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Re: Reutlinger General-Anzeiger 27.09.08
saphira - 13.10.2008, 13:38Reutlinger General-Anzeiger 27.09.08
Mobbing in der Schule hat viele Gesichter: Sachen zerstören, jemanden beleidigen, hänseln oder sogar schlagen und treten. Einzelfälle? Oder ein Massenphänomen? Ein Versuch, Antworten darauf zu finden
Wenn die Schule zum Horror wird
VON BARBARA FORRO
»Ich wurde getreten, gekratzt und oft bestohlen«, schreibt die Schülerin »Dragonheart« in einem Internetforum. »Über mich wurden beleidigende Lieder getextet, die in den Gängen gesungen wurden, ich wurde beschimpft und als abnormal und gestört bezeichnet. Ich wurde bei den Lehrern angeschwärzt für Sachen, die ich nicht getan hatte. Es war unerträglich für mich.« Mobbing: Ein Phänomen, das schnell mit Streitereien oder Auseinandersetzungen verwechselt wird. Ein Phänomen, das sich auf unterschiedlichste Arten äußern kann, von psychischer bis hin zu physischer Gewalt. Ein Phänomen, das dennoch nur schwer fassbar ist, weil die Zahlen dazu weit auseinander klaffen.
Erkennen lässt sich Mobbing an vier Merkmalen: Es gibt ein Kräfteungleichgewicht, der Täter ist dem Opfer überlegen. Die Übergriffe müssen einmal pro Woche oder häufiger vorkommen und, drittens, zudem über Wochen oder Monate andauern. Das Opfer kann sich nicht allein aus der Situation befreien. Die Definition ist noch einigermaßen trennscharf. Die Angaben zu den Zahlen derer, die als Täter oder Opfer mit Mobbing zu tun haben, verschwimmen jedoch. 500 000 Schüler sollen in Deutschland wöchentlich gemobbt werden, bis zu 1,1 Millionen sollen es sein, wenn man Täter- und Opfergruppen zusammenzählt. Damit wäre etwa jeder achte Schüler früher oder später betroffen. »In jeder Klasse gibt es, meiner Erfahrung nach, etwa fünf bis zehn Schüler, die schon mal mit Mobbing zu tun hatten«, bestätigt Karl Höchner, Gewaltpräventionsberater am Regierungspräsidium (RP) Tübingen. »Diese Zahlen beziehen sich allerdings auf das gesamte Schulleben.«
Anders sehen das hingegen Carola Rieger und Hans Selinka. »Konkrete Daten zum Mobbing gibt es zwar nicht«, schränkt Hans Selinka, geschäftsführender Rektor der Reutlinger Gymnasien, ein. »Es sind aber vermutlich nur Einzelfälle. Auch wenn sicherlich einiges nicht an die Oberfläche kommt.« Wenn es ein massives Problem wäre, so Selinka, würde man sich unter Kollegen häufiger darüber austauschen. Auch Carola Rieger, geschäftsführende Rektorin der Reutlinger Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen, bestätigt: »Es werden nur einzelne Fälle bekannt.« Allerdings sind sich Höchner, Selinka und Rieger jedoch in einem Punkt einig: Die Lehrer bekommen zu wenig mit, vieles spielt sich nicht vor deren Augen ab.
Ein Bild, das andere Pädagogen aus Reutlinger und Tübinger Schulen bestätigen. »Als Lehrerin kriegt man die Hälfte bis Zweidrittel der Sachen nicht mit«, meint eine Gymnasiallehrerin. »Wenn wir Lehrer merken, was los ist, ist es oft schon sehr massiv oder zu spät«, ergänzt eine Realschullehrerin. Zudem verlagere sich das Mobbing: Weg vom Klassenzimmer, hin zu unbeaufsichtigten Ecken im Schulhof, auf den Schulweg und verstärkt ins Internet.
