Selbsttherapie

Stolpermund
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  • Forenbeschreibung: Diskussionsforum Stottern
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  • Alle Beiträge und Antworten zu "Selbsttherapie"

    Re: Selbsttherapie

    pips - 25.07.2005, 13:22

    Selbsttherapie
    Hallo!

    Ich therapiere mich jetzt selbst :D

    Da es eine ganze Menge Literatur zum Thema
    "Stottern-Selbsttherapie" gibt, könnte ich eure
    Hilfe gebrauchen.

    Welche Bücher habt ihr gelesen
    und welche haltet ihr für empfehlungswert?

    Kennt ihr z.B.:
    Malcom Fraser, Selbsttherapie für Stotterer
    Wolfgang Wendtland, Stottern ins Rollen bringen
    Erwin Richter, Natürliches Sprechen befreit vom Stottern
    Oskar Hausdörfer, Durch Nacht zum Licht
    Phillip J. Roberts, Comprehensive Stuttering Therapy
    William D. Perry, Understanding & Controlling Stuttering
    :read2:

    lg,
    pips



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 25.07.2005, 17:15


    Hallo Pips,

    schön, dass du dir selbst helfen willst --> gute Idee.

    hier noch ein paar gute Bücher:


    Techniken in der Stottertherapie - Richard Ham --> ISBN:3-921897-35-1
    Stottern -Erkenntnisse, Theorien, Behandlungsmethoden - Ulrich Natke --> ISBN: 3-456-83492-6
    Die Behandlung des Stotterns - Ch.Van Riper --> ISBN: 3-921897-02-5

    die meisten Bücher findest du auch auf der ÖSIS-Homepage.
    www.stotternetz.at --> im Bücherladen.
    Dort findest du auch den Verlag und die ISBN-Nummern.

    Bestellen kannst du über die Bundesvereinigung beim Demosthenes-Verlag --> http://www.demosthenes-verlag.de/shop/

    -> Und natürlich auch über die ÖSIS.




    liebe Grüße

    tjure



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 28.08.2005, 18:55


    Hallo Pips, und die Anderen,

    ich höre immer eine ganze Menge. Unterschiedlichstes, damit klarzukommen fällt da schwer. und alles bis zum Schluß austesten?? Leben wir überhaupt so lange ?

    Mitlerweile habe ich für mich und andere eine sehr brauchbare Theorie zusammengestellt. Damit kann man Zusammenhänge begreifen. Weiß man was Sache ist ,ist eine Lösung nicht weit.. Es geht dann im Anschluß immer nur noch darum >>>geht das oder nicht. Will ich das oder nicht. Aber ich sage euch da nix neues ----so ist das Leben .
    Wenn man sich mit den Vorgängen beschäftigt und merkt was da abgeht nimmt man die positiven Meilensteine mit und will garnicht mehr zurück.

    danz banahl ausgedrückt ( weil sonst wäre hier jemand mit wunden Fingern).
    --Wenn ich etwas trainieren will muß ich das Richtige tun !
    -- Ich muß mich für eine gewisse Zeit auf etwas neues einlassen !
    --NUR durch immer richtiges Training schaffe ich die Grundlage für feste Nervenbahnen im Gehirn. ( und drann hapert es bei uns) dabei ist mir völlig egal wie das passiert. Es passiert halt.
    -- Wenn man nur halbherzig oder falsch trainiert übt man dieses falsche unbewust auch mit ein. Leider
    --darum mein (leider) harter Spruch >> Wer stottrert trainiert sein stottern. Ich weiß Schei..e aber leider wahr.
    -- Deshalb probieren wir innerhalb von wenigen Std 1-2 Strategie aus Hat das keine Wirkung>> auf zur nächsten Therpieform wo immer sie sein mag.
    -- Sprichst Du darauf an? dann ist deine einzige Entscheidung .... will ich das oder nicht? Sagst Du, ne mag ich nich. ist das Ok ) verstehen kann ich es nicht)
    ---sagst Du ja... dann wirst Du dein eigener Therapeut, denn nur du kannst entscheiden was für dich gut ist und wobei du das bestmögliche Gefühl hast !!!
    Und darum geht es um die schlechten und Angstgefühle abzubauen und durch durchweg positive zu ersetzen. Das geht aber nur wenn ich positives erschaffen kann, selbstbeschwindeln hilft uns da nicht weiter. Es muß für uns logisch sein !!
    Nicht weil da einer was erzählt oder es bei einem Anderem funktioniert.
    Klar den Mut holt man sich da schon wenn es bei A geht muß es auch bei mir gehen. Ist nicht immer gesagt. Es gibt viele Formen der Therapie , alle haben irgendwo ihren Sinn. Ich sage immer wenn einer eine bescheidene Erfolgsquot von vielleicht 15 % hat dann gigt es Leute die diese nutzen können und werden.
    Nach meiner Meinung wäre es aber unsinnig wenn ich an etwas glauben würde was anscheinend nicht eintreffen will. Ich brauche Beweise und davon immer neue und immer mehr !!Trete ich auf der Stelle dann geht es nicht vorwärts, und das muß es , wenn ich mein Ziel erreichen möchte.
    Schaffe die Grundlage zu sagen >>> ich bin überzeugt davon was ich tue und ich habe die Macht mein Leben selber zu gestallten.

    NA ---nun ist es doch wieder länger geworden.

    Dennoch denke ich das jeder für sich auf dem richtigen Weg ist!
    Etwas zu hinterfragen schadet nie.

    Wir tun was ! <<<< mein Motto

    anders herum >>>> was tun wir?

    Tun wir das richtige ??

    Das können wir leider immer erst hinterher entscheiden.

    Gruß Andreas



    Re: Selbsttherapie

    mi - 29.08.2005, 09:10


    Hallo pieps!

    Dein Mut zu klaren Entscheidungen gefällt mir!

    Was mir besonders daran gefällt: Die Entscheidung, dein Wohl und Wehe selbst zu bestimmen. Wir haben wohl fast alle viel zu lange auf andere gewartet und vertraut, manchmal zu Recht und manchmal zu Unrecht. Der einzige Mensch, der für mein persönliches Stottern zuständig ist, bin ich und niemand anderer. Dieses Zurechtrücken der Zuständigkeiten ist nötig.

    Ein weiterer Denkansatz:
    Wir bewegen uns in einem weiten Feld zwischen Leuten, die uns gängeln wollen ("Ich habe hier die einzig richtige Therapie auf Gottes Erdboden, die du sklavisch genau nachmachen musst, um geheilt zu werden!") und der radikalen Selbsttherapie ("Ihr könnt mich mehr oder weniger alle, ich mache das alleine!").
    Ich bin sicher der Letzte, der eine Selbsttherapie kritisiert, weil ich selbst ohne Therapie von außen weitgehend herausgefunden habe, nachdem ich als "austherapiert" ausgemustert worden bin. (Viel anderes ist mir ja auch nicht übrig geblieben, außer weinend in der Ecke zu sitzen und dort vergessen zu werden.) (weitere Anmerkung: Damals gab es viele Therapieansätze von heute nicht.) Aber geschenkt gabs dabei nichts.

    Im Allgemeinen empfehle ich, sich selbst über die erreichbaren Therapierichtungen (und auch die TherapeutInnen!) schlau zu machen und selbst auszuwählen, welche am meisten zusagt.
    Eine Therapie mit TherapeutIn hat den Vorteil, einen "Spiegel" zu bieten, also auch Rückmeldungen vom Gegenüber zu bekommen. Die sind vielleicht nicht immer angenehm, aber wichtig, um aus dem ganzen Stotter-Schlammassel rauszukommen. Wir können sie natürlich im Zuge einer Selbsttherapie auch über die Kontakte im Alltag bekommen, das dauert aber viel, viel länger und kostet auch viel mehr Energie. Dafür kostet eine Therapie mit TherapeutIn natürlich auch Geld.
    Mit TherapeutIn ist es im Allgemeinen leichter, konsequent bei der Stange zu bleiben.
    Übungen zu Sprechtechniken alleine zu machen ist sehr schwierig., das Risiko, eine Technik falsch anzutrainieren, ist relativ hoch. Und was einmal falsch eingelernt wurde, ist nur schwer wieder loszuwerden, wie wir alle anhand unserer Stotter-Sprechmuster wissen.
    Dafür ist der Erfolg, wenn er erreicht wird, bei einer Selbsttherapie natürlich doppelt motivierend: "Das habe ich selbst geschafft!"

    Zusammengefasst:
    Entscheide dich, wie du willst. Es geht um dein Leben, ich versuche dir nur Erfahrungen mitzuteilen.
    Ich möchte dir nur dabei den Hinweis geben, dass du es wahrscheinlich deutlich leichter hast, wenn du dir kompetente Hilfe und Unterstützung holst.

    Spontan nachgedacht kann ich mich an niemanden mir persönlich bekannten außer mir erinnern, der es ohne Therapie geschafft hat, alleine aus dem Stottern weigehend herauszukommen. Das Risiko bei einer alleinigen Selbsttherapie zu scheitern, dürfte also relativ hoch sein.
    Der Versuch kann es aber auf jeden Fall wert sein: Was hältst du von der Idee, dir eine gewisse Zeit (6 Monate oder so?) vorzunehmen und dann zu schauen, wohin du gekommen bist? Dann hättest du vielleicht wertvolle Erfahrungen zum weiteren Vorgehen gesammelt.

    ich wünsch dir alles Gute!
    mi



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 29.08.2005, 11:27


    Hallo mi,

    schön geschrieben, finde ich.

    Natürlich macht es wenig Sinn ganz alleine etwas zu machen, deshalb gibt es in den Selbsthilfegruppen ja auch so viel Unterstützung und Erfahrungen, darauf sollte niemand verzichten !

    Hat man sehr viel Lektüre gelesen dann kann man ins Zweifeln kommen . Denn da stand das , und der sagt das , und er Nächste findet dieses oder jenes praktikabeler.

    Es werden auch viele Schnupper-stunden angeboten , da kann man für kein Geld erst mal ausprobieren wie das ist und ob es einem hilft und das wichtigste ob man selbst abmit klarkommt, und vielleicht danach seine richtige Entscheidung fällen.

    Aus meiner Erfahrung würde ich DF empfehlen.

    Und Spaß macht es oberdrein auch noch.

