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Re: Schmugglersommer
Tjorven - 31.03.2009, 17:15Schmugglersommer
Hier der Anfang eines Romans, mit dem ich vor ein paar Monaten fertig geworden bin (insgesamt ist der aber über 200 Seiten lang!):
Schmuggersommer
"Ist es nicht herrlich hier? Und diese Luft!"
Es war Mitte April, und gerade erst war der Winter nach erbitterten Kämpfen mit Schneematsch, Hagel und Eisregen endgültig dem Frühling gewichen.
Trotzdem hatte meine Freundin Hieke die Scheibe auf der Fahrerseite fast ganz heruntergekurbelt. Gierig sog sie die frische, klare Luft ein. Der Fahrtwind wirbelte ihre braunen Locken durcheinander, und die Strahlen der Frühlingssonne malten Lichtkringel auf die abgewetzten grauen Sitzbezüge und die ziemlich eingestaubte Instrumententafel ihres kleinen Opel, dessen leuchtend dottergelbe Farbe an eine jener handtellergrossen Gummienten erinnerte die man in der Badewanne schwimmen lassen konnte, und dem sie deshalb den Namen ’Quietschentchen’ gegeben hatte. Es war einer dieser Frühlingstage, an denen die ganze Welt wie frisch gewaschen wirkte. Das Sonnenlicht ließ alle Farben so klar und kräftig hervortreten dass einem nach dem wochenlangen Grau in Grau des Spätwinters fast die Augen wehtaten.
Für mich war es der erste Tag in diesem Jahr, an dem ich den Frühling ganz bewusst wahrnahm. Als wir über die Alssundbrücke fuhren, lag unter uns Sonderburg wie eine Märchenstadt aus dem Bilderbuch. Die Sonnenstrahlen brachen sich in Hunderten von blanken Fensterscheiben und leuchtenroten Ziegeldächern. Sie verwandelten die leicht gekräuselte Oberfläche des Sunds in ein Glitzermeer aus Diamanten, auf dem in makellosem Weiß die ersten Segler dahinglitten.
Doch so sehr ich diesen Anblick auch genoss - es fiel mir schwer Hiekes Euphorie zu teilen. Wie immer hatte meine Freundin sich voller Begeisterung in ihr neuestes Vorhaben gestürzt, und allen Einwänden zum Trotz schien sie diesmal wirklich entschlossen zu sein mich zu ihrer Partnerin zu machen. Dabei war ich die denkbar ungeeignetste Kandidatin für diesen Job: Ich hasste es mit Fremden sprechen zu müssen, nie wollten mir im entscheidenden Augenblick die richtigen Worte einfallen – noch dazu in einer Sprache, die nicht meine Muttersprache war. Ich hatte seit Jahren so gut wie kein Dänisch mehr gesprochen, und meine einzige Erfahrung in der Branche bestand aus einem Sommerferienjob als Kassiererin in einem Supermarkt, den ich zu Studentenzeiten einmal mehr schlecht als recht gemeistert hatte. Nein, ein Verkäufertyp war ich wahrhaftig nicht. Außerdem war ich seit meiner Führerscheinprüfung kaum je wieder Auto gefahren - eigentlich nur dann wenn mein Mann etwas getrunken hatte. Ich dachte mit Schrecken an diese Fahrten zurück: Verbissen hatte ich geradeaus gestarrt und krampfhaft das Lenkrad umklammert damit er, der neben mir jede meiner Bewegungen genauestens überwachte, nicht merkte wie meine Hände zitterten. Jetzt nur keinen Fehler machen, mich um Himmels Willen bloß nicht verfahren auf dieser Strecke, die - ihm zufolge - selbst ein hoffnungsloser Fall wie ich inzwischen im Gedächtnis haben müsse.
Doch ausgerechnet mich, Jaqueline Jeske, wollte Hieke nun zur Mitbetreiberin einer Imbissbude in einem Ferienort auf der Insel Alsen machen. Unwillkürlich entfuhr mir ein Seufzer, und Hieke drehte sich zu mir um.
"Was ist, gefällt es dir etwa nicht?"
"Doch, doch", beeilte ich mich zu versichern.
"Da wo wir hinwollen ist es noch viel schöner, du wirst sehen." Wie immer wenn Hieke von dem Ort sprach an dem sie als Kind so viele glückliche Ferientage verlebt hatte, nahm ihr Gesicht einen leicht verklärten Ausdruck an. "Das wird ein Spitzen-Sommer!"
Wieder einmal klang es so als wäre alles schon beschlossene Sache - das war typisch Hieke. Hieke und ihre verrückten Ideen!
Dabei kam ich lediglich rein interessehalber mit, um mir das Ganze einmal anzuschauen, obwohl ich von dem Einfall eigentlich nicht viel hielt. Das hatte ich Hieke klipp und klar gesagt - oder zumindest hätte sie mir meine Skepsis doch deutlich anmerken müssen...
Wie denn? fragte meine innere Stimme spöttisch. Diese Stimme war ein Teil von mir solange ich zurückdenken konnte. Ein kühler Beobachter der mich gleichsam mit den Augen anderer betrachtete, und ich hatte früh gelernt dass jemand wie ich kein Lob erwarten konnte. Unbarmherzig kommentierte diese Stimme alles was ich dachte, sagte oder tat, verhöhnte gnadenlos jeden kleinen Fehler, jede noch so kleine Schwäche.
Hast ja wieder mal den Mund nicht aufgekriegt. Wie typisch für dich, Jeske! Wenn du Hieke von dieser Sache abbringen willst, musst du schon etwas deutlicher werden – aber dazu bist du doch viel zu feige.
Ich seufzte noch einmal, diesmal still in mich hinein.
An sich klang Hiekes Idee ja gar nicht einmal so schlecht. Seit sie Anfang des Jahres ihren Job als Erzieherin in einer Kindertagesstätte verloren hatte, spielte sie mit dem Gedanken sich selbstständig zu machen. Als sie dann in der dänischen Tageszeitung die Anzeige gesehen hatte, dass in dem Ferienort in dem sie als Kind mit ihren Eltern regelmäßig den Sommerurlaub verbracht hatte, ein Imbissstand mitsamt Inventar zu vermieten war, kannte ihre Begeisterung keine Grenzen mehr. Das schien genau das Richtige für sie zu sein, schließlich hatte sie als Schülerin und Studentin regelmäßig in einer Imbissbude gejobbt. Außerdem sprach sie dank ihres Vaters, der aus Dänemark stammte, fast genauso gut dänisch wie deutsch.
Der Haken an der Sache war bloß, dass sie mich unbedingt dabei haben wollte. Es würde mir gut tun, so meinte sie, wenn ich einmal für eine Weile aus meiner Studierstube herauskäme. Dieser Satz hatte mich fast ein bisschen wütend gemacht. Was glaubte sie denn? Dass ich einfach so mir nichts dir nichts meine Doktorarbeit unterbrechen und an der Uni alles stehen und liegen lassen konnte um den Sommer über mit ihr zusammen eine Würstchenbude aufzumachen? Verdammt, was sollte ich denn in Dänemark? Es ging mir doch gut, seit ich vor etwas über einem Jahr wieder zurück nach Flensburg gezogen war - ich hatte eine hübsche Wohnung in der Altstadt, ich mochte meine Arbeit an der Uni - wirklich, ich war zufrieden mit meinem Leben. Zumindest sagte ich das jedem der es hören wollte. Doch wenn ich ganz ehrlich war, erschreckte mich der Gedanke dass manchmal Wochen vergehen konnten ohne dass ich mit irgend jemandem außer meinen Studenten sprach, und selbst die kannte ich meist nur vom Aussehen her. Gelegentlich rief Hieke an oder meine Eltern, ab und zu sprach ich mit meinem Mentor über meine Doktorarbeit, wechselte ein paar höfliche Grußworte mit den Nachbarn - das war alles. Manchmal, wenn ich Pärchen oder Familien in der Stadt beobachtete, hatte ich das Gefühl das Leben ziehe an mir vorüber wie ein Film, den ich aus der Entfernung auf einer Leinwand betrachtete. Wenn ich mit meinem Aufnahmegerät zwischen spielenden Kindergartenkindern saß um ihre Fortschritte beim Sprachenlernen zu analysieren, bohrte sich die Gewissheit dass ich niemals selbst Kinder haben würde wie ein giftiger Dorn in mein Herz. Manchmal, wenn ich abends in meiner Wohnung saß, erschrak ich beim Klang meiner eigenen Stimme. Ich konnte die Stille nicht ertragen. Sie ließ Erinnerungen in mir wach werden, dabei bemühte ich mich doch so sehr vergessen zu können. Manchmal hielt ich es in meiner Wohnung nicht mehr aus und lief stundenlang ziellos durch die Strassen, bis mich Müdigkeit und Kälte schließlich wieder nach Hause trieben. Manchmal hatte ich das Gefühl unsichtbar zu sein, mich regelrecht aufzulösen, und dann versuchte ich die Blicke von Fremden einzufangen, hoffte auf einen Gruß, ein Nicken - irgendein Zeichen, dass sie mich noch wahrnahmen, dass es mich noch gab.
Über all das sprach ich mit niemandem, nicht einmal mit Hieke, die doch schon seit Kindertagen meine beste Freundin war.
