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Re: satiren und columnen
kilianpfeffer - 26.09.2006, 21:16satiren und columnen
Hier habt ihr Gelegenheit, Undergrounder an Columnen und satirische Kurztexte (natürlich selbstgeschriebenen) teilhaben zu lassen! Viel Spass beim posten - und lesen. ^^
Re: satiren und columnen
kilianpfeffer - 26.09.2006, 21:18Anpassung und Grenzen der Anwendung deutscher Sprache im All
Anpassung und Grenzen der Anwendung deutscher Sprache im Alltag
Der internetbeflissene Deutschsprachige mag sich mitunter wundern, welch geringe Kenntnisse auch der gesprochenen Sprache offensichtlich ausreichen, in Deutschland das Überleben zu garantieren. Doch alleine das regelmäßige Wundern bringt dem Leben noch keinen größeren Gewinn. Als gewinnbringend für die online-sozialen Kontakte kann ich vielmehr empfehlen, ausdauernd auf den korrekten Gebrauch der deutschen Sprache in chatrooms und communities hinzuweisen – auf solch nobles Verhalten zeigen nicht unbedeutende Anteile der Kommunikationspartner eine signifikante Intensivierung der gesprächsbegleitenden Emotionslage.
Sollten Sie aber ein entsprechendes Verhaltensmuster auch beim Erwerb eines Döners anwenden wollen, so seien Sie gewarnt! Sie begeben sich auf ein terrain, auf dem ihre bisherigen Germanistikkenntnisse keinen ausreichenden Rückhalt mehr bieten. Auch wenn Sie das gängige Vokabular zu beherrschen glauben, so bieten doch die grammatikalischen Besonderheiten das Döner-Deutsch noch Grund für Missverständnisse.
Beim Döner-Deutsch handelt es sich um eine Sprachvariante des deutschen mit erheblichen Einschränkungen im Satzbau, in der Satzlänge und im Vokabular. Zudem folgt das Döner-Deutsch einer strikten Handlungsreihung. Ein gespräch beginnen Sie mit einer auffälligen Platzierung vor der Theke oder durch die Eingliederung in die Warteschlange. Zu gegebener Zeit können Sie der Reaktion gewiss sein: „Was wollen Sie?“ Mit dieser Aussage werden sie dazu aufgefordert, zu sagen, was Sie wollen, was Sie haben möchten, nichts anderes. Die korrekte Antwort lautet: „Einen Döner.“ Sollten Sie einer derart gehobenen Laune sein, dass Sie sich nicht enthalten können, Ihr Glück auch dem Dönerverkäufer mitzuteilen, dann dürfen Sie dies zusätzlich kundtun: „ , bitte!“
Ich selber verwende die Floskel „Einen Döner, bitte!“ standardmäßig, bin auch immer gut damit gefahren, scheine aber damit zu einem ungeeigneten, weil unüblichen Beispiel zu werden. Beeinflusst von Ihrer Antwort wird der Döner-Verkäufer, den Sie in seiner Abwesenheit Döner-Mann, in seiner Anwesenheit am besten überhauptnicht zu titulieren haben, in eine nicht gerade hektische Tätigkeit zu verfallen. Nach einer Zeitspanne, die zu ermessen dem Dönerverkäufer obliegt, wird er Sie mit einer weiteren Frage konfrontieren: „Mit allem?“ Nun Sind Sie wieder an der Reihe, mitzuteilen, ob Sie ihren Döner gerne „mit allem“ haben möchten, oder ob Sie Wert darauf legen, bestimmte Dinge nicht auf ihrem Döner wiederzufinden. In letzterem Falle sagen Sie: „ohne ...“ und fügen eine Aufzählung all jener Dinge an, die ihr Missfallen erregen würden, wenn man von Ihnen ihren Verzehr verlangte. Die Antwort „mit allem“ hingegen drückt aus, dass Sie es schätzen, Ihren Döner mit allen an dieser Döner-Verkaufs-Stelle üblichen Döner-Zutaten ausgestattet zu sehen. Welche Beifügungen an dem von Ihnen gewählten Döner-Anbieter üblich sind, entnehmen Sie der Auslage oder – sicherer – dem von ihrem Vorgänger gekauften Döner. Entweder direkt nach der Verbalisierung Ihrer Entscheidung oder eine ungewiss lange Zeit später wird Ihnen eine weitere Frage gestellt werden: „Mit Scharf?“ Sie sollten sich gerade an dieser Stelle nicht von ihrem üblichen Sprachgebrauch dazu verleiten lassen, die vermeintliche grammatikalische Ungereimtheit, auch wenn Sie das Wort „scharf“ bisher als Adjektiv verwendeten. Denn der fehler liegt hier ganz ihrerseits. Der Döner-Verkäufer ist nicht daran interessiert, die Eigenschaften des Döners zu erfragen, den Sie am liebsten in ihrer Hand halten würden. Denn auf die Eigenschaften des Döners hat der Verkäufer keinen direkten Einfluss. Das einzige, was er von ihnen möchte, ist die Anweisung, was er auf den noch nicht fertiggestellten Döner drauf geben soll. Sollten Sie beispielsweise auf den Gedanken kommen, auch eine Scheibe einer Gurke ihrem Döner zugefügt sehen zu wollen, sagen Sie schließlich auch: „Mit Gurke“, nicht etwa, dass Sie ihren Döner gerne feucht haben wollen, oder soetwas.
