Narya - Der Bund der Adler

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    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 25.02.2009, 22:49

    Narya - Der Bund der Adler
    Die Geschichte
    Das Königreich Narya wird seit Generationen von der Königsfamilie Aliera regiert. Das Land lebt, wie es aussieht, in Frieden und Wohlstand, alle haben genug zu essen und können viel erreichen, wenn sie sich anstrengen. Doch nicht alles ist so schön wie es aussieht.
    Wer sind die Feinde des Adels? Das sind die Gelehrten, die Redner, die Freidenker, kurz gesagt die Personen, die ihre Gesetze und Entscheidungen anzweifeln. Ihnen wird meist ein Verbrechen angehängt oder sie verschwinden kurzerhand von der Bildfläche. Das Volk von Narya wird unterdrückt und das schlimmste ist, die meisten merken es nicht einmal.
    Daher hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengefunden, die das nicht mehr ertragen. Rebellen, nennt der Adel sie und lässt sie verfolgen. Doch kaum einer weiß, wie organisiert diese Gruppe wirklich ist. Genau genommen weiß kaum jemand irgendetwas über diese Gruppe, die immer mal wieder kurz auftaucht und genauso schnell wieder verschwindet. Sie nennen sich "Bund der Adler". Doch was wohl für den Adel noch schlimmer ist als die zwischenzeitlichen Überfälle, ist die Tatsache, dass sie die Menschen zum eigenständigen Denken anregen. Sie sympathisieren mit dem Bund, sie bewundern die Rebellen.
    Und dann sind da noch die Legenden von den magischen Wesen. Manche sagen, sie seien ausgestorben. Manche sagen, es habe sie nie gegeben. Doch manche erzählen sich, dass sie sich nur zurückgezogen haben, um irgendwann wiederzukehren.

    Der Bund
    Alles fing mit dem Hass einer jungen Frau auf den Adel an. Sie scharte ein paar andere Leute um sich – Vogelfreie, Außenseiter der Gesellschaft oder einfache Menschen, die sich ein anderes Leben wünschten. Zusammen mit ihnen versteckte sie sich an einem Ort in den Wäldern, denn der größte Teil von diesen ist vollkommen unerforscht. Diesen Ort nennen sie ihr "Hauptquartier". Sie sind, nebenbei bemerkt, vollkommen zufällig darauf gestoßen, nämlich als der Boden unter einem der Männer nachgab und er in eine Höhle stürzte. Diese Höhle gehört zu einem kleinen Tunnelsystem. Nach einer längeren Erkundung wurde festgestellt, dass es eine besonders große Höhle gab und diese wurde zur Basis erkoren. Zu dieser gibt es noch einen weiteren Eingang: Hinter einem Wasserfall befindet sich eine kleine Höhle, in die vielleicht 5 Personen passen. Dort ist jedoch, versteckt hinter mehreren Felsen, der Eingang zur Haupthöhle.
    Lange Rede, kurzer Sinn. Immer mehr Rebellen stießen zu der kleinen Gruppe um die Anführerin Sharon und schließlich nannten sie sich "Bund der Adler", weil sie scharfe Augen haben wollten wie die Adler, die in der Nähe nisteten; sie wollten alles Falsche sehen, was die Herrscher taten und was vom restlichen Volk übersehen wurde. Im richtigen Moment sollte der Adler dann hinabstoßen; sie würden angreifen.
    Es gibt 3 Dinge, die jeder vor seinem Eintritt zum Bund schwört:
    1. Nichts tun, was dem Bund schaden könnte.
    2. Die anderen Mitglieder schützen.
    3. Niemals unschuldige Personen verletzen oder ihnen schaden. Der Feind ist der Adel!
    Außerdem wäre da noch eine 4. Sache, eine Art ungeschriebene Regel, die seit einemVorfall gilt, über den niemand gerne spricht. Dabei wäre alles fast aufgeflogen.
    4. Vor Aktionen immer eine Besprechung. Keine eigenmächtigen Aktionen, außer in Notfällen!

    Der Adel
    Der mächtige Adel besteht aus 4 großen Familien. Die erste ist natürlich die Königsfamilie, gehörend zum Haus Aliera. Sie herrscht seit Generationen über Narya und gedenkt das auch weiterhin zu tun.
    Dann wären da noch die Häuser Karan, Cendur und Sera, jeweils mit einer Fürstenfamilie an ihrer Spitze. Sie alle stehen sich in Macht nichts nach, liegen untereinander in erbittertem Streit (es sei denn, es gilt diese Macht vor den Rebellen zu verteidigen) und versuchen natürlich, die Entscheidungen des Königs zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
    Es gibt auch noch kleinere Adelsgeschlechter. Diese sind allerdings relativ unbedeutend und haben nicht wirklich etwas zu sagen.

    Die magischen Wesen
    Bei den Menschen gibt es Legenden, dass sie mit den Fabelwesen einst in Frieden lebten. Allerdings können auch die, die an diese Geschichten glauben, sich ihr Verschwinden nicht erklären.
    In Wahrheit haben sich die magischen Wesen immer mehr zurückgezogen, als der Mensch begann sich – für ihre Zeitmaßstäbe – rasend schnell in Narya auszubreiten. Schließlich verließen sie die Wälder nicht mehr und die Erinnerung der Menschen an sie verblasste.
    Jedes magische Wesen ist an ein Element gebunden, das heißt, es hat ein besonderes Gespür dafür (die Erdwesen können zum Beispiel mit den Bäumen sprechen oder sowas in der Richtung). Durch diese Bindung und uralte Instinkte heraufbeschworen, haben sich Beziehungen gebildet.
    Es könnte wohl kaum einen heftigeren Streit geben als den zwischen Licht- und Dunkelheitwesen. Sie gehen sich grundsätzlich aus dem Weg, aber wenn sie sich doch mal begegnen, gibt es Kleinholz.
    Durch die Engel, die Hauptvertreter der Lichtwesen, die sich jedoch auch in die Lüfte schwingen können, sind Licht und Luft dagegen in Freundschaft verbunden.
    Letztere bringen – vielleicht deshalb – wie fast alle Dunkelheit Misstrauen entgegen.
    Die Feuerwesen dagegen, viele rätseln warum, verstehen sich meist ganz gut mit denen der Dunkelheit. Dafür gibt es einen auch recht heftigen Streit zwischen ihnen und den Wasserwesen.
    Die Wasserwesen sind allerdings gut mit den Erdwesen befreundet, weshalb diese den Feuerwesen auch eher misstrauisch gegenübertreten.
    Es gibt übrigens auch bei den mamgischen Wesen eine Legende: Die Legende vom Phönix, der alle Elemente in sich vereint.
    Das ganze Beziehungsgewurschtel ist ziemlich kompliziert, darum habe ich versucht, das mal aufzumalen... ich hoffe, man steigt durch xD



    Übrigens besteht bei den magischen Wesen die ungeschriebene Regel, niemals den Menschen ihre Existenz zu verraten. Jetzt sind da aber diese Rebellen im Wald. Im Moment beschränken die Fabelwesen sich darauf, sie zu beobachten. Mal sehen, was daraus wird.

    Allgemeines zur Welt
    Das Königreich Narya ist in einem Mittelding zwischen Mittelalter und Moderne. Die Leute, die es sich leisten können – also der Adel – haben fließendes Wasser. Es gibt keinen Strom, dafür aber Kugeln, die, nachdem man sie erwärmt hat, mehrere Stunden leuchten können.
    Mitten im Königreich liegt die Hauptstadt mit dem Schloss der Königsfamilie. Dort ist immer eine Menge los, so fast jede Woche ist ein großer Markt oder Ähnliches. Alle anderen Städte sind allerdings nicht sonderlich groß, häufig eher kleine Dörfer.
    Im Osten grenzt Narya ans Meer, im Norden an die praktisch unüberwindlichen Berge. Im Süden und Westen erstreckt sich der gigantische Wald. Niemand weiß, wie groß er wirklich ist. Die meisten wagen sich wegen den unheimlichen Legenden nicht einmal hinein.
    Trotz dem mittelalterlichen Hauchs in Narya sind Männer und Frauen dort übrigens gleichberechtigt.

    Was bisher geschah (wie ich es selbst noch weiß)

    Einige Rebellen, d.h. Sharon, Seren&Aevar und noch 3-4 andere, waren auf dem Weg zum Dorf Thara, als sie unterwegs an einem kleinen Wäldchen Serika trafen. Nach einer Weile stellte sich heraus, dass sie sich den Rebellen anshließen wollte, daher beschloss Sharon, dass sie selbst, Seren und Aevar sie zum Hauptquartier ‚eskortieren’ sollten… die anderen sollten eben zu dem oben genannten Dorf, um dort zu spionieren (Seren war über die Entscheidung übrigens nicht sooo begeistert).
    Auf dem Rückweg gerieten sie in ein Gewitter und verkrochen sich zwischenzeitlich in einer Höhle, aber sonst geschah nichts aufregendes, bis sie beim Hauptquartier angekommen waren. Dort steckte Sharon Serika und Seren zusammen in eine ‚Schlafhöhle’ (minimale Begeisterung von beiden betroffenen Parteien). Außerdem fand einer der Wachposten draußen einen Verletzten und brachte ihn zu den Heilern… dieser Verletzte heißt Jarsha, wie noch keiner weiß. Und Sharon erfuhr, dass einer der Rebellen einen Alleingang gestartet hatte und dabei gestorben war.

    Währenddessen traf die geflüchtete Prinzessin Liliana auf Kyu, den Narren. Beide logen natürlich wie gedruckt über ihre Absichten etc, hinterher kam aber heraus, dass sie gemeinsam zum nächsten Dorf reisten.
    Dort angekommen quartierte Liliana sich in einem Gasthaus ein, während Kyu im Wald nach einer anderen Schlafmöglichkeit suchte. Dort traf er auf den Schtzengel Cylen, der leider eine kleine Höhle für sich beanspruchte.
    Irgendwann kam es dann so, dass Kyu einen Hügel raufkletterte, runterfiel und sich vermutlich das Genick gebrochen hätte, hätte Cylen ihn nicht gerettet, wobei Kyu natürlich reichlich erstaunt war, wie Cylen so schnell den Hügel hochgekommen war… und nervte ihn daraufhin reichlich mit seiner Fragerei.
    Nach einer kleinen Verfolgung durch den Wald und mehreren Diskussionen erklärte Cylen sich denn bereit, seinen ‚Trick’ nochmal vorzuführen, in der Hoffnung, Kyu so loszuwerden.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 14:34


    Was war denn das für eine Frage. Ob er Lust hatte, nochmal nen Hügel runterzufallen?
    "Nee, eigentlich nicht unbedingt. Dann würde ich nämlich schon wieder deinen tollen Trick verpassen und das wollen wir ja nicht oder?", grinste Kyu das Silberhaar vergnügt an. Ob er seinen Trick wohl nur vorführen konnte, wenn jemand einen Hügel herunterfiel? Schwer zu sagen. Hoffentlich nicht.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 16:02


    Es würde Cylen jedenfalls leichter fallen, wenn einer den Hügel runterfiel. Und es war ja auch so schrecklich, dass der Narr den so genannten 'Trick' nochmal verpassen würde... eine Runde Mitleid für den Narren.
    Cylen schenkte diesem also einen relativ herablassenden Blick, stieß sich kurzerhand vom Boden ab, segelte durch die Lüfte und stand im nächsten Moment irgendwo auf Dreiviertelhöhe des Hügels. "Zufrieden?", rief er zu dem Narren herunter.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 16:55


    Kyu starrte das Silberhaar ungläubig an.
    "Wie.. wie hast du das gemacht?", fragte er, auch wenn das so ziemlich gegen das Abkommen war, was sie getroffen hatten. Egal.
    Aber... kein normaler Mensch konnte doch so weit springen. Beim besten Willen nicht.
    Also war er.. Ein Außerirdischer!? Wie ging das denn?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 18:37


    "Ich sage dir nicht, wie ich es gemacht habe, zum x-ten mal", sagte Cylen genervt und verdrehte die Augen gen Himmel. Hoffentlich verkrümelte der Narr sich jetzt, dann könnte er abhauen... denn so lange der da stand und ihn anstarrte konnte er schlecht wegfliegen. Er sollte abzischen... Mann!



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 18:54


    "Ja aber.. aber.. Was bist du denn eigentlich? Ein Außerirdischer? Ein Marsmensch?", fragte Kyu weiter, er konnte sich das beim besten Willen nicht erklären. Für einen Marsmensch sah er nämlich ganz schön menschlich aus. Nicht so, wie er sich Marsmenschen immer vorgestellt hatte. Gab es überhaupt Marsmenschen?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 18:59


    Cylen sah Kyu jetzt extrem herablassend an. Der Junge hatte aber eine ausgeprägte Fantasie... Naja, egal.
    Er tippte sich selbst mit dem Zeigefinger an die Schläfe, was wohl sogar der Narr verstehen musste. "Wo kommst du eigentlich her? Vom Jupiter?", fragte er noch dazu mit einem reichlich spöttischem Unterton. Der. Sollte. Sich. Verziehen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 19:30


    "Nee, ich komme von hier. Aber du bist das erste Silberhaarige Wesen, was mir begegnet ist, dass so weit springen kann.. Und das sah so leicht aus. Ich bin verwirrt", antwortete Kyu, der nun wirklich verwirrt war. Wie um alles in der Welt hatte er das hinbekommen? Das wollte er auch können..



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 19:44


    "Ich kann doch auch nichts dafür, dass ich silberne Haare habe", meinte Cylen sauer. "Und mir ist egal, ob du verwirrt ist", fügte er geradeheraus hinzu. "Lass mich endlich in Frieden, Narr."
    Er war eindeutig genervt. Das musste selbst der Narr merken.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 20:14


    "Aber.. aber..", meinte er noch, ihm gingen langsam die Worte aus. Was sollte er denn noch sagen?
    "Warum erzählst du mir deinen Trick nicht einfach, dann lass ich dich auch ganz bestimmt in Ruhe", bettelte er weiter. Irgendwie musste der sich doch weich kriegen lassen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 21:12


    "Was bitte ist an 'Nein' so schwer zu verstehen? Ich mache es einfach nicht, Ende der Diskussion!"
    Cylen drehte sich schließlich einfach um und marschierte den Rest des Hügels hinauf, was nicht mehr sehr viel war. Und da angekommen machte er sich daran, an der anderen Seite wieder runterzusteigen. Hoffentlich kam der nervige Mensch ihm nicht hinterher - bitte, er sollte nicht hinterherkommen... arg.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 21:18


    "Hey, warte!", rief Kyu dem Silberhaar nach und begann ebenfalls, den Hügel heraufzuklettern, so schnell er das eben konnte.
    Was wäre eigentlich, wenn er jetzt wieder den Hügel runterfallen würde? Vielleicht sollte er das mal ausprobieren. Aber erstmal musste er versuchen, das Silberhaar wieder einzuholen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 21:28


    Der Narr sollte bloß nicht auf die Idee kommen, jetzt den Hügel wieder runterzufallen. So dachte Cylen zumindest, als er hörte, wie selbiger den Hügel erklomm.
    Da der Narr ihn gerade nicht sehen konnte, schwebte Cylen das restliche Stück bis zum Boden und beeilte sich dann, wieder mal zwischen den Bäumen zu verschwinden. Oder so.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 21:31


    "Wartee!", schrie Kyu ihm jetzt hinterher. Der konnte doch nicht einfach so abhauen, ohne ihm seinen Trick zu verraten!
    Als er endlich auf der Spitze des Hügels angekommen war und auf der anderen Seite herunter blickte, konnte er das Silberhaar nirgends mehr entdecken. Weg, wie vom Erdboden verschluckt. Mist aber auch. Was sollte er denn jetzt machen? Er kannte den Trick nicht und stand jetzt ziemlich alleine im Dunkeln auf einem Hügel. Argh. Immerhin hatte er seine Leuchtkugel noch, die ihm wenigstens etwas Licht spendete, auch wenn dieses nicht mehr besonders hell war.
    Vielleicht sollte er sich einen Schlafplatz suchen. Jetzt im Dunkeln weiter dem Silberhaar nachzurennen und ihn womöglich nie zu finden, erschien ihm doch reichlich aussichtslos. Abgesehen davon war er so müde, dass er gleich im Stehen einschlafen würde.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 21:35


    Hahahaaaa! Von wegen warten, war er bekloppt? Nein, ganz sicher nicht.
    Cylen beeilte sich, sich einen Weg zwischen den Bäumen und Büschen hindurch zu bahnen, wobei er diesmal etwas mehr aufpasste, um keine verräterischen Federn zu hinterlassen. Dieser Narr konnte ihm gestohlen bleiben, sollte der doch sehen, wo er blieb... überhaupt, Menschen! Wofür waren die gut?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 21:36


    Schließlich verschränkte Kyu trotzig die Arme und machte sich an den Abstieg.
    Dieses Silberhaar konnte ihm doch gestohlen bleiben. Dann wusste er eben den tollen Trick nicht. Dafür wusste er bestimmt ganz viele andere viel tollere Tricks mehr.
    Jetzt musste er erstmal wieder zurück zu der Höhle finden.. Immerhin die hatte er bekommen. Yeah!



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 21:38


    Cylen verlor sich also in philosophischen Gedanken darüber, wozu Menschen gut waren (was die unausweichliche Folge hatte, dass er zu dem Schluss kam, dass sie zu nichts gut waren, wie Schmeißfliegen etwa), während er sich seinen Weg durch das Unterholz bahnte. Frage war nur, wo er jetzt hinsollte... bei nächster Gelegenheit würde er wohl einfach einen kleinen Rundflug machen und sich eine neue Höhle suchen. Denn die Alte hatte jetzt der Narr. Mist.

    Liliana fläzte sich derweil immernoch auf ihrem Bett herum. Ihrem Bett. Bett. Bett! Man konnte es gar nicht oft genug sagen, bzw. denken, denn es war toll, nicht draußen schlafen zu müssen. Wie ein gewisser Junge mit einer Maske. Hehe. Schadenfreude war doch immernoch die schönste Freude.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 21:39


    Nachdem Kyu einige Zeit lang durch den Wald geirrt war und die Höhle gesucht hatte, in dem das Silberhaar vorher geschlafen hatte, hatte er sie endlich gefunden. Das war auch gut so, denn seine Leuchtkugel würde bald den Geist aufgeben.
    Er kramte einige Sachen aus seinem Rucksack und richtete sich notdürftig ein Nachtlager ein.
    Aber er hatte irgendwie Hunger. Also wühlte er weiter, bis er etwas Brot gefunden hatte, wickelte sich in eine Decke ein und begann auf dem trockenen Stück Brot herumzukauen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2009, 21:42


    Nach einer Weile, als er auf eine weitere kleine Lichtung gekommen war, gab Cylen denn auch mal seine Tarnung auf, breitete die schneeweißen Flügel aus und stieß sich vom Boden ab. Wenn jemand zu ihm rüberschauen würde, würde er oder sie sich wahrscheinlich wundern, was da so hell war vor dem düsteren (und immernoch bewölkten) Nachthimmel... naja, sollten sie mal überlegen.
    Er flog einigermaßen ziellos in die erstbeste Richtung. Hauptsache weg von dem Narren.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 07.03.2009, 21:45


    Kyu kaute also auf seinem Stück Brot herum und starrte gedankenverloren zum Himmel. Ob er das Silberhaar wohl nochmal wieder treffen würde? Vielleicht. Hoffentlich. Dann konnte er ihn nochmal nach dem Trick fragen. Vielleicht würde er ihm dann ja etwas sagen. Irgendwie war dieser Typ schon komisch gewesen. Kyu erinnerte sich daran, wie er auf den Hügel gesprungen war. Es hatte irgendwie leicht ausgesehen, so, als ob er sich garnich richtig hatte anstrengen müssen. Aber er hatte keine Flügel oder sowas, und ohne Flügel konnte man nicht fliegen. Aber anscheinen konnte er das doch. Irgendwie war das.. verwirrend..
    Da das ganze Nachdenken sowieso nichts bringen würde, starrte er weiter den Himmel an. Er war.. dunkel. Und da waren ziemlich viele, ebenso dunkle Wolken, und eine weiße Wolke, die ziemlich schnell an den anderen Wolken vorbeiflog. An einer Stelle konnte er den Mond durch die Wolkendecke erkennen.
    .......
    Moment mal, eine weiße Wolke, die ziemlich schnell an den anderen Wolken vorbeifliegt?, dachte Kyu verwundert und sah nochmal hin.
    Ja, da flog etwas, etwas ziemlich helles. War das wirklich eine Wolke? Wohl eher nicht. Wahrscheinlich nur ein Vogel, der sich in der Nacht verirrt hatte. Ein ziemlich großer und heller Vogel eben.. Egal.
    Er wollte gerade wieder von seinem Brot abbeißen, da merkte er, dass er es schon längst aufgegessen hatte. Naja, er hatte sowieso keinen wirklichen Hunger mehr.
    Also beschloss er, sich schlafen zu legen. War schon genug komisches Zeug heute passiert....



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 09.03.2009, 23:53


    Serika trat wortlos in Sharons Zimmer und blieb einige Meter vor Sharon selbst stehen. Ein kurzes, nicht sehr freundliches "Also?" war das einzige, was sie sagte. EIne Begrüßung wäre echt zu viel verlangt gewesen, aber wahrscheinlich war das Sharon auch eher egal...
    Serika wartete also schweigend darauf, das Sharon etwas sagte, während sie
    den Blick durch den Raum (bzw. die Höhle) schweifen ließ - natürlich gänlzlich ohne irgendwelche Emotionen zu zeigen. Außer vielleicht etwas Langeweile xP...



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 10.03.2009, 20:25


    Sharon sah auf und nickte Serika knapp zu. Die hatte Glück, dass sie überhaupt sowas wie eine Begrüßung kiegte, sie sollte sich nicht beschweren (und schließlich hatte sie sie auch nicht begrüßt). Auf diese Geste folgte auch noch ein "Setz dich" mit einem weiteren Nicken, diesmal in Richtung eines der zwei weiteren Stühle im Raum (bzw. in der Höhle). Sharon hatte heute tatsächlich ihren überfreundlichen Tag. Aber Frau konnte sich schließlich nicht ständig über alles aufregen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 10.03.2009, 21:52


    Serika folgte der Anweisung (nicht aus Unnterwürfigkeit oder Gehorsam, versteht sich) und setzte sich auf einem der herumstehenden Stühle nieder.
    "Ich höre."
    Nur diese zwei Worte. Da haben sich ja zwei sehr gesprächige Menschen gefunden... Serika nahm jetzt also an, keine verbalen Äußerungen mehr von sich geben zu müssen. Außer vielleicht ein Zeichen, dass sie alles verstanden hatte - schließlich wollte Sharon ihr doch jetzt Regeln erklären, oder?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 10.03.2009, 22:00


    Tja, leider würde Sharon doch noch ein paar verbale Äußerungen verlangen. Sie ließ ihren üblichen durchdringenden Blick, der oft dafür sorgte, dass die Leute ziemlich zusammenschrumpften, auf Serika ruhen und fing dann an.
    "Zuerst möchte ich wissen, was du dir hier vorstellst. Jedes Mitglied unseres Bundes hat seine ganz speziellen Aufgaben; manche sorgen für die Kranken und Verletzten, manche für das Essen, manche betätigen sich als Spione und so weiter. Oder es sind nur Menschen, die bei uns Schutz suchen, aber auch die haben Aufgaben. Zu welcher Gruppe willst du gehören?"



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 12.03.2009, 21:44


    Serika sah sie einen Moment stirnrunzelnd an.
    So kompliziert hatte sie sich das nicht vorgestellt.. Sie wollte möglichst viele Adlige ins Jenseits befördern.
    Und nicht.. kochen oder soetwas .
    "Was denkst du denn? Dass ich Hausfrau spiele? Ich möchte etwas Hilfreiches gegen den Adel unternehmen oO."



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 12.03.2009, 22:20


    Sharons Blick änderte sich eine Spur und ging jetzt ins Vernichtende. Mal wieder. Seit gut einer halben Stunde spürte sie einen dumpfen Kopfschmerz und hatte eigentlich nicht wirklich den Nerv für diesen Mist. Sie sollte irgendwen ernennen, er sich mit sowas rumschlug. Jah, das war die Idee. Nur jetzt erstmal nicht anmerken lassen, dass es ihr schlecht ging...
    "Das wäre auch hilfreich", sagte Sharon bewusst ruhig und hoffte, dass sie jegliche Spur von Genervtheit aus ihrer Stimme verbannt hatte. "Aber schön. Am besten machst du bei den Jägern mit, aus irgendeinem Grund ist hier kaum jemand in der Lage etwas Essbares zu schießen... und dann schau ich mal wie ich dich einbaue."



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 12.03.2009, 22:55


    Die Einäugige sah sie leicht schokiert an. Es war nicht so, dass sie sich nicht für diese Aufgabe fähig fühlte. Sie hatte bloß noch nie einem Tier wehgetan und würde dies auch niemals tun. Selbst eine dumme, fette Ratte könnte ihr Herz erwärmen - was im völligen Gegensatz zu ihrer Bezihung zu anderen Menschen stand. "Diese Aufgabe werde ich nicht übernehmen. Ich verletzte keine Tiere. Und ich hoffe doch, dass bei euch auch noch etwas anderes als Fleisch auf dem Speiseplan steht, ansonsten müsste ich mir ja jeden Tag selber etwas zu Essen holen ~.~. Um nochmal auf die Aufgabenverteilung zurück zu kommen - da werde ich mich wohl am ehesten als 'Spion' einsetzen", sagte sie in einem ruhigeren Ton als vorher. Hoffentlich hatte
    Miss 'Das-wäre-auch-hilfreich' das jetzt kapiert.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 12.03.2009, 22:58


    Widerworte. Gab es etwas, was Sharon mehr hasste? Naja, den Adel vielleicht, aber sonst nicht viel... leider konnte sie diese Serika nicht zwingen zu machen, was sie wollte und elendigerweise schien die sich nicht so leicht einschüchtern zu lassen wie die meisten anderen. Davon wurden ihre Kopfschmerzen auch nicht besser.
    Auf das mit dem Essen ging Sharon mal nicht weiter ein, sondern konzentrierte sich darauf, eine sinnvolle Aufgabe für Einauge zu finden.
    "Ich hoffe mal, du kannst nachvollziehen, dass ich dich erstmal nicht als 'Einzelspion' irgendwo hinschicken kann." Ich wäre ja schön blöd... "Mal sehen, wo ich dich mitschicke." Oder mitnehme. Am besten würde sie da mitgehen. Jah, das wäre am schlausten. "Bis dahin kannst du ja ein paar der Wachschichten übernehmen", fügte Sharon schließlich noch hinzu. Wachen war üblicherweise sterbenslangweilig. Rache x3



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 13.03.2009, 23:45


    "Ah oO." Serikas plötzlicher Anfall von Gesprächigkeit ebbte direkt wieder ab und sie antwortete mal wieder nur einsilbig.
    Ich hätte sie, wäre ich sie, auch nicht als Einzelspion weggeschickt - dann wäre ich ja schön blöd - aber ich hab wenig Lust, mich mit irgendwelchen stumpfsinnigen Tollpatschen abzugeben..
    Ach, wahrscheinlich wird's nicht allzu schlimm, ich kann die bestimmt abhängen. Die Wachschichten stellte sich Serika recht angenehm vor - allein in der Natur, Ruhe.. *_*
    "Wann soll ich wo anfangen?", erkundigte sich die Kämpferin noch, auf ein baldiges Ende diese Gesprächs hoffend. Nein, Moment, dann musste sie ja zurück zu dieser Seren.. bäh.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 14.03.2009, 20:34


    "Ich lasse dir dann Bescheid geben", entgegnete Sharon, da sie ja erstmal gucken musste, wer überhaupt alles mit Wachen dran war und so weiter. Sie wollte Serika schon wegschicken, als ihr noch was Wichtiges einfiel. Mann, ihr Gehirn fühlte sich an wie ein Stück Watte x.x
    "Noch zu unseren Regeln... wir haben drei festgelegt, die jeder - und damit meine ich jeder hier zu beachten hat.
    Die erste ist wohl ziemlich klar: Nichts tun, was dem Bund, also uns und unserer Aufgabe, schaden könnte. Zweitens müssen die Mitglieder des Bundes sich gegenseitig schützen. Und drittens" Sharon fixierte Serika mal wieder mit ihrem Blick. "werden wir niemals unschuldige Personen verletzen und uns auf das Niveau des Adels herablassen."
    Man konnte sich vielleicht denken, dass sie sich diese Regeln selber ausgedacht hatte. Hatte sie aber nicht, die waren von allen gemeinsam beschlossen worden, als sie den Bund gegründet hatten. Genau wie das alberne Ritual, das jetzt folgte. "Jeder, der dem Bund beigetreten ist, hat geschworen, diese Regeln zu beachten. Also...", sagte Sharon auffordernd.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 14.03.2009, 23:02


    Serika schluckte unhörbar. So etwas in der Art hatte sie sich schon gedacht, aber es traf sie doch wie ein Schlag (was sie sich natürlich nicht anmerken ließ). Die erste Regel war ja noch in Ordnung, aber mit der zweiten Regel verlangte Sharon schier Unmögliches. SIE sollte irgendwelche Deppen wie diese Seren schützen?!?! Bäh..
    Und zu der Einhaltung der letzten Regel fühlte sich Serika überhaupt nicht fähig. Sollte sie jetzt bei jeder Person, bevor sie sie tötet, fragen, ob sie etwas Böses getan hatte?!? Ihr Motto war eigentlich eher gewesen, alles was mit dem Adel zu tun hatte (der Adel einschließlich) abzuschlachten. Diese Regelung brachte ihre ganzen Prinzipien durcheinander .___.'. Schließlich seufzte Serika jedoch resignierend. Wenn sie sich hier irgendwo einfügen wollte, dann musste sie diesen wirklich dämlichen Regeln zustimmen, so schwer es ihr auch fiel.
    Die Einäugige sah Sharon entschlossen an. "Ich schwöre, diese Regeln zu beachten und nicht zu verletzen... sonst noch was?"



