Narya - 4 years ago

~ Asalun ~
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    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 22:57

    Narya - 4 years ago
    Das erste Treffen von Sharon und Seren... 4 years ago, eben.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 22:57


    Sharon starrte in den Bierkrug, der merkwürdigerweise schon wieder leer war. Verdammt. Sie merkte, dass sie sich langsam aber sicher dem Stadium 'betrunken' näherte, das sie bisher noch nie erreicht hatte, aber es war ihr vollkommen egal. Es war furchtbar heiß hier drin, die Wärme staute sich in dem kleinen Raum der Kneipe, zwei Tische weiter lachten ein paar Männer donnernd und grölend über einen anzüglichen Witz. Sie war die einzige, die hier alleine saß, aber auch das war ihr egal.
    Wie war sie hierhergekommen? Um das herauszufinden, muss man drei Tage zurückblicken.

    Der vor zwei Jahren gegründete Bund der Adler besaß inzwischen dreiundzwanzig Mitglieder, Sharon eingerechnet. Sie hatten in einer Versammlung beschlossen, dass eine kleine Gruppe nach Linan gehen müsse, ein etwas größeres Dorf, das sogar ein eigenes Gefängnis hatte. Angeblich sollte dort jemand demnächst zu Unrecht hingerichtet werden.
    Ursprünglich hatten sie beschlossen zu dritt zu gehen, Sharon und noch zwei andere. Aber letztendlich war sie doch alleine gegangen... weil sie einfach eine Weile allein sein wollte. Allein sein musste. Fern von den anderen, die sie so gut kannten und andauernd durchschauten. Also war sie, trotz aller Proteste und gegen ihre eigenen Prinzipien, die besagten, dass niemand, absolut niemand alleine durch die Gegend ziehen sollte, weil da die Gefahr größer war, dass er geschnappt und gefoltert wurde und alles verriet, alleine losgezogen, mit einer Brieftaube.

    Diese Brieftaube hatte sie vor ein paar Stunden zurückgeschickt, mit der Nachricht, dass alles falscher Alarm gewesen war. Die einzigen, die hier im Moment im Gefängnis saßen, waren ein paar Diebe und so und dagegen, dass denen die Hand abgehackt wurde, konnten sie im Moment kaum etwas tun. Im Moment.
    Irgendjemand brachte ihr einen neuen Krug Bier und nahm den Alten wieder mit, sie sah nicht auf, reagierte überhaupt nicht, nahm ihn stattdessen entgegen und trank einen kräftigen Schluck. Wenn sie in ein paar Stunden im Koma lag, musste sie wenigstens nicht mehr nachdenken, das war der Vorteil an der ganzen Sache. Sie warf einen kurzen Blick an sich herunter - sie trug schlichte, dunkelbraune Kleidung, ein bisschen zerschlissen - und tatsächlich einen noch kürzeren durch den Schankraum, dann richtete sie die Augen wieder finster auf die Tischplatte. Verdammt, verdammt, verdammt. Alles scheiße.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 19.03.2009, 22:59


    Wieso musste es nur so verdammt heiß hier drinnen sein?
    Wenn das so weiter ging, würde sie hier drinnen ganz sicher nochmal ersticken.
    Das hellhäutige, dünne Mädchen stellte drei leere Bierkrüge auf dem Thresen ab, wo sie gleich von einer weiteren Aushilfe weggeräumt werden würden, und strich sich eine Strähne ihres langen, weißen Haares aus dem Gesicht.
    Sie trug es offen, und momentan wünschte Seren sich, sie hätte es zusammengebunden. Bei dieser Arbeit war es wirklich lästig, wenn einem dauernd Haarstränen ins Gesicht fielen und einem sie Sicht verdeckten.
    Das Mädchen nahm sich zwei volle Bierkrüge, die auf dem dunkelbraunen Thresen standen und darauf warteten, von jemandem getrunken zu werden.
    Seren konnte nicht verstehen, was daran so toll war, sich tagtäglich zu besaufen. Sie machte diesen Job jetzt zwar gerade mal zwei Wochen lang und war eigentlich auch nur eine Aushilfe für einen krank gewordenen Jungen, aber sie kannte mittlerweile schon mindestens 10 Männer, die tagtäglich hier her kamen und nicht wieder gingen, bevor sie mindestens fünf Krüge getrunken hatten.
    Zu einem dieser Männer ging Seren nun und stellte ihm einen vollen Bierkrug vor die Nase. Laut rumgrölend nahm sich dieser das Gefäß, verschüttete dabei die Hälfte auf dem Tisch und kippte sich das Getränk in den Mund.
    Das Mädchen beeilte sich, von ihm weg zu kommen, und schnappte sich dabei den leeren Krug, der noch auf dem Tisch stand.
    Wirklich eine scheiß Arbeit. Man stank nachher fürchterlich nach Alkohol, wurde häufig dumm angemacht - vor allem als Mädchen - und die Bezahlung war auch dürftig. Aber sie brauchte das Geld, da sie sich neue Pfeile machen musste. Und da sie selbst leider keine Pfeilspitzen herstellen konnte, musste sie sich diese wohl oder übel kaufen..
    Und die waren nicht ganz billig. Was bei den Zuständen in diesem Land kein Wunder war. Die Zustände hier waren schrecklich. Nur tat niemand was dagegen, weil niemand den Mut dazu fand. Alle waren sie zu feige..
    Serens Blick fiel auf eine junge Frau mit langen, roten Haaren und zerschlissener brauner Kleidung, die als einzige allein an einem Tisch saß und in ihren Bierkrug starrte.
    Das war in gewisser Weise merkwürdig, denn normalerweise waren die Leute mindestens zu zweit hier.
    Sie ging zu ihrem Tisch und warf einen kurzen Blick in den Krug; er war leer.
    Das Mädchen stellte der Frau einen neuen hin und nahm den leeren mit, wobei der Gast sie überhaupt nicht wahr zu nehmen schien.
    War wohl ziemlich in Gedanken versunken..
    Seren beachtete sie nicht weiter und ging wieder zurück zum Thresen, wo schon neue Krüge auf sie warteten.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 23:01


    Noch ein Schluck. Das Bier rann ihr durch die Kehle, betäubend, ablenkend. Vermutlich hatte sie schon eine furchtbare Fahne... na toll. Zum Glück war ihr egal, was die Leute über sie dachten (außerdem waren die meisten hier auch nicht besser).
    Bisher hatte sie die Gespräche im Schankraum nur als Stimmenwirrwarr im Hintergrund wahrgenommen, doch während sie noch einen Schluck nahm, hörte sie eine einzelne heraus, eine lallende Männerstimme. "Un' ich sag' euch, der König sollde härder durchgreifen... genug Soldaden hatta ja, die andauern' durche Gegend laufen, während hier de Verbrecher rumrennen, der Fürsd ausm Osden, der hat seine Gefängnisse voll, sag' ich euch..."
    Sharon hob den Kopf und starrte in die Richtung der Männergruppe. Der Sprecher hatte sich halb erhoben und gestikulierte, warf dabei fast seinen Bierkrug um, die anderen schlugen zustimmend auf den Tisch. Die hatten sowasvon keine Ahnung. Idioten. Einfach Idioten. Wenn die wüssten, was wirklich in ihrem Land vorging. Unglücklicherweisefing der Sprecher ihren Blick auf und sah jetzt zu ihr hinüber, hob sogar eine Hand um sie herzuwinken.
    "Da sehtas, die is au' meiner Meinung... na komm doch her und setz dich su uns..."
    "Nein, danke", sagte Sharon frostig. Dabei merkte sie, dass ihre Stimme leicht belegt klang, aber lallen tat sie noch nicht, zum Glück. Das wäre ja auch noch schöner.
    "Willsde etwa nix mit uns zu tun haben, Mädel?" Sie hatte den Blick eigentlichs chon wieder abgewandt, aber jetzt war sie gezwungen erneut hinzusehen, denn der Kerl war ganz aufgestanden und schwankte zu ihr herüber, sich nun mit den Händen auf ihrem Tisch abstützend.
    "Nein, will ich nicht. Verzieh dich", sagte sie schlicht in der Hoffnung, ihn dadurch loszuwerden. Fehlanzeige.
    "Ach, komm scho... ich spendier dir noch 'n Bier und du sachst uns deine Meinung über'n König."
    Sharon ballte eine Hand, die sie unterm Tisch hatte, zur Faust. In diesem Moment würde sie den Kerl am liebsten ins Gesicht schlagen. Mitten in sein kantiges Gesicht mit den grauen Augen und den braunen Haaren, die ihm strähnig in die Stirn hingen. "Ich glaube, wenn ich euch meine ernsthafteMeinung über den König erzählen würde, würdet ihr mich bei eben dem anschwärzen, also lass' ich's lieber." Machte der Alkohol sie leichtsinnig? Vielleicht. Aggressiv? Auf jeden Fall. "Also verschwinde, lass mich in Frieden und wasch dir die Haare, du Idiot."
    Die Augen des Kerls verengten sich. Offensichtlich musste er erstmal realisieren, dass sie ihn gerade beleidigt hatte. "Hör mal, Süße, so lassich nich' mit mir..."
    "Dann verschwinde, verdammt nochmal!", unterbrach Sharon ihn. Ohne es zu merken war sie jetzt selber aufgestanden, die geballte Faust war sichtbar über der Tischplatte.
    Plötzlich breitete sich ein Grinsen auf dem Gesicht aus. Ein dümmliches Grinsen. "Du willst gar nich', dassich..."
    Zack.
    Ein sauberer Schlag, mitten ins Gesicht, brachte den Kerl dazu gegen den Tisch hinter ihm zu stolpern. "Du. Sollst. Verschwinden, hab' ich gesagt!"



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 19.03.2009, 23:03


    Argh. Schon wieder hing ihr eine Haarsträhne im Gesicht. Sobald sie hier raus war, würde sie sich erst einmal waschen gehen, so viel war sicher..
    Sich die Haare aus dem Gesicht streichend stellte sie erneut vier Krüge auf einem Tisch irgendwo ziemlich in der Ecke des Raumes ab.
    Fünf Männer und eine Frau saßen daran, und so weit Seren das mitbekam, redeten sie gerade darüber, wie viel sie ja noch vertragen würden und wer von ihnen dann am Ende die Rechnung bezahlen würde.
    Gut, dass ich nicht für die Bezahlung zuständig bin, dachte das Mädchen und verschwand mit den leeren Trinkggefäßen wieder in Richtung Thresen.
    Das einzige, was sie tun musste, war aufschreiben, welcher Tisch wie viele Krüge bestellt hatte. Das mit dem Bezahlen traute der Wirt ihr nämlich aus irgendeinem Grund nicht zu, wahrscheinlich dachte er, sie würde sich mit dem Geld aus dem Staub machen.
    Aber gewisser Weise war ihr das auch ganz recht so. Ihre Lust, sich mit irgendwelchen Kerlen zumzuärgern, die ihre Rechnung nicht bezahlen wollten, hielt sich in Grenzen.
    Sie hatte gerade die leeren Krüge abgestellt, als sie mit halbem Ohr mitbekam, wie an einem der Tische in ihrer Nähe über den König geredet wurde. Der Mann, der sprach, lallte fürchterlich, mindestens sieben Krüge hatte der garantiert schon intus.
    König sollde härder durchgreifen... Fürsd ausm Osden... Gefängnisse voll..
    Aus den Gesprächsfetzen, die ihre Ohren auffingen, reimte sie sich zusammen, dass der Kerl anscheinend Anhänger des Adels war. Idiot. Vollkommener Idiot..! Wie konnte man nur so beschränkt sein und nicht verstehen wollen, was hier im Land eigentlich vor sich ging?
    Zu einem Tisch in der Nähe gehend, sah sie mit halbem Auge, wie der Mann versuchte, sich an die junge Frau am Nachbartisch ranzumachen.
    Diese schien davon nicht unbedingt begeistert, Seren hörte irgendetwas von verschwinden aus ihrer Richtung.
    Sie stellte die Krüge auf den Tisch, und als sie sich wieder umdrehte, sah sie gerade noch, wie die Frau, die mittlerweile aufgestanden war, dem Mann mit der Faust ins Gesicht schlug.
    Seren grinste in sich hinein. Hatte er verdient, der Kerl. Nur hoffentlich artete das nicht in einer vollständigen Schlägerei aus.. Sie würde sich da nämlich nicht unbedingt einmischen wollen.
    Die Frau mit den roten Haaren - erstaunlich langen, roten Haaren, sie gingen ihr bis zu den Knien - sah nicht so aus, als würde sie besonders viel Spaß verstehen..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 23:05


    Die Männer am anderen Tisch fingen an zu grölen, als sie sahen, wie Sharon dem Kerl eine verpasste. Anscheinend hatten sie nicht sonderlich viel Mitleid mit ihrem Saufkumpanen.
    Dieser versuchte sich wieder gerade hinzustellen. Sharon sah, dass er aus der Nase blutete - hoffentlich war sie gebrochen. Er nuschelte irgendetwas absolut Unverständliches und streckte eine Hand nach ihr aus, was er bereuen sollte, denn sie rammte ihm nun ihr Knie in die Magengegend, weshalb er sich ächzend zusammenkrümmte. Einige der anderen hatten inzwischen allerdings doch beschlossen, ihm zur Hilfe zu kommen, schließlich konnten sie nicht zuschauen, wie er von einer Frau zusammengeschlagen wurde. Sie standen auf und kamen zu ihr herüber, selbstsicher wie sie waren. Eigentlich hatte Sharon nicht vorgehabt eine Schlägerei anzuzetteln, aber wenn sie so wollten...

    Kurze Zeit später wälzte sie sich, auf jeden Centimeter von irgendeinem nach Alkohol stinkenden Kerl einschlagend, über den Boden. Um sie herum war die Hölle los, da sich auch alle anderen sich mit der Schlägerei bedroht gefühlt hatten und aufeinander losgegangen waren. Krüge gingen krachend zu Bruch, Stühle flogen durch die Gegend. Sharon verzog das Gesicht, irgendeine Faust hatte sie im Gesicht erwischt, irgendwas anderes traf sie im Rücken.
    Lautstark fluchend wälzte sie sich zur Seite und sprang auf die Füße. Was machte sie hier eigentlich...?



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 19.03.2009, 23:09


    Seren beobachtete die Szene weiter, völlig vergessend, dass sie eigentlich ja zu tun hatte.
    Ihr Blick blieb an der jungen Frau hängen, die dem Mann jetzt ein Knie in den Magen rammte, woraufhin dieser sich zusammenkrümmte und schmerzerfüllt das Gesicht verzog.
    Nun hatten seine Freunde wohl beschlossen, ihm zu helfen, laut grölend kamen sie auf die Frau zu - und dann brach ein totales Chaos aus.
    Irgendein Gast hatte etwas an den Kopf geworfen bekommen, war aufgestanden und hatte begonnen, sich ebenfalls zu schlagen, und kurz darauf war eine regelrechte Lawine losgebrochen.
    Seren stand inmitten dieses Haufens sich prügelnder, besoffener Leute, zwei leere Bierkrüge in der Hand, und fühlte sich irgendwie reichlich fehl am Platz.
    Einerseits sollte sie wohl irgendetwas tun, die Leute hier würden bestimmt die halbe Gaststube ruinieren - andererseits - was? Was konnte ein dreizehnjähriges Mädchen gegen diese Horde wildgewordener Menschen ausrichten?
    Seren kam zu dem Schluss, dass das nicht besonders viel sein konnte. Und bei dem Lautstärkepegel müsste der Wirt längst mitbekommen haben, was hier vor sich ging.
    Das weißhaarige Mädchen wollte gerade versuchen, sich zum Thresen durchzukämpfen, da wurde sie von einem großen, bulligen Mann angerempelt und zu Boden gerissen. Die Krüge fielen ihr aus der Hand und rollten polternd über den Boden, was in dem Lärm allerdings fast unterging. Recht unsanft kam Seren auf dem Holzfußboden auf, tat sich aber nicht unbedingt weh.
    Vorsichtig krabbelte sie zwischen den Beinen hindurch, bis sie eine Lücke fand, in der sie sich wieder aufrichten konnte - es grenzte an ein Wunder, dass ihr niemand auf die Hände getreten war.
    Sie kam neben der Frau mit den langen, roten Haaren zum Stehen. Allerdings blieb ihr keine Zeit, sie lange zu betrachten, denn kaum stand sie wieder, wurde sie auch schon erneut angerempelt, verlor das Gleichgewicht und fiel gegen jemanden, der neben ihr stand, riss diese Person mit und krachte zusammen mit ihr in einen Tisch, auf dem recht viele Bierkrüge und ein paar Teller standen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 23:10


    Sharon riss gerade den Arm hoch, um den Faustschlag von jemandem abzuwehren, als irgendetwas mit voller Wucht gegen sie prallte. Sie stolperte zur Seite und mitten in einen Tisch mit Bierkrügen und Tellern, die klirrend zerbrachen.
    Reflexartig hatte Sharon die Augen geschlossen, öffnete sie jetzt wieder und stellte fest, dass offenbar nicht etwas, sondern jemand gegen sie geprallt war: ein vielleicht dreizehn- oder vierzehnjähriges Mädchen mit langen weißen Haaren. Stöhnend rollte Sharon sich zur Seite, herunter von dem Tisch. Ihre Hände waren blutig von den Scherben, überhaupt tat ihr alles weh, weshalb sie erstmal einen Moment auf dem Boden knien blieb, das Tohuwabohu, das immernoch um sie herrschte, ignorierend. "Oh, verdammt, kannst du nicht aufpassen?", ächzte sie in Richtung des Mädchens, auch wenn dieses vermutlich wenig dafür konnte. Sie war wohl eine Aushilfe hier, sonst hätte man sie kaum hineingelassen... ja, so musste es sein.
    Irgendjemand stolperte vorbei und stellte seinen Fuß dabei nur knapp neben ihrer aufgestützten Hand ab. Vielleicht sollte sie erstmal in Deckung gehen.
    Diesen Plan setzte sie auch gleich in die Tat um und schob sich unauffällig hinter den inzwischen umgekippten Tisch, sorgfältig darauf achtend sich an den restlichen Scherben nicht noch mehr zu verletzen. Das gute an dem kleinen 'Unfall' war, dass sie dadurch (kurzzeitig) einen klaren Kopf hatte, warum auch immer.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 19.03.2009, 23:15


    Krach. Seren spürte, wie sie auf oder in einen Tisch fiel, dabei in mindestens einen Krug, dann schon wieder auf dem Holzfußboden landete und dabei mehr als eine Scherbe in ihre Haut schnitt.
    Sie stöhnte ein kurzes "Aua..", bevor sie sich - mal wieder - die Haare aus dem Gesicht strich und sich genauer ansah, wen sie da eigentlich mit umgerempelt hatte.
    Es war die junge Frau mit den roten langen Haaren, die jetzt ein "Oh, verdammt, kannst du nicht aufpassen?" von sich gab.
    Sie? Aufpassen? Als ob das ihre Schuld gewesen wäre.. Wer hatte nochmal dieses ganze Chaos hier ausgelöst..?
    "Sag das nicht mir", gab sie murrend zurück, allerdings verzog sich die Frau da schon hinter den Tisch, der durch ihren Sturz umgekippt war.
    Seren fand diese Idee gar nicht mal so schlecht - hier im diesem Tumult wollte sie nicht unbedingt mitten drinn bleiben.
    Außerdem tat ihr rechter Oberarm ziemlich weh, und als sie hinsah, erkannte sie, das sie mit diesem wohl in eine ziemlich große Scherbe gefallen war.
    Also folgte sie dem Beispiel der Frau und kroch vorsichtig zwischen den Scherben und den anderen Gästen hindurch hinter den Tisch.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 23:17


    Kaum hockte sie hinter der Tischplatte, stieß auch schon das Mädchen zu ihr, das bei näherer Betrachtung fast genauso ramponiert aussah wie sie selbst vermutete auszusehen. Zumindest spürte sieeinen pochenden Schmerz in der linken Gesichtshälfte und einen eher stechenden in Knien, Ellenbogen und Händen, wo sie in den Scherben gelandet war. Nicht zu reden von dem Gesamtgefühl unter eine Herde Kühe geraten zu sein... eigentlich war es gut, dass der Kerl sie so früh genervt hatte, dann würde wenigstens der Kater morgen früh nicht so schlimm sein.
    Sie hörte, wie schon wieder etwas zerbrach, wie irgendjemand herumbrüllte und versuchte Ordnung in die Sache zu bringen, sah, dass der Tisch bedrohlich ruckelte als wäre jemand dagegen gestolpert und blickte erneut zu dem weißhaarigen Mädchen. Sag das nicht mir, hatte es vorhin entgegnet.
    "Wer ist denn bitte hier in wen reingekracht...?" Eigentlich erwartete Sharon darauf keine Antwort. Sie war einfach schlecht gelaunt und wollte das letzte Wort behalten. Ein weiterer Vorteil der Schlägerei: Sie hatte die gewünschte Ablenkung bekommen, die der Alkohol ihr nicht wirklich gegeben hatte. Jetzt musste sie sich nur ein bisschen weiter streiten, dann lief alles wunderbar.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 19.03.2009, 23:18


    Endlich in Sicherheit, oder zumindest halbwegs in Sicherheit, machte sich das Mädchen ersteinmal daran, die Scherben aus ihrem Körper zu pflücken.
    Das tat zwar ziemlich weh, vor allem das am Oberarm, aber war wohl immer noch besser als halb zugesplittert duch die Gegend zu laufen.
    Hoffentlich blieben keine Splitter zurück und das ganze entzündete sich.. Das würde sie nun wirklich nicht gebrauchen können.
    Immerhin musste sie jetzt nicht weiter arbeiten.. Wobei sie ihre Bezahlung wohl vergessen konnte, so wie das hier aussah. Mist. Und das alles wegen dieser.. Argh!
    Jetzt fing diese Frau ja schon wieder an.
    "Und wer hat dieses ganze Chaos überhaupt angefangen?", fragte sie zurück und zog einen kleineren Splitter aus ihrer Hand.
    Was ein wundervoller Tag..
    Mit halbem Ohr hörte sie endlich die Stimme des Wirts, der wohl versuchte, Ordnung in sein Haus zu bringen. Das würde nicht einfach werden, so viel war klar..
    Seren grinste in sich hinein und wünschte ihm viel Spaß dabei. Irgendwie gönnte sie es dem Wirt ja. Er war ein dicker Mann, der selbst gerne einen über den Durst trank und auch nicht besonders freundlich war. Im Gegenteil. Nur leider war ihr Vater ebenfalls Stammgast hier in dieser Kneipe, und da hatte sie zum Geldverdienen kaum eine andere Wahl gehabt, als hier her zu gehen.
    Und jetzt das..!



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 23:19


    "Sowas nennt man Selbstverteidigung. Beschwer dich doch bei... naja, wie immer der Kerl hieß", meinte Sharon. Na gut, der mann hatte sie nicht direkt angegriffen. Aber indirekt. Doch. Und er hatte es verdient gehabt.
    Sharon zupfte eine kleine Scherbe aus dem Schnitt in ihrer Hand, die sie dort entdeckt hatte, schnipste diese zu Boden und schielte vorsichtig über den Rand der Tischplatte. Die Schlägerei schien gar kein Ende nehmen zu wollen, es prügelte immernoch jeder auf jeden ein. Vielleicht sollte sie sich einfach unauffällig verdrücken, sie hatte zwar noch nicht bezahlt, aber das konnte sie morgen immernoch machen...
    Eilig zog sie ihren Kopf zurück, als ein Stuhlbein in ihre Richtung flog. Tatsächlich prallte es über ihr mt einem Krachen gegen die Wand und fiel anschließend zu Boden.
    "...Geht das hier eigentlich öfter so zu?"
    Sharon konnte sich die Frage nicht verkneifen. Sie hatte ja nicht ahnen können, dass gleich alle anfingen sich zu schlagen, bloß weil sie einen von ihnen schlug... möglicherweise war das hier so üblich.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 19.03.2009, 23:22


    "Dann beschwer du dich aber nicht bei mir", setzte Seren noch hinzu, allein schon, um ihren Stolz zu verteidigen. Entschuldigen würde sie sich dafür nämlich bestimmt nicht.
    Aber es stimmte schon, so, wie sie es mitbekommen hatte, hatte der Mann mit der Streiterei angefangen.
    Und genau das hasste sie an diesen betrunkenen Saufköppen. Das sie nicht mehr wussten, was sie taten, und dann meistens irgendwas total bescheuertes taten.
    Gerade wollte sie sich ebenfalls umsehen, als plötzlich ein Stuhl an die Wand vor ihr krachte, in seine Einzelteile zerfiel und so auf dem Boden liegen bleib.
    Geht das hier eigentlich öfter so zu?, wollte die Frau wissen.
    Haha.. Was für eine Frage..
    "Eigentlich nicht. Zumindest ist sowas in den zwei Wochen, die ich jetzt hier bin, noch nicht passiert..
    Was wohl daran liegen kann, das Personen wie du nicht allzu häufig hier her kommen", antwortete sie und schaute jetzt ihrerseits am Tisch vorbei in das Geprügel.
    Der Wirt stand immer noch irgendwo hilflos in der Menge rum und versuchte, diese zu beschwichtigen, was allerdings nicht allzu viele mitzubekommen schienen. Und wenn sie es mitbekamen, störte es sie nicht, denn eigentlich alle schlugen sich einfach munter weiter.
    Vorsichtig zog sie sich wieder hinter den Tisch zurück.
    "Ich glaube, es wäre sinnvoll, hier zu verschwinden. So schnell hören die hier glaube ich nicht auf..", meinte sie halb zu sich selbst, halb zu der Frau.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 23:23


    Personen wie sie kämen nicht häufig hierher, meinte das Mädchen. Ja, das konnte Sharon sich gut vorstellen, nach dem, was sie mitbekommen hatte - alles Dummköpfe, die auch noch von der Rechtmäßigkeit der Herrschaft der Adeligen überzeugt waren und hier gemütlich ihr beschränktes Leben lebten. Auch wenn das Mädchen es so wohl nicht gemeint hatte, sondern eher als Andeutung, dass sie doch an der Schlägerei Schuld war... aber wie auch immer.
    Nun sagte das Mädchen, dass es wohl sinnvoll sei zu verschwinden und sprach damit Sharons Gedanken von vorhin aus. "Stimmt, verschwinden wäre wirklich keine schlechte Idee... habt ihr hier nicht sowas wie 'nen Hinterausgang?", fragte sie darum, denn um durch die Vordertür rauszukommen, würden sie sich erst einmal quer durch den Schankraum schlagen müssen und da konnten sie gleich hier hinten sitzen bleiben. Ein erneuter Blick um den Tisch herum bestätigte die Theorie: Die Vordertür war eine ganze schlechte Idee.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 19.03.2009, 23:28


    Einen Hinterausgang.. Hatten sie soetwas?
    Seren rief sich kurz das Haus in den Kopf, was gar nicht so leicht war, wenn in eben diesem Haus grade eine kleine Schlacht stattfand, und erinnerte sich, dass es an einer Stelle eine kleine, unscheinbare Holztür gab, die ins Freie führte.
    Und glücklicherweise waren sie auch nicht allzuweit von diesem entfernt bzw. mussten sich nicht durch allzu große Menschenmassen kämpfen.
    "Ja, haben wir.. Da vorne", entgegnete sie und zeigte an einer Holzwand, der man nun ansah, das ein paar Dinge dagegen geflogen waren, entlang, in Richtung der Tür, die allerdings im Halbdunkeln lag und von hier aus nur schlecht zu erkennen war.
    Vorsichtig richtete das Mädchen sich auf - und musste sich gleich wieder mit einer schnellen Bewegung unter einem fliegenden Tonkrug hinwegducken, der sie fast am Kopf getroffen hätte, jetzt aber glücklicherweise an der Wand zerschellte.
    Aufpassend, möglichst nicht in irgendwelche Scherben zu treten, von umherfliegenden Gegenständen getroffen oder von jemandem umgerannt zu werden, tappste sie auf die Hintertür zu, sich noch einmal kurz umschauend, um sich zu vergewissern, dass die Frau ihr folgte.
    Warum zeigte sie ihr den Ausgang eigentlich..? Immerhin hatte die sie um ihr Geld gebracht.
    Weil sie dich gefragt hat, ganz einfach, beantwortete Seren sich die Frage selbst. Was eine Ironie..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 23:29


    Zum Glück hatten sie tatsächlich einen Hinterausgang. Erleichtert stand Sharon auf, um dem Mädchen zu folgen, blieb aber trotzdem geduckt, um nicht von diversen fliegenden Gegsnständen erwischt oder von einem streitwütigen Trunkenbold bemerkt zu werden, der vielleicht auf die Idee kommen konnte sie zu attackieren.
    Bei all ihrer Vorsicht wäre sie trotzdem fast über einen umgekippten und leicht ramponierten Hocker gestolpert, machte dann einen großen Schritt oben drüber. Der Wirt freute sich bestimmt riesig...
    Irgendwann waren sie an einer kleine, unscheinbaren Holztür angelangt, die Sharon vorher gar nicht bemerkt hatte. Das war vermutlich auch der Sinn dieser Tür, das man unauffällig rein und raus konnte. Um so besser für sie, die 'Flüchtlinge'.
    Na dann, raus hier. Die stickige Luft und den Lärm würde sie sicher auch nicht vermissen, wenn sie erstmal draußen war... nein, sicher nicht.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 19.03.2009, 23:37


    Es dauerte nicht lange, bis sie den Ausgang erreicht hatte, und sie hatte auf dem Weg dort hin nur einmal zwei sich schlagenden Männern ausweichen müssen. Mit einem Ruck öffnete sie die Tür - die zum Glück nicht abgeschlossen war - und trat nach draußen.
    Frische Luft. Endlich.
    Seren atmete tief durch, ihre Lungen füllten sich mit frischer, klarer Abendluft. Es war ein milder Frühlingsabend, es hatte schon zu dämmern begonnen und auch der Mond stand schon am Himmel.
    Das einzige, was die ruhige, friedliche Atmosphäre störte, war der Lärm, der vom Wirtshaus nach draußen drang und wahrscheinlich bald einige Schaulustige heran locken würde, wenn sie die Tür nicht wieder schloss.
    Linan war nicht unbedingt eine große Stadt, aber doch groß genug, um zu dieser Uhrzeit noch einige Menschen auf den Straßen zu haben.
    Sie selbst wohnte nicht hier, sondern in einem etwas kleineren Dorf, was aber auch ganz hier in der Nähe lag. Eine viertel Stunde laufen, dann war sie dort. Und vielleicht sollte sie froh sein, dass ihr Vater gerade zu Besuch bei einem seiner Freunde war. Er würde sich bestimmt wieder aufregen, wenn er erfuhr, was heute Abend hier los gewesen war.. Oder besser immer noch los war.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 19.03.2009, 23:38


    Sharon folgte dem Mädchen nach draußen, wobei sie mit dem Fuß an der Türschwelle hängen blieb und sich fast auf die Nase gelegt hätte. Aber nur fast.
    Während sie die Tür hinter sich wieder zumachte und den Lärm einsperrte, sog sie die frische, kühle, nach Frühling duftende Luft des Abends ein. Über einem Hausdach entdeckte sie den Mond, der langsam in der Dämmerung zum Vorschein kam. Eine zunehmende Sichel.
    Sharon wandte den Blick vom Himmel ab und sah sich auf der Straße um. Vereinzelt waren noch ein paar Menschen unterwegs, die meisten kamen wohl von der Arbeit draußen auf den Feldern wieder, einige spazierten einfach etwas herum. Wenn sie sich nach rechts wandte und vielleicht fünf bis zehn Minuten lief, würde Sharon bei der Pension ankommen, in der sie sich eingemietet hatte. Sie gehörte einer freundlichen älteren Frau, die auf sie fast etwas mütterlich wirkte - wahrscheinlich würde Sharon einen Kommentar zu ihrer Alkoholfahne kriegen, wenn sie zurückkam. Und zu ihren Blessuren.
    "Hm... also ich muss da lang", sagte Sharon zu dem Mädchen, dessen Namen sie immernoch nicht kannte, und deutete in die Richtung der Pension. Theoretisch konnte sie auch einfach gehen. Sie hatte kein Interesse daran, sich mit dem Mädchen zu unterhalten und das Mädchen sicher auch nicht mit ihr...



