Das Attentat

Tokio Hotel - Fanfictions
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    Re: Das Attentat

    Anonymous - 18.07.2006, 16:17

    Das Attentat
    Nicht erschrecken, es geht am Anfang hauptsächlich um den Plan, ein paar US 5 Mitglieder umzubringen... alles Parodie.

    --------------------------------

    Das Attentat


    Ich sah mich um. Weit und breit keine Aufsichtsperson oder sonst jemand, der mich von meinem Plan abhalten konnte. Komisch. Man sollte doch meinen, hier gäbe es mehr Securityleutchen. Aber vielleicht standen die alle draußen und waren sich sicher, gute Arbeit zu leisten. Keine hysterischen Fans reinzulassen. Nun, das stimmte sogar.

    Ich war nämlich kein Fan, sondern ein Hasser. Ich konnte es nicht mehr aushalten, dieses Gesicht. Und dieser Hals. Als ich erfahren hatte, dass er hier ganz in der Nähe war, war ich der Erfüllung meines Wunschtraumes, Richie zu erwürgen, ein ganzes Stück näher gekommen.

    Jetzt galt es nur noch, ihn zu finden, wegzuschleppen und zu erdrosseln. Dürfte doch nicht so schwierig sein, hehe.

    Ach, und nebenbei würde ich Jay eine klatschen, den konnte ich nämlich nicht leiden. Und wenn wir schon dabei waren, auch Izzy war mir unsympathisch.

    Nein, die anderen beiden nicht. Die durften in Ruhe weiter ihrem Hobby frönen.

    Ich lief an einer Menge Türen vorbei. ‚Sarah Connor’, ‚Tokio Hotel’, ‚Silbermond’ und ‚Fleer’ waren nur ein paar Schilder, an denen ich vorbeilief. Aber von denen wollte ich noch nichts. Nach vollbrachter Tat konnte ich mir noch genug Autogramme besorgen.

    Ah, endlich. US 5. Würg. Ich klopfte an.

    „Zimmerservice“, rief ich. Ups, jetzt wurde mir schon ein bisschen übel. Nervosität. Ich hatte schließlich noch nie gemordet.

    „Was? Das glaub isch nisch!“ Mit diesem Ausruf wurde die Tür aufgerissen. Von Mischa, dem Dunkelhäutigem. Er trug Zöpfchen, Hut und eine Umhängetasche und starrte mich an.

    „Was willst du?“

    „Öh...“, machte ich. Ja, intelligent. Ich hätte meinen Plan besser planen sollen. Richie erwürgen, bitte, könnte er mal rauskommen? Und Jay und Izzy auch?

    Mist. Ich spürte, wie mein Mut mich verließ.

    „Ich habe da hinten einen Telefonanruf für Mister Stringini“, brachte ich hervor. Ha! Blamage, weil ich seinen Nachnamen wusste, aber dafür konnte ich nichts. Ich hatte eine US 5- Fan- Schwester.

    „Er müsste mir folgen“, hängte ich an. Nach gaaanz da hinten, wo ich seine Leiche im Garten vergraben konnte. Oder so ähnlich.

    Hinter Mischa tauchte besagter Richie auf (ich wäre gnädig gewesen, wenn er der feste Freund von Chris gewesen wäre. War er aber nicht, oder er versteckte es. Selber schuld.).

    „What’s going on?“

    Uh, konnte noch nicht einmal deutsch, der Knabe. Argh! Okay, besser als Jay, der deutsch konnte und es doch nicht sprach.

    „There’s a phone call for you“, sagte ich. Ja, ich war sehr wohl in der Lage, zwischen Sprachen zu wechseln. Er drängte sich an Mischa vorbei und sah sich verloren in dem ach- so- großen Flur um.

    „Where?“

    Ich verkniff mir ein Lachen. War er so blöd oder tat er nur so?

    Okay. Blöde Frage.

    Jay tauchte jetzt an der Tür auf, Mischa war verschwunden. Ich unterdrückte den Drang, ihn zu schlagen, denn das hätte mich verraten.

