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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Tjorven Forum: Haus Siebenstein Forenbeschreibung: Die virtuelle Rehaklinik für gestresste und verunfallte Romanfiguren von Hobby-Schreiberlingen. aus dem Unterforum: Romane Antworten: 1 Forum gestartet am: Donnerstag 07.12.2006 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Löwenzahnkinder Letzte Antwort: vor 13 Jahren, 11 Monaten, 27 Tagen, 14 Stunden, 9 Minuten
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Re: Löwenzahnkinder
Tjorven - 31.03.2009, 17:25Löwenzahnkinder
Und hieran schreibe ich im Moment:
Löwenzahnkinder
Er erkennt sie auf den ersten Blick, wie sie dort auf der Bühne steht, sie wirkt zart und zerbrechlich, die langen, hellen Haare offen, der schwarze, bodenlange Rock umspielt ihre schlanke Gestalt. Sie trägt ihre Brille nicht mehr, vielleicht hat sie jetzt Kontaktlinsen.
Sunday is gloomy, my hours are slumberless
Klar wie Wassertropfen perlen die Töne durch den Raum, es müssen einige Dutzend Menschen sein, die hier dichtgedrängt stehen, und doch ist es so still, dass man eine Stecknadel zu Boden fallen hören könnte.
Dearest, the shadows I live with are numberless. Little white flowers will never awaken you. Not where the black coach of sorrow has taken you.
Nein, nicht Wassertropfen. Honig. Süss und schwer und weich wie Samt. Er hat keine Ahnung von Musik, aber selbst er hört, dass sie gut ist, wahnsinnig gut. Warum ist ihm eigentlich nie aufgefallen, dass sie so singen kann? Wie lange ist es jetzt her, dass er sie zum letzten Mal gesehen hat? Das war zum Abi-Ball, vor fünf Jahren muss es gewesen sein. Fünf Jahre, und doch erinnert er sich noch so genau als wäre es gestern gewesen.
Er hatte mehrere Wochen Anlauf gebraucht, bis er sich endlich traute, sie zu fragen, ob sie mit ihm den Eröffnungswalzer tanzen wollte. Sie sah ihn an, legte den Kopf ein wenig schief, wie sie es oft tat wenn sie mit Leuten sprach, die grösser waren als sie.
„Ja“, sagte sie. „Okay“, und lächelte.
Sie war ihm gegenüber nicht mehr so zurückhaltend wie früher. Er konnte sich jetzt gut mit ihr unterhalten, sie sprachen miteinander in einem lockeren, kameradschaftlichen Ton. Inzwischen hatte sie einen Freund, und er hatte andere Mädchen gehabt, das wusste sie. Sie waren Klassenkameraden, nichts weiter, er wollte nichts mehr von ihr – so glaubte sie jedenfalls, und er würde sie in dem Glauben lassen.
Der Abiball nahte heran, und er kam sich ziemlich dämlich vor, so mit Jackett und Bügelfaltenhose, das erste Mal in seinem Leben. Hoffentlich merkte sie nicht, wie nervös er war.
„Hey, ich hätte dich fast nicht erkannt! Steht dir, der Anzug.“
„Echt jetzt?“
„Ja, im Ernst. Sowas solltest du öfter tragen.“
„Danke. Du siehst aber auch gut aus.“ Was für eine Untertreibung! Sie war dezent geschminkt, hatte die Haare hochgesteckt und trug ein langes, weinrotes Kleid – erst jetzt fiel ihm auf, dass er sie noch nie in einem Kleid gesehen hatte. Er fand sie wunderschön.
„Naja. Man tut, was man kann. Nervös?“
Oh ja, und wie! „Mhm. Ich kann überhaupt nicht tanzen, echt nicht.“
Sie grinste. „Na dann sind wir ja schon zu zweit. Ach, wir mogeln uns halt irgendwie durch. So genau guckt eh keiner hin. Hauptsache wir legen uns nicht lang. Aber tritt mich bitte nicht, okay?“
„Werd mir Mühe geben. Wenn doch, darfst du zurücktreten.“
„Das ist’n faires Angebot.“ Sie hob grinsend den Stöckelschuh. „Vielleicht sind die hier ja doch zu was gut.“
Dann tanzten sie, und er wünschte, es könnte ewig dauern. Ihre Hand lag weich und kühl in seiner Rechten, unter den Fingern seiner linken Hand spürte er den samtigen Stoff ihres Kleides, er konnte ihr Parfüm riechen, das ihn an eine Sommerwiese erinnerte. Dann, plötzlich war es vorbei. Die Musik verstummte, die Paare zerstreuten sich. Es bereitete ihm fast körperlichen Schmerz, sie loszulassen. Irgendwie gelang es ihm das Gesicht zu einer Grimasse zu verziehen, die einem Lächeln glich.
„Vielen Dank für den Tanz, Madame.“
„Ich danke Ihnen, mein Herr.“ Ein schelmisches Augenzwinkern, dann war sie verschwunden. Sie sass mit ihren Eltern am Tisch, und der lange, schlaksige Junge dort musste ihr Bruder sein. Dieser schleimige Kerl, Marco, war nicht dabei, zum Glück. Jedesmal wenn er sah, wie der Typ besitzergreifend seinen Arm um sie legte, verspürte er das dringende Bedürfnis, mit der Faust auf diese grinsende Visage einzuschlagen.
Er selbst hatte niemanden mitgenommen. Er hatte ihnen nicht einmal davon erzählt, die Mutter wäre sonst beleidigt gewesen, dass er sie nicht mitnahm. Vielleicht merkten sie nicht einmal mehr, dass sie überall unangenehm auffielen, der Vater, der immer zuviel trank und dann ausfallend wurde, die Mutter mit ihren strähnigen Haaren und den Klamotten, die nie zusammenpassten, die Geschwister, die sich ständig lautstark stritten. Sie hätten ihn bis auf die Knochen blamiert. Sigrun, die grosse Schwester, hätte er gern mitgenommen. Er schämte sich sogar ein wenig, dass er es nicht getan hatte, sie war doch immer für ihn da, wenn er sie brauchte. Aber sie war schwanger, schon im siebten Monat, nicht zu übersehen. Da wären bestimmt dumme Kommentare gefallen, die warteten doch nur auf eine Gelegenheit, fielen gnadenlos über jede kleine Schwäche her.
„Guckt Euch den an. Ey Lehmann, wo haste’n den Anzug her? Geklaut oder aus der Kleiderkammer?“ Ruhig bleiben, ganz ruhig. Nur nicht reagieren.
„Seh ich richtig, hat der tatsächlich Gel in den Haaren?“
„Da musste dich verguckt haben. Wird Rotz sein.“
Ach leckt mich doch!
Er hatte alles richtig gemacht. Die Haare gestylt, guter Anzug, neue Schuhe, Aftershave. Heute, endlich einmal, gab es nichts an seiner Erscheinung auszusetzen. Er hatte sich noch nicht einmal beim Tanzen blamiert, und trotzdem liessen sie ihn nicht in Ruhe. Würde er jemals einfach nur wie alle anderen sein?
„Und die Matuschek hat tasächlich’n Kleid an. Von hinten sieht sie sogar fast aus wie’n Mensch.“
„Aber nur solange man ihre Brillenvisage nicht sieht.“
„Die und Lehmann sind doch echt das perfekte Paar.“
Er ballte die Fäuste in den Hosentaschen. Ein Glück, dass sie das nicht gehört hatte. Sie würden es nicht laut zu ihr sagen, nicht mehr. Auf ihre eigene, stille Weise hatte sie sich fast so etwas wie Respekt verschafft, sie liessen sie jetzt in Ruhe. Bald würde auch er alle los sein, er würde keinen einzigen von der ganzen Meute vermissen. Nur sie.
Sie schien sich prächtig zu amüsieren, tanzte mit ihrem Vater und dem Bruder, lachte laut, übermütig. Er hatte sie noch nie so ausgelassen erlebt. Wahrscheinlich war auch sie froh, dass die Schulzeit nun hinter ihr lag. Er beobachtete sie den ganzen Abend, wartete auf eine günstige Gelegenheit, um sie noch einmal zum Tanzen aufzufordern, doch jedesmal verliess ihn kurz vorher der Mut. Dann war sie auf einmal verschwunden, und er dachte schon, sie wäre gegangen. Aber nein, ihre Eltern waren noch da. Er fand sie draussen, sie stand neben der Tür, barfuss, die Schuhe in der Hand.
Er tat so, als wäre er überrascht, sie zu sehen.
„Ach, Myrna. Schnappst du auch frische Luft?“ Saublöde Frage. Fiel ihm nichts Besseres ein?
„Könnte man so nennen. Es sähe ziemlich blöd aus, wenn ich da drinnen die Schuhe ausziehen würde, also bin ich rausgegangen. Diese Dinger bringen mich noch um! Die schmeisse ich heute Abend ganz hinten in den Schrank, und dann ziehe ich sie nie wieder an!“
„Schade. Die stehen dir gut.“
„Du meinst also ich hab die Komplextreter nötig, ja?“
„So war das nicht gemeint.“
„Weiss ich doch. War nur’n Witz.“
Ihre Eltern kamen zur Tür heraus, und sie schlüpfte mit einem ergebenen Seufzer wieder in die Schuhe.
„Wir fahren jetzt.“ Schon? Er wollte etwas sagen, wollte sie fragen, ob sie nicht noch bleiben konnte, doch er brachte keinen Ton heraus.
