Engel fliegen einsam

Raumschiff 8693
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  • Forum: Raumschiff 8693
  • Forenbeschreibung: Hier könnt ihr Storys über die Killerpilze - aber natürlich auch andere Bands - schreiben
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  • Forum gestartet am: Montag 10.07.2006
  • Sprache: deutsch
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    Re: Engel fliegen einsam

    lilrose - 08.08.2006, 14:20

    Engel fliegen einsam
    also, ich poste die ff so weit wie sie is jetzt einfach erstmal in zwei teilen...wenn meine kreativität wieder zuschlägt, bemühe ich mich weiterzuschreiben

    1. Autor: me
    2. Art der Story: allgemein, love, tocuh of depri
    3. Hauptpersonen: emilia, killerpilze
    4. Rating: PG (14-)16
    5. Warnungen: bis jetzt keine...obwohl: knallharte realität^^
    6. Disclaimer: die killerpilze und die ganzen orte und der schwachsinn gehören nicht mir...
    7. Claimer: die emilia und das imaginäre max-blanck-gymnasium +rofl+

    anmerkung: ich bin kein fan, verzeiht mir dir sachfehler^^


    ENGEL FLIEGEN EINSAM

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    Eine Woche auf dieser gottverdammten Schule.
    Ich bin froh, am Freitagnachmittag endlich zu Hause auf meinem Bett zu liegen. Obwohl zu Hause relativ ist.
    Zu Hause, dass ist Berlin. Hier bin ich in Bayern.
    Weit weg von allem. Meiner besten und einzigen Freundin, meiner Welt, meinem Leben.
    Vor 2 Monaten hat sie es mir gesagt: "Schatz, wir müssen in ca. 1 Monat umziehen."
    Das waren die Worte meiner Mutter. Ich habe geweint, ja, aber ich habe nicht erwartet, dass es so die Hölle werden würde.
    Ich war schon immer eigen. Einsam oder "merkwürdig", wie sie mich hinter meinem Rücken nannten. In dem Glauben, ich würde es nicht merken.
    Doch das ist mein Leben, als Außenseiter. Und ich kann damit leben, doch hier schaffe ich es nicht mehr.
    Ich blicke an meinen Armen herab, noch ein paar blaue Flecke sind übrig. Ich sehe ihre lachenden Gesichter...Sara, Pascal, Viola und wie sie alle heißen.
    Warum machen sie so etwas mit mir? Ich tue doch niemandem etwas...

