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Re: Departed - Unter Feinden
Reisefuehrer - 10.12.2006, 02:16Departed - Unter Feinden
Die Kenner des Originals "Infernal Affairs" (übrigens der erfolgreichste Hongkong-Film - zu Recht!) haben ein unweigerliches Problem. Zwar braucht Scorsese merkwürdigerweise gleich zwei volle und eine halbe Stunde obendrein, um die ehemals 90minütige Geschichte nachzuerzählen, viel Neues kommt dabei allerdings nicht herum. Im Gegenteil: Der Film hält sich nahezu akribisch an die Vorlage und kopiert ganze Szenenabläufe daraus. Das alles kommt einem also mächtig bekannt vor, mehr sogar als man sich wünschte. Gut, es gibt neue Szenen, die man hätte weg lassen können, wie z.B. Jack Nicholsons kunstvoll dargestellte Drogeneskapade. Aber manch andere Szenen zeigen dann doch ein klein wenig mehr Charakteraufbau.
Dennoch schneidet Scorseses Neudichtung in nahezu allen Punkten schwächer ab. Zwar geht Kameramann Michael Ballhaus ("Wild Wild West") eigene Wege und setzt die Schauspieler in künstlich beleuchtete Gegensätze, doch die visuelle Schönheit, mit der Christopher Doyle die „Infernal Affairs“ einfing, erreicht er bei weitem nicht. Weder gelingt ihm die Zeichnung des Umfeldes, der Stadt mit ihren Straßen und Schluchten, noch der betreffenden Milieus in der Form, wie Doyle sein Metropolenbild in Beziehung zu den Figuren setzte. Wenn Martin Sheen („Catch Me If You Can“) und DiCaprio auf den Dächern Bostons einen Zufluchtsort suchen, dann hat das nichts von den erdrückenden Ruhemomenten des Originals: Als sich dort Polizeichef und Undercover-Cop über Hongkong zusammenfanden, war das nichts weiter als der bittere Ausdruck einer unmöglichen Freiheit, eine tragische Dimension, die die Erkenntnis brachte, dass es kein Zurück in das Leben mit der eigenen Identität geben kann.
Genau da setzten die Regisseure Andrew Lau und Alan Mak in ihrem Film an. Die Frage, wie viel verdecktes Leben das subjektive Ich aushält, wann sich die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge aufzulösen drohen, die stellt Scorsese nicht einmal, sondern übernimmt grundlos deren Antwort: Es führt zum Tod. Seinen Antihelden fehlt jedoch die selbstreflexive Tiefe, um das spürbar umzusetzen. Das Aufeinandertreffen der Gegenspieler war in der Vorlage nur ein Gänsehautmoment von vielen: die Spannung zwischen ihnen, kann im Remake nicht wiederholt werden, ohne jede Magie verkommt der Showdown in „The Departed“ zur wirklich übertriebenen ultrabrutalen Nummernrevue, ganz ohne emotionale Teilhabe. Liegt wahrscheinlich daran, dass die beiden Hauptcharaktere aus dem Original auch bereits eine gemeinsame Vergangenheit hatten und sie sich in dem Remake nicht kannten. Dadurch fehlte hier und da ein wenig die Dramatik.
Wo aber die Dramatik fehlte wurde dann mit derbem schwarzen Humor (großer Pluspunkt) und teils sehr schwachsinnigen F... und Fäkal-Dialogen ausgeglichen. Obs besser war darüber muss man sich sein eigenes Bild machen.
Schade, dass sich nicht einmal die Mühe gemacht wurde, die pessimistisch-philosophische Essenz des Originals neu zuinterpretieren.
Nun aber genug rumgemeckert: Für Nicht-Kenner des Originals bleibt der Film dennoch zu empfehlen. Langeweile kommt nicht auf, der Soundtrack (gut manchmal recht unausgegoren) versprüht die nötige Hektik, die Schauspieler sind fast alle sehr gut aufgelegt, vor allen Dingen Jack Nicholson, der eventuell mal wieder dem Oscar näher kommt. Auch Leonardo DiCaprio kommt langsam immer mehr von seinem Milchgesicht-Image weg und zeigt, dass er doch ein sehr talentierter Junge ist und spielt somit Oscarpreisträger ("nur" für ein Drehbuch) Matt Damon locker an die Wand. Auch Martin Sheen zeigt, dass er mehr kann als in B-Movies irgendwelche dummen Cops zu spielen.
Fazit: Ansehnliches Filmchen, dass aber im Gegensatz zum Original locker verliert, aber dafür mit einer Top-Darsteller-Riege und derbem Humor aufwartet!
Wage es aber zu bezweifeln, dass Martin Scorsese hier für einen Oscar bekommt wie alle schon spekulieren!
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