Verfügbare Informationen zu "Nicht viel"
Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Ulysses S. Grant - Elvo Forenurl: Klick aus dem Unterforum: arts-forum Künstler Antworten: 2 Forum gestartet am: Dienstag 19.10.2004 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Nicht viel Letzte Antwort: vor 16 Jahren, 9 Monaten, 27 Tagen, 11 Stunden, 46 Minuten
Alle Beiträge und Antworten zu "Nicht viel"
Re: Nicht viel
Ulysses S. Grant - 31.05.2006, 16:42Nicht viel
Mehr ein expressionistisches Werk.
Der Grundstein ist schon alt - ich habe jetzt noch die letzten Sachen dazu geschrieben, die meines Erachtens fehlten.
Viel Spaß - ich hab' immer ein Ohr für Kritik.
Beste Grüße:
Ulysses
Seelenbüchse
Er öffnete die Büchse.
Die Büchse der Pandora, dachte er verstohlen, dumm und verblendet.
Er fühlte, wie alles auf einmal kam. Ein herzzerreißendes Wehklagen einer fallenden Katze. Ein Brennen der Seele als er ihr Gesicht vor seinem Auge aufflimmern sah. So ganz im Dunkeln. Stopp. Nicht weiter, Nein. Nein, nicht weiter.
Schreie, tränenverschmierte Sicht. Er schrie mitten im Park, mitten in einer Großstadt. Nein, er schrie nicht. Er konnte nicht schreien; es waren Presslaute. Aus Verzweiflung. Aus Wut. Aus Leid. Was wusste er schon.
Dann sah er klar sein Bild. Zernarbt. Das war nicht er, nie und nimmer und nicht in diesem Leben.
Vielleicht aber war es er.
Er schien es zu sein. Was er aber trug, war seine Seele als Maske. Glücksgefühle. Ein wunderbarer Klang durchtönte den Raum. Ein Becken von Zyldjian schwingt wundervoller als jede Harmonie. Kein Geräusch, nur der Nachhall. Dann wieder ein Stick, der auf mit dem Kopf voran auf dem Becken graziös landete. Wundervoll. Fast besser als Sex.
Licht. Unnachahmbares Licht. Aber nicht vom Himmel. Als er die Straße hoch lief war es bewölkt. Regenwolken. Das war nicht die Sonne, denn es kam von nebenan. Die andere Straßenseite. Sein Blut tropfte auf den Boden. Scheiße, dachte er. Gewissensbisse, aber weswegen? Wegen Blut auf dem öffentlichen Gehweg, welches so oder so bald wieder vom kommenden Regen weggewaschen wurde? Es war auf jeden Fall da. Und sie war da. So simpel. So schön. So leuchtend. So glasklar die Stimme. Er hörte die Stimme wie sie durch die Luft schwang. Er konnte sterben, so wie er war. Mitten auf einer Straße auf dem Land mit einer blutenden Nase. Gott, dachte er. So unerreichbar und so bittersüß. "Kann ich dir helfen? Du blutest ja!"
Musik. Benny Goodman. Am Telefon sprach seine Großmutter mit ihm. Es war seltsam. Wieder sein Gewissen. Er kannte sie kaum und sie sprach es auch wirklich aus. "Ich bin auch jemand, lern mich ruhig kennen, wenn du Lust hast." Verdammich. Ja, natürlich! "Ja, sicher doch"
Wieso? Er wusste es nicht. Zwei Tage später war sie tot. Die Stimme hallte in den Träumen wieder, vermischte sich mit Gesichtern. Ich kannte sie nicht und wir beide wussten es verdammt gut. Scheiße!
Ein Grollen. Er stand im leichten Regen an sein Fahrrad gelehnt. Das Restaurant auf der anderen Straßenseite war voll. Da kamen sie nicht rein. Wenn sie kam.
Und dann war sie da. Unscheinbar aus der Ferne. Doch er spürte sie instinktiv. Er blickte im gleichen Augenblick auf, als sie um die Ecke bog. Ein Schirm tanzte über ihr. Er hatte etwas Schiss, wie er meinte. Meine Fresse, is' doch immer so, dachte er. Meine Fresse, is' sie wunderbar. Der Segen eines Lazaretts für einen Seelenkrieg, dachte er. Dann war es weg. Nichts.
