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Re: Patentwesen
Moroquen - 26.06.2006, 00:39Patentwesen
6. Patentwesen
Das Patentwesen wurde konzipiert, um Innovationen zu fördern, innovative Firmen wettbewerbsfähig zu machen und kleine Firmen und unabhängige Erfinder vor Großkonzernen zu schützen. Dieses Ziel ist als vollkommen gescheitert anzusehen.
Patente sind mit enormen Kosten verbunden, werden häufig dazu benutzt, um Konkurrenten aus dem Markt zu verdrängen und werden zu einem überproportionalen Anteil von Großkonzernen angemeldet und gehalten (vgl. http://www.heise.de/newsticker/meldung/60140).
Das Europäische Patentamt hat alleine im Jahr 2004 über 1 Mrd. Euro Gebühren erhoben (vgl. http://annual-report.european-patent-office.org/2004/_pdf/epo_anrep04.pdf). Darüber hinaus verschlingt das Patentwesen über die Kosten von Patentanwälten für die Prüfung und Beantragung von Patenten und Gerichtsverfahren über Patentverletzungen einen vermutlich um das Vielfache höheren Betrag. Dieses Geld sollte produktiv in Forschung und Entwicklung investiert werden, statt es für eine unglaubliche Bürokratie zu verschwenden.
*Anmerkung* Im übrigen bin ich der Meinung, dass wir hier den Standpunkt und die Argumentation der schwedischen Piratenpartei komplett übernehmen können. Sie haben hierzu einige sehr gute Argumente gesammelt. Siehe hierzu
http://www2.piratpartiet.se/the_pirate_party
http://www.piratpartiet.se/documents/Principles%203.0.pdf
http://www2.piratpartiet.se/an_alternative_to_pharmaceutical_patents
Es wäre toll, wenn das jemand übersetzen und in unsere Argumentation einbauen könnte.
Wir fordern daher
- Ein sofortiger Stopp jeder weiteren Patenterteilung in welchem Bereich auch immer.
- Eine schnelle Beseitigung der Altlasten, die durch die bisherige Patentpraxis entstanden sind.
Re: Patentwesen
seb - 26.06.2006, 02:09Re: Patentwesen
Hier mal eine deutshce Übersetzung des Teils über Patente aus [1].
Zitat:
Patente haben viele negative Effekt. Patente auf Pharmaceutika sind verantwortlich für Menschenleben, für die sich Medizin hätte geleistet werden können, verkehrte Forschungsprioritäten und unnötigerweise hohe und steigende Kosten für Medizin in reicheren teilen der Erde.
Patente auf das Leben und Gene, wie z.B. patentierte Getreidesaat, führen zu unverantwortlichen Konsequenzen. Software Patente verhindern Technologische Enticklungen und bilden eine wahre Bedrohung sowohl für schwedische als auch für europäische klein- und mittelständige IT-Unternehmen.
Patente sollen Innovationen fördern in dem sie Erfinder und Investoren schützen. In wirklichkeit werden Patente immer mehr von großen Unternehmen dazu benutzt kleinere Unternehmen daran zu hindern in Wettbewerb mit ihnen zu treten. Anstatt Innovationen zu fördern, werden Patente dazu benutzt um gegen andere 'Krieg' zu führen. Oft wissen die Patentinhaber nicht was sie mit dem Patent weiter entwickeln können.
Wir glauben Patente sind obsolet gewurden und das sie aktiv Innovationen und die Schaffung von Wissen behindern. Außerdem wird beim Betrachten aller Geschäftsfelder, welche nicht patentierbar sind, das Patente nicht benötigt werden. Die Möglichkeit als erster am Markt zu sein ist mehr als ausreichend um Innovationen voranzutreiben. Erfinder sollten besser fair mit natürlichen Voreilen, wie innovatives Design, Vorteile für den Verbaucher, Preis und Qualität umgehen, anstatt das vom Gesetz gegebene Monopol auf Wissen zu benutzen. Es werden Resourcen frei gesetzt, wenn keine Armeen von Patentanwälten mehr bezahlt werden müssen. Diese Resourcen können für die Schaffung echter Innovationen und die schnellere Weiterentwicklung von Produkten genutzt werden. Davon werden am Ende alle profitieren.
Wir wollen Patente abschaffen.
Abgesehen vom Missbrauch von Patenten, Versuchen Großunternhemen Monopole zu schaffen. Durch das Geheimhalten von Informationen von Dingen, wie z.B. Dateiformate und Schnittstellen, versuchen sie Andere Produzenten auszusperren. Dabei wird der Konkurenzkampf durch offensichtlichte Missachtung des Wertes des freien Marktes verhidnert. Diese Praxis führt direkt zu höheren Preisen und weniger Innovationen. Immer wenn öffentlich geförderte Bereich Informationssysteme oder Informationen erschaffen, müssen diese aktiv entgegen der Bildung oder das weitere Bestehen von privaten Monopolen auf Information, Wissen, Ideen oder Konzepten arbeiten.