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 17:58


    Sobald die Frau die Tür zugemacht hatte, wurde es augenblicklich leiser.
    Man hörte zwar immer noch Schreie und das Gegröle von besoffenen Männern und ab und zu mal ein zerbrechendes Gefäß, aber das alles wurde durch die Wände doch erstaunlich abgedämpft.
    Hm... also ich muss da lang, sagte die Rothaarige und deutete einen Weg entlang, der aus dem Ort herraus führte, vorbei an einigen Wohnhäusern, einer Pension und einer Menge Bäumen.
    Da Seren sie hier noch nie gesehen hatte, vermutete sie, dass die Frau zu der Pension musste und eine Durchreisende war.
    Denn jemand wie sie wäre ihr sicherlich aufgefallen.. sie wohnte ja nun schon eine ganze Weile hier in der Gegend.
    Und rein zufälliger Weise war das genau der Weg, den sie auch nach Hause nehmen musste.
    "Ich auch", gab sie zurück und sah den Weg entlang, den sie gleich nehmen würde. Wahrscheinlich zusammen mit dieser Frau, da es doch recht bescheuert wäre, wenn sie im Abstand von drei Metern hintereinander her liefen. Abgesehen davon hatte die Frau irgendwas merkwürdiges an sich. Nicht im Sinne von komisch oder absonderlich, sondern.. merkwürdig eben. Vielleicht lag das an ihren langen Haaren, aber wohl eher an ihrer gesamten Art, ihrem Auftreten. Nett war sie nicht unbedingt, nein, aber.. naja.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 18:23


    Das Mädchen hatte also den selben Weg.
    "Na dann", nuschelte Sharon und ging los, einfach davon ausgehend, dass ihre Begleiterin ihr folgte, denn alles andere wäre ja ziemlich albern bis kindisch gewesen. Wenn sie in der Kneipe arbeitete, wohnte sie vermutlich irgendwo hier.
    Während sie den Weg entlangging, sah Sharon auf die Hauswand neben sich und versuchte, sich möglichst parallel zu dieser zu halten, was ihr nicht recht gelingen wollte. Heraus kamen kleine Schlangenlinien mit zwischenzeitlichem Stolpern über diverse Steine. Offensichtlich hatte der übermäßige Alkoholkonsum eine verheerende Wirkung auf ihren Gleichgewichtssinn... interessant. Und gewissermaßen lustig, wenn auch ein bisschen lästig.
    "Oh... hoppla." Bei einem kleinen Schritt zur Seite, um wieder gerade zu laufen, trat Sharon aus Versehen in ein Schlagloch, hätte sich deswegen schon wieder fast hingelegt. "Nicht gerade von bester Qualität, der Weg...", murmelte sie mehr zu sich selbst als zu dem Mädchen und wich einem Baum aus. Zum Glück war sie nicht dagegen gerannt... und die Pension war immernoch so weit weg.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 18:25


    Ja, Seren folgte der Frau.
    Als sie so neben ihr her ging, betrachtete sie aus den Augenwinkeln und sah, wie diese ziemlich am schwanken war und über diverse Steine stolperte. Eindeutig, sie hatte getrunken.. Und das nicht zu wenig. Es würde sie nicht überraschen, wenn sie gleich hinter den nächsten Baum kotzte. Mit halbem Ohr hörte sie, wie die Frau sich über den Weg beschwerte, wahrscheinlich, weil sie kurz zuvor in ein Schlagloch getreten war. Nun, der Weg war wirklich nicht mehr der neuste, aber wenn man nicht ganz so stockbesoffen war wie sie, dann machte einem das auch nicht allzu viel aus...
    Seren beschloss, nicht weiter auf das Thema Straße einzugehen und stattdessen etwas rumzufragen. Es war nämlich ziemlich bescheuert, wenn sie die ganze Zeit schweigend nebeneinander her liefen.
    "Sag mal.. Du musst doch zu der Pension, oder? Bist du Durchreisende? Woher kommst du?"
    Eigentlich war nur die letzte dieser Fragen relevant, das andere wusste sie ja eigentlich schon. Sie wollte nur sicher gehen, dass sie nicht vor kurzem hier in der Gegend eingezogen und nur noch nicht so oft auf der Straße gewesen war..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 20:04


    Jetzt fing alles an, sich zu drehen... Sharon kniff einmal kurz fest die Augen zu und schlug sie dann wieder auf. Tatsächlich half das etwas. In diesem Moment stellte das Mädchen eine Frage, oder eher drei Fragen, deshalb sah sie zu ihr hinüber - einerseits ein Fehler, weil sie jetzt wirklich gegen einen Baum stolperte, was allerdings andererseits gut war, weil sie sich an eben diesem festhalten konnte und nicht in den Büschen landete. Um zu antworten, blieb sie erstmal kurz dort stehen:
    "Ja, ich muss zu der Pension und bin Durchreisende. Und..." Sie konnte schlecht sagen, dass sie aus einem Höhlensystem im Wald kam. Aber davor hatte sie sich eine ganze Weile in der Hauptstadt Lalientha aufgehalten. "...ich komme aus Lalientha. Du wohnst hier, nehme ich mal an?"
    Danach stieß sie sich wieder vom Baumstamm ab und ging langsam weiter, sich alle Mühe gebend, nicht haltsuchend mit den Armen herumzufuchteln. Dazu war sie doch etwas zu stolz.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 21:55


    Jetzt stolperte die Frau doch noch gegen einen Baum und blieb an diesen angelehnt stehen, während sie ihr antwortete.
    Lalientha also.. Das war die Hauptstadt von Narya, so viel wusste sie. Dort gewesen war sie allerdings noch nie, aber sie hatte sich vorgenommen, irgendwann mal hin zu gehen.
    Nachdem sie geendet hatte, stieß sie sich wieder von dem Baum ab und ging langsam weiter. Irgendwann kippte sie bestimmt nochmal um.. Und wenn nicht, hatte sie morgen zumindest einen schönen Kater, da war Seren sich relativ sicher.
    "Ja, ich komme aus Rjaka, ein Dorf hier in der Nähe.. Darf ich wissen, warum du hier bist?", fragte Seren weiter und ging damit nicht auf die kleine Pause und den Baum ein. Sowas würde wohl noch öfter passieren, auch wenn es eigentlich nicht allzu weit bis zu der Pension war, in der sie wohnte. Irgendwie waren Betrunkene ja immer recht lustig anzuschauen, wenn sie so durch die Gegend torkelten und irgendwelche Dinge taten, die sie normalerweise nie im Leben tun würden. Seren dachte da ganz speziell an einen normalerweise verdammt spiessigen Mann, der immer alles ordentlich haben musste und den ganzen Tag mit Lesen verbrachte. Als sie ihn vor ein paar Tagen in der Kneipe gesehen hatte.. Nun, sie hatte ihn fast nicht wieder erkannt. Aber gut, wer das brauchte, sollte es eben tun. Wobei Seren sich etwas wunderte, warum die Frau sich so dichtgeschüttet hatte.. Sie sah nicht wirklich danach aus. Wobei das der spiessige Mann auch nicht getan hatte.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 21:57


    Ich bin Rebellin und wollte auskundschaften, ob es hier Todeskandidaten zum Befreien gibt, lag Sharon auf der Zunge, aber sie sprach es natürlich nicht laut aus - so betrunken war sie nun auch nicht. Sie hatte immernoch einen verhältnismäßig klaren Kopf, die frische Luft hier draußen half da ganz gut.
    "Ich war zu Besuch in Nenta", log sie deshalb munter drauflos. Nenta war eine relativ große Stadt, weil dort das Anwesen eines Fürsten stand und das zog die Leute an. "Eine Tante von mir war schwer krank, darum bin ich hin und habe ihr mit ihrem Laden geholfen und sie gepflegt. Inzwischen geht es ihr zum Glück wieder gut, darum gehe ich zurück nach -" Sie stockte, ruderte doch kurz mit den Armen, weil sie bedrohlich nach links kippte, und ging dann weiter. "- Lalientha."
    Solche Geschichten hatte Sharon tausende auf Lager, schließlich kam immer mal jemand, der lästige Fragen stellte wie auch in diesem Fall.
    "Ich wollte nur mal ein paar Tage Pause machen hie-- Ah!"
    Das Armerudern hatte nicht sehr viel genutzt. Dank einem weiteren Schlagloch verlor Sharon entgültig das Gleichgewicht und konnte sich gerade noch an dem erstbesten festhalten, was ihr in die Hände kam: Wie sich herausstellte, die Schulter des Mädchens, die sie, nachdem sie das festgestellt hatte, eilig wieder losließ. Konnte sie sich nicht wenigstens noch einen Rest Würde bewahren...?



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 21:59


    Seren ging weiterhin neben der Frau her, während diese ihre kleine Geschichte vortrug. Eine kranke Tante in Nenta also..
    Nenta, da war sie sogar schon einmal gewesen. Ein ziemlich großer Ort mit vielen Menschen, und alles dort war ziemlich unübersichtlich. Fand zumindest Seren, die das Stadtleben nicht wirklich gewöhnt war.
    Gerade, als das Mädchen fragen wollte, was ihre Tante denn gehabt hatte, trat die Frau erneut in ein Schlagloch und fiel nun wirklich - konnte sich aber noch an ihrer Schulter abstützen.
    Seren zuckte zusammen, obwohl sie vorhergesehen hatte, dass soetwas passieren konnte. Nur wurde ihr diese Frau langsam etwas unheimlich. Wobei ihr viele Betrunkene Leute unheimlich waren, eigentlich sogar alle. Zumindest ein bisschen. Kam ganz darauf an, wo sie sich befanden..
    "..alles in Ordnung?", fragte das Mädchen vorsichtshalber nach, als die Rothaarige sich wieder gefangen hatte. Nicht, dass sie gleich noch ganz umkippte oder sowas..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 22:01


    Das Mädchen fragte doch tatsächlich, ob bei ihr alles in Ordnung war. Tzzz.
    "Ja, ja, alles in Ordnung", entgegnete Sharon und verfluchte sich selbst für ihre Ungeschicklichkeit. Warum hatte sie sich nochmal betrunken...? Achja, Frust abbauen und so. Jetzt hatte sie nur neuen Frust, es war also nicht allzu produktiv gewesen... wirklich klasse. "Mein Gleichgewichtssinn spinnt heute etwas...", fügte sie noch an ihre Aussage an als wäre eine Erklärung notwendig. Das Mädchen wusste ja wohl selbst, woran das lag und wahrscheinlich lachte es sich innerlich über sie kaputt. Vielleicht dachte es auch, sie würde sowas öfter machen. Ein Glück, dass sie sich nach dem heutigen Abend nie wieder begegnen würden, nächste Woche würde das Mädchen sie sicher längst vergessen haben.
    Sharon ging weiter, noch etwas vorsichtiger als vorher. Sie passte jetzt besser auf den Weg auf und sah zu, an den Löchern vorbeizuschwanken (oder so ähnlich). Sie hatte eigentlich keine Lust, noch ein paar mehr Schrammen und zusätzlich Blätter im Haar davonzutragen, weil sie in einen der Büsche am Wegrand gekippt war. Ein Viertel des Weges hatten sie schon hinter sich... Nein, fast die Hälfte.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 22:04


    Heute.. Achso. Und gestern dann wahrscheinlich auch.. Ob sie wohl öfter so viel trank?
    "Kommt davon, wenn man sich so zuschüttet... Wie viel hast du eigentlich getrunken, dass du schon kaum noch laufen kannst?", fragte Seren mit einem leichten Grinsen im Gesicht. Sie hatte schließlich selbst Schuld, dass sie nicht mehr gerade laufen konnte. Gleich sagte sie bestimmt, dass sie nicht mehr genau wusste, wie viel sie getrunken hatte.. Aber wahrscheinlich doch etwas mehr. Hätte sie die Schlägerei nicht angefangen, säße sie bestimmt immer noch da drinne und wäre am Trinken. Und morgen früh wollte Seren ganz bestimmt nicht mit ihr tauschen, nein, wirklich nicht.
    Gleich zu Hause würde sie sich erstmal waschen.. Und ihre Verletzungen verarzten. Die meisten taten zwar nicht mehr sehr weh, aber ihr Oberarm schmerzte immer noch ziemlich, und richtig zu bluten aufgehört hatte er auch nicht. Was ihre Mutter wohl sagen würde, wenn sie so nach Hause kam..? Ob sie ihr die Geschichte wohl glauben würde..? Hoffentlich war sie gerade nicht da oder schlief schon oder sowas. Sie hatte nämlich wirklich keine allzu große Lust, das ganze zu erklären..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 22:06


    Genau, wieviel hatte sie eigentlich getrunken...? Sie hatte nicht drauf geachtet, war ihr das doch auch vollkommen egal gewesen.
    "Gute Frage, ich habe keine Ahnung", sagte Sharon darum, einen kleinen Schlenker um ein weiteres Schlagloch machend, das ihr diesmal vorher aufgefallen war. "Mein eigentlicher Plan war sowieso mich ins Koma zu saufen, aber da ist die Schlägerei zwischengekommen", fügte sie hinzu, verdutzt über ihre eigene Ehrlichkeit.
    Ja, im Prinzip wäre es nett gewesen einfach mal 'weg' zu sein, an nichts denken zu müssen, da ließ sich selbst der nächste Morgen aushalten. Aber sie würde den Versuch bereuen, das wusste sie jetzt schon... na ja, nicht mehr zu ändern, lieber auf den Weg konzentrieren und darauf, nicht das Mädchen umzurennen. Apropos Mädchen...
    "Sag mal, wie heißt du eigentlich?" Im Prinzip gab es keinen Grund das wissen zu wollen,doch es interessierte sie gerade, es war schließlich nervig, ihre kurzzeitige Begleitung in Gedanken immer nur 'das Mädchen' nennen zu können.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 22:09


    Bei dem 'keine Ahnung' musste Seren nun wirklich ein Lachen unterdrücken. Woher hatte sie das nur gewusst..?
    Musste wohl daran liegen, dass nur die wenigsten Menschen, die etwas zu viel getrunken hatten, hinterher noch wussten, wie viel sie denn nun getrunken hatten.
    Bei dem ins Koma saufen stutzte das Mädchen dann aber doch.
    Was sollte diese Frau für einen Grund haben, sich so sehr zu besaufen..? Allzu depressiv sah sie eigentlich nicht aus. Gerade, als sie danach fragen wollte, fragte die Frau ihrerseits, wie sie eigentlich hieß. Stimmt, sie wusste ja selber auch noch nicht, wie die Frau hieß.. Verwunderlich nur, dass sie das wissen wollte. Das wollten sonst die wenigsten Menschen wissen.
    "Seren", antwortete sie also, "aber warum wolltest du dich ins Koma saufen..? Und wie heißt du eigentlich?" Die letzte Frage hätte sie bei ihrer Antwort fast vergessen. Aber wenn die Frau ihren Namen wusste, wollte sie jetzt auch den Namen der Rothaarigen kennen. Im nächsten Moment fiel ihr auf, dass sie mit ihrer ersten Frage vielleicht etwas zu weit gegangen war. Sie kannte die Frau kaum und kam schon mit solchen Fragen.. Nun ja, jetzt war es sowieso zu spät, und aller Wahrscheinlichkeit nach würden sie sich nach diesem Abend sowieso nie wieder begegnen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 22:12


    Seren hieß das Mädchen also und fragte nun, warum sie sich denn ins Koma hatte fallen wollen. Was ging sie das eigentlich an...? Rein gar nichts und einen dementsprechenden Blick bekam die Weißhaarige ab, bevor Sharon trotzdem antwortete.
    "Ich wollte einfach mal abschalten", sagte sie schlicht. Das stimmte sogar, auch wenn sie da einiges ausließ. "Ich..." Mal wieder wurde ihr Satz von einem Stolperer unterbrochen - wie sollte man sich auch gleichzeitig auf den Weg und das Gespräch konzentrieren? - diesmal begleitet von einem kräftigen Fluchen. "Ich heiße Sharon", fing sie nochmal von vorn an.
    So, jetzt waren die allgemeinen Formalitäten ausgetauscht. Bald würde sie bei der Pension angekommen sein und Seren nie wiedersehen... nicht unbedingt schade. Wobei dieses Mädchen irgendetwas hatte, was sie von den anderen Leuten unterschied, etwas... naja, sie schien nicht so stumpfsinnig zu sein wie die meisten Leute. Sie war ein Mensch wie die, die sich dem Bund der Adler angeschlossen hatte, inzwischen glaubte Sharon in der Lage zu sein solche Menschen zu erkennen und zwar nur an ihren Augen. Wie auch immer, wiedersehen würden sie sich trotzdem nicht.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 22:25


    Sharon also.. Einfach mal abschalten. Ja, das wollten wohl die meisten Leute, die Alkohol tranken. Abschalten, ihre Probleme vergessen... Konnte bestimmt manchmal ganz hilfreich sein. War aber bestimmt nicht unbedingt die gesündeste Methode. Nur leider auch so ziemlich die einzige, die Seren kannte, auch wenn sie selbst sie noch nicht ausprobiert hatte – und so, wie Sharon aussah, nahm sie sich vor, das auch nicht allzu bald zu tun. Sie hatte nämlich keine Lust, bei jedem zweiten Schritt fast umzukippen.. Außerdem redete man wirres Zeug, wenn man betrunken war, Sachen, die man eigentlich nie hatte erzählen wollen. So viel hatte sie dann doch schon mitbekommen.
    „Achso“, meinte sie nur und sah den Weg hinauf. Bald müsste die Herberge in Sicht kommen, weit dürfte es nicht mehr sein. Bis dahin würde die Frau es wohl gerade noch schaffen...
    Eine Weile lang ging sie schweigend so dahin, bis ihr ein neues Gesprächsthema einfiel. Schweigen war nämlich irgendwie merkwürdig, wenn man schon nebeneinander her lief.
    „Hast du das eigentlich auch mitbekommen? Vorgestern, der 'Überfall' auf dieses kleine Dorf hier in der Nähe?“
    Seren redete von einem Dorf namens Hanun, in dem vor zwei Tagen einige Bürger gehängt worden waren, weil sie sich geweigert hatten, ihre Steuern zu zahlen. Vom Adel natürlich. Und da Hanun auf dem Weg von Nenta hier her lag, könnte Sharon dort vorbei gekommen sein, als das ganze passiert war. Und da sie sowieso gerade ein Gesprächsthema brauche, konnte sie ja mal fragen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 22:27


    Das Mädchen schien ihre Aussage zur Kenntnis zu nehmen und ein Weilchen liefen bzw. (in ihrem Fall) stolperten sie schweigend den Weg entlang, bis Seren erneut etwas von sich gab. Sharon brauchte einen Moment, um zu realisieren, was da gesagt worden war, doch dann schlug es ein wie ein Meteorit:
    Überfall. Dorf. Vorgestern. Hier in der Nähe.
    Sharon wollte ihre Überraschung und ihr Erschrecken - denn es gab kaum Zweifel, dass wieder der Adel irgendwas ausgeheckt hatte - eigentlich hinter ihrem üblichen Gesichtsausdruck verbergen, doch sie bezweifelte, dass ihr das gelang. Verdammter Alkohol, machte einen ganz wirr im Kopf.
    "Wie... wo... was für ein Überfall?", wiederholte sie, wodurch jetzt wirklich offensichtlich wurde, dass sie verwirrt war. Arg. Genau das war der Grund, warum sie Überraschungen nicht leiden konnte und es im Allgemeinen nicht mochte, nicht über alles, wirklich alles informiert zu sein... schließlich hatte so etwas auch dazu geführt, dass sie überhaupt hierhergekommen war und sich hatte vollaufen lassen. Teufelskreis? Oh ja. Die Welt hatte sich gegen sie verschworen... Halt, stop. Keine Verschwörungstheorien. Oder doch..? Vielleicht... neeeeiiin.
    Sharon schüttelte den Kopf, wie um eine lästige Fliege zu verscheuchen, und richtete den Blick fragend auf Seren.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 22:29


    Ihrem verwirrten und fragenden Gesichtsausdruck ließ sich entnehmen, dass Sharon nichts von der Sache wusste. Ihrer Frage nach zu urteilen natürlich auch. Das war merkwürdig, eigentlich sprachen sich solche Sachen relativ schnell rum.. Aber wahrscheinlich stand diese Frau doch öfter unter Alkoholeinfluss, als sie vermutete.
    "Hast du wirklich nichts davon gehört? Naja, Überfall kann man es vielleicht nicht unbedingt nennen.. Aber in diesem Dorf, in Hanun, wurden ein paar Leute aufgehängt. Wie viele genau weiß ich nicht, da widersprechen sich die meisten.. Aber es ist meistens von fünf oder sechs die Rede. Sie haben sich geweigert, ihre Steuern an den Adel zu bezahlen. Naja, und dann sind wohl ein paar Soldaten gekommen und haben kurzen Prozess gemacht...", erzählte Seren und biss sich auf die Lippe. Sie konnte die Bürger verstehen, die Steuern, die man an den Adel abtreten musste, waren wirklich viel zu hoch. Verdammter Adel. Und das war keineswegs ein Einzelfall. Immer wieder wurden Bürger ermordet, weil sie entweder keine Steuern zahlen konnten oder wollten. Aber nicht nur deswegen, auch wegen vollkommen harmlosen Sachen.
    Auch in ihrem Dorf war soetwas schon vorgekommen, sie hatte es mit eigenen Augen gesehen. Der alte Mann, den sie erstochen hatten, praktisch ohne Grund.. Und keinen hatte es gestört.
    Aber was sollte sie schon tun? Sie, ein kleines, unnützes, dreizehnjähriges Mädchen..?



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 22:31


    Sie hatte es gewusst. Naja, eigentlich geahnt. Aber irgendwie auch gewusst.
    Wie üblich jagte beim Gedanken an den Adel Adrenalin durch ihren Körper. Bei jedem von Serens Worten wurde Sharons Gesicht finsterer, ohne es zu merken ballte sie die Hände zu Fäusten. "Diese verdammten Ar..."
    Leider konnte sie diesen freundlichen Satz nicht beenden, da sie unterbrochen wurde - von einem Stein, der unglücklich im Weg herumlag. Einen Moment später fand sie sich auf dem Boden wieder, blinzelte nach oben in den Himmel... sie konnte einen einzelnen Stern aufblinken sehen, den ersten heute Nacht. Er hob sich deutlich vom schwarzen Hintergrund ab. Die Sonne war wohl unbemerkt vollständig untergegangen...
    Moment, was machte sie hier!? Sie sollte sich jetzt nicht mit Himmelsbetrachtungen beschäftigen. Wie kam sie überhaupt auf den Boden? Achja... sie war gestolpert. Weil sie an die Hinrichtungen gedacht hatte. Hinrichtungen...
    Warum, warum, warum? Warum waren sie nicht dort gewesen? Sie hätten es verhindern können... verhindern müssen. Anscheinend waren ihre Informationen falsch gewesen, sie war zum falschen Dorf gegangen - vermutlich sowieso zu spät - und darum waren fünf oder sechs Menschen gestorben, durch die Hände des Adels. Oder eher nicht, die würden sich kaum die Hände schmutzigmachen.
    In diesem Moment erinnerte Sharon sich wieder daran, dass sie nicht allein war, und blickte von ihrem gemütlichen Liegeplatzmitten auf der Straße zu Seren hinauf, sich langsam mit dem Ellenbogen hochstemmend und schließlich schwankend wieder aufstehend. Morgen früh würde ihr das Ganze furchtbar peinlich sein - spätestens. Aber jetzt war das auch egal. Am besten, die ging doch zurück zur Kneipe, die Schlägerei war sicher zu Ende. Und wenn nicht, ließ sich sicher woanders was zu trinken finden. Also taperte sie wieder ein paar Schritte in die entgegengesetzte Richtung.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 22:38


    Jedes Wort, dass sie sagte, lies Sharons Gesichtsausdruck wütender werden, sodass Seren schon überlegt hatte, ihren Bericht vorzeitig abzubrechen.
    Nachdem sie dann doch geendet hatte, wollte ihre Begleiterin wohl etwas sagen, was 'Diese verdammten Arschlöcher' werden sollte, allerdings brach sie vorzeitig ab - und verschwand aus Serens Sichtfeld.
    Das weißhaarige Mädchen fand sie auf dem Boden wieder, sie war wohl mal wieder gestolpert. Tjaja, der liebe Alkohol..
    Einen Moment lang tat Sharon gar nichts, so dass Seren fast gedacht hätte, sie wäre eingeschlafen oder ins Koma gefallen oder so, hätte sie nicht die Augen aufgehabt und geblinzelt.
    Nach einer Weile richtete sie sich dann doch wieder auf - und marschierte in die Richtung, aus der sie gekommen waren.
    Einen Moment lang stand Seren etwas regungslos und verwirrt da, Sharon nachsehend.
    Ist sie so voll, dass sie jetzt in die falsche Richtung geht!?, fragte sie sich und wusste nicht, ob sie das jetzt lustig finden sollte oder nicht.
    "Ähm - Das ist die falsche Richtung..!", bemerkte Seren also und lief der Rothaarigen hinterher, um sie aufzuhalten.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 20.03.2009, 22:56


    Das Mädchen, das sie stehengelassen hatte, rief ihr hinterher, dass sie in die falsche Richtung gehe und schien ihr, nach den Geräuschen zu urteilen, nach. Falsche Richtung? Wieso falsche Richtung, die Kneipe war doch da vorne... aber halt, Seren wusste noch gar nichts von ihrem Entschluss, fiel ihr ein. Stimmt ja.
    Sharon blieb deswegen stehen, da sie sich nicht zutraute, zu der Weißhaarigen zu schauen ohne noch einmal das Gleichgewicht zu verlieren. "Ich hab's mir anders überlegt, ich gehe doch nochmal zurück", erläuterte sie daraufhin, als wäre das etwas völlig selbstverständliches. Warum sollte Seren auch etwas dagegen haben? Sharon wunderte sich schon, dass sie sie überhaupt aufgehalten hatte.
    Aus diesem Grund hielt sie sich nicht weiter auf und marschierte wieder los, in ihren heute üblichen unregelmäßigen Schlangenlinien. So lang war der Weg hierher doch gar nicht gewesen...oder? Nein, eigentlich nicht. Sollte zu schaffen sein.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 20.03.2009, 23:05


    Zurück.
    Zurück...
    Zurück!?
    War Sharon etwa wahnsinnig geworden? Sie wollte ehrlich in diesen.. Schuppen zurück? Irgendwie musste Alkohol doch einen sehr starken Einfluss auf den Entscheidungssinn haben.. Der ging es wirklich nicht mehr ganz gut. Nein, wirklich nicht. Die musste ins Bett, und zwar schnell, wenn sie jetzt nochmal zurück ging.. Nun, Seren hatte Zweifel daran, dass sie noch lebend aus der Kneipe herauskommen würde.
    Also. Nächster Plan: Sie aufhalten.
    Warum eigentlich? Konnte es ihr nicht vollkommen egal sein, was diese Fremde tat? Es ging sie nichts an, sie kannten sich kaum, hatten sich nur einmal getroffen. Und jetzt wollte sie sie davon abhalten, sich weiterhin zu besaufen.. Immerhin arbeitete sie da praktisch und hielt somit Kundschaft ab. Wobei man bei dieser Schlägerei wohl kaum zum Trinken kam.
    Trotzdem. Irgendwas hatte diese Frau an sich, sodass sie nicht wollte, dass sie dorthin zurück ging. Warum auch immer.
    "Ähm - Das ist eine ganz schlechte Idee.. Ich will gar nicht wissen, wie viel du intus hast, aber du solltest schnellstens ins Bett", protestierte sie also und lief so weit vorraus, dass sie sich Sharon in den Weg stellen konnte und diese praktisch zum Anhalten gezwungen wurde.
    Ausweichen traute Seren ihr in diesem Zustand nämlich nicht mehr zu.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 23.03.2009, 21:06


    Sharon ging weiter und wollte dem Mädchen, das sich ihr in den Weg stellte, eigentlich ausweichen, rannte aber stattdessen in Seren hinein. Ein zweites Mal griff sie automatisch nach ihrer Schulter, um sich festzuhalten - erst jetzt drang zu ihr durch, was Seren vorhin von sich gegeben hatte.
    Das ist eine ganz schlechte Idee... du solltest schnellstens ins Bett.
    Irritiert sah Sharon die Dreizehn-, allerhäöchstens Vierzehnjährige an, die sich aufführte, als hätte sie irgendetwas zu sagen, als wäre sie ihre Mutter oder so. Nicht, dass Sharon aus eigener Erfahrung wusste, wie es war, eine Mutter zu haben, aber so in etwa stellte sie sich das vor.
    "Oh, verdammt, lass mich durch", beschwerte sie sich nun und versuchte, das Mädchen zur Seite zu schieben. "Ich glaube doch, ich kann selber entscheiden, wann ich ins Bett muss", fügte sie hinzu, den Satz in Gedanken noch weiterführend: Notfalls nächtige ich eben im Gebüsch.
    So schlimm war es dort sicher nicht. Nunja, wenn sie schlief, war es sowieso egal, wo sie lag, theoretisch zumindest. Hauptsache, sie schlief endlich und kriegte den Adel und alles andere Beschissene aus ihrem Kopf raus.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 24.03.2009, 21:40


    Ihre Rechnung ging auf, Sharon schaffte es tatsächlich nicht, auszuweichen, sondern stolperte stattdessen in sie hinein. Immerhin besser, als wenn sie weiterlaufen würde. Seren bezweifelte sowieso, dass sie es noch bis zurück ins Dorf schaffen würde..
    Als die Frau schließlich versuchte, sie zur Seite zu schieben, blieb sie stehen - was ´nicht allzu schwer war - und schob ihrerseits die Hand der Rothaarigen von sich weg.
    "Nein, ich bezweifle, dass du das kannst", entgegnete sie entschieden.
    "Wenn du jetzt zurück zur Kneipe läufst, ist der Weg viel weiter, als wenn du gleich zurück zur Pension gehst. Außerdem gibst du da nur unnötig Geld aus oder wirst zusammengeprügelt..
    Und was das abschalten betrifft.. ich glaube, das tust du schneller, wenn du jetzt einfach zurück zur Pension gehst und dich schlafen legst, als wenn du jetzt zurückläufst, dich besäufst, wieder zurück läufst und dann auf halbem Weg erst irgendwo an den Straßenrand kippst und dann nachts von irgendwelchen Leuten ausgeraubt wirst", versuchte Seren sie davon zu überzeugen, nicht wieder zurück zu gehen.
    Und wenn das jetzt nichts bringen würde, was Seren irgendwie bei dieser Person schon fast vermutete, dann würde sie sie eben zur Pension schleifen. Großartig wehren konnte sie sich nämlich bestimmt nicht mehr.
    ..Seren, du bist wirklich verrückt, stellte sie fest. Aber gut, das hatte sie auch schon vorher gewusst..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 25.03.2009, 17:37


    Das mit dem Geld und dem Prügeln ignorierte sie geflissentlich. Zugegeben, das mit dem längeren Weg klang sinnvoll, doch trotzdem war Sharon nicht gewillt, sich von einem Kind herumkommandieren zu lassen. Ehrlich mal. Wer hatte dieses Mädchen bitte erzogen? Andererseits überraschte sie, dass sie tatsächlich nicht in der Lage war, Seren zur Seite zu schieben, stattdessen schob Seren ihre Hand weg. War sie wirklich so betrunken...? Sich mit den Besoffenen in der Kneipe zu prügeln hatte doch noch relativ gut geklappt. Merkwürdig. Aber mit diesen Überlegungen konnte Sharon sich auch noich später beschäftigen, jetzt erst einmal eine Antwort für Seren:
    "Welcher Idiot würde denn auf die Idee kommen, mich auszurauben?", fragte sie mit einem Blick an ihrer zerschlissenen Kleidung herunter. Ihrer Meinung nach sah sie nicht aus wie jemand, der wertvolle Sachen mit sich herumschleppte, was ja auch nicht der Fall war. "Was interessiert es dich überhaupt, was ich in meiner Freizeit mache?", schob sie hinterher, während sie erneut versuchte, sich an Seren vorbeizudrängeln. Vergeblich. Vielleicht sollte sie ihr einfach eine runterhauen... wobei, eigentlich war sie nicht so gewalttätig. Eigentlich. Normalerweise. Heute war kein normaler Tag.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 02.04.2009, 15:45


