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Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 22:52Alagaësia-Outtakes
~Alagaësia-Outtakes~
Hier finden all jene Geschichten Platz, die zeitlich nicht zu den Vorgängen im eigentlichen Rollenspiel passen.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 22:53
Irgendwann während der Schlacht
Duuuuuuuuuuhhhhh...
Wie alle anderen um sie herum hielt Kyana beim vertrauten Klang des Hornes in der Bewegung inne, denn es verkündete das Ende des Tages. Heute würden sie nicht mehr kämpfen.
Die Elfe ließ ihr Schwert sinken und sah zu wie die Soldaten, die gerade im Begriff gewesen waren sie anzugreifen, sich zurückzogen; eine weitere Nacht war ihnen geschenkt worden und als Kyana in das Gesicht des einen sah, erkannte sie das Wirrwarr seiner Gefühle - er war darauf vorbereitet gewesen innerhalb von wenigen Sekunden zu sterben und nun würde er doch noch ein bisschen länger leben. Erleichterung, vermischt mit Angst, Verwirrung, Angespanntheit.
Kyana behielt ihr Schwert in der Hand, da sie es wie üblich erst saubermachen wollte, bevor sie es zurück in die Scheide steckte, drehte sich um und machte sich auf den Rückweg, wobei sie sich nach Verletzten umsah, die sie vielleicht einsammeln und mitnehmen konnte. Ein paar Meter von ihr entfernt humpelte ein Elf gestützt auf einen anderen in die gleiche Richtung, die anderen waren etwas weiter weg, da sie relativ weit in den vom Feind beherrschten Bereich vorgedrungen war. Sonst waren hier nur Tote.
Von links kam ein leises Stöhnen und Kyana kniete sich neben die dunkelhaarige Elfe, die ihre Hand auf eine Wunde im Bauch presste, welche unaufhaltsam blutete. Sie war blass, ihre Augen geschlossen, das Gesicht schmerzverzerrt - sie lag im Sterben.
Die Reiterin legte ihr Schwert ab und hielt die Hand, auf der die Gedwey Ignasia prangte, über die Verletzung, dann murmelte sie mehrere Worte in der Alten Sprache, woraufhin sich kurzzeitig alles um sie drehte. Eigentlich hatte sie nicht mehr die Kraft für so etwas, aber jetzt konnte sie die Kriegerin ins Lager zurückbringen, ohne dass diese dabei verblutete - definitiv ein Vorteil.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 22:55
Aufhören.
Da war irgendetwas, dass ihm sagte, er musste aufhören. Aufhören zu Kämpfen, aufhören, diese Elfen zu quälen und abzuschlachten...
Cail hielt in seiner Bewegung inne. Natürlich. Das Horn. Fast hätte er es überhört...
Hätte er aber auch zu gern. Mit dem Feuerball, den er gerade in seiner Hand hatte erscheinen lassen, versengte er einem der Elfen vor ihm noch das Gesicht, sodass dieser aufschrie, sich mit seinen langfingrigen Händen ins Gesicht grapschte und in die Knie ging. Tss. Leute, die sofort alle ihre Vorsicht wegen dem Klang eines Horns aufgaben, waren sowieso Idioten. Diese ganze Regel, dass man irgendwann mit dem Kämpfen aufhören musste, war idiotisch. Dann war alles auf einen Schlag dahin, die ganze Euphorie, die beim Kämpfen entstanden war.. Futsch. Durch den Klang dieses dämlichen Instruments.
Vielleicht sollte er den Soldaten, der dafür zuständig war, irgendwann mal foltern.. und dann umbringen. Damit er nicht doch auf die Idee kam, irgendwann nocheinmal dieser dämlichen Aufgabe nachzugehen. Wobei dann nur wieder ein neuer Soldat von Galbatorix dazu verdonnert werden würde.. Ach, scheiße. Foltern. Foltern..
Es kam dem Halbelf vor, als hätte er schon seit einer Ewigkeit niemanden mehr so richtig schön gefoltert. Man hatte hier aber auch wirklich kaum Gelegenheit dazu. Ständig kam irgendjemand an und wollte, dass man noch dieses oder jenes tat, noch diesen oder jenen heilte oder sonst irgendwas idiotisches, was im Grunde genommen vollkommen unnütz war. Er musste sich dringend mal wieder abreagieren.. Foltern. Er musste jetzt dringend mal wieder jemanden foltern. Egal wen, einen von diesen Elfen..
Cail sah sich um. Es waren nicht mehr viele da, und der, dem er vorhin das Gesicht versengt hatte war auch schon abgezogen - es war ja auch nicht besonders doll gewesen.
Sein Blick fiel auf eine Elfe mit dunkelblonden, langen Haaren, die neben einer Person - höchstwahrscheinlich auch einem Elfen - kniete und diesen gerade zu heilen schien.
Die nehm ich, dachte er. Es war mehr ein Gefühl, ein Impuls, als eine wirkliche feste Entscheidung. In Sekundenbruchteilen hatte er die Szene im Kopf, wie er sie unauffällig verschleppen konnte. Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Ja, das würde Spaß machen..
Mit langsamen Schritten und so unauffällig wie möglich ging Cail auf die Elfe zu, die sich gerade etwas aufrichtete und wohl im Begriff war, die andere Elfe ins Lager zu bringen. Tss. Was eine törichte Person. Später würde sie bereuen, dass sie so hilfsbereit war. Später..
Als er bei der Elfe angekommen war, murmelte er leise eine Formel, und ein kleiner, dunkler Energieball formte sich in seiner Hand. Dann beugte der Halbelf sich zu der Dunkelblonden herunter, warf einen Blick auf die Verletzte.
"Sieht nicht gut aus", meinte er mit gespielter Besorgnis in der Stimme. Er lächelte. "Schön, dass es so hilfsbereite Elfen wie dich gibt", sagte er und legte der Elfe mit diesen Worten die Hand mit dem Energieball auf den Rücken. Er spürte, wie die kleine schwarze Macht in den zarten Körper der Elfe eindrang und presste ihr gleichzeitig die Hand auf den Mund, damit sie nicht schreien konnte. Sekunden später sackte sie in sich zusammen, und Cail fing sie sanft auf, sodass sie nicht auf der verletzten, nebenbei bemerkt dunkelhaarigen Elfe landete.
Vorsichtig, um sie nicht irgendwie zu verletzen, hob er sie auf und trug sie weg, in Richtung Lager der Elfen.
Die anderen Elfen, an denen er vorbei ging, schenkten ihm keine besondere Beachtung. Naiv, wirklich naiv, diese Leute.. Nur, weil er spitze Ohren hatte, glaubten sie alle, er sei einer von ihnen. "Hey, du!"
Cail drehte sich um und sah einen blonden, ziemlich jung aussehenden Elf auf sich zukommen. Was wollte der denn? Wusste der etwa, dass er nicht zu ihnen..?
"Ist das nicht Kyana? Die Drachenreiterin? Hoffentlich wird sie bald wieder gesund.. Toll, dass du ihr hilfst. Es ist immer schön, wenn Elfen sich gegenseitig helfen", meinte er mit einem Lächeln. Aber der Halbelf konnte auch leichte Besorgnis in seinem Blick erkennen.
"Ja.. Ja, das ist es", antwortete er mit gespielter Freundlichkeit. "Aber ich muss jetzt weiter.. Du verstehst, Finiarel."
Der Elf nickte und er ging weiter.
Helfen. Tss. Wenn der wüsste.. Früher hatten sie sofort gesehen, dass er kein richtiger Elf war. Und obwohl er immer alle Höflichkeitsformeln der Elfen angewendet hatte, immer alles getan hatte, um so zu sein wie sie, war er doch in einer Weise 'schlechter' als sie gewesen.
Schon wieder hatte ihm jemand seine Freude verdorben. Heute war einfach kein guter Tag.. Hoffentlich würde sich das bald ändern.
Schließlich, als er irgendwo in diesem komischen Lager war, wo ihn wirklich niemand mehr beachtete und er ungestört war, beschloss er, jetzt endlich von hier zu verschwinden. Er warf einen Blick auf das Gesicht der Elfe. Fast schien es, als würde sie nur schlafen, aber in Wirklichkeit war sie bewusstlos. Die kleine schwarze Kugel verursachte lediglich so starke Schmerzen, dass man für einige Zeit bewusstlos war - und vor allem verursachte sie keine bleibenden Schäden. Wenn man aufwachte, fühlte man sich wieder vollkommen normal, und dass war das Gute an dieser Technik. Auf diese Weise war sein Opfer nämlich wieder voll hergestellt, wenn es aufwachte. Und damit bereit, von ihm gefoltert zu werden.
Cail murmelte erneut eine Formel, dieses mal eine etwas längere. Für einen kurzen Moment hatte er das Gefühl zu zerspringen, und dann war er verschwunden.
An der Stelle, an der er gestanden hatte, erinnerte nur noch eine leichte Rauchwolke daran, dass er jemals da gewesen war.
Und der Rauch wurde vom Wind mitgenommen.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 22:56
Eine Hand breit vor Teras Gesicht blieb das Schwert in der Luft stehen. Sie konnte den Klang eines Horns hören, und quälend lange Sekunden später wurde die Klinge herunter genommen.
Sekunden, in denen sie die ganze Zeit auf die Schwertspitze hatte starren müssen. Aber jetzt war es vorbei. Das Spiel war aus. Zumindest für heute. Verdammt.
Was war denn schon wieder mit ihr los? Sie hätte sich fast von einem Soldaten umbringen lassen. Einem dämlichen, idiotischen Soldaten!
Der anscheinend so dumm war, dass er nur wegen dieses Horns seinen Angriff nicht zu ende ausführte. Das war zwar ihr Glück, aber.. Naja, sie hätte trotzdem noch zugestochen.
Trotzdem hätte es nicht so weit kommen dürfen. Niemals. Nicht bei einem so schwachen Gegner, den sie mit einem Schwerthieb erledigen konnte.
Fluchend drehte sie sich um und stapfte zurück in Richtung Lager. Auf dem Weg dorthin trat sie wütend gegen die Leiche eines Elfen, sodass diese Leiche aufstöhnte. Scheiße. Anscheinend war es doch keine Leiche. Tera war drauf und drann, sie liegen zu lassen, drehte sich dann aber doch noch einmal um und beugte sich zu dem Mann herunter. Sie meinte, ihn irgendwo schonmal gesehen zu haben, aber das meinte sie bei vielen Elfen. Sahen ja auch irgendwie alle gleich aus, wenn man mal von den Haaren absah.
Eine Platzwunde prangte auf seiner Stirn, und Tera glaubte, einen Knochen durch das Blut hindurch zu erkennen. Ein Pfeil steckte in seinem Bauch und er sah nicht so aus, als würde er das noch lange mitmachen.
Mit einem Ruck zog die Drachenreiterin den Pfeil heraus, woraufhin der Elf erneut aufstöhnte - anscheinend war er nicht mehr in der Lage, noch zu schreien.
Mit den Worten "Waíse Heill" richtete sie ihre rechte Hand erst auf den Kopf, dann auf die Schulter des Elfen. Die Verletzungen schlossen sich, zwar ziemlich langsam, aber es klappte. Aller Wahrscheinlichkeit nach war dabei jetzt zwar irgendetwas schief gegangen, aber das durften sich diese Heiler dann nochmal ansehen. Konnten froh sein, dass sie überhaupt half.. Anscheinend hatte sie heute ihren sozialen Tag. Oder so.
"Hey, du Spitzohr mit den schwarzen Haaren da!", rief sie einem anderen Elfen zu, der noch ziemlich gesund aussah und gerade in Richtung Lager marschierte. Dieser drehte sich zu ihr um und sein Gesichtsausdruck, der sowieso schon ziemlich genervt aussah, verfinsterte sich noch mehr.
"Wenn du nicht willst, dass dein Kumpel hier wegstirbt, dann schlepp ihn jetzt mit", rief sie ihm mit einem Kopfnicken in Richtung des nun geheilten Elfen zu und richtete sich auf.
Sie würde ihn ganz bestimmt nicht noch zurück tragen.
Mit einem wütenden Gesichtsausdruck kam der Dunkelhaarige zu ihr herüber gelaufen, ging zu seinem am Boden liegenden Gefährten und hob ihn vom Boden auf. "Bist dir wohl zu fein dazu", zischte er ihr noch im Vorbeigehen zu.
Tera ignorierte diese Worte.
Ohne die beiden noch eines Blickes zu würdigen machte sie sich ebenfalls wieder auf den Weg zurück ins Lager.
Wirklich ein verdammter Scheißtag war das heute gewesen. Sie wollte einfach nur noch schlafen und diesen Tag ein für alle mal vergessen und aus ihrem Gedächtnis streichen.
Die Blicke, die sie zugeworfen bekam, als sie zu ihrem Zelt ging, schienen heute noch stechender zu sein als sonst. Was war denn heute nur los..?
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 22:56
Kyana blieb noch einen Augenblick so sitzen, bis das Schwindelgefühl vorüber war, dann richtete sie sich auf. Jetzt musste sie die Verletzte nur noch zum Lager schaffen. Wo war Shuran eigentlich...?
Auch auf dem Weg, verkündete dieser augenblicklich und schickte ihr ein Bild von sich selbst, wie er mit ein paar Verwundeten auf dem Rücken abhob. Alles in Ordnung bei dir?, fügte er besorgt hinzu, schließlich hatte er ihren kleinen Schwächeanfall bemerkt.
Ja, mir geht es gut, entgegnete die Drachenreiterin. Zumindest besser als einigen anderen hier.
Sie wollte noch etwas sagen, als jedoch ihr gedankliches Gespräch durch eine Stimme unterbrochen wurde; sie hatte gar nicht bemerkt, dass sich jemand genähert hatte. Vermutlich war sie wirklich sehr erschöpft.
Ein Elf mit struppigen schwarzen Haaren und dunkelroten Augen beugte sich zu ihr hinunter. Sieht nicht gut aus, meinte er besorgt und fügte mit einem Lächeln hinzu, dass es schön sei, dass es so hilfsbereite Elfen wie sie gebe. Irgendwie hörte sich das seltsam an. Und irgendwas störte sie an dem überhaupt an diesem Kerl...
Kyana runzelte die Stirn und setzte gerade zu einer Antwort an, als der Schmerz in ihrem Rücken explodierte. Sie wollte schreien, aber etwas - eine Hand!? - hielt ihren Mund zu und sie war absolut nicht in der Lage sich dagegen zu wehren. Sie spürte nur die Schmerzen, unglaubliche Schmerzen... kurz hörte sie auch die Stimme ihres Drachen in ihrem Kopf, die ihren Namen rief, aber im nächsten Moment wurde alles um sie herum schwarz.
Als sie langsam wieder erwachte, wusste sie zuerst nicht, was passiert war. Sie versuchte sich zu bewegen, aber etwas hinderte sie daran und sie spürte, dass sie auf einer harten, glatten Fläche lag. Noch bevor sie die Augen öffnete, versuchte sie Shuran zu erreichen, doch ihr Gehirn war seltsam vernebelt, so dass es nicht funktionierte. Was in aller Welt...?