    Ich blickte hinter ihn. Bevor ich ins Gefängnis kam, würde ich gerne Chris einmal sehen. Aber ich erblickte ihn nicht. Okay. Dann fand ich mich mit meinem Schicksal ab.
    Ich grinste Jay falsch an.

    „Shall I come with you?“, fragte er. Mein Wutbarometer stieg an. Er. Konnte. Deutsch!

    „Nein, ist nicht nötig“, antwortete ich so hoch von oben herab, wie es mir möglich war. Ich grinste weiter falsch und wandte mich dann ab. Mein Grinsen verschwand. Ich überholte Richie und ging vor ihm her, ohne mich umzusehen. Der würde mir schon folgen.

    Beim Laufen ließ ich meinen Blick umher schweifen. Wo sollte ich mein Opfer überfallen? Vor dem Tokio Hotel Raum? Erschien mir irgendwie passend. Aber ich wollte den Fankrieg nicht noch unterstützen. Ich war nämlich ein ganz großer Gegner dieses Fankriegs. Ich hasste ihn. Genauso wie Richie, und den hasste ich bestimmt nicht, weil ich Tokio Hotel in jeder Hinsicht besser fand als US 5. Nein. Ich mochte sein blödes Blondie- Grinsen schon nicht, als es Tokio Hotel noch gar nicht gab, also ganz zu Anfang. Ja, wie gesagt, US 5- Fan- Schwester.

    „Where is the telephone?“

    Ups, der war ja grade hinter mir. Konnte der eigentlich keine Sätze ohne ‚telephone’ zustande bringen?

    „There is a room, and in the room, there is a phone“, antwortete ich in einfachster Sprache. Für alle verständlich.

    „Why don’t you have cell phones?“

    „Because we don’t have any!“ Boah, der machte mich aggressiv. Konnte der nicht Tatsachen akzeptieren?

    „And who called me?“

    „Your mother!“ Das war auch so eine Sache: Dieser Song. Mama. Nervtöter Nummer Eins! Alleine dafür lohnte es sich, ihn zu töten. Ihn und seine Kollegen.

    Ha, da kam mir eine Idee! Ich konnte systematisch vorgehen. Erst Richie, dann Jay, dann Izzy... die anderen beiden würde ich wie gesagt –

    „Again? Why? I spoke to her an hour ago!“

    Tief durchatmen. Wenn er mit ihr geredet hatte, dann würde er jawohl wissen, wo das Telefon war! Falls es in diesem Saftladen von Veranstaltungsort überhaupt eins gab...

    „I don’t know? It’s your mother, not my“, sagte ich. Zum Glück, ey. Das fehlte mir noch, so einen Bruder zu haben. Oh Gott.

    „But I don’t understand…”

    „Well, I can vividly imagine that“, meinte ich. Mit Spott in der Stimme, ich geb es ja zu.

    „What the hell!“, sagte er. Seine Schritte verstummten. Mist, ich hatte mich verdächtig benommen. Scheiße. Wir waren aber noch im Flur, ohne Hintertür in Sicht.

    Ich verdrehte die Augen, dann setzte ich ein gütiges Lächeln auf und drehte mich um.

    „I’m sorry. I’m very stressed. There were a few boys, I don’t know if you know them, but they annoyed me. There name was Bill and Tom”, sagte ich ganz hinterlistig. Er blickte verständnislos. Okay, er kannte sie wohl nicht.

    „Yes, it’s okay. Just show me the phone”, meinte er. Ich nickte, auf seinen Hals starrend. Oh, bald würde er nicht mehr so unversehrt sein.

    Im Umdrehen verdrehte ich wieder die Augen. Wie viele Nerven mich diese Aktion kostete, unglaublich. Ob sich das überhaupt lohnte? Aber ja, wenn ich mir überlegte, wie viele Nerven mir danach verschont blieben, weil er nicht mehr existierte... Hach, ich freut mich schon.

    Aber ich war auch nervös. Hatte ja noch nie getötet. Und wo verflucht war hier eine Hintertür!? Ich wollte so schnell wie möglich meine Tat hinter mich bringen.

