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Re: FC Bayern: Der Tod des FC Hollywood
Claus - 11.11.2006, 05:56FC Bayern: Der Tod des FC Hollywood
Die Bayern in der Krise
Der Tod des FC Hollywood
Trotz vier Titeln in zwei Jahren: Die Bayern und Trainer Felix Magath laufen Gefahr, miteinander nicht mehr glücklich zu werden.
Wenn Felix Magath ein Fußballspiel erklärt, nimmt er sich alle Zeit der Welt. Er täuscht keine falsche Eile vor, wie mancher Spieler, der mit dem Handy am Ohr dem Ausgang zustrebt. Felix Magath stellt seine Tasche ab, und dann bleibt er so lange stehen, bis auch die letzte offene Frage ihre Antwort hat - und mag die Frage auch noch so seltsam sein. ,,War’s das?‘‘, sagt er, wenn sich eine Gesprächspause einstellt, und erst wenn die Journalisten sagen ,,das war’s‘‘, dann war’s das auch.
So endet das Ritual, und Felix Magath pflegt dieses Ritual, selbst wenn es eine halbe Stunde dauert. Das zeugt von hohem professionellen Verständnis, zumal Magath auch bei Kritik selten beleidigt wirkt, sondern im schelmischen Dialog seinen Spaß entwickelt - er ist ein Kommunikator im Außendienst, wie ihn ein Verein sich nur wünschen kann.
Wie aber passt das zusammen mit dem Vorwurf, es werde beim FC Bayern zu wenig geredet? Es mangele an interner Kommunikation, wie Bayern-Novize Lukas Podolski jüngst bestätigte, als er verriet, er habe mit dem Trainer bislang kaum über die neuen Laufwege im Sturm geredet.
Was innerbetrieblich abläuft im Verein, ist nicht leicht zu erkunden: Franz Beckenbauer, der Präsident, ist seltener Gast an der Säbener Straße, und diejenigen, die dort Hausherr sind - Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstand, und Uli Hoeneß, der Manager - haben im Herbst eine Mauer des Schweigens errichtet, die sie nur selten aufbrechen - allenfalls für ein mit verletztem Stolz gewürztes Bonmot, wie es Hoeneß jüngst nach dem 2:2 auf Schalke gelang: ,,Der Nikolaus war noch nie ein Osterhase. Werder spielt guten Fußball, aber am Ende wird der FCBayern vorne sein - wie immer.‘‘
Der Tod des FC Hollywood
Wer allerdings wetten will, dass Hoeneß und Magath den Osterhasen nicht mehr gemeinsam in München begrüßen werden, bekommt bei den Buchmachern momentan nur eine unwesentlich höhere Quote als bei Entlassungswetten für Dortmunds van Marwijk, Bochums Koller oder Hamburgs Doll. Und dies trotz des Rekordstarts in die Champions League, mit dem Schmuckstück eines 2:0 als Gast von Inter Mailand.
Doch gerade diese Champions League ist, so widersprüchlich es klingen mag, die Definitionsebene dafür, dass die Bayern und Felix Magath Gefahr laufen, miteinander nicht mehr richtig glücklich zu werden. Niederlagen in Bielefeld, Wolfsburg, Bremen und nun am Mittwoch gegen Hannover ließen sich - jede für sich - verschmerzen. Was wirklich weh tut, ist das Gefühl, gar die Furcht, auf der internationalen Ebene ins zweite Glied abzurutschen. Diese Angst kulminiert in einer Grundsatzfrage: Für welchen Fußball steht der FC Bayern; welche Vision hat Felix Magath?
Schaut man sich in Europa um, so hat jeder große Klub ein Image, ein Geschäftsmodell, eine Fußball-Strategie: Der FC Chelsea ist die sündteure Kraftmaschine, der FC Arsenal ein begeisternder Kurzpass-Kindergarten, der FCBarcelona besitzt den Zauberstab, und Real Madrid genügend Ruhm und Geldquellen, um selbst tiefe Krisen schillernd zu überstehen. Die italienischen Klubs lassen sich weiter von ihrem technisch hochwertigen, bisweilen zynischen Pragmatismus treiben. Olympique Lyon und, was in München besonders weh tut, Werder Bremen, lauern pfiffig in den Nischen.
