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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Hubert - Gerd Forum: Schihu-Forum Forenbeschreibung: Willkommen auf meinem Board!!! aus dem Unterforum: Hier kannst du Beiträge über deine Erfahrungen mit Alkohol schreiben: Antworten: 2 Forum gestartet am: Freitag 09.06.2006 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Mein leben nach dem Alkohol Letzte Antwort: vor 16 Jahren, 9 Monaten, 18 Tagen, 9 Stunden, 34 Minuten
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Re: Mein leben nach dem Alkohol
Hubert - 09.06.2006, 22:15Mein leben nach dem Alkohol
Ich kann zwar erst auf 3 1/4 Jahre Abstinenz zurückblicken, aber ich bin heute im Gegensatz zu meiner Ersten trockenen Zeit absolut davon überzeugt dass ich Alkoholiker bin und dass es mir nicht möglich ist einfach nur mal ein Bier zu trinken und dass es das auch nie sein wird!
Mein leben nach dem Alkohol:
In den Ersten 13 Monaten wo ich mich alleine durchgekämpft hatte ohne eine Gruppe oder Therapie oder dergleichen, (Grund war mein 3.!! Führerschein Entzug) dachte ich nach ca. einem halben Jahr eigentlich nicht mehr so viel über den Alk. nach, aber ich hatte festgestellt, dass ich beruflich wie auch privat plötzlich viel mehr Elan hatte.
Ich habe alle möglichen Vorhaben angegriffen und meist mit Erfolg durchgezogen, bis dann eines Tages die blödsinnige Idee kam, - so nun hast du deinen Schein wieder, nun kannst du ja mal ein Bier probieren, schauen was passiert und ob es eigentlich noch schmeckt!
Passiert ist zunächst nichts, also wurde daraus eine feste geregelte Gewohnheit - "Einmal in der Woche kann ich ohne Probleme ein Bier trinken", wenn es dabei bleibt ist dass doch in Ordnung, na ja dabei blieb es dann natürlich nur kurze Zeit und die Anzahl der Biere stieg auch,....
Wie auch immer,
nachdem ich 2003 meine Therapie hatte war ich zwar, wie vor der Therapie auch schon, überzeugt dass ich Alkoholiker bin und ich hatte schon noch viele Ängste und auch hin und wieder mal Saufdruck, den ich aber mit viel Beschäftigung und Ablenkung meist sehr gut und relativ schnell überwunden habe.
Ich habe wieder angefangen mir daheim viel Beschäftigungen zu suchen (meist muss man da gar nicht erst suchen!), habe viele Ideen die ich irgendwie umsetzen will.
Ich habe eine zweite Ausbildung begonnen (ich bin gelernter Koch und war demnach auch immer an der Quelle...), ich habe neue berufliche Ziele und auch Ideale die ich nach meiner Ausbildung umsetzen möchte.
Ich habe mich seit meiner Therapie sozusagen auch von meinem bisherigen Umfeld (auch sogenannte "Freunde") sehr distanziert und ich muss ehrlich sagen heute fehlt mir dass auch nicht mehr im geringsten (in der Kneipe sitzen,...)!
Es ist schon so wie man auch in der Therapie lernt:
Du musst dich verändern, deinen Lebensstil, deine Ideale (überdenken oder neu entdecken), deinen Wünschen nicht nur nachhängen, sondern auch mal den Mut haben etwas neues anzupacken,....., kurz um:
Ein neues Leben leben!
Deswegen habe ich mein "nasses"Leben nicht vergessen, denn da war ja auch vieles schön und recht was ich gemacht oder erlebt habe, jedoch gerade die letzten Jahre hat sich doch dass meiste nur noch um den Alkohol gedreht.
Ich versuche heute mit meinen Problemen fertig zu werden, nicht,s lange auf zu schieben, Verantwortung für mich selbst und meine Frau zu tragen (früher trug ich nur Verantwortung in der Arbeit oder in Vereinen!), mich und meine Ideale durch zu setzten auch wenn es manchmal schwer fällt und ich jemanden damit auf die "Füße treten muss", usw.
Das meine ich sind einige der wichtigsten Punkte zur zufriedenen Abstinenz!
Außerdem scheue ich mich heute auch nicht mehr davor anderen meine Gefühle zu zeigen oder einfach zu sagen wie es mir wirklich geht, denn nur dann kann ich erwarten dass mein Gegenüber mich auch dem entsprechend behandelt, - habe ich gelernt.
So, ich hoffe dass es in etwa diesem Thema entspricht und ich hör jetzt auf, sonst wird dass noch ein Roman hier.
Schönen Gruß
Hubert :D :D :oops:
Re: Mein leben nach dem Alkohol
Gerd - 09.06.2006, 22:23
Hier mein "Lebenswandel"!
Ich war 1993 das erste Mal zu Entzug und hatte einen Rückfall, welcher auf DUMMHEIT beruht Nach dem Motto: "Eins am Tag..." da wars das. Es ist nicht so, wie immer gesagt wird, dass man kontrolliert trinken kann! Ich wollte die Richtung vielleicht einschlagen, aber da wurde ich GEschlagen vom Alkoholteufel. Dass das nach hinten los ging, war das Eine, das Andere war, der ganze Misst ging von vorn los. Saufen bis zu umfallen und Entzug Nr. 2!