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    Montag. Ein neuer, vermutlich schrecklicher Tag an dieser Schule. Was steht mir heute bevor?
    In Trance laufe ich zum Badezimmerspiegel. Warum? Was haben sie für einen Grund? Nur das ich so still bin und nicht gerne im Mittelpunkt stehe?
    Ist es das Aussehen?
    Ich betrachte mich genauer im Spiegel. Lange, aber nicht ganz glatte, schwarze Haare, grau-grüne Augen, helle Haut.
    Komisch schaue ich schon aus. Ein wenig zu dünn auch.
    Meine Klamotten sind nicht unbedingt herausstechend: Eine lockere Schlagjeans, schwarze Chucks und ein grünes Top.
    Ich knalle die Tür hinter mir zu und begebe mich auf dem Fußweg zu meiner persönlichen Hölle. Je näher die Aufschrift "Max-Blanck-Gymnasium kommt, desto langsamer werden meine Schritte. Der Drang überkommt mich, zurück zu rennen, doch ich bin niemand, der weglaufen kann. Ich muss mich wehren, auch wenn ich es gegen eine ganze Klasse nicht kann.
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    Ich betrete die Klasse und wieder sind alle Augen auf mich gerichtet.
    Sara flüstert diesem Jo etwas zu und mit einem Mal fängt die gesamte Klasse wieder an, laut loszuprusten.
    Gott, diese billigen Möchtegern-models fahren alle auf diesen Typen Namens Jo ab. Nicht, dass ich ihm nicht auch an meinem ersten Tag hier mit Stielaugen hinterhergeklotzt hätte, dennoch kann ich nicht anders als ihn einfach zu hassen. Warum sollte ich ihn auch mögen? Er hilft mir ja auch nicht einmal. Keiner hilft mir. Warum auch?
    Mit starrem Blick und abgewandtem Gesicht laufe ich auf meinen Platz hinten in der Ecke zu und versuche wie immer, meine Mitschüler nicht zu beachten, die "Unnahbare" für sie zu sein.
    So lange sie keine körperliche Gewalt gegen mich verwenden oder ihre Zigaretten auf mir ausdrücken, ignoriere ich sie.
    Sicher, ich könnte jetzt losheulen oder sowas, aber es ist fast so als würde mich das alles zu traurig machen, als dass ich auch nur eine Träne herausbekommen würde. Wie unter Schock...
    Zu Hause weine ich oft...im Dunkeln, nachts, wenn mich niemand hören kann.
    Hier will mich niemand hören.
    Ich will hier raus. Will zurück. Nach Berlin, in meine Welt.
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    Die Pause beginnt. Für mich die schlimmste Zeit während der Schule...
    Oft schon habe ich gebeten, im Klassenraum bleiben zu dürfen, doch es gibt kein Entkommen für mich.
    Ratlos setze ich einen Fuß vor den andern, entferne mich nur langsam von der Tür unseres Klassenraums. Wo soll ich hingehen? Ich habe niemanden, an den ich mich halte kann und am liebsten würde ich niemandem in diesem Flur begegnen.
    Ich könnte mich auf der Toilette einschließen, doch dann habe ich das Problem erstmal herein und danach heraus zu kommen. Denn dort treffe ich immer auf eine Überzahl von den schlimmsten Mädchen aus meiner Klasse.
    Diese Erfahrung habe ich gleich an meinem zweiten Tag hier gemacht.
    Die Clique der "coolen" aus meiner Klasse kommt mir entgegengeschlendert. Und wie befürchtet kleben alle Mädels an Jo und tun alles mögliche, um ihn zu beeindrucken.
    So schrecklich wie er ist, wirkt er auf einen überhaupt nicht. Er hat eine kleine Schülerband mit 2 anderen aus meine Klasse und seinem kleinen Bruder. Mir gefällt ihre Musik, ich habe sie schon oft im Musikraum proben hören. Aber das werden sie nie erfahren....
    "Sieh mal an, wer da schon wieder ist, unser kleiner Phsycho."
    Viola gackert lauthals. Ich schweige, wie immer.
    Im Vorbeigehen tritt mir Sara mit voller Wucht gegen mein Schienbein.
    Wie vom Blitz getroffen wirble ich herum
    "Hey, was soll das?!"
