Aussprache

Gesangsforum für Klassik
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  • Alle Beiträge und Antworten zu "Aussprache"

    Re: Aussprache

    musika - 09.10.2006, 22:43

    Aussprache
    hallo,

    ich stelle immer wieder bei vielen Sängern fest, das es an der Aussprache hapert. Da fehlen die k's und t's, sch wird geschlampt, sch anstelle von ch und und und. Besonders in einer Kirche, in der sehr viel Hall ist, versteht man manchmal kein Wort. Oft fehlt der Vokalausgleich, so dass unangenehme aaaas und iiiiis zu hören sind. Ganz böse sieht es auch mit der Diphtonge aus, das erinnert mich dann immer an R.Black, ganz in weiiiiiiß.

    Wie gehen die Lehrer damit um, wird die Aussprache in den Unterricht integriert?

    Liebe Grüsse



    Re: Aussprache

    Fliu - 09.10.2006, 23:35


    Da kann ich aus aktuellem Anlass was dazu sagen... wir haben am Samstag in einem Dom mit sehr starkem Hall gesungen, und das war extrem gewöhnungsbedürftig. Normalerweise sagt man uns immer, dass man den Text bei unseren Stücken sehr gut versteht, aber diese Kirche schluckte alle Konsonanten, das kam alles nur total verwaschen und undeutlich rüber. Ich musste die Konsonanten extrem deutlich aussprechen, in jedem anderen Raum hätte das lächerlich und übertrieben gewirkt :mrgreen
    Was ich eigentlich damit sagen will: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele GL durchaus darauf achten,ihren Schülern eine präzise Aussprache beizubringen, doch üblicherweise ist die Akustik in Unterrichts- und Probenräumen ganz anders als in einer Kirche. Da liegen Welten dazwischen. Und so halte ich es für gut möglich, dass ein Sänger, der im Unterricht ganz deutlich spricht bzw. singt, in einer Kirche (je nach Art des Gebäudes) total unverständlich ist. Da muss man dann halt einfach öfter in Kirchen singen, um ein gefühl für die Akustik zu kriegen, würde ich sagen.



    Re: Aussprache

    dola - 09.10.2006, 23:45


    Hallo, musika,

    das "dialektische" Genuschel kann einem schon zu schaffen machen... (immerhin habe ich noch herausgefunden, was Diphtonge sind :grin: )

    Bezüglich der Lehrer (und Korrepetitoren) sind die Erfahrungen unterschiedlich. Es kommt ja auch ein wenig darauf an, welche Muttersprachler das jeweils sind. Im Chor wurde darauf allerdings sehr geachtet, speziell bei den bewusten Diphtongen (da kommt ja wirklich jeder Dialekt raus). Letztendlich ist ein korrekter Vokalausgleich eine gute Voraussetzung für Textverständlichkeit sowie bewuste Phrasierung. Das hilft, finde ich, auch beim Singen in Fremdsprachen.

    Die Hall - Räume, die wir bei manchem Ensemble - Konzert hatten (Kaufering und Aub) brachten einen allerdings zu diesem Punkt an die Grenze des Machbaren, gerade zur Textverständlichkeit der Ensembles.

    Grüße,
    dola



    Re: Aussprache

    lucicare - 09.10.2006, 23:59


    Ach Musika - da stichst Du in ein Hornissennest!

    Ich habe mich kürzlich auf HPs von ehemaligen gesang.de - Usern umgehört, und da gibt es Leute, bei denen ich noch nicht einmal verstehe, welches denn die Sprache bei den Hörbeispielen sein soll! Mein Lehrer ist sprachlich seehr exakt, übertreibt es IMHO manchmal auch - aber: wenn ich meine unkorrigierten Unterrichtsaufnahmen anhöre, so hat er fast immer Recht! Ich besuche parallel Liedgestaltungsstunden und - kurse, und da ist mir schon oft aufgefallen, dass bei der (beileibe nicht anspruchslosen) Lehrerin sprachliche Schlampereien durchgingen, die im regulären Unterricht sofort gerügt worden wären.


    Ich finde es oft sehr schwierig, die Balance zwischen Textdeutlichkeit und Legatolinie zu wahren, aber wenn ich mir die oft lausige Diktion der Klangfetischisten anhöre, denke ich doch, dass es einfacher ist, von evt. übertriebener Diktion herzukommen. Es verwischt sich so leicht, und die präzise Diktion ist so harte Knochenarbeit! Dies zumindest ist meine Erfahrung, und ich bin meinem pingeligen Lehrer sehr dankbar, auch wenn ich die Ausspracheprobleme oft verfluche! Diphtonge gehören da selbstverständlich auch dazu, sind aber bei mir nicht das Hauptproblem - da habe ich eher verhasste Vokale wie das offene E.... oder so ganz überflüssige Konsonanten..... :n21: :n55: :n2:


    Gruss
    lucicare :Sonne



    Re: Aussprache

    Octaviane - 10.10.2006, 10:29


    Jaja, die liebe Aussprache...

    Bei mir ist es so, dass mir "von klein auf" (also seit ich Gesangsunterricht nehme) eingebleut wurde, auf die Aussprache zu achten. Was nicht schlecht war, aber auch den Effekt hatte, dass eben die gesangliche Linie manchmal etwas darunter leidet.

    Deswegen versucht mein GL mich jetzt zu einer, wie er es ausdrückt "Vokal-Fetischistin" zu erziehen (mit Vokalausgleich ;-) ) und ich stelle mit Begeisterung fest, dass ich mit relativ wenig Mühe (ich muss nur dran denken, es zu beachten :roll: ) mir die Sache sehr vereinfachen kann.

    Denn wie heißt es so schön: "Eigentlich ist Singen ganz einfach - wenn man weiß, wie's geht" :grin:

    Liebe Grüße

    Octaviane



    Re: Aussprache

    Anonymous - 10.10.2006, 11:55


    Das habe ich auch erlebt, aber schon viele Jahre früher. Meine Eltern sagten (nervend) immer wieder: "Mach den Mund auf beim sprechen! Nuschele nicht! Rede so, daß man Dich versteht!"

    Gut, auch wenn das genervt hat - ist ist hängen geblieben, und es hat geholfen. Schon in der Schule war ich einer der wenigen, die (fast) immer deutlich gesprochen haben. Später waren es meine Reden, Vorträge und Rezitationen, von denen stets gesagt wurde, "wir haben jedes Wort verstanden". Auch beim singen habe ich es schon immer so gehalten.

