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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Das Schicksal Forum: Aventurien.de Forenbeschreibung: Die Geschichte eines Kontinents aus dem Unterforum: Fanfiction Antworten: 1 Forum gestartet am: Freitag 08.09.2006 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Talea von Aurenstein Letzte Antwort: vor 13 Jahren, 11 Monaten, 27 Tagen, 9 Stunden, 31 Minuten
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Re: Talea von Aurenstein
Das Schicksal - 01.04.2009, 08:59Talea von Aurenstein
Die Schwarze Elfe
Taliassin lauschte in die Stille hinein und stellte fest, dass sie vollkommen war. Kein Echo seiner Seelenmelodie war mehr in seinem Herzen zu hören, wenn auch wusste, dass Talea nicht weit war.
Die Sonne schien auf seine feinen Züge und blendete die blaugrauen Augen, während er in den strahlenden Himmel starrte ohne ihn zu sehen. Wie die Glasscherben, die sich in Hände, Arme und Oberkörper gebohrt hatten, war das Herz in seiner Brust in viele kleine Splitter zersprungen, von denen ein jeder ihm unerträgliche Schmerzen zufügte. War es das, was seine elfischen Verwandten empfanden, wenn das Hochzeitsband zerriss und einer der Partner zurück ins Licht schritt? Er wusste es nicht und glaubte auch nicht, dass er es jemals vollkommen erfahren würde. Er war nur ein Halbelf, ein Grenzgänger zwischen zwei Welten, von denen die eine die andere zerstörte.
„Mein Herr Taliassin…“ hörte er eine zitternde Stimme sagen und der Fechtmeister des Hauses Von Aurenstein kam auf allen Vieren zu ihm gekrabbelt. Richtig, der Mann war auch noch im Raum gewesen, als es zu dieser schicksalhaften Auseinandersetzung gekommen war. „Oh, bei den Göttern!“ rief er und strich sich eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn. Seine grünen Augen glitzerten besorgt. „Ich rufe einen Medicus!“
„Das brauchst du nicht.“ Entgegnete Taliassin ruhig. Sorge nur dafür, dass ich meine Hände wieder freibekomme und dann lauf zum Fröhlichen Almadaner und zur Akademie und frag nach Askir von Olport und Shane von Drakonia…“
„Aber… Eure Wunden, Herr…“
Dass manche Menschen es aber auch nie begriffen! „Darum werde ich mich selber kümmern, Thirion. Zieh nur bitte die Scherben aus meinen Händen. Das kannst du doch wohl?“
Dem Fechtmeister schien nicht im Geringsten wohl bei der Sache zu sein, doch er tat sein Möglichstes. Taliassin seufzte leise, als der Mann ausführte, worum er ihn gebeten hatte und richtete sich dann langsam auf. Mit dem Rest würde er selber fertig werden.
„Nun lauf schon.“ Murmelte er und Thirion erhob sich langsam.
„Und Ihr meint…“
„Ja.“
Widerstrebend wandte der hochgewachsene Mann sich ab und sprintete dann die Treppe hinunter.
Taliassin begann nachdenklich damit die Splitter aus seinem Körper herauszusammeln und während er sich in die Trance seines Heilzaubers versetzte, kehrten die Bilder des gerade Erlebten zurück und unwillkürlich musste sich der Halbelf fragen, welchem Grauen Aventurien nun entgegensah.
Taliassin spürte die Anwesenheit von etwas in dem Haus, das ihm nicht gefiel und so schritt er leichtfüßig die Treppe zu Taleas Arbeitszimmer hinauf, in dem sie sich bereits seit Tagen einzusperren pflegte.
Taliassin war ein Halbelf und obwohl er bereits Jahre in der Welt der Menschen lebte, waren ihm manche Gewohnheiten doch fremd. Seine Kindheit hatte er bei einer elfischen Familie verbracht und daher war es für ihn verständlich, wenn sich jemand für eine gewisse Zeit isolierte und Zeit für sich brauchte. Er hatte sich nicht viel dabei gedacht.
Als er sich jetzt Taleas Arbeitszimmer näherte, fühlte er sich jedoch mehr und mehr unwohl. Irgendetwas stimmte da nicht und er fragte sich, weshalb sie ihm nicht davon berichtet hatte.
