SÄKULARISMUS

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    Re: SÄKULARISMUS

    M.M.Hanel - 08.04.2009, 13:09

    SÄKULARISMUS
    Zitat: Sehr geehrter Hanel

    Nach einiger Zeit recherchieren kann ich mit einer konkreten Frage auf Sie zurück kommen:

    Der von mir besorgten Literatur entnehme ich hauptsächlich kritische Stellungnahmen von Vertretern des Islam gegenüber dem säkularen Staat. Einerseits heisst es, Säkularisierung sei im Islam nicht nötig und auch gar nich möglich wegen der umfassenden Geltung der Glaubensüberzeugung.
    Weiter wird der Säkularismus mit Wertverlust gleichgesetzt.
    Können Sie mir diesbezüglich Ihre Meinung mitteilen, oder allenfalls Literatur empfehlen, die zu diesem Thema Stellung nimmt und ihre Meinung oder auch die Ihrer Vereinigung wiedergibt?

    Für Ihre Hilfe und baldige Antwort bedanke ich mich im Voraus herzlich.

    Mit freundlichen Grüssen

    Nadine W.

    Sehr geehrte Frau W.

    Freut mich, dass Sie nach konkretem Studium der Bücher mit einigen Fragen auf mich/uns zukommen.
    Lassen Sie uns also die Definition des Begriffs Säkularismus betrachten, damit wir auch über das Gleiche sprechen.
    Zitat: Unter Säkularismus versteht man eine aus der Säkularisierung (mentaler Prozess der Trennung von Religion und Staat) und der Säkularisation (konkreter Prozess der Ablösung der weltlichen Macht religiöser Institutionen) erwachsene Weltanschauung, die sich auf die Immanenz und Verweltlichung der Gesellschaft beschränkt und auf darüber hinausgehende Fragen verzichtet. Der Begriff wurde von Friedrich Gogarten geprägt und unter anderem eingeführt, um eine Aussöhnung der christlichen Kirchen mit der Säkularisierung zu ermöglichen. Die kirchliche Seite betrachtet die dem Begriff des Säkularismus zugrunde liegende Weltanschauung meist als ideologisch - was Kritiker ihr wiederum als ebensolche Ideologie vorwerfen. (Wikipedia)

    Ich sehe bei dieser Definition ohnehin ein grundlegendes Problem, nämlich, dass RELIGION dem STAAT gegenübergestelt wird. Etwas unpassend.
    Denn richtiger wäre: Trennung von KIRCHE und STAAT (resp. RELIGION und POLITIK).

    Die Religion vom Staat zu "trennen" ist nicht nur inhaltlich unpassend, sondern auch praktisch sozusagen, "Gesinnunsdiktatur", solange Staatsbürger im demokratischen Staat eine Religion für sich wünschen und wird vor allem dann äußerst FRAGWÜRDIG, wenn (weltliche) Politiker sich auf die christlich-jüdisch geprägte Leitkultur beziehen (ein Ausdruck, der wiederum Politik, Kultur und (säkularisierte) Religion willkürlich vermischt und gegen den "religiösen Feind" ins Treffen führt).

    Nächster Punkt.
    Eine Gesellschaft, die auf Transzendenz verzichtet und einzig und alleine sich auf Weltlichkeit und Immanenz (man muss sich fragen Immanenz wessen?) bezieht, ist eben BESCHRÄNKT in umfassendem Sinn des Wortes und verzichtet darauf, den zweifellos vohandenen spirituellen Aspekt des Menschseins zu berücksichtigen und zu pflegen und muss deshalb in Verarmung landen (womit nicht nur spirituelle Armut gemeint ist).
    Das hemmungslose Ausleben von Diesseitigkeit führt natürlich auch in materielle Armut. Darüber ist sich eigentlich ohnehin jeder klar, der mit offenem Geist, wachen Augen und Ohren durchs Leben geht (siehe das ökologische und ökonimische, vom Menschen verursachte weltweite Desaster ...)

    Nächster Punkt.
    Nicht nur die christliche Kirche, sondern auch die muslimische Seite betrachtet die dem Begriff des Säkularismus zugrunde liegende Weltanschauung meist als ideologisch - wie könnte sie denn anders?
    Hat doch die säkulare Seite eben keinen spirituellen, religiösen Aspekt im Repertoire, sondern eben den ideologischen.
    Und insoferne die KIRCHE (nicht die Religion) sich in rein weltliche Angelegenheiten einmischt (Frage: gibt es überhaupt "rein welliche" Angelegenheiten?) muss auch sie sich ideologische Aktivitäten vorwerfen lassen. So ist das Leben ...

