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Re: Die Schule als Mutter
admina - 11.06.2006, 11:19Die Schule als Mutter
#sala#
8.06.2006:
Die Schule als Mutter
Lehranstalten in Marokko: Authentische Wissensvermittlung wird heute wiederentdeckt - Von Yasin Alder, Bonn
Die Madaris Al-’Atiqa (plur. von Madrassa Al-’Atiqa) in Marokko sind Schulen, die überwiegend im ländlichen Bereich gelegen sind, heute vor allem noch im Süden Marokkos, und an denen wie seit eh und je die islamischen Wissensbereiche anhand der klassischen Quellen und auf die traditionelle Art und Weise gelehrt werden. In gewissem Maße gibt es diese Art von Schulen, sei es auch in etwas anderer Form, teilweise auch noch in anderen muslimischen Ländern, etwa in Mauretanien oder im Jemen. In vielen anderen Ländern wurde diese authentische Form der Wissensübermittlung jedoch seit der Kolonialzeit durch die Einführung von an europäischen Vorbildern orientierten Bildungseinrichtungen verdrängt oder ist sogar völlig verschwunden. So wurden auch die großen Hochschulen wie die Qarawijin in Fes völlig umstrukturiert im Sinne moderner Universitäten. Dadurch ist vieles verloren gegangen, und erst in den letzten Jahren finden die traditionellen Schulen wieder verstärktes Interesse und Wertschätzung.
Schaikh Muhammad El Kasbi, heute Imam der neuen Moschee von Granada in Spanien, hat die Ausbildung einer solchen Madrassa durchlaufen und auch selbst lange an einer der größeren klassischen Madrassen des Souss Fiqh unterrichtet. Er sagt: „Was die Madaris Al-’Atiqa betrifft, so bin ich einer der Söhne dieser Schulen, die diese Schulen als ihre Mütter betrachten. Wir sind ihre Söhne und sie sind unsere Mütter. Wir sind durch sie erzogen worden seit unserer Kindheit und mit ihr aufgewachsen. Wir haben in ihr gelernt und gelehrt nach unserem Ermessen.“
Die Madaris Al-’Atiqa sind zwar in ganz Marokko existent, konzentrieren sich heute aber vor allem im Souss, besonders im Raum Agadir, Tiznit und Taroudant. Eine der größten, geleitet von dem sehr bekannten Schaikh Hadsch Tajjib, befindet sich heute in der Nähe von Taroudant. Die Bezeichnung „Al-’Atiqa“ im Sinne von „traditionell“, „klassisch“ ist eigentlich neu, früher waren sie einfach als Schulen der Wissensvermittlung („Al-’Ilmija“) bekannt. In ihnen wurde islamisches Wissen gelehrt und sie haben große Gelehrte hervorgebracht im Bereich Fiqh, Tafsir, Hadith oder auch Astronomie, handwerkliche Dinge und alle möglichen anderen Wissensbereiche. Diese Schulen bestanden und bestehen neben den großen islamischen Hochschulen jener Zeit in Nordafrika, der Qarawijin in Fes, der Azhar in Kairo und der Zaituna in Tunis.
Die in der Qarawijin damals wie heute unterrichteten Inhalte werden auch in den Madaris Al-’Atiqa unterrichtet, wobei es manchmal vorkommen kann, dass in den Madaris Al-’Atiqa auch Dinge unterrichtet werden, die in der Qarawijin später nicht mehr unterrichtet wurden, wie etwa Tafsir des Qur’an.
Alles beginnt mit dem Qur’an. Schaikh Muhammad El Kasbi berichtet aus seiner Erfahrung: „Wenn ein Kind sechs Jahre alt wird, dann geht sein Vater mit ihm zur Dorfmoschee. Wenn das Kind dann einen bestimmten Teil des Qur’an auswendig gelernt hat, bleibt es entweder in der Moschee - wenn die Moschee einen Lehrer hat, der die verschiedenen überlieferten Lesarten (Riwajat) und Tafsir beherrscht, schließen sie die Qur’an-Ausbildung auch dort ab. Oder es geht zur Madrassa Al-’Atiqa, da die Madaris Al-’Atiqa nicht nur Schulen des Qur’an (Madaris Al-Qur’anija), sondern auch des Wissenserwerbs (Madaris Al-’Ilmija) sind. In manchen Schulen geht die Lehre des Qur’an und des Wissens ineinander über, sodass es Lehrer gibt, die den Qur’an unterrichten sowie auch andere, die die anderen islamischen Wissenschaften unterrichten. Aber meistens sind beide Schularten getrennt, sodass der Hafidh seine Ausbildung mit der Lesart von Warsch abschließt; und in manchen anderen Schulen, die auf die Lesarten des Qur’an spezialisiert sind, lernen die Schüler alle sieben beziehungsweise zehn Lesarten. Diese Qur’an-Schulen können also innerhalb einer Madrassa Al-’Atiqa bestehen oder unabhängig davon. Wenn der Schüler dann eine Qur’an-Ausbildung abgeschlossen hat, geht er zu den Madaris Al-’Ilmija. Dort wird unterrichtet: Grammatik, Morphologie, Philologie, Literatur, Hadith, Tafsir, und manchmal auch Teilbereiche der Astronomie, wie ich es auch selbst miterlebt habe. Ich persönlich habe auch noch viel von der Astronomie mitbekommen. Obwohl man sagen muss, dass sich manche Werke der Astronomie darauf beschränken, wie man die Qibla bestimmt, und die Monate und Tage und so weiter. Aber früher hat man dies mit einer sehr großen Genauigkeit studiert, es gab sehr herausragende Vertreter in diesem Bereich im Souss. Es gibt diese Personen noch immer, auch wenn sie sehr wenige sind. Der Student beginnt also mit der Grammatik, mit der Adschrumija, und in der Morphologie mit der Lami’at Al-Af’al von Ibn Malik Al-Dschajjani Al-Andalusi. Dann Fiqh mit dem Werk in Gedichtform von Ibn ‘Aschir, und dann steigt es an mit Literatur, etwa den Maqamat Al-Hariri. Darin kommen nämlich Ausdrucksweisen vor, die auch im Qur’an und in den Ahadith vorkommen. So steigt der Schüler immer weiter auf, bis er sein Studium abgeschlossen hat.“ Natürlich werden noch andere Werke als die genannten studiert, dies sind lediglich einige Beispiele.
