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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Anonymous Forum: Kaserne von Baden Forenbeschreibung: Kaserne der Markgrafschaft Baden aus dem Unterforum: Kavallerie Antworten: 4 Forum gestartet am: Sonntag 11.06.2006 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Kavalerie Letzte Antwort: vor 16 Jahren, 8 Monaten, 11 Tagen, 16 Stunden, 51 Minuten
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Re: Kavalerie
Anonymous - 17.07.2006, 23:30Kavalerie
Kavallerie
Als Kavallerie bezeichnet man berittene militärische Einheiten. Das Wort Kavallerie wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts dem gleichbedeutenden französischen Wort cavalerie entlehnt, welches wiederum aus dem italienischen cavaliere für Reiter hervorging.
Man bezeichnet üblicherweise nur mit Pferd oder Kamelen berittene Truppen als Kavallerie; nicht aber Soldaten, die auf anderen Tieren (z.B. Kriegselefanten) reiten. Die Verwendung des Begriffs Kavallerie für einen Truppenkörper setzt ferner voraus, dass die ganz überwiegende Anzahl dieser Truppe beritten ist und auch kavalleristisch eingesetzt wird. Deswegen ist z.B. ein berittener Infanterie- oder Artillerieoffizier kein Kavallerist, ebenso wenig wie ein Gebirgsjäger, der sein Tragetier gelegentlich als Reittier nutzt. Auch die reitende Artillerie zählt daher nicht zur Kavallerie. Der Begriff Reiterheer kann allerdings sämtliche Einheitentypen berittener Soldaten verschiedenster Reittiere und Waffengattungen einschließen
Geschichte
In der militärischen Taktik waren berittene Einheiten ein wichtiger Faktor. Sie erweiterten die taktischen Möglichkeiten einer Armee ungemein. Das Besondere an der Kavallerie war ihre Mobilität, Schnelligkeit und Durchschlagskraft.
Die Kavallerie war eine der wichtigsten und zugleich stärksten Einheiten der Antike, des Mittelalters und der Renaissance. So spielte sie auch in den Kreuzzügen eine wichtige Rolle.
Der effektivste Gegner der Kavallerie im Mittelalter waren die Pikeniere, die mit großen Lanzen versuchten, die Pferde zu töten. Deshalb schützte man Schlachtrösser in West- und Mitteleuropa seit dem 14. Jahrhundert mit einem so genannten Rossharnisch aus Metallplatten.
In Persien, Osteuropa und Byzanz wurden die Schlachtrosse schon ab der Spätantike mit einem Überwurf aus Schuppen- oder Kettengeflecht geschützt. Wahrscheinlich entstanden die ersten Pferderüstungen im antiken Zentralasien.
Leichte Kavallerie mit Bogen
Die Kombination aus Mensch, Bogen, Pfeil und Pferd ist ein sehr wirkungsvolles Waffensystem, wie schon viele Völker zu ihrem Nachteil erfahren mussten. Zu den ältesten uns bekannten Reitervölkern gehören die Hyksos und die Skythen; am bekanntesten sind wohl die Hunnen, Mongolen, die nordamerikanischen Indianer und die Reitertruppen des osmanischen Reiches (u.a. Sipahis).
Ausrüstung
Die leichte Reiterei benutzte kleine, schnelle und wendige Pferde. Die Reiter trugen keine oder nur leichte Rüstung. Die klassischen Reitervölker benutzten kurze, starke Bögen von großer Kraft und Reichweite. Die sogenannten Kompositbögen der Reitervölker bestehen aus bis zu 16 verleimten Holz- und Hornteilen. Der Vorteil von Sehnen und Horn besteht in ihrer höheren Fähigkeit, Energie zu speichern und auch wieder (an den Pfeil) abzugeben. Die Effizienz eines solchen gut gebauten Kompositbogens mit entsprechender möglicher Formgebung ist höher als die eines konventionellen Bogens aus Holz, der bei identischem Layout sofort brechen würde. Mongolische und türkische Reiterbögen hatten ein Zuggewicht von durchschnittlich 75 Pfund und schossen speziell abgestimmte leichte Pfeile 500 bis 800 m weit. Diese Kompositbögen waren - entgegen der landläufigen Meinung - in Reichweite und Durchschlagskraft dem Langbogen durchaus ebenbürtig. Mittels spezieller "panzerbrechender" Pfeile war es beispielsweise den mongolischen Reitern möglich, auch schwere Rüstungen zu durchdringen
Taktik
Reiterarmeen konnten feindliche Truppen auf Distanz mit Pfeilen überschütten und mussten sich nie auf Nahkämpfe einlassen. Langsamere Gegner ohne wirkungsvolle Fernwaffen waren oft chancenlos. So vernichteten die Reitertruppen des Partherreiches in der Schlacht bei Carrhae (53 v. Chr.) die Legionen des Crassus. Bei ihrem Einfall nach Zentral- und Westeuropa im 9. und 10. Jahrhundert verbreiteten die Ungarn als berittene Bogenschützen Angst und Schrecken im gesamten West- und Ostfränkischen Reich. Die Menschen fügten damals jedem Vaterunser den Satz an: "und befreie uns von den Pfeilen der Ungarn, oh Herr!" (de sagittis Hungarorum libera nos, domine).