Nun schlug sie doch die Augen auf. Und wünschte sich kurz darauf, sie hätte sie zugelassen; Wäre sie nicht in den letzten Monaten ziemlich abgehärtet worden, hätte sie jetzt aufgeschrien, aber so sog sie nur scharf die Luft zwischen den Zähnen hindurch ein und starrte das an, was direkt über ihr von der Decke hing. Ein Kopf mit einem blutigen Halsstumpf. Er gehörte einem braunhaarigen Elfen, dessen ebenfalls braune Augen offen in die Leere starrten.
Die Elfe versuchte automatisch sich aufzurichten, woran sie natürlich erneut wegen der Fesseln scheiterte. Barzûln, wie war sie in Gefangenschaft geraten? Sie konnte sich nicht daran erinnern, nur an plötzliche Schmerzen... aber der Tag war doch vorbei gewesen, das Horn war bereits ertönt.
Kyana kniff kurz die Augen zusammen, um sich zu vergewissern, dass sie nicht träumte, aber der Kopf hing immer noch da. Ein Kopf, Barzûln! Das war einfach... einfach...
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 22:58
Mitten in der Wüste begann plötzlich, leichter Rauch aus dem Sandboden aufzusteigen. Kurz darauf erschien eine Gestalt mit wehendem Umhang an dieser Stelle, die eine zarte, junge Elfe in den Armen trug.
Lächelnd ging die Gestalt auf ein relativ großes, schlichtes Zelt zu, welches ganz in der Nähe stand. Ein Schild mit der Aufschrift Keep Out war am Eingang angebracht. Die Gestalt schien es zu ignorieren, schlug die Zeltplane zur Seite und trat ins Dunkle.
..:::Timejump - 115 Minutes later:::..
Gelangweilt spielte Cail mit einem der Messer herum, während er wartete, dass diese Kyana endlich aufwachte. Wieso musste diese Bewusstlosigkeit auch immer so lange anhalten? Aufwecken wollte er sie auch nicht, denn dann war der ganze Schock weg, wenn sie aufwachen würde..
Er überlegte nochmal, ob er auch an alles gedacht hatte. Also. Die Elfe lag auf dem Tisch. Gefesselt war sie, und er hatte die Fesseln nun schon mindestens dreimal überprüft - aus Langeweile. Den Zauber, der verhinderte, dass die Magie anwenden oder sich irgendwie mit jemandem per Gedankenübertragung verständigen konnte hatte er ebenfalls gesprochen - ganze viermal, und ihn zwischendurch immer wieder aufgelöst, weil er nichts anderes zu tun gehabt hatte. Den Elfenkopf hing ebenfalls. Erst hatte er einen anderen nehmen wollen, hatte dann aber entschieden, dass dieser wohl doch am abscheulichsten aussah.
Und jetzt saß er hier und wartete und wartete, und dieses dumme Geschöpf von Elfe war immer noch bewusstlos. Beim zweiten mal Fesseln war ihm aufgefallen, dass er dieses Exemplar sogar schon einmal gesehen hatte - es war die, die er zusammen mit diesem anderen Ding eingesperrt hatte. Leider waren sie beide entkommen. Das hieß, dass sie stark war - und das war gut. Sehr gut sogar. Dann würde sie länger durchhalten..
Luft wurde scharf zwischen den Zähnen hindurch eingesogen, und mit einem Blick zu seinem Opfer sah der Halbelf, dass dieses endlich aufgewacht war. Aber es hatte nicht geschrieen. Schade. Wahrscheinlich schon zu abgehärtet.
Cail stand von dem Stuhl, auf dem er die ganze Zeit gesessen hatte, auf und trat an den Tisch, auf dem die Elfe lag, heran.
"Na, endlich wach?", fragte er mit einem zuckersüßen Lächeln, während er immer noch mit dem Messer herumhantierte.
"Nun, du fragst dich wahrscheinlich, wo du bist..", redete er weiter, ohne eine Antowort abzuwarten. "Du bist in meinem ganz persönlichen Folterparadies ♥ Und es wird mir ein Vergnügen sein, mich mit dir zu befassen. Du bist ein ganz besonders schönes Exemplar Elfe.." Mit diesen Worten strich er ihr zärtlich ein paar Haare aus der Stirn. Ja, sie war wirklich hübsch. Er war eigentlich keiner von diesen Leuten, die ihre Opfer vergewaltigten und dann umbrachten, aber bei so einer Schönheit könnte selbst er schwach werden. Aber so war er nicht. Foltern war doch etwas ganz anderes.. Etwas viel besseres. Viel lustigeres.
Immer noch lächelnd sah er auf Kyana herab, die da gefesselt auf dem Tisch lag.
Gefesselt und ihm vollständig ausgeliefert.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 22:58
Kyana starrte immernoch den Kopf an - irgendwie schaffte sie es nicht, sich davon loszureißen, wie abscheulich der Anblick auch war - bis sie neben sich leise Geräusche hörte. Schritte. Und dann eine Stimme, die ihr seltsam bekannt vorkam.
Sie drehte den Kopf zur Seite und blickte zum zweiten Mal heute in das Gesicht des Elfen mit den dunkelroten Augen und den struppigen schwarzen Haaren, der in den Händen ein Messer hielt, mit dem er herumspielte. Jetzt wusste sie auch, wie sie hierhergekommen war. Aber warum...? Er war doch ein Elf, oder nicht?
Kyana versuchte sich also erst einmal auf die Worte des Schwarzhaarigen zu konzentrieren, denn vielleicht würde er ja von alleine erzählen, was sie wissen wollte. Und das tat er auch. Mit einem widerlichen zuckersüßen Lächeln im Gesicht redete er von seinem persönlichen Folterparadies; Und es wird mir ein Vergnügen sein, mich mit dir zu befassen. Du bist ein ganz besonders schönes Exemplar Elfe...
In Kyanas Gesicht zuckte ein Muskel, als der Kerl ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Unwillkürlich spannte sie sich an. Es schien, als wäre sie in den Händen eines Irren gelandet. Sie konnte keine Magie anwenden, niemanden um Hilfe rufen, sich ja nicht einmal bewegen. Die Lage war, milde ausgedrückt, ungünstig. Sehr, sehr, sehr ungünstig.
"Wer bist du?", stellte die Elfe schließlich die Fragen, die ihr im Kopf herumgingen. "Warum tust du das?"
Es passte einfach nicht ins Bild, dass ein Elf... nein, es passte einfach nicht. Warum sollte er das tun? Vielleicht hatte er einen Schlag auf den Kopf oder einen verwirrenden Zauber abbekommen, das war gut möglich. Doch anscheinend konnte er trotzdem noch genug denken, dass er es geschafft hatte sie mitten zwischen den anderen Elfen wegzuschleppen. Wobei die beim Anblick eines anderen Elfen natürlich auch nicht misstrauisch geworden waren, genauso wenig wie sie... nun gut, sie hatte schon dieses merkwürdige Gefühl gehabt, dass irgendetwas nicht stimmte, aber trotzdem; sie war es nun einmal gewohnt, andere Elfen als Verbündete, als Freunde, als Familie anzusehen. Und nun...
Noch einmal huschte ihr Blick kurz zu dem abgehackten Kopf, der über ihr hing, dann wandte sie ihn schnell wieder ab.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 23:00
Mit Freude betrachtete er den verwirrten, etwas skeptisch misstrauischen Gesichtsausdruck auf dem Gesicht der Elfe. Sie schien es nicht besonders toll zu finden, da gefesselt rumzuliegen - verständlich - nur hatte sie irgendwie keine Angst. Wenn doch, dann konnte er sie nicht erkennen. Noch nicht. Aber das würde sich bald ändern..
Wer bist du?, wollte die Elfe wissen. Hah. Das wollten viele wissen.. Und noch eine Frage stellte sie: Warum er soetwas tat. Hmm. Das fragten schon weniger.
"Wer ich bin, willst du wissen?", fragte er. Immer noch sein Lächeln im Gesicht beugte er sich zu ihr herunter, strich ihr abermals sanft über die Stirn - dieses mal, um alle Haare aus ihrem Gesicht zu befreien.
"Ich werde es dir sagen..", meinte er genüsslich und zückte das Messer, mit dem er zuvor herumgespielt hatte.
"Und ich werde es dir sogar aufschreiben, damit du es nicht so schnell wieder vergisst. Pass auf..", redete er weiter und setzte das Messer auf Kyanas Stirn an.
"Zuerst kommt ein C..." Mit diesen Worten drückte er das Messer in die Haut der Elfe und zeichnete ihr ein großes, blutiges C auf die Stirn. "Dann ein A.. Ein I.. Und zuletzt ein L. Sei froh, dass mein Name so kurz ist", erklärte er, während er die anderen drei Buchstaben auf die Stirn der jungen Frau ritzte. "Cail", sagte er schließlich, richtete sich wieder auf und betrachtete sein Werk. Die Buchstaben waren schon etwas verlaufen, aber man konnte sie trotzdem noch lesen. Zufrieden entfernte er sich kurz, legte das Messer auf einen der anderen Tische, die im Raum lagen, und griff in eine kleine Dose. Dann trat er wieder zu der Elfe.
"Und um das ganze noch etwas zu verzieren.." Der Halbelf öffnete die Hand über ihrem Gesicht etwas, und kleine, weiße Salzkörner rieselten auf den roten Namen. "So. Perfekt. Und warum ich das tue, willst du auch noch wissen? Du bist wirklich neugierig, Süße." Er wischte sich die Hand an seiner Hose ab. "Nun, dass ist schwer zu beschreiben.. Man könnte sagen, es macht Spaß. Aber das würdest du nicht verstehen - das versteht keines meiner Opfer. Dafür muss man selber schon einmal gefoltert haben. Und selbst dann - nicht alle verstehen, warum das Spaß machen kann. Es ist.. befriedigend. So wie andere Leute Saufen gehen, wenn sie von der Arbeit kommen, foltere ich. Allerdings bezweifle ich wirklich, dass du in der Lage bist, das nachzuvollziehen."
Ja, er redete gern mit denen, die da vor ihm auf dem Tisch lagen. Wenn sie schon starben, dann konnte er ja wenigstens die Güte besitzen, ihnen ihre letzten Fragen zu beantworten, sodass sie nicht dumm sterben mussten. Auch wenn er ihnen oft nicht die ganze Wahrheit erzählte. Aber das musste er ja auch nicht.
Es verstand ihn sowieso keiner.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 23:00
Noch einmal strich er ihr die Haare von der Stirn und genau wie beim letzten Mal spannte ihr ganzer Körper sich dabei an. Dann hob der Elf sein Messer, führte es auf ihr Gesicht zu; dass er seinen Namen aufschreiben wolle, sagte er. Er wollte doch nicht...?
Doch, er wollte. Kyanas Mund verwandelte sich in einem schmalen Strich, als sie die Lippen zusammenpresste, um keinen Ton des Schmerzes herauszulassen; den Gefallen würde sie ihm nicht tun.
Natürlich war sie nicht so naiv zu glauben, dass sie die ganze Zeit schweigen konnte. Wenn dieser Wahnsinnige sie wirklich foltern wollte - woran sie nicht zweifelte - würde sie letztendlich vor Schmerzen schreiben, das wusste sie. Und dann würde sie sich irgendwann wünschen zu sterben, nur, damit es vorbei war. Nein, Kyana machte sich keine Illusionen, aber zumindest wollte sie das Ganze so lange wie möglich hinauszögern.
C... A... I... L. 'Cail' hieß er also. Der Name sagte ihr nichts... oder doch? Er kam ihr irgendwie bekannt vor, aber sie wusste nicht woher. Und das war im Prinzip auch egal, denn in diesem Moment ließ er etwas Weißes auf die nach wie vor unangenehm pochenden Wunden rieseln, die daraufhin anfingen höllisch zu brennen.
Salz, kam es der Elfe in den Sinn und erneut presste sie ihre Lippen aufeinander. Ein einzelner, warmer Blutstropfen rann an ihrer Schläfe hinab und seltsamerweise störte es Kyana gerade noch mehr diesen nicht wegwischen zu können als die Tatsache, dass man ihr gerade mit einem Messer etwas auf die Stirn geritzt hatte. Merkwürdig.
Sie riss sich von ihren Gedanken los und konzentrierte sich wieder auf das, was der Kerl da her faselte. Und sie stellte fest, dass sie Recht gehabt hatte: Dieser Cail hatte sie schlicht nicht mehr alle. So wie andere Leute Saufen gehen, wenn sie von der Arbeit kommen, foltere ich.
"Das ist krank", stellte Kyana also fest, da sie zu dem Schluss gekommen war, dass ihre Situation sowieso nicht mehr schlechter werden konnte, selbst wenn sie ihre ehrliche Meinung kundtat. Das war auch der Grund, weshalb ihre Stimme so unangebracht gelassen klang. Und davon einmal abgesehen lenkte das Reden ein bisschen ab. "Bist du mal auf den Kopf gefallen?", fügte sie deswegen noch hinzu. Wenn sie schon dabei war, konnte sie Cail gleich ein bisschen ärgern. Das hatte er davon, wenn er sie hier festband.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 23:01
Nichts. Kein Ton. Nichtmal ein klitzekleiner Schrei. Schade, wirklich schade.. Aber das würde er noch ändern. Ganz sicher würde er das.
Etwas enttäuscht blickte er auf die gefesselte Gestalt der Elfe hinab. Aber so waren sie eigentlich alle, diese Elfen. Viel zu stolz, um auch nur einen Laut des Schmerzes von sich zu geben. Und später.. Ja, später schrien sie alle wie wie am Spieß und wünschten sich, ihm nie über den Weg gelaufen zu sein.
Das ist krank, sagte die Elfe, als er sich wieder von ihr abwandte, um zu entscheiden, was er als nächstes tun würde.
Bist du mal auf den Kopf gefallen?
Auf den Kopf gefallen. Haha. Der Halbelf fing wirklich an zu überlegen, ob er einmal auf den Kopf gefallen war. Als er noch kleiner war bestimmt mal. Aber sonst.. eigentlich nicht.
"Ich konnte mir schon denken, dass du das nicht verstehst", antwortete Cail mit einem theatralischen Seufzen. Man hatte es wirklich nicht leicht mit einem solchen Hobby. Aber damit hatte er sich schon lange abgefunden. Womit er sich nicht abgefunden hatte, war die Gelassenheit dieser Elfe. Daran musste er dringend etwas ändern. Vielleicht sollte er den ganzen recht unschmerzhaften Kram sein lassen und gleich zu den etwas brutaleren Sachen übergehen. Aber.. Nein, dann würde er sich ja den ganzen Spaß verderben. Außerdem gehörte das 'Auf-die-Folter-spannen' - Was ein wunderschönes Wortspiel - einfach dazu, selbst wenn die Opfer da nicht so sehr leiden mussten.
Der Halbelf ließ seinen Blick über die Folterwerkzeuge wandern, die vor ihm auf einem Tisch ausgebreitet waren. Viele waren es nicht; er hatte einfach nicht alles mit in die Wüste schleppen können. In solchen Momenten wünschte er sich - und sein Opfer - nach Uru'baen, zurück in seine Folterkammer. Langsam hatte er wirklich genug von dieser Schlacht.
Cails Hand wanderte zu einer Art eisernem Stempel, in den in Großbuchstaben 'I ♥ Cail' eingraviert war. Der Halbelf grinste und drehte sich mit dem eisernen Klotz wieder zu Kyana um.
