trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

Das MM-Slasharchiv
Verfügbare Informationen zu "trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]"

  • Qualität des Beitrags: 0 Sterne
  • Beteiligte Poster: skold_in_suspenders - Chepre - Omega - James Bathory
  • Forum: Das MM-Slasharchiv
  • Forenbeschreibung: Das Archiv von Mansonslashfic, wo unsere Werke zu finden sind!
  • aus dem Unterforum: Angst
  • Antworten: 30
  • Forum gestartet am: Mittwoch 15.11.2006
  • Sprache: deutsch
  • Link zum Originaltopic: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]
  • Letzte Antwort: vor 12 Jahren, 7 Monaten, 11 Tagen, 14 Stunden, 37 Minuten
  • Alle Beiträge und Antworten zu "trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]"

    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 08.08.2010, 14:02

    trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]
    Trip, torn

    Disclaimer: Keine der Personen gehört mir, alles frei erfunden.
    Zusätzliche Warnungen: depri, romance, lime und auch sad... aber an sich eine Angst-Fic ^^
    Pairing: G x T

    [Tims POV]

    Es war nach irgendeinem Konzert. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wo. Wir hatten alle ziemlich einen im Tee: Manson, John und Pogo schluckten bunte Pillen und snifften ich-weiß-nicht-was. Der ganze Alkohol war schon leer, bis auf ein Schluck Wodka.
    Ich fragte, wo Ginger sei, denn es war weit und breit keine Spur von ihm. Ich war auf dem Hof spazieren gewesen, hatte mich mit einigen Roadies unterhalten und so meinen Rundgang abgeschlossen. Der Alk schwemmte durch meine Arterien und Venen, das THC entfaltete nun seine volle Wirkung. Ich war ruhig und sensibel.
    Sie sagten mir, das Ginger einen Absturz hatte und auf dem Klo rumhing. Mein Gefühl sagte mir, dass es ziemlich erbärmlich sein müsse, allein im schlechten Zustand auf einem dreckigen Backstageklo herumzuhängen. Er könnte sogar an seiner eigenen Kotze ersticken und das alles... Normalerweise war ich nicht so ein Mensch, der sich rührende Gedanken um seine Kollegen machte, aber seit geraumer Zeit war das etwas anders. Und kam noch eine Bong dazu, war ganz Schluss.
    Leise klopfte ich an die schäbige Tür, die weiße Farbe war abgeblättert und legte das Metall frei, welches voller Dellen und Kratzer war. Irgendwelche Penner hatten seltsame Dinge auf die Tür gekritzelt... eine Zeichnung konnte ich eindeutig Manson zuordnen.
    Die Tür war nicht abgeschlossen, also konnte ich so hinein. Ginger hatte auf mein Klopfen nicht geantwortet. Ich fand ihn in einem besseren Zustand vor, als ich ihn mir ausgemalt hatte, aber mitleiderregend war er auf jeden Fall.
    „Hey Ginger.“
    Da saß er an die Fließen gelehnt, die Beine angezogen, das kreidebleiche Gesicht auf die Kloschüssel gelehnt. Strähnen seines Haares hingen über seine Augen, sodass ich erst nicht ausmachen konnte, ob er schlief oder wachte.
    Ich hockte mich langsam vor ihn hin und stupste sein Knie an.
    „Ginger“, flüsterte ich noch mal und spürte, wie mir ein Lächeln in die Mundwinkel kroch. Warum, kann ich bis heute nicht genau sagen. Jedenfalls rührte er sich. Seine Augen gingen auf und seine Haarsträhnen verfingen sich in seinen Wimpern, sodass er blinzeln musste. Ohne zu zögern schob ich die Strähne hinter sein Ohr und konnte endlich ganz in sein Gesicht blicken. Oh ja, der Junge war voll auf dem Trip.
    Ein beinahe tonloses „Tim“ formte er mit seinen Lippen und ich nickte.
    „Geht’s? Du siehst sehr fertig aus.“
    Irgendetwas regte sich in ihm, etwas heftiges, wallendes. Seine bleichen Hände zitterten, er hob schwach seinen Kopf und die dunklen Augen rasten grundlos umher. Ich hörte es seine Speiseröhre hochbrodeln, stellte mich hinter ihn und half ihm dabei, sich über –oder mehr in- die Kloschüssel zu hängen. Ich hielt ihm die Haare aus dem Gesicht, kraulte leise seinen Kopf und wartete mit ihm, bis es vorbei war. Er keuchte atemlos, spuckte immer wieder sauren Speichel aus und dann entspannte sich sein Körper wieder. Ich lehnte ihn zurück an die Wand und spülte. Ginger hatte seinen Kopf an die Wand gelehnt und die Augen geschlossen. Ich hatte das dringende Bedürfnis, bei ihm bleiben zu wollen, aber ich entschloss mich dazu, erst eine Flasche Wasser zu holen.
    Ginger war ein seltsamer Typ. Immer markierte er bewusst oder unbewusst den Außenseiter der Band. Genauso gut hätte John diesen Posten übernehmen können, aber er gab sich lieber als gebeugter Mitläufer. Ich war froh, eine gewisse Distanz zu Manson zu haben, er konnte immer und überall ungemütlich werden. Mit Pogo hingegen verstand ich mich am besten aus der Band. Nur Ginger gegenüber war ich immer neutral geblieben. Bisher.
    „Danke“, krächzte er und nahm einige Schlucke aus der Flasche. Ich hockte mich wieder vor ihn hin und lehnte mich auch mit dem Rücken gegen die Wand. Wir waren alle noch verschwitzt vom Auftritt und es stank dazu nach Kotze, aber das alles war mir egal. Ich beobachtete Ginger ruhig. Er schien es vorerst gar nicht zu registrieren. Seine Augen sagten mir, dass er immer noch ganz, ganz weit weg war.
    Ich fühlte etwas in mir, was bisher noch nie da gewesen war. Es fühlte sich so fremd an und zugleich vertraut.
    „Ich glaube, es geht“, sagte Ginger plötzlich matt und riss mich so aus meinen wirren, langsamen Gedanken. Mein Hirn war benebelt, eindeutig. Ich sah ihm zu, wie er die ganze Flasche leer trank. Danach sah er mich an und ich war wie gelähmt.
    „Was ist, hast du auch zu viel genommen?“, fragte er skeptisch und riss mich erneut aus den Gedanken.
    „Alkohol... Gras...“, murmelte ich und wischte mir über die Augen. Als ich wieder klar sehen konnte, bemerkte ich ein schwaches Grinsen auf seinem Bleichgesicht. Das sah irgendwie merkwürdig aus, sodass ich einen Lachanfall bekam... langsam aber sicher. So was machte Gras mit mir; es ließ meine eiskalte Hülle schmelzen und machte aus mir einen albernen Clown.
    Ich kann mich daran erinnern, dass ich vor Lachen Weinen musste und Ginger, dem es nach dem Erbrechen deutlich besser ging, hatte mir belustigt die leere Plastikwasserflasche immer wieder sanft gegen den Kopf gehauen. Wir saßen tatsächlich völlig abgewrackt auf dem Klo und lachten uns kaputt. Über nichts.
    Wie lange dieser Flash angedauert hatte, kann ich nicht sagen. Irgendwann hörte ich auf, wischte mir über mein verheultes Gesicht, worunter garantiert auch meine Schminke leiden musste. Ich stand auf und blickte auf Ginger nieder, der wieder ganz still und in sich gekehrt da saß. Er sah wieder so schlecht aus wie vorhin. Ich reichte ihm die Hand und nach längerem Zögern nahm er sie an. Ginger brauchte meine zweite Hand, um sicher auf den Beinen stehen zu können. Zum Glück lehnte er immer noch mit dem Rücken an der Wand. Schweigend sahen wir uns an.
    „Kannst du allein stehen?“, hörte ich mich leise fragen, als ich bemerkte, dass er noch immer meine Hände hielt. Alles war so weit weg, alles was ich sagte, was er sagte, was ich hörte. Nur meine Gefühle waren viel zu dicht bei mir, sie bedrängten mich und feuerten mich an. Er drückte meine Hände und ich sah auf. Gingers Blick tat fast weh.
    „Du siehst aus wie...“, begann er nachdenklich, konnte aber nicht zu Ende sprechen. Wir hinderten ihn daran. Unsere Lippen trafen aufeinander und es schmeckte bittersüß. Ich drückte ihn näher an mich und meine Hände zitterten, als ich sie erhob, um seinen Kopf zu fixieren. Der Kuss war lang, atemlos, keine Lücke zwischen unseren Körpern...
    _____________________________________________________
    Hamburg war so fürchterlich inspirierend :love 2:



