Gedichte Juni 2005

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    Re: Gedichte Juni 2005

    Elvo - 08.06.2006, 02:20

    Gedichte Juni 2005
    Ich hab lange überlegt ob ich die Juni Gedichte überhaupt reinposte... Im Januar hab ich schon darüber nachgegrübelt ob ich, dass mache, weil da einige Kriegsgedichte drinnen sind die ein unverarbeitetes Thema für mich sind. Und ich hab mir gedacht ich schreibe sie rein zum Nachdenken für euch... und wünsche keine Kritik.

    Warum plötzlich diese Periode angebrochen ist war das aufgetauchte Video, dass man sich hier runterladen kann... ACHTUNG das Video ist sehr Brutal SREBRENICA.WMV

    Danke für euer Verständniss.




    zuhören (1. Juni 2005)

    es ist schön
    einfach zuhör’n
    kopf stützen
    und laut zuhör’n
    acht geben
    was ein mensch sagt
    acht geben
    worüber er klagt
    den menschen
    reden lassen
    sich von ihm
    mitreißen lassen




    die stunde des poeten (1. Juni 2005)

    die geburt eines poeten
    ist anders
    die geburt eines dichters
    ist woanders
    es ist nicht der moment
    an dem er
    die erde erblickt wie
    anders-wer
    und auch nicht der ort
    an dem er
    die erde erblickt wie
    anders-wer

    nein, nein sein ort platz
    und seine sekunde
    sind in der stunde
    in der er seine wunde
    bemänteln will zugrunde
    mit seinem wortschatz




    ein jahr (9. Juni 2005)

    ein einziges jahr
    es ist nicht genug
    um zu vergessen
    wofür es noch schlug
    ein einziges jahr
    ist ungenügend
    für mein herz ist es
    falsch und betrügend
    zu sagen ich habe
    sie ganz vergessen
    ich hab’ es noch nicht
    bin nicht besessen
    nur ich war mir so
    neun neun pro gewiss
    dass nur sie nur sie
    dieser eine mensch ist
    und zurzeit bin ich
    einfach nur verwirrt
    und hoffe sehr dass
    mich die zeit entwirrt
    und einer and’ren
    auf die brüste legt
    die sich um mich sorgt
    und den stich pflegt
    die mich auch versteht
    weil ich anders bin
    denn ich such jetzt
    den verdammten sinn
    im vergangenen
    und verlassenen
    im verflossenen
    und verblassenden
    verworfenem jahr




    weißer knopf (13. Juni 2005)

    warum sitz ich
    seit einer guten stund’
    und krieg kein wort
    zugrund’ aus meinem mund
    ich möcht’ einfach
    mein herz sprechen lassen
    hörbar schreien
    mich befrei’n von massen
    mich befreien
    vom politischen hass
    ich halt’s nicht aus
    bin für uns’re welt schwach
    wie jedermann
    der nichts verändern kann
    verändern will
    der aufgibt irgendwann
    und akzeptiert
    die welt bleibt immer gleich
    er tut es nicht
    er wird mit der zeit bleich
    verliert träume
    jeden tag und hoffnung
    verliert täglich
    kräfte vom stehaufsprung
    stehaufmänchen
    in mir wo bist du jetzt
    ich suche dich
    denn ich wurde verletzt
    verlor etwas
    das ein teil von mir war
    verlor etwas
    das mir stand äußerst nah
    etwas woran
    mein geist und herz glaubte
    das mir die welt
    gab und wieder raubte

    denn für sie
    war es nur ein weißer knopf




    Srebrenica vergessen (13. Juni 2005)

    Eine Stadt,
    Man hat dich verloren.
    Aus dem Kopf,
    Den Augen und Ohren.
    Arme Stadt!
    Das Gedächtnis der Welt
    Ist ein Sieb.
    Durch den Alles zerfällt
    Und durchfällt,
    Wie durch ein Taschenloch.
    Taschendieb!
    Heuchler! Du versuchst noch
    Zu täuschen.
    Dich und die Geschöpfe.
    Krieg gäb’s nicht.
    Körperlose Köpfe.
    Kein Beweis
    Für dein Kinderschlachten?
    Bildstreifen
    Willst du nicht beachten?
    Soll ich ’ne
    Zeitmaschine fertigen?
    Hör auf mit
    Deinem Rechtfertigen!
    Wo keine
    Rechtfertigung besteht!
    Mord bleibt Mord!
    Auch dein Leben vergeht.
    Was sagst du,
    Wenn du vor ihm erwachst?
    Plünderer!
    Ob du noch gierig lachst?
    Wie im Schnitt,
    Als dein Gewehr ihn kreuzt.
    Feuer Blei,
    Das auf ihn nieder schnäuzt.