Möglicherweise kennen Sie die auf der Oberseite grob gelöcherte Aludose. Lassen Sie sich sagen, der Inhalt ist Scharf. Der Verkäufer fragt deshalb, ob Sie den Döner gerne mit Scharf erhalten möchten. Sollten Sie kein Scharf auf ihrem Döner dulden, dann antworten Sie: „Ohne Scharf“, anderenfalls: „Mit Scharf“. Bestehen Sie unüblicher Weise auf „Ohne Scharf“, so wird der Döner-Verkäufer darauf verzichten, den Döner mit Scharf zu bestreuen.
Die für die Fertigstellung des Döners letzte Hürde begegnet Ihnen dann in Form der Frage: „zum Mitnehmen oder zum Hieressen?“ An dieser Stelle weiche ich regelmäßig vom vorgegebenen Antwortschema ab ohne größere Irritationen hervorzurufen, indem ich sage: „Zum in-der-Hand-essen“. Sie sehen, das Döner-Deutsch läßt auch einen gewissen Spielraum für die individuelle Sprach- und Gesprächsgestaltung.
Insgesamt, muss ich feststellen, hatte ich mit dem Erlernen des Döner-Deutsch relativ geringe Schwierigkeiten, zumindest vergleichsweise geringe. Weitaus Problematischer gestaltet sich die Gesprächssituation an der Theke einer MacDonalds-Filiale. Hier wird mir jedoch der Mangel an geeignetem Fach-Vokabular zum Verhängnis: „Country-Tech-Mex-Fresh-Dip-Maxi dazu?“ „Mit oder ohne Grilled-Onion-Bacon-China-Roll?“ – „Bitte was? Hören Sie mal: ich stand jetzt fünf Minuten da hinten und habe mir die beleuchteten Angebote Ihrer Kette angesehen und mich für die Zusammenstellung von Produkten entschieden, die dort als zweite von links über ihrem Thekenbereich angeschlagen ist. Als ich an die reihe kam, habe ich, geduldig wie ich bin, die zugehörige Beschriftung laut vorgelesen. Sollte dieses Vorgehen mich nicht in die Lage versetzt haben, bei Ihnen das gewünschte zu erhalten, würde ich Sie darum bitten, sich einmal umzuwenden. ICH WILL DAS DA!“
written by Jack Stone
Re: satiren und columnen
kilianpfeffer - 26.09.2006, 21:19Erziehung mit Freude!
Erziehung mit Freude!
Haben Sie Kinder? Aber auch ohne eigene Kinder: Ein reichhaltiges Angebot unterschiedlichster Erziehungsratgeber liegen in den meisten Buchhandlungen in einer Auflagenstärke aus, die den Schluß nahelegt, diese Art von Literatur diene zunehmend auch der intellektuellen Erbauung jeden Lesers, unabhängig von der anzunehmenden Handlungsrelevanz der freizügig publizierten Ratschläge für den einzelnen Käufer des Buches.
Ein anderes Phänomen zeigt sich jedem aufmerksamen Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel: Ein wachsender Anteil der Fahrgäste scheint nicht nur das Lesen der Ratgeber, sondern auch die Erziehung ihrer Mitmenschen als Freizeitbeschäftigung gewählt zu haben. Zur geistreichen Unterhaltung sämtlicher Mitreisender sind diese pädagogischen Aktionskünstler jederzeit bereit, nicht nur ihre Meinung über ein angebrachtes Verhalten lautstark mitzuteilen, sondern auch mit bühnenreifer Theatralik zu untermalen.
