gedicht

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    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:37

    gedicht
    Fliegt der erste Morgenstrahl
    Durch das stille Nebeltal,
    Rauscht erwachend Wald und Hügel:
    Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!



    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:38


    Ich kannte eine Hand, voll Narben, braun,
    Zerrisen und fast krüppelhaft zu schaun.

    Und dennoch schön, dieweil sie immerdar
    Werktäterin der reinsten Seele war.

    Wie freudig schnitt sie, wenn sie Brot uns schnitt,
    Am frohsten, wenn sie selber Mangel litt.

    Sie wurde alt; doch ob die Kraft auch wich,
    Im Geben blieb sie stark und jugendlich.

    Ich seh sie noch, und manchmal in der Nacht
    Träum ich, sie fasse meine Rechte sacht.

    Und rühre mir, wie einst im Trennungsschmerz,
    Mit ihrem Drucke wunderbar ans Herz.



    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:39


    Der Sandmann ist da,
    der Sandmann ist da!
    er hat so schönen weißen Sand,
    ist allen Kindern wohlbekannt.
    Der Sandmann ist da!



    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:40


    Der Sandmann ist da,
    der Sandmann ist da!
    Da guckt er schon zum Tor herein,
    er weiß, wo schöne Mädchen sein.
    Der Sandmann ist da!



    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:40


    Sieh einmal, hier steht er.
    Pfui ! Der Struwwelpeter !
    An den Händen beiden
    Ließ er sich nicht schneiden
    Seine Nägel fast ein Jahr;
    Kämmen ließ er nicht sein Haar.
    Pfui ! Ruft da ein jeder:
    Garst'ger Struwwelpeter !



    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:42


    Die Affen rasen durch den Wald,
    Der eine macht den andern kalt,
    Die ganze Affenbande brüllt:
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wer hat die Kokosnuß geklaut?

    Die Affenmama sitzt am Fluß
    Und angelt nach der Kokosnuß,
    Die ganze Affenbande brüllt:
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wer hat die Kokosnuß geklaut?

    Der Affenonkel, welch ein Graus,
    Reißt ganze Urwaldbäume aus,
    Die ganze Affenbande brüllt:
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wer hat die Kokosnuß geklaut?

    Der Affenmilchmann, welch ein Schlick,
    Er lauert auf die Kokosmilch,
    Die ganze Affenbande brüllt:
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wer hat die Kokosnuß geklaut?

    Der Elefant im Urwald spricht:
    Hier in dem Dickicht ist sie nicht,
    Die ganze Affenbande brüllt:
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wer hat die Kokosnuß geklaut?

    Die Affenbraut denkt selbst beim Kuß
    Nur immer an die Kokosnuß,
    Die ganze Affenbande brüllt:
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wer hat die Kokosnuß geklaut?

    Das Affenbaby voll Genuß
    Hält in der Hand die Kokosnuß,
    Die ganze Affenbande brüllt:
    "Hier ist die Kokosnuß!
    Hier ist die Kokosnuß!
    Es hat die Kokosnuß geklaut".

    Und die Moral von der Geschicht',
    Klau keine Kokosnüsse nicht,
    Weil sonst die ganze Bande brüllt:
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wo ist die Kokosnuß?
    Wer hat die Kokosnuß geklaut?



    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:42


    Morgens früh um sechs
    kommt die kleine Hex.
    Morgens früh um sieben
    schabt sie gelbe Rüben.
    Morgens früh um acht
    wird Kaffee gemacht.
    Morgens früh um neun
    geht sie in die Scheun'.
    Morgens früh um zehn
    holt sie Holz und Spän'.
    Feuert an um elf,
    kocht dann bis um zwölf
    Froschbein, Krebs und Fisch:
    Kinder, kommt zu Tisch



    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:44


    An einem Bach, in einem tiefen Tale,
    Da saß ein Mädchen an einem Wasserfalle,
    Sie war so schön, so schön wie Milch und Blut,
    Von Herzen war sie einem Räuber gut.

