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Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 20.11.2006, 17:17
Was wir lasen und wie wir es fanden
Ursprünglich lautet dieses Thema:
Zitat:
Ich brauch was neues zum Lesen.

Bitte nützliche Hinweise hier.

Mittlerweile posten wir hier aber primär spoilerfreie Kritiken zu Belletristik- Büchern, die wir gelesen habe.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

harald - 20.11.2006, 21:00

Hm, ich komm kaum von juristischen Büchern und Zeitschriften weg, daher kann ich nicht viel weiterhelfen. Werd immer mehr zum Fachidioten.

Zuletzt hab ich Nathan der Weise geschmökert.

Ins Raimund Theater zu Rebecca hats mich auch verschlagen, kann ich euch wärmstens empfehlen, ist äußerst sehenswert, hat aber nix mit Lesen zu tun :oops: (Naja, die Homepage kann man lesen, allerdings sollte man sich die Geschichte nicht durchlesen, wenn man es sich anschauen will, da das ein bisschen an Spannung herausnimmt http://www.rebeccadasmusical.at/) .

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 21.11.2006, 09:35

Nathan der Weise habe ich schon sehr oft gelesen und vor 2 Jahren im Theater gesehen.

Aber Nathan der Weise ist ein sehr guter Tipp!

So, damit es leichter gibt, ein paar Sachen die ich gelesen habe und wie/ob sie mir gefallen haben:


Jasper Fforde - Die Thursday Next Quadrologie
größtenteils großartig, insbesondere am Anfang zu sehr Dirty Harry und zu viel Geschmacklosigkeiten für meinen Geschmack, sonst aber sehr zu empfehlen. Ich borge sie gerne her.
Resümee: Lesenswert. Nur auf englisch lesen.

Jasper Fforde - The big over easy
Ein Spinoff zu Thursday Next. Genauso originell und verdreht. Ende enttäuscht etwas, zu viele Geschmacklosigkeiten.
Resümee: Halt nur eine weitere Fortsetzung.

Dan Brown - Illuminati + Da Vinci Code
Da beide nach dem selben Schema sind...
Sehr spannend, sehr durchdacht. Einzelne Fehler, teilweise die Dramaturgie zu sehr ausgereizt. Nicht alle überraschenden Wendungen sind vorhersehbar.
Resümee: Gute Popcorn- Literatur, die zum Nachlesen in wirklich wissenschaftlichen Werken motiviert.

Douglas Adams - Hitchhiker's Guide to the Galaxy - Alle 5 Teile der Trilogie
Zu den späteren Teilen musste man ihn zwingen. Das merkt man beim Lesen. Jeder Teil ist schlechter als der vorhergehende, tw machen sie auch die Enden der vorherigen Teile wieder kaputt.
Nach Teil 3 auf jeden Fall aufhören zu lesen.
Er soll ja einen 6 Teil geplant haben, der das wieder gerade biegt, was die Teile 4 und 5 versaut haben, aber er starb vorher.
Resümee: Nur auf Englisch. Nur Teil 1 lesen und vielleicht noch Teil 2.

Glauser - Wachtmeister Studer
Glauser mag eine seltsame Biographie haben, Studer ist aber ein Ausbund an Biederkeit. Gibt als Krimi eher weniger her, bestenfalls als Schweizer Sittenbild der 30er.
Resümee: Historisches Schweizer Sittenbild. Ich werde keine der Fortsetzungen lesen.

Dürrenmatt - Der Richter und sein Henker
Die Erwartungen, als Titanenkampf genau gezeichneter antagonistischer Heroen werden aufs bitterste enttäuscht. Als Krimi wenig ergiebig.
Resümee: Ist Schulliteratur. Kann es bleiben. Muss es aber nicht.

Pirincii Akif - Felidae
Katzenkrimi, Verbrechen unter Katzen, die von einer Katze aufgeklärt werden. Originelle Idee, sonst aber abstruse Handlung ab der Mitte, tw sehr geschmacklos geschrieben und exzessiv selbstgerecht.
Resümee: Gute Idee, sehr gewöhnungsbedürftig. Ich werde keine der Fortsetzungen lesen.

Lessing - Nathan der Weise
Resümee: Muss man gelesen (oder gesehen) haben.

Lessing - Die Juden
Resümee: Klassisches Aufklärerstück. Kurz.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 29.01.2007, 10:15

G.K. Chesterton- The man who was Thursday
Am Anfang wirklich sehr brilliant und witzig und zeitlos geschrieben. Dann zieht es sich etwas und das Ende ist unbefriedigend.
Resümee: Fängt gut an.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 21.05.2007, 22:19

Asimov - Nightfall
Sci Fi aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Durchdachtes Szenario. Wenig spannend, kaum Überraschungen, unzufriedenstellendes Ende.
Resümee: Sehr flache Spannungskurve, Ende enttäuschend

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 23.06.2007, 19:35

Asimov - Prelude to Foundation

Das Buch selbst ist ganz gut, spannend, gute Wendungen, interessante Konzepte, durchschnittlich gut geschrieben. Im Endeffekt schreit es aber am Ende ganz laut Lies die Robot - Novels und die restlichen (5 glaube ich) Teile der Foundation Serie.

Resümee: Gut, ist aber ein Werbeträger für die Foundation und Robot- Reihe

Stanislaw Lem - Pilot Pirx

Episoden aus dem Leben und der Karriere des Weltraumfahrers Pirx. Unzusammenhängende Episoden, sehr kreativ und abwechslungsreich geschrieben. Pirx ist meistens ein Held wider Willen, findet den Abgrund in harmlosen Situationen und kommt dank seiner praktischen Intelligenz oder durch pures Glück wieder raus. Manche Episoden sind gut, manche weniger. Sehr viele sind sehr tragikomisch. Die Einstellung des Pirx' zu Robotern ist unnachvollziehbaren Wandlungen unterworfen. Tw glaubte ich, anti- westliche resp pro sozialistische Untertöne herauslesen zu können, das mag aber einfach an der Zeit und dem Ort liegen, wo es geschrieben wurde.

Resümee: Episoden unterschiedlicher Qualität

PS: Im Moment habe ich genug zu lesen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 12.07.2007, 08:17

M. Crichton - State of Fear

Crichton Anti- Klimaerwärmung Buch, obwohl er selbst behauptet, keine Agenda zu haben.
Vorhersehbare Handlung, der einzige Plottwist ist auch bar jeder Überraschung. Mehrere völlig unnötig Tote, iSv literarisch unnötig und auch dass sich aus der Handlung des Buches für die Akteure überhaupt kein Grund ergibt, irgendwelche Leute kompliziert abzumurksen. Sehr nach dem Motto "und die Bösen schießen wir einfach über den Haufen". Ebenso schwachsinnig, das ist irgendein Geheimagenten- Typ, aber immer wenn er einen Einsatz hat, der am leichtesten mit ein paar Soldaten zu erledigen wäre, geht er allein mit einem Kollegen und nimmt halt den Anwalt und die Sekretärin mit, die er unterwegs aufgelesen hat.
Die Anti- Klimaerwärmung Lehrstücke sind auf pseudo- wissenschaftlich aufgebaut. Einige der Argumente sind purer Schwachsinn und unbelegt, andere beziehen sich auf (angeblich) seriöse Studien.

Resümee: Literarisch schlecht, kaum Spannung, unsachlich aber zeigt wenigstens einen Alternativstandpunkt

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 04.08.2007, 21:49

Stanislaw Lem - Der Unbesiegbare

Typischer Lem Sci- Fi Roman über ein Raumschiff, dass ein verschollenes Schwesternschiff retten soll. Bis zur Mitte ganz spannend, ab da aber total unspannend. Das Ende ist sehr inhaltsarm und enttäuschend, passt aber trotzdem irgendwie dazu.

Resümee: Typisch Lem, aber sicher nicht sein bestes

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 06.09.2007, 15:14

Jasper Fforde - The fourth Bear

Dasselbe Problem, wie der Vorgänger The big over easy:
Zwar ok, mehr aber auch nicht. Die guten Ideen sind offensichtlich bei Thursday Next verblieben und dass er quasi retconnen muss, um noch irgendwas weiter zu bringen, ist auch kein Bonus.

Resümee: Mittel, ob ich mir den nächsten Teil noch zulege, entscheide ich nach First among sequels

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 29.12.2007, 23:27

Tod einer roten Heldin - Qiu Xiaolong

Krimi im China der 90er. Sehr interessantes Bild der Situation. Als Krimi eher langweilig, Wendungen basieren mehr auf Seite der Ermittler als auf Seiten des Falles. Driftig stellenweise unnötig ins Obszöne ab und viel zu viele Details zu chinesischen Essen, auf die ich verzichten könnten (Katze mit Schlange und so Sachen).

Resümee: Soziologisch spannend, kriminologisch fad.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 02.02.2008, 14:27

Asimov - Forward the Foundation

Teilweise sehr gute Idee und spannend, tw greift er aber auch zu auf deus ex machina Effekte zurück bzw löst Konflikte zu gewaltbasiert, was dem prinzipiell "intellektuellen" Setting nicht entspricht. Notwendigerweise (da Bindeglied zwischen "Prelude" und Foundation- Trilogie) tragisch.

Resümee: Wenn man Foundation mag, ganz ok.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 24.03.2008, 17:37

Asimov - Foundation

Nicht so bierernst wie ich es befürchtet habe. Sehr manipulative und machiavellistische Charaktere.
Anders als in den früheren spielenden, aber zeitlich später geschriebenen Büchern funktioniert Sci- Fi jetzt anders:
Statt einfach ein Konzept in den Raum zustellen "groundcar, holovision" etc, versucht er in diesem Buch auch die technischen Hintergründe "nuclear" und ähnlich Schlüssiges darzustellen. Gut dass er es in seinem späteren Schaffen gelassen hat.

Resümee: Eh ok.

Christie - The Big Four

Eine Agenten Geschichte in der 4 supermächtige Schurken (wobei völlig unklar bleibt, wieso sie mächtig sind) versuchen, die Weltherrschaft an sich zu reißen und nur ein kleiner Belgier mit Schnurrbart sie aufhält. Wurde vielleicht lange vor James Bond geschrieben, aber überbietet in leicht an Lachhaftigkeit. Tw spannend, ab der Hälfte sind die Plottwists vorhersehbar.

Resümee: Christie hat auch gute Bücher geschrieben

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

Der Alchemist - 24.03.2008, 18:41

Zitat: The Big Four
Eigentlich liebe ich Agatha Christie, aber den Roman kenn' ich noch gar nicht. Kannst ihn mir mal borgen? Übrigens hab' ich im Gegenzug They came to Baghdad anzubieten. Auch eine Christie-Spionagegeschichte. (Wenn weitergehendes Interesse besteht, kann ich mal eine Liste meiner Christie-Bücher posten.)

http://en.wikipedia.org/wiki/They_Came_to_Baghdad
(Achtung, Spoiler)


Im Übrigen kann ich allen Krimiinteressierten ein besonderes Schmuckstück anbieten: A Fatal Inversion von Barbara Vine (= Ruth Rendell). (Deutscher Titel: Es scheint die Sonne noch so schön)
Zitat: In the hot summer of 1976, a group of young people are camping in Wyvis Hall. Ten years later, the bodies of a woman and a child are discovered in the Hall's animal cemetery. Which woman? Whose child?

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 01.04.2008, 20:28

Leslie Swann - Glennkill

Ein Schafskrimi. Der Schäfer wird ermordet, die Schafe versuchen den Mord aufzukkären. Soll Schafsverhalten sehr gut analysieren.
Die Schafe sind jedenfalls Speziesisten, was zäh aber unlustig ist. Das Ganze zieht sich und hat einen eher episodenhaften und unproduktiven Charakter. Das Ende ist zwar überraschend, weil es so extrem schlecht ist.

Resümee: Määääh.... äh... Bäh!

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

Der Alchemist - 02.04.2008, 23:29

Dejo hat folgendes geschrieben: Resümee: Bäh!
Schade, über das Buch hatte ich mal eine Radiosendung gehört, da klang das viel verlockender. Sogesehen war's gut, es mir dann doch nicht gekauft zu haben. Obwohl ich den Ansatz eines Schafromans nachwievor gut finde. Vielleicht borg ich's mir doch mal irgendwo aus ...

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 28.04.2008, 19:31

Jasper Fforde - First among Sequels

Tja, die Quadrology ist abgeschlossen.
Deswegen läßt Fforde den nächsten Teil ca 15 Jahre später spielen, was diverse Continuity Probleme und die Gefahr des Retconning sehr gekonnt umgeht. Kommt zwar im Großen und Ganzen nicht ganz an die Qualität der früheren Teile heran, ist aber - nicht zuletzt aufgrund der massiven Selbstpersiflage (noch mehr als bisher) - jedenfalls zu empfehlen, wenn man Thursday mag.