    Das wichtigste ist finde ich wenn man sagt , und ICH mache jetzt etwas.


    Gruß Andreas



    Re: Selbsttherapie

    pips - 29.08.2005, 13:43


    Hallo,mi!

    Meine Entscheidung, mich "selbstzutherapieren" ist ehrlich gesagt
    auf Grund meiner finanziellen und privaten Situation entstanden.
    Die wird sich in nächster Zukunft auch nicht ändern, so bleibt mir nichts anderes übrig...

    Aber es hat sich trotzdem einiges getan in letzter Zeit....
    Ich habe Menschen kennengelernt, die mein Problem teilen.
    Ich bin in engerem Kontakt zu einer Person, die mir schon eine gute Freundin geworden ist.
    Das hat meine Einstellung, meine phsysische Verfassung ungemein gestärkt.
    Wenn ich die Zeit und das Geld hätte, hätte ich auch eine für mich geeignete Therapie gefunden.

    Ich beobachte mein Sprechen zur Zeit sehr genau.
    Nach jahrelangem Vermeiden funktionierten plötzlich die Tricks nicht mehr so gut,
    ich stottere "hörbarer".
    Mein erster Schritt war, mich zu "outen" und mein Problem offiziell zu machen.
    Das hat meine Angst sehr gelindet.
    Was sich auch sehr auf das Sprechen auswirkt!
    Nun ist es so, das ich festelle, das sich mein Stottern verändert.
    Abhängig von der Gesprächssituation, vermeide ich mehr oder weniger
    oder stottere leichter oder heftiger.
    Jetzt frage ich mich, ob es einen negativen Effekt haben kann,
    alleine ohne professionelle Hilfe, Sprech- und Atemtechniken zu trainieren?
    Ich habe immer weniger Silbenwiederholungen, dafür mehr stumme Blocks und tonische Unflüssigkeiten....
    Ich finde zwar, das dies unauffälliger wirkt, aber vielleicht trainiere ich mir unbewußt was falsches an....
    Oder ist es normal, das sich das Stottern verändert?

    Deine Idee sich ein gewisses Zeitlimit zusetzten und dann zu sehen
    find ich gut, so werd ichs machen.
    Allerdings wäre es dumm gelaufen, wenn ich mir bis dahin eher geschadet als geholfen habe...

    ganz liebe Grüsse,
    Pips



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 29.08.2005, 19:04


    Hallo Pips,

    ich denke auch, dass es erhebliche Risken birgt, wenn man sich selbst zu therapieren versucht. Ich kenne allerdings auch einige, die das wirklich toll hinbekommen haben. Einen Spiegel - wie ihn mi angesprochen hat - solltest du dir zulegen. Vielleicht gibt es in deiner Nähe eine SHG. Oder nimm immer wieder mal (unter den gleichen Voraussetzungen) deine Sprache auf Tonband auf. Entscheide, ob etwas besser geworden ist.
    Achte einfach auf dich selbst. Über die Zeit (alle paar Monate) betrachtet, sollte sich dein Stottern verflüssigen. Wobei es manchmal auch wichtig ist, mehr zu stottern - um es z.B.: besser analysieren zu können.
    hmm.. gar nicht so einfach.


    Selbsttherapie hat aber auch einen Riesenvorteil.

    du wirst nicht auf die Idee kommen, zu denken, nach der Therapie sei die Therapie beendet. Dies denkt anscheinend der Großteil der Stotternden, die eine Therapie absolvieren ;-)

    liebe Grüße
    Tjure



    Re: Selbsttherapie

    mi - 31.08.2005, 16:11


    Hallo pieps!

    Hast du bei deiner Krankenkasse und beim zuständigen Behindertenreferat nachgefragt, welceh Unterstützungsmöglichkeiten es für dich gäbe? (Ich weiß nicht, welche Stellen dir da in D weiterhelfen können.) Erfahrungsgemäß gibt es immer wieder Lücken und Härtefonds o.Ä., die mit Geduld und List & Spucke geöffnet werden können, zumindestens in Ö.
    Vielleicht findest du auch jemanden, der dir hilft. In Ö wäre dafür die für deinen Bezirk zuständige Sozialarbeiterin zuständig.

    Ja, du kannst bei einer Selbsttherapie einiges falsch machen. Speziell falsch gelernte Techniken (die beim alleine Üben leicht passieren) sind dann vielleicht haarscharf neben der richtigen Technik und deshalb nur unter viel größerem Aufwand als sonst wieder zu überlernen. Ich würde eine alleinige Selbsttherapie mit einer sprechtechnischen Methode also nur machen, wenn du keine andere sinnvolle Möglichkeit siehst.
    Ein Spiegel hilft dabei natürlich, aber manches ist selbst auch so kaum zu erkennen.

    Zu deinem Bericht, wie es dir in letzter Zeit geht:
    Dass du dein Stottern weniger kaschierst, sehe im Sinne einer Selbsttherapie sicher positiv.
    Wen du eine gewisse Bandbreite haben solltest, wie du stottern kannst, wenn du gerade stottern muss, ist möglichst lockeres und weiches Stottern immer besser, es ist auch das ursprünglichere. Dabei denke ich, kannst du wenig falsch machen. Blocks sind generell eher ungünstig.
    Stottern verändert sich übrigens immer mehr oder weniger, auch bei mir.

    Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen kannst du auf jeden Fall auch als Teil deiner Selbsttherapie sehen, alles, was dir hilft, rauszukommen, zu reden, Angst abzubauen, auch. Das gilt auch für den Fall, dass du doch noch eine Möglichkeit zur Kostenübernahme einer Therapie findest.
    Viele Stotternde scheitern bei an sich guten Therapieformen daran, dass sie sich nicht aus ihrem Schneckenhaus trauen, und das neu Gelernte bleibt im Kammerl, in dem es geübt wurde....

    Ein Vorschlag von mir: Setze dir ein fixes Zeitlimit und schreib uns vielleicht nach diesem (und nach Lust & Laune natürlich auch zwischendurch :lol: !), wie es dir gegangen ist, wäre das was für dich? (Der Bericht im Forum hilft dir, auch das vor dir selbst Limit einzuhalten, es geht hier nicht um uns, sondern um dich!)
    Dann könntest du dich weiter orientieren, welcher Schritt für dich als nächstes ansteht.

    liebe Grüße!

    mi



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 31.08.2005, 16:24


    Hallo Pips, hallo MI,

    ich schließe mich vollkommen der Meinung von MI an. :thumbleft:
    lg
    Tjure



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 01.09.2005, 12:23


    Das mit der Kostenübernahme in Deutschland ist so. Gehe zu deinem Hausarzt oder zur Logopädin. Lasse dir einen Befund bescheinigen und gehe damit zur Krankenkase. Die legt das evt. Dem Medizinische-Dienst vor und es wird endschieden .Das dauert in der Regel bis zu 3 Monaten.

    Bei mir war es anders . Ich wollte nicht warten ,und dann hatte ich das Schlamassel. Die Kasse wollte nicht bezahlen ,... weil diese Therapie nicht im Leistungskatalog beinhaltet ist !!:

    Nach langem hin und her war ich dann so böse ( na ja nicht wirklich , aber gefrustet) das ich zahlreiche Telefonate mit der Kasse hatte und den Oberleiter davon überzeugen konnte das alle vorherigen Therapien keinen Sinn ( bei mir ) hatten. Und ich nun nach der Letzten wohl nie wieder in logopädische Behandlung , wegen Stottern , haben brauche. Folgekosten würden damit nicht mehr entstehen. Das saß und die kompletten Kosten wurden mir erstattet.

    Schön nicht war.



    Re: Selbsttherapie

    pips - 01.09.2005, 13:30


    Hallo :hello2:

    Also, mi, woher nimmst du immer diese genialien Ideen ;) :D ?
    Klasse Idee ab und an zuberichten, wie es läuft.
    Das könnte mir auch helfen, konsequent zu bleiben.

    Ich scheine ein Mensch zu sein, der gerne Schritt für Schritt setzt :)
    und im Moment beschränke ich mein nächstes Ziel darauf,
    mein Leben nicht mehr vom Sprechen, oder der Angst davor bestimmen zu lassen.
    Ich versuche, Situationen nicht mehr aus dem Weg zugehen.
    Ich versuche, das Stottern nicht mehr zuverstecken.
    Ich versuche, mich nicht mehr von Reaktionen beeinflussen zu lassen.

    Nach einer geeigneten "Anleitung" für Atem- und Sprechtechniken suche ich noch...

    Eine SHG gibt es in meiner Nähe leider nicht.
    Tjures Idee mit dem Tonband find ich auch nicht schlecht, aber dann müsste ich mit jemandem während der Aufnahme sprechen,
    denn wenn ich allein bin, stottere ich nicht...
    Und mit der Krankenkasse hatte ich ein Gespräch, wobei mir nahegelegt wurde,
    das einige logopädische Behandlungen erfolgen müssen,
    um über eine Therapie (z.B. das Stotter-Training bei Hans Liebelt) zureden.

    Aber ich denke, daß ich mit den angstabbauenden Massnahmen die ich mir so vorgenommen habe,
    auch schon etwas erreiche und sich verbessertes Allgemeinbefinden
    postitiv auf das Stottern auswirkt.

    Mal sehen, wie ich so weiter komme in meinem Stufenplan :D

    liebe Grüsse,
    Pips



    Re: Selbsttherapie

    mi - 01.09.2005, 14:19


    Hallo pieps!

    Meine Ideen kommen aus meinem Kopf. Da sind sie drin und kommen manchmal raus. Manche von ihnen sind sogar gut. :P

    Stufenplan (sagen mir meine Ideen :P ) ist sicher gut. Ein langer Weg, heißt ein altes chinesisches Sprichwort, beginnt mit dem ersten Schritt. Und Schritt für Schritt kannst du schauen, was rauskommt, auch ohne Therapie bei einem/r TherapeutIn.

    Was du derzeit machst, hat viel mit Non-Avoidance und Desensibilisieren von Van Riper (Experte bei uns: Tjure) zu tun, kann ich nur unterstützen.

    Schau, was sich verändert und was gleich bleibt und erzähl uns!

