Goethe und Co.

salve aulem
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    Re: Goethe und Co.

    Hospes - 04.04.2009, 20:07

    Goethe und Co.
    Wie fruchtbar ist
    der kleinste Kreis,
    Wenn man ihn wohl
    zu pflegen weiß.

    (Goethe, aus: Zahme Xenien)

    Hat Goethe dabei an uns gedacht?

    Der große Meister hatte doch für Alles und Jedes einen Spruch parat.

    Hospes



    Re: Goethe und Co.

    Anna - 01.05.2009, 00:12


    Darf Erich Kästner sich zu Goethe gesellen?

    Der Mai
    Im Galarock des heiteren Verschwenders,
    ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
    fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
    aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

    Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
    Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
    Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
    Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

    Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
    Die Birken machen einen grünen Knicks.
    Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
    das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

    Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
    Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
    Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
    O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

    Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
    Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
    Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
    Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

    Er nickt uns zu und ruft: "Ich komm ja wieder!"
    Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
    Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
    Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

    Ich wünsche Euch einen wonnevollen Mai!
    Anna.



    Re: Goethe und Co.

    Hospes - 01.05.2009, 14:15

    der Mai
    Liebe Anna,
    das ist ein wunderschönes Gedicht.
    Ich habe es gleich mehrmals gelesen.

    Zum 1. Mai passen auch die folgenden Aufnahmen vom Maibaumaufstellen.
    Die beiden Stangen mit der dicken Schnur dazwischen nennt man Schwaiberl (die baierische Schreibweise für kleine Schwalbe).
    Das ganze hat fast drei Stunden gedauert.



    Als der Baum dann stand, spielte die Blaskapelle, die Schützen böllerten, die Leute klatschten, die Sonne schien, das Weißbier war kühl, viele Leute waren in Tracht und es herrschte eine heiter-fröhliche Gelassenheit.
    War einfach schön.

    Hospes



    Re: Goethe und Co.

    Anna - 01.05.2009, 15:32


    Lieber Hospes,
    das ist ganz prächtig. Was für ein schöner Brauch! Steht der Baum dann den ganzen Monat? Das Wetter war offenbar optimal, und das Publikum hat das Ganze offensichtlich genossen.
    Danke für diese schönen Bilder.
    Anna.



    Re: Goethe und Co.

    Hospes - 01.05.2009, 17:05

    Maibaum
    Liebe Anna,

    der Maibaum steht hier die nächsten 5 Jahre. Dann gibt es wieder ein neues Fest.
    Er ist mit knapp 40 Metern der längste im Landkreis (es wurde etwa ein Dutzend aufgestellt).

    Hospes



    Re: Goethe und Co.

    Piccolina - 02.05.2009, 21:27


    Liebe Anna,
    auch bei uns wird am Abend des 30. April ein Maibaum auf dem Rathausplatz aufgestellt. Das ist aber eine schöne große Birke, die die Landjugend mit bunten Bändern schmückt und begleitet von Musikverein und Fanfarenzug aufstellt. Anschließend gibts einen "Rathaushock, wo man mit einem Gläschen Wein den April verabschiedet und am 1. Mai dann eben denselbigen begrüßt. Der Maienbaum steht den ganzen Monat und im nächsten Jahr gibts wieder das gleiche Spiel...
    Am 1. Mai gibt es an vielen Plätzen und Aussichtspunkten Maihocks, da wirten die Vereine und locken mit Forellen, Spiessbraten, Nudelsuppe mit Rindfleisch oder Würstchen die vielen Wanderer an. Mit den Kindern sind wir auch immer unterwegs gewesen, aber nun sind uns die ganzen Völkerwanderungen einfach zu ätzend, wir wandern, wenn uns danach ist und nicht, weil 1. Mai ist...
    Wir haben eine Radtour gemacht und im wunderschönen Innenhof des Schloss Reinach in Munzingen einen sehr gepflegten Cappuccino mit Dixielandband genossen.

    http://www.schlossreinach.de/?id=1

    Schönes Wochenende Piccolina



    Re: Goethe und Co.

    Anna - 03.05.2009, 19:51


    Liebe Piccolina,
    da muss sich wirklich gut sitzen, und dann noch Dixieland!
    Danke für den Link!
    Lieben Gruß,
    Anna.



    Re: Goethe und Co.

    Hospes - 03.07.2009, 15:55

    Küchenschlacht
    Doch jeder Jüngling hat wohl mal
    'n Hang fürs Küchenpersonal,
    Und sündhaft ist der Mensch im ganzen!

    Wilhelm Busch hat das treffend formuliert in seiner Abhandlung „Die fromme Helene“.
    Der Begriff „sündhaft“ verweist auf das Grundgefühl des Existentialismus, das "Geworfensein ins Nichts", wie es Büchner in „Dantons Tod“ so treffend umsetzt.

    Sündhaft, Tod, Jüngling, das sind eigentlich die Reizworte, bei denen ein römisch-vatikanisch gesonnener Mensch sofort hellhörig wird.

    Doch weit gefehlt.
    Jenes Televisionsprogramm, das mit dem zweiten Auge wirbt, hat diverse Päpste eingesetzt.
    Gemach! Ganz ruhig! Keine Häresie! Die Piusbruderschaft kann ganz ruhig bleiben. Es wird in Richtung Volk agiert.

    Eigentlich ist es ein Paradoxon.
    Das althochdeutsche Wort „slahta“ bedeutet eigentlich Tötung. Bislang ging noch kein Kandidat auf den entscheidenden „Kochpapst“ mit dem Filetiermesser los und keine Kandidatin meuchelte einen Mitbewerber. Was wird hier dann geschlachtet?