Resümee: Viel besser als Fourth Bear, daher empfehlenswert.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 12.06.2008, 16:59

Ruth Rendell - Simisola

Krimi mit dem bieder- englischen "Kommissar" Wexford.
Solider Krimi, ohne besondere Höhen oder Tiefen, bei dem irgendwie unklar bleibt, ob er eine Moral oder gesellschaftliche Aussage haben soll und falls ja, was genau sie sein soll.
Resümee: Eh ok.

Asimov - Foundation and Empire

Es wird noch sozialdarwinistischer, machiavellistischer, es rollen auch schon mal Köpfe, im wahrsten Sinne des Wortes. Seldons Plan wirkt kälter und manipulativer, der Zweck heiligt die Mittel. Sonst kann man wenig drüber sagen, ohne Handlung vorwegzunahmen.
Resümee: Kein Grund, mit der Reihe aufzuhören, aber noch weniger einer, mit ihr anzufangen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 03.07.2008, 07:40

Asimov - Second Foundation

Es wird sogar noch sozialdarwinistischer, machiavellistischer.
Zwar rollen diesmal keine Köpfe, aber es werden schon ab und an mal einfach so Kriege angefangen.
Dafür gibt es ein schönes Rätsel, das erst am Ende des Buches aufgelöst wird - und an dessen Lösung man lange grübeln kann.

Resümee: Kein Grund, mit der Reihe aufzuhören, aber noch weniger einer, mit ihr anzufangen.[/quote]

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 24.10.2008, 09:48

Ruth Rendell - The best man to die

Ein Inspector Wexford aus den späten 60ern, wo die Leute noch keine Bankkonten hatten, ihr Gehalt wöchentlich in Bar bekommen haben und wo ein Kühlschrank eine teure und außergewöhnliche Anschaffung ist.
Hat etwas Standesdünkel und die Geschichte ist nicht sehr spannend und wie sie auf das Ende draufkommen war mir auch nicht ganz klar. Auch eher kurz und keine Nebenhandlungen, wie in späteren Krimis.

Resümee: Es gibt bessere Inspector Wexford Krimis.

Ruth Rendell - A Guilty Thing Surprised

Obwohl nur ein Jahr später erschienen gibt es keine Standesdünkel und die Story ist zeitloser. Das Ende ist ausgefallen. Trotzdem eher nur mittel.

Resümee: Mittel.

Agatha Christie - The Murder of Roger Ackroyd

Aus den 20ern stammt dieser klassische Poirot Krimi, in dem Hastings als Erzähler nicht mitwirkt. Viel mehr kann ich leider dazu nicht sagen, weil jede weitere Andeutung schon ein Spoiler wäre. Hat eine Stelle, die ganz klar antisemitisch ist.

Resümee: Klassisch, bestenfalls mittel, aber in einer Hinsicht ausgefallen.

Denise Mina - Garnethill

Garnethill ist der erste Teil einer Crime- Novel- Trilogie, deren Hauptfigur eine Ex- Psychatrie- Patientin ist, die angibt von ihrem Vater missbraucht worden zu sein. Der Rest der Familie dealt mit Drogen, ist alkoholabhängig oder spießbürgerlich. Die Story spielt in Glasgow im dortigen Psychatrie- Millieu.
Es wird viel geflucht, getrunken, geraucht, es werden revanchistische und selbstgerechte Gedanken gewälzt. Mehr Thriller als Detektivgeschichte.

Resümee: Gewöhnungsbedürftig, auch dann nur mittel.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

harald - 27.10.2008, 00:50

Ilona Mayer-Zach - Schweigerecht Quadrille

Zwei Kriminalgeschichten im Juristenmilieu Wiens. Aus meiner Sicht sehr kurzweilig und empfehlenswert. Man kann sich richtig in die Krimigeschichten und an die Schauplätze hineinversetzen. Ist so richtig iteratur für Zwischendurch.

Ein wenig negativ fällt auf, dass gängige Klischees leider bedient werden (Juristen sind fad und trocken, philosphieren die hohe Kunst,...), dennoch tut das dem Buch keinen Abbruch.

Seltsam: Dkfm. Thomas Schäfer-Elmayer, seines Zeichens Prof. h.c. wird in der Danksagung gedankt. Mich würde interessieren warum?

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 22.12.2008, 11:10

Der PROJEKTIL- Bereich wurde - endlich - umgewidmet und behandelt nun alles, was mit Kunst und Kultur zu tun hat, PROJEKTIL ist daher nur mehr ein Aspekt von vielen.

Ein wesentlicher Teil von Kultur sind - für mich zumindest - Bücher, quasi das ultimative Kulturgut. Daher ist jetzt auch der Bücherthread hierher umgezogen.

Henning Mankell - The man who smiled

Ein klassischer Wallander Krimi.
Eher zufällig las ich ihn auf Englisch. Einerseits ist Englisch besser, da sich in Schweden alle duzen, spart sich der Übersetzer die im Deutschen notwendige Frage, ob Wallander Björk oder Ann-Britt duzen oder siezen würde. Andrerseits zeigt sich an ein paar Stellen, dass Schwedisch dem Deutschen doch näher zu sein scheint, ein paar der sprachlichen Vergleiche wirken unbeholfen, allein die Umschreibung von Bankomat/Geldautomat mutet seltsam an.

Abgesehen davon, dass mich dieser Krimi schon zu Ansichten über die Kriminalitätsentwicklung allgemein inspiriert hat, muss ich vorausschicken, dass ich schon mal einen Wallander- Krimi gelesen habe (Mörder ohne Gesicht) der mir allerdings nicht sehr gefallen hat. Jetzt allerdings erst habe ich ihn verstanden. Das richtige Adjektiv wäre wohl "bitter".
Es beschreibt Wallander, die Verbrechen und das Schweden von heute, in welchem Mankell seine Geschichten spielen lässt.
Bitter ist es, wie sich Wallander und sein Team durch die zähen Ermittlungen mühen, immer das Scheitern vor Augen.
Bitter war es für mich, als ich das in meinen Augen eher unpassende, reißerische (und dabei nicht besonders spannend geschriebene) Finale las.

Resümee: Bitter, am Ende etwas enttäuschend

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 07.02.2009, 18:53

Asimov - Foundation's Edge

Noch ein Teil der Foundation- Reihe liegt vor mir.
Dieser Teil bietet, anders als alle bisherigen, keine Episoden, sondern nur eine Handlung. So wie bei den vorigen Teilen ist es etwas widersprüchlich, dass das Ziel des Seldon- Plans eigentlich ist, der Menscheit Frieden und Wohlstand zu sichern, er dafür aber Zig- Millionen von Menschen einfach so benutzt. Und auch die Leute, die wissen, dass sie für diesen Plan arbeiten, sind trotzdem voller Ränke und Machtgier. Naja.
Das Buch hält die Spannungskurve recht gut, jedoch die Auflösung ist etwas sehr deus ex machina. Das Ende ist auch nicht sehr berauschend, aber dafür logisch und durchdacht.

Asimovs Bestreben, all seine Universen in eines zu gießen ist zwar (für mich) sehr verständlich, aber es hakt halt an ein paar Ecken.

Resümee: Kaum der beste Teil der Foundation- Reihe

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 25.02.2009, 09:59

Irgendwie sind hier mit wenigen Ausnahmen nur 4 AutorInnen (Asimov, Lem, Fforde, Rendell) vertreten. Hm. Ich sollte meinen Lesestoff mehr diversifizieren. Heute wieder ein Lem

Lem - Solaris

"We don't need other worlds. We need mirrors" sagt Snaut in der sowjetischen Verfilmung. Obwohl er das so direkt im Buch nicht sagt, trifft es doch den Kern des ganzen: Es ist primär ein Drama der Menschheit.

Und Obwohl Solaris ~6 Jahre vor dem Unbesiegbaren geschrieben wurde, ist es eigentlich eine vergleichbare Geschichte, nur halt stärker, philosophischer.

Quasi nebenbei bringt er auch noch eine nahezu zeitlose Beschreibung des Wissenschaftsbetrieb ein.

Es bleibt natürlich sehr viel unabgeschlossen, aber ein bisschen enttäuscht, dass auch viele Dinge unabgeschlossen bleiben, die rein "menschlicherseits" waren und die man hätte abschließen können, ohne jetzt den Gesamteindruck zu ändern.

Ein paar der Änderungen in der Einstellung des Ich- Erzählers sind überraschend, aber werden weder erklärt noch plausibel. Bei einer Wende bekommt er erst im Nachhinein einen Grund dafür.

Das U-Boot- Feeling, was Lem- Bücher meist vermitteln, ist auch wieder da, aber etwas schwächer als sonst. Auch der sozialistische Hintergrund findet sich andeutungsweise.

Die Beschreibungen der Erscheinungen sind wirklich gut.

Resümee: Ein wortgewaltiges Drama der Menschheit, klassischer Lem.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 05.03.2009, 15:10

Tschechow - Die Möwe

Das ist jetzt zwar ein Drama, aber ich hab's gelesen, nicht gesehen.

In der russischen Provinz des endenden 19. Jahrhunderts sitzen mehere Menschen zusammen, die entweder ihre Träume nicht umsetzen konnten oder das taten und von ihren Träumen enttäuscht wurden. Tragisch, mit ein paar Einsprenkelungen von Komik.

Resümee: Hat mir besser gefallen als der Kirschgarten.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 30.04.2009, 14:18

Nachdem ich neulich festgestellt habe, ich lese dauernd Sachen von den selben Autoren, habe ich mal was anderes probiert. Mit zweifelhaftem Erfolg.

Linda Howard - Open Season

Das ganze ist so ein romantischer Suspense Thriller oder wie man sowas nennt. Die Leseprobe hat sich ja ganz witzig angehört, aber das Buch hielt eher nichts.

Es geht um eine Bibliothekarin in einer Kleinstadt in einem US-Südstaat. Mit 34 beschließt sie ihr Leben zu ändern und sich einen Mann zu suchen. Dabei beobachtet sie zufällig einen Mord und gerät in das Visier des Auftragsmörders der Menschenhändler.

Ok, das Buch strotzt nur so von US- Kleinstadt- Klischees. Überhaupt, wer nicht von dort ist, gehört nicht dazu, wen man nicht kennt ist im Zweifel ein Raubmörder, mexikanische Migranten sind bettelarm und von einem Stück Seife (!) beeindruckt und am besten ist es immer noch daheim.

Auch die Charatkere sind platte Stereotypen, die Graumaus- Bibliothekarin die sich mausert, der taffe City-Cop, der aber in Wahrheit eh auch aus der Kleinstadt kommt und deswegen gut ist, die protektionistische Mutter, die saufende Ehegattin des Bürgermeisters, die nur an ihre Kinder denkt etc etc etc.

Spannend wird es auch bis zum Schluss nicht, und romantisch schon gar nicht. Und witzig auch nur an 2 oder 3 Stellen - und eine war halt leider die Leseprobe bei Amazon.

Resümee: Von Amazon lass ich mir keine Bücher mehr empfehlen...

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 13.05.2009, 16:59

Asimov - Foundation and Earth

Damit habe ich die gesamte Foundation- Reihe gelesen. Es gibt noch 3 Bücher, die von anderen Autoren geschrieben wurden und so Nebengeschichten erzählen, aber mein Interesse an diesen ist enden wollend.

Der Kreis - sowohl zwischen den beiden Prequels (die als letztes geschrieben wurden) als auch zu seinen anderen Bücher der sogenannten "Greater Foundation" Reihe schließt sich (sogesehen ist es eine Kugel, kein Kreis, die sich schließt).

So wie schon am Eck der Foundation sind es keine Episoden mehr, sondern Asimov hat sich offensichtlich an Star Trek odgl orientiert: Es ist eine Art Roadmovie, sie fliegen von Planet zu Planet und hangeln sich mit "Chop-Logic" zur nächsten Schlussfolgerung und mit Glück zum nächsten Planeten weiter. Es gibt wieder so manche hoch intellektuelle Diskussion und Konzepte, auch wenn einzelne Schlussfolgerungen hanebüchen bleiben. Noch ein weiterer Star Trek Einfluss macht sich wirksam: Der Kapitän des Far Star ist wie Kirk ein Womanizer.

Dauernd wird die Frage gestellt, wieviele muss man retten, um dafür einzene umbringen zu können. Im Grunde ist das aber das Grundthema von Foundation als Ganzes, und die Antworten in diesem Buch sind keineswegs neu.

Um ein Ende zustande zu bringen und die oben erwähnte Kugel zu schließen, muss Asimov massiv retconnen - auch wieso dieser Weg und kein direkter gewählt wurde, bleibt unklar. Während das alles trotzdem noch halbwegs klappt, auch wenn es keine Verbesserung ist, sind die letzten 1,5 Seiten des Buches wirklich sehr eigenartig, enttäuschend und eines Humanisten nur eingeschränkt würdig.

Nach diesem Teil wusste auch Asimov nicht mehr weiter und schrieb nur Prequels.

