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Re: GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
Moroquen - 26.06.2006, 00:38GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
5. GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
Die Existenz eines unabhängigen und neutralen Rundfunks, der die Grundversorgung der Bevölkerung mit professionellen Nachrichten, Informationen und Kultur sichert, ist eine Errungenschaft, die bewahrt werden sollte, da sie für eine gesunde und vom Einfluss von Medienkonzernen einigermaßen unabhängigen Demokratie essentiell ist.
Allerdings ist die Form der Gebührenerhebung durch die GEZ Gegenstand einer nicht enden wollenden Diskussion und trifft in weiten Bevölkerungsteilen auf massives Unverständnis. Gerade die aktuelle Ausweitung auf Internetzugänge verschärft diesen Konflikt weiter.
Um den derzeitigen Verwaltungsaufwand von ca. 2% (s. GEZ-Geschäftsberichthttp://www.gez.de/docs/gb2004.pdf) weiter zu senken, erscheint die Umstellung auf eine Pflichtgebühr mit Befreiungsmöglichkeit (Opt-Out) anstatt eines Anmelderverfahrens (Opt-In) mit aufwendiger Verwaltung, Werbung und Erinnerungsschreiben sinnvoll. Durch eine Integration in die angedachte Kulturversicherung könnte das System von deren Vorteilen profitieren. Ein solches Verfahren wäre wiederum gerechter, da Haushalte mit einem geringen oder gar keinem Einkommen (z.B. Studenten) geschont und Haushalte mit Mehrfachverdienern stärker in die soziale Verantwortung gerufen würden.
Darüber hinaus muss die Kostenstruktur der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten transparenter gemacht werden, denn die jährliche Aufwendungen von mehr als 7 Mrd. Euro erscheinen für die angestrebte Grundversorgung enorm hoch. Wie bei vielen monolithischen staatlichen Einrichtungen muss hier eine stärkere Verantwortlichkeit gegenüber dem Steuer- bzw. Gebührenzahler etabliert werden (s. Abschnitt Informationstransparenz).
Re: GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
Hui-Buh - 26.06.2006, 01:22
Was die Transparenz der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten angeht, stimme ich voll und ganz zu. Und ich denke auch, dass die Gebühren weniger astronomisch hoch sind, als sie dem Endverbraucher erscheinen. Dem gebührenzahler wird es leichter fallen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu zahlen, wenn er eine Vorstellung davon bekommt, was ein Qualitätsprodukt wie der "Tatort" kostet. Dass eine Serie wie der "Tatort" kein Vergleich zu den Krimi-Formaten der Privatsender ist - denke ich - keine Frage.
Ein weiteres öffentlich-rechtliches System, dass vom Steuerzahler mitgetragen wird, bildet das System der Staatstheater. Vielleicht wäre auch das ein Diskussionpunkt von Interesse? Der Verbraucher hat dort noch weniger Einfluss und Kontrollmöglichkeiten, da er sich dem System nicht entziehen kann (GEZ kann man sich ja verweigern).
Staatliche Opern- und Schauspielhäuser werden mit Unsummen staatlich subventioniert, während kleine Theatergruppen und Off-Bühnen allein auf eine Finanzierung durch Werbung angewiesen sind. Werbeträger zu finden, gestaltet sich allerdings zunehmend schwierig. Stadttheater finanzieren sich aus dem Etat der zuständigen Gemeinde. Ein Sitzplatz in einem Staatstheater ist durchschnittlich mit über 100 Euro/pro Vorstellung subventioniert (dennoch sind die Karten verhältnismäßig hochpreisig). Man fragt sich auch hier, für was das Geld ausgegeben wird - die Angestellten können es nicht sein *zwinker*
Der Hohn an der Geschichte ist, dass ein Theater, dass seinen Etat für eine Spielzeit nicht vollständig ausschöpft, insofern bestraft wird, dass es für die nächste Spielzeit dann entsprechend weniger bekommt *amkopfkratz*
Re: GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
kadawer - 26.06.2006, 15:49
Die GEZ gehört tatsächlich abgeschafft. Stattdessen sollte lieber eine neue Kultursteuer eingeführt werden (die ja auch die Kosten einer Kulturflatrate abdecken könnte, aber das im anderen Thread). Wichtig wäre auf jeden Fall eine vollständige Transparenz aller Kosten der Öffentlich-Rechtlichen.
Statt sich immer mehr durch Werbung und product-placement zu finanzieren, sollten die ihre Kosten senken. Statt überteuerten Eigenproduktionen, Gerichtssendungen oder Quizshows sollte wieder ein vernünftige Informationssender aufgebaut werden, der ohne millionenschwere Supermoderatoren wie Beckmann, Kerner oder Gottschalk auskommt. Man sollte hier lieber engagierten jungen Nachwuchsmoderatoren die Chance geben.
Der Staat, also wir, sollte keine Unterhaltungssender finanzieren, sondern wirklich reine unparteiische Informationssender. Sport und Kultursendungen (Theateraufführungsaufzeichnungen), Dokumentaionen gehören dazu. Den Rest kann man, wenn man unbeding will, ja bei den Privaten erleben.
Internetzugänge sollten auf keinen Fall GEZ-Gebühren kosten, da dort nicht wie beim Fernsehen oder Radio -eine- Anstalt zu der Masse spricht, sondern jeder seinen "Content" auch selber verbreiten kann.
Re: GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
Moroquen - 26.06.2006, 16:11
Findet sich vielleicht jemand, der sich durch die Geschäftsberichte der GEZ und insbesondere der öffentlich-rechtlichen pflügt, eine verständliche Aufstellung erstellt, wofür die ca. 7 Mrd. Euro Jahresetat ausgegeben werden, und das optimalerweise den Ausgaben privater deutscher Sendern oder vergleichbarer staatlicher Anstalten in anderen Ländern gegenüberstellt?