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Chepre - 09.08.2010, 10:03


    aaaawww unser Lieblingspärchen :D
    Das is so toll, bitte ganz schnell mehr davon!!!!
    HOTHOTHOTHOTHOTHOTHOT :love 2:



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 09.08.2010, 17:22


    :D Sei froh, dass ich gestern meinen letzten Ferientag ganz der Fic widmen konnte - die allerdings noch kein bisschen abgeschlossen ist ^.^
    Also viel Spaß, eine weitere Fortsetzung könnte evtl. etwas dauern.
    ___________________________________________________________

    Soweit ich es sagen kann, hat sich eine lange Zeit nichts großartiges zwischen mir und Ginger angebahnt, obwohl mehr Potenzial vorhanden war, als wir beide ahnten.
    Nie habe ich mich so sehr zu einem Menschen hingezogen gefühlt, wollte ihn berühren, riechen, schmecken. Gleichzeitig habe ich noch nie solch einen Menschen getroffen, der mir erst nach Jahren gefiel. Ginger ist keine universelle Schönheit, nicht unbedingt ein Mann, der einem sofort ins Auge sticht. Er ist ein Durchschnittstyp – äußerlich betrachtet.
    Innen drin steckt so viel mehr, er ist wie eine Schatztruhe. Ich will mich von dem Gold berieseln lassen, das er in sich trägt; jedes Mal, wenn ich ihn längere Zeit nicht gesehen habe.
    Nach dem Kuss ist wie gesagt eine ganze Zeit lang nichts passiert. Wir sprachen nicht darüber, denn es war Resultat eines Rauschzustands. Einige Monate später sollte aber eine Sache geschehen, die uns für immer zusammenbrachte.
    Typischerweise geschah es in einem Hotelzimmer, mitten im Tourstress. Dieses kleine Fleckchen Ruhe ließ mir bewusst werden, was ich über Monate verdrängt hatte.
    Ich war gerade mit Pogo in dem Hotelrestaurant gewesen und hatte danach mit meiner Frau telefoniert. Gemeinsam gingen wir zurück auf unsere Etage, jeder hatte ein Einzelzimmer. Doch es war erst zwanzig Uhr, sodass man sich in einem Zimmer traf und irgendeinen Mist ausheckte. Manson war glücklicherweise in seiner lockeren Phase und lachte nur laut, anstatt an Gegenständen oder Personen seine Gefühle auszulassen. Eine Person der Extreme.
    „Wann kommen die Nutten? Ah, da sind sie ja!“, begrüßte uns Manson, als wir seine „Residenz“ betraten.
    „Sorry, die haben wir schon geknallt und wieder nach Hause geschickt“, antwortete Pogo prompt und warf Manson eine Flasche Wein zu, die er aus dem Restaurant einfach mitgenommen hatte. „Hier, mit allerliebsten Grüßen“, fügte er grinsend hinzu und setzte sich neben Ginger und John auf das Ledersofa. Auf dem Glastisch sammelten sich bereits die leeren Flaschen und halbverbrauchten Chipstüten. In der Mitte war aber geräumig Platz gelassen worden für feine, schneeweiße Lines, aufgeteilt in genau fünf. John machte den Scheiß nicht mit –ich nur gelegentlich-, sodass eine Line übrig blieb, die meistens Manson übernahm.
    „Setz dich, Tim, und steh nicht so dämlich in der Gegend rum“, forderte Manson mich auf und klopfte neben sich auf das Sofa, welches dem zweiten gegenüber stand. So saß ich Auge in Auge mit Ginger, als ich Platz nahm. Der Kuss war nur noch eine verschwommene Erinnerung, die ich kaum noch wahrnahm. Trotzdem war etwas geblieben, was mich unangenehm fühlen ließ, wenn ich in seiner Nähe war.
    „Alter, das ist jetzt genau das Richtige.“ Pogo drückte sich erst den einen Nasenflügel zu, dann den zweiten und reichte den zusammengerollten Schein weiter an Ginger.
    „Die Verlierer sniffen immer zuerst“, scherzte Manson und legte sich einen bunten Streifen auf den Mund. Heute war er anscheinend besonders drogenempfindlich, so viel auf einmal nahm er eigentlich selten. Entspannt lehnte er sich zurück.
    Ginger stupste mich mit dem Schein an. Ich war kurz irritiert, nahm ihn dann aber an und sniffte meine Line weg. Wir alle sahen fertig aus, stellte ich fest, als ich den Blick in die Runde schweifen ließ. Das minutenlange Schweigen unterstrich meine Feststellung doppelt und dreifach. John brach die Stille mit einem herzhaften Gähnen.
    „Leute, ihr seid echt langweilig... das Zeug macht euch zu trägen Zombies.“
    Manson warf lasch mit einem leeren Schnapsglas nach ihm und traf ihn an der Schulter.
    „Ich habe ja Bitches bestellt, aber die kommen erst in zwei Stunden oder so.“
    „Wie viele?“
    „Na, drei Stück, du Penner“, grinste Pogo und zählte auf: „Eine für Brian, eine für dich und eine für mich. Tim fällt raus, weil er ein langweiliger Ehespießer ist und Ginger...“
    Pogo warf Ginger einen vielsagenden Blick zu, den er halb mürrisch, halb grinsend erwiderte. Ich fragte mich in dem Moment was das sollte, aber ich hatte eindeutig das jahrelange Insiderwissen verpasst. Mit der folgenden Aussage Mansons klärte sich dennoch alles: „Tut mir leid, Ginger, wir haben wieder vergessen, einen Kerl für dich zu bestellen!“
    John lachte auf. Ginger nahm sich den angebrochenen Scotch, um nachzuspülen.
    Sein Kontern gefiel mir. „Hättest du einen bestellt, hätte ich ihn sicherlich scheiße gefunden. Ich weiß, was Geschmack heißt... bei Männern und Frauen.“
    „Letzteres eher selten“, hustete Pogo und schob die letzte Line mit einer Rasierklinge zu sich herüber.
    „Frauen sind jammerndes Fickfleisch“, erwiderte Ginger und ließ sich von John eine Zigarette geben. Er erntete teilweise Zustimmung, teilweise Kritik.
    „Sag das nicht, meine Frau hast du noch nicht kennen gelernt“, sagte ich und warf ihm einen triumphierenden Blick zu. In dem Moment wusste ich selbst nicht, ob das, was ich sagte, auch für mich überzeugend klang.
    „Meine Frau ist eh die Beste“, setzte John breitgrinsend einen drauf, „gut im Bett, gut an meiner Seite. Was will ich mehr.“
    Manson begann mit weiteren Sachen zu schmeißen, was hieß, dass er zunehmend gereizt auf sämtliche Dinge reagierte.
    Der Abend wurde zur Nacht und die Prostituierten kreuzten auf. Zwei brünette, eine Blondine (ratet mal, für wen). Ich hatte keinen Bock, dem Spektakel beizuwohnen, während ich untätig sein würde und verließ mit Ginger die Suite, denn er hatte hier auch nichts mehr zu suchen. Ich kann mich erinnern, dass er in der ersten Zeit meiner Manson-Ära, im Gegensatz zu den anderen, zwei bis drei Mal Weiber abgeschleppt hatte, aber mehr hatte ich tatsächlich nicht gewusst. Der Drogenrausch war noch längst nicht vorüber, dennoch konnte ich bereits bewusst denken und handeln, ohne in irgendein Fettnäpfchen zu treten. So hoffte ich zumindest. Ginger wirkte clean.
    „Kommst du mit auf die Terrasse?“, fragte er mich. Das Hotel hatte eine schöne geräumige Terrasse, umsäumt von Palmen und anderen karibischen Pflanzen, als auch von Wasser. Wir stellten uns abseits der wenigen anderen Hotelgäste an die hüfthohe Mauer am Wasser und rauchten eine Zigarette.
    „Ich wusste echt nicht, dass du auf Männer stehst“, platzte es ungeniert aber leise aus mir heraus. Die Situation war mir so peinlich, dass ich errötete, aber dank des schummrigen Lichtverhältnisses fiel es nicht großartig auf. Gingers Augen glänzten wie das Wasser vor uns.
    „Echt nicht? Ich dachte, deswegen hättest du dich auf den Kuss eingelassen... damals“, meinte er und Belustigung schwang in seiner Stimme mit. Ich hatte keine Ahnung was ich sagen sollte und rauchte anstatt dessen meine Zigarette schweigend zu Ende. Mich beeindruckte irgendwie, dass er sich direkt an diesen Kuss erinnern konnte, obwohl er einen derartigen Absturz gehabt hatte.
    „Nein“, sagte ich nur.
    „Du redest echt nicht viel, vor allem wenn es um so was geht - oder?“
    „Nee.“
    Er nahm es anscheinend schweigend zur Kenntnis. Ich hatte ihn irritiert und musste über meinen kleinen Möchte-gern-Triumph leicht lächeln.
    „War ein Scherz.“
    „Was?“
    „Das ich nicht viel rede, mann. Das ist ’ne harte Zeit momentan, viel zu tun und so, da bleibt meistens nicht viel für ein Smalltalk. Ich meine, mit Pogo, das ist was anderes. Da bin ich mit auf einer Linie.“
    Ginger lachte und ich fühlte mich bloßgestellt. Reden ohne Nachzudenken, das tue ich selten.
    „Ich würde dich eigentlich gerne wieder küssen“, sagte Ginger so beiläufig, wie es nur klingen konnte, wenn man voller Kokain und Alkohol war. Trotzdem wirkte er nach wie vor beisammen. Ich hob herausfordernd meine Braue und spürte meine Augen erkalten. So bin ich immer, wenn’s um die Wurst geht: Schwanz einziehen und eine Stahlmauer aufziehen.
    Der Zwiespalt, in dem ich mich zu dem Zeitpunkt befand, war enorm. Deswegen ließ ich mir Zeit mit der Antwort.
    „Versuch es.“
    Meine Stimme hörte sich sehr neutral an, sodass Ginger es tatsächlich versuchen musste. Ich erkannte den Konflikt in seinen Augen, die Panik, doch etwas falsches gesagt zu haben.
    Ich hatte keine Ahnung, ob ich es wollte. Willenlos, passiv.