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 15.03.2009, 00:16


    "Nein, das war's", meinte Sharon, sorgsam darauf achtend, sich ihre eigene Erleichterung nicht anmerken zu lassen. Wobei sie gleich wahrscheinlich noch nachsehen musste, wie es diesem Kerl ging, en sie im Schlamm gefunden hatten...
    "Ich denke mal, wenn du noch irgendwelche Fragen hast, kann auch Seren oder wer anders dir weiterhelfen", fügte sie noch hinzu, nur damit klar war, dass sie nicht mit eben diesen Fragen genervt werden wollte. Soweit kam's noch.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 15.03.2009, 21:41


    Seren... sie würde selbstverständlich auf keine Fall diese Seren etwas fragen... bäh. Zumindest war dieses Gespräch endlich erledigt. Gut. Diese selbe Erleichtugn wie Sharon überfiel Serika, was sie aber nicht unbedingt zu verstecken versuchte. Serika erhob sich, sagte noch die Worte "Na dann" zu Sharon, ehe sie sich abwandte um zu gehen. (Folgenden Teil streichen, falls Sharon noch etwas zu ihr sagen wollte) Sie durchquerte den Raum mit großen Schritten, um möglichst schnell von dieser Chefin wegzukommen. Die wohl schlimmsten Personen, denen Serika bei den Rebellen bisher begegnet war, waren Sharon udn Seren - und genau mit diesen beiden Personen würde sie wohl am meisten zu tun haben müssen. Fing ja alles PRIMA an...
    Die Einäugige ging, darauf bedacht, sich Zeit zu lassen, zu 'ihrer' Höhle zurück. Zumindest hoffte sie, dass dies der richtige Weg war...
    Sie marschierte an einer weiteren Höhle vorbei, aus der ein leises Stöhnen zu hören war. Aber sie kümmerte sich nicht weiter darum, dem Stöhnenden würde doch gefälligst ein anderer Rebell helfen. Dies erinnerte sie wieder an diese beschissenen Regeln. Verdammt. Was hatte sie soich bloß dabei gedacht, als sie aus diese irrsinnige Idee kam, sich dem Bund der Adler anzuschlißen.. argh. Während sie dies dachte, merkte sie, dass sie vor ihrer Höhle angekommen war. Oh nein, da drinnen würde icher schon diese Seren warten... bäh.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 15.03.2009, 21:44


    Sharon sah Serika nur kurz hinterher und schnappte sich dann ein Blatt Papier und einen Stift, um den Wachplan nochmal neu umzukrempeln. Sie hätte das natürlich auch noch später machen können, aber besser, es war erledigt... Leise stöhnend und über ihre Kopfschmerzen fluchend, denn nun war ja keiner da, der es hören konnte, zeichnete Sharon eine Tabelle, oben drüber die Zeiten und links daneben die Wachplätze, fing dann an scheinbar willkürlich Namen einzusetzen. Allerdings hatte sie sich wirklich bei allem etwas gedacht. Trotzdem war diese Beschäftigung nervtötend, vor allem mit dem dumpfen Pochen im Schädel. Wenn sie nachher noch nach diesem Verletzten sah, würde sie sich unauffällig ein Schmerzmittel schnappen. Man musste sowas ja nicht auch noch rumposaunen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 15.03.2009, 23:03


    Aevar hörte Schritte vor dem Höhleneingang und spitzte die Ohren. Das war bestimmt diese.. Serika. Nein, er mochte dieses Mädchen nicht, wirklich nicht.
    Seren war schon eingeschlafen, aber er hatte sich vorgenommen, zu warten, bis das Einäugige Mädchen wieder da war.
    Er vertraute ihr nämlich nicht. Allein deswegen, weil sie nur noch ein Auge hatte. Und wenn jemand nur noch ein Auge hatte, dann meistens durch einen Kampf, das wusste er.
    Bei einigen anderen Vreyls aus seinem Clan war das auch einige male vorgekommen, ja, das war es.
    Und jemand, der oft kämpfte, hatte oft Geheimnisse, dunkle Geheimnisse. Wer konnte schon wissen, wen dieses Mädchen schon alles auf dem Gewissen hatte? Oder warum sie nur noch ein Auge hatte?
    Er zumindest nicht. Auch wenn es ihn interessiert hätte, das musste er zugeben. Aber in absehbarer Zeit würde er das wohl nicht erfahren.
    Naja, man konnte auch ohne diese Information leben.
    Er hob leicht den Kopf und blickte in Richtung Höhleneingang, wartend, dass Serika gleich hinein kommen würde.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 17.03.2009, 22:19


    Und das tat sie auch. Mit großen Schritten lief sie geradewegs auf ihr 'Lager' zu und schenkte Seren und Aevar noch nicht mal einen Blick. Sie realisierte aber aus dem Augenwinkel, dass Seren schlief. Der seltsame Vreyl nicht. Kein Wunder, die beiden trauten ihr wahrscheinlich so viel wie ein Meerschweinchen einem Adler. Normalerweise mochte Serika Tiere, ja, sie liebte sie. Aevar allerdings war eine Ausnahme. Er war viel zu menschlich... Und, und dies war wohl ihre schwerwiegendere Begründung, er gehörte zu dieser Seren... bäh. Serika würde sich wohl kaum mit ihm anfreunden. Das Gleiche galt aber auch für jeden einzelnen Menschen hier. Eigentlich galt das für jeden Menschen... naja, auch egal. Sie legte ihre Schuhe neben ihrem 'Bett' ab. Lune und Lumen nahm sie direkt mit unter die Bettdecke - genauso wie ihr niemand traute, traute sie niemanden.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 18.03.2009, 21:29


    Schließlich hatte Sharon es geschafft und rollte den Plan zusammen, ihn sich in die Tasche ihrer Hose schiebend. Den musste sie gleich noch aufhängen. Jetzt nur noch den nach dem Verletzten sehen und Schmerzmittel klauen...
    Möglichst leise ächzend, denn man wusste ja nie, wer vor der Tür stand, erhob die Rebellenanführerin sich von ihrem Stuhl und stapfte aus der Höhlenkammer auf den Gang und in Richtung der Krankenhöhle. Dazu musste sie zum Glück nichtmal denken, sie kannte das Tunnelsystem praktisch auswendig, zumindest den Teil, den sie bewohnten. Und nach ein paar Minuten war sie auch schon da und schlug die Vorhänge im Eingang zur Seite.
    Als sie schließlich im 'Krankenzimmer' angekommen war, trat sie näher an das Lager heran und musterte den Verletzten, wozu sie vorher nicht gekommen war - Die Verletzungen sahen wirklich unschön aus - stellte fest, dass sie hier erstmal nichts tun konnte und wanderte zum Regal hinüber, aus dem sie sich ein paar Kräuter schnappte, von denen sie wusste, dass sie gegen Kopfschmerzen halfen. Dann verkrümelte sie sich wieder in Richtung ihrer Höhle. Schlafen...



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 22:43


    Kyu wurde von einem Vogel geweckt, der anscheinend gerade in seiner Nähe auf Nahrungssuche war und dabei ziemlichen Lärm veranstaltete.
    Verschlafen blinzelte er in das helle Morgenlicht und wühlte sich aus seinen Decken.
    Etwas unverständliches von einem harten Boden vor sich her brummelnd, suchte er sich in der Nähe einen Bach, wo er sich wusch und seine Trinkwasservorräte auffüllte.
    Nachdem er sich soweit fertig gemacht und seine Sachen zusammen gepackt hatte, betrachtete er zum ersten mal richtig seine Umgebung, die ihm in der letzten Nacht aufgrund der Dunkelheit fast vollständig entgangen war:
    Er befand sich in einem - doch recht großen - Wald, der hauptsächlich aus ziemlich hohen Birken bestand. Hier und dort standen auch ein paar Nadelbäume und Buchen, und er hörte von überall Vögel zwitschern.
    Es war ein recht milder und sonniger Tag, und im Gegensatz zu gestern sah es nicht wirklich nach Regen aus.
    Während Kyu seine Maske aufsetzte und seinen Rucksack schulterte, überlegte er, aus welcher Richtung er gestern überhaupt gekommen war.
    Er hatte nicht die leiseste Ahnung, wie er nach kurzer Zeit feststellen musste.
    Daher sah er sich kurz um und entschied sich dann auf Gut Glück für irgendeine Richtung, in die er dann losging.
    Irgendwo würde er schon ankommen, und zwar hoffentlich bei dem Dorf, in dem Lia war.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 19.03.2009, 22:44


    Liliana drehte sich um und blinzelte, als Sonnenlicht durch das Fenster auf ihr Bett fiel. Noch leicht benommen setzte sie sich auf und fuhr sich mit den Fingern durch das verwuschelte schwarze Haar, das jetzt in alle Richtungen abstand. Sie wusste natürlich, wie sie morgens immer aussah; das einzige Problem war nur, dass es in diesem Raum keinen Spiegel gab und sie sich einfach mal auf gut Glück kämmen musste. Aber wenigstens hatte sie heute nicht die Sorge, dass ihr überall Käfer hingen, wo sie doch mal ausnahmsweise in einem Haus geschlafen hatte.
    Als sie das also vollbracht hatte, taperte die müde Prinzessin zum Fußende des Bettes, über das sie ihr Kleid gehängt hatte (das übrigens auch schonmal bessere Tage gesehen hatte. Bei solchen Gedanken wünschte man sich fast, man wäre nicht von zu Hause weggelaufen). Nun musste sie nur noch etwas Essbares auftreiben, Geld hatte sie sich ja zum Glück reichlich eingesteckt. Also auf ging's!



    Ding, dong, ding, dong...
    Sharon wälzte sich auf den Rücken und fuhr sich mit der Hand über die Stirn, dann setzte sie sich vorsichtig auf. Offensichtlich hatte der Tee, den sie sich aus den geklauten Kräutern gemacht hatte, seine Wirkung entfaltet, jedenfalls hatte sie tief und fest geschlafen und die Kopfschmerzen waren verschwunden - trotzdem fühlte sie sich, als wäre sie von einer Herde wild gewordener Kühe überrannt worden. Am liebsten hätte sie sich sofort wieder hingelegt und die Augen zugemacht, aber die Glocke, die die Bewohner des Rebellen-Stützpunktes zum Frühstück rief, befahl etwas anderes.
    Vorsichtig kroch Sharon im Halbdunkel, denn durch die Spalte im Türvorhang fiel etwas Licht herein, zu dem Leuchtkugelhalter an ihrer Wand und tauschte dort die Kugel gegen eine Neue aus, die sie einmal fest dürckte und die daraufhin zu Leuchten anfing. Sie würde für gut zwölf Stunden reichen, es war eine der guten Kugeln, die sie dem Adel zwischendurch geklaut hatten und von denen sie inzwischen eine ganze Menge besaßen, die meisten befanden sich in den Halterungen in der Halle und wurden regelmäßig von den zuständigen Rebellen ausgetauscht. Die Kugeln, die sich entladen hatten, kamen dann in Behälter, die sie entweder in die Sonne stellten oder über Feuer hängten, wenn es bewölkt war. In einen dieser Behälter würde auch Sharon ihre Kugel gleich tun. Doch erstmal frühstücken...
    Ächzend stieg Sharon in ihre Kleidung, eine Lederhose und ein schlichtes dunkelblaues, jedoch schon etwas ausgeblichenes Oberteil, dazu ihre üblichen Stiefel und natürlich der Gürtel mit dem Schwert, das ihr heute irgendwie doppelt so schwer vorkam. Dann schlug sie den Vorhang zum Gang zur Seite und trat nach draußen, sich alle Mühe gebend, aufrecht zu laufen. Wobei sie ja nicht wusste, dass ihr Gesicht wesentlich blasser war als sonst und sie schlicht krank aussah, da sie sich nicht die Mühe gemacht hatte, in einen Spiegel zu sehen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 22:45


    Seren schlug mit dem Läuten der Glocke die Augen auf.
    Ihr erster Gedanke galt dem Mädchen, mit dem sie sich von nun an die Höhle teilen musste.
    Dieser Serika. Pah.
    Sie schlug ihre Decke zur Seite und warf einen kurzen Blick in die Richtung, in der die Einäugige liegen musste, aber wenn sie schon wach war, dann ließ sie es sich nicht anmerken. Sofern sie überhaupt noch da war. Aber die Chancen, dass sie über Nacht abgehauen war, standen denkbar gering.
    Der Gedanke, sich jetzt auch noch im gleichen Raum wie die umzuziehen, behagte ihr überhaupt nicht. Aber sie hatte ja sowieso keine Wahl.
    Sie stand auf und tastete - wie jeden Morgen - im Dunkeln nach der Leuchtkugel, die hier irgendwo herumliegen musste.
    Nachdem sie sie gefunden hatte, tastete sie sich zu der Halterung an der Wand vor, nahm die alte Kugel heraus und tauschte sie gegen die neue aus, welche nach kurzem Drücken begann, ein recht helles Licht auszustrahlen, sodass Seren die Augen zusammen kneifen musste.
    Nachdem sich ihre Augen an das Licht gewöhnt hatten, strich sie Aevar kurz mit einem "Guten Morgen" über das Fell und begann dann, sich ihre Kleidung zusammen zu suchen.
    Serika warf sie dabei nur einen kurzen Blick aus den Augenwinkeln zu.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 19.03.2009, 22:50


    Die Einäugige wälzte sich im Schlaf herum und- au! Sie lag auf irgendwas... Spitzem. Von dem Schmerz aufgeweckt fluchte Serika leise und drehte sich erstmal wieder von Lune runter. Ah, sie lebte noch. Diese Seren hatte ihr also über Nacht nicht den Hals durchgeschnitten... wie beruhigend. Lumen war neben Lune positioniert und die beiden Schwerter schienen sich gerade zu über Serikas Ungeschicktheit lustig zu machen. Was natürlich nicht ging, es waren ja nur Schwerter. In der Höhle war es noch dunkel und sie nahm ein leises ein- und ausatmen wahr. Vermutlich von dieser Seren.. bäh. Es war jedenfalls ziemlich einlullend und diesem Geräusch lauschend fielen Serika wieder die Augen zu. DING DONG! ARGH! Serika schreckte bei dem Läuten auf und piekste sich dieses mal an Lumen. Das war nun die Strafe für ihr Missvertrauen... Sie hörte, wie sich auf der anderen Seite der Höhle jemand bewegte und von seinem Lager aufstand. Wahrscheinlich diese Seren... bäh. Oh Mann, bei allen Waldgeistern, musste die da ausgerechnet pünktlich zum Läuten aufstehen? Serika fühlte sich hundemüde und wäre auf der Stelle wieder eingeschalfen - wenn diese Seren keine neue Leuchtkugel angeschaltet hätte, die schlagartig die ganze Höhle mit einem grellen Licht füllte. Serika brummte etwas und lugte zu Seren rüber, die nun begann, ihre Kleidung zusammen zu suchen. Serika pellte sich ihrerseits murrend aus ihrem Lager und zog ihre Schuhe über die nackten Füße. Sie hätte sich jetzt theoretisch auch umgezogen, genauso wie diese Seren, aber das Probelm war, dass sie schlicht und einfach keine andere Kleidung hatte als die, die sie an hatte. Außerdem mochte sie ihre Kleidung und würde wohl kaum einen der Rebellen fragen, ob sie ihr Kleidung borgen würden. Sobald sie Stoff, Nadel, Faden und Zeit hätte, würde sie sich ein zweites Outfit nähen. Ihre Nähkünste waren ziemlich gering, aber sie reichten, um die verschiedenen Stoffteile zusammen zu halten. Schließlich hat es nie jemanden gegeben, der Serika Kleidung genäht hatte und würde es in Zukunft auch nicht geben. Außerdem... wer würde schon Sachen nähen, die Serikas Geschmack entsprächen?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 22:51


    Nachdem Seren sich umgezogen hatte - sie trug ein hellgraugrünes, an einigen Stellen schon geflicktes T-Shirt, eine ebenso geflickte, beige Hose und dazu Stiefel.
    Darüber hatte sie, wie eigentlich immer, zwei 'Schärpen', die wiederrum in mehrere Streifen aufgeteilt waren.
    Ein Teil verlief über ihre Schulter, der andere lag um ihre Hüften, ebenso wie ein Band mit einem Anhänger, an dem eine Feder befestigt war.
    Aevar hatte an seinem linken Vorderbein eine Art Band, an dem ebenfalls eine Feder war, und Federn zierten auch den Köcher des hellhaarigen Mädchens.
    Seren fuhr sich mit den Fingern durch ihre kurzen Haare, damit sie nicht ganz so zerzaust aussahen und trottete dann aus ihrer kleinen Höhle hinaus in das Tunnelsystem.
    Dabei achtete sie genau darauf, Serika auch ja keines Blickes zu würdigen, sondern dieses Einäugige Etwas schlichtweg zu ignorieren.
    Was wohl kaum gehen würde, da sie ja leider den gleichen Weg hatten.
    Aevar trottete wie üblich neben ihr her, besonders gut gelaunt sah er nicht aus.
    Was wahrscheinlich daher kam, das er nicht gerne früh aufstand, so viel hatte Seren mittlerweile mitbekommen; auch wenn sie sonst nicht sehr viel über den Charakter ihres vierbeinigen Gefährten wusste.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 19.03.2009, 23:05


    Serika blieb eine Weile einfach auf ihrem Lager sitzen und schnallte sich dann extra langsam Lune und Lumen auf den Rücken. Als sie hörte, dass das Kleiderrascheln von dieser Seren stoppte, schielte sie unaufällig zu ihr. Diese fuhr sich noch kurz durchs Haar - was diese Serikas Meinung nach nur noch zerzauster aussehen lieaß - und trottete aus der Höhle hinaus. Serika schnappte sich schnell ihren Strohhut (setzte diesen aber nicht auf) und folgte
    Seren und Aevar. Es war ja nicht so, dass sie den Weg vergessen hätte... Es war nur so, dass sie sich ihn von vorne rein nicht wirklich germerkt hatte. Hoffentlich fiel das dieser Seren nicht auf. Also, dass Serika ihr folgte und dass sie den Weg vergessen hatte. Naja, aber wie auch, sie mussten doch sowieso den gleichn Weg gehen. Hach, irgendwie war diese Seren schon ganz praktisch... Also als Führerin oo.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 23:07


    Sie folgte ihr. Hah. Dieses einäugige etwas folgte ihr.
    Hah, das hieß, dass sie den Weg nicht mehr wusste und somit auf sie angewiesen war.
    Wenn sie jetzt fies gewesen wäre, wäre sie jetzt irgendwo hingelaufen, wo diese Serika überhaupt nicht hinwollte. Sie hatte ja immerhin keine Ahnung, wohin sie liefen.
    Allerdings war Seren momentan nicht wirklich nach solchen Späßen, sie hatte Hunger und wollte erstmal was in den Magen bekommen.
    Sie bog gerade in einen anderen Gang ab, als sie hörte, wie ihr jemand entgegen kam, wahrscheinlich, weil dieser jemand gleich ebenfalls in einen der großen Haupttunnel, die zum Essensplatz führte, biegen wollte.
    Kurz darauf erkannte sie eine ziemlich blasse Gestalt, die sie im ersten Moment fast als Geist bezeichnet hätte, hätte sie nicht gewusst, dass diese Person noch am Leben sein musste.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 19.03.2009, 23:09


    Sharon ging weiter ihres Weges, mehr automatisch als wirklich bewusst, als sie Schritte hörte. Natürlich, sie war nicht die einzige, die zum Frühstück wollte.
    Die Rothaarige blickte auf und erkannte Seren und Aevar, mit dieser Serika im Schlepptau. Na toll, die kann ich jetzt auch gerade gebrauchen, dachte sie finster. Am besten ignorierte sie sie einfach. Ja, das war wohl das beste.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 23:12


    Sharon.
    Nein, Moment.
    DAS sollte Sharon sein?
    Sie sah nicht besonders gut aus, war weiß wie ein Gespenst und ihre roten Haare waren irgendwie matter als sonst.
    Oder kam ihr das nur so vor?
    Auf jeden Fall sah sie absolut nicht gut aus, geradezu beängstigend.
    So.. krank. Nicht in dem Sinne von verrückt, sondern in dem Sinne von dringend Ruhe bedürftig.
    Nur, dass Sharon sich das wohl niemals eingestehen würde, da war Seren sich sicher. Da sie es aber nicht unbedingt auf einen Streit mit ihrer Anführerin ankommen lassen wollte - schon gar nicht in dem Zustand - beschloss sie, diese besser nicht darauf anzusprechen. Zumindest nicht jetzt.
    Stattdessen murmelte sie ein halblautes "Guten Morgen" in ihre Richtung, auch wenn das 'Guten Morgen' etwas besorgt klang, was sie eigentlich gar nicht beabsichtigt hatte.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 19.03.2009, 23:14


    "Morgen", grummelte Sharon und es klang, wie sie irritiert feststellte, nicht halb so grob wie normalerweise. Sie brauchte dringend was zu essen. Wobei... so einen Hunger hatte sie auch nicht. Außerdem tat ihr Hals beim Sprechen ziemlich weh, sie hatte Glück, dass sie nicht total heiser war. Also erst etwas trinken, bevor sie etwas aß. Es kam ja vor, dass man einen trockenen Hals hatte.
    Nach dieser nette Begrüßung - was sollte eigentlich der besorgte Unterton von Seren? - bog Sharon in den Gang ab, der zur Haupthöhle führte. Von dort drangen schon Stimmen und teilweise Gelächter herüber.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 23:17


    Seren wollte ja nichts sagen - oder besser denken - , aber Sharon hörte sich mindestens genauso schrecklich an, wie sie aussah.
    Nicht unbedingt schrecklich, aber der befehlende, herrschende Unterton fehlte fast gänzlich.
    So nett klang sie sonst nie.
    Eindeutig krank.
    Ein kurzer Blickwechsel mit Aevar sagte ihr, dass der Vreyl ähnlich dachte.
    Fast hätte sie sich auch noch zu dieser Serika umgedreht, besann sich dann aber im letzten Moment doch noch eines besseren.
    Nein, deren Meinung brauchte sie nun wirklich nicht.
    Mit einigen Metern abstand ging das Mädchen Sharon hinterher, in Richtung Haupthöhle, aus der ihr jetzt schon ein ziemliches Stimmengewirr entgegen schlug.
    Wie die anderen Rebellen wohl auf ihre Anführerin reagieren würden? Ob sich irgendjemand trauen würde, etwas zu sagen?
    Fraglich. Wirklich fraglich..



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 19.03.2009, 23:18


    Sharon betrat die Haupthöhle. Die meisten Rebellen waren schon anwesend, die meisten warteten noch darauf, dass sie an die Reihe kamen, sich ihr Frühstück bei den Zuständigen abzuholen.
    Sharon steuerte auf einen dieser Zuständigen zu, nebenbei registrierend, dass einige ihr reichlich merkwürdige Blicke zuwarfen, die Augen aber gleich auf den Boden richteten, wenn sie zu ihnen hinübersah. Seltsam... hatten sie wohl irgendetwas angestellt?
    Sie würde sich mal genau umhören müssen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 23:21


    Seren beobachtete die Reaktionen der anderen, und diese waren in etwa so, wie sie erwartet hatte.
    Natürlich, wenn irgendjemand Sharon jetzt ansprach, bekam er vermutlich als Strafe irgendeinen von den langweiligsten Nachtwachenschichten zugeteilt. Oder sowas in der Richtung.
    Das Mädchen warf der rothaarigen noch einen schnellen Blick zu, dann stellte sie sich zusammen mit Aevar in die Schlange, die sich vor der Essensausgabe gebildet hatte.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 19.03.2009, 23:21


    Das Praktische an dem Anführerdasein war, dass sie sich nicht damit aufhalten musste, in irgendwelchen Schlangen zu stehen.
    Stattdessen traten alle sofort zur Seite und ließen Sharon durch, die von einer jungen Frau, ungefähr in ihrem eigenen Alter, ein Brot, eine frische Birne und einen Becher mit Wasser bekam; in Etwa das übliche Frühstück, heute gab es sogar Käse aufs Brot, auch wenn der schon etwas trocken war.
    "Alles in Ordnung, Sharon?"
    Irritiert blickte sie von ihrem Wasser auf, das sie gerade in die Hand genommen hatte und sah die Frau an.
    "Natürlich, Sina. Warum fragst du?" Noch irritierter hob Sharon eine Augenbraue. Warum hielt sie den ganzen Verkehr mit dieser absolut unnötigen Frage auf?
    "Ach, nichts. Ich dachte bloß..."
    Aber was Sina gedacht hatte, erfuhr Sharon nie, denn sie wandte sich ruckartig ab und machte Platz für den Nächsten.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 23:24


    ~Zeitsprung: Nach dem Frühstück~

    Seren unterhielt sich gerade mit einer Rebellin, die ihr gegenüber am Tisch saß, über Serika, und das weißhaarige Mädchen war gerade dabei, auszuführen, wie schrecklich sie doch war, als plötzlich ein Rebell herreinkam und einige Meter von Sharon entfern stehen blieb.
    Anscheinend ein Botschafter oder sowas, denn er hatte eine Schriftrolle in der Hand.
    Seren erkannte ihn, es war Jarku, ein ziemlich ordentlicher Junge, nicht besonders groß, aber trotzdem auch nicht gerade schwach. Er hatte die Angewohnheit, sich immer alles aufzuschreiben, um auch ja nichts zu vergessen.
    Meistens konnte er sich trotzdem alles so merken.
    "Sharon, ich habe eine Nachricht von den Spionen aus dem Gebiet um Harun herum. Dort werden in einem Verlies eine Gruppe von unschuldigen Menschen gefangen gehalten. Vom Adel natürlich. Und jetzt wollen sie wissen, wie sie weiter vorgehen sollen..", berichtete er und hielt seiner Anführerin die Schriftrolle hin, auf der wohl noch genauere Angaben waren.
    Der Adel mal wieder. Unschuldige. Was Sharon wohl jetzt tun würde? Besonders gut sah sie immer noch nicht aus. Im Gegenteil. Sie war krank, ganz eindeutig.
    Abwartend sah Seren zu der Anführerin herüber; auch Aevar hatte den Kopf zu dieser hingewandt.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 19.03.2009, 23:25


    Sharon war schon eine Weile fertig mit Frühstücken, saß allerdings immernoch an der selben Stelle und kippte literweise Wasser in sich hinein, um ihre Halsschmerzen loszuwerden, die langsam anfingen, äußerst lästig zu werden. Was um sie herum passierte, ignorierte sie größtenteils, bis jemand sie direkt anredete und sie sich gezwungen sah, aufzusehen und ihm zuzuhören.
    Dieser jemand war Jarku, einer der Rebellen, die sie eigentlich als Spione in Harun eingeteilt hatte. Er war Waise, seine Eltern waren an der selben Krankheit gestorben, wenn sie sich recht erinnerte.
    Unschuldige Menschen... Verlies... Gefangen.
    Sharon brauchte einen Moment, um das Ganze in ihren Gedanken zu ordnen, heute war einfach nicht ihr Tag, und dann musste sie auch noch darüber nachdenke, was sie antworten sollte, während der Junge sie fragend ansah.
    Was schonmal klar war, war, dass sie diese Leute befreien mussten. Und, wie ihr noch dazu in den Sinn kam, war dies die perfekte Probe für diese Neue, Serika. Allerdings würde sie dann auch selber mitkommen müssen.
    "Ich und einige andere werden zu euch stoßen", erklärte sie deshalb schlicht. "Um sie zu befreien. Und zwar..." Sie blickte zu den versammelten Rebellen hinüber, die sowieso alle zuhörten. "...Serika, Seren und Aevar. Wir brechen heute Mittag auf." Sie erwartete eigentlich keinen Widerspruch; wer würde auch schon auf die Idee kommen, ihr zu widersprechen? Definitiv keiner, dem sein Leben lieb war.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 23:26


    Seren hörte mit halbem Ohr zu, und als plötzlich die Rede von einer Seren war, dachte sie nur 'Oh, da heißt ja jemand genau wie ich'. Im zweiten Moment fiel ihr dann auf, dass sie gemeint war.
    Und im dritten Moment bemerkte sie dann, dass davor auch noch der Name 'Serika' gefallen war. Und dass sie heute Mittag aufbrechen würden.
    ...stop. Sharon. Aevar. Sie. und.. Serika?
    Die Rebellin, die ihr gegenüber saß, begann leise zu kichern. Na toll. Die konnte sich freuen..
    Wollte Sharon sie in irgendeiner Weise ärgern? Wieso sie? Es gab doch nun wirklich noch genug andere Rebellen, die alle genau so gut.. argh.
    "Muss das sein?", fragte sie halblaut in Richtung Sharon, sich nicht ganz sicher, ob sie das hätte fragen sollen oder nicht.
    Schließlich war mit ihrer Anführerin gerade nicht besonders gut Kirschenessen.
    Und sie war gestern ja sowieso schon zurecht gewiesen worden.. Aber trotzdem. Sie hatte absolut keine Lust, auch nur eine Minute länger mit diesem Einäugigen Ding zu verbringen als notwendig.
    Nur leider war die Befreiung dieser Menschen mehr als notwendig.
    Scheiße.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 19.03.2009, 23:28


    'Muss das sein?', hörte sie irgendwo aus Serens Richtung - halt, es war Seren, die da gesprochen hatte.
    Sharon verpasste ihr einen vernichtenden Blick. "Ja", sagte sie einfach. "Aber wenn du keine Lust hast, kannst du auch hierbleiben und dafür einen Monat lang in der Küche helfen - die, die sonst für den Abwasch zuständig sind, würden sich sicher freuen."
    Sharon war sich ziemlich sicher, dass Seren da doch lieber mitkommen würde. Sie wusste eigentlich selnst nicht, warum sie sollte, dass ausgerechnet sie mitkam, theoretisch hätte sie auch jemand anderen aussuchen können. Aber immerhin traute Seren dieser Serika auch nicht über den Weg, das war schonmal ein Vorteil.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 23:29


    Widerstandslos gab Seren auf. Die anderen Rebellen grinsten schon. Nein, lieber einmal mit dieser Serika rumlatschen und einen Auftrag erfüllen, als einen geschlagenen Monat lang in der Küche helfen.
    Das war nämlich eines der schrecklichsten Dinge, die sie sich ausmalen konnte. Es gab nichts nervigeres als abwaschen..
    Nun gut, Serika kam da vielleicht noch ran. Aber nicht an einen Monat.
    Aber warum ausgerechnet sie? Sie musste sich doch schon mit der Einäugigen ein Zimmer teilen. Reichte das denn nicht?
    Hatte sie in letzter Zeit irgendetwas angestellt, wofür sie bestraft werden könnte..?
    Eigentlich nicht.
    Gut, sie hatte ein paar mal nicht zugehört, aber trotzdem.. Musste deswegen so eine harte Strafe folgen?
    Irgendwas hatte Sharon gegen sie, da war sie sich fast sicher.
    Niedergeschlagen seufzte sie. Klasse, absolut klasse...
    Das würde ja lustig werden. Absolut. Lustig. Ja.
    Aevar schien anscheinend auch nicht viel begeisterter als sie selbst. Nur war er schlau genug, sich nicht mit Sharon anzulegen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 19.03.2009, 23:34


    Serika hatte ein bißchen in ihrem Essen herumgestochert und hier und da einen Rebellen finster angestarrt. Sie hatte sich anstellen müssen, um ihr Essen zu bekommen! Und dafür sah dieses Essen auch noch ziemlich unapetitlich aus. Außerdem saß sie ganz am Rand und nein, den Platz hatte sie sich nicht ausgesucht, aber es war ihr zuerst doch ganz wohl so. Und dann die Blicke und Kommentare der anderen! Sie musste nicht hinhören, um zu wissen, dass hier viele über sie sprachen. Und das ganz bestimmt nicht gut. Und da sie soweit weg saß, konnte sie nicht verstehen, was genau die Rebellen sagten, sodass sie noch nicht mal irgendwas böses erwidern konnte.
    Sie hatte nicht gewusst, dass man sich zwischen hunderten von Menschen so einsam fühlen konnte. Seufzend schob sie sich eine Gabelladung dieses Fraßes in den Mund. Ja, es sah nicht nur sehr unapetitlich aus... Zumindest hatte sie schon besseres gegessen. Irgendwo im Hintergrund redete ein Junge mit Sharon über irgendwelche Gefangenen. Serika hörte nicht zu. "Ich und einige andere werden zu euch stoßen, um sie zu befreien", ertönte Sharons Stimme dann. Serika bekam das immer noch nur mit einem Ohr mit. "Und zwar... Serika, Seren und Aevar. Wir brechen heute Mittag auf." Aha, aha, schön... Nein, moment, nicht schön! Sharon hatte gerade SIE eingeteilt. Mit dieser... Seren! Oh, mann, wieso musste sie ausgerechnet überall mit ihr zusammen eingeteilt sein? Wo sie diese Seren doch am wenigsten von allen hier leiden konnte! Das war ja schon fast so, als wollte Sharon sie verkuppeln ~.~. Tut mir leid, aber ich stehe nicht auf Mädchen... òó Schon wollte sie Einspruch erheben, als diese... Seren ihr zuvor kam. Zumindest waren sie sich darin einig. Aber Serens Protest wurde von dunkelblauen Stiefeln nieder getrampelt. Ein Monat Küchendienst. Nein, danke, darauf konnte sie gerne verzichten... Da würde sich diese Seren doch schäkisch drüber lachen. Also schön, heute Mittag, Gefangene befreien. Naja, das klang wenigstens ein bißchen spannend...