Private Monopole sollten bekämpft werden.
Ich werde mal schauen wann ob ich [2] auch noch übersetze.
1. http://www.piratpartiet.se/documents/Principles%203.0.pdf
2. http://www2.piratpartiet.se/an_alternative_to_pharmaceutical_patents
Re: Patentwesen
Moroquen - 26.06.2006, 16:54
prima, vielen Dank!
Re: Patentwesen
seb - 26.06.2006, 23:29
Die deutsche Übersetzung von [1]:
Zitat: Eine Alternative zu Pharmapatenten
Pharmapatente sind schädlich
Patente auf Medizin, oder Pharmapatente, haben viele negative Effekte.
Pharmapatente verhindern das hundert tausende von Menschen in armen Ländern Medizin, die sie benötigen, erhalten, auch wenn diese Medizin vorhanden ist und ihr Leben retten könnte.
Pharmapatente verdrehen die Prioritäten der Pharmaforschung, seit dem es profitabler ist Krankheiten die von einem hohen Lebensstandard herrühren zu behandeln, anstatt Menschen mit Malaria zu heilen.
Außerhalb jeglicher politischer Kontrolle führen Pharmapatente zu immer weiter steigenden Kosten für Medikamente in Schweden und Europa.
Sind Pharmapatene nötig?
Trotz all dieser negativen Auswirkungen gibt es Menschen die Pharmapatente verteidigen und sagen das sie notwendig sind. Pharmaforschung ist sehr teuer, daher müssen wir sicher gehen das sie richtig gefördert wird. Ansonsten würden wir keine neue Medikamente in der Zukunft mehr bekommen, was genauso schlecht wäre.
-Aufgrund der Einfachheit des Kopierens eines pharmazeutischen Wirkstoffes, der Milliarden in der Forschung gekostet hat, müssen wir leider den Pharmaunternehmen Monopole auf neue Medikamente zugestehen. Dies sagen die Verfechter von Pharmapatenten.
Dies ist aber nicht wahr.
Der erste Teil des Argumentes ist natürlich richtig. Auf dem einen oder anderen Weg müssen wir sicher gehen das Geld für Pharmavorschung vorhanden ist.
Aber die Behauptung das Pharmapatente der einzige denkbare Weg ist um dieses Geld zu bekommen, ist nicht wahr.
Die Regierung zahlt heutzutage für die Forschung
Heute ist es bereits der öffentliche Bereich (fortan "die Regierung" genannt) der für die Menge an Medikamenten die in Europa genutzt werden bezahlt, aufgrund von verschiedenen Systemen von umfassender medizinischer Versorgung. Es ist die Regierung die für die Pharmaforschung zahlt, durch das bezahlen von hohen Preise an die Pharmaunternehmen für patentierte Medikamente.
Es existiert kein Naturgesetz das besagt das Patente der einzige Weg sind neue Medikamente zu entwickeln. Wenn "die Regierung" und die verschiedensten Staaten die Forschung selbst fördern und die Ergebnisse frei zugänglich machen, würde dies genauso vernünftig sein, wie das heutige Modell, bei dem Regierung private Monopole für die Pharmaunternehmen schafft und erhält.
Die wichtige Frage ist, welches Modell der effizienteste und kostengünstigste Weg der Förderung der Pharmaforschung ist. Niemand behauptet Pharmaforschung sei billig. Die durchschnittlichen Entwicklungskosten für ein neues Medikament betragen über eine Milliarde US Dollar.
Aber berücksichtigt man das "die Regierung" bereits einen Großteil der Einnahmen der Pharmakonzerne stellen, währe es ein logische erster Schritt herauszufinden wie viel dieser Einnahmen wirklich für Forschung aufgewandt werden.
Erfreulicherweise ist dies sehr einfach, da alle großen Pharmaunternehmen ihre Jahresberichte online zur Verfügung stellen. Als Beispiele können wir die Zahlen von Novartis, Pfizer oder AstraZeneca nehmen.
Sie geben alle ungefähr 15% ihrer Einnahmen für Forschung aus. Die anderen 85% werden, laut ihren Zahlen, für andere Dinge benutzt. Diese Zahlen sind typisch für diese Industrie.
Die Frage ist also: liefert uns, den Steuerzahlern, das Patentsystem den maximalen Betrag an Pharmaforschung für das Geld was wir für Medikamente ausgeben? Oder gibt es Raum für Verbesserungen, wenn selbst die Pharmaunternehmen eingestehen das sie 85% des Geldes, was wir ihnen geben, für andere Dinge ausgeben?
Wenn die Regierung stattdessen 20% der momentan Ausgaben für Medikamente direkt an die Pharmaforschung verteilen würde, würde dort mehr Geld für Forschung vorhanden sein als heutzutage. Wenn die Ergebnisse frei Zugänglich gemacht werden, sind die Pharmaunternehmen in der Lage moderne Medikamente herzustellen ohne jegliches Geld für Forschung auszugeben. Alles was für die Regierung übrig bleibt ist das Bezahlen der tatsächlichen Substanzen.
