Sissi

Haarmonie
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    Re: Sissi

    Sagi - 13.06.2009, 16:17

    Sissi
    auch bekannt als Kaiserin Elisabeth von Österreich. Falls jetzt wer die kitschig-süße Filmversion von Romy Schneider im Hinterkopf aufflackern sieht: bewahrt sie euch und klickt das kleine rote X rechts oben, oder lest weiter... die echte Sisi (ja, mit einem s in der Mitte) war nämlich recht unsüß... :/
    Ich hol mal etwas weiter aus, denn niemand wird als totaler Haar- und Schönheitsfreak geboren ;) :
    Elisabeth, Herzogin von Bayern heiratete im Alter von 16 Jahren ihren damals 24jährigen Cousin, Kaiser Franz Joseph von Österreich. Das Leben am Hof gestaltete sich schwierig für die auf dem Land aufgewachsene junge Kaiserin (bis hierhin stimmen die Filme also halbwegs mit der Realität überein); sie begann, Gedichte zu schreiben und verfiel in Depressionen, die sie zeit ihres Lebens verfolgen solten.
    Nach drei schnell aufeinanderfolgenden Geburten (wobei das erste Kind, die kleine Sophie, benannt nach der Mutter des Kaisers, im Säuglingsalter starb) begann die einst so gesunde und vitale Elisabeth exzessiv Sport zu treiben; sie galt als sehr gute und mutige Reiterin und machte Gymnastik (im Korsett :shock: - ich vermute mal, es dürfte sich wohl hierbei um eine etwas bequemere Spezialanfertigung gehandelt haben).
    Nach der Flucht der Kaiserin nach Madeira aufgrund einer bis heute ungeklärten Erkrankung (man nimmt heute, nach Auswertung diverser Tagebücher und Berichte an, dass Elisabeth unter Anorexia nervosa/Magersucht litt. Dafür spricht, dass sie spontan genas, wenn sie sich von Wiem und damit ihrem Ehemann entfernte - Anorexia nervosa ist oft mit einer Ablehnung von Sexualität gekoppelt.) - man sprach von Lungen- und venerischen Leiden (Geschlechtskrankheit, mit der der Kaiser sie angesteckt haben sollte) - verschlimmerten sich Elisabeths Depressionen noch. Sie unternahm noch mehrfach solche Fluchten, weg von Wien und ihrem Mann, nur begleitet von einigen Hofdamen, wobei sie stets schnell zu gesunden schien, jedoch, kaum zurück in Wien, Rückfälle erlitt.
    Da "Sisi" sich körperlich eher langsam entwickelte, wurde sie erst in den 1860er Jahren als Schönheit betrachtet, wobei insbesondere ihre übermässig schlanke, große Figur (sie mass 1,72 m bei einem Gewicht von etwa 50 kg, dass sie bis zu ihrem Tod konstant hielt. Dies entspricht einem BMI von 16,9 und damit erheblichem Untergewicht. Ihr Taillenumfang mass 50 cm.) und ihr dichtes, dunkelbraunes Haar, dass ihr später bis zu den Feren reichen sollte, Aufsehen erregten. Daraus nun zog die intelligente junge Frau ihr Selbstbewusstsein und setzte alles daran, Körper und Haar in bestmöglichem Zustand erscheinen zu lassen oder noch weiter zu verbessern.
    Dies artete in Besessenheit aus, insbesondere, was die Pflege und das Frisieren ihrer Haare anging; Sisi pflegte auch nur mit anderen, als Schönheiten angesehenen Frauen Umgang und legte sich ein "Schönheitenalbum" an, für welches sie sich auch aus dem Ausland Bilder schicken ließ.
    Der damaligen Mode folgte die Kaiserin jedoch nicht; ihre Korsetts waren unzeitgemäss, von flitterhaftem Schmuck und Schminke hielt die junge Kaiserin nicht viel.
    Die von ihr benutzten Rezepte sind oft nach altbewährten Rezepten aus einfachen Zutaten angemischt; ein Geheimrezept oder ein bestimmtes Muster, nach welchem sie die Ingredenzien wählte, scheint es nicht zu geben, egal ob bei der Haut- oder Haarpflege - außer einem Ei-Cognac-Shampoo, mit welchem ihr die Hoffriseuse Fanny Ardanger (nach der Hochzeit: Fanny Feifalik) in vierzehntägigen Abständen die Haare wusch. (Das Shampoo dürfte ähnlich wie das Honig-Ei-Shampoo sein; ich verusche, ein Rezept zu finden.) Diese Haarwäsce dauerte den ganzen Tag.
    Ansonsten verwendete Sisi die seit altägyptisher Zeit bekannte Cold cream, ferner Cremé Céleste (hergestellt aus weißem Wachs, Walrat, süßem Mandelöl und Rosenwasser) zur Hautpflege.
    In späteren Zeiten tönte Fanny Feifalik vermutlich Elisabeths Haar mit einem Extrakt aus Nussschalen und Indigo.
    Parfum verwendete Elisabeth nicht; jedoch ließ sie sich die Haare mit duftenden Essenzen besprühen.
    Die Schönheits- und besonders die Haarpflege nahm große Teile des Tages in Anspruch; alleine das Frisieren durch die Hoffriseuse dauerte zwei bis drei Stunden, nach getaner Arbeit musste diese Elisabeth den Kamm vorzeigen.
    Die Kaiserin konnte jähzornig werden, wenn der Kamm Haare enthielt, weswegen die Friseurin ausgefallene Haare auf der Innenseite ihres Rockes versteckte.
    Ein berühmtes Bild von F. X. Winterhalter zeigt die Kaiserin mit kunstvoller Flechtfrisur, geschmückt mit diamantenen Sternen. Diese Sterne gehörten ursprünglich zu einem Diadem, welches Elisabeth zu ihrer Hochzeit erhielt und später umarbeiten liess; einige der Sterne verschenkte sie an Hofdamen.
    Die Friseurin Fanny Feifalik, geborene Ardanger, hatte Sisi dem Winer Burgtheater abgeworben, wo ihr die besonders schön und kunstvoll frisierten Darstellerinnen aufgefallen waren.
    Fanny Ardanger erhielt als Hoffriseurin das nahezu unglaubliche Jahresgehalt von 2000 Gulden, welches in etwa dem eines Hochschulprofessors entsprach, und die Genehmigung, auch andere Leute zu frisieren, wenn sie mit Elisabeths Haarpflege und Frisur fertig war.
    Die oftmals schwierige und exzentrische Kaiserin wurde abhängig von Fanny Ardanger, was diese oft schamlos ausnutzte. Im Laufe der Jahre wurde die Friseurin immer arroganter und aufgesetzt würdevoll - weit würdevoller, als Elisabeth selbst es war.
    Im Alter von etwa 50 Jahren dichtete Elisabeth:
    An meinen Haaren möcht ich sterben,
    Des Lebens ganze, volle Kraft,
    Des Blutes reinsten, besten Saft,
    Den Flechten möcht' ich dies vererben.