Wofür aber steht in dieser Phalanx der Klub, der einst der FC Hollywood war? Für totale Offensive? Kontrollierte Defensive? Pressing bis zum Umfallen? Wer den FC Bayern anno 2006 sportlich zu orten versucht, erkennt schnell ein Problem - es gibt keine Mannschaft, die Krisen, Verletzungen oder Novizen in einem ureigenen Spielsystem auffängt. Geblieben sind viele Namen, Oliver Kahn, der große Torwart in der Neige der Karriere, oder Roy Makaay, der große Unorthodoxe, Sagnol, Lahm, Schweinsteiger, doch dann...? Der Tod des FC Hollywood aber wäre auch der Tod der Geschäftsgrundlage - langweilig sind andere auch.
Den eindrucksvollsten Fußball unter Magath hat der FC Bayern zum Abschluss des ersten gemeinsamen Saison gespielt. Der Endspurt war unwiderstehlich - im März 2005 hatte man 0:1 auf Schalke verloren, lag drei Punkte zurück, im Mai besaß man 14 Punkte Vorsprung. In jenem Mai hatten die Bayern die Form, jede andere europäische Elf zu besiegen - aber da waren sie in der Champions League schon gescheitert, im Viertelfinale am FC Chelsea. Der erste Titel unter Magath war die sogenannte ,,Medizinball-Meisterschaft‘‘, so fit wirkten die Profis.
Diese strenge Körperlichkeit hätte zum Qualitätsmerkmal von Dauer werden können, doch schon die zweite Meisterschaft fand kein kräftiges Motto mehr. Es wurde die Michael-Ballack-Servus-Saison, aber gewiss keine Spielzeit für die Ewigkeit. Nach dem dünn bejubelten Gewinn des DFB-Pokals 2006, dem vierten Titel in zwei Jahren, klagte der Trainer, alles sei so selbstverständlich geworden, so unbescheiden, niemand könne sich mehr richtig freuen.
Gegen dieses Grummeln setzten die Münchner einen demonstrativen Akt: Vorzeitig wurde Magaths Vertrag bis Sommer 2008 verlängert, zugleich wurde vom Trainer ,,Spaßfußball‘‘ (Rummenigge) verlangt.
Am Mittwoch, beim 0:1 gegen Hannover, sollte es dann ,,Powerfußball‘‘ (Rummenigge) sein - der Kraftakt gelang dem Gegner. Die Münchner hingegen verwirren ihr Publikum mit skurril dosiertem Tatendrang wie vor einer Woche auf Schalke: Die erste halbe Stunde wurde kollektiv verschlafen, vom 0:2 auf 2:2 dann ein erstaunlich vitaler Zwischenspurt hingelegt, der Rest aber war - gegen waidwunde Schalker - nur die genügsame Verwaltung des Minimalziels.
Trügerische Ruhe
Man könnte vielerlei zur Verteidigung vorbringen: Ballack ist weg, die Kette der Verletzten lang (Hargreaves, Lúcio, Deisler) und noch keine neue Hierarchie gefunden, aber das Schweigen der Bosse führt zu zweierlei: niemand da, der den Trainer attackiert, aber auch niemand, der öffentlich als sein Anwalt in den Ring springt. Die Ruhe ist wohl so trügerisch wie die Liste interner Vorhaltungen lang. Magath sagte schon vor seiner Ankunft in München, er habe keine speziellen Wünsche, er arbeite mit den Spielern, die ihm der Verein zur Verfügung stelle.