Füße, Beine, Bauch, Brust, Arme, Hände, Rücken, Kopf...
Wobei er den Kopf ja schon hatte. Hmm. Der Halbelf entschied sich für die Arme. Eigentlich hätte er ja lieber die Hände gehabt, aber.. die würde sie bestimmt zu Fäusten ballen. Und er hatte keine Lust, sich jetzt irgendwie großartig anzustrengen. Noch nicht.
Cail legte der Elfe den eisernen 'Stempel' in die Armbeuge. Da sie gefesselt war, dürfte es ihr eigentlich nicht gelingen, ihn von sich herunter zu bekommen. Feierlich grinsend sagte der Foltermeister eine Formel auf, so, dass Kyana genau verstand, was er sagte - sie sollte wissen, was auf sie zu kam. Wobei sie es sich wahrscheinlich sowieso schon denken konnte. Die Formel bewirkte, dass der kalte Stahl erst warm wurde, langsam, sodass es fast angenehm war, dann aber immer heißer und heißer wurde, damit schließlich Verbrennungen auf der Haut entstanden.
Und durch die Gravur.. Hrr. Ihre Leiche würde später wirklich schön aussehen. Ein wahres Kunstwerk. Ja, Kunst. Foltern war eine Kunst, und das war eine Tatsache.
Auch, wenn diese Kunstrichtung nicht allzu viele Anhänger hatte. Leider.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 23:01
Statt ihr eine Antwort zu geben, seufzte der Elf nur theatralisch und verkündete, dass er sich schon gedacht habe, dass sie das nicht verstehen würde. Schön für ihn.
Nun kam er mit einem Ding an, das entfernt an einen Stempel erinnerte, einem Stempel aus Eisen, um genau zu sein - allerdings konnte Kyana so schnell nicht den ohnehin spiegelverkehrten Schriftzug lesen, bevor Cail das Ding in ihre Armbeuge legte (eigentlich wollte sie es auch gar nicht). Kurz darauf sagte er eine Formel in der Alten Sprache auf, die dafür sorgen würde, dass es langsam immer wärmer und letztendlich glühend heiß wurde.
Ganz gegen ihre normalerweise so friedfertige Natur hatte Kyana jetzt schon gute Lust, diesem Cail eine reinzuhauen; nur dumm, dass sie sich kaum bewegen konnte. So musste sie es bei einem finsteren Blick von dem sich erwärmenden 'Stempel' zu dem Schwarzhaarigen belassen. Wenn sie doch nur Magie benutzen könnte, dann wäre sie in Null Komma Nichts frei und würde mit diesem Kerl den Boden aufwischen.
"Sehr kreativ", kommentierte Kyana Cails Vorhaben sarkastisch und fügte die nächsten Sätze schnell hintenan, da sie ihren Mund, sobald das Ding richtig heiß war, wohl besser geschlossen halten würde. Und langsam wurde es es schon etwas unangenehm. "Das vorhin war übrigens eine ernsthafte Frage. Du solltest mal zu einem Heiler gehen."
Die bisher angenehme Wärme an ihrem Arm verwandelte sich nun in Hitze, die Haut an dieser Stelle schien in Flammen zu stehen. Während Kyana erneut damit beschäftigt war, jeden Laut zu unterdrücken, spürte sie gleichzeitig, wie ihre Armmuskeln anfingen unkontrolliert zu zucken, als ihr Körper reflexartig versuchte die Schmerzquelle loszuwerden. Oh, Barzûln! Du hast schon Schlimmeres durchgehalten, redete sie sich entschlossen ein. Also stell dich nicht so an!
Die Vorstellung, dass es auch noch wesentlich schlimmer werden würde, war dabei natürlich nicht sehr aufmunternd.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 23:03
Ein altes Volkslied summend ging Cail um den Tisch herum, die Augen weiterhin auf die Elfe gerichtet.
Wie heißt das Metall wohl schon war? Ob es schon weh tat? Oder war es noch zu..?
"Sehr kreativ", sagte sein Opfer, wahrscheinlich im Bezug auf sein Vorhaben. Der Halbelf schmunzelte. Auch wenn eine gehörige Portion Sarkasmus in ihrer Stimme gelegen hatte, konnte er das dennoch als Kompliment ansehen. Ja, er war wirklich nicht so einfältig wie die ganzen anderen Foltermeister. Er folterte nicht, um Informationen zu bekommen oder um eine Person einfach nur leiden zu lassen. Er folterte.. als Kunst. Er machte aus einem lebenden Menschen - Elfen - ein Kunstwerk. Er dachte sich selber Methoden aus, wie man gleichzeitig etwas schönes herstellte und Schmerzen zufügte. Das war doch wirklich beachtlich, oder nicht?
Das vorhin war übrigens eine ernsthafte Frage. Du solltest mal zu einem Heiler gehen.
"Frage? Welche..?"
Cail brauchte einen Moment, um zu verstehen, was genau diese Kyana gerade von ihm wollte. Aber dann erinnerte er sich.
"Ach, die Frage. Nein, eigentlich bin ich nie auf den Kopf gefallen - vielleicht als Kind mal. Und heilen kann ich im Übrigen selber sehr gut, aber trotzdem danke für den Ratschlag."
Mit einem genüsslichen Lächeln betrachtete er den Arm der Frau, der jetzt anfing unkontrolliert zu zucken. Aber sie gab immer noch keinen Ton von sich. Ziemlich abgehärtet, das Ding. Aber um so besser.
"Weißt du was? Ich werde dir jetzt einen kleinen Trick zeigen. Eine kleine Zaubervorstellung.. Wie auf Volksfesten. Hmm. Kennt ihr Elfen sowas überhaupt? Mit Leuten, die Schwerter verschlucken, jonglieren, Feuer spucken..? Ich bezweifle es..."
Er selbst war einmal auf einem solchen Fest gewesen. Das war nun schon etwas her, aber es war eigentlich recht lustig gewesen. Die Menschen hatten Augen gemacht, als würde der Himmel auf die Erde fallen. Dabei war es wirklich nichts besonderes..
Die Frage, ob Elfen soetwas kannten, hatte er sogar aus halbem Interesse gestellt. Er hatte früher nicht genug von der Welt der Elfen mitbekommen, als dass er solche Dinge wusste. Aber über das ganze Gerede hätte er fast seine Vorstellung vergessen.
Cail beugte sich leicht vor, sodass er die Elfe genau ansehen konnte.
"Augen auf!", meinte er, dann eine kleine Formel, und mit einer eleganten Handbewegung pustete er Kyana einen Feuerball ins Gesicht.
"Hübsch, nicht war?", kommentierte er mit einem kurzen Lachen und klopfte sich den Russ von der Hand.
Ein weiteres Wort und der Metallstempel auf dem Arm der Frau wurde wieder kalt, sodass er ihn herunternehmen und seine Arbeit betrachten konnte. Es war zwar etwas undeutlich, aber bei genauerem Hinsehen konnte man die Buchstaben und das Herz erkennen.
"Wunderbar", murmelte er und legte den Stempel wieder weg.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 23:03
Wegen ihres Ringens um Selbstbeherrschung brauchte die Elfe einen Moment, um zu realisieren, dass Cail eine einfache Melodie summte, die sie allerdings nicht kannte. Hatte sie schon einmal erwähnt, dass er wahnsinnig war...? Ach ja. Schon mehrere Male.
Kyana biss mit aller Kraft die Zähne zusammen, während das Ding auf ihrem Arm immer heißer wurde. Eigentlich erstaunlich, dass das noch möglich war - Trotzdem, sie würde durchhalten. Durchhalten. Barzûln!
Nein, eigentlich bin ich nie auf den Kopf gefallen - vielleicht als Kind mal. Und heilen kann ich im Übrigen selber sehr gut, aber trotzdem danke für den Ratschlag.
Oh. Also war er wohl wirklich als Kind auf den Kopf gefallen und hatte ungute Folgen davongetragen - Kyanas Mitleid hielt sich allerdings in Grenzen, auch als Cail nun anfing, irgendetwas von Volksfesten und Zaubervorstellungen zu reden.
Kennt ihr Elfen sowas überhaupt?, fragte er, als wäre ihm noch nie aufgefallen, dass er ja wohl selber ein Elf war. Kopfverletzungen. Tz. Außerdem hörte sich Cail anscheinend sehr gerne selbst reden, so wie er die ganze Zeit daherfaselte…
Nun rückte sein Gesicht in ihr Blickfeld und er sagte noch etwas: Augen auf! Was…? In diesem Moment war Kyanas Selbstbeherrschung dahin. Sie schrie gleichermaßen vor Schreck und Schmerz auf, als die Hitze in ihrem Gesicht explodierte und ihre Haut versengte.
Die Ursprungshitze verschwand kurz darauf wieder, aber Kyana hatte immer noch den Eindruck, als würde ihr Gesicht brennen, vor allem die Buchstaben auf ihrer Stirn, welche Cail ebenso gut noch einmal hätte hineinritzen können. Sie stöhnte so leise, dass es nur wegen der Ruhe in dem Zelt zu hören war. Wenigstens hatte sie im letzten Sekundenbruchteil die Augen zugekniffen, so dass diese unversehrt geblieben waren, auch wenn sie nun leicht tränten. Dass der Stempel inzwischen von ihrem Arm herunter war, hatte Kyana gar nicht bemerkt.
"Möglicherweise ist dir entgangen, dass du selbst ein Elf bist“, sagte sie trotzdem spitz, wobei die Haut um ihren Mund herum unangenehm spannte „Und überhaupt“, fügte sie, diesen Umstand ignorierend, hinzu. „Warum sollte irgendjemand zuschauen wollen wie jemand anders ein Schwert verschluckt?"
Nicht zu fassen wie sinnlos diese Unterhaltung war, wobei sie die Antwort auf die Frage schon leicht interessierte, wenn auch nicht unbedingt in dieser Situation. Wenn sie sich nur befreien könnte… aber an den Fesseln herumzuzerren würde auch nichts bringen. Sie brauchte einen Plan, doch das Suchen danach war zwecklos, ihr Kopf war wie leer gefegt.
Natürlich war es Kyanas Drachen nicht entgangen, dass seine Reiterin verschollen war. Im Gegenteil; als Cail sie angriff, hätte Shuran fast die verletzten Elfen von seinem Rücken herunterkatapultiert, sich aber im letzten Moment doch noch zusammengerissen und diese im Lager abgesetzt, wo sie von Heilern in Empfang genommen wurden. Darauf hin war er wie eine blaue Rakete wieder in die Luft geschossen und war fast zwei Stunden lang dicht über dem Wüstensand gekreist, um Kyana ausfindig zu machen, ausgehend von dem Ort, von dem er wusste, dass sie sich da zuletzt aufgehalten hatte.
Es half alles nichts, sie blieb verschwunden. Und das, was Shuran davon abhielt, im Geist mit ihr zu sprechen, war längst keine Bewusstlosigkeit mehr, sondern etwas anderes, wahrscheinlich ein Zauber.
Der Drache schoss über das Schlachtfeld dahin und brüllte seine Wut in den Himmel hinauf. Warum, warum musste diese Elfe sich andauernd in Schwierigkeiten bringen? Warum musste sie andauernd verschwinden, so dass er sie nicht mehr erreichen und ihr helfen konnte? Kyana war wahrscheinlich das einzige Wesen, das eine Schlacht ohne größere Blessuren überstand, sich aber, sobald diese beendet war, angreifen und entführen ließ. Diese verdammte Elfe!
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 23:04
Verdammt. Das war ja sowas von klar gewesen. Aber sowas von.
Tera lag auf dem Rücken und starrte auf die graue Zeltplane über ihrem Kopf. In den letzten Nächten ging es ihr fast immer so. Sie wollte schlafen, war eigentlich totmüde und wusste, dass sie die Energie dringend für den nächsten Tag brauchte - aber der Schlaf wollte einfach nicht kommen. Ganz egal, wie lange sie auf ihrem 'Bett' lag.
Mit einem leisen Stöhnen richtete sie sich auf und schlug die Decken beiseite. Hier rumzuliegen brachte jetzt auch nichts; abgesehen davon machte sie das nichtstun fast wahnsinnig.
Im Halbdunkeln ertastete sie ihre grob in die Ecke geworfenen Klamotten und streifte sie schnell über. Dann suchte sie noch nach einem Umhang, was sich als nicht ganz einfach herausstellte - ihr Zelt war unter Garantie das unordentlichste im ganzen Lager. Sie besaß nie die Lust, noch irgendetwas zu tun, nachdem sie gekämpft hatte. Und morgens schon gar nicht. Schließlich hatte sie aber doch etwas gefunden, von dem sie stark vermutete, dass es einer ihrer Umhänge war.
Mühsam wühlte sie sich durch die Unordnung zum Ausgang und trat dann nach draußen.
Frische, kühle Nachtluft schlug der Drachenreiterin entgegen, und augenblicklich begann sie zu frösteln. Sie legte sich den Umhang um die Schultern und sah sich um: Vereinzelt liefen noch einige Elfen - wahscheinlich Heiler - geschäftigt hin und her, aber sonst war es recht still. Was auch nicht sehr verwunderlich war. Tera hatte zwar keine Ahnung, wie spät es war, aber da es doch schon ziemlich dunkel war und der sichelförmige Mond schon recht hoch am Himmel stand, vermutete sie, dass es schon relativ spät sein musste.
Sich den Umhang fester um die Schultern ziehend stapfte sie ziellos durch den Wüstensand. Ihr Weg führte sie aus dem Lager, hinein in die grenzenlose Weite der Hadarac-Wüste. Schon bald umgab sie Stille, und es kam ihr vor, als wäre sie ganz allein auf dieser leeren Ebene. Das einzige Prolem war, dass sie hier draußen noch schneller die Orientierung verlor als irgendwo anders. Vielleicht sollte sie versuchen, sich an den Sternen..?
Ach, scheiße. War doch auch egal. Irgendwie würde sie schon wieder zurückfinden, egal, wo sie im Endeffekt landen würde. Wahrscheinlich ging sie sowieso im Kreis.
Wenn es nur nicht ganz so kalt wäre...
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 23:05
Ein Schrei. Ein richtiger, echter Schrei..!
Cails Herz machte einen Hüpfer, ehe er sich dessen besann, dass dieser Schrei wohl nicht aus Schmerz, sondern vielmehr aus Erschrecken ausgestoßen wurde. Wobei..?
Das Gesicht der Elfe sah jetzt jedenfalls ziemlich gerötet aus, und einige ihrer Haare hatten das Feuer nicht ganz unbeschadet überstanden. Sofern sie überhaupt noch existierten.
Möglicherweise ist dir entgangen, dass du selbst ein Elf bist, unterbrach Kyana Cails Freude über den Schrei. Ein leichtes Lächeln breitete sich auf dem Gesicht des Folterers aus, während er versuchte, die aufkeimende Wut in sich zu unterdrücken.
"Haha.. Ihr Elfen seid wirklich dumm. Sehr, sehr dumm. Aber du bist nicht die erste, die diesem Irrtum erlegen ist."