    Wenn ich heute anderen bei der Ausprache helfe, bei der Deklamation, bei der Rhetorik, dann muß häufig erst eine langjährige, bequeme Mundfaulheit mühsam beseitigt werden. Auch die Überwindung, klar und deutlich zu artikulieren, ist schwer für viele Menschen - aber es trägt auch sehr zur Bildung des persönlichen Selbstbewußtseins bei; man muß es aber auch wollen! Und Deutsch muß man natürlich auch können; wenn es da hapert, fehlt es oft an klaren Gedanken- gängen und Verständnis. Aber ich will hier nicht dozieren. Immerhin, ein wichtiges Thema!


    Ciao - Principe



    Re: Aussprache

    musika - 10.10.2006, 12:01


    Manche Schüler scheuen die übertriebene Aussprache im Unterricht, sie kommen sich "komisch" vor. Sie glauben nicht, dass in der Literatur dann viel davon wieder verloren geht und das "Übertriebene" genau dann richtig ist.
    In den Chören ist es oft besonders schlimm. Wenn Kirchenchöre ein Kyrie singen, hört man nur yrie und viele Wörter werden gebunden so das am Ende "ohwie lacht" (wer ist Owi) herauskommt, oder ähnliches. Auch wenn am Ende eines Wortes ein t steht und das nächste Wort z.B. mit d beginnt, wie Gott der Herr, wird es unterschiedlich gehandbabt. Ein guter Chor trennt diese beiden Wörter, ein Solist auf jeden Fall, sonst heißt es Gotter Herr.
    Also, Aussprache ist total wichtig und ich lege bei meinen Schülern sehr großen Wert darauf und bei mir selber sowieso.

    Liebe Grüsse



    Re: Aussprache

    Octaviane - 10.10.2006, 13:15


    Liebe Musika, da gebe ich Dir uneingeschränkt recht, da es auch für den Zuhörer eine Erleichterung ist, wenn man versteht, was da gesungen wird.

    Ich war am Sonntag in Brittens "A Midsummer Night's Dream" - da ich Übersetzerin für Englisch bin, maße ich mir mal an, zu behaupten, der englischen Sprache doch recht gut mächtig zu sein. Wären aber die Übertitel nicht gewesen, wäre ich bis auf ein, zwei Ausnahmen vollkommen aufgeschmissen gewesen.

    Liebe Grüße

    Octaviane (deren Eltern ihr auch schon vor dem Gesangsunterricht immer wieder sagten, dass es nicht "Hörsch" heißt :grin: )



    Re: Aussprache

    lucicare - 10.10.2006, 13:47


    musika hat folgendes geschrieben: Manche Schüler scheuen die übertriebene Aussprache im Unterricht, sie kommen sich "komisch" vor. Sie glauben nicht, dass in der Literatur dann viel davon wieder verloren geht und das "Übertriebene" genau dann richtig ist.


    Auch da kann das Aufnehmen der Unterricht- und Übungsstunden nützlich sein. Wenn ich das Gefühl habe, mein Lehrer motze ohne Grund, dass meine d oder f nicht hörbar seien, wurde ich beim Abhören schon oft eines Besseren belehrt..... :oops:



    Re: Aussprache

    Anonymous - 10.10.2006, 15:18


    Am " Kleinen Hey " führt für meine SchülerInnen kein Weg vorbei. Nach dem Rezitieren der berühmt - berüchtigten Verse ( Barbara saß nah am Abhang...) werden sie auch noch vertont : Ein Heidenspaß !
    Ciao. Gioachino :schlaumeier:



    Re: Aussprache

    Orphenica - 10.10.2006, 22:57


    Verständliche und klare Aussprache ist wichtig, ja, dem stimme ich zu. Ich habe aber auch schon Chöre erlebt, denen der Chorleiter wohl so derart übertriebene t's, k's (z.B. auch beim Kkhyrie) etc. eingebleut hat, dass es nur noch lächerlich wirkte, und eben "einstudiert". Man muss da schon einen Mittelweg finden, was eben bei unterschiedlicher Akustik in den Kirchen nicht immer so ganz einfach ist.

    Liebe Grüße,
    Orphenica
    :hearts:



    Re: Aussprache

    Fliu - 10.10.2006, 23:19


    Oh ja, Orphenica, da hast du absolut recht, manche übertreibens auch. Manche Chorleiter haben uns schon allen Ernstes dazu gezwungen, "d" am Wortende als extrem hartes "t" auszusprechen. Das klang dann immer sehr brutal und übertrieben :roll:



    Re: Aussprache

    Robin - 11.10.2006, 14:19


    Ein lieber Schueler (Pfarrer im Hessischen) trug im Unterricht bei mir ein sehr bekanntes Liebeslied vor von Beethoven, dem Ludwig, von.....:

    "Isch liebe Disch so wie Du misch......."


    :love:



    Re: Aussprache

    musika - 11.10.2006, 14:27


    Schlimm ist es auch wenn Sänger aus den verschiedenen Bundesländern ihre Heimatsprache nicht verstecken können, dann kommt so etwas heraus wie "Pist du bei mir", oder "die Piltnis ist bezaubernd schön", das ist schlimm und kann schon zu Gelächter führen.

    Da heißt z.B. ein Globus "Klobus", naja aber es lässt sich alles umlernen...habe da gute Erfahrungen gemacht.
    Doch wenn ein Lehrer nicht in der Lage ist diese Unarten selber an sich zu verbessern, wie sollen es denn die Schüler lernen.

    Liebe Grüsse



    Re: Aussprache

    lucicare - 11.10.2006, 14:33


    Hehe, Musika, ich erinnere mich noch an unsere erste Begegnung - ich musste natürlich was vorsprechen in meinem heimatlichen Dialekt. Du konntest Dir kaum vorstellen, dass man mit SO einer Muttersprache vernünftiges Deutsch singen könne..... :lol: :ruhe:



    Gruss
    lucicare :Sonne



    Re: Aussprache

    Anonymous - 13.10.2006, 19:58


    gioachino hat folgendes geschrieben: Am " Kleinen Hey " führt für meine SchülerInnen kein Weg vorbei. Nach dem Rezitieren der berühmt - berüchtigten Verse ( Barbara saß nah am Abhang...) werden sie auch noch vertont : Ein Heidenspaß !
    Ciao. Gioachino :schlaumeier:


    Lieber Gioachino,
    :lach
    Ja, ja, "der kleine Hey". Das ist und war in den Gesangsstunden wirklich ein Heidenspaß! Vorallem, wenn ich noch nach Ton singen muß. Ich habe mich da schon so kaputtgelacht, daß ich fast nicht mehr weitermachen konnte. Du hast aber auch witzige Ideen. :bravo: :n109:
    :dafür: Müssen wir wieder mal machen.