    :aetsch:



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Chepre - 09.08.2010, 17:43


    OMG ich will dass es weitergeht jetzt sofort!!!
    Die beiden sind echt ein tolles Pärchen :D



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Omega - 10.08.2010, 21:48


    Oh... wie süß! *gespannt bin*



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    James Bathory - 11.08.2010, 12:04


    :love: Du bist toll, ich liebe Gingers Absturz und Tim und wow. weiter (Y)



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 11.08.2010, 19:28


    So soll es sein.
    Danke für's Feedback! :knuffel:
    And noooooow... Vorhang auf für: die zweite Fortsetzung! Ö.ö (it's time for a bit sex :mrgreen: )
    ___________________________________________________

    Es würde zu einfach klingen, wenn ich einfach sagen würde, dass wir uns in seinem Hotelzimmer zurückgezogen und zum ersten Mal Sex miteinander hatten.
    So würde sich das ganze unkompliziert anhören, als wenn man Reis kocht.
    Nein, so war es nicht: Erstens war meine Überwindung dementsprechend groß –die Neugier und die Lust siegten letztendlich doch- und zweitens war es nicht wie im Film. Man macht im Fahrstuhl schon das heiße Vorspiel, stolpert wildknutschend aus ihm heraus, ab ins Zimmer und wälzt sich dann engumschlungen auf dem Bett. Wir haben das eindeutig nicht so erlebt.
    Ginger durfte mich erst auf seinem Zimmer küssen; im Fahrstuhl standen wir schweigend und angespannt nebeneinander und starrten Löcher in die Luft. So was von unromantisch und unerotisch. Wir gingen ebenso schweigend in sein Zimmer und als das Schloss zwei Mal umgedreht wurde, fühlte ich mich vollkommen hilflos und ausgeliefert. Mein Herz klopfte bis zum Hals, aber ich versteckte alles wie immer gekonnt hinter meiner steinharten Fassade. Ich sah ihn und dachte nur: Oh Gott, du wirst mit ihm schlafen. Auch wenn er nur nach einem Kuss verlangt hatte!... Das Ende vom Lied war, dass wir uns leidenschaftlich und lange küssten und uns dabei gegenseitig einen runterholten. Das war unser erster Sex miteinander – real und unverfälscht.
    Ich fühlte mich nur noch matschiger als vorher, wusste nicht, ob es sich gut angefühlt hatte oder nicht. Seinen Penis zu berühren war neu für mich, fremd aber nicht. In vergangener Jugendzeit hatte ich einem Kumpel öfter mal einen von der Palme gewedelt und einmal sogar geblasen. Wir waren stumm wie Fische, passenderweise, und ich verließ sein Zimmer, als Ginger eingeschlafen war.
    Hört sich schräg an, aber diese eine seltsam verkorkste Nacht bestimmte unser Schicksal (oder wie auch immer man diese Gegebenheit nennen mag). Das wurde ein paar Tage später nochmals deutlich, als wir ein ruhiges Stündchen etwas unverfangener miteinander Spaß haben konnten.
    „Achtung!“ Ein Geschoss flirrte an meinem Kopf haarscharf vorbei, als ich den Tourbus betrat - mit dem wir mal wieder vorlieb nehmen mussten.
    „Tim, wirf die Dose zurück!“
    „Nee, wirf sie aus dem Bus, na los!“
    „Halt die Fresse, John.“
    Ich hob die Dose auf, die scheppernd neben dem Fernseher gelandet war. Irgendein Pillenmix.
    „Pogo – fang!“, rief ich und spielte rüber.
    „Homerun!“, feuerte Ginger an und Pogo preschte nach vorn.
    „Ha, ha“, machte er und hielt John die Dose triumphierend unter die Nase. Manson saß in einem Sessel und war mit dem Laptop beschäftigt. Ständig stellte er was ins Internet... ich hoffte, keine peinlichen Bilder von mir.
    Pogo warf sich jedenfalls eine Pille ein und reichte die Dose weiter. Manson ignorierte ihn und Ginger lehnte ab. John sowieso. „Alles Weicheier. Tim!“ Ich schüttelte den Kopf.
    „Maniac. Ich will nicht wissen, was die für Folgen haben“, brummte ich und ließ mich auf meinem Bett nieder, welches sich über Johns befand. Oben war man deutlich besser dran: Niemand geriet in Versuchung, irgendeinen Scheiß nach oben zu werfen (wenn, dann eher runter) und vor Geruchsbelästigungen konnte man sich ebenfalls besser schützen.
    „Wir gehen gleich ein paar Mädchen suchen, ihr bleibt bestimmt hier und vergnügt euch miteinander?“, warf John in den Raum und tippte nebenbei SMS. Im ersten Moment stutzte ich, doch dann wurde mir klar, dass John nicht wissen konnte, dass tatsächlich etwas zwischen Ginger und mir war. Ginger hatte sich zeitgleich an seiner Cola verschluckt und Pogo gackerte.
    „Ja, schon klar.“ Ich zündete mir eine Zigarette an und warf mit einer alten Socke, die ich in meiner Koje fand, nach John.
    „Fick dich und komm klar!“ Angewidert schmiss er die Socke zu Ginger, die aber unvorhergesehen bei Manson landete.
    „Komm du mal klar!“, keifte dieser und trat nach John.
    „Tim ist schuld.“
    Ich ließ mich nicht weiter von irgendwas beeindrucken: zu faul. Heute Abend ein Gig, morgen und übermorgen... danach einen Tag wieder frei. Ich legte mich zurück und die Arme verschränkte ich hinter meinem Kopf.
    Als ich wieder wach wurde, waren Ginger und ich allein. Zuerst dachte ich, ich wäre ganz allein, aber dann sah ich ihn da sitzen, vor dem Laptop, wo vorher Manson gesessen hatte. Verschlafen hopste ich auf den Boden und kratzte mich am Hinterkopf.
    „Hab ich was verpasst?“
    Ginger sah überrascht auf und meinte: „Nö, pass nur auf, auf dem Sessel da drüben ist Zahnpasta...“
    Ich beobachtete ihn. Er surfte weiter. Seine Finger flogen leicht über die Tastatur und erzeugten ein sanftes Dauerklicken. Die dunklen Augen reflektierten das künstliche Bildschirmlicht. Verlangen begann in mir erneut zu brennen, ich wollte ihn anfassen, küssen... Ich wusste nur nicht, was ich anstellen musste, damit etwas passierte. Ich kann mich erinnern, dass ich im Kopf folgende hirnlose Auswahlmöglichkeiten durchspielte:
    „Ey, ficken?“ oder „Küss mich doch endlich.“ oder „Soll ich mich schon mal ausziehen?“
    Dass Erin an meiner Seite stand, war eigentlich pures Glück gewesen. Damals wusste ich auch nicht, was ich ihr sagen sollte; alles hörte sich billig an, was ich mir ausdachte. Trotzdem hatte es funktioniert. Heute weiß ich auch warum: Auf dieser (und vielen anderen) KMDFM-Partys war ich besonders bei den Damen heißbegehrt. Standard.
    Normalerweise bin ich so einer, der sich nicht so einfach dominieren lässt. Im Privaten als auch auf der Arbeit. Beim Sex sowieso. Ähnliche Gedanken schossen mir kurz durch den Kopf, als Ginger mich von hinten nahm. Unser Vorspiel hatte garantiert eine dreiviertel Stunde in Anspruch genommen, ich wusste nur nicht mehr, wie es dazu gekommen war. Es fühlte sich so eigenartig an, einen Schwanz im Hintern zu haben, der stetig rein und raus... Aber es machte mich geil. Das leise Keuchen hinter mir, die Hände, die meine Hüften fixierten und ab und zu einen Ausflug über den Lendenbereich, zur Leistengegend oder in den verschwitzten Nacken machten; so fließend. Ölig trifft ölig, wallende Hitze, steigende Lust. Ich hatte mich auf die Rolle eingelassen, allein deswegen, weil ich wusste, dass Ginger die nächsten Abende sitzen musste. Ich hingegen nicht. Geilheit blitzte atemberaubend schnell durch meinen Körper, ein Luftstoß entwich meiner Lunge und ich krallte mich in der Sessellehne fest. Jeder Muskel meines nackten Körpers war angespannt. Ich wusste nicht, wie lange es noch andauern würde. Ginger steigerte sein Tempo, dann schwächte er es wieder ab und fuhr mit schleppenden, extrem lustvollen Stößen fort. Ich war benebelter als nach jedem Trip, den ich durchgemacht hatte. Verdammt. Irgendwann schlang er seine starken Arme um meine Brust, zog mich an seine und hauchte mir seinen Orgasmus in meinen feinfühligen -oder eher feinhörigen- Gehörgang, wodurch mir ein Schauer durch Mark und Bein rann. Sein Penis steckte zu dem Zeitpunkt tief in mir und bohrte sich in meine geschwollene Prostata, die wiederum lauter Signale an mein Lustzentrum schickte. Ein Feuerwerk vor Augen explodierte, dann kam auch ich aufstöhnend und sackte in mir zusammen. Ginger hielt mich weiterhin fest und ich nannte ihn in dieser Sekunde heimlich meinen Fels in der Brandung.



