Das Singen verschiedener Gesangsstile

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    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Contessa - 07.12.2009, 12:46

    Das Singen verschiedener Gesangsstile
    Hallo zusammen,

    ich wollte mal eure Meinung zum o. g. Thema hören.

    Prinzipiell bin ich ja der Meinung, dass gemäß ihrer natürlichen Veranlagung verschiedene Stimmen unterschiedlich gut für verschiedene Musikrichtungen geeignet sind. Manche sind geeigneter für Alte Musik, andere für den Verismo, wieder andere für Jazz oder Musical und so weiter. Mit Technik ist da zwar einiges zu machen, aber die wenigsten werden gleich gut Oper und Pop singen können.

    Dennoch meine ich aber auch, dass man sich nicht unbedingt nur auf eine Musikrichtung beschränken muss und es zu Übungszwecken sogar hilfreich sein kann, auch mal über den eigenen stilistischen Tellerrand zu schauen.
    So merke ich, dass es mir durchaus gut tut, wenn ich neben den ganzen klassischen Stücken, die ich singe, hin und wieder auch mal (nur so zum Spaß, es geht hier nicht um öffentliche Auftritte) das ein oder andere Musicallied oder einen 30er-Jahre Schlager dazwischen schiebe. Wahrscheinlich klinge ich für „Puristen“ zu klassisch (auch wenn ich Musical automatisch etwas anders singe als Oper), aber erstmal geht es ja darum, sich selbst beim Singen wohlzufühlen und im eigenen Übungsraum ist es mE auch erstmal egal, ob der Klang jetzt zu 100% passt. Letztendlich sicher auch Geschmacksache.

    U. a. hilft es mir, beim Singen freier zu werden und auch an die Klassik etwas "lockerer" (wobei locker nicht gleichzusetzen ist mit ungenau!) zu nehmen. Vielleicht habe ich einfach weniger Angst, Fehler zu machen, weil es ja nicht "darauf ankommt". Somit singe ich sofort freier und kann auch besser interpretieren. Natürlich kehre ich immer wieder zum klassischen Gesang zurück, einfach weil sich die Stimme da doch am wohlsten fühlt, aber hin und wieder mal nach links oder rechts zu schauen kann dabei helfen, einen anderen Blickwinkel zu bekommen.

    Wie sehen eure Erfahrungen hierbei aus?

    Liebe Grüße

    Contessa



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Eponine - 07.12.2009, 13:59


    mein thema, obwohl ich grad nicht soviel zeit habe, daher erst mal kurz:

    stimmphysiologisch kann JEDER ALLE stile singen, unterschiedliche klaenge erfordern lediglich andere einstellungen des stimmapparates. ist man also kein mutant, hindert einen nichts daran, z.b. zu belten.

    es ist aber in der tat so, dass einem, einerseits aufgrund natuerlicher veranlagung, andererseits aufgrund gewohnheit, das eine oder andere leichter faellt. meine stimme will natuerlicherweise z.b. eher in die klassische richtung. nach jahrelangem training bin ich da aber 'drueber weg' - es ist halt eine bewusste entscheidung, und die kann jeder machen, egal in welche richtung.

    mir geht es da genau umgekehrt - ich singe mittlerweile klassisches nur noch nebenher und mache mir da weit weniger stress.

    ein ganz wichtiger punkt ist die psyche - man muss bestimmte klaenge wollen und darf keine angst vor ihnen haben. ich habe z.b. die erfahrung gemacht, dass schuechterne oder gehemmte menschen grundsaetzlich probleme mit dem belten haben, weil sie selbst beim sprechen oft schon die falsche funktion benutzen. darueber hinaus ist solchen leuten 'laut sein' oder die ruffunktion oft peinlich. es gibt horden von sopranen, die NIE ihre modalfunktion benutzen, weder beim sprechen (hohe kleinmaedchen-stimme), noch beim singen. in letzterem kommen sie zwar klar, der stimme wird aber ewig das fundament fehlen. damit kann man sich natuerlich abfinden, ich halte das aber fuer unbefriedigend.