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 19.03.2009, 23:35


    Serens Blick wanderte durch die große Höhle, bis er gefunden hatte, wonach er ausschau gehalten hatte: Serika. Sie saß etwas abseits - kein Wunder - und sah genauso begeistert aus, wie sie sich fühlte.
    Eigentlich war es schon eine Schande, diesem Wesen überhaupt nur einen Blick zuzuwerfen.
    Aber in diesem Fall wollte sie das davon vergewissern, dass das Einäugige Ding das gleiche dachte wie sie.
    Wobei das eigentlich sinnlos war. Schließlich war beiden von anfang an klar gewesen, dass sie sich nicht ausstehen konnten.
    Das Mädchen wandte ihren Blick wieder ab und stand auf.
    Bis Mittag waren es noch geschätzte 2 1/2 Stunden, und da sie in diesen 2 1/2 Stunden nichts zu tun hatte, würde sie jetzt erstmal in ihre Höhle gehen und ein paar Sachen zusammenpacken.
    Und dann - nun, irgendwas gab es hier immer zu tun. Man musste sich nur etwas umschauen.
    Auf jeden Fall würde sie sich so weit wie möglich von dieser Serika entfernt aufhalten.
    Lustlos trottete Seren in Richtung Höhlenausgang, dort hin, wo es zu dem Tunnelsystem ging.
    Als sie an Sharon vorbei kam, warf sie ihr noch einen schnellen Seitenblick zu - und zwar keinen besonders netten. Einen Moment später wünschte sie sich auch schon, dass Sharon das nicht gesehen hatte. Sonst würde sie vielleicht doch noch auf die Idee kommen, ihr diesen Monat Küchenarbeit aufzudrücken..
    Aevar war ihr dieses mal nicht gefolgt. Wahrscheinlich hatte er schlicht und einfach keine Lust, sich schon wieder zu bewegen; oder er hatte noch irgendetwas anderes vor. Naja, er war ja auch nicht ihr Schoßhund, der ihr dauernd nachlaufen musste. Dazu war er viel zu eigensinnig, und Seren war froh darüber. Sie hätte es sehr nervig gefunden, wäre er ihr immer nachgelaufen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 19.03.2009, 23:36


    Zu Serens Glück nahm Sharon ihren Blick gar nicht wahr, stand einen Moment später aber selbst auf und machte sich auf den Rückweg zu ihrem Zimmer. Strenggenommenihrer Höhle, aber Zimmer hörte sich gemütlicher an.
    Dort angekommen ließ sie sich wieder auf ihrem Stuhl nieder und rieb sich mit dem Handrücken über die Stirn, ein paarmal zwinkernd, was jedoch auch nicht gegen die juckenden Augen und das Gefühl, ihr Gehirn wäre in Wattegepackt, half. Am liebsten hätte sie sich sofort wieder hingelegt und eine Runde geschlafen und das war extrem seltsam - sie schlief tagsüber nie. Seit gestern fühlte sie sich so merkwürdig... schlecht. Aber das würde sicher wieder besser werden, sobald sie hier heraus und an die frische Luft kam, ja, sicher.
    Sie musste noch ein paar Sachen zusammenpacken, aber sie hatte ja noch mehr als zwei Stunden Zeit. Normalerweise hätte sie sich nun auf den Weg gemacht, um die Wachenvon heute Nacht nach merkwürdigen Vorkommnissen auszuquetschen, doch sie fühlte sich dazu, kurz gesagt, nicht in der Lage.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 20.03.2009, 22:48


    ~Timehüpfer: Mittag~
    Serika stand in voller Montur vor dem Ausgang der Höhle, auf die anderen wartend.
    Zu ihrer Montur gehörte lediglich das, was sie auch sonst immer mit sich herum trug und Decken, die von ihrem Schlafplatz stammten. Mehr hatte sie ja schließlich nicht - sie nahm sich aber vor, unbedingt irgendwas zu kaufen, was sie dann unbenutzt in der Höhle liegen lassen konnte. Das verursachte nämlich so ein schönes, heimisches Gefühl.
    Lune und Lumen waren wie immer auf ihrem Rücken gekreuzt; sie würde sie jederzeit blitzschnell zücken können, falls es nötig war.
    Ihr Strohhut befand sich auch an seinem rechten Platz: Auf ihrem Kopf. Er warf einen langen Schatten auf ihr Gesicht, was sie nur noch mysteriöser und
    gefährlicher aussehen ließ. Deshalb liebte sie ihn so.
    In den letzten paar Stunden war sie schnell in 'ihre' Höhle gegangen - etwas später als diese... Seren - und hatte dort etwas unschlüßig auf ihrem Lager rumgesessen.
    Anschließend war sie wieder in den Haupttunnel gegangen, extra langsam an den verschiedenen Höhlen vorbei. Und nun wartete sie schon seit geraumer Zeit vor dem Ausgang.
    Was hätte sie auch anderes tun sollen?
    Zu irgendwelchen Diensten war sie ja noch nicht eingeteilt worden - Sharon hatte gesagt, das sie ihr Bescheid geben lassen würde. Bis jetzt hatte sie das aber noch nicht getan. Nunja, bis auf diese Befreiungsaktion jetzt.
    Und ob es irgendwelche anderen Beschäftigungen hier gab, wusste sie auch nicht.
    Hoffentlich existierte irgendetwas, was einem die Langeweile vertreiben könnte. Vielleicht gab es hier ja eine Höhle, in der man den Waffenumgang trainieren könnte...?
    Nach Möglichkeit müsste Serika sich mal danach erkundigen. Sonst würde sie noch verlernen, mit Lune und Lumen zu kämpfen. Ha, das wäre ja noch schöner!
    Aber jetzt hieß es wohl erstmal warten - doch allzu langer dürften die anderen nicht mehr brauchen. Es müsste nun ungefähr Mittag sein. Zumindest glaubte Serika das...



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 20.03.2009, 22:51


    Mit schnellen, leichten Schritten ging Seren durch die Tunnel. An ihrer rechten Seiten baumelte eine braune Umhängetasche, in die sie einige Essachen, Decken und Kleidung zum wechseln gepackt hatte. Oder besser gestopft, denn die Tasche war nicht allzu groß. Einen Rucksack konnte sie allerdings nicht mitnehmen, denn auf ihrem Rücken trug sie ihren Bogen, und der musste im Notfall so schnell wie möglich greifbar sein. An ihrer linken Seite war ein Köcher mit einigen Pfeilen an ihrem Gürtel angebracht, an ihm hingen zwei helle Federn. Daneben, wie gewöhnlich, einige Messer. Ein Schwert besaß Seren nicht.
    Aevar hatte sich wieder zu ihr gesellt, allerdings hatte er kein Gepäck dabei. Er brauchte ja auch keines, denn schließlich trug er keine Kleidung, hatte dichtes Fell und besorgte sich sein Essen sowieso meistens selbst.
    Nachdem Seren ihre Sachen zusammengesucht hatte, hatte sie so schnell wie möglich die kleine Höhle verlassen und war dann durch das Quartier geschlendert. Zu tun hatte sie nichts, zum Trainieren hatte sie absolut keine Lust gehabt und ihr wurden keine Aufgaben zugeteilt. Also hatte sie sich hier und da etwas nützlich gemacht: Hatte geholfen, einen kleinen Holzstuhl zu reparieren, war dann weiter gegangen und hatte ein paar jüngeren Rebellen beim Schwerttraining zugesehen.
    Und jetzt, als sie dachte, es könnte ungefähr Mittag sein, hatte sie sich auf den Weg zum Ausgang gemacht. Irgendwie freute sie sich, wieder rauszukommen - doch ihre federnden Schritte wurden sofort langsamer und träger, als sie am Ausgang eine hell gekleidete Gestalt mit zwei Schwertern auf dem Rücken und einem Strohhut sah. Serika. Na toll. Sie hatte gehofft, sie wäre entweder zuerst da oder Sharon - oder zumindest beide - würden schon auf sie warten. So aber war sie gezwungen, alleine mit dem Einauge dort herumzustehen. Denn umdrehen würde jetzt ziemlich blöd kommen.
    Immerhin gab es noch Aevar, auch wenn der so schweigsam war, dass er wohl kaum auffallen würde.
    Langsam trottete Seren auf das Mädchen zu, versuchte, es nicht groß zu beachten und stellte sich etwas entfernt von ihr hin. Hoffentlich kam Sharon bald.
    Ob sie wusste, dass das ganze für sie ein Selbstmordattentat sein würde? Zum einen sah sie immer noch schrecklich aus, zum anderen würde die Stimmung zwischen ihnen alles andere als gut werden, vermutete die Hellhaarige.
    Aber sie würden bestimmt vieeel Spaß zusammen haben, jaaa..



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 20.03.2009, 22:54


    Sharon ging den Gang entlang, vorbei an den Leuchtkugeln, die in Abständen von etwa sieben Schritten angebracht waren und ein diffuses Dämmerlicht verbreiteten. Es war mehr ein Neben- als Haupttunnel, darum die schwache Beleuchtung.
    Schräg über ihr dunkelblaues Oberteil zog sich nun der braune Träger eines Rucksackes, von ihrer rechten Schulter zur linken Hüfte. In diesem Rucksack befanden sich sowohl eine Decke und Kleidung als auch Proviant. An ihrem Gürtel hing, wie immer, ihr Schwert, daneben ein Messer. So ausgerüstet war sie bereit eine Weile außerhalb des Hauptquartiers zu überleben - mal wieder.Eigentlich hatte sie mal ausnahmsweiseein paar Tage hierbleiben wollen, aber Pech. Immer kamen solche Sachen dazwischen, wenn es einem nicht passte.
    Das vorerst leise Rauschen wurde immer lauter und lauter. Sharon bog in den helleren Haupttunnel ein, ging dort noch ein paar Meter, passierte den Wachtposten und betrat die kleine Höhle hinter dem Wasserfall, in der schon ihre Mitreisenden warteteten,Serika, Seren und Aevar, der Vreyl. Die erstgenannten schienen nicht so begeistertvonihrer jeweiligen Gesellschaft zu sein.
    "Na dann mal los", kommandierte Sharon mit möglichst lauter Stimme, um das Rauschen zu übertönen, und schob sich als erste an der Wand entlang, um auf die Lichtung zu kommen. Sofort wurden ihre Haare von den zahllosen Wassertropfen, die in ihre Richtung spritzten, feucht, dch daran war man langsam gewohnt. Nur musste Sharon gerade in diesem Moment mühsam ein Niesen unterdrücken. Ihre Nase juckte... verdammt.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 20.03.2009, 22:55


    Kurz nach Serika kam auch diese Seren (natürlich mit ihrem Vreyl) und schließlich gesellte sich auch Sharon zu ihnen. Je weniger Zeit sie allein mit dieser Seren verbringen musste, desto besser.
    Na gut, Sharon war keine wirkliche Alternative zu ihr. Sharon war der Mensch, den sie hier am zweitwenigsten mochte.
    Es könnte natürlich auch sein, dass es einfach daran lag, dass Serika sich mit sonst keinem anderen Mensch hier ausgetauscht hatte und es auch in ferner Zukunft nicht vor hatte. Aber... nja.
    Als erstes schob sich die Anführerin des Bundes an der Wand neben dem Wasserfall vorbei. Stumm nahm Serika diesen Weg als zweite in Anlauf.
    Das Dröhnen der tosenden Wassermenge hallte in ihren Ohren wieder und selbst wenn sie etwas hätte sagen wollen (wohl kaum), wäre dass hier beinah unmäglich gewesen.
    Nicht ganz so vorsichtig ging Serika an der Wand entlang und wurde prompt von dem spritzenden Wasser so ziemlich vollkommen nass.
    Einen lautlosen Fluch sprechend drückte sie sich näher an die Wand heran und hier wurde man tatsächlich nicht ganz so nass, obwohl das jetzt ja sowieso nichts mehr brachte. Noch nässer konnte sie wohl kaum werden.
    Nach kurzer Zeit und ein paar Wassertropfen später hatte Serika es tatsächlich geschafft und stand auf einer hellen Lichtung. Mit zusammen gekniffenen Augen blickte sie hoch zu der Sonne, die im Zenit über ihnen stand. Das kann ja noch heiter werden...



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 20.03.2009, 22:56


    Glücklicherweise kam Sharon wirklich bald.
    Sie sah immer noch nicht viel besser aus, aber Seren schwieg sich dazu aus. Besondere Lust auf eine Auseinandersetzung hatte sie jetzt nämlich nicht. Das einäugige Monster hatte ihre Laune schon genug getrübt.
    Als ihre Anführerin sich in Bewegung setzte und an dem Wasserfall vorbei ging, sah Seren grinsend zu, wie Serika, unvorsichtig, wie sie war, von dem umherspritzenden Wassertropfen ziemlich nass wurde.
    Hah. Dummes Etwas.
    Aevar folgte der Einäugigen, und Seren ging als letzte hinter den anderen her.
    Das Rauschen des Wassers übertönte hier alles, und Seren mochte diese Stelle auf irgendeine Weise sehr gerne, auch wenn man hier immer etwas nass wurde. Sie passte zwar besser auf als dieses Monster, aber es grenzte an Unmöglichkeit, dort vorbei zu kommen, ohne nass zu werden.
    Kurz darauf betrat Seren hinter dem Vreyl die helle Lichtung, von der aus man in das Versteck kam.
    Die Sonne stand schon hoch am Himmel, es war wohl wirklich Mittag.
    Die warmen Sonnenstrahlen hoben die Laune des Mädchens wieder etwas. Irgendwann war das hier ja schließlich auch vorbei.. Und zwar hoffentlich bald.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 20.03.2009, 22:57


    Draußen angekommen sah Sharon zu den anderen beiden hinüber, bei Serikas Anblick fiel es ihr schwer nicht schadenfroh zu grinsen, denn diese war offenbar zu nah den den Wasserfall gekommen. Von diesem entfernte sie sich nun ein paar Schritte, um nicht mehr so schreien zu müssen, dann erklärte sie die Planung.
    "Wir brauchen geschätzte eineinhalb Tagesmärsche bis Harun. Bis heute Abend halten wir uns an den Bach da hinten -" Sie deutete vage zwischen die Bäume links von ihnen. "- dann können wir nachts an einem ganz guten Platz rasten und morgen nach Südosten abbiegen, um den Wald zu verlassen, das heißt, wir sind wahrscheinlich morgen Abend da. Wenn wir nicht aufgehalten werden. Fragen?"
    Sharon hatte ihren üblichen Tonfall angeschlagen, aber irgendwie klang ihre Stimme nicht ganz so wie sonst. Nicht ganz so keinen-Widerspruch-duldend. Mist. Aber vielleicht bildete sie sich das nur ein oder machte es zumindest mit der Herablassung, die sie noch etwas stärker betonte als sonst, wett. Wie auch immer.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 20.03.2009, 22:58


    Nach Serika kam der Vreyl hinter dem Wasserfall hervor und kurz danach stand auch diese Seren auf der Lichtung.
    Die Anführerin des Bundes grinste schadenfroh, was ganz sicher der durchnässten Serika galt, aber diese ignorierte es gekonnt.
    "Wir brauchen geschätzte eineinhalb Tagesmärsche bis Harun. Bis heute Abend halten wir uns an den Bach da hinten, dann können wir nachts an einem ganz guten Platz rasten und morgen nach Südosten abbiegen, um den Wald zu verlassen, das heißt, wir sind wahrscheinlich morgen Abend da. Wenn wir nicht aufgehalten werden. Fragen?", erklärte Sharon, herrisch wie immer.
    Aber ganz ehrlich, irgendwie war sie so... kränklich.
    Hoffentlich starb sie nicht während der Mission ab.
    Sonst wäre Serika mit dieser Seren alleine.. bäh.
    Aber so oder so - eineinhalb Tage, hätte Sharon gesagt.
    Eineinhalb Tage mit diesen beiden.
    Das grenzte echt schon an Körperverletzung.
    Aber besser als mit dieser Seren in einer Höhle zu versauern war es immerhin.
    Auf die Frage von Sharon antwortete sie mit einem knappen Kopfschütteln - gesprächig wie eh und je.
    Dann schielte sie zu dieser Seren hin.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 20.03.2009, 22:59


    Wir brauchen geschätzte eineinhalb Tagesmärsche bis Harun. Bis heute Abend halten wir uns an den Bach da hinten, dann können wir nachts an einem ganz guten Platz rasten und morgen nach Südosten abbiegen, um den Wald zu verlassen, das heißt, wir sind wahrscheinlich morgen Abend da. Wenn wir nicht aufgehalten werden. Fragen?
    Auch bei dieser Ansprache fehlte ihr üblicher Tonfall. Der 'Ein-Wiederwort-und-du-bist-tot-Tonfall'. Aber das hatte sie ja nun zu Genüge festgestellt..
    Falls sie während dieser Mission zusammenklappen sollte, hatte sie ein Problem. Nicht nur, dass sie dann alleine mit dieser Serika alleine war, nein, dann musste sie auch auf sie aufpassen und gucken, dass ihre Anführerin irgendwie wieder auf die Beine kam. Na klasse..
    Immerhin hatte sie noch Aevar dabei. Das war immerhin ein kleiner Trost zwischen diesen beiden.. nunja.
    "Nein", gab sie nach dem Kopfschütteln des Monsters zur Antwort. Was sollte man da noch großartiges fragen? Sie hatte nichts dagegen einzuwenden, und soweit war ja alles klar. Aber es sah alles danach aus, als würde das ganze eine sehr schweigsame Reise werden.
    So.. Mit diesen beiden.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 20.03.2009, 23:01


    Da niemand Fragen zu haben schien, drehte Sharon sich schweigend um und ging los, einfach mal davon ausgehend, dass die beiden ihr schon folgen würden. Und wenn sie es nicht taten und sich dann im Wald verirrten - Pech für sie. Nun gut, Seren würde sich wahrscheinlich nicht verirren, die lebte schon lange genug hier, aber diese Serika vielleicht. Dann hätte sie immerhin eine Sorge weniger. Wessen Entscheidung war es noch gleich gewesen, die Einäugige in den Bund aufzunehmen...? Ach ja - ihre eigene. Verdammt.
    Sharon schritt unter zwischen zwei Bäumen hindurch und hob kurz grüßend die Hand, da auf einem von beiden ein versteckter Wachtposten saß, dann war schon das leise Plätschern des Baches zu hören, von dem sie eben gesprochen hatte. Und schließlich tauchte er auf, schlängelte sich zwischen den Bäumen hindurch nach Süden, wo er immer breiter werden und dann in einen größeren Fluss münden würde, der letztendlich nach Osten ins Meer floss. Das Wasser glitzerte durch die Sonnenstrahlen, die zwischen den Zweigen hindurchfielen und warmes Licht auf den Waldboden warfen. Von ihrer plötzlichen Anwesenheit aufgeschreckt flitzte ein Eichhörnchen einen Baumstamm hinauf und verschwand zwischen den Blättern, von wo es sie vermutlich weiter beobachtete. Ein einzelnes Blatt fiel von dort hinunter, wurde von einem leichten Windstoß erfasst, ein Stück weitergetragen und landete schließlich vor den Füßen der Rothaarigen.
    Ja, es war ein durchweg idyllisches Bild, doch im Augenblick war Sharon das ziemlich schnuppe. Sie wandte sich nach links, um dem Gewässer zu folgen und widerstand der Versuchung sich die Schläfen zu massieren. Genutzt hätte das wohl sowieso nichts. Dämlicher Kopf.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 20.03.2009, 23:02


    .:Timejump: Abend:.

    Schweigen. Nichts als Schweigen, die ganzen letzten Stunden lang. Kein einziges Wort hatten sie miteinander gewechselt. Kein einziges.
    Das war auf Dauer nicht nur langweilig, es war.. grausam. Seren hatte ja nichts gegen ein paar ruhige Minuten, aber die ganze Zeit..?
    Nicht einmal mit Aevar hatte sie gesprochen. Nun, der redete zwar so oder so nicht viel - ihm machte das wahrscheinlich nichts aus - aber sie hasste es, wenn sie einen Reisegefährten hatte, der nun einfach nur stumm vor sich hin latschte und nichts sagte. Und sie hatte gleich zwei von dieser Sorte. Und da sie Serika nicht ausstehen konnte und Sharon wohl alles andere als gut gelaunt war, hatte sie es auch vorgezogen zu schweigen.
    Wobei nichts sagen immer noch besser ist, als irgendein Wort mit ihr zu reden, ging es ihr durch den Kopf. Etwas in ihr sagte, dass das absolut kindisch war, aber sie ignorierte dieses Etwas, so gut es ging.
    Inzwischen hatte es zu dämmern begonnen. Man konnte zwar noch einigermaßen gut sehen, aber bald würde es hier im Wald so dunkel sein, dass man keine Hand mehr vor Augen sah. Deshalb beschloss die Weißhaarige, endlich das Schweigen zu brechen.
    "Wir sollten uns vielleicht einen Platz für ein Lager suchen - bald wird es ganz dunkel sein", sagte sie also, und war etwas erschrocken darüber, wie kratzig ihre Stimme klang. Musste daran liegen, dass sie sie in den letzten Stunden nicht gebraucht hatte.
    Es grauste ihr schon bei dem Gedanken, wieder eine Nacht in der Nähe dieser Person verbringen zu müssen. Wenn sie daran dachte, wie viele Nächte sie noch..
    Nicht daran denken. Nicht. daran. denken.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 22.05.2009, 00:07


    Ruhe und Natur und gutes Wetter.
    Serika seufzte.
    Es hätte so ein schöner Tag werden können.
    Aber.

    Sie musste diesen Tag ja ausgerechnet mit den beiden Personen (und einem Vreyl) verbringen, die ihr gerade am meisten auf die Nerven gingen. Sämtlichen Naturgeistern zum Dank hatten ihre beiden Reisegefährten während ihres Marsches wenigstens die Klappe gehalten. Möglicherweise verstanden sie doch die Wichtigkeit des Schweigen - schließlich sollte man lieber nichts sagen, als nur sinnloses Geplapper von sich zu geben. Vielleicht hatten sie es ja kapiert.
    Oder Sharon war einfach zu krank um zu sprechen und diese Seren hatte wenig Lust, mit der dann zurückbleibenden zur Verfügung stehenden Ansprechpartnerin zu reden.
    Tja. Schön. Wenn sie das meinte... Serika würde ja auch nie freiwillig mit ihr reden...
    Mit dem Gedanken, einfach abzuhauen, diese Scheiße, in die sie sich nun geritten hatte, hinter sich zu lassen, hatte sie des öfteren gespielt, war aber immer wieder bei dem Gedanken gelandet, dass es diese Seren nur erfreuen und den Eindruck erwecken würde, Serika hätte "aufgegeben".
    Der Gedanke, der darauf folgte, war immer der gewesen, dass sie sich in dieser Hinsicht furchtbar kindisch benomm. Aber kindisch oder nicht, das würde sie niemals ertragen.

    Als dann die Dämmerug begann, erhob zum Ersten mal einer der drei ungleichen Gefährten seine Stimme.
    Es war Seren, die darauf hindeutete, dass sie sich besser einen Platz für ein Lager suchen sollten, bevor es dunkel wäre.
    Nun gut, dass war relativ... vernünftig. Auch wenn diese Seren es von sich gegeben hatte.
    In Kürze würde es zu dunkel sein, um noch viel zu erkennen - vor allem nicht einen geeigneten Schlafplatz.
    Also drosselte Serika ihr zügiges Tempo und wartete auf Befehle von oben. Nicht, dass sie scharf darauf wäre, jeden Handschlag von Sharon bestätigen zu lassen, aber wenn diese nun anordnete, dass sie noch weiter gingen, Serika sich aber weigerte... dann würde es wirken, als sei sie zu schwach um noch weiter zu gehen oder so.
    Keine Ahnung, was diesen Närrinen für törichte Gedanken kommen würden.
    Eins war jedoch sicher - Serika wollte keine Szene vor diesen Leuten machen, sie wollte zurzeit eigentlich am dringensten nur ihre Ruhe. Aber ob sie wirklich irgendwann in absehbarer Zeit ihre Ruhe finden würde, wagte sie zu bezweifeln, als sie sich nach Sharon und Seren umsah.
    Gottverdammt.
    Was hatte sie da bloß angestellt?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 25.06.2009, 17:47


    Langsam aber sicher hatte Sharon das Gefühl, dass irgendeine höhere Macht etwas gegen sie hatte. Nun gut, zugegeben, immerhin hatte es heute nicht geregnet, aber dafür war es so unerträglich heiß. Auch wenn das ihren beiden Weggefährtinnen merkwürdigerweise gar nicht aufzufallen schien. Dazu kam noch, dass sie sich nach wie vor so schlecht fühlte – oder besser gesagt, schlechter. Im Prinzip war die Monotonie des Laufens – linkes Bein, rechtes Bein, wieder linkes Bein – ganz gut, da sie dabei nicht denken oder sonst etwas musste, aber sie war sich nicht sicher, was passieren würde, wenn sie kurz anhielt.
    Als Sharon sich gerade noch einmal mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn wischte und sich fragte, wann diese dämliche Höhle, in der sie eigentlich lagern wollte, denn endlich kam, verkündete auch Seren, dass es langsam dunkel wurde und sie sich deshalb einen Lagerplatz suchen sollten.
    Die Rothaarige nickte und wandte sich im Gehen halb zu Seren um. „Ja, wir kommen bald zu einer…“, begann sie mit einer erschreckend leisen und kratzigen Stimme, musste dann allerdings husten. Verdammt, wie erbärmlich war das denn!? Hatte sie sich bei diesem beschissenen Regen am Vortag erkältet, oder was?
    „Wir kommen bald zu einer Höhle“, begann sie nochmal. „Ein alter Eingang zum Tunnelsystem.“
    So. Damit war der Erklärung ja wohl genüge getan, auch wenn zumindest Serika vermutlich nicht verstand, was sie mit dem zweiten Satz meinte; Die Rebellen hatten nämlich bei der Erkundung ihres Verstecks noch weitere Ein- bzw. Ausgänge gefunden, jedoch alle bis auf einen, den sie natürlich bewachen ließ, zugeschüttet und unkenntlich gemacht (was eine ziemliche Arbeit gewesen war).



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 28.06.2009, 22:51


    Die untergehende Sonne tauchte den Wald in ein warmes, goldenes Licht, und der Wind, der sanft durch die Bäume fuhr, sang ruhige Melodien für seine Zuhörer.
    Einer von ihnen, ein kleiner Aeridianer mit hellbraunen Haaren und Flügeln, hatte sich gerade an einen Baum gelehnt und lauschte der Windmusik, wie er es so oft tat. Die zarten Töne klangen wie das Zusammenspiel vieler Panflöten, und hätte er sich nicht sehr ums Wachbleiben bemüht, wäre er schon längst eingeschlafen. Aber er musste wieder zu seinem behelfsmäßigen Zuhause zurück, bevor es vollkommen dunkel wurde - denn in der Nacht draußen zu schlafen konnte hier schnell gefährlich werden. Menschen kamen hier zwar nur sehr selten vorbei, allerdings konnte man nie wissen, wo sich das nächste Wesen der Dunkelheit gerade aufhielt.
    In den drei Jahren, die er jetzt schon alleine im Wald verbracht hatte, war er schon dem einem oder anderen Dunkelwesen begegnet - und immer war es Nacht gewesen. Und nie hatten sie irgendwas Gutes im Sinn gehabt. Trotzdem wollte er noch nicht aufstehen - nur noch ein kleines bisschen sitzen bleiben und zu hören, nur noch eine kleine Weile...

    Erschrocken fuhr Alpha hoch. Wie lange hatte er geschlafen? Durch die Bäume konnte er immer noch die Sonne erkennen, auch wenn sie nun ein gutes Stück näher dem Horizont entgegen gerückt war. Also konnte es nicht lange gewesen sein - dennoch hatte er sich gehen lassen und war eingenickt. Nun, zu spät - jetzt konnte er auch nichts mehr daran ändern. Allerdings sollte er jetzt doch aufbrechen und zurück fliegen, sonst war es Nacht, bevor er auch nur die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatte.
    Er war gerade aufgestanden und hatte sich den Staub von der Kleidung geklopft, als er plötzlich Stimmen hörte. Menschliche Stimmen. Hier ganz in der Nähe. Verschreckt sah sich der Aeridianer um - warum hatte er sie nicht früher gehört?
    Versteck dich!, schrie es in seinem Kopf, doch es war zu spät. Sie waren da, bevor er sich auch nur einen Schritt hatte von der Stelle bewegen können. Es waren fünf - fünf! - , vier Männer und eine Frau. Sie trugen etwas zerschlissene Kleidung, sahen ungepflegt aus und wirkten auf den ersten Blick nicht besonders freundlich.
    Wie versteinert stand Alpha da und konnte nichts anderes tun, als in die verwunderten Gesichter der Menschen zu sehen.
    "Hey, der Kerl hat Flügel!", sagte einer der Männer mit einem mehr als spöttischen Tonfall zu seinen Kameraden.
    "Bestimmt grade auf dem Weg zu einer tollen Kostümfeier", grinste der andere und sah auf den Jungen hinab. "Allein schon dieser Aufzug... Tss."
    "Wollen wir doch mal schauen, was der kleine Schönling so bei sich trägt", sagte die Frau und stolzierte mit ihren hochhackigen Schuhen auf ihn zu. Alpha brachte keinen Ton heraus. Als die Frau anfing, in seinen Taschen zu wühlen, brach der Bann. Der Aeridianer stieß die Frau zurück, sodass ihre blonden Locken ihr noch wirrer ins Gesicht fielen, als sie es sowieso schon taten. "Na, na, wir wollen doch nicht handgreiflich werden...", meinte sie lächelnd und ging wieder auf ihn zu. "Lassen Sie mich in Ruhe!", schrie Alpha sie panisch an und ging einen Schritt zurück - doch da war der Baum. Gelassen drückte die Frau ihn dagegen und wollte weiter wühlen, doch er schlug ihre Hand weg. "Nein!"
    Langsam wurde die Frau anscheinend sauer. Doch Alpha konnte nicht anders als sie wieder zu schlagen, als sie sich ihm ein drittes Mal näherte. Es war genau wie damals. Genau so, nur dass er dieses mal allein war. Sein Atem ging schneller, sein Herz raste - und doch lähmte ihn die Angst, sodass er unfähig war, wegzulaufen. Nun hatte die Frau allerdings wirklich genug. "Wir haben es wohl mit einem sehr störrischen kleinen Jungen zu tun", sagte sie und trat drei Schritte zurück. "Jungs, ich lasse euch ran. Ausnahmsweise." Das selbe hässliche Grinsen, dass er schon von den Männern aus der Stadt kannte, legte sich auf die Gesichter der Männer. Die vier traten auf ihn zu, packten ihn an Armen und Beinen. Alpha schrie und wandte sich in ihrem Griff, doch er war natürlich viel zu schwach, um sich zu befreien. Zweimal schlug einer der Männer ihm ins Gesicht, weil er nicht still hielt. Irgendwann gab er auf und ließ sie machen. Die Menschen rissen ihm die Kleidung auf, durchwühlten die Taschen, nahmen ihm seinen Schmuck ab, schlugen ihn wieder, suchten weiter. Doch viel fanden sie nicht - es gab nichts wertvolles außer seinem Schmuck, das er bei sich trug.
    Schließlich ließen sie von ihm ab, und er blieb mit zitternden Knien an dem Baum gelehnt stehen. Die Frau, die die ganze Zeit zugesehen hatte, besah sich kurz die Ausbeute. "Nicht schlecht, nicht schlecht...", meinte sie. "Könnte ne ganze Menge wert sein, wenn wir den Kram verticken. Musst reiche Eltern haben, Bengel. Leider müssen wir dich ausschalten - du könntest uns verraten, weißt du? Los, an die Arbeit! Vergnügt euch!"
    Schweiß lief Alpha über die Stirn.
    Sie wollen dich umbringen! Renn! Renn!, dachte er, doch seine Beine gehorchten nicht. Die Männer kamen wieder auf ihn zu, einer hatte ein Messer in der Hand. Der erste versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht, der ihn hätte umkippen lassen, wäre da nicht der Baum hinter ihm gewesen. Schmerzwellen pulsierten durch seinen Kopf, doch ehe er sich halbwegs von dem Schlag erholen konnte, trat ihm der zweite Mann in den Magen. Alpha sackte zusammen. "Hält ja mal gar nichts aus, der Kleine", meinte der dritte, während er ihm einen Tritt vor die Brust versetzte. Das schien ihnen zu gefallen. Alpha machte keine Anstalten, sich zur Weht zu setzen, hoffte nur, dass es bald vorbei sein würde. Wie lange es letztendlich gedauert hatte, konnte er nicht sagen, nur, dass er schließlich mit aufgeschlitzter Brust auf dem Rücken lag und sein ganzer Körper schmerzte. Die Frau beugte sich über ihn, er konnte ihr Gesicht nur noch undeutlich wahrnehmen. "Sieht doch gleich viel hübscher aus. Und damit du nicht doch überlebst..." Sie zückte ein kleines Messer und ein scharfer Schmerz zuckte durch seinen Unterarm. Er spürte heißes Blut zu seiner Hand hinunter laufen. "So. Also, machs gut! Und danke für das Zeug!", hörte er die Frau noch sagen, dann verschwand sie aus seinem Blickfeld. Seine Sicht verschwamm, und alles begann, schwarz zu werden. Sein Kopf war vollkommen leer, er spürte nur noch einen sanften, kühlen Wind über seinen Körper streichen. Leise trug er die Worte "Eigentlich seltsam, dass der Kleine hier mitten im Wald rumläuft" heran, dann wurde alles Dunkel.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 30.06.2009, 21:58


    Das Wasser des kleinen Waldsees glitzerte, reflektierte die letzten Sonnenstrahlen des Tages und schien letztendlich ein Bildnis von Ruhe und Frieden zu sein.
    Cylen saß gemütlich am Ufer, gegen einen Baum gelehnt und die Beine Richtung Wasser gestreckt. Es war ein sehr ereignisloser Tag gewesen, er war niemandem begegnet außer den gewöhnlichen Waldtieren und einer kleinen Herde Einhörner, die, dem Himmel sei Dank, gewöhnlich auf sich selbst aufpassen konnten.
    Cylen mochte die Dämmerung. Deren rotgoldene Licht verursachte ein Prickeln auf der Haut, das sich mit nichts anderem vergleichen ließ – wobei ihm die Morgendämmerung natürlich lieber war. Denn abends musste er langsam zusehen, dass er zu seinem heutigen Lagerplatz fand, bevor es dunkel war.
    Widerwillig erhob der Engel sich, schnippte sich ein Blatt vom schneeweißen Flügel und schulterte die schwarze Tasche, in der er die wenigen Dinge mitführte, die er unbedingt brauchte, und machte sich auf den Weg. Er hatte sich vor einer Weile schon eine Höhle ausgeguckt, an der ein kleiner Bach vorbeiplätscherte, und hoffte, diese nun wieder zu finden. Eigentlich glaubte er, dass sie nicht allzu weit entfernt lag, aber in Hinsicht auf Wege entsprach das, was er glaubte, eher seltener der Realität.