    Ich schubse sie leicht, damit sie mich ansieht.
    Marvin packt mich an den Handgelenken. Ich versuche mich loszureißen, doch es ist sinnlos, dass weiß ich. Schließlich trainiert er eine Stunde täglich.
    "Will unser kleiner Phsycho etwa aufmucken? Da hast du dich geschnitten, Schätzchen."
    Sie boxt mir einmal mit voller Wucht in den Bauch, so dass ich mich vor Schmerzen krümme und erst einmal Luft schnappen muss.
    Zufrieden lächelt sie mich an.
    "Ich hoffe, du lernst daraus."
    Neben ihr kichert Viola wieder los.
    Da ich in meiner Bewegung noch immer eingeschränkt bin Spucke ich Sara mit vollem Hass ins Gesicht. Ich wehre mich tatsächlich immer noch, mittlerweile sollte ich daraus gelernt haben. Ich spüre ein paar dumpfe Schläge, meine Augen sind geschlossen, während ich mit jedem Schlag tiefer in Marvins Arme sinke, die mich noch immer fest umklammern, um Sara eine Freikarte zum Draufschlagen zu gewähren. Ich glaube weder Viola noch Jo schlagen auf mich ein, doch sicher stehen sie wie immer daneben und betrachten das ganze wie im Kino. Lehrer kommen in solchen Gängen nie vorbei, das weiß ich.
    Ich versuche mit meinen Beinen aus zu treten. Ein weiterer harter Schlag trifft gegen meine Schläfe, meine Beine zittern, ich kann fast nicht mehr alleine auf ihnen stehen.
    Ein gongendes Geräusch ertönt, die Pause ist zu Ende. Der Druck um meine Arme lässt nach, ich bleibe auf dem Boden liegen. Die nächste Stunde verbringe ich nicht im Klassenraum. Ich schleife mich unter leisen Tränen auf die Toilette.
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    ------
    Die sechste und letzte Schulstunde am heutigen Tag.
    Kein Wort habe ich heute im Unterricht gesprochen. Stattdessen beschäftige ich mich gedankenverloren ausgiebig mit meinem Block und dem Kugelschreiber.
    Ich schreibe einzelne Worte, eigene Gedichte, Songtexte meiner Lieblingsbands, die mir im Kopf umherschwimmen und zeichne...Einen See, daneben eine alte Trauerweide, ein Mädchen und ein Junge, beide durchnässt vom Regen, die sich in die Augen schauen...
    Ich falle vor Schreck fast vom Stuhl, als sich plötzlich Jo eine Reihe vor mir zu mir umdreht und mich anspricht.
    "Hey. Alles ok bei dir."
    Dieses gigantische *zensiert*. Ein asoziales Dreckskind ist das.
    Hätte er vorhin nicht grinsend daneben gestanden wär es ja echt mal eine nette Aufmerksamkeit gewesen. Hat der Kerl sie noch alle?
    Schweigend und starr sehe ich ihn an. Er fängt an zu stottern.
    "Oh, sorry, ähmm...klar...das, das war nicht so gemeint."
    Er schlägt sich leicht mit der Hand gegen die Stirn.
    "Ist schon klar."
    murmle ich nicht überzeugt und etwas giftig. Entweder es war ernst gemeint oder er macht sich über mich lustig. Und wenn man in diesen Gedanken einbezieht , wie er sich sonst mir gegenüber verhält....
    "EMILIA! Wirst du jetzt wohl ruhig sein!"
    donnert mir mein Lehrer entgegen und schüttelt daraufhin den Kopf.
    "Sorry" höre ich Jo noch leise flüstern, bevor er sich wieder nach vorne umdreht.
    Kurz darauf kommt mir ein Zettel entgegen geflogen.
    'Ich wollte mich noch für die Aktion von vorhin entschuldigen.
    Das war nicht ok von uns. Deswegen wollte ich dich Fragen ob du nachher zur Bandprobe bleiben willst und ich dir danach ne Cola spendiere'
    Was soll das für eine Teufelei werden? Der glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich ihm das abkaufe. Toller Trick....
    Als ich wieder aufblicke sehe ich Jos fragendes Gesicht etwa einen Meter vor mir. Ich schüttle nur ruhig den Kopf...
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    bin gespannt auf eure meinung dazu, poste dann auch den rest...



