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Re: Spiegelverkehrt/Mysterie/KurzFF/ab12
BlackDiamond - 26.09.2006, 19:25Spiegelverkehrt/Mysterie/KurzFF/ab12
Spiegelverkehrt
Es war schon Dunkel als Mark Flemming sich auf den Weg nach Hause machte.
„Was für eine Verschwendung“, dachte er sich.
Heute war sein fünfzigster Geburtstag gewesen und der Chef einer großen Marketingagentur hatte seine Mitarbeiter auf den Rummel eingeladen.
So war es Brauch.
Ein ganzer Arbeitstag war dafür ausgefallen und was das für Verluste mit sich brachte, darüber wollte er lieber nicht zu genau nachdenken.
Seine Frau Eva und seinen Sohn Thomas hatte er ebenfalls mitgenommen.
Mitnehmen müssen besser gesagt.
Eva hatte sich und ihren missratenen Sprößling geradezu aufgedrängt. Sie würden zu wenig als Familie unternehmen.
Warum sollte er auch? Seine Frau war eine hässliche Schlampe, die ihre besten Tage schon vor Jahren hinter sich hatte und ihn mit seinem Stellvertreter betrog und was seinen 16 jährigen Filius anging.
Der war ein kompletter Versager.
Nichts brachte er fertig.
Thomas war weder Klassenbester noch ein berühmtes Sportass oder in wichtigen, angesehenen Clubs Mitglied oder Vorstand.
Nicht einmal Klassensprecher war er geworden.
Was für eine Verschwendung.
Auch der Tag auf dem Rummelplatz war für nichts gut gewesen. Pure Zeitverschwendung.
Hatte ihn seine untreue Frau doch glatt zu einer Wahrsagerin geschleppt und er musste sich dieses esoterische Gewäsch einer verrückten Alten anhören, das Eva begeistert in sich aufsog und mit dem sie hundertprozentig übereinstimmte.
Für den Müll hatte er auch noch mit seinem sauer verdienten Geld bezahlen müssen.
Was für eine Verschwendung.
Als er das Zelt der Zigeunerin betrat schlug ihm eine Mischung aus den seltsamsten Gerüchen entgegen.
Weihrauch, Myrte, Salbei und andere Kräuter die wohl eine entspannte Stimmung heraufbeschwören sollten, bei Mark allerdings nur Brechreiz und Übelkeit auslösten.
Widerwillig und von der Unsinnigkeit des Unterfangens überzeugt, hatte er sich auf einem Stuhl aus dunklem Holz vor einem mit einem blutroten Samttuch bedeckten runden Tisch gesetzt, auf dem in der Mitte ein große Kristallkugel thronte.
Das übliche eben.
Seine Familie hielt sich etwas weiter hinten auf, durchsuchte das Zelt, musterte jeden Teppich, jedes Glas in dem eine undefinierbare Kreatur schwamm. Wie Einmachgläser.
Senora Cortez, die Wahrsagerin entsprach genau den Vorstellungen einer Standardhellseherin ohne besondere Fähigkeiten.
Sie trug ein langes bunt geflicktes Kleid mit einem weiten Rock und einer weißen Bluse.
Ihre ehemals schwarzen und nun grauen Haare waren zu einem Knoten hochgesteckt und verschwanden unter einen roten Kopftuch. Die alte Frau war über und über mit Ketten und Ringen bedeckt, unter deren Last sie eigentlich hätte zusammenbrachen müssen, schwächlich wie sie aussah.
Auch sie nahm an dem runden Tischchen Platz und musterte ihren Besucher aufmerksam.
„Mein Herr sie wollen etwas über ihre Zukunft erfahren?“ brachte sie mit einer dunklen rauchigen Stimme hervor. Der Akzent war so stark, dass man fast kein Wort verstand.
„Nun, ich glaube nicht an diesen Hokuspokus und esoterischen Quatsch. Meine Frau hat mich hier her geschleift und im Grund interessiert es mich nicht. Ich kenne meine Zukunft bereits. So, wie ich sie mir erschaffen werde.“
Die Alte lachte und nahm ohne darauf einzugehen Marks Hand in ihre.
„Dann werden sie doch bestimmt keine Furcht vor dem haben, was ich ihnen sagen werde, werter Herr.“
Mark Flemming schüttelte den Kopf und ließ dann die hellseherischen Ergüsse dieser Hexe über sich ergehen, wobei seine Frau immer wieder mit ihrer entsetzlich quietschigen Stimme Kommentare einwarf oder ihre Begeisterung bezeugte.
Die schrecklichste Stunde seines Lebens.
Was für eine Verschwendung.
Nun auf dem Weg zu seinem Appartement in der Stadt und zu seinem wohlverdienten Feierabend, fielen ihm einige Dinge, die die Alte gesagt hatte wieder ein.
Ohne das er es wollte begann er über ihre Worte nachzudenken.
„Du wirst bald deiner Zukunft begegnen. Verhalte dich klug um dein Schicksal zu wenden. Kalte Herzen werden bestraft. Noch heute Nacht wird sich dein Schicksal erfüllen.“
So ein Schwachsinn.
Die Zukunft begegnete einem jeden Tag um Mitternacht, wenn der neue Tag anbrach und man eine Sekunde zwischen heute und morgen in der Zeit hing.
