Der Flußlauf des Killhain

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    Re: Der Flußlauf des Killhain

    kiamara - 22.07.2007, 17:17

    Der Flußlauf des Killhain
    Der Killhain ist einer der gewaltigsten Flüsse Kiamaras. Er entspringt in etwa 3880 Metern Höhe im Kalatgebirge und mündet in der Bucht von Asgaron in das weiße Meer. Seine Länge wird auf etwa 21 menschliche Tagesreisen geschätzt.
    Dem Flußlauf des Killhains zu folgen ist nicht immer einfach. Oft bieten die Schluchten, in die sich das Wasser eingegraben hat keine Möglichkeit, trockenen Fußes weiter zu kommen. Teilweise fließt der Killhain unterirdisch, versorgt so auch die Hwendi mit Wasser.

    Sehr zu empfehlen für jeden kiamarischen Tourist sind die Fälle von haisan. Atemberaubend stürzt sich der vom Bergbach angeschwollene Killhain über eine Steilwand ca. 200 Meter in die Tiefe, wo er seinen ruhigen Lauf durch das fruchtbare tal beginnt.



    Re: Der Flußlauf des Killhain

    Musa - 16.08.2008, 23:39


    Wie viel heute Morgen los ist. , dachte Musa, die das Treiben im Orak beobachtete. Zwar war die Geselligkeit in der die Drachenreiter gemeinsam frühstückten stets heiter und demnach munter und laut, aber heute Morgen kam dazu noch eine Portion Hektik, die es nicht in vielen Wintermorgen gab. Meistens war es in Airik alles etwas gemütlicher und ruhiger. Der eisige Wind spuckte Langschläfer wie Rikki und Ioan meistens noch später aus, als es die Sommersonne konnte. Jene war oftmals schon früh am Morgen so intensiv, dass man nur noch schlafen konnte, wenn man sich das Fell über die Augen zog und dazu war es dann leider oft schon zu heiß.
    Heute Morgen war es anders, denn es waren mittlerweile alle versammelt. Alle außer Deedo und Bran, die noch immer auf Reisen waren und Szonja. Wahrscheinlich schlief die jüngere Tochter Kors noch tief und fest. Von allen Langschläfern unter den Onuks war sie die schlimmste. Kor schien jedoch mit keinem Wort nach dem Verbleib von Szonja zu fragen. Er erwähnte ihren Namen jedenfalls mit keinem Wort, sofern es das junge Mädchen hören konnte, das versuchte sowohl das Gespräch zwischen den Älteren mitzubekommen, in dem ihre Mutter ihre Absicht mit dem Badetag verteidigte, als auch das zwischen den jüngeren, in dem Rikki versuchte alle zu erheitern, indem sie von Marc erzählte. Der Arme hatte scheinbar noch immer Schmerzen und war nicht allzu angetan gewesen von der Medizin, die sie ihm gebracht hatte. Zum Glück hatte Ron starke Nerven.
    In all den Gesprächen, welchen auch immer Musa gerade lauschte, konzentrierte sie sich – so unauffällig wie möglich – auf Jaim. Auch er war zu ihnen gestoßen und Musa glaubte bei seiner Begrüßung gemerkt zu haben, wie er sie einen Moment länger angesehen hatte. Nebst dem schrecklichen Herzklopfen, dass das ausgelöst hatte, war sie sich sicher gewesen, dass das bedeutete, sie würden sich wie abgemacht am Fluss treffen, um dort etwas Eis wegzuschaufeln.
    Das war eine anstrengende Arbeit, die aber gerade in so kalten und langen Wintern unbedingt erforderlich war. Sie mussten schließlich irgendwie an Trinkwasser kommen. Und an alles andere, für das sie Wasser benötigten. Zwar konnten sie auch Schnee schmelzen, aber auch das funktionierte nicht immer und wie es Llv es am Morgen bewiesen hatte, dauerte dies sehr lang.
    Nicht so lang, wie Szonja mal wieder schläft. Oder …
    Musa kam der Gedanke das Kors Tochter längst aus dem Orak verschwunden war. Es kam vor das sie nicht mit den anderen frühstückte, sondern sich sofort anzog und ins Tal hinaufkletterte. Dort saß sie manchmal Stunden bei Ivalice, um mit ihr zu reden. Oder sie unterhielt sich auf sehr schweigsame, aber verbunden wirkende, Art mit Ron, der ihre Gesellschaft scheinbar begrüßte, auch wenn er jeder Art von Gesellschaft im Allgemeinen ausging. Es war nicht so, dass es ihn störte, aber er war genauso gern allein, wie er mit ihnen allen zusammen war. Llv hatte ihr gegenüber einmal gesagt, dass das vielleicht daher kam, dass er von einem anderen Stamm kam. Vielleicht lag es in seiner Art etwas stiller, ruhiger und leiser zu sein, als die meisten von ihnen, die spätestens im Kollektiv auftauten und nicht von den anderen mehr zu unterscheiden wären. Selbst Beck und Lugh, die im allgemeinen recht ruhig waren, zeigten sich in Gesellschaft als laute, fröhliche Menschen, die die Geselligkeit und die Familie, die sie alle bildeten groß schrieben und sich darin wohl fühlten.