    Re: Engel fliegen einsam

    Tuomari - 08.08.2006, 14:35


    Weite bitte deinen Header noch aus und ändere die Groß- und Kleinschreibung in deinem Titel...

    Danke :wink:



    Re: Engel fliegen einsam

    Yunchen - 22.08.2006, 21:54


    die story ist echt gut, machst du bitte weiter?!



    Re: Engel fliegen einsam

    lilrose - 24.08.2006, 11:07


    +den rest rauskram+ ^^
    danke natürlich für kommi xD

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    Mit offenen Augen liege ich auf meinem Bett.
    Ich sollte endlich aufstehen, in einer halben Stunde muss ich in der Schule sein. Doch dieses Mal habe ich wirklich Angst. Ich hab das Gefühl die machen mich körperlich fertig, mir tut ja jetzt schon alles weh. Ich will nicht so gedemütigt werden.
    Jo hätte mich gestern fast zu seiner verfluchten Bandprobe mitgeschliffen. Das gibt mir zu Denken. Schließlich weiß ich, dass er mich wie die anderen hasst. Ich möchte mal wissen, wo der mich wirklich hinstecken wollte. In die nächste Mülltonne? Wer weiß es...
    Vielleicht auch nur psychischer Krieg, schließlich bin ich ja der ‚kleine Psycho’. Sara hätte sich gewiss gefreut...
    Heute kommt mir der Weg noch viel kürzer vor als sonst. Eine viertel Stunde brauche ich dafür eigentlich schon, und jetzt bin ich schon am Waldrand, der direkt an den Schulhof grenzt.
    Irgendetwas reißt mich von den Beinen, schallendes Gelächter durchdringt meine Ohren.
    Unsicher stehe ich auf. Eine leichte Panik überkommt mich, als ich mich umsehe: Um mich herum stehen etwa zehn Leute im Kreis. Einige kenne ich, aus meiner Klasse, darunter auch Sara und Marvin. Einige sind aus Parallelklassen und zwei der Gesichter sind mir gänzlich unbekannt. Ich fühle was kommt...
    Man kann mein rasches Atmen deutlich hören.
    „Na Psyho? Hast du Angst?“
    Sekunden, Minuten, Stunden...ich weiß es nicht, vergehen, in denen es Totenstill ist.
    „Was ist los mit dir? Muss man dich zum Reden zwingen?“
    Ein Stoß von Sara befördert mich zwei Schritte weiter zurück. Das selbe Spiel wie gestern: Ich wehre mich und schneide mir damit ins eigene Fleisch.
    Einer der mir unbekannten Personen hält mich fest und drückt seine brennende Kippe auf meinem Unterarm aus. Ich schreie laut auf, wofür die Antwort noch mehr Gelächter ist.
    Wie ein Ping-Pong Ball werde ich zwischen ihnen hin und her geschubst, zwischendurch getreten, geschlagen und beleidigt. Und mit jedem Versuch meinerseits, etwas dagegen zu tun, verschlimmert es alles nur noch mehr.
    Ich liege auf dem Boden, spüre einen Tritt in meinen Magen, bin schon fast von den Schmerzen betäubt, als ich wie weit entfernt eine Stimme rufen höre.
    „Hey! Hört auf damit!“
    ...“Habt ihr nicht gehört? Ihr sollt sie in Ruhe lassen verdammt!“
    Ich wage es nicht, mich zu rühren und bleibe auf dem Boden liegen, bis ich etwas an meiner Schulter spüre.
    Wieder einmal blicke ich in Jos Gesicht und es verwirrt mich noch mehr.
    „Geht’s?“
    Ich bemühe mich, mich aufzusetzen.
    „Können wir doch noch mal vielleicht über die spendierte Cola reden?“
    Er streckt mir seine Hand entgegen. Was will der Typ? Aber ich habe ihm was zu verdanken.
    „Ok, aber nur als Dank für eben.“
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    Ich kann nicht anders, als während dem gemeinsamen Weg mit Jo nach der Schule mir die ganze Zeit Gedanken über sein plötzliches Verhalten mir gegenüber zu machen.
    Es verwirrt mich.
    Das Café, in das wir gehen wollen, ist gerade mal um die 500 Meter von unserer Schule entfernt. Den ganzen Weg über betrachtet Jo skeptisch, fast schon mitleidig meine Vielzahl an blauen Flecken und die Kratzer in meinem Gesicht.
    Ja, was denkt der denn, wie sich die ständigen Schläge auswirken sollen?
    Letzte Woche, als meine Mutter abends nach Hause kam, habe ich ihr noch erzählt, ich hätte einen kleinen Fahrradunfall gehabt. Sie war zu diesem Zeitpunkt schon skeptisch, doch die Wunden von heute kauft mir niemand mehr als Fahrradunfall ab.
    Ich weiß noch nicht, was ich tun soll. Ich würde es meiner Mutter einerseits gerne erzählen, andererseits würde sie darauf bestehen, das an die Schulleitung weiterzugeben. Und die Reaktion der Klasse darauf will ich gar nicht erst abwarten.
    Irgendwie ist es mir ein wenig unwohl, zu wissen mit einen von ihnen wie beste Freunde mal auf eine Unterhaltung eine Cola trinken zu gehen. Was hat der vor? Wieso hat er das heute morgen getan? War es wirklich ein gutes Wesen in ihm? Ich kann mir selbst diese Frage nicht beantworten.
