Revierkampf

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    Re: Revierkampf

    methu - 10.05.2009, 14:38

    Revierkampf
    Revierkampf

    “Wollt ihr mich veräppeln? Heißt das, die Miezenbande hat den ganzen Stoff für sich?”
    Max sprang mit einem gewaltigen Satz zu den drei Gestalten, die augenblicklich einen Schritt zurückwichen vor dem großen, wütenden Kater.
    “Nein Boss, äh, quasi doch ja, Boss.”
    “Wirklich, Du mußt uns nicht gleich so anfahren.”
    “Wir konnten rein gar nichts machen…”
    Der große Schwarze brachte die drei mit einem einzigen Pfotenhieb zum Schweigen. Seine Stimme war leise, aber schneidend als er sie anfauchte.
    “Das ist seit jeher mein Revier und ihr lebt unter meiner Führung in Saus und Braus. Ich erwarte einfach, dass ihr für mich kämpft!”
    Betretenes Schweigen. Die drei senkten ihre Köpfe, um ihrem Anführer nicht in die wütend funkelnden gelben Augen blicken zu müssen. Der verlor immer mehr an Beherrschung. Brüllte los:
    “Seid ihr überhaupt Männer? Ich habe langsam den Verdacht, ihr seid nur zu groß gewordene Pussys, die beim Anblick eines Wollknäuels feuchte Pfötchen bekommen und ihr Erbsenhirn ausschalten. Wollt ihr nun mit mir diese Weiberbande ausschalten oder euer restliches Leben mit dieser Schmach rumlaufen?”
    Ohne die drei eines weiteren Blickes zu würdigen, aber mit einer abwertenden Geste seiner Pfote entfernte Max sich. Aus dem alten Blumentopf, der seit Ewigkeiten als Lager für den Stoff galt, nahm er einen der letzten Reststengel. In einiger Entfernung hockte er sich hin und begann, auf der Katzenminze zu kauen. Äusserlich relaxt, entging seinem guten Gehör jedoch kein Fetzchen des hektischen Getuschels der drei armseligen Entschuldigungen für einen Kater.
    “Lillifee hat so tolle Schenkel, ich hatte doch mal was mit ihr. - Mein Dosenöffner hat gedroht, wenn ich noch mal vom Kampf zerrupft und blutend heim käme, wäre der Punkt erreicht an dem ich meine Cochonas loswürde.- Ich habe einfach nur Angst vor den Weibern. - Ja, Lilly hat alle Miezen der Gegend aufgewiegelt. Wo sind die Zeiten hin, als die Weiber nur Babies und Aussehen im Kopf hatten?
    Die Minze tat bei Max seine Wirkung. Stark fühlte er sich, übermächtig. Hoch aufgerichtet trat er nun vor seine Kumpane.
    ”Da ihr nicht Manns genug seid, bringe ich die Sache eben selbst zu einem Ende. Kommt mit und staunt, ihr Luschen.” Schnell lief er durch Gärten, überquerte die Straße und schlüpfte elegant durch die Zaunlücke zum Garten des Hauses, in welchem seit kurzer Zeit eben jene Lillifee wohnte. Nun wäre das nicht weiter erwähnenswert, Weiber an und für sich waren ja was Feines, besonders wenn sie heiß waren. Aber, in eben diesem Garten wuchs die Modedroge Nummer Eins, die leckerste Katzenminze- eben der beste Stoff weit und breit. Und bisher hatte er mit seinen Spießgesellen da die Pfoten drauf, das Monopol sozusagen. Und nun meint dieses cremefarbene, langfellige Stubenkätzchen, seine Pfründe einfach übernehmen zu können! Mit einem Klimpern ihrer großen grünen Augen, ein paar geschnurrten Worten und einer Schar weiblicher Groupies hatte sie allen den Kopf verdrehen können. Argh!, allen, außer ihm.
    Schnurstracks lief er zu dem Flecken im Garten mit den saftigsten Pflanzen, rupfte ein ordentliches Bündel aus. Gerade wollte er sich umdrehen, um seiner Gefolgschaft zu verklickern es ihm gleich zu tun, als der Schlag einer Krallenpfote von hinten seine Ohren zerfetze. Wütend fuhr er herum, bereit zu kämpfen, doch die Angreiferin hatte sich mit einem Satz auf das Geländer eines Balkons gerettet. Neben ihr tauchten wie aus dem Nichts weitere Katzen auf, alle signalisierten Kampfbereitschaft.
    Max, der schon auf dem Sprung war ihr zu folgen, wusste, da hätte er allein keine Chance. Ein kurzer Blick über seine Schulter zu seinen Kumpanen genügte ihm. Die saßen wie paralysiert, Schwänze eingeklemmt und machten keine Anstalten, ihm zur Hilfe zu eilen.
    In Max brodelte es. Zu gern würde er seine Zähne in ihr Genick schlagen, sie zerren und beuteln. Doch dazu musste er sie zu sich locken, zu einem Duell Mann gegen Mann, naja, gegen Frau. ‘Denke! Taktisches Geschick ist gefragt!’