Einem Jugendlichen, der sich in einer Straßenbahn einen freien Sitzplatz sucht, sei angeraten, entweder auf Plätze benachbart zu einem liegengelassenen Zeitungshaufen grundsätzlich zu verzichten, oder aber dafür Sorge zu tragen, dass potentielle Spontanpädagogen auf das Vorhandensein des Papierwusts frühzeitig aufmerksam werden. Anderenfalls kann es ihm so ergehen wie kürzlich einem etwa Vierzehnjährigen, der sich bei dem Versuch, auszusteigen, mit einem Schwall wüster Beschimpfungen, einem hin- und herwedelnden Bündel Zeitungen und einem hochroten, krakelenden Kopf einer für ein solches Verhalten eigentlich zu klein geratenen älteren Dame konfrontiert sah. Das Ignorieren der Aufforderung, seine „verdammte Zeitung“ doch wieder mitzunehmen, „mißratener Lümmel! Wenn Du mein Sohn wärst...“, hätte ihm beinahe eine auf den Gehsteig nachfliegende Tageszeitung beschehrt. Die Dame war allerdings nicht nur engagiert, sondern offensichtlich auch ordnungsliebend – und legte die inzwischen zerfledderten Seiten zurück an ihren angestammten Platz.
Mitunter drängt sich, jedenfalls mir, die Frage auf, auf welche Vorbilder noch verwiesen werden kann, gesetzt den Fall, ein einzelner Jugendlicher nähme sich tatsächlich den regelmäßig beklagten Zustand jugendlichen Verhaltens zu Herzen!
Vielmehr scheinen Jugendliche in der heutigen Zeit mit wachsendem Eifer die gesellschaftlichen Anforderungen an ein angebrachtes Verhalten ernstzunehmen und von ihren erwachsenen Mitbürgern erfolgreich zu lernen. Gelegenheiten, sich durch Beobachtung ein gesundes Maß an Assozialität anzueignen, bekommen sie zur Genüge.
Haben Sie als Jugendlicher beispielsweise schon einmal bei den Münchner Verkehrsbetrieben eine „Monatsfahrkarte für den Ausbildungstarif II“ beantragt? Dann dürften Sie bemerkt haben, nicht als Kunde zu gelten, sondern als Trottel mit einer Unmenge an Zeit sowie einem Lernbedarf, was das Verhalten in einer für sie unüberschaubaren und undurchsichtigen bürokratischen Situation anbetrifft: „So, und jetzt füllst Du gefälligst diesen Zettel nochmals aus, und diesmal richtig (, Du Trottel)! Danach kannst Du Dich wieder hinten anstellen!“
An der Schlange im Supermarkt stehen Sie als Jugendlicher auch nicht unbedingt deswegen, weil Sie irgendwann bezahlen wollen, denn Sie haben ja schließlich Zeit. Der Gedanke liegt also nahe, dass ältere Mitbürger sich jederzeit kommentarlos vor Sie stellen dürfen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Wollen Sie sich daraufhin beschweren? Vergewissern Sie sich zunächst, dass es Zeugen gibt, die den Vorgang bestätigen können – und auch dazu bereit zu sein scheinen. Sind solche nicht vorhanden, dann sind Sie nämlich rotzfrech und ungezogen, ältere Damen und Herren – selbstverständlich fälschlicher Weise – zu beschuldigen, sich vorgedrängt zu haben!
Sie werden aber dennoch, früher oder später, an der Kasse ankommen. Sollten Sie aber vorhaben, für einen Betrag von 9 Euro mit einem 50-Euro-Schein zu bezahlen, so dürfen Sie sich nicht vorschnell abwimmeln lassen, wenn Sie nur eine Ein-Euro-Münze herausbekommen. Sie werden fünf Minuten lang ununterbrochen behaupten müssen, mit 50 Euro bezahlt zu haben, nicht mit zehn. Der Kassensturz wird zeigen, dass sich 40 Euro zu viel in der Kasse befinden. Diese werden Sie sogar ausgehändigt bekommen, samt dem Zusatz: „Warum hast Du das nicht gleich gesagt? Sowas musst Du immer gleich sagen. Ich musste jetzt einen Kassensturz machen, die Arbeit hätte es nicht gebraucht.“
„Gleich“ bezog sich wahrscheinlich darauf, dass bei der Geldrückgabe zunächst die Scheine, danach die Münzen aus dem Schubfach gezogen werden. Statt zu erwarten, dass ich das gesamte Wechselgeld erhalten würde, hätte ich scheinbar auf zwei 20-Euro-Scheine anspruch erheben sollen, bevor ich die Münze entgegengenommen hatte. Eine Entschuldigung zu erwarten wäre insofern frech gewesen, da ich mich ja zu entschuldigen hatte.