    Was interessiert es dich überhaupt, was ich in meiner Freizeit mache?
    Argh. Genau das war die Frage gewesen, die sie sich selbst die ganze Zeit gestellt hatte. Zwar nicht in diesem Tonfall, aber.. Tja. Jetzt hatte sie ein Problem. Denn darauf eine Antwort zu finden, versuchte sie ja schon selbst die ganze Zeit. Eigentlich ging diese Sharon sie nichts an, eigentlich sollte sie jetzt nach Hause gehen und sich schlafen legen, um diesen merkwürdigen Tag so schnell wie möglich zu vergessen. Stattdessen ärgerte sie sich mit jemandem herum, den sie noch nie zuvor gesehen hatte und versuchte ihn davon abzuhalten, sich zu betrinken... Ja, nur warum?
    "Es gibt genug sogenannte 'Idioten', für die es sehr lohnend wäre, dich auszurauben, weil sie noch weniger haben als du. Von denen gibt es hier im Land dank dem Adel leider nicht allzu wenige. Und was deine zweite Frage betrifft..", begann sie und stockte. Sollte sie ihr jetzt schlicht und einfach sagen, dass sie keine Ahnung hatte..?
    "Ich weiß es nicht", sagte sie schließlich. "Eigentlich sollte es mich überhaupt nicht interessieren, und ich verstehe selber nicht, warum ich dich aufhalten will. Aber ich will es einfach, deswegen tue ich es."
    Das war jetzt zwar eine ziemlich dämliche Erklärung, aber besser, als wenn sie gar nichts sagte.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 02.04.2009, 21:10


    Auf Sharons Stirn erschien eine steile Falte, als Seren schon wieder vom Adel anfing. Der Adel. Pah. Wäre sie nicht betrunken und somit etwas klarer im Kopf, wäre ihr vermutlich aufgefallen, dass das Mädchen den Adel gerade schlechtgemacht hatte, ein eindeutiger Sympathiepunkt, allerdings war sie betrunken. Deswegen konzentrierte sie sich nun auf die Antwort auf ihre zweite Frage. Und darauf, sich eine Antwort auf diese Antwort zu überlegen.
    "Das ist... eine ziemlich erbärmliche Erklärung", sagte sie schlicht. Es stimmte ja auch, das Dumme war nur, dass sie gegen die Tatsache, dass Seren sie einfach aufhalten wollte ohne zu wissen warum, schlecht gegendiskutieren konnte, anders als gegen diverse seltsame moralische Erklärungen oder so.
    Andererseits... warum wollte sie überhaupt zurück und sich vollends zuschütten? Ja, richtig, sie wollte es auch einfach (auch wenn sie halbwegs eine Ahnung hatte warum). Seren hatte null Recht sie davon abzuhalten zu tun und zu lassen, was sie wollte. Also wirklich, sie war die Anführerin des Bundes der Adler! Die ließ sich von nichts aufhalten.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 02.04.2009, 21:37


    Was eine Feststellung. Das hatte sie auch schon gewusst, bevor sie überhaupt auch nur etwas gesagt hatte.
    Allerdings sah es nicht so aus, als würde Sharon nochmal nachgeben und von alleine zur Pension gehen.
    Und wenn sie jetzt einfach.. Die Frau würde sie garantiert für vollkommen bescheuert halten. Aber die Frau war betrunken. Und sie würden sich sowieso niemals wieder sehen, war es dann nicht ganz egal, was sie jetzt tat oder sagte..?
    Eigentlich schon. Im Grunde genommen konnte sie machen was sie wollte, es würde sie höchstwahrscheinlich nie jemand darauf ansprechen..
    "Ich weiß", sagte sie also schlicht.
    Dann packte Seren Sharon am Arm, drehte sich um und ging in Richtung Pension, versuchend, die Rothaarige mitzuschleifen. Ja, sie war verrückt, vollkommen verrückt. Aber wenn sie das jetzt nicht tat, hatte sie höchstwahrscheinlich am nächsten Tag ein schlechtes Gewissen. Außerdem tat sie eigentlich immer das, was sie gerade für richtig hielt. Und diese Frau davon abzuhalten, sich ins Koma zu saufen, hielt sie gerade für richtig.
    Was solls..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 06.04.2009, 20:14


    Ich weiß, antwortete Seren und packte sie am Arm, womit sie Sharon vollkommen überraschte. Noch mehr dadurch, dass sie losging und sie mitzog.
    Sharon war so verdutzt, dass sie erst nach vielleicht zehn gestolperten Metern realisierte, dass sie nicht zurück zur Kneipe gingen, sondern in Richtung Pension. Hatte sie sich nicht gerade vorgenommen, sich von diesem Mädchen nicht herumkommandieren zu lassen...?
    "Hey... was soll das?"
    Die Frage war zwar nicht sonderlich einfallsreich, aber gerade das einzige, was ihr einfiel, während sie weiter hinter Seren herstolperte und sich mal wieder fast auf die Nase legte. Fast. Das Dumme war, wenn sie versuchen würde stehen zu bleiben, würde sie sich wahrscheinlich wirklich hinlegen... das war schlecht. Verdammt.
    Dieser Abend war wirklich merkwürdig. Sehr merkwürdig. Vielleicht wäre es wirklich ratsam ins Bett zu gehen, aber dann würde sie ja auf das Mädchen hören - nee.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 06.04.2009, 21:44


    Zuerst dachte Seren, dass Sharon einfach schweigend hinnehmen würde, dass sie sie mitschleifte. Das wunderte sie, denn das, was sie bisher von der Rothaarigen erkannt hatte, war, dass sie ihren eigenen Kopf hatte.
    Nach etwa fünfzehn Schritten sagte sie dann aber doch etwas - und es klang nicht gerade besodners erfreut. Blitzmerker.
    Was das sollte? Hatte sie ihr nicht eben gerade erklärt, dass sie keine Ahnung hatte, warum sie das alles machte..?
    Entweder, das war nicht ganz rübergekommen, oder Sharon litt an Alzheimer. Oder es war doch der Alkohol.
    "Ich bringe dich aus mir unerfindlichen Gründen zur Pension zurück, damit du dich nicht vollsäufst", antwortete sie also schlicht, die Rothaarige immer noch mitschleifend. Entweder war diese zu betrunken um sich zu wehren oder sie hatte eingesehen, dass es besser für sie war, wenn sie jetzt schlafen ging.
    Wobei Seren sich ziemlich sicher war, das ersteres eher zutraf.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 07.04.2009, 13:54


    Daraufhin fiel Sharon erst einmal gar nichts mehr ein, genauso wusste sie nicht, was sie machen sollte, um das Mädchen loszuwerden. Vielleicht sollte sie absichtlich stolpern, dann würde Seren sie vielleicht einfach liegen lassen. Aber hinterher schaffte sie es wahrscheinlich nicht mehr aufzustehen, das wäre auch nicht so toll.
    Nach kurzer Zeit kam schon die Pension in Sicht, ein kleines, zweistöckiges Haus mit einer Birke davor, die bei Wind oft mit ihren Zweigen an den Fensterläden schabte, ein äußerst gruseliges Garäusch - aber wenn man bedachte, dass Sharon normalerweise in einer Höhle nächtigte, machte ihr das nicht so dermaßen viel aus.
    "Du bist seltsam, weißt du das?", fragte sie das Mädchen aus einer spontanen Eingebung heraus. Es stimmte, Seren benahm sich nicht wirklich normal. Aber das musste sie gerade sagen...



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 07.04.2009, 15:31


    Endlich kam ihr Ziel in Sicht: Die Pension, in der Sharon anscheinend nächtigte. Seren kam es vor, als hätte sie die Frau jetzt schon eine halbe Ewigkeit mitgezogen, aber sie hatte ihren Arm nicht loslassen wollen, weil sie befürchtet hatte, sie würde dann auf dem schnellsten Wege kehrt machen und wieder zurück zur Kneipe laufen. Egal, wie weit dieser Weg war und dass sie es wohl in ihrem Zustand kaum hundert Meter weit schaffen würde.
    Die Pension war ein kleines Haus mit zwei Stockwerken, es war einfach gebaut, aber das warme, helle Licht aus den Fenstern machte einen einladenden Eindruck. Die Besitzer waren ein etwas älteres Ehepaar, die schon seit einer Ewigkeit - zumindest, seit Seren denken konnte - ein paar Zimmer an Durchreisende vermieteten. Und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis.
    Zielstrebig stiefelte sie auf das Haus zu, wurde aber von Sharon unterbrochen.
    Du bist seltsam, weißt du das?
    Seren brauchte einen kleinen Moment zum Schalten, dann musste sie leicht grinsen. "Ja. Allerdings hat mir das bisher noch niemand so direkt ins Gesicht gesagt", antwortete sie nach einem kurzen Schweigen.
    "Du bist aber auch etwas seltsam."



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 07.04.2009, 21:45


    "Dann wurde es langsam mal Zeit", stellte Sharon völlig ernsthaft fest. "Und stimmt, mich kann man eigentlich auch nicht gerade als normal bezeichnen..." Einen Moment lang sann sie darüber nach, wie es wäre, wenn sie das wäre, was in diesem Land als 'normal' angesehen wurde. Brrr.
    Sie näherten sich jetzt geradewegs dem Haus und Sharon blickte auf ihren Arm hinunter, der immernoch von Seren festgehalten wurde. "Ähm, ich glaube, die paar Meter schaffe ich auch noch alleine", meinte sie deswegen. Hatte sie sich jetzt entschieden hier zu bleiben? Mal sehen. Im Moment wäre es ja leicht dämlich nochmal zurückzulaufen, das konnte sie auch später noch entscheiden.
    Rechts von ihnen fing ein großer grauer Hund mit krausem Fell an zu bellen, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich dem Haus näherten, aber daran ließ Sharon sich nicht stören; sie hatte sich sagen lassen, dass er ein lammfrommes Tier war, dass keiner Fliege etwas zu Leide tat.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 22:33


    Nein, das konnte man wirklich nicht. Und irgendwie war das auch gut so. Die meisten Leute, die als 'normal' angesehen wurden, waren nämlich nichtsdenkende Idioten. Daher konnte man 'seltsam' hier fast als Kompliment betrachten, auch wenn Seren wusste, dass das nicht so gemeint war.
    ..die paar Meter schaffe ich auch noch alleine..
    Ganz sicher war Seren sich da ehrlich gesagt nicht. Aber wenn sie jetzt versuchen würde nochmal umzudrehen, hätte sie sie sowieso schnell wieder eingeholt. Viel mehr als torkeln konnte Sharon ja nicht mehr.
    "Hoffentlich", entgegnete Seren und ließ den Arm der Rothaarigen los, als sie plötzlich ein Bellen hörte. Fast wäre sie zusammengezuckt, wäre ihr nicht noch eingefallen, dass der graue Hund, welcher jetzt zu ihnen gelaufen kam und den Namen Targo trug, so lieb war, dass er keiner Fliege etwas zur Leide tun würde. Außer, jemand versuchte, sich an der Haustür der Pension zu schaffen zu machen, dann konnte er sehr ungemütlich werden. Hieß es zumindest, auch wenn Seren es sich nicht so recht vorstellen konnte.
    "Na du", begrüßte Seren das Tier, welches Sharon und sie umkreiste und wild mit dem Schwanz zur Begrüßung wedelte, und strich ihm kurz über den Kopf.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 22:34


    Sharon sah aus den Augenwinkeln, wie Seren den Hund begrüßte, konzentrierte sich dann aber darauf zur Tür zu gelangen - das klappte sogar ohne größere Schwierigkeiten. Neben dieser hing eine Glocke. Zweimal griff sie daneben, als sie nach der Schnur langte, doch beim dritten Versuch erwischte sie sie und zog kräftig daran, worauf hin die Glocke kurz bimmelte. Sharon konnte im Haus Geräusche vernehmen, also hatte es jemand gehört und kam, um ihr aufzumachen.
    Während sie wartete, sah Sharon zu Seren und dem Hund zurück, im Speziellen natürlich zu ersterer.
    "Wir sehen uns wohl kaum wieder, also... leb wohl", sagte sie schlicht, sich gegen den Türrahmen stützend, um nicht umzufallen. Wahrscheinlich würde sie sich morgen schon wieder auf den Weg zurück machen, denn warum sollte sie hier ihr weniges Geld verschwenden? Das wäre ziemlich dumm, davon mal abgesehen, dass die anderen sie lynchen würden (zumindest die, die sie schon länger kannten und sich das somit trauten). Ja, Geld war bei den Rebellen wirklich rar, was schlicht daran lag, dass sie kaum Möglichkeiten hatten, sich welches zu beschaffen. Sie waren zum großen Teil darauf angewiesen, die Adeligen zu bestehlen und das war nicht so einfach.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 22:39


    Während Seren weiterhin den Hund kraulte, sah sie Sharon zu, wie sie zur Tür ging, zweimal ins Leere griff und schließlich doch die Schnur erwischte und an dieser zog, sodass eine Glocke läutete. Das Mädchen musste sich ein Grinsen verkneifen.
    Die Rothaarige lehnte sich gegen die Tür und schien zu warten, dass jemand kam und ihr aufmachte, während sie sagte: Wir sehen uns wohl kaum wieder, also... lebwohl.
    Ja, damit hatte sie wohl recht. Sie würden sich sehr wahrscheinlich nie wieder begegnen, und vielleicht war das auch gut so.
    "Ja.. Leb wohl", meinte Seren knapp, und kurz darauf sah sie, wie die Tür sich öffnete. Eine ältere Frau stand im Eingang, die braunen, langen Haare waren von vielen grauen Strähnen durchzogen und sie trug einfache Kleidung.
    "Frau Neluar, da sind sie ja wieder.. Sie sehen aber gar nicht gut aus!", begrüßte die Frau Sharon mit einem besorgten Tonfall. Seren schien sie gar nicht zu bemerken, auch nicht, als der Hund auf die Tür zugelaufen kam, immer noch mit dem Schwanz wedelnd.
    Jetzt konnte sie wohl nach Hause gehen. Die Frau hatte einen sehr fürsorglichen Ruf, sie würde Sharon wohl kaum vor dem Morgen aus dem Haus lassen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 22:40


    Die Tür öffnete sich und die Besitzerin der Pension erschien im Eingang. Frau Neluar... Im ersten Moment fühlte Sharon sich gar nicht angesprochen, bis ihr einfiel, dass sie sich diesen Namen ausgedacht hatte, sicherheitshalber. Nicht gut... ja, gut sah sie wahrscheinlich wirklich nicht aus.
    Ohne sich noch einmal zu Seren umzudrehen, ließ Sharon sich ins Haus hineinbugsieren. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, dass die Frau dem Hund kurz über den Kopf strich und dann die Tür wieder schloss. Diese knarrte leise und klackte dann einmal vernehmlich, als sie ganz zu fiel.
    "Sie müssen dringend ins Bett... kommen Sie, ich helfe Ihnen die Treppe hoch."
    "Nein, nein", murmelte Sharon abweisend und schüttelte den Kopf. "Ich schaff' das schon alleine."
    Allerdings wurde dieser Einwand ignoriert und sie am Arm die Treppe hinauf und ins Gästezimmer geschleift. Oben angekommen folgte ein fast schon strafender Blick: "Ab ins Bett mit Ihnen."
    "Hmmpf", machte Sharon bloß und ließ sich aufs Bett plumpsen, während die Frau wieder ging.
    Das Zimmer bestand eigentlich sogar aus zwei Zimmern, die durch eine Tür miteinander verbunden waren: Dieses zweite Zimmer war der Waschraum, während sie selbst sich im Schlafzimmer befand. Von dem schlichten Bett blickte Sharon direkt auf die weiße Wand, an der ein Bild hing von einem Wald mit ein paar Rehen davor. Links befand sich ein Fenster, darunter ein Schreibtisch aus dunklem Holz. Rechts neben der Tür stand ein kleiner Schrank aus dem gleichen dunklem Holz, in dem sie ihre Sachen verstaut hatte und an dessen Tür sich auch ein Spiegel befand, den sie jetzt jedoch ignorierte. Stattdessen versuchte sie sich im Sitzen aus ihrer Kleidung zu schälen (mit der Hose hatte sie etwas Probleme), die sie daraufhin einfach auf den Boden warf. Theoretisch hatte sie es wahrscheinlich mal nötig sich zu waschen, zumindest hatte sie das Gefühl, aber... ernsthaft, sie fühlte sich nicht imstande nochmal aufzustehen, ihre Beine fühlten sich auf einmal bleischwer an. Also konnte das auch bis morgen warten.
    Sie wickelte sich in die Decke, die ordentlich zusammengefaltet auf dem Bett lag und streckte sich aus, nach oben starrend. Sharon merkte, wie die Müdigkeit auf sie eindrang. Schlafen...



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 22:41


    Seren sah zu, wie der Hund in die Tür hinein lief und die Frau schließlich die Tür schloss.
    Einen kurzen Moment starrte sie noch auf die geschlossene Tür, dann drehte sie sich wieder um und machte sich auf die restliche Strecke ihres Heimwegs.
    Wirklich eine merkwürdige Begegnung war das gewesen.. Ja, wirklich merkwürdig. Das Mädchen merkte, dass es unbewusst schneller ging, bis es schließlich rannte. Ja, sie wollte nach Hause.. Endlich nach Hause und ebenfalls schlafen. Außerdem mochte sie es nicht, alleine durch die Dunkelheit zu laufen, und es war mittlerweile doch ziemlich dunkel. Nur gut, dass sie den Weg kannte, und das es nicht mehr weit war.
    Aber Seren rannte gerne, und sie liebte es immer noch, über den umgekippten Baum an einer Stelle des Weges zu springen, auch wenn sie nun schon dreizehn war.
    Nach etwa zehn Minuten, inzwischen war das Mädchen wieder langsamer geworden, kam endlich das Dorf in Sicht, in dem sie wohnte. Es sah alles aus wie immer, sofern man noch etwas sehen konnte, die meisten Häuser waren schon dunkel und es brannte kaum noch Licht. Seren trabte durch die Straßen, bis sie endlich zu ihrem Haus kam - es lag so ziemlich genau am anderen Ende des Dorfes. Es brannte schon kein Licht mehr, und schloss daraus, dass ihre Mutter und ihre Geschwister schon schliefen.
    Leise schloss sie die Tür auf, tappste ins Haus und zog die hölzerne Tür leise wieder ins Schloss. Auf Zehenspitzen ging sie in Richtung Waschraum, und nach einer schnellen Katzenwäsche lief sie in ihr Zimmer und ließ sich aufs Bett fallen. Ein paar Minuten blieb sie so liegen, dann rappelte sie sich wieder auf und zog sich um. Gähnend ging sie zum Fenster, machte es auf und ließ die klare, frische Nachtluft hinein. Sie sah noch kurz nach draußen, dann ließ sie sich wieder zurück in ihr Bett fallen. Es war wirklich ein merkwürdiger Tag gewesen heute...



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 22:42


    ~ Timejump: 32 days later ~

    Sharon sah nachdenklich über den See, an dessen Ufer sie stand und dessen Oberfläche im Licht der aufgehenden Sonne glitzerte. Sie ließ ihren Blick auch über die Bäume wandern und wandte sich letztendlich den Hügeln zu. Hinter einem dieser Hügel lag das Dorf Rjaka, das wusste sie, aber es interessierte sie im Augenblick nicht. Was sie interessierte, war die Straße, auf der sie stand und die nach Linan führte - oder eher die Kutsche, die diese Straße bald entlangkommen würde.
    Sharon riss sich von der Umgebung los und sah zu ihren Begleitern: Es waren fünf, eine Frau und vier Männer. Eine weitere Frau verbarg sich weiter unten an der Straße und würde ihnen ein Zeichen geben, sobald die Kutsche sich näherte. Die Kutsche mit dem Gefangenen, den sie befreien würden.
    Ihr Plan war idiotensicher. Sie würden sich in den Büschen und Bäumen an der Straße verbergen, die Bewacher außer Gefecht setzen, sobald sie vorbeikamen und den Gefangenen befreien. Es wäre nicht das erste Mal, dass das klappte.
    "Also los." Die Rothaarige drehte sich um und schlug ihren Befehlston an. An ihrem Gürtel trug sie heute ein Schwert, außerdem war ein Seil um ihre Hüfte geschlungen. "Wer hat das Blasrohr? Gut, du gehst auf den Baum und setzt den Kutscher außer Gefecht - du gehst mit ihm und übernimmst den Soldaten auf der Seite - ihre beide auf den anderen Baum - du in die Büsche neben dem Baum", erteilte sie ihre Anweisungen, um sich gleich darauf ebenfalls zu einem Gebüsch zu begeben und darunter zu legen. Jetzt hieß es nur noch warten und auf das verabredete Zeichen lauschen, dass ihr verraten würde, wie die Lage war: Der Ruf eines Kuckucks. Viermal hieß, alles wie erwartet, dreimal, kleine Veränderungen, aber trotzdem in Ordnung und zweimal hieß, dass es viel zu gefährlich war anzugreifen, weil irgendetwas nicht stimmte; Rückzug.
    Sharon hörte ein Rascheln, als alle ihre Posten einnahmen, kurz ein leises Fluchen und dann war alles still. Warten...



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 22:49


    In dem See spiegelte sich die aufgehende Sonne, der Wind rauschte sanft durch die Bäume und einige Vögel zwitscherten in den Baumkronen.
    An dem See saß ein Mädchen, etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt, die weißblauen Haare fielen ihm über die Schultern und es ließ seine Beine im Wasser baumeln. Neben ihm lag ein aus hellem Holz geschnitzter Bogen, und an der Hüfte hing ein Köcher mit einer Feder.
    Seren saß jetzt schon eine ganze Weile so da und schaute auf den See hinaus, in dessen klaren Wasser sie hin und wieder ein paar Fische entdecken konnte. Sie hatte heute nichts zu tun und war deshalb schon früh am Morgen den Weg aus Rjaka hier her gegangen, denn dies war einer der schönsten Plätze hier in der Gegend. Man konnte einfach nur dasitzen und die Ruhe genießen. Und sich den Sonnenaufgang anschauen.
    Doch plötzlich wurde die ruhige Szene durch das Geklapper von Hufen gestört. Das Mädchen drehte sich um und sah eine Kutsche, die den Weg, den sie eben hier her gegangen war, entlang fuhr. Es waren zwei Pferde angespannt, ein Rappe und ein Dunkelbrauner, die aus dem Dorf getrabt kamen. Die Kutsche war ein Fahrzeug einer Adelsfamilie, der Familie Cendur, auf ihr prangte das Wappen mit einem grauen Pferd auf einem grünen Grund, das eindeutig zu dieser Familie gehörte, die auch über diesen Teil von Narya herrschte. Die Vorhänge waren zugezogen, und der Kutscher ließ sich auch kaum erkennen. Das einzige, was man sehen konnte, war, dass auch er grau-grün trug.
    Was macht hier so früh eine Kutsche des Adels?, fragte Seren sich, die Füße aus dem Wasser nehmend und sich zu dem Weg herum drehend. Es sah nicht so aus, als hätte man sie bemerkt. Schnell schlüpfte sie in ihre Sandelen, griff sich ihren Bogen und hängte ihn über die Schulter. Sie hatte soeben beschlossen, dem Wagen unauffällig zu folgen. Irgendwas daran kam ihr nämlich merkwürdig vor. Sonst fuhren nie so früh Kutschen durch die Gegend, und meistens waren die auch nicht verhängt. Ganz abgesehen davon musste sie sich sowieso irgendwie beschäftigen.
    Flink von Baum zu Baum huschend - glücklicherweise standen diese hier ziemlich dicht zusammen - folgte sie der Kutsche.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 22:50


    Sie warteten bereits eine Weile, als das verabredete Zeichen ertönte: Der Ruf eines Kuckucks und zwar viermal, was bedeutete, dass alles so war wie erwartet - schonmal ein gutes Omen.
    Ein paar Minuten später ertönte das Klappern von Hufen auf der Straße, das Knarren von Sattelzeug, das leise Klirren von Waffen, das Rumpeln der Räder,die über Kieselsteine rollten. Über sich nahm Sharon eine Bewegung war und auch sie selbst spannte sich etwas an. Sie hatte so etwas inzwischen einige Male gemacht, aber irgendwie schlug ihr Herz vorher trotzdem jedesmal schneller und ihre Muskeln fingen an sich zu verkrampfen. Erst wenn es losging, würdesie wieder gelassen sein, das wusste sie inzwischen. Sie widerstand dem Drang, sich aus dem Gebüsch herauszulehnen und der Kutsche entgegenzublicken. Jetzt bloß keinen Fehler machen...
    Kurz darauf kamen die Pferdehufe in Sharons Blickfeld. Noch ein paar Sekunden... "Jetzt!", zischte sie nach oben, woraufhin sie etwas kleines, glänzendes durch die Luft sausen sah - einen Moment später brach der Kutscher zusammen. In der gleichen Sekunde sprang Sharon mit einem Schrei auf und stieß den Soldaten, der direkt vor ihr herritt, von seinem Pferd, indem sie ihm den Knauf ihres Schwertes kraftvoll gegen die Schläfe knallte. Erst danach achtete sie darauf, was auf der anderen Seite vor sich ging: Einer der Rebellen hatte den Soldaten auf der Seite außer Gefecht gesetzt, der andere war in die Kutsche eingedrungen, aus der jetzt leise Stimmen zu hören waren. Vermutlich redete er mit dem Gefangenen.
    Währenddessen hielt die Rebellin von ihrer Seite die Pferde fest, die vor die Kutsche gespannt waren und der Mann mit dem Blasrohr kümmerte sich um die anderen beiden. Das war ja richtig glatt gelaufen.
    "Alles klar, macht schnell, fesselt die Soldaten -" Sharon ging gleich mit gutem Beispiel voran und riss Streifen von der Kleidung des Soldaten ab, um ihm die Hände und Füße zusammenzubinden. "- und dann nichts wie weg hier. Wie geht es dem Gef..."
    Allerdings wurde Sharon unterbrochen. Denn ungefähr eine Handbreit über ihrem Kopf sauste ein Pfeil vorbei und blieb zitternd in einem Baumstamm stecken.
    "DECKUNG!"
    Reflexartig duckte Sharon sich und hechtete hinter die Kutsche, hinter der auch schon drei Männer hockten (der eine war immernoch mit dem Gefangenen drinnen), die Frau sprang hinter einen Baum.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 22:52


    Meine Güte. Wie lange wollten diese Pferde denn noch traben? Es war gar nicht so einfach, die ganze Zeit der Kutsche zu folgen und dabei noch unentdeckt zu bleiben. Auch wenn der Kutscher nicht besonders viel auf seine Umgebung zu achten schien, war es auf Dauer doch anstrengend, ständig von einem Baum zum nächsten zu rennen, sich dahinter zu verstecken, abzuwarten, bis der Zeitpunkt günstig erschien und dann zum nächsten Baum zu laufen.
    Irgendwann machte der Weg einen leichten Bogen, sodass Seren einfach geradeaus vorlaufen, sich hinter einem Baum verstecken und abwarten konnte, bis das Gefährt wieder an ihr vorbei war. Leicht erschöpft ging die in die Knie und hockte sich hinter einen der vielen Büsche, die neben dem Baum standen. Von da aus beobachtete sie, wie die Kutsche langsam den Weg hinauf gefahren kam. Doch plötzlich passierte etwas, mit dem das Mädchen nun wirklich nicht gerechnet hatte: Als die Kutsche nur noch gut zehn Meter von ihr entfernt war, blitzte plötzlich kurz etwas in der Luft auf, der Kutscher fiel um, und ein paar Menschen kamen aus dem Gebüsch und stürzten sich auf die Soldaten, die neben der Kutsche hergeritten waren. Nur wenige Sekunden später waren die Soldaten außer Gefecht gesetzt und die Angreifer hielten deren Pferde fest. Eine Frau, anscheinen die Anführerin der Truppe, erteilte Befehle, die sie von hier aus nicht ganz verstehen konnte.
    Dann hörte sie von der anderen Straßenseite her ein Rascheln im Gebüsch, dann ein Geräusch, was sie nur zu genau kannte: Das Geräusch eines abgeschossenen Pfeils. Danach jemand, der "Deckung!" rief, und dann sah sie, wie die Angreifer sich so schnell wie möglich hinter der Kutsche und im Gebüsch versteckten. Dann herrschte Stille.
    Das alles war so schnell gegangen, dass Seren gar keine Zeit zum reagieren geblieben war - ganz abgesehen davon, dass sie nichteinmal gewusst hätte, wie sie reagieren sollte. Im Allgemeinen war sie ja gegen den Adel, aber sie hatte keine Ahnung, wer diese Leute waren.
    Unbewusst hatte sie sich inzwischen aufgerichtet, um besser sehen zu können, und jetzt hörte sie das Scheppern von Rüstungen und dann schwere Stiefelschritte, die auf den Weg traten und auf die Kutsche zu gingen. Schnell duckte Seren sich wieder hinter das Gebüsch und krabbelte hinter diesem den Weg entlang, auf das Geschehen zu. Gut, dass sie so klein war, dass sie hier kaum auffiel. Schließlich saß sie hinter einem Busch, nur noch knappe zwei Meter von der Kutsche entfernt, und sah zu, wie die Soldaten - es waren eine ganze Menge, so viel hörte sie, bei der Kutsche ankamen.
    Sie war doch tatsächlich mitten in einen Überfall geraten. Einfach so. Aber sie wusste, auf welche Seite sie sich im Zweifelsfall stellen würde..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 22:53