Aber wahrscheinlich ahnte sie, dass es mir keineswegs so gut ging wie ich immer behauptete. Meine Freundin hatte ein feines Gespür für Menschen. Obwohl sie selbst gern und viel redete, beobachtete sie gleichzeitig sehr genau. Nein, ihr konnte ich nichts vormachen. Sicher hatte sie recht - es würde mir gut tun mehr unter Leute zu kommen. Also gut, ich würde der Sache eine Chance geben.
Die schmale Strasse schlängelte sich über sanfte Hügelkuppen, vorbei an satten grünen Wiesen, Wäldchen, deren Bäume gerade ihre ersten zartgrünen Knospen angesetzt hatten und deren Böden mit Buschwindröschen und gelben Sumpfdotterblumen übersät waren, kleinen Dörfern, vereinzelten Bauerngehöften und weiß gekalkten Kirchen mit roten Ziegeldächern. Dann, nach einer scharfen Rechtskurve am Fuße eines Hügels, sah ich plötzlich zu unserer Linken das Meer. Ein paar Minuten fuhren wir direkt am Ufer entlang, links von uns nur Dünen, Sandstrand und Wellen. Die rechte Straßenseite säumte eine Ansammlung von Holzhäusern unterschiedlichster Größen, Formen und Farben - Ferienhäuser. Ein wenig weiter landeinwärts, beinahe so als hielten sie sich absichtlich im Hintergrund, lagen ein paar vereinzelte Backsteinhäuser. Sie mussten den ursprünglichen Bewohnern dieses Küststreifens gehören. Noch etwas weiter hügelaufwärts konnte ich einen Bauernhof ausmachen. Wir rollten vorbei an einem Restaurant mit dem klangvollen Namen Strandperle und kamen schließlich vor einem gelb gestrichenen Steinhaus zum Stehen, an dessen rechter Seite wie ein überdimensionales Schwalbennest ein ebenfalls gelber Holzverschlag klebte.
"Voilá, da wären wir!" Hieke stieg aus, wandte sich zum Strand um und sog genüsslich die würzige Luft ein, die nach Meerwasser und Tang roch. "Schau dir doch bloss mal diese Aussicht an!" Sie breitete die Arme aus als wolle sie alles ringsherum umarmen. "Gigantisch, oder? Und das jeden Tag, den ganzen Sommer über - herrlich, oder etwa nicht?"
"Schon, aber ... bist du sicher dass du damit auch Geld verdienen kannst?" wandte ich vorsichtig ein.
"Klar doch!" Hieke wischte meinen Einwand mit einer ungeduldigen Handbewegung fort. "Im Moment sieht's hier vielleicht noch etwas verlassen aus, aber glaub mir - sobald es etwas wärmer wird, ist hier richtig was los! Die Leute lieben diesen Strand! Und ganz besonders die Hamburger und Flensburger. Wegen der Sprache brauchst du dir also schon mal überhaupt keine Sorgen zu machen - im Sommer werden hier wahrscheinlich mehr Deutsche sein als Dänen."
Während Hieke noch sprach, hatte ich mich vorsichtig dem blassgelben Bretterverschlag genähert, der anscheinend unseren potentiellen Arbeitsplatz darstellen sollte, zumindest deutete ein windschiefes Holzschild mit der Aufschrift "zu vermieten" darauf hin.
Das ganze machte einen nicht eben gepflegten Eindruck. Die gelbe Farbe der Holzbude war nicht nur verblasst, sondern an vielen Stellen schon völlig abgeplatzt, und überhaupt schienen die zwei angerosteten Metalluken, mit denen die Fenster verschlossen waren, das stabilste an der ganzen Konstruktion zu sein. Über den Fenstern war ein verwittertes Schild angebracht, dessen Aufschrift "Kiosk - Getränke, Würstchen & Eis" nur noch mit Mühe zu entziffern war. Auf der gefliesten Terrasse, die wohl ursprünglich als Sitzplatz für die Gäste gedacht gewesen war, hatten Maulwürfe und Wühlmäuse ganze Arbeit geleistet. Kaum eine Fliese lag noch an ihrem ursprünglichen Platz, und alles war von Unkraut überwuchert. Ein schiefer Bretterzaun, an dem ein paar rostige Fahrradgestelle lehnten, vervollständigte dieses Bild des Verfalls.
Am liebsten wäre ich sofort wieder umgekehrt, doch unsere Ankunft war bereits bemerkt worden. Ein Mann kam aus dem gelben Haus, steuerte zielsicher auf meine Freundin Hieke zu und begrüßte sie mit einem Handschlag und einem breiten Grinsen.
"Hieke Hansen?"
"Ja. Und du musst Christian Thomsen sein?"
"Genau. Aber nenn mich ruhig Kedde. Das tun alle hier."
Wieder einmal musste ich mir erst ins Gedächtnis rufen, dass sich in Dänemark alle duzten. Ob ich mich jemals daran gewöhnen würde? Hieke schien damit jedenfalls kein Problem zu haben.
"Und das hier ist meine Freundin Jaqueline Jeske."
"Tag." Der Mann drückte mir die Hand und nickte kurz in meine Richtung. Dann wandte er sich sofort wieder Hieke zu. Er schien mit einem Blick erfasst zu haben, wer von uns beiden das Sagen hatte. Während er uns zum Haus führte, redete er ununterbrochen auf sie ein. Ich gab mir redliche Mühe seinen Ausführungen zu folgen, aber da er nicht nur wahnsinnig schnell sondern auch noch breitestes Sønderjysk sprach, musste ich bald kapitulieren. Ich beschränkte mich darauf, hier und da ein paar Worte aufzuschnappen und musterte den Mann verstohlen.
Er musste in den Sechzigern sein, war groß und kräftig gebaut und trug eine ausgebeulte Jeans, Hosenträger über einem karierten Hemd und Holzpantinen. Sein üppiger Bauchansatz und das fleischige Gesicht mit der leicht geröteten Nase verrieten seine Leidenschaft für gutes Essen und alkoholische Getränke. Doch seine grauen Augen huschten, während er unaufhörlich weiter redete, wieselflink hin und her. Sie schienen jedes Detail genauestens wahrzunehmen und abzuwägen. Diese Augen verrieten mir, dass man den Mann nicht unterschätzen durfte.
Inzwischen hatte er uns in sein Wohnzimmer geleitet, wo seine Frau, die er als Yvonne vorstellte, uns Kaffee servierte. Sie war eine üppige Blondine, eine jener Frauen in den Fünfzigern, die sich offenbar nur schwer daran gewöhnen konnten dass sie nicht mehr zwanzig waren, und die diese Tatsache mittels einer Fülle von Kosmetika, Schmuck und allzu farbenfroher Kleidung zu kaschieren versuchten. Ich fragte mich ob ihre Haarfarbe echt war - ihr Lächeln jedenfalls war es nicht. Wahrscheinlich würde sie froh sein wenn wir so schnell wie möglich wieder aus ihrem Wohnzimmer verschwanden - ich kam mir in dem mit schweren, antiken Möbeln, Nippes und gehäkelten Zierdeckchen überladenen Raum, der trotz allen Zierrates staubig, ja sogar schmuddelig wirkte und nach schalem Zigarettenrauch roch, jedenfalls reichlich fehl am Platze vor.
Kedde Thomsen redete immer noch auf Hieke ein, die seinen Wortschwall nur ab und zu mit einer zustimmenden Bemerkung und einem energischen Nicken unterbrach. Sie schienen sich einig zu werden.
"Na dann schauen wir's uns doch mal an." Thomsen erhob sich umständlich aus seinem Sessel und deutete uns ihm zu folgen. Seine Frau geleitete uns zur Tür die sie mit Nachdruck hinter uns schloss.
Thomsen holte einen Schlüssel aus der Hosentasche und machte Anstalten die schmale Eingangstür des Holzverschlages aufzuschließen, doch offenbar klemmte das Schloss - mit einem gezielten Fußtritt gelang es ihm schließlich die Tür zu öffnen, und wir gingen hinein. Der Innenraum schien zweigeteilt zu sein. Wir befanden uns in einer Art Lagerraum. Eine nackte, von Staub und Spinnenweben überzogene Glühlampe an der Decke warf ein trübes Licht auf das Sammelsurium von leeren Bierkisten, rostigen Schildern, Eimern, Gartengeräten, Fahrrädern und sonstigem Krimskrams, mit dem der Raum angefüllt war. Nur ein schmaler Korridor war freigelassen worden, der zu einer weiteren Tür führte. Durch diese gelangten wir in den eigentlichen Verkaufsraum. Der rechteckige Raum wurde an der Stirnseite von 2 großen Schiebefenstern dominiert, die jetzt allerdings mit Hilfe der metallenen Fensterläden fest verschlossen waren. Unter den Fenstern lief eine schmale Theke entlang, und in der linken hinteren Ecke befand sich ein Waschbecken. Ansonsten unterschied sich der Raum vom Lager nur dadurch, dass sich unter der beeindruckenden Ansammlung von Sperrmüll, mit dem er voll gestellt war, auch mehrere altertümliche Kühlschränke, eine Friteuse, eine riesige Gefriertruhe sowie einige weitere Küchengeräte befanden.
"Seht ihr, hier ist alles was ihr braucht." Thomsen präsentierte uns diese Rumpelkammer mit der Miene eines Gebrauchtwagenhändlers, der ein echtes Schnäppchen anpreist.
"Wir brauchen aber einen Backofen für die Brötchen", wandte Hieke ein. Ich starrte sie ungläubig an – sie schien sich tatsächlich in Gedanken schon in dieser Bruchbude häuslich einzurichten. Ließ sie sich denn wirklich durch nichts von ihrer fixen Idee abbringen?
