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Re: Sekten
Bastian - 20.06.2006, 18:49Sekten
Sekten Definition
Theologisch
Gruppierungen, die sich von einer größeren Religionsgemeinschaft abgespaltet haben. Sie meinen aufgrund "neuer" Offenbarungsquellen den einzig wahren Weg zum Heil oder zur Erlösung zu kennen und bewerten oft einzelne Glaubensaspekte über.
Umgangssprachlich
Gruppen oder Organisationen, die psychologisch subtilen Techniken der Bewusstseinskontrolle einsetzen, um Menschen in ihre Abhängigkeit zu bringen, werden in der Umgangssprache als Sekten bezeichnet. Diese Bewusstseinskontrolle ist der kleinste gemeinsame Nenner dieser Gruppierungen, die Art und Weise ist sehr unterschiedlich.
Sekten-Merkmale: Führerperson, Heilsversprechen, Abhängigkeit, Feindbilder, Abschottung, Gruppendruck
Scientology, VPM (Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis) oder Landmark Education bezeichnen sich als "Psychogruppen" – aufgrund ihres therapeutischen Anspruchs.
Die Sektenlehre gibt Antwort auf alle bedrängenden Fragen. Ein Nichtmitglied weiß wenig, ein Mitglied fast alles. Die lehrmäßige Klarheit gewährt emotionale Sicherheit.
Das Sektenmitglied gehört zu einer religiösen Elite, Sektenzugehörigkeit steigert das Selbstwertgefühl.
Die Sekte versucht, moderne Menschen in ein angeführtes Kollektiv zurückzuführen. Kritikfähigkeit wird systematisch verdrängt. Es wird kritiklose Identifikation verlangt. Die Angst der Mitglieder wird hemmungslos geschürt. Angstbesessene Leute verzichten gerne auf Kritik. Der Totalitarismus einer Sekte wird rituell gestaltet. Jede Sekte inszeniert Opfer, übt radikale Opferbereitschaft. Geopfert werden Geld, Beruf, bisherige Beziehungen, Anspruch auf Privatleben, Kritikbereitschaft, Individualismus, bisheriger Name, persönliche Kreativität.
Warum werden Menschen Mitglieder einer Sekte?
• Sie sind auf der Suche nach einem anderen Leben, nach Selbsterfahrung, Bewusstseinserweiterung, Abenteuer, Grenzerfahrungen, Sinn.
• Sie haben ein hohes Protestpotential, sind mit ihrem Leben, der Gesellschaft, der Welt unzufrieden.
• Sie kommen mit der Komplexität des Lebens in unserer Zeit nicht zurecht; suchen einfache, klare Regeln, an denen sie ihr Leben ausrichten können.
• Menschen in akuten persönlichen Krisen: extreme Pubertätskrisen, "midlife crisis", Arbeitslosigkeit, Tod des Partners
Menschen mit schweren, chronischen seelischen Problemen: sie haben zumeist schlechte Erfahrungen mit dem traditionellen Hilfesystem und klammern sich an jeden Strohhalm.
So erkennen Sie eine Sekte
Die Sekten gehen immer nach dem gleichen Schema vor: Sie überreden ihr Opfer, sie lassen ihm keine Zeit, sich alles in Ruhe zu überlegen und erst dann zu entscheiden.
Typisch für Sekten ist auch eine streng hierarchische Struktur, bei der es immer jemanden gibt, der einem übergeordnet und befugt ist, Weisungen zu geben. An der Spitze steht häufig eine Führungsfigur, die behauptet, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein.
Folgende Kriterien deuten auf eine zerstörerische Sekte hin:
• Der Betroffene kann Entscheidungen nicht mehr selbst treffen. Dies gilt sowohl für Alltags- als auch für Lebensentscheidungen.
• Die Lebensgestaltung wird ohne Absprache mit dem Lebenspartner/den Eltern verändert.
• Sexualität wird streng reglementiert.
• Der Betroffene ist nicht mehr kritikfähig. Er ist nicht mehr bereit zum Dialog. Er ist fanatisiert.
• Oft räumt er auch seine Bankkonten oder macht Schulden. Die Leistung im Beruf lässt nach.
Hilfe finden Sie bei den Sektenbeauftragten der Kirchen und bei den psychosozialen Beratungsstellen.