    Du armes Mägdelein, mich dauert deine Seele,
    Denn ich muß fort in meine Räuberhöhle,
    Wo wir dereinst so glücklich wollten sein,
    Jedoch es muß, es muß geschieden sein.

    Nimm diesen Ring, und sollte jemand fragen,
    So sollst du sagen, ein Räuber habe ihn getragen,
    Der dich geliebt bei Tag und bei der Nacht,
    Und der schon viele Menschen umgebracht.

    Geh du nur hin auf eine grüne Wiese,
    Wo viele andre junge Männer sind.
    Vielleicht kannst du mit einem glücklich sein,
    Ich aber muß in'n finstern Wald hinein.

    Und wenn ich endlich, endlich komm zum Sterben,
    So sollst du alles, ja alles von mir erben.
    Ich setze in mein Testament dich ein,
    Nur du allein sollst meine Erbin sein.



    Re: gedicht

    zaubermaus - 06.06.2006, 21:45


    In der dunkelnden Halle saßen sie,
    sie saßen geschart um die Flammen,
    Hagen Tronje zur Linken, sein Schwert auf dem Knie,
    die Könige saßen zusammen.

    Schön Kriembild kauerte nah der Glut.
    Von ihren schmalen Händen
    zuckte der Schein wie Gold und Blut
    und sprang hinauf an den Wänden.

    König Gunter sprach: „Mein Herz geht schwer,
    hör ich den Ostwind klagen!
    Spielmann, lang deine Fiedel her,
    sing uns von frohen Tagen !“

    Aufflog ein jubelnder Bogenstrich
    und flatterte an den Balken,
    Herr Volker sang: „Einst zähmte ich
    einen edelen Falken . . .“

    Die blonde Kriemhild blickte auf
    und sprach mit Tränen und leise:
    „Spielmann, hör mit dem Liede auf,
    sing eine andre Weise!“

    Die braune Fiedel raunte alsbald
    träumend und ganz versonnen.
    Herr Volker sang: „Im Odenwald,
    da fließt ein kühler Bronnen . . .“

    Die blonde Kriemhild wandte sich
    und sprach mit Tränen und bange:
    „Mein Herz schlägt laut und fürchtet sich
    und bebt bei deinem Sange . . .“

    Anhub die Fiedel zum drittenmal
    aufweinend in Gram und Leide.
    Herrn Volkers Stimme sang im Saal,
    wie ein Vogel auf nächtger Heide:

    „Es glimmt empor aus ewger Nacht
    heißer als alle Feuersglut,
    gelb wie das Aug der Zwergenbrut,
    das gierig seinen Glanz bewacht, -
    o weh der Lust, die mich gezeugt!

    Wie Brunft nach Brunft im Forste schreit,
    wie nach der Lohe lechzt die Glut,
    so treibt die Gier nach Menschenblut
    ans Licht den Hort der Dunkelheit, -
    o weh dem Schoß, der mich gebar!

    Es ruft den Neid, es weckt den Mord,
    stört auf die Drachen Trug und List,
    hetzt Rachsucht, die die Rache frißt, -
    und immer röter glüht der Hort, -
    o weh der Brust, die mich gesäugt!

    Es treibt und schwimmt im Purpurquell,
    es trinkt den Quell und lechzt nach mehr,
    es braust und schäumt, die Flut steigt schnell,
    breit wie die Donau strömt es her, -
    o weh der Lieb, die lieb mir war!

    Es schäumt und braust, atmet und steigt,
    schon brandets draußen an die Tür,
    es klopft und pocht, der Riegel weicht,
    nun flutet es heiß und rot herfür, -
    weh über mich, weh über euch!“

    Jäh bei dem letzten Bogenstrich
    sprangen die Saiten und schrieen.
    Hagen von Tronje neigte sich
    und wiegte sein Schwert auf den Knieen.

    Die Könige saßen bleich und verstört,
    doch die schön Kriemhild lachte.
    Sie sprach: „Nie hab ich ein Lied gehört,
    das mich lustiger machte!“

    Sie kniete nieder und schürte die Glut.
    Von ihren schmalen Händen
    zuckte der Schein wie Gold und Blut
    und sprang hinauf an den Wänden.



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