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Re: Das Nacktmagazin desVaters der Playboy
*De Kef* - 11.06.2006, 18:35Das Nacktmagazin desVaters der Playboy
Das Nacktmagazin des Vaters – der „Playboy“
Umstrittene "Avantgarde-Publikation der sexuellen Revolution"
Der "Playboy" wird im Dezember 50 Jahre alt. :occasion4: Kritiker sagen, er sei nach all den Jahren altmodisch und hausbacken geworden, eine Karikatur seiner selbst, längst überholt von den flotten Männermagazinen der Moderne. "Er ist irrelevant geworden", sagt John Warner, der an der Universität Virginia Kommunikationswissenschaften lehrt. "Die jüngeren Männer sagen, dies ist das Nacktmagazin meines Vaters, aber nichts, was für die heutige Gesellschaft wichtig wäre".
Damit lag Daryl Hannah mit ihrer Beschwerde ganz im Trend: Als die US-Schaupielerin, die mit dem neuen Quentin Tarantino Schocker "Kill Bill" ein Hollywood-Comeback gestartet hat, ihre Nacktaufnahmen in einer der letzten "Playboy"-Ausgaben sah, erwog sie, den Klassiker unter den Nacktmagazinen zu verklagen. Hannah sei mit den Bildern "überhaupt nicht glücklich", sagte eine Sprecherin. Tatsächlich wirkte vor allem das Titelbild - in dem Hannah verträumt vor sich hin starrt, die nackten Brüste eingehüllt in weiches Licht und zart verdeckt von ihrem blonden Haar - wie eine Kreation aus den 70er Jahren.
Dabei galt die Publikation des "Playboy", als er 1953 zum ersten mal erschien, als eine Art Revolution in Amerika. Die USA in den 50ern war die Heimat der Prüderie. Die einzigen nackten Körper, die man jemals auf Papier zu sehen bekam, erschienen in Nudisten-Magazinen der Nackt-Körper-Kultur, und diese mussten nicht unbedingt einem gewissen ästhetischen Standard genügen. " 'Playboy' gab den Amerikanern einen Eindruck davon, dass Frauen ohne Kleider nun mal in unser Leben gehören", sagt Buchautor Gay Talese ("Thy Neighbor's Wife"). "Das war damals ein dickes Ding, und anfänglich war dies der Beitrag von 'Playboy' zur Popkultur".
Die Anfänge des Magazins sind heute legendär: Hugh Hefner, damals ein 27-jähriger Journalist in Chicago, borgt sich 8.000 Dollar zusammen, kauft sich für 500 Dollar die Rechte an Aufnahmen von Marilyn Monroe, und schnipselt auf seinem Küchentisch die erste Ausgabe des Herrenmagazins, das die Welt erobern sollte, zusammen. Das Heft verkaufte sich 50.000 mal. Fünf Jahre später war es eine Million.
Zehn Jahre später war aus "Playboy" ein internationales Imperium geworden mit dem berühmten Bunny Logo und den Bunny Clubs, in denen attraktive junge Frauen mit langen Beinen, Hasenohren und Puschelschwanz ihren betuchten Kunden Drinks servierten, und Entertainer wie Frank Sinatra die Musik dazu machten. Heute gibt es Playboy-Magazine in Deutschland, wo die Hefner-Kreation 1972 als erstes Auslandsbusiness landete, sowie in Brasilien, Bulgarien, Kroatien, der tschechischen Republik, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Italien, Japan, Mexiko, Holland, Polen, Rumänien, Slowakei, Spanien und Taiwan.
Süße Mädchen von Nebenan
Hefner gelang mit dem Konzept ein Geniestreich: Die Frauen wurden nie als billig zu erwerbende Wegwerfware dargestellt, sondern als idealisiertes Fantasiegebilde des süßen Mädchens von Nebenan. Dem berühmten Centerfold, der doppelt gefalteten Ganzkörperaufnahme des "Playmate des Monats", wird bis heute eine kleine Story beigelegt, in dem sie über ihre Hobbies und ihre Familie Auskunft gibt, und was sie an- und abtörnt. Zu den häufigsten genannten Turn-ons gehört zum Beispiel "essen", bei den Turn-offs taucht oft "früh aufstehen" auf.
Weil das Heft auf ein gut verdienendes Publikum aus Geschäftsmännern und politisch interessierten Zeitgenossen zugeschnitten war, enthielten die Playboy-Ausgaben außerdem Interviews mit Intellektuellen wie Albert Schweitzer, Marshall McLuhan oder Henri Kissinger und Kurzgeschichten der A-Liste zeitgenössischer Autoren wie Norman Mailer, John Updike oder T.C. Boyle. "Alle Top-Autoren der vergangenen Generationen wollten im Playboy stehen, es war gut bezahlt und gute PR", sagt John Warner. "Aber es besitzt heute nicht mehr dieselbe kulturelle Bedeutung".
:biggrin:
Hugh Hefner stellt den "Playboy" gern noch heute als Avantgarde-Publikation der sexuellen Revolution dar, was ihm von religiösen Gruppen und etlichen Feministinnen der 60er Jahre regelmäßig streitig gemacht wurde. "Ich wollte einfach nur die Botschaft vermitteln, dass auch brave Mädchen Spaß an Sex haben", gab er dutzende male zu Protokoll. Hefner selbst, der bis heute Interviews im Smoking gibt, galt als Verkörperung des Lebemannes, der den Lifestyle der offenen Beziehung lebte. Einige der Playmates, wie Pamela Anderson, Anna Nicole Smith oder Carmen Electra wurden weltberühmte Schauspielerinnen, Models - und Millionärinnen. Auf dem Höhepunkt seiner Existenz verkaufte sich der US-"Playboy" in der November-Ausgabe 1972 über sieben Millionen mal. Heute liegt die Auflage in den USA bei 3,1 Millionen und international bei insgesamt rund 4,5 Millionen.
Doch "Playboy" hat längst ernsthafte Konkurrenz bekommen: Mit dem Abbau sexueller Tabus und leicht erhältlicher pornografischer Ware, sowohl in Magazinform wie auch im Internet, wurde das Heft in Sachen Nackheit beinahe obsolet. Darüber hinaus schafften in den 90er Jahren die sogenannten "Lady"-Magazines wie "Maxim" oder "FHM" den Sprung aus England über den Teich und zogen die Männer der jüngeren Generation in ihren Bann. Gemeinsam mit "Stuff", das ein ähnliches Konzept besitzt, erreichen die drei Blätter eine Auflage von rund fünf Millionen - und anders als bei "Playboy" mit seinem alternden Publikum besteht die Leserschaft hier aus der begehrten Zielgruppe der 18 bis 35-Jährigen.
:angel13:
Die drei Newcomer und ihre Klone bedienen sich nicht mehr der Fantasie vom unschuldigen Mädchen nebenan, sondern geben sich praktischer: Neben extrem dünn gekleideten Models, die sich jedoch niemals völlig entblättern, geht es vor allem um Bier, Sport und Unterhaltungselektronik. "Ein echter Maxim-Mann ist entweder fabelhaft reich oder hat ein extrem hohes Kreditkarten-Limit, um sich auch all die Plasma-Fernseher und Videogame-Systeme kaufen zu können", sagt Warner. Und er weiß Bescheid, wie man ein heißes Babe aufreißt, denn "Maxim" gibt regelmäßig Tipps über die besten Anmach-Maschen.
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