    Sharon ging hinter der Kutsche in die Hocke, als sie Schritte und Klappern von Rüstungen hörte. Soldatenschritte. Natürlich, der Pfeil war graugrün gefiedert.
    Zwischen den Rädern hindurch zählte Sharon achtzehn Füße, stand wieder auf und hob für die anderen die Hände, neun Finger nach oben streckend. Sie hatten ein Problem. Ein ernsthaftes Problem. Wenn sie lebend davonkam, musste sie das nächste Mal daran denken, auch in der anderen Richtung einen Wachtposten am Weg zu postieren...
    Nach den Geräuschen zu urteilen, sahen die Soldaten jetzt nach ihren niedergeschlagenen Kameraden. Währenddessen begann einer von ihnen mit lauter Stimme zu sprechen; vermutlich war es ein Offizier.
    "Ihr habt Glück, dass ihr niemanden schwer verletzt habt. Trotzdem hoffe ich, dass euch klar ist, dass Wegelagerung als schweres Verbrechen gilt, noch dazu bei einer Kutsche der Fürstenfamilie Cendur. Nebenbei, das hier ist ein Gefangenentransport, ihr hättet sowieso nichts Wertvolles gefunden..."
    Was schwafelte der Kerl da? Offensichtlich dachte er, die wären irgendwelche Banditen. Na schön, wenn er so wollte. Trotzdem musste sie dingend einen Ausweg finden! Sharons Blicke huschten über den Weg, über die Büsche, hin zur Kutsche. Wenn siedie Soldaten auf einer Seite ablenkten, würde der Rebell in der Kutsche mit dem Gefangenen entkommen können! Allerdings blieb da immer noch das Problem, alle heil aus der Sache herauszubringen. Konzentriert runzelte sie die Stirn und nahm nur noch Fetzen der Litanei des Offiziers wahr:
    "...Stadt... Urteil... Strafe..."
    Wie hatte der es eigentlich zu seiner Position gebracht? "Darek", zischte sie leise, sich eng an die Holzwand der Kutsche pressend, um gehört zu werden. "Ablenkung - Flucht." Das war etwas knapp gehalten, aber sie konnte es nicht riskieren, die Aufmerksamkeit der Soldaten auf die kleine einseitige Unterredung zu ziehen und sie traute Darek zu, zu verstehen, was sie meinte.
    "...nicht dulden..."
    Nun konzentrierte sie sich auf die Männer an ihrer Seite. "Pferde erschrecken!" Sie nickte zu den beiden herrenlosen Pferden, die sich an den Blättern der Büsche gütlich taten. "Zeichen: Rache."
    "Also, wer immer ihr seid..."
    "Flucht. Wald."
    "...zeigt euch, im Namen des Fürsten!"
    Sharon nickte den anderen noch einmal zu, den trat sie hinter der Kutsche hervor, den Soldaten entgegen. Sie ließ den Kopf etwas hängen, als würde sie sich in ihr Schicksal fügen und wich den Blicken aus. "Bitte, Herr...", murmelte sie und es klang sogar überzeugend unterwürfig. "In unserem Dorf... die Kinder sind krank. Wir haben kein Geld für einen guten Arzt und... meine Schwester..." Sie brach ab und war innerlich enorm stolz auf sich. Sie hätte Schauspielerin werden sollen.
    Der Offizier machte ein verächtliches Geräusch. "Ihr hättet euch besser zu den Bittstellern begeben."
    Nun sah Sharon auf, als würde sie es das erste Mal wagen, den Blicken zu begegnen. In Wahrheit überprüfte sie, ob alle Soldaten auf dieser Seite der Kutsche standen. "Glaubt Ihr, dass hätte etwas gebracht, Herr? Glaubt Ihr, der Fürst würde sich um ein kleines Dorf am Waldrand scheren? Ich bezweifle es. Aber früher oder später folgt bei einem solchen Verhalten nunmal die Rache."
    Sharon sprang im selben Moment zur Seite ins Gebüsch, als hinter ihr ein lauter Knall ertönte. Sie spürte den Wind, als die beiden Pferde panisch an ihr vorbei preschten, während die verdutzten Soldaten nur noch in letzter Sekunde ausweichen konnten (zwei wurden auch zu Boden gestoßen, allerdings nicht von den Pferden, sondern von ihren Kameraden). Das wäre alles schön und gut gewesen, wäre da nicht dieser Soldat gewesen, von dem sie nichts gewusst hatte, der sich nämlich nicht in die Nähe der Kutsche begeben hatte.
    Sharon hörte das Sirren des Pfeils, der durch die Luft flog und auf der anderen Seite der Kutsche in einen Körper einschlug. Nein! NEIN! Für einen Herzschlag erstarrte sie, aber nicht länger. "RENNT!", brüllte sie den anderen zu, während sie wieder aus dem Gebüsch heraussprang, ihr Schwert in der Hand und dem Offizier, der langsam kapierte, was geschehen war, ihr Knie zwischen die Beine rammte. Gleichzeitig verpasste sie einem Soldaten einen Schlag gegen den Kopf mit ihrem Schwertknauf. Oberste Priorität war es jetzt, den anderen die Flucht zu ermöglichen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 22:56


    Neun. Neun Soldaten waren gekommen, und einer von ihnen musste vorhin den Pfeil abgeschossen haben.
    Seren hatte es gewagt, kurz über das Gebüsch hinweg zu schielen und die Kerle zu zählen. Soweit sie es mitbekommen hatte, war die andere Truppe zu viert oder zu fünft. Also eindeutig unterlegen. Das könnte Probleme geben..
    Ihr habt Glück, dass ihr niemanden schwer verletzt habt. Trotzdem hoffe ich, dass euch klar ist, dass Wegelagerung als schweres Verbrechen gilt, noch dazu bei einer Kutsche der Fürstenfamilie Cendur. Nebenbei, das hier ist ein Gefangenentransport, ihr hättet sowieso nichts Wertvolles gefunden. Einer der Soldaten begann anscheinend, soetwas wie eine Rede zu halten. Ein Gefangenentransport? Deswegen also so früh.. Diese Ärsche von Soldaten. Das hieß wohl, dass die Angreifer den Gefangenen befreien wollten. Oder, dass sie wirklich nur Banditen waren.. Was sie sich aber aus irgendeinem Grund nicht vorstellen konnte. Ihre Handlungen sahen nicht danach aus, als wären sie einfache Banditen. Die waren nämlich grundsätzlich nicht so gut organisiert.
    Weiterhin redete der Soldat - musste irgendein höher gestellter sein - etwas davon, dass sie in eine Stadt gebracht werden würden, dort würde man dann über sie entscheiden und sie schließlich bestrafen. Man könnte ein solches Verhalten nicht dulden. Wahrscheinlich werden sie hingerichtet, ging es Seren durch den Kopf. Sofern sie nicht fliehen können. Und wenn ich ihnen helfe, sterbe ich gleich mit..
    Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als plötzlich eine hochgewachsene Person hinter der Kutsche hervor trat. Ihre karminroten, langen Haare waren zu einem Zopf zusammen gebunden und ihre graublauen Augen funkelten entschlossen, auch wenn man das nicht gleich bemerkte, da sie jetzt zu Boden schaute und mit einer Unterwürfigkeit etwas von einem Dorf und kranken Kindern erzählte, dass man es ihr sofort abnahm.
    Sharon. Sharon. Sharon.. Das war Sharon.
    Die Sharon, die sie vor ungefähr einem Monat besoffen in der Kneipe getroffen hatte. Mit der sie zur Pension gelaufen war. Die so eine merkwürdige Ausstrahlung gehabt hatte.. Seren erinnerte sich, als wäre es gestern gewesen.
    Aber das stimmte doch nicht? Sie war doch nicht etwa wirklich eine Frau, die eine kranke Schwester hatte und deswegen..? Nein. Nein, das konnte Seren nicht glauben. Sie log. Aber dann war sie eine verdammt gute Schauspielerin.
    Plötzlich ertönte ein lauter Knall, das Geräusch kam von hinter der Kutsche. Die Pferde erschraken und flüchteten, in die Richtung, aus der die Kutsche gekommen war. Die Soldaten, die ausweichen konnten, stiessen sich dabei selber um - Sharon war mittlerweile verschwunden, wohl ins Gebüsch.
    Doch dann war da wieder dieses Geräusch. Das Geräusch eines losfliegenden Pfeiles. Dann ein langer Schrei, der irgendwann erstarb. Seren wandte den Kopf - das alles passierte in Sekundenbruchteilen - und sah einen Soldaten mit einem Bogen in der Hand in der Nähe der Kutsche stehen. In der Kutsche war ein alter Mann. Er hatte einen Pfeil in der Schläfe stecken. Vor ihm stand ein weiterer Mann, jedoch deutlich jünger, der sich den Arm hielt und sich auf die Lippe biss.
    Aus dem Augenwinkel sah Seren, wie Sharon wieder aus dem Gebüsch stürzte, "Rennt!", brüllte und sich dann auf die Soldaten stürzte.
    Der Soldat vor der Kutsche setzte erneut zum Schuss an, während die anderen aus Sharons Truppe, wie befohlen, versuchten zu fliehen.
    Wie erstarrt beobachtete Seren das Szenario.
    Dann, mehr aus Reflex als aus Willen, zog sie ebenfalls einen Pfeil, spannte, schoss ab. Der Pfeil raste auf den Hals des Soldaten zu, blieb darin stecken. Der Mann ließ seine Waffe fallen und fiel um.
    Aus ihrer Starre erwacht sprang sie durchs Gebüsch - was ihr ansonsten ziemlich im Weg gewesen wäre, zog einen neuen Pfeil, legte an und schoss erneut, diesmal auf einen der Gepanzerten, gegen die sich Sharon momentan zur Wehr setzte. Der Adel durfte damit nicht durchkommen. Auf keinen Fall. Sharon und ihre Truppe durften nicht umgebracht werden.
    Schon gar nicht vom Adel. Seren zog einen weiteren Pfeil.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 22:57


    Sharon beobachtete einigermaßen verdutzt, wie der Soldat vor ihr sich auf einmal an den Hals griff und dann zusammensackte. Kurz blieb sie mit erhobenem Schwert stehen, dann wirbelte sie herum und parierte in letzter Sekunde den Angriff eines anderen Soldaten. Sie hatte keine Zeit, sich nach dem unbekannten Helfer umzuschauen. Ihr Bein, an dem einer der Soldaten sie verletzt hatte, pochte schmerzhaft und sie spürte, wie warmes Blut an ihm herunterlief.
    Lieber konzentrierte sie sich darauf, am Leben zu bleiben und eine Fluchtmöglichkeit zu finden...
    Ihr Blick huschte kurz zu den Pferden, die immernoch vor die Kutsche gespannt waren und einigermaßen nervös das Spektakel beobachteten. Es wunderte sie, dass sie noch nicht mitsamt der Kutsche davongelaufen waren, vor allem, als die beiden anderen Pferde an ihnen vorbeigeprescht waren. Aber umso besser für sie.
    Unauffällig wanderte sie während des Kampfes, der sich wegen der Überzahl der Gegner langsam zu ihrem Nachteil neigte, in Richtung der Pferde, bis sie neben dem Dunkelbraunen stand. Sie tat so, als wolle sie mit ihrem Schwert blitzartig zustoßen, änderte aber im letzten Moment die Richtung, so dass sie einen Soldaten am Schwertarm verletzte und Zeit hatte, dem anderen ihren Ellenbogen in den Magen zu rammen.
    Jetzt hieß es reagieren. Während die Soldaten mit ihrenkleinen Problemchen fertigwurden (und die anderen versuchten, sich an ihnen vorbeizudrängen), griff Sharon in die Mähne des Dunkelbraunen und schwang sich auf seinen Rücken, ihm aus der gleichen Bewegung mit den Fersen in die Seiten tretend. Dem Rappen neben sich verpasste sie einen Schlag aufs Hinterteil mit der Breitseite ihres Schwertes.
    Die beiden Pferde warfen die Köpfe hoch und galoppierten erschrocken los - dummerweise hing immernoch die Kutsche an ihnen dran und Sharon konnte nicht sehen, ob welche von den Soldaten so geistesgegenwärtig waren, auf sie aufzuspringen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 22:59


    Seren war so konzentriert aufs Schiessen, dass sie kaum mitbekam, wie Sharon kämpfte. Aber sie kämpfte gut, so viel sah sie, denn sie musste ja immerhin aufpassen, dass sie nicht ausversehen die Rothaarige traf.
    Das hätte sie irgendwie nicht von ihr erwartet. Das sie so war, wenn sie.. nun ja, nicht besoffen war.
    Lange ließen sich die Soldaten das Abschiessen leider nicht gefallen. Schon nach vier Schüssen - von denen gerade mal drei trafen und einer von diesen tödlich war - kamen zwei der Männer mit erhobenen Schwertern auf sie zugelaufen. Die Weißhaarige schoss den Pfeil ab, den sie gerade gespannt hatte, traf damit aber nur einen der beiden an der Seite, und zwar so, dass er noch weiterkämpfen konnte. Mist. Sie hatte bisher noch nicht sonderlich oft gegen andere Menschen gekämpft, und das hier war sicherlich der gefährlichste Kampf bisher. Ohne groß zu überlegen sprang sie hoch, bekam einen Ast zu fassen und zog sich an diesem hoch. Flink kletterte sie noch einen Ast höher, so war sie erst einmal außer Reichweite. Die Soldaten glotzten nur ziemlich blöd zu ihr hoch, während sie schon den nächsten Pfeil anlegte - und damit einen der beiden Männer am Kopf traf, sodass er in sich zusammensackte. Der zweite allerdings war anscheinend schlauer. Auch er hatte Pfeil und Bogen als Waffe, und noch bevor Seren den nächsten Pfeil auch nur aus dem Köcher herausnehmen konnte, schoss er ab. Ein scharfer Schmerz zuckte durch ihre linke Hand, mit der sie sich am Baum abstützte. Aus Reflex ließ sie los, verlor den Halt - und fiel. Ziemlich unsanft kam sie auf dem Boden auf, rollte sich ab und kam etwas schwankend wieder auf die Füße.
    Das Mädchen warf einen Blick auf seine Hand. Der Pfeil war glücklicherweise nicht komplett durch ihre Hand gegangen - das tat zwar immer noch höllisch weh, aber so, wie er steckte sah es aus, als ob er keinen Knochen getroffen hatte. Mit Glück hatte er auch keinen gestreift, sodass sich keine Splitter in der Wunde befanden und sie gut abheilen konnte. Mit einem Ruck und zusammen gebissenen Zähnen zog sie den Pfeil herraus - sonst hätte sie nicht mehr schiessen können.
    Der Soldat vor ihr sah sie wütend an und wollte sie wohl gerade angreifen, als Seren ihm zuvor kam. Indem sie ihm den Pfeil, den er auf sie geschossen hatte, ins Auge stach. Der Mann brüllte los, grabschte sich mit seinen Pranken ins Gesicht - aber bis dahin war die Weißhaarige schon längst aus seiner Reichweite verschwunden.
    Inzwischen hatte Sharon anscheinend zwei oder drei weitere Soldaten außer Gefecht gesetzt. Seren wollte gerade wieder einen Pfeil ziehen, auch wenn sie irgendwie bezweifelte, dass sie noch schießen konnte, als sie sah, wie Sharon sich plötzlich auf eines der Pferde vor der Kutsche schwang und dem anderen mit ihrem Schwert auf die Kruppe schlug.
    Geistesgegenwärtig lief das Mädchen los, sprang ab - und klammerte sich mit der rechten Hand an der losfahrenden Kutsche fest. Nur leider war sie wohl nicht die einzige, die auf diese Idee gekommen war. Direkt neben ihr stand ein Soldat, sich ebenfalls an dem Wagen festhaltend. Er sah schon recht angeschlagen aus, hatte aber ein Messer in der Hand. Und er stach zu. Seren hatte sich immerhin noch so wegdrehen können, dass er nur ihren Arm traf. Weh tat es trotzdem. Aber jetzt hatte sie den Vorteil, dass sie halb in der Kutsche drinn war - er dagegen stand immer noch auf dem Einstieg. Das sollte sich besser ändern.. Sie trat dem Mann mit voller Wucht gegen das Handgelenk, so dass dieser, genau wie sie vorhin, den Halt verlor, mit einem Schrei aus der Kutsche stürzte, sich noch ein paarmal auf dem Boden überschlug und dann reglos liegen blieb. Doch gerade, als das Mädchen sich stöhnend auf den Boden des Wagens setzen wollte, hörte sie etwas wie einen Schlag gegen die Rückwand des Gefährts. Kurz darauf sauste ein Pfeil über ihr durch die Kutsche, dort, wo einmal Vorhänge hingen, gefolgt von zwei weiteren - direkt wieder nach draußen, in Richtung Sharon.
    Die Soldaten hatten noch nicht aufgegeben.
    "Vorsicht, sie schiessen!", schrie Seren nach vorne, während sie sich auf den Boden duckte, so, dass sie nicht getroffen werden konnte. Scheiße aber auch. Wo war sie da nur rein geraten?



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:00


    Sharon musste höllisch aufpassen, um sich selbst oder die Pferde nicht aus Versehen mit dem Schwert zu verletzen. Am Wegrand erkannte sie eine Gestalt mit weißen Haaren, die einen Bogen in der Hand hatte. Sie hatte wohl auf die Soldaten geschossen und ihr so geholfen.
    Kurz darauf hörte Sharon hinter sich ein Rumpeln, als würde jemand auf die Kutsche aufspringen - dann Kampfgeräusche, ein Schrei. Noch einen Moment später sauste docht neben ihr ein Pfeil vorbei. Reflexartig duckte Sharon sich und presste sich eng an den Pferdehals. Sie spürte, wie dicht über ihr ein Pfeil vorbeischoss - hätte sie gerade gesessen, hätte er sie in den Rücken getroffen.
    Vorsicht, sie schießen! Woher kannte sie diese Stimme? Egal.
    Sharon verzichtete darauf, zurück nach hinten zu rufen, dass sie das selber gemerkt hatte und sah lieber zu, sich weiterhin so dicht wie möglich an den Dunkelbraunen zu drücken.
    Ärgerlicherweise warf dieser kurz darauf aus einem unerfindlichen Grund den Kopf hoch. Der Hals knallte gegen Sharons Kinn und sie richtete sich fluchend auf. Ein scharfer Schmerz schoss durch ihre rechte Schulter und fast hätte sie ihr Schwert fallen gelassen oder ihr Gleichgewicht verloren, allerdings konnte sie sich gerade noch in der Mähne festkrallen. Bunte Lichtblitze explodierten vor ihren Augen. Nur nicht herunterfallen...



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:01


    Weitere Pfeile sausten über Serens Kopf hinweg, und sie hoffte, dass Sharon da vorne nichts passiert war.
    Während immer mehr Pfeile über sie hinwegrauschten - immerhin musste sie keine Angst haben, getroffen zu werden - bemerkte sie langsam, wie sehr die Verletzungen wirklich schmerzten. Vorsichtig hob sie ihren linken Arm an. Oh scheiße.. Meine ganze Hand ist ja voller Blut!, stellte sie fest, und als sie auf ihren Bogen schaute, entdeckte sie, dass auch dieser etwas von ihren Verletzungen in Mitleidenschaft gezogen worden war.
    Das Mädchen kramte in seiner Gürteltasche herum und holte etwas Verbandszeug heraus. Sie hatte es mitgenommen, weil sie eigentlich hatte trainieren gehen wollen. Da sie keine Armschützer besaß, wickelte sie sich meistens Verbände um die Unterarme, damit diese danach nicht so sehr weh taten. Heute konnte sie es immerhin für einen besseren Zweck gebrauchen..
    Mit ein paar Handgriffen hatte sie ihren Oberarm mit einem einfachen Druckverband versehen - ihr Vater hatte ihr irgendwann mal gezeigt, wie man soetwas machte - und begann nun, ihre Hand einzuwickeln. Das war nur eine Notlösung, damit sie nicht zu viel Blut verlor und kein Schmutz in die Wunden gelangen konnte. Als sie den Verband gerade befestigen wollte, fuhr der Wagen anscheinend um eine Kurve - auf jeden Fall wurde sie etwas an die äußere Wand gedrückt. Da hörte sie, wie etwas durch den Wagen auf sie zu rutschte - und sie erstarrte, als sie in gläserne, aufgerissene Augen blickte.
    Ein Pfeil steckte in dem Kopf des alten Mannes.
    Sie kannte ihn. Den alten Mann.. Er kam aus Rjaka. Er war ein Schriftsteller, der einige Adelskritische Dinge geschrieben hatte. Und jetzt hatte er dafür büßen müssen. Jetzt hatte der Adel ihn getötet.
    Seren wollte den Alten gerade von sich wegschieben - es war nicht sehr angenehm, so eine Leiche auf dem Schoß zu haben - als sie merkte, dass der Pfeilhagel aufhörte und der Wagen nach kurzer Zeit begann, langsamer zu werden. Sie hatten die Soldaten wohl abgehängt. Es war wohl vorbei.. Hoffentlich.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:02


    Nach einer Weile schienen die Pfeile weniger zu werden und schließlich, als sie längere Zeit überhaupt keine mehr erreicht hatten, wurden die Pferde von allein langsamer und blieben schließlich ganz stehen. Sharon ließ ihr Schwert aus der Hand fallen, dann ließ sie die Mähne des Dunkelbraunen los und ließ sich selbst auf den Boden rutschen, leise ächzend. Beim Aufprall explodierten erneut bunte Lichter vor ihren Augen und die hatte das Gefühl, als hätte ihr irgendjemand ein Messer in die Schulter gerammt und würde es ganz langsam herumdrehen. Nicht, dass das schonmal jemand gemacht hätte, aber so stellte sie es sich vor.
    Trotzdem stemmte sie sich mit Hilfe ihrer Arme in eine sitzende Position und tastete vorsichtig in Richtung der Wunde. Hinten aus ihrer Schulter ragte ein Pfeil, klar. Aber nachdem sie ihn einmal berührt hatte und erneut eine Schmerzwelle durch ihren ganzen Oberkörper gejagt war, ließ sie das lieber bleiben.
    Stattdessen blickte sie in Richtung der Kutsche. Wenn da jetzt noch jemand drin war, der sie töten wollte... aber Blödsinn, die Person in der Kutsche war auf ihrer Seite. Trotzdem hob sie mühselig ihr Schwert auf und schob es in die Scheide zurück, dann rappelte sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht hoch und ging zur Kutsche hinüber, bei der sich irgendwie nichts tat. Ob die unbekannte Helferin, die ihr doch bekannt vorkam, von einem der Pfeile getroffen worden war? Hoffentlich nicht.
    Langsam ließ der Schmerz sogar nach, verwandeltes ich in ein dumpfes Pochen. Vielleicht gewöhnte sie sich auch einfach daran. Sharon streckte die - linke - Hand nach der Tür der Kutsche aus und öffnete sie. Geradeaus blickte sie auf die Leiche eines alten Mannes: der Gefangene. Deprimiert ließ sie den Blick weiter nach rechts wandern, wo ein blasses Mädchen mit blauweißem Haar auf dem Boden hockte. Moment mal -
    Sharon starrte das Mädchen drei Herzschläge lang verdutzt an, dann öffnete sie den Mund, um zu sprechen. "...Seren!?"
    Vielleicht irrte sie sich. Wahrscheinlich irrte sie sich. Sie war stockbetrunken gewesen, daspielte einem die Erinnerung doch manchmal einen Streich...



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:02


    Irgendwann hielt der Wagen schließlich an. Was nun? Sollte sie aussteigen und nach Sharon..? Nein. Da kam sie sich so bescheuert vor.. Sharon war ja kein kleines Kind mehr, nach dem man sehen musste. Außerdem sagten ihr Arm und ihre Hand ihr, dass sie sich jetzt nicht unnötig bewegen sollte. Auch, wenn es nicht unbedingt angenehm war, neben einer Leiche zu sitzen..
    Serens Gedanken wurden von einem dumpfen Schlag unterbrochen. Es klang, als würde irgendetwas auf den Boden fallen.. Dann war es still. Eine Zeit lang passierte gar nichts, Seren saß einfach nur schweigend da und wartete. Ob Sharon überhaupt nochmal in die Kutsche schauen würde? Ob sie sie überhaupt schon erkannt hatte..?
    Die Überlegungen wurden ihr abgenommen, als sie hörte, wie jemand auf die Kutsche zugegangen kam. Aller Wahrscheinlichkeit nach Sharon.
    Kurz darauf öffnete sich die Tür, helles Licht fiel herein - und Sharon stand in der Tür. Der Blick der Frau wanderte erst zu der Leiche, die immer noch auf dem Boden - wo auch sonst - lag, dann zu ihr. Einen Moment lang starrte die Rothaarige sie nur ziemlich verwundert an. Bis sie dann ein "Seren!?" herausbrachte. Sie erkannte sie doch tatsächlich noch.. Irgendwie hätte sie das nicht gedacht. So besoffen, wie sie damals gewesen war..
    "Ja?", antwortete die Weißhaarige und richtete sich in der Kutsche auf, um ihren Gegenüber dann genauer zu mustern. Sie trug etwas zerschlissene Kleidung, eine dunkle Hose und ein etwas helleres Oberteil, dazu schwarze Stiefel. Ihre Haare waren immer noch genau so lang wie bei ihrem ersten Treffen, nur ihr Blick war klarer, entschlossener, nicht mehr so vernebelt vom Alkohol. Insgesamt wirkte sie viel selbstsicherer und beherrschter, auch wenn sie wohl gerade etwas aus der Fassung geraten war. Aber nur kurz. Allerdings..
    "Du hast da einen Pfeil im Rücken stecken.. Tut das nicht weh? Willst du ihn nicht rausziehen?"



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:03


    Seren wirkte nicht sonderlich überrascht sie zu sehen. Wahrscheinlich hatte sie sie schon vorher erkannt oder so...
    Sharon musterte das Mädchen genauer. Die Weißhaarige war verletzt, am linken Arm und an der Hand. Sie trug ein dunkelblaues langärmeliges Oberteil - das jetzt natürlich nicht mehr ganz so heile war - eine schwarze Hose und Stiefel. An der Hüfte trug sie einen Köcher mit Pfeilen; spätestens jetzt war klar, dass sie ihr geholfen hatte. Ihr. Geholfen.
    Sharon erinnerte sich nicht mehr sonderlich deutlich an den Abend, an dem sie sich begegnet waren - wie gesagt, sie war stockbesoffen gewesen - aber jetzt fiel ihr ein, was ihr damals aufgefallen war: Serens Augen, die sich von denen der meisten Menschen unterschieden. Augen, wie Mitglieder des Bundes der Adler sie hatten.
    Du hast da einen Pfeil im Rücken stecken... Tut das nicht weh? Willst du ihn nicht rausziehen?
    Sharon brauchte einen Moment, um zu realisieren, was Seren da gesagt hatte. Dann verdrehte sie genervt die Augen und sagte wie üblich direkt, was ihr durch den Kopf ging.
    "Ich weiß, dass ich einen Pfeil im Rücken habe und so eine selten dämliche Frage habe ich noch nie gehört. Natürlich tut das weh. Aber zieh du dir mal selber einen Pfeil aus dem Rücken. Was machst du überhaupt hier?"
    An ihrer Antwort merkte man, dass sie alles andere als gut drauf war. Verständlicherweise. Der Mann, den sie hatten retten wollen, war tot, sie hatte einen Pfeil im Rücken und skeine Ahnung, wo die anderen Rebellen steckten und wie es ihnen ging. Apropos, sie musste zum Notfall-Treffpunkt, den sie für einen solchen Fall vereinbart hatten.
    Sharon unterdrückte ein Seufzen. Was für ein beschissener Tag.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:05


    Hmm. Das war natürlich ein Argument.. Seren war dazu geneigt, jetzt zu versuchen, wie weit sie mit ihrer Hand hinter den Rücken kam - aber das war in Anbetracht der Situation wohl etwas merkwürdig. Also ließ sie es besser. Allerdings stellte sie sich das trotzdem sehr schmerzhaft vor.. Wenn der Pfeil bei jeder Bewegung noch in der Verletzung.. Und wenn er dann noch..
    Hatte ihr Pfeil Widerhaken gehabt? Seren musste kurz nachdenken. Ja, hatte er. Und es hatte verdammt weh getan, ihn aus der Hand zu ziehen - und er hatte nicht einmal allzu tief drinnen gesteckt. Wenn man jetzt also.. im Rücken.. Autsch. Mit einem Blick auf ihre Hand sah die Weißhaarige, dass der Verband schon längst nicht mehr so weiß war wie am Anfang; die Verletzung blutete doch stärker als gedacht. Wie hielt Sharon das bloß aus?
    Was machst du überhaupt hier?
    Was.. Was? "Äh.. ", antwortete Seren und überlegte, wie sie das am besten erklären sollte. Ob Sharon jetzt irgendwie sauer war, wenn sie das erzählte..? Und wenn schon.
    "Ich.. ich wohne hier in der Nähe. In Rjaka. Und dann saß ich am See und habe eine Kutsche vom Adel vorbeifahren sehen.. Ich wollte wissen, warum so früh eine Adelskutsche durch die Gegend fährt und bin ihr gefolgt. Naja, und dann habt ihr die Kutsche eben überfallen.. Und dann sind die anderen Soldaten gekommen und als sie euch dann angegriffen haben, hab ich einfach geschossen", erklärte Seren mit einem schwachen Lächeln. "Besonders viel gebracht hat's ja leider nicht", fügte sie noch mit einem Blick zu dem toten Mann hinzu, der Sharons Laune wohl eindeutig auch nicht viel besser machte.
    "Soll ich dir den Pfeil rausziehen?", fragte sie einfach mal direkt und sah der Frau wieder in die graublauen Augen. Irgendwie hatte sie faszinierende Augen, diese Sharon. Nicht so.. abgestumpft wie die der meisten Bewohner. Klarer..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:10


    Sharon hörte Serens Erklärung zu und nickte. Dass das Mädchen hier in der Nähe wohnte, wusste sie ja, schließlich hatte sie sie hier in der Nähe getroffen.
    ...als sie euch dann angegriffen haben, hab ich einfach geschossen.
    Bei diesen Worten zeigte sich ein schwaches Lächeln auf dem Gesicht der Rothaarigen, welches jedoch gleich wieder erstarb, als sie Serens Blick zu dem Toten folgte und an ihr Versagen erinnert wurde. Wenn sie jemanden in der anderen Richtung am Weg postiert hätte, wäre vielleicht alles ganz anders gelaufen... Hätte, wäre. Verdammt!
    Das Mädchen zog ihren Blick wieder auf sich, als es eine Frage stellte: Nämlich, ob es den Pfeil herausziehen sollte.
    Sharon runzelte kurz die Stirn. Normalerweise hätte sie einen von den anderen gebeten, das zu tun, aber es konnte wohl nicht schaden, den Pfeil so früh wie möglich herauszuziehen. Sie musste eigentlich nicht unbedingt noch mehr Blut verlieren, was eindeutig passieren würde, wenn sie die Wunde nicht verband. Und hinterher entzündete sie sich noch. Sie erinnerte sich unweigerlich daran, wie sich in ihrem Dorf einmal jemand an einer Sense verletzt und die Wunde sich entzündet hatte. Der Mann hatte Fieber bekommen und... Nein, besser nicht dran denken.
    "Äh... ja. Das wäre wohl ganz gut", antwortete Sharon also und kratzte sich mit der - linken - Hand am Hinterkopf. Die Rechte ließ sie bewusst einfach herunterhängen, schließlich jagte jede Bewegung das Armes eine Schmerzwelle durch ihre Schulter.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:11


    Seren nickte auf Sharons letzte Aussage. Es war wirklich sinnvoll, einen Pfeil so schnell wie möglich zu entfernen, da dieser sonst bei jeder Bewegung die Wunde vergrößerte und sich die Entzündungsgefahr erhöhte.
    Das weißhaarige Mädchen kletterte aus der Kutsche und ging um Sharon herum, um sich die Verletzung genauer anzusehen. "Autsch", kommentierte sie und verzog das Gesicht. Das tat ja schon beim Hinsehen weh.. Der Pfeil steckte ziemlich tief, und es würde ziemlich schmerzhaft werden, ihn da raus zu bekommen.
    "Ich habe noch etwas Verbandszeug dabei, allerdings müsste das ganze eigentlich noch ausgewaschen und desinfiziert werden.. Leider hab ich dafür nichts dabei. Das heißt, du müsstest so schnell wie möglich irgendwo hin, wo man das machen könnte - wo wohnst du eigentlich? Ach ja, du weißt wahrscheinlich, dass das ganze recht schmerzhaft wird.. Schnell oder langsam? Wenn ich schnell ziehe, besteht die Gefahr, das irgendwas abbricht, aber es tut weniger weh.. Willst du was zum Draufbeißen? Oder so?", plapperte Seren drauf los und war selbst erstaunt über ihre Gesprächigkeit. Normalerweise redete sie nicht so viel, nur gab es gerade eben ziemlich vel zu sagen. Was zur Folge hatte, dass sie sich vorkam wie ein kleines, geschwätziges Plappermaul. War sie das nicht momentan auch..? In gewisser Weise ja. Scheiße.
    Sharon hielt sie bestimmt schon für geistig gestört.
    Seren musste daran denken, wie sie selbst mit acht Jahren einmal einen Pfeil in die Schulter geschossen bekommen hatte. Allerdings von vorn, irgendwo in der Nähe vom Schultergelenk. Ihr Vater hatte ihn entfernt, und sie erinnerte sich, dass sie geschrien hatte wie am Spieß und so sehr rumgezappelt hatte, dass sie schließlich festgebunden worden war. Und der Pfeil damals hatte keine Widerhaken gehabt.
    Suchend sah das Mädchen sich um. Hatte sie hier irgendetwas zum festbinden...? Nur zur Sicherheit. Man konnte ja nie wissen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:13