Scientology
Der Science-Fiction Autor und Okkultist Lafayette Ronald Hubbard (1913 - 1986) veröffentlichte 1950 das Buch "Dianetik - Die Wissenschaft von der geistigen Gesundheit". Aus seinen unbedeutenden Science-Fiction-Phantasien wurde eine Art "Do-it-yourself-Psychologie" - "Scientology", die " einzige Wahrheit", "der wahre Weg", der laut Hubbard ohne Abweichungen befolgt werden muss.
Die Scientology möchte "mindestens so alt wie die Menschheit" sein und "trotzdem vollständig neu." Dieses Zitat deutet zwei Ebenen an :-)), von denen wir zunächst die Ebene betrachten, auf der die Scientologen "missionieren".
Ebene 1: "Mission"
Scientology bezeichnet sich selbst als "Church" (=Kirche) und erhebt den Anspruch "Religion" + "Wissenschaft" zu sein.
Obwohl fast jeder Bundesbürger von der Scientology als "Kirche" hörte, hat kaum jemand eine Vorstellung davon, was den Scientologen Glaubensinhalt sein könnte, denn trotz Textmasse fehlen konkrete Aussagen oder sind von kaum merkfähiger Banalität, obgleich die zentralen Thesen schnell gefunden sind - so heißt es unter dem Titel "Wir glauben", "dass der Mensch im Grunde gut ist, dass er danach strebt zu überleben, dass er seine Gesundheit nicht zerstören will". Die gesamte Liste taugt nicht, dass der Anspruch von Religion, geschweige denn Wissenschaft annähernd eingelöst würde. Die einlullenden Sprüche zielen vielmehr auf den zentralen "Glaubenssatz", dass die "Scientology den Weg weist, den Menschen und seinen Geist zu rehabilitieren".
Die Scientology überspringt die Frage, "ob" der Mensch "rehabilitiert" werden müsse, indem sie sogleich vorgibt, dafür die Methoden entwickelt zu haben. Die Scientologen suggerieren mit der implizierten Voraussetzung "Rehabilitierung", dass der Mensch Täter oder Opfer sei und setzen damit das Erfordernis zu einer "Therapie", die sie "Religion" nennen.
Scientology verspricht, den Menschen in die "totale Freiheit" zu tragen und bietet als Einstieg einen kostenlosen Persönlichkeitstest mit 200 Fragen, der angeblich Stärken, vor allem aber Schwächen aufzeigt. Hier setzt das "Therapieangebot" in Form von schrittweise teurer werdenden Psychokursen ein, die in einem verschachtelten System zu mehr persönlicher Freiheit und Macht führen sollen. Das Gegenteil ist der Fall: indem die Scientology ihre Mitglieder unter dem Vorwand der "Therapie" mit Methoden der Gehirnwäsche bis in intimste Bereiche des Lebens durchleuchtet, wächst ihr vollkommene Kontrolle über die Mitglieder zu und die emotionale Ausbeutung wird zur materiellen Ausbeutung: ehemalige "Gemeindemitglieder" berichten, dass sie mehrere tausend, einige sogar mehr als 100.000 DM investierten. Der menschliche Geist soll durch "Auditing" (lat. audire = jemand, der zuhört) "rehabilitiert" werden. Immer wieder wird dem Leser der Begriff "Rehabilitierung" untergejubelt - dem Basisbegriff des Scientology-Systems.
"Ausgebildete Auditoren" beten dabei die Sprüche von Hubbard herunter, bis man "erkennen" könne, "was man ist und wo man ist".
Als besonderer Clou kommt dabei ein Elektrometer zum Einsatz, um Bereiche geistigen Leids oder geistiger Verstimmung herauszufinden, die einer Erreichung höherer Bewusstseinsstufen im Wege stünden. Man nehme die eine Elektrode die linke Hand, die andere in die rechte Hand. Dann wird man etwas gefragt und die veränderten Erregungszustände beim Denken lösen bekanntlich veränderte Spannungen aus, aber die Interpretation solcher Status veränderungen bleibt so waghalsig wie es für "Lügendetektoren" längst erwiesen ist. Doch die Scientologen lassen sich durch keinen Vorbehalt beirren und sie interpretieren sich die Bestätigung dafür herbei, dass der Gläubige einen weiteren Kurs besuchen und bezahlen muss, worin die einzige "Wahrheit" liegt, an die sich für sie millionenfach zu "glauben" lohnt
Die Zeugen Jehovas
Die Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft - ursprünglich "Ernste Bibelforscher" - wurde 1881 in den USA von Charles Taze Russel (1852-1916) gegründet. 1931 nahm sie den Namen "Jehovas Zeugen" an. Sie geht vom alttestamentlichen Gottesbild aus und lehnt die Lehre von der Dreieinigkeit ab. Die Bibel wird strengstens wörtlich genommen, die Evolutionstheorie wird von den Zeugen kategorisch abgelehnt.