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Chepre - 11.08.2010, 21:25


    Boah Tims Prostata wird durchbohrt :D
    Ginger is ja hardcore :D
    Ganz schnell weiter!!!!!!!!!!! :top: :top: :top:



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    James Bathory - 12.08.2010, 10:33


    Yeah, du geile!
    Es wäre witzig, wenn jemand in den Bus gekommen wär. (haha, im bus gekommen -.-)
    Okay, im Ernst: krass geile Story, bin super gespannt wie es weitergeht!



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 12.08.2010, 18:34


    *erröt* Ihr seid so klasse :knuffel: Mir fällt es selten leicht, eine Fic zu schreiben, aber die geht so locker aus dem Handgelenk O.ô
    Bin momentan weiter, als ich immer hier reinstelle, und es ist noch kein Ende in Sicht :D Also erfreut euch weiterhin! Viel Spaß :)
    _____________________________________________________

    Zu der Zeit hätte ich aber nicht sagen können, dass ich Ginger liebte. Die Liebe kam später, der Sex war der Grundstein für alles folgende. Mir gefiel es, von ihm genommen zu werden, obwohl ich dieser Stellung zuerst skeptisch gegenüber stand. Bald probierten wir immer mehr aus und zu unserem Glück bekam keiner etwas mit. Mit einher ging leider die Tatsache, dass ich öfter denn je sniffte und trank. Immer öfter stand ich im Rausch auf der Bühne und ließ mehr die Sau raus als sonst. Danach war ich so k.o., dass ich kaum länger als zwei Stunden länger durchhielt und meine Launen waren selbst mir ein Mysterium. Manson machte sich Sorgen um seinen Co-Produzenten und Kollegen. Ob er sich um einen Freund sorgte, glaubte ich nicht.
    „Was reitet dich, Skold, du atmest ja fast Koks“, sprach er mich eines nachts nach einem Gig an. Wir standen auf dem Lagerhof bei den LKWs. Die Roadies arbeiteten auf Hochtouren, ein Handlanger kam vorbei, um Wasser zu bringen.
    „Weiß nicht... gib mal das Feuerzeug.“ Ich wollte nicht mit dem Thema konfrontiert werden, dennoch wusste Manson zu gut, wie man in Wunden bohrte.
    „Du weißt aber schon, dass das Zeug schnell süchtig macht. Also... what the fuck is your problem?“, fuhr er fort und ich erinnere mich, dass es mich wütend machte, sodass ich wie ein hastig schnappender Hund antwortete: „Es ist nichts, was dich interessieren sollte!“
    „Das sehe ich etwas anders, du benimmst dich in letzter Zeit wie ein verdammtes Arschloch! Ich wüsste nicht, was mich noch daran hindern sollte, auf dich zu scheißen!...“
    Der letzte Satz hatte gesessen, Mansons Augen durchbohrten meine und ich verspürte kurze Zeit die Angst, er könne in mein Innerstes einsehen.
    „Halt die Leine kürzer oder es wird keine guten Folgen für dich haben, okay?!“, warnte er nachdrücklich und brachte mein Fass beinahe zum Platzen. Beinahe. Ich hätte dem Wichser eine reinwürgen können, dass er eine Woche flach gelegen hätte. Manson hätte einen Einblick bekommen können wie es Ginger zu oft erging, aber ich zügelte mich. Die Wut verebbte, als Mister Superfuck kehrt machte und den Hof verließ.
    „Bin ich ein Arschloch?“, fragte ich zwei Nächte später meinen Bettgefährten. Er lag neben mir auf den zerwühlten Kissen. Wir waren nackt. Ginger setzte seine Bierflasche ab und stellte sie zur Seite. Ich wollte reden, wissen, gehört werden. Wir redeten so selten.
    „Nein“, antwortete er trocken, „der ganze Müll macht dich nur zu einem.“
    Ich zog nachdenklich an meiner Zigarette und starrte weiterhin die Decke an. Ich war müde, verschwitzt und irgendwie schlecht drauf.
    „Vor zehn Jahren hatte ich schon mal so einen Absturz“, offenbarte ich mich. Es fiel mir nicht leicht, aber ich wollte darüber reden. Erst recht, wenn Ginger zuhörte. „Ich weiß auch nicht mehr, wie ich daraus gekommen bin...“ Ich hörte ihn seufzen.
    „Machst du das wegen der Sache hier?“ Ich spürte seinen Blick von der Seite und wurde nervös. „Sei ehrlich zu dir. Du weißt nicht was du willst und das zermürbt dich.“
    Er sprach mir aus der Seele, ein Kloß setzte sich in meinem Hals fest und drückte an die Wände meiner Speiseröhre. Alles war beschissen, ich wollte einfach die Augen schließen und verschwinden. Ginger berührte mich tröstend, streichelte die Tränen weg, die nicht enden wollten, obwohl ich gar nicht weinte. Sie liefen einfach... drip, drop, tear drop.
    Und doch drang nichts zu mir durch. Meine Poren verdichteten sich, bis kein bisschen Gefühl mein Herz mehr erreichte. So ein Widerspruch zu dem, was ich eigentlich erhielt... Es erkaltete in der liebevollen Trostlosigkeit.
    Ginger war ein Gelegenheitstrinker, der durchaus ungemütlich werden konnte. Außerdem war er ein wenig stolz, der meistverprügelte Drummer der Welt zu sein. So bekam er Aufmerksamkeit, die er eigentlich nie bekommen hätte – wäre er nicht bei Marilyn Manson festes Mitglied. Doch was die anderen mit ihm anstellten, bekamen sie stückchenweise und unvorhersehbar zurück. Ein einziges Mal hatte ich solch eine Szene am Rande mitbekommen: Nichts als Hässlichkeit. Pogo hatte er einen zerbrochenen Flaschenhals in das Schienbein gerammt, ein Bühnenarbeiter bekam einmal eine Faust in den Nacken.
    Nichts als Hässlichkeit musste auch ich versprüht haben. Zwar wendete ich weniger Gewalt gegen andere an, aber ich machte mich selbst völlig kaputt. Am Ende der Tour landete ich in einer Entzugsklinik und kam nach drei Wochen wieder frei. Manson war stinksauer und drauf und dran meinen Vertrag mit seiner Band zu zerreißen. Von Ginger hörte ich bis zur nächsten Tourvorbereitung nichts mehr und Erin war einfach entsetzt. Pogo versuchte den Grund meiner gespaltenen Persönlichkeit zu ergründen, worauf er der Wahrheit schon einmal gefährlich nahe gekommen war.
    Er fragte mich (nach einem schon etwas länger andauerndem Verhör): „Hast du dich in jemanden verliebt und weißt nicht wie du das Problem, was du damit hast, lösen sollst?“ Dabei hatte er mich mit seinen treudoofen Augen unheimlich traurig und wissend angesehen. So hatte ich Pogo noch nie erlebt.
    Derartiges führte zur einer entscheidenden Wende. Ich konnte nach dem Entzug noch zwei Monate mit mir selbst verbringen und die Gedanken ordnen. Seit langem verbrachte ich auch wieder viel Zeit mit Erin, in welcher mir bewusst wurde, wie sehr wir uns voneinander entfernt hatten. Sie wusste es auch, wollte es nur nicht wahrhaben. So blieb vorerst alles wie immer.
    Meine Songtexte wurden immer schmalziger. Ich zeigte sie Sascha lieber nicht, denn er hätte mich garantiert angeschmunzelt und gesagt: „Hey, was ist los mit dir, Dude? Wie ein Teenie...“ Tatsächlich fühlte ich mich wie einer. Die Texte vernichtete ich, indem ich sie in den Kamin warf. Ich fühlte mich komplett von meinen Gefühlen veräppelt.