    Die „Küchenschlacht“, dieses mediale Opferritual, kann durchaus vergleichbar mit dem Cargokult als Religionsersatz gesehen werden. Viele sind berufen, wenige aber auserwählt. Und die religiösen Autoritäten entscheiden.
    Da hat etwa jemand den Mut bewiesen einen mäßig durchgebratenen Thunfisch zu servieren. Es war nicht eines jener Gebilde mit dünnem braunen Rand herum welche gar aussehen, innen aber roh sind. Es gibt etliche Erdenbürger, welche ein solches Gericht durchaus zu schätzen wissen.

    Zurück zur Religion.
    Todsünde Nummero Eins ist das Durchbraten.
    Steinzeitmenschen aller Zeiten versammelt euch: Es gibt (fast) rohes Fleisch!
    Todsünde Nummero Zwei: Zweifle nie an den weisen Entscheidungen der Kochpäpste. Ich sage nur: Unfehlbarkeit.

    Lassen wir die Sophistereien und beschließen wir das Thema „Kochen“ mit dem großen Meister.
    Goethe lässt den Harfenspieler in seinem „Wilhelm Meister“ sagen: „Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte auf seinem Bette weinend saß, der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte!“

    Hospes



    Re: Goethe und Co.

    Anna - 03.07.2009, 18:37


    Lieber Hospes,
    der Mensch sollte vor dem Mittagessen mindestens einmal herzlich lachen. Dank Deines Berichtes habe ich das gerade getan.
    Interessant: slahta - slaughter - eigentlich dem althochdeutschen Wort noch näher als schlachten. Das Richard Rodgers/George Balanchine Ballett "Slaughter on Tenth Avenue" . . . die Gedanken schweifen nur so . . . Zeit, an's Mittagessen zu denken - - hoffentlich weder verbrannt noch roh - - -
    Anna.



    Re: Goethe und Co.

    Hospes - 03.07.2009, 19:32

    die Schlacht
    Liebe Anna,

    die einzelnen Sendungen kannst Du Dir hier ansehen.

    http://kuechenschlacht.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,7142675,00.html

    Ich finde es einfach seltsam (strange), wenn hier gute Gerichte abgewertet werden.
    In einer halben Stunde kann ich halt - und dazu unter Zeitdruck - nicht nachhaltig, genussvoll und richtig kochen.

    Darauf lasst uns mit einem Trinkhorn aus echtem Kuhhorn anstoßen!
    Der Inhalt möge gehaltvoll sein.



    Hospes



    Re: Goethe und Co.

    Hospes - 12.07.2009, 16:34

    anrührend
    Hallo Ihr Lieben,

    ich habe kürzlich wieder etwas bei Horaz gelesen.

    Ein Abschnitt hat mich sehr berührt.
    Die Übersetzung des Gutenbergrojekts hat mich dabei nicht überzeugt.
    (Rühmlich starb frühzeitigen Tod Achilles;
    Abgezehrt durch Alter verschwand Tithonus.
    Mir sogar kann manches, was dir sie weigert,
    Geben die Hora.)

    Ich habe daher eine andere Übersetzung leicht überarbeitet.
    Die Göttin Eos hatte sich in Tithonos verliebt, erhielt die Unsterblichkeit für ihn, vergaß aber die ewige Jugend als Dreingabe.

    abstulit clarum cita mors Achillem,
    longa Tithonum minuit senectus;
    et mihi forsan, tibi quod negarit,
    porriget hora.
    Horaz, Oden II,16 An den Grosphus

    Den berühmten Achilles riss ein schneller Tod hinweg,
    langwieriges Altern verzehrt den Tithonos;
    und mir gibt vielleicht die Zeit,
    was sie dir versagte.

    Ich musste die Zeilen mehrmals durchlesen, aber sie treffen wohl auf viele Menschen zu.

    Hospes



    Re: Goethe und Co.

    Anna - 12.07.2009, 21:34


    Lieber Hospes,
    Zum Beitrag vom 3.7.: Ich hatte vor einiger Zeit so eine "Küchenschlacht" angeschaut, und die Sache liegt mir auch gar nicht. Eher der gute Biolek oder Kochkunst mit Vincent Klink.
    Hier haben wir den "Food Channel", wo es 24 Stunden am Tag Programme über Essen gibt. Auch diese Kochprogramme she ich mir nicht an, aber ab und zu gibt es eine interessante Sendung über die Herstellung bestimmter Produkte, dann auch Restaurants oder Märkte in aller Welt. Die Kochsendungen sind eher abschreckend.
    Gibt es aus dem Kuhhorn einen zünftigen Met zu trinken?

    Und zum 12.7.
    Deine Übersetzung liest sich schön und fließend im Gegensatz zur Gutenberg'schen. Mir scheint sie auch genauer; das clarum sollte nicht als Adverb gesehen sein, sondern auf Achilles bezogenes Adjektiv. Und ja, sehr bewegend!
    Lieben Gruß,
    Anna.



    Re: Goethe und Co.

    Hospes - 13.08.2009, 13:19

    Wahl
    In einigen Wochen ist wieder Bundestagswahl.

    Alexander von Humboldt schrieb am 3. November 1848 an den König Maximilian II. von Bayern:

    "Die Völker haben das Recht, gut regiert zu werden."



    Blick aus dem 5. Stock der Regierung von Oberbayern auf das 1859 - 1865 errichtete Völkerkundemuseum in der Maximilianstraße mit dem Spruch: "Meinem Volk zu Ehr und Vorbild" - das Gebäude war ursprünglich das Bayerische Nationalmuseum.

    Mit dem Bau der Maximilianstraße in München wurde 1850 durch eben diesen König begonnen.

    Hospes



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