Noch ein paar Abschlussworte zur Foundation Reihe als solches:

Das Asimov ein Rationalist war und kein Freund (aber auch kein Gegner) der Religion, kommt oft heraus. Hinsichtlich seines Humanismus ist es eine Frage der Definition, wie schon gesagt, das Gesamtziel ist immer humanistisch, aber auf dem Weg dahin werden für meinen Geschmack zu viele Opfer in Kauf genommen - rational aber wohl richtig.
Dass Asimov für die Gleichberechtigung war, kommt kaum raus. Erst in den späteren Teilen spiele Frauen überhaupt irgendeine Rolle, und wichtige Frauen gibt es in der ganzen Trilogie ca. 4 Frauen mit wichtigen Rollen (Bayta Darell, ihre Enkelin Arkady, Dors und Bliss) und ca. 3 Frauen in hohen Positionen (Mayor of Terminus zur Zeit von Trevize, Mayor of Comporellon zur Zeit Trevize und Delora Delarmi, Gendibals Gegenspieler im Rat der Second Foundation) - wichtige Männer gibt es zuhauf. Seine liberale Einstellung zu Sexualität kommt ganz ansatzweise vor allem in Foundation & Earth durch. Das er ein Kriegsgegner war, kommt kaum raus, aber dafür gibt die Reihe auch keinen Platz. Das Umweltthema, obwohl ihm das in seinen letzten Lebensjahren sehr wichtig gewesen zu sein scheint, wird kaum gestreift.


Resümee: Wie bei Douglas Adams sind die späteren Teile nicht mehr so gut wie die früheren. Leider auch nicht der Abschluss, auf den ich gehofft habe.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

harald - 05.10.2009, 00:02

John le Carré - Der ewige Gärtner

Endlich konnte ich mal ein Buch lesen, das nicht zur juristischen Fachliteratur gehört.

Das war aber eh schon der einzige Punkt meiner Freude. Wäre das Buch ein Krimi mit 150 bis 200 Seiten, es wäre eine glatte Leseempfehlung. So kann man nur sagen ein ziemlich zäher über 550 Seiten füllender Roman.

Inhaltlich gehts um einen britischen Botschaftsangestellten in einem afrikanischen Land, dessen Frau die Machenschaften von Pharmafirmen aufzudecken versucht, welche ein Medikament testen und die Nebenwirkungen einfach unter den Tisch kehren wollen. Als die Frau ermordet wird, wird der Angestellte plötzlich vom Büroangestellten zum mittelschlauen Geheimdienstagenten, der die Schritte seiner Frau nachvollziehen will, um die Informationen zu sammeln, die sie hatte und die vernichtet wurden. Viele Komplotte später stirbt er dann, an der gleichen Stelle wie seine Frau. Die Sache fliegt trotzdem auf (ob er da jetzt geschickter war als sie sei dahingestellt).

Lieber die Nebel von Avalon oder Ähnliches lesen, dann ist die Zeit nicht verschwendet!

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 20.11.2009, 09:06

Stieg Larsson - The Girl with the Dragon Tattoo (Originaltitel: Män som hatar kvinnor, also Männer die Frauen hassen), Teil 1 der sog Milleniumstrilogie

Zur Story:
Die ist in Wahrheit nicht herausragend besser als andere derartige Thriller (von denen ich bei ein paar hier nicht mal zugegeben habe, dass ich sie gelesen habe). Sie ist (bestenfalls) normal spannend und die Lösungen auch nur "normal" überraschend.
Zu den Charakteren:
Wie schon öfter bemängelt, wenn man einer Figur keinen Charakter "schreiben" kann, dann kriegt sie dafür ein (ausgefallenes) Sexleben. Dafür ist Blomkvist, die männliche Hauptfigur, geradezu das Lehrbuchbeispiel. Salander hingegen ist etwas unschlüssig: Einerseits ist sie eine antisoziale, ideologielose Anarchistin mit Asperger Syndrom, die nach dem Motto "Screw the police, the law, the world and everybody else" zu leben scheint, ab und an wird sie dafür total moralinsauer. Der Autor will dafür schon einen roten Faden zeigen, gelingt aber nicht glaubhaft. Die anderen Figuren sind nur durchschnittlich brilliant: Der alternde Industriemagnat, der böse Spekulant, der korrupte Journalist etc.
Zur Agenda/Moral/Aussage:
Larsson ist ja 2004 unerwartet gestorben, die Bücher fanden erst 2008 Verbreitung. Er soll die Bücher zur eigenen Unterhaltung geschrieben haben, es ist davon auszugehen, dass er sie in dieser Form vielleicht gar nicht veröffentlicht haben wollte.
Ein Thema sind Nazis in Schweden. Das spielt keine große Rolle im Buch, aber es wird recht gut abgehandelt.
Wie der schwedische Titel impliziert, ist ein großes Thema Gewalt gegen Frauen. Da kann ich jetzt nichts weiter dazu sagen ohne den Inhalt vorweg zunehmen.
Am Anfang und Ende geht es sozusagen um das böse Spekulantentum. Da hat er Autor klar eine eindeutige Meinung dazu, aber irgendwie hätte es mir besser gefallen, wenn er sie irgendwie (mehr) begründet hätte, als sie bloß in Raum zu stellen und diejenigen, die das andere vertreten, schlecht darzustellen.
Eine grundsätzliche Aussage ist, ähnlich wie bei Mankell, die Welt ist schlecht und jedeR ist entweder schon verdorben oder korrumpierbar.
Im Übrigen ist das Buch voller Schleichwerbung, vor allem die für Apple ist wirklich überhand nehmend.

Resümee: Falls das Buch wirklich nur ein Hobby war, welches (so) gar nicht veröffentlicht hätte werden sollen, war es wirklich gut. Im sonstigen Vergleich aber nichts Außergewöhliches. Falls ich den zweiten Teil je lese, dann nur weil wir ihn schon haben.

PS: Es gibt ja schon eine skandinavische Verfilmung, aber für eine "internationale" hat unter anderem Tarantino Interesse bekundet. Nicht, dass ich mir eine Verfilmung überhaupt anschauen wollte, aber eine von Tarantino wirklich ganz sicher nicht.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 07.12.2009, 20:06

Irvin D. Yalom - Und Nietzsche weinte

Das Gratisbuch 2009 der Stadt Wien.

Es geht um eine fiktive Begegnung zwischen den historischen Figuren Josef Breuer (einer der Väter der Psychoanalyse) und Friedrich Nietzsche. Während die Begegnung zwischen Nietzsche und Breuer nie stattgefunden hat (obwohl Breuer Nietzsche sogar empfohlen wurde), ist diese sehr gut in die historischen Fakten eingebettet, zB die Behandlung der Anna O, die Freundschaft zu Freud, Nietzsches Philosophie, Lou Salomé uvm.
Soweit ich das beurteilen kann, ist das Buch historisch sehr gut recherchiert, die Charaktere sind sehr gut getroffen und die Geschichte hätte genauso gut wirklich stattgefunden haben können. Auch Nietzsches Philosophie ist meiner Meinung nach sehr gut "umgesetzt".
Stellenweise zieht es sich etwas und es ist aufgrund des Themas nicht immens spannend. Für das Verständnis sind ein paar historische Hintergründe empfehlenswert, aber die sind im Anhang der Wien- Auflage eh im Wesentlichen zusammengefasst. Außerdem sollte man Nietzsche überblicksartig kennen.

Resümee: Gutes Gratisbuch, daher eine Empfehlung. Zugreifen, solange es noch in den Magistratsstellen aufliegt.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 08.01.2010, 17:23

Stieg Larsson - The girl who played with fire (Original: Flickan som lekte med elden, das heißt ungefähr dasselbe)

Teil 2 der Milleniumstrilogie

Nun, über die ersten 200 Seiten kann ungefähr der Kübel der selben Kritik ausgeschüttet werden wie über den ersten Teil: Sex statt Persönlichkeit, Schleichwerbung etc. Außerdem zieht es sich ziemlich. Klar, es werden die Grundlagen für den Großteil des Buches gelegt, aber das wäre auf 100 Seiten auch gegangen.
Thema ist Frauenhandel, aber abgesehen von ein paar ausführlicheren Erklärungen am Anfang wird das Thema sonst kaum behandelt. Auch sonst gibt es anders als im ersten Teil weniger Nebenhandlungen.

Nach 200 Seiten wird es aber ganz spannend, und wenn das ganze nicht in eine vom Umfang her ausartende "Weltverschwörung" ausgeartet wäre, wäre ich voll des Lobes: Charaktere bekommen Charakter, es wird gut erzählt.

Trotzdem sind ein paar Fehler drinnen, genannt sei zB, dass eine Figur, die nicht nur eine Mathematik-Genie und eine begnadete Hackerin ist sondern auch noch ein photographisches Gedächtnis hat, als Code für die Alarmanlage in ihrer geheimen (!) Wohnung die Bezeichung ihrer Scheinfirma hat.
Paolo Roberto übrigens, der im Buch auch vorkommt, ist eine echte Person, was ich ziemlich unpassend finde.

Und was das Buch am Anfang zu lang ist, ist es am Ende zu kurz. Zwar erfährt man die Auflösung, aber wie es ausgeht muss man wohl dem 3. Teil entnehmen.

Übrigens scheint es so, als wollte Larsson es doch zu Lebzeiten noch publizieren, und hat nur dies oder den großen Erfolg nicht mehr erleb.

Resümee: In manchen Hinsichten besser, in manchen schlechter. Da wir den 3. Teil auch daheim haben, werde ich wohl auch den lesen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 09.04.2010, 08:22

Thomas Mann - Der Zauberberg

"A classic is, what everbody wants to have read, and nobody wants to read" Mark Twain

Mit knapp 1000 Seiten wohl eines der längeren Bücher in dieser Liste.

Das Lieblingsbuch von vielen, für viele überhaupt der beste (deutsche) Roman.

Die Handlung ist vergleichweise episodenhaft, was das ohnehin schwer greifbare Buch nur noch schwerer greifbar macht.
Am besten trifft es wohl noch die Beschreibung "parodistisch-tragische Entwicklungsroman-Satire"

Resümee: Schwer greifbar, aber man sollte es gelesen haben

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 25.04.2010, 18:51

Stieg Larsson - The Girl Who Kicked the Hornets' Nest

Nunmehr also der letzte Teil der Milleniumstrilogie. Originaltitel "Luftslottet som sprängdes", also das Luftschloss, welches gesprengt wurde.

Wie schon erwähnt, ist der vorige Teil unabgeschlossen. Mit einer einzigen Ausnahme werden alle offenen Handlungsstränge zufriedenstellen abgeschlossen. Fehler der früheren Bücher werden vermieden, so braucht es ca das halbe Buch, bis Blomkvist mehrere Frauen beglückt hat, es gibt keine Schleichwerbung mehr usw.

In bester Tradition gibt es auch ein paar Seiten Ausführungen dazu, wieso Schweden eine eigene Verfassungsgerichtsbarkeit braucht und wieso der Kapitalismus nur bei kritischen Konsumenten und unabhängigen Medien funktionieren kann. Das große Thema ist hier halt Checks & Balances und Grundrechte.

Auch die Spannungskurve ist sehr gut gehalten, am Anfang hat es einen unerwarteten Höhepunkt, der den erwarteten Verlauf der Geschichte völlig umkrempelt und gegen Ende kommt dann (fast) alles sehr gut zusammen. Dazwischen zieht es sich etwas.

Resümee: Ein würdiger Abschluss und klar der beste Teil.

Resümee zur gesamten Milleniumstrilogie: Ganz gut, aber wird dem Hype nicht gerecht.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 27.05.2010, 00:17

Jasper Fforde - Shades of Grey

Fforde does Brave new world. Das wäre eine treffende Beschreibung, er hat halt so seinen eigenen Stil, und den macht er halt jetzt auf eine Dystopie, wo die Kastenzugehörigkeit durch die Fähigkeit, Farben zu sehen bestimmt wird (also die meisten Leute sind teilweise oder gänzlich farbenblind) und die Gesellschaft auf Stasis und Fortschrittsfeindlichkeit ausgelegt ist.
Die Idee ist zwar ganz gut, aber er holt irgendwie nicht viel raus, und die ersten ~300 Seiten weiß man überhaupt nicht, wo das ganze hingehen soll. Lustig - ab und zu. Satire - stellenweise etwas. Spannend - vereinzelt. Gesellschaftskritisch - schon ein bisschen usw
Die letzten 50 Seiten dreht sich dann alles um, es wird etwas spannend und endet einerseits sehr zwiespältig, vor allem aber als eine reine Kaufaufforderung für die nächsten 2 (!) Teile.

Resümee: Thursday Next ist nicht dabei, und die Bücher mit ihr sind die wirklich guten von ihm.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 27.05.2010, 00:24

Virginia Woolf - The Waves

Das ist wahrscheinlich das einzige Buch, das zu lesen ich wirklich abgebrochen habe. Sicherlich, ein Buch wurde mir gestohlen, und manchmal fängt man was anderes zu lesen an, und liest dann dort nicht weiter usw.

Aber bei diesem Buch habe ich echt keinen Zugang gefunden. Ich habe die ersten 20, 30 Seiten gelesen, und bin vor einem Mysterium gestanden.