    Es ist lange her, dass ich mit irgendjemanden mal nachmittags was unternommen habe. Auch wenn es nur eine Cola ist.
    In Berlin habe ich viele lustige Nachmittage mit meiner besten Freundin verbracht. In der Fußgängerzone einkaufen, Kino, Eis essen oder auch einfach nur zu Hause sitzen und reden.
    Egal, was es war, ich weiß vor allem jetzt, wie wichtig diese Person für mich war. Aber zurzeit ist sie am anderen Ende Deutschlands. Auch in Berlin war ich eher ein Außenseiter.
    Aber glücklich. Ich war lebensfroh, habe ein normales Leben geführt.
    Wann habe ich das letzte Mal gelacht? Ich weiß es nicht. Ich kann mich an keinen glücklichen Moment erinnern, seit dem ich hier bin. Früher habe ich viel gelacht. Viele Abende gab es, an denen ich mit rotem Kopf vor Lachen nach Hause kam.
    „Ist alles ok mit dir?“
    wirft Jo mich aus meinen Gedanken. Wir sind bereits vor dem Café angekommen
    „Jaja, schon. Ich hab nur....nachgedacht. Warum?“
    Jetzt erst bemerke ich, dass sich langsam aber sicher, Tränen in meinen Augen gesammelt haben.
    „Du siehst extrem blass und krank aus. Außerdem hast du jetzt den ganzen Weg mit glasigen Augen auf den Boden geschaut.“
    War das so offensichtlich? Das trifft mich ein wenig hart, so damit konfrontiert zu werden. Ein wenig hilflos versuche ich mich wieder zu fangen.
    „Lass...lass uns einfach reingehen oder?“
    Er holt für jeden von uns eine Cola und wir setzen uns in die hintere Ecke. Während ich sachte daran nippe, spricht einige Zeit keiner von uns ein Wort, bis Jo erneut versucht, ein Gespräch zu beginnen und direkt auf den Wunden Punkt trifft.
    „Weiß denn deine Mutter nichts von alldem?“
    Er deutet unsicher auf die blauen Flecke. Ich schüttle den Kopf. Ich kann ihm in seiner gutmütigen Sache noch immer nicht glauben.
    Nach 5 Minuten haben wir es tatsächlich geschafft, das Thema zu wechseln und uns wie normale Menschen zu unterhalten.
    Ich lasse mich fallen. Ich kann nicht anders, ich muss naiv sein und ihm die ganze Kumpeltour abkaufen. Einfach, weil ich es so brauche. Es tut mir einfach gut, mich jetzt so mit jemandem zu unterhalten. So gut ist es mir noch nie ergangen, seit dem ich hier bin.
    Ich will einfach, dass das ganze real ist. Will es genießen. Auch wenn es mehr als naiv ist und ich tief im Inneren glaube, es noch zu bereuen...
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    Ich bin mehr als verwirrt. Auf der einen Seite bin ich so glücklich seit heute Nachmittag, dass ich singend durch die Wohnung hüpfen könnte, auf der anderen Seite habe ich im nachhinein doch wieder ein schlechtes Gefühl, dass meine Stimmung etwas drückt.
    Es ist einfach so irreal, so vollkommen gegen irgendeinen Sinn.
    Das habe ich auch meiner besten Freundin in einem Brief geschrieben, den ich so schnell wie möglich zu Post gebracht habe. Schließlich habe ich versprochen, ihr zu schreiben und unsere Freundschaft nicht einreißen zu lassen. Trotzdem habe ich bis jetzt noch kein einziges mal mit ihr telefoniert. Obwohl oder auch gerade weil ich sie so vermisse.
    Besuchen kann ich sie außerhalb der Ferien ja schlecht, bei über 6 Stunden Autofahrt.
    Um fünf Uhr kommt meine Mutter nach Hause. Ich habe beschlossen, ihr eine Nachricht zu schreiben, dass ich mich nicht wohl fühle und schlafe.
    Ich will ihr nicht unter die Augen treten. Morgen früh ist sie sowieso schon arbeiten, wenn ich zur Schule muss, das hab ich in ihrem Wochenplan nachgesehen.
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    Ich laufe. Eigentlich genieße ich es, für eine viertel Stunde nur einen Fuß vor den anderen zu setzen und einfach die ganze Ruhe zu haben. Wenn da nur nicht immer diese Angst wäre.
    Hinter dem nächsten Busch, an der nächsten Wegabzweigung, überall kann das Unglück auf mich warten. Hinter mir? Rasche Schritte, die näher in meine Richtung kommen.
    Ich drehe mich nicht um, beschleunige meine Schritte. Bis zur Schule sind es noch knappe 200 Meter.
    „Emilia!“
    Mein Herz bleibt fast stehen. Es ist Jo, und er hat mich bei meinem Namen genannt. Wie gut es tun kann, meinen Namen zu hören, wusste ich gar nicht. Ich drehe mich um und schenke ihm ein halbherziges Lächeln. Sanft lächelt er zurück.
    „Wie geht’s dir?“
    „Gut danke.“