    Weshalb Musa so viel darüber nachdachte, wusste sie nicht so genau. Es war nicht nur weil Serenitys Schwester abwesend blieb, während sie alle frühstückten und sich unterhielten, sondern vielleicht deswegen, weil sie in letzter Zeit öfter darüber nachdachte. Noch war keiner von ihnen soweit gewesen, mit einem anderen Onuk eine Familie zu gründen, oder aber woanders jemand zu finden. Bei den jüngeren war die letztere Variante schwer, weil sie kaum das Tal verließen und wenn reisten sie sich in die von anderen bewohnten Teile Kiamaras. Vielleicht dachte sie in letzter Zeit öfter darüber nach, weil sie bei Jaims Anblick so ein bestimmtes Gefühl überkam, von dem sie sicher war, dass es mehr als reines Herzklopfen war.
    Vor allem habe ich es nur bei ihm …
    Und das war seltsam genug, denn eigentlich waren sie in dieser vertrauten Gemeinschaft alle beinah wie Geschwister zusammen groß geworden. Trotzdem ließ sich nicht leugnen, ihre Mutter hatte schon recht, sie war in gewisser Hinsicht verliebt. Bis über beide Ohren noch dazu, wenn sie darüber nachdachte, dass sie kein Wort von dem verstand, was er sagte, wenn sie ihm dabei einfach sorglos in die Augen sah. Zum Glück hatte seine Frage aber sowieso Beck gegolten, die ihm ohne viel überlegen antwortete.
    „Ich werde versuchen Mutter zu helfen. Beim Badetag kann sie immer Hilfe gebrauchen und außerdem habe ich keine Lust bei diesem Wetter zu fliegen.“
    Musa ahnte, dass Beck eine triftige Ausrede bräuchte um Rikkis Flehen mitzumachen, entgehen zu können. Aber leider konnte sie ihrer Zwillingsschwester heute nicht helfen, denn sie hatte sich so sehr darauf gefreut mit Jaim allein zu sein, wenn sie beide die Arbeit des Freischaufelns übernahmen, dass es jetzt einfach unmöglich schien Beck zu fragen, ob sie mitkommen wollte. Die nahm es scheinbar nicht übel und Musa drückte unterm Tisch die Hand der Schwester.
    Nach dem Frühstück zogen sich Kor und Frey zurück, um etwas zu besprechen, Serenity musste ihrem Vater folgen. Ioan und Rikki stahlen sich in einem ungesehenen Moment davon, während Lugh sich bereit erklärte mit Becks Hilfe den Abwasch zu erledigen. Llv nahm kurzerhand Vin mit zum Badeorak, denn auf ihn war das Los gefallen, damit anzufangen und so entschloss sich Musa, Jaim zu fragen, ob sie gleich jetzt gehen sollten.
    Der Drachenreiter lächelte und nickte dann zustimmend.
    „Ich gehe mir noch etwas überziehen.“ , erklärte Musa sich, dann stand sie auf und hatte das Gefühl sie flöge durchs Orak bis in ihre kleine Höhle, wo sie sich in ihren Mantel hüllte. Die Schuhe kontrollierend geschnürt und Handschuhe übergezogen, kam sie wieder hinaus, wo Jaim auf sie wartete. Ihr fiel auf, dass er wie immer recht frisch gekleidet war. Heute schien er aber noch weniger als sonst darauf bedacht gewesen zu sein, sich warm anzuziehen. Llv wäre entsetzt, sähe sie ihn so auf dem Weg zum Fluss.
    Während Musa ihm die Hand reichte, damit er ihr bei einer besonders steilen Stelle des Bergabstiegs helfen konnte, sah sie fragend zu ihm.
    „Ist etwas mit dir, Jaim? Du wirkst heute so seltsam.“
    Kaum das sie das ausgesprochen hatte, bereute sie die Wortwahl, weil sie in ihrer direkten Art viel zu merkwürdig war.
    „Ich habe nur das Gefühl du bist überhaupt nicht warm angezogen, frierst du denn nicht ein bisschen?“ , versuchte sie mit ehrlicher Sorge, alles wieder gut zu machen. So wirkte sie zwar irgendwie mütterlich, was sie auch ärgerte, aber es klang vielleicht nicht mehr so dumm wie vorher. Unsicher lächelte sie zu ihm und wartete auf seine Antwort, noch immer auf der Stelle stehend und seine Hand haltend, die er ihr hingestreckt hatte, um ihr zu helfen.



