurde dichter und dann sahen sie es…
    Im Zentrum des Sturms quoll eine Mischung aus Tentakeln, scharfen Fängen und großen, leeren Augen.
    Kein Monster der Wüste, dachte Balir und ein Blick, den er mit Lerkos tauschte, bestätigte ihn darin. Denn auch sein Berater und Begleiter hatte so etwas anscheinend noch nicht gesehen.
    Mittendrin blitzte es ab und zu blau auf und Balir vermutete eine albische Waffe und damit noch einen von ihrem Volk im Getümmel.
    Balir verständigte sich mit Lerkos ohne Worte nur mit routinierten Blicken. Er und sein Berater waren sich einig. Dieses Monster war die Prüfung, die ihm als König auferlegt war. Nicht nur deshalb sprangen beide Shie auf und stürmten in Richtung des Sandsturms.
    Aber mit dieser Gewissheit ließ sich eben noch befreiter kämpfen. Balir rannte etwa vier Körperlängen entfernt von Lerkos über das Grasland, das keine Deckung mehr bot. Dabei nahmen die beiden Shie Fahrt auf. Balir schnappte das Albenschwert, das am Boden lag. Er führte es in der Rechten, wobei die Klinge in seiner Hand mehr wie ein Dolch, als wie ein Schwert wirkte.
    Die Klinge blitzte blau in den schlechten Sichtverhältnissen. Die Taktik der Shie war klar. Balir nahm den Kampf mit dem Ungetüm auf, während Lerkos nach dem Schwachpunkt des Biests suchte. Dass er dabei von dem Schwert des Alben Gebrauch machen würde, der ihnen entgegen geflogen kam, passte in die Taktik der Shie, die auch Balirs blutroten Umhang mit einband. Diesen nämlich griff er mit der Linken gekonnt so, dass sich der Wind aus dem Sturm darin fing und den schweren Stoff wie ein Segel aufbauschte.
    Mit seinen schwarzen Augen, analysierte er in seinem Sprint das magische Biest.
    Angst kannte er nicht.
    Doch er war nicht dumm, wie man es den Shie nachsagte.
    Dieser Kampf würde der schwerste werden, den Balir je gefochten hatte, denn er erkannte nicht auf Anhieb den Hauch eines Schwachpunktes. Die Magie, die hier mitspielte war ihm gänzlich unbekannt.
    Dass sie dennoch auf sein Ablenkungsmanöver herein fiel, passte ihm gut. Denn gleich vier der Tentakel durchbohrten den Umhang des Königs wie Geschosse, Balir löste am Scheitelpunkt seinen Umhang, riss den Arm herum, mit dem er ihn gehalten hatte und nutzte den Schwung seines Laufes dafür, die Richtung mithilfe der Tentakel zu ändern, die sich in dem Umhang verfangen hatten. In einem ausholenden Streich schnitt er sie ab, wobei er von dem gelben Blut bedeckt wurde, was aus den Tentakeln spritzte. Bevor er aber einen Fortschritt in seiner Handlung erkennen konnte, schlossen sich die Wunden vor seinen Augen und die Tentakel wuchsen wieder nach. Aus den Augenwinkeln sah er, wie die Albe sich ihnen im Kampf hinzu gesellte. Doch bevor er zu sehr sein Augenmerk auf sie richten konnte, wich er den Tentakeln aus, die nun nach ihm fassten, um ihn festzuhalten.
    Wer immer diese Kreatur erschaffen hatte, der hatte seine Inspiration von einer anderen Welt, denn Balir war so ein Ungeheuer noch nie in seinem Leben untergekommen. Es hatte keine feste Kontur, sondern verschwamm immer wieder im Sturm. Nur eines war gewiss. Eine Reihe grausamer Reißzähne, einem Paar grausamen Augen und tödlichen Tentakeln.
    Es entbrannte ein bizarrer Kampf.