    Herzschlag (15. Juni 2005)

    Bum, Bumm.
    Bum, Bumm.
    Schlägt das Herz,
    Während Dein Gesicht auf der nassen Erde liegt.
    Bum, Bumm.
    Bum, Bumm.
    Schlägt das Herz,
    Während Militärstiefel um Dich stiefeln.
    Bum, Bumm.
    Bum, Bumm.
    Schlägt das Herz,
    Während Du Sätze laut befehlen hörst.
    Bum, Bumm.
    Bum, Bumm.
    Schlägt das Herz,
    Während Du Dich nach Wasser sehnst.
    Bum, Bumm.
    Bum, Bumm.
    Schlägt das Herz,
    Während Du Deine Mundhülle mit Spucke befeuchtest.
    Bum, Bumm.
    Bum, Bumm.
    Schlägt das Herz,
    Während Du das Laden des Gewehres hörst.
    Bum, Bumm.
    Bum, Bumm.
    Schlägt das Herz,
    Und fragt sich, wie lange noch.
    Bum, Bumm.




    Nein (15. Juni 2005)

    Ja,
    Es gab Verbrechen auf beiden Seiten.
    Ja,
    Bosnier Töteten Serben beim fighten.
    Weil,
    Menschen Fehler machen.
    Weil,
    Menschen zusammenkrachen.
    Weil,
    Menschen angreifen und verteidigen.
    Weil,
    Menschen heilen und peinigen.
    Aber,
    Sarajevo errichtete keine Konzentrationslager.
    Und,
    Sarajevo blieb umlagert im Lager.
    Aber,
    Sarajevo schickte keine Soldaten.
    Und,
    Auch keine Granaten.
    Auf,
    Belgrad oder irgendeine serbische Stadt.
    Auf,
    Keine slowenische oder kroatische Stadt.
    So,
    Wie es Belgrad tat.
    So,
    Wie es Serbien tat.
    Und,
    Ist es zu viel verlangt.
    Wenn,
    Man eine Entschuldigung verlangt?

    Nein.




    Ende des Krieges (15. Juni 2005)

    Ist für euch der Krieg zuende,
    Wenn Kinder in die Luft gehen
    Von Tretminen. Ohne Hände.
    Ohne Augen zum nachsehen.

    Ist für euch der Krieg zuende,
    Wenn Kriegsverbrecher herumlaufen,
    Frei und ohne Gitterwände.
    Angstlos frei feiern und saufen.

    Ist für euch der Krieg zuende,
    Wenn sich zwei Menschen verlieben,
    Sich w’i’n der Shakespearelegende
    Fühlen und sich dann nicht kriegen.

    Ist für euch der Krieg zuende,
    Wenn Flüchtlinge nach zehn Jahren,
    Warten auf die Rückfahrwende,
    Und dann nicht nach Hause fahren.

    Ist für euch der Krieg zuende,
    Wenn ihn die Masse nicht verflucht
    Und weiterhin ohne Ende,
    Unwahrheiten als Deckung sucht.




    Ewige Liebe (19. Juni 2005)

    Ewige Liebe

    Ein mal gesehen
    Für immer verliebt
    Von beiden Seiten
    Für alle Zeiten




    Wenn du gehst (20. Juni 2005)

    Heute Nacht hört der Himmel meine Gebete nicht.
    Die Seele ist so trocken, dass sie der Wind verwischt.
    Heute Nacht schläft jemand auf deiner Schulter, ganz nah,
    Während die Sterne verschwinden, die ich mit dir noch sah.
    Sag mir wen du küsst und mit deinen Lippen betrinkst.
    Wessen Herz du jetzt vergiftest, seit du nicht bei mir bist.
    Verflucht seiest du mit all deinem unehrlichen Betrügen.
    Ich gab dir mein Leben und bekam nur falsche Lügen.

    Ich dachte wen du gehst, geht der Schmerz mit dir.
    Doch um so weiter du bist, desto mehr bedeutest du mir.

    Heute Nacht hört der Himmel meine Gebete nicht.
    Die Seele ist so trocken, dass sie der Wind verwischt.
    Heute Nacht schläft ein anderer bei dir ganz nah,
    Während die Sterne verschwinden, die ich mit dir noch sah.




    Sonntag (20. Juni 2005)

    Es ist Sonntag
    Ich hab’ frei
    Ich sitze Daheim
    Und ich schreibe einen kurzen Sonntagsreim

    Das Wochenend’
    Es vergeht
    Wie jedes and’re
    Während ich meinen Zeitraumtraum durchwand’re

    Der Zeitraumtraum
    Das Leben
    Es ist nur die Zeit
    Die man durchlebt, niemals zum sterben bereit

    Doch es vergeht
    Wie jede
    Woche am Ende
    So Hat auch das Leben sein Wochenende

    © Elvis Kurtalic



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