„Also, mach’s gut, Ulf.“
„Mach’s gut, Myrna.“
Damals hatte er geglaubt, er würde sie vielleicht nie wieder sehen. Und nun steht sie dort auf der Bühne. Verflixt, was hat sie hier zu suchen?
Angels have no thought of ever returning you. Would they be angry, if I thought of joining you?
Gloo-omy Sunday.
Gloomy Sunday. Wenn er sich auf seine begrenzten Englischkenntnisse verlassen kann, heisst das ‚düsterer Sonntag’. Das trifft’s, aber genau ins Schwarze. Jeden Moment kann es losgehen, die Bullen werden den ganzen Laden auseinandernehmen, und was sie nicht schaffen werden Siegels Leute erledigen. Aber davon weiss sie natürlich nichts. Verdammt, was will er eigentlich hier? Was hat er sich dabei gedacht hierher zu kommen obwohl er genau weiss dass es Ärger geben wird? Waren 2 Jahre auf Bewährung noch nicht genug? Versucht er nicht seit Monaten Siegel und Konsorten aus dem Weg zu gehen? Aber da ist noch Björn, der voll auf Siegels Masche reinfällt. Und er muss einfach versuchen zu verhindern, dass sein kleiner Bruder in demselben Schlamassel landet, aus dem er selbst sich gerade mühsam zu befreien versucht. Doch wie um alles in der Welt soll er das anstellen? Ihm bleibt nicht viel Zeit zum Überlegen. Das Lied ist beendet, die Zuhörer klatschen und johlen. Er könnte sich jetzt zur Bühne vor kämpfen, versuchen den Leuten die Situation zu erklären, aber wie?
„Hallo, zufällig weiss ich dass hier gleich ne Polizeirazzia stattfindet, und die Nazis wissen das auch. Die wollen die Gelegenheit nutzen und hier ordentlich auf den Putz hauen, also bleibt lieber alle schön ruhig dann passiert euch schon nix. Ach ja, und … wer zufällig ein paar Gramm Hasch oder so dabeihat, der sollte jetzt den Zeitpunkt wahrnehmen um möglichst unauffällig zu verschwinden.“ Ha, ha. Keine Chance, Lehmann. Und dann ist es zu spät. Plötzlich durchdringen fremde, feindselige Geräusche den Applaus: Das Poltern von schweren Stiefeln, laute, raue Stimmen.
„Polizei, das ist eine Drogenkontrolle! Niemand verlässt diesen Raum!“ Es scheint ein ganzes Geschwader zu sein in voller Montur, Helme und Schilde, erhobene Schlagstöcke. Mensch, was glauben die denn wo sie hier sind, in Afghanistan? Das hier geht ins Auge, das spürt er sofort. Die Stimmung ist zum Zerreissen gespannt, auf einmal brüllt jemand: „Scheiss-Bullen! Verpisst euch!“ Zustimmendes Gejohle, Pfiffe, eine kleine Seitentür wird aufgestossen. Bewegung kommt in die Menge, Leute drängen auf den rettenden Ausgang zu, ignorieren das warnende: „Stehen bleiben!“ der Polizisten. Und dann ist nur noch Chaos: Schrille Schreie und heiseres Gebrüll, Schieben und Gedränge, die Geräusche von splitterndem Glas und berstendem Holz.
Auf der Bühne stehen die Musiker immer noch wie erstarrt. Warum zum Henker sehen die nicht zu dass sie nach draussen kommen? Schubsend und stossend drängt sich Ulf nach vorn, klettert auf die Bühne und packt Myrna am Arm. "Mensch macht dass ihr rauskommt, schnell!" Schon macht Myrna Anstalten, Ulf in Richtung Tür zu folgen, doch dann hält sie inne. Der Pianist hat sich einen Mikrofonständer geschnappt, schwingt ihn wie eine Lanze und brüllt: "Ihr Scheissbullen, kommt her wenn ihr Dresche haben wollt, na los!"
"Mitch, nein!" schreit Myrna und greift verzweifelt nach dem Pullover ihres Bandkollegen. Ohne zu zögern packt Ulf den schlaksigen jungen Mann mit den schwarz gefärbten Haaren am Kragen und hält ihn fest. "Ey Mann, spinnst du?! Willst du unbedingt im Knast landen? Kommt endlich!"
In diesem Moment dreht sich der junge Pianist um, und Ulf spürt wie ihm das Blut aus dem Gesicht weicht. Michael Matuschek. Myrnas Bruder. Das letzte Mal, als er dieses Gesicht gesehen hat, krümmte der Junge sich vor Schmerzen am Boden, während er, Ulf, wie von Sinnen auf ihn einschlug.
"Ey, was glotzt du so?" Ulf war gar nicht bewusst gewesen, dass er den Jungen angestarrt hatte. Er hatte sich nur gefragt, woher er dieses Gesicht kannte. Aber er würde sich keine Blösse geben vor diesem Jungen im Arbeitsanzug, der im Stadtpark das Papier auflas.
"Geht dich nen Dreck an, du Assi", knurrte er als Antwort.
Michael hasste diesen Job. Er hasste das frühe Aufstehen, die Schufterei in der prallen Sonne, die abfällgen Blicke der Passanten. In deren Augen waren sie der Abschaum, standen höchstens ganz kurz über den Pennern auf der Parkbank, denen sie die leeren Schnapsflaschen wegräumten. Aber Michael brauchte das Geld, und an eine andere Arbeit war jetzt zur Ferienzeit einfach nicht heranzukommen - sämtliche Schüler und Studenten der Stadt rissen sich doch förmlich um die wenigen freien Teilzeitjobs. Seine Kollegen hatten ihm schon so oft zugeredet die dummen Anmachen einfach zu ignorieren, und er hatte es weiss Gott versucht, aber es ging einfach nicht. Er konnte das nicht.
"Wer is hier'n Assi?" rief er hinter dem anderen Jungen her, der schon Anstalten machte mit seinen Kumpels weiter zu gehen. "Guck dich doch an, du kleiner Ghetto-Popper. Kommst dir wohl ganz cool vor, wie? I’m the King of the Plattenbau. Oh Mann, da lachen ja die Hühner ..." Weiter kam er nicht.
Ulf spürte wie das Blut in seinen Ohren zu rauschen begann. Es war alles wieder da, derselbe Schmerz, dieselbe Scham, die Ohnmacht die er nie wieder spüren wollte. Eine Flut von Erinnerungen stürzte auf ihn ein: "Assi!", "Drecksau!", "Penner!" Ihre Beschimpfungen, ihre Demütigungen, die herablassenden Blicke, die höhnisch verzogenen Gesichter. Er hatte so oft versucht sich zu wehren, doch sie waren immer zu viele gewesen, immer zu stark.
Aber nicht jetzt. Diesmal war er der Stärkere. Er würde dieses verächtliche Grinsen ein für alle Mal auslöschen, es ausradieren aus diesem Gesicht das ihm so merkwürdig vertraut erschien.
Ulf kam erst wieder zu sich, als die Männer ihn von dem am Boden liegenden Jungen wegzerrten. Wie von weit her hörte er ihre Stimmen: "Loslassen ... Rowdys ... am hellichten Tag ... Polizei holen ..."
Ulf wand sich, schlug und trat um sich, die sollten ihn loslasen, die hatten ja keine Ahnung, er wollte ...
"Ey Ulf, jetzt komm. Lass ihn, der hat genug abgekriegt. Komm, wir hauen ab bevor die alten Knacker noch die Bullen holen." Der Respekt, der in den Stimmen der Jungs mitschwang, brachte Ulf schliesslich zur Ruhe. Er hatte es diesem kleinen Scheisser gezeigt. Er hatte sich endlich gewehrt.
Der Junge lag immer noch am Boden, seine Lippen waren geschwollen und aufgeplatzt und aus seiner Nase rann Blut. Als Ulf in seine schreckgeweiteten Augen blickte, wusste er pötzlich woher er dieses Gesicht kannte. Es war ihr Gesicht.
"Ach übrigens: schönen Gruss an deine Schwester, Matuschek", sagte er kalt, dann wandte er sich um und ging davon.
Danach hatte er sich wochenlang kaum aus der Wohnung getraut, sich ständig über die Schulter geschaut,war jede Nacht schweissgebadet aufgewacht. Jedesmal wenn ein Streifenwagen verüberfuhr hatte ihn die nackte Panik gepackt. Doch es war nichts geschehen. Was sollte auch passieren, versuchte er sich selbst zu beruhigen. Selbst wenn Matuschek Anzeige erstattete, niemand kannte ihn, die würden ihn nicht finden.
Die Jungs behandelten ihn seit jenem Nachmittag mit einer gewissen Achtung. Er war jetzt nicht mehr nur der etwas seltsame Bücherwurm, der sich mit Computern und Technik auskannte und deshalb ganz nützlich war. Er war jemand mit dem man sich besser nicht anlegte. Sogar Siegel schien beeindruckt zu sein, riet ihm im Fitness-Studio noch ein wenig zu trainieren, dann könne er in die Kassierer-Brigade aufgenommen werden. Kassierer, so nannte Siegel die Leute die er losschickte um Geld für ihn einzutreiben und säumige Schuldner zur Räson zu bringen. Ein dreckiger Job, aber gut bezahlt. Ulf fand Siegels gönnerhafte Anerkennug Ekel erregend, das Schulterklopfen, das wohl väterlich wirken sollte, verursachte ihm Brechreiz. Dieser ganze Kerl war ein Kotzbrocken, aber Ulf braucht das Geld. Manchmal packte ihn die Übelkeit wenn er sich selbst im Spiegel sah. Dann wieder versuchte er sich einzureden er könnte stolz sein auf seinen neuen Ruf, die Leute hatten Respekt vor ihm, wenn er wollte konnte er ihnen Angst einjagen. Was kümmerten ihn ihre Sorgen? Hatte sich jemals irgendwer um ihn geschert? Wer dumm genug war sich von einem Kerl wie Siegel Geld zu borgen, der war doch im Grunde selber schuld. Er, Ulf, hatte es endlich allen gezeigt, und dieser Matuschek, sagte er sich, der hatte doch nur bekommen was er verdiente. Er hatte Michael Matuschek seitdem nie wieder gesehen - bis heute.