    Balir wich den Tentakeln aus, schnitt sie ab und wurde gleichsam unermüdlich Zeuge, dass sie wieder nachwuchsen. Er bewegte sich schnell und dort, wo er mit dem kleinen Schwert einen Treffer landete, waren die Folgen verheerend, doch nichts schien das Monster zu schwächen. Wieder fiel ihm die Albe ins Auge, die scheinbar ein Ziel hatte. Und Balir verstand, was sie vorhatte. Er kämpfte sich zu ihr durch und ohne ein Wort zu tauschen, hielt er ihr den Rücken frei, indem er die Übermacht an Tentakeln bekämpfte. Seite an Seite gelangten sie so bis zum Zentrum des Ungetüms. Es war ihre Aufgabe, mit ihrer Wendigkeit und Schnelligkeit das Monster zu erlegen. Balir hingegen achtete darauf, dass die Albe diese ihr gegebenen Fähigkeiten überhaupt anwenden konnte. Schließlich waren sie angekommen, wobei das verletzliche Zentrum des Monsters durch ein undurchdringliches Gewirr an Tentakeln geschützt wurde. Der König sah zu Elira, die bereit war, zu tun, was zu tun war. Sie tänzelte über die nach ihr langenden Tentakel. Balir schnitt durch den Tentakelwulst um ihr den Weg zu bereiten. Plötzlich tauchte das aufgerissene, schwarze Maul des Monsters auf, über dem sechs Verderbnis bringende, braune Augen angeordnet waren. Balir warf den Dolch weg und hielt das Ungetüm mit bloßen Händen das Maul auf, das nach ihm geschnappt hatte. So schaffte er es, den Kopf des Monsters zu fixieren. Die Albe sollte so eine Chance haben, zuzuschlagen.
    Er rang Angesicht zu Angesicht mit diesem Werk der schwarzen Magie. Sein Körper war zum Bersten angespannt, um ihn schlossen sich die Tentakel wie eine würgeschlange. Ein Stechen durchfuhr ihn, aber ließ nicht locker. Sein Atem ging schwer, seine Kraft wich, doch sein Wille hielt ihn aufrecht, bis er den Schatten der Albe auf das Ungetüm niederrauschen sah. Er blickte an sich herunter und wusste, dass es sein letzter Atemzug sein würde, wenn die Albe versagt hatte. Denn der Druck auf seinen Brustkorb hatte ihm jeglichen Atem beraubt. Er war nur noch einen Augenblick davon entfernt wie eine Fliege zerquetscht zu werden.
    Einen Moment für die Ewigkeit.
    Er spürte, wie Knochen brachen.
    Er fühlte, wie Blut aus seiner Nase quoll. Er schmeckte Blut auf seinen Lippen.
    Seine Haut brannte wie das ewige Feuer im Herzen der Wüste.
    Einen Moment.
    Dann folgte die Ewigkeit…


    .



    Re: Der Platz des Schutzes

    Elira - 07.08.2011, 17:41


    Elira orientierte sich an dem roten Schimmer, den sie den Shie zuordnete und hoffte sich nicht zu irren.
    Aber nach einigen Momenten zeigte sich, dass sie Recht behalten hatte. Sie fand wonach sie gesucht hatte. Zwar war es Balirs Berater, nicht dieser selbst, den Elira entdeckt hatte, aber das war ein Anfang. Er war damit beschäftigt gegen etwas zu kämpfen, dass aussah wie aus dem dichten gelblichen Nebel auftauchende Tentakel. Elira beobachtete die Szene und erkannte, dass die Tentakel über regenerierende Kräfte verfügten. Dunkle Magie, wie sie nur einer anwandte. Sie nahm an, dass das den Shie ebenso klar war. Mittlerweile wenigstens. Elira hätte diesen Beweis nicht gebraucht, das empfindliche Gemüt als Albe verriet ihr bereits, dass hier dunkle Magie am Werk war, sie spürte wie sich Finsternis über sie legte und versuchte ihren Geist zu trüben. Ein Drang, die Waffen niederzulegen, wollte sich ihrer bemächtigen, aber Elira war gut ausgebildet, Majas Training war hart und Elira ein der besten unter den Kampfalben, wenn es darum ging eisernen Willen unter Beweis zu stellen. Dennoch kostete es sie einige Minuten und viel Kraft Aramandis Wirken abzuschütteln. Das er dahinter steckte, war selbstverständlich. Es erschreckte sie wie weit er vorgedrungen war, wie groß seine Macht schon jetzt schien und noch mehr, dass er scheinbar hier auf die Shie gewartet hatte, denn ein Zufall konnte das nicht sein.
    Doch es blieb keine Möglichkeit darüber nachzudenken, oder darüber was das bedeuten würde. Stattdessen ging sie Balirs Berater zur Hand, den der Kampf begann zu ermüden. Ihr Schwert gezogen half sie ihm so gut es ging, dabei rief sie ihm kopfschüttelnd zu, dass es keinen Zweck hatte, es war vergebliche Mühe.
    „Wo ist Balir?“ , forderte sie ihn auf, ihr zu sagen wo der andere Shie sich befinden konnte, denn sie war nun soweit im Nebel, dass sie kein Schimmer Rot mehr sehen konnte.