Dann hätten wir eine fundierte Diskussions- und Argumentationsgrundlage.
Re: GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
seb - 26.06.2006, 18:35
Sich Gedanken darüber zu machen was die Öffentlich Rechtlichen Sender ausstrallen sollten ist zwar schön und gut, ich denke aber das die Politik darauf keine Einfluss nehmen kann/darf, oder ist dies zulässig? Was geschieht bei Zuwiderhandlung?
Re: GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
Hui-Buh - 26.06.2006, 19:01
Die Auswahl der Sendungen und die Programmgestaltung obliegt den Fernsehanstalten. Sie müssen nur einen gewissen Grad an Objektivität wahren und ihrem Bildungsauftrag entsprechen.
--> Das zu kontrollieren oder gar Einfluß darauf zu nehmen, sollte nichts mit den Anliegen der Piratenpartei zu tun haben.
Für die Piratenpartei wäre allerdings von Interesse, a) in welche Projekte wie viel Geld investiert wird (sprich: Wozu zahle ich eigentlich GEZ-Gebühren?) und b) langfristig eine fairere Änderung der Gebührenverteilung der GEZ (sprich: Studenten-WG vs. Managerhaushalt)
Re: GEZ/Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
Hui-Buh - 27.06.2006, 00:52
Noch ein kleiner Beitrag zur staatlichen Subventionierung von Theatern und Opernhäusern, da ich gestern so aus der hohlen Hand argumentiert habe.
Quelle: http://www.mehr-freiheit.de/faq/subvent.html
In Deutschland ist die Kultur fast vollständig vom Staat, d. h. einer sehr kleinen Gruppe von Politikern, abhängig. Mehr als 90% der Kulturausgaben werden aus staatlichen Haushalten (Gemeinden, Länder, Bund) finanziert, nur ein knappes Zehntel der Kulturfinanzierung kommt von privater Seite (Sponsoren, gemeinnützige Organisationen, Einzelpersonen).
Wie alle Staatsunternehmen, so ist auch die Staatskunst wirtschaftlich ein Mißerfolg. Die Politiker geben das Geld der Steuerzahler für Projekte aus, die nicht das Interesse des allgemeinen Publikums finden. So wurden z. B. 130 professionelle Symphonie- und Kammerorchester geschaffen. Allein in Berlin gibt es 8, im Ruhrgebiet 6 Orchester. Die politische Klasse unterhält auch 150 staatliche und 200 (schein-)private Theater sowie 37 Festspiele. Die staatlichen Zuschüsse an die Theater betragen 2 Milliarden Euro pro Jahr. Die staatlichen Schauspielhäuser erwirtschaften nur 16% ihrer Einnahmen selbst. Jede Eintrittskarte wird vom Staat mit 100 Euro bezuschußt.
Diese Beispiele aus der darstellenden Kunst sind keine Einzelfälle. Der demokratische Staat finanziert mit dem Geld der Mehrheit einen Kunstbetrieb, den diese Mehrheit gar nicht haben möchte. Die politische Klasse erklärt ihren Kunstgeschmack für allgemeinverbindlich und betrachtet ihre Kulturpolitik als eine Art Erziehungsdiktatur.
Diese Subventionspraxis wirft für die Künstler einige Fragen auf:
* Wie läßt es sich moralisch rechtfertigen, die Gesamtheit der Steuerzahler zur Kunstfinanzierung zu zwingen, wenn ein Teil der Beitragszahler diese Kunst gar nicht kennt, sie ablehnt oder gar abscheulich findet? Würde ein subventionsempfangender Künstler freiwillig für etwas bezahlen, das er nicht mag?
* Ist es gerecht, wenn über das Steuersystem Geringverdienende gezwungen werden, die Kunstkonsumtion von Gutverdienenden zu finanzieren? Warum lassen sich viele bürgerliche Gutmenschen den Besuch von Theater, Oper und Konzerten subventionieren, während die Arbeiter ihre Freizeitaktivitäten, von Fußball bis Popveranstaltung, meist selbst bezahlen? Wie ernst ist das Engagement zu nehmen, daß viele Staatskünstler für die "Unterprivilegierten" zeigen?
* Wie verträgt es sich mit dem Selbstwertgefühl der Künstler, die staatliche Unterstützung fordern und erhalten, daß andere Künstler in ihrem Bereich ganz ohne Subventionen auskommen? Ist es ein Ausdruck von Talent, wenn ein Künstler am staatlichen Tropf hängt?
* Kann ein Künstler kritisch und unabhängig sein, wenn er von der Gunst der Politiker abhängig ist? Welcher Subventionsempfänger wagt es, die Hand zu beißen, die ihn füttert? Gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen der gegenwärtigen Praxis der staatlichen Kunstpflege und jener in totalitären Staaten?
* Gibt es einen Zusammenhang zwischen den finanziellen Interessen der Staatskünstler und ihrer meist sozialistischen Weltanschauung?
Die Trennung von Staat und Kulturbetrieb ist genauso wichtig wie die Trennung von Staat und Religionsbetrieb (Kirche). Ein freiheitlicher Staat, dessen Bürger immer ganz unterschiedliche Weltanschauungen haben werden, darf keine von ihnen bevorzugen oder benachteiligen. Privatpersonen steht es frei, wofür sie ihr Geld ausgeben. Der Staat hingegen muß in Kunstfragen neutral sein.
Genauere Informationen zu Kostenstrukturen finden sich hier: http://www.buehnenverein.de/presse/gbericht.php
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