Dann kam alles, wirklich alles mit einem Gefühl hoch. Er hörte sie alle auf ihn einsprechen. Er hörte seine Familie, seine Freunde und Freundinnen, seine Exfreundinnen und die, die ihm sagten, dass sie nichts von ihm wollten. Absolut gar nichts. Mit den Stimmen kamen auch Ahnungen. Ahnungen von Dingen, die er, wie er meinte, verbrochen hatte, unangenehme Dinge.
Er wandte sich im Bett. Die Büchse war explodiert. Das war zu viel.
Schweigsamer Schmerz machte sich breit. Die Wände schrieen ihn an, als ob sie wussten, was er getan hatte oder was nicht. Alles schrie ihn an. Sogar seine Kleider schrieen ihn an. Er biss sich in die Hand. Irgendwo spürte er keinen Schmerz. Wieso auch. Der Schmerz kam von innen. Aus dem, was alle nur "Seele" nannten. Das, was das Gehirn mit dem Körper verband. Das, was niemand zu erklären vermag, bis auf die größenwahnsinnigen Genforscher. Absurd. Er schrie schweigend ins Bett. Er wälzte sich umher. Nein, nein, nein. Nicht das. Nicht sie. Nicht mein Herz ..
Da war sie. Ein Engel sondergleichen. Oder es war wohl eher seine Einbildung, welche die Flügel erschienen ließ und sie ein paar Zentimeter nur über den Boden schweben ließ?
Er stand still. Er war schon oft alleine unterwegs, aber jetzt begriff er, was alleine reisen wirklich bedeutete: Freiheit "Halt" zu sagen. Und das sagte er jetzt. Er war regelrecht geblendet. Der Kontakt war lange, sie trafen sich immer wieder. Und immer konnte er es geheim halten, wenn er sie besuchte. Niemand wusste es. Wirklich niemand. Nicht seine Freunde, nicht seine Familie. Und auch nicht seine wirklichen Freunde. Auch nicht die, die zu denen er an sich fuhr. Er machte sein Ding. Er musste es irgendwie tun.
Gleichzeitig wusste er, dass es niemals möglich war, oder?
Sie war so, nun, atemberaubend. Sie war, nun, damals fünfzehn- oder sechszehnjährig. Und was war er? Er fühlte sich wie ein emotionaler Krüppel an. Knapp dran der Sinnlosigkeit zu verfallen. Aber es war da.
Geschädigt, dachte er in einem kurzen Augenblick der Klarheit. Dann wieder die Erinnerungen und Bilder in der allgemeinen Dunkelheit um ihn.
Es war Dämmerung. Wunderbare Sommerdämmerung. Ein Sommernachtstraum, das hatte er da gedacht. Da, als sie an diesem bestimmten Ort saßen. Sie unterhielten sich lange. Ein kurzer Moment der Stille. Dann hörte er wie in all seinen Träumen die anklagenden Worte. "Du bist es, der mich an die Grenzen der Natur des menschlichen Geistes führst. Du hast mich meinen Geist gekostet und hast mir dabei wieder Leidenschaft geschenkt. Allem zum Trotz, ich sage alles, was du willst. Ich tu' auch alles was du willst. Aber ich will nur eins: Gib mir meinen Geist wieder wenn du die Leidenschaft teilst. Gott, verstehst du? Ich liebe dich und kann es ahnen, dass ich es nicht schaffen werde über meinen Verstand zu siegen." Er seufzte, irgendwo wollte er noch etwas sagen. So viel wollte er sagen. Was hatte er denn jetzt überhaupt gesagt? Ach. Nein, das war nicht das, was er sagen wollte. Er seufzte und schaute den Sternen auf ihrem Ewigwährenden Kollisionskurs zu. Er zweifelte irgendwo an seiner Intelligenz und wollte aber alles jetzt auf einmal sagen. Jetzt oder nie. Er suchte Worte und seufzte erneut.
Erst jetzt merkte er, dass sie ihn die ganze Zeit anstarrte. Kein Entsetzen. Kein Hass.
Liebe? Nein.
Weiß ich denn, was Liebe ist? Nein.
Was sagten diese Augen? Liebe? Verzweiflung? Irritation? Was zum Teufel, was?
Er fing ihren Blick auf. Es dauerte lange, bis sie sich löste und wieder in eine andere Richtung schaute.
Er meinte es irgendwo zu hören. Das Hämmern des Pulses. Das Herz, das in dieser, seiner Brust schlug war so laut. Oder war es ihres?
Dann, auf einmal, plötzlich gar. Ja, plötzlich war sie ihm so nah. Erleichterung. War es das? Was war es? Nein, es war ein Kuss. Sein erster wirklicher Kuss. War es das? Er wusste es nicht mehr.