    Wenn die von der Kasse eine bestimmte Therapien, die du machen willst, nicht bezahlen wollen, sehe ich die Möglichkeiten:
    Freundlich und höflich lästig bleiben, keine Therapie machen (wär doch schade) oder einfach einmal mit den in Frage kommenden TherapeutInnen zu reden, ob du dir eine Therapie bei ihnen vorstellen kannst. Wenn dir jemand sagen kann, mit welcher Methode er/sie arbeiten will, usw., wäre das doch auch eine interessante Variante, oder? (Du kannst ja in Ruhe zu Hause nachschauen oder hier fragen, was wir dir darüber erzählen können, bevor du dich entscheidest. Viele TherapeutInnen trauen sich auch mit mehreren Ansätzen zu arbeiten.) Nur eine Therapierichtung zu nehmen, die du als unwirksam kennst, würde ich auf keinen Fall, auch nicht mit jemandem arbeiten, mit dem/der ich nicht kann.
    Vielleicht findest du sogar eine große positive Überrraschung darunter?

    lg mi



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 01.09.2005, 15:54


    Hi. Pips,

    das mit der Kasse ist ja ein ding ansich. hat dir dein Arzt nicht eine Beurteilung geschrieben ?

    Behindert dich dein Stottern nicht im Alltag, bei der Berufsausübung , am Arbeitsplatz, bei Bewerbungen ? Bist du nicht schon ganz frustriert und denkst vielleicht an Selbstmord ?. Na ja ich denke du weißt was ich meine!!

    Manchmal muß man eben etwas dramatisieren, schade eigendlich.

    Gruß Andreas



    Re: Selbsttherapie

    pips - 21.09.2005, 14:56


    Hallo,ihr :hello2:

    Es hat sich soooo viel getan, ergeben und verändert.....

    Ich hab eine Menge nette Menschen kennengelernt.
    Stotternde und mittlerweile Flüssigsprechende.
    Der Auftritt mit der Band war eine große Herrausforderung,
    und hat mir viel gebracht!
    ( Hat jemand von euch zugeschaut??? )

    Mein Selbstwertgefühl hat sich massiv verbessert :D
    Das Herauskommen aus der Isolation kostet Kraft und Überwindung,
    aber die Ergebnisse sind phänomenal!
    Ich bin heute an einem Punkt, wo ich mich nicht mehr schäme zu stottern.
    Ich denke, das ich einen riesigen Schritt nach vorn gemacht habe.

    Und das verblüffende daran ist, das es mir langsam Spass macht,
    mit Menschen in Kontakt zukommen!

    Das Stottern ansich hat sich allerdings nicht sehr viel verbessert.
    Aber die Angst davor ist nicht mehr so groß.

    Seltsam finde ich, das ich wenn ich mit meiner Familie spreche extrem vermeide....
    Woran liegt das und wie kann ich das abstellen??? :scratch:

    Auch das Telefonieren bereitet mir noch arge Probleme.
    Daran arbeite ich zur Zeit....komme aber nicht wirklich voran,
    diese Angst beherrscht mich noch sehr....

    Jaaaa....soweit mein derzeitiger Status-Bericht :D
    Nicht sehr spannend für euch, aber....naja.... :lol:

    Liebe Grüsse,
    Pips



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 21.09.2005, 15:24


    Hi Pips,
    also telefonieren ist simpel ( für mich) du siehst dein Gegenübernicht , er dich auch nicht, was willst du mehr . Konzentriere dich auf das was dir hilft, und mach dein Ding. Fange erst klein an und wachse dann über dich heraus, diese Erfahrungen kannst du dann in das Alltägliche mitnehmen.

    Ich hatte auch immer mehr Probleme zu Hause in behüteter umgebung.

    Das hat was mit den Emotionen zu tun , wie immer sie auch gelagert sein mögen. das ist aber egal. Weil wir an sich damit fertig werden müssen und können ! Es ist die Sache ein Gefühl dafür zu bekommen wie es sein muß und ist. Wenn wir flüssig sind . Natürlich auch mit den Vorbereitungen dazu.

    Nur wer richtig trainiert kann was verändern. Finde DEINEN Weg. Probiere viel aus . Und wenn dir die Ideen ausgehen dann frage Leute die dir weiterhlefen , meiner eingeschlossen. Nur fragen und die Initiative ergreifen mußt DU !

    Denke das klappt schon bei dir.

    Gruß Andreas



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 21.09.2005, 17:57


    Liebe Pips,

    es ist wunderschön und macht ein tolles Gefühl dein letztes Posting zu lesen. Ich freue mich, dass du aus dem Teufelskreislauf rausgekommen bist. Es hört sich nun wie ein Engelskreislauf an, was du uns hier schilderst.
    Du bist auf einem wunderbaren Weg und es scheint steil nach oben zu gehen. Dein Einsatz und dein Mut haben sich gelohnt. dafür bekommst du von mir - und sicher auch von allen anderen - ein riesiges "RESPECT" !
    Solltest du tatsächlich beim Buko sein, so können wir gerne auf deine Erfolgserlebnisse :occasion5: .

    Das Problem mit dem telefonieren kenne ich auch noch sehr gut aus meiner Vergangenheit. Hier könnte besonders am Anfang das "Skype" ein wenig helfen.

    Es könnte viele Gründe geben, weshalb du ausgerechnet bei Gesprächen mit deiner Familie sehr stark vermeidest.
    Bei mir war das ebenfalls so und ich habe herausgefunden, dass ich immer das Bedürfnis hatte, es meinen Eltern "recht" zu machen. Ihnen so wenig wie möglich Sorgen aufzuhalsen. Es war mir schon als Kind klar, dass meine Eltern sich wegen meines Stotterns viele "Sorgen" um mich gemacht haben. Also habe ich alles getan, um so wenig wie möglich zu stottern. Deshalb habe ich also vermieden, umschrieben etc. so viel es ging (natürlich mit denkbar schlechtem Erfolg - aber der Wille zählt :-) und damals wusste ich es eben nicht besser).
    Aber wie gesagt: So war es bei mir - bei dir kann es völlig anders sein.

    Wie du das abstellen könntest: ich bin sicher, es gibt nicht nur einen Weg.
    Ich habe einfach meinen Eltern klar gemacht, dass es MEIN Problem ist, und nicht das meiner Eltern. Dann habe ich mir noch (ich gebe zu nach Jahren) einen Button mit dem Text "Ich stottere - was ist dein Problem" aufgesteckt und habe so meine Eltern besucht.
    Ich wollte mich damit einfach selbst von dem Drang befreien, bei meinen Eltern besonders "schön" zu sprechen.

    Leider war ich in den letzten Tagen sehr mit Autokauf beschäftigt. Deshalb habe ich das Konzert leider nicht mitverfolgt. Vielleicht gibt's ja mal ne DVD davon?

    liebe Grüße und weiter so.. dann gehört die Welt bald dir ;-)

    Tjure



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 27.10.2005, 12:40


    Hallo Pips,

    ist schon mehr als ein Monat vergangen, seit du uns über deine Selbsttherapie berichtet hast. Ich bin ganz gespannt, wie es dir so geht, was sich getan hat und was deine nächsten Ziele sind.

    Ich würde mich freuen, wenn du wieder mal was dazu schreiben würdest.

    liebe Grüße

    Tjure



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 27.10.2005, 19:03


    Na ist doch klar . Viele die es gaschafft haben , reden lieber !

    (letzter Endfrust )

    Manchmal klappt es eben nicht so dann wieder besser.
    Ist doch so, meine schlechten Erlebnisse würde ich auch nicht für die Ewigkeit niederschreiben.

    Wenn man so richtig im Üben ist kommen einem manchmal gar keine Gedanken das da ja noch Andere sind die neugierig sind und sich mit mir freuen wollen !! Ist doch so !

    Irdendwann werden wir hier wieder etwas von Pips lesen . Darauf wette ich.

    Gruß Andreas



    Re: Selbsttherapie

    pips - 28.10.2005, 15:21


    Huuhuuu :hello2:

    Das find ich ja nett von dir tjure :D
    Ich erzähle natürlich sehr gern wie es mir im Moment so geht!
    Aber leider kann ich wenig Neues berichten.

    Ich schäme mich deutlich weniger für mein Stottern, das eröffnet und
    erleichtert mir viele Dinge, macht mich stärker und fühl sich gut an.
    Allerdings komme ich in einigen Bereichen nicht voran.
    Das Sprechen mit Freunden und Familie stellt für mich nicht mehr so ein großes Problem dar.
    Ich bin völlig angstfrei in entspannten Situationen,
    zuhause und in Gesellschaft von lieben Menschen.
    Ich habe dann oft richtig gute Sprechmomente in denen ich wenig stottere.
    Komme ich aber in Situationen in denen ich unter vielen Leuten bin,
    habe ich nach wie vor arge Probleme.
    Auch das Telefonieren ist immernoch ein Horror.
    Besonders mit Leuten die ich nicht gut oder garnicht persönlich kenne.

    Ich empfinde es als sehr unangenehm, wenn mir "Worte aus dem Mund genommen werden",
    ( was meine Mutter besonders gerne macht) und sage das dann auch.
    Aber wenn ich total blockiert bin, passiert mir häufig, ist das ganz anders.
    Dann ist es eine Qual wenn der Gesprächspartner geduldig wartet,
    bis ich endlich weitersprechen kann.
    Doofe Sache und sicher auch nicht leicht für den Zuhörer.

    Vor ein paar Tagen noch, hatte ich das Ziel mich wieder ins Berufsleben einzubringen.
    Ich hab überlegt, was ich denn machen möchte und kann.
    Jetzt bin ich leider wieder an einem Punkt an dem ich mich davon wieder abwende.

    Ach, wenn ich das jetzt so selber lese bin ich etwas enttäuscht von mir...

    lg, pips



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 31.10.2005, 17:14


    Hallo Pips,

    schön, dass du dich gemeldet hast.

    es ist doch super, dass du dir bewußt bist, dass es auch Sprechsituationen gibt, in denen es ganz gut geht mit dem Stottern.

    Wo geht es nicht voran?
    Sind das Situationen, wo du dich völlig hilflos fühlst, und dennoch gerne möchtest, dass alles flüssig kommt, du deshalb versuchst mit Kraftanstrengung weiterzukommen, und dadurch nur noch alles schlimmer wird?

    Weißt Du das mit der Entspannheit oder Gelassenheit ist ein wichtiges und auch heikles Thema, bei dem es häufig Mißverständnisse gibt.

    Ich sehe es so, dass es zwei Intentionen gib, um Gelassenheit und Entspannheit zu üben.