Jede andere Kirche wird als Organisation Satans, als "Hure Babylon" und als Erzfeind betrachtet. Ebenso gilt der Staat als Teil des "satanischen Systems". Die Zeugen Jehovas nehmen den Besitz der christlichen Wahrheit für sich allein in Anspruch.
Die Zeugen Jehovas sind streng hierarchisch gegliedert. Die Sektenführung in New York duldet keinen Widerspruch. Deren Meinung wird streng autoritär an die unteren Ebenen weitergegeben. Die Mitglieder werden zur besseren Kontrolle von ihrem sozialen Umfeld abgeschottet. Der Umgang mit Personen außerhalb der Gemeinde ist nicht gern gesehen. Das Leben der Zeugen ist fast ausschließlich auf die Sekte beschränkt. Das Führungsmittel der Sektenführung ist in erster Linie Angst. Es wird mit der ewigen Verdammnis gedroht oder mit dem Ausschluss aus der Gemeinschaft, da keine soziale Bindung außerhalb der Sekte besteht, ist ein solcher Ausschluss von den Zeugen sehr gefürchtet.
Die Zeugen Jehovas glauben an eine bald stattfindende Apokalypse, das sogenannte Harmageddon. Die einzigen Überlebenden dieser Endschlacht werden die Zeugen Jehovas sein. Nach dem Gott nun die Herrschaft übernommen hat, entsteht eine Zwei-Klassengesellschaft unter den Überlebenden. 144000 geistgesalbte Wesen werden mit Christus in seinem himmlischen Königreich als Könige regieren, der Rest der Zeugen muss sich mit einem Leben auf der neuen Erde begnügen.
Jeder Zeuge Jehovas ist zur Mission verpflichtet und wird als "Verkünder" bezeichnet. Die Verkündigung dieser Wahrheiten ist die wichtigste Glaubenspflicht. Diese wird entweder durch den Predigtdienst von Haus zu Haus erfüllt oder durch das Stehen auf belebten Straßen mit dem "Wachturm" in der Hand. Obligat ist auch die Teilnahme an den jährlichen Kongressen.
Die Beschäftigung mit weltlichen Dingen wird von den Zeugen nicht gern gesehen. Politik, Sport, Hobbys oder moderne Musik sind verpönt. Sowohl religiöse Feste (beispielsweise Weihnachten, Ostern) als auch persönliche (z.B. Geburtstag) oder staatliche Feiern werden abgelehnt. Sie mussten bis vor kurzem nicht nur den Wehrdienst, sondern auch den Ersatzdienst verweigern und durften nicht aktiv an politischen Wahlen teilnehmen. Beide Vorschriften wurden kürzlich aufgehoben und die Entscheidung dem Gewissen der Einzelnen überlassen.
Als gefährlich zu bewerten ist der Verbot von Bluttransfusionen, hier wird entgegen medizinischer Möglichkeiten der Tod eines Mitglieds in Kauf genommen.
Gefahren der freien Welt
Die Feindbilder haben sich gewandelt. Galten in den siebziger Jahren noch radikale linke Gruppen wie die terroristische RAF als Inbegriff staats- und demokratiefeindlicher Gesinnung, so sind es seit einiger Zeit "Weltverbesserer" ganz anderer Art, so genannte "Sekten", von denen sich die führenden kapitalistischen Staaten - mit auffälliger Ausnahme der USA! - in höchstem Maße bedroht fühlen. Eine dieser Sekten hat es den Sektenexperten der Kirchen, Politikern und Medien ganz besonders angetan: Scientology. Kaum je zuvor in der jüngeren Geschichte wurde eine Organisation so erbittert bekämpft und unisono verketzert wie die von dem US-amerikanischen Sachbuch- und Science-Fiction-Autor Lafayette Ronald Hubbard in den fünfziger Jahren initiierte Scientology-Kirche. Woher kommt die Angst vor Scientology? Ist sie begründet? Oder gilt sie nur einem Phantom?