    Lieben Gruß

    zerlina



    Re: Aussprache

    musika - 24.11.2006, 12:12


    Hallo

    ich habe bewußt diesen Beitrag "Aussprache" gewählt, weil viele Lehrer überhaupt nicht darauf achten. Cantilene hat jetzt in einem anderen Forum darüber geschrieben, schade, eigentlich wäre er hier angebracht.

    @Cantilene
    Gerade wenn man keine deutschsprachigen Lehrer hat, sollte man daran arbeiten. Aber genau das habe ich bei dir, Cantilene, mir schon gedacht und auch schon geäußert.
    Ich möchte das aber hier nicht in der Öffentlichkeit diskutieren, es sei denn, du stellst deinen Beitrag auch ins Belcanto Forum.

    Liebe Grüsse



    Re: Aussprache

    Anonymous - 24.11.2006, 12:59


    Ich habe den Beitrag nciht hierher gestellt, weil das hier schon Thema war vor Kurzem. Und weil ich ausserdem, wie schon hier hinreichend diskutiert und bekannt, auf andere Sachen keine Antworten bekomme und es dann eben anderswo versuche, wo ich auf mehr Antworten hoffe, weil einfach mehr User da sind. Und in gesang .de gibt es nun auch etliche sehr kompetente Köpfe, deren Urteil ich schâtze.
    Das Thema "wenge User", "Schreibfaulheit" etc kennen wir ja nun zur Genûge und sollten es in Ruhe lassen :kaffee
    Da Du es aber hier nun aufgreifst: ich diskutiere das sehr gerne auch doppelt,umso besser für mich. :dafür:
    Ich hatte bisher nie einen deutschsprachigen Muttersprachler als Lehrer und niemanden , der mich auf Mängel in der deutschen Aussprache hinweist. Meine Franzosen, Japaner, Amerikaner trauen sich das wohl nciht, obschon sie alle in Deutschalnd studiert haben und gut bis hervorragend Deutsch sprechen und singen.
    Nun hat mir der gute Gioachino das aber nach meinem rein deutschen Lied-Programm dankenswerterweise ans Herz gelegt und ich überlege, was ich am Besten tun kann, um daran zu arbeiten.
    Wenn keiner kontrolliert ist es mir recht schwierig damit.
    Ich finde es auch besonders in der Höhe ein Problem, noch deutlich zu singen. Und auch das Legato nciht zu verlieren, wenn ich zuviel mit Konsonanten hantiere.
    Cantilene :hearts:



    Re: Aussprache

    musika - 24.11.2006, 13:17


    cantilene hat folgendes geschrieben: Ich habe den Beitrag nciht hierher gestellt, weil das hier schon Thema war vor Kurzem. Und weil ich ausserdem, wie schon hier hinreichend diskutiert und bekannt, auf andere Sachen keine Antworten bekomme und es dann eben anderswo versuche, wo ich auf mehr Antworten hoffe, weil einfach mehr User da sind. Und in gesang .de gibt es nun auch etliche sehr kompetente Köpfe, deren Urteil ich schâtze.
    Das Thema "wenge User", "Schreibfaulheit" etc kennen wir ja nun zur Genûge und sollten es in Ruhe lassen :kaffee


    Es geht mir nicht um das Thema "Schreibfaulheit," wenn allerdings jeder so denkt wie du, können wir hier bald dicht machen.

    Ich finde das Thema sehr persönlich, weil es dich selber betrifft und hier an Ort und Stelle darüber zu schreiben, könnte zu sehr persönlich sein.

    Hier kennen dich etliche User, was in anderen Foren nicht der Fall ist und man kann hier besser beurteilen, eben weil man deine Stimme kennt.
    Es gäbe einiges zu sagen, aber wie ich schon schrieb, ist es nicht so günstig es in der Öffentlichkeit zu tun.
    Das Thema wollte ich ja schon im letzten Workshop zur Sprache bringen, aber leider kam es ja anders als ich dachte.

    Aber deutschsprachige Arien usw. sind ja auch Thema des nächstes Kurses Operette und Co, da werden wir dieses Thema bearbeiten.

    Liebe Grüsse



    Re: Aussprache

    LaCastafiore - 24.11.2006, 13:35


    Liebe Canti,

    als Sopran haben wir alle das gleiche Problem, je höher es geht, desto schwieriger wird es mit der Aussprache. Und - wie immer - gibt es halt unterschiedliche Meinungen.

    Ich hatte das anderer Stelle bereits einmal erwähnt, ich denke, wir sind "innerlich" manchmal mit unserer Muttersprache schlampiger als mit anderen Sprachen - schliesslich glauben wir ja, dass wir das können.

    Während meines Studiums hatten wir solch ein spannendes Fach wie "Sprecherziehung" bei einem tollen Schauspieler - und es war total spannend zu hören, wie schwierig die eigene Muttersprache durch dialektale Färbungen werden kann. Das A und O ist natürlich das Training, wie von Gio erwähnt, des kleinen Hey - inzwischen gibt es das als CD oder DVD. Und dann denke ich, genau wie die Proben und den Gesangsunterricht - aufnehmen, kontrollieren, den deutschen Text wie eine Fremdsprache angehen, laut rezitieren. Und manche Konsonanten werden im Deutschen mit mehr "Luft und Schmackes" gebildet - Chorleiter übertreiben das meist sehr gerne - aber ein bißchen wildern kann man da schon.

    Und ich denke, wenn Deine Aussprache im Medium gut ist, wird man in der Höhe nachsichtig mit Dir sein.

    Viel Spass bei der Arbeit wünscht LaCasta

    P.S. Wenn Du Arbeitsmaterial brauchst, melde Dich - es gibt einige tolle Materialsammlungen und eine meiner Lehrerinnen unterrichtete auch Diktion.



    Re: Aussprache

    Uralt - 24.11.2006, 14:40


    cantilene hat folgendes geschrieben:
    Nun hat mir der gute Gioachino das aber nach meinem rein deutschen Lied-Programm dankenswerterweise ans Herz gelegt und ich überlege, was ich am Besten tun kann, um daran zu arbeiten.
    Wenn keiner kontrolliert ist es mir recht schwierig damit.
    Cantilene :hearts:

    Cantilene, du bist doch immer mal wieder in Deutschland, vielleicht kannst du ja zu eben diesem Problem Stunden bei einer/einem deutschen GL nehmen, halt nicht regelmäßig, sondern immer, wenn du im Lande bist.

    Liebe Grüße
    Uralt



    Re: Aussprache

    Anonymous - 24.11.2006, 14:56


    Bitte, bitte, meine Damen. Nicht schon wieder das alte Thema, wer wo was schreibt und warum wo nicht......
    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier mit Gewalt eine nicht vorhandene und nicht notwendige Konkurrenzsituation zwischen den Foren suggeriert werden soll.

