das marzipanschwein

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    Re: das marzipanschwein

    rabiea - 07.04.2005, 09:04

    das marzipanschwein
    ähm, hab ich in einem anderen forum geklaut, :oops: aber ich finde diese geschichte so toll und sie paßt gut zum mutmachen hier rein

    Ruth Jahn
    Tabu

    Ich bin ein Schwein. Nein, nicht was Sie jetzt denken. Ich bin wirklich ein Schwein, rund, rosa, mit aufgeplusterten Backen, großen Kulleraugen und einem neckisch hochgezogenem Vorderlauf.

    Mein Leben war gesellig und nett, bis ich eines Tages in Cellophanfolie verpackt und mit einer Schleife versehen auf den Weg geschickt wurde. Meine Reise endete mit einer brutalen Landung auf einem Tisch, die mir fast die Beine abbrach. Eine Stimme rief: „Oh, ein Marzipanschwein, wie hübsch! Danke schön!“

    Die Stimme gehörte einem gigantischen Doppelkinn und kleinen dunklen Knopfaugen, die mich gierig anstarrten. Ich dachte, jetzt ist es soweit! Ich werde endlich aufgefressen! Ein Schicksal, das alle Marzipane herbeisehnen. Denn Menschenmünder sind das Portal zum Paradies. Hinter Lippen, mahlenden Zähnen und dem Schlund wartete das Glück auf uns: der Marzipanhimmel.

    Leider war es doch noch nicht so weit. Ich hörte zwar immer wieder jemand in meine Richtung sagen: „Oh, wie niedlich!“, aber keiner fraß mich auf!
    Das Doppelkinn wurde Annabelle genannt. Annabelle schlich um mich herum, warf mir lüsterne Blicke zu, und ihre Zunge huschte über die Lippen. Doch sie rührte mich nicht an.

    Es wurde stiller um mich herum und ich wurde müde. Mein Kopf sank herunter, meine Schnauze stupste gerade auf den Boden, als meine Welt zu wackeln und zu knistern begann.

    Annabelle stand vor mir. Sie zerrte an der Schleife und riss das Cellophan von mir herunter. Ihre fleischigen Finger steuerten auf mich zu, und ich sprang ihnen entgegen. Ihre Hand war heiß und feucht. Ich schwebte auf Annabelles Lippen zu, grunzte vor Freude, als diese sich öffneten, um speichelglänzende Zähne zu entblößen. Die spitze Zunge begrüßte mich fast zärtlich, während ich weiter hinten einen Fleischvorhang sehen konnte, der auf und ab hüpfte. Dahinter, das wusste ich genau, war der Schlund, das Tor zum Marzipanhimmel.

    Ich schloss die Augen, um den Moment zu genießen, in dem die Zähne sich in meine Flanken graben würden. Aber sie berührten mich nur leicht, der Schlund wurde kleiner und als ich die Lippen wieder sehen konnte, war ich sicher: Meine Zeit war noch nicht gekommen. Annabelle stellte mich zurück auf den Tisch und sprach zu mir:

    „Jetzt reicht es! Schluss mit dieser Fresserei! Du sollst mein Glücksschwein sein. Dich esse ich erst, wenn ich in Größe achtunddreißig hinein passe. Und weil ich von jetzt an kein Zuckerzeug mehr essen will, nenne ich dich Tabu!“

    Ihr könnt mir glauben, ich hasste es, Tabu zu sein. Annabelle fiel gar nicht auf, wie sehr ich mich für sie abmühte, mich in Pose stellte oder legte. Mal schob ich ihr meinen prallen Hintern entgegen. Dann wieder legte ich mich auf den Rücken, damit sie meinen köstlichen Bauch sehen konnte. Ein ganz billiger Trick für ein Marzipanschwein, oder? Aber ich konnte sie zu nichts anderem als zu Worten verführen:

    „Tabu! Sieh mal, die Hose ist oben schon viel zu weit! Also passt mir sicher jetzt Größe 44!“
    Ich stöhnte, denn auch Marzipanschweine können rechnen.