Dann habe ich den Einleitungstext gelesen, dann war mir zwar klarer, was es sein soll, aber ich konnte immer noch nix damit anfagen.
Es sind halt parallele, episodenhafte, nur lose verknüpfte Monologe, Erinnerungsbruchstücke, Gedankensplitter. Aber lt Woolf selbst, in Form einer Symphonie, nicht einer Geschichte.

Es soll aber wirklich toll sein.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 17.06.2010, 12:16

Eoin Colfer - Douglas Adams's The Hitchhiker's Guide to the Galaxy: And another thing (Part 6 of 3)

Douglas Adams ist tot. Darin kann auch Colfer nichts ändern.
Während Adams ja selbst zugegeben hat, dass der 5. Teil von 3 deprimierend ist und er selbst ein gutes Ende schreiben wollte, kam er nicht mehr dazu. Colfer hat es, mit Genehmigung des Nachlass' probiert, aber auch nicht viel gerissen.
Zunächst ist es schon halbwegs ok, aber irgendwie ist es ein weiterer Abstieg in der Qualität (ca so, wie wenn man eine Serie aus einem Film macht). Das ist auch gleich das nächste Stichwort, es ruft irgendwie zu sehr nach einer Fortsetzung, und bildet keinen Abschluss. Er nimmt dem Ende des 5. Teils zwar etwas die Härte, aber weder gänzlich noch so weit, dass irgendwas besseres draus wird.

Resümee: Guter Versuch, mehr nicht.
Resümee über alle Hitchhiker's Guide- Bücher (diesmal 6): Ich kann uneingeschränkt nur die ersten 2 empfehlen, ev noch Teil 3, maximal noch Teil 4.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 06.07.2010, 08:27

Stanislaw Lem - Sterntagebücher

Das Buch habe ich auf Deutsch in einem polnischen Antiquariat gekauft. Da es mehrere Versionen gibt, sei der Hinweis, es ist die Ausgabe inklusive der Erinnerungen Tichys, aber ohne der 26. Reise.

Ähnlich wie weiter oben bei Pilot Pirx eine Vielzahl an Episoden. Diese sind aber alle eher unernst oder gar komisch und die meisten sind auch bitterböse Satiren. Manche behandeln philosophische Fragen von Kybernetik, Religion und Soziologie. Kirchenkritik und Kapitalismuskritik findet sich auch in einigen. Viele Elemente kommen zweimal vor, so versucht Tichy zweimal die Menscheitsgeschichte zu verbessern, begegnet sich zweimal selbst usw.

Resümee: Verschiedene Episoden, manche richtig gut.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 02.08.2010, 09:39

Jane Austen - Persuasion

Klassischer Austen-Roman, das Leiden von höheren Töchtern aus gutem Haus im England das beginnenden 19.Jhdts.
Mit 250 Seite nicht so dick, was mir aber das Lesen sehr erschwert hat, dass sehr viele Leute gleich heißen. So gibt es 2 Ehepaare (Mr und Mrs) Musgroves, 2 Charles Musgroves, Charles überhaupt mindestens 3, Mr Elliot und Sir Elliot, 2 Miss Elliots, 2 Miss Musgroves, dazu noch mindestens 3 Captains usw.

Dies war das letzte Buch von Austen, danach starb sie. Deswegen ist es, laut Wiki, auch kürzer als die anderen und wurde nachher nicht mehr (so oft wie die anderen) von ihr überarbeitet.

Resümee: Klassischer Austen-Roman, aber Pride and Prejudice hat mir persönlich besser gefallen

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 05.09.2010, 07:34

Nele Neuhaus - Schneewittchen muss sterben

NN lebt im Taunus, wo auch das Buch spielt. Sie hat es vom Selbstverlag auf die Bestsellerlisten geschafft, ist aber "nur" Nebenerwerbsautorin.

Das Buch ist ein vergleichsweise klassischer Krimi, der 4. mit ihrem Ermittlerduo. Er bedient sich einer vergleichsweise einfachen Sprache, ist mit ~600 Seiten recht lang und hält die Spannung sehr gut, vor allem weil es sehr oft neue und zumeist auch sehr überraschende Entwicklungen gibt, die dann letztlich auch Sinn machen.

Amélie Nothomb - Quecksilber

AN hingegen ist eine haupberufliche Autorin, die an verschiedensten Orten gewohnt hat. Ua lange Zeit in Japan, worüber sie auch einen (teilweise) autobiographischen Roman geschrieben hat.

In Quecksilber geht es um einen älteren Mann, der (zunächst) mit einer Frau in einem speziellen Haus auf einer Insel vor der europäischen Küste in der Zwischenkriegszeit lebt.
Das Buch hat nichteinmal 170 Seiten und ist genremäßig für mich eigentlich bestenfalls generisch als "Drama" zu bezeichnen. Arg ist es auch irgendwie. Da es kurz ist, hält es die Spannung ebenfalls.
Es hat übrigens auch 2 verschiedene Enden, die Autorin erklärt das so, sie hat irgendwie 2 geschrieben und sich dann für keines entscheiden können, also können sich die LeserInnen selber eines aussuchen. Mit interaktiven Medien hat das aber gar nichts zu tun, sagt sie.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 24.09.2010, 10:26

Carl Hiaasen - Nature Girl

Das Buch lebt von seinen total überzogenen, aber trotzdem nicht unrealistischen Figuren. Das ist auch wirklich witzig. Jedoch nach 100 - 200 Seiten sind die Figuren ausreichend charakterisiert und es macht sich die Schwäche des Buchs sichtbar: Die Story ist ziemlich mau.
Ein großes Ziel des Buches ist es übrigens, Telemarketer als besonders dumm darzustellen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

harald - 24.09.2010, 17:01

Tonio Walter: Kleine Stilkunde für Juristen

Sehr zu empfehlen. Entschlackt die juristischen Schachtelsätze und vereinfacht komplizierte Ausdrücke und reduziert den Satzinhalt auf das Notwendige.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 24.09.2010, 18:56

Amélie Nothomb - Böses Mädchen

In diesem Werk geht es um eine destruktive um nicht zu sagen parasitäre Freundschaft. Es ist nur 160 Seiten kurz, und trotzdem zieht es sich ein paar Seiten etwas. Es gehta uch wieder sehr um das Lesen als solches.
Das ganze Werk und vor allem das Ende hat sehr kafkaesk auf mich gewirkt, obwohl das wahrscheinlich überhaupt nicht intendiert ist.
Vermutlich sind ein paar der subtileren französischen Wort- und Anspielungen bei der Übersetzung verloren gegangen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 08.10.2010, 07:32

Hugo Bettauer - Die Stadt ohne Juden

1922 veröffentlicht, ist es ein sehr vorausschauendes Buch.
Es geht um eine Art Holocaust Light, es werden nämlich alle Juden und -stämmlinge des Landes verwiesen. Und mit Light meine ich Ultralight, es gibt keine Gewalt, keine Toten usw.
Das hat zur Folge einen Niedergang der Wirtschaft (wie er 10 Jahre später aus anderen Gründen tatsächlich kam), Verarmung des Kulturlebens und viele gebrochene Herzen.
Nach ein paar für die Komödien dieser Zeit üblichen Streiche, Verkleidungen und Verwicklungen löst sich alles in einem Happy End auf.

Das Buch hat sicherlich sehr viele Anspielungen auf konkrete, historische Figuren, aber die sind fast 100 Jahre später für den Nicht-Historiker wohl verloren.

Bettauer selbst konnte nicht mehr erleben, dass seine Zukunftsversionen (Holocaust, aber auch wirtschaftlicher Niedergang) ungleich schrecklicher verwirklicht wurden, denn er wurde 1925, als die Verfilmung (übrigens ua mit Hans Moser) in die Kinos kam, von einem Nazi(sympathisanten) und Zahntechniker angeschossen und starb wenig später an den Folgen. Sein Mörder saß nicht im Gefängnis, sondern dank Intervention von diversen Nazis nur ca 1,5 Jahre in der Klapse und war dann wieder ein freier Mann.


Ingrid Noll - Röslein Rot

Die ersten 200 Seite behandelt das Buch Szenen einer (bzw Reste einer) Ehe aus der Sicht der Hausfrau. Auf den letzten 50 Seiten versucht es dann zum Krimi zu werden, schafft es aber bestenfalls zum Thriller. Das - imho eigenwillige - Ende kehrt dann wieder zum ursprünglichen Thema zurück.

Ein Thema, das sich durchzieht, ist Malerei. Die Ich-Erzählerin ist Malerin mit sehr selektivem Talent (sie kann im Wesentlichen nur Stillleben malen), und in jedem Kapitel wird auch ein klassisches Bild besprochen, dessen Symbolwirkung oder Aussage odgl einen Bezug zum Kapitel haben. Obwohl bezüglich Malerei der Unkenntnis anheimgefallen (bzw ihr nie entkommen) hat mir das recht gut gefallen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 19.11.2010, 13:29

Ich sehe gerade, dass ich hier echt nur einen Auszug der von mir gelesenen Bücher reinschreibe. ZB habe ich auch von Mankell Mörder ohne Gesicht gelesen, den ersten Wallander- Krimi. Auf den nehme ich nämlich gleich Bezug.

Henning Mankell - Der Chinese

Wallander tritt nicht auf, eine der Hauptfiguren ist eine ältere, ausgebrannte Richterin, deren einzelne Verwandte einem außerordentlichen Verbrechen zum Opfer fallen und die dann nach eigenen Recherchen in die Dinge hineinstolpert, die dahinter stehen.
Es gibt auch einen Handlungstrang Ende des 19. Jhdt über Chinesen, die gezwungen werden in den USA die Eisenbahn zu bauen und einen im China zum Zeitpunkt des Schreibens (2005).

Es zeigt sich wieder Mankells Tendenz zum Pessimismus: Die Welt ist schlecht, selbst die Richterin vertraut der Justiz nur eingeschränkt, Gewaltverbrechen werden nicht aufgeklärt usw usf.
Außerdem habe ich die Vermutung, Mankell hat ein Bedürfnis nach Exzessen, Superlativen, Übertreibungen gerade im Gewaltbereich: Es werden nicht nur ein paar Leute ermordet, ein ganzes Dorf wird gefoltert und umgebracht. Eine Frau wird nicht nur vergewaltigt und ermordet, sie wird tagelang an einen Mast gebunden, dann von der gesamten Crew vergewaltigt und dann am Hals den Mast hochgezogen, wo sie verreckt usw.
Diese Tendenz zum Reißerischen zeigt sich auch in enem anderen Thema, der Weltpolitik um die es auch geht.

Davon abgesehen hat es auch ein paar autobiographische Anekdoten über die Zeit der Richterin in der "kommunistischen Jugend" in Schweden.

Resümee: Nach der Hälfte des Buches war ich sicher, ich lese nie wieder etwas von Mankell. Nachdem ich es ausgelesen habe, mindere ich es auf "wahrscheinlich" ab.


Amélie Nothomb - Kosmetik des Bösen

Eigentlich geht's bei Nothomb immer um perverse Beziehungen. So auch hier. Das Buch ist wiederum sehr kurz, daher kann ich über den Inhalt ohne zu spoilern fast nichts sagen.
Es ist auch sehr arg, wobei ein paar der anfänglichen "Argheiten" später entschärft werden.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 23.11.2010, 14:54

Teresa Solana - Mord auf katalanisch

Das Buch hat als Untertitel "Ein Barcelona-Krimi".

Den Teil Barcelona erfüllt es über: Wirklich sehr häufig gibt es irgendwelche Daten zu Barcelona, was in welchen Stadtviertel ist, wo reiche Leute wohnen, wo man einkaufen geht usw usf.

Krimi hingegen ist es nur wenig. Ein Krimi meiner Meinung nach ist ein Buch, wo es um ein Verbrechen und dessen Klärung geht.
Zwar gibt es nach einiger Zeit ein Verbrechen und es wird irgendwie auch aufgeklärt. Wirklich darum gehen tut es aber meiner Meinung nach nur etwas.
Hauptfiguren sind zwei sehr ungleiche Brüder die illegal ein Unternehmen betreiben, mit dem sie für die Reichen diverse Aufgaben wahrnehmen, unter anderem auch so etwas in der Art, wie es Detektive tun.

Im Wesentlichen ist das Buch eher auf lustig, wobei es ein paar moralinsaure Einschübe hat.
Für meinen Geschmack arbeitet es zu viel mit Zufällen, und unschlüssig ist es stellenweise auch. So sind die beiden eigentlich ständig in Geldnot, fahren aber fast überall mit dem Taxi hin (in Barcelona gibt es eine Ubahn, die wird aber nie erwähnt) und gehen dauernd auswärts essen (aus eigener Erfahrung ist das in Barcelona viel teurer als hierzulande).

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 02.12.2010, 15:56

Dai Sijie - Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Eine Stadt. Ein Buch. 2010

Zwei chinesische Teenager-Knaben werden in den 1970ern auf's Land
geschickt, zwecks Umerziehung, wo sie verbotenerweise Balzac lesen und
die kleine chinesische Schneiderin kennenlernen.
Die Landbevölkerung lebt in bitterster Armut und auch sonst ist das
Leben kein Zuckerschlecken, aber der Autor schildert alles auf eine
geradezu leichtfüßige Weise, dass es einen nicht erschlägt.