"Ihr könnt das hier benutzen, das funktioniert mindestens genauso gut." Thomsen zeigte uns einen bereits angerosteten Sandwichmaker, den ich nicht einzuschalten gewagt hätte ohne einen Stromschlag oder Schlimmeres zu befürchten.
So schnell ließ sich Hieke jedoch nicht überzeugen. Sie betrachtete das Gerät mit Kennermiene und schüttelte den Kopf. "Da passen aber höchstens 3 Hotdogbrötchen auf einmal rein. Wir brauchen etwas Größeres."
"Aha, da kennt sich jemand aus." Thomsen hob anerkennend die Augenbrauen. "Gut, ich werde sehen was ich für euch finden kann. Und natürlich räume ich hier ein bisschen auf und setze den Laden für euch instand." Er klang als würde er uns einen ganz besonderen Gefallen tun.
"Also sagen wir, zehntausend pro Monat vom 1. Mai, mit allem Inventar natürlich - zuzüglich Strom und Wasser?" Zehntausend Kronen? Ich hoffte dass ich mich verhört hatte. Zu meinem Entsetzen sah ich Hieke neben mir langsam nicken.
"Das klingt okay. Oder was meinst du?"
Erst jetzt schien Thomsen meine Anwesenheit wieder in den Sinn zu kommen.
"Sprichst du eigentlich dänisch", wandte er sich an mich.
"Ein bisschen." Ich bemühte mich, nicht rot zu werden, was mir nicht besonders gut gelang. Verflixt, der Mann musste mich für eine komplette Idiotin halten!
Aber da Hieke fest entschlossen zu sein schien, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, blieb mir wohl nichts anderes übrig als mich ebenfalls zu Wort zu melden. Ich musste zumindest versuchen sie vor dem Schlimmsten zu bewahren.
"Hat er tatsächlich Zehntausend gesagt? Zuzüglich Strom und Wasser?" fragte ich vorsichtig. Meine Befürchtung erwies sich als richtig, und Hieke wollte nicht einmal den Versuch machen über den Preis zu verhandeln.
"Mensch, bei der Lage hier können wir nicht so wählerisch sein!" meinte sie.
Ich stöhnte innerlich.
"Dann lass dir die Bedingungen wenigstens schriftlich geben." Das immerhin sah sie ein und fragte Thomsen nach einem Vertrag. Ich hatte keine Ahnung wie viel deutsch er sprach, doch er schien dem Lauf unserer Unterhaltung ohne größere Mühe gefolgt zu sein.
"Traust mir wohl nicht, wie?" fragte er mich mit einem belustigten Blitzen in den Augen.
Am liebten hätte ich laut und deutlich nein gesagt, doch zu meinem Ärger bemerkte ich, wie ich schon wieder rot wurde. Ich schlug die Augen nieder und murmelte etwas von wegen Formalitäten.
Thomsen grinste vielsagend. "Ja ja, die Deutschen und ihre Formalitäten. Hier bei uns regelt man so was mit einem Handschlag." Er klang fast ein wenig beleidigt.
"Aber gut, ihr sollt euren Vertrag haben. Ich kenn nen Anwalt der ihn für mich aufsetzen kann, dann könnt ihr am Wochenende unterschreiben kommen."
Darauf einigten wir uns, und von dem was Thomsen weiter mit Hieke besprach, bekam ich kaum noch etwas mit. Als er uns endlich allein ließ, schlug Hieke vor einen Spaziergang durch den Ort zu machen. Eine Weile gingen wir einfach schweigend nebeneinander her. Dann fragte Hieke:
"Du bist also dabei?" Das war mehr eine rhetorische als eine wirkliche Frage, denn sie sah mir meine Bedenken deutlich an.
"Also ich weiß nicht. Und überhaupt, wie soll ich denn das machen mit der Uni und allem", versuchte ich mich herauszureden. "Das ist alles nicht so einfach, weißt du."
"Aber auch nicht so kompliziert wie du es machst", widersprach sie mir. "Deine Doktorarbeit rennt dir doch nicht weg. Und du hast selbst gesagt dass du zurzeit nur wenige Lehrveranstaltungen zu halten hast. Wenn du wirklich wolltest, könntest du dich sicher beurlauben lassen. Es ist ja nur für den Sommer. Komm, mach mit! Wir können das hier ganz groß aufziehen, du und ich. Ich weiß das wir es können. Alles was wir brauchen ist ein kleiner Kredit, am besten von deiner Bank, denn meine gibt mir bestimmt keinen."
"Ach, deswegen willst du mich also dabeihaben? Wegen dem Kredit?" Im Grunde wusste ich selbst dass die Frage albern war, und dennoch war da in mir diese alte Unsicherheit, der ewig lauernde Zweifel warum sich eigentlich überhaupt jemand mit mir abgab. Hieke kannte das Spiel, und sie enttäuschte mich nicht.
"Quatsch, natürlich nicht deswegen. Das weißt du ganz genau! Ich will dich dabeihaben weil du erstens meine beste Freundin bist und ich mir Sorgen um dich mache. Du musst endlich mal unter Menschen kommen, bevor du noch total in deiner Wohnung versauerst! Und zweitens möchte ich wirklich, wirklich gern mit dir zusammenarbeiten."
Das war es was ich hören wollte, und sie wusste es. Sie hatte wieder einmal gewonnen.
Ich seufzte, konnte mir aber gleichzeitig ein Lächeln nicht verkneifen. "Jetzt verrat mir mal wie du das machst, Hieke Hansen! Ich habe keine Ahnung wie du das anstellst, aber irgendwie kriegst du immer alle Leute dazu genau das zu tun was du von ihnen willst."
"Heißt das, du bist dabei?"
"Ja, das heißt es wohl."
"Na also! Schlag ein, Partner!"
Sie hielt mir ihre erhobene Rechte hin, und ich ließ meine Handfläche gegen ihre klatschen.
Übermütig hopste Hieke die Strasse entlang und sang dabei vor sich hin. Ich beneidete sie um ihre Unbekümmertheit, denn inzwischen bereute ich beinahe schon wieder dass ich ihrem Plan zugestimmt hatte. Das Restaurant, an dem wir vorbeigegangen waren, hatte bereits geöffnet und machte einen ausgesprochen gepflegten Eindruck. Das Haus erstrahlte in makellosem Weiß, die Fenster waren frisch geputzt, das Schild über der Tür musste erst vor kurzem neu gestrichen worden sein, und sogar der Kies auf dem Parkplatz war ordentlich geharkt. Auch in einigen der umliegenden Ferienhäuser regte sich Leben: Es wurde geputzt und gewienert, Rasenmäher lärmten, und hier und da war sogar jemand mit Hammer oder Säge zu Gange. Doch die Mehrzahl der Häuser lag noch immer wie ausgestorben da, und einige von ihnen sahen ziemlich verfallen aus. Es schien schwer vorstellbar, dass aus diesem verschlafenen Nest im Sommer eine Touristenattraktion werden würde.
Hieke musste bemerkt haben wie still ich geworden war, und sie verpasste mir einen Boxhieb in die Seite.
"Na was is? Hat's dir de Sprache verschlagen? Nu los, Schäggie, sach doch ma was!" Wie so oft ahmte sie aus Spaß den unverkennbaren Akzent meiner Geburtsstadt Dresden nach um mich zu ärgern. Damit gelang es ihr immerhin, mir ein Grinsen zu entlocken.
"Nenn misch nisch immer so, sonst kriegste eins aufn Nischel”, parierte ich.
"Ja ja, wer's glaubt wird selig!" Sie hakte sich bei mir unter und zog mich mit sich auf die andere Straßenseite.
Wir schlugen einen schmalen Weg ein, der den Hügel hinauf zu führen schien.
"Wo willst du hin?" fragte ich.
"Lass dich überraschen ..." summte Hieke und lächelte spitzbübisch.
Bald ließen wir die Ferienhäuser hinter uns. Der Pfad schlängelte sich zwischen mannshohen Brombeerhecken entlang, vorbei an einer Wiese auf der Kühe weideten. Fünf Minuten später standen wir auf einem runden Schotterplatz vor dem Bauerngehöft, das wir vorhin vom weitem gesehen hatten. Es war ein roter Klinkerbau in 3 Flügeln, die im rechten Winkel zueinander lagen. Den mittleren und rechten Flügel machten Stall- und Scheunengebäude aus, links von uns lag das zweistöckige, mit Kletterrosen bewachsene Wohnhaus, zu dem außerdem noch ein kleinerer, einstöckiger Anbau gehörte. Ein Schwalbenpärchen kreiste über dem Hofplatz – offenbar waren sie gerade dabei in einer geschützten Ecke unter der Dachtraufe ihr Nest zu bauen. Ein Hund begann zu bellen, erst in diesem Moment bemerkte ich die Hundehütte, die im Schatten einer großen Birke in der Hofecke stand. Im nächsten Moment kam auch schon der Bewohner der Hütte, ein großer schwarzer Labrador, auf uns zugestürmt. Ich blieb stehen, schloss die Augen und machte mich auf das Schlimmste gefasst. Ich bin kein mutiger Mensch, und vor Hunden – besonders vor großen – hatte ich schon immer eine Heidenangst.