    Das Mädchen ging um sie herum - vermutlich, um sich den Pfeil anzusehen - und überschüttete Sharon dann mit einem kleinen Redeschwall. Erst irgendwasvon verbandszeug und dass sie die Wunde eigentlich desinfizieren müsste... dann eine Frage. Wo wohnst du eigentlich? Aber bevor Sharon sich überlegen konnte, ob sie lügen sollte, redete Seren schon weiter und sie beschloss, die Frage einfach zu ignorieren und sich den nächsten zuzuwenden.
    "Was zum Draufbeißen wäre wahrscheinlich nicht schlecht", stimmte sie also zu und sann über die Langsam-oder-schnell-Sache nach. Theoretisch war langsam ja besser, aber sicher äußerst schmerzhaft... na gut, schnell wäre vermutlich auch schmerzhaft, aber eben schneller. Aber vielleicht noch schmerzhafter, wenn wirklich der Pfeilschaft oder so abbrach und man es dann mühselig... aaaahhh.
    Sharon erinnerte sich, wie schonmal einer der Rebellen mit einer Pfeilwunde von einem Auftrag wiedergekommen war: Zwei hatten seine Arme vorsichtshalber festgehalten und einer hatte den Pfeil herausgezogen, während der Verletzte auf ein zusammengerolltes Stück Stoff gebissen hatte. Sie konnte sich noch genau an das blasse Gesicht erinnern, den schmerzerfüllten Ausdruck und wie er einen der Helfer aus einem Reflex heraus fast niedergeschlagen hätte.
    Na gut, sie traute sich doch etwas mehr Selbstbeherrschung zu. Vielleicht. Hoffentlich.
    "Na ja, sagen wir langsame bis mittlere Geschwindigkeit", meinte sie schließlich zu Seren. Ganz langsam war doch etwas... uarg.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:16


    Hmm. Entweder war die Frage des Wohnortes in ihrem Redeschwall untergegangen oder Sharon hatte sie absichtlich überhört. Wie auch immer, die Frage könnte sie auch nachher nochmal stellen. Was zum Draufbeißen wäre wahrscheinlich nicht schlecht. Ja, wahrscheinlich. Und was zum festbinden wäre wirklich auch nicht schlecht.. Oder zumindest jemanden, der die Rothaarige festhielt. Aber Seren hatte beides nicht zur Verfügung.
    Stattdessen riss sie erstmal einen Streifen von ihrer Kleidung ab, drehte ihn zusammen und hielt ihn Sharon hin. Was anderes zum Draufbeißen hatte sie leider gerade nicht.
    Langsame bis mittlere Geschwindigkeit hatte Sharon davor noch gesagt. Das half ihr nur leider auch nicht allzu viel weiter. Naja, sie würde das schon irgendwie hinbekommen.
    "Hmm, ja. Du müsstest dich dann irgendwie hinlegen oder so.. ", meinte Seren, und dabei kam sie sich irgendwie mehr als dämlich vor. Was sollte sie denn sagen, wenn sie ihr noch einen Verband anlegen wollte? 'Du müsstest dich dann irgendwie mal ausziehen'? ...oh man. Hoffentlich dachte Sharon selber etwas mit, sodass sie ihr nicht alles sagen musste. Sie kam sich dabei nämlich wirklich ziemlich.. dumm vor. Vielleicht sollte sie gar nicht so viel fragen, sondern einfach machen.. Egal, für wie bekloppt die Rothaarige sie dann hielt.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:16


    Seren riss einen Stoffstreifen von ihrer Kleidung ab und hielt ihr diesen zusammengedreht hin. Sharon nahm ihn schweigend entgegen und machte sich daran Serens Anweisung zu befolgen, schließlich klang diese recht vernünftig. Hinlegen. Zumindest schien dem Mädchen auch nicht ganz wohl dabei zu sein Sharon herumzukommandieren, das war ein kleiner Trost. Und dass niemand zusah.
    Mit einem leisen Seufzen ging Sharon also in die Hocke, um sich dann ausgestreckt auf den Bauch zu legen; als sie den Arm, der zu der verletzten Schulter gehörte, dabei für die Dauer eines Herzschlags belasten musste, stieß sie ein paar Flüche aus, zu denen die Leute aus der Kneipe, in der sie letztens diese Schlägerei angezettelt hatte, ihr vermutlich applaudiert hätten. Apropos: letztens. Es kam ihr schon ewig her vor, wonl wegen der eher verschwommenen Erinnerungen. Und streng genommen hatte sie die Schlägerei gar nicht angezettelt, denn wenn sie ihrem Gedächtnis trauen konnte, hatte diesser idiotische, stockbesoffene Kerl damit angefangen sie blöd anzumachen.
    Aber zurück zur Gegenwart. Sie lag auf dem Boden. Ein Pfeil steckte in ihrem Rücken (welcher nebenbei der Grund für saumäßige Schmerzen war) und sie musste sich darauf verlassen, dass ein Kind jenen herauszog ohne sie dabei verbluten zu lassen.
    Halleluja, dieser Tag war wirklich beschissen. Wirklich. Absolut. Beschissen.
    "Na dann leg mal los", fügte Sharon sich nuschelnd in ihr Schicksal und schob sich den Stoffstreifen zwischen die Zähne, sich innerlich wappnend und vorsorglich schonmal die Hände um zwei Grasbüschel legend, in die sie sich hineinkrallen konnte.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:18


    Seren sah zu, wie Sharon sich also auf den Boden legte und die Hände um zwei Grasbüschel schloss.
    Ja, das würde wohl schmerzhaft werden.. Und die Weißhaarige war sehr froh, dass sie jetzt nicht da auf dem Boden lag.
    Na dann leg mal los, sagte die Kämpferin.
    Dann leg mal los..., sagte Seren zu sich selbst nd krempelte sich die Ärmel des hellen Oberteils, das sie trug, hoch.
    Dann ging sie zu der Rothaarigen hin, überlegte kurz und setzte sich dann ungefragt auf den Rücken der Frau. Natürlich vorsichtig - wobei es wohl trotzdem weh tat. Naja, so konnte sie sich schonmal etwas an die Schmerzen gewöhnen.. oder so.
    "Also gut..", murmelte sie, legte die linke Hand auf Sharons Rücken und fasste mit der rechten Hand den Pfeil an.
    Dann begann sie, doch recht langsam und vorsichtig, an dem Pfeil zu ziehen. Seren merkte, wie er sich nach oben bewegte.
    Unwillkührlich biss sie sich auf die Lippe - bei dem Gedanken an ihre letzte 'Pfeiloperation' wurde ihr kalt. Aber daran durfte sie jetzt nicht denken. Sie musste diesen Pfeil so schnell wie möglich da raus kriegen, und trotzdem durfte nichts abbrechen oder so.
    Sie zog etwas fester - aber immer noch so, dass nichts von der Pfeilspitze abbrechen konnte.
    Hoffentlich ging das alles gut..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:18


    Sharon wartete ab, bis sie auf einmal ein Gewicht auf dem Rücken spürte, welches dafür sorgte, dass - mal wieder - heftiger Schmerz durch ihre Schulter zuckte. Eigentlich wollte sie sich lautstark beschweren, doch wegen dem Stoffstreifen zwischen ihren Zähnen kam nur ein gedämftes "'Ey!" heraus. Hatte sie irgendetwas von wegen auf-sie-draufsetzen gesagt? Nein, definitiv nicht.
    Doch das nächste Ereignis ließ sie ihre sauren Gedanken vergessen. Der Schmerz schoss wie eine von der Wunde ausgehende Welle durch ihren ganzen Körper. Ohne es zu merken quetschte Sharon das Gras zwischen ihren Händen zusammen und bohrte die Fingernägel in ihre Handflächen. Hätte sie nicht die Zähne mit aller Kraft zusammengebissen, hätte sie geschrien; so war nur ein lang gezogenes, schmerzerfülltes "Gnnnnnn" zu hören.
    Und als sie gerade dachte, dass sie es nicht mehr aushielt, wurde es noch etwas schlimmer. Rote Lichtblitze explodierten erneut vor ihren Augen, selbst als sie diese zusammenkniff. Vermutlich rissen die Widerhaken gerade etwas Fleisch aus, das dachte zumindest der winzige Teil ihres Gehirns, der sich nicht mit den Schmerzen beschäftigte und dafür sorgte, dass ihr Körper versuchte vor diesen zu fliehen. Da war es vielleicht doch ganz gut, dass Serens Gewicht sie daran hinderte, sich großartig zu bewegen, mal abgesehen von unkontrollierten Zuckungen und Um-sich-treten mit den Beinen. Sharon wusste nicht, wie lange das jetzt schon so ging, sie wusste nur, dass es aufhören sollte. Jetzt sofort.
    Verdammt, so lange konnte das doch nicht dauern, bis so ein Pfeil draußen war!



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:23


    Sharons gedämpftes 'Ey' hatte Seren vollkommen überhört. Und selbst wenn sie es gehört hätte, hätte sie wohl kaum darauf geantwortet. Weil es darauf nichts zu sagen gab.
    Hätte sie sich nicht auf sie drauf gesetzt, hätte sie sich irgendwann weggedreht, ob sie es gewollt hätte oder nicht. Weil der Körper dem Schmerz entfliehen wollte - was ja auch ziemlich logisch war. Nur eben leider in solchen Situationen nicht allzu hilfreich.
    Seren spürte mehr als das sie sah, dass die Rothaarige um sich trat; auch wenn sie nicht getroffen wurde.
    Die Unterdrückten Schreie dazu ließen wissen, dass das grade abgrundtief weh tun musste.
    "Shhh", machte Seren und hielt kurz mit dem Ziehen inne.
    "Versuch dich zu entspannen.. Dann tuts nicht ganz so weh", sagte sie sanft und strich Sharon über den Rücken, wartete dann noch kurz um sie Kuft hohlen zu lassen und zog dann weiter, diesmal etwas schneller als zuvor.
    Wenn man die Muskeln nicht anspannte, waren sie dünner - also hatte der Pfeil praktisch mehr Platz und war leichter herauszuziehen.
    Gleich hatte sie es geschafft - der Pfeil steckte nur noch mit der Spitze und einem kleinen Holzstück fest.
    Mit einem letzten - und wahrscheinlich sehr schmerzhaften - Ruck zog sie ihn raus und hielt ihn wie eine Trophäe in der Hand. Er war ganz.
    Keiner der Widerhaken war abgebrochen.
    "Geschafft..", murmelte Seren. Allerdings hatte sie selten so eine Spitze gesehen. Die Widerhaken waren wirklich extrem groß, solche Spitzen wurden eigentlich nur für die Jagd oder für Kriegszwecke verwendet. Aber anscheinend waren sie bei den Soldaten des Königs Teil der Standartausrüstung.
    Mit einem Blick auf Sharon fiel ihr auf, dass sie immer noch auf ihr draufsaß. Und das passte ihr wahrscheinlich überhaupt nicht. Außerdem blutete die Verletzung ziemlich stark, jetzt, wo der Pfeil nicht mehr steckte; sie musste schnellstmöglich einen Verband angelegt bekommen.
    Also kletterte sie von der Rothaarigen herunter und kniete sich neben ihr auf den Boden. Seltsam. Dabei kannte sie die Frau nichtmal..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:24


    Für einen Moment verebbte der Schmerz. Aber nur für einen Moment - einen Moment, in dem eine Stimme (vermutlich Serens) mit einem merkwürdig sanftem Unterton irgendwas davon sagte, dass sie sich entspannen sollte, weil es dann weniger wehtun würde.
    Das weiß ich selber, Scherzkeks. Versuch du mal dich zu entspannen, während man dir einen Pfeil aus dem Rücken zieht, dachte Sharon und holte noch einmal tief Luft, bevor es wieder losging.

    Vom Gefühl her dauerte es nochmal genausolange wie beim ersten Mal, wenn nicht länger, bis es endlich - endlich! - aufhörte. Zurück blieb nur ein dumpfes Pochen und ein warmes Gefühl am Rücken, wohl vom fließenden Blut herrührend.
    Falls Seren irgendeinen Kommentar dazu abgab, dass sie fertig war, überhörte Sharon diesen, spuckte nur den Stoffstreifen aus, als sie merkte, dass das Gewicht auf ihrem Rücken verschwand und blieb erschöpft liegen, das Gesicht im Gras, die Augen geschlossen.
    Eigentlich war es erstaunlich, wie anstrengend Schmerzen waren. Sie fühlte sich, als wäre es spätabends und als hätte sie tagsüber einen Marathonlauf veranstaltet. Sie wollte nur noch schlafen... aber ihre Wunde musste verbunden werden.
    Dieser Gedanke weckte sie wieder aus der Halb-Bewusstlosigkeit und veranlasste sie zu dem Versuch sich hochzustemmen, bei dem sie jedoch kläglich versagte und gleich wieder mit einem Stöhnen zu Boden plumpste. Das Atmen fiel ihr auf einmal so schwer, sie keuchte fast. Herrgott, sie hatte doch nur versucht sich aufzusetzen! Wo war überhaupt Seren abgeblieben...?



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:25


    Seren setzte sich jetzt im Schneidersitz ins Gras, den Pfeil immer noch betrachtend. Sharon musste wahrscheinlich sowieso erstmal kurz verschnaufen, sonst würde sie ihr gleich umkippen, wenn sie sich aufsetzte.
    Schon merkwürdig. Sie kannte diese Frau nicht, war ihr erst einmal begegnet - aber irgendwie mochte sie sie. Ihre Art und vor allem ihre Denk - und Handlungsweise. Sie hatte gegen die Soldaten vom Adel gekämpft, und das machte sie sofort sympathisch. Jeder, der irgendetwas gegen den Adel unternahm, war ihr sympathisch.
    Das einzige Problem war nur, dass die Rothaarige sie jetzt bestimmt für sehr, sehr dämlich hielt. Wenn nicht dämlicher als dämlich.
    Seren seufzte innerlich. Egal. Bald würden sich ihre Wege wieder trennen, und dann würden sie sich nie wieder sehen. Und zwar wirklich nie wieder.
    Aus den Augenwinkeln sah die Weißhaarige, wie die Frau versuchte sich aufzurichten - und scheiterte. Nicht verwunderlich. Aber sie musste sich jetzt sowieso aufsetzen.
    Seren legte den Pfeil weg, beugte sich über Sharon und half ihr, sich aufzusetzen.
    Wortlos hohlte sie das Verbandszeug aus der kleinen Tasche, die sie an ihrem Gürtel befestigt hatte - nebenbei feststellend, dass ihre eigenen Verbände auch schon wieder mehr rot als weiß aussahen. Aber sie hatte es ja nicht allzu weit nach Hause. Die Schmerzen hatte sie während der Sache mit dem Pfeil fast vollkommen vergessen; allerdings kamen sie jetzt wieder ziemlich direkt in ihr Bewusstsein.
    Scheiß Soldaten, fluchte sie in Gedanken und ließ ihren Blick wieder zu Sharon wandern.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:26


    Kurz darauf wusste sie wo Seren abgeblieben war, denn diese half ihr sich aufzusetzen. Das war zwar immer noch schmerzhaft und noch dazu erniedrigend, aber das war diese ganze beschissene Situation sowieso, also egal.
    Sharon griff kurzerhand nach dem Saum ihres Oberteils und zog sich dieses mit zusammengebissenen Zähnen über den Kopf, ein erneutes Stöhnen unterdrückend. Einfach alles schnell hinter sich bringen...
    Als sie das geschafft hatte, betrachtete sie den ehemals hellbraunen Stoff. An den Ärmeln und vorne war er sogar wirklich noch braun, aber am Rücken - ja, doch, sie hatte etwas geblutet und tat das vermutlich immernoch. Gewissermaßen war sie froh, dass sie die Pfeilwunde nicht sehen konnte. Sie war in der Hinsicht zwar eigentlich nicht empfindlich, aber bei sich selber war das doch noch irgendwie etwas anderes. Einen Moment nestelte sie an ihrem BH herum, bis sie ihn schließlich auch aushatte.
    Danach blickte Sharon abwartend zu Seren hinüber. Seren... irgendwie war dieses Mädchen merkwürdig, aber das hatte sie wahrscheinlich schon öfter festgestellt. Ja, hatte sie. Wenn sie wieder einigermaßen klar im Kopf war sollte sie da nochmal näher drüber nachdenken. Irgendwie erinnerte der Nebel in ihrem Kopf sie an den von ihrem Besäufnis. Seltsam.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:27


    Seren spielte mit dem Verbandszeug herum, während sie aus den Augenwinkeln zusah, wie Sharon sich auszog.
    Sie wusste, wie man Verbände anlegte, das war nicht das Problem. Das Problem war, dass sie diese Frau nicht kannte. Das stellte natürlich kein wirkliches Problem da, aber seltsam war es schon. Äußerst seltsam.
    Vielleicht sollte sie das einfach als Erste-Hilfe-Leistung betrachten. Dann wirkte es eventuell etwas normaler.
    Als die Rothaarige fertig war, kniete Seren sich schräg hinter ihr hin und begann, ihr schweigend den Verband um den Oberkörper zu legen.
    Das würde jetzt wahrscheinlich nochmal weh tun, denn sie legte den Verband ziemlich fest an - das musste sie, um die Blutung zu stoppen. Aber glücklicherweise war es immer noch nicht sie, die einen Pfeil in den Rücken bekommen hatte.
    Nach ein paar Minuten war sie fertig - und der Verband zu ende. So viel hatte sie ja schließlich auch nicht dabei, er sollte ja eigentlich nur für den Schutz ihrer Arme reichen. Seren knotete die Mullbinden zusammen, immer darauf achtend, ihre linke Hand so wenig wie möglich zu benutzen. Das war gar nicht so einfach, denn man war es eben gewohnt, mit beiden Händen einen Knoten zuzumachen. Wenn man die eine jetzt allerdings kaum bewegen konnte, dann war das.. schlecht.
    "Fertig", meinte die Weißhaarige dann und stand auf. Wenn jetzt irgendwelche Beschwerden kamen, dann.. Pff.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:28


    Im Vergleich zu den vorherigen Schmerzen war es noch ziemlich erträglich, als Seren den Verband um ihren Oberkörper wickelte und festzog. Na ja, unangenehm war es schon. Aber es dauerte nicht allzu lange, bis das Mädchen verkündete, dass es fertig war.
    Sharon tastete mit der linken Hand über ihren Rücken - der Verband schien eigentlich ganz gut zu sitzen, immerhin etwas. Anschließend zog sie sich umständlich wieder an, da nach wie vor jede Bewegung weh tat, und blickte dann zu Seren hinüber, die inzwischen aufgestanden war.
    "...Danke", sagte sie schlicht, auch wenn es sich nicht wirklich dankbar anhörte, und wollte eigentlich aufstehen.
    Die Betonung liegt hier auf wollte, denn bevor sie gerade stehen konnte, knickten die Beine unter ihr weg und sie landete wieder auf dem Boden, wo sie verdutzt sitzen blieb. Das war... peinlich.
    Dummerweise endete der zweite Versuch auch nicht viel besser. Diesmal kam sie zwar auf die Beine, musste sich aber an der Kutsche aufstützen, um nicht erneut auf der Erde zu landen. Schwer atmend und in Gedanken den Adel mit all seinen Soldaten und Widerhaken-gespickten Pfeilen verfluchend, blieb sie erstmal an dieser stehen.
    Wie, zum Henker, sollte sie denn in diesem Zustand zum Treffpunkt kommen? Vielleicht wurde es besser, wenn sie noch etwas wartete, aber das war... unwahrscheinlich. So schnell regenerierte sich verlorenes Blut ja nun auch nicht, außerdem musste die Wunde ausgewaschen werden...
    "Verdammt!", stöhnte sie. So viel Pech konnte doch ein einzelner Mensch nicht haben.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:30


    Danke.
    Wow. Das hatte Seren irgendwie nicht erwartet. Es klang zwar nicht wirklich überzeugend, aber es war ein Danke - und so, wie sie Sharon bisher einschätzte, hätte sie das nicht von ihr erwartet.
    Aber gut, sie kannte sie ja auch kaum. Irren war immer noch menschlich.
    Seren zuckte als Antwort nur kurz mit den Schultern, eine Geste, die besagen sollte, dass das doch wohl jeder gemacht hätte. Naja, fast jeder.
    Als die Rothaarige aufstehen wollte, aber nach zwei Sekunden schon wieder auf dem Boden lag, musste Seren sich wirklich ein Lachen verkneifen. Das erinnerte sie daran, wie sie zusammen mit der besoffenen Sharon zu der Pansion gelaufen war - da hatte auch oft nicht viel gefehlt, damit sie am Boden lag. Diese Sharon war so ganz anders als die, die gerade eben mit vollem Einsatz gegen die Soldaten gekämpft hatte. Merkwürdige Frau, wirklich, sehr merkwürdig.
    Wie oft wollte sie das jetzt eigentlich noch feststellen? Am besten noch fünfzig mal, damit sie wirklich überzeugt war...
    Bei dem zweiten Versuch der Rothaarigen klappte es besser, dieses mal stand sie; auch wenn sie sich an der Kutsche festhalten musste.
    Ein 'verdammt' ließ sich aus ihrer Richtung vernehmen. Sie schien nicht besonders glücklich darüber zu sein, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnte.. verständlich.
    "Und.. was hast du jetzt vor? Also, wo gehst du jetzt hin?", fragte Seren sie, und kurz darauf fiel ihr ein, dass sie wahrscheinlich nirgendwo hingehen würde - schlicht und einfach, weil sie dazu gar nicht in der Lage war. Hmm. Hmm.. Sie konnte sie hier ja schlecht einfach sitzen lassen. Oder? ..nein. Aber was sollte sie jetzt tun?



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:30


    Und.. was hast du jetzt vor? Also, wo gehst du jetzt hin?
    Bei diesen Worten musste Sharon sich beherrschen, um dem Mädchen nichts Bissiges zu erwidern - stattdessen bekam es nur einen finsteren Blick ab. Sah Seren denn nicht, dass sie kaum in der Lage war gerade zu stehen, geschweige denn irgendwo hinzugehen!?
    Frustrierend war das, jawohl. Aber sie musste irgendwie zum Treffpunkt kommen... vielleicht mit einem der Pferde? Kurz wanderte Sharons Blick zu dem Zweiergespann, doch dann überlegte sie es sich wieder anders. Selbst wenn sie es geschafft hätte sich auf den Rücken eines der Tiere zu hieven und es sie überraschenderweise lammfromm durch die Gegend tragen würde, lag der Treffpunkt im Wald und der so genannte Pfad, der dorthin führte, war für diese Pferde nicht wirklich begehbar; da bräuchte man schon ein robustes Bergpony oder so.
    Genervt lehnte Sharon sich gegen die Kutsche, wobei sie fast an der Holzwand herunterrutschte, sich aber irgendwie halten konnte, und wandte sich wieder Serens Frage zu.
    "Also eigentlich hatte ich vor, zu dem Treffpunk zu gehen, den ich mit den anderen ausgemacht habe", antwortete sie trocken. "Und etwas anderes bleibt mir auch kaum übrig."
    Das stimmte. Es war nicht so schlau, sich direkt nach einem Angriff auf eine von Soldaten bewachte Kutsche vor jedermanns Nase mit einer Pfeilwunde in der Schulter zu zeigen. Genauso wenig konnte sie hierbleiben. Verdammt, dann würde sie notfalls eben zu diesem vermaledeiten Treffpunkt kriechen!



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:32


    Auf ihre Frage hin folgte ein sehr, sehr böser Blick von Sharon - was war auch anderes zu erwarten gewesen.
    Aber sie antwortete ihr trotzdem, auch, wenn Seren das nicht erwartet hätte. Zu einem Treffpunkt wollte sie. Was für ein Treffpunkt?
    Wahrschienlich der, den sie mit ihren.. Kumpanen für einen solchen Fall ausgemacht hatte.
    Nur war sie, wie sie schon selbst festgestellt hatte, viel zu schwach, um dort hinzukommen. Wobei sie ja nichtmal wusste, wo genau dieser Treffpunkt war; er konnte zwei Kilometer von hier entfernt sein, oder aber auch nur ein paar Schritte den nächsten Trampelpfad entlang.
    Jedenfalls hatte sie jetzt eine Art Problem. Sie konnte ja nicht einfach abhauen und Sharon hier sitzen lassen, aber sie jetzt zu fragen, ob sie ihr nicht helfen sollte, kam ihr schon irgendwie etwas aufdringlich vor. Aber was sollte sie auch sonst machen?
    "Soll ich dir.. irgendwie helfen.. oder so?", fragte sie also mit einem vorsichtigen Blick in Richtung der Rothaarigen. "Ich meine, ich kann dich ja hier jetzt nicht einfach sitzen lassen", schob sie noch schnell hinterher; das ließ das ganze etwas weniger unnormal klingen.
    Hoffentlich verstand die Frau das jetzt nicht falsch, sie riss sich wirklich nicht darum, ihr zu helfen, auch wenn sie schon gerne mehr über sie erfahren würde; zum Beispiel, was sie und ihre.. Freunde dazu bewegt hatte, diese Kutsche überhaupt anzugeifen. Also woher sie gewusst hatten, dass ein Gefangener darin saß. Und ob sie wirklich das Ziel gehabt hatten, ihn zu befreien. Und noch so viele, viele andere Fragen..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:33


    Sharon schoss einen weiteren finsteren Blick in Serens Richtung. Das Mädchen meinte es wahrscheinlich nur gut, aber trotzdem... "Nein, danke, gehen kann ich wohl noch alleine", sagte sie deshalb kühl und ließ, wie um dies zu beweisen, die Kutsche los, woraufhin sie leicht schwankend stehen blieb. Sie blinzelte ein paarmal, als alles in ihrem Blickwinkel für kurze Zeit verschwamm, aber sie blieb stehen. Ha!
    Jetzt hieß es nur noch losgehen. Sie konzentrierte sich auf den Boden vor sich, um nicht über irgendwas zu stolpern, das dort nutzlos herumlag, und setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Ihre Beine zitterten ein wenig, aber wahrscheinlich nicht so sehr, dass es einem Beobachter (oder einer Beobachterin) auffallen würde. Alles wunderbar. Alles...
    Erneut verschwamm alles vor ihren Augen und blinzeln half diesmal nicht. Egal... ein Schritt. Und noch ein Schritt. Die Welt begann, sich um sie herum zu drehen und im nächsten Moment fand sie sich - zum x-ten Mal heute - auf dem Boden wieder.
    Sie hatte vielleicht die Hälfte des Weges von der Kutsche zu den Bäumen hin geschafft. Toll. Das war - mal wieder - ein bisschen peinlich.
    Aus den Augenwinkeln warf Sharon einen Blick zu Seren hinüber. Vielleicht sollte sie das Angebot des Mädchens annehmen. Es war zwar erniedrigend, aber was war das heute eigentlich nicht...?
    "Na gut... vielleicht brauche ich doch Hilfe", räumte die besiegte Rebellenanführerin ein. "Das wäre... nett", fügte sie gequält hinzu. Verdammt, was für ein Tag.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:34


    Nein danke, gehen konnte sie wohl also noch alleine.
    Seren dachte sich da jetzt einfach mal ihren Teil zu. Sharon sah nämlich absolut nicht so aus, als würde sie alleine laufen können, aber wenn sie das behauptete..
    Wahrscheinlich war sie schlicht und einfach zu stolz, um um Hilfe zu bitten. Seren grinste in sich hinein. Dann warte ich mal ab, was sie jetzt tut.., dachte sie und beobachtete die Rothaarige, wie sie die Kutsche losließ und dann sogar stand, ohne sich irgendwo festzuhalten.
    Hatte sie die Frau doch unterschätzt..? Jetzt ging sie sogar los. Zwar langsam, aber sie ging. Vielleicht war sie doch nicht so -
    Doch. War sie. Das Mädchen musste sich ein Lachen verkneifen, als Sharon wieder am Boden lag. Besonders weit war sie nicht gekommen.
    Na gut... vielleicht brauche ich doch Hilfe, meinte die Rothaarige.
    Das wäre... nett. Man hörte deutlich, wie sehr es ihr missfiel, diese Worte aussprechen zu müssen. Aber in ihrer Situation hatte sie wohl auch nicht wirklich eine andere Wahl.
    Seren lächelte und ging auf Sharon zu, um ihr dann aufzuhelfen. Dabei benutzte sie eigentlich nur den rechten Arm - der linke war ihr nämlich mittlerweile ziemlich nutzlos geworden. Bewegen konnte sie ihn kaum, er tat bei jeder Bewegung weh und.. war im Moment irgendwie ziemlich lästig.
    "Wo genau musst du denn überhaupt hin?", fragte sie dann noch. Hoffentlich war die Rothaarige noch klar genug im Kopf, um das zu wissen. Sonst hatte sie nämlich ein Problem.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:35


    Sharon ließ sich mehr oder weniger dankbar von der lächelnden Seren aufhelfen - sie bemerkte dabei, dass diese nur den unverletzten Arm benutze, die Wunde war wohl ziemlich unangenehm - und stützte sich dann auf der Schulter des Mädchens auf, da sie schon wieder etwas schwankte. Kurz darauf kam die unvermeidliche Frage, wo sie denn überhaupt hinmusste.
    "Zu einer Lichtung südwestlich von hier, etwa eine Viertelstunde Fußmarsch", entgegnete sie. Eine Viertelstunde in ihrem normalen Tempo; sie würden vermutlich etwas langsamer vorwärts kommen, fiel ihr im Nachhinein auf. Naja, egal.
    Das würde wohl ein Spaß werden, die Wege waren nicht sonderlich gut begehbar und es würde sie nicht wundern, wenn sie deswegen noch ein paarmal öfter auf dem Boden landete. Mal ganz abgesehenvon diesem nervtötenden Schwindelgefühl und dem Zittern in den Beinen... Sharon kam sich so richtig erbärmlich vor. Das nächste Mal musste sie sich einen besseren Fluchtplan ausdenken... mit einem Plan B und C. Oder es erst gar nicht erst zu einer Situation kommen lassen, aus der sie fliehen mussten.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:36


    Südwestlich von hier. Etwa eine Viertelstunde Fußmarsch. Hatte sie jetzt ihre Verletzung mit eingerechnet oder nicht..?
    Hoffentlich. Sonst kamen sie unter einer halben Stunde garantiert nicht ans Ziel.
    Fragte sich nur noch, in welcher Richtung jetzt Südwesten lag.. Hmm. Seren hatte keine Ahnung, wenn sie ehrlich war. Aber jetzt zu fragen war ihr auch irgendwie zu blöd.
    Wobei.. Rein theoretisch konnte sie einfach da lang gehen, wo Sharon auch hatte langgehen wollen. Ja. Die Idee war gar nicht so schlecht. Schließlich wäre Sharon ziemlich blöd, wenn sie einfach in eine falsche Richtung loslaufen würde. Und falls es doch die falsche Richtung war, zeigte das immerhin, dass die Rothaarige die Richtung genau so wenig kannte wie sie. Und falls es trotz allem der falsche Weg war, würde sie schon früh genug protestieren. Hoffentlich. Sonst.. War sie wirklich dumm. Aber so bescheuert würde sie schon nicht sein.
    Auch wenn Seren ihr in diesem Zustand wirklich alles zutraute.
    Also ging das Mädchen mit der Rothaarigen im Schlepptau los - in die Richtung, in der sie glaubte, dass sie Südwesten hieß.
    Hoffentlich war der Weg nicht allzu beschwerlich. Denn auch, wenn sie ihren linken Arm nich wirklich belastete, schmerzte er bei jedem Schritt.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:36


    ~ Timejump: 27 minutes later ~

    Fünfmal. Fünfmal hatte sie sich auf diesem beknackten Trampelpfad auf die Nase gelegt, wenn sie richtig mitgezählt hatte.
    Sharon hatte das Gefühl, schon eine Ewigkeit unterwegs zu sein - ihr Atem ging keuchend, ihre Schulter schien in Flammen zu stehen und auch die Wunde an ihrem Bein brannte und pochte schmerzhaft. Hätte sie nicht Seren als Stütze gehabt, wäre sie wohl kaum einen weiteren Schritt vorwärts gekommen, ohne auf dem Boden zu landen und gar nicht mehr aufzustehen. Aber nun begannen die Bäume endlich, sich etwas zu lichten - der Treffpunkt war in Reichweite.
    Sie wollte allerdings gar nicht wissen, wie sie aussah und was die anderen gleich denken würden, wenn sie sie so sahen, wie sie sich mühsam daherschleppte, mit Unterstützung eines kleinen Mädchens. Verdammte Scheiße.
    Sie gingen also zwischen zwei weiteren Bäumen hindurch - Sharon glaubte zu erkennen, dass es Eichen waren - und traten in die Sonne, die hier ungehindert ihre Strahlen bis auf die Erde fallen lassen konnte. Auf der anderen Seite der Lichtung plätscherte leise ein Bach vor sich hin und an diesem hockten sechs Personen, vier Männer und zwei Frauen. Einer der Männer ließ sich gerade von einem anderen den Arm verbinden und fluchte dabei leise vor sich hin, während die anderen sich murmelnd unterhielten und ihre Wasserschläuche am Bach auffüllten. Der Wind trug einzelne Wortfetzen zu Sharon hinüber: "Lange... Hoffentlich... Kutsche... Pech... Sharon..."
    Ja, ihr Name kam auch vor. Aber wenn sie wieder etwas besser drauf war, würde sie die anderen definitiv zusammenscheißen, weil sie so unaufmerksam an dem Bach herumsaßen und nichts um sich herum mitbekamen - da konnte ja jeder Depp sie angreifen. Also wirklich.
    Gerade als sie das dachte, drehte eine der Frauen zufällig den Kopf in ihre Richtung und entdeckte die beiden, aufspringend. "Sharon! Verdammt, wir haben schon gedacht..." Sie beende den Satz nicht, sondern kam auf sie zu, während die übrigen ebenfalls in ihre Richtung sahen und zwei weitere auch aufgestanden waren.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:38