Hat Matuschek ihn erkannt? Ihm bleibt keine Zeit darüber nachzugrübeln. Langsam arbeiten sie sich in Richtung Hinterausgang vor, er versucht Myrna so gut es geht gegen die Stösse der Menge abzuschirmen. Dann, endlich, stehen sie auf der Strasse.
„Zecken raus! Zecken raus!“ Das sind sie, Siegels Meute, genau im richtigen Moment um das Chaos perfekt zu machen. Jetzt können die Polizisten ihre Kampfausrüstung wirklich gebrauchen, haben alle Hände voll damit zu tun die beiden Gruppen gegeneinander abzuschirmen. So unauffällig wie möglich hält Ulf nach seinem Bruder Ausschau. Es ist schwer in der Menge der schwarz- und armeegrün gekleideten, vermummten Gestalten eine einzelne Person auszumachen. Doch dann sieht er ihn, glaubt die Bomberjacke mit dem White-Pride-Aufnäher zu erkennen, die ein paar Nummern zu gross um die schmale Gestalt herumschlackert. Björn Lehmann, wie immer in der allerersten Reihe, begierig darauf am Brennpunkt des Geschehens zu sein - mehr als einen Kopf kleiner als die meisten seiner Kumpane, aber mindestens genauso entschlossen. Gerade hat er einen Stein aus dem holperigen Pflaster des Fussweges gerissen. Bevor er jedoch dazu kommt den Stein als Wurfgeschoss zu benutzen, gelingt es Ulf ihn an der Kapuze seines Pullovers zu packen und zurück zu reissen. Björn lässt den Stein fallen und dreht sich um. „Was … was machst du denn hier?“
„Erklär ich dir später“, knurrt Ulf. „Komm mit.“ Ohne Umschweife zerrt er seinen Bruder am Arm hinter sich her.
„Ey Alter, was soll der Scheiss? Woher weißt du überhaupt dass wir hier …“
„Ich war zufällig zu Hause als du dem Alten davon erzählt hast, erinnerst du dich?“ Ulf kann sich ein ironisches Lächeln nicht verkneifen. „Wenn man an einer ´geheimen Operation’- oder wie auch immer ihr das nennt - teilnehmen soll, prahlt man normalerweise nicht vor seinem Vater damit. Wahrscheinlich wissen sogar die Nachbarn bescheid, so lautstark wie ihr diskutiert habt. Wenn ich du wäre, würd ich dem ollen Schmidt von nebenan morgen ne Flasche Klaren vorbeibringen damit er dich nicht verpfeift.“
Inzwischen hat Björn sich von seiner Überraschung erholt und wehrt sich heftig, doch Ulf hat nicht umsonst jahrelang fast jeden Tag im Fitness-Studio trainiert. Ohne besondere Mühe gelingt es ihm seinen Bruder hinter die Hausecke zu ziehen, stemmt sich mit seinem ganzen Gewicht gegen ihn und drückt ihn an die Wand.
„Und jetz hälst du dich da raus, verstanden?“ keucht er. „Oder willst du unbedingt in den Knast?“
„Du hast mir überhaupt nichts zu sagen!“ Noch immer kämpft Björn verbissen gegen ihn an. Irre was für eine Kraft in diesem Fliegengewicht steckt, aber so war es eigentlich schon immer: Wenn den kleinen Björn die Wut packte, war er nicht zu halten. Dann wurde er gefährlich, für seine Gegner aber vor allem für sich selbst.
„Hör … mir … endlich … zu, verdammt!“ Ziemlich unsanft stösst Ulf Björn gegen die Mauer, packt ihn am Kragen und schüttelt ihn.
„Du naiver kleiner Idiot, kapierst du denn überhaupt nichts? Nimmst die ganze Nazi-Rassenscheisse für bare Münze, die Siegel euch erzählt, dabei glaubt er da garantiert nicht mal selber dran. Der benutzt euch doch nur. Der Club hier ist ihm ein Dorn im Auge weil er Angst hat die könnten seinem eigenen Laden das Wasser abgraben, deshalb muss er platt gemacht werden. Ihm geht’s um die Macht und ums Geld, nur darum. Alles andere ist Mittel zum Zweck. Ein diskreter anonymer Hinweis an die Bullen von wegen Drogenhandel – würde mich nicht wundern wenn er selbst vorher dafür gesorgt hätte dass sie auch was finden werden. Eine flammende patriotische Rede an seine treue Kampftruppe über das rote Krebsgeschwür das beseitigt werden muss – schon erledigen andere die Drecksarbeit für ihn während er im Hintergrund die Fäden zieht und sich ins Fäustchen lacht. So läuft das. Und wenn einige von euch im heldenhaften Kampf ein paar Zähne und Knochen einbüssen oder im Kittchen landen – tragische Sache, sehr bedauerlich, aber so etwas passiert nun mal. Wo gehobelt wird, fallen Späne Glaub doch nicht dass Siegel auch nur einen Finger krumm machen würde um euch aus dem Schlamassel zu holen!“ Ulf hat sich immer mehr in Fahrt geredet, spuckt die letzten Sätze aus wie bittere Galle. Björn starrt ihn an. Dann nickt er langsam.
„So ist das also. Ich hab’s zuerst nicht glauben wollen, aber der Chef hatte recht: Du bist sauer weil du dich hast erwischen lassen und ein paar lächerliche Stunden gemeinnützige Arbeit leisten musstest, und jetzt fällst du dem Chef in den Rücken. Nach allem was er für dich getan hat …“
„Was er für mich getan hat? Was ER für MICH getan hat?“ Beinahe glaubt Ulf an seiner Wut ersticken zu müssen.
„Was hat er denn schon für mich getan, was?“ schreit er. „Benutzt hat er mich, wie er euch alle benutzt, wirft euch ein paar Almosen zu, abgenagte Knochen die von seinem Tisch abfallen. Und dafür kriecht ihr ihm in den Hintern. Ihr habt nichts kapiert, gar nichts!“ Am liebsten würde mit der Faust ein bisschen Grips in den kahlgeschorenen Schädel seines Bruders dreschen, aber es hat ja doch keinen Zweck. So beherrscht er sich einigermassen, und der Stoss den er Björn vor die Brust verpasst, fällt nicht allzu kräftig aus. Doch er trifft den Bruder unvorbereitet, lässt ihn stolpern und mit dem Hinterkopf gegen die Hausecke knallen. Das hat er nicht gewollt, er ist drauf und dran sich zu entschuldigen, aber Blick, der ihn aus Björns Augen trifft, ist so voller Hass dass er zurückschreckt.
„Verräter!“ Björn spuckt verächtlich aufs Pflaster. „Feiger Verräter! Aber du wirst schon noch sehen was der Chef mit Leuten wie dir macht. Du bist fertig, Alter. Genauso fertig wie dieser verdreckte Zeckenstall!“
Wie zur Bestätigung klirrt irgendwo eine Fensterscheibe. Ulf schaut um die Ecke, sieht den flackernden Widerschein einer Flamme hinter der zerborstenen Scheibe – ein Molotow-Cocktail hat sein Ziel gefunden. Der Lärm der Menschenmenge schwillt an: Jubelsalven auf der einen Seite, Wut und Entsetzen auf der anderen, dazwischen die scharfen Kommandorufe der Polizisten.
„Siehst du! Und das ist erst der Anfang!“ Das triumphierende Leuchten in Björns Augen ist fast noch unheimlicher als der brennende Cocktail.
„Du bist ja krank, Mann.“ Ulf starrt seinem Bruder hinterher wie vom Donner gerührt. Völlig abgedreht, der Kerl. Ein schriller Aufschrei reisst ihn aus seinen Gedanken.
Myrna! Das Flackern der Flammen hinter der kaputten Scheibe ist stärker geworden, irgendwas da drinnen scheint Feuer gefangen zu haben.
„Unsere Bibliothek, und die Druckerei!“ Aus den Augenwinkeln nimmt Ulf die Bewegung wahr, reagiert instinktiv. Er bekommt Myrna, die Anstalten macht auf das brennende Gebäude zuzustürmen, am Ärmel zu fassen und hält sie fest, ihr Bruder kommt ihm zu Hilfe und packt ihren anderen Arm. Doch wie zuvor Björn will Myrna sich nicht aufhalten lassen, wie von Sinnen schlägt sie um sich. Da nimmt Ulf sie von vorn bei den Schultern und rüttelt sie leicht, beugt sich zu ihr hinunter und zwingt sie ihm in die Augen zu sehen.
„Du kannst da jetzt nicht wieder rein, hörst du? Du kannst nicht.“ Eindringlich redet er auf sie ein, wiederholt den einen Satz, wieder und wieder. Einige Sekunden lang ringt sie stumm und verbissen mit ihm, dann erlahmt ihr Widerstand. Vor seinen Augen bricht sie wimmernd zusammen.