    es gibt auch immer noch leute, die dem irrglauben erliegen, man mache irgendwas kaputt, dabei sind diese stimmfunktionen, richtig angewandt, um ein vielfaches natuerlicher als klassischer kunstgesang. jeder hno kann dir bestaetigen dass operngesang rein stimmtechnisch das artifiziellste ist, was du mit deiner stimme machen kannst, daher ist das risiko sich zu schaden auch relativ hoch, und nicht etwa kleiner als in modernen techniken.

    ich empfehle hierzu waermstens die literatur von gillyanne kayes und christina shewell. besonders letztere beschreibt neben stimmfunktion auch sehr eindruecklich die psychische komponente. mit gillyanne kayes habe ich schon persoenlich gearbeitet. sie ist zwar auf musical theatre spezialisiert, lehrt aber ein erweitertes estill-modell, und das ist bekanntlich auf alle stile anwendbar und darueber hinaus auf dem wissenschaftlich neuesten stand (und in den letzten jahren weit mehr up-to-date als miller und co.). wer mehr an klassischem gesang mit holistischer komponente interessiert ist, ist imho wesentlich besser mit janice chapman bedient als mit richard miller.

    generell kann man natuerlich modernes auch halbklassisch singen, stilistisch ist das eine gratwanderung - man muss eben ausprobieren, was noch authentisch klingt.

    mehr spaeter, ich freu' mich ganz persoenlich ueber dieses thema.
    so kurz war das jetzt gar nicht LOL



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    melusine - 08.12.2009, 20:56


    Ich lebe inzwischen nach dem Motto: erlaubt ist was gefällt und gut tut und lasse mich nicht mehr tyrannisieren.
    Vor zwei Wochen hab ich auf einer grossen Feier sogar Tango gesungen, und mir hats Spass gemacht, und den Leuten auch. Chansons singe ich eh, Weltmusik in rauhen Mengen mit meinen Patienten und wenn morgen Fado oder Musical gewünscht würde und mir das musiklalisch gefällt und ich jemanden finde, der das, wie schon den Tango in die passende Tonart transponiert- Alles Bestens!
    Das Einzige was ich nicht mehr singe, sind Sachen, die mir musiklasich nciht gefallen oder die nicht in der richtigen Tonart stehen- weil das meiner Stimme nicht gut tut.
    Man kann jedem Stil seinen persônlichen Stempel aufdrücken, wenn man es nur mit Überzeugung und Charme tut.
    Bei einem Auftritt mit Chansons sagte mir mal jemand, das sei gerade so charmant, weil es mit klassischer Technik gesungen würde. Halt so, wie in der ersten Hälfte des 20 Jh.
    Mein Tango klang ziemlich opernmässig aber das passte genau zum hochdramatischen Text und war deshalb etwas Stimmiges, wenn auch ganz Anderes.
    Wer verbietet uns denn, das zu singen, was uns Freude macht?

    Wo und wie man das dann "vermarkten" kann oder will ist nochmal eine ganz andere Frage, aber darum ging es ja hier erstmal nicht, oder doch?

    Wenn man eine vernünftige und nicht-schadende Grundtechnik hat, kann man m.E. Alles singen, solange es in der richtigen Tessitura steht.
    Wie die Puristen das finden ist nur dann wichtig, wenn es an solche verkauft werden soll.
    M.



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Belkanta - 09.12.2009, 06:01


    Hallo ihr,

    einerseits habe ich zwar die Erfahrung gemacht, dass ich bei meinem Stil zu singen, bleiben muss. Eine andere Art zu singen Richtung Pop liegt mir einfach nicht.

    Aber im Fasching! Da genieße ich es, auf die Pauke zu hauen und zumindest sehr freche Operetten-Lieder zu singen - ulkigerweise wird das meist dann eine Schimpfe auf die Männer je nach Liedvorlage.

    Und das tut mir dann so richtig gut, mal einen ganz anderen Singstil haben zu dürfen. Irgendwie braucht das meine Seele, nicht immer einseitig sein zu müssen. Aber im Großen und Ganzen muss ich bei meinem Leisten bleiben, das hat wohl die Natur so vorgesehen.

