Sodom-Lords Of Depravity Pt. 1

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    Re: Sodom-Lords Of Depravity Pt. 1

    Noodles - 03.07.2006, 21:20

    Sodom-Lords Of Depravity Pt. 1
    Disc 1: "Historical Depravity"

    Disc 2: "Live Depravity"

    01. Among The Weirdcong
    02. The Vice Of Killing
    03. Outbreak Of Evil
    04. Masquerade In Blood
    05. The Saw Is The Law
    06. Remember The Fallen
    07. Die Stumme Ursel
    08. M-16
    09. Napalm In The Morning
    10. Nuclear Winter
    11. Tombstone
    12. Sodomized
    13. Eat Me!
    14. Code Red
    15. Aber bitte mit Sahne
    16. Der Wachtturm
    17. Agent Orange
    18. Sodomy And Lust
    19. Witching Metal
    20. Ausgebombt
    21. Ace of Spades
    22. Stalinhagel

    Bravo, Herr Angelripper. Lang genug wurden Sie und Ihre ständig wechselnde Sodom-Mannschaft verlacht, unterbewertet oder gar gemieden. Nun schlagen Sie zurück: Nicht mit der Keule, dem M 16 oder gar einem Bombenhagel – nein, Sie liefern die umfangreichste und informativste DVD ab, die sich der Musikliebhaber schlechthin wünschen kann. Erneut: Applaus!

    Was wurden die Erwartungshaltungen für dieses Teil nicht im Vorfeld schon gen Himmel geschraubt. Immer wieder verzögerte sich der Release, so mancher Schelm witterte sogar schon die Angst des Engelreißers vor der eigenen Courage. Alles Schwachsinn! Wo andere Bands mit lächerlich gefilmten Live-Aufnahmen und lieblos aneinander geschnippeltem Backstage-Material zum vollen Preis den fixen Euro einfahren wollen, bieten Sodom dem Fan auf zwei DVD’s etwas, das eigentlich ins Kino gehört hätte. Volle drei Stunden dauert alleine die unglaublich aufwändige, gut strukturierte und phantastisch erzählte Dokumentation über die ersten anderthalb Jahrzehnte der Bandhistorie.

    Der Film startet mit einer (Sub-)Kultur- und Sozialstudie des Ruhrpots, behandelt dann die frühen Gehversuche des jungen Zechenarbeiters und Venom-Fans Thomas Such, der irgendwann seinen ersten Bass kauft, der ihm mit Gaffer-Tape an den Körper geklebt wird, damit er das Monstrum auf seinem Mofa nach Hause fahren kann. Danach folgt der steinige, aber unglaubliche Aufstieg von Deutschlands vielleicht bekanntestem Extrem-Metaller. Demos, die per Kassettenrekorder aufgenommen werden, der erste Plattenvertrag aufgrund abgrundtief schlechter Live-Darbietungen, die Entstehung der legendären ersten EP, die so scheiße geworden ist, weil der Produzent die Combo die gesamte Zeit lang nicht ernst nahm und jegliche Schützenhilfe mit einem Lachen abtat und und und. Die musikalische Historie reicht in Sodom-Zeitrechnung bis zur „Masquerade In Blood“ (1995) und wird immer wieder flankiert von ultra-witzigen Anekdoten über die Metal-Szene aus Altenessen. Hier bekommt jeder sein Fett weg. Vor allem die ständigen Begegnungen bzw. Interaktionen zwischen Sodom und Kreator, die von den Anfängen beider Bands Anfang der Achtziger bis zum Wechsel Frank Blackfires von Sodom zu Kreator im Jahr 1989 andauerten, geben einigen Aufschluss über das organische Wachstum einer völlig einzigartigen Jugendkultur.

    Sehr wertvoll für den historisch korrekten Musikfan ist natürlich auch die ausführliche Beschäftigung mit allen ehemaligen noch lebenden bzw. auffindbaren Sodom-Musikern. Mal ehrlich: Mehr oder weniger abgetauchte Leute wie Witchhunter, Grave Violator, Blackfire oder Michael Hoffmann sowie sämtliche Session-Musiker etc. bekommt man doch so gut wie nie in längeren Interviews zu sehen und zu hören. Vor allem hat man nicht das Gefühl, dass die Interviews irgendwie zensiert worden sind. Die Herren Ex-Musiker dürfen sowohl schöne Erlebnisse erzählen wie auch Dinge, die ihnen ordentlich gegen den Strich gingen, ausführen.

    Den roten Faden stellt allerdings die Erzählung des Meisters selbst dar. Von Minute eins an kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. Ob’s am genialen Ruhrpotcharme des Meisters oder an den vielen kleinen teils lustigen teils tragischen Geschichten liegt, die Onkel Tom besser mal schnell in Buchform veröffentlichen sollte, kann man nicht ausmachen. Fest steht: Langweilig wird’s nie. Die unzähligen zeitgenössischen Videoaufnahmen sind für Leute meines Alters fast wie wehmütig durchgeschaute Fotoalben aus besseren Tagen. Für die junge Generation wird hier dokumentiert wie es damals war, als es EINE Metalszene gab, die sich nicht ständig mit konkurrierenden geistigen Armutszeugnissen der Marke „ich bin true, du bist buh“ gegenseitig anödete, sondern gemeinsam gegen das Establishment vorging (R.I.P.)

    Die Live-DVD geht gegenüber der Doku natürlich etwas unter. Hierzu ist zu sagen, dass man zugunsten eines einwandfreien Klangerlebnisses etwas auf Authentizität verzichtet hat, will sagen: Etliches Material dürfte nachbearbeitet worden sein. Zu sehen sind Auszüge aus verschiedenen Shows der letzten drei Jahre. Auffallend ist auch die besonders hervorragende Bildqualität. Ansonsten gibt’s eine schöne Best Off – Vorstellung von einer Band, die natürlich viel mehr Hits geschrieben hat, als auf eine DVD passen. Aber Teil Zwo kommt ja bestimmt…

    Momentan ist diese DVD qualitätsmäßig lediglich mit den „Early Years“ der Eisernen Jungfrauen zu vergleichen. Ein Meisterwerk und jetzt schon ein Klassiker der Heavy Metal-Geschichte. Hut ab, Herr Angelripper – und auf die nächsten 25 Jahre!



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