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Re: Snow Cake
henningsen - 27.10.2006, 11:27Snow Cake
Großbritannien, Kanada - 2005
Filmlänge: 112 Minuten
Genre: Drama
Darsteller: Alan Rickman, Sigourney Weaver, Carrie-Anne Moss, James Allodi, Jackie Brown
Regisseur Marc Evans führt die Zuschauer in die Welt einer autistischen Mutter Linda (meisterhaft verkörpert von Sigourney Weaver). Deren Tochter ist gerade in einem Autounfall tödlich verunglückt. Alex (Alan Rickman in Höchstform) war der unschuldige Fahrer des Unfallwagens. Er leistet unbeabsichtigt Lebenshilfe, doch gelingt es ihm zunächst nicht, mit Linda über den Tod zu sprechen. Evans stellt nicht den Autismus in den Mittelpunkt seiner Tragikomödie. Er zeigt, wie unterschiedlich wir mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen.
Inhalt: Alex (Alan Rickman) ist kein sonderlich redseliger Engländer. Er hat es auf kanadischen Straßen nicht leicht. Nicht nur, dass das Lenkrad auf der falschen Seite ist und man ihm auch noch ein Auto mit Automatikgetriebe gibt, ausgerechnet ihn hat sich die lebenslustige Vivienne (Emily Hampshire) herausgesucht, um nach Hause zu trampen. Auf dem Weg durch das verschneite Ontario lernen sich die beiden näher kennen, entdecken einen gemeinsamen Sinn für Humor, Alex beginnt etwas aufzutauen. Genau im Moment der Annäherung kommt es zu einem schweren Unfall, den nur Alex überlebt. Den Schrecken noch in den Gliedern, macht er sich auf den Weg zu Viviennes Mutter. Linda (Sigourney Weaver) reagiert jedoch nicht wie erwartet auf die Nachricht vom Tod ihrer Tochter. Ihr Autismus schützt sie vor dem normalen Trauerzeremoniell, das nicht in ihre Sicht der Welt passt. Als Alex erkennt, wie sehr Lindas Welt ohne Vivienne aus ihrem normalen Rhythmus gebracht wird, beschließt er einige Tage zu bleiben. Dabei kommen sich die beiden Einzelgänger auf ihre ganz persönliche Art nahe.
Zum Film: Schon für "Galaxy Quest" standen Sigourney Weaver und Alan Rickman gemeinsam vor der Kamera. Sie beweisen auch in "Snow Cake", dem Eröffnungsfilm der Berlinale 2006, dass sie zu den Besten ihres Fachs gehören. In der Geschichte von Autorin Angela Pell, die selbst einen autistischen Sohn hat, gibt es viele schöne Momente. Etwa auf dem Trampolin, wo Alex der autistischen Protagonistin ein Zugeständnis entlockt. Aus Alex' britische Herkunft und seine Unbedarftheit konstruiert der walisischen Regisseur Marc Evans den einen oder anderen Schmunzler. Gekonnt hält er die Balance zuwischen grotesken, absurden, bedrückenden und komischen Momenten. Dabei sind vor allem die Hauptdarsteller Sigourney Weaver und Alan Rickman hervorzuheben, die in ihren Rollen wirken, als wären sie ihnen auf den Leib geschrieben. Aber auch Emily Hampshire überrascht durch eine ungewöhnlich starke Präsenz. Doch Evans stellt sich auch ernsten Themen. Die Frage nach Schuld zieht sich durch das ganze Stück - auch in der Dramaturgie macht er es den Figuren nicht leicht. Nie ist etwas einfach nur lustig. Ganz plötzlich, ohne jede Vorwarnung kann es in das Gegenteil umschlagen.
In "Snow Cake" scheinen zwei Welten aufeinander zu prallen. Ein stiller Eigenbrödler trifft auf eine Frau, die nicht nur sagt, was sie denkt, sie macht all die Dinge, die sie machen will. Sie hinterfragt nichts. Sie nimmt das Leben wie es kommt, solange es mit ihren Regeln vereinbar ist. Für Sigourney Weaver ist es kein Film über Autismus, sondern ein Portrait einer "einzigartige Frau, die auch autistisch ist". Bei der Vorbereitung auf ihre Rolle traf sie auf Menschen, die ihr nicht nur halfen, die Welt eines Autisten zu verstehen: "Ich lernte zu sehen und zu spielen und wieder Freude, in kleinen Dingen zu finden". So ist es am Ende auch egal, von wo Alex herkommt und was sein Ziel ist. Einzig die Begegnung mit Linda ist von Bedeutung.
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