Als Jugendlicher brauchen Sie in dieser Gesellschaft keinen Fehler zu machen, um ausgelacht, schikaniert, diffamiert oder angeschrien zu werden, in Ämtern, Büros, Kaufhäusern, Geschäften oder auf offener Straße. Relativ sicher sind Sie in Begleitung Erwachsener, ansonsten bleibt Ihnen nur die berechtigte Hoffnung, körperlich unversehrt zu bleiben. Geistige Unversehrtheit kann Ihnen aber niemand garantieren.
Spielen Sie mit, die Spielregeln sind festgelegt: Ratgeberlektüre und pädagogische Kompetenz sind, wenn auch nicht hinderlich, so doch wenigstens auch nicht Bedingung. Halten Sie sich nur unbedingt an folgendes: Verhalten Sie sich wie „Rotz am Ärmel“, sobald Sie auf einen Menschen zwischen 11 und 21 Jahren treffen, dann fallen Sie nicht auf. Stellen Sie aber – nur für den Extremfall – vorsichtshalber sicher, dass die Zahl der anwesenden Erwachsenen diejenige der Jugendlichen übertrifft. Attackieren Sie auch keine Gruppen von Jugendlichen, ideal ist vielmehr die Strategie, sich mit anderen Erwachsenen zusammenzutun und auf einzelne Jugendliche loszugehen. Bewährt hat sich auch, nicht zwanghaft an der Wahrheit festzuhalten, sondern eine gewisse Kreativität für Ihre Äußerungen zu bemühen.
Mit diesen zusätzlichen Ratschlägen möchte ich, die zur Verfügung stehende pädagogische Populärliteratur ergänzend, Ihnen für Ihr neues Hobby viel Erfolg wünschen,
mit Grüßen, Ihr Jack Stone.
Re: satiren und columnen
kilianpfeffer - 26.09.2006, 21:20Café-Freuden
Café-Freuden
Eine schickliche Einteilung des Tagesablaufes ist die Wurzel jeder Ausgeglichenheit. Man freut sich schon darauf, die Arbeitspausen in einem ortsüblichen Straßencafé zu verbringen.
Doch hat man erst seinen Kaffee ergattert und - trotz wiedriger Umstände - einen Sitzplatz gefunden, so ist man schon in der teilweise recht harten Realität angekommen. Einer Realität, die einer ausgewachsenen Belästigung gleichkommt.
Wehrlos ist man den geistigen Ergüssen seiner Tischnachbarn ausgesetzt. So muss man sich, in Leidensgemeinschaft zweier Freundinnen einer Land-Dame, anhören, wie schwehr es war, die verzehrbaren Reste einer dörflichen Festivität im Gefrierschrank unterzubringen. Und welche Energie aufzubringen war, einen soundsolange in der Sonne gelagerten, danach aber gegrillten und nicht gegessenen Fisch davor zu bewahren, durch die Schwiegereltern ebenfalls vorübergehend der Kühl-Gefrier-Kombination übereignet zu werden. Es schien zu Handgreiflichkeiten gekommen zu sein, wie die gestische Untermalung des lautstarken Vortrags vermuten ließ.
Eklatante Überschätzung der Temperaturresistenz der lebensmittelbegleitenden Bakterien (offensichtlich Besessenheit von der Idee, einzellige Unsympathen seien massenhaft der Feuerhölle entkommen und bildeten inzwischen den Hauptbestandteil der sich innerhalb der Fischhaut befindlichen Materie) werden dabei ebenso unter Beweis gestellt, wie ein rabiates durchsetzungsvermögen görenhafter Idiotie sowie ein Atemberaubender Mangel an Rücksicht selbst den Ohrenpaaren gegenüber, für die jene mäßig interessanten aber wort- und lautstärkereichen Ausführungen bestimmt waren.
Fast dankbar ist man für die Abwechslung, seine eigentlich einem Buch gewidmete Aufmerksamkeit einer leicht nöhlenden Singstimme einer opulent geschminkten, sonst aber noch bei Trost scheinenden Großmutter zuwenden zu dürfen: "Warte, Schatzi, das macht Mama gleich, wenn sie zurückkommt."
