Das "Seydel" als Mode-Eigenart des Wiener Spätmitt

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    Re: Das "Seydel" als Mode-Eigenart des Wiener Spätmitt

    firiel - 05.03.2010, 14:21

    Das "Seydel" als Mode-Eigenart des Wiener Spätmitt
    Ich bin beim Durchlesen des Ausstellungskatalog des Historischen Museums der Stadt Wien zum Thema "Wien im Mittelalter" (1976) auf folgende Passage gestoßen was die Kleidung in Wien betrifft:

    Zitat: "Eine Wiener Eigenart war der "Seidel", ein ärmelloser, kurzer Mantel, der in den Verlassenschaften häufig aufscheint."

    Meine Recherchen haben dann noch folgendes ergeben, wenn auch etwas unproduktiv, was eine Rekonstruktion betrifft:

    Das histor. Museum Wien gab folgende Antwort dazu:

    Zitat: Bezugnehmend auf Ihre Anfrage, muss ich Ihnen leider mitteilen in der Bibliothek der Modesammlung nichts über den "Seidel" gefunden habe.
    Gerne können Sie unsere Bibliothek im Schloss Hetzendorf 1120 Wien Hetzendorferstrasse 79 rechter Flügel von Montag bis Freitag
    von 08:00 bis 16:00 für Recherchen benützen, um europäische Vergleiche anzustellen.
    Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass Ihnen das Institut für mittelalterliche Realienkunde ( s. Anlage) in Krems weiterhelfen kann.

    Mit freundlichen Grüßen
    Regina Karner

    17.2.2010


    Die Antwort aus Krems vom 19.2.2010:
    Zitat:
    der "Seidel" wird zwar in Inventaren und Rechnungen immer wieder genannt,
    über sein konkretes Aussehen sind wir aber nicht ausreichend informiert.
    (Harry Kühnel [Hrsg.], Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung, Stuttgart
    1992, S. 234f.)
    Belegstellen finden sich z. B. in den Wiener Städtebüchern - dort können
    Sie auch ersehen, dass unterschiedlichste Formen, Träger, Material mit
    diesem Begriff in Verbindung gebracht werden. (Sie finden das Sachregister
    der Wiener Städtebücher auf unserer homepage unter:
    www.imareal.oeaw.ac.at -> Aktuelles -> Wr. Stadtbücher Register ->
    Realienkundliches Sachregister -> Seidel)

    Isabella Nicka


    Und am selben Tag antwortete auch Andreas Bichler von HistoriaVivens1300


    Zitat: Es tritt in den österreichischen testamentarischen Überlieferungen regelmäßig auf. Nach G. Jaritz ergibt sich allerdings die Situation dieses übliche Kleidungsstück weder genauer beschreiben zu können, noch es in bildlichen Darstellungen als solches erkennen zu können. Nach Schlager, Urkundliche Notizen über die Wiener Kleidertracht vom Jahre 1396 bis 1430, In: ders., Wiener Skizzen des Mittelalters NF III, Wien 1846, S.310ff, gibt es folgende Beschreibung: „Der Seidl erscheint dagegen als die allgemeinste Tracht für beide Geschlechter von Jung und Alt,[…] Wir könnten hunderte von ausdrücklich bezeichneten täglichen Seydln und wieder anderen Seydl hier anführen, die fast in jedem Wiener Testamente genannt werden.[…] Der Seydl hat sich schon Ende des 15. Jh. allmählich zur Schaube umgewandelt, von der er sich durch seine Kürze, da er bloß bis zum Ende des Rückgrades reichte, dann durch seinen Mangel an Ärmeln unterschied […] Der Seydl hat zugleich, wenigstens in den Wiener Quellen, samt Joppe das charakteristische von den übrigen Kleidungsstücken in Wien, dass sie ausdrücklich als aus verschiedenen Farben an den Ärmeln oder Stumpfen (aufgeschnittene Ärmelanfänge) zusammengesetzt, angegeben sind. […]“ Jaritz stellt zudem die Fragen, ob „Seidel“ Gewänder sind, die zur Obergruppe der Röcke gehören, eine klar erkennbare Rock-Art darstellen, der Begriff als Synonym für „Rock“ verwendet wurde oder Seidel sich doch klar vom Rock unterscheidet? Alles in allem dürfte eine zufrieden stellende Antwort für diesen Begriff (wie für viele andere in Schriftquellen auftauchende Ausdrücke) nicht zu finden sein. Lit: Terminologie und Typologie mittelalterlicher Sachgüter: Das Beispiel der Kleidung, Veröffentlichung des Instituts für Mittelalterliche Realienkunde Österreichs, Bd.10, Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988. S. 13-14.



    und der Eintrag im Sachregister der Wr. Testamentsbücher/Stadtbücher:
    Zitat:
    Seidel – kurzer, ärmelloser Mantel; wetterfleckartiges Gewand / 8, 18, 62, 81, 85 (mit Furrier – Futter; harrassen), 96 (lang), 103 (mit underzug – Futter), 106, 113, 122, 129 (mit underzug), 131, 151 (harrassener), 184 (langer, mit Kürsen unterzogen), 200 (täglicher), 225, 253, 262, 322, 343 (harrassener), 366, 394 (mit underzug), 412 (rauer – aus Fell), 413, 415, 425, 443, 445, 448, 451 (neuer, mit Bauchfell – wamme gefüttert – gefurrirt; mit Feh unterzogen), 455, 456 (mit gugler – Tuchart, unterzogen), 463 (bester), 466 (der beim Schneider ist), 474, 485 (bester), 497 (Harrasss.; zweifacher), 499 (mit Leinwand unterzogener), 527 (langer), 545 ( grün und lichtblau gestückt), 556, 579 (mit Kürsen), 589, 594, 643 (kurzer, mit Kürsen), 647, 648, 659, 662 (langer. Mit fuchsenem underzug), 663, 665, 675, 680, 687, 689 (täglicher), 694, 703, 712 (mit underzug; Reits.), 727 (bester), 730, 739 (zweifacher), 745 (mit Kürsen aus Katzenfell, aus Iltisfell; einfacher; bester mit Iltisfell; mit fuchsener Kürsen), 751, 753, 768 (Knies.), 786, 794, 813 (mit Schellen), 848, 863 (welscher mit Kürsen aus Marderfell), 865 (kurzer aus Barchent), 866 (täglicher)


    Die Wiener Skizzen sind übrigens bei Googlebooks vollständig als pdf downloadbar!

    Leider wenige Infos aber zumindest etwas!



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