    Der Shie zeigte in eine Richtung, die Elira als Weg zum Zentrum ausmachte und sie schnaubte. War er dumm oder einfach nur Kampfkrank, dass er glaubte dieses Monster alleine besiegen zu können. Sein Berater hier taugte auch nicht viel, denn er schien unbeeindruckt und als sei das selbstverständlich.
    Elira wollte ihn gerade fragen, wieso er nicht bei ihm war, als eine Tentakel von hinten auf den Shie zugerast kam. Sie hätte ihn wohl geradewegs durchbohrt, Elira war sich sicher, dass die scharfen Biester, es gekonnt hätten, doch bevor das geschehen konnte, sprang Elira in einer schnellen, präzisen Bewegung in die Luft und warf ihr Schwert.
    Sie war schnell so das sie das Schwert wieder in der Hand hatte, bevor die Tentakel nachgewachsen war und sie schlug sofort erneut zu. Dann wandte sie den Blick zu dem Shie, der zwar nichts taugte, dem sie aber trotzdem das Leben gerettet hatte. „Ich gehe ihm helfen, zieht euch zurück, bevor euch etwas passiert. Das hier hat keinen Sinn.“
    Sie sah an seinen Schwerthieben, dass er ihren Rat ignorieren würde. Die Schultern zuckend, ließ Elira ihn zurück und lief in einem aufmerksamen Laufschritt weiter in Richtung dem, was sie als Zentrum und damit Balirs Aufenthalt vermutete.
    Erneut war ihr das Glück Hold, denn sie fand diesen einige Minuten später ebenfalls im Kampf mit den Tentakeln, die hier noch mehr und noch angriffslustiger waren. Elira nahm an, dass bedeutete, dass sie dem verletzlichen Zentrum des Monsters, nahe waren.
    Sie warf Balir einen Blick zu, dann gesellte sie sich im Kampf zu ihm und gemeinsam schafften sie es sich den Rücken zu decken und so gemeinsam weiter vorzurücken, so dass sie tatsächlich das Zentrum erreichten. Ein Maul schien es zu sein, mit riesigen Fangzähnen, die die sie zwischendurch hatte aufblitzen sehen und ein paar unschöne, bösartig schwarz schimmernde Facettenaugen, die Elira nicht zählte, weil sie sie zu eklig fand, um sie sich länger anzusehen.
    Sie sah stattdessen zu Balir und schien, sie waren sich einig.
    Gemeinsam kämpften sie sich weiter vor, dabei ließen sie sich beide nicht von etwaigen Kratzern und Blessuren abhalten. Für den Moment glaubte Elira, dass sie gemeinsam tatsächlich eine Chance hatten das Monstrum zu besiegen. Etwas das sie bezweifelt hatte, als sie den Shie hinterher gerannt war.
    Je näher sie dem Maul kamen, um so schwieriger wurde es und bald schon stellte sich Balir den Tentakeln alleine, während Elira versuchte ihnen duckend, springend, drauf laufend, herumwirbelnd im Kreis laufend auszuweichen. Dabei war ihr Ziel klar und auch Balir schien das zu vermuten, er folgte ihr auf stetem Schritt und hielt ihr den Rücken frei.
    Es war als endete der Weg plötzlich, denn als sie direkt vor dem Maul des Monsters zu stehen kamen, schien der Tentakelwald im Neben verschwunden. Elira sah zu Balir, kurz bevor das Maul sie zu bemerken schien und auf sie losstürzte. Balir griff intuitiv nach den Fangzähnen und versuchte es beschäftigt zu halten, dabei sah Elira wie einer der langen Zähne sich in seine Schulter bohrte.
    Doch anstatt ihm zu helfen, nutzte sie den Moment, sie nahm Anlauf und gerade in dem Moment tauchten die Tentakel auf. Während die einen Balir umschlossen und ihn zu zerquetschen versuchten, nutzte Elira die Geschwindigkeit der Tentakel, indem sie sprang und sich an einem davon festhielt. Obwohl ihre Hände und ihr Oberkörper an den Stellen wie Feuer brannte, da sie das glitschige Etwas berührte, hielt ELira fest und sie wurde durch die Luft geworfen. Im passenden Moment sprang sie ab und landete in einem grazilen Sprung auf dem Kopf des Monsters, direkt über der Stelle, da Balir das Maul des Wesens noch immer mit letzter Kraft hielt.