    Re: Der Flußlauf des Killhain

    Jaim - 11.10.2008, 23:21


    Jaim verstand Becks Meinung. Immerhin war es nicht einfach mit Rikki und Ioan zusammen unterwegs zu sein, besonders, wenn diese dazu noch etwas ausfraßen. Aber sicher würde LIv sich über Hilfe am Badetag ebenso freuen. Er nickte zustimmend, dann beendeten sie das Frühstück. Musa fragte nach, ob sie gleich gehen sollten. Jaim stimmte dem zu und sagte, es sei kein Problem, wenn er warten müsse, wie sie sich anziehen musste.
    Er stand vom Tisch auf, ging schon einmal aus dem Küchenorak in die Gänge, die in Richtung des Flusses führten. Es war ihm heute Morgen so kalt gewesen, jetzt musste er einen der dicken Pullover ausziehen, weil er glaubte, zu glühen. Er kümmerte sich um das Werkzeug, dass er sich auf den Rücken schnallte. Die Riemen lagen unangenehm auf der Haut. Doch Jaim ließ sich nichts anmerken.
    Als er Musa in Mantel und Handschuhen zurückkommen sah, lächelte er wieder. Sie begannen mit dem Abstieg, der an manchen Stellen vereist und schmal war. Es gab Passagen, bei denen sie eine Felswand überbrücken mussten. Doch zum Lauf des Killhains war es nicht so schwer zu gelangen, dass ein Passieren im Winter unmöglich war. Sie hatten es alle rechtzeitig gelernt und Gleichgewichtssinn lag ihnen allen mehr als anderen Rassen im Blut.
    Dennoch reichte er Musa die Hand an jenen Stellen, an denen sie so leichter vorankam. An einer stelle, sie hatten den Fluss bald erreicht, musterte Musa ihn besonders ergründend. Jaim verschloss sich nicht. Er fragte überrascht, wenn auch still, was los sei.
    „Ist etwas mit dir, Jaim? Du wirkst heute so seltsam.“ Jaim runzelte verwirrt die Brauen, ohne dass er verstört wirkte. Er konnte Musas Frage nicht einordnen. Doch aus Reflex schüttelte er erst einmal den Kopf und lächelte ihr beruhigend entgegen.
    “Nein, es ist alles ganz okay mit mir.“, sagte er vergleichsweise locker. Er deutete nicht an, was ihn seit Tagen beschäftigte. Als Musa weiter fragte, wartete Jaim mit einer Antwort, bis er ihr herab geholfen hatte. Sobald sie sich gegenüber standen, nickte er, als wäre ihm das noch gar nicht aufgefallen.
    “Ach das.“ Jaims Stimme klang beiläufig. Er schüttelte den Kopf und deutete die Richtung an, in die sie gehen mussten. “Es ist ein bisschen kompliziert“ Sobald sie ein Stück gegangen waren, knüpfte er an seine Worte mit Schulterzucken an.
    “Seit einiger Zeit schlafe ich schlecht. Ich bin etwas durcheinander. Ich glaube, ich hab meine Jacke vergessen.“ Er lachte auffordernd, Musa solle mitlachen. Sie erreichten die Stelle, an der sie den vereisten Fluss aufschlagen würden. Er schnallte den Rucksack von den schultern und stellte ihn mit einem erleichterten Seufzen in den Schnee.
    “Weist du, es ist schön, wenn man seinen Drachen endlich hat.“ Sein Lächeln galt Musa, die ihren Drachen Lucky erst vor kurzem bekommen hatte. Er war keinesfalls wehmütig, sondern eher hoffnungsvoll.
    “Ich träume von ihm“ Während er das Werkzeug auspackte und vorbereitete, erzählte er Musa von dem Traum, den er seit einigen Nächten hatte. “Ich spreche heute noch mit Kor. Mal sehen, ob er mehr weiß.“
    Mit einem Schmunzeln rechte er Musa eine der Hacken und richtete sich auf.
    “Dann wollen wir dem Eis mal zu Leibe rücken.“