Ein Seitenblick zeigte eine Schokoladeneis-Maske von einer Kontur, die, verbunden mit den noch blonden Locken außenrum, auf ein etwa 3jähriges Mädchen schließen ließ. In Anbetracht der Ausmaße des Desasters hätte ich an oma's Stelle ebenfalls keinen Finger krumm gemacht. Ich begriff dies als Zeichen spät aufblitzender Intelligenz.
Nachdem ich die Information, der Gast hinter mir hieße "Herrmann", gemeinsam mit der Hälfte aller Anwesenden auch noch in Erfahrung bringen durfte, kam tatsächlich die Mama zurück. Erfreulicher Weise verzichtete sie darauf, meine Hoffnungen bezüglich des schokoladenbraunen Zappelns zunichte zu machen. Sie beließ den Zustand wie er war. Damit bestand die Chance auch weiterhin, dass zumindest ein gewisser Anteil schreienden Pinks der Kinderjacke durch eine Schicht gedeckten Brauns ersetzt werden konnte.
In diesem Moment verfluchte ich eine lärmende Gruppe mittagspausender Jungangestellter am Nachbartisch, die mir "der Gerechtigkeit halber", wie sie sagten, abgesehen von meinem eigenen Stuhl noch einen zweiten am Tisch beließen. Dieser hatte nämlich die Aufmerksamkeit einer gepflegten, aber tatsächlich recht alten Dame erregt - die demonstrativ gewillt war, sämtliche freien Tische im Café zu ignorieren. Den Grund konnte ich mit Grauen erahnen, und die Gesprächseröffnung ließ auch nicht lange auf sich warten.
"Ist das hier ein Jugendcafé?" störte sie mich beim Schreiben dieser Glosse. Während des folgenden - von mir sehr knapp, von ihr wesentlich ausführlicher gestalteten - Austausches über unterschiedliche Mittagspausenzeiten, die dem Café eine ihr sympatisch erscheinende Auswahl an Gästen bescherte, lag meine Arbeit auch tatsächlich brach.
Eine Gelegenheit für mich, zu erkennen, dass ich der geistigen Ungesundheit meiner Mitmenschen viel zu nachsichtig gegenübertrete.
Leider war mein Kaffeebecher bereits leer. In Ermangelung eines Handtuches hoffte ich, meinen Stuhl samt Tisch während der Besorgung von Nachschub auch durch Schreibblock und Buch (das zu lesen ich bereits zu Anfang meiner Kaffeekonsum-Tätigkeit aufgab), freihalten zu können.
Nach meiner Rückkehr war beides noch auffindbar, was nicht zuletzt auch meiner Handschrift zu verdanken gewesen sein dürfte. Ruhe jedoch war nach wie vor nicht zu finden. Die Junge-Leute-Gruppe neben mir wurde von einem Mitglied gerade in Kenntnis gesetzt, welchen Arten der Belästigung frau auf "Gang-Bang-Partys" ausgesetzt war, und was passiere, wenn sie müde wurde. Ich wollte es nicht wissen. Schwanger erschien sie mir noch nicht.
Einen optischen Rahmen erhielt die Geschichte von einer vorbeischlendernden Übergewichtigen. Leichtes leuchtendrotes Jäckchen, schlabberiges maigrünes Spaghettiträger-Shirt, graugrüne Umhängetasche - deren Schlaufe direkt zwischen den ungehaltenen Brüsten hindurchführte und bedauerlicherweise die rechte dabei leicht anhob, der linken hingegen nur mehr Kontur verlieh, was diese aber durchaus nicht nötig hatte.
Ein fliederfarbenes Männerhemd erlöste mich im vorbeischreiten von diesem Anblick, was meine Verdauungsorgane vor einer spontanen Fehlfunktion bewahrte.
Ich beschloss, die Augen zu schließen und beendete damit aus technischen Gründen meine Schreibwut.
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written by Jack Stone
Re: satiren und columnen
kilianpfeffer - 27.09.2006, 21:53Das Bestreben, ernsthaft zu explodieren!
Das Bestreben, ernsthaft zu explodieren!
Diffusion ist das Bestreben der einzelnen Partikel eines Stoffes, sich möglichst gleichmäßig in einem vorgegebenen Raum zu verteilen. Zucker im Kaffee wird sich, lässt man ihm ausreichend Zeit, so verteilen, dass der Kaffee überall gleich süß schmeckt. Die Zuckerkonzentration wird sich soweit ausgleichen, dass sie in jedem Milliliter gleich groß ist.