    _________________________________________________
    P.S.: PENIS! :D



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    James Bathory - 12.08.2010, 19:56


    Zuerst: beabsichtigt? " Danach war ich so k.o., dass ich kaum länger als zwei Stunden länger durchhielt und meine Launen waren selbst mir ein Mysterium" länger - länger?

    und dann:
    wowowowowowowowowow! Du hast mich innerhalb der 3 1/2 Minuten in der ich die Story geatmet habe wie Tim Koks (sehr geil btw) extrem traurig gemacht (TIM WEINT!), extrem belustigt (Pogos treu-doofe Augen, aaw) und auch sonst einfach mal wieder sprachlos gemacht.
    Bewunderung, Bewunderung, bitte mach schnell weiter! :top:
    Das ist nämlich so wie (ich weiß nicht, ob du es kennst) diese Bücher, die so gut sind, dass man weinen möchte, wenn man sie durchgelesen hat.
    *ina anschmacht*

    P.s.: ♥ PhallIna ♥



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Chepre - 12.08.2010, 20:20


    Ja stimme meiner JB ganz und gar zu, dem ist nichts mehr hinzuzufügen xD



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Omega - 12.08.2010, 21:22


    *anschließ*



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 12.08.2010, 22:44


    Ö.ö Ihr seid so süß...

    Zu dem Verschreiber: Es war einer :D Upps.

    Und weil ihr mich so extrem anmacht, jibbet jannnz schnell 'ne Fortsetzung :) (Ich weiß ja, wie schrecklich Warten sein kann >.<)

    Ach ja, noch 'ne Anekdote: Ohne euch und dieses Treffen wäre die Fic nicht möglich gewesen - sag ich mal schon vor dem Ende :D Es ist eure <3
    ___________________________________________________

    Während ich Schminke auf mein schattiges Gesicht auftrug, glotzte ich mich eiskalt im Spiegel an. Ich machte mir das erste mal richtige Gedanken um dieses seltsame Ritual. Wie eine Kriegsbemalung, bevor ich diese beschissene Bühne betreten und meinen Bass umhängen würde. Dann würde ich routiniert losspielen und doch eine ganz andere Welt erleben – wie jedes Mal.
    Das weiße Make Up hätte ich getrost weglassen können, den schwarzen Liedschatten auch. Nur meine Lippen brauchten einen gesunden, roten Ton. Ich schmierte großzügig Lippenstift drauf und wischte einmal mit der Hand drüber, ganz ungeniert. Das sah verwegen und kaputt aus, aber irgendwie unvollständig. Wie von selbst nahmen meine Hände erneut Kajal und Lippenstift vom Tischchen.
    Minuten später erwachte ich aus meinem Bemalrausch und erblickte im Spiegel einen völlig irren Mann: Die untere Gesichtshälfte (samt Ohren) war knallrot gefärbt, künstliche Wimpern schossen förmlich aus meinen müden Augen und eine aufgemalte Augenbraue durchzog aggressiv eine Stirnhälfte. Der Berserker war “ready to rumble”. Plötzlich erschien eine Person neben mir im Spiegel und lächelte mir zu oder viel mehr: mich an.
    „Mal wieder die Sau rausgelassen?“, schmunzelte Ginger. Sein Atem streifte mein linkes Ohr und einen Teil meines Nackens. Gänsehaut schoss über die betroffenen Stellen und raste die Wirbelsäule hinunter.
    „Mal wieder?“, fragte ich stumpf zurück und fuhr mir durch meine blonden Zöpfe, „Das ist ein Dauerzustand.“ Ich beobachtete im Spiegel beiläufig, wie meine undurchdringliche Miene unwillkürlich entgleiste und Ginger ein offenes Lächeln schenkte. Gott, sah ich krank aus.
    „Habe ich dir schon mal gesagt, dass du toll aussiehst“, fügte ich mit gesenkter Stimme hinzu, worauf ein scheues Lächeln durch das Gesicht des meistgepeinigten Drummers huschte und rosa Wangen hinterließ. Leider betraten dann John und Pogo die Szene und so hatte unser erster Flirt seit langem ein jähes Ende.
    Nach dem Auftritt nutzte ich die nächstbeste Gelegenheit, in der ich mit Ginger ganz alleine war. Ich zog ihn in eine dunkle Ecke des Hinterhofes, in der kein Lichtstrahl drang und drückte ihn gegen die Wand. Endlich wieder seine Lippen auf meinen, endlich wieder dieser eigene Geruch, die Körperwärme, die Muskeln unter seinem engen Top. Mein Herz überschlug sich fast vor lauter Hast und mein Geliebter musste mich von sich drücken, damit ich wieder zur Besinnung kam.
    „Alter, was machst du da?“
    Ich überspielte mein peinliches Gefühl und fragte unschuldig: „Wieso?“
    Dunkle Teddyaugen bohrten sich in meine eisblauen und ich mochte den schwitzigen Griff um meine Handgelenke. Er war ein bisschen sauer, bemerkte ich.
    „Du willst es doch auch...“, hauchte ich und merkte sofort, welche Wirkung diese dämliche Floskel hatte. Er gab mir eine Ohrfeige und zischte verärgert: „Pass auf, Tim Skold! Pass auf, was du machst, du bist nicht Gott!...“
    „Gott? Der darf der dich also küssen und ich nicht?“ Die Ohrfeige war noch nicht ganz bei mir angekommen. Die allbekannte rosarote Brille benebelte sämtliche meiner Sinne. Dann spürte ich den kalten Lufthauch, als er mich von sich stieß und wieder in den Backstagebereich der Konzerthalle lief. Minutenlang stand ich reglos im Schatten und dachte nichts. Doch dann kam alles auf einmal: Die Sorgen, die Peinlichkeit, die Wut auf mich selbst, die unendliche Trauer; das Wissen, erneut versagt zu haben. Den Instinkten zu folgen war also nicht gentleman. Schließlich fing ich an zu weinen, schlug schwerfällig mit den Fäusten gegen die Mauer und sank letztendlich schluchzend an ihr herab. Das war der Moment, in dem mir voll und ganz bewusst in den Sinn sprang: Ich liebe Ginger.