    Aber das nur am Rande - jetzt zum Thema.

    Wie canti richtig erwähnt, hatten wir das Thema Aussprache schon Anfang November - damals angestoßen von chero.

    Ich habe damals meine Meinung kurz geäußert, ich werde es hier nochmal etwas ausführlicher tun (und riskieren von den Sprachpuristen furchtbar Haue zu bekommen :bash ).

    Verstehen soll man den Sänger / die Sängerin natürlich weitestgehend. ABER - erst wenn die Töne selbstverständlich sind - ich also nicht mehr nachdenken muss, wie ich den jeweiligen Ton richtig produziere - dann kann ich mich intensiver mit Sprache beschäftigen. Und die "Selbstverständlichkeit" beim Singen dauert eben ein paar Jahre.

    In der Höhe - und liebe casta - das Problem haben alle Stimmen, nicht nur die Soprane - ist mir ein schöner Ton wichtiger als jeder Text. Wenn beides geht, schön, wenn nicht, auch nicht schlimm.

    Ich bin allerdings auch so konsequent, mit meiner Einstellung betreffend Textverständlichkeit die Finger von Liedern zu lassen, sofern sie nicht eher "symphonisch" angelegt sind.

    LG
    mezzo



    Re: Aussprache

    LaCastafiore - 24.11.2006, 15:39


    mezzo hat folgendes geschrieben:

    In der Höhe - und liebe casta - das Problem haben alle Stimmen, nicht nur die Soprane - ist mir ein schöner Ton wichtiger als jeder Text.


    Liebe Mezzo,

    das beruhigt mich ungemein ;-) Ich war leider noch nie ein Mezzo, sonst hätte ich das nicht so formuliert - ich wollte mich halt mit Canti solidarisch erklären ;-)

    Ansonsten stimme ich Dir voll und ganz zu - im Zweifel würde ich auch dem schönen Ton den Vorzug geben. Andererseits ärgert mich eine mangelhafte Aussprache (in egal welcher Sprache, sofern ich sie verstehe) ganz besonders bei den berühmten "Kolleginnen".

    Auch was die Programmauswahl angeht, stimme ich Dir zu. Solange man aber "Themenprogramme" macht, hat man da leider ab und an keine andere Möglichkeit, als auch etwas zu singen, was unglücklicher für die eigene Stimme liegt.

    Noch mehr regnerische Grüsse von Casta



    Re: Aussprache

    Anonymous - 24.11.2006, 15:48


    Liebe Ines, das ist sicher iene sehr gute Sache für mich! Danke, ich nehme dieses Angebot sehr gerne an.
    Wer kann von einer japanischen Lehrerin , die in Frankreich lebt, selbst wenn sie in Wien studiert hat, verlangen, dass sie eine deutsche Schülerin in deren deutscher Aussprache korrigiert? Wenn ich mir vorstelle, ich unterichte vielelciht in 10 Jahren frz. Schüler und soll dann an deren französisch arbeiten-ziemlich heikel.....
    Da ich aber nun mal hier lebe und ein Lehrerwechsel nicht in Frage kommt, ist das Problem nur anders zu lôsen.

    Liebe Uralt, die Idee ist sehr gut, nur: immer wenn ich in Deutschland bin,nehme ich einen Untericht bei Donna Woodward. Die Dame ist sehr gut, aber eben Amerikanerin, und das ist dann dasselbe in grün.......ich gerate einfach nie an Deutsche, sehr seltsam..... :?:
    Einen dritten Gesangs- Lehrer jedoch kann ich mir weder leisten noch halte ich das für praktikabel oder sinnvoll. Und deutschen Schauspieluntericht gibts vieleciht in Paris aber hier nicht! Tant pis!
    So hoffe ich also auf Kurse und Selbstlern-Cds und bis die ihre Wirkung zeigen, kann ich notfalls noch auf etliche andere Sprachen ausweichen..... ;-) .
    Liebe Mezzo, ich denke, dass die Sprachbehandlung im Lied einfach wirklcih anders ist als z.B. in der Oper oder Symphonischen Werken.
    Das Lied ist eine Verbindung von Gedicht und Musik und in der Regel nie so hoch, dass dieser Einheitsvokal-Faktor der Extremhöhe da schon reinspielt.
    Sänger wie Fischer-Dieskau und Schwarzkopf haben die Sprache sehr betont, für mancher Leute Geschmack ZU sehr. Aber dass das Lied da besonders empfindlcih ist und gute Aussprache fordert, denke ich schon.
    Allerdings stehe ich auch wie du auf dem Standpunkt "Prima la musica e poi la parola" (erst die Musik und dann die Sprache) Darüber gab es im 18 Jh eine Riesen philosophische Diskussion und das ist und bleibt immer Streitthema verschiedener Richtungen.
    Es gibt viele berühmte Sänger, da versteh ich kein Wort und finde sie trotzdem toll, aber es hängt eben davon ab, WAS sie singen.In Oper toleriere ich da auch viel mehr als in Lied oder Chanson.
    Und ganz wichtig: man kann ja nicht den zweiten Schritt vor dem Ersten machen, da hast Du vollkommen Recht.
    Wer noch mit der Gesangstechnik an sich zu kâmpfen hat und das ist bei mir nun wirklich noch der Fall, der hat vielleicht die Baustelle Sprache noch nicht genug in Arbeit genommen.
    Aber umso wichtiger, die Baustelle überhaupt mal gezeigt zu bekommen.
    Ich denke, vielen Leuten ist die Aussprache auch egal. Denn da ich reichlich(positiv wie negativ) Kritiik zu allen môglichen Dingen den gesang und Auftreten betreffend von vielen Menschen anhöre, aber bisher nie die deutsche Sprache dabei war, scheint das wirklich für Viele ein unwichtiger Punkt zu sein. :roll:
    Canti :hearts:



    Re: Aussprache

    Anonymous - 24.11.2006, 17:18


    Ich kann mich nur wiederholen : Als SängerIn haben wir die Pflicht Texte zu transportieren. Sonst könntenwir auch Flöte ( Geige, Cello, Klavier usw. ) spielen ! Dass dies ein äußerst schwieriger Balance - Akt ist, steht außer Frage. Selbst Wagner forderte von seinen Protagonisten optimale Textverständlichkeit, die er allerdings durch sein Großorchester konterkarierte.
    Beim Kunstlied jedoch darf man die Wortartikulation nicht auf dem Altar des Legatosingens opfern. Es handelt sich schließlich meist um große Lyrik bedeutender Dichter. Und die Tessitura des Liedes ist selten extrem.
    Die Konsonanten sind die Masten, an denen die Segel der Vokale aufgehängt sind. Stammt nicht von mir - trotzdem gut ! :pfeif:
    Die Konsonanten also ernst nehmen, korrekt artikulieren und schnellstmöglich auf den folgenden Vokal gehen, nachdem man / frau einen optimalen Vokalausgleich erlernt hat !
    Wenn das Publikum nur sporadisch in die abgedruckten Texte schauen muss,
    sind wir am Ziel und froh, nicht Flötist sondern Sänger zu sein !
    Ciao. Gioachino :dafür:



    Re: Aussprache

    musika - 24.11.2006, 17:22


    mezzo hat folgendes geschrieben: Bitte, bitte, meine Damen. Nicht schon wieder das alte Thema, wer wo was schreibt und warum wo nicht......
    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier mit Gewalt eine nicht vorhandene und nicht notwendige Konkurrenzsituation zwischen den Foren suggeriert werden soll.



    Liebe Mezzo
    dein Eindruck ist völlig falsch, hier ist kein Konkurrenzkampf, es geht ausschließlich um das Thema, welches in anderen Foren von Canti angesprochen wurde, welches ich hier vor Wochen schon in die Diskussion brachte. Also, komm mal wieder runter und ordne deine Eindrücke, die vollkommen fehl am Platze sind. Hier wird niemand gezwungen zu schreiben, das hatten wir ja alles schon, also Schluss damit.
    [/quote]

    Zitat:
    Verstehen soll man den Sänger / die Sängerin natürlich weitestgehend. ABER - erst wenn die Töne selbstverständlich sind - ich also nicht mehr nachdenken muss, wie ich den jeweiligen Ton richtig produziere - dann kann ich mich intensiver mit Sprache beschäftigen. Und die "Selbstverständlichkeit" beim Singen dauert eben ein paar Jahre.


    Ich unterrichte nun schon sehr lange und gerade die Aussprache ist für mich sehr wichtig und sie wird von Anfang an in den Unterricht einbezogen, sobald Literatur im Spiel ist. Was nützt es, wenn ein Schüler so weit ist ein Lied in der Öffentlichkeit zu singen, die Sprache außen vor bleibt, d.h. man kann keinen Text verstehen. Aussprache gehört für mich dazu wie die Technik selbst. Auch anhand von Übungen kann man schon die Aussprache mit einbeziehen.

    Zitat:
    In der Höhe - und liebe casta - das Problem haben alle Stimmen, nicht nur die Soprane - ist mir ein schöner Ton wichtiger als jeder Text. Wenn beides geht, schön, wenn nicht, auch nicht schlimm.


    Ist auch nicht schlimm? Schöne Töne produzieren und sie nicht zu verstehen ist für mich keine Entschuldigung, die Sprache sollte genauso sicher sein wie der Text, was nützt denn eine Interpretation wenn man den Text nicht versteht? Text ist Sprache, ist auch Seele, ist Verständigung und Rüberbringen des Liedes. Wenn man den Inhalt nicht versteht, kann man auch Hänschen klein singen.

    Nicht nur im Lied muss die Aussprache vollkommen sein. Deutschsprachige Oper ist insofern schwer, weil der Sänger nicht wie im Konzert viel näher ist, gerade weil er weit weg ist muss die Aussprache um so deutlicher sein.

    Liebe Grüsse



    Re: Aussprache

    Steven Grlscz - 24.11.2006, 23:56


    Das Thema ist ziemlich komplex nicht zuletzt aufgrund des Gegensatzes zwischen legitimer Maximalforderung und praktischer Ausführbarkeit, die unmittelbar abhängt von der persönlichen Gesangstechnik. Die wiederum (und hier vertrete ich eine These, die möglicherweise nicht jedermann für sich wird nachvollziehen, gar akzeptieren können...) diese Gesangstechnik wiederum steht (weitaus mehr als vielen Lehrenden und Lernenden bewusst sein mag) in einem engen und unauflösbaren Verhältnis zur Persönlichkeit des Singenden. Bei gesang.de vertritt Amethyst gerne und immer wieder den Gedanken von der einen, der idealen Technik, die zu erlernen letztlich jedem möglich sei. Ich behaupte dagegen, dass sowohl Aneignung wie Umsetzung technischer Vorgänge immer in enger Interaktion mit der eigenen Persönlichkeit, dem Temperament, dem speziellen Ausdrucksbedürfnis des Singenden selbst stattfinden. Wer beispielsweise insgesamt einen aggressiveren, härteren Klang anstrebt, wird jede vermittelte Technik automatisch auf die in diesen Punkten für ihn besonders hilfreichen Elemente abklopfen - und mit einiger Gewissheit beim Streben nach der Erfüllung seines persönlichen Klangideals andere Teilaspekte der technischen Bildung vernachlässigen bzw. mit weniger Aufmerksamkeit studieren. Das scheint mir nicht notwendigerweise bedauernswert, weil ein derartig geschulter Sänger automatisch seine individuellen Eigenarten (die mit einiger Wahrscheinlichkeit ursächlich sein dürften für sein spezielles Klangideal) besonders in den Vordergrund stellen dürfte, er damit auch seiner künstlerischen Individualität klanglich authentischeren Ausdruck verleiht. Das entbindet natürlich nicht von der Notwendigkeit einer möglichst umfassenden gesangstechnischen Ausbildung - meine Behauptung zielt eher darauf ab, dass besondere technische Fertigkeiten mit einiger Wahrscheinlichkeit auch und vor allem in Abhängigkeit von der jeweiligen Künstlerpersönlichkeit ausgeprägter sein dürften. Dass damit im Endeffekt meistens Sänger mit Stärken UND Schwächen Ergebnis fast jeder Ausbildung sind, beweist die Realität. Kluge Sänger bemühen sich gewiss um einen Ausgleich, suchen sich aber nach Möglichkeit ein Repertoire, das ihren Stärken entgegenkommt. An den von Amethyst postulierten, quasi perfekten Sänger glaube ich deshalb gerne - als theoretisches Konstrukt einer persönlichkeitsfreien singenden Folie. Sobald der Mensch ins Spiel kommt, wird die vielgerühmte Mitte dieser idealen Gesangstechnik persönlichkeitsabhängig an unterschiedlichen Stellen liegen - und damit unterschiedliche Stärken und Schwächen hervorbringen. Und sind es oft nicht gerade letztere, die einem Sänger seinen speziellen Stempel verleihen - sei es Fassbaenders meckrig-aufgerissener Vokal a in der tieferen Lage oder Callas' Flaschenblubberklang in der Mittellage?!