    Cylen hatte, wie er schätzte, die Hälfte der Strecke hinter sich gebracht, als er den Zug spürte. Anstatt weiter geradeaus zu gehen schwenkte er leicht nach rechts ab, in die Richtung der sechs Auren, die gerade in den Umkreis seiner Wahrnehmung geraten waren. Er versuchte nicht, sich gegen den Zug zu wehren – es war nichts Physisches, sondern etwas, das aus ihm selbst kam, auch, wenn er keinen wirklichen Einfluss darüber hatte – sondern versuchte auszumachen, was genau das für Gestalten waren, die da unbedingt seinen Tag vermiesen wollten. Und das Ergebnis war doch recht überraschend.
    Fünf der sechs Personen schienen Menschen zu sein, alle mehr oder weniger gut gelaunt, weshalb die ihn nicht weiter interessierten. Aber der sechste war ein magisches Wesen, und zwar eines mit Todesangst und Schmerzen.
    Da die Bäume hier zu nah aneinander standen, um zu fliegen, nutzte Cylen den plötzlichen Energieschub aus und fing an zu rennen, so schnell er konnte. Er hatte doch geahnt, dass man hier unmöglich einen ganzen Tag seine Ruhe haben konnte… und dann hatte es auch noch mit Menschen zu tun. Bwah.
    Eben diese Menschen schienen sich jetzt allerdings langsam zu entfernen, während Cylen sich durch ein Gebüsch schlug, die Zweige, die ihm Hände und Gesicht zerkratzten, ignorierend. Und dann war er da.
    Es war ein dünner, braunhaariger Junge, der da auf dem Waldboden lag, mit ebenfalls braun gefiederten Flügeln auf dem Rücken, einer der Luftleute und gehörig zu einem Volk, dessen Namen Cylen vergessen hatte. Doch das war ihm in diesem Moment auch egal, viel mehr huschte sein Blick über die großen Wunden an der Brust und die kleinere, aber wesentlich heftiger blutende am Arm, an der Pulsader.
    Cylen fluchte, ließ seine Tasche fallen und kniete sich auf den Boden, dann riss er einen Streifen von dem sowieso schon kaputten Oberteil des Jungen ab und wickelte ihn, so fest es ging, um dessen Arm. Das Ganze wiederholte er noch ein paar Mal und verband anschließend ebenso die Schnitte an der Brust. Die Aura des Jungen flackerte leicht, wurde immer mal schwächer und dann wieder stärker, aber Cylen glaubte, dass er noch rechtzeitig gekommen war.
    Nachdem er noch einmal kontrolliert hatte, dass nicht doch noch irgendwo eine schlimmere Verletzung war, die er übersehen hatte, hob er den Jungen vorsichtig hoch – oder doch nicht ganz so vorsichtig, der war nämlich wesentlich leichter, als Cylen erwartet hatte, weshalb er ihn aus Versehen fast weggeworfen hätte. Ein Glück, dass er nichts mitbekam.

    Etwa eine Viertelstunde später hatte Cylen das Luftwesen in der Höhle abgelegt, die er vorher schon gesucht hatte, und hatte Feuerholz gesammelt und dieses entzündet, denn bald würde es wirklich dunkel sein. Nun kramte er das Verbandszeug aus seiner Tasche und versorgte damit noch einmal die Wunden des Jungen neu, nachdem er zumindest die längeren Schnitte auf der Brust mit Wasser aus dem Bach etwas ausgewaschen hatte.
    Der Vorteil an so einem Verletzten war ja, dass er schön ruhig war und einem nicht auf die Nerven fiel. Zumindest jetzt noch nicht.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 30.06.2009, 23:43


    Das erste, was Alpha spürte, als er wieder zu Bewusstsein kam, war Hitze. Sein ganzer Körper schien zu glühen, aber rechts neben ihm war es besonders schlimm. Wo war er? War er tot?
    Langsam schlug er die Augen auf. Er lag auf dem Rücken, und über ihm konnte er in einem flackernden Licht eine Höhlendecke ausmachen. Das Flackern kam, wie er erkannte, nachdem er den Kopf etwas gedreht hatte, von einem Feuer, dass rechts neben ihm brannte.
    Alpha versuchte, sich aufzurichten, doch schon die Schmerzen, die durch seinen Körper fuhren, ließen ihn sofort wieder zurück auf den Boden sinken. Er probierte es noch einmal, diesmal langsamer und vorsichtiger, und obwohl es immer noch mehr als unangenehm war und seine Arme zitterten, schaffte er es, in eine mehr oder weniger aufrechte Haltung zu kommen. Doch als er den Oberkörper strecken wollte, schossen beinahe unerträgliche Schmerzen in seine Brust, sodass er sich wieder zusammenkrümmte - wobei er zu seiner Verwunderung feststellte, dass seine Wunden verbunden worden waren. Auch wenn sich sein Kopf anfühlte, als hätte jemand mit einem Stein darauf angeschlagen, schaute er sich doch in der Höhle, in der er sich anscheinend befand, um. Sein Blick blieb an einer recht großen Gestalt mit zwei weißen, strahlenden Flügeln hängen, die an eine der Wände gelehnt saß. Er hatte kurzes, silbernes Haar, grüne Augen und einem eher verschlossenen Gesichtsausdruck. Eine Erinnerung blitzte qualvoll in ihm auf.
    "Seras...?", fragte er fast unhörbar. Doch gleich darauf musste er feststellen, dass es nicht sein toter Freund war, der da vor ihm saß. Seine Flügel waren zu hell, seine Gesichtszüge zu hart und seine Haut zu hell. Allem Anschein nach war es ein Engel, wahrscheinlich ein Schutzengel.
    "Ich... Danke, dass du mich gerettet hast", sagte Alpha. Seine Stimme klang furchtbar schwach und zitterig, und genau so fühlte er sich auch. Wahrscheinlich hatte er ziemlich hohes Fieber - Aeridianer bekamen immer Fieber, wenn sie verletzt waren. Durch die erhöhte Körpertemperatur heilten ihre Verletzungen schneller, allerdings waren sie während dieser Zeit nahezu bewegungsunfähig.
    Der Engel musste ihn hier hergebracht haben, nachdem... Ja, nach was überhaupt? Der Aeridianer konnte sich kaum noch daran erinnern, was eigentlich passiert war. Allerdings konnte er sich an generell nahezu nichts mehr erinnern. Er fühlte sich einfach nur elendig.
    Da waren diese Menschen gewesen, die ihn hatten umbringen wollen... Sie hatten ihm seine Sachen abgenommen. Und ihm die Pulsadern aufgeschnitten, dann war er ohnmächtig geworden. Der Engel musste ihn gefunden und gerettet haben. Engel gehörten zum Lichtvolk, er hatte also nichts vor ihm zu befürchten. Dennoch wirkte er irgendwie so kühl, so abweisend... Generell hatte er ein ungutes Gefühl. Nicht nur wegen seines Zustandes, sondern auch während ihres Aufenthaltsortes. Es war nahezu vollkommen dunkel in der Höhle, nur das Feuer spendete ein bisschen Licht - und warf unheimliche Schatten an die Wände. Er hasste es, in Höhlen zu sein, denn dort konnte man den Wind nicht spüren und fühlte sich so... eingeengt. Fast eingesperrt. Engel schienen dieses Problem nicht zu kennen - oder zumindest dieser hier nicht.
    Alpha merkte, dass er gleich wieder in sich zusammen sinken würde, und drehte sich mühsam und unter einem erneuten Aufwall von Schmerzen so, dass er sich gegen die Höhlenwand lehnen konnte. Jetzt saß er seinem Retter schräg gegenüber, auch wenn er ihn nur noch verschwommen wahrnehmen konnte - seine Augen versagten ihm den Dienst. Er schloss sie und ließ schwer atmend den Kopf gegen die Höhlenwand fallen.
    "Die... Die Menschen... sind sie... weg?", fragte er schwach, und ihm wurde langsam bewusst, wie viel Glück er gehabt hatte. Er hätte tot sein können. Diese Menschen, sie... Schon der Gedanke an sie tat weh und ließ all die Furcht und Panik zurück kommen.
    Ganz ruhig. Hier bist du in Sicherheit. Er war sich selbst nicht sicher, warum er sich das sagte, aber irgendwie spürte er, dass ihm hier nichts passieren würde.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 01.07.2009, 20:25


    Cylen war, an die Wand der Höhle gelehnt, bereits halb eingenickt, als der Junge sich bewegte und schließlich aufsetzte. In seine Aura, die während der ganzen Zeit immer kräftiger geworden war, kam schlagartig wieder Leben, als er sich verwirrt umschaute und etwas murmelte, das Cylen nicht verstand. Aber es war wohl nicht so wichtig gewesen, schließlich war er noch ziemlich durcheinander.
    Als er sich mit schwacher Stimme für seine Rettung bedankte, quittierte Cylen dies mit einem knappen Nicken und verzichtete darauf, ihm zu erklären, dass das sowieso nicht seine Entscheidung gewesen war – aber selbst wenn, hätte er ihn vermutlich trotzdem nicht einfach liegen lassen. Gut, wenn es einer von den Dunklen gewesen wäre, wäre das vielleicht etwas anderes gewesen, aber die meisten Luftleute waren ganz in Ordnung.
    Dieses Luftwesen hier schien sich allerdings – selbst abgesehen davon, dass es schwer verletzt war und dementsprechende Anzeichen von Schmerzen erkennen ließ – hier nicht ganz wohl zu fühlen, wirkte ziemlich nervös. Doch wahrscheinlich lag das einfach daran, dass es vor kurzem fast umgebracht worden wäre. Zumindest fragte der Junge nun auch, ob die Menschen weg seien, und um seine Angst zu erkennen, hätte Cylen seine Fähigkeit, Auren zu sehen, gar nicht gebraucht.
    „Die waren schon weg, als ich dich gefunden habe“, entgegnete der Engel ruhig. „Sie denken wahrscheinlich, du wärst längst verblutet.“
    Er zuckte mit den Schultern und nahm einen Stock in die Hand, mit dem er ein wenig in der Feuerstelle herumstocherte, um die Flammen wieder stärker anzufachen. Solange er noch nicht schlief, sollte es hier drin gefälligst halbwegs hell bleiben.
    „Wie bist du überhaupt mit denen aneinander geraten?“, fragte er währenddessen noch, tatsächlich etwas interessiert. Die meisten magischen Wesen sahen schließlich zu, gar nicht erst in Kontakt mit Menschen zu kommen, zumindest die, die sich nicht so gut tarnen konnten. Aber selbst, wenn sie erkannt hatten, dass der Junge nicht menschlicher Natur war – was man schwerlich übersehen konnte – war das vermutlich nicht so schlimm, weil niemand ihnen ernsthaft Glauben schenken würden. Eigentlich war es schon seltsam, dass sie ihn einfach liegen gelassen und nicht als Beweis mitgeschleppt hatten… doch das Verhalten der Menschen überraschte einen eben immer wieder aufs Neue. Vielleicht würde ja die Geschichte des Jungen auch diese Frage klären.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 02.07.2009, 00:26


    Erleichtert entspannte sich Alpha etwas. Sie waren weg. Weg, irgendwo - und er würde sie hoffentlich nie, nie wieder sehen. Außerdem hatte sein Gegenüber noch etwas Holz nachgelegt, sodass es nun etwas heller in der Höhle war und nicht mehr ganz so unheimlich.
    Fast hätte der Aeridianer dabei die Frage überhört, die der Engel ihm gestellt hatte. Er dachte nur ungern daran zurück, und eigentlich wollte er auch nicht darüber sprechen - aber noch weniger wollte er sich vor seinem Retter undankbar zeigen. Außerdem tat es normalerweise gut, über solche Dinge zu reden. Außer, man wurde von seinem Gegenüber mit Verachtung gestraft...
    "Ich... bin eingeschlafen", begann er mit leiser Stimme zu erklären. "Als ich wieder aufgewacht bin, waren sie plötzlich da... Sie wollten... Geld... Glaube ich. Sie haben mir ein paar meiner Sachen weggenommen... Als ich mich gewehrt habe, haben... haben sie zugeschlagen. Und versucht, mich umzubringen... damit ich sie nicht verrate. Ich... Ich glaube, sie haben gedacht, die Flügel und so wären eine... Verkleidung."
    Der Junge kniff die Augen zusammen und versuchte, die Erinnerungen so schnell wie möglich beiseite zu schieben. Er wollte sich nicht mehr daran erinnern, wollte, dass diese Gedanken verschwanden...
    Erst jetzt, nach dieser ziemlich langen Rede, merkte Alpha, wie trocken sein Mund eigentlich war. Außerdem bräuchte er irgendwas, um sein Fieber zu senken. Das war ein Problem seines Volkes - das Fieber, dass sie bekamen, stieg immer höher, wenn man nichts dagegen tat. Und auch sie konnten bei zu hohem Fieber sterben. Aber... war es nicht ziemlich unhöflich, gerade gerettet worden zu sein und schon Ansprüche zu stellen? War es. Aber er konnte nicht anders.
    "Hast du... Hast du vielleicht etwas Wasser?", fragte er also vorsichtig, in der Hoffnung, den Engel nicht gleich zu verärgern.
    Da fiel ihm noch eine Frage ein, eine die eigentlich viel wichtiger war.
    "Und... wer bist du eigentlich?"
    Ja, wer war er? Und was würde er jetzt tun? Ihn liegen lassen, sobald es wieder hell wurde? Was würde er dann machen? Ohne Hilfe würde er hier nicht lange überleben - er konnte sich ja gerade mal aufsetzen, und er bezweifelte, dass er aufstehen konnte. Allerdings schätzte Alpha ihn trotz seiner abweisenden Haltung nicht so ein.
    Was er wohl für ein Engel war? Alpha wusste, dass es verschiedene Arten von ihnen gab - unter anderem die Todesengel. Vielleicht war er ja auch einer von ihnen, und wartete hier darauf, dass er sterben würde...?
    Nein. Das ergab keinen Sinn, dann hätte er ihn wohl kaum gerettet.
    Es würde schon irgendwie alles wieder gut werden.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 02.07.2009, 21:53


    Seine Erklärung schien den Jungen glücklicherweise wirklich zu beruhigen. Das letzte, was er jetzt brauchen konnte, war ein nervliches Wrack, um das er sich kümmern musste.
    Cylen lauschte nun also der stockenden Geschichte, die auch ganz plausibel klang. Es waren wohl so eine Art Banditen gewesen, die sich, warum auch immer, im Wald herumgetrieben hatten. „Die sehen wirklich immer nur, was sie sehen wollen“, sagte er trocken, als der Junge meinte, die Menschen hätten seine Flügel wohl für eine Verkleidung gehalten. Und es stimmte wirklich, die bemerkten nichts, was über ihr begrenztes Weltbild hinausging. Obwohl sich wegen der unheimlichen Legenden kaum jemand tiefer in den Wald hineintraute. Menschen waren schon irgendwie seltsam.
    Hast du vielleicht etwas Wasser?, fragte der Junge nun, woraufhin Cylen wortlos in seine Tasche griff und ihm einen Wasserschlauch reichte, um sich gleich der nächsten Frage zuzuwenden: Wer bist du eigentlich?
    „Mein Name ist Cylen“, antwortete er, auch wenn das eigentlich nur eine halbe Antwort war. Aber wenn der Junge nähere Erklärungen hören wollte, dann sollte er eben nochmal nachhaken. „Brauchst du noch irgendwas oder so?“, fügte er allerdings gleich hinten an, um eben ein solches Nachhaken zu verhindern – auf ein längeres Gespräch konnte er gut und gerne verzichten. „Ansonsten leg’ ich mich schlafen.“
    Vermutlich machte er sich gerade mit seiner etwas ruppigen Art mal wieder nicht allzu beliebt, aber das war ihm egal. Die verhältnismäßig gute Laune von vor ein paar Stunden war dahin, und die nächsten Tage durfte er vermutlich Aufpasser und Krankenpfleger für den Jungen spielen, damit dieser nicht doch noch verreckte (er kam ihm nicht so vor, als würde er sich sehr schnell wieder erholen). Es waren wirklich wundervolle Aussichten.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 02.07.2009, 22:42


    Wasser. Der Engel hatte tatsächlich einen Wasserschlauch, den Alpha mit einem gehauchten "Danke" entgegennahm.
    Der Aeridianer trank ein paar Schlucke daraus, dann riss er sich mit zittrigen Händen von seinem - sowieso schon ziemlich kaputten - Oberteil, welches ihm bisher als Kopfkissen gedient hatte, einen Streifen ab und machte ihn nass, um ihn sich dann an die Stirn zu halten. Das kühle Tuch tat gut, allerdings war ihm bewusst, dass es wohl nicht lange kühl bleiben würde. Egal, es musste auch so gehen.
    Mein Name ist Cylen.
    Die Antwort auf seine Frage hätte er beinahe überhört. Cylen. Ein seltsamer Name, allerdings erklärte ihm das noch nicht, was genau er war. Doch als er ihm gerade den Wasserschlauch zurück gab und noch etwas nachfragen wollte, kam ihm der Engel zuvor. Brauchst du noch irgendwas oder so? Ansonsten leg' ich mich schlafen.
    "Eh - Nein", antwortete Alpha schnell. Es war wohl keine so gute Idee gewesen, ihn danach zu fragen, wer er war. Überhaupt war es nicht gut gewesen, so viel mit ihm zu reden, es sah nicht so aus, als ob er ein Freund solcher Gespräche wäre. Und das erste, was er tat, war natürlich... Er sollte sich auch wieder schlafen legen. Sein Körper brauchte dringend Ruhe, und es war auch für ihn nicht sonderlich hilfreich, hier herumzusitzen und zu reden, ganz abgesehen davon, dass er sowieso keinen Vernünftigen Satz zustande brachte. Sein Kopf glühte förmlich und sein Körper protestierte heftig, als er sich wieder hinlegte. Nach dieser 'Anstrengung' fühlte er sich gleich noch um einiges elendiger als zuvor. Erschöpft schloss er die Augen.
    "Gute... Nacht...", murmelte er, dann sank er auch schon in einen unruhigen, von Fieberträumen geplagten Schlaf.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 02.07.2009, 23:34


    Der Junge verwendete das Wasser, um sich mithilfe eines Stoffstreifens die Stirn zu kühlen. War es so heiß hier drin…? Da fiel Cylen ein, dass irgendjemand ihm mal gesagt hatte, dass einige Wesen Fieber bekamen, wenn sie verletzt waren. Vielleicht war der Junge ja eines dieser Wesen.
    Er gab allerdings an, nichts mehr zu brauchen, und legte sich dann selbst wieder auf den Boden. Bals darauf schien er auch schon eingeschlafen zu sein, also legte Cylen sich ebenfalls hin, eine zusammengerollte Decke als Kopfkissen verwendend.

    ~ Timejump: Next morning ~

    Wie immer erwachte Cylen bei Sonnenaufgang. Auch wenn dieser ein alltägliches Ereignis war, war er doch seiner Meinung nach nichts, was man verschlafen sollte – oder verschlafen konnte.
    Gähnend richtete der silberhaarige Engel sich auf, warf einen kurzen Blick auf den nach wie vor schlafenden Jungen (oder auf dessen Umrisse, es war nämlich noch nicht hell genug, um mehr zu erkennen), nahm den fast leeren Wasserschlauch in die Hand und ging dann nach draußen, wo er sich am Bach etwas wusch, den Schlauch auffüllte und dabei das Gefühl der ersten Sonnenstrahlen auf der Haut genoss, die auch die Umgebung in ihr goldenes Licht tauchten. Das restliche Leben im Wald erwachte ebenfalls langsam aber sicher, überall raschelte es, die Vögel zwitscherten. Überhaupt versprach es, wieder ein schöner Tag zu werden.
    Er blieb noch eine Weile entspannt sitzen, dann stand er wieder auf und streckte seine Arme und Flügel. Daraufhin lief er zwischen den Bäumen umher, auf der Suche nach etwas Essbarem: Das Resultat waren einige Früchte und Beeren, die eigentlich alle relativ reif aussahen.
    Schließlich, es war inzwischen ganz hell geworden, ging Cylen zurück in die Höhle und legte seine Ausbeute ein Stückchen neben die gestrige Feuerstelle. Der Junge schien immer noch zu schlafen und als Cylen vorsichtig seine Stirn fühlte, wurde ihm klar, dass er mit seiner Vermutung Recht gehabt hatte. Er hatte tatsächlich Fieber.
    Kurz überlegte Cylen, ob er den Jungen damit wohl aufwecken würde, dann nahm er aber doch den Stoffstreifen, den dieser schon vorher benutzt hatte, goss etwas kaltes Wasser darüber und legte ihn ihm wieder auf die Stirn.
    Anschließend verzog er sich wieder in seine Ecke der Höhle, lehnte sich an die Wand und fing an, ein bisschen was zu essen.
    Was sollte er jetzt eigentlich den ganzen Tag machen? Der Junge würde wohl kaum demnächst einfach aufstehen, sich bedanken und davonfliegen. Aber pausenlos neben ihm sitzen bleiben musste er ja eigentlich auch nicht… auch wenn er sich am besten nicht allzu weit entfernen sollte. Hm.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 08.07.2009, 00:49


    "Wo bin ich!?"
    Genervt meckerte der Narr vor sich hin. Gefühlte acht Stunden war er jetzt schon durch diesen Wald gelatscht, ohne auch nur auf einen Weg zu stoßen. Was sollte das? Er war doch immer nur gerade aus gegangen. So riesig konnte dieser Wald einfach nicht sein. Oder doch? Vielleicht konnte er noch fünf Wochen durch diesen Wald laufen, wenn er immer nur in eine Richtung ging. Vielleicht hörte er auch gar nicht mehr auf.
    Kyus Füße taten weh, und er beschloss, eine Pause einzulegen. Zu seinem Glück lag ganz in der Nähe ein umgekippter Baum, auf den er sich setzte und mürrisch in den Wald starrte. Je länger er so da saß und nichts tat, desto bekannter kam ihm die Gegend vor. Zwei Minuten später erkannte er einen seltsam gewachsenen Baum, an den er sich noch erinnern konnte. Er war hier schon einmal gewesen. Überhaupt, hier ganz in der Nähe war er losgegangen. Glaubte er zumindest. Aber wie war das möglich? Er war doch die ganze Zeit nur gerade aus...!
    Der Narr seufzte und legte den Kopf in den Nacken. Über ihm schien die Sonne durch die Baumkronen, es würde wahrscheinlich bald Mittag sein.
    Resigniert stand er auf und ging weiter. Allerdings ging er nicht lange, denn kurz darauf stolperte er über eine größere Baumwurzel und landete mit dem Gesicht im Dreck. Super. Was war das denn heute für ein Tag? Fluchend stand er auf und klopfte sich den Staub von der Kleidung. Moment, Staub? Der Narr blickte sich um - er befand sich auf einem Weg. Einem Weg! Nur - in welcher Richtung lag jetzt Mimluk? Zu seinem Glück hörte er gerade in diesem Moment Hufgetrappel - ein Pferdewagen. Hah! Freudig sprang er auf den Weg und wedelte mit den Armen. "Hey, halt mal!" rief er dem Kutscher zu, der sichtlich erbost sein Pferd zum Stehen brachte. "Aus dem Weg, Kind", schnauzte er den Jungen an. "Verzeihung. Ich würde Sie nur gerne Fragen, in welche Richtung ich nach Mimluk komme", sagte er höflich und deutete eine leichte Verbeugung an. Das schien den Mann halbwegs gnädig zu stimmen. "In der Richtung, in die ich gerade Fahre. Aber nein, ich nehme dich nicht mit. Und jetzt hau ab", fuhr der Mann ihn an, und Kyu trat zur Seite, sodass der Wagen weiter fahren konnte. Dennoch hatte er nicht vor, diese nette Gelegenheit verstreichen zu lassen. Deshalb beschloss er, trotzdem mit zu fahren, und sprang vorsichtig hinten auf den Wagen auf. Er hatte einige Kisten und Gefäße hinten in dem Planwagen, aber es gab genug Platz, um sich hinzusetzen und durch den Spalt zwischen den Planen nach draußen zu schauen.

    ~Timejump: 10 Minuten später~

    Als Kyu die ersten Häuser erkennen konnte, sprang er vom Wagen ab. Dieses mal war er allerdings nicht ganz so vorsichtig, weshalb er beim Aussteigen einen der Tonkrüge umstieß. Bei dem Klirren zuckte er zusammen, und gleich darauf hörte er die Stimme des Kutschers diverse Flüche brüllen.
    Er lächelte dem Mann zu und hob die Hand zum Abschied. "Danke für's Mitnehmen!", rief er noch, ehe er zwischen den Bäumen im Wald verschwand.
    Da nach ein paar Minuten niemand gekommen war, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen - so wie der Mann aussah, hätte er ihn sowieso niemals zu fassen bekommen - ging er wieder auf den Weg und machte sich auf den Weg in die Stadt.
    Er musste nicht lange suchen, bis er Lia fand - sie stand vor dem Haus, in dem sie wahrscheinlich übernachtet hatte, und striegelte ihren Rappen.
    "Hey, Lia!", rief er ihr schon von weitem zu und trabte ihr dann entgegen. "Da bin ich wieder. Du hast mich bestimmt schon vermisst, oder?", fragte er mit einem Grinsen im Gesicht.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 08.07.2009, 03:30


    Zwischen ziemlich viel Gehuste und mit kratziger Stimme brachte Sharon schließlich heraus, dass hier in der Nähe einer der alten Eingänge zum Tunnelsystem war, was hieß, dass sie in einer Höhle lagern würden.
    Das es hier einen alten Eingang gab, wusste sie allerdings nicht, sie kannte selber noch nicht alle Winkel und Ecken des Tunnelsystems, aber wenn Sharon das sagte, würde es wohl stimmen.
    "Gut", meinte sie mit einem kurzen Nicken, auch wenn ihr Sharon Husten gar nicht gefiel. Außerdem befürchtete sie, dass es noch etwas dauern würde, bis sie da wären. Und der Rest des Tages würde wahrscheinlich auch nicht viel erfreulicher werden. Sie würden ein Lager errichten. Schweigend. Sie würden Holz suchen und Feuer machen. Schweigend. Sie würden essen. Schweigend. Und dann würden sie sich schließlich schlafen legen. Vielleicht würde noch jemand ein geheucheltes 'Gute Nacht' über die Lippen bringen, und ansonsten würden sie auch - schweigen. Was für Aussichten.

    ~Timejump: Nacht~

    Schweigend lag Seren da und starrte an die Decke der Höhle. Es war alles genau so gekommen, wie sie es erwartet hatte. Keiner hatte ein Wort gesagt, sie hatten schweigend ihr Lager aufgeschlagen, schweigend gegessen und waren auch schweigend schlafen gegangen. Nicht einmal ein grießgrämiges 'Nacht' hatte jemand zu stande bekommen.
    Die Stimmung bei einer Beerdigung war besser.
    Abgesehen davon, dass es ihr vorkam, als würde es Sharon immer schlechter gehen, sie hatte zwischenzeitlich gewirkt, als würde sie gleich in sich zusammen fallen. Wenn es ihr morgen immer noch so ging, sollte sie es vielleicht in Erwägung ziehen, sie einmal auf ihren Gesundheitszustand anzusprechen. Und zwar richtig anzusprechen. Immerhin wäre das nicht das erste mal, dass ihre Anführerin zu stolz war um zuzugeben, dass sie sich mit etwas übernommen hatte und ihrem Körper etwas Ruhe gönnen musste.
    Aevar lag neben ihr, die Augen geöffnet und scheinbar mit seinen weißen, leeren Augen ins dunkel starrend. Doch mittlerweile kannte sie ihn so gut, dass sie wusste, wann er schlief und wann er wach war. Im Moment schlief er, auch wenn es durch seine immer offenen Augen, wenn man sie denn als Augen bezeichnen konnte, nicht so aussah.
    Mit einem leisen Seufzen zog sie sich ihre Decke bis zum Kinn und wälzte sich auf die Seite. Im Halbdunkeln konnte sie die Umrisse von Sharon und dieser Serika erkennen. Ob die beiden schliefen konnte sie nicht erkennen, allerdings bezweifelte sie es irgendwie. Resigniert schloss sie die Augen und hoffte darauf, doch noch Schlaf zu finden in dieser Nacht.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 09.07.2009, 00:54


    Seras. Da war Seras.
    Alpha wollte zu ihm hin laufen, lief, so schnell er konnte, flog schließlich - und doch kam er ihm nicht näher. Im Gegenteil, es schien, als würde er sich immer weiter von ihm entfernen. Dann waren plötzlich Menschen da. Menschen mit einem bösen Lächeln auf ihren Gesichtern. Sie griffen Seras an, schlugen ihm die Flügel von Leib, schlitzten ihn auf und ließen ihn liegen. Und er konnte ihm nicht helfen. Konnte nur stumm zusehen. Dann kamen die Menschen auf ihn zu. Mit ihren Messern. Kurz, bevor sie ihn erreicht hatten, wechselte das Bild. Sein Dorf, das Dorf der Aeridianer, dort, wo er einmal gelebt hatte. Er befand sich auf einem der Bäume, neben ihm saß Seras.
    Auf einmal tauchten sie wieder auf, die Menschen. Sie waren einfach da, gingen in die Häuser, töteten seine Eltern, töteten sein ganzes Volk. Alpha wollte aufspringen, etwas tun, doch Seras hielt ihn zurück. "Lass sie", sagte er nur. "Aber warum? Sie töten sie! Sie töten sie alle!"
    "Dich töten sie auch", sagte sein Freund tonlos, und als er ihm das Gesicht zuwandte, war es nicht sein Gesicht, sondern dass des Menschen, der ihm die Brust aufgeschlitzt hatte. Er hatte ein Messer in der Hand und grinste ihn hämisch an.

    "Seras!"