Trennt man jedoch vor der Zuckerzugabe den Kaffee so auf, dass zwar das Wasser, nicht jedoch der Zucker durch die Trennwand dringen kann, so kann sich der zucker nicht gleichmäßig in beiden Kaffee-Hälften verteilen.
Dennoch wird sich die Zuckerkonzentration annähernd ausgleichen, indem das Kaffee-Wasser in die zuckerreiche Kaffee-Hälfte gesaugt wird. Der gezuckerte Kaffee wird immer mehr, der ungezuckerte weniger. Man nennt den vorgang "Osmose".
Spricht man als Mensch mit ironischer Ader mit einem Ernsthaften, so kann sich der Witz nicht ausbreiten und übertragen. Leider diffundiert die Ernsthaftigkeit weitestgehend ungehindert von einer Person zur nächsten!
Hat man Humor, so saugt man sich - wehrlos - mit sinnvollen, humorlosen Gedanken voll. Zwar löst sich der Humor im Sinn und macht ihn süß, jedoch schwillt einem langsam der Kopf an und nach einiger Zeit droht man zu platzen!
In diesem Fall: Wehe dem Witzlosen, wenn ihm eine geballte Ladung Scherz um die Ohren fliegt!
Der kommunikative Unfall ist vorprogrammiert, gegen Naturgesetze lässt sich nichts ausrichten.
written by Jack Stone
Re: satiren und columnen
kilianpfeffer - 28.09.2006, 18:52
Himmel und Hölle
Sartre beschrieb - in einem Theaterstück - seine Vision der Hölle:
Nach dem Ableben weiß man nicht, was einen erwartet.. Man erreicht ein Hotel und wird com Concierge in ein Hotelzimmer geführt, das mit drei weiteren Personen belegt ist. Die Personen, mit denen man gemeinsam die Zeit verbringt, sind einem unbekannt. Das Zimmer ist spärlich eingerichtet, Möglichkeiten des Zeitvertreibs existieren nicht.
Was aber existiert ist eine Art unfreiwillige Hellsichtigkeit, die einen mit bestimmten Informationen versorgt. Der Concierge kann jederzeit den Raum betreten und seinen Anweisungen ist Folge zu leisten. Er kann auch gerufen werden, ob er jedoch den Ruf hört oder sogar auf die Wünsche eingeht, ist mehr als ungewiss.
Leider sind Sartre einige Gedankliche Fehler unterlaufen! In anderen Bereichen sind seine Vorstellungen zu ungenau. Versuchen wir mal eine Berichtigung:
Die Hölle ist tatsächlich ein Ort der Personen-Verwahrung, jedoch nicht für gestorbene. Die Verwahrten bekommen ihre Informationen nicht telepathisch, und alle im Raum bekommen die gleichen Informationen. Leider wird ein Raum auch nicht mit vier, sondern durchschnittlich mit 30 Personen belegt. Der Raum muss des weiteren alle 45 Minuten gewechselt werden. Mindestens in gleich hoher Frequenz drohen Prüfungssituationen. Die verwahrten Personen sind nicht aufeinander abgestimmt, sondern es bekommen rein per Zufall die unterschiedlichen Charaktere zusammen. Unsympathien und Konkurrenzverhalten kommen häufig vor.
Eine andere Art der Hölle beschreibt Rafik Schami. Er geht davon aus, dass die intelligenteren und interessanteren Menschen in die Hölle kommen, da alle langweiligen und unselbständigen dazu verdammt sind, auf kleinen Wölkchen umherzuschweben. Aus Gründen der Rohstoffknappheit mussten die Höllenbewohner zur selbsthilfe greifen und Technologien für erneuerbare Energiequellen entwickeln, um die Höllentemperatur auf einem angenehmen Niveau zu halten. Es entstand eine Kultur, sich nach seiner Neigung mit anderen zusammenzutun und in Gruppen zu kooperieren. Auch die Gruppen untereinander arbeiten zusammen und ergänzen sich.
Das Leben in der Hölle ist derart anregend und befriedigend, dass die Hölle vor Blicken und vor Lauschern abgeschirmt werden musste, da niemand mehr in den Himmel wollte. Um die Hölle herum werden seitdem mit Lautsprechern Schmerzensschreie verbreitet. Dichter Qualm vernebelt den Einblick und regelmäßig wird Schwefel verbrannt und Ammoniakwasser versprüht.