Die großen Schwächen berittener Bogenschützen waren ihr Platzbedarf und ihre leichte Ausrüstung. Wenn sie auf engem Raum zum Nahkampf mit besser gepanzerten Gegnern gezwungen waren, unterlagen sie meist. Außerdem waren sie nicht für die Teilnahme an Belagerungen geeignet. Gute Reitertruppen benötigten viel Ausbildung und sehr gute Pferde. Die klassischen Reitervölker wie Hunnen oder Mongolen lebten praktisch auf dem Pferderücken.
Die Schlacht von Doryläum 1097 im Ersten Kreuzzug veranschaulicht Vor- und Nachteile der berittenen Bogenschützen: Es gelang den Reiterpulks des seldschukischen Sultans Kilij Arslan, ein Heer der Kreuzfahrer einzukreisen und auf Distanz zu beschießen. Die Ritter konnten dem Pfeilhagel wenig entgegensetzen. Plötzlich erschien Verstärkung unter Gottfried von Bouillon, und die Seldschuken sahen sich ihrerseits eingekreist. Sie konnten nicht mehr fliehen und wurden im Nahkampf vernichtend geschlagen. Die Niederlage der Seldschuken bei Doryläum war so vollständig, dass die Kreuzfahrer praktisch unbehelligt Anatolien durchqueren konnten.
Schwere Kavallerie mit Lanzen
Die ersten schweren Reiter
Die ersten schwer gepanzerten Lanzenreiter waren die Cataphracti und Clibanarii der Sarmaten, Parther, Sassaniden, der späten Römer und Byzantiner. Im Mittelalter setzte man in West- und Mitteleuropa zuerst im Fränkischen Reich auf schwere Reiter, es entstanden die sog. Fränkischen Panzerreiter.
Die Ritter
Zu Beginn des 8. Jahrhunderts kam auch in Europa der Steigbügel auf, der sich als vorteilhaft für die schwere Reiterei erwies. Insbesondere in Verbindung mit einem hohen Sattel ermöglichte er es der schweren Reiterei, im vollen Galopp einen Lanzenstoß auszuführen, ohne dabei vom Pferd zu fallen. Außerdem erschwerten es Steigbügel und Sattel dem Fußvolk, einen Reiter vom Pferd zu zerren.
Im Hochmittelalter entwickelte sich in West- und Mitteleuropa die Truppengattung der Ritter. Sie kämpften mit einer langen Lanze, trugen schwere Ketten- und Plattenpanzerung und ritten auf Schlachtrössern, die speziell für den Kampf und das Tragen von hohem Gewicht trainiert wurden.