    Dies zum Allgemeinen, nun zum Speziellen - dem ISLAM.

    ISLAM versteht sich nicht als IDEOLOGIE (auch wenn einige muslimische Parteien dies anders sehen), sondern als umfassende LEBENSWEISE, welche sowohl den transzendenten wie auch den immanenten Aspekt - den der Schöpfer (ein Begriff, den die SÄKULARISTEN eben nicht gebrauchen - und deshalb sind diese "Gesellschaftsverwaltungsformen" nicht vollständig kompatibel, da den "Weltlichen" eben dieser Aspekt abgeht, der in exzessiver Befriedigung durch andere Dinge kompensiert wird) bei der Pflege individuellen und auch gesellschaftlichen Lebens pflegt.

    Somit muss es nicht verwundern, wenn religiöse Menschen - welche nicht sich selbst auf die höchste Stelle der Autoritätsleiter stellen (wie weiland Napoleon oder Caesar), sondern jenen, welchem sie ihrer Meinung nach ihr Dasein verdanken - solch säkulare Lebensart mit WERTEVERLUST (Verlust transzendeter Werte, Bezüge und reziproker Abhängigkeiten) gleichsetzen.

    Kurz gesagt:

    Religöse Weltsicht bedeutet: Verknüpfung von TRANSZENDEZ und IMMANENZ und gegenseitige, reziproke Verwobenheit und Abhängigkeit beider Werte und Aspekte.

    Säkulare Weltsicht bedeutet: NUR die Berücksichtigung IMMANENTER (diesseitiger) Werte und Leugnung tranzsendeter verbindlicher Werte.

    Dass nicht nur der Satz kürzer ist, sondern ein Werteverlust OFFENSCHEINLICH ist, hoffe ich nun deutlich dargestellt zu haben.

    Mit freundlichen Grüßen



    Re: SÄKULARISMUS

    Haimax - 07.04.2010, 16:14

    Ein Hoch dem säkulären Staat!!!
    Der säkulare Staat garantiert dir und mir das verfassungsmässige Recht der Religionsfreiheit, dass heisst ich darf mir diejenige Religion für mich aussuchen, von der ich überzeugt bin und die für mich die richtige ist.

    Es ist ein Trugschluss, dass die Religion dem Staate gegenübergestellt wird, nein der Staat verhält sich da neutral und lässt jedem Bürger seine gewählte Religion.

    Es ist richtig, dass es eine Trennung von Staat und Religion gibt und das ist auch gut so. Ich denke keinem Menschen kann es wohl sein, wenn ihm der Staat vorschreibt an was er zu glauben hat!

    Es ist klar natürlich, wenn in einem christlichen Land sich die Politiker auf die christliche Leitkultur berufen, in einem moslemischen Land geh ich davon aus, dass sich die Politiker auf ihre moslemische Leitkultur berufen, sonst währe etwas nicht in Ordnung!

    Die Gesellschaft in einem säkularen Staat kann gleichwohl seine Spiritualität leben, dass garantiert der säkulare Staat. Es bleibt jedem Individuum überlassen wie er sich entscheidet, und die ist auch gut so!

    Nicht der säkulare Staat ist ideologisch, sondern die Kirchen und Religionen. Der säkulare Staat hat keine Ideologie, dies haben die Religionen und sie dürfen diese auch haben.

    Wenn der Islam sich als Lebensweise begreift ist dies für Moslems schön, muss aber nicht heissen, dass alle anderen sich dem unterordnen müssen! wie auch andere Religionen nicht verlangen können, dass andersgläubige sich ihrer Lebensweise unterordnen müssen!

    Hätten wir keinen säkularen Staat, dann hätten wir einen religiösen, hier christlichen Staat, dann hätte es auch kaum Platz für andersgläubige und das währe ja auch nicht das gelbe vom Ei!

    Der säkulare Staat ist der Garant, dass alle ihren Glaubenpflegen dürfen, kein anderes Staatswesen garantiert dies! Wenn der säkulare Staat abgeschafft wird, wird die Freiheit abgeschafft und andersdenkende müssten, wie z.B. im Iran mit Todesstrafe rechnen.



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