    O ginge doch mein Dasein über
    In lockig seidnes Wellengold,
    Das immer reicher, tiefer rollt,
    Bis ich entkräftet schlaf' hinüber!
    Der griechische Vorleser Christomanos berichtete vom Frisiserritual:
    "Hinter dem Sessel der Kaiserin stand die Friseuse im schwarzen Kleide mit langer Schleppe, eine weiße Schürze aus Spinneweben sich vorgebunden, als Dienende selbst von imposanter Erscheinung, Spuren von verblühter Schönheit auf dem Gesichte, und Augen voll finstrer Ränke...
    Mit weißen Händen wühlte sie in den Wellen der Kaiserin, hob sie dann in die Höhe und tastete darüber wie über Sammet und Seide, wickelte sie um die Arme wie Bäche, die sie auffangen möchte, weil sie nicht rinnen wollten, sondern fliegen. [...]
    Dann brachte sie auf einer silbernen Schüssel die todten Haare der Herrin zum anblick, und die Blicke der Herrin und jene der Dienerin kreuzten sich eine Sekunde - leisen Vorwurf bei der Herrin enthaltend, Schuld und Reue der Dienerin kündend.
    Dann wurde der weiße Mantel aus Spitzen von den fallenden Schultern gehoben und die schwarze Kaiserin entstieg gleich einer göttlichen Statue der bergenden Hülle. Die Herrscherin neigte dann den Kopf- die Dienerin versank im Boden, leise flüsternd: "Zu Füßen Eurer Majestät ich mich lege", und so ward die heilige Handlung vollendet."
    "Ich fühle mein Haar," soll Elisabeth zum Vorleser gesagt haben, "es ist wie ein fremder Körper auf meinem Kopfe."
    Das Gewicht ihrer Haare war so groß, dass Elisabeth davon oft Kopfschmerzen bekam; dann blieb sie in ihrern Räumen, die Haare mit Bändern hoch aufgehängt, um den Kopf zu entlasten und Luft an die Kopfhaut zu lassen.

    (Quellenangabe: Brigitte Hamann: Elisabeth - Kaiserin wider Willen; Wikipedia, die Sissi-Filme und diverse Websites.)

    Bilder von Sisi:
    Als junge Frau mit offenem Haar
    (gemalt von F. X. Winterhalter)

    Quelle: Wikicommons

    Zopffrisur
    (ich glaube, hier wird sie zur Köningin von Ungarn gekrönt)

    Quelle: Wikicommons

    Berichte zum Weiterlesen:
    br-online, Musical-Fanpage, Textauszug "Unterwegs mit Sisi"...

    Frisuren:
    Sisi-Forum - keine Anleitung.



    Re: Sissi

    enna - 02.08.2009, 13:14


    Sisi war ohne Zweifel eine, für ihre Zeit, ganz außergewöhnliche Frau. Schließlich lebte sie in einem Zeitalter, in dem die Emanzipation der Frau nicht nur ein Fremdwort war.
    Ich habe eine Biographie von ihr, die ich "verschlungen" habe.
    Besonders faszinierend finde ich das, auch in Sagi´s Beitrag angesprochene Portät von Winterhalter, mit den Sternen vom Diadem
    http://www.mauritia.de/de/bieder/sissi.jpg

    ... ebenso dieses
    http://www.slehmann1.de/mediac/400_0/media/DIR_36336/Sissi.jpg



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