    1: um erst gar nicht ins (starke) Stottern zu kommen.
    2: um gelassener beim gerade auftretenden Stottern (wenns gerade knallt) zu sein - um handlungsfähig zu bleiben.

    Ich als Vertreter der Stottermodifikation behaupte, dass Punkt2 besser - weil wirkungsvoller und verlässlicher - ist.

    Ich drück dir die Daumen, dass es weiter vorwärts geht, du dich nicht von Rückschlägen oder langsamen Vorankommen lähmen lässt.

    Ich wünsch dir viele Erfolgserlebnisse --> vielleicht auch mal im Skype? Ich würde mich freuen.


    liebe Grüße

    der Tjure



    Re: Selbsttherapie

    pips - 15.11.2005, 16:12


    Hallo :hello2:

    Tjure, genau das was dein "Punkt2" beschreibt, ist der Knackpunkt...
    Das beschäftigt mich gerade sehr.

    Wenn ich gerade schwer an einem Wort hänge, geht irgentwas in mir vor,
    was mein weiters Sprechen verschlechtert.
    Es macht mich unterbewusst nervös und ärgerlich,
    dass ich dieses Wort so stark stottern musste und stottere dann weiter stärker.
    So ne Art Kettenreaktion...
    Verstehst du was ich meine ?

    Leichtes Stottern bringt mich nicht mehr aus der Fassung,
    es ist immer da und ich kann damit leben.

    Aber wenn es halt gerade "richtig knallt" wie du es trefflich ausdrückst,
    verunsichert mich das total.

    Ich versuche dann, wenn die Situation es zulässt,
    zustoppen, tief durchzuatmen, etwas ruhiger zuwerden.
    Naja, was besseres fällt mir nicht ein... :roll:

    Man müsste sein Unterbewusstsein austricksen können,
    damit es erst garnicht zu diesen negativen Empfindungen kommt 8)

    Wie machst du das ?

    lg, pips


    ps: Hey, mi , ich vermisse deine genialen Ideen :sign7: ;) :lol:



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 15.11.2005, 16:40


    Hi pips,
    auch noch mal .

    Hatte das gleiche Problem. Geholfen hat mir ein Ausweg, einer der funktioniert und auf den ich mich nahe zu immer verlassen kann. 100 % gibt es wahrscheinlich nie .

    Aber das was dann wirkt ist manchmal bei jedem anders . Ausprobieren mußt du da was und aus diesen Erkenntnissen deinen weiteren Weg bauen.
    Eigentlich machen wir das doch alles so ?!

    Im Grunde würde ich sagen ,sehe zu das du mit deinen Gedanken weg von der Situation ,vom doofen Wort und dem Stotterereignis kommst . Je mehr man da hängen bleibt oder sich so ein blödes Gefühl aufschaukelt um so weniger Chancen hat man um dann da wieder rauszukommen.

    Und gute Tips gibt es überall. Manche sind weniger praktikabel andere dafür mehr.

    Gruß Andreas

    Na die gute Laune schon da?



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 15.11.2005, 22:14


    Liebe Pips,

    Andreas hat mit seinem Tipp eine gute (von mehreren) Möglichkeit aufgezeigt.
    Die Realisierungsmöglichkeiten (wie bringt man die doofen Gefühle weg vom Stottern) hat Andreas aber nicht angeführt. Das kann ich deshalb verstehen, weil das ein sehr sehr langes Posting zur Folge hätte.

    Ja, ich verstehe was du meinst - ich kenne das sehr gut von mir selbst.
    Du sprichst im Grunde von "Erfüllung von Erwartungen" und von Automatismen.

    Die Kettenreaktion von der du sprichst ist allgemein als sogenannter "Adaptionseffekt" bekannt. Umgekehrt geht es übrigens ähnlich. Wenn du eine Weile ziemlich flüssig sprichst, kannst du davon ausgehen dass es auch eine weitere Weil so weiter geht.

    Die Gelassenheit beim auftretenden Stottern (wenns gerade knallt) kann mal leider nur üben! Dazu gibt es eine ganze Latte von Übungen.
    Im Grunde geht es (wie Andreas bereits schrieb) darum, die Reaktionen/Gefühle beim Stottern und die Reaktionen/Gefühle unmittelbar nach dem Stottern zu verändern bzw. die Gefühle/Reaktionen (die ja automatisch ablaufen) vom Stottern zu trennen.

    ich merke schon jetzt, dass ich viel schreibe, es aber nicht wirklich verständlich ist.
    Ich versuche mal ein Beispiel:

    Bisher: wenn es gerade knallt versuche ich alles mögliche zu tun um da schnell wieder raus zu kommen.

    Neue Reaktion:
    Aha, jetzt knallts gerade - aber wirklich heftig. Welchen Laut will ich eigentlich jetzt bilden - stimmt meine Artikulationsstellung eigentlich? Jetzt versuche ich mal den Block etwas länger zu halten als er eigentlich dauern müsste - mal gucken. habe ich irgendwo meine Luftstrom unterbrochen (drücke ich die Zunge gegen den Gaumen, habe ich die Stimmbänder zusammen, habe ich meine Lippen fest verschlossen)?


    Neues Gefühl danach:
    Boah... den Block hab ich jetzt echt krass lange durchgehalten. Aber ich habe gemerkt dass ich eigentlich einen Vokal machen wollte - und ich hatte aber die Lippen voll aufeinandergepresst - ist ja interessant was ich da gemacht habe.


    Pips, das war nur ein Beispiel von vielen verschiedenen Möglichkeiten.
    Am Anfang bekommt man das nicht hin, weil es eine derart neue Reaktion auf das Stottern ist, dass der alte Mechanismus die Oberhand behält. Du musst dir Hirachien bilden.


    Jetzt mal weg vom Beispiel.
    Gelasseneheit(wenns knallt) übt und lernt man durch Desensibilisierung.
    Dazu gehören unter anderem:
    absichtliches Stottern - das man immer mal wieder variieren kann.
    Zeitlupensprechen, später nur einzelne Lautübergangsdehnungen.

    Ächz, das Posting wird zu lange.
    Ich habe bemerkt, dass ich viel schreiben und dennoch wenig sagen kann.

    Machen wir es einfach so, pips:
    Du has mir eine für dich sehr spezifische Frage gestellt - auf die ich gerne spezifisch antworten möchte.

    Wenn du noch etwas zum Thema "Gelassenheit" von mir wissen willst - so könnten wir das auch per Mail oder per PN machen.
    Einverstanden?

    liebe Grüße
    Tjure

    @mi: versuch mal etwas zum Thema zu schreiben.. du verstehst es bedeutend besser als ich prägnante und aussagekräftige Postings zu verfassen :-)

    P.S: Ich hoffe ich habe jetzt selber nicht gegen die Forumsregeln verstossen - Was die Kramattick und so betrifft ;)



    Re: Selbsttherapie

    mi - 22.11.2005, 17:16


    Hallo, ihr alle!

    Derzeit hechle ich meinen Aufgaben hinterher, dabei "weiß ich ja den ganzen Tag nicht, wie ich die Zeit totschlagen kann"! :lol:)

    Zur Diskussion fallen mir ein paar Beiträge ein, die interessant sein könnten, ich schreib sie einfach auf:

    Frust:
    Deinen Frust, pieps, dass es wieder weniger toll geht, wie schon geschafft, kenne ich gut. (Wer nicht!)
    Diese erste glückliche Zeit, wenn das Stottern positiv in Bewegung kommt, heißt im englischen "lucky fluency", lucky deshalb, weil schon nach kurzem Engagement viel Erfolg herausschaut. Der Rückschlag, der darauf kommt, lässt nie auf sich warten. Nun, die erste Phase, die "lucky fluency" hast du erfolgreich beendet, jetzt bist du in der 2. Phase angelangt, wo nach dem glücklichen Rutsch die Mühen der Ebene warten. Willkommen! Du bist auf dem richtigen Weg. Grund, deine Berufswünsche wieder wegzustecken, hast du deshalb sicher keine.
    Dieser Rückfall gehört bei dem Weg aus dem Stottern dazu, wie die volle Windel zum Wunschkind.

    Zur Gelassenheit:
    Da ist schon viel vor mir gesagt worden. (Toll, wieviel Wissen hier im Forum freizusetzen ist, nicht?!)
    Ich möchte noch etwas dazu sagen:
    Gelassenheit lässt sich genausowenig wie Spontaneität herstellen. Wenn ich sage "Sei gelassen!" ist das eine gut gemeint Aufforderung, aber helfen wird sie nicht. Gelassenheit kann eintreten, wenn wir die richtigen Bedingungen dafür herstellen und sie dann auch zulassen, dann kommt sie aber wie von selbst.
    Ich habe oft den Eindruck, dass viele Stotternde (fast) alles immer viel zu gut, zu perfekt machen wollen. Wenn sie dann besonders gelassen sein wollen, siehe oben.... das wird so nix. Deshalb denke ich, dass vielleicht auch gegenüber der wichtigen Gelassenheit auch etwas Gelassenheit (und auch Konsequenz in der Herstellung günstiger Situationen dafür!) günstig wäre. Sie kommt schon, wenn sie kann.

    Dazu kommt noch:
    Ich habe mich einmal testhalber mit Pulsmesser von einer Felswand abgeseilt. Das macht (zumindesten mir) einen Riesenspaß, ist absolut sicher, und ich habe so etwas schon oft gemacht. Mein Puls ist dabei aber trotz aller Gelassenheit und Routine, mit der ich mich ins Seil gehängt habe, auf über 120 angestiegen. Ein Arzt, den ich gefragt habe, sagte mir, dass das eine normale Reaktion des Körpers wäre, weder willentlich beeinfusst noch ein Zeichen für besonderen seelischen Stress.
    Und dann rennen wir sprachlich mit dem Kopf in die Wand und verlangen von uns völlige Gelassenheit und dadurch völligen Erfolg dabei. So einfach geht das offensichtlich doch nicht. Selbst erfahrene Stottertherapeuten konnte ich dabei erleben, wie sie sprachlich in die Wand gerannt sind und ähnliche Schwierigkeiten dabei hatten, wie wir alle anderen. Sie sind nur schneller und leichter rausgekommen, dank ihrer Übung.