Das Buch ist laut dem Autor recht autobiographisch.
Außerdem sagt der Autor sinngemäß, er möchte nur eine Geschichte
erzählen, und keine Metapher.

Das Gratisbuch der Stadt Wien 2010. Anders als (meisten) früheren
Gratisbücher hat es allerdings gar keinen Wienbezug.

Amélie Nothomb - Reality- Show

Ein Konzentrationslager im heutigen Europa. Aber nicht nur das, es ist
auch noch eine Wiederholung des Stanford-Prison-Experiments und eine
Reality- Show. Ca 170 Seiten.

Typisch Nothomb, finde ich.

Ich hätte ein anderes Ende vorgezogen, aber was und wieso kann ich
nicht sagen, ohne zu spoilern.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 17.12.2010, 17:58

Isaac Asimov - The Caves of Steel

Asimovs erster Roboter-Krimi im Umfang eines Buches (er hat allerdings viele Kurzgeschichten geschrieben).

Ein Polizist bekommt nolens volens einen Roboter als Partner und sie müssen einen Mord aufklären, obwohl die Ermittlung doch primär aus Schüssen ins Blaue besteht.

Während das Setting - wie eigentlich immer bei Asimov - doch wirklich sehr gut ist, hebt die Story sozusagen nie wirklich ab.
Zum Ende kann ich nix sagen, ohne zu spoilern.

Obwohl das Buch 30, 40 Jahre geschrieben wurde bevor Asimov entschieden hat, er lässt Foundation und Robot im selben Universum spielen, sind doch schon sehr viele Dinge hier gleich, die dann in Foundation auch kommen: Kolonien und die politischen Ränke, die "Caves of Steel" also die riesigen, überdachten Städte (Asimov war agoraphobisch), Ernährung via Yeast (Hefe, bin aber nicht sicher ob er damit nicht Pilzkulturen meint) usw.

Resümee: So gut wie der erste Teil von Foundation ist es nicht.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 28.01.2011, 08:56

F. Scott Fitzgerald - Tender is the night

Ich geb's zu, ich hab mit dem Buch nichts anfangen können, und habe es nur zum Ende gelesen, weil ich vor kurzem ein anderes Buch geschmissen habe. Es beginnt damit, dass in den 1920ern eine junge us-amerikanische Schauspielerin in Südfrankreich eine Gruppe von wohlhabenden Leuten kennenlernt. Dann wechselt der Fokus auf ein Ehepaar von dieser Gruppe, geht in die Zeit zurück, wie sich die beiden kennen gelernt haben und dann wieder mehrere Jahre nach vorn.

Es gibt allerdings auch eine Ausgabe, in der alles chronologisch ist.

Ich hab's nur stellenweise gecheckt. Manchmal sind einfach Auslassungen drinnen, das ganze ist oft sehr sprunghaft, lückenhaft. Teilweise liegt's auch daran, dass ich nicht weiß, was in den 1930ern für US-Amerikaner in Europa Alltag war.
Lt Wikipedia ist die Aussage, dass einer nur auf Kosten eines anderen stark werden kann; eine Ansicht die ich nicht teile.

Resümee: hat sich mir nicht erschlossen.


Gottfried Keller - Romeo und Julia auf dem Dorfe

Geschrieben um 1850, gibt der Titel eh schon alles über den Inhalt preis.
Es gehört in die Stilrichtung des poetischen Realismus und ist ein Klassiker der Schulliteratur. Das Werk ist in der Public Domain.

Resümee: Ein Klassiker

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

harald - 14.02.2011, 19:03

Die kleine House Apotheke I und II

Wer gerne die Fernsehserie Dr. House ansieht, dem wird die Zusammenfassung der Gecshichten der jeweiligen Serien auf ungefähr je 2 Seiten gefallen!

Ich verwende es zum Nachschlagen einiger tief schwarzer Sager:

Zitat: mami: „du kriegst nicht die flasche, nur mamis natürliche gesunde muttermilch.“
house: „yummi.“
mami: „ihr ganzes gesicht ist über nacht angeschwollen.“
house: „kein fieber. drüsen normal. die impftermine wurden versäumt.“
mami: „wir lassen sie nicht impfen.“ zu baby: „na? quaak, quaaak, quaaak.“
house: „denken sie, das bringt nichts?“
mami: „ich denke, ein multinationaler pharmakonzern will mir einreden, das es funktioniert, um seinen gewinn aufzustocken.“
house: „erlauben sie?“ greift sich den spielefrosch.
mami: „klar!“
house: „quak, quak, quak… naturreiner farbstoff. ist ein hervorragendes geschäft – naturreines kinderspielzeug. spielzeugfirmen kennzeichnen ihre frösche nicht willkürlich, und bestimmt lügen sie nicht über die summe, die sie für forschung und entwicklung aufwenden. den schlimmsten vorwurf, den man einer spielzeugfabrik machen könnte, wäre dass ein frosch langweilig aussieht.“
house: „quak, quak – wissen sie, was sich noch gut verkauft? sehr kleine … babysärge, glaub ich, die kriegt man in froschgrün, feuerwehrrot, wirklich! die antikörper in der yummi-mami schützen das kind nur für sechs monate, weswegen die großunternehmen denken, sie könnten sie über den tisch ziehen, die gehen davon aus, dass sie jeden preis bezahlen, um ihr kind am leben zu erhalten. wollen sie was ändern? unternehmen sie was. wenn ein paar hundert eltern ihr kind lieber sterben lassen würden, anstatt ein paar mäuse für eine impfung auszugeben, würden die preise bestimmt fallen, glauben sie mir! quak, … quakquakquak! quak, … quakquakquak!“
mami: „sagen sie mir, was sie hat!“
house: „eine erkältung.“

Und auch sonst mag ich es aufgrund der Parallelen zu Sherlock Holmes.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 27.05.2011, 16:15

Douglas Adams - Dirk Gently's Holistic Detective Agency

Mit den letzten Büchern habe ich kein Glück.

Die Handlung gallopiert in alle möglichen Richtungen davon - Zeitreise, Außerirdische, Geister, Chaos Theorie, Kritik (?) an British Telecom usw.
Gegen Ende kommt dann alles zusammen, aber ich hatte schon lange den Faden verloren. Auch nachdem ich das Ende ein zweites Mal gelesen habe, habe ich es nicht verstanden.
Um es zu verstehen musste man sich an irgendwelche Details aus dem Anfang des Buches erinnern (die aber nie wiederholt oder erklärt werden) und außerdem mehrere Gedichte von S.T. Coleridge kennen, was ich nicht tue.
Es sind zwar ein paar witzige Ideen drinnen (zB der Electric Monk, der für einen alles glaubt), aber das rettet es auch nicht.

Es soll aber toll sein.

Resümee: hat sich mir nicht erschlossen und gefallen hat's mir auch nicht.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 28.06.2011, 09:52

Hakan Nesser - Das grobmaschige Netz

Wieder so ein gelobpreister Krimi, hat mich aber auch nicht von den Socken gehaut.

Das ganze hat einen sehr elliptischen (kann man das so sagen? jedenfalls viele Auslassungen) Stil, die Leute gehen alle sehr barsch miteinander um. Am Anfagen wiederholt sich das meiste, dann fischen Leser und Polizei einige Zeit lang im Trüben. Dann plötzlich kommt Van Veeteren - der ermittelnde Polizist, der auch eher unsympathisch ist - drauf. Aber wieso und wann genau ist an mir vorübergegangen. Vor allem ist die Lösung dann auch so arg und weit hergeholt.

Resümee: Naja.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 18.08.2011, 12:00

Isaac Asimov - The Complete Stories Vol. 1

Ich find's ja immer etwas suspekt, wenn etwas "Alles komplett - Teil 1" heißt, aber was soll's.

Es sind 25 Kurzgeschichten drinnen, manche besser, manche schlechter. Bei ein paar der Geschichte ist die Idee richtig gut, aber es wird keine gute Story draus (das war auch mein Hauptproblem mit Caves of Steel.).

Nele Neuhaus - Wer Wind sät

Im Wesentlichen kann ich dazu dasselbe sagen wie weiter oben zu einem anderen Buch von ihr.
Stellenweise ist es ein bisschen zu reißerisch bzw greift in die Klischeekiste, das ganze auf 300 - 400 Seiten zu komprimieren wäre auch ok gewesen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 13.10.2011, 10:38

Jane Austen - Lady Susan

Ich habe mir vorgenommen, alle Werke von Jane Austen zu lesen (außer den unfertigen, bei den Jugendwerken bin ich mir nicht sicher - die sind sicher herzige Parodien, aber ob man den Schmäh mehr als 200 Jahre später noch checkt?). Ergo nun Lady Susan.

Dabei handelt es sich um einen Briefroman, dessen Hauptfigur, die titelgebende Lady Susan, eine Antiheldin ist, eine Art manipulative Femme Fatale ist, beschrieben mit der für Jane Austen und die Georgian Era üblichen Zurückhaltung.

So gesehen ist das Werk wohl auch eine Art Satire oder Parodie.

Es hat mir recht gut gefallen, obwohl halt - wie so oft - aus heutiger Sicht nicht zur Gänze zugänglich, was aber auch irgendwie wieder den Reiz ausmacht.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 19.12.2011, 15:52

MARIO VARGAS LLOSA - Der Geschichtenerzähler

Es ist das "Eine Stadt Ein Buch" Buch 2011, daher kopiere ich mal von dort.
http://www.einestadteinbuch.at/gratisbuch

Zitat: In dem Roman Der Geschichtenerzähler (El hablador) berichtet ein Ich-Erzähler, der deutliche Züge des Autors Vargas Llosa trägt, die Geschichte eines Freundes, des jüdischstämmigen Saúl Zuratas, der von den peruanischen Urwaldindianern der Machiguenga fasziniert seine Identität aufgibt und sich in das Nomadenvolk integriert.
Zitat: In dieser Dialektik von Naturnähe und Zerstörung durch die Industriegesellschaft ist die erzählerische Absicht des Buches zu finden: „Die Vorstellung des Gleichgewichts zwischen Mensch und Natur, das Bewusstsein der Umweltzerstörung durch die Industriegesellschaft und die moderne Technologie, die Aufwertung des Wissens des Primitiven, der gezwungen ist, seinen Lebensraum zu respektieren, wenn er nicht untergehen will, ist eine Anschauung, die in jenen Jahren zwar noch keine intellektuelle Mode darstellte, aber doch schon allenthalben, selbst in Peru, Wurzeln zu schlagen begann.“

Was mir am Anfang das Lesen sehr erschwert hat, war der Umstand, dass dann ohne Überleitung oder Erklärung plötzlich die Schöpfungsmythen der Machiguengas erzählt werden. Die sind auch sehr schwierig zu lesen, weil alle dort Tsarunichi (oder so heißen), was vermutlich mehr sowas wie Familienoberhaupt heißt, aber auch dazu nie eine Erklärung. Erst später kommt die zusätzliche Info, dass das eben ist, was der Geschichtenerzähler erzählt. Er erzählt dann auch Kafkas Verwandlung und die Diaspora im Machiguenga-Stil. Das ist sehr lesenswert.

Auf der erwähnt HP steht auch, dass die Bücher "immer Relevanz für Wien" haben sollen. Das hat sich mir - wie auch letztes Jahr - nicht erschlossen.

Durch die erste Hälfte musste ich mich durchkämpfen, die zweite Hälfte war dann ganz gut.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 10.01.2012, 10:54

Jasper Fforde - One of our Thursdays is missing

Wie der Titel schon offenlegt, ist es der nächste Teil der zweiten Thursday Next Quadrologie. Die Qualität reicht nicht mehr an die besten Teile heran, dass Buch ist aber trotzdem sehr gut.
Außerdem muss er einerseits das Setting ändern, um eine Story zusammenzubringen - von nicht zu wenigen Inkonsistenzen in der BookWorld nicht zu sprechen - und andrerseits verlässt er das eigentliche Thema Bücher schon sehr oft. Schon in früheren Teilen, hat er ja mit Shakespeare die Theaterbühne betreten, aber in diesem Teil kommen dann (Meta-)Schmähs hinzu, die nur mit Sitcoms, Westernfilmen und Pantomimen zu verstehen sind.

Resümee: Immer noch gut, auch wenn Fforde die eigenen Regeln umschreiben muss

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 03.02.2012, 09:59

Ken Kesey - One Flew Over the Cuckoo's Nest

Eine Novelle, entstanden um 1960 und spielt in einer Nervenheilanstalt; erzählt aus der Perspektive eines leicht paranoiden Insassen.
Die Abteilung der Nervenheilanstalt wird von der "Big Nurse" geleitet, die mit eisener Disziplin, falschfreundlichem, manipulativem Gehabe und Passiv-Aggressivität alles unter Kontrolle hat, Insassen, Pfleger und Ärzte.
Dann kommt McMurphy (in der Verfilmung gespielt von Jack Nicholson) , ein Schläger, Spieler und Schwindler, der wegen Statutory Rape sitzt, sich aber verstellt und nicht auf der Arbeitsfarm arbeiten zu müssen.
Seine bacchanalische Lebensfreude verträgt sich nicht mit der dort herrschenden sterilen Disziplin, und es kommt zum Konflikt, der sich weiter zuspitzt.