“Ei, du bist aber ein Lieber … ja, komm her.” Vorsichtig öffnete ich die Augen wieder. Ganz im Gegensatz zu mir war Hieke regelrecht verrückt nach allem was vier Beine und einen Schwanz hatte. Meistens beruhte die Zuneigung auf Gegenseitigkeit, so auch jetzt. Freudig sprang der Labrador an ihr hoch, und sie kraulte ihn ausgiebig hinter den Ohren. Mich beschnüffelte er nur kurz, aber da ich immer noch stocksteif dastand verlor er schnell das Interesse und wandte sich wieder Hieke zu.
"Mhmmm", murmelte sie. "Ich möchte mal wissen ob ..." Sie kam nicht dazu den Satz zu beenden. Aus der offenen Scheunentür kamen zwei Männer in dunklen Arbeitsoveralls und Gummistiefeln.
"Kann .. kann ich euch helfen", fragte der eine Mann und wischte die ölverschmierte Hand an seinem Overall ab. Sein rundes, gutmütiges Gesicht wies ebenfalls einige Ölflecke auf, und das weiße Haar stand ihm wirr nach allen Seiten von Kopf ab. Der zweite Mann, der um einiges jünger sein musste, war offenbar an der schmutzigen Arbeit beteiligt gewesen, wie man an den Flecke auf seinem Overall sehen konnte. Er musterte Hieke nachdenklich aus zusammengekniffenen Augen. Auch der ältere Mann schien bei Hiekes Anblick ins Nachdenken gekommen zu sein und fragte zögernd:
"Sag, kennen wir uns nicht?"
Hieke lachte.
"Aber Onkel Per! Erkennst du mich denn nicht? Ich bin’s, Hieke aus Flensburg!"
"Hieke?" Dem Mann schien ein Licht aufzugehen.
"Bist du das wirklich? Die kleine Hieke! Das gibt's ja nicht! Wie lange ist das jetzt her seit du das letzte Mal hier warst? 10 Jahre?"
"Fast 13!"
Voller Begeisterung schlug der alte Mann seinem jüngeren Kollegen mit der Hand auf die Schulter.
"Jan, erinnerst du dich noch? Als sie das letzte Mal hier war, hat sie geholfen deine Tochter zu wickeln, und heute ist Maria selber schon halb erwachsen. Ist das nicht verrückt wie die Zeit vergeht?" Der Mann sprach ebenfalls mit unverkennbar Sønderjyskem Akzent, jedoch wesentlich langsamer als Kedde. Zu meiner Erleichterung verstand ich ihn ohne größere Mühe.
Bei seinen Worten hellte sich das schmale, etwas verschlossen wirkende Gesicht des jüngeren Mannes auf - endlich schien auch er sich an Hieke zu erinnern.
"Hej", murmelte er, und sein Mund verzog sich zu einem flüchtigen Lächeln. Er hob seine schmutzigen Hände, wie zur Entschuldigung dass er uns nicht gebührend begrüßen konnte, und deutete mit einer Kopfbewegung in Richtung der grün gestrichenen Eingangstür, die zum Wohnhaus gehörte.
"Ja, lasst uns reingehen", stimmte der alte Mann zu, den Hieke Per genannt hatte. "Närrisches Vieh, jetzt hau schon ab!” Der Labrador brachte, voller Begeisterung darüber dass sich endlich jemand mit ihm beschäftigte, ein verknotetes Stück Seil angeschleppt und stupste Hieke energisch damit an, doch Per schob in beiseite.
”Laika lebt aber nicht mehr, oder?” fragte Hieke zögernd.
”Nein, leider. Sie ist vor 3 Jahren gestorben. Blacky hier ist ein Sohn von ihr. … Kommt mit, Stine wird sich freuen.”
”Oh ja, ach ich bin ja so froh euch wieder zu sehen.” Hieke strahlte. Ein wenig zögernd folgte ich den dreien ins Wohnhaus. Wir gelangten in einen großen und ziemlich düster wirkenden Vorraum mit altmodischem Steinfußboden. In der Mitte des Raumes führte eine steile Treppe in den ersten Stock, links und rechts befanden sich zwei Türen, die jeweils in den Anbau sowie in die übrige Wohnung führen mussten. Die beiden Männer zogen ihre Stiefel aus, forderten uns jedoch auf unsere Schuhe anzubehalten und unsere Jacken an der Garderobe aufzuhängen. Dann stieß der jüngere Mann namens Jan die Tür auf der rechten Seite mit dem Ellenbogen auf. Es war als hätte er den Vorhang vor einem Fenster beiseite geschoben um die Sonne hereinzulassen. Ich konnte nicht sagen wieso, doch die Atmosphäre des Raumes nahm mich sofort gefangen. Die hellblau gestrichenen Küchenmöbel erinnerten mich an die Puppenstube die ich als Kind besessen hatte. Eine zierliche ältere Frau hantierte am Wasserhahn. Sie wandte kurz den Kopf als wir eintraten, drehte sich dann zu uns um und wischte sich die Hände an ihrer geblümten Küchenschürze ab.
”Oh, ihr habt Gäste mitgebracht. Wie gut dass ich gerade Kaffee aufgesetzt habe. Annette und die Kinder kommen bestimmt auch bald.”
“Du wirst es nicht glauben wer hier ist!” rief Per aufgeregt. Der kleine, rundliche Mann strahlte übers ganze Gesicht. ”Das ist Hieke – die kleine Hieke aus Flensburg, weißt du noch? Und äh …” Etwas verlegen sah er mich an, erst jetzt schien ihm aufgefallen zu sein, dass er mich noch gar nicht begrüßt hatte.
“Und meine Freundin Jaqueline”, half Hieke ihm aus seiner Verlegenheit.
“Stine Holm … freut mich.” Die Frau drückte mir fest die Hand. Ein warmes Lächeln ließ ihr schmales, fein geschnittenes Gesicht aufleuchten als sie Hieke in die Arme schloss.
“Ach Kind, das ist ja eine Überraschung!”
Doch dann sah sie ihren Mann genauer an, und ihre Züge verdüsterten sich. “Aber du kommst mir so nicht in die Stube. In die Waschküche mit dir. Jan, du auch!”
Die beiden Männer gehorchten widerstandslos und verschwanden. Als sie frisch gewaschen und umgezogen wieder auftauchten hatte Stine mich und Hieke bereits ins Wohnzimmer an den gedeckten Kaffeetisch dirigiert. Wir saßen auf einem riesigen, altmodischen grünen Plüschsofa, vor uns ein runder Couchtisch mit hübsch bestickter Tischdecke, der sich beinahe durchbog unter seiner Last aus Kuchen und Keksen. Außer dem großen Sofa gab es noch einen ebenfalls grünen Zweisitzer, einen braunen Ledersessel und einen kunstvoll gedrechselten Schaukelstuhl. Dem Sofa gegenüber stand in einer Ecke ein Fernseher, in der anderen ein gusseiserner Kaminofen. Eine Glastür führte hinaus auf eine kleine Terrasse, ein großes Panoramafenster gewährte uns eine herrliche Aussicht auf den üppigen Garten und die Wiesen bis hinunter zum Wasser. Auf dem Fensterbrett reihten sich Blumentöpfe dicht an dicht, blühende Orchideen, Kakteen, Hibiskus, Alpenveilchen und noch einige andere deren Namen ich nicht kannte. Neben dem Fenster stand in einem großen Steinguttopf ein Gummibaum, darüber war an der Decke ein trockener Ast einer Korkenzieherweide aufgehängt, kunstvoll dekoriert mit kleinen Scherenschnitten aus buntem Karton. An der entgegen gesetzten Wand standen ein großes Bücherregal und ein Schreibtisch auf dem sich Zeitungen und Briefe stapelten, beschwert mit etwas das aussah wie ein Gewicht von einer altertümlichen Haushaltswaage. An allen Wänden hingen Bilder: Einige schwere Ölgemälde in vergoldeten Rahmen, wahrscheinlich Familienerbstücke, dann wieder Fotos von denen einige neueren Datums zu sein schienen, andere hingegen waren altmodische schwarz-weiß Fotografien.
Hieke sah sich um und lachte. “Hier hat sich überhaupt nichts verändert”, sagte sie. “Höchstens ein paar neue Fotos sind dazu gekommen … meine Güte, ist das Maria?“ Aufmerksam betrachtete sie das Porträt eines blonden Mädchens im weißen Kleid, wahrscheinlich ein Konfirmationsbild. „Ihr habt Recht, die Zeit vergeht wirklich wie im Flug.“
Per Holm ließ sich uns gegenüber im Schaukelstuhl nieder, und ich konnte nicht umhin ihn überrascht anzustarren. Erst jetzt fiel mir auf dass dem Mann der linke Unterarm fehlte, er war kurz unter dem Ellenbogen abgetrennt worden. Ich fragte mich wie lange der alte Mann wohl schon mit dieser Behinderung lebte. Hieke jedenfalls schien nicht überrascht, also musste es eine ältere Verletzung sein.
Bald war zwischen Hieke und den Holms ein lebhaftes Gespräch im Gange. Erinnerungen wurden aufgefrischt aus den Jahren in denen Hieke als Ferienkind den Sommer auf dem Hof der Holms verbracht hatte. Dann erzählte Hieke von unserem Vorhaben Keddes Kiosk zu pachten.