    When push comes to shove, it pours down from up above
    but you painfully pursuit your point of view

    The once up turns to down, it comes on from all around
    but you blissfully insist to take the risk

    It's all or nothing - with your back against the wall
    It's all or nothing - you better learn to take a fall

    The last lucky touch, all fingers digging dust
    while you ritually admit you can't quit

    One hand deals the blow, the other the undertow
    and you righteously deny it's do or die

    It's all or nothing - with your back against the wall
    It's all or nothing - you better learn to take a fall

    Twice upon a long ago, still seeping from down below
    so you beautifully concede to be naive

    A blood line in the sand, lost grip on the upper hand
    with a bitter sweet goodbye, you cross the line

    Dieser Songtext entstand in beschriebenem Gefühlschaos, ja, noch in derselben Nacht und sollte Jahre später das Skold vs. KMFDM Album schließen.
    „Könntest du mir bitte sagen, was ich falsch gemacht habe?!“
    „Psst, nicht jetzt!“
    Im Flüsterton bombardierten wir uns mit gereizten Wörtern, während der Bus den Highway runter bretterte. Gingers Koje befand sich parallel zu meiner, auf Augenhöhe quasi. Und da der Gang zwischen den Kojen zusätzlich eng war, konnte man sich gut flüsternd verständigen, ohne dass andere Ohren für sie unbestimmte Inhalte mitverfolgen konnten. So war es in der Regel.
    „Ich habe etwas herausgefunden“, flüsterte ich trotzdem zurück und spürte schon wieder diesen fetten Kloß im Hals.
    „Nicht jetzt.“
    „Ginger!“
    „Tim, halt die Fresse! Ich will pennen!“
    Heute war ich verdammt nahe am Wasser gebaut: Hatte ich einmal richtig geweint, weinte ich in angespannten Situationen wie dieser umso schneller. Der Tourbus fuhr in ein kleines Schlagloch.
    „Ich liebe dich“, schniefte ich fast. Aus der Dunkelheit kam nichts. Toll, dachte ich mir damals, das hättest du dir getrost sparen können. Ich wartete tatsächlich die ganze Nacht, aber nichts kam zurück. Ginger hatte sich tot gestellt und war dann wirklich eingeschlafen.
    Ich fand keinen Schlaf in dieser Nacht und dementsprechend sah ich am nächsten Tag aus und so fühlte ich mich auch.



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    James Bathory - 13.08.2010, 12:17


    aw :(
    Mal was ganz anderes, Tim so verletzlich zu sehen, bzw. zu lesen. ._.
    Und dann der tolle Text vom tollen Lied, super. Ich möchte weinen und lachen!



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Chepre - 13.08.2010, 12:28


    Ganz tollig ^^
    Und wie JB schon sagte: Tim mal ganz anders :top:
    Bin gespannt wie es weitergeht :D



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Omega - 13.08.2010, 21:20


    Och Gottchen, da muss man ja richtig mitleiden... eine ungewohnte, aber erfrischend schöne Perspektive von Mr. Cool!



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 14.08.2010, 19:21


    DAAM DA-DAM DAM!
    so schnell gait dat weiter. (bissl kurz ^^)
    ________________________________________________________
    Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nicht an ein Happy End geglaubt. Kein bisschen. Happy Ends gibt es nur in Filmen; das sage ich mir heute auch noch und trotzdem – ich habe es erlebt. Später, aber immerhin. Mein Leben kam mir in diesem Moment auch wie ein Film vor. Ich sah nur noch diese Augen und hörte dann die Worte... – ich werde nichts vorweg nehmen.
    Mit Ginger stand ich noch ein paar Tage auf Kriegsfuß, bevor er wieder auftaute und mit mir sprach. Mir kam es wie Wochen vor. „Du kannst eine Menge, nur nicht warten“, hatte jemand mal zu mir gesagt und ich meine, dass es Pogo gewesen war. Wie fast immer hatte er recht damit.
    „Ich hau dich zu Klump!“, ranzte ich ihn an und meine Tränen liefen schon wieder. Er hatte mich auf einmal angesprochen, einfach so! Ich hatte mich total erschrocken, denn ich hatte mich in meiner Suite zurückgezogen und plötzlich kam er rein und redete mit mir. Ich stand auf und ging aggro auf ihn zu, blieb dennoch in gebührendem Abstand vor ihm stehen. Mein Psychotherapeut hatte mir einmal gesagt, ich käme mit meiner Wut nicht zurecht. Hier war ich kurz davor, die ganze Wut durch Schläge zu entladen, aber diese Augen hinderten mich daran. Wie sie mich anschauten, völlig perplex, fast panisch. Vor Gingers innerem Auge musste sich vielleicht eine von Mansons Attacken abspielen; sein Körper war angespannt.
    „Ich habe-“ – „Halt die Klappe, okay?“ Meine kalte Stimme erzitterte und bekam einen Sprung. Ich zog meinen Rotz hoch und hob warnend einen Finger. Meinen Blick ließ ich keine Sekunde von Gingers Augen weichen.
    Auf einmal verschwand alles Negative in mir. Ich vergaß ganz und gar, warum ich mich so aufregte. Vor mir stand Ginger, er hatte sich wieder in meine Nähe getraut, ganz von alleine. Ein unsicheres Lächeln steckte in einem seiner Mundwinkel - ich sah es aufzucken.
    „Darf ich jetzt...?“, fragte er eingeschüchtert. Er tat mir so leid! Ich war ein verdammter Ego-Idiot! Ich nickte. Ginger holte Luft und pustete sie wieder aus. Er nahm meine Hände.
    „Das ist kitschig jetzt, aber... ich... ich will mich entschuldigen für das, was ich dir angetan habe, Tim. Bitte... das... war nicht meine Absicht, ich bin nur mit den Nerven am Ende gewesen.“
    „Ich glaube, wir sind beide gestört“, murmelte ich nach einer Pause und küsste ihn spontan auf die Lippen.
    „Ist verliebt gestört?“ Er küsste spontan zurück und sah mich erwartend an. Ich hob überrascht die nichtvorhandenen Brauen.
    „Du... hast gerade verliebt gesagt?“ Wir hielten uns immer noch an den Händen.
    Ginger grinste mich an: „Du siehst so niedlich aus, wenn du ’ne Gesichtsentgleisung hast!... Darauf habe ich gewartet.“
    „Hast du gerade nied-“
    Mit einem endgültigen Kuss brachte er mich zum Schweigen und die Liebe platzte aus den Knospen und der Duft durchströmte meinen Körper. Für Empörung war hier auch kein Platz mehr.



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Chepre - 14.08.2010, 23:12


    Aaawwww ^^
    Weiter bitte?



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Omega - 15.08.2010, 00:02


    *pieps*



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    James Bathory - 15.08.2010, 10:30


    aaaaw. Tim leidet unter akter Gesichtsentgleisung. Sehr schön, please go on. :love:



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 15.08.2010, 11:29


    Habe ich euch süchtig gemacht oder so? xD Wenn ja, dann tut's mir leid. Ich feile gerade fein weiter :-x



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    James Bathory - 15.08.2010, 11:34


    Nja, ich sag mal so: Wenn jetzt auch noch Abenteuer Amazonas weitergehen würde, wärst du Gott ._.