Buch und Film, der sich (ich habe ihn nicht gesehen) anscheinend sehr ans Buch hält, sind sehr zelebriert und gut bewertet.

"the narrative serves as a study of the institutional process and the human mind, as well as a critique of Behaviorism and a celebration of humanistic principles" schreibt wiki. Der erste Teil ist sicher richtig, der Autor war auch selbst in einer solchen Anstalt tätig, mit Behaviosismus und inwiefern die im Buch geschilderten Praktiken der damaligen Behandlungsform entsprechen, habe ich keine Ahnung, wird also auch stimme.
Bei den humanistischen Prinzipien melde ich schon leise Zweifel an, weil McMurphy ist vielleicht "a celebration of life", aber letztlich eines Lebens auf Kosten von anderen: Als Schwindler und Betrüger hat er immer schon die anderen ausgenommen, und macht auch in der Anstalt weiter, er nimmt den anderen Insassen durch Poker, Wetten usw Zigaretten, Geld etc ab, denen ist es auch bewusst. Nicht zuletzt ist seine Lebensweise nicht nur destruktiv für andere, sondern auch für sich selbst, für mich ist das nicht humanistisch.
Das mechanistisch-sterile der Big Nurse ist jetzt auch nicht besser, wobei ich schon anmerken muss, im Vergleich was früher und wahrscheinlich auch noch zu Schreibers Zeiten in Klapsen abgegangen ist, könnte die Big Nurse wesentlich böser sein.

Bei vielen Insassen kommt nicht heraus, wieso sie eigentlich da sind, von ein paar Neurosen abgesehen. Eigenwillig in diesem Zusammenhang ist auch, dass die meisten der im Buch behandelten Insassen der Anstalt freiwillig dort sind - sie könnten auschecken wenn sie wollten. Und im Buch ist von einer einzigen Person abgesehen niemand, den die Big Nurse davon abhält, das zu tun.

Was mich aber am meisten gestört hat, ist mein Verdacht, dass das ganze Buch irgendwie antifeminstisch oder sogar mysogyn unterlegt ist, und dabei berücksichtige ich schon, dass es damals mit der Gleichberechtigung noch nicht so weit her war.
Zunächst geht es einmal übertragen aber auch tatsächlich sehr viel um Kastratationsängste, Angst des Verlusts der (nicht näher definierten) Männlichkeit usw usf.
Die Quelle dieser Ängste sind ausschließlich Frauen, und alle männlichen Charaktere werden von Frauen unterdrückt, die meisten von der Big Nurse, aber 2 der Insassen werden zusätzlich von ihren Frauen unterdrückt und einer von seiner Mutter bzw wird mehr oder weniger implizit der Vorwurf gemacht, diese Frauen sind schuld an ihrer jeweiligen Situation, der (verstorbene) Vater des Ich-Erzählers Bromden wurde von seiner Frau unterdrückt, die wohl auch mitschuld an seinem Tod war, der ganze Indianerstamm wurde von einer Vertreterin des Combine (so bezeichnet der Ich-Erzähler "das System") unterdrückt.
Auch die sonstigen weiblichen Charaktere, die etwas Persönlichkeit haben, sind durchwegs negativ besetzt - 2 Prostituierte, die mehr oder minder willenslose Spielbälle sind, die Night Nurse die körperlich entstellt und deswegen verrückter ist als die meisten Insassen.

Ich kann natürlich auch völlig falsch liegen, vor allem die Big Nurse ist nur eine Repräsentationsfigur des unterdrückenden Systems, und solche Posten waren damals überwiegend mit Frauen besetzt, die Insassen in der Anstalt haben natürlich alle dasselbe Geschlecht, daher kommen die Kastrationsängste quasi von alleine.

Resümee: Wohl ein Klassiker, hat mir aber nicht gefallen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 16.03.2012, 14:59

Seth Grahame-Smith - Pride and Prejudice and Zombies

Es ist das, wonach es klingt: Der Autor hat in den Originaltext etwas überarbeitet, und Zombies eingebaut, so fressen halt mal Zombies zwischendurch das Personal oder Gäste und Darcy fürchtet, dass Jane an der "Plague" leiden könnte; die Bennet- Schwestern sind bekannte Zombieschnetzler (inklusive Specialmove "Pentagram of Death"), ebenso Darcy und seine Tante.

Über die Idee als solche kann man mal geteilter Meinung sein.

Hauptproblem mehr ist, dass das ganze Buch überhaupt nicht mehr funktioniert.
Das Original lebt von der beengten Perspektive, in der die weiblichen Charaktere leben. Wenn sie - gleichberechtigt mit den Männern - Zombies schnetzeln, ist das unschlüssig. Ebenso die Mutter, ein neurotischer Charakter würde eher um das Überleben der zombiemeuchelnden Töchter zittern, statt zu grübeln, wen sie jetzt heiraten könnten.
Weiters hat der Autor auch einige Fälle von Ehebruch und sexuellen Anspielungen reingenommen, was völlig unerklärlich macht, wieso Lydia Wickham heiraten muss, was im Originalsetting völlig klar ist.
Das waren jetzt nur ein paar der ärgsten Unschlüssigkeiten.

Sonst haut der Autor für mich das Buch vor allem zusammen, weil die Hauptfigur Elizabeth von einer intelligenten, sympatischen Person zu einer nervigen, blutdürstenden Psychopathin wird - andauernd will sie irgendjemanden umbringen, von ihren Schwestern angefangen bis eh alle.
Irgendwann bringt sie auch - im Rahmen einer Übungsstunde - ein paar Ninjas um, und das eh gleich auf die grauslichste Art und Weise, wie man das in einem Buch beschreiben kann.

Auch sonst gibt's natürlich viel Gewalt, Blut und Erbrochenes, oft im Zusammenhang mit Zombies.

Aber eben nicht nur, was ich nämlich auch sehr bedenklich finde, ist eine durchaus positive Einstellung zu schwersten körperlichen Strafen und zu Folter. Mehrmals wird nur beiläufig erwähnt (und zumeist ohne der sadistischen Freude genauerer Beschreibung) dass diverse Angestellte, Unbeteiligte etc Informationen erst nach ausführlichen körperlichen Misshandlungen preisgegeben haben.

Dem Autor kann ich nicht vorwerfen, dass er nur wenig geändert hat, aber es ist halt schlecht geworden. Ist auch schon wieder eine Leistung, mit vergleichsweise wenig Änderungen so ein gutes Buch so zu ruinieren.

Wer Austen mag, wird sich mit diesem Werk eher schwer anfreunden können. Wer sinnbefreite, extreme Gewalt mag, wird davon auch zu wenig finden.

Dieses Zitat bringt es auf den Punkt:
wiki hat folgendes geschrieben: The New Yorker's Macy Halford, however, called the book's estimated blend of eighty-five percent Austen's words and fifteen percent Grahame-Smith's "one hundred per cent terrible"

Resümee: Hat mir gar nicht gefallen.



Janwillem von de Wetering - Leider war es Mord

3 Krimiepisoden in einem dünnen Buch, kleiner als A6.
Die Episoden sind so kurz, dass man sie in einer längeren Straßenbahnfahrt lesen kann. Es spitzt sich auch jeweils gleich auf wenige Verdächtige zu, aber die Polizisten dann eigentlich auf den richtigen kommen, wurde mir nicht so ganz klar. Am Klappentext steht was von metaphysisch, ist mir aber nicht aufgefallen. Irgendwie sind die Dialoge schon - sagen wir mal - entrückt (oder einfach komisch), aber nicht so, dass sie dadurch irgendeinen Mehrwert bekommen.

Resümee: ging so.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 27.03.2012, 09:46

Colin Dexter - Phantasie und Wirklichkeit

3 Krimiepisoden in einem dünnen Buch, kleiner als A6, wie das zuletzt rezensierte Buch, ebenso rororo.
Ein etwas längeres Whodunnit und 2 kürzere Mysteries.

Die Fälle sind durchaus ausführlich und verwinkelt, aber noch nicht sehr abwegig.

Resümee: ok.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 20.04.2012, 12:02

Franz Kafka - Das Urteil und andere Prosa (Reclam)

Ein Jurist sollte Der Process und Das Urteil gelesen haben, wurde mir mal gesagt. Den Process habe ich schon vor längerem gelesen, aber das Urteil bis jetzt nicht.
Also habe ich das nachgeholt.

In dem Buch sind noch weiters In der Strafkolonie, Betrachtungen, Gespräch mit dem Beter, mit dem Betrunkenen und Großer Lärm.

Die Gespräche, tw die Betrachtungen und Großer Lärm und das Urteil sind allesamt kafkaesk (nonaned), tw auch nur das, sonst haben sich diese Werke mir aber nicht erschlossen, anders als eben zB Verwandlung und Process. Oder auch In der Strafkolonie

Die obige Aussage muss ich daher korrigieren:
Resümee: Jeder Jurist, jede Juristin sollte von Kafka Der Process und In der Strafkolonie gelesen haben.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 05.05.2012, 08:29

Nero Blanc - Wrapped up in crosswords

Es ist eine harmlose Kleinstadtgeschichte, in der die meisten Leute Hunde haben und die Hunde alles verstehen können was die Menschen sagen und auch miteinander sprechen. Es gibt an die 10 Bücher der Reihe.

Ist sicher nett und harmlos, ich hatte mir aber etwas anderes erwartet.

Resümee: Für mich ist das nix.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

harald - 14.06.2012, 14:08

Hugh Laurie - The Gunseller

Endlich hab ich es mal wieder geschafft, ein nicht facheinschlägiges Buch zu lesen. Darauf gestoßen bin ich, da ich mir Dr. House Bücher zugelegt habe und der Autor von Gunseller der Hauptdarsteller ist.

Der Titel ist Programm. Es geht darum, eine neue Waffe durch terroristische Komplotts (ich sag nur Atomwaffen im Irak) als Hilfsmittel gegen diese Komplotts im "Feld" einzusetzen und somit via internationaler Newssender Werbung zu machen. Die Waffen sollen ja schließlich gekauft werden.

Anfangs ziemlich seicht, gibt es einige Plottwists. Ein Großteil der Plottwists ist vorhersehbar, was aber nicht abträglich ist. Happy End ist garantiert. Ein bissl Potential wurde verschenkt, da wär noch mehr Spannung und Tiefe drin gewesen.

Resümee: Lesenswert, wenn man auf Agentengeschichten steht.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 22.06.2012, 15:11

Der Hugh Laurie macht echt alles: Schauspieler, Musiker, Autor, Order of the Britisch Empire....


Frank Tallis - Mortal Mischief
erster Teil von "The Liebermann Papers"

Das Buch ist ein Krimi, welcher in Wien um 1900 herum spielt. Hauptfigur ist Liebermann, ein Freud-Schüler und Psychiater, der der Polizei bei einem Mord im okkulten Milieu (Seance und so) hilft.

Der Krimi ist eher durchschnittlich, er versucht immer mit diversen kurzen Einschüben, die man nicht zuordnen kann, die Spannung zu erhöhen, was nicht wirklich gelingt.
Der Krimi soll psychologisch fundiert sein - der Autor hat das auch studiert - mir als Laien erschienen die psychologischen Einschübe allerdings nicht überdurchschnittlich originell oder fundiert.

Es enthält extrem viel historisches und geographisches Namedropping, so werden Mahler, Lueger, Koloman Moser uvm erwähnt und es gibt genaue Beschreibungen von Wiener Mehlspeisen (sehr mühsam). Das mit den historischen Figuren funktioniert gut, aber ungefähr jede zweite Seite erwähnt er eine Wiener Straße oder einen Bezirksteil oder sowas, und schreibt diese aber oft falsch. Teilweise sind auch geographische Ungenauigkeiten drinnen, die gar nicht notwendig sind, weil sie auch mit der Handlung nichts zu tun haben. Auch die Namen der Nebenfiguren sollen wohl typisch Wienerisch sein, aber oft sind dann total eigenartige Schreibweisen odgl drinnen, die ihren Effekt verfehlen.

Was dafür sehr gut rauskommt sind die damaligen Geschlechterklischees, die Klassendünkel und der Antisemitismus.

PS: Ja, ich weiß eh dass ich bei Born 1900 ebenso historisches Namedropping betreibe - aber mit weniger Schreib- und Recherchefehlern! Und hoffentlich nicht so aufdringlich.

Resümee: Wenn mir der zweite Teil in die Hände fällt, werde ich ihn lesen. Extra kaufen werde ich ihn mir aber nicht.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 10.07.2012, 08:07

Johannes Mario Simmel - Das geheime Brot

Das "Eine Stadt. Ein Buch."- Buch aus 2004 (http://archiv.einestadteinbuch.at/2004/).