    Viele Grüße
    Belkanta



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Eponine - 09.12.2009, 12:31


    Hallo Ihr Lieben,

    ich denke auch, dass man unterschieden muss, ob man etwas nur 'zum Spass' oder vor Publikum/gegen Bezahlung singt. Fuer sich und/oder zum Spass kann man alles singen.
    Je professioneller der Rahmen/hoeher die Bezahlung (und damit in aller Regel auch die Ansprueche des Publikums), desto mehr muss es natuerlich auch stilistisch authentisch sein.
    Hinzu kommt noch, dass gewisse Stile es auch besser vertragen, wenn man es nicht so genau nimmt. Chansons z.B. kann (und tw. sollte) man sicherlich auch klassisch singen, viele andere Sachen auch. Manche vergreifen sich dann allerdings auch an Rocksongs (unser aller Katherine Jenkins hat hier gerade einen Evanescence-Song verwurstet), und das finde ich dann z.B. ganz fuerchterlich. Wenn es jetzt noch Nightwish waere, wuerde ich ja sagen okay, aber das ist stilistisch von vornherein ganz anders konzipiert, und ich find's grauslich. Wie gesagt: Fuer sich alleine gerne, aber ob man damit vor zahlendes Publikum gehen muss, weiss ich nicht. Aber ich wuerde auch nicht in ihre Konzerte gehen, daher ist es dann auch egal :wink:

    Ich habe z.B. mein ganz eng gestecktes, klassisches Hochzeitsrepertoire. Das sind alles Arien/geistliche Stuecke, die stimmlich gut sitzen und wo ich mit genuegender Vorbereitung auch nach Musicalmarathons noch gut umschalten kann. Bestimmte Sachen mache ich aber einfach nicht mehr, auch, wenn Leute danach fragen. Da muss dann eben jemand anders her. Es klingt einfach nicht gut, und man sollte schon professionell genug sein, im bezahlten Geschaeft auch seine eigenen Grenzen zu kennen.

    Das mit dem Transponieren ist ja auch so ein Thema fuer sich. Bei Folklore/Weltmusik etc. finde ich das nicht schlimm, weil man davon ausgehen kann, dass das urspruenglich sowieso muendlich ueberliefert war und nicht in einer festen Tonart zu sehen ist.

    Bei Musicals sehe ich das ganz persoenlich schon wieder ein wenig anders: Wie bei einer Oper oder anderem klassischen Stueck hat sich der Komponist in aller Regel was gedacht, wenn er das Stueck in g-moll komponiert hat. Im klassischen Bereich gibt es dann immer gleich einen grossen Aufschrei, dass es nicht mehr richtig klingt und es doch genug Repertoire fuer alle Stimmlagen gibt. "Warum muss der Mezzo sich an Sopranrepertoire vergreifen?" hoert man da oft.

    Warum sollten im Musicalbereich, gerade in sehr anspruchsvollem Repertoire wie z.B. Sondheim, andere Regeln gelten? Wenn ich da einen Song eine Terz hoeher setze weil sonst die tiefen Toene nicht kommen, finde ich das genauso schlimm wie wenn der Alt Purcells Dido nach unten transponiert, damit er das unbequme "remember me" nicht auf dem hohen G singen muss (einen Halbton nach unten lasse ich mir ja noch gefallen, aber dann eher wegen Barockstimmung, nicht wegen stimmlicher Unzulaenglichkeit). Gleiches Recht fuer alle, und auch gleicher Respekt vor allen Komponisten. Das Wort "Popularmusik" allein beinhaltet ja nicht Beliebigkeit :wink:
    Generell gibt es natuerlich auch Musicalsongs oder Popsongs, die speziell fuer einen bestimmten Interpreten in einer wie auch immer gearteten Extremlage geschrieben wurden. Da muss man dann wieder ueberlegen, inwieweit transponieren Sinn machen kann.

    Wie gesagt: Zu Uebungszwecken und aus Spass an der Freude geht alles. Einen Schritt weiter sieht's dann natuerlich schon wieder anders aus ...