Wieso dachte eigentlich alle Welt, dass alles, was spitze Ohren hat, gleich Elf war? Bei den Menschen war es noch schlimmer. Die hielten selbst Drachenreiter für Elfen. Aber die meisten Menschen waren dumm und einfältig.. Die Elfen allerdings auch. Nunja, wie auch immer. Er sollte sich den nächsten Schritt -
"Warum sollte irgendjemand zuschauen wollen wie jemand anders ein Schwert verschluckt?", fragte Kyana.
Ach ja, er hatte ja gerade von Volksfesten erzählt. Elfen kannten soetwas anscheinendn wirklich nicht.
Da verpassen sie aber etwas, ging es dem Halbelfen durch den Kopf. Und da kam ihm eine Idee. Hatte er nicht noch irgendwo..?
Er drehte sich um, ging zu einer Kiste, durchwühlte sie, ging zu einer weiteren Kiste und durchsuchte diese ebenfalls, bis er mit einem recht langen, eindrucksvollen Schwert zurück kam.
"Menschen kennen das nicht", antwortete er, während er das Schwert von beiden Seiten betrachtete. "Und alles, was sie nicht kennen, ist doch irgendwie zum Bestaunen, nicht wahr?", meinte er, trat auf Kyana zu und ritzte mit dem Schwert einen kleinen Schnitt in ihre Hand. "Sieht du? Scharf. Und jetzt pass gut auf."
Cail öffnete den Mund, neigte den Kopf zurück und begann, sich das Schwert in den Mund zu schieben, bis schließlich nur noch die Parierstange zu sehen war. Dann zog er es langsam wieder hinaus.
"Faszinierend, nicht wahr?", wollte er wissen, als er die Waffe wieder in der Hand hatte. "Eigentlich bin ich kein Typ für Waffen, aber diese hier.."
In einer schnellen Bewegung drehte er sich um und rammte der Elfe das Schwert in die Brust.
"Ist besonders schön." Cail zog die Waffe zurück und legte die Klinge auf einen der Tische. "Hübscher Trick, oder?" Mit diesen Worten betrachtete er noch einmal die Schwert-Immitation, die wirklich erstaunlich echt aussah. Wer auch immer sie angefertigt hatte, er musste sein Handwerk gut beherrscht haben. Die Vorstellung eben hatte zwar nicht wirklich zu seinem Repertoire gehört, aber er hatte sich das Trick-Schwert einmal angeschafft, um Menschen zu erschrecken. Die ließen sich von solchen Dingen viel eher einschüchtern als Elfen. Die Waffe besaß eine einziehbare Klinge, welche sich zusammenschob und dann in den Knauf rutschte. Dabei gab es an ihr nur eine scharfe Stelle, mit der man demonstrieren konnte, dass das Schwert 'echt' war.
Wirklich erstaunlich, was sich die Leute alles ausdachten, wenn sie gerade nichts zu tun hatten.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 23:05
Irrtum, sagte er. Wieso Irrtum…?
Kyana hätte irritiert die Stirn gerunzelt, hätte das nicht so wehgetan, darum ließ sie es nach einem ersten Versuch lieber bleiben und konzentrierte sich darauf Cails Gesicht aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, was sie bisher unterlassen hatte.
Er hatte spitze Ohren, das war ganz offensichtlich. Die leicht unheimlichen dunkelroten Augen waren ungewöhnlich, zumindest wenn man kein Elf war, denn bei Elfen war überhaupt kein äußeres Merkmal ungewöhnlich (manche ließen sich Fell wachsen, also bitte!). Aber wenn man genauer hinsah, fiel auf, dass die Gesichtszüge eigentlich nicht sehr elfisch waren, viel eher menschlich. Doch… wie konnte das sein? Das war mehr als seltsam. Möglicherweise wollte dieser Cail sie auch nur verwirren.
Bevor Kyana weiter darüber nachdenken konnte, verschwand Cail allerdings kurzzeitig aus ihrem Blickfeld und es hörte sich an, als würde er in irgendetwas herumwühlen. Schließlich kam er zurück, und zwar mit einem Schwert in der Hand.
Menschen kennen das nicht, sagte er und Kyana brauchte erst einen Moment, um zu verstehen, worum es überhaupt ging. Stimmt, sie hatte ja eine Frage gestellt. Und alles, was sie nicht kennen, ist doch irgendwie zum Bestaunen, nicht wahr?
Als Cail ihr mit dem Schwert in die Hand ritzte, zuckte sie nicht einmal mit der Wimper, schließlich war das im Vergleich zum Vorhergegangenen nicht der Rede wert. Die Frage war, was Cail jetzt vorhatte.
Kurz darauf wusste sie es. Er schob sich, vermutlich zu Demonstrationszwecken, das Schwert in den Mund, bis nur noch die Parierstange herausschaute. Zugegeben, es sah aus, als würde er es wirklich ‚schlucken’, nur waren andere Möglichkeiten natürlich wahrscheinlicher: Entweder hatte er Magie benutzt oder es war ein schlichter Trick. Faszinierend wie Cail es nannte fand sie es nun nicht gerade. Überhaupt –
Kyana zuckte zusammen, als die Klinge auf sie zugerast kam und alles in ihr schrie, sofort zur Seite zu hechten - aber anstatt sie zu durchbohren schob selbige sich zusammen und verschwand im Schwertknauf. Die Elfe atmete die angehaltene Luft wieder aus und verdrehte genervt die Augen.
Also wirklich ein Trick. Dabei sah das Ding sehr echt aus, es war geschickt angestellt… Aber ob sich die Menschen wirklich so leicht hereinlegen ließen? Merkwürdig.
In diesem Moment fiel Kyana auf, wie Cail sowohl von Elfen als auch von Menschen redete: Er schien sich zu keinem der Völker zugehörig zu fühlen.
„Oh“, machte sie überrascht, als sie sich plötzlich daran erinnerte, wie ein Elf ihr vor ein paar Wochen von Angelas Tod erzählt hatte. Er hatte behauptet, dass ein Halbelf sie getötet habe, der auf Galbatorix Seite kämpfe und andauernd Leute foltere, aber sie hatte es damals für ein Gerücht gehalten. „Du bist dieser Halbelf, der Angela umgebracht hat!“
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 23:07
Cail schmunzelte. Obwohl die Elfe die Augen verdrehte, hatte er das beruhigende Gefühl, dass sie schon für einen Moment Angst gehabt hatte – wenn auch nur für einen Moment. Aber mehr hatte er ja auch gar nicht gewollt.
Vielleicht sollte er langsam dazu übergehen, ein paar.. schlimmere Methoden anzuwenden. Wobei 'schlimmer' irgendwie nicht das passende Wort war. 'Besser' traf da schon eher zu.
Der Halbelf wollte sich wieder umdrehen, als er mitten in der Bewegung stockte. „Oh“, meinte die Elfe, „Du bist dieser Halbelf, der Angela umgebracht hat!“
Cail zuckte unmerklich zusammen.
Halbelf.
Warum zum Teufel wusste dieses abscheuliche, widerwertige Geschöpf plötzlich, dass er ein Halbelf war? Und wie konnte sie die Frechheit besitzen, ihm das auch noch offen ins Gesicht zu sagen?
Ruhig bleiben, rief er sich in den Kopf. Mach jetzt bloß keinen Fehler. Sonst verlierst du deine gesamte Autorität.
Aber es war immer wieder eine Demütigung, wenn ihn jemand auf seine Herkunft ansprach. Auch wenn er sich dessen nur allzu gut bewusst war – man musste es ihm doch nicht ständig vor die Nase halten, oder?
Abgesehen davon machte es mehr Spaß, wenn seine Opfer verwirrt waren. Wenn sie schon wussten, was er war, und das Rätsel verpufft war, war es gleich viel.. unlustiger.
Eine ganze Reihe Beschimpfungen gingen ihm durch den Kopf, doch er zwang sich zu einem überheblichen Lächeln und drehte sich wieder zu der Elfe.
„Angela? Kenn' ich nicht. Aber kann schon sein, dass ich sie umgebracht habe. Und ja, ich bin ein Halbelf – falls es das ist, was du mit deiner Aussage betonen wolltest.“
Ziemlich schnell drehte er sich wieder weg, aber immer noch so, dass es nicht unnatürlich wirkte. Im Schauspielern war er wirklich gut, fand er.
Äußerlich wirkte er recht entspannt, sogar fast gut gelaunt, aber innerlich kochte er vor Wut. Jetzt reichte es ihm auch mit den Spielereien. Diese Elfe hatte ein besonders schreckliches Ende verdient.
Warum regte er sich eigentlich so auf? Irgendwann hätte sie es sowieso herausgefunden. Und aufregen war nicht gut. Es kostete nur Nerven und brachte in Endeffekt sowieso nichts.
Sie hatte trotzdem ein besonders schreckliches Ende verdient, fand er.
Der Halbelf griff nach der Daumenschraube, die ihn von einem der kleinen Abstelltischchen verführerisch anblitzte.
Langsam drehte er sich wieder um und ging mit schnellen Schritten um die Elfe herum, um dann eine kleine Formel zu murmeln, die bewirkte, dass die Elfe ihre Hände nicht mehr bewegen – aber durchaus spüren konnte. Wieso war er eigentlich nicht schon früher auf diese Idee gekommen? Das hätte ihm einige Entscheidungen wesentlich einfacher gemacht. Vorsichtig schob er Kyanas Finger auseinander – er bewunderte sich dafür, dass er immer noch so viel Ruhe zeigt – und legte alle Finger, mit Ausnahme des Daumens, zwischen die beiden Metallplatten, und zwar so, dass die Knöchel dort lagen, wo sich gleich die Zähne, die an den Platten angebracht waren, in das Fleisch der jungen Frau fressen würden.
Dann drehte er sie fest, erstmal nur so stark, dass die Elfe deutlich spüren konnte, dass dort etwas auf ihre Hand drückte.
Dann begann er langsam, in einem ungleichmäßigen Tempo, die Schrauben, welche die beiden Metallplatten zusammenhielten, festzudrehen, sodass sich die Spitzen in die Haut bohrten.
Dabei blickte er direkt in das Gesicht der Elfe, in der Erwartung, dass sich dieses gleich vor Schmerzen verzerren würde.
Eine schöne Erwartung.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 25.02.2009, 23:07
Er war also wirklich ein Halbelf. Der Halbelf, denn so viele gab es ja nicht. Und natürlich erinnerte er sich nicht an Angela – sie erinnerte sich auch nicht an jeden, den sie in dieser Schlacht schon getötet hatte (und kannte die Namen sowieso nicht).
Zugegebenermaßen war Kyana ein bisschen fasziniert von der Situation, oder wäre es, wenn selbige für sie nicht so unangenehm wäre.
Cail griff nach irgendeinem Gegenstand auf einem der Tische und lief dann um sie herum, ein paar Worte murmelnd, die bewirkten, dass sie ihre Hände nicht mehr bewegen konnte. Einen Moment später geschah auch genau dies: die Finger erstarrten und Kyana konnte sie kein Stück mehr rühren.
Na wunderbar, grummelte sie innerlich und beobachtete aus den Augenwinkeln, wie Cail sich an ihrer rechten Hand zu schaffen machte. Ihre Finger steckte er in ein Ding, von dem Kyana glaubte, dass es eine Daumenschraube war, und zog dann die beiden Metallplatten, aus denen es bestand, langsam zusammen, so dass die Zähne auf die Knöchel drückten.
Die Elfe versuchte (mal wieder) sich innerlich zu wappnen, was in den ersten paar Sekunden, in denen Cail das Ding fester zog, sogar etwas brachte. Aber nur in den ersten paar Sekunden.
„Wie kommt es…“ Sie unterbrach sich selbst mitten im Satz und verzog das Gesicht, holte tief Luft, als die Metallzähne sich in ihre Knochen bohrten. Es würde sicher nicht lange dauern, bis sie brachen. „Wie kommt es“, setzte Kyana noch mal an. „dass du für Galbatorix ar…“ Diesmal endete ihr Sprechversuch in einem Stöhnen und das einzige, was noch in ihrem Kopf Platz hatte, war der Gedanke Nicht schreien, nicht schreien, nicht schreien, barzûln, nicht schreien…
Vielleicht hätte sie etwas sagen sollen, bevor Cail mit der Daumenschraube angefangen hatte, aber eigentlich war das jetzt auch egal. Der Schmerz jagte von ihren Fingern ausgehend ihren Arm hinauf und sie wollte nichts lieber als ihre Hand dort wegzureißen und um sich zu schlagen. Aber die einzige Folge war, dass die Fesseln in ihre Handgelenke schnitten, auch wenn sie das überhaupt nicht bemerkte.
Und dann ging es einfach nicht mehr. Von rechts ertönte ein Knacken, als einer der Finger brach, und Kyana schrie schmererfüllt auf. Es war doch alles egal. Ihr Stolz war so was von egal. Auch dass es Cail vermutlich freuen würde, war vollkommen egal.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 25.02.2009, 23:09
Die Elfe setzte an, etwas zu sagen, doch sie hörte schon nach einigen Worten auf, um schmerzerfüllt das Gesicht zu verziehen.
Lange hielt sie das bestimmt nicht mehr aus, nein.. Und dann, wenn er ihren Stolz erst einmal gebrochen hatte, wenn es ihr egal war, ob sie schrie oder nicht - erst dann ging der ganze Spaß richtig los.
"Wie kommt es, dass du für Galbatorix ar -"
Sie schrie. Ein Knochen knackte unüberhörbar, und sie schrie. Ein richtiger Schmerzensschrei. Endlich. Endlich!
Ein Gefühl der Freude durchströmte ihn, und er war wirklich voll und ganz in seinem Element.
"Dass ich für Galbatorix arbeite? Wolltest du das sagen?", fragte der Halbelf mit einem hämischen Grinsen.
"Nun, ihr Elfen seid ein sehr.. wie soll ich es nennen.. verräterrisches Volk, wenn ihr es sein wollt", gab er nur als Antwort, riss das Gerät, welches sich schon fast vollständig durch die Finger der jungen Elfe gebohrt hatte, mit einem Ruck herraus, sodass ihm Blut entgegen spritzte. Die warmen Tropfen landeten auf seiner Kleidung, seinem Gesicht, und gaben ihm ein Gefühl der Stärke und Unantastbarkeit.
Jetzt, endlich, konnte es richtig losgehen. Aber wirklich richtig.
Er zückte wieder sein Messer, packte Kyanas Arm - was eigentlich unnötig war, da sie gefesselt war - und schlitzte ihn so weit auf, dass das Messer an den Knochen anstiess. Blut quoll ihm entgegen - er legte nur das Messer zur Seite, packte nun auch mit der anderen Hand den aufgeschlitzten Arm. Dann brach er ihr auch diesen Knochen, als wäre es nur ein Ast. Ein ziemlich stabiler Ast, denn es brauchte schon einige Kraftanstrengung. Mittlerweile war Cail vollkommen in eine Art Raserei verfallen. Er dachte kaum noch nach, was er tat. Er handelte einfach. Handelte und fühlte sich gut dabei.
Er ging wieder um die Elfe herum, packte ihre andere Hand und drehte ihr diese so weit um, bis das Handgelenk brach. Dann schlitzte er auch an diesem Arm noch etwas herum. Sein Messer war mittlerweile vollkommen Blutverschmiert, ebenso wie seine Hände und der Saum seines Hemdes. Er sah aus, als hätte er grade jemanden operriert. In gewisser Weise war das ja sogar der Fall.