    Nach ein paar Minuten Stille hinter mir blickte ich mich um. Ob er überhaupt noch da war, denn ich wusste nicht, dass er still sein konnte. Aber er war noch da und runzelte misstrauisch die Stirn. Hm, wenn ich nicht wüsste, dass der Junge dumm war, würde ich vermuten, er machte sich Gedanken.

    „How long do you work here?“, fragte er plötzlich. Ups, er war wirklich misstrauisch. Einfach ausweichend antworten.

    „Since nine o’clock.“

    Ha,ha, HA! Ja, mit meiner Schlauheit hast du nicht gerechnet, Bürschchen!

    „Very funny“, grummelte er. Darf ich noch mal betonen: Ha, ha, HA! Jetzt ging ich ihm mal auf die Nerven. Machte unheimlich viel Spaß.


    „Yes, I do have a job, I earn my money by working and not by singing.” Ich glaubte, man hörte mir an, was ich davon hielt. Scheiß darauf, er hatte eh nicht mehr lange zu leben. Außerdem wollte ich, dass er mich hasste.

    Oh, da hinten, eine Tür mit einem Notfallschild darüber! Wenn die nicht nach draußen führte, dann mutierte ich zu einem US 5 Fan.

    Nein, darüber sollte man keine Scherze machen.

    „It’s very hard...“, laberte er hinter mir. Ich hörte gar nicht richtig zu. Wozu auch. Die Worte eines zu Tode- Verurteilten. Haaach, wie toll sich das anhörte in Bezug auf Richie.

    Wir kamen bei der Tür an. Erleichtert stieß ich sie auf. Draußen fieselte es, perfektes Wetter für einen Mord. Die Tür führte auf einen Hinterhof. Abfallcontainer standen an der einen Seite, jede Menge Kippen lagen herum und er war von hässlichen Lagerhallenwänden umrahmt.

    „What are we doin’ here?“

    Oh. Mein Opfer wollte aufmucken. Er blickte raus, und ich schubste ihn. Nur so, dass er in den Fieselregen stolperte. Er hatte immerhin ein Chap auf, außerdem musste er sich nicht Sorgen um eine Erkältung machen, denn er hatte nicht mehr lange zu leben. Nicht, dass er das in diesem Moment wusste.

    Aber uoh, meine Knie zitterten schon. Hatte ich überhaupt genug Kraft, jemanden zu erwürgen? War er nicht auch nur ein Mensch?


    WAS? Was dachte ich denn da. Ha, ha, ha. Ich glaubte, ich verlor den Verstand.


    „I don’t think there is a phone call, so tell me –“

    Ich ging raus und schloss die Tür, lehnte mich dagegen. Tja. So fühlte man sich vor einem Mord. Bald würde ich wissen, wie man sich danach fühlte.

    Ich blickte auf meine Hände. Dann auf seinen Hals. Ja, das musste noch zusammen geführt werden. Und nicht dem Opfer in die Augen schauen, auf gar keinen Fall. Obwohl ich mir sicher war, dass mir das noch mehr Aggressivität verleihen würde.

    Ich schnellte auf ihn zu und legte meine Hände um seinen Hals, wobei ich feste zudrückte. Er gab ein würgendes Geräusch von sich. Nach ein paar Sekunden, in denen der Überraschungseffekt auf meiner Seite gewesen war, begann er, zu zappeln. Meine Finger verloren ein bisschen Halt, weil sie ganz verschwitzt waren.

    Hey, einen Mord zu verrichten war kein Klacks.

    Er grub seine Hände schmerzhaft in meine Arme und stieß mich zurück. Ich war nicht stark genug. Mist. Mit Karacho fiel ich gegen einen Container. Ein stechender Schmerz durchfuhr meinen Rücken. Na warte, du kleiner Scheißer!

    „What are you doing? Who are you?”, rief er. Ich antwortete nicht, wäre ja schön blöd gewesen. Stattdessen startete ich einen neuen Angriff.