„Unsere Druckerpresse, unsere Plakate! Unsere Bücher! Wir haben Jahre gebraucht um das alles zusammen zu tragen, Jahre verstehst du? Und jetzt? Alles kaputt. Wie sollen wir das je wieder aufbauen?“ Schluchzend birgt sie den Kopf an seiner Brust, er streicht ihr unbeholfen übers Haar. Das ganze kommt ihm unwirklich vor wie ein Traum. Tatsächlich hat er jahrelang von Situationen wie dieser geträumt, hat sich in seiner Fantasie Dutzende von Gefahren ausgemalt aus denen er sie erretten könnte – und jetzt steht er hier, beobachtet sich selbst wie von aussen, während er ihr den Rücken tätschelt, tröstende Worte murmelt und sich verzweifelt wünscht er könnte irgendetwas tun um ihr zu helfen. Gleichzeitig ist er sich ihrer Nähe beinahe schmerzlich bewusst, spürt ein Ziehen in den Lenden das ihm nur allzu vertraut ist. Verdammt, doch nicht ausgerechnet jetzt! Er beisst die Zähne zusammen, zwingt sich an Siegels aufgeblasene Visage zu denken, das hilft tatsächlich ein wenig.
„Danke Ulf,“ sagt sie leise, hebt den Kopf, und schaut ihn ein wenig verlegen an, ihre Wangen sind noch feucht und in ihren Augenwinkeln schimmern Tränen. Diese Augen. Er weiss noch genau wie sie aussehen, goldbraun wie Bernstein durch den Sonnenlicht schimmert mit ein paar grünen Pünktchen darin, umgeben von langen schwarzen Wimpern. Seine Mutter hat einmal eine Kette mit einem Bernsteinanhänger besessen, das einzige Schmuckstück das er je bei ihr gesehen hat. Als Kind liebte er es zu beobachten wie sich das Licht in dem blank geschliffenen Stein spiegelte. Irgendwann war die Kette fort gewesen, er erfuhr nie was mit ihr passiert war, doch ihre Augen erinnerten ihn immer wieder daran. In einem schnulzigen Liebesfilm würde er sich jetzt zu ihr hinunterbeugen und sie küssen. Stattdessen murmelt er etwas Unverbindliches und senkt den Blick. Eine Weile spricht keiner von ihnen. Michael Matuschek hockte in sich zusammen gesunken auf dem Bordstein, überall um sie herum standen kleine Grüppchen von Menschen beisammen, starrten finster und schweigend zur gegenüberliegenden Strassenseite, wo die Flammen jetzt aus den fensterlosen Scheiben im Erdgeschoss leckten und die Fassade mit Russ schwärzten. Ein paar der Brandstifter schienen verhaftet worden zu sein, Ulf kann ihre halb vermummten Gesichter hinter den Scheiben des Polizeiwagens ausmachen. Björn ist nicht darunter, offenbar hat er zusammen mit dem Rest seiner Kumpane rechtzeitig den Rückzug angetreten. Hinter der Häuserzeile geht die Sonne unter, färbt den Himmel rot als stünde auch er in Flammen. Es ist beinahe gespenstisch still, doch dann durchschneiden Feuerwehrsirenen schrill und scharf die Stille, gleich darauf naht ein Löschwagen heran.
Michael Matuschek erhebt sich umständlich, schlägt fröstelnd den Kragen seiner schwarzen Cordjacke hoch, zieht sich die Kapuze seines Pullovers über und trottet los.
„Wo willst du hin“, fragt Myrna leise.
Er zuckt die Schultern. „Weiss nicht. Weg.“
„Ich komm mit.“
Ulf folgt den beiden schweigend. Eigentlich könnte er jetzt nach Hause gehen, was will er denn noch hier? Doch seine Beine bewegen sich wie von selbst, folgen ihr instinktiv wie sie es immer getan haben. Auch einige andere haben sich ihnen angeschlossen. Niemand spricht, niemand scheint genau zu wissen wohin sie eigentlich gehen, schliesslich landen sie ein paar Strassen weiter in Basims Dönerlokal.
„Schlimme Sache, schlimmes Sache“, murmelt Basim und wiegt den Kopf. Es scheint niemanden zu wundern dass er schon bescheid weiss. Schlechte Nachrichten haben ihre eigene Dynamik, scheinen sich quasi von selbst zu verbreiten wie Ringe auf dem Wasser wenn man einen Stein hineinwirft. Der geschäftige kleine Mann serviert heissen Apfeltee, den niemand bestellt hat, doch seine Gäste nehmen die Gläser dankbar an und trinken schweigend. Wieder ist es Michael Matuschek der als Erster aufsteht. „Wieviel kriegst du“, fragt er, doch Basim hebt abwehrend die Hände
„Nichts, nichts. Auf das Haus.“
„Danke“, sagt Michael, streicht sich müde eine Haarsträhne aus der Stirn, holt eine Packung billigen Tabak aus der Hosentasche und dreht sich eine dünne Zigarette. Dann gehen sie.
Ulf folgt ihnen noch immer, kommt sich dabei mehr als nur ein wenig fehl am Platz vor. Die anderen wundern sich sicher was er eigentlich bei ihnen zu suchen hat – oder vielleicht auch nicht. Wahrscheinlich sind sie alle viel zu erschüttert um sich über irgendetwas zu wundern.
Die Löscharbeiten am Klubhaus scheinen beendet zu sein, die Polizisten haben mit der Spurensicherung begonnen. Rot-weisses Absperrband knistert leise im Abendwind. Myrna und ihr Bruder klettern unter dem Band hindurch und gehen und Haus. Nach kurzem Zögern folgt Ulf ihnen auch dorthin, kommt sich ziemlich dämlich dabei vor und tut es trotzdem. Vielleicht bemerken ihn die anderen nicht einmal. Scharfer Rauchgeruch kratzt ihm im Hals, doch abgesehen von ein paar Russspuren im Erdgeschoss scheint das Treppenhaus unversehrt zu sein. Auf dem Weg hinauf in den ersten Stock kommt ihnen ein Polizist entgegen.
„Habt ihr das Absperrband an der Tür nicht gesehen? Was glaubt ihr wozu das da hängt?“ fragt er, klingt dabei wie ein Lehrer der mit ein paar begriffsstutzigen Erstklässlern spricht. „Ihr könnt hier nicht rein.“
„Jetzt hör mal zu, du …“ braust Michael Matuschek auf, beherrscht sich dann aber, als seine Schwester ihm warnend eine Hand auf die Schulter legt. „Zufälligerweise wohne ich hier! Vielleicht lasst ihr mich wenigstens ein paar Sachen aus meinem Zimmer holen, oder habt ihr Angst dass ich Kokain in der Zahnpastatube rausschmuggle?“
Der Polizist verzieht keine Miene. „Tut mir leid, ich kann euch nicht durchlassen. Die Durchsuchung kann noch ein paar Stunden dauern, bis wir fertig sind kommt hier niemand rein.“
Weiter oben im Treppenhaus sind Stimmen zu hören, und dann führen zwei Polizisten einen Jugendlichen in Handschellen an Michael und den anderen vorbei. Mit gesenktem Kopf schlurft der blasse Junge zwischen den beiden Polizeibeamten dahin, hebt kurz den Kopf als er an Michael vorbeigeht und murmelt: „Tut mir leid, Mitch!“
„Mensch Steve, du verdammter Blödmann!“ knurrt der Angesprochene. „Das hat uns jetzt gerade noch gefehlt! … Halt die Ohren steif, Alter“, fügt er in etwas versöhnlicherem Ton hinzu, klopf dem Jungen namens Steve aufmunternd auf die Schulter.
„Tja, das war’s dann wohl. Das können wir vergessen. Wahrscheinlich glauben sie wirklich ich könnte Koks in der Zahnpastatube rausschmuggeln, jetzt nachdem sie in Steves Bude waren.“ Mürrisch trottet Michael die Treppe wieder hinunter, Myrna hinterdrein, und Ulf bleibt nichts anderes übrig als wieder hinter ihnen her zu dackeln wie ein zu gross geratener Schosshund.
„Du wusstest das Steve kokst?“ fragt Myrna vorsichtig.
Michael schnaubt verächtlich. „Klar. Was glaubst du denn warum ihn alle Staubsauger-Steve nennen?“ Vielsagend tippt er sich mit dem Zeigefinger an den Nasenflügel. „Bestimmt nicht weil er so gerne saubermacht. Wahrscheinlich lag der Blödmann völlig zugedröhnt in seinem Bett und hat von allem nix mitgekriegt bis die Bullen seine Tür eingetreten haben. Der kann von Glück sagen dass das Feuer sich nicht ausgebreitet hat, er hätte glatt draufgehen können dabei.“
An der Tür begegnen sie einem zierlichen, schwarz gekleideten Mädchen und einem Jungen mit Dreadlocks.
„Es hat keinen Zweck, die lassen keinen durch“, sagt Michael.