    Mit einem Ruck fuhr Alpha hoch. Sein Atem ging schwer, und er war schweißüberströmt. Sein ganzer Körper schmerzte, und er spürte, wie frisches Blut die Verbände über seinem Oberkörper durchnässte.
    Die Verletzungen müssen wieder aufgegangen sein, ging es ihm auf.
    Sein ganzer Körper zitterte, ihm war schwindelig und es fiel ihm schwer, sich aufrecht zu halten. Als sein Atem sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, nahm er langsam seine Umgebung war.
    Er war immer noch in der Höhle, in die der Engel ihn gebracht hatte. Das Feuer war aus, und neben ihm lag der Stofffetzen, den er zum kühlen für seine Stirn benutzt hatte. Er tastete danach und drückte ihn sich wieder ins Gesicht. Er war kühl, sogar noch feucht. Cylen musste ihn wieder nass gemacht haben.
    Cylen.
    Wo war er?
    Alpha sah auf und entdeckte den Engel an einer Wand sitzen. Neben ihm lagen einige Früchte, und er sah mit seinen grünen Augen zu ihm hinüber. Etwas erschrocken von der Durchdringlichkeit seiner Augen blickte er zu boden. Jetzt, wo es recht hell in der Höhle war, wirkte er mehr wie eines der Lichtwesen; heller irgendwie, strahlender. Dennoch wusste er immer noch nicht, wie er ihm begegnen sollte. Nachdem er ihn am letzten Abend gefragt hatte, wer er sei, und er das wohl nicht besonders toll fand, war es wohl eine schlechte Idee, jetzt viel zu sagen. Aber er war noch da. Er war nicht abgehauen und hatte ihn hier allein gelassen. Das war etwas, das er eigentlich nicht erwartet hätte. Denn wahrscheinlich hatte er besseres zu tun, als hier in einer Höhle zu sitzen und auf ihn aufzupassen.
    "Guten Morgen", sagte Alpha leise. Seine Stimme klang immer noch fürchterlich, und sein Kopf fühlte sich beim Sprechen an, als würde er gleich explodieren.
    Er würde schon wieder gesund werden. Normalerweise brauchten Aeridianer nur wenige Tage, um sich von solchen Verletzungen zu erholen. Hoffentlich gingen diese Tage schnell vorbei...



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 09.07.2009, 01:15


    Als Liliana aufwachte – aufwachte in ihrem wunderbaren Bett, das sie unter anderem Umständen zwar alles andere als wunderbar gefunden hätte, das aber im Moment einfach toll war – war die Sonne schon ein gutes Stück am strahlend blauen Himmel nach oben geklettert.
    Einen Moment blieb sie noch liegen, dann stand sie auf, wusch sich und zog ihr Kleid wieder an. Es war blau und für ihre Verhältnisse sehr schlicht, da sie nicht auffallen wollte. Und inzwischen war es sowieso ziemlich schmutzig, so dass in ihr mit Sicherheit niemand, der sie noch nicht persönlich getroffen hatte, die Thronerbin von Narya erkennen würde.
    Bei diesem Gedanken lächelte Lia etwas, dann kämmte sie sich noch ordentlich die langen schwarzen Haare und begab sich nach unten in die Gaststube, wo sie ihr Frühstück zu sich nahm. Der Wirt schien recht schweigsam oder einfach schlecht gelaunt zu sein, jedenfalls stellte er ihr nur das hin, was sie bestellt hatte und verzog sich dann wieder hinter den Tresen. Ansonsten befanden sich auch nur zwei weitere Personen im Raum, was möglicherweise der Grund für sein Verhalten sein konnte – wenn die Geschäfte schlecht liefen, hob das die Laune mit Sicherheit nicht sonderlich.
    Als sie fertig war und bezahlt hatte, spazierte Lia nach draußen, sah kurz nach ihrem Pferd, dem es aber anscheinend gut ging, und spazierte dann etwas durchs Dorf, um sich die Zeit zu vertreiben, bis Kyu wiederkam. Ein bisschen freute sie sich schon darauf, ihn damit aufzuziehen, dass er draußen genächtigt hatte, während sie in einem weichen Bett hatte schlafen können – nur kam Kyu nicht wieder. Jedenfalls ließ er sich eine ganze Weile Zeit und langsam begann sie schon, sich Sorgen zu machen, dass ihm etwas passiert war.

    Es war bereits Mittag, Lia kannte jeden Winkel dieses Dorfes auswendig, hatte sich mit mehreren Bewohnern unterhalten und striegelte ihre Rappstute Anwyn bereits zum zweiten Mal, als der Narr sich endlich wieder sehen ließ.
    Hey, Lia!, rief er schon von weitem und lief grinsend auf sie zu. Da bin ich wieder. Du hast mich bestimmt schon vermisst, oder?
    Das Mädchen lachte leise und verdrehte dann die Augen. „Ich würde ja guten Morgen sagen, aber es ist kein Morgen mehr… wo hast du so lange gesteckt? Hast du dich verlaufen?“, neckte sie ihn.
    Möglicherweise hatte er sich ja auch absichtlich Zeit gelassen, um sie zu ärgern, aber eigentlich glaubte sie das nicht. Und theoretisch hätte sie ja nicht einmal unbedingt auf ihn warten müssen… aber irgendwie war es doch etwas schöner, nicht vollkommen allein zu reisen, das musste sie zugeben.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 09.07.2009, 23:19


    Während des Essens beobachtete Cylen den Jungen aus den Augenwinkeln. Dieser hatte nämlich gerade angefangen, sich unruhig hin und her zu wälzen, vermutlich ein Fiebertraum. Die Frage, ob er ihn aufwecken sollte, erledigte sich dann allerdings von selbst, denn plötzlich rief der Braunhaarige Seras! und fuhr hoch.
    Cylen runzelte die Stirn und fragte sich, wer oder was dieser Seras war. Er sagte aber nichts und sah dem Jungen nur weiter dabei zu, wie er eine Weile schwer atmend und zitternd sitzen blieb, bis er sich den nassen Stoffstreifen wieder auf die Stirn drückte und sich in der Höhle umsah, anscheinend noch leicht verwirrt. Schließlich fiel der Blick auch auf ihn, der er immer noch an die Wand gelehnt dasaß, jedoch richtete er die Augen schnell wieder Richtung Boden. War wohl etwas schüchtern, der Junge, auch wenn er jetzt ein leises Guten Morgen von sich gab, wobei man anmerken musste, dass seine Stimme sich furchtbar anhörte.
    „Guten Morgen. Willst du etwas essen oder trinken?“, entgegnete Cylen und nickte zu den Früchten und dem Wasserschlauch hinüber. „Auf die Frage, wie du dich fühlst, kann ich wohl verzichten“, fügte er mit einem schwachen Lächeln hinzu.
    In der Tat, wenn man fast gestorben wäre, fühlte man sich meistens nicht sonderlich gut. Dazu kam das Fieber des Jungen, das sehr hoch zu sein schien (Cylen hoffte, dass man nicht irgendwelche zusätzlichen Maßnahmen ergreifen musste, um es zu senken).
    „Wir sollten jedenfalls deine Verbände wechseln“, sagte er außerdem, die alten Verbände, die inzwischen mehr rot als weiß waren, kritisch betrachtend.
    Wieso war er eigentlich auf einmal so gesprächig…? Merkwürdig. Allerdings konnte man sagen, dass seine Laune auch besser war, als am letzten Abend, was schon dadurch erleichtert wurde, dass es… nun ja, dass es nicht Abend und somit wesentlich heller war. Außerdem konnte man ja nicht andauernd miesepetrig sein. Und davon mal ganz abgesehen, würde er die nächsten Tage mit diesem Jungen verbringen müssen, also wäre es reichlich bescheuert, sich nur anzuschweigen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 10.07.2009, 01:36


    Leicht perplex saß Alpha da und wusste nicht, was er von dieser Situation halten sollte. Cylen war plötzlich so gesprächig geworden, dass er sich fragte, ob das der selbe Engel war, der hier auch gestern abend gesessen hatte.
    Vielleicht hatte er sich in ihm ja doch getäuscht, und er war gar nicht so verschlossen, wie er zu Anfang gewirkt hatte?
    Auf die Frage hin, ob er etwas essen oder trinken wollte, merkte der Aeridianer erst, was für einen Hunger er eigentlich hatte. Immerhin hatte er seit fast einem Tag nichts mehr gegessen.
    "Ja, danke", sagte er also und trank etwas Wasser, bevor er sich eine Birne nahm und hineinbiss.
    "Besonders gut geht es mir momentan wirklich nicht, nein... Ich müsste allerdings relativ schnell wieder gesund werden." Im Grunde genommen fühlte er sich sogar noch schlechter als gestern abend, aber das wollte er nicht unbedingt durchklingen lassen, denn sonst würde Cylen vielleicht denken, er würde auch noch falsch helfen. Warum er den letzten Satz angehängt hatte, wusste er selber nicht. Vielleicht, um dem Engel zu zeigen, dass er nicht allzu viel Zeit mit ihm verbringen musste.
    "Was die Verbände betrifft, hast du allerdings recht...", meinte er mit einem Blick auf die mittlerweile schon ziemlich roten Verbände.
    Vorsichtig versuchte, er, sich etwas bequemer hinzusetzen, was sich jedoch als nicht ganz einfach herausstellte. Jede noch so kleine Bewegung seines Oberkörpers schmerzte, und der harte Boden der Höhle machte es auch nicht gerade einfacher, eine halbwegs entspannte Position einzunehmen. Höhlen waren einfach nichts für ihn. Wie konnten es nur einige Lebewesen hier drinnen aushalten? Es war dunkel, kalt, unbequem und man konnte nicht fliegen...
    Es mussten schon traurige Gestalten sein, die es wirklich schafften, hier ihr Dasein zu fristen. Vielleicht sollte er später nach draußen gehen und sich dort ausruhen. Das würde ihm bestimmt gut tun. Und eigentlich war Cylen doch in gewisser Weise auch ein Flieger. Musste er es da nicht auch schöner finden, sich unter freiem Himmel aufzuhalten...?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 05.08.2009, 00:23


    Das Mädchen schien die Frage, ob sie ihn schon vermisst hatte, gänzlich zu überhören, verdrehte nur die Augen. Warum!? Hatte sie etwa nicht schon die ganze Zeit sehnlichst auf ihn gewartet?
    Doch, bestimmt hatte sie das. Sie war bloß zu schüchtern, um das zuzugeben. Hah!
    Stattdessen fragte sie, wo er denn gewesen wäre, und ließ dabei durchklingen, dass sie es wohl nicht so toll fand, dass er erst jetzt gekommen war.
    "Ach, du kannst trotzdem 'Guten Morgen' sagen, ich hab' da kein Problem mit", entgegnete er fröhlich. "Und verlaufen? Ich? Was denkst du eigentlich von mir? Ich würde mich nie verlaufen. Nein, ich habe nur auf eine günstige Gelegenheit gewartet, um nicht ins Dorf laufen zu müssen. Ich war nämlich ziemlich weit weg - hat etwas gedauert, bis ich einen geeigneten Schlafplatz gefunden hatte. Und leider waren die Kutschen, die auf dem Weg gefahren sind, nicht gerade zahlreich... Genauer gesagt war die, die ich genommen habe, die einzige in vier Stunden. Ich wäre ja gelaufen, aber im Gegensatz zu dir laufe ich nun schon eine Weile länger zu Fuß durch die Gegend und hielt es daher für angebracht, zu fahren."
    Kyu fand, er hatte das sehr überzeugend dargestellt. Er hatte nicht die Absicht, vor diesem Mädchen zu sagen, dass er sich wirklich verlaufen hatte. Aber seine Geschichte klang doch eigentlich ganz glaubwürdig, oder nicht? Jedenfalls besser als 'Ja, ich habe mich verlaufen und bin den halben Tag im Wald herumgeirrt, bis ich endlich eine Straße gefunden habe.'
    "Wie auch immer", begann er, vom Thema abzuschweifen, "Ich denke, wir sollten dann mal weiter reisen, oder? Wir haben schließlich nicht den ganzen Tag Zeit", meinte er gut gelaunt und klopfte Lias Pferd freundschaftlich den Hals. "Nicht war? Wir beide müssen heute noch ein ordentliches Stück laufen."
    Mit diesen Worten rückte sich der Narr die Maske zurecht und sah seine Mitreisende an, in der Erwartung, dass sie sich jetzt auf den Rücken ihres Pferdes schwang und losritt - und zwar in die Richtung, in die sie mussten. Und ihm damit ganz beiläuftig sagte, wohin er gehen musste.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 05.08.2009, 01:09


    Cylen sah zu, wie der Junge etwas trank und aß, nachdem dieser über seine anfängliche Verwirrung - vermutlich auch über Cylens plötzliche Gesprächigkeit - hinweggekommen war. Aus seiner Aussage, dass er schnell wieder gesund werden müsste, war zu schließen, dass Cylen mit seiner Vermutung Recht gehabt hatte – trotzdem wollte er vorsichtshalber nachfragen.
    „Deine Wunden heilen schnell, aber dafür bekommst du Fieber, richtig?“, fragte er, während er schon einmal in seiner Tasche nach neuen Verbänden suchte. Sonderlich viele waren nicht mehr übrig. „Ist das gefährlich? Kann es passieren, dass das Fieber zu hoch wird?“, fügte er außerdem sicherheitshalber hinzu. Wenn diese Gefahr bestand, würde er bei seinem nächsten Gang im Wald nach fiebersenkenden Kräutern suchen; Soweit kam es noch, dass er den Jungen hier zwar zusammengeflickt hatte, der ihm aber wegen zu hohen Fiebers wegstarb.
    Als er schließlich genug Verbandszeug zusammen und in den Tiefen seiner Tasche zufällig noch eine unter anderem entzündungshemmende Salbe gefunden hatte (er hoffte, dass sie sich da noch nicht dreißig Jahre oder länger versteckte), erhob der Engel sich, überbrückte die Entfernung zu dem Jungen mit wenigen Schritten und kniete sich erneut neben ihn.
    Die alten Verbände waren mittlerweile blutdurchtränkt und er warf sie erst einmal einfach auf den Boden, nachdem er sie gelöst hatte. Anschließend betrachtete er stirnrunzelnd die Wunden, die glücklicherweise bisher nicht so aussahen, als wollten sie sich entzünden, aber trotzdem ein alles andere als schöner Anblick waren. Sie bluteten, wenn auch nicht so schlimm wie am vorherigen Abend, so dass Cylen sich wenigstens nicht die ganze Zeit Sorgen machen musste, dass der Junge jeden Moment verblutete. In aller Ruhe wusch er die Wunden noch einmal aus, trug die Salbe auf und legte die neuen Verbände an.
    Jedes Mal, wenn er dabei die Haut des Jungen berührte, merkte er, dass dieser vor Fieber fast glühte. Wahrscheinlich war seine vorherige Frage wirklich angebracht gewesen.
    „So…“, murmelte er, als er fertig war und wusch sich die Hände mit klarem Wasser ab – gleich würde er schon wieder Neues holen müssen. „Wie heißt du überhaupt, Kleiner?“, fragte er dann noch.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 16.08.2009, 16:49


    "Deine Wunden heilen schnell, aber dafür bekommst du Fieber, richtig?", fragte Cylen, während er seine Tasche durchsuchte - wahrscheinlich nach Verbänden.
    "Ist das gefährlich? Kann es passieren, dass das Fieber zu hoch wird?", fragte er weiter. Woher wusste er das? Nun, vielleicht waren sie nicht das einzige Volk, bei dem das so war. Vielleicht war sein Retter auch einfach ziemlich bewandert in solchen Dingen. Er hatte ja nichtmal eine Ahnung, wie alt er schon war - vielleicht war er ja schon etwas herumgekommen in seinem Leben.
    "Ja, richtig", antwortete Alpha, während Cylen zu ihm kam und begann, die alten Verbände zu lösen.
    "Und es kann durchaus passieren, dass das Fieber zu hoch wird", meinte er, dann biss der Aeridianer die Zähne zusammen, weil Cylen gerade begann, ihm irgendeine Salbe auf die Verletzungen zu schmieren. Nicht, das es nicht so schon genug weh getan hätte, nein, dieses Zeug brannte höllisch. Aber Alpha ließ sich nichts anmerken, schließlich war es zu seinem besten. Die Hände des Silberhaarigen waren angenehm kühl auf seiner Haut, aber vielleicht kam ihm das auch nur so vor, weil ihm schrecklich heißt war.
    "So...", meinte Cylen, als er schließlich fertig war. Alpha blickte an sich herunter; ein frischer, weißer Verband zierte seine Brust. Es schien fast, als wäre sein Retter geübt darin, Verbände anzulegen, jedenfalls sah es ziemlich professionell aus.
    "Wie heißt du überhaupt, Kleiner?", fragte Cylen noch, während er sich die Hände abwusch.
    Kleiner. Wie oft hatten die anderen ihn so genannt? Es war fast sein zweiter Name geworden. Für sein Volk war er auch ziemlich klein, ja. Aber er war nicht so viel kleiner als Cylen.
    Der Gedanke an sein Volk stimmte ihn traurig. Wie oft hatte er sich gewünscht, zu ihnen zurückzukehren, einfach wieder das Leben zu führen, dass er früher geführt hatte. Wie oft hatte er sich sagen müssen, dass das nicht ging, dass sein alter Leben vorbei war.
    "Ehm - Alpha. Ich bin Alpha, vom Volk der Aeridianer", entgegnete er und zwang sich zu einem leichten Lächeln.
    "Und Danke."



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 17.08.2009, 21:32


    Der Junge stimmte ihm bei der Frage nach dem Fieber zu und erklärte, dass es durchaus passieren konnte, dass dieses zu hoch wurde. Es war also gut, dass er gefragt hatte.
    Bei der Frage nach seinem Namen flackerte die Aura des Jungen kurz, als würde ihn irgendetwas bedrücken, und Cylen wollte schon fragen, ob etwas nicht stimmte. Doch dann war es schon wieder verschwunden und er bekam eine Antwort.
    "Ich bin Alpha, vom Volk der Aeridianer", sagte er und fügte mit einem schwachen Lächeln ein „Danke“ hinzu. Aeridianer hieß das Volk also… ja, jetzt, wo dieser Alpha es sagte, kam der Name Cylen vage bekannt vor. Aber man konnte schließlich nicht erwarten, dass er sich die Namen sämtlicher magischer Völker merkte.
    „Keine Ursache“, entgegnete der Engel schulterzuckend und verzichtete erneut auf die Erklärung, dass er sowieso keine andere Wahl hatte, als ihm zu helfen. Dabei kam ihm allerdings ein Gedanke – möglicherweise hatte Alpha irgendwo eine Familie oder Freunde, die sich ebenso gut um ihn kümmern konnten. Vielleicht konnte er ihn doch ein bisschen eher loswerden als geplant!
    „Wo kommst du denn überhaupt her? Ich kann dich zu deinen Leuten bringen, wenn du willst“, bot er also großzügigerweise an. Selbst wenn die sich ein gutes Stück entfernt befanden, sollte das kein Problem darstellen – als Schutzengel konnte er beim Fliegen noch jemanden tragen und Alpha war so leicht, dass er ihn kaum behindern würde.
    Aber vielleicht sollte er sich auch keine allzu großen Hoffnungen machen. Bei dem Pech, das ihn gewöhnlich verfolgte, würde vermutlich irgendetwas dazwischen kommen…
    Nachdenklich warf Cylen einen Blick nach draußen. Die Sonne schien nach wie vor, der Himmel war strahlend blau. Selbst wenn nichts daraus wurde, den Jungen bei irgendwem anders abzugeben, sollte er zusehen, dass sie den Tag über aus dieser düsteren Höhle herauskamen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 20.08.2009, 18:29


    "Keine Ursache", entgegnete Cylen und zuckte mit den Schultern. Gleichzeitig hoffte Alpha, dass er nicht weiter auf das Thema, wer er eigentlich war, eingehen würde. Natürlich tat er es doch.
    "Wo kommst du denn überhaupt her? Ich kann dich zu deinen Leuten bringen, wenn du willst", meinte er freundlich.
    Der Aeridianer zuckte unmerklich zusammen, ein scharfer Schmerz zuckte durch seine Brust. Dieses mal kam er nicht von den Schnittwunden.
    Seine Leute... Ja, was würden seine Leute wohl sagen, wenn er plötzlich halbtot zu ihnen zurückkehren würde? Wahrscheinlich würden sie ihn, statt ihm zu helfen, gleich ganz zur Strecke bringen. Ihre Gesetze waren hart. Er war verstoßen worden, und wenn er dennoch zurück kehrte, erwartete ihn der Tod.
    Aber was sollte er jetzt antworten? Er wollte ihn nicht anlügen, dass hatte er nicht verdient, nachdem, was er für ihn getan hatte. Genau so wenig wollte er die Wahrheit sagen. Sonst dachte Cylen noch sonst irgendwas über ihn - er sollte nicht glauben, dass er ein Verräter oder gar schlimmeres war.
    Nach einer kurzen Zeit des Schweigens, in der er fieberhaft über eine Antwort nachgedacht hatte, fing er schließlich an zu reden.
    "...Nein. Ich kann verstehen, wenn du mich loswerden willst, aber ich habe keine Leute, zu denen ich gehen kann", sagte er mit einem leichten Lächeln. Das war nicht gelogen. Alpha wollte seinem Retter keinen Vorwurf machen, und er hoffte sehr, dass es nicht als solcher angekommen war.
    "Aber... wollen wir nicht vielleicht nach draußen? Ich bin kein großer Freund von Höhlen, weißt du", setzte er noch hinzu, um von dem Thema weg zu kommen. Außerdem konnte Alpha sich nicht vorstellen, dass jemand mit Flügeln sich an so einem Ort wohlfühlen konnte. Es kam ihm so lange her vor, dass er zum letzten Mal das Licht der Sonne auf seinen Flügeln gespürt hatte...



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 21.08.2009, 21:49


    Auf seine Frage hin stürzte die Aura des Jungen schlagartig zusammen und wirbelte durcheinander, als wollte sie sich gar nicht mehr beruhigen. Cylen hob eine Augenbraue und wartete auf Alphas Antwort, hatte dabei allerdings schon ein ganz übles Gefühl. Das sich bestätigte.
    „...Nein. Ich kann verstehen, wenn du mich loswerden willst, aber ich habe keine Leute, zu denen ich gehen kann“, erklärte der Aeridianer mit einem schwachen Lächeln und veranlasste Cylen dazu, stumm vor sich hin zu fluchen. Na, immerhin lag Alpha ganz richtig mit seiner Einschätzung der Situation – er wollte ihn wirklich ganz gern loswerden. Jedoch machte sein Gefühlschaos Cylen schon ein wenig neugierig… hatte er da irgendeinen Nerv getroffen?
    Bevor er ihn darauf ansprechen konnte, fragte Alpha aber noch, ob sie nicht nach draußen wollten, da er Höhlen anscheinend nicht besonders mochte.
    Ach, richtig, erinnerte der Engel sich. Die Luftwesen sind doch alle lieber unter freiem Himmel. Das hatte er vergessen. Es kam ihm ja aber sowieso entgegen.
    Er nickte also und beschloss mit einem kurzen Blick auf den Jungen, dass dieser eindeutig nicht in der Lage war, selbst zu laufen, darum hob er ihn einfach hoch und stand auf. Dieses Mal war er sogar auf das geringe Gewicht vorbereitet, so dass das Ganze relativ vorsichtig vonstatten gehen konnte.
    Dann überlegte er, wo er ihn am besten wieder absetzte – aber vielleicht sollte Alpha das selbst entscheiden. „Wo willst du hin?“, fragte er ihn also, während er ihn nach draußen trug. Vor dem Eingang blieb er stehen und gab ihm so die Zeit, sich erst einmal umzusehen, beschloss aber gleichzeitig, zum vorigen Thema zurückzukehren. „Habe ich da vorhin in einer Wunde gestochert?“, fragte er geradeheraus.
    Er war sogar ein wenig gespannt, was Alpha darauf antworten würde… nicht, dass er sich sonderlich für dessen persönliche Lebensgeschichte interessierte, aber er wollte prinzipiell gern wissen, wodurch die Gefühle der Leute, die sie vor ihm nun mal unmöglich verbergen konnten, verursacht wurden.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 22.08.2009, 23:44


    Falls Cylen seine Aussage irgendwie falsch aufgefasst hatte, dann ließ er es sich nicht anmerken. Überhaupt konnte man ihm nicht ansehen, was er gerade dachte oder fühlte. Dennoch schien er auf seinen Themenwechsel einzugehen.
    Alpha war etwas überrascht, als der Silberhaarige ihn einfach hoch hob und nach draußen trug - er schien geahnt zu haben, dass der Aeridianer allein es wohl kaum geschafft hätte.
    Eigentlich müsste er sich schon wieder bedanken.
    "Wo willst du hin?", fragte Cylen schließlich und blieb vor der Höhle stehen.
    Sonnenlicht schlug Alpha ins Gesicht, er spürte die warmen Strahlen auf seiner Haut und musste kurz die Augen zusammenkneifen, weil er die Helligkeit nicht gewohnt war. Als er die Augen wieder aufschlug, erkannte er vor sich jede Menge Bäume - sie befanden sich also glücklicherweise noch im Wald. Ein kleiner Bach plätscherte ganz in der Nähe, und am Boden wuchsen einige wilde Blumen. Es war wunderschön. Er konnte den Wind wieder flüstern hören.
    In einiger Entfernung konnte der Aeridianer eine Grasfläche erkennen, auf der keine Bäume standen und die wahrscheinlich eine kleine Anhöhe darstellte. Dort wehte bestimmt ein wundervoll warmer Wind...
    "Dort drüben, auf den kleinen Hügel", antwortete er also mit einem schwachen Fingerzeig in die entsprechende Richtung.
    Schweigend setzte sich der Engel wieder in Bewegung. Aber das schweigen hielt nicht lange an.
    "Habe ich da vorhin in einer Wunde gestochert?"
    Alpha verkrampfte sich unwillkürlich. Woher wusste er das? Hatte man es ihm so deutlich angesehen, dass ihm dieses Thema unangenehm war? Das konnte nicht sein. Der Aeridianer riskierte einen kurzen Blick nach oben, und für einen Moment schaute er dem Engel in die grünen, durchdringenden Augen, in denen er neben der für ihn üblichen Ausdruckslosigkeit eine Spur von Interesse erkennen konnte. Schnell sah er wieder weg. Er wollte, er konnte ihn nicht belügen, aber es tat so weh, über sich selbst zu reden.
    "Ja", sagte Alpha leise.
    Der Wind, der sich vorher so wunderbar warm angefühlt hatte, kam ihm jetzt eisig und schneidend vor.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 29.08.2009, 23:01


    Alpha wollte gern auf einen kleinen Hügel, in dessen Richtung sich Cylen also in Bewegung setzte. Dazu machte er einen großen Schritt über den Bach und war bald bei der Anhöhe angekommen, auf der keine Bäume mehr standen. Er musste zugeben, dass ihm die Wahl ebenfalls gefiel, es war ein schönes Plätzchen, das fast vollständig in der Sonne lag.
    Auf seine Frage hin, ob er in einer Wunde gestochert habe, verkrampfte Alpha sich erst einmal und warf einen kurzen, verschreckten Blick zu ihm nach oben. Offensichtlich hatte Cylen den Nagel auf dem Kopf getroffen.
    „Ja“, antwortete der Junge dann auch leise, nachdem er sich wieder abgewandt hatte, und Cylen überlegte, ob er noch einmal nachhaken sollte. Er wollte ja schon gern wissen, was mit Alpha los war, aber andererseits kam es ihm doch etwas sehr aufdringlich vor.
    „Daraus schließe ich, dass du nicht darüber reden willst“, stellte Cylen darum nur trocken fest und legte den Aeridianer vorsichtig auf dem Boden ab. Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte er ihm anschließend den Rücken zu, nahm zwei Schritte Anlauf und breitete die Flügel aus, um dicht über dem Boden zurück zum Höhleneingang zu gleiten. Dieser Gleitflug war natürlich nur deshalb möglich, weil er sich von der Anhöhe nach unten sinken lassen konnte, andernfalls hätte er schon ein paar Mal mit den Flügeln schlagen und mehr Höhe gewinnen müssen. Dem Jungen vorher bescheid zu sagen, was er vorhatte, hielt er nicht für nötig, weglaufen konnte dieser schließlich nicht.
    An seinem Ziel angekommen holte er den inzwischen wieder leeren Wasserschlauch heraus, den er draußen erneut am Bach auffüllte, und ging dann zu Fuß den kleinen Hang wieder hinauf.
    „Was macht denn eigentlich dein Fieber?“, fragte er, während er den Schlauch in Alphas Reichweite auf den Boden legte und sich selbst daneben setzte. „Ich denke, du selbst kannst besser einschätzen, ob ich was suchen sollte, das es senkt… tun werde ich es sowieso, aber sonst warte ich, bis wir sowieso wieder was zu essen brauchen“, fügte er erklärend hinzu und warf dann einen Blick zum Himmel, ließ sich die Sonne aufs Gesicht scheinen. Es würde heute bestimmt warm werden.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 02.10.2009, 22:59


    Auf der Anhöhe angekommen, setzte der Engel ihn vorsichtig auf dem Boden ab.
    "Darauß schließe ich, dass du nicht darüber reden willst", sagte er kühl und wandte sich von ihm ab.
    Alpha antwortete nicht, sondern blickte nur schweigend auf die grüne Landschaft, die sich vor ihm erstreckte.
    Als er sich schließlich doch vorsichtig wieder umdrehte, um zu schauen, ob Cylen immer noch hinter ihm stand, sah er der Engel mit ausgebreiteten Flügeln den Abhang hinunter gleiten. Wo wollte er hin? War er so mit sich selbst beschäftigt gewesen, dass er die Worte des Silberhaarigen überhört hatte?
    Ob er wohl zu dem Schluss gekommen war, dass er es nicht wert war, sich mit ihm zu unterhalten, nachdem er ihn so mehr oder weniger unfreundlich abgewiesen hatte?
    Schließlich verschwand der Engel zwischen einigen Bäumen und damit aus seinem Sichtfeld. Wartend starrte Alpha auf den Fleck, an dem er ihn aus dem Blick verloren hatte, und war gerade zu der Überzeugung gelangt, dass er ihn wohl für eine Weile nicht mehr sehen würde, als Cylen schließlich wieder zwischen den Bäumen hervor trat. Schnell sah der Aeridianer weg und wartete, bis die näher kommenden Schritte ihn erreicht hatten. Schließlich legte der Engel einen Wasserschlauch auf den Boden - wahrscheinlich war er nur weg gewesen, um ihn aufzufüllen - und setzte sich neben ihn.
    "Was macht eigentlich dein Fieber? Ich denke, du selbst kannst besser einschätzen, ob ich was suchen sollte, das es senkt… tun werde ich es sowieso, aber sonst warte ich, bis wir sowieso wieder was zu essen brauchen", meinte er und wandte den Blick zum Himmel.
    "Es geht schon so", antwortete Alpha hastig. Er wollte nicht, dass der Engel sich noch mehr Mühen machte, als er es ohne hin schon tat. Und so schlimm war sein Fieber ja schließlich auch nicht.
    Oder?
    "Tut mir Leid, dass ich so abweisend bin", begann er nach einer kurzen Pause. "Ich bin dir wirklich sehr dankbar für deine Hilfe, aber..."
    Alpha brach den Satz ab und sah zu Boden. Das hatte jetzt nicht sehr überzeugend geklungen. Aber wie sollte er dem Engel denn sonst verständlich machen, dass er ihn eigentlich mochte?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 20.12.2009, 00:25


    „Es geht schon so“, erklärte Alpha. Cylen zuckte mit den Schultern. Na dann. Hoffentlich konnte dieser Aeridianer seine Situation wirklich halbwegs gut einschätzen.
    „Tut mir Leid, dass ich so abweisend bin. Ich bin dir wirklich sehr dankbar für deine Hilfe, aber...“, begann er nach einer Pause, brach den Satz allerdings ab und schaute zu Boden.
    Cylen wandte sich dem Jungen wieder zu und hob irritiert die Augenbrauen. Was sollte das denn jetzt? Und wieso überhaupt ‚abweisend’? Weil er ihm etwas nicht erzählen wollte? Nach diesem Kriterium wäre wohl eher er selbst der Abweisende von ihnen beiden.
    „Ich erwarte überhaupt nicht von dir, dass du mir deine Lebensgeschichte erzählst“, stellte Cylen schlicht fest. „Ich erzähle dir meine schließlich auch nicht. Du brauchst dich also nicht zu entschuldigen.“
    Auf den zweiten Teil der Aussage, den man wohl als ein ‚Dankeschön’ auffassen konnte, hätte jetzt vermutlich so etwas wie ein ‚Gern geschehen’ folgen müssen, aber da er nicht behaupten konnte, dass das zutraf, unterließ er es.