Er hob die schlanke, weiße Hand und klopfte kräftig an die Tür.
„Talea?“ fragte er deutlich, erhielt aber keine Antwort. „Talea?“
Er drückte die Klinke herunter, doch die Tür war wie immer verschlossen. Es gab nur wenig, was den Halbelfen aus der Ruhe bringen konnte, doch jetzt spürte er Unsicherheit in sich aufkeimen.
„Talea, bitte öffne die Tür!“ rief er daher und schlug erneut dagegen, doch wieder tat sich nichts.
„Herr Taliassin?“ fragte Thirion, der Fechtmeister leise und er warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. Wo war er nur hergekommen? Er musste wirklich in immenser Sorge sein, wenn er es versäumte einen Menschen sich nähern zu hören.
„Soll ich Hilfe holen?“ fragte der attraktive, dunkelhaarige Mann, doch Taliassin schüttelte den Kopf.
Der Halbelf trat einige Schritte zurück und dann die massive Holztür ein, welche nur widerwillig mit einem Krachen aufschwang. Präsenzen, die ihn fast auf die Knie zwangen, schwappten Taliassin entgegen und entsetzt fragte er sich, was in dem Raum vorgefallen sein mochte!
„Talea?“ rief er aufgebracht, erhielt aber erneut keine Antwort. Er konnte spüren, dass sie in der Nähe sein musste und so stieß er eine weitere Tür auf und blieb dann überrascht und verwirrt stehen.
Die junge Frau saß in einem Sessel. Das lange schwarze Haar war ihr in die unsterblich schönen Züge gefallen, so dass er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Sie trug ein Kleid aus schwarzem, fließendem Samt und nicht eines der elfischen Schmuckstücke zierte mehr ihren Körper. Sie wirkte fremd auf ihn, nicht nur menschlich, sondern fremd.
„Talea?“ fragte er erneut und dieses Mal ein wenig zaghaft.
Langsam hob sie den Kopf und als er ihrem Blick begegnete, wurde die Melodie in seinem Inneren so kalt und klirrend wie Eis. „Was… ist geschehen?“
Ihre einstmals sternengleichen Augen waren von einer wabernden Schwärze erfüllt, in denen sich Schatten zu bewegen schienen, die ihm einen Schauder über den Rücken laufen ließen. Keine Elfe sollte so aussehen! Nicht einmal ein Mensch sollte es, aber für das unsterbliche Lichtvolk war es noch viel schwerer zu ertragen einem solch vergifteten Geist entgegenzublicken.
„Was hast du getan?!“ rief er und wich einen Schritt zurück, als sie auf ihn zutrat. Talea antwortete ihm nicht, sondern musterte ihn nur kalt und überheblich. Nichts mehr war von der Wärme und dem Mitgefühl geblieben, die einst das Herz der Elfe bewegt hatten.
Taliassin wich instinktiv vor ihrer Berührung zurück. War sie Sekunden zuvor noch alles gewesen, was er geliebt hatte, hasste seine Seele sie aus ihrem Tiefsten Inneren nun. Er war in der Tradition der Alten Könige erzogen worden und kannte die Legenden Simias auswendig. E war das Dharza gewesen, das die Elfen zu Fall gebracht hatte. Es war Pardona gewesen und wie Pardona mutete nun die Frau an, der er seine Seele und sein Herz gegeben hatte.
In den dunklen Augen konnte er Verwunderung und dann Schmerz und schließlich Wut sehen.
„Du weichst vor mir zurück?“ zischte sie und ihre unsterbliche, wunderschöne Stimme klang verzerrt und grausam. „Wie kannst du es wagen?!“
„Was hast du getan? Was ist aus dir geworden? Wie kannst du das Erbe deines Volkes dermaßen besudeln?“ rief er außer sich und kümmerte sich nur wenig darum, dass die Elfe außer Elfe auch seine Frau war. Das Freundschaftslied in seinem Inneren war kalt und schmerzhaft geworden. Es trug keine Liebe mehr in sich und der Halbelf versuchte sich davor zu verschließen so gut er es konnte.