    Gebe ich zurück. Mir brennt etwas ganz anderes auf der Zunge. Eine Frage, die mich schon eine ganze Weile verfolgt. ‚Warum tust du das?’
    Warum bist du auf einmal so nett zu mir? Warum stellst du dich gegen deine Freunde um mir zu helfen? Warum du? Wie kann es sein, dass du auf einmal die Seite wechselst?
    Doch all dies traue ich mich nicht recht zu fragen. Ich weiß nicht, was die Antwort sein wird, wie er darauf reagiert. Ich will nicht, dass er sich in irgend einer Weise wieder von mir abwendet, will nichts falsches sagen. Außerdem habe ich Angst vor der Antwort. Denn Unwissendheit bedeutet Angst...
    Die Anwesendheit von Jo an meiner Seite zeigt große Wirkung. Während ich mit ihm über unseren Schulhof laufe, fühle ich mich wie ein anderer Mensch an dieser Schule.
    Keine Beleidigungen, keine Schläge oder Tritte, niemand der mich fertig machen will.
    Jo gibt mir Sicherheit und Schutz, keiner wagt es gegen ihn zu sprechen. Es ist wie eine Art Rangordnung. Er stellt sich auf meine Seite und bewahrt mich vor dem alltäglichen Grauen, das meine Mitschüler mit sich bringen, er ist ein Schutzengel für mich und das danke ich ihm so sehr, dass es sich keiner vorstellen kann, der dieses Gefühl nicht selber kennt.
    „Jo?“
    „Hmmm?“
    „Danke.“
    Verdutzt sieht er mich an, bleibt stehen.
    „Wofür?“
    „Für alles.“
    Für ihn sind wir eben nur über den Schulhof gelaufen, für mich war es eine Rettung, eine Wiedergeburt, eine Hand, die mich aus einem schwarzen Loch gezogen hat.
    ----
    ---
    „Hey du kleine Schlampe!“
    Verdammte scheiße. Mein Herz überschlägt sich einmal, mein Gehirn schaltet auf ‚Standby’ .
    Die Pause. Warum immer wieder? Immer wieder allein, verfolgt, schutzlos als Opfer ausgeliefert.
    Ich renne, das einzige, was mein Gehirn mir mitteilen konnte: ‚Renn, verschwinde!’
    Panisch renne ich ohne irgendeinen Plan durch die leeren Gänge, während jeder Schritt an den Wänden wiederhallt. Sara höre ich noch etwas rufen, doch sie ist jetzt weiter weg.
    Entsetzt bleibe ich stehen.
    „Nein.“
    Flüstere ich vor mich hin.
    „Nein, nein, bitte nicht.“
    Ich stehe vor einer Wand, komme nicht mehr aus der Sackgasse. Wie ein Tier, in eine Falle gelockt ohne Ausweg. Verzweifelt schlage ich mit der flachen Hand gegen die Wand, als ob ich nach einem Weg suchen würde. Einen Spalt, ein Winkel, irgendetwas.
    Doch ich weiß, jetzt bin ich gefangen, ohne eine Fluchtmöglichkeit. Ein Käfig.
    Sara kommt mit einem selbstbewussten Schritt und einem arroganten Grinsen auf dem Gesicht immer näher.
    „Na? Gefangen?“
    Aber sie ist allein. Mit ihr allein werde ich fertig. Das ist kein Problem. Und das bestärkt mich und baut mein Selbstbewusstsein auf.
    „Wo ist das Geld?“
    Schreit sie mich an. Ich weiß nicht warum, aber sie scheint dringend Geld zu brauchen, deswegen erpresst sie mich. Wahrscheinlich kam ich ihr als Außenseiter gerade gut gelegen.
    „Hey! Ich hab dich was gefragt!“
    „Und ich hab dir gesagt-“
    Whumm. Die Ohrfeige hat gesessen. Schmerztrunken halte ich meine brennende Wange, will mich auf einen Rückangriff vorbereiten.
    Doch auch Sara weiß, dass sie mit mir allein nicht fertig wird. Eins, zwei, drei Personen erscheinen aus dem Nebengang. Drei Jungs, alle einen guten Kopf größer als ich und recht kräftig gebaut.
    Ich mache ein paar Schritte weiter nach hinten, stoße mit meinem Rücken gegen die Wand. Mein ganzer Körper zittert. Ich will um Hilfe schreien, doch wer soll mich jetzt schon hören? Wer will mich denn schon hören?
    „Jo.“ Spreche ich aus, ohne mich selbst wirklich zu verstehen.
    „Ohoh. Jo wird dir jetzt leider auch nicht helfen. Du bist allein. Keiner interessiert sich für dich.“
    „Hör auf damit!“
    Sara legt ihren Kopf leicht schief.
    „Womit? Tut dir die Wahrheit etwa weh?“
    „Das ist nicht die Wahrheit.“
    Schleudere ich ihr entgegen, ohne davon selbst noch überzeugt zu sein. Eigentlich trifft mich jedes Wort von Sara wie ein Faustschlag direkt ins Gesicht.
    Mit einem Ruck knalle ich mit dem Hinterkopf gegen die Wand, verliere die Orientierung, komme ins Schwanken. Ein heftiger Schlag gegen meine Schläfe und ich taumle in Richtung Boden.
    Ich bleibe liegen, will nur das es aufhört. Wie eine Hülle, der man ihren Inhalt genommen hat.
    Irgendjemand nimmt sich mein Kleingeld aus meiner Hosentasche, dann verschwinden sie.