    Re: Der Flußlauf des Killhain

    Musa - 20.10.2008, 20:38


    Kompliziert? Musa verstand nicht wie er das meinte. Was sollten seine Worte bedeuten? Hin und herüberlegend, versuchte Musa aus Jaims kurzer Erklärung – die keine war – schlau zu werden, aber es gelang ihr nicht.
    Sie lächelte dennoch dankbar, als ihr Jaim das letzte Stück des Weges half. Neben ihm her zum Ufer des Killhain gehend, fuhr er überraschend fort zu sprechen.
    Musa hatte nicht mehr damit gerechnet.
    “Seit einiger Zeit schlafe ich schlecht. Ich bin etwas durcheinander. Ich glaube, ich hab meine Jacke vergessen.“
    Musa bemerkte wie in der Art von Jaims Lachen die Aufforderung lag, sie solle mit einstimmen. Sie glaubte er verbarg etwas vor ihr. Es wunderte sie nicht, weil es zu Jaim passte. Er war sehr still. Ein wenig sein Vater, der trotz seiner Offenheit und dem Anteil nehmenden Wesen stets irgendwie etwas verborgen hielt, das kein anderer berühren konnte. Jaim hatte das auch und Musa glaubte, es hatte mit den Gründen zu tun, die verantwortlich dafür waren, dass er in der letzten Zeit nicht all zu gut schlief.
    Wahrscheinlich träumst du schlecht … , vermutete sie nachdenklich. Sie hatte ihm wohl den Gefallen getan und hatte gelacht über seine Anspielung, er habe die Jacke wohl vergessen, aber sie war nicht überzeugt, dass es alles war. Ob er ihr mehr verraten würde?
    Musa bezweifelte es. Sie wünschte sich wohl, dass es so wäre. Immerhin schlug ihr Herz laut, wenn sie so nah neben ihm ging und sie kam ja doch nicht drum herum sich Sorgen um Jaim zu machen, wenn sie nicht wusste, was mit ihm los war.
    Abgelenkt von ihren Gedanken bemerkte Musa erst, dass sie ihr Ziel erreicht hatten, als Jaim stehen geblieben war und seinen Rucksack abnahm. Auch sie folgte daraufhin seinem Beispiel. Bei all der Kletterei, die nicht ungefährlich war, auch dann wenn man sich auskannte, war das die beste Variante Gebrauchsgegenstände, die benötigt wurden zu transportieren.
    Musa sah auf, als sie glaubte Jaims Blick im Rücken zu haben.
    “Weist du, es ist schön, wenn man seinen Drachen endlich hat.“ , erklärte er mit deutlichem Leuchten in den Augen, aber ohne Neid oder Missgunst. Es war nicht seine Art eifersüchtig zu sein. Trotzdem wusste Musa, dass es Jaim beschäftigte, dass er noch keinen Drachen hatte. Ob es ihn auch belastete? Sie hatte das bisher nicht angenommen, aber jetzt war sie sich gar nicht mehr so sicher, ob es nicht doch der Wahrheit entspräche.
    “Ich träume von ihm“