    Ich denke mir:
    Einen Schritt nach dem anderen, und jeder geht weitgehend ins Unbekannte. Niemand weiß, wohin er führt. Und die Richtung stimmt, wenn du zurückblickst. Bei manchen Schritten brichst du neben dem Weg ein. Das macht nichts, dann weißt du, wo du den Weg im tiefen Schnee suchen musst und findest ihn wieder. Manchmal gibts nasse Füße. Sie werden schon wieder trocknen. Und ohne langem Weg durch anstrengenden Schnee kommst du nicht aus dem nassen Zeug hinaus.
    Der Weg lohnt auf jeden Fall!


    lg mi



    Re: Selbsttherapie

    Freak - 20.01.2006, 12:14


    Schön geschrieben, mi. ;)

    Ich habe mir vor einiger Zeit mal folgendes überlegt:

    Bestimmt kennt ihr das auch. Wenn man als Stotterer seine Stimme verstellt oder eine Rolle spielt (und ich imitiere gerne und nicht mal schlecht andere Menschen), dann stottert man weniger und oft sogar gar nicht.
    Für mich persönlich eine Art Wunder.

    Ich kenne eine Stotterin flüchtig, die Theater spielt. Privat stottert sie, auf der Bühne ist sie jedoch absolut flüssig.
    Auch Bruce Willis hat früher stark gestottert und stottert angeblich auch heute noch leicht, wenn die Kamera aus ist.

    Ich kenne mich da nicht so aus, aber knüpfe das mal im Wesentlichen an zwei Vorgänge:
    1. Man nutzt eine kontrollierte und andere Sprech- und Atemtechnik als die gewohnte. Das einprogrammierte stotternde Sprechen wird nicht "abgerufen".
    2. Man ist psychisch "freier". Man ist eine andere Person. Eine Person, die sich nicht um ihr Stottern kümmert, weil sie nicht stottert.

    Und jetzt kommt meine revolutiuonäre Idee. :roll:

    Wenn es uns gelingt im Alltag eine "Rolle zu spielen", sollten wir dann nicht unser Stottern in den Griff bekommen?
    Ich meine damit nicht, dass wir unsere Persönlichkeit verfälschen, sondern, dass wir uns neu erfinden.
    Wir üben mit einer anderen Stimme zu sprechen. Keinesfalls soll das ins Extreme fallen. Z.B. könnte man seine Stimmlage etwas tiefer oder höher anlegen. Wobei einer tieferen Stimmlage durch das erhöhte Stimmvolumen eine flüssigere Sprechbarkeit nachgesagt wird.

    Und Stotterer sind manchmal ohnehin unzufrieden mit sich im allgemeinen. Wenn man das noch alles ändern würde und sich in die Person wandelt, die man sein will - also nicht verfälschen, sondern man selbst ändert sich dahingehend, wie man gern sein würde - so weit wie's geht - dann könnte man sich doch an und für sich "antrainieren", diese neue Rolle - die Rolle des "neuen Ichs" - im Alltag zu spielen - inkl. leicht veränderter Stimmlage verbunbden mit einem anderen Sprechtempo, optimalerweise einem langsameren.

    Das ist jetzt etwas unübersichtlich formuliert, aber ich habe beim Schreiben die ganze Zeit schon weitergedacht. Ich werde das heute Abend nochmal zusammenfassen und übersichtlich darstellen.
    Ich hoffe, ihr versteht, was ich sagen will.



    Re: Selbsttherapie

    pips - 20.01.2006, 13:01


    Hi Freak,

    du hast recht, das ist schon intressant, die Sache mit dem Stimmenverstellen.
    Ich mache das ständig ...meistens bewusst um nicht zustottern und zudem wirkt es oft witzig auf den Gesprächspartner.
    Aber im Großen und Ganzen empfinde ich dies als eine meine Vermeidungstechniken, die mich total nerven.
    Auf Stimme verstellen, Worte umgehen und sogar ganze Sätze sinnentfremden habe ich absolut keine Lust mehr.

    Ich arbeite eher daran, genau das nicht mehr zumachen.
    Die Stimme auch nur um eine Oktave höher oder tieferzulegen würde mir wahrscheinlich auf Dauer auch nicht helfen ;)

    Aber ich bin neugierig, was du noch dazu schreiben wirst :D

    lg,pips

    Achso, was mich noch intressieren würde...
    Welche Therapien hast du denn so schon gemacht?



    Re: Selbsttherapie

    Freak - 20.01.2006, 22:42


    Therapien.....
    Aaaaaaaaaaaalso *weeeiiit aushol*...

    Die erste, an die ich mich aktiv erinnere war eine Therapie, bei der mir eine Logopädin imme rirgendwelche Dinge gezeigt hat und ich musste diese benennen und dabei auf die korrekte Zungenstellung etc. achten.

    Aber, ohne eingebildet klingen zu wollen, war ich immer ein sehr cleveres kleines Kind und diese Therapie war mir schon damals zu doof, weshalb ich sie zu Hause mit komödiantischem Geschick imitiert habe. ;)

    Deshalb haben mich meine Eltern da auch irgendwann rausgenommen.

    Das muss so mit 3 oder 4 Jahren gewesen sein.

    Dann war ich jahrelang in einer Art "Spieltherapie", die nach psychischen Gründen für mein Stottern gesucht hat, wie etwa einem Trauma und auch sonst meine seelische Entwicklung etwas beobachten sollte, wa smir damals natürlich nicht klar war.
    Ich ging dort jede Woche hin, habe mit der Frau gerdet und Spiele gespielt und wusste eigentlich nie wieso ich das tun sollte.

    Wie gesgat, war ich nicht ganz dumm. Und ich bin mir sicher, dass ich heute sehr viel weniger Probleme hätte, wenn man mir damals genau erklärt hätte, warum ich diese Sprachübungen mache und was sich dadurch verändern soll und wozu ich mit einer fremden Frau Spiele spielen musste.

    Es hat mir niemand erklärt und deshalb habe ich die Übungen, die ich zu Hause machen sollte auch nie gemacht. Ich verstand einfach nicht, was das bringen soll.
    Ich wusste nur, dass es mir eben irgendwie helfen soll mein Sprechen zu verbessern.
    Das tat es aber nicht, weswegen ich früh resigniert habe und die Therapien über mich wie einen schlechten Film ergehen ließ.

    Zum Ende der Grundschule hin hatte ich dann endlich eine Therapie, die mir alles genau erklärt hat. Wie ich atmen soll und warum und was die Zungenstellung bewirkt und was das Zwerchfell ist etc pp.
    Leider kam diese Therapie zum falschen Zeitpunkt. Es war die Zeit der ersten Mädchenbekanntschaften und der ersten kleinen Partys. Da war es einfach "uncool" einen Therapeuten zu haben....

    Im Nachhinein nützt mir diese Behandlung aber noch heute etwas durch das Wissen, dass ich durch sie zugewonnen habe.

    Mit 16 Jahren ca. hatte ich dann wieder eine "anständige" Therapie bei einer sehr kompetenten Logopädin.
    Und zwar habe ich mit ihr die "Nicht-Vermeidungs-Therapie" erlernt. Diese ging ca. zwei Jahre lang.

    Ihr glaubt gar nicht wie ich bei den Sitzungen geschwitzt habe. Es hat mich damals stark belastet mich überhaupt mit meinem Stottern zu beschäftigen. Ich hatte fast A-a-angst vor den Therapiestunden.

    Im Endeffekt aber war die Therapeutin so zufrieden mit mir, dass sie zu mir einen Satz sagte, den sie angeblich noch nie zu einem Patienten gesagt hat und den ich mit demnächst mal auf einen Zettel schreiben werde, den ich mir ins Portemonnaie lege:

    "Ich glaube, du schaffst es, dein Stottern zu überwinden."

    Nach viel Diskriminierungen und unzähligen Hänselein und Beleidigungen, die mir wirkllich sehr wehtaten, hatte ich mich zeitweise aber wieder frustriert abgewendet von allen angesammelten positiven Gedanken.
    Hilflosigkeit ist ein schreckliches Gefühl.

    Bis heute.

    Ich habe mir in einem kurzen Anflug von Motivation letztes Jahr im Spätsommer zwei Bücher zur Selbsttherapie gekauft, mich aber nicht wirklich intensiv damit beschäftigt, weil ich das ganze Thema einfach von mir wegschieben wollte.

    Nun, in der Realität angekommen, habe ich endlich Motivation und vor allem Selbstvertrauen mein Stottern konsequent anzugehen.
    Aus de rletzten Therapie habe ich viel mitgenommen, das ich nun nutzen werde.
    Ich werde selbst an mir arbeiten.

    Meine erste wirkliche Therapie beginnt mit 21 Jahren....

    Freak



    Re: Selbsttherapie

    Freak - 20.01.2006, 22:52


    Und noch etwas zu dem Thema "Im Alltag eine Rolle spielen":

    Die Stimme verstellen ist Vermeidung.

    Stimmt das?

    Wer sagt mir, dass meine jetzige Stimmlage die gleiche wäre, wenn ich nicht stottern würde?
    Vllt. trägt eine nicht optimale Stimmlage zu meinem Stottern bei?

    Ich überlege nun, mir eine Stimmlage zu suchen, mit der mir das Sprechen auf Anhieb leichter fällt und die mir angenehm ist, und sie im Alltag auszuprobieren, um zu sehen, ob mir die Änderung meiner Tonlage wirklich weiterhilft.

    Was ich damit eigentlich bezwecken will:

    Die neue Tonlage hat weniger Verbindung zu meinem einprogrammierten Sprechen und wird somit etwas anders im Gehirn "kompiliert". Zusammen mit dieser neunen Tonlage möchte ich ein Sprechen mit "mehr Stimme" einüben. Und dazu eine anständige Bauchatmung mit einem ständigen Luftstrom nach außen als Grunderüst des Ganzen.

    Ich möchte also das Sprechen in einer ganz anderen Weise erlernen. Parallel zu meinem Stottern.
    So, als würde ich mir eine alternative Handschrift zulegen.

    Sinn und Zweck des ganzen wird eine weitgehend symptomfreie Sprechweise sein, die jederzeit und irgendwann ohne nachzudenken rein motorisch abrufbar sein und mein altes Sprechen so weit wie möglich verdängen soll.

    In meinem kleinen irren Hirn macht das Sinn.
    Und einen Versuch ist es allemal wert.

