6 Fragen an Hr. Muhammad Hanel zur Integration von MUSLIMEN

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    Re: 6 Fragen an Hr. Muhammad Hanel zur Integration von MUSLIMEN

    M.M.Hanel - 05.09.2009, 12:40

    6 Fragen an Hr. Muhammad Hanel zur Integration von MUSLIMEN
    1. An was denken Sie als Österreicher, wenn sie lesen „EVP fordert Integration von Muslimen“?
    Dass diese Forderung nach Integration einer spezifisch religiös orientierten, minderheitlichen Bevölkerungs¬schicht in eine religiös anders orientierte oder a-religiöse Bevölkerung eines bestimmten Gebiets grundsätzlich zu begrüßen und berechtigt an beide Gruppen (die integrierende und die zu integrierende) zu richten ist. Dies umso mehr, wenn beide Gruppen legitimen Anspruch auf Aufenthalt in diesem Territorium glaubhaft zu machen vermögen und sich verpflichten, nach bestem Wissen und Gewissen miteinander und jede für sich, für sozialen Frieden, Wohlstand und Sicherheit einzutreten und zu wirken.

    2. Was bedeutet die Integration des Islams in der Schweiz, was die Integration von Muslimen in der Schweiz für Sie?
    Ein offenbar schwieriges Unterfangen. Die Gründe hierfür mögen sein:
    Zu allererst ist den meisten, an diesem Prozess beteiligten Parteien, Organisationen oder Personen nicht übereinstimmend klar, was unter den hierbei verwendeten Begriffen und dem Prozess an sich, tatsächlich zu verstehen ist.Integration wird mit Assimilierung und Aufgabe der eigenen kulturellen, religiösen oder anderer Identität verwechselt oder vermischt.Islam als Religion wird nicht als lebendige göttliche und somit im Transzendenten verankerten Rechtleitung des Menschen hin zu einer möglichst ausgeglichenen (um nicht zu sagen „vollkommenen“) Persönlichkeit verstanden, deren Ausbildung für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Menschheit unumgänglich ist.Politik gilt vielen als „Religionsersatz“ – Religion gilt vielen als „Politikersatz“ und beide nehmen immer mehr absolutistische, polarisierende Züge an. Das Verhältnis von Geben und Nehmen, gerechter Austausches wird kaum verstanden (nicht zu sprechen vom typisch religiös(islamisch und christlich) gefärbten Verständnis, dass: „Geben seliger ist, denn Nehmen“).Die Welt des Christentums erlebt sich als „darwinistisches Produkt“ (man verzeihe mir diesen Ausdruck) historischer Entwicklung und dessen wahre Wurzeln in den/die Lehren des Messias, des wahrhaften Vertreters echten TATCHRIS-TENTUMS, werden kaum noch durch das „geweihte Wasser echter Nächstenliebe“ getränkt.Anstelle des Göttlichen wird den Ersatzgöttern, den Götzen „Vermögen“ und „Macht“ gedient und gehuldigt.Das Verhalten von Muslimen wird mit Islam gleichgesetzt – was einem Verständnis gleichkäme, die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki wären vom Himmel hoch kommende Gaben christlicher Nächstenliebe, gesegnet durch den mit der Bergpredigt manifestierten heiligen Geist.Last but not least – man spricht ganz tatsächlich und wörtlich nicht des Anderen Sprache, versteht nicht des Anderen geistiges Bezugssystem und vermag sich daher dem Anderen gar nicht verständlich zu machen. Um Integration also WIRKLICH zu MACHEN, bedarf es mächtiger Anstrengung ALLER Beteiligten, um reflexives Wissen und Verständnis zu erlangen, zu entwickeln und das jeweilige SELBSTverständniss des Anderen akzeptabel, also annehmbar zu machen....

    3. Welche Rolle spielt der interreligiöse Dialog für die Integration einerseits des Islams, andererseits der Muslime?
    Bislang offenbar eine marginale, weil dieser elitär und/oder meist sehr unprofessionell oder manipulativ geführt wurde. Wir haben in Europa, also z.B. Österreich oder der Schweiz seit 40 Jahren interreligiösen Dialog – doch das Verhältnis zwischen den Mehrheitsgesellschaften der Muslime und der der Anderen im Gebiet hat sich massiv verschlechtert.