    „Tabu! Wie gut du es bei mir hast! Welches Marzipanferkel hat schon ein so langes Leben wie du?“
    Na super! Ich hasste mein Schweineleben! Ich wollte in den Himmel und ein Marzipanengel sein, mit zarten Flügeln und einer kleinen Trompete!

    „Ich habe jetzt so einen Hunger auf etwas Süßes! Tabu, du bist verlockend!“ Ich zitterte vor Aufregung. Aber alles was sie tat, war mit ihrem feuchten Zeigefinger über meinen Rücken zu reiben und ihn dann abzulecken.

    „Schau mal Tabu, in dieser Zeitschrift ist eine Diät, mit der man zehn Pfund in zehn Tagen verlieren kann!“ Annabelle tanzte mit der Zeitschrift umher und summte vor sich hin. Ich trat hinten einmal kräftig aus, als könne ich so meinen substanzlosen Feind ‚Diät’ k.o. hauen.

    „Huch, mein BH ist ja viel zu groß, Tabu, siehst du das? Ja, lange hast du nicht mehr zu leben, hahaha!“ Ich nickte. Es war mir egal, ob mein Hals dann Risse bekam. Ich lachte auch: „Hahaha!“
    Das Lachen verging mir, als ein hautfarbener Stoff wie ein Zirkuszelt auf mich niederfiel und dort tagelang liegen blieb. Nun, wenigstens staubte ich so nicht zu.

    Dann endlich kam der Tag der Tage. Annabelle setzte mich auf einen Teller und legte Besteck daneben. Eine Kerze stand auf dem Tisch und im Hintergrund hörte ich Musik. Vor Aufregung konnte ich meinen Ringelschwanz kaum ruhig halten.

    Ich schaute Annabelle ein letztes Mal an. Sie hatte sich verändert. Das Doppelkinn war verschwunden, die Knopfaugen waren zu strahlenden Scheinwerfern geworden. Mit schlanken Fingern nahm sie Messer und Gabel in die Hand. Und legte sie wieder weg. Mein Unterkiefer klappte vor Schreck herunter und brach ab.

    „Meine Güte Tabu, jetzt habe ich so lange davon geträumt, dich aufessen zu können.“
    Und ich schrie lautlos: ‚Ja, dann tu es doch endlich! Friss mich! Ich schmecke köstlich!’
    „Aber wenn ich mir das so recht überlege, dann waren es so Schweine wie du, die mich fett gemacht haben, oder?“
    Das lief etwas völlig falsch. Was war los mit Annabelle. Sie sollte doch nur ein Marzipanschwein erlösen! Sie redete weiter:
    „Und was ist jetzt, wenn ich dich aufesse?“
    ‚Nichts!’, brüllte ich. ‚Ich werde dir schmecken und dann endlich in den Himmel kommen! Das schuldest du mir einfach nach all der langen Zeit!’
    „Werde ich wieder fett?“
    ‚Nein! Nein! Nein!’

    Ihr Finger bogen sich zu einer Faust. Die Faust schnellte in die Höhe, raste auf mich zu und knallte herunter. Schlug ein wie eine Bombe. Wieder und wieder.

    Ich liege jetzt in der Mülltonne. Mandelöltränen rollen an mir herunter, denn der Marzipanhimmel war nie weiter weg als jetzt.
    Wisst Ihr, es war komisch, Annabelles Tabu zu sein. Sie begehrte mich so sehr. Aber als sie mich dann haben konnte, wollte sie mich nicht mehr. Kann mir das mal jemand erklären?

    Oh, was raschelt denn da über mir? Und wo kommt das Licht her? Jemand durchwühlt die Mülltonne! Ist das da nicht eine Hand? Komme ich vielleicht doch noch in den Himmel?

    ÓRuth Jahn 2002



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