Nun legte er das Schneidewerkzeug wieder zur Seite, nahm eine Art Stahlhammer mit Zacken darauf. Zertrümmerte der Elfe damit ihre zarten Knie. Nahm dann eine Hand voll Messer und stach sie ihr durch die Oberschenkel. Zog ihr die Stiefel aus, ritzte ihre Fußsohlen ein.
Schnitt ihr dann ein Lächeln ins Gesicht, ständig begleitet von den Schreien der jungen Frau.
Als er langsam wieder klarer im Kopf wurde, hatte er eine ziemlich rote Elfe mit allen möglichen Verletzungen vor sich liegen - und ein ungemein befriedigendes Gefühl.
Aber das reichte ihm nicht.
Jetzt kam der andere Teil der Folter hinzu, der der manchmal sogar noch schmerzhafter war, als alles, was man einem Körper an Schmerzen zufügen konnte.
Er legte seine Werkzeuge zur Seite und trat dann an den Kopf der Elfe. Dann legte er eine Hand auf deren Kopf, über den Schriftzug, seinen Namen. Dabei war er sogar fast vorsichtig, denn er hatte ihr mittlerweile so viel angetan, dass sie bald das Bewusstsein verlieren könnte.
Dann schloss er die Augen und drang in ihren Geist ein.
Obwohl er sie die ganze Zeit gefoltert hatte, war ihr Schutzwall immer noch erstaunlich stark, und es kostete ihn ein wenig Zeit und Kraft, bis er durch war. Aber dann lag Kyanas gesamter Geist vor ihm, in all seiner Vielfältigkeit und Verworrenheit. Nach kurzer Orientierung hatte Cail schon eine Erinnerung gefunden, die er gut für seine Zwecke nutzen konnte. Die Erinnerung, wie ihr Drache schlüpfte - Shuran hieß er. Hmmhmm. Also, dann mal los..
Er sah sich die Szene im Schnelldurchlauf an, veränderte sie dann mit der Hilfe einiger alter Worte - und ließ sie in Kyanas Kopf spielen. Erst wirkte noch alles ganz normal, aber dann schlüpfte aus dem Ei an stelle ihres Drachen ein skelettartiges Wesen, das nur im Entfernten an einen Drachen erinnerte. Und dieses Wesen würde der armen Elfe nicht ganz wohlgesonnen sein...
Diese Technick, Erinnerungen zu verändern, war nicht ganz einfach, und es gab nicht viele Leute, die sie beherrschten und anwendeten. Was wohl auch daran lag, dass sie viel Kraft kostete - wenn er hiermit fertig war, würde er so ziemlich am Ende sein. Aber das war auch eine der guten Seiten beim Foltern. Man fühlte sich danach immer, als hätte man etwas ungeheuer gutes getan. Hatte man schließlich auch.
Von dieser Art des Folterns bekam er selbst zwar nicht allzu viel mit, aber allein das Wissen, was er da gerade anrichtete, war etwas, das für ihn eine große Befriedigung darstellte.
Re: Alagaësia-Outtakes
Sammy - 26.02.2009, 21:44
Alternative Zukunft.
Dunkelheit. Sie war da, die ganze Zeit. Waberte um ihn herum, ließ ihn nicht aus ihrer Umarmung. Vernebelte seinen Geist. Und sie war so grausam, so leblos, so erstickend, dass er nach Luft schnappen und schreien wollte. Er wollte Luft holen. Aufwachen. Doch über dieser ganzen Situation lag noch eine andere Bedrohlichkeit – die Angst davor, was passieren würde, wenn die Dunkelheit ihn los ließe. Schmerzen. Sie warteten hinter der Schwärze. Schmerzen, Angst und Leid. Und selbst in seinem Tranceartigen Zustand verstand er, dass es vorbei war. Dass es vorbei war, wenn er aufwachte. Wenn die Dunkelheit dem Licht wich.
„Tzz!“ Schwungvoll schlug die hochgewachsene Gestalt die eiserne Tür hinter sich zu, als wöge sie nur die Hälfte ihres eigentlichen Gewichts. „Ein Monat! Ein Monat! Das ist lächerlich. Findest du nicht auch, Schnuckiputzi?“ Die Antwort stellte ein missmutiges Grummeln dar. „Tja. Aber wir wollen ja auch schließlich keine Zeit verlieren, nicht wahr? So ist es. Also… wo waren wir letztes Mal stehen geblieben?“ Mit zwei großen Schritten war die gesprächige Person in der Mitte des Zimmers. So düster wie seine Bezeichnung war auch seine Gestalt: Schwarze Gewänder mit einem blutrot gefütterten Umhang komplettierten die Erscheinung des Schattens. Und kaum legte er seine Hand auf die warme Wange des anderen, schien sein Haar aufzuflammen und nahm einen noch intensiveren Rot-Ton an. Etwas blitzte in seinen gelben Augen auf. War es Vorfreude? Unter der Hand des Schattens verkrampfte sich die andere Person. Die schmalen Lippen des Rothaarigen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln und entblößten zwei Reihen perfekter, weißer Zähne. „Freust du dich denn nicht? Boraas ist wieder zu Hause!“
Der wache Blick des Elfs verfolgte jede Bewegung Boraas’. An Armen und Beinen war er sowohl magisch als auch wirklich gefesselt, zudem unterdrückte der Schatten seine Magie. Seit zwei Tagen war Comorel nun schon in diesem… Raum gefangen. Den gestrigen hatte er in „trauter Zweisamkeit“ mit dem Schatten verbracht und am ersten Tag war er noch zu benommen gewesen, um etwas mitzubekommen. Alles war, wie man merkte, spitzenmäßig verlaufen. Insbesondere der Teil mit dem „Nicht-Festgenommen-Werden“. Er, der Thronfolger, hatte bis zum Schluss gekämpft. Selbst als nur noch eine Handvoll Elfen standen, konnte er nicht gehen. Sie waren sein Volk. Er liebte sie. Und wenn auch nur ein einziger Elf an seiner Seite kämpfte, würde er weitermachen. Und wenn sie alle gefallen wären, würde er weitermachen, damit ihr Tod nicht umsonst war. Sie waren sein Volk. Und er musste mit oder für sie bis zum bitteren Ende kämpfen. Mit sieben von ihnen hatte er also versucht, sich Richtung Du Weldenvarden zurück zu ziehen. Der Schnelligkeit der Elfen waren die Menschen nicht gewachsen. Aber dieser Schatten schon. Und dann hatte ihn nur noch Finsternis umgeben. Bis zum verdammten Jetzt.
Der nächste Tag war angebrochen. Eine fröhliche Melodie pfeifend bereite Boraas mal wieder ein paar Foltermethoden vor. „Na, was soll’s heute Schönes sein?“, fragte er mit seiner honigsüßen Stimme. „Daumenschraube – hatten wir gestern schon. Altmodisch, aber effektiv. Wir wäre es denn mit... ah.“ Mit ein paar Nägeln kam er auf Comorel zu. „Thihihi“, entfuhr ihm, als er genüsslich den Körper des Elfen mit Nägeln spickte. Der Körper seines Opfers verspannte sich wieder – wusste er denn nicht, dass es dann noch mehr wehtat? Tzzz. Dummes Elfenviech. Leider hatte der Herr Elfenkönig bisher noch nicht geschrien – kein einziges, kleines Schreichen. Er selbst lag zwar nicht sooo viel wert darauf, dass seine Opfer schrien, denn, oh ja, sie konnte ihre Angst und ihre Schmerzen auch anders ausdrücken, doch hatte der Elf auch keine anderen Anscheinungen gemacht, dass er so sehr am Rande des Wahnsinns war. Das lag daran, dass er nur abends zu ihm konnte. Verdammte Arbeit. Verdammtes System. So viele Leutchens tötete er tagtäglich und hatte nur so wenig Zeit für jeden einzelnen. Und, tja, für sein Lieblingsopfer blieb eben auch nur ganz wenig Zeit übrig. Galbatorix, dieser obertolle Herrscher, hatte ihm einen Monat gegeben, um seinen alten Freund zu foltern, bis er verrecken sollte. In Boraas Sicht viel zu wenig Zeit – da er ja die Stunden tagsüber einbüßen musste. Aber er versuchte, das Beste daraus zu machen und ließ sich schon während der Arbeit interessante, neue Methoden ausdenken. Als er in jede Handfläche seines Opfers je einen Nagel stieß, spritze das Blut nur so. „So eine Kakteenart habe ich ja noch nie gesehen…“, merkte er an, als er ein paar Schritte zurück trat, um sich sein Werk besser ansehen zu können. „Hör… nur auf. Deine Witze… sind mehr Folter als diese kleine Nägelchen“, presste Comorel heraus und warf dem Schatten einen hasserfüllten Blick zu. „Oh, kann schon sein. Naja, gut, dass wir uns als alte Freunde so etwas sagen können. Bei anderen wäre ich vielleicht sauer geworden, hätten sie so etwas verlauten…“ Eifrig sammelte der Foltermeister die Nägel wieder ein. Nun blutete der Elf aus vielen, kleinen Wunden. Ein schöner Anblick. Die Löcher waren nämlich in einem strengen Muster angelegt worden. Anschließend griff der Gelbäugige zu einem Blutverkrusteten Messer. „Wie wäre es mir etwas Traditionellem?“ Er ging die Liege entlang zu den Füßen des Elfs, immer verfolgt von dessen misstrauischem Blick. „Warum haben wir so viele Zehen, hä? Schau… ganze zehn! Hast du jemals aktiv zum Beispiel deinen dritten Zehn benutzt?“ Boraas sah, wie sich der Blick des Elfen weitete. Er legte das Messer an dessen rechten Fuß und schnitt in das warme Fleisch. Einen nach dem anderen amputierte er die fünf Zehen, während der Betroffene stöhnte und die Finger in die Liege krallte. Oh ja. Das war gut. Er roch Schmerz. Großen Schmerz. „Nicht so böse gucken!“, rief der Schatten und seine Stimme rutschte vor Wahnsinn eine Oktave höher. „Schau… schau, schau, was ich kann!“ Er ließ die fünf Zehen durch die Luft fliegen und jonglierte mit ihnen. Es lief immer noch Blut aus den abgetrennten Körperteilen, das dadurch durch die Luft spritze und alles besudelte. Aber der Elf schien davon kaum erheitert zu werden. Er erbrach sich neben sich und zuckte heftig mit dem Fuß. Ein dämonisches Lachen drang aus Boraas’ Kehle, als er dann auch den linken Fuß bearbeitete und das Spiel mit sämtlichen Zehen Comorels fortsetzte. Auf dem Boden sammelte sich eine Lache von Blut, in die immer nur noch mehr tropfte. „Hahaha! Na, ist das nicht wunderbar?“, kreischte der Schatten und sein wahnsinniges Lachen erfüllte den ganzen Keller.
Comorel starrte zu der schmutzigen, blutbesprenkelten Decke hoch. Er wusste nicht, wie lange er das noch durchhalten sollte. Manchmal war er sich gar nicht mehr sicher, ob er nicht schon längst den Verstand verloren hatte (sein Gegenüber offensichtlich schon vor längerer Zeit). Mittlerweile versuchte Comorel gar nicht erst, sich gegen etwas zu wehren. Die Zauber des Schattens hielten. Da gab es kein Vertun. Stattdessen zog sich Comorel tief in sich zurück, in einen Platz in seinem Geist, in dem er ganz allein war. In einen Platz, den dieses Monster nicht erreichen konnte. Zumindest bis jetzt nicht. Weshalb… kämpfe ich überhaupt noch? Wozu? Es ist zu Ende. Und ich bestimme mit meinem Überleben einzig und allein darüber, ob es das morgen oder heute ist. Es ist vorbei, den ungewöhnlichen Fall einmal ausgenommen, dass noch jemand kommt und mich hier rausholt. Trotz der Gewissheit regte sich in Comorel immer wieder ein Funken Hoffnung bei diesem Gedanken. Einige wenige hatten entkommen können. Einige wenige. Ich darf nicht einmal daran denken… Bin ich so egoistisch und böse geworden?! Comorel! Du verdammter Narr, sie DÜRFEN dich nicht retten! Es ist gut, wenn sie in Sicherheit sind. Und wenn sie dort bleiben. Du wirst sterben, gib dich damit ab. Kyana hat überlebt, das ist das einzige was zählt. Doch du wirst Kyana… niemals… Comorel konnte den Gedanken nicht beenden. Er wurde von einer Welle Schmerz übermannt, die rein gar nichts Physisches an sich hatten. Sich krümmend und nach Luft ringend schaffte er es gerade noch so, Tränen zurück zu halten. Dieser Schatten war allgegenwärtig und er wollte ihm nicht die Genugtuung geben. Doch… Kyana… Was war denn das Letzte, was er zu ihr gesagt hatte?! Es musste etwas Unbedeutendes gewesen sein, bevor die Schlacht wieder auf sie hereingebrochen war. Und mehr als alles andere vermisste er sie. Er wurde von der Sehnsucht nach ihr regelrecht geschüttelt. „Angst?“, hauchte ihm plötzlich eine Stimme ins Ohr. Es musste eine rhetorische Frage gewesen sein, denn Comorel wusste, dass der Schatten Angst riechen konnte. Wie ein Tier. Und Comorel hatte keine Angst. Nicht mehr. Er hatte nur noch Schmerzen.