    4. Wie hängen für Sie die beiden Begriffe Integration und (öffentlich-rechtliche) Anerkennung zusammen?
    Ich formuliere: Öffentlich-rechtliche Anerkennung ist etwas, das primär nicht gefordert werden kann, sondern ist etwas, was verdient wird. Also zuerst „Integration durch Kooperation (über Partizipation)“ und die öffentlich rechtliche Anerkennung wird als politisches Ziel sekundär und ergibt sich als selbstverständliches „Nebenprodukt“.
    Öffentlich-rechtliche Anerkennung ist in keinster Weise ein Zeichen, Garant oder Katalysator für die Integration von etwas Fremdartigem oder feindlich Empfundenem. Menschliche, wertschätzende Anerkennung als wahrhafte Akzeptanz des FREMDEN als NÄCHSTEN ist weit kostbarer, als jegliches „Recht“, welches in großem Ausmass missgönnt wird.

    5. Wie sieht Ihre Vision der Organisation einer muslimischen Gemeinde in Basel aus?
    Eine noch sehr verschwommene und undeutliche Vision. Die Nebel, welche eine klare Vision verhindern, wurden schon teilweise in der Antwort zur zweiten Frage und werden in der zur sechsten angesprochen.

    6. Kann und will eine „one umma“ für eine heterogene muslimische Mehrheit repräsentativ sein?
    Um diese Frage für Sie beantworten zu können, müssen wir uns zuerst klar darüber sein, was wir unter „one umma“ verstehen. Im besten und wörtlichen Sinne bedeutet dieser Ausdruck eine Gemeinschaft, die „das Gute anordnet und das Schlechte verbietet, die darüber hinaus das Gute in Ausgewogenheit auch TUT (nicht nur darüber selbstherrlich spricht oder mit einem Balken im Auge und/oder Brett vor dem Kopf den Splitter im Auge des Nächsten mit dem „Schwert“ herauszuoperieren gewillt ist) und deren Mitglieder sich einander zu Wahrheit, Aufrichtigkeit, Standhaftigkeit, Ausdauer, geziemender Duldsamkeit und Nachsicht verpflichten.
    Ja – solch eine „one umma“ KANN selbst für eine heterogene muslimische Mehrheit repräsentativ sein. Ich präge ein Bild: Diese Gemeinschaft gleicht dem „leichten“ Segel (Minderheit), welche des „schwere“ Boot (heterogene Mehrheit) in die gewünschte Richtung bringt. Die Frage ist: Existiert diese „one-umma“ bereits? Ich will solches nicht bestreiten, sondern im positiven Falle deren Bestärkung fördern, so ich dies kann.
    Ob eine solche „one umma“ repräsentativ für die Mehrheit sein WILL?
    Nun – hierbei sollten wir vielleicht WOLLEN und MÖGEN unterscheiden. Und wie immer das Verhältnis von „wollen“ und „mögen“ je nach Situation aussehen mag – ich denke „JA“ überwiegt in jedem Fall.

    Bedenken wir: Es ist nicht das WAS und oft auch nicht das WIE, welches uns trennt – es ist vielmehr das WER!

    König „ICH“ ist ein echter Despot und ihn zum politischen (siyasa) Diener seiner Untertanen zu machen ist … eine (R)EVOLUTION.
    Liebe und Vertrauen sind Energien, welche diese Bewegung in Schwung bringen und halten.

    Liebe Dominique CABERNARD, ich danke Ihnen für die interessanten Fragen.