3 ganz verschiedene Personen kommen nach dem 2. Weltkrieg mehr oder minder zufällig in Wien zusammen und bauen gemeinsam ein zerbombtes Haus wieder auf.

Eine sehr optimistische Geschichte aus dem Jahre 1950 (Besatzung und Nazis kommen darin nicht vor).

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 19.09.2012, 07:23

Ruth Rendell - From Doon with Death

Das erste Buch von R., und auch das erste mit Inspector Wexford.
Inspector Wexford klärt darin den Mord an einer "religious, old-fashioned and respectable woman, as unexciting and dependable as her marriage" auf. Die erste Hälfte des Buches fand ich es auch ziemlich spannend.

Es sind noch gewisse Klassendünkel drinnen - die G'Stopften besucht die Polizei nur so oft, bis sie sich ärgern, bei den weniger Angesehenen durchsuchen sie halt einfach das Haus -, Wexford ist nicht sonderlich sympatisch (zumindest aus heutiger Sicht). Und mehr kann ich nicht sagen, sonst ist es ein Spoiler. Nur folgende verkürzte Stelle aus Wiki darf noch sein:
"Although the identity of [...] would not be much of a surprise to the 21st century reader, at the time of its release it was considered ground-breaking and daring, and this novel immediately garnered Rendell international critical attention."
~50 Jahre im Nachhinein fällt es mir schwer zu beurteilen, wie progressiv das Buch damals war.

(Das Buch ist aus 1964, und 2011 hat R. zuletzt ein Buch mit Inspector Wexford (mittlerweile in Pension) geschrieben.)

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 02.10.2012, 07:49

Ruth Rendell - A New Lease of Death

Ich habe im open book case in der arbeit einen "Omnibus" mit 3 Büchern gefunden. Das erste war das darüber, das letzte The Best Man to Die (siehe viel weiter oben).

ANLoD ist zwar ein "Wexford-Krimi", Wexford ist aber nur eine Nebenfigur. Die Hauptfigur ist ein anglikanischer Pfarrer, der die Familiengeschichte der Verlobten seines Sohnes erforscht.
Am Anfang ist das Buch stellenweise noch ganz spannend, die inneren Konflikte in der Figur des Pfarrers sind anfangs auch ganz gut, aber das letzte Viertel ist eher enttäuschend und das Ende daher auch. Auch ist mir zu wenig Auflösung drinnen, und wie so oft bei R. bleibt unklar, worauf sie hinauswollte.

Resümee: Von allen Büchern von Ruth Rendell hat mir dieses bisher am wenigsten gefallen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 03.12.2012, 08:34

Fjodor Dostojewski - Schuld und Sühne
(Original: Фёдор Михайлович Достоевский - Преступление и наказание, neuere Übersetzungen tw unter dem Titel Verbrechen und Strafe, wobei das russische Wort mehr etwas wie "Grenzüberschreitung" heißt, also dem ganzen mehr Ebenen verleiht, die in der Übersetzung verloren gehen)

"A classic is, what everbody wants to have read, and nobody wants to read" Mark Twain

Mit 700 Seiten für einen russischen Klassiker eh sehr kompakt.
Die Story setze ich mal im Wesentlichen als bekannt voraus, möchte aber trotzdem nicht zu sehr drauf eingehen.

Eben weil es so ein Klassiker ist, hatte ich mir mehr erwartet: Mehr Seitenweise Diskussionen über den Status der Welt (es gibt nur einzelne), über das Verbrechen an sich usw. Hingegen ist das Buch eher episodenhaft, wobei viele der Episoden schon Richtung absurd oder surreal (oder kafkaesk?) abdriften.

Die Meta-Ebene ist eine Absage an damalige sozialrevolutionäre, "modernistische" Ideologien, von denen sich Dostojewski selbst abgewandt hat.

In der Sekundärliteratur, die ich jetzt auf die Schnelle im WWW gefunden habe, wird darauf hingewiesen, dass das Buch eines der ersten war, das in schäbigen Spelunken, grindigen Gassen und den Wohnungen der Armen spielt. Das ist zwar alles richtig, aber die handelnden Figuren sind - größtenteils - den oberen Klassen zuzurechnen: Raskolnikow ist ein Student (und Gelgenheits-Autor), die anderen Figuren sind größtenteils verarmte Adelige, ehemalige Beamte; Hausknechte und Kleinbürger hingegen bekommen nicht mal einen Namen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 04.12.2012, 11:25

Dirk Stermann - Sechs Österreicher unter den ersten fünf. Roman einer Entpiefkenisierung

Stermann, bekannter aus dem Radio statt als Buchautor, hat eben diesen Roman geschrieben.
Das ganze ist sehr anekdoten- und episodenhaft, eine wirkliche durchgehende Handlung gibt es kaum.
Das ganze hat einen pseudoautobiographischen Touch, der Ich-Erzähler kam auch in den 1980ern nach Wien, kam auch zum ORF usw. Parallelen zur Biographie des Autors sind zwar offensichtlich, aber der Roman stellt nirgendwo den Anspruch auch nur einen Hauch autobiographisch zu sein (zB Name und Beruf der Gattin sind andere, auch die Tochter heißt anders und ist viel älter usw).

Das Deutschland/Österreich Thema hat mich nie sonderlich interessiert, trotzdem gibt das Buch mir recht wenig Neues. Um Fußball geht's dann auch viel, was mich noch weniger interessiert. Die Zeit der Handlung wechselt dauernd, und da (und auch sonst) gibt es ein paar einzelne Recherchefehler.
Einige der Episoden sind wirklich witzig und genial, und andere wiederum überhaupt nicht.
Ich denke, wenn man das Österreich/Deutschland/Fußball Thema mag, gefällt einem das Buch sicher sehr.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 14.01.2013, 09:58

Toni Morrison - Sehr blaue Augen

Zitat: „Sehr blaue Augen“ ist Toni Morrisons Debüt aus dem Jahr 1970. Es geht darin um ein schwarzes Mädchen im Amerika der vierziger Jahre, das glaubt, es würde endlich von seinen Eltern und Mitmenschen geliebt, hätte es helle Augen.

Das Stadt-Buch 2006.

Ich zitiere Wendelin Schmidt-Dengler noch etwas zum Inhalt:
Zitat: Das Buch beginnt wie eine einfache Entwicklungsgeschichte im Milieu der Schwarzen in dem kleinen Ort Lorain in Ohio, knapp vor dem Eintritt der USA in den Krieg, 1941; es ist die Geschichte der kleinen Pecola Breedlove, die zunächst aus der Perspektive einer schwarzen Freundin, Claudia McTeer, erzählt wird; die hat es mit ihrer Familie offenkundig doch ein wenig besser getroffen: In ihrem Haus wird Pecola zeitweilig untergebracht, da die Familie ihres Vaters Charles (Cholly) Breedlove delogiert wird. Pecola wird von ihrem Vater vergewaltigt, das Baby stirbt. Der Vater kommt ins Arbeitshaus, wo er auch später stirbt, die Mutter Pauline arbeitet weiter bei wohlhabenden Weißen, Pecolas Bruder Sammy ist auf und davon, und Pecola, das Opfer, wirkt völlig verstört. Damit ist die – deprimierende – Handlung umrissen, die aber von der Qualität des Ganzen keine Vorstellung vermittelt.
Zitat: Was sich wie eine sehr individuelle, auf eine Person bezogene Erzählung anlässt, wächst sich zu einer Geschichte jener aus, die ohne Sprache sind und die daher auch keine Geschichte haben: der pauperisierten, der marginalisierten Schwarzen, vor allem der Frauen, die von dieser Situation besonders schwer betroffen sind. Darin liegt auch das ästhetische Problem des Buches: von jenen zu berichten, von denen es dem allgemeinen Urteil nach nichts zu berichten gibt, die passiv sind und keine Taten gesetzt haben. Zitat: Toni Morrison verwendet sie auch für die Einleitung der einzelnen Kapitel; das sind Sätze aus einem Lehrbuch für Kinder, wie sie lange hüben und drüben des Ozeans in Gebrauch waren. In den USA waren sie damals für weiße Kinder gedacht. Im Zusammenhang mit Pecolas Geschichte erhalten sie allerdings einen bitteren ironischen Akzent: „Da ist Vater. Er ist groß und stark. Vater, willst du mit Jane spielen? Vater lächelt. Lächle, Vater, lächle.“ Aber bedrohlich für die Kinder ist nicht nur diese in den Sätzen vorgeführte Modellwelt; es ist auch die Welt Hollywoods, der Pecolas Mutter Pauline erlegen ist. Da wir zu Beginn mit dem Denken und Fühlen Claudias vertraut gemacht werden, erfahren wir, wie traumatisierend sich dieses Leitbild aus dem falschen Glanz der Filme auf das Kind auswirkt. Shirley Temple muss als das große Idol herhalten, und Claudia beginnt dieses weiße Wunderkind zu hassen; doch als sie imstande ist, sich mit diesem zu identifizieren, wandelt sich der Hass in Bewunderung. Dem steht die beklemmende Hilflosigkeit im Umgang mit dem eigenen Körper gegenüber: An diesem werden nur Defizite geortet. In einer Welt, in der es keine Ideale mehr geben kann, ist Platz für Surrogate. Die Schönheit einer Ginger Rogers, einer Jean Harlow oder einer Greta Garbo zu erreichen, wird zum Glücksimperativ, aus dem sich Pecolas verhängnisvoller Wunsch nach „Sehr blauen Augen“ („The Bluest Eye“) ableiten lässt. Der Titel verrät das Zentralmotiv des Buches.

Pecola will schöne blaue Augen haben; sie wird von diesem Wunsch besessen.

Also wie erwähnt, eine ziemlich arge Milieustudie, mit einer Erzählweise ohne Distanz, die auch zu den Tätern vergleichsweise verständnisvoll ist.
Mich hat's nicht so angesprochen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 22.01.2013, 09:36

Ruth Klüger - weiter leben - eine Jugend

Eine Stadt. Ein Buch. 2008.

Zitat: Erst als sie Ende der 80er Jahre bei einem Verkehrsunfall in Göttingen lebensgefährlich verletzt wurde, begann sie zu schreiben. Ihre damals entstandene Biografie "weiter leben - eine Jugend", die 1992 vom Göttinger Wallstein Verlag veröffentlicht wurde, gilt heute als wesentlicher Beitrag zur Holocaust-Literatur.

Das Buch, in dem Klüger ihre Kindheit in Wien, die Jugend in den Konzentrationslagern und die Nachkriegszeit in Bayern und New York schildert, wurde von der Kritik einhellig gelobt und erreichte eine Weltauflage von 250.000 Exemplaren.

Ich habe es nicht geschafft, das Buch zu lesen. Es ist einfach viel zu arg.
Sie schreibt sehr subjektiv, sehr persönlich - wie sie ihr ganzes Leben darunter gelitten hat, dass die Nazis ihren Vater mitgenommen (und in Folge umgebracht haben), was sie damals nicht wusste, und wie sie sich deswegen nicht von ihm verabschieden konnte, nie damit abschließen. Wie Überlebende die Todeszahlen in ihren Familien vor sich hertragen, wie sie als Kind den Tod als großes Mysterium erlebt hat und neugierig war.
Wie gesagt, es war mir zu arg. Ich habe es dann nach einem Viertel oder so nicht mehr geschafft weiterzulesen.


Imre Kertész – Schritt für Schritt

Eine Stadt. Ein Buch. 2003.

Zitat: "Schritt für Schritt" ist das DrehBUCH zum "Roman eines Schicksallosen", liest sich aber wie ein Roman. Kertész hat nämlich für "Schritt für Schritt" das Material neu aufbereitet und die Geschichte mit autobiographischen Einzelheiten angereichert.

Wir erleben am Ende das zerstörte Deutschland zur Stunde null und das zerbombte Dresden, bevor der befreite Held der Geschichte endlich nach Budapest zurückkehrt.

Im Anhang des GratisBUCHes befindet sich die Rede von Imre Kertész zum Nobelpreis für Literatur mit dem Titel "Heureka!", in der der Autor über seine persönlichen Schwierigkeiten, über seine Erlebnisse zu schreiben, reflektiert.