Taleas Augen wurden groß und füllten sich langsam mit Bitterkeit und Hass. „Du wirst dich niemals von mir trennen können, was du auch versuchst! Wir sind eins und du musst akzeptieren, welchen Weg ich gegangen bin… genauso wie du akzeptieren musst, das du mich nicht aufhalten kannst!“
Taliassin sank in die Knie als kalten Eiszapfen gleich Energiestöße seinen Geist durchfuhren. Blut tropfte aus seiner Nase und befleckte den sauberen Boden. Taleas Liebe hatte sich in Hass und Grausamkeit gewandelt und jene pulsierten nun über ihre Verbindung in seinem Geist und wüteten dort.
Der Halbelf hob unter Schwierigkeiten den Kopf und seine Hände. Elfische Melodien verließen seine Lippen und magische Energieladungen zuckten auf den schlanken Körper der dämonischen Elfe zu. Diese aber lächelte nur höhnisch. Die Zauber erreichten sie nicht einmal, sondern verpufften harmlos in der Luft.
„Ich hielt dich stets für einen mächtigen Zauberweber… aber wie in so vielen Dingen habe ich mich auch darin geirrt…“
Sie hob eine Hand und er hatte das Gefühl, dass das mandra aus jedem Teil seines Körpers herausgezogen wurde.
Ein spöttisches Lächeln umspielte ihre Lippen und Taliassin merkte, wie sich sein Körper zu verändern begann, er seine Tiergestalt annahm und schließlich zurück in einen Halbelfen transformierte. Hilflos wand er sich auf dem Boden und war den Spielereien der wahnsinnigen Elfe ausgeliefert. Kein Humuselement, dem er sich besonders zugetan gefühlt hatte, war in seiner Nähe, kaum schlummerte noch mandra in ihm.
„Und nun… gib mir deinen Wahren Namen…“ flüsterte die junge Frau, lächelte und blickte tief in seine blaugrauen Augen.
Er schrie wütend auf und spürte wie alles, was ihn verändert und zu einem besseren Halbelfen hatte werden lassen, rückgängig gemacht wurde. Misstrauen fraß sich durch seine Seele, Verachtung und Hohn für die Menschen in sein Herz. Bitterkeit trübte seine Gedanken und der nie enden wollende Schmerz der Suche nach Perfektion und Geborgenheit schien sein Innerstes zerreißen zu wollen. Dann schließlich öffnete sie jene letzte Pforte seiner Persönlichkeit, die selbst er nicht zu öffnen vermochte und starrte in das Naturell seines Seins, von dem niemand wusste, wie es war oder aussah.
Ihre Augen wurden groß und sie wich einen Schritt zurück.
„Das… das ist unmöglich.“ Sagte sie leise und warf sich dann mit einem Schrei herum.
Hasserfüllt starrte er sie an und stieß sich dann vom Boden ab, schlang die Arme um den schlanken Körper und riss ihn mit sich. Klauen gleich fuhren ihre Hände durch sein Gesicht, bevor sie sich auf seine Brust legten und seinen Körper mit glühenden, entsetzlichen Schmerzen erfüllten.
„Du wirst mich nicht aufhalten!“ schrie sie zornig und entschlossen. „Was auch immer in deiner Seele schlummert, du wirst mich nicht aufhalten!“
Er warf sich herum, versuchte das Zittern und Krampfen der Muskeln zu unterdrücken und sah auf dem Rücken liegend zu ihr hoch.
Talea streckte ihre Hand aus und die kleine Glaskuppel des Raumes barst in tausend Stücke. Während sie noch zu ihm sah und er sich aus seiner Starre zu lösen versuchte, begannen die Splitter langsam zu Boden zu fallen und wurden schließlich immer schneller.
Taliassin schrie entsetzt auf, als er nichts anderes tun konnte, denn dem zerborstenen Glas beim Fallen zuzusehen und bemerkte, dass Talea verschwunden war.
Dann trieben sich die Spitzen der kristallenen Splitter in seine Handflächen und den hölzernen Boden darunter, so dass er unfähig sich zu bewegen liegenblieb und wartete, bis der Regen dieses Verderbens endlich vorbei war…
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