Taktik
Die Ritter griffen im schnellen Ritt und zum Teil in mehreren Angriffswellen mit der Lanze als Primärwaffe an und durchbohrten den Gegner. Die schweren Lanzen wurden nach dem Lanzenangriff fallen gelassen und der Kampf wurde mit den Sekundärwaffen (Schwert, Axt, Streitkolben oder ähnliches) weitergeführt. Mit ihren schweren Schlachtrössern wurde gegnerisches Fußvolk niedergeritten. Wurde ein Fußsoldat von einer unter die Achsel eingelegten Ritterlanze aus vollem Galopp getroffen, wurde er meist mit solch einer Wucht weggeschleudert, dass er mehrere seiner Hintermänner umwarf. Diese Methode des Angriffs war wirksam, aber hing von vielen Faktoren ab. Folgende Taktiken waren meist effektiv gegen schwere Reiterei:
Gute Fernwaffen: Sowohl der Langbogen als auch die Armbrust konnten den Rittern gefährlich werden. Obwohl die schwere, adlige Reiterei des Mittelalters oftmals zu Fuß kämpfte oder zumindest aussichtslose Frontalangriffe vermied, kam es mehrfach vor, dass Ritterheere einen ihren Kriegeridealen entsprechenden Angriff durchführten. Die Folgen waren immer verheerend: Bei Crécy (1346) und Poitiers (1356) erlitten die französischen Ritter schwere Verluste gegen englischen Langbogenschützen; bei Agincourt (1415) starben über 5.000 Ritter im Pfeilhagel.
Stangenwaffen: Die langen Spieße der Schotten und Schweizer (Pikeniere) waren eine gute Wahl. Die Kämpfer standen in enger Formation wie die antike Phalanx. Im Kampf gegen die Schotten erwiesen sich die englischen Ritter als ebenso borniert und hochmütig wie ihre französischen Kollegen. In den Schlachten von Stirling Bridge (1297) und Bannockburn (1314) unterlagen sie gegen die Schotten. Als erste ahmten die unterlegenen Engländer diese Taktik erfolgreich gegen die Franzosen nach, von den Schweizern wurde sie perfektioniert. Jetzt war die Formation trotz inzwischen länger gewordener Lanzen für Ritter fast undurchdringlich. Die mit Piken bewaffneten Pikeniere waren bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges wichtige Truppen. Als Gegentaktik im Kampf gegen Pikenträger entwickelte die schwere Reiterei in der frühen Neuzeit Manöver wie zum Beispiel die Caracolla.
Das Nutzen von Geländevorteilen: Lanzenreiter benötigten festen, ebenen Boden und genug Platz für ihren Angriff. Ein kluger Gegner vermied die Schlacht auf offenem Feld und stellte sich lieber in sumpfigem, bergigen oder bewaldetem Terrain zum Kampf. Dies taten die Schotten bei Bannockburn und Stirling. Die Schweizer Eidgenossen besiegten die österreichischen Ritter in der Schlacht bei Morgarten (1315), indem sie das Ritterheer an einer engen Stelle zwischen einem Abhang und einem Sumpf angriffen. Die Bauern von Dithmarschen stellten sich im Jahr 1500 bei Hemmingstedt der Armee des dänischen Königs entgegen. Sie öffneten Deiche und überfluteten das Land. War das Gelände für einen Reiterangriff schlecht geeignet, kämpften englische Ritter oftmals zu Fuß und verwendeten ihre Lanzen dabei wie Piken. Zu Fuß kämpfende Ritter nannte man in England Men-at-Arms.
Guerillakriegsführung: Ein Feind, der blitzschnell zuschlagen und wieder verschwinden konnte, war für schwere Reiter ein ernstes Problem. Es war daher wichtig, immer auch genug leichte Kavallerie zu haben.
Man geht heute davon aus, dass ein Großteil der Ritter in vielen mittelalterlichen Schlachten zu Fuß kämpfte. Nur bei idealen Geländebedingungen und Unterstützung durch Fernkämpfer führte man den Angriff auf einem Schlachtross durch. War das gegnerische Fußvolk mit Stangenwaffen ausgerüstet und kämpfte in dichter Formation, täuschten die Ritter einen Angriff vor und machten sofort kehrt. Viele Fußsoldaten hielten dies für eine Flucht und nahmen die Verfolgung auf, wobei sich ihre Formation auflöste. Die Ritter machten in dieser Situation wieder kehrt und ritten das Fußvolk nieder. Eine solche Taktik kam beispielsweise in der Schlacht von Hastings 1066 zum Einsatz.
Re: Kavalerie
Anonymous - 17.07.2006, 23:57
wow, kompliment!
Re: Kavalerie
Anonymous - 18.07.2006, 15:54
Gelöscht
Re: Kavalerie
Anonymous - 18.07.2006, 16:04
steff wir sind aber leider noch nicht im 16jahrhundert :wink:
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