Patentfreie Medikamente sind preisgünstig
Wie würde es sich im Preis niederschlagen, wenn keine Pharmapatente vorhanden währen? Um diese Frage zu beantworten schauen wir auf patentfreie Nachahmerpräperate. In diesem Marktsegment haben wir bereits die Situation das verschiedene (private) Medikamentenhersteller miteinander konkurieren, und die Regierung kauft von den preisgünstigsten und besten.
Und es funktioniert!
Laut einem Bericht der schwedischen Behörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln(pdf auf Schwedisch), fallen die Preise durchschnittlich um 70%, wenn sie patentfrei werden (Seite 13 in der pdf).
Im Fall von Nachahmerprodukten sprechen wir von Medikamenten die mehr als 20 Jahre alt sind. Für neuere Medikamente veranschlagen die Pharmaunternehmen einen gleich viel größeren Aufpreis, so das die wirklichen Ersparnisse beim abschaffen von Pharmapatenten um einiges mehr als 70% sein werden. Aber lasst uns weiter konservativ bleiben und diese Zahl benutzen.
Halbierung der Kosten, mehr Geld für Forschung
Wenn Patente abgeschaft werden, würde der Preis auf 30% fallen. Addiert man 20% für die Förderung von zukünftiger Forschung, wie sie hier beschrieben wurde, erhält man eine um 50% gekürzte Rechnung für Medikamente von dem was die Regierung heute bezahlt. Wir konnten die Kosten halbieren und trotzdem die Ausgaben für Pharmaforschung erhöhen.
Ist diese Idee wert erforscht zu werden?
Welche Argumente gibt es für den Erhalt von Pharmapatenten, und Ablehnung von Kostensenkungen und andere mögliche Vorteile?
Zusammenfassung
Fassen wir die Hauptpunkte dieses Textes zusammen:
In Europa ist es, dank umfassender medizinischer Versorgung, bereits die Regierung, die für die meisten Einnahmen der Pharmaindustrie verantworlich ist.
Die Pharmaunternehmen geben, laut ihren eigenen Zahlen, 15% ihrer Einnahmen für Pharmaforschung aus. Die verbleibenden 85% werden für andere Dinge (zum größten Teil Marketing und Gewinne) verwendet.
Wenn die Regierung stattdessen 20% von ihren momentanen Ausgaben für Medikamente, direkt für Pharmaforschung ausgeben würden, wäre mehr Geld für Forschung vorhanden. Die Pharmaunternehmen müssten keine Forschung mehr selbst durchführen, folglich gäbe es auch keine Pharmapatente, da sie kein Forschungskosten hätten die zu entschädigen währen.
Ohne Patente fällt der Preis der tatsächlichen Substanzen um mindestens 70%, wenn sie auf dem freien Markt mit Konkurenz hergestellt werden, anstatt von einem Monopolisten.
Also: Verglichen mit dem heutigen System wären die Kosten der Regierung bei 20% (für Forschung) plus 30% (für die Substanzen). Insgesamt 50% von den heutigen Kosten und trotzdem mehr Geld für Forschung als heutzutage.
Realistisch auf europäischer Ebene
Ein offensichtliches Gegenargument ist, das dies etwas ist, was Schweden nicht alleine vernünftig durchführen kann. Dies ist wahr. Aber auf europäischer Ebene ist es vollständig machbar.
Wenn die europäischen Regierungen wollen würden, könnten sie sich einfach für die Abschaffung von Pharmapatente entscheiden und dafür entsprechende Beträge direkt für die Pharmaforschung aufwenden. Ob ein Land Patente anerkennt oder nicht hängt allein von der Entscheidung der Legislative dieses Landes ab. Und es ist bereits die Regierung, in den meisten europäischen Staaten, die die Rechnungen der Pharmaindustrie bezahlt.
Europa ist groß genug und reich genug, um sowohl einen beträchtlichen Anteil der globalen Pharmaforschung zu leisten, so das niemand uns vorwerfen kann zu schmarotzen, und den diplomatischen Druck, der ohne Zweifel auf uns ausgeübt werden wird, auszuhalten.
Also, noch mal die Milliarden Dollar frage:
Welche Argumente gibt es für den Erhalt von Pharmapatenten, und Ablehnung von Kostensenkungen und andere mögliche Vorteile?
Die Position der Piratpartiet
Die Piratenpartiet will langfristig Pharmapatente abschaffen, weiß aber das dies ein anderes System zur Förderung der Pharmaforschung bedarf. Wir glauben das die Einführung dieses neuesn Systems auf europäischer Ebene passieren sollte.
Wir bitten die schwedische Regierung dringendst die Effekte von verschieden alternativ System, wie das hier vorgestellt, zu untersuchen und Initative ergreifen um dies auf der europa-politischen Agenda zur Diskussion zu stellen.
1. http://www2.piratpartiet.se/an_alternative_to_pharmaceutical_patents
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