    Ich werde euch natürlich über Erfolge und Misserfolge auf dem Laufenden halten. ;)

    Meine Finger tun weh.

    Freak



    Re: Selbsttherapie

    mi - 23.01.2006, 15:34


    Hallo freak!

    Deine Idee ist interessant! Dein Ansatz ist, was das Sprechen (zumindestens für einen gewissen Zeitraum) angeht, sicher machbar. Er hat leider nur einen Haken, an dem die meisten Stotter-Therapien scheitern, bei denen das "richtige Sprechen" geübt wird: Langfristig funktioniert er üblicherweise nicht.
    Der Grund:
    Wir haben beim Stottern den Großteil unserer Symptome entwickelt, weil das Stottern einen gewissen "Dreh" hat: Wenn du beim Stottern irgendetwas änderst, also v.a. die Stimme, den Tonus, die Gestik, aber auch anderes, kannst du eine Zeitlang relativ störungsarm bis störungsfrei sprechen. So haben wir begonnen (wir: es gibt wohl auch Ausnahmen), aus den lockeren Wiederholungen tonische Symptome zu entwickeln, weil sie zu Beginn geholfen haben. Alle anderen Stottersymptome sind durch den gleichen Mechanismus entstanden und zu einem Teil des Stottern geworden.
    Das Risiko, dir ein neues Symptom zuzulegen, ist also nicht von der Hand zu weisen. Bei anderen Therapien war das auch schon so: Beim früher einmal gerne geübten "Taktsprechen" ist man davon ausgegangen, dass das Mitklopfen nach und nach reduziert wird, bis es weg ist und der Stotternde störungsfrei spricht, ohne zu klopfen. Heraus gekommen sind viel, viele Leute, die zusätzlich zu ihrem Stottern auch noch herumklopfen, ein etwas dämlicher "Therapieerfolg".

    Ein anderer Faktor spricht leider auch gegen deine kreative Idee:
    Nach einer gewissen (und nicht allzulangen Zeit) gewöhnst du dich an deuine neue Art zu sprechen und stotterst dadurch wie gewohnt.

    Ich will dir mit diesem Einwurf nichts Schlechtreden oder miesmachen. Was auch immer du machst, ist dein und nicht mein Weg aus dem Stottern.

    Übrigens: Deine erfrischend unbekümmerte Art, dein Stottern anzugehen, gefällt mir!

    lg mi



    Re: Selbsttherapie

    Freak - 25.01.2006, 02:03


    Danke für den Beitrag.
    Ich werde darüber nachdenken, falle aber leider gerade vom Stuhl vor Müdigkeit.
    Meine Stellungnahme folgt bald. ;)



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 25.01.2006, 10:24


    Hi Freak,
    ich denke an deinem Ansatz ist durchaus was drann. Die Bedenken bleiben aber trotzdem , nur diese Bedenken kann es bei anderen Therapien auch geben.

    Wenn es dir gelingt für eine gewisse Zeit ( keiner weiß wie lange )flüssig zu sprechen und du dabei dein Verhalten und das Handeln konstruktiv zu beobachten und einen Flüssigsprechengefühlszustand erreichen kannst bei dem du dann sagen kannst wenn ich mich so GUT flühle dann kann ich auch wieder langsam in mein normales persönliches Sprechen zurückkehren. Wenn dir das gelingt dann war das dein Weg .Unser Gehirn braucht eine lange Zeit um die Stotterprogramme zu überschreiben , ob es das jemals föllig schafft bleibt auch noch außen stehen. Wer es schafft weniger oder seltener zu stottern der hat vielleicht eine größere Chance bei der " Umprogramierung" . Aber ein Versuch ist es allemal.

    Viel Glüch beim Üben deiner eigenen Theorie.

    Gruß Andreas



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 25.01.2006, 13:10


    Hallo Freak,

    Deine Idee ist nicht ganz neu ;-)
    Veränderungen an der Prosodie werden gerne von den verschiedenen Therapierichtungen angewendet. Bei Frank Herziger nennt man das dann klangvolles Sprechen, bei Hausdörfer nennt man das Tönen .. usw.

    jetzt bin ich mal so frech, und stelle die These auf, dass das alles sogenannte Ablenkungs- oder besser gesagt Hinlenkungsmanöver sind. Man lenkt die Aufmerksamkeit auf etwas bestimmtes (bsp. klanvolles Sprechen) hin und man macht sich damit die Tatsache nutzbar, dass damit das Stottern präventiv beeinflusst werden kann (was es auch tut).

    jetzt werde ich noch frecher, und wage zu fragen:
    Ist nicht auch die häufig propagierte Zwerchfellatmung in diese Schublade reinzupacken. (bsp. Del Ferro, Greifenhofer) ?

    Ich teile die Meinung von Andreas Weiser und insbes. mi.
    Es besteht ein erheblichens Gefahrenpotential dahin gehend, dass du vielleicht immer mehr davon brauchst - damit es noch hilft. Und wenn du ganz übles Pech hast, dann wird das plötzlich Teil der Stotter(sekundär)symptomatik. So war das übrigens bei mir :(
    Wenn du aber in der Lage bist - das ein wenig von aussen (wie ein Ingenieur) zu betrachten - kann das durchaus funktionieren was Andreas schreibt.

    Pass einfach auf, dass du dich nicht davon abhängig machst. Die gewonnene Flüssigkeit fühlt sich verdammt gut an - und macht schnell abhängig.
    Take Care - wenn du das tust !

    Tjure



    Re: Selbsttherapie

    Andreas Weiser - 25.01.2006, 14:05


    Hi Tjure,

    ich denke es kommt auf den Nutzeneffekt an. Manche würden was geben um eine gewisse Flüssigkeit zu erlangen. Von nix kommt nix .Jeder muß nun abwägen was er beereit ist einzusetzen.

    Wenn ich durch oder von der Flüssigkeit abhängig werde ,...... na mir kann nichts besseres passieren. Sofern es denn so ist und auch bleibt , auch nachdem ich so langsam wieder zu meiner persönlichen Sprechstruktur zurückgefunden habe. Es ist schwer aber doch nicht unmöglich sich durch geeignete Maßnahmen alten ( schlechteren Tricks) wieder abzugewöhnen. denn man greift immer seltener zu den " Alten " weil man ja nun etwas besseres hat. So ging es mir jedenfals. Andere pusseln sich aus diversen Therapieformen etwas eigenes zusammen. Wenn es hilft oder man damit besser zurande kommt, ist es Ok.
    Aber und da gebe ich Tjure recht.---- Bleibe kritisch .

    Gruß Andreas



    Re: Selbsttherapie

    Freak - 27.01.2006, 01:06


    mi hat folgendes geschrieben:
    Das Risiko, dir ein neues Symptom zuzulegen, ist also nicht von der Hand zu weisen.

    Dazu muss ich erstmal sagen, dass ich langsam fast vollständig "sekundärsymptomfrei" spreche.
    Früher hatte ich Phasen, in denen ich überflüssigerweise nach Luft schnappte oder hunderte "ämmmmms" vor ein schwieriges Wort eingefügt habe, die Augen zugekniffen habe (das ist noch gar nicht lange her), meine Stimme verstellt habe etc pp.

    Das alles habe ich fast komplett abgelegt. In "mühevoller Handarbeit".

    Allerdings merke ich, dass ich, wenn ich ganz gelassen bin oder gar nicht an mein Stottern denke, dass ich dann oft tiefer spreche als normalerweise.
    Und ich spreche dann absolut flüssig. Was mich vermuten lässt, dass meine höhere Sprechweise ein Stottersymptom ist und nicht meine tiefere, die ich trainieren will.

    Aber wie gesagt, das ist ein Selbstversuch ins Blaue.


    mi hat folgendes geschrieben:
    Ein anderer Faktor spricht leider auch gegen deine kreative Idee:
    Nach einer gewissen (und nicht allzulangen Zeit) gewöhnst du dich an deuine neue Art zu sprechen und stotterst dadurch wie gewohnt.

    Natürlich werde ich mich nicht auf einer tieferen Sprechweise ausruhen. Das wäre ja auch zu einfach. Ca. 18 Jahre Leid und dann spreche ich einfach flüssig, indem ich tiefer spreche...Das würde mir ja schon fast wehtun, dass ich das nicht vorher probiert hab. ;)
    Ich tue ab jetzt eine Menge für ein flüssiges Sprechen.
    Momentan bin ich erstmal noch in der Phase mich selbst zu akzeptieren. Genau so wie ich bin. Was nicht heißen soll, dass ich dann so bleiben will, man sollte ja immer an sich arbeiten. Aber diese Phase kennen nicht nur Stotterer, sondern wohl fast jeder intelligente Mensch. Und sie hört wohl nie auf. Allerdings beziehe ich diese Phase natürlich auf mein Stottern.
    Ich habe schon immer viel geredet, aber jetzt spreche ich auch mit Fremden viel offener und wenn ich stottere halte ich den Augenkontakt bzw. versuche es.
    Das nur als Beispiel.
    Zusätzlich übe ich, das wissen aus meinen vergangen therapien und den beiden büchern, die ich mir gekauft habe, anzuwenden.
    und das weniger zu hause im stillen kämmerchen als "draußen".
    wo lernt man schneller als in der praxis selbst?
    Außerdem fange ich bald an zu meditieren - für die innere Ruhe und Zufriedenheit. :)

    Tjure hat folgendes geschrieben: Bei Frank Herziger nennt man das dann klangvolles Sprechen

    Genau das will ich perfekt können. Klangvoll sprechen. Ich merke immer wieder, wie ich meinen Stimmfluss ohne Grund unterbreche und sowieso mit zu wenig Klang spreche.
    Wenn ich mein Sprechen aufnehme in meiner üblichen und in der klangvollen Weise und dann anhöre, dann klingt die klangvolle stimme einfach wesentlich angenehmer und attraktiver, auch wenn ich mit "normaler stimme" nicht stottere oder mit der klangvollen stottere.
    Selbst wenn ich nicht stottern würde, würde ich wohl versuchen mir diese "neue Stimme" anzutrainieren.

    Tjure hat folgendes geschrieben:
    Wenn du aber in der Lage bist - das ein wenig von aussen (wie ein Ingenieur) zu betrachten - kann das durchaus funktionieren was Andreas schreibt.