„Heute… habe ich noch was Schönes vorbereitet. Ich dachte mir, dass wir etwas plaudern könnten.“ Ein irres Kichern begleitete diesen Satz, während er eine Platte an die Liege heranschob. Es war aber nicht irgendeine Platte – sondern eine Streckbank. Schnell murmelte er den Muskelbannfluch, verfrachtete den ramponierten Elfen auf die Streckbank und machte ihn dort sorgfältig fest. Vorsorglich drehte er an dem Rad schon eine Stufe weiter, so dass der Elf eigentlich noch gar nicht wirklich gestreckt wurde, da er ja ziemlich groß war. „Also. Weißt du noch, wie lange du schon hier bist?“, fragte der Schatten schief grinsend. „Ich… habe aufgehört zu zählen…“, antwortete der Elf. Er schien schon so schwach dabei erlebte er erst seit fast drei Wochen diesen extreme Foltertortur. „Es ist wahrscheinlich besser, wenn man nicht weiß, wie viel Zeit man noch miteinander hat...“, sinnierte Boraas, wobei er sich ganz offensichtlich auf sein Folteropfer bezog. Aber Comorel dachte dabei an etwas ganz anderes. Wenn ich es gewusst hätte… wenn ich gewusst hätte, wann es enden würde, dann hätte ich die letzten Tage mit ihr mit etwas Sinnvollem gefüllt. Und meine letzten Worte zu ihr hätten anders geklungen. „Weißt du… wovor ich am meisten Angst habe?“ Der Schatten hatte wieder die Stimme erhoben. „Nein, weißt du nicht, denn ich habe keine Ängste. Ich habe keine Grenzen. Im völligen Gegensatz… zu dir.“ Die Arme und Beine des Elfen wurden ein weiteres Stück auseinander gezogen. „Deine erbärmliche tote Familie war dir ja so wichtig. Und jetzt hast du sie verloren – sie alle. Wie sehr kann ich dem Schmerz über diesen Verlust nachkommen? Dumme Frage, dumme Frage… Du hast bei mir schon längst stärkere Schmerzen erlitten. Und dann dein… dein… sogenanntes „Volk“, sie alle, mit ihren spitzen Ohren. Jedes einzelne Leben ist dir lieb. Ist – es – nicht – so?“ Bei jedem Wort dehnten sich die Extremitäten Comorels weiter. Die Haut spannte schon so sehr, dass Comorel sich nicht vorstellen konnte, wie sie überhaupt noch weiter gedehnt werden konnte. „Ja. So ist es!“, entgegnete Comorel laut, an Stelle eines Schreis. „Ja. So ist es. Und dein Drache… es ist dieses goldfarbene Weibchen, was? Die Elfen haben sich da wirklich was Geniales ausgedacht – das muss ich ihnen lassen. Denn wenn der Drache eines Reiters stirbt, soll das angeblich… für die totale Folter sein!“ Ich vermisse sie wirklich. Es ist unerträglich. Aber das kennen wir ja schon, dass immer alle möglichen Leute meine Verbindung zu Lenora kappen, dachte Comorel, während der Schatten in ein schallendes Lachen bei dieser anscheinend sehr amüsanten Erkenntnis verfiel. Als er sich wieder eingekriegt hatte, wandte er sich wieder zu Comorel. „So… ja. Es ist bestimmt schlimm, von deinem Drachilein getrennt zu sein. Ich kann es mir… nein, ich kann es mir nicht vorstellen. Überhaupt nicht. Na ja, wie dem auch sei. Dann ist da noch so eine Angelegenheit… Duuuu~ hast noch vor etwas ganz anderem Angst. Ist es nicht so?“ Schatten…, seufzte Comorel innerlich. Ich mag Schatten nicht. „Duhu… hast Angst, so zu werden – wie er. Das ist erstmal ziemlich dumm, denn du wirst niemals so stark und mächtig wie unser gelobter König. Aber… wer weiß? Steckt nicht in jedem von uns eine böse Seite, bei dem einen nur stärker ausgeprägt als bei dem anderen?“ Comorels Augen weiteten sich. Wie kann er… was!? „Immer willst du der Held sein, hilfst immer allen, bist peinlich darauf bedacht, nichts Falsches zu tun. Bloß nichts voreilig zu sagen. Alles muss unter deiner Kontrolle stehen – und doch willst nicht zu viel Macht. Es könnte dich schließlich… verderben. Das letzte, was du dir für dein Volk wünschst, ist ein Tyrann wie Galbatorix. Du hast so verdammt viel Angst davor, dass du dich verlierst, dass das Böse von dir Überhand nimmt.“ Das war total ins Schwärze getroffen. Jedes einzelne Wort stimmte zu. Ich bin wahrscheinlich längst schon zu verdorben, um König der Elfen zu sein. Selbst wenn ich nicht hier gelandet wäre. Ich kann mich niemandem zumuten. Doch Comorels Gedanken wurden abermals von der unangenehmen Stimme des Schatten unterbrochen. „Ach was! Du bist ein Feigling! Du lebst in deiner rosa Plüschwelt. Als ob du jemals ein anderes Lebewesen wissentlich verletzten und danach Spaß an seinem Leid haben könntest!“ Verdattert starrte Comorel Boraas an. Moment…? Wie? Oh… „Papperlapapp. Papper, papper, papper. Elfen sind von Grund auf lieb, sind sie das nicht? Und jetzt haben wir das Wesentliche völlig aus den Augen verloren…“ Mit einem freudigen Lächeln auf dem Gesicht legte der Rothaarige wieder seine Hand auf das Rad. Verdammt… Verdammt! Vielleicht sollte ich ihn noch etwas... ablenken? „Wird dir… Monster… es nicht auch irgendwann zu dumm… immer Leute zu verstümmeln? Erfüllt es dich… so sehr?“, stellte der Elf seinerseits nun eine Frage und keuchte auf, als Boraas das Rad auf einmal drei Stufen weiter drehte und die Knochen sich von den Gelenken lösten. „Hmmm… simple Antwort: Ja. Aber weißt du, was noch sehr erfüllend ist?“ Er nahm sich ein Messer, krempelte sich den Arm hoch und stieß sich die Waffe zur Überraschung des Elf selbst in den Arm. Ein genießerisches Seufzen kam von Seiten des Schattens. „Schmerz ist eine faszinierende Sache, weißt du? Und ich würde lieber Schmerz fühlen als… völlig… betäubt zu sein. Es ist das intensivste Gefühl, das ich kenne…“ Comorel wollte ihn schon einfach als kranken Masochisten und Sadisten abstempeln, als ihm ein Gedanke kam. „Ich kenne ein… Stärkeres“, sagte er mit leiser Stimme. Der Schatten warf ihm einen seltsamen Blick zu, als würde er ihm das nicht glauben. Da stahl sich ein Lächeln auf das Gesicht des Elfen. „Ja… Ich kenne ein stärkeres Gefühl. Liebe.“ Boraas stolperte einen Schritt zurück und spuckte sein Opfer angewidert an. Diese zwei Silben. Furchtbar. „Liebe“, sagte er verächtlich. Dieses Wort hinterließ einen bitteren Nachgeschmack in seinem Mund. „Und dann? Dann ist da nur noch Schmerz! Überall!“ Er drehte das Rad weiter und der freche Elf stöhnte laut auf. Die Streckbank streckte den Elfen nun so weit, dass er sich fühlen musste, als ob jemand ihm die Gliedermaßen abreißen wollte. Mit einem Lächeln voller Genugtuung drehte Boraas das Rad noch bis zur höchsten Stufe. Comorel machte ein quietschendes Geräusch, während der Schweiß ihm in Strömen herunterlief und sein Körper irgendwie versuchte, der Belastung zu entkommen. Einige Momente lang genoss Boraas es, den Elf leiden zu sehen, bis er widerwillig das Rad zurückdrehte. Dieser komische Möchtegernelfenkönig durfte noch nicht sterben. Ha. Das wäre ja noch schöner.
Es kam noch schlimmer. Es kam immer noch schlimmer. Mittlerweile verlor Comorel schon bei jeder dieser perversen Ideen seines Peinigers die Besinnung. Und jetzt fuchtelte dieser schon wieder mit einem Messer vor ihm herum. „Was zum…“, murmelte der Elf bevor Boraas ihm die Haut vom Bauch schnitt und eine Fläche nacktes Fleisch zum Vorschein kam. Alles, was Comorel noch mitbekam, war Blut. Blut und diese höllischen Schmerzen. Er konnte sich auch kein bisschen mehr zurückhalten. Er schrie, stöhnte, keuchte und das ohne Mass. Diese Hölle schien kein Ende zu nehmen – es war wie ein Albtraum. Ein endloser Albtraum. „Sooo viel Blut!“, kreischte Boraas lachend. Das Messer in seiner Hand bewegte sich auf und ab und stieß in den Leib des Elfen. Dieser schrie und bäumte sich auf. Es war ein brennender Schmerz, der von der enthäuteten Stelle ausging. Und es schien einfach nicht aufhören zu wollen. Das war schließlich das gute daran, wenn jemand einem „nur“ etwas in den Körper rammte – es tat im ersten Moment am schlimmsten weh, doch dann ließ der Schmerz nach. Aber dies… er wurde enthäutet wie ein Tier bei einem Schlachter. Was für eine Ironie, da er hier schließlich der Vegetarier war. Die Ränder seines Sichtfelds verblassten wieder und er drohte wieder ohnmächtig zu werden. Zumindest würde sein Geist dann nichts mehr von diesen Schmerzen spüren… „Na, na, na, na, wach bleibeee~n!“, rief der Schatten von weit her. „Weißt du wie es ist, mit so einem Teil herum zu laufen?“ Mühsam wandte Comorel den Blick zu ihm, um zu sehen, wovon er sprach. Dieser wedelte mit seiner rechten Hand. Doch anstatt einer Hand aus Fleisch und Blut befand sich dort eine Silberhand, die sein Herr anscheinend mit Magie bewegte. Comorel gab sich nicht die Mühe, irgendetwas zu antworten. „Ich kann es dir ja mal was demonstrieren“, meinte Boraas mit einem theatralisch-eingeschnappten Ton. Dann sagte er noch irgendetwas, glaubte Comorel zumindest, und plötzlich breitete sich eine Kälte in seiner eigenen Rechten aus. Zuerst glaubte er einen Moment, seine Hand würde absterben, doch dann erkannte er, dass es schon wieder ein Werk des Schattens war. Das kühle Gefühl wurde zu einer klirrenden Kälte, die seinen Geist wieder belebte. Schon bald hatte er kein Empfinden mehr in dieser Hand und es bildete sich eine Eiskruste auf ihr. „Ha.. ahh..“, brachte er nur heraus. Boraas nahm die erfrorene Hand hoch und versuchte einen Finger nach unten zu biegen – stattdessen brach er ab und machte ein leicht klirrendes Geräusch, als er auf dem Boden aufkam. Darauf folgte der Rest der Hand. Doch ausnahmsweise fühlte Comorel nur wenig Schmerz. Die ganze Situation war so bizarr und anwidernd, dass er sich fast hätte übergeben müssen. Und dann murmelte sein Feind etwas und der Schmerz in seinem Arm faltete sich in seiner ganzen Grausamkeit aus. Es wurde wieder schwarz.
„Weißt du was, mein Süßer? Dies sind unsere letzten, gemeinsamen Tage! Diese Erkenntnis macht mich so… furchtbar traurig! Aber mal so unter uns: Du warst ein verdammt unterhaltsames Opfer“, sagte Boraas, als er in sein Büro – seine Folterkammer, die er scherzhaft so nannte – kam. Wie zufällig lehnte er sich auf das Bein seines Opfers, dessen Knochen daraufhin lieblich knackte, als er brach. Das Thronfolgerchen brachte nur noch ein erschöpftes Stöhnen von sich. Allgemein machte der Elf keinen sehr schönen Eindruck mehr: Die Füße waren blutige Stümpfe ohne Zehen, überhaupt war er voller Blut und Schmutz, die rechte Hand fehlte, sein Bauch war aufgeschnitten und sein Körper übersät von Schnitt- und Stichwunden und Blutergüssen. Die entzündeten, rotgeränderten Augen lagen tief in ihren Höhlen, untermalt von eindrucksvollen Augenringen, das Haar klebte auf seiner Stirn, die Spitzen seiner Ohren hatte der Schatten spaßeshalber an einem Tag abgeschnitten. „So betrachtet hast du ziemlich lange durchgehalten, ha. Länger als die meisten anderen. Eigentlich sogar der Zweitplazierte auf meiner Rangliste. Trotzdem ist ein Monat zu kurz für dich – denn dich könnte ich gerne noch einen weiteren Monat hierbehalten, oder wer weiß, vielleicht noch länger…“ Boraas war sich nicht sicher, ob der Elf ihm überhaupt zuhörte. Dessen glasiger Blick wanderte nämlich an der Decke entlang. Naja. Viel länger wird er es wahrscheinlich sowieso nicht aushalten. Schwache Wesen, diese Elfen. Kein Wunder, dass es ausgerechnet ein Schatten auf meiner Hitliste ganz nach oben geschafft hat. Tjatjatja… immerhin besser als dieses Menschgedöns. Um die braucht man sich gar nicht erst BEMÜHEN. Die kippen schon weg, wenn man ein bisschen mit einem Messer in ihren Organen herumstochert… „Du fühlst, als wärst du schon fast tot, richtig? Nur der Schmerz zeigt dir noch die Wahrheit… Aber es geht noch mehr. Noch mehr Schmerz. Das kannst du dir wohl nicht vorstellen, hä?“ Keine Antwort, nur ein undeutliches Murmeln. „Ist dir das denn nicht aufgefallen?“, fragte Boraas mit einem wahnsinnigen Unterton. „Deinen erbärmlichen Geist habe ich noch nicht einmal schief angeguckt.“ Nun schien der Elf zumindest den Anschein zu machen, dass er zuhören würde. „Tjaaa~. Mal sehen…“ Gekonnt ertastete er mit seinem Geist den Comorels. Es schien, als würde die Mauer um den Geist des Elfen schon beim „Anblick“ des anderen Geistes zusammenstürzen. Kichernd drang Boraas in das völlig ungeschützte Bewusstsein seines Opfers ein. Das erste, was er mitbekam, waren Gedanken, die mit ihm zu tun hatten. „Warum das noch? Ich halte das nicht mehr aus… Was will er von mir?“ Sowie weitere ähnliche Gedanken. Und dann waren da überall diese Gedanken an den erfahrenen Schmerz – und Gedanken an den Schmerz, der noch kommen sollte. Eine Dunkelheit umgab den Geist des Elfen, als wäre er dieser Welt schon fast entschwunden. Dann drang Boraas tiefer in den Geist ein, weg von dem, was der Elf in dieser Sekunde dachte, rein in seine Erinnerungen. Eine gewaltige Masse an Bildern und Emotionen stürzte auf ihn ein, doch nicht so viele, dass er sie nicht hätte bändigen können. Da war diese Frau. Immer und immer wieder. Dann der Drache und diese Oma von Comorel. Kämpfe. Gespräche. Glückliche Momente. Traurige Momente. Das ist also dein erbärmliches Leben?, fragte Boraas nur in Gedanken und ließ seine „Stimme“ zehnmal lauter in dem Kopf des Elfen widerhallen. Wenigstens… habe ich geliebt… und wurde geliebt, drangen die Gedanken des anderen zu ihm herüber und sie schienen fast nur wie ein Flüstern. Ach ja!? Und was ist… wenn du diese Kreaturen nie gehabt hättest? Boraas formierte die Erinnerungen so, dass nur noch er darin war. Es war ein unglückliches Leben voller Schmerz. Dann ließ er die wirklichen Erinnerungen wieder zu und fügte einige andere hinzu: All diese geliebten Elfen und Menschen und Tiere starben vor den Augen Comorels – starben aus der Hand des Schatten. Dieser spürte, wie der Geist der Elfen erzitterte, wie Tränen sein Gesicht herunter liefen. Er ließ die hinzugefügten Erinnerungen immer und immer wieder ablaufen, es wurde immer blutiger bis der ganze Geist des Elfen blutrot war. Lachend ließ der Schatten makabere, schauderliche Bilder auf seines Opfers Bewusstsein einstürzen, Dinge, die dem Gehirn eines Menschens im Drogenrausch entsprungen schienen. Eine Komposition aus Farben, Musik und Emotionen, die Comorels Geist verwirrte, erschütterte, quälte und sich in immer nur höhere Ebenen steigerte. Dann schwoll die Macht dieser Eindrücke wieder ab. Hach. Das war schön, nicht? Was für ein wunderschönes, leider schnell vergängliches Kunstwerk. Und, hältst du diesem Wahnsinn noch stand? Was glaubst du… wie schlimm kann es noch werden? Ein bestialisches Lachen dröhnte durch den Kopf den Elfen. Plötzlich zog sich der Schatten mit einem Ruck aus Comorels Bewusstsein zurück und lauschte abgeschottet auf etwas in seinem Geist. „Verdammt…“, murmelte er, „verdammt, verdammt, verdammt!“ Und wie viele Male zuvor löste sich seine Gestalt im Nichts auf und ließ den verwirrten Comorel alleine zurück.