„Mhhm, dachte ich mir.“ Das Mädchen seufzt leise. „Ich hab gesehen wie sie Staubsauger mitgenommen haben. Glaubst du sie haben was gefunden bei ihm?“
„’Türlich haben sie was gefunden“, antwortet Michael bitter. „Dieser Idiot! Eine Sache ist wenn einer ab und zu mal nen Joint durchzieht, aber was der Kerl sich geleistet hat war ja echt nicht mehr normal. Der hat sich ja schon morgens die Kante gegeben damit er überhaupt ins Laufen kam. Wir hätten den Typen längst raussetzen und das Zimmer an jemand anderen vermieten sollen, aber dazu isses jetz zu spät. Selbst wenn die Bullen nur’n paar Gramm bei ihm gefunden haben, werden sie einen Wirbel drum machen wäre ihnen Al Capone ins Netz gegangen. Wär schliesslich nicht gut für’s Image wenn sie nichts gefunden hätten, oder? Bei dem Wahnsinnsmanöver was sie veranstaltet haben. Aber jetzt sind sie aus dem Schneider, und wir stehen wieder mal da wie der letzte Abschaum. Herzlichen Dank, Steve!“ Wütend tritt Myrnas Bruder gegen eine leere Bierdose, die scheppernd über die Strasse rollt. „Ich hab jedenfalls keinen Bock hier blöd rumzustehen bis sich die Bullen bequemen mich in mein Zimmer zu lassen. Ich penn bei meinem Vater. Wollt ihr mitkommen? Wir können euch ein paar Schlafsäcke hinlegen.“
„Glaubst du nicht dass dein Vater was dagegen hat wenn wir so einfach bei ihm reinplatzen?“ fragt das Mädchen vorsichtig.
„Naja, begeistert sein wird er nicht“, räumt Myrna ein. „Aber er wird’s schon verkraften. Das ist schliesslich ein Notfall.“
„Der Alte soll sich nicht so haben“, knurrt Michael. „Kommt.“
„Ich bin mit dem Rad. Also, wir sehen uns gleich.“ Während Myrna auf ein Fahrrad zugeht, das ein paar Häuser entfernt an einem schmiedeeisernen Zaun lehnt, hat Michael das Auto aufgeschlossen das ihm offenbar gehört, ein kleines, uraltes Ding dessen Marke Ulf nicht erkennen kann, wahrscheinlich irgendwas japanisches. Der quietschblaue Lack leuchtet geradezu in der Dämmerung, und an der Kofferraumklappe prangen zahlreiche Aufkleber, Ulf kann einen gelben ‚Atomkraft Nein Danke!’ Sticker ausmachen, daneben ein ‚Good night, white Pride’ und noch einige andere, die er nicht genau erkennen kann. Ein Schild mit der Aufschrift ‚Betreten auf eigene Gefahr, Eltern haften für ihre Kinder’ an der Heckscheibe vervollständigt das kunterbunte Bild. Die drei Jugendlichen haben sich in das Auto gezwängt, beinahe wundert es Ulf dass Michael es tatsächlich gelingt seine langen Beine unterzubringen ohne mit den Knien ans Lenkrad zu stossen. Mit einer Art schwindsüchtigem Röcheln springt der Motor an, und schon ist das kleine blaue Vehikel hinter der Kurve verschwunden. Myrna dagegen steht immer noch über ihr Fahrrad gebeugt, sie scheint Probleme mit dem Schloss zu haben. Betont lässig, so als sei er rein zufällig in diese Richtung unterwegs, schlendert Ulf auf sie zu. Das Fahrrad kennt er, das hatte sie schon zu Schulzeiten, ein riesiges, uraltes Modell der Marke Diamant, sorgfältig grün angestrichen.
„Probleme?“ fragt Ulf.
„Mhm“, antwortet Myrna ohne aufzusehen. „Ich krieg … das … verflixte … Schloss … nicht … auf. Dieses Ding treibt mich noch zum Wahnsinn!“
„Darf ich mal sehen?“
Sie richtet sich auf, streicht sich mit einer ungeduldigen Handbewegung die langen Haare aus dem Gesicht und sieht ihn an, einen Augenblick lang glaubt er Überraschung in ihren Augen zu lesen, hatte sie ihn tatsächlich vergessen? Ein kleines, beinahe entschuldigendes Lächeln, dann reicht ihm den Fahrradschlüssel. Für einen winzigen Moment berühren ihre Fingerspitzen die seinen, er widersteht dem Impuls ihre Hand festzuhalten.
„Du hast den Schlüssel verbogen“, sagt er, versucht vorsichtig den kleinen Schlüssel wieder in Form zu bringen ohne dass er dabei zerbricht.
„Hier, versuch’s jetzt noch mal.“ Beinahe hofft er dass es nicht funktioniert, doch das Schloss lässt sich problemlos öffnen.
„Danke. Was täte ich bloss ohne dich.“ Wieder lächelt sie.
„Nix zu danken.“ Wenn er sich nicht sofort etwas einfallen lässt, wird sie wegfahren, wer weiss wann er sie dann wieder sieht. Das ist wohl kaum der richtige Zeitpunkt um sie nach ihrer Telefonnummer zu fragen oder zum Essen einzuladen, aber irgendwas muss ihm doch einfallen …
„Schade um euer Klubhaus“, sagt er schliesslich. Er bedauert es sofort, sie sieht aus als würde sie gleich wieder anfangen zu weinen.
„Ja“, sagt sie leise. „Ich kann noch gar nicht fassen was passiert ist. Morgen früh werde ich aufwachen und hoffen ich hätte alles nur geträumt. Wahrscheinlich werde ich fast daran glauben … bis ich dann wieder hier stehe und es mit eigenen Augen sehe. Wir werden uns sicher morgen zum Aufräume treffen, über alles reden und irgendwie … irgendwie wird es dann hoffentlich weitergehen.“ Sie seufzt.
„Äh… übrigens … du singst echt toll“, sagt er, muss beinahe rufen denn sie sitzt schon auf ihrem Fahrrad, gerade eben wollte sie losfahren.
„Danke!“ ruft sie zurück, auf ihrem schmalen, ernsten Gesicht ist plötzlich die Sonne aufgegangen.
Er steht noch lange und sieht ihr hinterher, muss sich schliesslich zwingen aufzubrechen. Im Gehen wirft er noch einen Blick zurück auf das Klubhaus, im trüben Licht der Strassenlaterne machen die scheibenlosen Fenster schon jetzt einen trostlosen Eindruck. Wie oft ist er hier vorbei gegangen, hat selten einen Gedanken an das Haus verschwendet, obwohl es sich mit seiner ungestrichenen, graffitibesprühten Fassade deutlich von den sorgfältig restaurierten, in dezenten Pastellfarben gehaltenen Nachbarhäusern abhebt, ein trotziges Stiefkind der Stadt unter Musterknaben, doch wo viele der hübschen, modern eingerichteten Wohnungen leer stehen, herrschte im alternativen Jugendclub immer reges Leben. Die Jugendlichen hatten sich ihr Recht erkämpfen müssen. Lange hatte das Haus leergestanden, war langsam verfallen seit sich der alte Eigentümer noch vor der Wende in den Westen abgesetzt hatte. Viele der Anwohner hätten es gern gesehen wenn das Haus abgerissen worden wäre, doch dazu sei man von Seiten der Stadt nicht ermächtigt, hiess es. Als eine Gruppe junger Leute das Haus besetzt hatte, ging es zunächst hoch her: lautstarke Proteste auf der einen Seite, Sympathiebekundungen auf der anderen, wütende Leserbriefe in der Lokalzeitung, Unterschriftenaktionen dafür und dagegen. Monatelanges Tauziehen mit der Stadt folgte, bevor die Jungendlichen schliesslich bleiben durften, sie hatten einen Trägerverein gegründet, das Haus in Eigenarbeit teilweise saniert, Klubräume, eine Bar und eine kleine Bibliothek eingerichtet, WG-Zimmer, die vermietet wurden. In einer der ehemaligen Erdgeschosswohnungen hatte sich sogar ein russischer Feinkostladen niedergelassen. Man hatte sich an das etwas chaotisch anmutende, ab und zu ein wenig laute Haus gewöhnt. Im Grunde scheinen diese jungen Leute ja harmlos zu sein, irgendwo müssen sie schliesslich hin, man toleriert sie.
Dass Siegel auf die Idee kam das Haus kurzerhand nieder zu brennen, überrascht Ulf allerdings nicht. Dem Mann war der neue Jugendclub von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen, beinahe sah er ihn als persönliche Beleidigung an. Immerhin gibt es ganz in der Nähe schon einen anderen Jugendclub –seinen Jugendclub. Hier erntet er frustrierte Jugendliche wie reife Früchte, handsortiert. Er schürt ihre Unzufriedenheit, lässt sie auf Sparflamme köcheln um sie schliesslich im richtigen Moment zum Sieden zu bringen und zu destillieren wie einen exquisiten Likör, das Elixier seiner Macht. Ulf hat der Mann immer an eine fette Spinne erinnert, die im Zentrum ihres Netzes hockt, sich von seinen vielen fleissigen Helfern Informationen und Dienstleistungen zutragen lässt – er weiss seine Leute zu entlohnen, weiss genau was jeder einzelne von ihnen sich wünscht, womit er sie umgarnen und noch fester an sich binden kann. Käuflich ist jeder, es ist alles nur eine Frage des richtigen Preises. Auch Ulf war eine leichte Beute, damals. Ein einsamer, enttäuschter junger Mann, dessen hochfliegende Karriereträume schon nach dem ersten Semester des Ingenieursstudiums gescheitert waren. Er hatte die Zivildienst-Stelle im Jugendclub bekommen. Als Zivi bei Siegel zur gemeinnützigen, sozialen Arbeit, das ist eigentlich zum Totlachen wenn es nicht so verdammt traurig wäre - aber mit den richtigen Beziehungen lief anscheinend auch das. Siegel hatte schnell gemerkt dass er Ulf mit seiner rechten Masche nicht zu kommen brauchte, das Gerede von Ehre und Vaterland, auf das Björn und viele andere so abfuhren, liess ihn kalt. Doch der süsse Geschmack der Anerkennung hatte berauschender auf ihn gewirkt als jede Droge. Er erinnert sich noch genau an die verblüfften Gesichter der anderen Jungs als er zum ersten Mal einen streikenden Computer in null Komma nichts wieder zum Laufen brachte. Schnell war er vom Mädchen für alles zum Tüftel-Experten aufgestiegen, er wartete die Computer, programmierte die Musikanlage und reparierte alles was so anfiel. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er das Gefühl, respektiert zu werden. Doch Siegel hatte auch seine anderen Qualitäten erkannt und auszunutzen gewusst: den von heimlichem Neid durchsetzten Hass es Ghettojungen auf die besser gestellten, die Reichen, die bittere Unzufriedenheit des Intelligenten, der nie die Chance bekommen hatte die er zu verdienen glaubte und schliesslich den schlummernden Zorn, der sich in unbändiger Raserei die Bahn brach als er, der ewige Verlierer, endlich begann sich zu wehren, wild um sich biss wie ein Hund der einmal zu oft getreten worden war. Die ganze Zeit hatte er sich lenken lassen, das wusste er jetzt, war williges Werkzeug gewesen für einen Mann der ihm von Anfang an unsympathisch gewesen war. Ich krieche nicht, ich tue nur was ich selbst will – ha, von wegen! Er hatte sich etwas vorgemacht.