    „Lil na da Esíl!“ , rief sie und stieß mit aller Kraft die sie hatte ihr Schwert von hinten durch das was sie für den Kopf des Monstrums hielt. Ihre Klinge versank in einer nachgebenden Masse bis zum Schaft und als das Wesen sich mit einem Kreischen aufbäumte, brannte eine Flamme in ihrem Kopf, die ihr fast das Bewusstsein raubte.
    Elira kam jedoch zu sich, als sie durch das Aufbäumen den Halt verlor und zu Boden stürzte. Sie rollte sich gerade eben noch ab und kämpfte sich anschließend keuchend auf die Knie. Es sah nicht so aus, als wäre das Wesen besiegt. Die Tentakel aber schienen bewegungsunfähig, denn sie gaben Balir frei, den sie bis dahin im Griff gehalten hatte und der Shie stürzte zu Boden, wo er liegen blieb.
    Elira dachte, er sei tot und kämpfte sich entsetzt auf die Beine. In dem Moment sah sie etwas silbernes Leuchten und noch bevor sie gedacht hatte, dass es ein Pfeil der Alben war, schrie das Biest erneut auf. Diesmal riss sie die Hände vor die Ohren. Sie war auf den Schwindel vorbereitet, denn das Feuer hinterließ und als sie die Augen öffnete, sah Elira wie sich der gelbe Nebel auflöste und mit einmal blendete sie helles Tageslicht und das Zwitschern der Vögel war wieder zu hören, als sei der gerade geführte Kampf nie geschehen.
    Sie drehte sich um und sah Nara auf sie zu kommen. Nira hockte bei Niori. Unweit davon kämpfte sich Deril gerade auf die Beine und ging zu Balirs Berater, der …
    Balir! , dachte Elira entsetzt und rannte mit einem Aufschrei zu dem Shie, der sich kein bisschen bewegt hatte. Er lag in einer Lache aus Blut, die von seiner Schulter stammte. Ansonsten schien er äußerlich bis auf viele Quetschungen unverletzt. Elira klatschte ihm unbarmherzig gegen die Wangen.
    „Wacht auf! Ich befehle es euch, wacht auf!“
    Wenn er glaubte er dürfte ihr hier unter ihrer Aufsicht einfach so wegsterben, dann hatte er sich aber getäuscht.
    „Die Wüste braucht Euch doch, verdammt. Seid kein Feigling, kämpft dagegen an!“
    Es gab keinen Sinn was sie da brüllte, aber das war ihr egal. Nara erreichte sie und Elira sah auf.
    „Hohl Hilfe. Wir brauchen ein paar der Mondalben für die Verletzten hier und schick einen Boten zu Maja, schnell. Vielleicht wartet auf sie und die Gesandten aus Thul ebenfalls eine solche Falle. Beeil dich Nara!“
    Nara nickte, sie beriet sich kurz mit Nira, woraufhin beide Alben mit Deril sprachen und dann verschwanden.
    Elira sah wieder zu Balir.
    „Habt ihr nicht gehört?!“ Sie griff nach seinem Gesicht und hielt es in ihren Händen. Dicht über ihm gebeugt, erklärte Elira es ihm gerne noch mal, dabei konnte sie die Verzweiflung nicht verhindern, die sich in ihre Stimme schlich.
    „Wenn Ihr jetzt wagt zu sterben, dann … dann kann ich mir nie wieder vertrauen und das kann ich mir nicht leisten. Ihr seid ein Shie, so was kann Euch doch nicht einfach aus dem Leben reißen, kämpft gefälligst dagegen an. Anar, anar, anar, mach die Augen auf, Anar!“



    Re: Der Platz des Schutzes

    Balir - 04.12.2011, 12:56


    Wenn ein Shie stirbt, dann stirbt er nicht einfach.
    Er tritt nicht aus dem Leben, sondern er begeht seine letzte Reise…
    Und damit stellt er sich der wichtigsten Prüfung in seinem Leben. Dort am Rand des Feuerfeldes, wird jeder Shie auf die Probe gestellt. Und wenn er diese besteht, dann geht er in die Hallen der Ahnen ein und wird dort ewig als Einer seines Volkes verehrt werden. Die Shie lassen Ihren Ahnen eine große Ehrerbietung zu Teil werden, denen, die sich auch im Jenseits als Shie bewiesen haben. Von da an gibt es keine Proben mehr…
    Balir kannte die Schwelle. Mehr als einmal hatte der Bezwinger von Orun, Beherrscher der Vain, Bändiger des Sheos und Reiter von Sishe die Hitze gespürt, die von dem Meer aus Flammen ausstrahlte. Doch Balir hatte es vergessen, wie es war, die ersten Schritte auf dem Feld zu gehen, welches seinem Volk alle Ehre als Feuerläufer verlieh. Alles, was ein Shie in seinem Leben gelernt hatte, alle Proben, die er bestanden hatten, alles bereitete ihn auf diesen Augenblick vor. Und Keiner aus seinem Volk fürchtete diese Prüfung, wenn er nicht ein wahrer Shie war.