Der Verein wiederum hält die Frage dagegen, wie er die richtigen Spieler engagieren solle, wenn Magath nicht klar sage, wen er will, und mit wem er wie zu spielen gedenke. Auf Zehn-Millionen-Transfers wie Podolski und van Buyten oder einen Namen wie van Bommel kann jeder kommen - was den Bayern (nicht erst unter Magath) fehlt, ist die relativ günstige Drei-Millionen-Investition in einen Systemspieler, der alle überrascht und auch einschlägt - ein echter fachlicher Coup.
Die Lage ist wie sie ist: kompliziert, verfahren, geradezu verkrustet. Zumal sich ja auch auf die Frage, welcher Profi unter Magath zuletzt erkennbar besser wurde, nicht viele positive Antworten anbieten: Santa Cruz? Dos Santos? Pizarro? Karimi? Lúcio? Oder auch Schweinsteiger? Nun sogar Lahm. Es ist derzeit kein Milieu für Entwicklungen.
Dabei sind die Voraussetzungen nicht schlecht gewesen: Nach der ersten Meisterschaft erklärte Magath, er würde am liebsten auf ewig in München bleiben, er wolle eine Ära begründen. Und nichts wünscht sich der FC Bayern dieser Tage mehr als einen Trainer, der souverän und ausdauernd stilbildend wirkt.
Denn auch so warten genug Probleme: Beckenbauer hat sich vom Klub entfernt, der unter der Situation leidende Hoeneß wollte eigentlich seinen Übergang vom Managerjob ins Präsidentenamt vorbereiten und Rummenigge sich aufs Geschäftliche konzentrieren.
Die Finanzierung der Arena bedarf der Neuordnung, nachdem der Partner, der TSV 1860 München, schwächelt. Und alles wird noch viel schwieriger werden, sollten die Bayern nur einmal den Stammplatz an der Champions-League-Kasse mit ihren vielen Millionen verfehlen. Momentan, auf Platz fünf der Tabelle, wären sie in der kommenden Saison nicht mehr dabei.
Das lässt sich korrigieren. Aber in diesem Klima? Etwas muss kaputtgegangen sein, bekannt ist auch das Datum: März 2006, Mailand, Achtelfinale der Champions League. Nicht dass, sondern wie die Bayern an Milan scheiterten, ist bis heute eine offene Wunde des Vereins, und auch, dass Magath die Hauptschuld an einem fragwürdigen Elfmeter festmachte. Schlechter Verlierer, hieß es, und beide Seiten fragten sich, ob sie es weiter miteinander versuchen sollen.
Die Antwort ist ergebnisabhängig geworden, das Schreckensszenario offenbart der Terminplan: In der Champions League sind sie zwar weiter, Gruppenplatz eins aber kann bei Spartak Moskau und gegen Inter Mailand noch verspielt werden. Im DFB-Pokal in Aachen kann man auch verlieren, und in der Bundesliga drohen die Bremer ihren Sechs-Punkte-Vorsprung auszubauen. Zum nächsten Heimspiel kommt der frisch erblühte, auswärtsstarke VfB aus Stuttgart, Magaths ehemaliger Klub, von dem er im Streit zu den Bayern umzog. Es kann in München bitterkalt werden.
Animateur wie Happel
Der Trainer, lautet ein weiterer interner Vorhalt, dulde den Trott der Dinge zu schicksalsergeben. Er sei kein Animateur, verbreite zu wenig gute Laune. Zudem sei die Körpersprache auf der Bank schnell resignativ, energische Eingriffe erfolgten zu selten. Seine Lehrmeister waren Branco Zebec und Ernst Happel, unter denen Magath beim Hamburger SV einst Regisseur war. Magath orientiere sich zu sehr an diesen Vorbildern, heißt es. Der grantelnde Wiener Happel saß am Spielfeldrand wie eine Bronzeplastik seiner selbst, gespielt wurde frei nach seinem Plan. Nun sollen die Bayern nach Magaths Willen handeln. Sie genießen viele Freiheiten auf dem Rasen - nutzen sie diese wieder und wieder nicht, erwartet der Trainer in Happelscher Pose, was passieren wird.
(SZ vom 11.11.2006)
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