    Ich bin zwar sehr begeisterungsfähig, aber schon immer ein kühler und misstrauischer Kopf gewesen.
    In einem Frieden, sehe ich immer den nächsten Krieg kommen. ;)

    Tjure hat folgendes geschrieben: Pass einfach auf, dass du dich nicht davon abhängig machst. Die gewonnene Flüssigkeit fühlt sich verdammt gut an - und macht schnell abhängig.
    Take Care - wenn du das tust !

    Vielen lieben Dank für die Warnungen von euch.
    Aber ich bin auch so schon süchtig nach Worten. seit ich meine sekundärsymptome weitestgehend los bin, rede ich die leute in grund und boden. aber das hab ich auch früher schon getan.
    allerdings nur bei leuten, die ich kenne - in meinem hirn ist noch heute die blockade drin, die mich nciht völlig unbefangen auf fremde zugehen lässt. eine art imaginärer tumor, der mir sagt, dass ich angst haben muss vor diesem fremden, da er mir was böses will und sowieso feindlich gesinnt ist. :(
    Aber ich werde mir die Warnungen zu Herzen nehmen! Versprochen.

    Andreas Weiser hat folgendes geschrieben: Andere pusseln sich aus diversen Therapieformen etwas eigenes zusammen. Wenn es hilft oder man damit besser zurande kommt, ist es Ok.
    Aber und da gebe ich Tjure recht.---- Bleibe kritisch

    Genau das habe ich vor und werde ich tun.

    Ich habe mir mal ein Weblog angelegt - keine Sorge, dass es so düster aussieht, das find ich einfach stylish. Ich blicke fast immer positiv in die zukunft! ;)
    Dort will ich meinen Therapiefortschritt niederschreiben und die Maßnahmen erklären und etwas von meinem (Stotterer-)Gefühlsleben preisgeben.
    Vllt. helfe ich damit jmd. Vllt. findet ihr es auch einfach interessant.
    Mir dient es als eine Art Selbstkontrolle. Denn was man niederschreibt, übderdenkt man gründlich.

    Hier die Adresse zum Weblog:

    http://myblog.de/mein-weg-in-die-freiheit

    Ab Morgen geht es los. :)

    Freak!



    Re: Selbsttherapie

    mi - 28.01.2006, 19:44


    Hallo freak, hallo alle anderen!

    Diese Diskussion gefällt mir! Wir unterhalten uns auf einem ausgesprochen hohen Niveau, findet ihr nicht auch??


    Was haltet ihr von der folgenden Idee zu den verschiedenen "Drehs", mit denen das Stottern verändert werden kann:

    Wir können irgend etwas verändern und das Sprechen bzw. das Stottern verändert sich vorerst einmal. Davon können wir, denke ich, im Allgemeinen einmal ausgehen. (Und dass wir etwas verändern wollen, ist ja auch klar!)

    Jetzt das Neue in dieser Diskussion:
    Wenn jemand einen "Dreh". also eine Veränderung findet, der ihm selbst und einem guten Umgang mit sich und den anderen entspricht, wird wahrscheinlich der Erfolg ein nachhaltiger sein. (Damit meine ich natürlich nicht völlige Symptomfreiheit oder sogar die Lösung aller Probleme, sondern einen Schritt in die richtige Richtung.)
    So eine Veränderung kann auch klangvolles Sprechen sein, dazu würde für mich im Rahmen einer umfassenden Therapie auch Arbeit an der Atmung gehören können, und noch Vieles mehr. Und, das wäre gerade in dieser Diskussion wichtig, eine tiefere Stimmlage kann genauso dazugehören, wenn sie die jetzt erst neu entdeckte eigentliche Stimme ist. (Manche sprechen aus Stress oder Druck mit einer für sie eigentlich zu hohen Stimme, und beileibe nicht nur Stotternde. Wenn sie diesen Stress abbauen, senken sie ihre Stimmlage oft unwillkürlich.)

    Es gibt aber, denke ich, auch eine andere Art der Veränderung, und die habe ich in meinem letzten Beitrag gemeint:
    Wir können auch irgend eine willkürliche Änderung durchführen, die mit uns, mit unserem eigenen "Lebensprogramm" (ich hoffe, ihr versteht, was ich meine) nicht zusammenpasst. Eine solche Veränderung bleibt bestenfalls an der Oberfläche und verändert nichts an den Grundlagen. So eine Veränderung sehe ich als mindesten fragwürdig, weil sie uns im sdchlimmsten Fall nur ein neues Symptom beschert, im besseren Fall nur kurze Erfolge und danach den neuen, geballten Frust.


    Dazu noch etwas:
    In einer schlechten Therapie wird es sehr, sehr schwierig sein, eine positive Veränderung wie oben beschrieben zu erreichen.
    Bei einer guten Therapie hängt es dagegen immer auch stark von der KlientIn ab, was sie sich rausholt. Eine Psychotherapeutin, die ich gut kenne, hat einmal gesagt, man kann alles, aber auch wirklich alles für oder gegen sich verwenden. (Und meine bisherige praktische Erfahrung bestätigt diese Einschätzung.)
    Die Einschätzung, was wie wirkt, ist also schwierig. Was ich mich dabei auf jeden Fall zu sagen traue ist, dass viele Angebote so seicht und oberflächlich aufgebaut sind, dass ich nie jemandem ein solches empfehlen könnte.


    Übrigens, zur "Sucht, flüssig zu sprechen".
    Ich denke, ich verstehe schon, was du meinst, Anfreas. Ein Gedanke von mir dazu: Sucht ist immer ein Verhalten, um etwas ganz anderes zu bekommen oder zu vermeiden. Wenn die Sprechflüssigkeit einen solchen Zweck haben sollte, würde ich sehr zu denken beginnen. Aber das hast du ja nicht gemeint, oder?

    Zum "Zusammenbasteln" von Therapien:
    Da wir sehr verschiedene Menschen sind, ist es unwahrscheinlich, dass wir alle die gleichen Schritte in der gleichen Reihenfolge auf dem Weg aus dem Stottern brauchen.
    Deshalb glaube ich, dass wir uns unsere eigenen Therapien zusammenstellen müssen, um das zu bekommmen, was wir brauchen. Dazu brauchen wir sicher nicht die bekannten Therapien ändern, aber mit einer alleine ganz am Ziel der Wünsche anlangen zu wollen, ist doch ein bisschen viel verlangt, oder?

    fragt euch
    mi



    Re: Selbsttherapie

    Tjure - 29.01.2006, 13:05


    Hallo Leute,

    die beiden letzten Beiträge finde ich soo was von spannend.

    @freak:
    ich bekomme den Eindruck, dass deine damalige Therapeutin recht hatte, mit dem Satz, den du dir in den Geldbeutel stecken willst! ;-)
    Du scheinst- wie mi es angesprochen hat - den Dreh raus zu haben!


    @mi:
    ich muss es wieder mal sagen: Deine Beiträge sind wirklich genial!

    Ich weiss nicht, ob es zu viel verlangt ist, mit einer einzigen Therapie ans Ziel der Wünsche anlagen zu wollen. Das ist wohl von Mensch zu Mensch verschieden - eben individuell.

    Grundsätzlich haben sich bisher 2,5 Therapierichtungen herauskristallisiert.
    1: fluency shaping ( etwas tun, um erst gar nicht ins Stottern zu kommen).
    2: Stottermodifikation (nur dann etwas tun, wenn es gerade da ist - das Stotterereignis).
    2,5: Psychotherapie, die darauf abzielt, die Ursache des Stotterns zu finden. So nach dem Motto: Erst wenn du weisst wieso es da ist - kannst du es loswerden.

    Ich habe deshalb 2,5 und nicht 3. geschrieben, weil ich diese Form der Therapie für unzureichend halte (alleine das Wissen um etwas ändert noch nichts daran)


    Anmerkung: Gerne wird die Stottermodifikation, so wie es auch freak getan hat als der Nicht-Vermeidungsansatz bezeichnet.
    Mit dem Wort "Nichvermeidungsansatz" bin ich so gar nicht einverstanden.
    Dieses Wort hat glaube ich Wolfgang Wendlandt mit dem Spruch "Nicht vermeiden, stottern zeigen) erfunden bzw. populär gemacht.

    Tatsächlich würde ich niemals eine Therapie machen, die sich nur darum kümmert, dass man das aktuelle Stottern einfach hinnimmt. So nach dem Motto: Ach mach dir nichts draus. Oder : lerne dein Stottern zu lieben!

    Letzendlich haben beide Therapierichtungen eine höhere Sprechflüssigkeit zum Ziel.

    Rein theoretisch wäre es doch toll, beide Richtigungen anwenden zu können.
    Zuerst mal präventiv - und wenn's dann doch passiert - na dann mach ich halt ein Pullout.

    Ich habe bisher immer gedacht, dass es zwischen beiden Therapierichtungen jedoch starke Reibungspunkte gibt - sie schließen sich damit gegenseitig aus.

    Doch mitlerweile kenne ich einige Stottis, die das durchaus sehr gut kombinieren können. Irgendwann mal ist mir klar geworden, dass auch bei der Stottermodifikation durchaus Präventivmaßnahmen eingesetzt werden. Ja, es gibt es, das Pullout das man absichlich macht - um beim Angstwort das folgt, glatt und flüssig zu bleiben. Oder auch die vielgepriesenen Pulloutduschen - das sind Präventivmaßnahmen!

    Mi, ich denke auch, dass es wichtig ist, dass man den richtigem Dreh rausbekommt. Und es gibt Dreh's, die für den einen gut und für den anderen nicht gut sind.
    Und es gibt Drehs, die überhaupt nichts mit mit dem Sprechapparat zu tun haben und gut sind.

    Ich glaube aber auch, es gibt verschiedene Arten von guten Drehs.
    Solche, die höchst effizient sind, und solche die weniger effizient sind (aber dennoch effizient sind).


    Und dann gibt es noch Therapieformen, die ein völlig starres und sehr eingeschränktes (seicht und oberflächlich) Therapieprogramm beinhalten. Teilweise wird nicht mal erklärt weshalb man das tut, was man gerade gelernt bekommt.
    Und hier bin ich der gleichen Meinung wie mi: Sowas würde ich niemals empfehlen.