    Diesmal bekam ich noch nicht einmal seinen Hals zu fassen. Er sprang zur Seite, ich krachte gegen die Wand. Bevor ich mich erholen konnte, nagelte er mich an der Wand fest. Ich wandte mich wie ein Fisch auf dem Trockenem. Scheiße, jetzt saß ich in der Falle! So war das nicht geplant gewesen. Ein Einfall musste her, und zwar ganz schnell.

    „Who are you?“, fragte Blödian Nr. 1. Ich versuchte, zu Atem zu kommen. Meine Gedanken rasten.

    „It doesn’t matter. I’m going to do the world a favour by killing you”, sagte ich. Und überlegte, ein wahnsinniges Lachen anzuhängen. Nein, das war mir dann doch zu blöd.
    Dafür lachte er.

    „You think, you can kill me? Oh God, you’re mad!”

    „No, I’m a person with a good purpose”, keuchte ich. Mein Atem ging regelmäßiger als vorhin. Zeit für meinen nächsten Schachzug.

    Ich stieß mich von der Wand ab. Er rechnete nicht damit, ich konnte ihn gut abschütteln. Diesmal kehrte ich das Blatt um, drückte ihn gegen die Wand und überlegte, ob er sich mit einer Hand erwürgen lassen würde. Mist, warum hatte ich keine Dolch mit. Aber nein, so weit wollte ich doch nicht gegen. Kein Massaker hier. Hier waren Kinder in der Nähe.

    „You are definitly mad. Crazy.”

    „Maybe I am, but in a good way“, antwortete ich. Er wollte mich ja nur ablenken, mich zum Reden bringen. Ja, ja, darauf fiel ich nicht herein.

    Trotzdem beschlich mich der Gedanke, dass mein Plan erfolglos bleiben würde. Ich hatte irgendwie nicht mit so viel Gegenwehr gerechnet. Das war dumm von mir gewesen, ich gab es zu.

    Er versuchte schon wieder, zu entkommen. Vielleicht sollte ich aufgeben, sagen, dass alles nur ein Scherz war. Ich konnte ihn später noch ermorden. Oder mich damit zufrieden geben, ihn zu verprügeln. Aber zum Verprügeln hatte ich definitiv nicht genug Kraft.

    Ich schlug ihm von hinten so feste ich konnte gegen den Hals. Er schrie auf. Ja, ruf nur nach deiner Mami. Weichei.

    Na gut, er rief nicht nach seiner Mami. Aber das würde er, wenn ich mit ihm fertig war.
    Das nächste, woran ich mich erinnerte, war, dass ich heftig gegen einen Container schlug. Diesmal durchfuhr der Schmerz auch meinen Kopf. Ich schrie auf. Der nächste Schmerz traf mich im Magen, so dass ich zusammensackte. Hatte seine vielgenannte Mami ihm nicht beigebracht, dass man keine Frauen schlagen durfte?

    Ich rutschte an dem Container herunter, wobei ich mir den Magen hielt. Okay. Ich gab auf. Plan gescheitert. Geh und erzähl deinen Kollegen, wie toll du doch bist. Idiot. Mit Chris’ Sympathie konnte ich wohl auch nicht mehr rechnen.

    Ich musste husten. Meine Haare hingen mir in hässlichen nassen Strähnen ins Gesicht, aber das war mir egal. Wenn nur der Schmerz aufhören würde.

    „Are you allright?“

    Ich glaubte, mich verhört zu haben. Der Pannemann kapierte wohl nicht, dass ich ihn ermorden wollte. Töten.

    „Just leave me alone“, brachte ich hervor.

    Der Schmerz ließ langsam nach und mein Verstand schaltete sich ein. Er würde das Sicherheitspersonal benachrichtigen, und die würden mich ins Gefängnis stecken. Nein, wohl eher in die Klapse.

    Ich sah auf. Mr. Nice Guy sah mich auch noch besorgt an. Dabei hatte er mich so zugerichtet.
    „Please don’t tell anybody“, bat ich ihn. Er runzelte die Stirn.

