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Re: Infos, wie wirken Anti-depressiva?
redtears - 28.08.2006, 09:33Infos, wie wirken Anti-depressiva?
Antidepressiva (Thymoleptika) sind Medikamente, die hauptsächlich gegen Depressionen aber auch z. B. bei Zwangsstörungen und Panikattacken sowie bei der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS, PTSD) eingesetzt werden.
Wirkung
Antidepressiva wirken stimmungsaufhellend (thymoleptisch) und können
* antriebssteigernd (thymeretisch)
* antriebsneutral oder
* antriebsdämpfend sowie
* beruhigend (sedierend) und angstlösend (anxiolytisch) wirken.
Der genaue Wirkungsmechanismus der Antidepressiva ist noch nicht abschließend geklärt. So weit bekannt ist, greifen Antidepressiva in die synaptische Erregungsübertragung des Gehirns ein und hemmen dort die Wiederaufnahme von Neurotransmittern aus dem synaptischen Spalt ins Nervenende. Dies betrifft die Neurotransmitter Serotonin und/oder Noradrenalin.
Die sogenannten MAO-Hemmer erhöhen durch die Blockade des Enzyms Monoaminooxidase die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin, Serotonin und z. T.Tyramin.
Antidepressiva wirken nicht sofort, sondern erst nach einigen Tagen bis Wochen. Die Gründe hierfür sind noch ungeklärt, da die Erhöhung der Neurotransmitterkonzentration schon nach wenigen Stunden einsetzt. Man vermutet eine allmähliche zelluläre Veränderung an der postsynaptischen Membran, d. h. Veränderungen an den Rezeptoren bzgl. Empfindlichkeit und Dichte (Beta-Down-Regulation). Die Besserung tritt also indirekt aufgrund von zellulären Veränderungsprozessen auf und nicht direkt durch die Medikamentengabe.
Falls es sich um antriebssteigernde Antidepressiva handelt, kann zu Beginn ein erhöhter Hang zur Selbsttötung bestehen, weil die antriebssteigernde Wirkung oft vor der Stimmungsaufhellung einsetzt. Eine Behandlung mit Antidepressiva sollte nach Möglichkeit "einschleichend" beginnen und "ausschleichend" beendet werden.
Grundsätzlich können Antidepressiva unabhängig von der Schwere einer Depression eingesetzt werden. Die durchschnittliche Responderquote (Ansprechen auf das Medikament) liegt bei etwa 70%, wobei gerade bei Depressionen psychodynamische Faktoren eine große Rolle spielen und es damit z. B. schwierig machen, die Placebowirkung eindeutig herauszufiltern.
Antidepressiva ersetzen normalerweise keine Psychotherapie, können aber möglicher Weise im Falle von schweren Depressionen eine solche erst ermöglichen, da in diesen Fällen die als Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie notwendige Ansprechbarkeit sonst oft nicht gegeben ist.
Nebenwirkungen
Während der Behandlung, je nach Art des eingesetzten Antidepressivums können auftreten:
* Kardiovaskuläre Störungen wie Blutdrucksenkung und Tachykardie, Herzrhythmusstörungen
* Verstopfung
* Schwierigkeiten beim Wasserlassen
* Schlafstörungen
* Zittern, Erregungszustände
* Mundtrockenheit
* Libidoverlust, Anorgasmie
* Gewichtszu-/abnahme
* Lichtempfindlichkeit der Haut (Johanniskraut)
* Pupillenerweiterung
* Übelkeit
* Taubheitsgefühle (Kopf)
Nach derzeitigem Wissensstand führt die Einnahme der Antidepressiva nicht zur Abhängigkeit, weshalb bei der Behandlung von Angstzuständen, wenn dies neben einer psychotherapeutischen Behandlung erforderlich erscheint, eher eines der geeigneten Antidepressiva (z. B. Clomipramin, mehrere SSRI) zu empfehlen ist als ein Medikament aus der Gruppe der Benzodiazepine (Tranquilizer) mit ihrem hohen Suchtpotenzial. Auch wenn SSRI nach der aktuellen DSM-IV Definition nicht abhängig machen, da sie kein Missbrauchspotential haben, können sie doch Absetzphänomene hervorrufen, welche teils auch schwerwiegend sein und über einen längeren Zeitraum auftreten können.
Eventuell ist mit Rebound-Effekten nach Absetzen zu rechnen, z. B. kann nach Absetzen eines beruhigenden Antidepressivums vorübergehend verstärkte Unruhe auftreten.
Sofern unter der Behandlung mit Antidepressiva eine depressive Phase abgeklungen ist, ist allerdings normalerweise mit einem problemlosen Absetzen zu rechnen, vor allem bei Medikamenten aus der SSRI-Gruppe. Dem steht folgender Bericht gegenüber:
Teilweise ist besonders bei den Antidepressiva der Wirkstoffgruppe SSRI, aber auch bei den neuesten Antidepressiva wie Mirtazapin mit erheblichen Absetzerscheinungen zu rechnen. Teilweise ist sogar von stromschlagähnlichen Schmerzen berichtet worden. Daher ist es unbedingt erforderlich diese über mehrere Wochen langsam auszuschleichen. Leider sind laut einer Umfrage diese Phänomene nur ca. 70% der Psychiater und 30% der Hausärzte bekannt. (Quelle u. a. Dr. Alexander Kretzschmar, Neurotransmitter Nr.10/2000)
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die bei Depressionen häufig bestehende Rückfallgefahr durch eine Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie gemindert wird, als durch die alleinige Gabe eines Medikaments.
Liebe Grüße Redtears
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