Als die Scientology-Kirche 1996 in einer Anzeigenserie in großen amerikanischen Tageszeitungen die Verfolgung ihrer Mitglieder in Deutschland mit derjenigen der Juden im Dritten Reich verglich und einzelne Mitglieder der Bundesregierung des Verfassungsbruchs bezichtigte, da ging ein Aufschrei der Empörung durch die bundesdeutsche Öffentlichkeit. Anlass für die Scientology-Aktion: die Entscheidung Bayerns, vom 1. November 1996 an alle Anwärter für den öffentlichen Dienst über ihre Beziehungen zu Scientology zu befragen - eine Art religiöser Radikalenerlass. Eine "ungeheuere Beleidigung" der Opfer des Nationalsozialismus nannte der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, einer der Wortführer im Kampf gegen die umstrittene Organisation, den von Scientology gezogenen Vergleich.
Die Vorwürfe von Scientology wiegen in der Tat schwer, und sie erscheinen umso dreister, als doch gerade dieser Organisation "totalitäre", ja "faschistische" Strukturen nachgesagt werden. Bis etwa zur Jahresmitte 1998 überschlugen sich die Medien geradezu im Aufbau eines furchterregenden Bedrohungsszenarios. Kaum ein Tag verging ohne neue Horrormeldungen über die Gefährlichkeit von "Sekten" - und immer wieder Scientology an erster Stelle. Längst sollte die "Sekte" die Wirtschaft unterwandert haben und in empfindliche Bereiche von Staat und Gesellschaft eingedrungen sein. Wie eine Krake greife Scientology nach Macht und Einfluss und verfolge konsequent und skrupellos nur ein Ziel: die absolute Weltherrschaft, die Vernichtung der Demokratie und die Versklavung der Menschheit! Obwohl die Beschuldigungen klingen, als stammten sie aus einem billigen Science Fiction, wurden die Medien nicht müde, die Bevölkerung auf die Gefährlichkeit der "Sekte" einzuschwören, so dass allein der Name "Scientology" wenn nicht Verfolgungsbereitschaft, so doch reflexhafte Ablehnung hervorrufen musste. Entsprechend drastisch waren die Maßnahmen, mit denen Staat, Parteien und Privatwirtschaft in Deutschland gegen Scientology vorgingen.
Staatsfeind Scientology
Die Liste dieser Maßnahmen ist lang. Sie reicht von staatlichen "Aufklärungsprogrammen" über Aufrufe zum bundesweiten Verbot der "Sekte" von Bundes- und Landespolitikern, den Ausschluss von "Scientology-Unternehmen von der privaten Arbeitsvermittlung durch das Bundesministerium für Arbeit, behördliche Verordnungen, um die Verbreitung von Scientology-Publikationen und das Anmieten öffentlicher Räume durch die Organisation zu verhindern, den Ausschluss von Scientologen-Kindern aus Kindergärten und Schulen bis hin zur Änderung des Landesdatenschutzgesetzes in Schleswig-Holstein zum Zweck, personenbezogene Daten von Mitgliedern von "Sekten und sektenähnlichen Vereinigungen" sammeln zu können. Selbst die öffentlichen Bibliotheken der Bundesrepublik wurden in der Folge weitgehend von Primärliteratur der Scientology-Organisation bzw. den Schriften ihres Stifters L. R. Hubbard "gesäubert". Bücherspenden werden, zum Teil auf Anraten bzw. auf Anweisung der Länder-Kultusminister - wie etwa in Hessen und Niedersachsen -, nicht in die Bibliothekenbestände aufgenommen. Laut Aussagen von Bibliothekaren öffentlicher Bibliotheken in Hessen gilt diese Aufforderung auch für Bücher der Zeugen Jehovas.
Hinsichtlich Scientology herrscht seltene Einmütigkeit. Längst haben alle etablierten Parteien beschlossen, Scientologen in ihren Reihen nicht zu dulden. Gipfel der Unduldsamkeit: eine Form-Beitrittserklärung der Jungen Union, die unter dem Motto "Ich bekenne Farbe" das Bekenntnis verlangt: "Mit meiner Unterschrift bestätige ich, dass ich weder einer anderen Partei noch der Scientology-Sekte angehöre." Auch viele private Unternehmen wie beispielsweise die Würth GmbH in der hohenloheschen Künzelsau verlangen von ihren zukünftigen Mitarbeitern die ausdrückliche Erklärung, dass sie mit Scientology nichts zu tun haben.