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 15.08.2010, 11:55


    Nein, das Ziel strebe ich nicht an ^^ Also Gott sein :D
    Erst mal wird Trip, torn beendet, dann bin ich frei :)



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Omega - 15.08.2010, 12:37


    Hmm. Ja, du bist schuldig! Aber das ist auch gut so^^



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 15.08.2010, 22:42


    Auf in die nächste Runde - es geht ein bisschen zur Sache.
    Diesmal mit Hörempfehlung: I put a spell on you :top:
    ____________________________________________________

    Ginger erfüllte mich in diesem Moment voll und ganz und ich würde nicht lügen, wenn ich jetzt sage, dass ich noch sie so verliebt war. Meine ganzen Exfreundinnen konnten hier auf gar keinen Fall mithalten, selbst Erin nicht.
    Erin ist ein Kapitel für sich. Anfangs war ich sehr verrückt nach ihr und wie es so ist, lässt mit den Jahren die Liebe nach und wird zur Gewohnheit. Doch an Besonderheit hat diese Person in den ganzen Jahren nicht eingebüßt. Wir kommen irgendwo auf einen gemeinsamen Nenner, es lebt sich gut mit ihr und keine Frau der Welt kann mit ihr Schritt halten. Erin ist meine großartige Frau, die mich oft begleitet und zu mir hält.
    Auf dem anderen Ufer steht kein Geringerer als Ginger: der besondere männliche Part meines Liebeslebens. Ich dachte, ich wäre erwachsen und nichts hätte mich mehr aus der Bahn geworfen, doch er hat das Gegenteil bewiesen. Mit Ginger stehe ich erst am Anfang und trotzdem habe ich das starke Gefühl, dass dieser Beziehung mehr Stabilität zusteht als der zu Erin. Eine Frau tickt komplett anders als ein Mann, diese Konstellation ist zum Scheitern verurteilt – meistens, irgendwann. Erins und meine ist bereits nach über zehn Jahren gescheitert, aber wie gesagt: ich werde noch nicht zu viel vorwegnehmen.
    Jedenfalls war ich froh, dass wir diesen Abend frei hatten, die Suite abgeschlossen war und wir ungestört zusammen sein konnten. Gemeinsam saßen wir da, redeten so viel wie noch nie zuvor und tranken Absinth, den ich natürlich mitgenommen hatte. Wärme erfüllte mich durch und durch, der Alkohol verstärkte dieses Gefühl angenehm und so kam es spät in der Nacht zu dem bisher liebevollsten Sex, den ich mit einem Mann -also Ginger- gehabt hatte.

    „Ich will wirklich langsam mal wissen, was bei euch läuft“, quatschte John mich am nächsten Tag an, als wir uns für die Europa-Tour vorbereiteten. Ich war gerade dabei, meine Koffer zuzumachen. Wir waren allein, sonst hätte er mich garantiert nicht darauf angesprochen.
    Ich sah kurz auf und brummte unwillig.
    „Das merkt man doch aus fünf Kilometern Entfernung, Tim, ganz ehrlich! Ginger war von gestern Abend bis heute früh in deinem Zimmer und es war abgeschlossen – hallo?“, schmunzelte John und stopfte ein Packen Gitarrensaiten in eine Seitentasche.
    „John“, stöhnte ich nur angezeckt, „du bist nicht blöd, ich merk’s ja schon. Du weißt es eben, aber mach bitte keinen davon, okay?“
    Ich versuchte so gelassen wie möglich zu wirken. Ich war ziemlich angespannt, weil ausgerechnet diesmal Erin mit auf die Europa-Tour mitkommen würde; wir wollten Sascha noch besuchen. Zudem hatten John, Manson oder Pogo also versucht, heimlich in mein Zimmer zu gucken. Irgendwann hätte dieser Moment auftauchen müssen und ich Idiot hatte tatsächlich daran geglaubt, es für ewig geheim zu halten. John zuckte mit den Schultern.
    „Ich habe nichts dagegen, warum auch. Zudem habe ich mit Pogo spekuliert, falls du weißt, was ich meine...“
    Ich hob die Augenbrauen. John bemerkte meine Unruhe und ließ für eine Zeit das Packen sein, um mich anzusehen.
    „Eh, dude“, sagte er dann beschwichtigend, „es dringt schon nichts nach außen. Manson würde dich erst recht feuern, wenn du mit Ginger in der Presse... du weißt schon.“
    Ich nickte und atmete ungewollt auf. Zur selben Zeit kündigten sich die anderen Jungs an, man hörte ihre Schritte und Stimmen aus dem Flur. Hinein kam aber nur Pogo. An seinem Blick konnte ich sehen, dass Ginger und mein Techtelmechtel auch bei ihnen eben Thema gewesen war. Ich musste raus aus dem Zimmer.
    Auf dem Flur stritten Manson und sein Drummer. Und ich Idiot platzte einfach so in die Szene. Doch im Endeffekt hätte nichts besseres geschehen können.
    „Ich sag dir nur eins, Fish: Nimm dich in Acht!“, hörte ich Manson noch keifen, dann bemerkten sie mich und lösten sich von der scheinbar hitzigen Diskussion.
    „Was ist los?“, fragte ich Ginger, als Manson mich ignorierend in das Zimmer marschierte, wo unser Gepäck stand. Er schaute mich gestresst aus seinen dunklen Seelenspiegeln an. Etwas dort drin war zerrissen: torn.
    „Nichts.“ Er versuchte an mir vorbeizugehen, doch ich hielt Ginger auf. „Wenn nichts ist, dann wäre ja auch nichts! Er hat dich auf uns angesprochen, richtig?“
    Gingers Gesichtsausdruck gefiel mir gar nicht, Tränen schwammen auf seinen Augäpfeln. Er schnaubte.
    „Du willst es wissen, okay: Er hat mir gedroht; das ist es. Nichts besonderes, ja?!“
    „Womit hat er dir gedroht? Er will nicht, dass wir an die Öffentlichkeit treten, ist es das?“
    Ich hielt Ginger nochmals zurück, ein weiteres Mal würde ich es nicht schaffen. Sein Handgelenk in meiner Hand zitterte. Er verlor beinahe die Fassung, doch ich sah ihn konsequent an, versuchte ihn durch mein Eis in den Augen abzukühlen.
    „Nein, er wird es nicht weiter dulden, wegen deiner Frau. Er sagt, er wird das zwischen uns schon zu Fall bringen.“ Das war mehr Information, als ich erwartet hatte. Meine Augen wurden zu Schlitzen. Plötzlich legte Manson für Erin die Hand ins Feuer, hatte er mich doch vorher immer gepiesackt, so fürchterlich ehelich-prüde zu sein. Ginger wollte etwas weiteres sagen, mich wohl abhalten, aber das konnte er nicht. Ich murmelte nur noch: „Der kann was erleben.“
    Zuerst flog ein Gepäckstück, dann Manson gegen die Wand. Ich drückte ihn dagegen, meine Nasenspitze war einen halben Zentimeter von seiner entfernt. Das Eis prickelte in meiner Iris und zersprang; die Splitter bohrten sich in Mansons Augen. Der Wutschleier umnebelte mein Gehirn, klares Denken ausgeschlossen. Ich schmiss ihm irgendetwas an den Kopf, an das ich mich nicht mehr erinnern kann, danach bekam er einige aufs Maul; bevor ich aber richtig loslegen konnte, zerrten mich Ginger und John von Manson weg, während Pogo Manson zurückhielt, der aus der Nase blutete wie ein Schwein. Die Nase war aber nicht gebrochen, ich hatte ihn zu sehr geschont. Es war ein Chaos wie im Bilderbuch. Zum Glück war Erin zu dem Zeitpunkt noch nicht anwesend.
    Die Attacke war auf jeden Fall nicht gut für das Bandklima. Ich stand eigentlich kurz vor der Suspension, doch es war zu offensichtlich, dass Manson gerade jetzt auf mich als Kollegen nicht verzichten konnte. Twiggy hatte Marilyn Manson vorerst ganz den Rücken gekehrt und anderen Ersatz, der konsequent mitarbeitete, ließ sich auf die Schnelle nicht finden.
    Ich hatte mich noch vor dem Flug über den Atlantik mit Manson wörtlich über die Sache auseinandergesetzt, weil die übrigen Jungs auf Klärung bestanden hatten. Im Endeffekt auch besser so. Dennoch missfiel mir, dass er den unartigen Drang verspürte, Erin alles zu erzählen. Ich drohte darauf, Dita jenes auf den Tisch zu legen, was ihr edler Freund so mit anderen Weibchen trieb. Manson wirkte äußerlich unbeeindruckt, aber ich kannte ihn zu gut. Ab da an ließen wir die Sache erst mal ruhen.
    Auf den folgenden Konzerten bekam Ginger nochmals Mansons Groll zu spüren, indem er –wie so oft- sämtliches gegen den Kopf geschmissen bekam: Wasser, Flaschen und selbstverständlich Mikrofonständer. Dabei gab ich mir äußerste Mühe, Ginger schnellen Einstieg in ein neues Lied zu gewähren – als Bassist hat man diese Verantwortung. Gleichzeitig musste ich mich zwingen, weitgehend unbeteiligt zu wirken; erst recht bei Mansons Umgarn-Spielchen während der Show. Wenn er mir seinen Arm um den Hals legte, verspürte ich das Verlangen, hineinzubeißen und wenn er mir ins Ohr sang oder schrie, wollte ich am liebsten seine Eier zertreten. Ich stand auf Kriegsfuß mit meinem „Vorgesetzten“. Aber ich blieb cool, dafür stehe ich ja auch mit meinem Namen.
    Ich blieb auch cool, obwohl ich extrem im Zwiespalt stand: Erin und Ginger, ich mittendrin. Das Ganze musste ich geschickt managen, sodass Erin keinen Wind bekommen konnte. Glücklicherweise steckte sie oft mit Dita und Johns Frau zusammen, die Tatsache erleichterte meine Seele als auch den heimlichen Plan. An ausgiebigen Sex mit Ginger war trotz allem nicht zu denken und darauf hatten wir beide auch nicht unbedingt Lust. Es reichte, wenn wir ab und zu das Klo beschlagnahmten oder in einem versteckten Winkel zwischen den ganzen LKWs Spaß miteinander hatten. Das alles beeinträchtigte das gebesserte Klima zwischen uns nicht weiter. Abgesehen vom Sex hatten wir beide auch so fun: Auf Aftershowpartys oder Sit Ins mit der Crew.
    Eines nachts, mit Erin im Bett, lagen wir zwei wach da. Sie hatten ihren Kopf auf meine Brust gebettet und streichelte meine Seite gedankenverloren. Ich starrte ins Nichts, rauchte eine Zigarette im Dunkeln und dachte auch weitestgehend an nichts.
    „Es ist wundervoll mit dir, Schatz“, murmelte sie. Ich reagierte nicht wirklich, da ich noch vor mich hin träumte.
    „Aber irgendetwas hat sich geändert“, fügte Erin unerwarteterweise hinzu. Aus meinen Gedanken gerissen fragte ich, was es denn sei.
    „Na ja“, seufzte sie und strich über mein Sixpack, „irgendwas ist eben anders. Anders als in den Jahren zuvor; du bist anders.“
    Augenblicklich schoss mir ein Bild von Ginger durch den Kopf. Wie er mich anlächelte.
    „Aber das ist nicht schlimm“, sagte Erin.
    Sie hatte es bemerkt – wow. Ich hatte gedacht, sie hätte es spätestens seit meinem Koksabsturz gemerkt. Vielleicht aber realisierte sie jetzt erst, dass zwischen uns etwas vorgehen mochte. „Hm“, machte ich nur und kraulte liebevoll ihren Kopf, nachdem ich einen Kuss auf ihr duftendes Haar gesetzt hatte. Damit war das Thema beendet. Auf dieser Tour hatte sie mich nie wieder auf mögliche, diverse Veränderungen angesprochen. Ich betrog sie weiterhin und verdrängte meine schlechtes Gewissen. So lag eine Beichte noch weit entfernt.
    Diese erfolgte erst zwei Jahre später, als Ginger es endlich schaffte, mein Gewissen zu zerschlagen.
    Wir saßen bei ihm zu Hause bei einem Bier. Draußen regnete es wie aus Kübeln, L.A. sah einfach hässlich aus. Ginger fuhr mit seinem Zeigefinger immer wieder über den Flaschenhals und starrte aus dem Fenster. Seinen verletzten Fuß hatte er auf dem Sofa hochgelegt und sein Schlüsselbein musste er auch noch schonen. Ich kam mir ein bisschen vor wie ein Krankenpfleger, aber um in Gingers Nähe zu sein, tat ich beinahe alles. Er hatte sich gemütlich gegen mich gelehnt, sodass ich einen Arm um seine Schultern legen konnte.
    „Ahnt Erin immer noch nichts“, fragte er trocken. Wie oft hatte er mich darauf angesprochen? Zwanzig Mal? Deswegen seufzte ich etwas genervt und stellte mein Bier zur Seite.
    „Was weiß ich.“
    „Tim“, sagte er und sah mich an. Das klang ernst und der Ernst lag auch in seinen Augen. Ein unangenehmes Gefühl beschlich mich langsam, kribbelte auf meiner Haut.
    „Immer wieder sagst du, wie du zu mir stehst und wie glücklich du bist. Genauso oft sagst du, wie sehr du dich von Erin entfernt hast. Was soll das? Mach dem ein Ende... dir und mir zuliebe. Und Erin.“
    „Ich kann Erin nicht ganz verlassen, das weißt du.“
    „Nicht ganz“, wiederholte er nachdrücklich, „Das heißt aber nicht, dass du unglücklich bleiben musst.“
    Der Ärger juckte mich schon wieder. „Ich liebe Erin... irgendwo. Und sie liebt mich nach wie vor.“
    „Ganz sicher?“
    „Ginger, was soll das?!“
    „Das habe ich dich erst gefragt. Ich fühle mich... wie soll ich das beschreiben!... Es ist kein schönes Gefühl, wenn der Mensch, den du liebst, zwischen zwei Stühlen sitzt. Du kaufst es ihm nie wirklich ab, wenn er sagt, dass er dich liebt! Ich bin die zweite Wahl!“
    „Nein, das bist du nicht! Verdammt... jetzt stell mich nicht vor diese Entscheidung, das ist verdammt schwierig!“
    Er richtete sich etwas mühsam auf und löste sich aus meiner Umarmung. Dabei funkelte er mich gereizt an.
    „Was soll ich tun? Ich habe mich in dich verliebt. Vor zwei, zweieinhalb Jahren! Meinetwegen bleib mit ihr verheiratet und alles, aber sag es ihr! Sie hat es verdient.“
    „Ginger...“
    „Du hast mich damals mal gefragt, ob du ein Arschloch bist. Ich hatte gesagt ,nein’, aber das stimmt nicht... du bist eins.“
    Tränen flossen in Unmengen, sie bettelte mich an, sagte unsinnige Sachen. So verwirrt hatte ich Erin noch nie erlebt, was mich verstörte. Über Nacht fuhr sie zu ihrer Cousine und kam am nächsten Abend zurück. An diesem Tag hatte ich weder ein Auge zu tun können noch war ich dazu fähig gewesen, zu Ginger zu gehen oder zu arbeiten. Nichts von alldem. Ich hatte mich durchgehend beschissen gefühlt und kurzzeitig an Selbstmord gedacht. Eine verfluchte Situation und alles meine Schuld. Erst war Ginger sauer auf mich und Erin verständlicherweise auch, nachdem ich endlich mein gepeinigtes Gewissen erleichtert hatte.
    Sie sprach fünf Tage kein einziges Wort mit mir, ließ dennoch meine Nähe zu. Das machte mich unglaublich traurig. Etwas war für ewig zersprungen. Dafür hatte sich etwas Neues endlich frei entfalten können und es erfüllte meinen ganzen labilen Geist.