Der Autor sagt zu seinem Buch, es ist keines über den Holocaust, es ist eines über eine Reise, die den Protagonisten auch durch Ausschwitz führt.
Dieser Kunstgriff, den Holocaust nur als Nebenschauplatz bzw Rahmenhandlung heranzuziehen, macht es dem Leser leichter. Hier schleicht sich der Schrecken mehr an, oder man merkt erst im Nachhinein, was man gerade gelesen hat. Zb als sie einfach die Budapester Juden, noch vergleichsweise freundlich, abholen und in den Zug verladen. Sie denken alle, sie fahren halt irgendwo hin (zwangs-)arbeiten, und merken erst später, dass es ins KZ geht.
Oder wie jemand dem Jungen sagt, er soll wenn er vom SS- Mann gefragt wird, sagen "16, Fabriksarbeiter" und erst nachher erkennt man, hätte er wahrheitsgemäß gesagt "15, Schüler", hätte man ihn direkt ins Gas geschickt.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 28.06.2013, 13:17

In letzter Zeit habe ich mehr Fachliteratur gelesen und so halbpopuläre Sachbücher. Jetzt aber mal was Belletristisches

Jules Verne - Ein Lotterie-Los (Originaltitel: Un billet de loterie. (Le numéro 9672))

Das Buch spielt in Norwegen, es geht um ein Geschwisterpaar, welches zufällig einem Abgeordneten rettet, der sich dann um sie kümmert, insbesondere als er merkt, dass der Verlobte der Schwester am Meer verschollen ist.

Das Buch ist nicht sehr lang und hat nicht viel Handlung. Es ist stellenweise etwas spannend, größtenteils zieht es sich aber ewig, weil sich J.V. stellenweise in ewig langen Ausführungen zu Norwegen, den Norwegern usw ergeht, es liest sich mehr wie ein Reisebericht (und seine Reise dorthin war wohl auch Inspiration dafür).

Ein paar Dinge muss ich noch anmerken: Der Verlobte ist zugleich der Cousin, sieht aber niemand ein Problem damit. Oslo hieß damals noch Christiania und es gab keine Bahnen, sondern man musste noch per Pferdewagen reisen (und wie lange das gedauert hat, kriegt man echt ein Gefühl dafür, wenn J.V. seitenweise darüber schreibt).
Die öffentliche Meinung - hier insbesondere von Zeitungen geprägt - spielt im letzten Teil des Buches eine wichtige Rolle.

Ganz am Schluss des Buches ist noch die Kurzgeschichte Frritt- Flacc. Die ist von Art und Aufbau ähnlich wie eine klassische Sage, es fehlt ihr aber Aussage oder Moral.

Ich denke, es gibt keine Verfilmung, wobei das ein recht simples Projekt für Filmstudierende oder so wäre, man braucht nur ein paar Naturaufnahmen, keine nennenswerten Spezialeffekte und wenig Schauspieler.

Resümee: Dass dies zu J.V.s wenig bekannten Werken zählt, hat einen Grund.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 03.09.2013, 08:18

Joe Bageant - Deer Hunting with Jesus
Untertitel: Dispatches from America's class war

J.B. stammt aus Winchester, Virginia. Irgendwann verließ er es und wurde Journalist und Autor.
Nunmehr kehrte er dahin zurück und schreibt über das Leben von America's Working Class.

Er tut das sehr polemisch und sehr bildlich. Einen Anspruch auf Objektivität erhebt er nur stellenweise, sich selbst bezeichnet er als liberal (was in den USA aber eher links als liberal heißt), leftist, socialist und "commie" (letzteres nur ironisch-übersteigert).

Er erzählt und erklärt zB wieso die ungebildeten Armen weiterhin die Leute wählen, die dafür sorgen dass sie weder Pension noch Krankenversicherung bekommen und warum sie so viel für ein Mobile Home zahlen müssen. Er versucht zu erklären, wieso das Leben in diesen Gegenden Amerikas den Gräueltaten in Abu Ghraib den Boden bereitet hat. Besonders lesenswert ist der Teil über die christlichen Fundamentalisten - Fundamentalisten sind sich echt weltweit ähnlich, egal auf welche Religion sie behaupten sich zu berufen.

Zunächst überraschend, aber aus seiner Herkunft erklärbar, ist er auch sehr für den privaten Waffenbesitz. Dazu schreibt er (mit Quellenangabe): "Citizens use guns to defend themselves against criminals [...] about 6850 times a day. [...] Citizens shoot and kill at least twice as many criminals as police do every year (1527 to 606). Only two percent of civilian shootings involved an innocent person mistakenly identified as a criminal. By contrast, the error rate for the police officers is eleven [!] percent."
Nach längerem Grübeln kann ich dem wohl entgegensetzen: Wenn die Polizei jemanden erschießt, schaut man sich das sicher genauer an, als wenn ein Bürger jemanden erschießt und kommt so eher drauf. Außerdem soll es ja diverse Trespassing Laws geben, wo der Bürger berechtigt ist, Trespasser zu erschießen, also sozusagen automatisch im Recht ist und der Erschossene im Unrecht.

Es war sehr interessant und lehrreich zu lesen, kurzweilig und erheiternd hingegen nicht.

Resümee: Good read.


Jane Austen - Mansfield Park

Um das Leiden von höheren Töchtern aus gutem Haus (gentry) im England das beginnenden 19. Jhdts geht es meistens bei Jane Austen, so auch hier.

Es war insofern das spannendste Austen Buch für mich, als wirklich bis knapp vor dem Schluss (für mich) nicht klar war, wie es ausgehen wird. (In der Verfilmung soll es viel vorhersehbarer sein.)
Es ist (bis jetzt) auch das Buch mit der am wenigsten ansprechenden Hauptfigur (und es hat sich erst nach und nach herauskristallisiert, dass sie die Hauptfigur ist).

Es haben natürlich alle Austen Bücher (aus heutiger Sicht) überkommene Moralvorstellungen, aber in diesem wird es nicht nur auf die Spitze getrieben, sondern ist auch noch ein wesentliches Element von sehr vielen handlungsbestimmenden Elementen.

Laut wiki ist es Austens kontroversiellstes Buch, eben wegen der "Moral" (die sich auf die Unterdrückung der sexuellen Selbstbestimmung von erwachsenen Frauen beschränkt), wegen der "faden" (O-Ton Austens Mutter lt wiki) Hauptfigur und weil es eine Stelle zu Sklaverei gibt, wo strittig ist, was Austen damit sagen wollte. (Da die historische Austen gegen Sklaverei war und die Sklaverei schon abgeschafft war, als sie das Buch geschrieben hat, kann ich das nicht ganz nachvollziehen - die Stelle im Buch war aber nur ein angedeuteter Halbsatz und ist mir beim Lesen gar nicht bewusst geworden.)

Interessant ist, dass eine Figur, die vor allem zu Beginn des Buches sehr viele kritische Fragen stellt und Ansichten mitteilt, zB zu der halbherzigen Religionsausübung der Gentry, gegen Ende des Buches mehr oder weniger diskreditiert wird. Was das über die ganzen (aus heutiger Sicht) berechtigten Fragen aussagen soll, weiß ich auch nicht.

Und ein Bonmot: Lovers' Vows, ein Theaterstück von Elizabeth Inchbald, spielt eine größere Rolle in der Mitte des Buches und hat eine größere symbolische Bedeutung für das weitere Verhalte der Figuren (wie ua ein Kartenspiel, das Überqueren eines Ha-Has usw). Wäre das Stück nicht in diesem Buch erwähnt, wäre es heute wohl vergessen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 27.09.2013, 17:55

Joseph Roth - Radetzkymarsch

Am Buckrücken meines Exemplars steht eine Kritik aus der FAZ, derzufolge das Buch das traurigste und sentimentalste der Welt ist. Ich kann's nicht beurteilen, aber zumindest nachvollziehen.

Und ich weise darauf hin, dass ich bei diesem Klassiker nicht mit dem Twain Zitat begonnen habe, weil mir das Buch auch beim Lesen gefallen hat. Es ist in Reich-Ranickis 20 wichtigsten deutschen Büchern enthalten.

In Form einer drei Generationen umspannenden Familiengeschichte beschreibt Roth den Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Das Buch beschreibt Personen sehr übersteigert (zB ist irgendein Offizier so blass, dass er schon durchsichtig ist), verklärt und kritisiert die Monarchie zugleich.

Resümee: sehr lesenswert

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 21.10.2013, 13:42

Nele Neuhaus - Eine unbeliebte Frau

Der erste Krimi von NN (und ziemlich sicher der letzte, den ich je von ihr lesen werde). Sprachlich ist er geradezu banal, und die Handlung ist völlig überladen, es gibt mindestens 3 vollendete Morde (und noch mehr Versuche), 3 Entführungen und mehrere Freiheitsberaubungen, Drogenschmuggeln, Menschenhandel, Folter und schwere Körperverletzung, Insiderhandel und viel mehr. Es geht übrigens um ein Gestüt, in ihrem ersten Buch hat sie also von was geschrieben, mit dem sie sich wirklich auskennt (und nicht nur von dem Ort, wo sie lebt).

Resümee: Ich lese keine Krimis mehr von ihr.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 12.11.2013, 08:09

Shamini Flint - Inspector Singh Investigates: A Bali Conspiracy Most Foul

Singh ist ein auf Mord spezialisierter, dicker, bärbeißiger Polizist der Singapurer Polizei, dort aber eher unbeliebt, so dass er in 5 seiner bisher 6 Bücher woanders in Südostasien ermittelt.

In diesem wird der turbantragende Atheist (dieser Widerspruch wird im Buch nicht aufgeklärt) anlässlich eines Terroranschlags nach Bali entsandt. Da er von Terrorermittlungen nichts versteht, ermittelt er stattdessen in einem Mord.

Das Buch ist relativ hart, nicht nur gibt's eben Terror und Singh ist so eine Art Misanthrop, es gibt familäre Gewalt, zerrüttete Ehen, berechnende Femme Fatales und Mitgiftjäger, sehr unsanfte Polizeimethoden usw - überhaupt sind alle eher ungut zueinander. Ich bin nicht ganz sicher, wie sehr die von mir als Klischees empfundenen Klischees solche sind, dazu fehlt mir stellenweise der Kontext bzw müsste ich ev noch ein weiteres Buch der Serie lesen.

Am Ende wird es noch kurz richtig spannend.

Resümee: bin gespalten. Ich werde mir sicher keines der anderen Bücher kaufen, würde aber aus Neugier sicher eines lesen.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 04.03.2014, 09:00

Jane Austen - Emma
kommentiert von David M. Shapard

zu Austens Werk:
Emma wird im Allgemeinen als Austens bestes Werk gesehen. Es ist auch das längste.
Die Titelfigur hat aufgrund ihrer höheren gesellschaftlichen Stellung (im Vergleich zu den anderen Austen-Hauptfiguren) viel mehr Freiheiten, aber es zeigt sich, dass auch das damals nicht so viele sind (zB war sie nie am Meer, obwohl sie reich ist, es nicht weit ist und gerne hin möchte). wiki schreibt "an intelligent young woman with too little to do and no ability to change her location or everyday routine"

Es geht in dem Buch noch viel mehr um Klasse als sonst - zwar verkehren sonst die Austen-Charaktere selbstverständlich auch nur mit ihresgleichen (also innerhalb der landed gentry), aber das ist kaum Thema. Hier aber geht's sehr viel darum, wen darf man (nicht) heiraten, weil die eben über einem bzw unter einem sind.
Dieser Effekt wird durch die Kommentierung verstärkt, weil der Kommentator dann eben auch schreibt "Aus der Anrede erkennt man schon, wer welchen Rang hat".

Die (kontemporären) Kritiken bemängeln, dass in dem Buch vergleichsweise wenig passiert. Im Vergleich zu anderen Austen-Büchern passiert meiner Meinung aber auch nicht (viel) weniger.

Weiters ist das Buch ein Entwicklungsroman, als sich die Hauptfigur in dessen Verlauf moralisch bessert. Daher ist Emma wohl auch die differenzierteste, komplexeste, vielschichtigste (oder sowas) Austen-Heldin.

zur Kommentierung:
Shapard ist Historiker.
Der Text ist auf der linken Seite gedruckt, auf der rechten ist jeweils die Kommentierung. Teilweise gibt es auch kontemporäre Bilder. Es ist etwas "überkommentiert" dahingehend, dass er sehr oft die Bedeutung von Worten erklärt, die aber im Zusammenhang völlig eindeutig sind.
Gelegentlich gibt es Querverweise auf andere Austen-Werke, ihre Biographie oder Briefe.
Stellenweise hätte ich mir mehr literaturwissenschaftliche Kommentierung gewünscht, auch wenn der Kommentar diesbezüglich einiges enthält. Die historische Komentierung hält sich im Rahmen, ist aber an manchen Passagen für das Verständnis aus heutiger Sicht essentiell.

Re: Was wir lasen und wie wir es fanden

dejost - 13.03.2014, 14:17

Faye Kellermann - Still Life (Double Homicide Santa Fe)

Ein Police-Procedural, welches in der Santa Fe Kunstszene spielt.
Recht kurz, hat mir besser gefallen als erwartet, gegen Ende wird es auch noch mal kurz spannend, wobei das Ende etwas zu abrupt und offen für meinen Geschmack ist.

Jonathan Kellerman - Double Homicide Boston

Die Kellermans sind ein Ehepaar, die beide Krimiautoren sind. In dem Buch haben sie beide jeweils eine eigenständige Krimigeschichte geschrieben.
Seine spielt in der Boston Collegebasketballszene. Die Geschichte wechselt irgendwo mitten drin den Fokus. Ihre Geschichte (siehe drüber) hat mir besser gefallen.
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