    Endlich. ENDLICH.
    Nach einer endlos langen Zeit, die Seren wie mindestens zwei Stunden vorgekommen waren, kam endlich die Lichtung in Sicht, auf der wohl der Treffpunkt war. Sharon war während des Weges ungefähr vier mal zusammen geklappt, und das Mädchen hatte schon befürchtet, dass sie es gar nicht bis hier her schaffen würden. Aber sie hatten es geschafft.
    Der Schmerz in ihrem Arm hatte sich mittlerweile auf ihre linke Schulter ausgeweitet, und der Weißhaarigen kam es vor, als würde irgendjemand sich ständig damit beschäftigen, ihren Arm aufzuschlitzen. Was die Schmerzen nicht unbedingt angenehmer machte.
    Die Lichtung, auf die sie nun traten, war recht klein, die Sonne schien durch die Blätter und ein Bach zog sich an dieser Stelle durch den Wald.
    Sechs Personen saßen dort auf dem Boden, zwei Frauen und vier Männer, von denen sich einer gerade den Arm verbinden ließ. Sie alle redeten miteinander, aber Seren verstand nicht, was sie sagten. Wollte sie im Moment auch gar nicht, sie war viel zu sehr darauf konzentriert, die Schmerzen in ihrem Arm zu verdrängen.
    Als eine der beiden Frauen sie endlich bemerkte, sprang sie mit einem "Sharon!" auf und kam auf sie zugelaufen. Einige andere standen auch auf, und kurz darauf übernahmen die Frau und ein weiterer Mann die Rothaarige und halfen ihr auf die Lichtung, wo sie sich dann hinsetzten.
    Seren schienen sie gar nicht zu bemerken, und so blieb sie einfach einige Meter entfernt von der Gruppe stehen und lehnte sich erschöpft gegen einen Baum. Selbst, wenn die Leute da sie jetzt ignorierten; sie konnte nicht sofort weiter. Dazu war sie nach diesem Fußmarsch zu fertig.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:38


    Zu der Frau gesellte sich der Mann, der dem anderen eben den Arm verbunden hatte. Die beiden griffen sich Sharons Arme, legten sich diese über die Schultern und halfen ihr so weiter auf die Lichtung, wobei sie ihr Ächzen ignorierten - sie wussten ja auch nicht, dass sie an der Schulter verletzt war und gerade das Gefühl hatte als würde nochmal ein Pfeil hindurchgejagt. Oder mehrere.
    Am Bach angekommen setzten sie sie ab und irgendwer fing an, in einem unglaublichen Tempo auf sie einzureden, allerdings bekam sie davon so gut wie gar nichts mit, absolut nicht in der Lage, sich jetzt noch zu konzentrieren. Genau genommen ignorierte Sharon den Redefluss ganz bewusst und betrachtete stattdessen die anderen, die im Vergleich zu ihr glimpflich davongekommen waren; abgesehen von der Wunde am Arm nur ein paar Kratzer. Das war schonmal beruhigend.
    "Also dann", redete sie der Person einfach dazwischen. Dabei stellte sie fest, dass ihre Stimme kaum mehr als ein Krächzen war, doch trotzdem wurden alle um sie herum augenblicklich still - immerhin etwas. "Wir müssen so schnell wie möglich zurück." Mit zurück meinte sie natürlich das Hauptquartier. So ziemlich der einzige wirklich sichere Ort.
    Die Frau die ihr vorhin geholfen hatte und jetzt immer noch vor ihr saß, runzelte skeptisch die Stirn. Ihr Name war Keria und sie gehörte zu denen, die schon von Anfang an im Bund waren. "Dir ist schon klar, dass du es in deinem Zustand nichtmal bis nach Relsh schaffst!? Wir müssen uns ein Versteck hier in der Nähe suchen und dich da erstmal wieder zusammenflicken", meinte sie trocken.
    "Hmpf", machte Sharon bloß. Blöderweise wusste sie, dass Keria Recht hatte, da half selbst ihr Stolz nichts. Sie wäre ja nicht einmal bis hierher gekommen, wäre da nicht Se... Ja, Seren. Die hätte sie fast vergessen. Wo war das Mädchen eigentlich abgeblieben?
    Müde blickte Sharon sich um und hielt Ausschau nach der Weißhaarigen, bis sie sie an einen Baum gelehnt entdeckte. Wahrscheinlich war sie ebenfalls ziemlich erschöpft, schließlich war sie auch verletzt...
    "Ach ja", meinte einer der anderen. "Wer ist das eigentlich?"



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:39


    An den Baum gelehnt blieb Seren stehen, beobachtete die kleine Truppe und hörte zu, was sie so redeten.
    Einer der Männer fing sofort an, davon zu erzählen, was die anderen nach dem Angriff getan hatten. Das sie geflohen waren, aber irgendjemand doch fast von den Soldaten erwischt worden wäre, bis sie schließlich doch auf die Lichtung gekommen wären. Allerdings war Sharon dann nicht da gewesen, und sie hatten schon alle gedacht, sie wäre tot oder sonstwie was. Das war zumindest das, was Seren sich daraus zusammenreimen konnte.
    Außerdem bekam sie eine Antwort auf eine ihrer Fragen: Leider ist er dann ja doch gestorben, hatte der junge Mann zwischendurch gesagt. Das hieß, dass sie die Kutsche doch mit der Absicht angegriffen hatten, den alten Mann zu befreien.
    Der Junge wollte wohl gerade erzählen, wie sie dann gewartet hatten, als Sharon ihm ins Wort fiel. Sie meinte, dass sie so schnell wie möglich zurück müssten. Nur zurück wohin? Was meinte die Rothaarige mit zurück?
    Doch die Frau, die sie als erstes bemerkt hatte, widersprach ihr. Sie würde es nicht einmal bis nach Relsh schaffen. Sie müssten sie erstmal wieder zusammenflicken. Was Sharon nicht besonders zu gefallen schien.
    Seren schienen sie wirklich zu ignorieren, wahrscheinlich war es ihnen gar nicht mal aufgefallen, dass sie überhaupt da war. Irgendwie fühlte sie sich schon etwas blöd, wie sie da so stand und eine Gruppe beobachtete, von der sie keinen wirklich kannte. Sie kam sich vor, als sollte sie nicht hier sein, sondern am besten so schnell wie möglich von hier verschwinden. Leider ließ ihr derzeitiger Zustand das nicht zu. Noch nicht.
    "Wer ist das eigentlich?", wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Die Weißhaarige sah auf. Die Leute schienen sie bemerkt zu haben, alle starrten sie an, als wäre sie irgenein Monster, was sich plötzlich auf die Lichtung geschlichen und sie jetzt die ganze Zeit belauscht hatte.
    Sollte sie jetzt etwas sagen? Aber was?
    "..ich bin Seren", antwortete sie kurz. Es war wohl am naheliegensten, dass sie ihren Namen nannte. "Ich habe zufällig gesehen, wie ihr die Kutsche angegriffen habt, und als dann die Soldaten kamen.. Naja.."
    Sie brach ab. Viel zu sagen gab es da nicht mehr, den Rest würden sie sich hoffentlich denken können. Argh. Wenn sie sich nur nicht so verdammt bescheuert vorkommen würde..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:40


    Bevor Sharon irgendwas auf die Frage antworten konnte, kam Seren ihr zuvor, beendete ihren Satz allerdings nicht wirklich."Sie hat mir geholfen", fügte Sharon also noch hinzu. Das reichte ja wohl, die näheren Details dürften niemanden interessieren.
    Daraufhin wandte sie sich wieder von dem Mädchen ab und blickte die Mitglieder ihrer Truppe abwechselnd an. "Aber zurück zum Thema: Kennt irgendwer zufällig ein gutes Versteck hier in der Nähe...?"
    Sie hoffte doch, sie hatte nämlich keine Lust, jetzt noch stundenlang durch die Gegend zu rennen und nach so etwas zu suchen, selbst wenn sie dazu überhaupt in der Lage gewesen wäre. Wenn sie Glück hatte, kannte einer der Rebellen sich hier gut aus, warum auch immer. Oder jemand war während der Flucht ganz zufällig über etwas versteckmäßiges gestolpert.
    Sharon betastete nachdenklich die Stelle an ihrem Bein, an der sie verwundet worden war - eine ganz blöde Idee, denn kurz darauf zuckte sie vor Schmerzen zusammen, woraufhin eine erneute Schmerzwelle durch ihre Schulter schoss. Merke: Keine Verletzungen berühren und nicht bewegen. Eigentlich hätte sie das auch von alleine wissen können.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:49


    Sie hat mir geholfen, fügte Sharon noch hinzu.
    Seren sagte daraufhin nichts, sah nur zu Boden und hoffte, dass sie sich bald wieder ihren eigenen Themen zuwenden würden.
    Ihr Wunsch wurde erfüllt, als die Rothaarige fragte, ob es hier in der Nähe ein gutes Versteck gäbe.
    Versteck. Hier in der Nähe. Auch, wenn sie nicht gefragt war, ging das Mädchen alle Orte hier in der Umgebung durch, die sie kannte. Da sie hier aufgwachsen war und schon als Kind viel draußen gespielt hatte, kannte sie so einige Plätze hier - aber spontan fiel ihr keiner ein, den man mal eben als Versteck für sieben Personen nehmen konnte. Schließlich musste er irgendwo liegen, wo niemand hinkam, denn es wäre ziemlich auffällig, wenn sich plötzlich jemand mit einer Pfeilverletzung in der Schulter irgendwo einquartierte, wo gerade in der Nähe ein Überfall auf eine Kutsche passiert war. Mit Pfeilen als Waffen.
    Wobei.. Einen Ort gab es doch, den man nehmen könnte. Aber sie war ja nicht gefragt.
    Als die Gruppe jedoch schwieg - es sah so aus, als wusste niemand ein geeignetes Versteck - , mischte sie sich doch ein. "Ehm.. Es gibt am Rand von Rjaka ein altes, verlassenes Haus. Da kommt so ziemlich nie jemand vorbei, weil es heißt, dass darin Gespenster sein sollen. Es steht nun schon seit Jahren leer, und ich war ein paarmal dort, allerdings ist mir noch nie etwas begegnet, was einem Geist ähnelt. Ich denke, da könntet ihr hin.. "
    Scheiße. Das hörte sich jetzt auch noch an, als würde sie an Geister glauben.. Aber egal. Es war schon merkwürdig genug, dass sie diesen Leuten überhaupt half, da durften sie auch ruhig darüber hinwegsehen, dass sie so merkwürdiges Zeug redete. Oder..?



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:49


    Sharon wollte schon resigniert seufzen, als niemand antwortete, da sagte doch jemand etwas, und zwar jemand, von dem sie es nicht erwartet hatte.
    Es gibt am Rand von Rjaka ein altes, verlassenes Haus, sagte Seren. Verlassen hörte sich schonmal gut an. Den Teil mit den Gespenstern, die es in dem Haus geben sollte, beachtete Sharon nicht weiter, warum auch, schließlich gab es so etwas wie Geister nicht. Vom Wald erzählten sich auch alle die gruseligsten Dinge, aber ihnen war dort drinnen noch nie etwas passiert.
    "Das ist gut", kommentierte Sharon also und sah Seren an. Blöd, dass sie sich schon wieder von ihr helfen lassen musste, aber es gab ja keine andere Möglichkeit. "Wie weit ist es bis dahin? Kommt man gut unbemerkt rein und raus? Kommen wir da an Wasser?", fügte sie die praktischen Fragen gleich hinzu. Wenn es letzteres dort nicht gab, würden sie nämlich welches mitschleppen müssen und das wäre... unpraktisch. Aber zumindest sollten sie es vorher wissen, um nicht irgendwann festzustellen, dass sie nichts mehr hatten. Und wenn sie dann nicht unbemerkt rauskamen... nunja. Es war besser, wenn man so etwas von vorne herein wusste.
    Davon mal abgesehen, war es gut, etwas tun und planen zu können, das lenkte etwas von den Schmerzen ab (so lange sie sich dabei nicht bewegte).



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:50


    Kaum hatte sie etwas gesagt, wurde sie schon von Sharon mit Fragen überhäuft.
    Wie weit ist es bis dahin? Kommt man gut unbemerkt rein und raus? Kommen wir da an Wasser?
    Uff. Das waren Fragen.. Da musste sie erstmal selbst nachdenken. Wenn sie richtig lag, dann waren sie jetzt auf Rjaka zugelaufen, zu Fuß brauchte man also etwa zehn Minuten bis dort hin. Zumindest, wenn man unverletzt war.. Da sie aber nicht auf direktem Wege hin konnten, sondern einen Umweg nehmen mussten - sie konnten schlecht so durch das gesamte Dorf marschieren - konnte sich das ganze etwa bis zu einer halben Stunde hinziehen. Immerhin wusste sie mittlerweile wieder, wo sie sich befanden; hier auf der Lichtung war sie schonmal gewesen. Und wie sie am besten unbemerkt zu dem Haus kamen wusste sie auch in etwa - sonst wäre das auch ziemlich schlecht gewesen.
    "Etwa eine halbe Stunde, Umweg eingerechnet", begann sie also zu antworten.
    "Es gibt etwa fünf Minuten von dem Haus entfernt einen kleinen Bach, da könnt ihr Wasser herbekommen. Und unbemerkt rein und raus müsste auch kein Problem sein, sofern ihr nicht auf die Idee kommt, mitten durch das Dorf zu marschieren. Wenn ihr wollt, kann ich euch hinbringen..", meinte sie und musste unweigerlich daran denken, was sie ihren Eltern erzählte, wenn sie mit diesen Verletzungen wieder zu Hause auftauchte. Hmm. Spontan fiel ihr dafür keine ordentliche Erklärung ein, und das war schlecht. Ihre Eltern waren für den Adel, das wusste sie - sie konnte ihnen also unmöglich erklären, dass sie ganz zufällig ein paar von den Soldaten abgeschlachtet hatte. Das Gegenteil zu behaupten - also, dass sie den Soldaten geholfen hatte - war irgendwie gefährlich, weil sie ja nicht wusste, was die Leute vom Adel schon in der Gegend verbreitet hatten. Je mehr sie das durchdachte, desto gefährlicher erschien es ihr, überhaupt wieder zurück nach Rjaka zu gehen. Scheiße. Was hatte sie da bloß angestellt? Sie half irgendwelchen Leuten, die sie kaum kannte, und riskierte dafür, nie wieder zurück nach Hause gehen zu können.. Wie sollte das nur weiter gehen? Was sollte sie jetzt überhaupt machen?
    Die Weißhaarige schüttelte unmerklich den Kopf, um diese Gedanken zu verdrängen. Nein, darüber konnte sie sich später Sorgen machen. Jetzt sollte sie sich erstmal darauf konzentrieren, dieser Gruppe irgendwie zu helfen. Aus irgendeinem Grund mochte sie diese Leute nämlich. Und selbst, wenn sie nichtmehr nach Hause zurück konnte - das war es Wert.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:51


    Sharon hörte Serens Erklärungen zu, auch wenn es ihr nach wie vor schwerfiel sich zu konzentrieren, und nickte am Ende. Eine halbe Stunde würde sie doch wohl schaffen. Und dann konnte sie nur hoffen, dass das Haus nicht so alt war, dass es über ihnen zusammenstürzte.
    "Gut", sagte sie erneut und sah zu den anderen, die ebenfalls nickten. Wie gesagt, sie hatten auch gar keine andere Wahl.
    Sharon fragte sich, wieso Seren sich eigentlich solche Mühe gab, ihnen zu helfen. Hatte das Mädchen einfach ein Helfersyndrom, wollte es sich unbedingt in Schwierigkeiten bringen, hatte es Langeweile, oder was? Aber eigentlich konnte es ihr egal sein. Jetzt hieß es nur mal wieder: Aufstehen.
    Vorsichtig versuchte Sharon sich aufzurappeln und dabei gelang es ihr nicht ganz ein Stöhnen zu unterdrücken. Daraufhin griffen ihr gleich die helfenden Hände von irgendwem unter die Arme, bis sie gerade stand. Mehr oder weniger gerade.
    "Meinst du, du kannst so weit laufen?", fragte jemand anders skeptisch.
    "Muss wohl", entgegnete sie nuschelnd. Nicht, dass jetzt einer auf die Idee kam, dass sie getragen werden musste oder dergleichen. So tief war sie nun auch noch nicht gesunken.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:53


    Seren bekam kaum mit, wie Sharon mit Hilfe der anderen aufstand und diese mit ihr redeten. Sie war viel zu sehr in ihre Gedanken versunken, über das, was sie jetzt machen sollte.
    Sie riss sich selbst aus ihren Gedanken, als ihr einfiel, dass sie ja losgehen mussten - wäre auch ziemlich idiotisch, hier stehen zu bleiben. Und die anderen wussten ja nicht, wo sie lang mussten..
    "Also dann, wie müssten hier lang", meinte die Weißhaarige und deutete auf einen schmalen, steinigen Trampelpfad, der von der Lichtung wieder in den Wald hinein führte. Besodners gut begehbar war er nicht, aber es war der kürzeste Weg, auf dem sie sicher um Rjaka herum kamen. Ohne noch auf eine weitere Reaktion zu warten lief sie los, annehmend, dass die Truppe ihr wohl folgen würde. Sie kam sich ehrlich gesagt ziemlich dämlich vor, in dieser Rolle als Anführerin. Aber was sollte sie machen..
    Ob sie vielleicht auch diese Nacht in dem alten Haus bleiben sollte? Ihre Eltern würden sich bestimmt fragen, wo sie blieb. Aber wenn sie jetzt schon wussten, was vorgefallen war..
    - und wenn nicht? Und überhaupt, was sollte sie dann machen? Nach dieser Nacht? Dann konnte sie ja schließlich immer noch nicht zurück. So schnell war so eine Sache nicht vergessen... Wenn sie aber nichts davon gehört hatten, würden sie nie erfahren, was mit ihr geschehen war. Sie musste zurück. So oder so musste sie zurück. Wo sollte sie denn auch sonst hin? Das Risiko, erwischt zu werden, musste sie eingehen. Irgendwie würde sie da schon wieder rauskommen, wenn sie musste.
    Fast wäre Seren über eine Wurzel gestolpert, die über den kleinen Pfad wuchs. Sie sollte vielleicht lieber auf den Weg achten, als solchen Gedanken nachzuhängen..



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:53


    Also dann, wie müssten hier lang, verkündete die Stimme des Mädchens und Sharon sah aus den Augenwinkeln wie Seren voranging und die Truppe sich aufmachte ihr zu folgen; sie selbst wurde dabei ungebeten weiterhin gestützt, allerdings wäre es auch ziemlich dämlich von ihr diese Hilfe auszuschlagen.
    Seren führte sie auf einen Weg, der mehr einem Trampelpfad glich, ähnlich dem, auf dem sie hergekommen waren, und die Rothaarige musste aufpassen, um nicht über irgendwelche Wurzeln oder Steine zu stolpern, selbst wenn ihr jetziger Helfer sie vermutlich nicht fallen gelassen hätte. Schließlich war es diesmal kein kleines Mädchen, von dem sie gestützt wurde.

    ~ Timejump: 32 minutes later ~

    Sharon spürte ihre Beine nicht mehr. Das war einerseits gut, weil sie sich vollkommen von alleine bewegten, aber andererseits war es auch schlecht, denn wenn sie jetzt nur einmal stehen blieb, würde sie nicht wieder loslaufen können, das wusste sie. Überhaupt hatte sie das Gefühl, als würde ihr Gehirn irgendwo in den Wolken schweben und wäre durch ein Stück Watte in ihrem Kopf ersetzt worden. Ernsthaft, weit konnte es doch nichtmehr sein, oder? Die halbe Stunde, von der das Mädchen gesprochen hatte, war ja wohl schon mindestens dreimal vergangen...
    Sharon hustete. Doch, eine Sache war da, die sie noch spürte, nämlich ihre vollkommen ausgedörrte Kehle. Wenn sie versuchte zu sprechen, würde das vermutlich zu nichts führen, außer einem Hustanfall. Und dann würde sie natürlich stehen bleiben und nicht mehr weiterlaufen können.
    Schlussfolgerung: Nicht sprechen, nicht denken, einfach weitergehen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:54


    Das Haus, welches man eigentlich schon nicht mehr als Haus, sondern vielmehr als Villa bezeichnen konnte, sah noch älter aus, als Seren es in Erinnerung gehabt hatte. Sie war aber auch nun schon eine ganze Weile nicht mehr hier gewesen.
    Nach etwas mehr als einer halben Stunde, die ihr wie mindestens fünf halbe Stunden vorgekommen war, war endlich die Spitze des alten Hauses zwischen den Bäumen aufgetaucht.
    Kurz darauf konnte man auch das ganze Gebäude erkennen. Eine große, an einigen Stellen schon eingebrochene und mit Moos bewachsene Mauer umrundete das Haus, den Eingang bildete ein rostiges Eisentor. Dahinter konnte man einen mit unterschiedlich großen Steinen gepflasterten Weg erkennen, an dem an den Seiten einige alte Laternen standen, die nicht so aussahen, als wären sie in letzter Zeit benutzt worden. Links und rechts des Weges befand sich Rasen, auf dem einige Apfelbäume standen, ansonsten sah der gesamte Garten recht verwildert aus: Überall wuchsen Büsche und Unkraut, und das Gras war fast schon kniehoch. Die Villa selber sah auch nicht viel besser aus. Die grauen Steine waren von Weinranken überwuchert, einige Fensterscheiben waren zerbrochen und eines der Fenster hing sogar schon aus den Angeln. Die große, aus dunklem Holz gemachte Haustür wies einige Verzierungen auf und war leicht angelehnt. Aber das war sie auch schon gewesen, als die Weißhaarige das letzte mal hier gewesen war.
    "Wir sind da", bemerkte Seren unnötigerweise, ging zu dem Tor und schob es auf, was ein ziemlich lautes Quietschen verursachte. Sie brauchte dafür etwas länger als sonst, da sie nur einen Arm benutzen konnte - und das Tor klemmte. Und selbst ohne Belastung fühlte sich ihr linker Arm an, als würde er jeden Moment abfallen. Dem Mädchen war schon ganz schwindelig, und sie war froh, dass sie nicht auf dem Weg hier her umgekippt war. Sie sah sich noch kurz nach den anderen um - Sharon und der Mann, der ebenfalls verletzt worden war, sahen nicht viel besser aus, als sie es wahrscheinlich tat - und ging dann auf die Haustür zu.
    Ein leichter Schauer lief ihr über den Rücken. Es war irgendwie doch immer wieder merkwürdig, hier her zu kommen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:54


    Wir sind da, ertönte die Stimme des Mädchens und kurz darauf war ein lautes Quietschen zu hören.
    Sharon sah vom Boden auf, den sie die ganze Zeit angestarrt hatte, um über nichts zu stolpern, und beobachtete Seren dabei, wie sie das rostige Eisentor öffnete, dann ließ sie ihren Blick über das Haus schweifen. Der Garten war vollkommen zugewuchert, überall stand Unkraut, das Gras war kniehoch und Weinranken kletterten an den Wänden des Hauses empor, welches tatsächlich in keinem allzu guten Zustand war - aber so, als würde es gleich einstürzen, sah es nicht aus, nur waren einige Fensterscheiben zerbrochen und alles wirkte eben genau so, wie bei einem Ort, an dem lange, lange Zeit niemand gewesen war. Sharon erinnerte sich daran, wie Seren gesagt hatte, dass es hier spuken sollte - wie albern von den Leuten so etwas zu glauben...
    Schließlich gingen sie wieder los und auch Sharons Helfer setzte sich in Bewegung - verdammt. Wie war das vorhin gewesen vonwegen nicht stehen bleiben?
    Und wie erwartet: Als die Rothaarige den ersten Schritt vorwärts machte, knickte ihr Bein weg und sie wäre gestürzt, hätte der Rebell sie nicht festgehalten. Aber irgendwie schaffte sie es dann doch, halb selbst gehend, halb mitgeschleift werdend, sich auf die Haustür zuzubewegen. Die Schwelle war dabei natürlich noch ein größeres Hindernis, doch selbst diese überwand sie - irgendwie. Und dann war sie drin.
    Das Haus sah von innen so ähnlich aus wie von außen: alt, verfallen, verlassen. Es war zwar groß und war früher sicher auch sehr schön gewesen, aber jetzt waren die Treppengeländer und Stufen morsch, die Teppiche verdreckt, die Wände grau und verwittert. An ihnen hingen sogar noch ein paar Bilder - einige waren auch heruntergefallen und lagen zerbrochen am Boden.
    Doch Sharon achtete nicht großartig darauf, was auf diesen abgebildet war oder verschwendete Energie darauf sich auszumalen, wie es hier früher ausgesehen hatte und warum man das Haus - die Villa - so hatte verkommen lassen. Sie wollte nur einen Raum, wo sie sich hinlegen und ausruhen konnte. Ja... ausruhen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:54


    Der gleiche, seltsam modrige Geruch, der immer in diesem Haus herrschte, empfing sie. Sie stand in einem langen, dunklen Flur, in den nur durch die halb geöffneten Türen etwas Licht fiel. An den Wänden hingen Bilder, Bilder von der Familie, die hier früher wohl einmal gelebt hatte. Ein lachendes Mädchen mit dunkelbraunen, langen Haaren in einem hübschen Kleid. Ein Familienportrait. Das Bild eines alten Mannes mit Weißem Bart und Halbglatze. Nochmal das gleiche Mädchen, dieses mal mit einer Katze auf dem Arm. In dem Deckglas des Bildes waren Sprünge, sodass die Szene einen merkwürdig unheimlichen Eindruck bekam. Einige Bilder hingen auch schon schief oder waren ganz herunter gefallen.
    Seren ging den Flur entlang, an dessen Ende man eine Treppe erkennen konnte. "Da rechts ist die Küche, dass daneben war mal eine Speisekammer und hier links das Badezimmer. Die restlichen Räume sind Wohn-, Ess- oder Arbeitszimmer. Ein Musikzimmer gibt es hier glaube ich auch.. Die Tür da müsste das sein", erklärte sie, indem sie auf eine andere der dunklen Holztüren deutete. Am Ende des Gangs angekommen stieg die die Treppe hinauf; die hölzernen Stufen knarrten unter ihren Füßen, als würden sie gleich einbrechen. Tat sie aber nicht.
    Oben angekommen wartete sie noch, bis ihr 'Gefolge' auch oben war, dann deutete sie auf eine Reihe Türen. "Das hier sind eigentlich alles Schlaf-, Kinder- oder Gästezimmer. Am besten, ihr quartiert euch da ein.. Über die Treppe dahinten kommt man übrigens auf den Dachboden." Sie deutete auf eine kleine, schmale Treppe, die noch weiter nach oben führte. "Insgesamt hat dieses Haus noch viel mehr Zimmer, dass hier ist nur ein Teil von allem. Allerdings kommt man in die anderen Teile nur durch Geheimtüren rein.. Ein paar habe ich mal gefunden, aber wirklich interessante Sachen sind da auch nicht."
    Seren kam sich vor wie eine Art Fremdenführerin, die eine Gruppe durch eine exotische Gegend führte. Oder wie jemand, der anderen Leuten ein Haus verkaufen wollte. Wie bescheuert. Auch wunderte sie sich, dass sie dieses Haus schon so gut kannte - ganz so oft war sie nun auch noch nicht hier gewesen. Aber dieser Ort hatte eben schon immer etwas faszinierende an sich gehabt, sodass es sie immer wieder hergezogen hatte.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:55


    Sharon nahm nicht wirklich wahr, was das Mädchen die ganze Zeit erzählte; von allen möglichen Zimmern redete sie. Dann kam eine Treppe. Seren ging wie schon die ganze Zeit voran und die Stufen knarrten, als würde das Ding gleich zusammenbrechen, aber es hielt, deshalb folgten ihr die anderen. Sharon starrte skeptisch auf die Stufen und diesmal wurde sie wirklich mehr hinaufgetragen als dass sie selber ging. Wie gut, dass sie ganz hinten liefen.
    Oben angekommen war wieder die Rede von irgendwelchen Zimmern und zwischendurch erzählte Seren etwas von Geheimtüren, aber die Rothaarige hörte wieder nicht zu. Verdammt, wen interessierte es, wofür die ganzen Zimmer gut waren? Hauptsache, hier ließ es sich verstecken und ausruhen, und damit gut.
    "In Ordnung, quartieren wir uns hier ein", hörte sie Kerias Stimme; sie hatte wohl das Kommando übernommen, da Sharon offensichtlich nicht dazu in der Lage war. "Komm, Sharon... rein da."
    Auch von dem Zimmer, in das sie jetzt gebracht wurde, nahm sie so gut wie nichts wahr, nur, dass sie vorsichtig auf eine weiche Unterlage gelegt wurde. Ein Bett, vermutlich.
    "Ich glaube, sie hat Fieber", murmelte eine andere Stimme, eine männliche.
    "Dann gib Gas und schaff Wasser ran", entgegnete eine weitere, diesmal wieder die einer Frau. "Wir müssen endlich die Wunde auswaschen."



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:55


    "Danke", sagte einer aus der Truppe noch, bevor er hinter den anderen in eines der Zimmer ging und die Tür mit einem 'Klick' ins Schloss fiel. Jetzt stand sie wieder allein auf dem langen, leeren Flur, so wie sie immer allein auf diesem Flur gestanden hatte. Nur, dass sie jetzt hinter einer der Türen die gedämpften Stimmen dieser Leute hörte, die sie hier her geführt hatte. Aus irgendeinem Grund fühlte sie sich gerade furchtbar einsam. Einsam und ausgeschlossen, ausgesperrt.
    Vielleicht sollte sie jetzt besser gehen, anstatt hier noch weiter rumzustehen. Diese Truppe hatte jetzt wahrscheinlich mehr als genug zu tun, mit Wunden auswaschen und Nahrung besorgen und solchen Dingen. Ja, sie sollte wirklich gehen. Nach Hause. Nach Hause...
    Ein flaues Gefühl breitete sich in dem Mädchen aus. Sie wollte nicht nach Hause. Sie hatte Angst vor dem, was sie dort erwartete, im Dorf, von ihren Eltern. Aber sie musste gehen, und das wusste sie auch.
    Seren drehte sich um und ging die alte, knarrende Treppe herunter, weg von den Stimmen und wieder in den dunklen Flur des Erdgeschosses, an dessen Ende das Licht des Tages auf sie wartete.
    Als sie draußen war und die große, hölzerne Tür hinter sich schloss, war es, als hätte sie eine andere Welt betreten. Die Sonne tauchte das Haus und den gesamten Wald in ein warmes Licht, und nach der Stimme in der dunklen Villa kam ihr das Gezwitscher der Vögel und das sanfte Rauschen der Bäume unglaublich laut vor. Selbst das leise Plätschern des Baches, der hinter den Eichen entlang lief, konnte sie hören. Insgesamt wollte die ganze Szenerie so überhaupt nicht zu ihrer Stimmung passen.
    Langsam ging Seren den steinernen Weg zum Tor hinauf. Seltsamerweise war es geschlossen. Dabei war sie sich ziemlich sicher, dass es noch offen gewesen war, als sie es das letzte mal gesehen hatte, bevor sie in die Villa gegangen war. Und zu dieser Zeit waren die ganzen Kämpfer schon hinter ihr gewesen...
    Die Weißhaarige schüttelte den Kopf und stieß das eiserne Tor auf. Es quietschte nicht. Aber das.. Es war in der Zwischenzeit jedenfalls keiner vorbeigekommen und hatte es geölt. Das wäre vollkommen idiotisch. Nur warum..?
    Ach, egal, dachte sie, schloss das eiserne Gitter - es quietschte schon wieder nicht - und begab sich auf den Rückweg. Zurück nach Rjaka. Zurück nach Hause.