    Zum eigentlichen Thema: auch die Artikulation ist in meinen Augen unmittelbare Konsequenz der technischen Individualanlage. Ich persönlich neige Musicas Auffassung zu und halte die Diktion für ein technisches Element per se. "Singe, als sprächest du", formulieren einige Lehrer und meinen das ziemlich wörtlich dahingehend, als sie den aufgeblasenen Gesangston als Selbstzweck vermeiden und gleichzeitig die gesangstechnische Nutzbarkeit der Artikulation in der Vordergrund stellen wollen. Wer Gesang auch lernend so begreifen kann, dürfte mit einem solchen Weg gut fahren; wer allerdings im reinen Klang die Erfüllung des Gesangs findet, für den muss jeder Konsonant erst einmal störender Morast auf dem Weg zum Klang sein. Hier geht es primär wohl um die Ästhetik des Tons, die Liebe zum puren Klang, dem erst im Nachhinein vertiefend Inhalt durch Text zugeführt wird.

    Beide Wege haben idealtypischerweise dasselbe Ziel im Auge, nämlich die Vermittlung von Text und Musik im Klang mittels Artikulation, Färbung, dynamischer Gestaltung etc. Trotzdem will es mir so scheinen, als ob in gesangstechnischen Extremsituationen der jeweilige Sängertyp wieder durchbricht: wenns schwer, eklig, unangenehm wird, greift der Artikulierer zum "Konsonantenkotzen" (Dieskau - nicht zuletzt auch in der Oper), während der Klangorientierte Zuflucht bei der bequemen Vokalise suchen wird (Dieskaus Gattin Varady). Beides ist - idealisiert gedacht - nicht zufriedenstellend, entspricht aber der jeweiligen Herkunft des Interpreten. Ob nun "prima la musica, dopo le parole" oder andersherum, das wird wohl jeder Sänger nach seiner persönlichen Begabung entscheiden - zumindest im stillen Kämmerlein bei Wegfall jeder Rechtfertigungspflicht.

    Ich selbst halte mich primär für einen "sprechenden" Sänger, möglicherweise auch oder vor allem, weil ich mich auch immer bemühe, ein darstellender (Opern-)Sänger zu sein, für den der Text essentielles Arbeitsmaterial ist. Interessanterweise aber neige auch ich dazu, mir Vokale selbst in meiner Muttersprache gelegentlich "zurechtzufärben": da wird dann aus dem geschlossenen "E" von "ewig" schon mal ein italienisch-geöffnetes wie in "vero". Das fällt nicht notwendigerweise auf - und dient so gut wie immer der sängerischen Bequemlichkeit, die allerdings nur dann zu rechtfertigen ist, wenn sie einen entscheidenden Beitrag zum Wohlgefühl liefert und dadurch eine problematische Phrase erleichtert. Konsonanten fallen bei mir bestenfalls beim Lernprozess in Fremdsprachen anfänglich etwas verwaschen aus, schälen sich aber mit zunehmender Textsicherheit immer deutlicher aus dem Vokalsumpf - schlicht auch deshalb, weil sie in meinem persönlichen Klangideal das Relief bilden, innerhalb dessen Vokale beleuchtet oder verschattet werden. Lasse ich die Konsonanten weg, fehlt mir persönlich auch akustisch die Tiefe, die Dreidimensionalität im Klang: er bedarf der Motivation durch den Text.

    Logischerweise klotze ich dann auch schon mal mehr sprechender- als singenderweise, wenn ich in Not gerate (auch wenn mich sonst mit Dieskau gewiss wenig verbindet) und stelle fest, wie unbefriedigend diese Lösung für mich ist. Vor einigen Monaten war es, da hörte ein erfahrener Kollege, dass ich mich auf einer Probe in einer solchen Situation befand. In der Garderobe nahm er mich beiseite und meinte trocken: "Meinst du, irgendjemand interessiert sich an der Stelle für deine Konsonanten? Sing doch einfach aaaaaaaeiiiaeeem - der Kollege in X, mit dem ich das vor geraumer Zeit gemacht habe, hat da nie irgendwas Verständliches von sich gegeben!" Nach anfänglichem Widerwillen schien mir der Vorschlag zumindest wert, praktisch überprüft zu werden - und was soll ich sagen? Recht hatte er - in diesem konkreten Fall. Mein Vokalisengeseiere ließ die Klippe zum sanften Hügel schrumpfen, und nachdem das Selbstvertrauen zurückgekehrt war, konnte ich an der bewussten Stelle nach und nach die Konsonanten zumindest andeuten und so wieder für ein wenig plastische Tiefe sorgen.

    EINSCHUB: Bis hier war mein Beitrag gediehen, als um 20.35h mein Handy klingelte. Die Betriebsdirektorin war dran, ein wenig aufgelöst: ein Kollege fehle und der III. Akt begänne gleich. Weiteres muss ich wahrscheinlich nicht erklären, aber es war eigentlich eine eher unterhaltsame Erfahrung: die bewusste Partie ist überschaubar, und ich hätte sie eh sonst nur am Sonntag singen sollen, weil der besetzte Kollege Urlaub haben wollte für ein Konzert und andernfalls einen Gast hätte bezahlen müssen. Weil der Kollege nun die heutige Vorstellung schlicht vergessen hatte, kam ich immerhin zu einer Bühnenorchesterprobe - sogar mit Publikum... ;-) Allerdings wills mir scheinen, als hätte ich meinen Faden etwas verloren...

    Was ich mit entweder bereits viel zu vielen oder - der Verständlichkeit wegen - möglicherweise auch zu wenigen Worten ausdrücken will, ist dies: man sollte erkennen und akzeptieren, welcher Typ Sänger man gesangstechnisch ist (und damit eben auch artikulatorisch), denn nur so kann man entscheiden, ob man seiner Natur folgt oder im konkreten Einzelfall bewusst nach einer Lösung abweichend vom eigenen Persönlichkeits- und damit Sängerprofil sucht. Will heißen: es gibt keine pauschale Antwort auf de Frage "Prima la musica, dopo le parole?", sondern nur fallweise Entscheidungen immer und überall dort, wo die eigene Sängerpersönlichkeit den bequemeren Weg gehen will.

    Amen :grin:



    Re: Aussprache

    Anonymous - 25.11.2006, 03:36


    :bravo:

    Der einzige, der es schafft einen solch informativen Text und nebenbei noch schnell ne Oper zu trällern ist halt unser Steven. :schlaumeier: :appl :devot :win ( wo isn der Respekt Smiley)

    Auch wenn ich noch nicht so schön involviert bin in verschiedene Techniken oder viele Sänger kenne, denke ich ebenfalls nicht, dass es eine typisiserte G-technik gibt.