»Die Art des Mobbings hat einen anderen Charakter bekommen. Vieles läuft heute unter dem Stichwort Cyber-Mobbing«, sagt Dr. Michael Bleicher, psychologischer Schulberater des RP Tübingen. Oft stecke dahinter jedoch keine gezielte Absicht, »sondern Naivität und ein leichtfertiger Umgang mit den neuen Medien«. Ob Mobbing allgemein zugenommen hat, lasse sich nicht mit Bestimmtheit sagen, so Bleicher. »Vielleicht ist es gerade auch ein moderner Begriff für etwas, was es schon länger gibt«, vermutet er vorsichtig. »Früher hätte man gesagt: Es sind Konflikte, die im Schulleben auftreten. Heute wird das eher als Mobbing bezeichnet.« Die Sensibilität für das Thema habe zugenommen, »dadurch wird der Begriff aber teils inflationär verwendet.«
»Die Schwächsten wurden gnadenlos niedergemacht. Heute wüsste ich, wie man eine Diktatur führt«
Mode-Begriff hin oder her: Eine »Dunkelziffer an persönlichem Leiden«, wie es Bleicher formuliert, bleibt dennoch. »Daher ist eine Offenheit unter den Lehrern notwendig, dass die Lehrer auch zuzugeben: ›Ja, Mobbing gibt es bei mir.‹« Gerade dies sei jedoch oft nicht der Fall, wie ein Realschullehrer sagt. »Manchen ist es peinlich, dass sie versagen«, sagt er. »Stattdessen werkelt jeder für sich, anstatt gemeinsam dagegen vorzugehen.« Vieles werde zudem unter den Teppich gekehrt, stimmt eine Kollegin zu. »Kollegen beschwichtigen dann: ›Das ist halt so, die Schüler sind in der Pubertät, da kommt das vor‹«, so die Lehrerin.
Wenn Lehrer wegschauen, kann sich im Extremfall Mobbing aufbauen, das fast diktatorische Züge annimmt, wie »Mortimer« in einem Forum schildert. »Ich etablierte in unserer Klasse ein gnadenloses ›Prestige‹ und Beliebheitsdenken, in dem nur der zählte, der am beliebtesten war. Die Schwächsten wurden gnadenlos niedergemacht«, schreibt er. »Es war so schlimm, weil es im Gegensatz zu normalem Mobbing unheimlich organisiert war. Heute wüsste ich, wie man eine Diktatur führt. Die Lehrer unternahmen nichts, denn ich war ihr bester Schüler und die meisten von ihnen liebten mich.«
Verschließen die Lehrer die Augen vor den Problemen? Mitnichten. »Das Thema brennt unter den Nägeln«, weiß Gewaltpräventionsberater Karl Höchner. »Unsere Fortbildungsangebote dazu stoßen bei den Lehrern regelmäßig auf großes Interesse.« Auch Schulen bemühen sich, das Thema vorbeugend anzugehen. »Wir haben einen großen Bereich rund um Demokratieerziehung, wozu auch Klassenräte und Gewaltprävention gehören«, sagt etwa Rektorin Carola Rieger. Die Pädagogen gehen Mobbing auf unterschiedliche Weisen an. »Als leichte Tendenzen des Mobbens festzustellen waren, habe ich das Thema in meinen Unterricht integriert«, sagt eine Gymnasiallehrerin. »Ich versuche, mit meinen Schülern darüber zu reden«, ergänzt eine Realschullehrerin. »Manchmal kann aber genau das falsch sein. Es kommt auf den Einzelfall an.«
Ein Patentrezept gegen Mobbing gibt es nicht; ebenso wenig, wie es wirklich handfeste Angaben zur Zahl der Betroffenen gibt. Einzelfälle? Oder doch ein Massenphänomen? Eine gewisse Macht- und Hilflosigkeit im Umgang mit dem Thema bleibt. Welche verheerenden Folgen massives Mobbing jedoch haben kann, beschreibt die Schülerin »Nesti« auf einer Webseite. »Niemand wusste, was in mir vorging«, schreibt sie. »Bis ich irgendwann einfach schwieg. Für mich war es so, als würde ich dahin vegetieren. Eine leere Hülle, die Seele schon gestorben. Es war so, als wäre ich gar nicht da.« (GEA)
SELBST BETROFFEN?
Selbst schon gemobbt worden? Oder andere gemobbt? Oder als Lehrer damit konfrontiert worden? Wir suchen Betroffene aus der Region, die uns von ihren Mobbing-Erfahrungen erzählen. Die Mails behandeln wir selbstverständlich anonym.
magazin@gea.de
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