Anti-Büttenrede

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    Re: Anti-Büttenrede

    Laura - 16.02.2010, 19:41

    Anti-Büttenrede
    Anti-Büttenrede -- Alt, rezidivierend, aber immer wieder schön!

    Wer kennt sie nicht, die jedes Jahr aufs Neue im Netz kursierende
    Büttenrede, die angeblich im Jahre 1995 in Flörsheim am Main, einer
    Karnevalshochburg, gehalten wurde und nach deren Aufführung der Redner
    mit Polizeischutz den Saal verlassen musste?

    Für alle, die sie nicht kennen, sei sie hier noch einmal präsentiert:

    "Alaaf und Helau! -- Seid ihr bereit?
    Willkommen zur Beklopptenzeit!
    Mer kenne des aus Akte X,
    doch Mulder rufe hilft da nix,
    des kommt durch Strahle aus dem All,
    und plötzlisch ist dann Karneval!
    (Tusch)

    Uff einen Schlach werd'n alle dämlisch,
    denn das befiehlt das Datum nämlisch!
    Es ist die Zeit der tollen Tage,
    so eine Art Idiotenplage,
    eine Verschwörung, blöd zu werden,
    die jährlich um sich greift auf Erden.
    Ei' wahre Ausgeburt der Hölle,
    und Ausgangspunkt davon ist Kölle!
    (Tusch)

    Denn dort gibt's nisch nur RTL,
    das Fernseh-Einheitsbrei-Kartell,
    sondern aach jede Menge Jecken,
    die sisch auf Nasen Pappe stecken,
    in Teufelssekten sich gruppieren
    danach zum Elferrat formieren
    und dann muss selbst das döfste Schwein
    dort auf Kommando fröhlisch sein.
    (Tusch)

    Auf einmal tun in allen Ländern
    die Leude sisch ganz schlimm verändern
    Sie geh'n sisch hemmungslos besaufe
    und fremde Mensche Freibier kaufe
    schmeiße sisch Bonbons an die Schädel,
    betatsche Jungens und aach Mädel
    und tun eim jede, den sie sehen,
    ganz fuschtbar uff de Eier gehen!
    (Tusch)

    Sie tun nur noch in Reime spreche
    und sind so witzisch, man könnt' breche,
    bewege sisch in Polonäsen,
    als trügen sie Gehirnprothesen,
    man möschte ihnen -- im Vertrauen
    - am liebsten in die Fresse hauen!
    (Tusch und Konfetti-Kanone)

    Doch was soll man dagege mache?
    Soll man vielleicht noch drüber lache?
    Es hilft kein Schreie und kein Schimpfe,
    man kann sisch nich mal gegen impfe,
    die Macht der Doofen ist zu staak,
    als dass man sisch zu wehr'n vermag!
    (kein Tusch)

    Am besten ist, man bleibt zu Haus
    und sperrt den Wahnsinn aanfach aus.
    Man schließt sich ein paar Tage ein
    und lässt die Blöden blöde sein!
    Der Trick ist, dass man sich verpisst
    bis widder Aschermittwoch ist!

    Und steht ein Zombie vor der Tür,
    mit so 'nem Pappnasengeschwür,
    und sagt statt "Hallo" nur "Helau",
    dann dreh sie um, die dumme Sau,
    und tritt ihr kräftisch in den Arsch
    und ruf dabei: Narrhalla-Marsch!"

    So schön (und vor allem treffend!) diese Rede auch ist, gehalten wurde
    sie nie. Weder in Flörsheim noch sonstwo. Und somit ist auch die Sache
    mit dem Polizeischutz für den Redner nur eine Legende. Doch wo kommt sie
    denn nun wirklich her? Wer ist der (meines Erachtens) geniale Kopf, der
    die ganze Wahrheit über Fasching so locker ausspricht?

    Die Lösung: Es war Oliver Kalkofe, sicherlich bekannt aus seiner kurzen
    und unverschlüsselten Sendung "Kalkofes Mattscheibe" auf Premiere, in
    der er grenzwertige Fernsehbeiträge von anderen Sender treffend durch
    den Kakao zieht, der sich das alles ausgedacht hat. Veröffentlicht wurde
    die Rede am 04. Februar 2000 in Kalkofes Kolumne ("Kalkofes letzte
    Worte") in der Programmzeitschrift "TV Spielfilm".