    Bin froh, dass meine GL/P direkt jetzt schon darauf achtet, was die Konsonanten so machen und mich mein Genuschel und Gesaiere wiederholen lässt, bis es meine Mitmenschen verstehen.

    @Steven,

    sau geiler TEXT, sogar ich hab verstanden was drinne steht!
    und das soll was heissen. :schlaumeier:



    Re: Aussprache

    Anonymous - 25.11.2006, 13:08


    Danke Steven :bravo:

    Da ich ja nun der "Musicalfraktion" angehoere, ist Sprechen (und Verstandenwerden) fuer mich auch essentiell. Generell neigt man im Musical aber auch dazu, nicht solche Angst vor vermeintlich "haesslichen" Toenen zu haben, was auch hilft. Ich meine das nicht ironisch, sondern muss ganz klar sagen: Es oeffnet einem viele Wege, wenn man sich zwischenzeitlich vom "gleichmaessig Schoensingideal" verabschiedet. Ich meine damit nicht, dass man diesen Anspruch ganz ueber Bord werfen soll, ihn aber zumindest hin und wieder mal beiseite legen sollte, damit man sich weiter entwickelt.

    Der Ton wird im Belt natuerlich etwas anders plaziert, und ohne Sprachverstaendlichkeit ist man im Musical sowieso aufgeschmissen. Ich kann aber nur sagen, dass mir das auch in der Klassik, was die Textverstaendlichkeit angeht, ungemein geholfen hat. So ist es mir mittlerweile moeglich, auf a2 eben auch ein I zu singen, das auch nach I klingt und nicht nach OE oder UE.
    Man muss sich der Sprache als Kunstform aber erstmal annaehern und nicht immer sofort vom gesungenen Ton ausgehen, das ist manchmal eher hinderlich als foerderlich (ist aber nur meine persoenliche Meinung). Sprich:

    -Sprechuebungen machen, BEVOR man singt, und den Text sprechen wie ein Schauspieler und nicht wie ein muedes Suppenhuhn ;-)
    -Versuchen, auch im Gesang die Sprecheebene nicht zu verlassen (dazu braucht man aber einen Lehrer, der was davon versteht, Selbstversuche sind da am Anfang eher gefaehrlich)
    -Wenn man aus der klassischen Richtung kommt, ist es auch hilfreich, Arien auf Vokalreihen zu singen, das erfordert aber ein wenig Arbeit (also sozusagen alle Konsonanten rausstreichen)
    -Manchen hilft es auch, die Konsonanten "explodieren" zu lassen, allerdings besteht hier die Gefahr, die Verbindung zum nachfolgenden Vokal zu verlieren, was dann wiederum NICHT foerderlich ist. Auch das also tendenziell eher unter Anleitung zu empfehlen. Sonst sind wir schnell beim von Steven schon angesprochenen Konsonantenkotzen ;-)

    Es lebe die Sprache!



    Re: Aussprache

    Anonymous - 28.11.2006, 12:45


    Steven Grlscz hat folgendes geschrieben: Das Will heißen: es gibt keine pauschale Antwort auf de Frage "Prima la musica, dopo le parole?", sondern nur fallweise Entscheidungen immer und überall dort, wo die eigene Sängerpersönlichkeit den bequemeren Weg gehen will.

    Amen :grin:


    Bravo Steven - wie immer treffend auf den Punkt gebracht! :bravo:

    @musika: Es ging bei meinem "...wenn nicht, auch nicht schlimm..." um Textverständlichkeit in den hohen Lagen. In "bequemen Lagen" (sofern es diese gibt), sollte Text natürlich verständlich vorhanden sein. Aber eben kein "Konsonantenkotzen" (schönes Wort).
    Deutschesprachige Oper mit Übertiteln (hab ich schon erlebt) finde ich allerdings auch seltsam.

    PS: Das "andere" Thema lege ich natürlich gerne ad acta. :hearts:

    LG
    mezzo



    Re: Aussprache

    musika - 28.11.2006, 13:20


    Hallo mezzo,

    was meinst du warum ich dieses Thema hier eröffnet habe, es geht mir um die allgemein schlechte "deutsche" Aussprache und zwar in jeder Lage, ob Männchen oder Weibchen, nicht speziell in der Höhe. So auch der Titel meines Beitrags.

    Liebe Grüsse



    Re: Aussprache

    chero - 28.11.2006, 13:32


    Hallo,

    erst gestern habe ich wieder einmal im Büro ein Lied im Radio so nebenbei gehört (nicht klassisch :oops: ). Auf den Textinhalt habe ich nicht so geachtet, jedoch hat meiner A.kollegin das Lied gut gefallen und darum haben wir auf den Refrain geachtet ".... ist da Sil" ich mooooment kann nicht sein. Aber immer und immer wieder verstanden wir genau diese Wörter. Erst nachdem vom Moderator gesagt wurde " das war von ....... das Lied ".....ist das Ziel"

    Ich dachte direkt aaaaaaaaaaaahhhh und wieder einmal kommen wir auf das gleiche Thema "Aussprache"!


    Liebe Grüße



    Re: Aussprache

    musencusmuc - 29.11.2006, 15:27


    Axel Hacke hat gestern in München eine Lesung gehalten mit dem schönen Titel "Der weiße Neger Wumbapa - falsch verstandene Liedertexte" ...
    Fuß und Nuss, der Hosenbus



    Re: Aussprache

    Silje - 29.11.2006, 17:26


    Ja, den weißen Neger wumbaba kenn ich auch....zum Schießen, aber wahr......"und aus der Dämmrung fließet/sprießet ?? der weiße Neger Wumbaba... :lol


    Silje



    Re: Aussprache

    Anonymous - 29.11.2006, 19:04


    Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
    In diesem Hause wohnte mein Schatz;
    Sie hat schon längst die Stadt verlassen,
    Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.

    Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe,
    Und ringt die Hände vor Schmerzensgewalt;
    Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe -
    Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.

    Du Doppelgänger, du bleicher Geselle !
    Was äffst du nach mein Liebesleid,
    Das mich gequält auf dieser Stelle
    So manche Nacht, in alter Zeit ?