    Noch mal zum Thema "von der Natur vorgesehen": Die ausgebildete Stimme an sich ist ja von der Natur nicht vorgesehen. Volkstuemliche Singart (und auch da gibt es Unterschiede - hoert Euch mal europaeischen Gesang, und selbst da verschiedene Laender, oder etwa afrikanischen an) oder auch das, was man in Popsongs (Pop=Popular) hoert, ist viel naeher an natuerlicher Singart als klassischer Gesang. Was man durch Ausbildung in diesem Bereich erreichen will ist lediglich, dass die Stimme auch den Belastungen vieler Auftritte etc. gewachsen ist, denn das ist keine natuerliche Situation.

    Das Argument "liegt mir nicht" ist sicher eher treffend als "von der Natur nicht vorgesehen", denn im "liegt mir nicht" sind auch persoenliche Praeferenzen/Geschmack enthalten - das ist es in aller Regel, was uns von bestimmten Stilen fernhaelt. Die Stimme selbst kann viel mehr, als man denkt. Wenn der Kopf/das Herz nicht will, ist das was ganz anderes - da hat es auch keinen Zweck, den richtigen Stil zu lernen/lehren.

    Aber Gottseidank gibt es ja soviele Musikrichtungen, dass wirklich fuer jeden was dabei ist :wink:



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Contessa - 09.12.2009, 13:36


    Hallo ihr,

    vielen Dank – besonders an Eponine – erstmal an eure interessanten und aufschlussreichen Antworten. Ich merke, dass wir uns einigermaßen einig sind.

    Nein, mir ging es erst einmal nicht um die Vermarktung, sondern schlicht darum, dass man durch das Singen und Ausprobieren anderer Stile vielleicht einen anderen Blickwinkel auf die eigene Art zu Singen bekommt oder schlicht feststellt, dass einem der andere Stil eben doch nicht liegt. Und dann sollte man, wie Eponine sagt, diese Grenzen auch akzeptieren (oder damit zumindest nicht öffentlich für viel Geld auftreten wollen). Ich merke, dass ich mich einfach "frei" singe, wenn ich hin und wieder einen Musicalsong oder einen 30er-Jahre-Schlager singe. (wobei man die teilweise ja auch immer noch klassisch singen kann, sie also nicht sooo weit entfernt von meiner „normalen“ Singart sind).
    Im Übrigen bin ich gerade auch wieder auf den Trichter gekommen, dass sich einige Mezzoarien wunderbar dazu eignen, mich frei zu singen (soviel zum Thema "Stimmtyp A vergreift sich an Repertoire B“) – so ein Romeo oder Sesto ist einfach ungemein erfrischend neben den ganzen Gräfinnen, Elsen und Agathen, die ich sonst so singe ;-) Da halte ich es mittlerweile also ganz mit melusine: „Erlaubt ist, was gefällt und gut tut.“ So hab ich zum Einsingen auch mal wieder die Habanera gesungen, obwohl ich typmäßig nun wirklich keine Carmen bin und man mich schon sehr bitten (oder gut bezahlen *g*) müsste, damit ich die Arie nochmal öffentlich singe. Da sind andere geeigneter. Wichtig ist vor allen Dingen ja auch, dass man hinter dem steht, was man tut.

    Ich denke aber, auch beim Üben daheim, sollte man darauf achten, seine Stimme nicht gänzlich zu verbiegen, wenn man einen anderen Stil singt. Ich singe zwar Musical automatisch anders als Oper/Operette, so dass es etwas weniger klassisch klingt (zumindest so bis d2/e2, wo ich dann ins Passagio muss), aber es klingt immer noch nach mir und ich tue mir damit nicht weh. Was ich für die bessere Variante halte, als jetzt zu versuchen, zu belten, was ich nie gelernt habe.

    Noch ein persönlicher Eindruck zur „natürlichen Singart“. Bei mir ist es durch das jahrelange klassische Training nun wohl so, dass mir die klassische Singart viel "natürlicher" vorkommt und ich sie auch viel länger durchhalte.