Schaikh Muhammad El Kasbi berichtet weiter: „Die Art des Unterrichts ist relativ frei. Der Student sucht sich die Schule selbst aus, oder auch sein Vater oder Verwandte; eine Schule, die einen guten Ruf hat, in der mit Ernsthaftigkeit unterrichtet wird und die große Gelehrte hervorbringt. Der Schüler geht dort hin und lernt den Verantwortlichen der Schule kennen, den Faqih. Als Faqih wurde früher nicht irgend jemand bezeichnet, sondern jemand, der diesen Namen auch verdient hat; es war eine ehrende Bezeichnung. Der Faqih ist der Leiter der Schule und auch ein Lehrer, er kontrolliert das Lehrsystem der Schule. Er ist ein Vermittler unter den Schülern, der aktiv am Geschehen teilnimmt und darauf achtet, dass alles seine Ordnung hat und gut läuft. Er wacht und entscheidet über alle Angelegenheiten der Schule. Nachdem der Faqih den Schüler angenommen hat, schließt der Schüler sich den anderen Schülern an. In den Madaris wird den Schülern eine Unterkunft, Essen und Trinken gewährt, je nach den Gegebenheiten der jeweiligen Region. Der Faqih gibt dem Schüler den Schlüssel für sein Zimmer, das er entweder allein bewohnt oder mit ein oder zwei Schülern teilt, je nach der Größe und den Möglichkeiten der Schule.“ Die Madrassen wurden und werden von den jeweiligen Bewohnern ihrer Umgebung, den Stämmen, unterhalten und unterstützt. Sie stellen das Essen für den Faqih, die Studenten und auch für Gäste zur Verfügung. Die jeweiligen Stämme bilden für diesen Zweck Ausschüsse. Diese Ausschüsse kümmern sich um die Verpflegung und um Reparaturen oder bauliche Maßnahmen in der Madrassa. Auf diese Art waren die Schulen früher geregelt, und keiner hat sich eingemischt.
Auch nachdem das Lehrsystem der Al-Azhar und der Al-Qarawijin geändert worden war, blieben die Madaris Al-’Atiqa standhaft, doch gab es auch leichte Veränderungen. Das staatliche Lehrsystem, das mit dem alten Lehrsystem konkurriert, wurde parallel eingeführt. Das ursprüngliche Lehrprogramm blieb aber erhalten und blieb unabhängig. Wer möchte, kann heute das staatliche Lehrsystem befolgen, es ist aber nicht verpflichtend. Der Student ist immer frei in seiner Entscheidung, er tritt in die Schule ein, wann er möchte, und verlässt sie, wann er möchte. Die Schüler, die die Schule abschließen, werden vom Faqih im Land verteilt, er sagt ihnen, in welche Moscheen oder in welche andere Schule sie gehen sollen, um dort zu unterrichten. Andere brechen vorher ab, weil sie nicht als Imam arbeiten wollen, und arbeiten dann in ganz normalen Berufen, etwa im Handel, oder ziehen zum Arbeiten in die großen Städte oder ins Ausland.
Die marokkanische Regierung, das Ministerium für Stiftungen und religiöse Angelegenheiten (Wazirat Al-Auqaf), macht die Madaris heute zwar nicht zu staatlichen Institutionen, beginnt aber, sie zu unterstützen und ihren alten Ruf wieder herzustellen. Es gibt Stipendien für Studenten und für den Faqih sowie weitere Hilfsleistungen. Vor dieser staatlichen Unterstützung bekamen die Schulen nicht das Interesse, das sie eigentlich verdient haben, heute werden sie aber zunehmend wiederentdeckt - nicht nur von der marokkanischen Regierung, die das authentische Wissen auch als Schutz vor Extremismus und Terrorismus wiederbeleben möchte, sondern auch von jungen Muslimen, gerade auch aus westlichen Ländern, die den Islam aus den überlieferten zuverlässigen Quellen lernen möchten.
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