    Schuberts kongeniale Vertonung dieses Gedichts von Heinrich Heine ( Der Doppelgänger ) möge ein hinreißendes Beispiel dafür sein, was ich meine. Wer wagte es, auch nur eines der Wörter dem Schöngesang zu opfern ? Wenn wir durch die Konsonanten, seien es nun Klinger, Reibelaute oder gar Verschlusslaute, " hindurch " sprechen oder singen, ohne sie artikulatorisch zu vernachlässigen, und auf die nachfolgenden Vokale " zielen ", erhalten wir den Legatofluss und werden trotzdem Wort für Wort verstanden.
    Grau jedoch ist alle Theorie ! Blicken wir voraus auf die gemeinsamen Tage der praktischen Erprobung !
    Ciao. Gioachino :dafür:



    Re: Aussprache

    Fliu - 29.11.2006, 20:02


    musencusmuc hat folgendes geschrieben: Axel Hacke hat gestern in München eine Lesung gehalten mit dem schönen Titel "Der weiße Neger Wumbapa - falsch verstandene Liedertexte" ...
    Und wie heißt der Originaltext? Hab von dem weißen Neger noch nie was gehört und möchte gerne mitlachen :mrgreen



    Re: Aussprache

    musencusmuc - 29.11.2006, 20:10


    ... und aus den Wiesen steiget (hic! Silje!) der weiße Nebel wunderbar.

    Schluss der ersten Strophe von Der Mond ist aufgegangen (Matthias Claudius)

    Gruß und Kuss, der musencus



    Re: Aussprache

    Fliu - 29.11.2006, 20:28


    Aaaaaah! Hihihihi :mrgreen Von Der Mond ist aufgegangen kenne ich den Text nur am Anfang, danach gehts lalala weiter ;-)



    Re: Aussprache

    musencusmuc - 29.11.2006, 20:33


    Der Mond ist aufgegangen,
    die goldnen Sternlein prangen
    am Himmel hell und klar.
    Der Wald steht schwarz und schweiget
    und aus den Wiesen steiget
    der weiße Neger Wumbapa.

    Und das ist nur die erste von ca. 47 Strophen, die dieses Lied hat.
    Gruß und Kuss, der mondsüchtige musencus



    Re: Aussprache

    Silje - 29.11.2006, 21:14


    Musi....dat is mir schon klar mit dem Claudius...aber bei meiner Fassung steigt der weiße Neger aus der Dämmrung hervor und nicht aus den Wiesen... :lol:


    Grüßi


    silje



    Re: Aussprache

    musencusmuc - 29.11.2006, 21:59


    ich denke, du meinst ein paar strophen später:
    "... und in der Dämmrung Hülle ..."
    Gruß und Kuss, der besserwissende musencus



    Re: Aussprache

    Silje - 29.11.2006, 22:37


    Hey Du Neger Wumbaba,

    wollen wir uns deswegen evtl. auf der Wiese in der Dämmrung duellieren ???? Bei mir steigt der Neger nicht erst später aus der Dämmrung Hülle sondern schon früher direkt aus der Dämmrung heraus.......Sakradi !!
    Aber wahrscheinlich hast du nur die 35te Strophe mit der 28ten verwechselt oder so.... ;-)



    LG


    Sissi nebelumwoben



    Re: Aussprache

    musencusmuc - 29.11.2006, 22:43


    O nicht-genug-zu-Verehrende!
    Wie konnte ich dreckverkrusteter Wurm, der in dem Staub, über den Du zu gehen die Pein hast, kriechen zu dürfen sich erfrecht, die Waghalsigkeit besitzen, Widerworte anzumelden?! Nachgerade erscheint es mir unerklärlich, wie sich diese Überheblichkeit in meine dürre Rede einzuschleichen vermochte.
    Mögest du Glorienumkränzte mir die gänzlich unverdiente Gnade der Verzeihung angedeihen lassen, wenn ich versichere, dass derlei Unangemessenheit niemals wieder die SChranke meiner Lippen zu überqueren die Frechheit besitzen wird?
    In unvergleichlicher Hochachtung für dero Magnifizenz entbiete ich meine kärgliche, aber cordiale Hochachtung!
    der musencus



    Re: Aussprache

    Anonymous - 29.11.2006, 22:51


    Sorry, Ihr Lieben,
    aber ich hätte ahnen müssen, dass der Heine von einem verballhornten Claudius eingerahmt und damit unschädlich gemacht würde. :oops:
    Ciao. Gioachino :hearts:



    Re: Aussprache

    musencusmuc - 29.11.2006, 23:05


    Lieber gio!
    Wenngleich ich Deine Begeisterung nicht teile, so gebe ich Dir recht und entschuldige mich. wir haben uns ob dieser "Fehlinterpretationen" hinreißen lassen zu alberner Schreibselei. Und in der Sache gebe ich dir ja durchaus recht. Das trifft Solisten, wie Choristen gleichermaßen. Ein text, der nicht verstanden wird oder zahnlos wie ein Kochrezept runtergeleiert wird, ist eine Zumutung. Jedoch sehe ich auch Ausnahmen, wo man Text (besser Wörter) der Musik opfern muss. Aber nicht in diesem Fall, da hast Du recht. musik alleine spricht - auch ohne Text (zumindest sollte sie das und tut es ja auch meist). Wenn Texte congenial mit der musik verbunden werden, umso schöner, aber eben kein Muss.
    Gruß und Kuss, der um Verzeihung für die Entgleisung bittende musencus



    Re: Aussprache

    dola - 29.11.2006, 23:25


    .. :n109:

    Sog. alberne Schreibselei liebe ich im Moment sehr, habe ein wenig Generalprobenbammel und mag mich jetzt erheitern.

    Also: Weitermachen!!!

    Und im übrigen meine ich, wenn ich eure A -Z - Rezepte lese, dass man zu deren Genuss durchaus die Zähne braucht....


    :kuss: :sauf:

    dola



    Re: Aussprache

    musika - 29.11.2006, 23:45


    Hallo

    Könnt ihr mal wieder zum eigentlichen Thema zurückkommen? Sonst werde ich euch verschieben zu A - Z.

    :n31:



    Re: Aussprache

    dola - 30.11.2006, 00:09


    ...Sorry!!!

    macht der Ausnahmezustand!!! :demut

    Grüße,
    dola



    Re: Aussprache

    Silje - 30.11.2006, 00:14


    Lieber Gio,

    Dein Heine sollte keineswegs unschädlich gemacht werden;aber Du kennst evtl. nicht Axel Hackes durchaus geistreiches Buch über eben solche Gedichte, die mangels fehlerhafter Artikulation von Kindern oder ungebildeten Erwachsenen in Lächerlichkeit abgleiten und dadurch komplett sinnentstellt werden.




    LG
    :hearts:
    Silje



    Re: Aussprache

    Silje - 30.11.2006, 00:16


    @Herr Musencus-fra-muc-dus,


    so ist es schon besser......warum können Sie nicht immer so mit mir reden ??? Das wurde nun aber auch Zeit....





    Neblige Grüße,


    Silje



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