    „I think you need professional help”, sagte er. Er griff mir unter die Arme und zog mich nach oben. Ich war zu geschwächt, um mich zu wehren. Außerdem, was hatte er gesagt? Professionelle Hilfe? Dachte er etwa, ich war verrückt, also so richtig ausgetickt?

    „Lets go inside.“

    Eine Feststellung war das, keine Frage.

    „No! I wanna stay here“, sagte ich und fragte mich, ob er wohl Recht hatte. Aber eigentlich wollte ich nur hier bleiben, um ihn nicht länger ertragen zu müssen. Durchaus rationale Gründe.

    „God, you are crazy“, stellte er erneut fest. Vielen Dank auch. Demnächst würde ich nur noch Leute attackieren, die ich mochte. Falls ich scheiterte und die danach versuchten, mir zu helfen. Hey, wer war hier verrückt, seinem Mörder helfen zu wollen? Also seinem Fast- Mörder.

    „And you are a pain in the neck”, sagte ich. Damit war allem Ausdruck verliehen, was ich schon immer sagen wollte.

    „I think I can live with that. Come on.”

    Ich seuzfte. Nicht nur eine Nervensäge, sondern auch noch eine hartnäckige Nervensäge. Ich gab zum zweiten Mal an diesem Tag auf. Der Schmerz in meinem Magen hatte sich größtenteils gelegt. Nur der geistliche Schmerz, der mir einflüsterte, eine Versagerin zu sein, blieb. Es war so demütigend, mir von meinem Opfer helfen zu lassen.

    Und wie sollte mein Leben weitergehen? Mit diesem Schmerz des Versagens konnte ich nicht leben. Immer, wenn ich Richie im Fernsehen oder so sehen würde, würde es mich an diesem qualvollen Tag erinnern. Nein. Einer von uns würde heute noch sterben müssen, und ich hoffte inständig, dass er es war. Ich konnte ja jetzt reumutig tun und ihn bei passender Gelegenheit hinterrücks überfallen.

    Auf dem dreckigen Flur kamen uns diesmal Menschen entgegen. Ich senkte den Kopf, aus verschiedenen Gründen: Meine Haare waren strähnig und einfach nur schrecklich. Fast genauso wichtig: Ich war mit jemandem unterwegs, mit dem ich nie, nie, nie gesehen werden wollte. Der tat auch noch so, als könnte ich ohne seine Hilfe nicht laufen.

    Alles in allem ein absoluter Tiefpunkt in meinem Leben.

    Aber es sollte noch schlimmer kommen.

    Er brachte mich – ja, richtig geraten – zu dem US 5 Raum. Als mir das klar wurde, blieb ich sofort stehen.

    Ich konnte doch nicht zusätzlich noch Jay und Izzy ertragen. Und Chris und Mischa so unter die Augen treten. Nie im Leben.

    „What is it now?“, fragte er fast schon belustigt. Ich blickte ihn allerbösest an. Er nahm mir das Ganze nicht ernst genug. Aber vielleicht konnte ich darauf später einen Vorteil ziehen.

    „What are you planning?“, fragte ich.

    Ich würde vorschlagen, er sollte mich in Ruhe lassen. Leider hätte ich dann meinen Plan ganz aufgeben können.

    „Well, I’m taking you to the room. Lets see what Jay says.”

    „No! Are you mad? What do you think he’ll say? Oh, let the murderer go?”

    Er lachte, worüber auch immer.

    „You are no murderer.“

    „I would have been one, wouldn’t I, if you hadn’t destroyed my plans.”

    „You knew you wasn’t powerful enough to kill me. It wasn’t your intent at all.”

    Diesmal lachte ich. Was bildete er sich überhaupt ein, über meine Motive Bescheid zu wissen? Er wusste ja nicht, wie sehr ich ihn hasste. Er wollte es wohl nicht wahrhaben.

    Er schob mich weiter, und ich erlag mal wieder meinem Schicksal. Im Grunde konnte ich gar nichts anderes tun, wenn ich meinen Plan noch verwirklichen wollte.