Jemand… hat ihn… gerufen, dachte Comorel und seine Gedanken flossen so langsam wie zäher Sirup. Was… wohl passiert… ist. Aber eigentlich kann es mir egal sein. Ich bin nur… glücklich. So bleibe ich wenigstens klar… wenigstens noch eine Weile. Plötzlich wurde Comorel von einer weiteren Welle an Schmerzen geschüttelt und wollte instinktiv schützend seine Beine anziehen. Doch anders als die Male davor klappte es – keine Fesseln hielten seine Beine fest und auch seine Arme konnte er frei bewegen. War dem Schatten ein Fehler unterlaufen? Durchströmt von einem wirren Glücksgefühl versuchte er, aufzustehen. Als er seine Bauchmuskeln anspannen wollte, durchzuckten ihn stechende Schmerzen. Vorsichtig schob er sein eines Bein von der Liege, dann den Arm. So versuchte er, seinen Körper auch herunter zu schieben. Als er das Gewicht auf seine Beine verlagern wollte, gaben diese nach und er stürzte zu Boden. Und dort lag er nun. Ein Krüppel. Dem Schatten war kein Fehler unterlaufen. Es war seine Absicht. Er hatte gewusst, dass Comorel nicht mehr in der Lage war, wegzulaufen. Vergeblich versuchte er, sich mit dem linken Arm weiter zu ziehen, doch der Versuch, ihn zu belasten, trieb ihm einen explosionsartigen Schmerz durch den Arm. Er hatte keine Kraft mehr. Nun war es wirklich vorbei. Vermutlich würde er nicht mal durchhalten bis Boraas wieder käme. Das war vielleicht besser so. Es bewahrte ihn vor weiteren Schmerzen. Er hatte schon genug gelitten… und bei jedem neuen Schmerz hatte er sich gewünscht, er wäre tot, am besten schon in der Schlacht gefallen… Niemand war da, der ihm bei seinen letzten Atemzügen beistand. Niemand würde wissen, wie er, Comorel, wirklich gestorben war. Zusammengekauert in einer Lache von Blut. Ich kann mich nicht mehr von Kyana verabschieden... konnte es nie… Ich hoffe mehr als alles andere, dass es ihr und Shuran gut geht. Und Lenora. Noch nicht mal sie kann mir beistehen, obwohl wir bisher seit sie geschlüpft ist jede Minute zusammen waren – ob wir es nun wollten oder nicht. Sie fehlt mir. So sehr. Eine Weile hing Comorel in seinen Gedanken Erinnerungen von ihm und Lenora nach. Wie sie schlüpfte, der erste Flug mit ihr… Seine wunderschöne, goldschuppige Lenora. Dann dachte er an seine Eltern und an Islanzadi, seine Großmutter. Würden sie auf ihn warten, wohin auch immer ihn sein Tod führen möge? Doch er konnte nie lange an etwas anderes denken, immer wieder kehrten seine Gedanken zu Kyana zurück. Sie duftete so wundervoll… Und wenn Comorel in ihre blaue Augen gesehen hatte, war es immer so schwer gewesen, nicht in ihnen zu versinken. Die Elfen waren fast alle ausgelöscht, die Zwerge würden es wahrscheinlich auch bald sein und die Menschheit würde vermutlich noch viel mehr leiden, als sie es zuvor unter Galbatorix getan hatte. Doch… das alles war Comorel nun egal. Er durchspielte jede Szene noch einmal, die er mit Kyana erlebt hatte. Mit seiner Elfe. Ihr erster Kuss… aller Vernunft zum Trotz. Sie war so wunderschön. Dann spürte Comorel, wie sein Körper leicht wurde, so, als ob man bald in einen tiefen Schlaf fiele. Jetzt… Die Schmerzen verblassten und sein Sichtfeld wurde kleiner. Um ihn herum wurde alles dunkel… Endlich… werde ich von meinen Schmerzen erlöst… Er schloss seine schmerzenden Augen und beschwor noch einmal ein Bild Kyanas hervor, auf dem sie auf einer grünen Wiese stand. Sie lächelte ihn an. Er lächelte zurück. Dann wich das Licht der Dunkelheit und der letzte Atemzug, den er nahm, duftete nach Blumen und Frühling. Kyana…
Wie ein unheilvoller Schatten, ein Bote des Todes, der Chaos und Verderben bringt, lehnte sich der Peiniger über den blutigen Leichnam. Nachtschwarz und blutrot, das waren die Farben, die ihn umhüllten. Die Augen waren gelbglühend wie die einer Raubkatze. Man glaubte, wenn man in diese bestialischen Augen gesehen hatte, dass man dem Tod höchstpersönlich begegnet war und nun die Apokalypse beginnen würde. Wie ein Tier, ein Raubtier, schnüffelte er die nach Tod riechende Luft ein. Es lag auch ein Geruch von Blut und fast verflogenem Angstschweiß in der Luft. Wütend knurrte die Kreatur, das Tier, und wandte sich von dem Leichnam ab. „Jetzt bin ich wütend. Jetzt bin ich wütend.“ Das blutrote Haar schien regelrecht aufzuflammen und in den gelben Augen blitze Mordlust auf. Die schmalen Lippen verzogen sich zu einem dämonischen Grinsen und entblößten weiß aufblitzende Zähne. „Ich will jagen!“
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 09.05.2009, 23:14
Kyana fluchte innerlich vor sich hin und schielte zu ihrer gebrochenen Hand hinüber, die immer noch in der Schraube steckte, dann wandte sie ihre Augen wieder Cail zu, der nun etwas davon faselte, was für ein verräterisches Volk die Elfen seien. Noch während sie sich wünschte, sein hämisches Grinsen mithilfe ihrer Faust um ein paar Zähne erleichtern zu können, riss er das Gerät von ihren Fingern. Leise ächzend verzog Kyana das Gesicht und beobachtete den Halbelfen dabei, wie er schon wieder sein Messer zückte.
Dann ging der Spaß erst los.
Kyana hatte gedacht, sie wäre schon oft genug verletzt gewesen, um zu wissen, was Schmerzen bedeuteten – bis jetzt. Nachdem Cail ihr den Arm nacheinander aufgeschlitzt und gebrochen hatte – er hätte ihn ebenso gut einfach herausreißen können – kam der andere Arm dran, und danach war sie sich nicht mehr sicher, was genau er da machte. Sie wusste nur, dass es wehtat.
Überhaupt hatte Kyana nach einer Weile nicht mehr wirklich das Gefühl, dass das alles wirklich ihr zustieß. Eher meinte sie merkwürdig neben dem Geschehen zu stehen, ein unbeteiligter Zuschauer, der wie aus weiter Ferne die Schreie hörte, die mit jeder Schmerzwelle einhergingen.
Nach einiger Zeit, die ihr wie eine kleine Ewigkeit vorkam, hörten die Schreie – ihre Schreie – auf. Kurz dachte sie, sie hätte vielleicht das Bewusstsein verloren, aber dann schwebte auf einmal das Gesicht des Halbelfen über ihr, wenn auch seltsam verschwommen. Blinzeln nützte dagegen nichts. Vielleicht sollte sie sich einfach fallen lassen, in die Dunkelheit…
Da stieß etwas – jemand – gegen ihren geistigen Schutzwall und schreckte sie damit wieder auf. Cail versuchte jetzt anscheinend in ihre Gedanken einzudringen, vermutlich um sie dort auch noch zu quälen. Dummerweise hatte er damit vermutlich gerade gute Chancen, ihre Konzentration war schließlich praktisch dahin.
Kyana zuckte zusammen, als der Druck auf ihre Barriere stärker wurde. Es fiel ihr zunehmend schwerer, diese gleichzeitig aufrechtzuerhalten und noch einen halbwegs klaren Gedanken zu fassen, denn gerade war ihr noch etwas Erschreckendes eingefallen: Möglicherweise hatte Cail ja auch vor nebenbei für Galbatorix etwas über die Pläne und Taktiken der Elfen herauszufinden. Wenn er in ihren Geist eindrang – was er zweifellos irgendwann tun würde – würde er da praktisch alles finden, was er wissen musste…
Barzûln, reiß dich zusammen, dachte sie, während der anfängliche Druck sich in ein steten Hämmern gegen die kleinen Schwachstellen ihres Schutzwalls verwandelte. Ich kann nicht ewig verhindern, dass er in meinen Geist eindringt, aber ich darf nicht zulassen, dass er Informationen von mir bekommt. Also dann.
Es kostete einige Überwindung, das zu tun, aber sie tat es natürlich trotzdem. Blitzschnell ging sie alles durch, was Galbatorix an Wissen nützen könnte, verbarg es in einer der hintersten Ecken ihres Geistes und schloss es in einen eigenen Schutzwall ein, wozu sie von dem anderen abließ. Sie bezweifelte, dass Cail ihn, wenn er zufällig darauf stieß, würde durchbrechen können… aber das war jetzt wirklich nicht ihre einzige Sorge.
Kyana stöhnte, als der Geist des Halbelfen in ihren eigenen hineinstieß und sich dort ausbreitete wir eine ätzende Säure. Wie bereits zuvor konnte sie nichts tun, um ihn aufzuhalten, während vor ihrem inneren Auge schnell Bilder aufblitzten, Erinnerungsfetzen, die Cail sich wohl gerade ansah – dann blieb es bei einem dieser Bilder stehen.
Ein blaues Ei, durchzogen von sandfarbenen Äderchen. Es reflektierte das flackernde Licht des Feuers, das in der kleinen Höhle brannte, so dass es von innen heraus zu glühen schien.
Kyana strich fast schon vorsichtig über die Oberfläche des Dracheneis und hing dabei ihren Gedanken nach. Sie fühlte sich leer, eine ausgebrannte Hülle, die nur noch da war, um den letzten Teil des Auftrags zu erfüllen… allein. Jetzt, wo sie hier saß und nichts zu tun hatte, wäre ihr schon wieder nach Weinen zumute gewesen, wenn ihre Augen nicht schon vollkommen ausgetrocknet wären. Vielleicht sollte sie einfach die ganze Nacht weiterlaufen. Schlafen würde sie sowieso nicht können.
Knack.
Irritiert wandte sie sich wieder dem Ei zu, auf dessen Oberfläche plötzlich ein Sprung erschien.
Knack.
Erschrocken zog sie die Hand zurück und beobachtete, was weiter passierte. Das war unmöglich. Seit Jahrhunderten war kein Drache mehr geschlüpft, warum sollte ausgerechnet jetzt…?
Mit einem lauten Knall flogen ihr Schalensplitter entgegen und etwas sprang ihr ins Gesicht.
Kyana schrie auf und kippte vor Schreck nach hinten, sodass sie jetzt halb auf dem Rücken lag, während sie versuchte, dieses Wesen von sich herunter zu bekommen. Denn ein Drache war es eindeutig nicht – im Gegenteil schien es aus kaum mehr als einem Skelett zu bestehen, auch wenn es anscheinend etwas hatte, was an Flügel erinnerte. Allerdings konnte sie das nicht so genau sagen, war sie dich viel zu beschäftigt damit, sich nicht von dem Vieh die Kehle durchbeißen zu lassen.
Die Elfe rollte sich schnell zur Seite und schleuderte es auf diese Weise gegen die nahe gelegene Höhlenwand, dann rappelte sie sich eilig hoch und kam endlich dazu, ihr Schwert zu ziehen, während das Wesen sie aus roten Augen anstarrte und sich zum Sprung duckte.
Wie konnte das sein? Hatte Galbatorix das Drachenei irgendwie rechtzeitig vertauscht, hatte er dazu genug Zeit gehabt? Aber war das nicht etwas übertrieben? Er hätte einfach irgendeinen Zauber darauf legen können, der sie mal eben umbrachte, anstatt sich so etwas auszudenken…
Kyana brauchte einen Moment, bis ihr klar wurde, was gerade passiert war und bis sie ihre Erinnerungen wieder richtig beisammen hatte. Das, was sie gerade gesehen hatte, war nie passiert, in Wirklichkeit war Shuran geschlüpft. Ihr geliebter Shuran.
Verschwinde aus meinem Geist, fauchte sie Cail wütend an. Was fiel diesem Mistkerl eigentlich ein!?
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 08.07.2009, 23:17
Verschwinde aus meinem Geist, war das einzige, was er zu hören bekam. Schade, wirklich schade. Das war wohl noch nicht schlimm genug gewesen. Nun gut, es war aber im Grunde auch nicht wirklich schrecklich gewesen.
Wie es aussah, musste er gleich mit etwas heftigeren Sachen loslegen. Aber nach so langer Zeit als Foltermeister wusste er genau, was es war, dass den menschlichen Geist zum Verzweifeln brachte. Das Gefühl von Einsamkeit, das Gefühl, verlassen zu sein, seine Freunde verloren zu haben. Sein Volk verloren zu haben, alles was einem lieb und teuer war. Auch Wirksam war es, einem Menschen vor Augen zu führen, dass seine Freunde gefoltert wurden - teilweise war das für sie fast schlimmer, als selber gefoltert zu werden. Ebenfalls gut war es, wenn man der betreffenden Peron vorgaukelte, ihre Freunde würden sie hassen, sie verachten, nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen.
Und all das würde er jetzt mit dieser Elfe tun. Ja, alles das... Und das würde sie nicht so einfach wegstecken. Niemals. Keiner steckte das weg, ohne irgendwelche psychischen Schäden davon zu tragen. Auch wenn es eigentlich egal war, ob seine Opfer geiseskrank starben oder nicht.
Cail fing also an, weitere Erinnerungen zu verdrehen, neue Erinnerungen zu erschaffen und Bilder in Kyanas Kopf entstehen zu lassen, die sie niemals vergessen würde.
Er kreierte Bilder, die zeigten, wie ihre Freunde gefoltert wurden und schließlich starben, mit den letzten Worten Kyana, hilf mir doch! auf den Lippen, holte Erinnerungen hervor, die sie anscheinend schon längst begraben hatte - davon, wie ihre Elfenfreunde damals starben und wie ihre seltsame Drachenreiterfreundin ihren Vater umbrachte. Erschuf Bilder von einem brennenden Ellesmera, Elfen in Kerkern und an Galgen, und über allem Galbatorix zusammen mit seinem Drachen, ein hässliches, überlegenes Lachen auf dem Gesicht.
Zuletzt erschuf er noch Bilder von allen, die ihr irgendwie nahe standen, und legte Hass und Verachtung in ihre Gesichter und Stimmen. Seine größte Aufmerksamkeit legte er dabei auf ihren Geliebten, Comorel oder sowas in der Richtung, und ihren Drachen.
Erschöpft von dem Kraftaufwand, den diese Technik erforderte, musste er sich auf den Tisch stützen, auf dem die Elfe lag. Schweiß lief ihm über das Gesicht.