Stine wiegte bedenklich mit dem Kopf. ”Glaubt Kedde Thomsen bloss nicht alles was er so erzählt. Der Mann quasselt selbst dem Teufel ein Ohr ab, aber wenn’s ums Arbeiten geht ist er nicht der Schnellste. Ich an eurer Stelle wäre vorsichtig.” Per und Jan nickten zustimmend. Doch selbst von ihren alten Bekannten ließ Hieke sich ihre Begeisterung nicht ausreden. Sogar Stines Angebot zwei freistehende Zimmer im ersten Stock des Bauernhofes zu mieten schlug sie zu meiner Überraschung aus. Ich selbst hielt mich weitestgehend aus dem Gespräch heraus, beantwortete nur ab und zu zögernd die Fragen die Stine und Per mir stellten und hoffte dass mein Dänisch nicht allzu fehlerhaft war.
Als wir uns gerade verabschieden wollten öffnete sich die Tür und eine schlanke, sportlich wirkende Frau mit streichholzkurzen blonden Haaren trat ein, gefolgt von zwei Jugendlichen, die unverkennbar ihre Kinder waren: einem Jungen der 12 oder 13 Jahre alt sein musste und einem etwas älteren Mädchen, in dem ich die Konfirmandin von dem Foto wieder erkannte. Mit Schwung beförderten die beiden ihre Schultaschen in die Ecke und setzten sich an den Tisch. Die Frau begrüßte Stine mit ‘Hallo Mutti’, bevor sie sich ebenfalls mit einem Seufzer der Erleichterung auf einen Stuhl sinken ließ.
“Viel zu tun auf Arbeit?” fragte Per mitfühlend.
”Das kannst du laut sagen”, stöhnte die Frau. ”Mopedunfall, Fahrradunfall, ein Rollschuhläufer mit gebrochenem Arm, ein Sturz von einer Leiter … es ist wie verhext: Kaum wird das Wetter schön, wollen sich die Leute anscheinend unbedingt um Kopf und Kragen bringen … Oh, ihr habt Besuch.”
Jetzt erst bemerkten die drei Neuankömmlinge Hieke und mich.
”Annette Lynge, angenehm …”
”Aber Annette, kennst du mich nicht mehr?” lachte Hieke. ”Maria, bist du aber groß geworden … ich weiß es ist nervig so was zu hören, aber ich kann’s einfach nicht lassen! Als ich dich das letzte Mal gesehen habe hattest du gerade laufen gelernt … ist das dein Bruder?”
Nachdem Hieke freudig begrüßt worden war, wurde auch ich allen vorgestellt: Per und Stines Tochter Annette, die mit Jan verheiratet war und als Krankenschwester im Sonderburger Krankenhaus arbeitete, und ihren Kindern Maria und Anders. Gemeinsam mit den dreien war eine prächtige schwarze Katze mit weißen Pfoten und weißem Latz auf der Brust hereingekommen, die wie ich bald erfuhr ein Kater war und Kalle hieß. Majestätisch stolzierte der Kater durch die Runde, ließ sich hier und da ein wenig streicheln – auch ich überwand meine Furcht vor den Krallen und kraulte ihn hinter den Ohren – bevor er sich schließlich auf Stines Schoss zusammenrollte und zufrieden zu schnurren begann.
Es wurde noch eine sehr lebhafte Runde, und erst am späten Nachmittag brachen Hieke und ich nach Hause auf. Vorher allerdings bestand Maria darauf uns ihre drei Lieblinge im Stall vorzustellen – zwei fuchsbraune Stuten namens Butterblume und Kleeblatt und ein etwas dunklerer Hengst namens Löwenzahn. „In Wirklichkeit haben sie schrecklich vornehme Namen und ellenlange Stammbäume, aber ich finde die Blumennamen passen viel besser zu ihnen.“ Hieke ließ sich sofort von Marias Begeisterung anstecken, fütterte die drei Pferde mit Mohrrüben und tätschelte ihr glänzendes Fell. Ich dagegen hielt respektvoll Abstand, verfluchte innerlich meine schreckhafte Natur. Die Pferde waren wunderschön, nur eben ziemlich groß – ein wenig zu groß für meinen Geschmack.
Auf der Heimfahrt stand Hiekes Mund keinen Augenblick still vor lauter Begeisterung darüber ihre alten Freunde wieder gefunden zu haben. So erfuhr ich einiges über die Familien Holm und Lynge, unter anderem auch dass Per seinen Arm schon als Junge verloren hatte. Laut Hieke hatte er sich unerlaubterweise an den Maschinen seines Vaters zu schaffen gemacht und war mit der Hand ins laufende Getriebe eines Mähdreschers geraten. Doch da er der einzige Sohn seiner Eltern war, hatte er trotzdem den Hof übernommen.
”Er ist geschickter als manch anderer der zwei Hände hat, du wirst staunen,” erzählte Hieke. ”Er reitet sogar – du wirst es bei den Ringreiterfestspielen im Sommer erleben. Er ist fast so was wie ne Sensation hier in der Gegend, der einarmige Reiter. Ich glaub er ist sogar mal Ringreiterkönig gewesen.” Ich verstand nur ungefähr die Hälfte von dem was Hieke erzählte, doch das kümmerte mich im Moment wenig.
“Warum hast du eigentlich nein gesagt als Stine uns angeboten hat den Sommer über hier zu wohnen?” fragte ich vorsichtig als Hiekes Redeschwall für einen Augenblick verstummte.
“Stine ist viel zu gutmütig, ich will das nicht ausnutzen”, erklärte sie. “Sie würde von uns garantiert nur einen Bruchteil dessen als Miete verlangen was sie verdienen kann wenn sie die Zimmer tageweise an Touristen vermietet, ich hätte ein schlechtes Gewissen dabei. Wir können auch bei Kedde ein Zimmer kriegen hat er gesagt.”
Das also war eins der Dinge die mir bei ihrem Gespräch mit Thomsen entfallen waren. Ich war keineswegs angetan von der Aussicht mit Kedde und Yvonne unter einem Dach zu wohnen, aber das sagte ich nicht.
“Na gut, aber wir schauen uns das Zimmer wenigstens vorher an”, murmelte ich stattdessen. “Sonst versucht er noch uns seine Besenkammer anzudrehen.”
Hieke lachte. “Keine Angst, wir lassen uns schon nicht übers Ohr hauen.”
Da war ich mir keineswegs so sicher. Als ich am nächsten Morgen dazu kam über das Geschehene nachzudenken fragte ich mich ernsthaft ob ich den Verstand verloren hatte. Warum hatte ich Hieke nicht rundweg erklärt dass ich ihre Idee für völlige Spinnerei hielt? Den ganzen Tag lang überlegte ich fieberhaft wie ich mich aus der Sache herausreden könnte, spielte in Gedanken dutzende Gespräche mit Hieke durch, hockte am Schreibtisch, kaute an den Fingernägeln und starrte auf das Telefon. Aber ich rief Hieke nicht an – nicht an diesem Tag, nicht am nächsten und auch nicht am übernächsten.
Der Tag, an dem sich alles änderte, war ein Donnerstag. Ich hatte mein Seminar an der Uni beendet und ging ins Sekretariat um meine Post aus dem Postfach zu holen. Die Sekretärin, eine füllige Dame mittleren Alters mit der ich bisher nur ab und zu ein paar flüchtige Worte gewechselt hatte, zwinkerte mir vertraulich zu.
”Sie haben aber ein Glück – so ein gut aussehender Mann!” Sie musste mir mein Unverständnis deutlich angesehen haben, denn bevor ich fragen konnte setzte sie schon zu einer Erklärung an.
”Na Ihr Freund, der eben hier war. Sie haben doch sicher nichts dagegen dass ich ihm Ihre Adresse gegeben habe – er wollte Ihnen Blumen schicken sagt er … oh, jetzt hab ich’s verraten. Ach ja, in Ihrem Alter müsste man noch mal sein.” Sie kicherte wie ein kleines Mädchen, schien nicht zu merken dass ich bei ihren Worten zur Salzsäule erstarrt war. Mit Mühe widerstand ich dem Impuls mich auf dem Absatz umzudrehen und loszurennen, zwang mich das Verschwörerlächeln der Frau zu erwidern bevor ich meine Post aus dem Fach nahm und gemessenen Schrittes das Gebäude verließ.
Einmal draußen drohte die Panik mich zu übermannen, in meinem Inneren herrschte Chaos. Er konnte hier überall sein, hinter jeder Straßenecke lauern. Vielleicht wartete er schon vor meiner Haustür auf mich oder – noch schlimmer – es war ihm bereits gelungen sich Zugang zu meiner Wohnung zu verschaffen. Zuzutrauen war ihm alles. Wenn Robert sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, ließ er sich durch nichts und niemanden aufhalten, und mit seinem Charme gelang es ihm die meisten Menschen innerhalb kürzester Zeit um den kleinen Finger zu wickeln – wie auch mich, damals. 20 Jahre war ich alt gewesen, Studentin, schüchtern und völlig unerfahren im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Es hatte mir geschmeichelt dass sich ein erfahrener Mann wie er sich für ein unscheinbares Mädchen wie mich interessierte. Er hatte mich mit Geschenken geradezu überhäuft, ich war mir vorgekommen wie im Märchen. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich mich bis über beide Ohren in ihn verliebt, oder zumindest hatte ich das geglaubt. Unsere Hochzeit war wie ein Traum gewesen der wahr wurde – doch das jähe Erwachen war bald gekommen. Als er mich zum ersten Mal undankbar schalt, mich ein ungeschicktes, dummes Provinzmädchen nannte, hatte ich ihm im Stillen Recht gegeben. Selbst noch als er mich das erste Mal schlug, hatte ich geglaubt auf irgendeine Weise selbst daran schuld zu sein, ihn provoziert zu haben. Ich glaubte seinen wortreichen Entschuldigungen und Versprechen, redete mir ein alles würde wieder wie früher werden wenn ich nur lernte nicht ständig alles falsch zu machen. Doch er brach seine Versprechen wieder und wieder, schlug mich selbst dann noch als ich schwanger war. Als ich endlich den Mut fand ihn zu verlassen, war es zu spät. Seit jenem schrecklichen Tag an dem er mich nach meiner Fehlgeburt im Krankenhaus besucht hatte, hatte ich Robert nicht wieder gesehen. Heimlich wie ein Dieb war ich noch einmal in sein Haus, das nie wirklich unser Haus gewesen war, geschlichen, hatte mit Hiekes Hilfe ein paar Sachen zusammengerafft. Die Scheidung war komplett über unsere Anwälte gelaufen, und inzwischen war es mir gelungen einigermaßen auf eigenen Füssen zu stehen. Doch die Angst hatte mich nie ganz losgelassen, lauerte ständig dicht unter der Oberfläche, denn ich wusste dass Robert nicht der Mann war der eine Niederlage – und als solche musste er das Scheitern unserer Ehe betrachten – einfach so hinnehmen würde.