    Ich fühle mich dreckig und wertlos. Ich bin fertig, ausgelaugt. Sie haben gewonnen. Und diesmal nicht nur die Schlacht, sondern den Krieg...
    Das nächste, was ich wahrnehme, ist eine Hand, die mir sanft eine Strähne aus meinem Gesicht streicht.
    Jo kniet neben mir, seine Miene ist ernst und leicht angesäuert.
    Ich setze mich vorsichtig auf, mein Körper fühlt sich schrecklich taub und schwer an. Ich senke meinen Blick.
    „Warum...warum tun sie das?“
    Gebe ich recht kümmerlich von mir und zeige zum ersten Mal offen meine Schwäche: Ich weine. Ich lasse es einfach zu. Träne für Träne löst sich und läuft nun meine Wange herunter und ich wage es, Jo in die Augen zu sehen.
    Er legt seinen Arm um mich, streicht mir der freien Hand beruhigend über meinen Kopf.
    „Wir müssen zur Schulleitung, dass geht so nicht...“
    „-Nein!“
    antworte ich abrupt und lockere unsere Haltung leicht um Jo in die Augen sehen zu können. Alles nur das nicht. Auf gar keinen Fall.
    „OK...“
    --------
    Ich habe mich überreden lassen, nach der Schule mit zu Jos Bandprobe zu gehen.
    Ich habe Vertrauen gefasst, besonders seit der Pause heute fühle ich mich mit ihm viel verbundener, er gibt mir ein gutes Gefühl, auch wenn ich ihm dafür nichts zurück geben kann.
    Ich weiß noch immer nicht, warum er es tut, doch ich habe beschlossen, dass dies erst einmal unwichtig ist und im Hintergrund steht. Vielleicht, irgendwann werde ich es erfahren.
    Also leihe ich mir nach der Schule sein Handy, um meiner Mutter eine SMS zu schreiben. Sie wird sich bestimmt für mich freuen, wenn sie denkt, dass ich schnell viele neue Freunde bekommen habe.
    Jo wohnt nicht weit entfernt, auf dem Weg unterhalten wir uns über mein altes zu Hause: Berlin.
    Die Erinnerungen schmerzen, aber trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen will ich mit Jo offen darüber reden. Ich nehme mir vor, heute noch endlich meine beste Freundin anzurufen, denn mittlerweile habe ich ein sehr schweres Gewissen. Es sind jetzt immerhin fast zwei Wochen in denen wir uns nicht gesehen haben und ich hatte ihr versprochen, sie schnellstmöglich anzurufen und ihr alles zu erzählen. Sie kommt sich ganz sicher auch schrecklich verarscht von mir vor...
    Das Haus von Jos Eltern gefällt mir sehr gut. Es ist zwar nicht besonders groß und ‚nur’ ein Reihenhaus, doch es hat einen sehr schönen, sorgfältig angelegten Vorgarten, ist komplett weiß gestrichen und hat leuchtend rote Dachziegeln. Allein schon von außen wirkt es schon so einladend und fröhlich. Die Bandprobe ist bereits in einer dreiviertel Stunde, also werden wir nicht sehr viel Zeit hier verbringen.
    Auch von Innen sagt mir das Haus sehr zu und wirkt zu meiner Verwunderung um einiges größer als man von Außen denken würde.
    „JO?!!“
    brüllt eine Stimmer von dem oberem Stockwerk herunter. Ich nehme an, dass es Jos kleiner Bruder ist. Von oben höre ich ein leises knacken der Holzstufen, als ein kleiner Kerl die Stufen heruntergetrampelt kommt.
    „Mum ist einkaufen, ich hab Pizza in den Ofen geschoben...-oh, holla du hast mir ja gar nicht erzählt, dass du eine neue Freundin hast.“
    Er grinst mich frech an und scannt abschätzend meinen Körper, lässt die Augen einmal komplett über mich wandern.
    Irgendwie hat er etwas sehr liebenswertes an sich, auch wenn er so klein und frech ist. Ich habe mir früher immer einen kleinen Bruder gewünscht.
    Jo wirft ihm einen tötenden Blick zu und für eine Sekunde läuft irgendeine Art von stummer Konversation zwischen den beiden, die ich als Außenstehender nicht begreifen kann.
    „Fabi, sie ist nicht meine Freundin.“
    „Achso, na dann, ich geh dann mal wieder.“
    Er zwinkert mir noch einmal zu, flitzt dann wieder die Treppen hinauf, während Jo künstlich genervt mit den Augen rollt und mich dann anlächelt.
    „Pizza?“
    Ich nicke.
    „Gerne, aber ähmm...Jo?“
    Ich möchte ihn noch um etwas bitten, doch es fällt mir etwas schwer mich zu überwinden ihn so etwas zu fragen. Ich will nicht so zur Bandprobe, ich würde mich irgendwie schämen.
    „Kann ich... ähm, naja sieh dir mein blaues Auge mal an...“
    „Schon klar, kein Problem, links ist das Bad, im Schrank müsstest du jede Menge Zeugs dafür von meiner Mutter finden, bedien dich ruhig“
    Dafür könnte ich ihn grad einmal kräftig umarmen, ich habe nicht viele Menschen getroffen die so verständnisvoll und aufmunternd mit mir umgegangen sind.
    ----