    Erstmalig im Netz tauchte sie im Februar 2005 auf, und seitdem
    rezidivierend in jedem Jahr zur Karnevalszeit. Die Frankfurter Rundschau
    schrieb dazu in einem Artikel:

    "Uff einen Schlach werd'n alle dämlisch..."
    Warum der Mythos um eine Büttenrede wahr werden könnte und die
    Flörsheimer Karnevalisten über sich selbst lachen


    VON STEFAN BEHR (FLÖRSHEIM)
    Es gibt Geschichten, die sind so schön, dass das Leben sie
    eigentlich schreiben müsste. Etwa diese. Zur Zeit vermehrt sich im
    Internet explosionsartig eine Büttenrede, die angeblich 1995 in der
    hessischen Karnevalshochburg Flörsheim gehalten worden sein soll. Der
    Redner habe nach dem Vortrag unter Polizeischutz aus dem Saal flüchten
    müssen, die Sitzung habe vorzeitig geendet. Seitdem, verrät das
    Internet, sei die Rede "Kult".In der Tat: Die Rede hat es in sich. "Uff
    einen Schlach werd'n alle dämlisch, denn das befiehlt das Datum
    nämlisch! Es ist die Zeit der tollen Tage, so eine Art Idiotenplage,
    eine Verschwörung, blöd zu werden, die jährlich um sich greift auf
    Erden. Ei' wahre Ausgeburt der Hölle, und Ausgangspunkt davon ist
    Kölle!" Tusch. Treffender kann man es kaum ausdrücken.Die Rede hat nur
    einen winzigen Nachteil: Sie wurde nie gehalten. "So ein Schwachsinn",
    sagt einer, der es wissen muss. Michael Wissenbach sitzt nämlich im
    Vorstand des Flörsheimer Karnevalsvereins von 1928, und der wiederum
    organisiert die Indoor-Sitzungen der Flörsheimer Fastnacht. "Ich finde
    die Rede ganz großartig und habe mich köstlich amüsiert." So ginge es
    auch den meisten restlichen Narren. Was immerhin beweist, dass die
    Flörsheimer Karnevalisten auch über sich selbst lachen können, denn die
    Rede ist eine einzige Verballhornung des Karnevals. Gehalten aber wurde
    die Rede nie, auch nicht im Nachhinein. Bekannt geworden ist sie
    tatsächlich erst in diesem Jahr, und dass ist schlicht die Schuld des
    Internets, das den Text lawinenartig verbreitet. Auch dem
    Vereinpräsidenten hat Wissenbach den Text zukommen lassen. "Wer ist denn
    der Verfasser dieses Textes?" habe der amüsierte Präsident gefragt.

    Dem Manne kann geholfen werden. Die ungehaltene Rede stammt aus der
    Feder des Komikers Oliver Kalkofe und stand in der Reihe "Kalkofes
    letzte Worte" am 4. Februar 2000 in der Programmzeitschrift TV
    Spielfilm. Warum sie jetzt im Netz auftaucht und wer sich die
    abenteuerliche Rahmenhandlung ausgedacht hat, ist unklar.

    Oliver Kalkofe selbst schmerzt die ganze Geschichte. "Es tut mir
    weh, den Mythos zu zerstören. Diese Geschichte ist viel schöner als die
    Wahrheit." In den vergangenen Tagen habe er mehrere E-Mails von Freunden
    bekommen, die im Netz auf die Rede gestoßen seien und sie ihm in der
    Hoffnung schickten, auch er würde dran Gefallen finden. Was er auch
    durchaus tat. Schließlich war er der Autor. An Mut mangelt es dem
    passionierten Karnevals-Hasser nicht. Ob er denn nach Flörsheim kommen
    wolle, um die nie gehaltene Rede doch noch real werden zu lassen.
    "Jederzeit", sagt Kalkofe.Michael Wissenbach hätte damit keine Probleme:
    "Er ist jederzeit herzlich willkommen".

    Dieses Jahr dürfte es zu spät sein. Die heutige Sitzung der 1928er
    ist so gut wie ausverkauft. Und auf den sonntäglichen großen Umzug des
    Flörsheimer Narrenclubs, der ab 13.30 Uhr durch die Gassen rollt, hat er
    vermutlich wenig Lust.

    Doch wenn beide Seiten aufeinander zugingen, dann könnten im
    kommenden Jahr ganz andere Töne von Flörsheims Bütt schallen. Nämlich
    solche: "Der Trick ist, dass man sich verpisst, bis widder
    Aschermittwoch ist! Und steht ein Zombie vor der Tür, mit so 'nem
    Pappnasengeschwür, und sagt statt ,Hallo' nur ,Helau', dann dreh sie um,
    die dumme Sau, und tritt ihr kräftisch in den Arsch und ruf dabei:
    Narrhalla-Marsch!'" Ta-tää.



    Quelle: http://chrisrace.ownspace.de/index.php?content=/wordpress/&p=535



    Re: Anti-Büttenrede

    Compuexe - 16.02.2010, 20:09


    Ja, ich kenn sie auch schon ne ganze Weile.
    Ich bin auch bekennender Fastnachtshasser.



    Re: Anti-Büttenrede

    flyingto.de - 17.02.2010, 17:17


    die war auch mal irgendwo auf compadre.de ... hatte sie letztlich mal wieder gesucht, aber nicht gefunden ... ;)



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