    Timejump: Unbekannte Zeitspanne, bis Alpha wieder halbwegs gesund ist.

    Der Wind pfiff unangenehm kalt um die Ecken, die Höhle bot kaum Schutz. Allgegenwärtig war das Rauschen der Bäume und wenn man nach draußen blickte, sah man herumwirbelnde Blätter und sich am Himmel auftürmende Wolkenberge.
    Cylen hatte jetzt eine knappe Woche mit Alpha verbracht und war gerade mal wieder dabei, dessen Verband zu wechseln. In den letzten Tagen waren die Wunden sehr gut verheilt und als er die Verbände nun abnahm, war kein Blut mehr an ihnen zu sehen.
    „Sieht gut aus“, meinte Cylen zu dem Aeridianer. „Du wirst noch ein bisschen aufpassen müssen, dass es nicht wieder aufreißt, aber sonst ist alles in Ordnung.“
    Das hieß dann wohl, dass er diese Sache abgehakt hatte. Er musste zwar zugeben, dass es nicht ganz so schlimm gewesen war, auf Alpha aufzupassen, wie er erst befürchtet hatte – er hatte schon wesentlich anstrengendere Gesellschaft gehabt – aber Cylen war trotzdem froh, bald wieder seiner eigenen Wege gehen zu können. Er mochte es nicht, länger Zeit mit anderen zu verbringen, und er befürchtete jetzt schon, dass Alpha bereits mehr darüber wusste, was in ihm vorging, als ihm lieb war.
    Aber vielleicht war das auch pure Einbildung. Sie hatten nicht so sonderlich viel über sich selbst gesprochen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 20.12.2009, 01:27


    Aus dem Augenwinkel sah Alpha, wie Cylen ihn ansah. Er zögerte kurz, doch dann drehte er sich zu dem Engel um - und blickte in irritierte, grüne Augen.
    "Ich erwarte überhaupt nicht von dir, dass du mir deine Lebensgeschichte erzählst. Ich erzähle dir meine schließlich auch nicht. Du brauchst dich also nicht zu entschuldigen."
    Der Aeridianer dachte über die Aussage nach. Eigentlich hatte er recht. Dennoch fühlte er sich in irgendeiner Weise unwohl in der Gegenwart des Engels. Es kam ihm vor, als würde Cylen ihn nicht mögen, ihn eigentlich gar nicht da haben wollen, es war, als wäre er der Grund für die verhaltene Stimmung zwischen ihnen.
    Aber warum war er dann nicht einfach gegangen? Er hätte ihn jederzeit hier zurück lassen können. Warum tat er es nicht?
    Alpha verstand das nicht. Er nickte nur kurz, dann wandte er den Kopf wieder ab und blickte in die Ferne.

    ~Timejump: Unbekannte Zeitspanne, bis Alpha wieder halbwegs gesund ist.~

    Eine knappe Woche später hatte Alpha immer noch keine Antwort auf seine Fragen gefunden. Aber er hatte begonnen, Cylen zu verstehen, sofern man einen Engel verstehen konnte.
    Sie hatten kaum ein Wort miteinander gewechselt, und nach der Frage nach seiner Familie hatte Cylen keine weiteren Versuche unternommen, etwas über ihn zu erfahren. Wenn er doch einmal mit ihm geredet hatte, dann waren das zweckmäßige, kurze Fragen gewesen.
    Die meiste Zeit hatte Alpha schlafend verbracht, und wenn er wach war, hatte er meist über den Engel nachgedacht. Er war zu dem Schluss gekommen, dass dieser kein von Grund auf schlechtes Wesen sein konnte. Denn obwohl er kaum mit ihm redete und ihn die meiste Zeit ignorierte, kümmerte er sich dennoch um ihn. Außerdem hatte er nach der einen Frage nie mehr versucht, ihn in irgendeiner Weise zu verletzen oder ihn gar zu etwas zu zwingen.
    Vielleicht war er einfach zu misstrauisch, um viel mit anderen zu reden. Vielleicht hatte er schlechte Erfahrungen gemacht. Jedenfalls schien er in seinem Inneren eigentlich ganz nett zu sein.
    "Sieht gut aus", sagte Cylen, der ihm gerade die Verbände abgenommen hatte. "Du wirst noch ein bisschen aufpassen müssen, dass es nicht wieder aufreißt, aber sonst ist alles in Ordnung."
    Alphas Herz schlug schneller. Es war ihm in den letzten Tagen stetig besser gegangen, seine Verletzungen taten kaum noch weh und das Fieber war auch abgeklungen.
    Das bedeutete, dass es Zeit war zu gehen.
    Der Aeridianer zog sich seine Kleidung wieder an und drehte sich dann zu dem Engel um.
    "Dann... sollte ich jetzt wohl gehen", sagte er gedehnt. Eigentlich wollte er das gar nicht. Obwohl sie nicht viel geredet hatten und Alpha die Hälfte ihrer gemeinsamen Zeit verschlafen hatte, war es doch schön gewesen, Gesellschaft zu haben. Er war jetzt schon so lange Zeit allein...
    Er stand auf.
    "Ich werde wohl erst einmal zu meinem Haus gehen und mir neue Kleidung holen", meinte er und zupfte an seinen zerschlissenen Sachen. "Ich... Ich bin dir wirklich sehr dankbar für deine Hilfe. Wenn ich es irgendwann wieder gutmachen kann, werde ich es tun. Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal wieder", sagte er Lächelnd und blickte an Cylen vorbei nach draußen. Ein kalter Wind pfiff durch die Bäume, Blätter flogen durch die Luft.
    Er wirkte so fröhlich, ausgelassen. Alpha war nicht fröhlich. Er verspürte nur Traurigkeit darüber, dass er jetzt gehen würde.
    Abschiede waren immer traurig.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 20.12.2009, 18:06


    Alpha zog seine nur noch mehr oder weniger zweckdienliche Kleidung wieder über und drehte sich dann zu ihm um. "Dann... sollte ich jetzt wohl gehen“, sagte er langsam und schien darüber nicht allzu glücklich zu sein. Merkwürdig… eigentlich sollte man sich doch freuen, wenn man wieder gesund war, oder?
    Schließlich stand der Aeridianer auf und erklärte, dass er zu seinem Haus gehen und neue Kleidung holen wolle, was Cylen durchaus sinnvoll erschien. Anschließend bedankte er sich noch einmal für Cylens Hilfe. „Wenn ich es irgendwann wieder gutmachen kann, werde ich es tun. Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal wieder.“
    „Mal sehen. Ich werde gegebenenfalls darauf zurückkommen“, meinte der Angesprochene schwach lächelnd dazu, obwohl er bezweifelte, dass der Fall jemals eintreten würde, dass er Alphas Hilfe brauchen würde. Nun gut, es schadete nie, wenn jemand ihm einen Gefallen schuldete, nur andersherum war es ungünstig. Cylen machte solche Versprechungen grundsätzlich nicht.
    Gemächlich packte er seine verstreuten Sachen wieder in seine Tasche und schulterte diese. „Na dann, gehen wir. Ich werde dich besser bis nach Hause bringen, bevor du noch auf halbem Wege verunglückst“, meinte er trocken und stellte im Nachhinein fest, dass er gerade so etwas wie einen Scherz gemacht hatte. Hoppla. Konnte ja mal passieren.
    Seine Aussage war keine Frage, ob Alpha das überhaupt wollte, also ging Cylen davon aus, dass dieser schon nicht widersprechen würde. Überhaupt hatte Cylen in den letzten Tagen festgestellt, dass Alpha nicht unbedingt jemand war, der gern widersprach.
    Einfach erwartend, dass der Junge ihm folgen würde, trat Cylen durch den Höhleneingang. Der Sturm wehte ihm die Haare, die lang genug waren, ins Gesicht, zerrte an seiner Kleidung und seinen Flügeln, welche der Engel nah am Körper halten musste, um dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
    „Wo wohnst du denn?“, fragte er anschließend und drehte sich noch einmal zu Alpha um. Gleichzeitig fragte er sich, warum er ihn eigentlich wirklich begleitete. Er hatte seine Aufgabe erledigt, sein Leben gerettet, ihn gesund gepflegt. Eigentlich war es unnötig, ihn auch noch nach Hause zu bringen. Konnte es sein, das er dieses Luftwesen über die Pflichten seiner eigenen Natur hinweg… mochte?
    Sei kein Idiot, wies Cylen sich selbst zurecht. Er hatte sich versprochen, dass ihm so etwas nicht noch einmal passieren würde. Was hieß, dass er den Jungen zu Hause absetzen und dann wieder seiner eigenen Wege gehen würde. Ganz simpel. In ein paar Wochen würde er diese kleine Episode vergessen haben und sie würden sich nie wieder begegnen. Ende der Geschichte.
    Vielleicht sollte er mal wieder in die Berge fliegen, dort lebten wesentlich weniger Wesen als im Wald… außerdem mochte er die Berge. Er würde sich nur in ausreichender Entfernung von der Ansiedlung der Engel aufhalten müssen. Ein Zusammentreffen mit alten Bekannten oder gar diesen arroganten Hochengeln konnte er im Moment so gar nicht brauchen.
    Er würde endlich wieder allein sein. Aber so richtig glücklich machte es ihn nicht.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 21.12.2009, 23:20


    Schweigend sah Alpha zu, wie der Engel seine Sachen zusammen packte. Er stand am Höhleneingang und betrachtete die große, schlanke Gestalt des Silberhaarigen, und er wusste, er sollte jetzt gehen.
    Aber er konnte sich nicht dazu überwinden, Cylen zu verlassen.
    Wie sich herausstellte, würde er das auch nicht tun müssen. Vorerst nicht.
    "Na dann, gehen wir. Ich werde dich besser bis nach Hause bringen, bevor du noch auf halbem Wege verunglückst."
    Gehen wir. Wir.
    Hatte er gerade gesagt, dass er ihn begleiten würde? Und... hatte er gerade so etwas wie einen Scherz gemacht?
    Warum tat er das?
    Alpha musste lächeln. Aus welchem Grund auch immer er ihn begleitete, der Aeridianer war ihm sehr dankbar dafür. Cylen trat vor ihm aus der Höhle, seine silbernen Haare wirbelten ihm um den Kopf und er legte sie großen Flügel an. Als Alpha ihm folgte, tat er es seinem Begleiter gleich - und trotzdem wurde er fast umgeworfen von dem starken Wind.
    "Ich lebe in einer kleinen Hütte südlich des Qyma-Felsens. Was heißt leben; eigentlich bewahre ich dort nur meine Sachen auf", antwortete er dem Engel auf seine Frage, welcher sich daraufhin in eine ihm unbekannte Richtung in Bewegung setzte.
    Alpha folgte ihm - wenn auch sehr langsam, da ihm der Gegenwind scheinbar deutlich mehr ausmachte als dem Engel.
    "Wo lebst du eigentlich?", fragte er, hoffend, dass seine Stimme durch den Wind zu Cylen vordrang. Er stellte die Frage aus Neugier, aber auch, um nicht die ganze Zeit schweigend hinter ihm herlaufen zu müssen. Denn das Schweigen war auf lange Zeit gesehen bedrückend.
    Alpha hatte nur Angst, dass er Cylen mit dieser Frage in irgendeiner Weise zu Nahe getreten war. Er war sowieso so schweigsam.
    Und er wollte den Engel nicht verletzen. Auf keinen Fall.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 26.12.2009, 01:43


    Alpha erklärte, dass seine Hütte sich südlich des Qyma befinde, eines großen Felsens, der einsam mitten im Wald stand und in dessen Umgebung viele vom Erdvolk lebten. Cylen glaubte zu wissen, dass sie eine südöstliche Richtung einschlagen mussten, um dorthin zu gelangen. Da noch Vormittag war, wandte er sich der Sonne zu und begann in diese Richtung zu marschieren – wenn er mit seiner Vermutung komplett falsch lag, würde Alpha sich sicherlich melden.
    "Wo lebst du eigentlich?", kam auf einmal nur leise hörbar von hinten und der Engel drehte sich erneut um, wobei er feststellte dass Alpha ein Stück zurückgeblieben war und offensichtlich Mühe hatte, gegen den Wind anzukämpfen. Kein Wunder, so leicht, wie er war.
    „Ich kann nicht behaupten, dass es einen speziellen Ort gäbe, an dem ich lebe“, erklärte Cylen ohne darüber nachzudenken und blieb kurz stehen, damit der Aeridianer zu ihm aufschließen konnte. Dann stutzte er. Wieso, um Himmels Willen, hatte er das gerade erzählt? Gleich würden mit Sicherheit noch weitere Fragen folgen.
    Eilig setzte Cylen sich wieder in Bewegung, damit Alpha ja nicht auf die Idee kam, dass er an einem Gespräch interessiert wäre oder dergleichen. „Aber ich wüsste nicht, was dich das angeht“, fügte er eisig hinzu, um diese Tatsache noch einmal zu unterstreichen. Irritierenderweise hoffte er aber gleichzeitig, dass er Alpha damit nicht allzu sehr verletzte.
    Während er weiter lief und sich immer mal wieder die Haare aus dem Gesicht strich, welche sich durch den Wind komplett selbstständig gemacht zu haben schienen, fragte Cylen sich, was heute eigentlich in ihn gefahren war. Begleitete diesen Jungen sinnlos nach Hause. Nahm Rücksicht auf ihn. Erzählte ihm etwas über sich. Es war nicht zu fassen. Er musste ihn schleunigst loswerden.
    Davon einmal abgesehen hatte die Frage nach seinem Zuhause ihn an Caladnan erinnert, das „Tal der Lichter“, den wunderschönen Ort in den Bergen, an dem er aufgewachsen war und an den er nur noch selten zurückkehrte. Es waren melancholische Erinnerungen an ein anderes, sorgenfreies Leben, mit denen er sich nicht länger herumschlagen wollte. Sein heutiges Leben bestand fast ausschließlich aus den Versuchen, sich nicht verletzen zu lassen – und wenn er das schaffte, dann würde er damit zufrieden sein. So oder so. Kein Risiko.
    Ein plötzlicher Windstoß fuhr unter Cylens Flügel, so dass er für einen Moment fast das Gleichgewicht verlor und einen Schritt zur Seite stolperte. Eilig legte er sie wieder eng an den Körper und warf sicherheitshalber einen Blick zu Alpha, der schließlich schon vorher mehr Probleme mit dem Sturm gehabt hatte.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 02.01.2010, 23:37


    Der Engel überraschte ihn, indem er etwas tat, was Alpha nie für möglich gehalten hätte.
    Er blieb stehen, blieb stehen und wartete, bis er sich durch den Wind zu ihm vorgekämpft hatte, um ihm dann zu antworten. Und seine Antwort klang ehrlich, nicht unbedingt freundlich, aber auch nicht so abweisend, wie er es sonst von Cylen gewohnt war.
    "Ich kann nicht behaupten, dass es einen speziellen Ort gäbe, an dem ich lebe."
    Alpha wollte gerade etwas erwidern, wollte sagen, dass er eigentlich auch kein richtiges Zuhause hatte und sein Leben mal hier und mal dort im Wald verbrachte, wollte ein Gespräch am Laufen halten, da schien dem Engel aufzufallen, dass er gerade zu nett gewesen war.
    Er wandte sich von dem Aeridianer ab, ging weiter, ohne auf seinen Gefährten zu achten und sagte kalt: "Aber ich wüsste nicht, was dich das angeht."
    Alpha zuckte zusammen. Hatte er gerade einen Blick hinter die kühle Fassade des Silberhaarigen werfen können, so war sie jetzt wieder da, und das noch deutlicher als zuvor.
    Er wurde einfach nicht schlau aus diesem Engel. Einerseits schien er ein nettes, hilfsbereites Wesen zu sein - schließlich hatte er ihn gerettet, ihn gesund gepflegt und für ihn gesorgt, und wie er in wenigen, kurzen Augenblicken erfahren hatte, konnte er durchaus nette Dinge sagen. Aber da war diese andere Seite, die nur dann mit ihm redete, wenn es unbedingt nötig war, die schroffe und abweisende Antworten gab und ihn wenn möglich ignorierte.
    Warum also tat er das alles?
    Noch bevor Alpha sich überlegen konnte, was er jetzt sagen könnte, riss ihn eine besonders kräftige Windböhe von den Füßen, wirbelte ihn einige Meter durch die Luft und ließ ihn dann unsanft am Boden aufschlagen.
    Sein Rücken schmerzte, als er sich aufrichtete und versuchte, einen sicheren Stand zu bekommen. In solchen Momenten wünschte er, er hätte die Kraft seines Volkes, den Wind zu zähmen. Aber diese Macht besaßen nur wenige Aeridianer, und er bezweifelte, dass er eines Tages einer von ihnen sein würde.
    "Auch du musst mir nicht antworten", entgegnete Alpha, fast schreiend, damit seine Stimme durch den Wind zu dem Engel, der nun ein ganzes Stück vor ihm war, vordrang, und hoffte dabei, dass er nicht sauer klang. Er versuchte, schneller zu gehen, wieder zu Cylen aufzuschließen, um nicht mehr so schreien zu müssen.
    "Ich versuche doch nur -"
    Eine neue, kräftige Böe riss ihn zum zweiten Mal von den Füßen und ließ ihn zu Boden fallen. Erschrocken stellte er fest, dass er schon nach dieser kurzen Strecke erschöpft war; sein Körper war noch immer nicht ganz gesund und überfordert von der plötzlichen Anstrengung.
    Mühsam versuchte er aufzustehen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 04.01.2010, 00:28


    Als Cylen sich nach Alpha umschaute, dachte er im ersten Moment, dieser habe sich in Luft aufgelöst. Dann wanderte sein Blick nach unten und er erkannte, dass die Windböe den Aeridianer von den Füßen gerissen und ein ganzes Stück durch die Luft getragen haben musste.
    Alpha rappelte sich gerade wieder hoch und rief ihm zu, dass er ihm nicht antworten müsse. Sein nächster Satz wurde von einem zweiten Windstoß unterbrochen, auf welchen Cylen dieses Mal besser vorbereitet hatte, der den Braunhaarigen jedoch erneut zu Boden riss.
    Resigniert überbrückte der Engel die Distanz zwischen ihnen mit einigen Schritten, griff nach Alphas Arm und zog ihn wieder auf die Füße.
    „Anscheinend hatte ich gar nicht so Unrecht mit der Vermutung, dass du unterwegs verunglücken könntest“, rutschte es ihm heraus, bevor er sich eines Besseren besinnen konnte. Aber ehrlich: Wie hatte der Junge eigentlich bisher allein überlebt?
    Kopfschüttelnd setzte Cylen sich wieder in Bewegung und zog Alpha hinter sich her, ihn weiterhin am Oberarm festhaltend, um weitere Stürze verhindern zu können.
    Unwillkürlich fragte er sich, wie lange das wohl so gehen würde. Er glaubte nicht, dass der Qyma-Felsen allzu weit entfernt von ihrem Unterschlupf war, aber er konnte nie so gut einschätzen, wie lange man für eine Strecke zu Fuß brauchte. Nicht, dass er so etwas überhaupt gut einschätzen konnte.
    „Wie weit ist es denn noch bis zu deiner Hütte?“, fragte er also. „Ich habe keine Ahnung, wo wir sind“, fügte er erklärend hinzu, obwohl das schon wieder eine absolut unnötige Äußerung war. Scheiß-Tag.
    Ein ganzer Schwall Blätter wurde von einem Baum gerissen, flogen durch die Luft, wirbelten um sie herum, bis sie auf dem Boden angekommen waren und auch dort noch vom Wind weiter getragen wurden. Wenn er Alpha zu Hause abgeliefert hatte, würde Cylen sich ein gemütliches - windgeschütztes – Plätzchen suchen, an dem er den restlichen Tag ungestört verbringen konnte. Jawohl, das würde er.
    Aber aus irgendeinem Grund hatte der Engel das ungute Gefühl, dass daraus nichts werden würde.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 26.01.2010, 12:58


    Cylen kam auf ihn zu, packte ihn am Arm und half ihm, aufzustehen. Dann zog er ihn hinter sich her. Glücklicherweise ging er nicht weiter darauf ein, was er gerade versucht hatte zu sagen. „Anscheinend hatte ich gar nicht so unrecht mit der Vermutung, dass du unterwegs verunglücken könntest“, sagte er, ließ ihn aber nicht, wie der Aeridianer erwartet hätte, los, sondern hielt ihn weiterhin fest, sodass er nicht wieder vom Wind erfasst und umgeworfen werden konnte.
    Sein Griff war fest, aber Alpha war ihm dankbar dafür.
    „Wie weit ist es denn zu deiner Hütte?“, fragte der Engel plötzlich, nach dem sie einige Zeit lang schweigend nebeneinander hergegangen waren. „Ich habe keine Ahnung, wo wir sind.“
    Unmerklich zuckte Alpha zusammen. Er wusste es nicht? Er wusste nicht, wo sie die ganze Zeit hingelaufen waren? Er hatte sich vollständig darauf verlassen, dass Cylen den Weg kannte – er hatte selber keine Orientierung gehabt, als er in der Höhle aufgewacht war, und war davon ausgegangen, dass der Engel ihn nicht an irgendeinen beliebigen Ort gebracht hatte, sondern sich dort, wo er war, auskannte. Scheinbar war das nicht der Fall.
    Was jetzt? Wenn er jetzt sagte, er habe ebenfalls keine Ahnung, wo sie waren, würde der Engel bestimmt nicht gerade besser gelaunt sein. Aber was sollte er sonst…?
    Moment. Diesen Felsvorsprung dort, den kannte er. Ja!
    Sie befanden sich gar nicht mehr so weit entfernt von seinem Zuhause. Wenn er fliegen würde, wäre er innerhalb von zehn Minuten dort. Zu Fuß und bei dem Wind würde es etwas länger dauern. Glücklicherweise kannte er den Weg ab hier.
    „Nicht mehr weit. Zu Fuß vielleicht zwanzig Minuten, vielleicht auch etwas weniger.“
    Zwanzig Minuten. Dann würde er den Silberhaarigen wohl nie wieder sehen. Gut, vielleicht doch, sie würden sich kurz Grüßen und dann weiterhin ihrer Wege gehen. Eigentlich war das fast schon schade, aber was hatte er auch anderes erwartet?
    „Wir müssen da lang“, sagte er noch, in dem er auf einen kleinen, ausgetretenen Pfad zwischen einigen Bäumen. Dort war es zum Glück etwas weniger windig, sodass er hoffentlich wieder alleine gehen konnte. Denn Cylens Griff war auf Dauer nicht unbedingt angenehm.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 21.03.2010, 00:43


    Auf Cylens simple Frage hin war Alpha so geschockt, dass Cylen anfing, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Doch kurz darauf beruhigte der Aeridianer sich wieder und erklärte, dass sie noch etwa zwanzig Minuten gehen müssten.
    Der Engel nickte und bewegte sich in die angegebene Richtung, auf einen schmalen Pfad, auf dem es auch etwas windstiller war. Er wagte es also, Alphas Arm loszulassen, und ließ sich kurz darauf hinter ihn zurückfallen, weil es ein wenig zu eng wurde, um nebeneinander zu gehen. Er wäre ja auch voraus gegangen, aber das wäre albern gewesen, weil er den Weg nicht kannte – und außerdem konnte er Alpha von dieser Position auf besser im Auge behalten.
    So gingen sie eine Weile vor sich hin. Cylen begann, in Gedanken zu versinken und fast zu vergessen, dass er nicht allein war (so viel zu ‚im Auge behalten’), als er plötzlich glaubte, Stimmen zu hören.
    Das war an sich nichts Außergewöhnliches – wenn man so durch den Wald lief, bekam man immer mal wieder Gesprächsfetzen mit, zum Beispiel von irgendwelchen Wesen, die auf dem Baum hockten, an dem man gerade vorbei lief. Oder man wurde von einem stinkigen Gnom angeschnauzt, dass man es wagte, seinen Pfad zu benutzen. Beides pflegte Cylen meist zu ignorieren. Aber dieser Fall war anders.
    Erst einmal waren die Stimmen laut. Und wenn man sie erst einmal bemerkt hatte, fiel auf, dass ihre Besitzer durchs Unterholz trampelten wie eine Horde… ja, nun, eigentlich gab es nur eine einzige Spezies, die so durchs Unterholz zu trampeln pflegte. Und als Cylen seinen sechsten Sinn benutzte, um ihre Auren zu erspüren, wurde es offensichtlich: Menschen. Schon wieder.
    „Runter vom Weg“, zischte Cylen seinem Begleiter zu, griff nun doch wieder nach dessen Arm und zog ihn mit sich ins Gebüsch, hinter einigen dichten Sträuchern in Deckung gehend.
    Die Menschen näherten sich rasch und schienen aus irgendeinem Grund aufgeregt zu sein… wahrscheinlich einfach, weil sie sich im Wald befanden, über den es so viele unheimliche Geschichten gab, vermutete Cylen. Er glaubte nicht, dass sie zu der Gruppe Menschen gehörten, die sich seit einigen Jahren im Höhlensystem herumtrieben – dazu waren sie eigentlich zu weit von deren Stützpunkt entfernt. Aber schon merkwürdig, wie viele Leute hier auf einmal her kamen…
    Bald darauf waren die Menschen nah genug heran, dass Cylen verstehen konnte, was sie sagten.
    „…laufen jetzt seit Stunden hier herum und haben rein gar nichts Auffälliges entdeckt“, murrte eine Person gerade. Die Antwort fiel zu leise auf, um sie zu verstehen, aber daraufhin lachten die anderen.
    „Nun, sie würden nicht auf einmal ganze Kompanien zur Erkundung in den Wald schicken, wenn es keinen guten Grund gäbe“, meinte jemand. Cylen runzelte die Stirn. Kompanien? Waren das etwa Soldaten oder so?
    „Ich habe da einige Gerüchte aufgeschnappt“, meldete sich ein anderer zu Wort. Er senkte beinahe verschwörerisch die Stimme, doch sie waren jetzt so nah am Versteck der beiden magischen Wesen, dass das kein Problem darstellte. „Es klingt verrückt, aber die Dienstmädchen aus dem Palast haben wir erzählt, dass ein menschenähnliches Wesen mit Flügeln auf dem Rücken gefangen wurde, hier im Wald. Ein Engel!“
    „Und nach wie vielen Krügen Bier glaubst du das aufgeschnappt zu haben?“, spottete jemand, aber als ein weiterer ebenfalls behauptete, so etwas gehört zu haben, fingen die Menschen an, darüber zu diskutieren, was man denn dann wohl mit dem Gefangenen und den weiteren sich im Wald befindlichen Wesen plante.
    Die Stimmen entfernten sich langsam wieder, aber Cylen war eine ganze Weile gar nicht fähig, sich zu bewegen, sondern blieb erst einmal sitzen und starrte stumm vor sich hin.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 29.03.2010, 22:36


    Der Narr faselte etwas davon, dass er sich ganz sicher nicht verlaufen habe, sondern nur auf eine Kutsche gewartet habe, die ihn mitnahm. Oder so.
    Da er aber keine Antwort zu erwarten schien und gleich zum praktischen Teil kam, ging Lia nicht weiter darauf ein, sondern legte ihrem Pferd kopfschüttelnd den Sattel auf den Rücken und die Trense an. „Das musst du gerade sagen“, murmelte sie währenddessen auf die Aussage hin, dass sie mal weiterreisen sollten, und stieg schließlich auf.
    „Na dann mal los“, sagte sie, diesmal laut, zu dem Narren, und trieb Anwyn leicht an, so dass diese begann, in einem gemächlichen Tempo die Straße herunter zu laufen.
    „Wo hast du denn jetzt eigentlich geschlafen?“, fragte Lia den Narren, welcher neben ihr herlief. „Ich muss sagen, dass mein Bett äußerst bequem war… zumindest sicher bequemer als der Waldboden“, fügte sie gut gelaunt hinzu. „Und das Frühstück war auch ganz in Ordnung. Hast du überhaupt etwas gegessen?“
    Besorgt sah Lia Kyu an. Hinterher war dieser noch halb verhungert und kippte ihr auf halber Strecke um – das hätte ihr jetzt noch gefehlt. Davon mal abgesehen, dass sie ihren Begleiter dann ziemlich schnell wieder los wäre und dieser Gedanke schon irgendwie deprimierend war… sie hatte die Nase voll davon, alleine zu reisen. Nun ja, fast alleine, wenn man Anwyn einberechnete.
    Und schließlich würde es noch etwa zwei Tagesreisen dauern, bis sie in Eimir angekommen waren und sie dort herausfinden konnte, ob der Hinweis, den sie bekommen hatte, wirklich stimmte. In diesem Fall war sie ihrem Ziel, den Bund der Adler zu finden, vielleicht wesentlich näher, als es bislang den Anschein machte, und bei diesem Gedanken schlug Lias Herz vor Aufregung ein wenig schneller.
    Der Bund der Adler! Rebellen, die den Adel stürzen wollten!
    Irgendwie war es ja auch ein bisschen befremdlich, wenn man bedachte, dass sie… nun ja, selbst zum Adel gehörte. Die Tätowierung in ihrem Nacken sprach da eine klare Sprache… und was war, wenn diese Adler ihr deshalb nicht trauten?
    Ach, sicher werden sie das, dachte Lia optimistisch und konzentrierte sich wieder auf das Gespräch mit Kyu.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 31.03.2010, 23:57


    Tatsächlich ließ der Engel ihn vorausgehen, sodass sich sein mittlerweile schmerzender Arm von Cylens festem Griff erholen konnte.
    Eine ganze Weile gingen sie so weiter, und es hätte nicht mehr lange gedauert, bis sie bei seiner kleinen Hütte angekommen wären, als der Wind plötzlich Stimmen zu ihnen herantrug. Zuerst ignorierte Alpha sie, da er dachte, sie würden wahrscheinlich von anderen Waldbewohnern kommen, doch je lauter die Stimmen wurden, desto mehr bekam er das Gefühl, dass dies keine magischen Wesen waren.
    Gerade wollte er sich zu Cylen umdrehen und ihn warnen, als dieser ihn schon wieder am Arm packte und mit den Worten "Runter vom Weg" in ein dichtes Gebüsch zog. Die Zweige schnitten ihn in die Arme, doch er gab keinen Laut von sich und kauerte sich nur wie gelähmt neben dem Engel zusammen.
    Menschen. Schon wieder waren dort Menschen.
    Starr vor Angst konnte Alpha nichts anderes tun, als die Augen auf den Boden zu heften und ihren Stimmen zu lauschen.
    "...Stunden hier herum und haben rein gar nichts Auffälliges entdeckt."
    "Nun, sie würden nicht auf einmal ganze Kompanien zur Erkundung in den Wald schicken, wenn es keinen guten Grund gäbe."
    "Ich habe da einige Gerüchte aufgeschnappt. Es klingt verrückt, aber die Dienstmädchen aus dem Palast haben wir erzählt, dass ein menschenähnliches Wesen mit Flügeln auf dem Rücken gefangen wurde, hier im Wald. Ein Engel!" Unmerklich zuckte Alpha zusammen und sah aus den Augenwinkeln zu Cylen. Der Silberhaarige wirkte angespannt, auf seinem Gesicht spiegelten sich erst Ungläubigkeit, dann Erschrecken wieder.
    "Und nach wie vielen Krügen Bier glaubst du das aufgeschnappt zu haben?"
    "Hey, ich habe aber auch sowas ähnliches gehört. Man sagt, er wurde am Waldrand gefangen genommen..."
    Die Menschen schienen noch weiter zu diskutieren, doch Alpha hörte ihnen schon gar nicht mehr zu. Es wurden Menschen ausgeschickt, um den Wald zu erforschen. Man wusste von ihnen, von den magischen Wesen. Sie hatten immer darauf geachtet, nicht erkannt zu werden, hatten schon Jahrhunderte lang friedlich in diesem Wald gelebt, da kaum ein Mensch es je gewagt hatte, hier her zu kommen - und jetzt schien alles dahin.
    Mittlerweile waren die Stimmen schon wieder so weit weg, dass Alpha sie kaum noch hörte, doch weder er noch der Engel hatten sich von der Stelle gerührt. Entgegen der sonstigen Gelassenheit Cylens konnte der Aeridianer jetzt, wenn er genau hinsah, Entsetzen auf seinem Gesicht erkennen. Für ihn musste das alles noch schlimmer sein, schließlich war der Gefangene ein Angehöriger seines Volkes. Und Menschen stellten grausame Dinge an mit Wesen, die anders waren als sie selbst. Alpha wollte sich gar nicht vorstellen, wie es dem Engel mittlerweile gehen musste. Ob er überhaupt noch seine Flügel hatte? Bilder von Seras kamen ihm wieder in den Kopf, doch er wollte jetzt nicht an solche schrecklichen Dinge denken. Er musste jetzt etwas tun, er konnte nicht ewig hier im Gebüsch sitzen bleiben.
    Vorsichtig berührte Alpha Cylens Arm.
    "Ich glaube, wir können wieder raus", sagte er, richtete sich wieder auf und trat auf den Pfad.
    "Was glaubst du, was die mit ihm gemacht haben? Meinst du... er lebt noch?", fragte der Aeridianer und sah den Engel besorgt an. Er konnte nicht einschätzen, was dieser jetzt tun würde, und er wusste auch nicht, was er jetzt tun sollte. Er kam sich schrecklich hilflos vor. Was konnte er denn auch ausrichten? Er würde dem Engel so gerne helfen. Aber er glaubte nicht, dass er das konnte.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 01.04.2010, 00:52