Er hat die Plattenbausiedlung erreicht, beschleunigt ganz automatisch die Schritte, schaut sich immer wieder nach allen Seiten um. Er ist angespannt, wachsam. Eigentlich hatte er in eine andere Stadt ziehen wollen um von Siegel und seinen Leuten wegzukommen, oder wenigstens in einen anderen Teil der Stadt – doch dann war er doch wieder hier gelandet, nur wenige Strassenzüge entfernt von seinen Eltern. Ich gehe weg, das sagt er sich immer wieder, ich muss weggehen, das hier ist nur eine Notlösung, kurzzeitig, bis ich etwas anderes gefunden habe. Und er bleibt, liest Wohnungsannoncen, antwortet auf keine davon, geht zur Arbeit, zeigt sich sonst so wenig wie möglich auf der Strasse, verrät seinen Eltern und Geschwistern seine Adresse nicht, und wenn er von Weitem einen alten Bekannten sieht, macht er einen grossen Bogen um ihn. Ulf, der Wolf – der einsame Wolf im alten Jagdrevier, folgt der Fährte seines ehemaligen Rudels ohne sich zu erkennen zu geben, auf Abstand bedacht. Die Wachsamkeit ist ihm zur zweiten Natur geworden.
Doch heute Abend fällt es ihm schwer sich zu konzentrieren. Immer wieder muss er an sie denken. Es ist unglaublich dass sie noch immer diese Macht über ihn hat, nach so langer Zeit. Sie zieht ihn an wie der Norden die Kompassnadel, und er kann nicht anders als ihr zu folgen. „Wir sehen uns gleich“, hat sie zu ihrem Bruder gesagt. Heisst das dass sie noch immer bei ihren Eltern wohnt? Er kann das kleine Reihenhaus deutlich vor seinem inneren Auge sehen.
Seit er im Klassenbuch ihre Adresse gelesen hatte, ging er häufig dort vorbei, obwohl es ein beträchtlicher Umweg war. Jedes Mal nahm er sich vor zu klingeln, hatte sich alles ganz genau überlegt. Er würde Myrna um Hilfe bei den Hausaufgaben bitten, er sei sowieso gerade in der Gegend gewesen und da hätte er gedacht er könne ja mal bei ihr vorbeigehen und sie fragen … etwas in der Art, am besten für englisch oder deutsch. Wörter machten ihm Probleme, sie wollten ihm einfach nie im richtigen Moment einfallen, und beim Aufsatzschreiben sass er meistens nur da, starrte aufs leere Papier, zermarterte sich vergeblich das Hirn und kratzte schliesslich in den letzten Minuten schnell irgendetwas hin. Mathematik, Physik, Chemie - das war etwas ganz anderes, etwas zum Anfassen, da wusste man woran man war. Sprachen dagegen … Myrna war gut in Sprachen. Die Wörter flogen ihr zu und sie brachte sie zum Klingen. Sie sprach nicht oft, aber wenn sie es tat war es wie Musik. Er hätte ihr stundenlang einfach nur zuhören können. Doch er brachte es nie über sich an ihrer Haustür zu klingeln, jedesmal verliess ihn kurz vorher der Mut. Er würde garantiert rot werden, zu stammeln anfangen. Sie würde nett zu ihm sein – natürlich. Sie war immer nett. Trotzdem würde er sich wünschen vor Scham im Boden zu versinken. Ihre Eltern würden ihn merkwürdig ansehen. Wie sollten Leute, die in hübschen Reihenhäusern wohnten, jemanden wie ihn auch sonst ansehen? Er wurde oft merkwürdig angesehen, und meistens war es ihm egal. Die konnten ihn alle mal! Aber einen abschätzenden Blick aus den Augen ihres Vaters oder ihrer Mutter, die Vorstellung wie sie über ihn reden würden wenn er gegangen war … ‚Wer war denn dieser komische Junge eben?’ Das hätte er nicht ertragen. Also kehrte er unverrichteter Dinge wieder um, jedes Mal. Ab und zu konnte er ihre Stimme im Hof hören, erhaschte einen kurzen Blick auf sie hinter dem Gartenzaun. Dann begann sein Herz wie wild zu klopfen, er drehte sich auf dem Absatz um und rannte bis zur nächsten Strassenecke.
Er ist schon angekommen, heute scheint der Weg kürzer als sonst. Sein Zuhause, Ring der Chemiearbeiter 7, ein grauer Betonblock inmitten anderer grauer Betonblöcke. Ring der Chemiearbeiter, Strasse der Stahlwerker, Strasse der Bauarbeiter – alle Strassen hier heissen so ähnlich, auch jetzt noch. Eine kleine Einraumwohnung im Erdgeschoss links gehört ihm, mit winziger, dunkler Küche und noch winzigerem Bad, aber für ihn reicht’s allemal.. Wie immer schaut er sich noch einmal nach allen Seiten um bevor er das Haus betritt, niemand scheint ihm gefolgt zu sein, es ist alles in Ordnung. Das Licht im Treppenhaus hat schon als er einzog nicht funktioniert, wahrscheinlich müsste nur mal eine Leuchtstoffröhre gewechselt werden, aber niemand tut es. Es riecht nach schalem Zigarettenrauch und gekochtem Kohl, bei den Russlanddeutschen im zweiten Stock wird fast immer Kohl gekocht.
In der Wohnung angekommen lässt er sich auf die Couch fallen, die ihm gleichzeitig als Bett dient, schaltet den Fernseher ein und zappt ein bisschen durch die Kanäle. Er schaut nicht wirklich hin, ist in Gedanken immer noch bei ihr, ruft sich wieder und wieder ihr Gesicht ins Gedächtnis, ihre Augen, ihr Lächeln. Heute Abend hat sie auf einer Bühne vor Dutzenden von begeisterten Leuten gestanden, und das wahrscheinlich nicht zum ersten Mal, doch ihr Lächeln ist immer noch das selbe wie damals, schüchtern und unsicher, so als wolle es sagen: ‚Sicher habt ihr was besseres erwartet, aber hier bin nur ich, tut mir leid. Vielleicht mögt ihr mich ja trotzdem ein bisschen, wenn ich mir Mühe gebe.“
Dieses Lächeln war ihm damals als allererstes aufgefallen, er erinnert sich noch genau. Es war der erste Schultag, ein ganzes Klassenzimmer voller erwartungsfroher Gesichter, manche klammerten sich auch ein wenig ängstlich an die Händen ihrer Eltern – und dann sie. Ein schmales, zierliches Mädchen mit einer dicken Brille und dichtem, aschblondem Haar in einem Pferdeschwanz. Sie stand da mitten in dem überfüllten, lauten Raum als wäre sie allein, dann hob sie den Kopf, sah die Lehrerin an und lächelte zaghaft, beinahe so als müsse sie sich entschuldigen. Sie trug keine Pionierkleidung, nur das blaue Halstuch über einer einfachen weissen Bluse. Das fehlende Pionierabzeichen an der Brust wäre vielleicht nicht einmal jemandem aufgefallen, doch ihr hellblauer Faltenrock hob sich deutlich von dem einheitlichen Dunkelblau der 24 anderen Hosen und Röcke ab. Ulf hatte nicht einmal ein ganz normales weisses Hemd, und für diesen Pionier-Schwachsinn wurde jedenfalls kein Geld zum Fenster hinausgeworfen, hatte der Vater geschimpft und zur Bekräftigung seiner Worte so heftig mit der Faust auf den Tisch gehauen, dass das Geschirr im Küchenschrank klirrte und die Mutter erschrocken zusammenfuhr. Ulf bereute es dass es dumm genug gewesen war zu fragen. Es war sowieso kein Geld da. Mit einem traurigen Seufzer hatte die Mutter die viel zu langen Ärmel von Sigrids abgetragenem hellblauen Pullover über Ulfs Handgelenken hochgekrempelt, ihm das blaue Dreickstuch um den Hals gebunden, war noch einmal mit den Fingern durch seinen widerspenstigen dunklen Haarschopf gefahren, weil sie den Kamm nicht finden konnte und hatte ihm die Schultasche gereicht der man ansah, dass sie ebenfalls nicht neu war. Er würde unangenehm auffallen, aber daran war er schon gewöhnt. Die missbilligenden Blicke von Erwachsenen liess er abprallen wie ein Hund, der Wassertropfen aus seinem Fell schüttelt. Es machte ihm auch nichts aus dass er hier an diese Schule im Waldviertel musste wo er keinen kannte. Eigentlich hätte er auf die Schule im Neubaugebiet gehen sollen, nur eine Strasse weiter, genau wie seine Schwester und die anderen Kinder aus der Nachbarschaft, aber dann war etwas schief gegangen. Irgendetwas von zu wenigen Plätzen und zu vielen Kindern hatte die Mutter gemurmelt, dabei aber so schuldbewusst drein geschaut dass Ulf gewusst hatte: Sie hatte sich wieder einmal nicht rechtzeitig angestellt. Das passierte ihr oft. Man musste sich fast überall anstellen: beim Bäcker, beim Fleischer oder im Konsument-Warenhaus wenn eine Lieferung eingetroffen war. Wenn man zu spät kam, waren das frische Brot, der Schinken oder die anderen guten Sachen schon ausverkauft und man musste mit dem vorlieb nehmen was übrig blieb. Dass es ihm nun mit der Schule genauso ging, wunderte Ulf im Grunde nicht. Den Blick der Mutter, der ihn anflehte ihr doch bitte nicht böse zu sein, hatte er mit einem Achselzucken beantwortet. Er würde schon klarkommen. Der weitere Weg störte ihn nicht, er lief gern. Von der Schule versprach er sich ohnehin nicht viel, sie schien eine jener unangenehmen Sachen zu sein um die man nicht herum kam und die man daher am besten ohne grossen Widerstand über sich ergehen liess.