Bereits im Mai 1992 verständigten sich die Justizminister der Länder auf einer Konferenz in Hannover auf ein "schärferes Vorgehen" gegen Scientology, wobei erstmals auch erwogen wurde, die Organisation vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Den Anfang machte dann - wie einst beim Radikalenerlass - der SPD-Geführte Hamburger Senat, der im Juni 1992 weit reichende Maßnahmen gegen Scientology beschloss und zu deren Umsetzung eine "Arbeitsgruppe Scientology" ins Leben rief. Zur Leiterin wurde die SPD-Politikerin Ursula Caberta ernannt, eine der treibenden Kräfte in der Anti-Scientologen-Front. Zu der gehörte seinerzeit auch Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Im September 1994 entzog Kohls Lieblingsminister per Anweisung Scientologen das Recht, als private Arbeitsvermittler tätig zu werden. Und im November des darauf folgenden Jahres verlangte der Berliner Senat von jeder mit ihm in geschäftlicher Verbindung stehenden Firma die schriftliche Erklärung, dass sie nichts mit Scientology oder den Lehren des "Sekten-Stifters Hubbard zu tun habe. In einem Beschluss vom 6. Mai 1994 (AZ: SIK 34/13) befand die Innenministerkonferenz, die Scientology-Organisation stelle sich "gegenwärtig den für die Gefahrenabwehr und die Strafverfolgung zuständigen Behörden der inneren Verwaltung als eine Organisation dar, die unter dem Deckmantel einer Religionsgemeinschaft Elemente der Wirtschaftskriminalität und des Psychoterrors gegenüber ihren Mitgliedern mit wirtschaftlichen Betätigungen und sektiererischen Einschlägen vereint."
Noch einen Schritt weiter ging die Regierung des Freistaats Bayern. Auf Initiative von Innenminister Beckstein verabschiedete die bayerische Landesregierung einen Entschluss, wonach ab sofort alle Anwärter für den öffentlichen Dienst in einem Fragebogen mögliche Beziehungen zu der Organisation offen legen müssen. Bereits Beschäftigten des Freistaats drohen Disziplinarverfahren, wenn sie in Kontakt mit Scientology stehen. Bewerber für staatliche Aufträge müssen schriftlich erklären, nichts mit der Organisation zu tun zu haben. Nach Auffassung der Landesregierung handelt es sich bei Scientology um ein Wirtschaftsunternehmen, das seine Anhänger mit "rücksichtslosen Psychomethoden" einer totalen Kontrolle unterwirft. Beamtenanwärter mit Beziehungen zu dieser Gruppe könnten, so die bayerische Landesregierung, angesichts des Absolutheitsanspruchs von Scientology in Konflikt mit ihren Dienstpflichten geraten. Dadurch seien Zweifel an ihrer Eignung für eine Tätigkeit im staatlichen Bereich gegeben.
Ihren bisherigen Höhepunkt erreichte die staatliche Diskriminierung mit der Beobachtung von Scientology durch den Verfassungsschutz, zunächst in Baden-Württemberg (seit Anfang 1997) und schließlich, seit Juni 1997, bundesweit, mit Ausnahme Schleswig-Holsteins. Zum ersten Mal in der 50jährigen Geschichte der Bundesrepublik wurde eine Religionsgemeinschaft damit offiziell zum Objekt geheimdienstlicher Schnüffelei.
Ein Jahr zuvor hatte eine vom Bundestag eingesetzte Enquetekommission "so genannte Sekten und Psychogruppen" ihre Arbeit aufgenommen. Diese legte im Sommer 1998 ihren lange erwarteten Abschlußbericht vor. Bereits vor Erscheinen dieses Berichts hatten angesehene Wissenschaftler der Kommission "Weltanschauungskontrolle" vorgeworfen. Sie begünstige einseitig das Machtinteresse "der beiden Amtskirchen" gegen konkurrierende "soziale Dienstleister" und "kleine religiöse Gruppierungen". In einer 10-Punkte-Erklärung warfen namhafte Professoren, darunter der Heidelberger Kirchenhistoriker Gerhard Besier sowie der ehemalige Ex-Bundesminister Hans Apel (SPD), der Enquete eine Reihe von Verstößen gegen das Neutralitätsgebot vor. Tatsächlich hatte die Kommission als sachverständige Mitglieder Sekten- und Weltanschauungsbeauftrage der beiden großen Kirchen, nicht aber Sachverständige anderer Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften berufen. In der praktischen Arbeit schlug sich die Befangenheit der Kommissionsmitglieder u.a. darin nieder, dass sich die Kommission zwar vermeintliche Sekten-Opfer vorführen ließ, den angeklagten Organisationen jedoch häufig nicht die geringste Gelegenheit zur Stellungnahme gab.