Leider ist mir diese Art der Hölle nicht bekannt, und wo sie punktuell entsteht, wird sie mit Hilfe der Bürokratie zurückgedrängt. Zudem scheint sie derart unvorstellbar zu sein, dass sie skeptisch betrachtet - und letztlich nicht gewünscht wird. Durch gemeinsam gebündelte Kräfte legt man sich doch auf Sartre's Hölle fest.
^^ written by Jack Stone
Re: satiren und columnen
unlimited - 28.09.2006, 20:06
jack/kilian/dirk, eine frage: wieso bist du lehrer an einer mittelgroßkleinstadt geworden?
mein rat: bewirb dich beim sz-magazin als nachfolgekolumnist für axel hacke, falls der dir ein begriff ist^^
ich find die texte genial, vor allem den über osmose und diffusion und den über das dönerdeutsch :lol:
nico würde sagen: fettes lob ;)
edit: und zur letzten geschichte:
Ein Mann kommt in die Hölle. Überall ist Party, es gibt Gratisdrinks, alle sind gut drauf. Er läuft ein bisschen herum, findet einen Sandstrand und trifft da den Teufel. Netter Typ, sie unterhalten sich ein bisschen und der Teufel führt den Mann rum. Sie laufen am Strand entlang, alles ist super. Nach einiger Zeit kommen sie an einen Zaun. Dhinter sieht man, wie Menschen misshandelt werden und hört Schmerzensschreie. Alles brennt und sieht unerträglich aus. Der Mann fragt den Teufel: "Was ist denn da los?" Der Teufel antwortet: "Das ist für die Katholiken. Die wollten das so."
is mir nur noch so eingefallen x)
Re: satiren und columnen
kilianpfeffer - 28.09.2006, 21:15
Verbale Scheiße
Die ersten Tiere besaßen nur eine Öffnung, die dazu diente, Nahrung in den Verdauungsraum aufzunehmen und die Reste wieder abzugeben. Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich eine zweite Öffnung, um die Fäkalien auf die entgegengesetzte Körperregion abzugeben.
Bei Schnecken, Insekten und Würmern erhielt der Verdauungsvorgang also eine Richtung.
Der ursprüngliche Mund schien jedoch zur Abgabe kommunikativer Geräusche wesentlich untauglicher zu sein, als der ursprüngliche After.
Zwei sprachgewandte Schnecken wären also gezwungen gewesen, sich ihre Ärsche zuzuwenden, um ein Gespräch zu führen. Es liegt nahe, anzunehmen, sie hätten sich dabei ausschließlich angeschissen. Die Kommunikation gestaltet sich dabei ausreichend unbefriedigend, dass plaudernde Schnecken im Endeffekt auch nicht beobachtbar sind.
Auch Gott muss auf diesen Mangel aufmerksam geworden sein, denn bei den restlichen Tieren drehte er die Verdauungsrichtung einfach um. Den ursprünglichen Ausgang umrahmte er mit einem Gesicht. Da er den Ausdruck "Arsch mit Ohren" zu unfreundlich fand, nannte er ihn "Kopf".
Schicklich ist es seither, den Popo zur Entsorgung zu nutzen, aber nicht über ihn zu reden.
Mitunter trifft man unter den Menschen jedoch auf Mutanten, die sich nicht nur gegenseitig ankotzen, sondern sich - in Schneckenmanier - sogar regelrecht anscheißen.
Neulichs hatte ich die Ehre, eine süße Schnecke kennenlernen zu dürfen, und verfolgte ein selbstoffenbarendes Gespräch, welches diese mit einer Freundin führte:
"... und dann kommt sie da mit ihren Freundinnen auf meine Party - ich meine - sie hatte da eigentlich garnichts zu suchen!
Als ich mit meiner Clique bei ihr aufgekreuzt bin, hat sie hinterher gesagt, dass wir uns da vollaufgeführt hätten! Und dann hat sie voll angefangen zu schimpfen, die Zicke!
Ich finde die voll unmöglich! Des is SO EIN ASSOZIALES biest und dann zieht sie VOLL ÜBER EINEN her und erzählt das rum!
MANN, das kann sie sich STECKEN, die trockene FOTZE!
Braucht garnicht denken, dass sie im Bekanntenkreis RUMSCHIMPFEN und anfangen muss, zu STÄNKERN! Ja? Also, wieso hat sie das DIR erzählt, das geht DICH ja eigentlich alles garnix AN!"