    Mi, und hier mag ich mal kurz auf die TIB der ÖSIS eingehen.
    Genau deshalb finde ich die TIB peinlich. Dort sind Angebote zu finden, die vor Seichtheit und Oberflächlichkeit nur so strotzen. *grummel*

    Die meisten hier wissen, dass ich die VanRiper-Therapie gemacht habe, und in dieser Therapie (die Drehs die ich dort gelernt habe) meinen Weg gefunden habe. Zumindest ist das der aktuelle Status bei mir ;)

    Doch nach der "eigentlichen" Therapie beginnt die Selbsttherapie.
    Und diese Selbsttherapie gestalte ich so , wie es mir gut tut!

    und manchmal gilt auch der Spruch: tu was gut tut, auch wenns (grad) weh tut.

    .. ich hoffe ich bin nicht am Thema vorbei gerutscht. :oops:

    auf jeden Fall: ich habe jetzt 2 Stunden hier gesessen, das Posting 10 mal geschrieben und dann wieder verworfen, es verändert, völlig umgekrempelt usw. . Das war echt anstrengend jetzt.

    Liebe Grüße
    Tjure

    P.S: @freak: pips hat grad beim Hans Liebelt eine Therapie gemacht - kannst ihr ja mal ne PN schreiben.



    Re: Selbsttherapie

    Freak - 31.01.2006, 21:45


    Hallo,
    interessante Beiträge habt ihr da verfasst. :)

    Ich finde es auch wichtig, sich seine "eigene Therapie" zusammenzubauen. Bei aller Liebe zu Therapeuten ( :roll: ), so gut sie auch sind, sie fühlen nicht die Verspannungen und auch nicht die seelische Last, die ich spüre oder fast jeder andere Stotterer bzw. jede Stotterin, um dem hohen Frauenanteil hier Rechnung zu tragen, individuell verspürt.

    Ich glaube, wirklich "heilen" können uns nur wir selbst. Unter "Heilung" verstehe ich, wie schon einmal geschrieben, einen Zustand, in dem einen das Stottern persönlich nicht mehr behindert.
    Nur wir spüren aus erster Hand, was wir "falsch" machen, nur wir wissen ganz genau, was uns belastet und bedrückt.

    Und genau deshalb will ich auch mein Stottern in die Hand nehmen. Ich bin für meine Sprechweise verantwortlich.
    Ich glaube an die Selbstbestimmung des Menschen und seines Handelns und nicht an das Schicksal, ich glaube daran, dass man sein Leben selbst bestimmen kann und sollte.
    Und genau deshalb habe ich es satt, auf eine wundersame Heilung zu warten.

    Ohne Fleiß kein Preis.

    Nun heißt es, etwas so festgeschliffenes wie die Sprechweise, kann man kaum mehr umlernen im Erwachsenenalter.
    Ich habe einmal in der 12. Klasse etwas auf den OH-Projektor geschrieben und einer Schülerin fiel auf, dass ich das kleine "e" zwar korrekt schreibe, aber die Art und Weise, wie ich es schrieb war unpraktisch und unlogisch. Ich habe rechts unten angesetzt anstantt in der Mitte des "Kringels".

    Innerhalb von nur einem Tag habe ich mir angewöhnt, das Schreiben des "e's" korrekt auszuführen.
    Ein Tag!
    Ein einziger Tag um eine seit 10 Jahren eingeprägte und ausgeführte Handlung komplett zu ändern.

    Das kam mir neulich wieder in den Sinn.

    Diese Situation ist durchaus mit meinem Sprechen vergleichbar. Ich produziere den korrekten Ton - irgendwann - aber auf eine falsche und vermutlich umständliche Weise.

    Mir ist klar, dass der Sprechapparat um einiges komplizierter ist, aber dennoch lässt es mich hoffen, dass mein Gehirn relativ leicht umlernt.

    Wer wissen will, was ich gerade tue, um mein Sprechen zu verbessern, kann ja in meinem "Weblog" vorbeischauen. Den Link hab ich ja in dem Thread schon gepostet. :)

    edith: Ich habe den Text mal in mein Weblog kopiert. ;)



    Re: Selbsttherapie

    mi - 01.02.2006, 13:37


    Hallo, ihr alle!

    Mei, soviel gäbs zum schreiben....

    Ich schreib einmal dir, freak:
    Deine Einstellung gefällt mir. Mit deiner Eigenverantwortung kommst du sicher weit. Wie weit, steht natürlich irgendwo in den Sternen oder genauer gesagt, in dir. Irgendwann bist du für dich weit genug gekommen und lebst glücklich und zufrieden mit dem Status Quo, zumindestens ich mach das so.

    Ich bin absolut überzeugt, dass wir alle eine Menge ändern können, auch in höherem Alter und nach langem, schweren Stottern. Wieviel davon für dich über neues Sprechen etc. geht, wirst du selbst herausfinden.
    An deiner Einstellung hast du schon eine Menge gearbeitet, da bist du weit. Zumindestens eine Therapie nach Schoenaker kannst du dir, wenn ich mir eine unzulässige Ferndiagnose erlauben darf, sparen. (Und damit das Kopfzerbrechen, was diesen Ansatz angeht.)

    Mach einfach weiter, Schritt für Schritt! Nach jedem Schritt kannst du schauen, wohin du gekommen bist, und deinen nächsten anschauen: Passt die Richtung? Brauche ich etwas anderes? Überraschungen sind da sicher noch viel dabei.

    An tjure:
    Du schreibst immer absolut gute Beiträge!
    Deine Einteilung mit 2,5 Therapierichtungen werde ich mir merken, die ist toll!
    Beim psychischen Ansatz habe ich mit vielen TherapeutInnen das Problem, dass sie davon ausgehen, dass "DIE Ursache" für das Stottern im psychischen Bereich liegt, Punkt. Das ist, auch wenn man gut darüber streiten kann, nach derzeitigem Stand des Wissens eine unzulässige Vereinfachung. So einfach hättens wir alle gern. Haben wir aber nicht, leider.
    Wenn jemand sich auf den stotternden Menschen vor ihm/ihr einlässt, um zu schauen, ob und welche psychisce Arbeit sinnvoll/nötig ist, halte ich sehr viel davon. Wenn dabei nicht nur erkannt wird, was falsch gemacht wird, sondern Verhalten auch gezielt verändert wird (was ja der Sinn einer Psychotherapie ist, das Gescheitwerden heilt ja nicht), kann ein psychotherapeutischer Ansatz sehr viel weiterbringen. Bei manchen Problemstellungen wird er sogar der einzig sinnvolle sein.
    Leider geht dieser wichtige Aspekt der Psychotherapie im Streit, ob Stottern nun psychisch verursacht wäre oder nicht, unter. So wird viel an großen Erfolgchancen genommen.

    Einen Therapieansatz als "Nichtvermeidungsansatz" einzustufen finde ich auch nicht besonders geschickt. In einer sinnvollen Therapie gehört das Nichtvermeiden natürlich dazu, aber wie du schon gesagt hast, alleine reicht es noch lange nicht.


    lg!!!!
    mi



    Re: Selbsttherapie

    Freak - 02.03.2006, 20:38


    Lebt das Forum noch? :|

    Wie wär's denn eigentlich mal, wenn jeder einzelne schreibt, was er im Moment für sein Sprechen tut und was für Fort- und Rückschritte er bzw. sie macht?
    Ich denke das wäre mal interessant zu sehen, wer wie welche Fortschritte erreicht.
    Bei mir läuft es momentan ganz okay. "Draußen" besser als zu Hause.
    Ich vermeide immer weniger Wörter, selbst wenn ich merke, dass ein Block kommt.
    Ich selbst habe noch Probleme damit, wenn ein Block kommt, "einfach" abzubrechen und neu in das Wort einzusteigen. Ich "halte" die Blocks oft zu lange.
    Bei Vokalen reiß ich immer noch manchmal den Mund weit auf. Ich muss es schaffen mir endlich 100% klarzumachen, dass das alles UNNÖTIG ist. Man braucht das nicht zum Sprechen. Sprechen erfordert kaum Körpereinsatz - darum spreche ich auch in entspannten Situationen so flüssig.
    Und wenn ein Block nicht wie eine Spastik aussieht, ist er nichtmal mehr halb so schlimm - finde ich.
    Alles langfristig locker lassen kann doch nich so schwer sein...

    Mein "Vorteil" ist, dass ich auch stottere, wenn ich mit mir selbst rede oder mir was vorlese, d.h. ich kann sehr gut für mich alleine üben - vor allem, wenn keiner zu hause ist. ;)

    Meine Prüfungen sind morgen vorbei - dann will ich wieder voll einsteigen ins "Training" bzw. meine "Selbsttherapie".
    Noch 8 Monate bis zum Hauptstudium und ca. 9 bis zum ersten Referat. Im normalen Gespräch läuft es bei mir schon echt gut, aber vor Publikum...hm...naja...in 9 Monaten kann man viel tun. Sogar ein Kind austragen. ;)

    Ich werde immer stottern, aber ein lockeres Stottern ohne lang gehaltene Blocks und VÖLLIG ohne "Spastik, also Sekundärsymptomen (habe kaum noch welche), wäre schön.

    Dann würde wohl auch keinem mehr auffallen, dass ich stottere, da kurze Blocks jeder Mensch hat. Ein Professor von mir z.B. stottert meiner Auffassung nach. Er hält bei Vokalen oft inne und setzt ganz sanft ein und "hängt" auch sonst oft an Lauten. Aber es klingt eben "flüssig". Es ist ein absolut flüssiges Stottern.
    Ich wette, kein "normaler" (hust) Kommilitone würde auf die Idee kommen, ihn einen Stotterer zu nennen...

    Dieser "Zustand" ist mein erste großes Etappenziel. In vielen Situationen schaff ich das erstklassig - sogar am Telefon, aber eben noch lange nicht immer.

    Das war früher bei mir auch so, aber da war meine Flüssigkeit absolut zufällig. Heute nehme ich mein Sprechen bewusster wahr. Ich merke, warum ich blocke und merke, warum ich nicht blocke.

    Nur umsetzen muss ich diese Erkenntnisse noch.

    Naja...erstmal bin ich froh, dass es überhaupt vorangeht. Ich hoffe, ich bleibe auf dem aufsteigenden Ast.
    Mit meinen Eltern läuft es bei mir stottermäßig komischerweise am schlechtesten, deshalb verwickel ich sie dauernd in Gespräche und versuche eben das zu ändern.

    Naja.

    Ich muss weiterlernen. Bis dann,

    Freak



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