    Cylen konnte es nicht fassen. Es war einfach unmöglich.
    Seit Jahrhunderten hatten die magischen Wesen in diesem Wald gelebt, stets darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden, und es hatte wunderbar funktioniert. Immer hatte es Geschichten und Legenden gegeben, aber für die meisten Menschen waren diese nie mehr als Märchen gewesen. Und jetzt sollte, von einem Tag auf den anderen, alles aufgeflogen sein? Und nicht nur das – die Menschen sollten es geschafft haben, einen Engel gefangen zu nehmen? Wer auch immer das war, er musste entweder sehr unvorsichtig gewesen sein, oder die Menschen hatten das Ganze doch schon länger geplant und sehr geschickt angestellt.
    Aber davon einmal abgesehen, war Cylen nur allzu bewusst, was diese Entdeckung für ihn und alle anderen magischen Wesen bedeutete. Nicht nur ihre, auch die Welt der Menschen stand Kopf – und es würde sich die unweigerliche Frage stellen, ob es überhaupt möglich war, diese beiden Welten zu einer Ganzen zu verbinden. Beide Seiten würden die jeweils andere für eine Bedrohung halten und dann…
    Eine leichte Berührung an seinem Arm riss Cylen aus seinen Gedanken und ihm wurde klar, dass er schon eine ganze Weile so da saß und vor sich hin starrte, obwohl die Menschen längst verschwunden waren.
    „Ich glaube, wir können wieder raus“, sagte Alpha dementsprechend und Cylen folgte ihm, als er wieder auf den Pfad hinaustrat. „Was glaubst du, was die mit ihm gemacht haben? Meinst du... er lebt noch?“, fügte der Aeridianer daraufhin besorgt hinzu und Cylen erwiderte seinen Blick nachdenklich, versuchte wie üblich seine momentane Gefühlslage aus seinem eigenen Gesicht zu verbannen – aber er glaubte nicht, dass ihm das völlig gelang. Außerdem hatte er momentan weitaus größere Probleme.
    „Ich glaube nicht, dass sie so dumm wären, ihn einfach zu töten“, entgegnete Cylen dumpf. „Sie werden wohl versuchen, Informationen aus ihm heraus zu bekommen… allerdings könnte es auch sein, dass sie ihn versehentlich umbringen“, mutmaßte er außerdem, als er so darüber nachdachte, was er über die Herrscher der Menschen, den so genannten ‚Adel’, wusste. Soweit er das mitbekommen hatte, hielten die ihre Gefangenen gewöhnlich in ziemlichen Löchern fest und wenn man ein Lichtwesen zu lange im Dunkeln einsperrte… nun, dann konnte es einem nicht mehr viele Informationen mitteilen. Um nicht zu sagen, gar keine.
    Aber was sollten sie jetzt tun? Was sollte er jetzt tun? Ob sie die ersten waren, die von der Sache erfuhren? Unwahrscheinlich. Aber es konnte gut sein, dass die anderen Engel, die allesamt entweder Einzelgänger waren oder in der abgelegenen Ansiedlung Caladnan in den Bergen lebten, noch nichts mitbekommen hatten. Wahrscheinlich sollte er nach Caladnan fliegen und ihnen bescheid sagen… das war wahrscheinlich das einzige, was er tun konnte. Dummerweise hatte er für so eine Situation noch nie Verhaltensinstruktionen bekommen. Cylen fühlte sich seltsam hilflos, und das war mehr als ungewohnt und irritierend.
    „Nun ja… gehen wir trotzdem erstmal zu deiner Hütte“, sagte er schließlich zu Alpha. Neue Kleidung brauchte dieser schließlich immernoch.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 29.07.2010, 20:19


    Was Cylen sagte, klang vernünftig. Es wäre dumm von den Menschen gewesen, den Engel zu töten, wenn dieser ihnen doch wertvolle Informationen geben konnte. Aber was hatten sie ihm dennoch angetan? Wie viel hatte er gesagt? Was wussten die Menschen jetzt? Und vor allem, wie viele wussten es? Konnte man sie noch aufhalten?
    Der silberhaarige Engel, der jetzt neben ihm stand und ein ungewohnt besorgten Eindruck machte, riss ihn jetzt wieder aus seinen Gedanken.
    Dankbar, etwas tun zu können, auch wenn es nur Gehen war, nickte Alpha und setzte sich weider in Bewegung.
    Der Weg zu seiner kleinen Hütte war nicht mehr weit, und während der kurzen Zeit sagte keiner von ihnen ein Wort. Der Aeridianer war immer noch so versunken in seine Gedanken, dass er fast den Baum übersehen hätte, auf welchem er seine kleine Wohnung errichtet hatte. Es war eine Buche, hoch und gerade gewachsen, und vom Boden aus war es nicht möglich, das kleine Baumhaus zu erkennen.
    "Wir sind da", sagte er also und blieb stehen, um dann seine Flügel auszubreiten und nach oben zu schauen. Es kam ihm vor, als wäre er seit Ewigkeiten nicht mehr geflogen, und er fragte sich, ob seine Flügel ihn überhaupt noch tragen würden.
    "Ehm - ich würde dich ja gerne hinein bitten, aber es ist nicht besonders stabil und ich habe nichts da, was ich dir anbieten könnte... Also, nochmal... Danke."
    Er stockte. War das jetzt die Zeit des Abschiedes? Der Engel, Cylen, hatte ihm geholfen, aber warhscheinlich würde er jetzt wieder seine eigenen Wege gehen. Dennoch wollte er ihn eigentlich nicht verlassen, und er zögerte damit, die Worte des Abschiedes über seine Lippen zu bringen. Mit dem Engel an seiner Seite hatte er sich sicher gefühlt; jetzt überkam ihn eine schreckliche Perspektivlosigkeit. Cylen hatte bestimmt schon ein Ziel, aber er?
    "Wirst du zu den Engeln gehen?", fragte Alpha und blickte noch einmal, vielleicht ein letztes Mal, in die strahlend grünen Augen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 01.08.2010, 00:06


    Kurz darauf kamen sie an dem Baum an, auf dem sich Alphas Hütte befand. Der Aeridianer faselte etwas davon, dass er ihn ja gerne herein bitten wolle, es aber – dem Himmel sei Dank – nicht könne. Cylen wollte sich gerade einfach abwenden und sich davon machen, als der Junge auch noch wissen wollte, ob er zu den anderen Engeln gehen würden.
    „Muss ich wohl“, brummelte er daraufhin, ohne Alpha dabei anzusehen. „So wie ich sie kenne, hat wahrscheinlich noch niemand etwas von einer verschwundenen Person bemerkt.“
    Und er bezweifelte, dass ein einfacher Verschwundener überhaupt jemanden interessieren würde, außer unmittelbaren Angehörigen – aber ein von Menschen Gefangen genommener war schon etwas anderes.
    Doch bevor Cylen diesen Gedanken vertiefen oder gar wirklich verschwinden konnte, ertönte ein Kichern aus dem Gebüsch rechts von ihm. Noch bevor das dazu gehörige Wesen heraus kommen konnte, spürte Cylen seine Aura: Es handelte sich um ein friedlich gesonnenes Erdwesen.
    „Was ist denn so lustig?“, fragte der Engel mit hoch gezogenen Brauen und sah zu wie eine kleine Gestalt aus dem Gebüsch trat. Sie reichte ihm etwa bis zur Hüfte, hatte aber ansonsten die Proportionen einer erwachsenen Frau. Nun, zumindest einer erwachsenen Frau mit einer grünbräunlichen Hautfarbe, stechend gelben Augen und geringelten Hörnern, die aus dem langen, sandfarbenen Haar hervorschauten, welches ihr offen über die Schultern fiel.
    Cylen kramte in seinem Gedächtnis und förderte daraus zu Tage, dass sie wohl zum Volk der Heilah gehörte, einer friedfertigen, aber gleichzeitig auch mit einem vorlauten Mundwerk gesegneten Spezies. Außerdem pflegten die Heilah an den überraschendsten Orten plötzlich aus der Erde zu kriechen.
    „Nur, dass ihr ernsthaft der Einschätzung von Menschen glauben schenkt“, entgegnete die Heilah und zeigte dabei eine Reihe beeindruckender Beißer.
    Cylen runzelte die Stirn und wusste auf einmal, warum dieses Völkchen ihm in Erinnerung geblieben war. Er konnte ihre unklare Ausdrucksweise nicht ausstehen. „Wie meinst du das? Haben sie doch keinen von uns gefangen?“
    Die Heilah kicherte in sich hinein. „Oh, doch schon. Ich habe es von meiner Schwester gehört und die weiß es aus erster Hand von einer Dryade, die alles selbst beobachtet hat. Aber es kommt ganz darauf an, was du in das ‚uns’ mit einschließt.“ Sie zwinkerte ihm zu und hüpfte auf den Pfad.
    Für einen Moment schloss er die Augen, um sich zur Konzentration zu zwingen und seine einzige Informantin nicht zu vergraulen. Verfluchte Heilah! „Würdest du mir das bitte näher erläutern?“, fragte er zuckersüß, doch mit einem gefährlich kalten Blick aus grünen Augen, den die kleine Gestalt nur zu erheitern schien.
    „Nichts würde ich lieber tun, oh großer Schutzengel, dessen Namen ich nicht kenne! Doch was genau meinst du nur?“
    „Du weißt genau, was ich meine“, sagte Cylen genervt, war aber nebenbei ein klein wenig beeindruckt, dass die Kleine sofort erkannt hatte, was für eine Art Engel er war. Er hätte sie nicht aus dem Stehgreif in eine der Heilah-Untergruppen einordnen können.
    „Hmm, kann schon sein.“ Die Heilah setzte sich im Schneidersitz auf den Boden und legte den Kopf ein wenig schräg, so dass sie aussah wie der Inbegriff der Unschuld. Beinahe. „Nun, meinst du mit ‚uns’ die magischen Wesen im Allgemeinen? Meinst du die Völker der hier Anwesenden? Oder meinst du gar nur die Engel? Das ist entscheidend für die Antwort auf deine Frage“, sagte sie belehrend und hob den Finger, als wollte sie diesen Sachverhalt skizzieren.
    Langsam hatte Cylen das Gefühl, dahinter zu kommen, worauf diese Nervensäge hinaus wollte. „Was wäre, wenn ich die Engel meinte?“, fragte er.
    „Oh, dann nicht. Du hast noch zwei Versuche, Grünauge.“
    Also war es kein Engel, den die Menschen gefangen genommen hatten. Irritiert fuhr Cylen sich durchs Haar. Wieso dachten die Menschen das dann? Eine Verwechslung? Aber mit wem denn bitte?
    Auf einmal fiel sein Blick auf Alpha und ihm wurde klar, welche Ähnlichkeit Engel und Aeridianer für ein unwissendes Menschenauge haben mussten – obwohl sie eigentlich kaum etwas gemeinsam hatten, nicht einmal das Element.
    Cylen fixierte die Heilah. „Willst du mir erzählen, dass die Trottel einen Aeridianer gefangen und ihn für einen Engel gehalten haben?“



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 17.10.2010, 16:03


    In einem gemütlichen Schritttempo trottete Kyu neben dem schwarzen Pferd her. Vielleicht sollte er in Erwägung ziehen, sich auch einmal ein schnelleres Gefährt zuzulegen – wenn er noch länger mit diesem Mädchen reisen würde, würde es auf Dauer ziemlich ermüdend sein, ständig mit diesem großen Tier mithalten zu müssen.
    „Wo hast du denn jetzt eigentlich geschlafen? Ich muss sagen, dass mein Bett äußerst bequem war… zumindest sicher bequemer als der Waldboden. Und das Frühstück war auch ganz in Ordnung. Hast du überhaupt etwas gegessen?“, fragte Lia ihn, und ihre gute Laune war kaum zu überhören.
    „Ich? Ich habe tatsächlich im Wald geschlafen. Sonderlich bequem war es nicht, nein, und mein Frühstück bestand auch nur aus trockenem Brot“, antwortete der Narr mit einem Schulterzucken.
    „Aber weißt du was? Ich habe einen total seltsamen Typen getroffen. Er hatte silberne Haare und konnte fliegen, aber seinen Trick wollte er mir nicht verraten. Also, das war so…“
    Ausschweifend und mit allen Details, an die er sich erinnern konnte, verpackte Kyu seine Geschichte in eine interessante Erzählung, und seine Begleiterin schien so gebannt, dass sie ihn kein einziges Mal unterbrach (was auch daran liegen könnte, dass er ihr keine Gelegenheit dazu ließ).
    Gerade war der Narr fast am Ende seiner Geschichte angekommen, er stellte gerade mit ausladenden Gesten dar, wie er versucht hatte, den Silberhaarigen aufzuhalten, als ihnen drei Reiter entgegen kamen. Zwei von ihnen waren offensichtlich Wachen, welche den Mann in der Mitte, der reich gekleidet und wohl grade im besten Alter war, allerdings schon leicht angegraute Haare hatte, flankierten. Kyu wollte sie zuerst einfach ignorieren und mit seiner Geschichte fortfahren, doch alle drei starrten ihn, oder, wie ihm später klar wurde, vielmehr Lia so intensiv an, dass es ihm unmöglich war, sie nicht weiter zu beachten.
    „Einen guten Tag, meine Herren!“, sagte er also überschwänglich und verbeugte sich vor den drei Reitern, die nun langsamer wurden und stehen blieben. „Gibt es etwas, womit ich Ihnen helfen kann? Hat sie meine Geschichte so sehr in ihren Bann gezogen, dass ich sie noch ein -“
    „Sagen Sie, könnte es sein, dass wir uns schon einmal begegnet sind, junge Dame?“, fragte der Mann in der Mitte und schien Kyu dabei vollkommen zu ignorieren. Auch die beiden Wachen hatten nur Augen für das Mädchen. Der Narr warf ihr jetzt ebenfalls noch einen Blick zu – gut, sie war wirklich ganz hübsch, aber so hübsch nun auch wieder nicht…
    Der Mann, der gerade gesprochen hatte, stieg nun mit einer eleganten Bewegung von seinem Fuchs, drückte einer Wache abwesend die Zügel in die Hand und trat an ihm vorbei auf Lia zu.
    „Junge Dame, ich möchte wirklich nicht unhöflich sein, aber würden Sie die Güte besitzen, mir Ihren Namen zu verraten? Sie sehen einer bestimmten Person wirklich ganz außergewöhnlich ähnlich…“
    Da die Schwarzhaarige nicht so aussah, als ob sie gleich antworten würde, beschloss Kyu, ihr diese Aufgabe abzunehmen.
    „Das, meine Herren, ist Lady Lia. Und ich bin ihr treuer Weggefährte und Hofnarr Kyu, der -“
    „So, Lia also. Sehr interessant.“ Die grauen Augen des Mannes schienen aufzublitzen, ein Lächeln huschte über sein scharf geschnittenes Gesicht. Und dann, mit einer einzigen schnellen Bewegung hatte er seine Begleiterin aus dem Sattel gezerrt und ihre Haare zur Seite gerissen, sodass man eine kleine, schwarze Tätowierung in ihrem Nacken erkennen konnte.
    Das Lächeln des Mannes wurde breiter.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 17.10.2010, 23:15


    Ihre gemeinsame Reise begann damit, dass Kyu ihr lang und breit erzählte, was er in der gestrigen Nacht alles erlebt hatte – was eine ganze Menge gewesen zu sein schien. Davon einmal abgesehen, dass er im Wald geschlafen hatte, hatte er dort angeblich einen silberhaarigen Mann getroffen, der fliegen konnte und versucht, ihm seinen ‚Trick’ zu entlocken.
    Belustigt sah Lia zu, wie der Narr im Laufe seiner Erzählung wild gestikulierte und rechnete schon fest damit, dass er sich gleich auf die Nase legen würde, weil er so gar nicht auf den Weg achtete, was aber nicht geschah. Die Gelegenheit, einen Kommentar einzuwerfen, bekam sie somit auch nicht, aber sie hatte ebenfalls ziemlichen Spaß daran einfach zuzuhören.
    Lia kicherte, als Kyu anfing, ausladend mit den Armen herum zu fuchteln und bemerkte darum erst, dass sich Menschen näherten, als der Narr innehielt und Anwyn interessiert den Kopf hob.
    Zwei der Reiter waren definitiv Wachen, gekleidet im Graugrün der Familie Cendur, doch den dritten Mann erkannte Lia zu ihrem Schrecken. Nicht, dass sie ihn gut kannte, aber als potentielle Thronfolgerin war sie natürlich gezwungen worden, die Namen sämtlicher Adeliger und ihre Beziehungen untereinander auswendig zu lernen. Bei diesem Mann handelte es sich um den Grafen Aron Cendur. Und es war ganz offensichtlich, dass er sie ebenfalls erkannt hatte.
    „Sagen Sie, könnte es sein, dass wir uns schon einmal begegnet sind, junge Dame?“, fragte der Graf, Kyu voll und ganz ignorierend, wie es nicht anders zu erwarten gewesen war. Panisch überlegte Lia, wie sie fliehen oder sich vielleicht heraus reden konnte, doch alles ging so furchtbar schnell.
    Auf seine Frage hin wollte Lia dem Grafen gerade irgendeinen anderen Namen nennen, doch zu ihrer Bestürzung kam Kyu ihr zuvor, so dass sie nichts tun konnte, als dem Jungen einen wütenden Blick zuzuschießen.
    „So, Lia also. Sehr interessant.“ Bevor sie etwas dagegen tun, geschweige denn fliehen konnte, hatte der Mann sie von ihrem Pferd gezerrt, ihr den Arm auf den Rücken gedreht und das lange schwarze Haar, das die Tätowierung in ihrem Nacken verbarg, zur Seite geschoben. Heraus reden konnte sie sich jetzt wohl doch nicht mehr.
    „Lasst mich gefälligst los!“, schrie Lia Aron aus ihrer würdelosen Position heraus an und versuchte, den Kopf so weit zu drehen, dass sie ihm ins Gesicht schauen konnte.
    „Das halte ich für keine gute Idee, Prinzessin“, sagte der Graf heiter. „Entschuldigt bitte die Unannehmlichkeiten, aber ich könnte Eurem Vater wohl kaum erzählen, dass ich Euch einfach habe laufen lassen. Seine Majestät macht sich große Sorgen um Euch, wisst Ihr?“
    Lia seufzte resigniert und beschloss, so zu tun, als würde sie sich fügen. Sicher würde sich später noch eine Möglichkeit zur Flucht bieten.
    „Na schön. Hättet Ihr nun wohl die Güte, mich los zu lassen?“, fragte sie und imitierte den adelstypischen aufgesetzt-höflichen Tonfall des Mannes, denn nun hieß es zu verhandeln. „Ich kann Euch und Euren Wachen wohl kaum davon laufen, Graf Aron.“
    Kyu hatte sie derweil völlig vergessen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 16.01.2011, 01:14


    Ein kurzes Schweigen schob sich zwischen sie, nachdem Cylen gesagt hatte, dass er wohl zu den Engeln gehen werde. Alpha wusste nicht, was er noch sagen sollte, was er tun sollte. Der Augenblick war furchtbar.
    Daher konnte er fast von Glück reden, dass er plötzlich ein Kichern aus dem Gebüsch hörte.
    "Was ist denn so lustig?", hörte er den Silberhaarigen fragen, und kurz darauf trat ein kleines Wesen, eine Heilah, aus dem Gebüsch. Heilah waren im Grunde genommen friedfertige Wesen, hatten allerdings ein recht loses Mundwerk und liebten es, sich in gekicherten Rätseln auszudrücken.
    Der Aeridianer folgte dem Gespräch schweigend, und bemerkte, dass Cylen wirklich um seine Beherrschung zu kämpfen schien, während die Heilah die ganze Situation scheinbar lediglich überaus amüsant fand.
    Bei einem Wort zuckte er jedoch zusammen. Schutzengel. Da Cylen nicht zu widersprechen schien, hatte die Heilah wohl recht gehabt mit dem, was sie sagte - und plötzlich sah Alpha die Geschehnisse in einem vollkommen anderen Licht. Er wusste, dass Schutzengel gar nicht anders konnten, als anderen zu helfen - dass sie praktisch dazu gezwungen waren und nichts gegen diesen Trieb tun konnten. Das bedeutete, dass Cylen ihm nicht freiwillig geholfen hatte, sondern nur, weil er nicht anders gekonnt hatte. Dass Alpha nichts weiter als eine nervige Pflicht für ihn gewesen sein musste, und dass Cylen wahrscheinlich viel lieber anderen Dingen nachgegangen wäre. Aber warum hatte der Engel ihm das nicht gesagt? Alpha konnte nicht sagen, warum, aber diese Erkenntnis tat weh.
    "Was wäre, wenn ich die Engel meinte?", fragte der Silberhaarige gerade. "Oh, dann nicht. Du hast noch zwei Versuche, Grünauge."
    Noch bevor Cylen ihn ansah und die Heilah zufrieden lächelte, war Alpha klar, was geschehen war.
    "Willst du mir erzählen, dass die Trottel einen Aeridianer gefangen und ihn für einen Engel gehalten haben?“, fragte der Engel, und auch ohne das verschmitzte "Allerdings" des Erdwesens zu vernehmen war sich Alpha sicher, was passiert war. Es war einer von ihnen. Einer seines Volkes.
    Ein Aeridianer.
    "Damit hätte ich eurem Unwissen dann ja ein Ende bereitet", sagte die Heilah freudig und stand wieder auf. "Verzeiht mir, aber ich muss jetzt wirklich gehen. Dennoch war es durchaus erfreulich, diese Unterhaltung mit euch zu führen."
    Das Wesen vollführte eine elegante Verbeugung und verschwand dann genau so schnell wie es gekommen war wieder im Gebüsch.
    Sprachlos und vollkommen perplex stand Alpha da und starrte der Heilah nach, bis er sich dann wieder dem Engel zuwandte. Er blickte kurz auf, sah Cylen an, sah dann wieder weg. Er fühlte sich vollkommen leer, doch in diese Leere drang langsam Angst und Verzweiflung. Wer war es? Wen hatten die Menschen gefangen genommen? Kannte er ihn? War es vielleicht sogar ein guter Freund von ihm? Ein Verwandter? Er musste zu ihnen. Er musste es ihnen sagen, den anderen Aeridianern, sie mussten irgendetwas tun. Wenn er noch am Leben war, mussten sie ihm helfen, wer auch immer es war. Ihn da raus holen. Aber was sollte er tun? Er war ein Ausgestoßener, er durfte nicht mehr zu seinem Volk, unter keinen Umständen. Konnte er alleine etwas unternehmen? Nein, das würde er nicht schaffen. Er konnte nichts ausrichten gegen Menschen. Niemals. Nicht gegen diese Grausamkeit. Aber was sollte er dann tun? Im waren die Hände gebunden. Die Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf, wirbelten durcheinander und schlugen auf ihn ein.
    Alpha merkte, dass er zitterte, und er lehnte sich an einen Baum, um nicht umzufallen. Sein Blick huschte wieder zu Cylen, der ihn jetzt wohl endlich verlassen konnte, wahrscheinlich auch sehr froh darüber war. Warum war er eigentlich noch nicht gegangen? Da es sich ja nicht um einen Engel handelte, konnte ihm die Sache ja egal sein. Er konnte seiner Wege gehen, konnte tun, was er wollte...
    Und war nicht mehr gezwungen, sich bei ihm aufzuhalten.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.03.2012, 17:23


    Cylen sah der Heilah ungläubig nach, als diese ihnen den Rücken zuwandte und starrte für einen Augenblick nachdenklich auf die langsam hin- und herschwingenden Zweige des Busches, in dem sie wieder verschwunden war. Es war also kein Engel gefangen genommen worden und das war insofern gut für ihn, als dass er nun wahrscheinlich doch keine alten Bekannten wieder sehen musste, um ihnen mitzuteilen, dass einer der Ihren so unvorsichtig gewesen war, in die Hände der Menschen zu fallen. Stattdessen hatte ein Aeridianer dieses Kunststück vollbracht.
    Der Engel drehte sich um, um Alpha zu fragen, ob dieser nun doch gedachte, sein Volk aufzusuchen, zog dann aber nur verwundert die Augenbrauen hoch. Der Junge lehnte an einem Baum, heftig zitternd, während seine Aura sich nahezu überschlug, durcheinanderwirbelte und in rascher Folge immer wieder ausdehnte und zurückfiel. Cylen musste nicht sehen, dass sämtliche Farbe aus Alphas Gesicht gewichen war, um zu erkennen, dass er am Rande einer Panikattacke stand. Oder kam dieses Zittern vielleicht noch von etwas anderem…?
    Mit zwei Schritten überbrückte Cylen die kurze Distanz zwischen ihnen und legte eine Hand an Alphas Stirn, um die Temperatur zu fühlen. Immerhin etwas – kein Fieber. Es war also wirklich nur eine (scheinbar grundlose) Panikattacke.
    „Alpha“, sagte Cylen deshalb und rüttelte leicht an dessen Schulter, um ihn auf sich aufmerksam zu machen. Es war am besten, wenn er ihn irgendwie beruhigte… schließlich wollte er nicht, dass der Junge ihm hier zusammenklappte. Andererseits weigerte er sich auch, ihn jetzt zu fragen, was los war oder dergleichen. Das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, war ein Aeridianer, der sich bei ihm ausheulte. Er hatte wahrlich genug Probleme.
    Kurzentschlossen legte Cylen seine andere Hand auch noch auf Alphas Schulter und drückte ihn nach unten, in eine sitzende Position. Jetzt konnte er wenigstens nicht mehr umfallen.
    Mal ehrlich, wie hatte dieser Junge es eigentlich geschafft, so lange allein zu überleben? Erst ließ er sich von irgendwelchen Räubern aufschlitzen, dann vom Wind durch die Gegend wirbeln und jetzt stand er kurz vorm Hyperventilieren. Er war vollkommen hilflos.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 08.03.2012, 03:47


    Er merkte nichts mehr. Es kam ihm vor, als wäre die ganze Welt um ihn herum zerstört worden, als wäre da nur noch er mit seinen Gedanken, seinen schrecklichen, vernichtenden Gedanken, aus denen es kein Entkommen gab.
    Erst, als er eine kühle Hand auf seiner Stirn spürte, merkte er, dass dem nicht so war. Alpha blickte leicht auf, immer noch teilnahmslos, und sah, dass es sich um Cylens Hand handelte.
    Was er darüber denken sollte, wusste er nicht, er wusste sowieso rein gar nichts mehr, doch zwischen die Gefühle der Angst und der Furcht mischte sich nun ein anderes, seltsames. Es war kein positives Gefühl, erfüllte ihn aber mit einer plötzlichen, starken Wärme, die sein Herz noch schneller schlagen ließ, als es das ohnehin schon tat, gleichzeitig aber unangenehm war.
    Der Aeridianer konnte nicht sagen, worum es sich bei diesem Gefühl handelte, aber im Moment konnte er sowieso nichts sagen. Er spürte, wie Cylens Hände ihn sanft zu Boden drückten, spürte den Waldboden unter seinen Fingern und die mit Furchen durchzogene Rinde des Baumes an seinem Rücken. Er hörte auch, wie der Engel ihn ansprach, seinen Namen sagte, aber er war nicht in der Lage, darauf zu reagieren.
    Ohne es wirklich zu wollen hob er den Kopf und sah zu dem hochgewachsenen Mann auf, sah durch ihn hindurch.
    Langsam, ganz langsam, begannen sich seine Gedanken wieder zu festigen, klare Strukturen zu bilden und die Leere in seinem Kopf zu verdrängen.
    Das erste, was er bemerkte, war, dass er Cylen die ganze Zeit angestarrt hatte. Rasch wandte er den Blick von den hellgrünen Augen ab, sah zu Boden. Dann realisierte er, dass er etwas tun musste. Er konnte diesen Aeridianer nicht in der Gefangenschaft der Menschen zurück lassen, denn er wusste am besten, was diese mit ihm anstellen würden. Doch allein würde er das nicht schaffen. Niemals. Er traute sich ja kaum in die Nähe der Menschen, besonders stark war er auch nicht und zudem wusste er nicht einmal, wo genau die ihn gefangen hielten.
    Aber vielleicht musste er ja auch gar nichts tun. Vielleicht wusste sein Volk längst davon, vielleicht hatten sie sogar bereits etwas unternommen. Dann müsste er nicht zu ihnen gehen und nie wieder mit ihnen in Kontakt treten, so, wie sie es ihm befohlen hatten.
    Nur... Was, wenn nicht? Dann würde niemand dem armen Kerl helfen. Ob er eines der anderen Völker fragen konnte? Nein, nein, die würden sich nicht dafür interessieren und es für zu gefährlich halten, sich zu zeigen. Ein Einzelner war das nicht wert.
    War er es das nicht? Sollte auch ihm das Ganze vielleicht egal sein? Aber ads ging einfach nicht. Alpha konnte das nicht ignorieren. Der Gefangene war von seinem Volk, und er würde die selben Wualen leiden wie er.
    Wie Seras.
    Aber er war allein.
    Alpha schlang die Hände um den Oberkörper, zog seine Beine an, legte den Kopf auf die Knie und unterdrückte dabei ein Schluchzen. Er wusste nicht, warum er sich daraufhin an den Engel wandte. Vielleicht, weil er die einzige Person war, an die er sich überhaupt wenden konnte. Vielleicht, weil er sich, so absurd das auch war, von ihm Hilfe erhoffte. Vielleicht auch, weil das seltsame Gefühl, das seine Berührung bei ihm ausgelöst hatte, noch nicht ganz verschwunden war.
    Jedenfalls sagte er, so leise, dass man ihn kaum verstehen konnte und mit matter, erstickter Stimme: "Cylen, ich... ich weiß nicht, was ich tun soll."
    Und dann weinte er schließlich doch.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 09.03.2012, 18:32


    Kyu musste zugeben, dass er nicht wirklich verstand, was hier eigentlich los war. Nicht nur, dass die drei Männer, insbesondere der, der am besten gekleidet war, ihn ignorierten, sie gingen auch noch ziemlich grob mit Lia um und bezeichneten sie als Prinzessin. Außerdem schien es, als würde seine Begleiterin die Kerle auch noch kennen, denn sie sprach den mit der wichtigen Miene als "Graf Aron" an.
    Besonders gut schienen sie sich allerdings nicht zu verstehen. Ob es ein Fehler gewesen war, den Männern ihre Namen zu verraten? Dabei hatte er wirklich gedacht, sie hätten sich nur für seine Geschichte interessiert. War sie wirklich so schlecht gewesen...?
    Wie auch immer, Kyu war ganz und gar nicht damit einverstanden, was die Kerle da taten. Prinzessin hin, Prinzessin her, so ging man nicht mit einem Mädchen um! Lia war ein freundlicher, netter Mensch, udn sie hatte es nicht verdient, so behandelt zu werden. Was bildeten sich diese Typen eigentlich ein! Besonders kräftig sahen sie nun auch nicht aus, er würde es bestimmt locker mit ihnen aufnehmen können. Und Lia würde es bestimmt ziemlich beeindrucken, wenn er mit all ihnen fertig wurde. Falls sie wirklich eine Prinzessin war, würde er mit seiner Heldentat gewiss in die Geschichtsbücher Naryas eingehen. Auch, wenn er sich nicht vorstellen konnte, dass das stimmte. Die Prinzessinen, die bei ihm am Hof gelebt hatten, waren ganz anders gewesen. Viel vornehmer. Und, mal ehrlich, warum sollte eine Prinzessin allein durch die Gegend reisen? So ein Blödsinn. Diese Idioten mussten sich irren, wahrscheinlich waren sie einfach nur komplett bescheuert. Das mussten sie sein, immerhin hatten sie sich nicht für seine Geschichte interessiert...
    "Hey, lass sie los, sie hat dir nichts getan!", fuhr er den Grafen an, der sich jetzt zum ersten Mal - endlich - ihm zuwandte.
    "Wer bist du denn?", fragte er in herablassendem, abfälligen Ton. Pah. Der würde schon noch sehen, mit wem er es zu tun hatte.
    "Ich, verehrte Herren, bin Kyu, Lias treuer Weggefährte und Hofnarr, der - "
    "Ja ja, ist gut. Hau lieber ab, du interessierst mich nicht", wurde er schroff unterbrochen. Schon wieder. Was bildete der sich eigentlich ein?
    "Ich sagte, du sollst sie loslassen!", wiederholte er sich also, dieses Mal etwas lauter und bestimmter. DOch der Mann drehte sich nur mitsamt Lia und seinen beiden Gefährten um.
    "Du nimmst das Pferd, die junge Dame hier", ein Grinsen huschte über sein Gesicht, "reitet mir mir", wies er den Mann zu seiner linken an, der daraufhin die Zügel des Rappen in die Hand nahm und zu seinem eigenen Pferd ging. Aber so leicht kamen diese Kerle ihm nicht davon, sie hatten ihn gewaltig unterschätzt. Und jetzt wandten sie ihm auch noch den Rücken zu. Hah, perfekt, das war seine Chance!
    Flink zog er seine Karten aus der Tasche, zielte auf den Rücken des Grafen und warf.
    Es war der Herzkönig, der dem Mann den Rücken aufschlitzte.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Sammy - 23.03.2012, 19:38


    Den Rest des Tages hatten sie – zu Serikas Erleichterung – schweigend verbracht und es war auch zu sonst keinen allzu unangenehmen Vorkommnissen gekommen.
    Das wiederum hatte sie etwas überrascht. Irgendwie hatte sie sich die Gesellschaft mit anderen Menschen… geselliger vorgestellt.
    Nervenaufreibender, aufgezwungener Smalltalk, zum Beispiel. Nicht, dass sie der Mangel daran gestört hätte, Gott nein.
    Die Nacht verbrachten sie in einer Höhle, die scheinbar zu dem geheimen Höhlensystem, der vom Bund genutzt wurde, gehörte.
    Wahrscheinlich eines von diesen „Geheimnissen“, die ihr als Neuling von nun an begegnen würden.
    Verborgene Höhlen im Wald waren natürlich keine Neuigkeit für Serika, die Jahre ihres Lebens in diesem gewohnt hatte und viele davon eben auch in besagten Höhlen verbracht hatte – wenn auch nur dann, wenn es nötig war, denn Schlafen unter freiem Himmel war immer noch das Schönste für sie.
    Dass hinter all dem allerdings ein System stand, das wer-weiß-wie-lang schon von den Rebellen genutzt wurde, eröffnete sich ihr erst jetzt.
    Instinktiv fragte sie sich, ob zum Bund noch viel mehr gehörte, als sie bisher gesehen hatte – besonders viele Fragen diesbezüglich hatte sie noch nicht gefragt, natürlich.
    Nachfragen rückte sie in die Stelle der Unwissenden und das fand sie nicht besonders angenehm. Trotzdem behielt sie diese Gedanken erstmal im Hinterkopf, um sie zu einer passenden Gelegenheit aufzubringen.
    Aber nicht diese Gelegenheit. Wenn schon Schweigen herrschte, dann war sie sicher die letzte, die es brechen würde.