Das war im Januar 1994 und der gelang besser. Irgend wo im Forum habe ich schon den Grund angegeben, weswegen. Das ist der Satz einer früheren Freundin: "Ich will keinen Trinker". Der Satz hat mich so animiert,so gefesselt, dass er erst einmal so fest im Kopf sitzt, dass ihn nicht einmal ein Presslufthammer herausmeiseln könnte und glaube, nicht einmal heraus operiert werden kann. O.K. - vielleicht etwas zu hoch gespielt, aber ich will damit sagen, dass ich es ernst damit meine.
Ich war nach diesem Krankenhausaufenthalt ein viertel Jahr zu Hause. Mein eigener Wunsch blieb jedoch immer, "alkoholfrei" zu bleiben. Also kein Bier, kein Schnaps und was ich sonnst noch aufzählen könnte. Da aber in unserem Haus auch welche ihr Feierabendbier tranken und ich mit ihnen Kontakt hatte, störte es mich anfangs, wenn ich mit denen sprach. Diese aber versuchten, sich diesbezüglich von mir abzuwenden, weil sie von meinem Problem wußten. Alkohol bekam ich gleich gar nicht angeboten. War eigentlich ein hartes Stück Brot - mit mir zu reden, die Fahne vor das Gesicht zu hängen und dann nichts zu trinken! Das eine Mal, ich weiß es noch wie heute, stand ein Mieter vor meiner Nase mit einer Fahne und hauchte mich frech und provozierend an. So, wie er mich anhauchte, spuckte ich ihm ins Gesicht. Er hat es mir bis heute nicht verziehen - aber wir lachen darüber, wenn wir uns sehen! Sollte ich mir das gefallen lassen? Ähnliche Situationen blieben nicht aus, nur spuckte ich nicht jeden an. Bei ihm wusste ich, wer er ist - weiß ich es bei den Anderen. Dafür lies ich sie stehen.
Was habe ich mir schon so oft selbst gesagt, wenn mir einer mit ´ner Fahne kam: "SO und schlimmer hast Du selbst gestunken!!! PFUIIII!!!!!".
Es ist aber so. Schnell hat einer ein Bier in sich hinein geschüttet, nur eins, und der stinkt wie eine Kneipe. Das ist das Stichwort: Kneipe! Nach der Kur hatte Mama den 70. Geburtstag und feiert in der Gaststätte. "Du gehst da nicht mit. Ich lade Dich..." schon war ich ausgeladen. Gut, ich verstand doch Mami´s Sorgen um ihren Sohn, den sie doch gern trocken behalten will. Doch am Ende war ich auch mit von der Partie. Vor allem wird man nur einmal im Leben 70 und das erste Mal in meinem Leben bin ich noch nie so trocken AUS der Gaststätte nach Hause gegangen, wie an diesem Tag. Muß ehrlich sagen, dass es mir nicht einmal etwas ausgemacht hat, der Geruch und so. Habe meine Limonade getrunken, dazu geraucht und vom Festmenü "gespeisst". Wiederum ist der Alkoholgeruch in der ganzen Abstinenz- Zeit immer ein Begleiter geblieben, da es, z. B. im Haushalt doch Bier gibt. Egal, ob jemand zu Besuch kommt oder meine Frau am Tag eine Flasche Bier trinkt. Sie weiß, wenn sie Alkohol trinkt, dass mit Küsschen und so nichts ist und sie trinkt sowieso, für meine Auffassung, so gut wie nichts.
Nach der Kur bekam ich eine Arbeit in einer Reinigungsfirma in der Uniklinik in Dresden. Prima Job und Gefallen fand ich auch daran - Hauptsache Arbeit! Aber bei den Reinigungsmittel- Zusätzen ist doch auch Alkohol drin und dazu noch hochprozentig. Wie ich da erst geschaut habe, kann ich nicht sagen. Habe sogar mit Handschuhe gearbeitet, bis diese mir lästig wurden. Es kostete Überwindung für einige Reinigungsarbeiten und den Zusatzmitteln, doch ging es darum, meine Arbeit behalten zu können.
Ihr werdet fragen, wie ich dass alles seelisch und moralisch verkraftet habe. Ich muß sagen, dass ich eben der Meinung bin, meinen Willen durch zu setzen, was ich hier unter Beweiss stellen will. Es war genug Alkohol an fast jedem Tag im Spiel, aber irgend welchen Drang, ihn trinken zu müssen, verspührte ich nicht und auch jetzt, 12 Jahre später ist es noch so! Nach Feierabend oder wann auch immer, war alles normal. Durst ja, aber keinen Alkoholdurst. Ich kann eben damit umgehen und leben, wo andere schon wieder rückfällig geworden wären.
Eins möchte ich noch erwähnen. Seit dem 5.1.2006 kommt noch ein Laster weniger auf mich zu, denn ich habe das NICHTRAUCHEN gelernt. Ob ich den Willen genau so durchsetzen kann, wie mit dem Alkohol, werde ich in den nächsten 12 Jahren merken, aber ich halte mich in dieser Beziehung bei beiden an einem fest -
Ich will keinen Trinker/ Raucher!
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