    Re: Engel fliegen einsam

    Yunchen - 24.08.2006, 13:46


    Och gottchen die tut mir voll leid!
    mach bitte schnell weiter :bussi



    Re: Engel fliegen einsam

    lilrose - 27.08.2006, 18:16


    danke danke^^

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    Das merkwürdige Gefühl in meiner Magengegend, als wir uns wenig später, den kleinen Fabi natürlich auch im Schlepptau, wieder auf den Weg Richtung Max-Blank-Gymnasium machen, würde ich als eine merkwürdige Mischung von Freude und Nervosität beschreiben.
    Ich kenne die andern beiden Jungs nicht, ich habe sie lediglich einmal aus der Ferne sehen können.
    Und ich bin mir immer bewusst, dass die meisten Menschen besonders auf im ersten Moment nicht besonders gut mit mir klar kommen. Meistens stoße ich bei fremden Leuten auf Ablehnung und Distanz, womit ich auch leben kann und muss, doch irgendwie ist es mir bei ihnen besonders wichtig, von ihnen gemocht zu werden.
    Vielleicht, weil es Jos Freunde sind, ich weiß es nicht genau.
    Doch selbst diese mulmige Nervosität kann meine Glücksgefühle nicht ganz verdrängen und mich von der rosaroten Wolke stoßen, auf der ich seit kurzem schwebe.
    Es ist als hätte Jo bei mir meine ganzen weggeschlossenen Glückshormone mit einen Mal frei gelassen, welche jetzt ihre Freiheit in meinem ganzen Körper feiern.
    Er hat für mich in dieser Zeit sehr viel an Bedeutung zugenommen und ist zu einem liebenswerten Menschen in meinen Augen geworden.
    Zum ersten Mal kommt mir die Idee, dass es für das alles vielleicht gar keinen Grund geben muss...
    Ich schrecke leicht auf, als ich feststelle, dass wir bereits angekommen sind und die beiden Jungs gradewegs auf uns zugelaufen kommen.
    Jo ergreif kurzerhand die Initiative und stellt mich den beiden vor.
    Mein Herz wird mir regelrecht um einige Kilos leichter, als der erste mit dem frechem Lockenkopf , ‚Mäx’, mir lächelnd seine Hand entgegen streckt. Für mich hat er etwas sehr sympathisches an sich.
    ‚Schlagi’ streckt mir ebenfalls höflich seine Hand entgegen und auch ich kann beruhigt lächeln und platziere mich auf einem Fensterbrett des alten Musikraums unserer Schule.
    Die vier Jungs stimmen ihre Instrumente und setzen zum ersten Lied an.
    Es ist das Lied, dass ich schon einmal gehört habe, als ich ihnen bei ihren Proben zugehört habe.
    Es gefällt mir sehr gut, doch konzentriere ich mich nach einer Zeit mehr auf Jo und seine Bewegungen als auf irgendetwas anderes. Wie so oft, blickt er mit einem Mal mit seinen leuchtenden Augen in meine Richtung und grinst mich leicht an.
    Und es ist das erste Mal, dass ich diesen Gedanken an mich selbst richte: Ich liebe Jo.
    ---



    Re: Engel fliegen einsam

    Yunchen - 27.08.2006, 19:38


    Wie ich finde ein sehr schöner teil ^^ also schnell weiter xD



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