Aber er konnte sich noch an etwas erinnern, als er sie einmal auch packte.
Er packte sie auch. Sie hatten bereits beide Feuer gefangen. Sie brannten beide und es leuchtete lichterloh über ihnen. Irgendwie wussten beide, wohin sie mussten. Die Spur war wie Wasser, jeder Schritt kühlte, aber der nächste Schritt war wieder ein Stück Kohle. Feuer. Wildes, ungezähmtes Feuer. Gott, war das Liebe? Er wusste es nicht genau. Vielleicht. Er fühlte bisher noch nie so. Irgendwie fanden sie ihren Weg.
Als er aufwachte, lagen sie beide nackt auf dem Bett. Die Decke lag irgendwo in eine Ecke geschmissen. Das Licht leuchtete breit auf ihren Körper. Was war das, dachte er. Leidenschaft, dachte er. Nicht durch die Verderblichkeit korrumpiert, dachte er. Nicht gebrandmarkt durch die Mode und die Gesellschaft. Das war es. Leidenschaftliche Liebe - für ihn. Er lag still und lies die Augen offen. Sie wälzte sich ein paar Mal. Die Erinnerung an ihren weichen Körper, ihre weiche Haut, wie sie auf seinem Körper sich rieb und wälzte. Ihre Brust hob und sank. Sie lagen wie ein Kreuz. Er genoss ihre Wärme.
Ein Sprung. Ein weiterer stummer Schrei der Erinnerung. Oder was es auch war, was wusste er schon vom menschlichen Geist.
Andere Göttin, anderer Platz.
Der Park war voll. Nur ein Satz von ihr. Sonst schreiende Stille, die sich in das Hintergrundgeräusch des Parks eingliederte. "Es ist aus."
Aber glühende Steine und Kreuze auf der Seele. Vor allem aber ein Loch.
"Es ist aus", sagte sie. Er dachte "Ich verbrenne." Aber er nickte nur unwirsch und scheute in Himmel zu blicken, sodass er sich auf einen Flecken Gras konzentrierte. Aber ich werde wohl nur ausbrennen, dachte er.
Jetzt lag er hier. Hatte die Büchse geöffnet, die ihm Pandora gab. Die ihm seine Seele freisetzte. Die ihm Leid und Freude brachte.
Vollkommene Neutralität. Aber er brannte.
Und ab jetzt brannte er lichterloh für sich und für seine Leidenschaft.
/// - 31-05-006 - ///
Re: Nicht viel
Elvo - 31.05.2006, 19:33
Ein wenig zu kuz geratem ;) aber gefällt mir. ;) Du hast es geschafft in der Länge des Textes die Sapnnung aufrecht zu halten. Vorallem die kurzen sätze oder Wortfetzen hab ich interessant gefunden und die eingebauten Mundartpartikeln waren auch super.
FEINO
Eventuelle Kritik: Ich würde die Ortsangabe (Bayern) weglassen, weil sie irgendwie den Spielraum der Story einschränkt.
Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken
Weitere Beiträge aus dem Forum Untitled
SN Artikel: Culture Space Pilot - gepostet von Saraj Elvo am Mittwoch 15.03.2006
Elvo vs the renewer - gepostet von Elvo am Dienstag 19.09.2006
SarajElvo | 17. Februar 07 | ARGEkultur - gepostet von Elvo am Sonntag 21.01.2007
Photoshop: Vedo VS Elvo 2 - gepostet von Saraj Elvo am Mittwoch 31.05.2006
Ähnliche Beiträge wie "Nicht viel"
Voll viel los hier :D :D - hOine (Mittwoch 12.07.2006)
Komme in der nächsten zeit nicht viel rein - Hugo1 (Montag 31.07.2006)
Nicht viel los !!!! - frozenskull (Donnerstag 02.02.2006)
Wann kommst du Cindy? - *casherin* (Mittwoch 04.06.2008)
Deuterium zu viel! - arabi (Samstag 11.08.2007)
viel los....... - Skimizio (Sonntag 17.06.2007)
Viel Spaß im neuen Forum ;) - wasserfee (Dienstag 01.05.2007)
Viel zu tun - Shire Horse (Samstag 19.08.2006)
Gothic 3 viel wind um nichts? - Malte (Montag 08.01.2007)
Brauche viel Rohstoffe ! - Dj-xT (Mittwoch 22.03.2006)