    Liebe Grüße

    Contessa



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Tahalena - 10.12.2009, 14:12


    wow, endlich mal ein Thema, daß mich richtig fasziniert, Danke Contessa und Dank an Eponine und Melusine für die Ausführungen dazu. Auch wenn mein Herz dem klassischen Gesang immer sehr stark verbunden sein wird, wildere ich nur zu gerne in anderen Genres um mir dort das Freigefühl einzuholen, welches sich vielleicht nicht immer bei der Klassik einstellt-was aber reine Kopfsache ist, abgesehen von der Unnatürlichkeit des klassischen Gesangs.Ich möchte ähnlich wie Epo es beschreibt, in der Lage sein, je nach Situation (Arie klassisch oder Ensemblegesang modern)gleich mit der "richtigen"Stimme einzusteigen, quasi garnicht darüber nach zu denken.Gerade als Acapella-Ensemble-Mitglied bekomme ich ja viel natürlichen Gesang mit, die weltbekanntesten Gruppen kommen zum größten Teil aus dem Skandinavischen und die Singart leitet sich vom Volkslied ab.
    Allerdings meine ich, daß sich, zumindest für mich, nicht alles singen läßt, ohne andere Bereiche damit anzugreifen-ich habe keine Rockröhre, auch Soul und Blues klingen nicht so, wie ich mir das vorstelle, aber ich kann meine Stimme ja nicht planmäßig absingen, um das zu erreichen.
    So greife ich zu Kompromissen, die so hart sind, daß sie schon wieder Spaß machen-mußte schmunzeln, als ich Eponines Beispiel las:Ende nächsten Jahres ist ein Auftritt frei nach Nightwish mit Phantom der Oper geplant...natürlich die Nighwishversion mit c3 als Schlußton.Obwohl ich inzwischen nicht mehr ganz so überzeugt bin, daß bei mir beim d3 Schluß(nicht Bruch)ist und alle wissen , daß mich "Höhendiskussionen ", so annerven, daß ich mich garnicht mehr äußern mag, empfinde ich auch hier Epos Erklärung der inneren Einstellung als sehr hilfreich.
    Das notwendige Belten für Pop-Songs möchte ich mit einem Stimmbildner erarbeiten(im einvernehmenden Wissen mit meinem Lehrer), damit ich mir da nichts Falsches angewöhne(oder sollte ich einen Bildungsurlaub nach Schottland machen?)und dann wird es kommen, wie es Melusine auch beschreibt:man wird das Gespür dafür bekommen, was möglich ist und was man anderen Menschen zu Gehör bringen kann.
    Was das Wildern im anderen Stimmfach betrifft, mußte ich erst jahrelang hören lernen, was für das jeweilige Fach charakteristisch ist.Ich hab Dalilah und Dido gerne (im Wohnzimmer )gesungen, Tiefe ist für mich ja kein Problem, aber das allein ist es eben nicht.
    Etwas mehr Sorge macht mir meine Affinität zum Text, ich bin froh, kein Profi zu sein.Kann ich die Worte nachvollziehen, gehe ich im Gesang auf, was deutlich hörbar und sichtbar ist. Ist der Text für mich dummes Gefasel, schlägt das dermaßen auf Interpretation, sowohl gesanglich als auch optisch.Kann man da auch was trainieren? Oder kommt da auch Eure Erklärung zum Tragen-Ich muß nicht alles singen-nicht einmal gegen Bezahlung?
    In Erwartung spannender Kommentare unserer Fachfrauen

    Eure Taha



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Eponine - 10.12.2009, 15:35


    Tahalena hat folgendes geschrieben:
    Allerdings meine ich, daß sich, zumindest für mich, nicht alles singen läßt, ohne andere Bereiche damit anzugreifen-ich habe keine Rockröhre, auch Soul und Blues klingen nicht so, wie ich mir das vorstelle, aber ich kann meine Stimme ja nicht planmäßig absingen, um das zu erreichen
    Stimmt schon irgendwie. Oder sagen wir besser: Man muss sich halt irgendwann entscheiden, wo man sich am wohlsten fuehlt. Generell spicht natuerlich physiologisch nichts dagegen, Rock zu singen - auch Grunts und Creaks kann man stimmschonend produzieren. Aber da kommen erstens wieder persoenliche Vorlieben und Klangvortellungen ins Spiel. Darueber hinaus ist es halt auch so, dass wenn man viel in einem Stil singt, sich der Stimmapparat darauf einstellt. Das heisst nicht, dass man das nicht auch wieder umstellen kann, aber je automatisierter die Ablaeufe sind, desto mehr Zeit erfordert das - und die hat man halt nicht immer, schon gar nicht im (semi-)professionellen Bereich. Langfristig wird man also seinen 'Hauptbereich' haben, und alles andere macht man dann eben so nebenher.