Leider merken Schnecken nicht, dass die Scheiße aus der falschen Öffnung quillt. Nennt man sie "Arschloch", provoziert das nur weiteren geistigen Durchfall. Einzige Möglichkeit: das Telefon. Sobald der Schließmuskel versagt, lege man auf. Rechtzeitig, bevor es dreckig wird.
*Geschichten basieren auf wahren Gegebenheiten, übrigens. Alle.*
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written by Jack Stone
Re: satiren und columnen
Aboukir - 28.09.2006, 21:40
erstens mal gj wie viel du geschrieben hast ^^ ich dachte ich finde heut kein buch mehr zum lesen
Re: satiren und columnen
kilianpfeffer - 08.10.2006, 19:07
Ach du heilige Scheiße!
Immer wieder kommt es vor, dass einen der Kommunikationszwang seiner Mitmenschen inspirierend oder meist unangenehm in seinen Bann zieht. Besondere Gelegenheiten bilden Situationen akustischer Schutzlosigkeit, in denen man keine weitere Beschäftigung vortäuschen kann. In eine solche Falle bin ich unfreiwillig getappt, durch das Bestellen eines Döners.
Ein Gast an einem der Tische des ansonsten leeren Lokals hielt sich schon in Warteposition, um zunächst die hier entstehenden Döner ob ihrer Bekömmlichkeit zu rühmen. Sein Vortrag erhielt jedoch nach einiger Zeit eine theologische Wendung und der bekömmliche Döner wurde zu einer der Grundpfeiler dessen, was man zu einem erfüllten Leben braucht.
Zunächst: Gott natürlich!
Dann: Gesundheit.
Außerdem: Die anderen Menschen! Ohne Menschen könne man nicht leben. Damit sei auch eine hübsche Frau gemeint, aber die warte bei ihm Zuhause.
Und schließlich: Die Natur.
Wenn man diese 4 Dinge habe, sei das eigentlich das Paradies.
"Ok, du Klugscheißer", dachte ich mir, "dein schlaues Geseier kann ich mit weniger Worten toppen!" Und ich ließ mich zu der folgenden Bemerkung hinreißen:
"Der Unterschied zwischen dem Paradies und dem Hier sei nur: Hier haben wir wesentlich mehr - und sind dadurch weniger glücklich!"
Kaum gesagt, schon waren alle Anwesenden glücklich. Der Lokalbesitzer freute sich, dass jemand seinen nervenden Stammgast ausgestochen hatte, der nervende Stammgast zeigte sogar Ansätze von Begeisterung, und ich war froh darüber, dass die Nervensäge darauf verzichtete, die Hände vor Begeisterung zusammenzuschlagen. Leider verzichtete er jedoch nicht darauf, sich weiterhin peinlich zu benehmen: "Das ist gut! Das kann ich sicher mal brauchen! Ich schreibe es mir auf!"
Der frühzeitig ergraute Mitvierziger wühlte seinen Terminplaner aus seiner Tasche. "So, nochmal bitte. Könntest du das diktieren?" An dieser Stelle blieb mir die Spucke weg. Mich bat jemand darum, ihm einen Satz zu diktieren!
"Der Unterschied..." Sowas hätte ich nicht erwartet, jemals zu erleben!
"... zwischen dem Paradies ..." Aber wenn ich jemanden glücklich machen kann, ...
"... und dieser Welt, ist ..." Schließlich ist kaum zu erwarten, dass der bedauernswerte Mittagspausen-Theologie-Seniorenstudent besonders viele Gelegenheiten hat, sich zu freuen. Ein hilfesuchender Blick auf den von mir sehnlichst erwarteten Döner half auch nicht.
"... dass wir hier wesentlich mehr haben ..." Seine Entstehung steckte noch im Anfangsstadium, und der Döner-Verkäufer hatte die Ruhe weg! Er ließ sich viel Zeit, wie immer.
"... als unbedingt nötig wäre, ..." Und ohne Döner einfach Reißaus nehmen, wollte ich nicht. Ich hatte schon gezahlt.
"... und gerade dadurch unglücklicher sind."
Wurde von mir auch erwartet, am nächsten Tag wieder vorbeizuschauen und abzufragen? Ich begnügte mich jedoch auf meine Unwissenheit in dieser Hinsicht und schwor mir, das Lokal in Zukunft zu meiden.
Die Döner hier waren mir entschieden zu arbeitsintensiv!
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written by Jack Stone
Re: satiren und columnen
Akumu13 - 08.10.2006, 20:42
ääh .... du bist Lehrer? Glaub ich dir net ...
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