    Re: 6 Fragen an Hr. Muhammad Hanel zur Integration von MUSLIMEN

    M.M.Hanel - 03.03.2010, 23:51


    INTERVIEW HANEL: ISLAM -MUSLIME - SCHWEIZ

    Samstag, 27. Februar 2010 um 17:31

    - Was ist ein Muslim? Eine Muslima?
    Sie sind Menschen, welche das Vorhandensein EINES Schöpfers als Wahrheit annehmen und sich selbst als dessen Geschöpfe erkennen und akzeptieren. In der Islamischen Religion und Lehre finden sie dieses Verhältnis zwischen dem EINEN ABSOLUTEN Schöpfer und den von diesem abhängigen Geschöpfen letztlich am einleuchtendsten definiert und deshalb übernehmen sie diese Lehre als wahr, die sich daraus ergebende Lebensweise als wahrhaftig wahr und bezeugen dies mit der Bekundung der Shahada, dem islamischen Glaubensbekenntnis.

    - Welche Wissens- und Handlungsformen machen einen Muslim/eine Muslima aus?
    Man könnte sagen, das Wissen darum, dass das wesentliche Bewusstsein um die eigene Geschöpflichkeit am besten durch das islamische Gebet und das Gottesgedenken zum Ausdruck gebracht wird. Somit ist die umfänglich korrekte Verrichtung des islamischen Gebetes, nach der Sunna des Propheten Muhammad (sas), jene Handlungsausformung, welche einen Muslim/eine Muslima ausmacht. Zusätzlich ist zu bemerken, dass nach islamischem Verständnis ein Muslim erst dann ein(e) wahrhaft Gläubige(r) ist, wenn er/sie für seine(n) Bruder/Schwester (Nächsten) wünscht, was er/sie für sich selbst wünscht.

    - Worin liegt ihres Erachtens die Plausibilität/Attraktivität des Islam für Europäer (Schweizer, Österreicher etc.)?
    Da der Antrieb, sich spirituell geprägten Konzepten zuzuwenden, womöglich der Suche nach eigener Ursprünglichkeit, Wahrheit und komplexer Wirklichkeit entspringt, scheint mir, dass eben die relativ einfache Verständlichkeit der islamischen Lehre, ihre Einsichtigkeit und die tatsächlich erfahrbare Überprüfbarkeit derselben, die Attraktivität des Islams für Europäer ausmacht. Darüber hinaus bietet er eine, als ideal empfundene und überschaubare Alternative zu anderen religiösen, säkularen oder wirtschaftlichen Systemen an.

    - In Schweizer Kontext wird "Islam" und "Islamizität", insbesondere im öffentlichen Raum als "Differenz" zum "Schweizerischen" gelesen und problematisiert. Der "Islam" und die "Muslime" müssen dann entweder "integriert" oder "ausgeschlossen", ins Unsichtbare verdrängt oder was auch immer werden. Inwiefern spielt ihres Erachtens das Element der symbolischen Differenz (diskursiv, aber auch sichtbar) eine Rolle für das Interesse einer Schweizerin/eines Schweizers am
    Islam?
    Da Interesse sowohl positiv, wie auch negativ besetzt ist, bedarf es hier einer differenzierenden Antwort. Gerade die Schweiz, die Schweizer haben zu sich selbst ein äußerst eigenwilliges Verhältnis. Einerseits bestehen sie auf einer Gesamt-Schweizer Identität und andererseits betonen sie vehement ihre kantonalen Selbstständigkeiten und Individualitäten. Dieses breit gespannte Selbstverständnis scheint auch ein Hauptgrund für das, sowohl positive, wie auch negative Interesse der Schweizer am Islam zu sein. Auch die Muslime und ihre Gemeinschaften bilden – dem kantonalen Selbstverständnis ähnlich – ganz und gar keine homogene Gesellschaft, sondern unterscheiden sich ich höchstem Maße. Indonesische Muslime, bosnische, arabische Muslime oder jene aus Gambia lassen sich kulturell und mitunter auch in ihrer praktischen Religionsauslebung nicht leicht unter einen Turban bringen. Andererseits ist aber die gemeinsame Religion und wird sie auch noch so unterschiedlich in der Praxis ausgelebt, doch ein gemeinsames, man könnte fast (durch das Bekenntnis der Schahada) sagen, EIDGENÖSSISCHES Band, welches sie gegenüber dem und den "Anderen" fest zusammenhält.
    Somit ist dem Schweizer, der sich mit bestimmten, oben angesprochenen Systemen nicht mehr zu identifizieren wünscht, der Islam schon in seiner gesellschaftlichen Ausformung in der Schweiz attraktiv. Für Schweizer, welche an ihrem Weltbild, aus welchen Gründen auch immer, unbedingt festzuhalten wünschen, tritt der Islam und die Muslime, ws. sogar auf unbewusster Ebene, als beinahe widerlich konkurrierendes "alter Ego" entgegen, welches es unbedingt zu verdrängen gilt.