Unwillkürlich beschleunigte ich meine Schritte, rannte schließlich bis ich völlig außer Atem vor meiner Haustür angelangt war. Von Robert keine Spur. Mit klopfendem Herzen stieg ich die Treppe zu meiner Wohnung hinauf, doch auch hier war niemand – noch nicht. Schnell packte ich ein paar Sachen zusammen. Hieke und ihr Freund Jörg stellten keine Fragen als ich sie bat bei ihnen übernachten zu dürfen, ließen mich einfach hereinkommen wie sie es immer taten. Die beiden waren schon seit unserer gemeinsamen Schulzeit ein Paar – Hiekes sprudelndes Temperament und Jörgs unerschütterliche Ruhe schienen einander wunderbar zu ergänzen. Ich hatte mich in ihrer Gesellschaft stets wohl gefühlt, sie hatten mir nie das Gefühl gegeben das 5. Rad am Wagen zu sein, so auch jetzt nicht. Nach dem Abendessen begann Hieke eifrig Pläne für den Sommer zu schmieden, malte unser gemeinsames Abenteuer in den schillerndsten Farben aus. Jörg sagte wie immer nicht viel, doch ich sah ihm an dass er seine Bedenken hatte.
“Du willst also wirklich mitmachen Jackie?” fragte er und schaute mir aufmerksam ins Gesicht.
“Ja, ich bin dabei.” Beinahe hatte ich Jörg gegenüber ein schlechtes Gewissen, schließlich war ich im Grunde ebenso wenig vom Gelingen dieses waghalsigen Unternehmens überzeugt wie er, trotzdem hätte ich in diesem Moment am liebsten alles stehen und liegenlassen um sofort nach Dänemark aufzubrechen, nur weg von hier wo Robert jeden Augenblick auftauchen konnte um sich an mir zu rächen.
In den nächsten Tagen hielt ich mich so wenig wie möglich in meiner Wohnung auf, doch auch anderswo fühlte ich mich nicht sicher. Immer wieder ertappte ich mich dabei wie ich mich nervös nach allen Seiten umsah und beim kleinsten ungewohnten Geräusch erschrocken zusammenfuhr.
Ich sprach mit meinem Mentor an der Uni und ließ mich vom Dekan beurlauben. Dann bat ich bei meiner Bankberaterin um einen Kredit, der auch bewilligt wurde. Somit waren für unseren Sommer in Dänemark alle Weichen gestellt.
Am Samstag fuhren Hieke und ich los um bei Kedde Thomsen den Pachtvertrag zu unterschreiben. Thomsen war genauso redselig wie beim letzten Mal, und seine Frau schaute ebenso verkniffen drein als sie uns bat auf ihrer Couch Platz zu nehmen, wo sie uns lauwarmen Kaffee und krümelige Kekse servierte. Wir mussten eine halbe Stunde auf den Anwalt warten, der sich als älterer, ein wenig ungepflegt wirkender Mann namens Arne entpuppte. Er war groß und hager und bewegte sich mit der langsamen Würde eines Kranichs, sein grau meliertes Haar war strähnig und eine Spur zu lang. Er war mit einer zerknitterten Bügelfaltenhose, einem ebenso zerknitterten Nylonhemd und einen schief hängenden Schlips bekleidet und trug eine abgeschabte lederne Aktenmappe unterm Arm. Kedde begrüßte ihn wie einen alten Freund, die beiden mussten sich kennen. Selbst Yvonne ließ sich in seiner Gegenwart zu einem freundlichen Lächeln herab und stellte Bierdosen, Schnapsgläser und eine Flasche Cognac auf den Tisch. Arne fühlte sich hier anscheinend wie zu Hause, ließ sich mit einem Seufzer des Wohlbehagens in einen Sessel sinken, öffnete eine Dose Bier und trank einige kräftige Schlucke, bevor er einen Stapel lose Blätter aus seiner Aktenmappe zog, mit seiner feingliedrigen Hand die Eselsohren glatt strich und die Papiere mitsamt einem Kugelschreiber an Hieke weiterreichte. Stirnrunzelnd beugte sie sich über den Vertrag und versuchte mir dessen Wortlaut ins Deutsche zu übersetzen.
”Klingt in Ordnung, oder was meinst du?” fragte Hieke, nachdem wir den Vertrag durchgelesen hatten.
”Mhmm.” Um ehrlich zu sein hatte ich keinen blasse Schimmer. Der angebliche Anwalt machte auf mich einen nicht eben seriösen Eindruck, und dass er offenbar mit Kedde befreundet war machte die Sache nicht besser. - Kam es mir nur so vor oder zwinkerten die beiden Männer einander über unsere Köpfe hinweg verschwörerisch zu? - Wir wussten nicht einmal ob das Dokument überhaupt rechtskräftig war – wahrscheinlich war es im Grunde nichts weiter als ein Haufen nutzlos verschwendetes Papier, aber was blieb uns schon anderes übrig als zu unterschreiben? Kedde und Arne waren bereits beim zweiten Bier angelangt als Hieke und ich unsere Namen unter den Vertrag setzten. Kedde malte ein paar schwungvolle Kringel daneben, dann schenkte er mit zufriedenem Grinsen Cognac ein.
”Skål!” polterte er. Höflich nippten Hieke und ich an unseren Gläsern, und ich musste mich sehr beherrschen um nicht angewidert das Gesicht zu verziehen. Ich hatte für Spirituosen nie viel übrig gehabt, und das einzig Gute was man über den Cognac sagen konnte war dass er hochprozentig war. Kedde, Arne und Yvonne jedoch leerten ihre Gläser in einem Zug, und Arne verzog anerkennend das Gesicht.
”Nicht übel, der Cognac.” Ihm wurde sofort nachgeschenkt.
Ich warf Hieke einen warnenden Blick zu, den sie mit einem leichten Nicken beantwortete. Sie hatte verstanden: Bevor der Nachmittag in ein Saufgelage ausartete, gab es noch ein paar Fragen zu klären.
Yvonne warf uns einen giftigen Blick zu als Hieke sich nach dem leer stehenden Zimmer erkundigte, doch ihr Mann war wie immer die Freundlichkeit in Person. Schwerfällig stand er vom Sofa auf und führte uns in einen kleinen Anbau hinter dem Haus. Hier gab es drei Räume: Einen engen, verwinkelten Korridor, der außerdem als Teeküche dienen sollte – in eine kleine Nische waren ein Kühlschrank und eine elektrische Kochplatte gezwängt worden – ein ebenso winziges Badezimmer mit Dusche, Toilette und Waschbecken und ein Schlafzimmer mit 2 Betten. Möbel, Tapeten und Fußbodenbelag hatten schon bessere Tage gesehen, das Ganze machte einen düsteren, verstaubten Eindruck und verströmte den leicht muffigen Geruch von feuchter, abgestandener Luft. Doch das war im Grunde nichts anderes als wir erwartet hatten. Wir kamen zu dem Schluss dass die Unterkunft zum Übernachten durchaus brauchbar war, schließlich würden wir wohl kaum dazu kommen uns tagsüber hier aufzuhalten. Kedde versicherte uns wortreich dass die Zimmer natürlich für uns hergerichtet werden würden, was uns einen weiteren Mörderblick von Yvonne einbrachte – nicht ganz unverständlich, denn Kedde war sicher nicht der Mann der beim Aufräumen und Putzen selbst Hand anlegte. Sehr viel wahrscheinlicher würde er diese niederen Tätigkeiten seiner Frau überlassen. Uns stand nicht der Sinn nach einem Nachmittag in Gesellschaft unserer schlecht gelaunten künftigen Hauswirtin, ihres nicht mehr eben nüchternen Mannes und des ebenfalls schon deutlich angeheiterten Anwalts, und so schlugen wir Keddes leutselige Einladung zum Bleiben aus. Er hatte kaum die Tür hinter uns geschlossen, da drang auch schon Yvonnes wütendes Gekeife zu uns hinaus. Anscheinend hatte sie mit Mühe und Not an sich halten können bis die Tür hinter den ungebetenen Gästen in Schloss gefallen war und ließ nun ihre Wut an ihrem allzu gastfreundlichen Ehemann aus. Kedde machte ein paar vergebliche Versuche die Schimpftirade seiner Frau zu unterbrechen, bevor er sie schließlich mit einem dröhnenden ”Jetzt halt endlich den Mund verdammt noch mal!” zum Schweigen brachte. Hieke und ich sahen uns an, konnten nicht anders als laut loszuprusten. Doch ehrlich gesagt war mir ein wenig mulmig zumute beim Gedanken an die Blicke die uns Yvonne zugeworfen hatte. Wenn sie uns schon jetzt am liebsten von hinten sah, wie sollten wir dann erst mit ihr zurechtkommen wenn wir hier einzogen?