    “Komm runter und lass es uns auskämpfen!” Erregt trippelte Max auf und ab.
    “Ach, weißt Du, ich denke nicht dran. Es ist mein Garten, meine Minze und Du und Deine kleinkriminelle Bande werden da nicht ändern können. Die Sahne ist geschleckt für euch. Und tschüß!” Demonstrativ gelangweilt leckte sich Lillifee eine Pfote, grinste breit zu ihm hinunter, dann ihre Gefährtinnen an, die nun beifällig nickten.
    Max verschlug es ob dieser Frechheit für einen Moment die Sprache. Als er sie wieder hatte, brüllte er:
    “Komm sofort, dann lass ich Dich leben, das ist und bleibt meine Minze!” Seine Stimme überschlug sich schon. Wut tanzte als rotes Feuer vor seinen Augen.
    “Oh, Du machst mir Angst. Aber ich will mal nicht so sein, wenn Du ganz lieb bitte, bitte machst, gebe ich Dir hin und wieder ein Hälmchen ab. Deal? Und nun sei brav und geh nach Hause.” Mit diesen Worten sprang Lillifee ins Innere und aus Max’ Blickfeld.
    “In allen Punkten abgelehnt. Nun geht’s Dir ans Fell!” Blind vor Wut sprang der Schwarze. Ein kalter Guss erwischte ihn und er plumpste zurück ins Gras. Er hörte wohl das Kichern von oben. Intensiv riechende Flüssigkeit brannte furchtbar in seinen Augen und auf der Nase. Reflexartig begann er sich zu putzen. Wieder und wieder feuchtete er seine Pfote mit frischem Speichel an, wischte das schmerzende Zeug aus seinen Augen. Das tat so weh! Und nun hatte er diesen widerlichen Geschmack auch noch im Maul. Tränen der Wut und des Schmerzes liefen über sein Gesicht. Er hockte sich nieder, fest an den Boden gepresst. Irgendetwas Unheimliches ging vor. Er hatte seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle. Er fühlte sich auf einmal so warm, so leicht an. ‘Waren das seine Geschwister, seine Mutter, die da im warmen Sonnenschein auf einer Wiese tollten? War es seine Mutter, die ihm einen Ball gab und ihn rief um unbeschwert zu spielen? Nur zu gerne folgte er ihrer Aufforderung. Mit dem Ball zwischen seinen Pfoten tollte er über die Wiese, tobte und kullerte wie ein Kleinkind. Alles um ihn her erschien zu verschwimmen, er purzelte und jonglierte den Ball unter dem lauten Gelächter seiner Geschwister bis er vollkommen ermüdet sich einfach zusammenrollte, um ein Katzennickerchen zu halten.’
    Eine Kopfnuß weckte ihn. Total verwirrt öffnete Max seine verquollenen Augen. Um ihn herum, wenn auch in sicherem Abstand, standen alle Katzen und auch seine Gefährten und lachten so herzhaft. Mühsam erhob sich der Schwarze, streckte sich, noch unsicher schwankend. ‘Hatte er was verpasst? Lachten die etwa über ihn?’ Er riss sich zusammen, nahm seine Kampfposition ein, bereit, zuzuschlagen.
    Lillifee grinste ihn an, warf ein Glasfläschlein in seine Richtung.
    “Das, mein Lieber, ist Baldrian. Das beste Zeug auf dem Markt, dagegen ist Katzenminze Pillepalle. Aber das wirst Du ja gemerkt haben. Niedlich übrigens, wie Du gespielt hast. Warst wohl ein süßer Jungkater. Was ist nur aus Dir geworden. Mir geht es nur um das Prinzip. Mein Garten, mein Dope. Schreib es Dir hinter Deine zerfetzten Ohren.”
    Max stand wie vom Donner gerührt. In seinem Hirn ratterte es. Alle um ihn herum lachten, machten ihn nach.
    Das tat weh. Verdammt sogar. Hier würde er keine Pfote mehr auf den Boden kriegen, denn sein Stolz und seine Ehre waren dahin.
    Er senkte seinen Kopf , setzte sich langsam in Bewegung. Nur mit Mühe zügelte er den gewaltigen Drang, heulend aus dem Garten zu rennen. Erst als er durch die Zaunlücke geschlüpft und nun den Blicken der anderen entkommen war, fiel er in eine schnellere Gangart.
    Er lief, bis ihn seine Pfoten nicht mehr tragen wollten. Er brauchte ein neues Revier weit weg. Morgen würde er sich darum kümmern.

    Ende

    © 2009



    Re: Revierkampf

    ElKroet - 02.07.2009, 09:52


    Deine Story hat alles, was Fun bringt, wie witzige Dialoge, ein ernsthaftes Thema locker eingebaut, sehr eigenwillige und doch typische Charaktere und den nötigen Drive.
    Ich habe herzhaft gelacht, natürlich auch deine Seitenhiebe auf das männliche Geschlecht mitbekommen.
    Eine schöne KG.



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