Das war nichts neues.
Außerdem würde Mark sich seine Zukunft selbst gestalten. Da war er sicher.
Bald würde er eine Konkurrenzfirma übernehmen und sich in wenigen Jahren zum Markführer aufgeschwungen haben.
Durch harte Arbeit und kluge Kalkulation, nicht durch Schicksal.
Da konnte eine verrückte Hexe reden was sie wollte.
War eh alles Humbug.
Was den zweiten Spruch anbelangte, so verhielt Flemming sich immer klug.
Schließlich war es sehr intelligent und aufgeweckt, seine Firmenleitung stimmig und das Konzept zur Übernahme ausgereift. Es konnte gar nichts schief gehen.
Also wieder Schwachsinn.
Wieso er sich überhaupt mit solchem Gewäsch abgab und sich den Kopf über das Gefasel einer alten schrulligen Zigeunerin zerbrach, konnte Mark nicht sagen.
Die Gedanken an diese Vorhersagen drängten sich ihm quasi auf.
Er war machtlos dagegen.
In seine Überlegungen vertieft bemerkte er gar nicht, wie er einen Mann anrempelte.
Aufgeschreckt hob er den Kopf, bedachte sein Gegenüber mit einem abschätzigen Blick.
Der Mann war ungepflegt und heruntergekommen, der verdreckte zerschlissene Mantel bestand aus mehr Löchern als Stoff und die Person stank bis zum Himmel.
Bittend streckte der Obdachlose einen verbeulten Hut in Marks Richtung, den dieser jedoch geflissentlich übersah.
Das Gesicht des Fremden hatte er nicht eines Blickes gewürdigt.
Wieso sollte er auch seine kostbare Zeit und sein mühsam verdientes Geld diesem Taugenichts in den Rachen werfen? Wenn er Geld brauchte sollte er arbeiten wie jeder ehrliche Mensch auch.
Was für eine Verschwendung.
Angewidert verzog Mark das Gesicht und ging schnellen Schrittes weiter, an dem Bettler vorbei.
Was ging ihn dieser fremde Mann an, der sein Leben nicht in den Griff bekam?
Hätte er sich eben mehr anstrengen müssen, so wie er selbst.
Denn Mark Flemming war sicher, dass er das Musterbeispiel für einen fleißigen strebsamen Mann war, der in allen Situationen wusste was zu tun war und in dessen Leben es keine unvorhergesehenen Überraschungen gab.
Es war perfekt.
Für solche Versager wie den Bettler von vorhin hatte er keinen Funken Mitleid übrig.
Sie waren alle selbst Schuld.
Voller Vorfreude auf sein wohlverdientes Feierabendbier in seinem Stammlokal beschleunigte er seinen Schritt noch einmal und bog ohne auf seine Umgebung zu achten in die kleine Seitenstraße in der des Lokal lag.
Der Gehweg war wie immer um diese Uhrzeit völlig überfüllt und da Mark keine Lust und vor allem keine Zeit hatte um sich durch diesen Menschendschungel zu schlängeln, wich er wie sonst auch auf die Straße aus.
Das er dabei einen weiteren Mann mit auf die Fahrbahn drängte bekam er nur am Rande mit.
Ein Paar heller Scheinwerfer blendete Mark, als der LKW mit Vollgas um die Kurve bog und auf ihn zu schlitterte.
Der Fahrer hatte die Kontrolle verloren.
Starr vor Schreck stand Flemming wie gelähmt da, unfähig auf die wild durcheinander schreienden Stimmen zu achten, die ihn anhielten zur Seite zu springen.
Arme griffen nach ihm, konnten ihn jedoch nicht erreichen.
Nur ein Mann, der den er selbst mitgezogen hatte, war nahe genug um ihn zu retten.
Doch dieser dachte nicht im Traum daran einen Finger zu krümmen, hatte Mark ihm doch vorhin auch nicht geholfen und reiche Snobs wie ihn gab es zu Tausenden auf der Welt.
Da war es um einen nicht besonders Schade. Obwohl jedes Leben kostbar ist.
Schnell machte der Mann einen Schritt zur Seite, als der LKW Mark erfasste und gegen eine Wand schleuderte.
Sein Kopf schlug hart auf dem Stein auf, rote Flecken blieben am Mauerwerk zurück, als der leblose Körper daran hinab rutschte.
Der Fremde schüttelte den Kopf.
Was für eine Verschwendung.
Langsam ging er zu dem Toten hinüber, fischte den Geldbeutel aus der Manteltasche und besah sich die Papiere, während einige der umstehenden Passanten die Polizei benachrichtigten.
Mit spitzen Fingern hob er den Ausweis in die Höhe und hielt ihn unter eine nahegelegene Laterne.
„Mark Flemming“, las er leise vor.
Unter dem Namen blickte ihm sein Bild entgegen.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Das ist mein erster OneShot, der keine FF ist und ich würde mich riesig über Feedback freuen!
Re: Spiegelverkehrt/Mysterie/KurzFF/ab12
goldjunge - 26.09.2006, 19:39
Wow....also ich bin beeindruckt.
Deine Wortwahl ist sehr gut....also das liest sich alles wahnsinnig atmosphärisch.
Wie lange schreibst du schon auf was du denkst? xD
Alle mal lesen bitte 8)
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