Mir blieb jedoch kaum Zeit mir darüber weiter den Kopf zu zerbrechen. Die nächsten Tage und Wochen standen ganz im Zeichen unseres baldigen Aufbruchs. Ich absolvierte meine letzten Lehrveranstaltungen an der Uni, immer auf der Hut vor Robert, der aber Gott sei Dank nicht auftauchte. Gemeinsam mit Hieke kundschaftete ich den Großhandel in Sonderburg aus und ließ uns eine Kundenkarte machen. Hieke traf sich noch mehrmals mit Kedde Thomsen, schimpfte jedoch schon bald dass sein Versprechen den Kiosk für uns instand zu setzen nichts als heiße Luft gewesen war, es sehe dort noch genauso verrümpelt aus wie eh und je. Schließlich überredete sie statt dessen Jörg ihr zu helfen.
Am ersten Maiwochenende war es schließlich soweit: Wir konnten den Kiosk eröffnen.
Ich war ziemlich gespannt als ich mit meiner gepackten Reisetasche in Hiekes Qietschentchen stieg. Einerseits freute ich mich darauf das Resultat von Hiekes und Jörgs Anstrengungen zu begutachten, war unsäglich erleichtert, ja fast ein wenig übermütig bei dem Gedanken Robert entkommen zu sein, ihm ein Schnippchen geschlagen zu haben. Gleichzeitig fragte ich mich mit einem Anflug von Panik ob ich der neuen Herausforderung überhaupt gewachsen war. Was, wenn ich mich als vollkommen unfähig erwies, mich vor den Kunden bis auf die Knochen blamierte? Was, wenn Hieke schon nach wenigen Tagen die Nase voll hatte von mir? Wenn ich ihr von meinen Bedenken erzählte, würde sie sicher nur darüber lachen, also tat ich es nicht. Ich kam auch bald auf andere Gedanken als wir in Sonderburg beim Großhandel vorfuhren. Hieke hatte inzwischen schon mehrmals dort eingekauft und versicherte mir, dass wir ‘nur noch ein paar Kleinigkeiten’ brauchten. Flink wie ein Wiesel huschte sie zwischen endlosen Regalen hin und her, in denen sich die Waren bis zur Decke stapelten, und während ich mich noch fragte wie um alles in der Welt ich mich jemals in diesem Labyrinth zurechtfinden sollte, hatte sie schon drei Einkaufswagen bis zum Rand mit den so genannten Kleinigkeiten voll gepackt. Ich bezweifelte stark dass alle diese Kisten und Kartons mit Lebensmitteln und Getränken in das kleine Qietschentchen hineinpassen würden – aber nach einigem Hin und Her passten sie tatsächlich hinein. Die Rückbank hatten wir heruntergeklappt, und die Ladefläche war bis oben hin voll gepackt. Unter meinen Füssen stand eine Bierkiste, und auf meinem Schoss balancierte ich einen Stapel aus Kartons, obenauf meine Reisetasche. Ich saß alles andere als bequem – aber wir hatten schließlich alle unsere Einkäufe untergebracht. Flott fuhr Hieke rückwärts aus der Parklücke – und stieß geradewegs mit einem LKW zusammen, der eben beladen wurde. Der Fahrer fluchte und wollte wissen aus welchem Automaten Hieke ihren Führerschein gezogen hätte, Hieke brüllte zurück er sei selber schuld wenn er sich einfach mitten in den Weg stellte. Schimpfend begutachtete sie die Beule an der Kofferraumklappe ihres geliebten Qietschentchens. Der LKW schien glücklicherweise nicht beschädigt zu sein, und so begnügte sich der Fahrer damit noch eine Weile halblaut vor sich hin zu brummen und Hieke zu fragen ob sie keinen Rückspiegel hätte. Nachdem er einen genaueren Blick auf unser hoffnungslos überfülltes Gefährt geworfen hatte, verstummte er jedoch. Tatsächlich war im Rückspiegel des Quietschentchens im Moment nichts weiter zu sehen als eine grüne Kiste Tuborg-Bier und der Gipfel eines Berges aus übereinander geschichteten Tüten mit Hotdog-Brötchen.
Während der Fahrt beruhigte sich auch Hieke langsam wieder, und schließlich meinte sie seufzend auf eine Beule mehr oder weniger käme es wohl auch nicht mehr an. Obwohl sie ihr Quietschentchen geradezu abgöttisch liebte, ging sie nicht immer eben vorsichtig damit um, und so hatte der dottergelbe Lack im Lauf der letzten Jahre bereits einige Kratzer abbekommen. Als wir beim Kiosk ankamen, war meine Freundin schon wieder strahlender Laune. Ächzend kroch ich unter meinem Kistenberg hervor und rieb mir den eingeschlafenen Fuß. Als ich wieder aufrecht stehen konnte, sah ich mich aufmerksam um – und mir fiel buchstäblich die Kinnlade herunter.
“Na, was sagst du?” Hieke strahlte. Sie und Jörg hatten aber auch ganz Arbeit geleistet: Der gesamte Kiosk hatte einen neuen Anstrich erhalten, die einstmals so baufällig erscheinende Bretterbude glänzte geradezu, die frisch geputzten Fenster funkelten im Sonnenlicht. Die Terrasse sah – wenngleich immer noch ziemlich uneben - ohne Unkraut und Maulwurfshügel beinahe zivilisiert aus, und auch die Sitzbänke und Tische waren neu gestrichen worden. Doch die Krönung des Ganzen, der Grund dafür dass ich immer noch mit offenem Mund mitten auf der Strasse stand, war das Schild über der Fensterfront. Auf dem Holzschild, dessen ursprüngliche Aufschrift kaum noch lesbar gewesen war, prangte nun mit roten Lettern auf weißem Grund die Aufschrift ”Jackie’s Grill”.
”Mach den Mund zu, sonst kommen die Fliegen rein!” griente Hieke, sichtlich zufrieden mit dem Eindruck, den ihr Werk auf mich gemacht hatte.
”Ihr seid ja nicht ganz dicht!” war der erste Satz, der mir einfiel.
”Bedank dich bei Jörg, das Schild hat er gemacht. Schade dass ich keinen Fotoapparat dabeihabe– dein Gesichtsausdruck war Gold wert. Komm, gehen wir rein.”
Auch innen glänzte der Kiosk vor Sauberkeit, und ein scharfer Geruch nach Essigreiniger hing in der Luft. Wir luden unsere Einkäufe aus dem Auto und brachten sie im Lagerraum unter. Zufrieden sah Hieke sich in ihrem neuen Reich um: Getränkekisten waren fein säuberlich übereinander gestapelt, in einem Schrank lagerten Kartons mit Süßigkeiten, die große Tiefkühltruhe war bis zum Rand mit Eis, Würstchen, Pommes Frites und Hotdogbrötchen gefüllt.
Ein beinahe feierliches Gefühl ergriff uns als wir das metallene Klappschild mit der Aufschrift ‘geöffnet’ am Straßenrand aufstellten, das Wechselgeld in die Kassenlade zählten, die erste Packung Würstchen aufschnitten, die ersten Hotdogbrötchen in den Backofen schoben. Hieke füllte die Friteuse mit frischem Öl, stellte einige Bier- und Brauseflaschen in den verglasten Kühlschrank, arrangierte Süßigkeiten einladend in einem Regal neben dem Schiebefenster. Ich malte unterdessen in meiner besten Schönschrift Angebots- und Preisschilder und hängte sie im Fenster auf. Bald war alles bereit, uns fehlte nur noch eins: die Kunden. Die ließen allerdings auf sich warten, der gesamte Ort war wie ausgestorben.
“Es auch viel zu kalt für Anfang Mai”, murmelte ich und zog mir einen Wollpullover über. Hieke war dennoch guter Dinge:
“Keine Angst, wenn sich die gute Nachricht erstmal herumgesprochen hat, kriegen wir hier mehr als genug zu tun, du wirst sehen”, beruhigte sie mich. Blieb nur die Frage wie sich die Nachricht herumsprechen sollte wenn niemand da war der sie verbreiten konnte, doch das sagte ich nicht laut.
Hieke wollte mir so schnell wie möglich beibringen wie man einen echten dänischen Hotdog zubereitete und mit dem großen halbrunden Eislöffel perfekt runde Eiskugeln hinbekam, aber da wir die Resultate meiner Bemühungen selbst verspeisen mussten, gaben wir bald auf.
“Ich mach uns erstmal ne Tasse Kaffee”, meinte Hieke, doch einen Augenblick später schlug sie sich mit der flachen Hand an die Stirn. “Mist, ich hab die Kaffeefilter vergessen!”
“Aber ich hab welche dabei – in meiner Tasche.” Tatsächlich hatte ich so ziemlich alles an Küchen- und Badezimmerutensilien in meine Reisetasche gestopft, von dem ich annahm dass wir es eventuell irgendwann brauchen würden, denn auf Keddes überschwängliches Versprechen die Wohnung für uns herzurichten gab ich nicht viel. Dafür beschränkte sich meine Garderobe allerdings auf das Allernötigste und strapazierfähigste was ich an Jeans, T-Shirts und Pullis besaß.