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    James Bathory - 16.08.2010, 01:23


    JB ist sprachlos.
    Und, man glaubt es kaum, die gute Erin tut mir Leid. Am Ende ging es ein bisschen schnell mit dem Umstieg von Ginger ist da/Erin ist da, aber sonst wie immer sehr sehr schön :)



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    skold_in_suspenders - 16.08.2010, 10:27


    James Bathory hat folgendes geschrieben: die gute Erin tut mir Leid.

    Die ist ja auch mit Tim verheiratet die blöde Kuh, ich würde mir auch leid tun - wäre ich in ihrer Situation, lol ^^



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Chepre - 16.08.2010, 12:06


    Tja Erin vs Ginger, wer wird gewinnen xD
    *hust* Ginger *hust* geile Sau *hust*



    Re: trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]

    Omega - 16.08.2010, 21:21


    skold_in_suspenders hat folgendes geschrieben: Aber ich blieb cool, dafür stehe ich ja auch mit meinem Namen.

    :lol:



    Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken



    Weitere Beiträge aus dem Forum Das MM-Slasharchiv

    Was macht/denkt ihr gerade? - gepostet von Osiris am Donnerstag 12.04.2007
    American Paradise - gepostet von Ginger Fish 666 am Donnerstag 21.01.2010
    I'm listening to... - gepostet von Osiris am Mittwoch 19.09.2007
    No.8: The Nightmare (ab 18) - gepostet von Omega MM am Samstag 08.12.2007



    Ähnliche Beiträge wie "trip, torn [ab 16; depri, romance, lime]"

    Der RAW Roster - gepostet von Vince McMahon am Samstag 26.08.2006
    Neues Logo - gepostet von börn am Freitag 06.10.2006