    Wir kamen bei dem Raum an, der Rückweg war viel kürzer gewesen. Fluch des Rückweges. Drinnen saßen Chris, Izzy und Mischa auf einer Couch und sahen fern, Jay saß zeitschriftlesend auf seinem Stuhl. Als wir reinkamen, blickte er auf.

    Irgendwie kam ich mir blöd vor. Das lag nicht nur an meinen Haaren. Wohl eher an dem, was ich getan hatte. Und an dem, was ich noch tun wollte. Und daran, dass mein Opfer absolut besessen davon war, umgebracht zu werden. Würde er mich sonst hierhin mitnehmen?

    „What has happened?”, fragte Jay. Argh! Er. Konnte. Deutsch!

    „Nichts, gar nichts“, sagte ich. Leider nicht mehr von oben herab. Doch, es lag an meinen Haare, dass ich mich gedemütigt fühlte. Musste ja.

    „She stumbled“, sagte Richie. Ich sah ihn verwirrt an und wollte protestieren. Aber kein Laut drang aus meiner Kehle. Jay sprang auf und scheuchte die gesamte Belegschaft von der Couch. Oh scheiße, Chris darf mich mit dieser Haarpracht nicht sehen!

    Ich mied seinen Blick und ließ mich von Richie zur Couch führen. Peinlichkeit Nr. 2. Als wüsste ich nicht selber, wo die stand. War ja nicht zu übersehen.

    Jay warf eine Decke über mich, wie über eine Leiche, die niemand sehen wollte. Richtig so. So musste ich auch aussehen. Eine Wasserleiche, um das mal zu betonen.

    Irgendwie war Richies Ausrede lahm. Wenn ich nur gestolpert war, warum waren meine Haare dann... so? Und warum sollte er mich nicht aus den Augen lassen, als wäre ich eine Psychopathin, die jederzeit ausrasten konnte?

    Jay musste ahnen, dass ich genau das war. Izzy und Mischa auch, und Chris... joah, der dachte bestimmt: Igitt, was ist denn das für ein Wischmob auf ihrem Schädel?

    Ich zog die Decke über meinen Kopf. Eine Zeit lang blendete ich alle Geräusche von außen ab und beschäftigt mich gedanklich mit meinem Plan. Also, mit meinem Vorhaben, denn einen Plan hatte ich nicht wirklich. Auf den passenden Moment warten, würde Captain Jack Sparrow sagen.

    Dann wurde die Decke angehoben. Ich war zu überrascht, um mich zu wehren und starrte den Jungen an, der mich anstarrte. Eindeutig kein US 5 Mitglied.

    Er lachte auf, warf die Decke zurück und ich hörte ihn sagen:

    „Wie so ein ängstliches Tier.“

    Ich stand noch immer unter Schock, garantiert. Sonst wäre ich protestierend aufgesprungen. Einen Moment später wurde die Decke wieder angehoben. Ich kam mir langsam wirklich wie ein begafftes Käfigtier vor. Vor mir stand das zweite Nicht- Mitglied von US 5 (diesen Namen kann man ziemlich vielen Personen geben; aber ihr wisst schon, wie ich das meinte).

    „Boah, Tom, du bist voll gemein! Das ist nur ein ängstliches Mädchen“, sagte es.

    Es war ein Junge, ungefähr vier Jahre jünger als ich, und hieß Bill. Woher ich das wusste? Weiblich Intuition. Oder auch Klatschpresse.

    „Was macht ihr im US 5 Raum?“, fragte ich. Und dann fiel mir etwas ein, ein kleiner Lichtblick des heutigen Tages. Ich setzte mich auf.

    „Bill, du hast doch sicher einen Föhn und Stylingprodukte für die Haare mit?“, fragte ich und sah ihn bittend an.

    Er sah sich etwas unwohl um, und ich hörte Tom auflachen. Aber diese Sache war zu wichtig, um von meinem Bittblick abzulassen. Bei einem Mord musste die Frisur perfekt sitzen. Nur deswegen war ich gescheitert.

    „Hm, ja, aber... pah, wer bist du überhaupt, ich gebe doch Fans nicht einfach so was von meinen Sachen ab!“

    Ich sank zurück auf die Couch. Und ich hatte gedacht, er wäre nett. Die Decke kam wieder über meinen Kopf.