Er beobachtete das Mädchen mit der Brille mit einer gewissen Neugier, sie hatte den Kopf gesenkt, doch hinter den dicken Brillengläsern huschte ihr Blick unstet hin und her. Auch wegen diesem Blick hatte er vom ersten Moment an eine seltsame Verbundenheit mit ihr gespürt. Genau wie er schien auch sie bereits gelernt zu haben dass man auf der Hut sein musste, vermied es anderen in die Augen zu sehen als fürchte sie sich vor dem was sie vielleicht in ihren Gesichtern lesen würde. Ihr Blick blieb an einer hoch gewachsenen, blonden Frau hängen, und ein Ruck ging durch ihre schmächtige Gestalt. „Steh gerade!“ Ulf hörte die Worte beinahe so deutlich als hätte die Frau sie tatsächlich ausgesprochen, doch das hatte sie nicht, es war gar nicht nötig. Das Mädchen musste den Satz so oft gehört haben dass sie instinktiv reagierte. Das kannte er auch: „Steh gerade!“, „Sitz gerade!“, „Sieh mich gefälligst an wenn ich mit dir rede!“, „Lümmle nicht so herum!“ Vaters Befehle waren wie Pfeile aus dem Hinterhalt, unerwartet und scharf, man konnte nie so recht wissen was er als nächstes sagen oder tun würde. Deshalb ging man ihm am besten aus dem Weg. Heute zur Einschulung war er nicht mitgekommen, und das war Ulf ganz recht so. Nur die Mutter sah traurig aus, wie sie dort – ein wenig abseits von den anderen Eltern – stand und nichts rechtes mit sich anzufangen wusste
Die Lehrerin klatschte in die Hände um sich Gehör zu verschaffen: „Setzt euch bitte, jeder sucht sich einen Platz“, sagte sie. Füsse scharrten, Stühle wurden hin und her gerückt als 26 Kinder versuchten ihrer Aufforderung nachzukommen. Ulf steuerte auf den leeren Platz neben dem Mädchen mit der Brille zu, schnallte den Schulranzen ab und setzte sich. Das Mädchen sah nicht auf, starrte angestrengt hinunter auf die zerkratzte Tischplatte als gäbe es dort etwas besonders interessantes zu sehen.
„Hallo“, sagte er. „Ich heisse Ulf, und du?“
„Myrna.“ Zum ersten Mal schaute sie ihn an, er sah in diese unglaublichen goldbraunen Augen und grinste übers ganze Gesicht, er konnte nicht anders. Auch sie lächelte jetzt, dieses scheue kleine Lächeln.
Er hatte es oft gesehen im Laufe der Jahre. Immer hatte er dafür gesorgt einen Platz in ihrer Nähe zu ergattern, zuerst neben ihr, später schräg hinter ihr auf der anderen Seite des Mittelganges, hatte verstohlen beobachtet wie sie sich, in eine Aufgabe vertieft, über ihr Heft beugte oder nachdenklich an einem Bleistift kaute. Sie kaute immer an ihren Stiften, eine jener kleinen, lustigen Angewohnheiten die er an ihr mochte: wie sie beim Nachdenken die Stirn kraus zog, wie sie, wenn sie sich langweilte, kleine Labyrinthe aus ineinander verschlungenen Linien auf ihr Löschpapier malte oder eine Haarsträhne aus ihrem Pferdeschwanz zog und um den Finger wickelte. Er kannte sie so gut.
Mit einem Ruck fährt er hoch, er muss eingeschlafen sein, der Fernseher läuft noch. Sein Körper glüht, die schweissnassen Klamotten kleben an seiner Haut, das Bettzeug ist zerwühlt. Er hat von ihr geträumt, ärgert sich ein wenig darüber. Was ist nur mit ihm los, er ist doch verdammt noch mal kein liebeskranker Teenager mehr! Über ihm laute, wütende Stimmen, eine Tür knallt. Klingt nach einem Ehekrach, wieder Mal Bartel heissen die Leute oder Bertel, er kann das Schild neben der Klingel nicht genau entziffern. Ab und zu begegnet ihm die Frau im Treppenhaus, nickt ihm im Vorbeigehen zu. Blass ist sie und schmal, strähniges Haar und dieser stumpfe, müde Blick den hier viele haben. Wie seine Mutter.
Er schläft auch den Rest der Nacht schlecht, wälzt sich unruhig hin und her und träumt wirres Zeug: Mal ist er wieder in der Schule, läuft durch ein riesiges, labyrinthartiges Gebäude und kann den Klassenraum nicht finden, weiss dass ihn alle auslachen werden wenn er zu spät kommt. Dann wieder folgt er Myrna durch eine dicht gedrängte Menschenmenge, will sie vor irgendetwas warnen, kann sie aber nicht erreichen, immer wieder verschwindet sie aus seinem Blickfeld. Als das durchdringende Piepen seines Handys ihn schliesslich weckt, fühlt er sich wie zerschlagen, die Glieder schwer wie Blei. Ohne die Augen zu öffnen fummelt er nach dem Handy, stellt den Weckton aus und schleudert das Gerät zurück ins Regal. Noch eine Weile dreht er sich lustlos im Bett hin und her, als er schliesslich aufsteht ist er spät dran, schlüpft nur schnell in ein paar frische Klamotten, spritzt sich im Bad etwas Wasser ins Gesicht und schnappt sich im Hinausgehen noch schnell ein Stück kalte Pizza aus dem Kühlschrank. Draussen dämmert ein blasser Septembermorgen, die Strassen sind noch menschenleer. Ausser ihm ist um diese Zeit kaum ein Mensch unterwegs. Nur ein paar Betrunkene Jugendliche torkeln ihm entgegen, sind wohl auf dem Nachhauseweg von irgendeiner Party. Beinahe kommt er zu spät zum vereinbarten Treffpunkt, der Lieferwagen steht schon da, mit geübtem Griff öffnet er die Tür des Laderaums und lässt sich auf die Sitzbank fallen.
„Hast dir ja janz schön Zeit jelassen, Junge“, knurrt Old Shatterhand.
„Tut mir leid. Kommt nicht wieder vor.“
„Schon jut.“ brummt der Alte versöhnlich. Old Shatterhand ist ein echtes Original, auch wenn er auf den ersten Blick nicht viel hermacht: Ein dürrer Alter mit wirrem grauem Haar, ansonsten nichts als Knochen, Sehnen und Haut so zäh wie altes Leder. Es scheint als hätten die Stürme des Lebens im Laufe der Jahre alles Überflüssige von seiner Gestalt abgetragen. Doch sein Händedruck kann einem erwachsenen Mann die Finger zerquetschen. Das Gesicht gleicht einer Kraterlandschaft, aus der wie klare Gebirgsseen zwei blaue Augen hervorblitzen. Diese Augen sehen alles. Wer es nicht besser weiss, kann den alten Mann für langsam halten, vielleicht sogar ein bisschen schwer von Begriff. Er spricht wenig, bewegt sich mit Bedacht als wolle er auf jeden Fall vermeiden überflüssig Kraft zu vergeuden. Währenddessen huschen seine Augen wieselflink hin und her, beobachten, wägen ab. Wenn er einen anschaut, hat man das Gefühl er könne direkt in einen hinein sehen. Er verschafft sich Respekt – vielleicht ohne sich dessen selbst bewusst zu sein. Niemals hebt er die Stimme, doch wenn er spricht hören alle zu. Ein Blick, eine Geste, ein Brummen von ihm sagen mehr als so manche lange Rede.