    In der Nacht fand Serika nicht besonders viel Schlaf. Das Misstrauen gegenüber Sharon und dieser Seren hielt sie weitestgehend wach. Auch der Vreyl war ihr nicht besonders geheuer – nicht, dass sie damit rechnete, dass er von sich aus auf irgendwelche dummen Gedanken kam, aber so loyal er sich gegenüber dieser Seren verhielt… wer weiß ob sie ihn nicht zu irgendwas anstiften würde.
    Das wäre ja das perfekte Motiv – damit wäre sie selbst schließlich aus dem Schneider.
    Irgendwann dämmerte Serika dann doch weg – hauptsächlich, weil sie sich selbst aus Müdigkeit davon überzeugte, dass sie, falls es heikel werden würde, schnell genug reagieren könnte.
    Lune und Lumen lagen gewohntheitsgemäß direkt neben ihrem schlafenden Körper.

    Geweckt wurde Serika am morgen von einem extrem lauten Vogel, der sich scheinbar auf einem Baum unmittelbar vor dem Höhleneingang niedergelassen hatte und nun ausgelassen seine Lieder trällerte.
    Ihre unmittelbare Reaktion war es, zu überprüfen, ob sie noch lebte und ob noch alles da war, wo es sein sollte.
    Das war es auch, überraschenderweise.
    Erst anschließend schoss ihr der Gedanke an die Personen durch den Kopf, mit denen sie sich diese Nacht die Höhle geteilt hatte, und sie blickte sich zu Besagten um.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 01.05.2012, 23:03


    Cylen beobachtete den Aeridianer mit gerunzelter Stirn. Alpha starrte mit beunruhigend leerem Blick in seine Richtung, seine Aura immernoch ein vollkommenes durcheinander, bis er sich wieder halbwegs seiner Umwelt bewusst zu werden schien und hastig die Augen abwandte. Anschließend schlang er die Hände um den Oberkörper, zog seine Beine an, legte den Kopf auf die Knie und machte ein Geräusch, das verdächtig nach einem unterdrückten Schluchzen klang. Als er dann letztendlich wirklich anfing zu flennen, konnte Cylen nicht dem Drang widerstehen mit den Augen zu rollen – warum, warum er? – bevor er in die Hocke ging, um mit dem Jungen auf Augenhöhe reden zu können. Angeblich fühlten Leute sich dann besser als wenn er ‚bedrohlich‘ über ihnen stand… und jetzt schien der Moment gekommen zu sein auf so etwas Nebensächliches wie anderer Leute Gefühle zu achten.
    „Reiß dich zusammen“, sagte der Engel in einem Tonfall, der, wie er hoffte, nicht allzu genervt, sondern eher beruhigend klang. Da Alpha sich offenbar Rat von ihm erhoffte oder dergleichen, fand er, dass diese Anweisung ein sehr guter Anfang war, jedenfalls wenn der Junge sie tatsächlich befolgen sollte.
    Anschließend wäre es vielleicht angebracht, in Erfahrung zu bringen, warum genau Alpha eigentlich heulte (und allgemein emotional durch den Wind war). Davon einmal abgesehen, dass er ‚nicht wusste, was er tun sollte‘, hieß das. War es nur, weil es jetzt anscheinend ein Aeridianer, einer aus Alphas Volk, war, den die Menschen gefangen hatten? Wenn man bedachte, dass Alpha nicht einmal bei ihnen lebte, kam Cylen das recht unwahrscheinlich vor. Er hätte es ja noch nachvollziehen können, wenn es sich um jemanden gehandelt hätte, den Alpha kannte, aber die Heilah hatte, wenn er sich nicht irrte, keinen Namen genannt. Also was sollte der Blödsinn?
    Der einzige Vorteil an dem ganzen Debakel war, dass es seine Gedanken von der Tatsache abbrachte, dass die Menschen von ihrer Existenz wussten. Cylen konnte es immer noch nicht richtig glauben, fragte sich vielmehr, ob das alles hier ein bizarrer Traum war. Falls dem so war, würde er hoffentlich aufwachen, bevor Alpha begann, ihm sein Herz auszuschütten (er hatte nämlich das unangenehme Gefühl, dass die Geschehnisse darauf hinausliefen).
    Und, um einmal ganz vom Thema abzukommen: Warum drehte der Engel sich nicht einfach um und machte sich davon? Er konnte sich wahrlich bessere Beschäftigungen vorstellen, als Alphas Psyche aufzupäppeln, nachdem er schon seinen Körper hatte aufpäppeln müssen. Und dazu zwang ihn sein Schutzengel-Drang glücklicherweise nicht. Andererseits hatte er schon öfter festgestellt, dass der Junge vollkommen hilflos war, darum wäre es wahrscheinlich unverantwortlich, ihn hier einfach sitzen zu lassen, wo ihn jeder Depp mal eben umbringen konnte… zumindest sagte Cylen sich das.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 15.05.2012, 03:02


    Durch einen Schleier aus Tränen erkannte Alpha verschwommen, dass Cylen vor ihm in die Hocke gegangen war.
    "Reiß dich zusammen", hörte er die sanften, aber bestimmten Worte des Engels, doch dazu hatte Alpha momentan einfach nicht die Kraft. Er hatte nicht einmal die Energie, um sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, er konnte einfach nicht aufhören zu weinen. In diesem Moment schien es ihm, als würde er auf Ewig so dasitzen und so lange weinen, bis er alle Tränen verweint hatte, und selbst dann noch so lange vor sich hinschluchzen, bis ihn schließlich, irgendwann, ein tiefer, tiefer Schlaf überkommen würde.
    Alpha wusste, dass er das nicht zulassen konnte. Zulassen durfte.
    Aber wie sollte er das schaffen? Wie sollte er je wieder aufstehen können?
    Reiß dich zusammen...
    Die Worte des Engels hallten durch seinen Kopf. Alpha wusste nicht, wie lange er nichts gesagt hatte, vielleicht waren es nur Sekunden, vielleicht aber auch Minuten gewesen.
    "...ich...", begann er, zögernd, stockend, mit trockener, erstickter Stimme.
    "Ich will etwas tun. Ich will helfen. Aber ich kann nicht. Ich kann nicht!"
    Ein neuer Ausbruch von Tränen schwappte in ihm hoch und verhinderte für einen Moment, dass er weitersprechen konnte.
    "Ich fühle mich so hilflos, Cylen. So hilflos. Und so allein. Und du bist auch nur hier, weil du nicht anders kannst. Und... und..."
    Erneut vergrub der Aeridianer den Kopf in den Armen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 31.12.2012, 16:43

    Cylen
    Da Alpha sowieso gerade nicht hinsah, erlaubte Cylen es sich, noch einmal die Augen zu verdrehen. Ein Teil von ihm – der vernünftige - verspürte das dringende Bedürfnis, aufzustehen und wegzugehen, während ein anderer Teil – den er normalerweise ignorierte – ihn dazu verleitete, sitzen zu bleiben und sich zu überlegen, wie er den Aeridianer davon überzeugen konnte, dass er nicht hilflos und allein war und dass Cylen selbst auch nicht nur da war, weil er nicht anders konnte… obwohl das alles in Wirklichkeit weitestgehend stimmte. Schließlich entschied er sich, keins von beidem zu tun.
    „Schön“, sagte er, das Häufchen Elend vor sich aus scheinbar emotionslosen grünen Augen anstarrend, und wechselte aus seiner eher unbequemen hockendenden Position in den Schneidersitz. Dieses Gespräch schien sich noch länger zu ziehen. „Du willst etwas tun, um zu helfen. Was hindert dich daran?“
    Außer deinem offensichtlichen Selbstmitleid, dachte er, stoppte sich aber gerade noch, bevor er es laut aussprach, ebenso, wie viele andere Dinge, die ihm durch den Kopf schossen, sehr stolz auf seine ungewöhnliche Selbstbeherrschung und sein Vorausdenken. Schließlich wollte er, dass Alpha aufhörte zu flennen, und ihn nicht in ein komplettes seelisches Wrack verwandeln. Es bereitete ihm allerdings Kopfschmerzen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 21.03.2013, 21:19


    Alpha hörte, wie der Engel sich neben ihn ins Gras setzte. Er blieb hier. Er blieb tatsächlich hier.
    "Du willst etwas tun, um zu helfen. Was hindert dich daran?"
    Cylens Stimme war ruhig, und wenn er genervt war, dann konnte er es ziemlich gut verstecken. Dennoch spürte der Aeridianer, wie die grünen Augen auf ihn herab sahen, versuchten, ihn zu durchschauen und in ihn hinein zu sehen. Es war unangenehm. So unangenehm.
    Alpha zitterte, konnte nicht aufhören.
    Was hindert mich daran?
    Er wagte nicht, den Engel anzusehen. Es war beschämend. Beschämend, dass er so feige war und so viel Angst hatte. Und es tat weh, dass zuzugeben.
    "Ich bin schwach", sagte Alpha leise, als er sich wieder etwas beruhigt hatte. "Ich kann nichts ausrichten. Und selbst wenn ich stark wäre, ich bin allein.
    Und... ich weiß, dass ich etwas tun sollte. Wenn ich schwach bin, sollte ich stärker werden, wenn ich allein bin, sollte ich Mitstreiter suchen. Aber..."
    Er zwang sich, hochzuschauen und Cylen anzusehen. Es war furchtbar schwierig.
    "Ich habe Angst davor. Ich habe so unendlich viel Angst davor!"
    Wieder stiegen ihm die Tränen in die Augen, ohne, dass er etwas dagegen tun konnte.
    Warum war er nur so schwach?
    Warum?



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 01.06.2013, 22:32

    Lia
    Lia war sich nicht sicher, ob sie Kyu dankbar sein sollte, dass er sie verteidigte, da sie gleichzeitig den starken Drag hatte, sich die Hand vor die Stirn zu schlagen. Es war sehr offensichtlich, dass der Narr die Situation nicht wirklich durchschaute. Wäre sie nicht drauf und dran gewesen, zurück nach Lalientha geschleppt zu werden, und hätte Kyu sich nicht gerade mit einem Grafen mit sehr bewaffneten Wachen angelegt, hätte sie es wahrscheinlich sogar lustig gefunden.
    Sie konnte bloß hoffen, dass ihr Weggefährte – ihr Freund? – nichts Dummes anstellen würde. Und dass es ihr gelingen würde, später zu fliehen.
    Aus den Augenwinkeln warf Lia einen Blick auf Graf Aron, welcher sie gerade zu seinem Pferd eskortierte, und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass sein Griff an ihrem Oberarm ganz schön wehtat. Im gleichen Moment fing er an zu schreien.
    Sie starrte, als Aron sie los ließ und zu Boden ging – dann sah sie das Blut auf seinem Rücken, und starrte noch etwas mehr. Die Wachen hatten in der Zwischenzeit ihre Waffen gezogen, schienen aber ebenso verdutzt zu sein wie sie, als sie feststellen mussten, dass kein Attentäter aus dem Gebüsch gesprungen war. Einer der beiden entschloss sich offenbar, erst einmal heraus zu finden wie schwer sein Herr verletzt war. Lia dachte sich, merkwürdig neben dem Geschehen stehend, dass es nicht allzu schwer sein konnte, wenn man bedachte, dass er immer noch in der Lage war, Zeter und Mordio zu schreien.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 06.10.2013, 16:55

    Kyu
    Sein Angriff war ein Volltreffer. Natürlich. Mit so einer genialen Attacke rechnete nun einmal niemand. Der so genannte Graf war furchtbar am Fluchen, während die Wachen …
    … offenbar nicht einmal verstanden, das er es gewesen war, der ihrem Herren so viel Schaden zugefügt hatte.
    „Tja, da staunt ihr, was?“, fragte der Narr selbstsicher und zückte eine weitere Karte. Die Blicke der drei Männer waren nun auf ihn gerichtet, insbesondere der Verletzte funkelte ihn ziemlich wütend an.
    „Du hältst dich wohl für ein ganz kluges Bürschchen, was?“, bellte er ihn an. „Glaub nicht, dass du damit durch kommst!“
    Der Mann nickte den beiden Wachen zu, welche daraufhin ihre Waffen zogen und mit festen Schritten auf ihn zu kamen. Kyu wich ein paar Schritte zurück. Auf einen richten Kampf hatte er es eigntlich nicht angelegt.
    „Hey hey, ihr müsst doch nicht gleich so übertreiben, ich meine, euch habe ich nichts getan, ich wollte nur, dass Lia nichts passiert, immerhin ist sie -“
    Einer der beiden Männer packte ihn unsanft am Arm.
    „Tötet ihn“, hörte er aus der Richtung des Grafen.
    Er sah, wie der Mann, der ihn fest hielt, sein Schwert hob. Kyu versuchte sich loszureißen, schaffte es nicht, konnte sich aber wenigstens rechtzeitig weg drehen, sodass die Waffe seinen Bauch knapp verfehlte. Gleichzeitig riss er die Hand hoch, in welcher er die nächste Karte bereit hielt, und zog diese über das ungeschützte Handgelenk der Wache, welche augenblicklich aufheulte und ihn los ließ. Der Narr wollte sich gerade freuen, als ihm die zweite Wache einfiel, welche nun ebenfalls mit dem Schwert herumfuchtelte und offenbar versuchte, ihn zu treffen – Kyu konnte gerade noch zur Seite springen und so dem tödlichen Hieb ausweichen. Noch im Sprung warf er eine Karte nach dem Gesicht des Mannes, doch der schien seine Angriffsweise nun durchschaut zu haben und duckte sich unter ihr hinweg. Der andere Mann hatte indessen aufgehört zu jammern und zu seinem nächsten Schlag angesetzt – doch das bemerkte Kyu zu spät, denn obwohl er zurück sprang, hinterließ die Spitze der Klinge einen nicht tiefen, aber dafür langen Schnitt auf seinem Oberkörper.
    „Aua!“, schrie der Narr wütend auf und lief direkt noch weiter zurck, um aus der Reichweite der Waffe zu entkommen. Nebenbei zog er eine neue Karte hervor und suchte aus den Augenwinkeln nach einer Position, aus der er sich irgendwie einen Vorteil verschaffen konnte. Er fand keine. Und die Situation spitzte sich immer mehr zu, denn die Wachen setzten ihm erneut nach. Er brauchte einen Plan. Er brauchte dringend einen guten Plan. Und zwar schnell. Kyu merkte, wie ihm der Schweiß von der Stirn lief.
    So war das nicht geplant gewesen.
    Ganz und gar nicht.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 18.10.2013, 12:15

    Cylen
    Jetzt hatte er wirklich Kopfschmerzen. Emotionale Gespräche waren so nicht sein Ding… Er fragte sich, ob Alpha erwartete, einen hilfreichen Rat zu bekommen. Er hoffte nicht. Ganz davon abgesehen weinte und zitterte der Aeridianer immer noch, und seine Aura war ein einziges Wrack.
    Falls jemand ihn fragen sollte, würde Cylen es vehement abstreiten, aber er hatte ein wenig Mitleid. Unter anderem auch, weil ausgerechnet er es war, dem Alpha sich jetzt öffnete, denn wie gesagt waren weder emotionale Gespräche seine Stärke noch war er, wenn er ehrlich zu sich selbst war, der Beste, den man fragen konnte, wenn es um das Überwinden von Ängsten ging. Alles andere als der Beste.
    Nachdem Cylen dies realisiert hatte, beschloss er die Sache auf eine andere Art anzugehen – seine Art.
    „Was du vor allem tun solltest, ist, dich zusammenzureißen“, sagte er schroff. „Wir werden jetzt zu deinem Volk gehen und denen sagen, dass einer von ihnen gefangen genommen wurde.“
    Mit diesen Worten stand der Engel auf und zog den Aeridianer in der selben Bewegung mit auf die Füße, was keine große Anstrengung verlangte.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 18.10.2013, 12:16

    Lia
    Es war offenbar Kyu gewesen, der den Grafen – mit einer Spielkarte!? – angegriffen hatte und weil er nicht nur ein Narr, sondern auch noch ein trotteliger Narr war, wussten das jetzt auch die anderen und würden ihn umbringen.
    Sie wusste nicht, was es war – vielleicht das Klirren der Waffen, das Kommando „Tötet ihn“, oder auch der Schmerzensschrei einer der Männer – aber irgendetwas riss Lia aus ihrer Erstarrung und ihr wurde schlagartig klar, dass niemand sie beachtete, ebenso wenig wie die gut erzogenen Pferde, die einfach stehen gelassen worden waren.
    So leise wie sie konnte (nicht, dass jemand sie über die Kampfgeräusche hätte hören können) schob sie sich in Richtung der Tiere, schwang sich auf den Rücken ihrer eigenen Stute – noch ein Schrei, war das Kyu? – und ergriff nach kurzem Zögern die Zügel eines Apfelschimmels.
    Aber was sollte sie mit den anderen Pferden machen? Sie hatte keine Zeit, die so viel größeren Männer versuchten Kyu einzukreisen und oh Gott, ist das Blut!?
    Sie musste einfach hoffen, dass die anderen Pferde mitlaufen oder zumindest nicht einfach stehen bleiben würden, als sie Anwyn und ihr Handpferd in den Galopp trieb und mitten auf das Kampfgeschehen zuhielt.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 05.01.2014, 01:12

    Alpha
    Unvermittelt wurde Alpha am Arm gepackt und hoch gezogen.
    Zusammenreißen.
    Wie Recht der Engel hatte. Natürlich sollte er hier nicht herum sitzen und weinen und darauf warten, dass von alleine etwas passierte. Denn das würde es nicht.
    Alpha fühlte sich noch immer etwas wackelig auf den einen, doch langsam gewann er seine Fassung zurück. Cylen hatte ihn nicht nur körperlich wieder auf die Beine geholt.
    Und er hatte wir gesagt. Er war also nicht alleine. Dieser Engel schien ihm helfen zu wollen, auch, wenn Alpha sich nicht ganz sicher war, aus welchen Beweggründen oder ob er ihn überhaupt ernst nehmen konnte.
    Dennoch. So gern er auch glauben würde, dass er etwas ausrichten könnte und so gern er den Plan des Engels umsetzen würde.
    „Das geht nicht“, sagte er leise und ohne Cylen anzusehen.
    „Ich kann nicht zu meinem Volk gehen.“



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 05.01.2014, 01:13

    Kyu
    Es sah wirklich denkbar schlecht für ihn aus. Das dachte Kyu zumindest, bist zu dem Moment, als er eine Bewegung hinter den beiden Männern wahr nahm.
    Graf Aron saß immer noch zusammengekrümmt am Boden und beobachtete das Kampfgeschehen, doch hinter ihm schien gerade seine Rettung zu nahen. Und zwar in Form von Lia.
    Diese hate sich offenbar unbemerkt zu ihrem Pferd schleichen können, denn mit diesem – und einem zweiten, wohl für ihn bestimmten – ritt sie nun auf ihn zu.
    „Großartig, Lia!“, rief er seiner Begleiterin zu, und genau in diesem Moment merkten auch die beiden Wachen, was da vor sich ging. Allerdings zu spät, denn sie schafften es gerade so, noch zur Seite zu stolpern, bevor die beiden Pferde an ihnen vorbei preschten. Der Narr hingegen, der mehr Zeit zum Reagieren gehabt hatte, zog sich mit geübtem Griff auf den Rücken des Apfelschimmels, fand die Zügel und riss das Tier nach ein paar Sprüngen herum.
    „Damit habt ihr auch nicht gerechnet, was?“, fragte er triumphierend und blickte auf die drei recht fassungslosen Männer herab. Leider blieben sie nicht allzu lange fassungslos, denn die beiden Wachen hechteten schon im nächsten Moment zu ihren eigenen Pferden, welche noch einige Meter entfernt standen.
    Das sollte ich besser nicht zulassen, dachte Kyu und tat nun das, was auch Lia getan hatte: Er trieb sein Pferd in den Galopp und preschte auf die beiden anderen Tiere zu, welche daraufhin erschrocken davon sprangen. Dann ritt er hinter seiner Begleiterin her, welche nun schon einen guten Vorsprung hatte.
    „Lia bekommt ihr nicht!“, rief er den Männern noch im Wegreiten zu, während er versuchte, das Mädchen wieder einzuholen.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 07.01.2014, 23:42

    Cylen
    Cylen begann gerade zu hoffen, dass er Alpha jetzt auf seinen Weg schicken und sich selbst beglückwünschen konnte, als der Aeridianer verkündete, dass daraus nichts wurde. Seine Kopfschmerzen kehrten mit Wucht zurück… aber wenigstens heulte der Junge nicht mehr. Obwohl Cylen sich nicht sicher sein konnte, da er jetzt den Blick abwandte, doch zumindest seine Aura wirkte inzwischen recht stabil.
    Kurz dachte er darüber nach, ihn einfach mitzuschleppen, im Zweifelsfall konnte er Alpha schließlich problemlos über die Schulter werden, doch dann wurde ihm klar, dass er den Weg nicht kannte. Also verfiel er auf die einzige andere Möglichkeit und fragte schlicht: „Warum nicht?“



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 01.05.2014, 16:10

    Alpha
    Er hatte gewusst, dass die Frage kommen würde, und dennoch war er sich immer noch nicht sicher, was er darauf antworten sollte. Die Wahrheit sagen? Alles erklären? Was würde Cylen von ihm halten, wenn er es nicht erklärte? Wahrscheinlich würde er ihn für einen Verbrecher halten. Niemand wurde ohne einen triftigen Grund von seinem Volk verstoßen. Und es gab ja auch einen guten Grund. Immerhin hatte er gegen eine der Grundregeln der Aeridianer verstoßen, nämlich die, die besagte, den Angehörigen des Volks zu helfen, wann immer sie in Gefahr waren. Nur, weil er Angst gehabt hatte. Weil er ein Feigling war. Und nun schien sich alles zu wiederholen...
    Alpha holte tief Luft. „Ich bin ein Ausgestoßener. Vor vier Jahren habe ich gegen einen der Grundsätze unseres Volks verstoßen und wurde verbannt. Ich darf mich nicht einmal mehr in ihre Nähe begeben. Insofern … ist das nicht möglich.“



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 01.05.2014, 16:16

    Cylen
    Cylen hob skeptisch die Augenbrauen. Alpha? Von seinem Volk verbannt? Der Junge wirkte, als würde er es nicht wagen auch nur die kleinste Regel zu missachten, geschweige denn ein Gesetz zu brechen, das wichtig genug war, um solch eine Bestrafung zu rechtfertigen.
    Er hätte in Betracht gezogen, dass Alpha ihm die ganze Zeit etwas vorgespielt hatte, würde seine Fähigkeit Auren zu sehen es nicht sehr schwierig machen ihn zu täuschen. Das war auch der Grund, aus dem er wusste, dass er jetzt nicht angelogen wurde. Also musste entweder ein Missverständnis stattgefunden haben oder die Aeridianer waren extrem streng, was ihre Grundsätze anging. Aber eigentlich war Cylen das auch egal - wichtig war das Problem, das besagte Verbannung darstellte.
    "Wenn es darum geht, einen von euch vor den Menschen zu retten, werden sie wohl eine Ausnahme machen", behauptete er. Die meisten magischen Wesen waren schließlich einer Meinung, wenn es um Schutz vor den Menschen ging. "Geh trotzdem."



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Nightmare - 01.05.2014, 16:17

    Alpha
    Geh' trotzdem. Alpha zuckte zusammen. Offensichtlich hatte er den Engel doch falsch verstanden. Er würde allein gehen müssen, wenn er denn ging. Und er würde gehen, Cylen hatte Recht. Das war eine Art Notfall, und vielleicht, ja, ganz vielleicht konnte er ja, wenn er dieses Mal half, einen kleinen Teil seiner Ehre wiederherstellen …
    Langsam nickte der Aeridianer.
    „Du hast Recht, Cylen“, sagte er bedächtig. „Ich sollte trotzdem gehen. Es ist nur … Also ...“ Er sah zu dem Engel hoch.
    „Wenn … du gerade nichts anderes zu tun hast … Würde ich mich freuen, wenn du mit kommst.“
    Als Alpha klar wurde, was er da gerade gefragt hatte, sah er sofort wieder weg. Was glaubte er eigentlich, wer er war? Als ob Cylen ihn wirklich begleiten wollen würde. Er hatte bestimmt viel bessere Dinge zu tun und war seine Gesellschaft sowieso schon längst Leid.
    „Nur, wenn du willst, natürlich“, fügte er daher noch vorsichtig hinzu, auch, wenn er sich kein großen Hoffnungen machte.



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 01.05.2014, 16:22

    Cylen
    Zum Glück sah Alpha sofort wieder weg und konnte deshalb Cylens Gesichtsausdruck nicht sehen. Hatte er durch irgendetwas den Eindruck erweckt, dass er den Wunsch hegte, den Aeridianer zu seinem Volk zu begleiten? Er konnte sich nicht entsinnen. Und er hatte wahrlich besseres zu tun, wie etwa... allein zu sein.
    Im nächsten Moment wurde ihm klar, dass das so auch nicht funktionieren würde. Da er (vermutlich) einer der ersten Engel war, die davon erfahren hatten, war es seine Pflicht, sein Volk darüber zu informieren, dass die Menschen über die Existenz magischer Wesen herausgefunden hatten. Das war an sich nicht so schwierig durchzuführen, aber zurückzukehren und alte Bekannte wiederzutreffen war so ziemlich das letzte, was auf seiner Liste von Dingen, die er tun wollte, stand.
    "In Ordnung, ich komme mit", sagte er prompt und ohne weiter darüber nachzudenken. Es war das geringere Übel. Außerdem sah Alpha gerade wirklich jämmerlich aus. "In welche Richtung müssen wir fliegen?"



    Re: Narya - Der Bund der Adler

    Daydream - 01.05.2014, 16:37

    Lia
    Lia beugte sich dicht über den Pferdehals und hoffte auf irrationale Art und Weise, dass sie ihre Satteltaschen gut befestigt hatte. Anwyn wusste, was von ihr verlangt wurde, weshalb ihre Reiterin es wagte, einen kurzen Blick nach hinten zu werfen. Kyu war nicht direkt hinter ihre, wie sie eigentlich erwartet hatte, sondern schien erst noch die anderen Pferde aufgescheucht zu haben - keine dumme Idee. Anschließend rief er irgendetwas (Lia glaubte, ihren Namen gehört zu haben) und preschte ihre endlich doch noch hinterher.
    Lia konzentrierte sich wieder auf den Weg und dachte sich, dass es wohl am besten war, diesen bald wieder zu verlassen, falls sie doch noch verfolgt wurden, weshalb sie ihr Pferd nach einpaar Biegungen, die sie außer Sicht gebracht hatten, in den Trab hinunter bremste, so dass Kyu sie einholen konnte. Dann bog sie nach rechts in einen schmalen Waldweg ein, kurz darauf nach links auf einen Pfad, der diesen Namen nicht wirklich verdiente (glücklicherweise waren die Pferde trittsicher), dann noch einmal nach rechts, bis sie auf einer kleinen Lichtung herauskam. Dort hielt sie an und drehte sich zu ihrem Weggefährten um. Sie wusste nicht so recht, was sie sagen wollte. 'Bist du eigentlich ein kompletter Idiot', traf es ganz gut, war aber eine Ausdrucksweise, die gegen ihre Erziehung ging... nicht, dass die Prinzessin von Narya sich in letzter Zeit sehr ihrer Erziehung gemäß verhielt. Aber dennoch.
    Und dann sah sie das Blut, das die vordere Seite seines Hemdes tränkte, und spürte, wie ihr das eigene Blut aus dem Gesicht wich. Anwyn tänzelte nervös, doch Lia konnte sich nicht dazu durchringen, sie zu beruhigen - sie war ja selbst beim besten Willen nicht ruhig.
    Sie wusste nicht einmal, warum der Anblick sie so schockte. Himmel, sie hatte Hinrichtungen gesehen, die wesentlich blutiger gewesen waren, aber das hier war etwas anderes. Es war Kyu, und er hatte sie doch nur beschützen wollen.
    "Kannst du noch weiter?", fragte sie und wusste, dass ihre Stimme zitterte. Hab dich stets unter Kontrolle, Liliana, hallte die Stimme ihres Vaters in ihrem Kopf wider, und sie riss sich automatisch zusammen. Deine Gegner werden sich auf das kleinste Zeichen von Schwäche stürzen. "Wir müssen uns ein Versteck suchen."



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