    Es war sehr viel mehr Zeit vergangen, als sie gedacht hatte. Die Sonne war schon untergegangen und es dämmerte bereits, aber Seren hatte das gar nicht wahrgenommen. Sie war noch mindestens drei Stunden durch die Gegend gelaufen, obwohl der Weg zu ihrem Hof eigentlich keine halbe Stunde gedauert hätte.
    Ihr Arm war mittlerweile ziemlich taub geworden, als sie versucht hatte, ihn zu bewegen, hatte es sich angefühlt, als wäre er aus Blei. Der Verband war längst nicht mehr weiß, sondern schon fast vollständig rot vom Blut. Sie hätte ihn eigentlich längst wechseln müssen. Aber dazu hätte sie nach Hause gemusst, und diesen Weg hatte sie so lange wie möglich vermieden. Doch irgendwie war sie trotzdem wieder auf den Weg zu ihrem Haus gekommen. Und jetzt stand sie im Dunkeln vor der Tür und traute sich nicht hineinzugehen. Wie erbärmlich sie doch war. Wegen so eines kleinen Vorfalls. Wahrscheinlich hatte sie sowieso niemand gesehen. Und selbst wenn, dann hätte es niemand herum erzählt. Außerdem würden ihre Eltern sie nicht Verraten.
    Und wenn doch?
    Seren atmete tief durch und betrat den Flur ihres Hauses. Es war dunkel und still, nur hinter der Tür zum Wohnzimmer brannte noch ein mehr oder weniger helles Licht. Langsam, damit sie kein Geräusch machte, zog das Mädchen die Haustür hinter sich zu und tappste ins Badezimmer. Dort nahm sie sich eine der Lichtkugeln, die auf einem Brett lagen, und rieb so lange an ihr, bis ein leichter Schein von ihr ausging. Dann stellte sie die Kugel auf einen kleinen Abstelltisch und suchte sich Verbandszeug zusammen. Als die Weißhaarige die blutdurchtränkten Verbände abnahm, musste sie die Zähne zusammen beißen, um keinen Laut von sich zu geben. Scheiße, tat das weh. Die Verletzung am Arm war etwas angeschwollen, und ihre Hand sah so aus, dass sie sie am liebsten gar nich erst angeschaut hätte.
    Seren wusch die Wunden mit Wasser aus und wünschte sich dabei, beim Kämpfen besser aufgepasst zu haben. Dann nahm sie sich das Verbandszeug und wickelte es sich um Arm und Hand, zog es fest und räumte dann alles wieder Weg. Wobei sie feststellte, dass es wirklich unpraktisch war, nur einen Arm benutzen zu können, aber aus Gewohnheit immer den zweiten dazu nehmen zu wollen - nur um festzustellen, dass das scheiße doll weh tat. Schon die kleinste Bewegung genügte, um einen brennenden Schmerz durch ihren Arm fahren zu lassen. Insgesamt hatte sie sich deshalb eine gefühlte halbe Ewigkeit im Badezimmer aufgehalten. Als sie wieder auf den Flur trat, konnte sie aus dem Wohnzimmer die Stimmen ihrer Eltern hören. Sofort kam dieses merkwürdige Gefühl zurück, das sie schon auf dem gesamten Rückweg gehabt hatte, nur noch stärker. Auf Zehenspitzen ging sie zur Tür und lauschte, was ihre Eltern sagten.
    "...hat er nicht gesagt."
    Die Stimme ihrer Mutter. Sie klang besorgte und fast so, als würde sie jemanden beschwichtigen wollen.
    "Aber es ist doch logisch. Keiner sonst aus dieser Gegend sieht so aus. Natürlich war sie es!"
    "Aber - "
    "Kein aber, verdammt! find dich damit ab! Unsere Tocher hat den Adel verraten! Sie hat uns, ihre Familie verraten! Und wenn sie sich hier noch einmal, noch ein einziges mal blicken lässt, dann kann sie was erleben. Diese.. Diese.. ..!"
    Etwas wurde auf den Tisch geknallt, dann war es still. Wie geohrfeigt stand Seren vor der Tür. Eine Leere breitete sich in ihr aus, eine große, schwarze Leere. Benommen wankte sie die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Ohne nachzudenken schnappte sie sich einen großen Rucksack und eine Umhängetasche und stopfte irgendwelche Dinge hinein, die sie mitnehmen würde. Kleidng, eine Decke, Messer, eine Kette..
    Ohne noch einen Blick zurück zu werfe, lief sie nach unten und suchte in aller Eile noch etwas Essen und andere mehr oder weniger nützliche Dinge zusammen. Als ihr Vater aus der Stube trat, war das Mädchen schon längst auf dem Weg, der Rjaka verließ.

    Blind stolperte sie durch den dunklen Wald. Ihre Schritte waren immer schneller geworden, bis sie schließlich rannte. Es hatte zu regnen begonnen, doch die Weißhaarige hatte das kaum wahrgenommen. Die ganze Zeit über hatte sie nichts gedacht, und sie konnte sich schon jetzt kaum noch an das geschehen der letzten Stunde erinnern. Doch langsam wich das Gefühl der Benommenheit, und ihr wurde mit aller Heftigkeit ihre Situation bewusst.
    Sie befand sich gerade ganz allein in einem Wald. Es war Nacht. Es war dunkel. Sie konnte nicht sagen, wo sie sich gerade befand. Sie konnte nicht mehr nach Hause. Sie war verstoßen worden. Sie würde nie wieder nach Hause können. Freunde. Familie. Weg. Für immer.
    Und das alles, weil sie..
    Seren stolperte über einen Ast und fiel unsanft auf den nassen, matschigen Boden. Als sie versuchte, sich wieder aufzurichten, zuckte ein pochender Schmerz von ihrer Hand bis in ihre Schulter, sodass sie aufstöhnte und wieder hinfiel. Einen Moment lang blieb sie einfach so liegen, auf ihren rechten Unterarm aufgestützt und den Schlamm unter sich anstarrend. Die weißblauen, langen Haare waren dreckig, genau wie ihr gesamtes Erscheinungsbild, und hingen ihr in verklebten Strähnen ins Gesicht.
    Wäre da nicht das leichte Zucken ihres Körpers gewesen, hätte man nicht gesehen, dass Seren weinte.

    Sie wusste nicht, wie lange sie so dagelegen hatte, als sie sich wieder aufrichtete. Es brachte ja doch alles nichts. Seren wischte sich mit der Hand übers Gesicht - leider zu spät fiel ihr ein, dass sie so dreckig war, dass sie jetzt bestimmt aussah wie ein Schlammmonster. Ha. Das war so dämlich, dass es schon fast wieder lustig war. Scheiße aber auch. Aber rumjammern half ihr jetzt auch nicht weiter. Nur leider hatte sie immer noch keine Ahnung, wo sie war, und mittlerweile war es wirklich stockdunkel. Ziellos ging sie weiter, langsam, damit sie nicht wieder hinfiel. Sie durfte jetzt nicht noch einmal stehen bleiben, sie musste weitetr gehen...
    Plötzlich ragte aus der Dunkelheit eine große, schwarze Gestalt vor ihr auf. Beim zweiten Blick erkannte Seren, dass die Gestalt ein Haus war. Und nicht irgendein Haus. Es war das Haus. Die angebliche Geistervilla, in der sie heute schon einmal gewesen war.
    Heute?
    Es kam ihr vor, als wäre das ganze schon ewig her. Aber.. Da drinnen waren die Leute, wegen denen sie jetzt kein zu Hause mehr hatte. Wegen denen sie jetzt völlig durchnässt und dreckig hier im Regen stand.
    Mach dir nichts vor, Seren. Es war deine eigene Schuld. Du hättest nicht eingreifen müssen, aber du hast es getan. Jetzt sitzt du in der Tinte und musst schauen, wie du wieder raus kommst.
    Das Mädchen sah zu dem großen Haus hinüber. Das Tor stand offen, so als würde dieses seltsame aus sie einladen.
    Kurz entschlossen ging sie auf den Eingang zu, ging zum dritten Mal an diesem Tag den steinernen Weg entlang und blieb vor der großen, hölzernen Tür stehen. Die Weißhaarige zögerte. Sollte sie da jetzt wirklich rein gehen? Es kam ihr vor, als würde sie in das Haus von fremden Leuten einbrechen. Was Sharon wohl denken würde, wenn sie so einfach wieder hier auftauchte? Was würde sie sagen?
    ..vermutlich nicht allzu viel, sie wahr schließlich immer noch verletzt und damit halb weggetreten. Seren strich mit der Hand über die Verzierungen an der Tür. Als Türklopfer diente ein Eisenring, der von einem Löwenkopf im Maul gehalten wurde. Die Weißhaarige ertastete plötzlich eine kleine Vertiefung, da, wo das Auge des hölzernen Tieres war. Ob das wieder eine der..?
    Sie drückte dagegen, und dann verschwand der Boden unter ihren Füßen und sie fiel. Aber nicht tief, fast sofort kam sie wieder auf dem Boden auf - auf kaltem, harten Steinboden. Was ziemlich schmerzhaft endete, da sie reflexartig wieder versuchte, sich mit ihren Armen abzufangen. Aber momentan hatte sie andere Probleme als einen Arm, der sich anfühlte, als würde er verbrennen.
    Um sie herum war es stockfinster. Wahrscheinlich war durch den 'Schalter' eine Art Schacht aufgegangen und hatte sich jetzt über ihr wieder geschlossen. Blind tastete sie die Wände ab und erkannte, dass sie sich in einer Art Tunnel befand. Er war gerade mal so hoch, dass sie darin krabbeln konnte. Für diese Feststellung hatte sie einen schmerzenden Kopf hinnehmen müssen. Eine Möglichkeit, von hier wieder nach oben zu kommen, schien es nicht zu geben. Also musste sie wohl oder übel versuche, den Weg zu nehmen, den der 'Gang' ihr vorgab. Na klasse. Sie wusste jetzt schon, dass das nicht einfach werden würde. Mit einem Arm. Und Gepäck.
    Es war nicht einfach. Sie kam schrecklich langsam voran, aber irgendwann kam es ihr so vor, als ob der Tunnel leicht ansteigen würde. Als sie nach einiger Zeit wieder um sich tastete, bemerkte sie, dass der Gang höher geworden war, und zwar so hoch, dass man ihn nun wirklich als 'Gang' bezeichnen konnte - man konnte aufrecht darin gehen.
    Schließlich stieß sie mit dem Fuß gegen etwas hartes, und hätte sie nicht immer eine Hand an der Wand gelassen, wäre sie schon wieder hingefallen.
    Eine Treppe. Vor ihr war eine Treppe. Wie groß war dieses Haus eigentlich? Sie irrte doch jetzt schon seit Stunden hier durch die Gegend.
    Oder?
    Sich an der Wand entlangtastend, stieg sie die Stufen hinauf. Sie konte nicht sagen, wie lange sie nach oben gelaufen war, als sie plötzlich gegen eine Wans lief.
    Scheiße. Und jetzt? Theoretisch müsste es hier irgendwo einen Ausgang geben. Sonst hätte dieser ganze Gang gar keinen Sinn gehabt. Und meistens fand man so einen Ausgang, indem man...
    Ein leises Klicken ertönte, und vor ihr schob sich mit einem kratzenden Geräusch die Wand zur Seite. Ja, sie hatte Recht gehabt. Meistens musste man nur die Wand abtasten, bis man eine Art Schalter fand.
    Das Licht, dass ihr aus dem Raum, in den sie jetzt trat, entgegenschlug, kam ihr sehr, sehr hell vor, obwohl es eigentlich nur schwaches Mondlicht war, dass durch die Fenster schien. Es hatte wohl aufgehört zu regnen. Hinter sich hörte Seren erneut dieses kratzende Geräusch, und wie von Geisterhand schloss sich die Tür hinter ihr wieder.
    Das Mädchen sah sich um. Sie befand sich in etwas, was wahrscheinlich einmal eine Art Musikzimmer gewesen war. In der Ecke des Raumes stand ein Flügel, der, genau wie der Rest des Mobiliars, sehr als und verstaubt aussah. Es standen - und lagen - noch andere Instrumente auf dem Boden, und an den Wänden hingen einige Bilder. Seren konnte sich nicht erinnern, schon einmal hier gewesen zu sein. Sie ging ein paar Schritte in das Zimmer hinein, als sie auf einmal Stimmen hörte.
    Begann sie jetzt auch schon damit, sich Geister einzubilden?
    Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch sah sie sich um, bis sie schließlich erkannte, dass die Stimmen von unter ihr kamen. Und kurz darauf fiel ihr ein, dass sie ja nicht allein hier war. Diese Gruppe musste in dem Zimmer direkt unter ihr sein.
    Die Weißhaarige kniete sich hin und drückte das Ohr gegen den Boden.
    ..ja, es klappte tatsächlich. Sie konnte verstehen, was die Menschen dort unten sagten.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:56


    Sharon war sich nicht sicher, ob sie bewusstlos gewesen war oder geschlafen hatte – vermutlich irgendwas dazwischen. Sie öffnete langsam die Augen und wandte ihren Kopf zur Seite, um sich umzusehen. Wo, zum Henker…?
    Ach ja, jetzt erinnerte sie sich. Sie befand sich in dem Haus, dass diese Seren ihnen gezeigt hatte…
    „Endlich bist du wach!“, ertönte eine Stimme von rechts, wo Sharon kurz darauf einen jungen Mann auf einem Stuhl entdeckte. Um einen seiner Arme war ein Verband gewickelt, aber sonst sah er ganz gesund aus, als er sich lächelnd ein paar dunkle Haare aus dem Gesicht strich. Sein Name war Darek, der Rebell, der versucht hatte den Gefangenen aus der Kutsche zu befreien.
    Sharon versuchte etwas zu sagen, doch heraus kam nur ein Krächzen – erst jetzt fiel ihr auf, wie ausgetrocknet ihr Haus war.
    „Warte, ich gebe dir was zu Trinken… hier.“ Eilig hob Darek eine Flasche vom Tisch auf, neben dem er gesessen hatte, zog den Stöpsel heraus und hielt der Rothaarigen die Öffnung an die Lippen, so dass sie trinken konnte, ohne sich dabei bewegen zu müssen. Die Flüssigkeit lief herrlich kühl ihre Kehle hinab, fast augenblicklich fühlte Sharon sich besser.
    „Danke“, sagte Sharon deshalb, wenn auch nach wie vor etwas heiser. „Wie lange habe ich geschlafen?“
    „Ein paar Stunden.“ Der junge Mann nickte zum Fenster, woraufhin Sharon auffiel, dass der Raum fast nur noch durch eine Lichtkugel in einer alten Wandhalterung beleuchtet wurde. „Keria wollte gleich sowieso zu dir kommen, um deinen Verband noch mal zu wechseln…“
    „Hmm“, brummte Sharon. Ihr erster Impuls war sich aufzusetzen, aber das ließ sie dann doch bleiben und zwar aus gleich zwei Gründen, die dagegen sprachen: erst einmal würde sie es vermutlich gar nicht erst alleine schaffen und zweitens hatte sie gerade festgestellt, dass sie unter der Bettdecke nichts anhatte, wenn man den Verband beiseite ließ. Verständlicherweise. Ihr selbst zumindest wäre es auch zu unpraktisch gewesen, einer Bewusstlosen das Oberteil wieder anzuziehen, nachdem man endlich den Verband gewechselt hatte, vor allem, wenn das noch öfter nötig sein würde.

    Sie unterhielten sich noch eine Weile über dies und das – wie es allen ergangen war, was für ein beschissener Tag der heutige war, was für ein Schwein sie mit diesem Haus gehabt hatten – dann döste Sharon langsam wieder ein. Oder zumindest glaubte sie, dass sie das getan hatte, als plötzlich Darek verschwunden war und Keria an ihrem Bett stand und sie aus ihren blauen Augen finster anblickte. Nebenbei bemerkt: Das war nicht gerade angenehm, denn ähnlich wie Sharon selbst hatte die Schwarzhaarige es drauf, jemanden so lange anzustarren, bis derjenige bereit war, sich für alles zu entschuldigen, was er oder sie jemals getan oder auch nicht getan hatte, nur um aus der Situation zu entkommen.
    Sharon hüstelte leise und Keria hielt ihr wortlos die Wasserflasche an die Lippen, woraufhin die Rothaarige trank. „Ich dachte, du wärst etwas… sagen wir erleichtert, dass ich noch lebe“, sagte diese schließlich mit einem schrägen Blick nach oben.
    „Hmpf“, machte Keria, während sie etwas Verbandszeug aus ihrer Umhängetasche holte. „Kannst du dich alleine aufsetzen?“
    „Ja, danke, ich freue mich auch riesig, dich zu sehen“, schnaubte Sharon und stemmte sich mehr schlecht als recht bis auf ihre Ellenbogen hoch, leicht das Gesicht verziehend, bis Keria ihr doch unter die Arme griff und sie letztendlich aufrecht saß. Vom Fenster her wehte ein kühler Luftzug herein, der sie frösteln ließ. Verdammte Kälte. Oder hatte sie doch noch etwas Fieber…?
    Egal. Sie merkte, wie der Verband vorsichtig gelöst wurde, der unangenehm an der Wunde festgeklebt war, dann lief warmes Wasser ihren Rücken herab, das nach irgendetwas roch, das ihr wage bekannt vorkam. Wahrscheinlich hätte sie sich erinnert, wäre ihr Gehirn nicht so nervtötend… angematscht. Daraufhin folgte der üble Geruch der Salbe, die auf die Wunde gestrichen wurde – und während all der Zeit schwiegen die beiden. Bis Keria begann den neuen Verband anzulegen.
    „Was war das eigentlich für ein idiotischer Plan?“, fragte sie und zog den Verband etwas fester als notwendig.
    „Welcher… autsch… Plan?“, fragte Sharon irritiert zurück. Doch dann fiel es ihr ein; natürlich meinte Keria den improvisierten Fluchtplan. „Achso, der Plan. Naja, ich musste doch impro- autsch, verdammt, Keria, geht das nicht etwas vorsichtiger?“, unterbrach sie sich selbst ächzend.
    „Nein“, entgegnete die Angesprochene seelenruhig. „Der soll doch festsitzen, oder nicht? Aber um ein Haar bräuchtest du gar keinen Verband mehr.“
    Sharon hob eine Augenbraue und sah über die Schulter nach hinten. „Daher spielt die Musik?“
    „Was meinst du wohl?“
    „Ich meine, dass es mein Fehler war, dass sie uns überhaupt überrumpelt haben. Ich hätte noch jemanden am anderen Ende der Straße postieren müssen und… aua!“ Also wirklich. So fest musste der Verband nun auch nicht. Davon mal abgesehen hatte Sharon keine Ahnung, was mit Keria überhaupt los war, weswegen sie leicht genervt fragte: „Was ist eigentlich dein Problem?“
    „Sharon“, seufzte Keria resigniert, während sie den fertigen Verband fest stopfte. „Du weißt genau, dass es nicht deine Schuld ist – wir alle haben nicht daran gedacht. Mein Problem ist, dass du Idiotin es andauernd schaffst dich in Lebensgefahr zu bringen. Leg dich wieder hin.“
    Sharon gehorchte und zog die Decke über sich. Die meisten anderen hätte sie jetzt aus dem Zimmer geworfen, aber sie kannte Keria lange genug, um zu wissen, dass diese sie dann nur hochmütig ansehen und ihr möglicherweise anschließend einen mit der Wasserflasche überbraten würde.
    „Ich habe es mir ausgesucht, mich mein Leben lang in Lebensgefahr zu bringen“, konterte Sharon daraufhin. „Genauso wie du und wie Jared und Zeyn und Zyra. Wir hätten damals auch in Thara bleiben können, oder nicht?“
    „Ja, ja.“ Keria winkte ab. „Dagegen sage ich nichts. Ich meine eher die unmittelbare Lebensgefahr, so in etwa wie wenn du dich mit dem Schwert fuchtelnd in eine Gruppe Soldaten stürzt und dann eine Kutsche klaust, um zu entkommen, während sie dich mit Pfeilen beballern“, sagte sie trocken. „Ist dir eigentlich klar, was passieren würde, wenn du sterben würdest?“
    Sharon zuckte mit den Schultern und bereute es kurz darauf, da der scharfe Schmerz, den sie fast schon vergessen hatte, in dem Moment durch ihren Rücken zuckte. „Vermutlich müsstet ihr einen neuen Anführer wählen.“
    Keria verdrehte bloß die Augen. „Nein, eben nicht! Oder doch, vielleicht würden wir das tun. Aber niemand würde so recht dafür in Frage kommen.“
    „Ach Quatsch“, widersprach Sharon. „Jared-“
    „Auch Jared nicht“, unterbrach Keria kopfschüttelnd. „Er würde es vielleicht machen und alle würden ihm genauso vertrauen wie sie es bei dir tun, aber trotzdem: Der Bund der Adler würde nicht lange Bestand haben. Nur noch die würden zu uns stoßen, die keine andere Wahl haben und du weißt, dass die Hälfte von denen eigentlich nicht mit vollem Herzen dabei ist. Es tut mir Leid das sagen zu müssen, aber ich habe noch nie jemanden gesehen, der die Menschen so mitreißen kann wie du und darum bist du verdammt noch mal die einzige, die den Bund zu dem machen kann, was wir mit ihm geplant haben.“ Das sagte die Rebellin ganz ruhig, aber in ihrer üblichen bestimmten Art, die einem deutlich zeigte, dass sie auch meinte, was sie sagte.
    Sharon schwieg eine Weile und ließ diese Worte auf sich wirken. Sie war der Meinung, dass Keria übertrieb. Sie selbst hatte nie den Eindruck gehabt, einen sonderlichen positiven Einfluss auf die Menschen zu haben. Im Gegenteil gelangte sie langsam zu der Überzeugung, dass sie einfach nicht die Richtige für die Aufgabe war. Jemand anderem wäre so etwas wie heute sicher nicht passiert, selbst wenn Keria etwas anderes behauptete…
    „Glaubst du wirklich, dass wir es schaffen? Irgendwann den Adel zu besiegen?“, fragte sie dann gequält. „Ich bezweifle es langsam wirklich. Es war ganz schön naiv von uns das zu glauben.“



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:56


    "...habe ich geschlafen?"
    "Ein paar Stunden."
    Die erste Stimme gehörte eindeutig Sharon, auch wenn sie etwas heiser und nicht ganz fit klang. Nach ihren Worten zu schließen hatte sie geschlafen - und wahrscheinlich war das der Grund für den Klang ihrer Stimme.
    Die zweite Stimme war die eines Mannes, den Seren nicht kannte. Wie auch - sie kannte schließlich niemanden dieser Gruppe.
    Irgendwie kam sie sich gerade vor wie eine Spionin, die mit anhörte, was sein Feind in einer wichtigen Besprechung redete. Und es erschien ihr albern, hier auf dem Boden zu liegen und diese Leute zu belauschen. Aber.. Vielleicht erfuhr sie ja etwas, was ihr eine Antwort auf die ganzen Fragen gab, die sie sich schon heute bei dem Angriff gestellt hatte.
    Doch sie wurde enttäuscht. Die beiden redeten über alle möglichen Dinge - das gleich noch jemand anders Sharons Verband wechseln würde, was den anderen Leuten so passiert war, wie beschissen dieser Tag heute gewesen war, dass sie Glück mit diesem Haus gehabt hatten....

    Das Geräusch einer ins Schloss fallenden Tür ließ Seren aufschrecken. Was war passiert?
    Sie musste kurz eingeschlafen sein. Dabei war dieser Boden nun wirklich alles andere als bequem, das spürte die Weißhaarige jetzt schon in allen Knochen. Hatte sie etwas wichtiges verpasst..? Hoffentlich nicht.
    "Ich dachte, du wärst etwas - sagen wir erleichtert, dass ich noch lebe", sagte Sharon plötzlich unvermittelt. Hatte sie doch etwas verpasst?
    Ein mussmutiges Geräusch ließ sich von der anderen Person vernehmen, dann: "Kannst du dich alleine aufsetzen?"
    Das musste wohl diese Frau sein, von der vorhin die Rede war. Ihre Stimme klang nicht gerade freundlich, im Gegenteil: Irgendwie war sie abweisend, oder eher wütend. Nur.. wieso? Anscheinend hatte sie wirklich etwas nicht mitbekommen, was sich dort unten abspielte.
    "Ja, danke, ich freue mich auch riesig, dich zu sehen." Wieder Sharon. Die beiden kamen wohl nicht allzu gut miteinander klar..
    Eine kurze Pause entstand, in der die beiden nichts sagten. Seren wäre fast wieder weggenickt, als sie wieder eine fast vorwurfsvolle Stimme hörte: "Was war das eigentlich für ein idiotischer Plan?"
    "Welcher… autsch… Plan? Achso, der Plan. Naja, ich musste doch impro- autsch, verdammt, Keria, geht das nicht etwas vorsichtiger?"
    "Nein. Der soll doch festsitzen, oder nicht? Aber um ein Haar bräuchtest du gar keinen Verband mehr."
    Seren musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. Es passte irgendwie nicht zu ihr, dass Sharon sich beschwerte - aber anscheinend wusste sie noch wirklich nichts von dieser Rothaarigen.
    Wohingegen diese Frau - Keria hieß sie, genau - ihr irgendwie sympatisch war.
    "Daher spielt die Musik?"
    "Was meinst du wohl?"
    "Ich meine, dass es mein Fehler war, dass sie uns überhaupt überrumpelt haben. Ich hätte noch jemanden am anderen Ende der Straße postieren müssen und - aua! Was ist eigentlich dein Problem?"
    Diesmal blieb Seren ernst. Hätte noch jemanden am anderen Ende der Straße postieren müssen? Dann war es wohl doch ein geplanter Überfall gewesen. Aber warum gerade..?
    "Sharon." Es war mehr ein Seufzen als ein wütendes anfahren. Anscheinend hatte Keria sich wieder halbwegs beruhigt.
    "Du weißt genau, dass es nicht deine Schuld ist – wir alle haben nicht daran gedacht. Mein Problem ist, dass du Idiotin es andauernd schaffst dich in Lebensgefahr zu bringen. Leg dich wieder hin."
    Das klang, als wäre die Rothaarige immer so.. spontan angriffslustig, wie sie es heute gewesen war. Etwas mehr verwunderte sie aber, dass Sharon Keria nicht widersprach und sie auch nicht anfuhr. Vielleicht war das Verhältnis der beiden doch nicht so schlecht, wie sie anfangs gedacht hatte.
    "Ich habe es mir ausgesucht, mich mein Leben lang in Lebensgefahr zu bringen." Wieder Sharons Stimme.
    "Genauso wie du und wie Jared und Zeyn und Zyra. Wir hätten damals auch in Thara bleiben können, oder nicht?"
    Jared? Zeyn? Zyra? Wer..? Wahrscheinlich noch andere aus dieser Truppe.
    In Thara bleiben können? Wieso in..?
    Insgesamt schien sie hier genau das Gegenteil von dem zu erreichen, was sie erreichen wollte. Es warfen sich nur immer mehr ungeklärte Fragen in ihrem Kopf auf, die sie nicht beantworten konnte.
    "Ja, ja. Dagegen sage ich nichts. Ich meine eher die unmittelbare Lebensgefahr, so in etwa wie wenn du dich mit dem Schwert fuchtelnd in eine Gruppe Soldaten stürzt und dann eine Kutsche klaust, um zu entkommen, während sie dich mit Pfeilen beballern. Ist dir eigentlich klar, was passieren würde, wenn du sterben würdest?"
    "Vermutlich müsstet ihr einen neuen Anführer wählen."
    ..Anführer? War Sharon vielleicht die Anführerin dieser Truppe? Zumindest klang es ganz danach. Zutrauen würde Seren es ihr auch. Was waren das bloß für Leute?
    "Nein, eben nicht! Oder doch, vielleicht würden wir das tun. Aber niemand würde so recht dafür in Frage kommen."
    "Ach Quatsch. Jared-"
    "Auch Jared nicht. Er würde es vielleicht machen und alle würden ihm genauso vertrauen wie sie es bei dir tun, aber trotzdem: Der Bund der Adler würde nicht lange Bestand haben. Nur noch die würden zu uns stoßen, die keine andere Wahl haben und du weißt, dass die Hälfte von denen eigentlich nicht mit vollem Herzen dabei ist. Es tut mir Leid das sagen zu müssen, aber ich habe noch nie jemanden gesehen, der die Menschen so mitreißen kann wie du und darum bist du verdammt noch mal die einzige, die den Bund zu dem machen kann, was wir mit ihm geplant haben."
    ..Bund der Adler? Was zum Teufel war das nun schon wieder? Der Name der Gruppe, ja. Aber warum 'Bund der Adler'? Hatten sie Adler abgerichtet, um sie für ihre Zwecke einzusetzen oder sowas?
    Und diese Sharon schien wirklich etwas ziemlich besonderes zu sein.
    Es entstand wieder eine Pause. Das hatte der Anführerin wohl zu denken gegeben. Und nicht nur ihr - die Weißhaarige war nun wirklich vollends verwirrt. Doch dann sprach Sharon weiter. Ihre Stimme klang gequält, so, als würde sie selbst nicht wirklich an das glauben, was sie sagte.
    "Glaubst du wirklich, dass wir es schaffen? Irgendwann den Adel zu besiegen?"
    Den Adel? Besiegen!? Von was redeten die da unten eigentlich?
    So langsam fügten sich die Puzzleteile zusammen. Diese Leute dort schienen einem Bund anzugehören, der sich 'Bund der Adler' nannte, und dessen Anführerin schien diese merkwürdige Sharon zu sein. Und sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, den Adel zu..?
    Das Mädchen war gerade dabei, sich vorsichtig in eine etwas bequemere Position zu legen, als sie plötzlich etwas knacken hörte. Sie stützte sich mit der rechten Hand auf - und plötzlich gab der Boden mit einem lauten Krachen unter ihr nach, und mit einem Aufschrei fiel sie nach unten. Schon wieder.
    Unsanft landete Seren auf dem harten Holzfußboden, was dazu führte, dass ein rasender Schmerz durch ihren linken Arm fuhr. Dumme, beschissene Reflexe. Zudem hatte sie sich auch noch den Kopf an irgendetwas hartem Gestoßen. Stöhnend drehte sie sich um - und blickte auf zwei Beine.
    Als sie hoch sah, blickte sie direkt in zwei durchdringende blaue Augen, die zu einer Frau mit schwarzen Haaren gehörten, welche sie nun leicht ungläubig anschaute.
    Zu ihrer rechten befand sich ein Bett, welches wahrscheinlich den Grund für ihren schmerzenden Kopf darstellte. Darin lag, wie nicht anders zu erwarten, Sharon.
    Mit einem Blick nach oben sah sie ein Loch in der Decke, welches wohl daran Schuld war, dass sie nun in dieser ziemlich peinlich-dämlich-schmerzhaften Situation steckte. Was war das heute nur für ein beschissener Tag?
    "Ehm.. Ehm.. ich hab euch nicht irgendwie wehgetan, oder?", fragte sie vorsichtig mit einem Blick auf die Holzteile, die nun auf dem Boden verstreut herum lagen. Eines davon hatte sich in ihre - natürlich linke - Hand gebohrt, die jetzt schon wieder blutete.
    So viel Pech konnte eine einzelne Person doch gar nicht haben.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:57