    Zitat:Das notwendige Belten für Pop-Songs möchte ich mit einem Stimmbildner erarbeiten(im einvernehmenden Wissen mit meinem Lehrer), damit ich mir da nichts Falsches angewöhne(oder sollte ich einen Bildungsurlaub nach Schottland machen?)und dann wird es kommen, wie es Melusine auch beschreibt:man wird das Gespür dafür bekommen, was möglich ist und was man anderen Menschen zu Gehör bringen kann.
    So ist es. Das Belten kannst Du bestimmt lernen (spricht nichts dagegen), und dann ist es eben einfach eine Frage, wann und wie Du es anwendest. Wenn Du z.B. ein Popprogramm singst mit genuegend Vorbereitungszeit, duerfte das eigentlich kein Problem sein. Fuer Dein naechstes klassisches Konzert stellst Du dann halt wieder um. Ist halt schwieriger, wenn Du z.B. beides in einer relativ kurzen Zeitspanne oder sogar im selben Konzert machen musst. Ich sage dann immer: Prioritaeten setzen :wink:

    Zitat:Etwas mehr Sorge macht mir meine Affinität zum Text, ich bin froh, kein Profi zu sein.Kann ich die Worte nachvollziehen, gehe ich im Gesang auf, was deutlich hörbar und sichtbar ist. Ist der Text für mich dummes Gefasel, schlägt das dermaßen auf Interpretation, sowohl gesanglich als auch optisch.Kann man da auch was trainieren? Oder kommt da auch Eure Erklärung zum Tragen-Ich muß nicht alles singen-nicht einmal gegen Bezahlung?
    Klar kann man das trainieren (ich sag' nur Subtext)., wobei etwas, wozu man eine innere Affinitaet hat, natuerlch immer besser rueberkommen wird als was, was einem so gar nichts sagt. Aber auch an letzterem kann man arbeiten. Setzt dann halt viel stille Auseinanderzetzung voraus, ggf. auch ein Stueck Papier, wo man dann Zeile fuer Zeile erst einmal Emotionen rausgreift und sich mit dem Charakter oder dem Text auseinandersetzt, und dann im Anschluss einen neuen Subtext verfasst, der einem eben mehr sagt und einen besser in die Situation bringt. Ich kann nur sagen dass mir da Schauspieltraining SEHR geholfen hat. Klingt nach einem sehr methodischen Ansatz, ist es natuerlich auch, aber man sollte nicht denken, dass jeder Schauspieler sofort mit dem Charakter, den er portraitieren soll, klickt. Das ist harte Hintergrundarbeit, und als Saenger kann man da unheimlich viel von lernen.

    Die andere Alternative ist natuerlich, es einfach nicht zu machen, aber das ist ja auch irgendwie langweilig. Wenn mir ein Stueck ueberhaupt nicht gefaellt, ist das was anderes, aber nach tieferer Auseinandersetzung kann ich doch meist einen Zugang finden. In den wenigen Faellen, wo ich den Zugang gar nicht finde, lasse ich es dann aber auch wirklich (es sei denn, die Bezahlung ist wirklich riesig, ist aber meist eher nicht der Fall :lol: ).



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Contessa - 10.12.2009, 17:37


    Zitat:Gerade als Acapella-Ensemble-Mitglied bekomme ich ja viel natürlichen Gesang mit, die weltbekanntesten Gruppen kommen zum größten Teil aus dem Skandinavischen und die Singart leitet sich vom Volkslied ab.