In ihrem Abschlußbericht kommt die Bonner Glaubenskongregation dennoch zu dem Ergebnis, Sekten und Psychogruppen stellten gegenwärtig "insgesamt keine Gefahr für Staat und Gesellschaft oder für gesellschaftlich relevante Bereiche, z. B. Wirtschaft" dar. Im Gegensatz zur allgemeinen Entwarnung steht freilich eine gesonderte Bewertung der Scientology-Kirche, deren angebliche Gefährlichkeit von der Kommission unterstrichen wird. "Obwohl die kirchlichen Sektenexperten selber nicht recht an die Gefährlichkeit ihrer Forschungsobjekte glaubten", so Der Spiegel(24/98), "fürchten sie doch die Konkurrenz. Mit dem Entwurf eines ‚Lebensbewältigungshilfegesetzes‘ wollte die Kommission den angeblich unmündigen Konsumenten des Psychomarktes den rechten Weg weisen - zurück in den Schoß der Amtskirchen. Damit scheiterten die Sektenbekämpfer jedoch schon am Einspruch des Bundesjustizministeriums. Der Gesetzentwurf hätte auch seriöse Anbieter benachteiligt."
Als Ersatz für das abgelehnte Gesetz präsentierte die Kommission zwanzig Handlungsempfehlungen: so solle etwa der Straftatbestand des Wuchers künftig auch bei psychischen Zwangslagen greifen, die Polizei solle Sonderdezernate für Okkultismus und Satanismus einrichten, "obgleich", so Der Spiegel weiter, "eine Befragung der Landeskriminalämter keine Notwendigkeit ergab und die Kommission selbst zu dem Schluss kommt, es handle sich um ‚seltene Randerscheinungen‘."
Seit Veröffentlichung des Abschlußberichts der Enquetekommission hat sich zwar die Aufgeregtheit der Medien etwas gelegt, tatsächlich ging die Diskriminierung jedoch unverändert weiter. Eines der prominenteren Opfer: der französische Tennisspieler Arnaud Boetsch. Seit November 1997 spielte Boetsch für den Bundesliga-Aufsteiger TC Karlsuhe-Rüpurr. Obwohl Boetschs Mitgliedschaft bei Scientology seit langem im Verein bekannt war und dieser offiziell nie für die Kirche auftrat, wurde der Vertrag mit dem Franzosen im Juni 1998 aufgelöst. Den Ausschlag für diese Entscheidung gab eine Denunziation Boetschs in der örtlichen Zeitung, den Badischen Neuesten Nachrichten, die dazu führte, dass einige Sponsoren den Verein drängten, sich von Boetsch zu trennen.
Was allein der vage Verdacht, der "Sekte" anzugehören, bewirken kann, erlebte der Berliner Polizeidirektor Otto Dreksler. Aufgrund eines Behördenzeugnisses des Landesamtes für Verfassungsschutz über seine angebliche Mitgliedschaft bei Scientology wurde Dreksler im März 1998 vorübergehend vom Dienst suspendiert. Erst am 22. Juli 1998, nachdem sich die Beschuldigungen gegen ihn als haltlos erwiesen hatten, wurde der Beamte wieder als Leiter des Lagedienstes der Berliner Polizei eingesetzt. Im selben Jahr verhafteten die Schweizer Behörden einen Agenten des baden-württembergischen Verfassungsschutzes, der in der Eidgenossenschaft Scientologen ausspionieren wollte. Jetzt steht ihm ein Prozess wegen Verletzung der Schweizerischen Souveränität ins Haus.
Quellen:
http://www.hilfe24.de/sekten_definition.htm
http://www.hilfe24.de/scientology.htm
http://www.hilfe24.de/zeugen_jehovas.htm
http://www.hilfe24.de/sekten_warnung.htm
http://www.hilfe24.de/mormonen.htm
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