    Ich fragte mich, wie alles weiterging. Früher oder später würden sie mich abschieben. Aus dem Raum schicken. Oder würde Richie seine Drohung wahrmachen und mich in eine Klapse schicken? Zutrauen würde ich es ihm.

    Ich sollte einfach mein Ding durchziehen und hier verschwinden. Ja. Schwungvoll schmiss ich die Decke weg. Sie landete ungefähr einen Meter neben der Couch.

    Mit donnernden Schritten und meine Scheißfrisur schon fast vergessen ging ich auf die Menschansammlung im Raum zu. Bill und Tom standen immer noch da, aber Gustav und Georg waren nicht zu sehen. Kein großer Verlust, um ehrlich zu sein. Ich hatte nichts gegen sie, aber auch nichts für sie übrig. Verständlich ausgedrückt?

    Die Zwillinge hatte ich bis jetzt immer gemocht. Aber nach ihrem ‚netten’ Verhalten mir gegenüber war das auch vorbei.

    Erst erreichte ich Bill, ihm zog ich an den Haaren. Sie sahen so aus wie meine, und das Schlimme war, er stylte sie extra so. Tom verpasste ich eine leichte Ohrfeige, die ihn mehr erschreckte als wehtat.

    Weiter ging die Runde. Mischa tätschelte ich die Wange, ihn mochte ich ja. Izzy bekam einen Schlag in den Magen (lange nicht so feste wie der, den ich empfangen hatte), Jay einen auf den Kopf und einen auf die Nase (ja, er hatte zwei verdient).

    Dann stand ich dummerweise vor Chris, den ich am liebsten ausgespart hätte. Aber egal. Ich umarmte ihn einfach mal, egal, ob er sich vor meinen Haaren ekelte, oder nicht. Ich würde ihn schließlich nie wieder sehen.

    Richie hatte schon viele Schläge von mir einstecken müssen, und jetzt wieder. Mit der Handkante auf die Schulter. Er gab sogar einen Schmerzenslaut von sich, und während er das tat, stahl ich ihm sein Chap. Niemand brauchte es mehr als ich.

    Ich setzte es mir auf und lief zur Tür. War das ganze jetzt geräuschlos abgelaufen? Nein, natürlich nicht. Ich konnte die Stimmen nur perfekt ausblenden. Und wehe, jemand denkt jetzt, dass ist ein Zeichen der Geistesgestörtheit oder so.

    Mein Weg zur Tür konnte ich nicht perfekt hinlegen. Etwas umklammerte meine Bein, und im nächsten Moment fiel ich auf die Nase.

    „Lass mich looooooooos!“, forderte ich. Ich zappelte herum.

    „Erst, wenn du dich bei Tom entschuldigt hast!“, rief die Person, die meine Beine umklammerte. Die Aussage zeigte mir sofort, wer es war.

    „Spinnst du? Geh mal lieber zu Richie!“, sagte ich. Ja, auch so eine Theorie von mir. Bill und Richie. Dann hätte ich Richie auch leben gelassen. Nun, in gewisser Weise ließ ich ihn auch jetzt am Leben, aber –

    „Du hast ihn geschlagen!“

    „Ach? Ehrlich?“ Heute triefte ich vor Sarkasmus. Meine Haare am allermeisten.

    Richie, Chris und Tom kamen angerannt. Tom krallte sich sofort Bill, während die anderen beiden versuchten, mich zu bändigen. Ja, die Betonung lag auf versuchen. Ich zappelte wie der früher schon erwähnte Fisch an Land.

    Richie nahm mir sein Chap ab. Die Tatsache ließ mich dann doch zum Stillstand kommen.

    „Gib mir... bitte... meine Haare...“, heulte ich los. Meine Nerven lagen blank, nur deswegen. Also würde ich wegen einer Scheißfrisur heulen. Nein, ich doch nicht.

    „Gib mir bitte meine Haare?“, fragte Chris.