Am Anfang konnte Ulf den Mann nicht ausstehen. Überhaupt hasste er sie Arbeit, die ihm als Strafe auferlegt worden war. Pflege der öffentlichen Grünanlagen – das war ja wohl das Allerletzte! Welch eine Ironie des Schicksals dass er jetzt in dem gleichen beschissenen Arbeitsoverall steckte und die gleichen beschissenen Zigarettenstummel auflas wie zwei Jahre zuvor der Junge den er zusammengeschlagen hatte, Myrnas Bruder. Wahrscheinlich arbeitete er sogar mit denselben Leuten zusammen, bloss gut dass die Sache schon so lange her war. Er konnte sich an keins der Gesichter erinnern, also würde ihn wohl auch keiner wieder erkennen – obwohl er sich bei dem Alten nicht ganz sicher war. Wie der immer guckte, da konnte es einem ganz anders werden. Überhaupt, für wen hielt sich der Kerl eigentlich, glaubte der vielleicht er hätte irgendwas zu melden? Old Shatterhand nannten ihn die anderen, das war ja wohl ein Witz, dieser vertrocknete Tattergreis! Ulf arbeitete absichtlich langsam und setzte eine gelangweilte Miene auf, hatte es weiss Gott nicht nötig sich bei dieser Drecksarbeit auch noch anzustrengen. Die konnten ihn mal, er war schliesslich nicht freiwillig hier. Bald hatten ihn die anderen als taube Nuss abgetan und liessen ihn links liegen, meistens stand er nur noch mit den Händen in den Hosentaschen irgendwo herum und wartete dass die Zeit verging, das wiederum wurmte ihn auch irgendwie. Er kam sich ziemlich bescheuert vor. Nur der Alte behielt ihn nach wie vor im Auge, musterte ihn ab und zu aus zusammengekniffenen Augen ohne jedoch dabei ein Wort zu verlieren. Ulf kam es vor als machte sich der Typ im Stillen über ihn lustig, und das ärgerte ihn noch mehr. Als Old Shatterhand ihn schliesslich ansprach, war Ulf so überrascht dass er beinahe zusammengezuckt wäre. „No?“ fragte der Alte gedehnt. „Du hast es wohl nich nödich, wie?“ Ulf glaubte leisen Spott in den Augen seines Gegenübers zu erkennen. „Oder kannst du nich?“ Setzte der alte Mann nach einer Weile hinzu, in einem Tonfall der nichts weiter verriet als höfliches Interesse. Das reichte. Ulf würde es ihm schon zeigen, diesem alten Knacker der sich bewegte als hätte er eine ganze Schachtel Schlaftabletten intus, den steckte er doch dreimal in die Tasche! Er griff zur Heckenschere und legte los dass die abgesäbelten Zweige nur so nach allen Seiten flogen. Innerhalb kürzester Zeit hatte er doppelt soviel geschafft wie der Alte. Nach einer Stunde strömte ihm der Schweiss aus allen Poren, krampfhaft hielt er die Heckenschere umklammert, seine Arme fühlten sich an als wollten sie jeden Moment abfallen.
Neben ihm arbeitete Old Shatterhand noch immer langsam und stetig, Schnitt für Schnitt, gleichmässig wie ein Uhrwerk. Schon längst wusste Ulf nicht mehr wie lange er gearbeitet hatte, nahm nichts mehr wahr ausser dem wogenden Grün der Hecke, seinem eigenen keuchenden Atem und dem Dröhnen des Motors, das ihm lebenswichtig geworden schien, das um keinen Preis aufhören durfte. Als Old Shatterhand ihm schliesslich die Hand auf die Schulter legte und den Motor der Heckenschere abstellte, war Ulf so erschöpft dass er am ganzen Körper zitterte, seine Finger schienen am Griff der Schere festgewachsen zu sein, der Alte musste sie ihm aus der Hand nehmen. Mit bebenden Fingern schob er sich die Schutzbrille in die Stirn, liess sich auf den Rasen sinken und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, hielt der Alte ihm seine Wasserflasche vors Gesicht.
„Durscht?“ fragte er.
Ulf nickte schwach, nahm die Flasche und trank sie in einem einzigen Zug leer. Er hätte auf der Stelle einschlafen können, hätte es wohl auch getan wenn Old Shatterhand ihn nicht am Kragen gepackt und in den Lieferwagen gehievt hätte. Als er wieder einigermassen zu sich kam, sass er auf dem grünen Sofa an Old Shatterhands Esstisch mit einer Tasse Kaffee vor der Nase, während ein zotteliges Monster namens Goldie den Kopf auf seine Knie legte und ihm die Hose vollsabberte. Geistesabwesen kraulte er das Riesenvieh hinter den Ohren. Offenbar war es Old Shatterhands einziger Mitbewohner in diesem riesigen alten Haus an jenem Ende der Stadt, das zum grössten Teil aus Gärten bestand: sorgfältig gepflegte Schrebergartenanlagen mit hübschen kleinen Gartenhäuschen, dazwischen einige halb verfallene alte Villen inmitten eufeuüberwucherter Wildnis. Er hatte nicht geglaubt dass in einer dieser Villen tatsächlich noch jemand wohnte. Old Shatterhands Haus war nicht ganz so verfallen wie die anderen, auch wenn der alte Mann von mehreren Dutzend Zimmern nur ein einziges bewohnte, das ihm gleichzeitig als Küche, Wohn- und Schlafzimmer diente. Der Rest war vollgestopft mit einem merkwürdigen Sammelsurium von alten Möbeln, Büchern, Bildern, Grammofonplatten, Uhren, Seekarten, Flaschenschiffen, seltsamen Holzfiguren und sonstigem Krimskrams. Beinahe wie ein Schatzsucher war sich Ulf vorgekommen als er in den staubigen, spinnenwebenverhangenen Räumen umherzustreifen begann. Seine Erschöpfung war vergessen, die Neugier geweckt.
Langsam war zwischen ihm und Old Shatterhand so etwas wie eine Freundschaft entstanden.
Unter anderem erfuhr er, dass der alte Mann in jüngeren Jahren Matrose gewesen und um die halbe Welt gereist war. Wenn er in Stimmung war, konnte er die unglaublichsten Geschichten erzählen, lies längst vergangene Erlebnisse lebendig werden als wären sie gestern geschehen, holte ohne jegliche Schwierigkeit Namen und Jahreszahlen aus seinem Gedächtnis hervor. Es schien als könnte er sich an jeden einzeln Menschen, jeden Ort, jedes einzelne Ereignis erinnern das Laufe seines langen Lebens irgendeine Rolle gespielt hatte. In seinem Gehirn musste es ungefähr so aussehen wie im Inneren seines Hauses, dachte Ulf: Riesengross, ein wenig staubig und zum Bersten vollgestopft mit Dingen die jedem anderen unwichtig erscheinen mussten. Für ihn selbst jedoch ergab alles einen Sinn.
Wahrscheinlich hatte Ulf es Old Shatterhand zu verdanken, dass er den Job behalten durfte, nachdem er seine gemeinnützigen Arbeitsstunden absolviert hatte.
„No, där Junge. In dem steckt jute Arbeit, ja.“ Etwas in der Art hatte der Alte wohl zum Chef gesagt, ein grosses Lob aus seinem Mund.
Ab und zu fragt Ulf sich ein wenig wehmütig was aus seinen ehrgeizigen Träumen geworden ist. Er wollte einmal Ingenieur werden, nun ist er damit zufrieden den Rasen im Stadtpark zu mähen und anderen Leuten den Dreck wegzuräumen. Aber immerhin, er hat feste Arbeit, als einziger aus seiner Familie, mal abgesehen von den Gelegenheitsjobs die seine jüngere Schwester ab und zu bekommt aber nie länger als ein paar Monate behält.
Heute fällt es ihm schwer sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Er fragt sich was sie jetzt wohl macht, Myrna. Ob sie Arbeit hat? Bestimmt. Oder sie studiert noch. Sie wird ihr Diplom bekommen, falls sie es nicht schon hat, da ist er sich sicher. Schon in der Grundschule hatte sie lauter Einsen, später schrieb sie das beste Abitur des Jahrgangs. Was sie wohl sagen würde wenn sie ihn jetzt sehen könnte? Auf einmal kommt er sich schäbig vor in seinem groben Schutzanzug mit der neonfarbenen Weste.
Lehmann, der Assi. „Wenn ihr euch nicht anstrengt, könnt ihr später nur Strassenkehrer oder Müllfahrer werden“, hatte die Lehrerin in der ersten Klasse gesagt. Er hatte sich angestrengt, aber es hatte nichts genützt. Einmal Assi, immer Assi. Er würde nie von hier wegkommen. Myrna würde irgendeinen Juristen oder Manager heiraten, in einem schicken Haus wohnen, in Berlin oder Hamburg vielleicht, BMW oder Audi fahren, und wenn er sie in 10, 15 Jahren zu einem Klassentreffen wieder sah, würde sie sich nicht einmal an ihn erinnern. Nein, wahrscheinlich würde er erst gar nicht zu dem Klassentreffen gehen, was soll er dort auch?
Missmutig harkt er Laub auf dem Rasen zusammen. Kratz-kratz, Raschel-raschel, das Geräusch geht ihm auf die Nerven. Nach dem heissen, trockenen Sommer beginnt das Laub in diesem Jahr früh von den Bäumen zu fallen, schon jetzt liegen überall welke Blätter herum, sie aufzulesen ist als wolle man das Meer mit einem Sieb leer schöpfen – aber wenigstens hat man zu tun. Heute ziehen sich trotzdem die Minuten in die Länge, beinahe scheint die Zeit still zu stehen. Old Shatterhand wirft Ulf einen seiner typischen, scharfen Blicke zu, kann wohl sehen dass ihn irgendetwas bedrückt, sagt aber nichts. Endlich Feierabend. Ulf beschliesst bei seinen Eltern vorbei zu schauen, er ist nicht mehr dort gewesen seit er den Rest seiner Sachen aus dem Kinderzimmer in seine kleine Wohnung geholt hat und vermisst eigentlich auch keinen, aber er weiss nicht was er sonst mit dem angebrochenen Tag anfangen soll. Er muss sich ablenken, irgendwie, muss aufhören herumzugrübeln, das hat ja doch keinen Zweck.
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