    Keria öffnete nach einem kurzen nachdenklichen Schweigen den Mund um zu antworten, aber bevor sie das tun konnte, ertönte ein lautes Krachen.
    Für einen Moment dachte Sharon, das alte Haus würde doch über ihren Köpfen zusammenstürzen und sie hob automatisch eine Hand, um ihr Gesicht vor herabfallenden Holzteilen zu schützen, die sie allerdings glücklicherweise alle verfehlten. Und dann war es auch schon wieder vorbei, nur ein großes Loch klaffte in der Decke. Vom Boden ertönte daraufhin eine Stimme, die sie kannte.
    "Seren!?", fragte Sharon ungläubig und setzte sich ruckartig auf, was sie kurz darauf wegen eines plötzlichen Schwindelanfalls schon wieder bereute. Aber tatsächlich, das weißhaarige Mädchen saß neben ihrem Bett auf dem Boden und offensichtlich war sie es, die gerade durch die Decke gestürzt war.
    Ehm.. Ehm.. ich hab euch nicht irgendwie wehgetan, oder?, hatte sie außerdem gefragt. Das wäre Sharon in so einer Situation wahrscheinlich als letztes eingefallen. Was machte Seren eigentlich immernoch hier? Dieses Gör sollte doch schon längst zu Hause im Bett sein! Ob sie irgendetwas mitbekommen hatte? Ob sie...?
    "Hast du uns etwa belauscht?", fragte Sharon misstrauisch, Seren mit hochgezogenen Augenbrauen ansehend, während sie ihre Frage einfach mal ignorierte. Bestimmt hatte man bei den dünnen Holzböden dort oben gut verstehen können, was hier unten gesagt wurde und in diesem Fall wusste das Mädchen jetzt recht genau über ihre Absichten bescheid. Zu genau. Verdammt.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:57


    Immerhin sah es nicht so aus, als ob sich irgendjemand ihretwegen verletzt hatte. Das war schonmal gut.
    Aber sonst war das alles alles andere als gut. Seren merkte, wie sie leicht rot im Gesicht wurde, als Sharon sie ziemlich überrascht anfuhr. Sie wollte gar nicht wissen, welche Gedanken der Rothaarigen jetzt durch den Kopf gingen. Wahrscheinlich dachte sie, dass sie schon die ganze Zeit hier gewesen und sie ausspioniert und belauscht hatte. Nachher dachte sie noch, sie würde zum Adel gehören und für ihn arbeiten und -
    Restlos durcheinander plapperte Seren los.
    "Belauscht? Ich? Nein, ich.. ich habe nichts gehört. Nichts wichtiges. Nur.. unwichtige Sachen. Was von einem Bund der Adler. Von einer Anführerin, einem kleinen Streit, einem gescheitertem Plan und dem Ziel, den Adel zu besiegen. Aber.. Sonst wirklich nichts. Ehrlich."
    Einige Sekunden später merkte Seren, was sie da eigentlich von sich gegeben hatte. Scheiße. Was für eine komplette Scheiße hatte sie denn da geredet!? Sie war ja wirklich vollkommen weggetreten.
    Waren das die Verletzungen, die Sache mit ihren Eltern oder der ständige Regen, der ihr Gehirn zerstört hatte?
    Wenn Sharon wirklich so skrupellos war, wie sie annahm, dann würde sie sie aller Wahrscheinlichkeit noch sofort umbringen. Umbringen lassen. Wer konnte schon wissen, was das wirklich für eine Organisation war - sie hatte in diesem Gespräch ja nun bestimmt noch nicht alles mitbekommen. Ganz bestimmt nicht. Vielleicht waren sie auch irgendwelche Auftragskiller, die zufällig gegen den Adel arbeiteten und nicht davor zurückschreckten, alles und jeden zu töten - zu foltern, einzusperren - der sich ihnen in den Weg stellte.
    Die Farbe in dem Gesicht des Mädchens wechselte von rot zu weiß. Plötzlich kam sie sich entsetzlich klein vor, wie sie da so auf dem Boden hockte und zu den beiden Frauen hinauf sah.
    So eine Scheiße aber auch.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.04.2009, 23:57


    Sharon war kurz davor verzweifelt zu stöhnen. Aber nur kurz davor.
    Dieses dumme Mädchen hatte also wirklich alles mit angehört, was sie besprochen hatten und das war alles andere als gut. Seren schien zwar gewissermaßen auf ihrer Seite zu stehen, aber das konnte sich ganz schnell ändern oder man konnte sie gefangen nehmen und verhören.
    Sharon sah finster zu ihr hinunter und beobachtete, wie ihre vorerst rote Gesichtsfarbe immer blasser wurde. Zumindest schien ihr klar zu sein, was für eine Scheiße sie sich mit ihrer verdammten Neugier da eingebrockt hatte.
    Die Rothaarige hob den Blick und sah zu Keria hinüber, der wohl ähnliche Gedanken durch den Kopf schossen. Ehrlich mal – wenn dieser Tag vorbei war, würde sie drei Kreuze machen. Drei ganz große Kreuze. Keria zuckte daraufhin allerdings nur mit den Schultern und klopfte sich nebenbei den Staub von der Kleidung, der von der Decke heruntergerieselt war, was soviel hieß wie: ‚Mach, was du willst.’ Sehr hilfreich.
    Sharon sah also wieder auf Seren hinunter, die immer noch da auf dem Boden hockte – nun gut, der Blickaustausch hatte auch nur ein paar Sekunden gedauert. „Verrat mir, was wir jetzt mit dir machen sollen“, sagte sie schließlich resigniert, natürlich eher, um sich Zeit zum Nachdenken zu verschaffen. Bestimmt würden bald auch die anderen angerannt kommen, weil sie sich wunderten, wo dieser Lärm hergekommen war, nachdem sie festgestellt hatten, dass das Haus nicht gerade dabei war über ihren Köpfen zusammenzubrechen. Möglicherweise hatte ja auch einer von denen eine zündende Idee; Sharon sah sich nicht in der Lage mit ihrem momentan angematschten Gehirn eine halbwegs Vernünftige zustande zu bringen.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 11.04.2009, 23:58


    Zu ihrer großen Überraschung stürmten nicht sofort andere dieses 'Bundes' herein um sie zu Fesseln und in eine dunkle Kammer einzusperren. Stattdessen herrschte vorerst ein fast schon erdrückendes Schweigen, währenddessen Seren sich nur traute, aus den Augenwinkeln zu den beiden Frauen hochzuschielen.
    Was sollte sie jetzt machen? Einen Fluchtversuch starten?
    Witzlos. Auch, wenn sie sich hier ziemlich gut auskannte und recht flink war, Keria versperrte ihr den Weg zur Tür. Uns selbst, wenn sie bis dahin kommen würde, wären spätestens dann die anderen.. Mitglieder da.
    „Verrat mir, was wir jetzt mit dir machen sollen“, unterbrach Sharon ihre Fluchtgedanken. Das war eine berechtigte Frage, und die Weißhaarige kannte selber keine Antwort darauf. Laufen lassen konnten sie sie nicht – dazu wusste sie zu viel. Außerdem glaubte Seren kaum, dass diese Leute so 'nett' waren, sie einfach gehen zu lassen.
    Aber was dann?
    Die naheliegendste Möglichkeit für Seren war immer noch, sie einfach umzubringen, allerdings wäre sie wirklich ziemlich blöd, wenn sie das jetzt vorschlagen würde.
    Sie wunderte sich sowieso, warum ihr noch nicht die Kehle durchgeschnitten worden war. Vielleicht hatten sie einfach gerade kein Messer da..? Wobei das auch nicht zu Sharon passen würde. Die nahm bestimmt selbst in einem solchen Zustand eine Waffe überall mit hin. Als der Anführer einer Rebellistengruppe gegen den Adel war das Leben schließlich bestimmt nicht ganz ungefährlich.
    Aber warum lebte sie dann noch..?
    „Ich.. ehm.. weiß nicht“, murmelte sie leise, einfach, um etwas gesagt zu haben. Jetzt zu Schweigen wäre auch nicht besonders toll gewesen, auch, wenn diese Frage wohl eigentlich keine Antwort verlangte. Sie konnte das sowieso nicht mehr entscheiden.
    „Einfach gehen lassen könnt ihr mich wohl nicht, egal, ob ich verspreche nichts zu sagen oder nicht, nicht wahr?“, schob sie noch mit einem resignierten Lächeln nach.
    Schön wäre es ja. Wobei sie dann wieder aus dem Haus raus müsste und wieder keine Ahnung hätte, wo sie jetzt hin sollte. Dabei war es noch nicht mal sicher, ob sie überhaupt wieder aus diesem Haus hier heraus kommen würde. Generell stand sie gerade an einem Punkt, an dem sie nicht wirklich weiter wusste.
    Und das alles nur, weil sie..
    Nein, jetzt nicht schon wieder daran denken. Sie hatte wirklich keine Lust, hier gleich einen Heulkrampf zu bekommen. Wobei sie eigentlich allen Grund dazu hatte.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 04.07.2009, 22:24


    Wie nicht anders zu erwarten, wusste das Mädchen auch keine hilfreiche Antwort, stellte dann allerdings noch die sehr realistische Vermutung an, dass sie sie wohl nicht einfach gehen lassen konnten.
    „Nein, natürlich nicht“, sagte Sharon seufzend und sah dann zur Tür herüber, als draußen eilige Schritte ertönten und diese schließlich aufflog, woraufhin die restlichen Mitglieder der Truppe verdutzt ins Zimmer sahen, einige schon mit ihren Waffen in den Händen, welche sie nun wieder sinken ließen.
    „Ehm… wir haben den Krach gehört“, merkte einer nutzloserweise an. „Was ist passiert…?“ Keria deutete mit dem Daumen nach oben und sein Blick wanderte irritiert von ihr über Sharon und Seren zu dem Loch in der Decke. „Oh.“
    „Ja, oh“, stimmte Sharon zu. „Die Kleine hat uns belauscht, wie’s aussieht… aber wenn keiner von euch eine zündende Idee hat, was wir jetzt mit ihr machen sollen, könnt ihr wieder abschwirren.“ Sie wollte sich gerade wieder abwenden, konnte es sich aber doch nicht verkneifen, noch einen Rüffel hinten anzuhängen, denn von einer schnellen Reaktion konnte man ja bei diesem Einsatz nicht gerade reden. „Es hat übrigens ganz schön lange gedauert, bis ihr gekommen seid.“
    „Ja - ich meine, nein, ich habe keine. 'Tschuldigung, wir gehen dann wohl mal…“ Offensichtlich immer noch leicht verwirrt sah der junge Mann zu den anderen herüber, die mit den Schultern zuckten, dann schloss sich die Tür wieder.
    Sharon massierte sich mit den Fingerspitzen die Schläfen, dann wandte sie sich wieder Seren zu. Sie hatte nach wie vor keine Ahnung, was sie machen sollte.
    „Hmm… was tust du überhaupt hier? Warum bist du nicht nach Hause gegangen?“, fragte sie also, um noch etwas Zeit herauszuschlagen. Davon mal abgesehen interessierte es sie wirklich etwas – war das Mädchen einfach so neugierig, dass es unbedingt herausfinden wollte, was sie für eine Gruppe waren? Irgendwie kam ihr das komisch vor.
    Geistesabwesend griff sie nach dem Wasser und trank einen Schluck, wobei ihre Schulter mal wieder schmerzte, als würde erneut ein Pfeil hineingejagt. Das Leben war doch einfach wunderschön.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 04.07.2009, 22:54


    Nein, natürlich nicht. Was hatte sie auch erwartet? Nach allem, was sie gehört hatte, war das wirklich unmöglich.
    Einen Augenblick später flog die Tür auf und die restlichen Gruppenmitglieder starrten sie alle etwas seltsam an. Verständlicherweise.
    "Ehm… wir haben den Krach gehört. Was ist passiert…?", sagte einer der Truppe, woraufhin die Frau neben Sharon auf das Loch an der Decke zeigte. Der Sprecher gab nur ein "Oh" von sich.
    "Ja, oh. Die Kleine hat uns belauscht, wie’s aussieht… aber wenn keiner von euch eine zündende Idee hat, was wir jetzt mit ihr machen sollen, könnt ihr wieder abschwirren", meinte Sharon. Kleine. Kleine.
    So klein war sie nun auch wieder nicht... Gut, im Vergleich zu den anderen wohl schon. Dennoch fühlte sie sich etwas gekränkt - sie war doch wohl kein Kind mehr!
    "Es hat übrigens ganz schön lange gedauert, bis ihr gekommen seid", fügte die Rothaarige noch hinzu. Sah so aus, als wäre sie keine besonders nette Anführerin. Aber irgendwelche Qualitäten musste sie ja schon haben, sonst hätte sie diese Rolle wohl kaum bekommen.
    "Ja - ich meine, nein, ich habe keine. 'Tschuldigung, wir gehen dann wohl mal...", stotterte der Mann, trat dann zusammen mit den anderen wieder aus dem Raum und schloss die Tür. Jetzt waren sie wieder allein. Einen kurzen Augenblick herrschte Stille, dann fragte Sharon: "Hmm… was tust du überhaupt hier? Warum bist du nicht nach Hause gegangen?"
    Die Weißhaarige blickte zu Boden.
    "Ich habe kein - ich meine, ich bin nach Hause gegangen. Aber... meine Eltern haben irgendwie mitbekommen, dass ich euch geholfen habe. Und sie waren davon... sagen wir, sie waren nur minimal begeistert. Mit anderen Worten, sie haben mich rausgeworfen." Direkt rausgeworfen hatten sie sie zwar nicht, aber es klang um einiges dramatischer. Seren versuchte, bei diesen Worten möglichst kühl und gefasst zu klingen - allerdings gelang es ihr nicht so wirklich. "Naja, dann musste ich eben weg... Nachdem ich etwas durch die Gegend gelaufen bin, bin ich wieder hier gelandet. Weil es schon Nacht wurde, dachte ich, ich könnte hier erstmal bleiben. Ich meine, irgendwo muss ich ja hin, wenn ich nicht mehr zu meinen Eltern kann. Also bin ich hier rein und kam zufällig in das Zimmer über euch. Als ich Stimmen gehört habe, dachte ich, ich könnte ja... zuhören. Immerhin hättet ihr es nicht gemerkt, wenn der Boden hier nicht so instabil wäre." Bei ihren Ausführungen ließ sie natürlich weg, wie elend sie sich gefühlt hatte - und immer noch fühlte. Im Nachhinein fiel ihr auf, dass es vielleicht besser gewesen wäre, ihnen eine Geschichte von einem armen Waisenkind aufzutischen - das hätte wohl mehr Mitleid erregt und sie eher dazu gebracht, ihr nichts zu tun. Mist. Warum kamen ihr solche Ideen immer erst hinterher?



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 04.07.2009, 23:27


    Sharon öffnete den Mund und schloss ihn dann wieder. Auf die Idee, dass sich herumgesprochen haben könnte, dass das Mädchen ihnen geholfen hatte, war sie gar nicht gekommen, und dass Serens Eltern sie deswegen rauswerfen würden schon gar nicht. Sie tauschte einen Blick mit Keria, die ebenfalls betroffen wirkte – immerhin war es gewissermaßen ihre Schuld, dass dieses Mädchen jetzt kein Zuhause mehr hatte. Und wahrscheinlich kamen diese Adelsfritzen auch noch auf die Idee, alle Beteiligten suchen zu lassen. Verdammte Scheiße.
    Vorausgesetzt war natürlich, dass Seren die Wahrheit sagte und das Ganze kein abgekartetes Spiel war – aber das traute Sharon der Kleinen eigentlich nicht zu. Um sich absichtlich in diese Situation zu bringen, hätte sie schon ein ziemliches Vertrauen darin haben müssen, dass sie sie nicht einfach ausschalten würden (wie die Adelsleute es definitiv getan hätten).
    Die Rothaarige sah das Mädchen nachdenklich an und trommelte mit den Fingerspitzen auf die Bettdecke. Erst jetzt fiel ihr auf, wie schmutzig Seren war, als hätte sie eine Schlammschlacht hinter sich. So hatte sie doch vorher nicht ausgesehen, oder? Was hatte sie denn auf dem Weg nach Hause und zurück getrieben? Ob sie ihnen was verschwiegen hatte…?
    Sharon verscheuchte den Gedanken und brachte ihr aufgeweichtes Hirn langsam aber sicher zu einer Entscheidung.
    „In dem Fall kommst du mit uns“, verkündete sie schlicht, was keine Frage war, ob Seren das wollte, sondern eine einfache Feststellung.
    Vermutlich würde sie den Entschluss in nicht allzu ferner Zukunft bereuen – Seren war immerhin noch ein Kind, auch wenn sie sich bei dem Kampf sehr mutig verhalten und ihnen auch ansonsten sehr geholfen hatte – aber es würde schon irgendwie gehen. Eins der Gründungsmitglieder des Bundes war schließlich damals auch nicht viel älter gewesen. Von den übrigen Rebellen würde ihr sowieso kaum einer widersprechen (und wenn, war das auch egal). Und ihr Problem war eben gelöst. Ha.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 04.07.2009, 23:46


    In dem Fall kommst du mit uns.
    Auf Serens Gesicht stand eine Mischung aus Überraschung, Verwirrung und blankem Entsetzen. Auch Keria schien der Sache etwas skeptisch gegenüber zu stehen.
    Ob Sharon vollkommen verrückt geworden war? Vielleicht hatte sie doch zu hohes Fieber und war nicht mehr komplett zurechnungsfähig. Oder die Schmerzen in ihrer Schulter ließen ihr Gehirn nicht mehr klar denken. Oder der Regen hatte sie - nein, moment, sie war gar nicht im Regen gewesen. Jedenfalls schien irgenwdas mit ihrem Kopf nicht mehr ganz zu stimmen.
    War sie gerade, ohne es wirklich zu wollen, einer geheimen Organisation oder sowas beigetreten? Einer... Verbrechergruppe? Sie?
    Moment. Seren blickte an sich hinab. Ganz abgesehen davon, dass sie immer noch furchtbar dreckig war, sie war ein Kind - gerade mal dreizehn Jahre alt. Wie alt waren die? Sechzehn? Achzehn? Zwanzig? Und nicht zu vergessen wahrscheinlich alle trainierte Kämpfer. Und sie dazwischen? Zwischen diesen Verbrechern?
    Moment. Wirkliche Verbrecher waren sie ja eigentlich nicht. Sie hatten nur was gegen den Adel - und das hatte sie ja auch. Außerdem hatte sie ihnen sowieso schon einmal geholfen, und im Grunde genommen schienen sie eine ganz nette Truppe zu sein. Abgesehen davon, dass sie sowieso keine andere Wahl hatte - Sharon hatte anscheinend schon beschlossen, sie mitzunehmen.
    "Ehm... Ehm... Okay", brachte sie nur heraus. Immerhin wusste sie jetzt, wo sie bleiben konnte.
    "Aber... was genau seid ihr eigentlich?", hängte sie noch hinten an. Schließlich sollte man schon irgendwie wissen, zu was für einer Gruppe man nun gehörte, oder?



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 05.07.2009, 00:12


    Seren schien auf Sharons Erklärung hin nicht nur überrascht und verwirrt zu sein, sondern gleichzeitig auch noch entsetzt – was gewissermaßen ja alles verständlich war. Aber immerhin widersprach sie nicht, gab sogar zögerlich ihre Zustimmung. Allerdings fragte sie dann noch, was genau sie eigentlich waren, womit sie vermutlich den Bund meinte – auch das war verständlich, schließlich sollte sie zu diesem Bund demnächst gehören.
    Sharon lehnte sich erst einmal vorsichtig wieder zurück, da das Sitzen auf Dauer sehr anstrengend wurde, erst dann setzte sie zu einer Antwort an.
    „Nun ja“, sagte sie, nachdem sie überlegt hatte, wie viel Seren eigentlich schon mitbekommen hatte. „Das Wichtigste weißt du wahrscheinlich schon: Wir sind ein Haufen Irrer, die beschlossen haben, dass der Adel mal gestürzt werden sollte.“ Dabei rang die Rothaarige sich sogar ein schwaches Lächeln ab; zu mehr war sie heute nicht mehr in der Lage. „Vor zwei Jahren haben Keria“ – sie nickte in Richtung der anderen Rebellin - „ich und noch ein paar andere den ‚Bund der Adler’ gegründet. Unsere Hauptbeschäftigung ist im Moment eigentlich, die Adeligen auszuspionieren, ein paar von ihren Vorhaben zu vereiteln, Gefangene zu befreien, und so weiter. So viele sind wir noch nicht.“
    Sharon dachte kurz nach, glaubte aber, dass sie alles, was erst einmal von Bedeutung war, gesagt hatte. Keria sah sie zwar missbilligend an, aber die war vermutlich nur unbegeistert von der Idee, Seren aufzunehmen. Doch immerhin wuchs der Bund mit diesem Neuzugang auf volle vierundzwanzig Mitglieder. Immer noch verdammt wenige, wenn man bedachte, wie viel Platz sie in den Höhlen im Wald eigentlich hatten, aber vielleicht würde sich das ja ändern. Hoffentlich würde sich das ändern.
    Na gut, wir haben mit fünf angefangen, dachte Sharon trocken. Dafür haben wir uns schon ganz schön gesteigert.
    Bei dem Gedanken an die Gründungsmitglieder fiel ihr plötzlich ein, dass sie doch noch etwas vergessen hatte.
    „Ach ja… du musst übrigens schwören, dass du unsere Regeln einhältst“, fügte sie also hinzu, um selbige gleich darauf aufzusagen. „Logischerweise darfst du nichts tun, was dem Bund oder seiner Aufgabe schaden könnte. Wenn nötig, musst du die anderen Mitglieder schützen. Was du ja sowieso schon getan hast.“ Noch ein Lächeln. „Außerdem werden wir niemals unschuldige Personen verletzen oder ihnen sonst wie schaden.“
    Sie war sich nicht sicher, wie oft sie diese Regeln jetzt heruntergebetet hatte, aber dieses Ritual kam ihr mit jedem Mal alberner vor. Doch sie hatten das eben so beschlossen, also egal.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 07.07.2009, 23:42


    Ein Haufen Irrer also. Ja, so kamen ihr diese Leute auch vor. Es war wirklich irrsinnig, wenn man versuchen wollte, den Adel zu stürzen. Den Adel - das grenzte an Unmöglichkeit. Sharons Lächeln bestätigte sie in ihrer Ansicht.
    Der Bund der Adler also. Der Name klang eigentlich ganz nett, auch wenn sie nicht verstand, was das ganze mit Adlern zu tun hatte.
    Das, was sie taten, klang allerdings recht sinnvoll. Wenn es allerdings immer so ablief wie bei dem letzten Angriff der Truppe, dann fragte sie sich, warum sie die letzten zwei Jahre überhaupt überstanden hatten. Wie viele waren sie wohl? Oder waren die, die schon hier waren, alle?
    Bevor Seren diese Frage stellen konnte, kam die Rothaarige schon mit irgendwelchen Regeln an, von denen sie schwören musste, sich an sie zu halten.
    Den Bund unterstützen, die Mitglieder schützen und keine unschuldigen verletzen. Das klang logisch - etwas anderes hätte sie sowieso nicht vorgehabt. Dennoch kam es ihr seltsam vor, von dem einen auf den anderen Moment einem Bund beigetreten zu sein, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, den Adel zu stürtzen. Im Grunde genommen kam ihr das nämlich mehr wie ein Wunschtraum vor. Vielleicht war es doch nur eine Gruppe Religiöser Irrer, die jeden Abend irgendwo rumsaßen und Rituale abhielten, um irgendeine höhere Macht dazu zu bringen, den Adel nieder zu machen...?
    "Also gut", sagte Seren feierlich, "ich schwöre, dem Bund nicht zu schaden, seine Mitglieder zu schützen und... eh... keinen unschuldigen Personen zu schaden, genau."
    Was hatte sie denn für eine Wahl? Ihr blieb nichts anderes übrig. Nachher kam diese Sharon doch noch auf die Idee, sie umbringen zu lassen.
    "Aber... Wie viele seid ihr eigentlich? Und was muss ich dann da machen? Wo wohnt ihr überhaupt? Was habt ihr bisher so erreicht?" Sie wollte gerade noch eine weitere Frage stellen, als ihr auffiel, dass das schon recht viele Fragen gewesen waren. Vielleicht sollte sie die Anführerin erstmal antworten lassen. Überhaupt, wenn Sharon die Anführerin war, gab es dann eine Art Rangordnung? Mit Beratern und Soldaten und sowas? So viele Fragen, und auf einige würde sie wohl erst im Laufe der Zeit Antwort erhalten. Dennoch war die ganze Sache irgendwie aufregend, und irgendwie freute sie sich schon auf die Zeit, die jetzt kommen würde. Noch.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 08.07.2009, 01:24


    Seren schwor brav, die Regeln einzuhalten, und fing dann elenderweise an, sie mit Fragen zu löchern. Wie viele seid ihr eigentlich? Und was muss ich dann da machen? Wo wohnt ihr überhaupt? Was habt ihr bisher so erreicht?
    Sharon seufzte fast unhörbar, fügte sich dann aber in ihr Schicksal. Vermutlich würde sie selbst an Stelle des Mädchens auch wissen wollen, was genau das für Leute waren, denen sie sich gerade angeschlossen hatte.
    „Mit dir eingerechnet sind wir jetzt vierundzwanzig Personen“, erklärte sie also. „Wir haben eine Art Versteck im Wald, aber das siehst du dann, wenn wir da sind.“
    Möglicherweise war es etwas paranoid, aber Sharon widerstrebte es, sich lautstark über ihr Versteck zu unterhalten – wie man an Serens Auftritt vorhin gesehen hatte, hatten die Wände manchmal Ohren. Ein gewisses Maß an Verfolgungswahn war mit Sicherheit gesund.
    „Was du für Aufgaben bekommst, müssen wir uns noch überlegen“, fuhr Sharon fort, um daraufhin einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten zu geben. „Wir brauchen natürlich alles Mögliche: Leute in der Küche und zur Beschaffung von Nahrung, Wachtposten, Heiler, Spione… Putzkräfte.“ Die Rothaarige zuckte mit den Schultern und verzog dann, diese Tat schwer bereuend, schmerzerfüllt das Gesicht. Verdammte Verletzung. „Die meisten übernehmen auch mehrere Aufgaben, die Wachen und so wechseln natürlich. Und was wir erreicht haben…“ Sharon hob die Augenbrauen und warf einen Blick zu Keria hinüber. „Weniger, als wir gerne erreicht hätten, und schon mehr, als wir erwartet hätten“, sagte sie dann trocken. „Wir haben ein paar Leute gerettet, die es nicht verdient haben, hingerichtet zu werden, und teilweise von denen, teilweise von unseren Spionen haben wir ein paar Dinge über den Adel herausgefunden, die vielleicht hilfreich sein könnten. Ansonsten sind wir im Moment mehr damit beschäftigt, möglichst zu überleben, uns etwas... auszuweiten und weiter zu organisieren, als irgendetwas zu erreichen.“
    Sharon vermutete, dass das nicht nach der allerbesten Werbung für ihren Bund klang, aber es war die Wahrheit. Sie hatten in letzter Zeit einige harte Rückschläge einstecken müssen und bis sie sich davon erholt hatten und soweit waren, dass sie etwas erreichen konnten, würde es wohl noch eine Weile dauern. Doch eine ausgewachsene Rebellion konnte man schließlich kaum über Nacht aus dem Boden stampfen, selbst, wenn sie es gerne getan hätte.



    Re: Narya - 4 years ago

    Nightmare - 08.07.2009, 22:56


    Sie waren jetzt also 24, lebten in einem Versteck im Wald und hatten im Grunde genommen noch nicht wirklich viel erreicht. Ganz abgesehen davon, dass sie wohl alle ein wenig geistesgestört waren.
    Und sie, Seren, ein kleines Mädchen von dreizehn Jahren, war jetzt eine von diesen Irren. Wahrscheinlich würde sie in der nächsten Zeit irgendwelche Sachen putzen müssen und behandelt werden wie der letzte Dreck.
    Und sie konnte es kaum erwarten.
    War sie bescheurt? Warum freute sie sich? Eigentlich war es wirklich dämlich, sich zu freuen, aber da sie jetzt diesem Bund angehörte, würde sie auch endlich etwas tun können, um sich für ihre eigene Meinung einzusetzen. Sie hasste den Adel. Sie wollte, dass er gestürzt wurde, wollte, dass all diese Ungerechtigkeiten im Land endlich ein Ende hatten. Und jetzt war sie auf Leute getroffen, die das selbe Ziel hatten wie sie. Ja, die nächste Zeit würde hart werden. Sie würde behandelt werden, wie irgendwelche neuen eben immer behandelt wurden, aber sie würde das überstehen und sich in irgendeiner Weise nützlich machen. Schließlich hatte sie das schon einmal geschafft, dann würde sie es auch wieder tun können. Und irgendwann würden sie es schaffen, den Adel zu stürzen. Es würde lange dauern, Jahre noch, aber irgendwann würde es ihnen gelingen, und dann würde sie froh darüber sein, ebenfalls ein Teil der Rebellion gewesen zu sein.
    "Klingt doch gut", meinte sie also optimistisch und musste sich ein Lachen verkneifen, als sie die zweifelnden Gesichter von Sharon und Keria bemerkte.

    Eine Woche später stand sie zusammen mit Sharon, Keria und den anderen Rebellen vor dem Haupteingang zum Versteck der Adler. Genauer gesagt stand sie vor einem Wasserfall, hinter dem man aber laut Kerias Angaben in die Höhle gelangen konnte. Das Sonnenlicht spiegelte sich auf dem herunterplätschernden Wasser, und der klare Bach neben ihnen rauschte leise. Es war wunderschön hier.
    Und hier würde sie nun ihr Leben verbringen. In einer Höhle hinter einem Wasserfall. Es würde bestimmt nicht immer Spaß machen, aber dennoch wusste sie, dass ihr eine wundervolle Zeit bevor stand.
    Mit einem warmen Gefühl im Herzen trat Seren zusammen mit den anderen Rebellen hinter das Wasser.



    Re: Narya - 4 years ago

    Daydream - 11.08.2009, 21:53


    Klingt doch gut, sagte Seren.
    Klingt doch gut!?
    Sharon sah das Mädchen verdutzt an und zweifelte einen Moment lang an dessen Verstand. Doch dann fiel ihr ein, dass sie ja eben selbst gesagt hatte, dass sie eigentlich ein Haufen Irrer waren – noch eine weitere Irre schadete da nicht. Im Gegenteil würde Seren sich bestimmt gut anpassen.
    Bei diesem Gedanken unterdrückte Sharon ein Lächeln, und mit einem Mal hatte sie wieder so etwas wie Hoffnung. Hoffnung, dass sie irgendwann das Unmögliche schaffen konnten. Dass sie auch die nächsten Rückschläge, die sicher und unbarmherzig kommen würden, wegstecken konnten. Dass nicht alles umsonst gewesen war, was sie für ihren Traum schon durchgemacht hatten – dass es sich einmal auszahlen würde.
    Möglicherweise fing sie einfach wegen des hohen Blutverlusts an zu fantasieren, aber trotzdem war es ein verdammt gutes Gefühl, dass sie schon eine ganze Weile nicht mehr verspürt hatte.
    Sie fing einen skeptischen Blick von Keria auf, der es wahrscheinlich nicht ganz so erging wie ihr, aber das war jetzt auch egal.
    „Ich habe einen verdammten Hunger“, verkündete Sharon. „Wie lange habe ich eigentlich nichts mehr gegessen?“

    Etwa eine Woche später hörte sie wieder das vertraute Rauschen, das für sie schon so alltäglich geworden war, dass sie es manchmal vermisst hatte. Erst war es ganz leise, wurde dann immer lauter und war schließlich nicht mehr zu überhören. Ein Stück hinter ihr erklärte Keria Seren, dass sich hinter dem Wasserfall das Höhlensystem befand, in dem sich die Rebellen versteckten. Wir leben in Höhlen im Wald. Wenn die Adeligen das wüssten, würden sie sich vermutlich über uns kaputtlachen, dachte Sharon trocken, lächelte dann aber, als sie zwischen den Bäumen hervorkam und auf das Wasser zutrat, das im Sonnenlicht glitzerte wie tausend Diamanten.
    Lässig hob sie die Hand, um die Wachen zu grüßen, die auf Plattformen in den Bäumen hockten, und ignorierte den Schmerz, der bei solchen Bewegungen nach wie vor durch ihre Schulter zuckte, dann warf sie einen Blick zu Seren zurück und lächelte ihr ermutigend zu.
    Sie waren zu Hause.



    ► The End ◄



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