    Ich hörte auf zu heulen, als mir bewusst wurde, dass er mich – nun, heulen sah. Ich riss mich auch von den beiden los und klopfte unauffällig meine Hose glatt.

    „I need your chap“, sagte ich zu Richie. Ja, er würde mich sicher verstehen. Ich schob meine Unterlippe vor und tat, als wäre ich nicht die ganze Zeit seit wir uns kennen dahinter her gewesen, ihn zu ermorden.

    Bill und Tom standen abseits und warfen mir böse Blick zu. Ich fühlte mich sehr unwohl, ignorierte sie aber.

    „And I need it, too“, sagte Richie.

    Schön für dich, aber ich brauchte es mehr! Das sah doch wohl ein Blinder mit Krückstock (ein blödes Beispiel), wie herzlos kann man sein?

    „Please?“

    „Well...“

    „Nein, tu es nicht!“, rief Tom dramatisch. Ich tötete ihn mit Blicken. Hey, wenn ich schon früher herausgefunden hätte, dass ich das kann, hätte das ganze Drama heute verhindert werden können!

    „Sagt mal, was geht hier eigentlich ab? Ich blick grade nicht durch. Du bist gestürzt, deswegen hat Richie dich hierher gebracht, und jetzt haust du wieder ab?“, mischte Chris sich ein. Ich gab es auf, ihn zu ignorieren. Dann musste er eben mit meinem unperfekten Ich reden.

    „Ja“, sagte ich. Dann sah ich wieder zu Richie. Er sah Chris an. Hm. Richie und Chris, oder Richie und Bill? Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welches Pairing war besser? Wahrscheinlicher ist ersteres, aber letzteres hat auch etwas...

    Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, mal wieder (dabei waren es so schöne gewesen). Richie setzte mir gerade sein Chap auf. Ich befand, dass ich ihn genauso gut nächstes Mal, wenn ich ihn treffen würde, ermorden konnte. Und da es kein nächstes Mal gab, hatte er Glück gehabt.

    „Thank you“, sagte ich. Hey, ich brachte sogar ein Lächeln zustande. Ich war so stolz auf mich.

    „And...“ Er blickte sich um. Nur noch Chris hörte uns zu, warum auch immer. Er war bestimmt fasziniert von Richie. Ja, das musste es sein.

    Boah, ich sollte eindeutig damit aufhören. Meine Schwester fand meine Slash- Anflüge sowieso nicht witzig.

    „Will you go to a therapist?”, fragte Richie leise. Entsetzt sah ich ihn an. Also doch! Oh Hilfe, er war verrückt geworden!

    „I don’t need one, thank you very much“, sagte ich, wieder in meinen alten Ton verfallend. Tja, mit dem würde ich mich eben nie verstehen. Zum Glück.

    „Okay... then go your own way. It’s your choice. You have to decide what to do with the time that is given to you.”

    Ich sah ihn schräg an (Mann, ich hatte ziemlich viele verschiedene Blick auf Lager. Entsetzt, schräg...).

    „Whatever you say. Goodbye. Hope we’ll never meet again.”

    „Yes, I hope that too”, antwortete er.

    Ich nickte Chris zu, der irgendwie verwirrt blickte, ob es nun an unserem ‘liebevollem’ Gespräch lag oder an der Tatsache, dass ich ihn verunsicherte (wegen meinen Haaren und so, nichts falsches hier denken). Er nickte zögerlich zurück.

    Dann flüchtete ich durch die Tür. Als sie hinter mir zufiel, atmete ich erleichtert aus. Der bestimmt schlimmste Tag meines Lebens, nur wegen der vergangenen Stunde. Und sie lag hinter mir, da war ich heilfroh.

    Den Kopf nach unten gerichtet, damit der Schirm des Chap mein Gesicht verdeckte, lief ich zum Ausgang. Wieder hielt mich niemand auf. Wie schon gesagt, jämmerliche Saftbude.

    Und die Moral von der Geschichte?

    Plane einen Mord immer sorgfältig, und lass dich nicht nur von deinem Hass leiten. Sonst geht es gründlich daneben. Nur, damit ihr es wisst.



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