    - Wie gehen Sie selbst mit der "Differenz" um? Soll diese dekonstruiert werden, wenn ja, inwiefern?
    Ich beginne diese Differenz langsam zu genießen. Die Differenz soll nicht dekonstruiert, sondern als POSITIVE Konkurrenz wahrgenommen und in gegenseitiger Hochachtung und Respekt gepflegt werden.

    - Welche Formen von "Differenz" wären hingegen "sinnvoll"? (Beispielsweise ermöglichen
    islamische Wissens- und Handlungsordnungen auch eine Kritik an gängigen gesellschaftlichen Praktiken?)
    Die Differenz ist, wie schon gesagt, nicht nur sinnvoll, sondern positiv betrachtet wünschenswert. Konkurrenz belebt das GUTE Geschäft. Nur Mafiosi bringen sich gegenseitig um.
    Somit ist es aus dem jeweiligen Selbstverständnis und Weltbild heraus durchaus wünschenswert, jeweilige systemische Fehler oder Unzulänglichkeiten einander darzustellen. Nicht nur in Firmen, nein auch in Gesellschaften und Kulturen gibt es so etwas wie "Betriebsblindheit".

    - Wie positionieren sie sich selbst als Muslim mit europäischem Hintergrund?
    Mit Humor, Mut, bestimmter Exzentrik, Nachdruck und Vehemenz, zwischen Strenge und Liebe balancierend, von Zuneigung und Abneigung angezogen und abgestoßen, mit bestimmtem Wissen … mit den Worten Anderer: "zwischen allen Stühlen" … da braucht man Stehvermögen ;-)

    - Welche Erfahrungen der Fremdzuschreibungen und Einordnungen haben sie erlebt in verschiedenen sozialen Umfeldern? (Nicht-islamisches Umfeld, Familie, Freunde, Arbeitsplatz, Öffentlichkeit, aber auch islamisches Umfeld wie Familie, Vereine, islamische Öffentlichkeiten?)Alle erdenklichen. Hier bevorzugte ich eine multiple-choice Fragestellung.

    - Gibt es einen europäischen Islam? Wie sehen sie die Kategorien "Islam" und "Kultur" ?
    Dies ist natürlich eine Frage der Definition. Definieren Sie "europäischen Islam".

    - Welche rechtliche, politische, soziale Position sollen islamische Formen in der Schweiz zukünftig einnehmen?
    Alle möglichen, im wahrsten Sinne des Wortes, solange sie weder Schweizer, noch islamischem Recht entgegenstehen.

    - Welche Aufgaben haben islamische Körperschaften und Vereine zu gewärtigen?
    Genau die gleichen, wie andere religiöse Körperschaften und Vereine.

    - Gibt es spezifische Aufgaben der Konvertiten?
    Ja natürlich. Sie sind in erster Linie Kultur-, Sprach- und Verständnisvermittler, "Puffer", "Verbinder" und "Katalysatoren".

    Falls Sie Interesse haben, würde ich auch sehr gerne ein biographisch-narratives Interview mit ihnen führen (ein solches zeichnet sich dadurch aus, dass der Interviewte ohne Fragebogen selbst
    eine Erzählung entwickelt, in der die Interviewende möglichst wenig eingreift. Damit soll der subjektiven Sicht- und Erlebensweise des Interviewten, seiner "Erfahrungsaufschichtung" möglichst Rechnung getragen werden).
    Mal sehen. Sonst hier: http://www.muslim-markt.de/interview/2005/hanel.htm



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