    Hallo Tahalena,

    unser Ensemble geht nun wohl doch eher in die Richtung "Klassik-Comedy", aber wir haben ja auch viel Barbershop gesungen und das sicher anders als die Habanera oder Libiamo (wobei man da im tiefen Chorteil auch mal so richtig schön "gröhlen" kann. Wir sind der Meinung, dass war vom Komponisten auch so intendiert, immerhin ist das ein Trinklied und viele der Gäste haben schon gut einen im Tee - da ist nichts mehr mit Schöngesang *g*)
    Spaß beiseite *schieb*: Ich habe nur auch gemerkt, dass mir das Barbershop-Singen unheimlich viel auch für klassische Ensembles gebracht hat, einfach was das Singen von Unterstimmen angeht.

    LG


    Contessa



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    gioachino - 10.12.2009, 19:22


    Als Dein " Klassiktrainer ", liebe Tahalena, weiß ich, dass Du inzwischen so weit bist, mit Augen - oder besser Ohrenmaß in unterschiedlichen Gattungen zu " wildern ", ohne stimmlich Schaden zu nehmen.
    Da ich großes Vertrauen in Deine Fähigkeiten habe, liebe Eponine, wäre so ein Ausflug in schottische Gefilde zwecks Belting sicherlich großartig! Lasst uns das zu dritt eventuell vertiefen!

    Ciao. Gioachino :wink:



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    melusine - 11.12.2009, 13:25


    Ich denke, dass sich zwei Punkte als wesentlich hinauskristallieren, die für das schad(en)lose Experimentieren mit verschiedenen Stilen entscheidend sind:

    Anfänger mit noch instabiler Stimmtechnik versus solide ausgebildeter Sänger

    Profi im Gesangsgeschäft versus Amateur

    Die beidn je Erstgenannten sollten Vorsciht üben. Der technisch instabile Sänger weil das wechseln der Stile oft nicht souverän mit einer gefestigten Gesangstechnik absolviert wird,und der Profi, weil er sich vermarkten muss und leider das Schubladendenken gerade im klassischen Bereich extrem stark ausgeprägt ist und Crossover oft mit Unseriosität gleichgesetzt wird. Man muss schon ein grosser star sein, um sich das leisten zu können. Siehe Cesare Siepi oder Renée Fleming.

    Während es beim nichtklasssichen Sänger dann umgekehrt als "gewollt und nicht gekonnt" oder Verflachung kritisiert wird, wenn er/sie sich in klasssiche Bereiche wagt. Siehe Barbra Streisand.
    Diesen Vorurteilen begegnet man immer wieder.
    Beim Amateur und technisch stabilen Sänger sehe ich überhaupt keine Probleme , solange die Tessitura stimmt, denn dauerhaft zu hoch oder zu tief zu singen, ist tödlich für jede Stimme.
    Mittlere Stimmen haben es diesbezüglich am leichtesten, denn die brauhen wenig zu transponieren, für hohe Soprane und Tenöre sieht das anders aus.
    Ich würde wirklich zur grossen Vorsicht raten, wenn es darum geht Sachen zu singen, die zu tief oder zu hoch sind.
    Das ist viel schlimmer als Stilbrüche, die sogar oft sehr eigenwillig und charmant ankommen.

    Was die Transponierungen angeht: solange man damit keine CDs aufnimmt, Prüfungen oder Wettbewerbe absolviert oder in Konzerten von öffentlichem Interesse auftritt, ist mir das schnurzegal.
    Von Profis auf der Bühne und CD Aufnahmen erwarte ich allerdings Originale.

    M



    Re: Das Singen verschiedener Gesangsstile

    Eponine - 15.12.2009, 14:47


    gioachino hat folgendes geschrieben:Als Dein " Klassiktrainer ", liebe Tahalena, weiß ich, dass Du inzwischen so weit bist, mit Augen - oder besser Ohrenmaß in unterschiedlichen Gattungen zu " wildern ", ohne stimmlich Schaden zu nehmen.
    Da ich großes Vertrauen in Deine Fähigkeiten habe, liebe Eponine, wäre so ein Ausflug in schottische Gefilde zwecks Belting sicherlich großartig! Lasst uns das zu dritt eventuell vertiefen!


    Was "Belting-Ausfluege" angeht, gibt es dazu jetzt auch ein neues Subforum :wink:

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