    Balirs Volk verehrte die Wüste und das Feuer.
    Seine schwarzen Augen blickten über die Flammenwüste, die bis zum Horizont reichten und darüber hinaus. Die Luft flirrte.
    Er streckte die Hand aus und hielt sie über die Flammen. Die Hitze verbrannte seine Haut, er zog die Hand zurück. Und bevor er es realisiert hatte, dass seine Zeit noch nicht gekommen war, fühlte er die Felder schwanden. Bald war er soweit von der Schwelle in das Jenseits entfernt, dass Balir wusste: Heute war nicht der Tag gekommen, an dem einer der großen Könige der Shie starb.
    “… Euch doch nicht einfach aus dem Leben reißen, kämpft gefälligst dagegen an. Anar, anar, anar, mach die Augen auf, Anar!“
    Langsam drang die klare, helle Stimme an sein Ohr und geleitete ihn die letzten Sekunden, bevor er sein Bewusstsein wiedererlangte. Die Luft war erfüllt von dem Duft des Waldes, der in der Nähe lag. Balirs erster Gedanke war, dass er nicht in Isess, aber auch nicht in Shielak war. Sein Blinzeln offenbarte ihm, es war Tag. Im Hintergrund sah er den bekannten Himmel, der über Kiamara lag. Er war wolkenlos und so klar, wie die Stimme, die in seinen Gedanken noch immer nachhallte. Zu der Stimme gehörten ein Paar Augen in seiner unmittelbaren Nähe. Trotzdem sie in einem Farbenspiel aus grün und braun funkelten, sah er die Flamme, die darin lag – das Feuer, das in ihnen brannte. Er lächelte schwach.
    Seine Lippen fühlten sich trocken an und nur sehr langsam kehrte das Gefühl in seinen Körper zurück. Noch konnte Balir weder seine Beine, noch seine Finger spüren. Er versuchte, seine Stimme zu beherrschen. Als ihm ein Ton entkam, der keine Bedeutung hatte, konzentrierte er sich darauf, seiner Stimme einen festeren Klang zu verleihen. “Barak Shal, Marhab…“ (“Seid gegrüßt, teurer Freund / Verbündeter“)
    Der Ausspruch galt unter den Shie nur denjenigen, die schon sehr lange miteinander befreundet waren beziehungsweise viele Schlachten Seite an Seite gekämpft hatten. Es war eine große Ehre von einem Shie so respektvoll und ‚herzlich‘ angesprochen zu werden. Ein König wählte diese Worte nur, wenn er mit Verbündeten sprach oder sehr verdienten Männern und Frauen seines Volkes, die von einer langen Reise zurückgekehrt waren.
    Balir blinzelte. Seine schwarzen Augen schlossen sich. Er kontrollierte mit seinem Körpergefühl, über welche Teile seines Körpers er Kontrolle hatte. Da die Shie zur Regeneration ihres Köpers wenig Zeit benötigten, konnte Balir sich schon wieder bewegen. Er führte die Hand an seine Nase, aus der Blut gelaufen war und wischte dieses mit dem Handrücken weg. Dann sah er links und Recht auf seine Schultern, die schwer von den Tentakeln des magischen Monsters gezeichnet waren. Doch sobald er festgestellt hatte, dass bis auf ein paar Rippen nichts gebrochen war, rappelte Balir sich auf. Die Albe half ihm dabei, auf die Beine zu kommen. Sobald er stand, gab er ihr zu verstehen, dass er ab jetzt an selbst gehen konnte und ihre Hilfe nicht mehr benötigte. Er reichte ihr seinen rechten Unterarm für einen Handschlag, der von seiner Seite aus nicht sonderlich fest ausfiel. “Ihr habt gut gekämpft für eine Albe.“
    Balir forschte in ihren Augen nach dem Feuer, was er geglaubt hatte, erkannt zu haben. Doch es fiel ihm schwer, sagen zu können, ob es Einbildung oder die Wirklichkeit gewesen war.
    Man sagte, dass nur die Shie selbst dieses Feuer in sich trugen und nur bei jenen aus ihrem Volk dieses erkennen konnten, denn sie waren ein Volk, das aus dem Feuer heraus geboren worden ist.



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