    Mit diesen Worten machte er jede Sorge zunichte, denn es lag so viel Hoffnung in seinen Augen und der Stimme, dass Musa ihre Tasche absetzte, deren Knoten sie gerade hatte lösen wollen. Gebannt sah sie zu ihm. Dabei raubte ihr der Anblick seiner wundervollen Augen beinah den Atem.
    „Du träumst von ihm…was?“ , wollte sie auffordernd wissen. Sie bat ihn zu erzählen, ohne ihn zu drängen, aber sie war froh, als er sie nicht zurückwies, sondern bereit war seine Träume mit ihr zu teilen. Musa glaubte das war ein gutes Zeichen, wenn sie ihre Gefühle für Jaim berücksichtigte und über die Chancen nachdachte, die eine Beziehung zu dem Drachenreiter haben könnte.
    Frey hätte sicher nichts dagegen, aber darum machte sie sich auch weniger Sorgen, als um Jaim selber. Wenn er nichts für sie empfand, konnte sie es kaum erzwingen. Ändern leider auch nicht.
    Sie konzentrierte sich an dieser Stelle voll und ganz auf das was er bereit war zu erzählen. Die ganze Zeit über fühlte sie ihren lauten Herzschlag und ein Kribbeln auf der Haut. Sie wusste, dass Jaim ein so guter Erzähler war, wie sein Vater. Wenn es darum ging, den Umgang mit Worten zu beherrschen. Das hieß nicht, dass Jaim viele Geschichten erzählte, oder jemand war, der oft große Reden hielt. Das nicht. Er gehörte zu den Stilleren und Zurückhaltenderen, wenn es darum ging, aber trotzdem fand sie immer wieder, dass er Kraft, Ausdruck und Einfühlsamkeit in seiner Stimme verband und damit wunderbar sprechen konnte.
    Vor allem wenn er von solch außergewöhnlichen Träumen berichtete.
    Was sie bedeuten, wusste Musa dagegen so wenig wie er selber, aber sie glaubte auch, dass es eine gute Idee war, mit Kor darüber zu sprechen. Er war vielleicht nicht sehr klug, was den Umgang mit Ioan und seinen eigenen Töchtern anging, aber er wusste immer Rat und war von allen Drachenreitern neben Frey, nicht nur der Älteste, sondern Erfahrenste. Wenn er keine Lösung für diese Träume hatte, dann würde keiner aus dem Orak ihm seine Fragen beantworten können.
    Er wird doch nicht weggehen?
    Mit Schrecken dachte Musa an diese Vorstellung und nahm die von Jaim gereichte Hacke an.
    Sobald auch er seine nahm, hockte sie sich an den Fluß und begann gezielt mit viel Ausdauer und Kraft das Eis wegzuklopfen. Sie tat dies eine Weile schweigend und versunken in Gedanken, die immer wieder darum kreisten, dass er nicht einfach fortgehen durfte. Als sie eine Pause machten und er zu ihr kam um ihr ein Schluck heißen Tees aus der Felltasche anzubieten, musterte sie ihn nachdenklich. Als sie ihm die Flasche zurückreichte, traute sie sich endlich zu fragen.
    „Du wirst doch nicht fortgehen, Jaim, nicht wahr?“