“Jackie du bist ein Schatz!” Hieke warf mir einen Luftkuss zu bevor sie hinauslief um meine Tasche aus dem Auto zu holen.
Ich holte mir einen der wackeligen Stühle aus dem Lagerraum, machte es mir damit in einer Ecke gemütlich und schlug das grün eingebundene Kassenbuch auf, das wir soeben im Großhandel erworben hatten.
Robert hatte mich stets ausgelacht wenn ich hin und wieder interessehalber einen Blick in seine Geschäftsbücher warf, schließlich verstünde ich nicht das Geringste von Buchführung – warum sollte ich mir also den Kopf mit etwas zerbrechen das ohnehin über meinen Verstand hinausging? Tatsächlich jedoch hatte es mir beinahe Freude bereitet mich in die langen Zahlenreihen zu vertiefen. Jedes Mal wenn es mir gelungen war einen Zusammenhang, ein Muster zu erkennen, hatte ich eine innere Befriedigung, ein Gefühl des Triumphs verspürt als hätte ich soeben ein kompliziertes Puzzle gelöst. Innerhalb weniger Monate hatte ich mir selbst die Grundlagen der Buchhaltung beigebracht, und vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich eine tiefe Verbundenheit mit meiner Mutter gespürt als ich herausfand dass ich ihre Vorliebe für Zahlen und logische Reihenfolgen teilte, obwohl der Mathematikunterricht in der Schule mich nie zu fesseln vermocht hatte. Vielleicht waren wir im Grunde unseres Wesens doch nicht so verschieden wie ich immer geglaubt hatte. Sie war binnen weniger Jahre zur Geschäftsführerin einer Modeboutique in der Flensburger Innenstadt aufgestiegen, das Planen, Verwalten und Organisieren war ihr Element – und nun würde ich ebenfalls mein eigenes Geschäft führen das sogar meinen Namen trug. Eigentlich konnte ich Hieke für ihre Idee nur dankbar sein. Mit einem zufriedenen Lächeln nahm ich den kleinen Stapel Quittungen zur Hand, den Hieke achtlos auf die Theke geworfen hatte, und begann die Beträge der Reihe nach ins Kassenbuch einzutragen.
"Hej!"
Ich schrak zusammen. Vor dem Fenster stand ein Mann, den Ellenbogen lässig gegen die Holzwand gelehnt, und lächelte mich an. Er musste etwa in meinem Alter sein, vielleicht ein paar Jahre älter, groß, muskulös und ganz in schwarz gekleidet. Sein schulterlanges dunkles Haar war hinter dem Kopf zusammengebunden, und seine blauen Augen blitzten fröhlich.
"Hej", murmelte ich und ärgerte mich, weil ich schon wieder rot wurde.
"Ihr habt ja ganz schön aufgeräumt hier", sagte der Mann anerkennend. Er sprach mit einem leichten Einschlag von Sønderjysk und noch von etwas anderem, das ich nicht ganz einordnen konnte.
Ich wusste nicht recht, was ich ihm antworten sollte und beließ es bei einem "Mhmm."
"Wer ist eigentlich Jackie?” Ach ja, das Schild. Ich wappnete mich für eine längere Erklärung. Die Leute hier – Kedde und seine Freunde, die Dame beim Gewerbeamt, die Kassiererin im Großhandel - schienen meinen Namen seltsam zu finden.
"Ich bin Jackie."
"Ah, dann heißt du also Jaquelin?" Er sprach den Namen englisch aus, schien im Gegensatz zu den anderen nicht im Mindesten überrascht. Ich war erleichtert, hoffte nichts weiter sagen zu müssen.
„Kommt aber hier in Europa nicht so häufig vor der Name, oder?“
„Nein … in Dänemark nicht glaube ich.“
Ich hörte selbst dass mein dänisch recht unsicher klang, und auch meinem Gegenüber schien das bemerkt zu haben. Ohne zu Zögern wechselte er ins Deutsche.
"Wir können auch deutsch sprechen, das is okay für mir ... nein mich, oder?"
"Mich", berichtigte ich automatisch.
"Na jede Falls, sorry noch mal." Jetzt wo er deutsch sprach zweifelte ich nicht mehr daran dass er Amerikaner sein musste. Sein Akzent ließ der Deutschlehrerin in mir geradezu die Haare zu Berge stehen, doch seiner Selbstsicherheit tat das keinen Abbruch.
"Übrigens, ich heiße Deco. Mich ... mir gehört die Restaurant da drüben", mit einer lässigen Kopfbewegung deutete er in Richtung der "Strandperle".
"Also, auf gutes Nachbarschaft!" Ich kam mir reichlich albern dabei vor, diesem fremden Mann durch das Schiebefenster hindurch die Hand zu schütteln, aber es blieb mir wohl nichts anderes übrig, schließlich hatte er mir die Hand angeboten. Sein Händedruck war fest und überraschend warm. Auf seinem Handrücken sah ich die Linien einer Tätowierung, die sich wohl auf seinem Arm fortsetzte.
Als ich nichts sagte, sprach er weiter.
"Ich wünsch euch viel Glück - aber erwartet lieber nicht zu viel. Kedde hatte letzten Sommer nur ganz kurz geöffnet, er meinte es lohnt sich nicht."
Na wunderbar. Das war genau die Art von Aufmunterung, die ich jetzt gebrauchen konnte! Meine gute Laune hatte sich ebenso schnell wieder verflüchtigt wie die Sonne, die inzwischen vollkommen hinter einer bleigrauen Wolkenwand verschwunden war. Was um alles in der Welt machte ich hier eigentlich?
Der Mann namens Deco musste mir meinen Unmut deutlich angesehen haben, denn er beeilte sich zu versichern, dass wir uns selbstverständlich jederzeit an ihn wenden konnten wenn wir Hilfe benötigten. Dann drehte er sich um und ging seiner Wege.
"Hey, das war aber mal ein gut aussehendes Stück Mann. Hab ich ein Pech!" Ich hatte Hieke gar nicht hereinkommen hören. Das kühle Wetter schien ihrer Hochstimmung nichts anhaben zu können.
Fröhlich vor sich hin pfeifend setzte sie eine Kanne Kaffee auf.
"Hat der Typ was gekauft?" fragte sie dann.
"Hat er nicht, er hat sich nur vorgestellt." Ich gab unser Gespräch in groben Zügen wieder. Wie zu erwarten gewesen war, hatte Hieke für Decos Warnung nur ein verächtliches Schnauben übrig.
"Von wegen es lohnt sich nicht, ha! Der hat doch nur Angst um seinen Umsatz!"
Ich verkniff es mir sie darauf hinzuweisen dass jemand, der auf ein Drei-Gänge-Menü in einem Restaurant aus war, sich wohl kaum zu uns verirren würde um statt dessen ein Würstchen zu essen.
"Arroganter Schnösel! Der wird sich noch wundern!"
Ich hoffte wirklich dass Hieke Recht behalten würde, doch einstweilen sah es nicht danach aus.
Zwei Stunden später hatten wir immer noch nichts verkauft, wir froren wie die Schneider, und zu allem Überfluss hatte es auch noch angefangen zu regnen.
Das einzige Anzeichen menschlichen Lebens weit und breit waren vier Kanus, die still auf den Strand zu glitten. Bald sprangen einige mit Regensachen bekleidete Gestalten ins flache Wasser und zogen die Boote ans Ufer. Ich spürte wie mein Herzschlag sich unwillkürlich beschleunigte als ich die kleine Gruppe auf unseren Kiosk zukommen sah – unsere ersten Kunden.
”Siehst du, was hab ich gesagt?” Hieke grinste breit. Doch das siegessichere Lächeln wich bald aus ihrem Gesicht als klar wurde dass die Reisenden, die sich als Jugendgruppe aus Deutschland entpuppten, kein Interesse an Hotdogs oder Pommes Frites hatten. Trotzdem erlaubten wir den arg durchnässten jungen Leuten sich in unserem Lagerraum etwas aufzuwärmen und bekamen immerhin 25 Kronen für unsere Kanne frisch aufgebrühten Kaffee. Die Reisenden fragten nach einer Seekarte, die wir nicht hatten und Ansichtskarten der Umgebung die wir ebenfalls nicht hatten – Hieke schrieb ‘Ansichtskarten’ und ‘Briefmarken’ auf unsere Liste für den nächsten Einkauf. Wir verkauften noch zwei Marsriegel und ein paar Lakritzstangen, die Jugendlichen füllten ihre Feldflaschen mit Leitungswasser auf, und dann waren sie auch schon wieder verschwunden. Danach passierte lange Zeit überhaupt nichts mehr. Selbst Hieke machte inzwischen ein bekümmertes Gesicht und begann unruhig im Lager auf und ab zu marschieren. Wir waren denn auch beide sehr erleichtert als Jörg nach Feierabend vorbeikam – wie immer war bei Danfoss um 16 Uhr Schichtwechsel, und so tauchte kurz vor 5 sein roter Golf hinter der Strassenbiegung auf.
Jörg schien die Situation mit wenigen Blicken erfasst zu haben und sparte sich die Frage wie es denn so liefe. Wir waren ihm ausgesprochen dankbar. Beinahe schämte ich mich als er darauf bestand die 2 Hotdogs zu bezahlen die ich ihm zum Abendessen servierte. Bisher waren wir selbst unsere besten Kunden – würde das jetzt so weitergehen?
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