    Re: Der Flußlauf des Killhain

    Jaim - 15.11.2009, 12:35


    Eine Weile hatten sie schweigend das Eis abgehackt, durch das der Fluss hier oben beinah ganz zugefroren war. Damit sie weiterhin Trinkwasser nahe dem Orak haben würden, war das nötig. Jaim spürte die Kälte in all der Arbeit nicht sonderlich. Er fühlte lediglich die Anstrengung in seinen Muskeln. Doch das Volk der Onuk war Anstrengung und Entbehrungsreichtum gewohnt. So war diese Arbeit keine, die nicht auch die Frauen ihres Volkes verrichteten.
    Nachdem der Fluss zu einem Drittel an dieser Stelle von der Eisschicht befreit war, hielt Jaim inne und schulterte die Hacke. Er ging zu den Sachen, die sie in eine windgeschützte Felsspalte gesteckt hatten, damit der Tee warm blieb. Der Drachenreiter stellte die Hacke an den großen Felsvorsprung und ging mit der Feldflasche zu Musa hinüber.
    “Es ist Zeit für eine Pause.“, kündigte er sich an. Musa unterbrach ihre Arbeit und kam zwei Schritte auf ihn zu. Er entkorkte die Flasche aus dem Fell einer Waschbärenart, die es hier im Karlatgebirge zu Hauf gab. Flaschen, die aus dem Leder gemacht wurden, hielten Wärme und auch Kälte in der Flüssigkeit darin. So blieben heiße Getränke in den Wintermonaten warm, kalte Getränke in den heißen Sommern blieben kühl und erfrischend.
    Er reichte Musa die Flasche. Musa trank einen schluck, gab ihm die Flasche dann zurück.
    Auch Jaim trank, um sich Aufzuwärmen; aber auch um den Durst zu löschen, der durch die Anstrengung entstanden war.
    Es fühlte sich nicht fremd an, mit Musa allein zu sein, auch wenn die karge Gebirgslandschaft unterstrich, wie unbewohnt dieser Landstrich Kiamaras war.
    „Du wirst doch nicht fortgehen, Jaim, nicht wahr?“ , fragte Musa ihn und sah dabei nachdenklich zum ihm. Jaim, der über das langgezogene Tal blickte, dass sich in die steilen Felswände geschnitten hatte, drehte seinen Kopf zu Musa. Er lächelte unbedarft, trotzdem die Träume, die ihn jede Nacht heimsuchten eine innere Unruhe in ihm heraufbeschworen.
    Es war gut gewesen, sich Musa anzuvertrauen. Jaim hatte das Gefühl, bei ihr seien seine Worte gut aufgehoben. Er hatte keine Sorge, dass die anderen des Stammes davon erfuhren. Doch es bedeutete auch in der Kultur der Onuk viel, jene selbst auszuerwählen denen man von Träumen erzählte. Damit waren die Träume gemeint, die mehr waren, als Wünsche. Die Träume, die Jaim meinte waren die, die hindeuteten. Die Sehenden.
    Es gab keine speziellen Onuk, bei denen diese Gabe ausgeprägter war. Aber es glaubte jeder seines Volkes daran, dass es Träume gab, die jeden Drachenreiter heimsuchen konnten und die ihm die Zukunft offenbarten.
    Es war das Blut der drakonischen Ahnen, das so etwas möglich machte. Bevor er Musa antwortete, sah er nachdenklich zum Fluss und der Arbeit, die noch zu tun war. Jaim war zu ehrlich, als dass er die Freundin anlog. Er hatte gespürt, dass Musa mit ihrer Frage auch sagen wollte, er solle nicht gehen. Aber wie konnte er…
    Wenn es sich doch als sein Schicksal herausstellte.
    Jaim sah wieder zu Musa. Er lächelte zuversichtlich.
    “Ich werde sehen. Erst einmal muss ich mit Kor sprechen. Wenn er mir den Rat gibt, zu gehen, dann…“ Er schüttelte den Kopf entschlossen. In seinen dunklen Augen stand ein idealistischer Glanz. “Dann bin ich bereit, meine Bestimmung zu erfüllen. Ich muss meinen Drachen finden, wenn er gefunden werden will.“ Entschlossen suchte Jaim in Musas Augen nach Bestätigung dieser Sicht.



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    High School Musical – RPG - gepostet von kiamara am Mittwoch 22.08.2007



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