Er war fertig, er hatte es vollbracht. Mit einer genüsslichen Befriedigung ließ er die Bilder laufen.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 09.07.2009, 00:23
Das Alleinsein und das monotone vor sich hinstapfen durch den Wüstensand tat gut. Mittlerweile hatte sie sich sogar an die Kälte gewöhnt. Dennoch gab es Dinge, die wollten ihr nicht aus dem Kopf gehen. So sehr sie auch versuchte, an irgendwas anderes zu denken, kamen ihre Gedanken immer wieder zu zwei Punkten zurück. Dem Auftauchen von Lucy und der Ermordung von Kyanas Vater. Letztere Szene hatte sie schon mindestens fünfzig mal wieder in ihrem Kopf abgespielt, und sie war immer noch zu keinem Schluss gekommen, warum ihr das passiert war. Sie hatte noch nie, noch nie ausversehen jemanden getötet, den sie nicht hatte töten wollen. Gut, vielleicht schon, aber dann war es ihr entweder nicht aufgefallen oder die Person war so unwichtig gewesen, dass sie es wieder vergessen hatte. Aber warum musste es ihr ausgerechnet bei dem Vater von Kyana passieren? Diese Frage brachte sie dann wieder zum Auftauchen ihrer totgeglaubten Freundin. Sie wusste, dass ihre alte Freundin sie mit ihrem Erscheinen zutiefst verwirrt hatte - ja sogar verletzt, auch wenn sie sich das nicht gerne eingestand. Und Tera befürchtete, dass es darauf zurück zu führen war, dass sie in letzter Zeit im Kampf so unaufmerksam geworden war und ständig irgendwelche dämlichen Anfänger -
Ein Schrei riss sie aus ihren Gedanken. Gleich darauf folgte ein zweiter, ein dritter. Es hörte sich an, als würde jemand Qualen erleiden, die sie lieber nicht selber erfahren wollte. Und irgendwie kam ihr die Stimme bekannt vor. Waren die Schreie auch vorher schon da gewesen? Hatte sie sie nur nicht gehört?
Als die Reiterin sich umsah, entdeckte sie in der Nähe ein Zelt stehen. Seltsam. War ihr das wirklich nicht aufgefallen? Jedenfalls schienen die Schreie von dort zu kommen.
Das Zelt war ziemlich groß, dunkel und ein Schild aus dümmen Holz mit der Aufschrift Keep Out hing am Eingang. Welcher Idiot kam denn auf die Idee, mitten in der Wüste ein Zelt aufzustellen und dann auch noch ein Schild mit Keep Out aufzuhängen, wenn hier doch aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso nie jemand vorbei kam? Nun gut, sie war vorbei gekommen. Und sie sollte draußen bleiben. Das auch zu tun, hatte sie allerdings nicht vor.
Vorsichtig schlug sie die Zeltplane ein wenig zur Seite und späte hinein. Ein paar Kerzen erleuchteten den Innenraum, und es standen einige Tische darin, auf denen diverse Dinge lagen, die Tera noch nie gesehen hatte. Einige andere dagegen konnte sie als Folterinstrumente identifizieren. In der Mitte des Zeltes stand ein größerer Tisch, auf dem eine blutüberströmte Person lag. Die Arme und Hände waren seltsam verdreht, ihr steckten Messer in den Beinen und aus unzähligen Schnitten tropfte Blut. Davor stand ein Mann, ein Elf, mit schwarzen, strubbeligen Haaren, spitzen Ohren und einem etwas zu groß aussehenden, dunklen Gewand. Die Schreie der Person waren verstummt, und gerade legte er eine Hand auf ihre Stirn und schloss die Augen. Seltsame Szene. Vor allem war es seltsam, dass hier anscheinend ein Elf dabei war, eine andere Person zu foltern. Eigentlich war sie der Meinung gewesen, Elfen taten soetwas nicht.
Tun sie auch nicht. Dazu sind sie sich viel zu gut. Irgendwas ist hier faul. Da sie allerdings nicht wirklich in der Stimmung war, sich jetzt mit diesem Elf anzulegen, und auch kein wirkliches Mitleid mit der gefolterten Person verspürte, stand sie erstmal nur da und wartete ab, was gleich passieren würde. Allerdings passierte nicht wirklich viel, außer, das der Elf aussah, als würde er sich bei irgendwas ziemlich anstrengen. Schließlich drehte er sich etwas und gab den Blick auf den Kopf der Person frei. Zuerst glaubte Tera, die Person nicht zu kennen, doch dann sah sie die dunkelblonden Haare, die am Ende leicht gekräuselt waren, und auch, wenn die Kleidung ziemlich kaputt war und nichtmehr vollständig ihren Zweck erfüllte, kannte sie diese Person. Sogar sehr gut.
Kyana.
Kein Wunder aber, dass sie sie nicht erkannt hatte - so wie sie aussah, war es eher ein Wunder, dass sie sie überhaupt erkannt hatte. Sie sah furchtbar aus, und wahrscheinlich würde sie es nicht mehr lange mitmachen. Was aber brachte einen Elfen dazu, jemanden von seinem eigenen Volk zu foltern?
Wie auch immer, vielleicht wäre es angebracht, doch einzugreifen und sie da rauszuholen. Auch, wenn ihr das nicht unbedingt behagte. Denn entweder war der Elf sehr stark oder Kyana furchtbar dumm, wenn sie sich von ihm gefangen nehmen ließ.
Mit einem schnellen Ruck zog sie die Zeltplane beiseite und trat in das Zelt, woraufhin sich der Elf blitzartig zu ihr umdrehte.
"Was haben wir denn da?", fragte Tera genüsslich. "Ein Spitzohr, dass seine eigenen Stammesangehörigen foltert, interessant. Zu Schade, dass ich ihm wohl den Spaß verderben muss..."
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 13.07.2009, 00:34
Es war keine allzu große Überraschung, dass Cail diese Anweisung ignorierte – im Gegenteil wäre es ja eher überraschend gewesen, wenn er diese befolgt hätte.
Eine gefühlte Ewigkeit stocherte er in ihrem Geist herum, wobei er sich vor allem auf die Erinnerungen an Personen zu konzentrieren schien, die Kyana etwas bedeuteten. Schlimm genug, dass ihre sämtlichen Gedanken – Hoffnungen, Ängste – nun für einen widerwärtigen Sadisten offen zutage lagen, aber vermutlich hatte er auch noch vor, sie weiterhin mit verdrehten Erinnerungen zu quälen. Und sie konnte nur abwarten.
Ein dunkler Raum, nur erleuchtet von ein paar Fackeln an den Wänden. In ihrem flackernden Licht waren an den Wänden Regale und Tische auszumachen und auf ihnen lagen Gegenstände, von denen Kyana die meisten noch nie gesehen hatte. Einige ließen sich allerdings recht eindeutig als Folterinstrumente erkennen.
Kyanas Blick wanderte weiter und sie entdeckte nun auch Personen in dem Raum, in unterschiedlichen Positionen festgebunden. Comorel war da, ebenso Jakira, Lucy und Tera. Kyana wollte auf sie zugehen, doch sie konnte keinen Muskel rühren. Wie festgefroren konnte sie nur zusehen, was als nächstes geschah.
Die Tür schwang auf und eine Gestalt betrat den Raum – Cail. Er warf ihr ein kurzes hämisches Grinsen zu, dann drehte er sich zu seinen Opfern um.
Die Schreie gingen ihr durch Mark und Bein und sie wusste, dass sich diese Bilder für immer in ihre Erinnerung brannten. Das spritzende Blut, die Angst und Schmerzen in den Gesichtern… Gesichter, die sie so gut kannte, die sich ihr zuwandten und sie anklagend ansahen.
„Kyana, warum hilfst du uns nicht!?“, rief Tera, fast schon wütend, aber sie konnte nicht antworten.
„Bitte, hilf uns, Kyana“, stöhnte Jakira und schrie gleich darauf auf, dass sie sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte.
„Hilf uns doch“, keuchte Lucy. „Tu doch was!“
„Kyana…“, murmelte Comorel, so leise, dass sie es fast nicht gehört hätte, kurz bevor sein Kopf zur Seite kippte und seine braunen Augen nur noch in die Leere starrten.
Erst jetzt bemerkte Kyana, dass ihr die Tränen über die Wangen liefen. Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie selbst geschrieen, lauter als alle anderen.
Ihre Füße trommelten gleichmäßig auf den Boden und sie konnte ungestört ihren Gedanken nachhängen. Kyana konnte es immer noch kaum fassen, dass sie das Ei wirklich in Belatona gefunden hatten – dass sie es so einfach, ohne größere Probleme hatten einsammeln können. All die Sorge, was alles schief gehen konnte, war umsonst gewesen.
„Das Ding ist auf Dauer ganz schön schwer“, beschwerte sich Aditu, die ein Stück vor ihr rannte und warf einen Beutel zu dem Elfen hinüber, der neben ihr lief. „Trag du mal ein Stück.“
Írimon warf ihr einen befremdeten Blick zu, lächelte dann aber schwach. „Sei mal ein bisschen respektvoller. Dieses ‚Ding’ ist immerhin ein…“
„Bitte, kein Vortrag.“ Die schwarzhaarige Elfe lachte und zwinkerte Kyana zu. Es war das letzte, was sie tat.
Kyana hörte das Sirren des Pfeils nicht rechtzeitig, um irgendetwas tun zu können. Sie sah nur, wie er in den Körper ihrer Freundin schlug, auf deren Gesicht sich für einen Moment Überraschung zeigte. Doch bevor sie auch nur begriffen hatte, was da gerade passiert war, hatte sie schon jemand zu Boden gerissen.
„Ein Hinterhalt“, fluchte Ciryon dicht neben ihrem Ohr und beide sprachen eilig Schutzzauber, die sie vor weiteren Geschossen schützen würden. Erst dann rappelten sie sich hoch und zogen ihre Schwerter, während zwischen den Bäumen Soldaten hervorströmten. Ein Zauber musste verhindert haben, dass sie sie bemerkten.
„Kyana… Ciryon“, stöhnte Írimon und Kyana kniete sich eilig neben Hellblonden, dessen Finger sich um den Beutel verkrampften, den er in den Händen hielt. „Das Ei…“
Schwerter trafen klirrend aufeinander und sie sah panisch zwischen Írimons schmerzverzerrtem Gesicht, dem Beutel mit dem Ei und Ciryon, der die ersten Soldaten abwehrte, hin und her. „Kyana, nimm das Ei und renn!“, brüllte dieser jetzt und versuchte einen Soldaten zu enthaupten, doch sein Schlag prallte an einem unsichtbaren Schutzschild ab. „Mach schon!“
Fluchend griff sie nach dem Beutel und riss ihr Schwert hoch, um in letzter Sekunde ebenfalls einen Angriff abzuwehren, dann stand sie wieder aufrecht und ließ den Soldaten durch einen Tritt zurückstolpern. „Ich kann nicht einfach wegrennen!“, schrie sie zurück, auch wenn sie die Männer mit ihrem Schwert sowieso nur auf Abstand halten konnte, nichts anderes.
„Das Ei ist wichtiger! Ich halte sie auf!“
Im nächsten Moment jagte eine Druckwelle an ihr vorbei, die die meisten Soldaten von den Füßen fegte, sie jedoch überhaupt nicht berührte. Sie wusste, dass ein Angriff, der selbst den Schutzwall der Kämpfer überwunden hatte, Ciryon unglaublich viel Energie gekostet haben musste, und rannte.
Rannte schneller als je zuvor in ihrem Leben und presste sich das Ei an die Brust, als könnte es ihr Halt geben.
Sie war wieder in Ellesméra, als eine Feuerkugel auf sie zuraste. Reflexartig hechtete sie zur Seite und die Kugel schlug in einen Baum direkt hinter ihr ein, der sofort in Flammen aufging. Aus dem Haus in seinen Ästen ertönten Entsetzensschreie, genau wie jetzt aus allen Richtungen, denn überall brachen nun ähnliche Feuer aus.
„Adurna!“, rief Kyana und versuchte das Feuer zu löschen, doch stattdessen wurde es noch größer und die Hitze trieb sie mehrere Meter nach hinten. Plötzlich stand alles um sie herum in Flammen und sie glaubte fast den Wald selbst, gemeinsam mit seinen Bewohnern, vor Schmerzen schreien zu hören, während über ihm ein roter Drache kreiste, dessen Reiter überlegen lachte und sich am Chaos unter sich erfreute.
Sie rannte durch einen Kerkergang. Sie wusste selbst nicht, warum, aber sie konnte nicht anhalten, musste weiterlaufen und die Gefangenen ignorieren, die die zitternden Hände nach ihr ausstreckten und sie mit hoffnungslosen Augen anblickten.
So schnell sie konnte hetzte sie eine Treppe hinauf, bis sie draußen in der Sonne stand und sich vor ihr eine Reihe Galgen auftürmten. Gerade wurden mehreren Elfen die Stricke um die Hälse gelegt, von denen sie einige wiederzuerkennen glaubte. Dann legte jemand einen Hebel um und die Klappen zu ihren Füßen gingen auf. Nein, konnte Kyana nur denken. Nein!
Plötzlich standen ihre Freunde vor ihr und sie wollte gerade auf sie zugehen, blieb dann aber wie angewurzelt stehen, als sie ihnen in die Gesichter blickte. Denn aus diesen schlug ihr nur Hass entgegen, keine einzige freundliche Regung.
„Was… was ist mit euch?“, fragte sie verwirrt und wich einen Schritt zurück.
„Du hast uns verraten“, sagte Comorel und in seiner Stimme lag so viel Verachtung, dass sie zusammenzuckte, als hätte er sie geschlagen.
„Nein, das ist nicht wahr!“, versuchte sie zu widersprechen, doch er schüttelte nur den Kopf.
„Wie konnte ich dich nur jemals lieben? Du hast uns die ganze Zeit hintergangen!“
„Nein! Shuran, sag ihnen, dass das nicht stimmt!“, bat sie ihren Drachen verzweifelt und drehte sich zu ihm um, doch selbst in seinen gelben Augen konnte sie nur Verachtung erkennen.
Warum sollte ich?, entgegnete er und bleckte die Zähne. Ich weiß nicht, wie ich so dumm sein konnte, dich als Reiterin auszusuchen. Du bist es nicht wert.
Kyana hatte das Gefühl, als hätte ihr jemand einen Dolch in den Rücken gerammt. „Shuran“, konnte sie nur murmeln, hob die Hand, um ihn zu berühren, ließ sie dann aber wieder sinken und sah verletzt zu den anderen hinüber, die sie immer noch genauso hasserfüllt ansahen. Erneut setzte sie sich in Bewegung, ging einen Schritt auf Comorel zu und blieb dann doch hilflos wieder stehen. Sie konnte, wollte nicht glauben, was hier passierte. Du bist es nicht wert.
Sie war wieder auf dem Schlachtfeld. Die Sonne brannte unbarmherzig auf sie hinunter, war aber längst zur Gewohnheit geworden, ebenso wie der ständige Geruch nach Schweiß, Blut und Tod und die eingespielten Bewegungen – parieren, ausweichen, zustechen, zurückweichen, parieren.
Zwischen den fremden Gesichtern, auf die sie, so gut es ging, gar nicht achtete, da sie sonst möglicherweise irgendwann zögern würde, zuzustechen, entdeckte sie zufällig das ihres Vaters, eines braunhaarigen Elfen, der sich gerade mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn wischte, um sich gleich darauf wieder in den Kampf zu stürzen, und ganz in der Nähe das von Tera. Kurz blickte Kyana in eine andere Richtung, und als sie wieder hinsah, war das Unglaubliche passiert.
Plötzlich hatte sie freie Sicht, niemand versperrte ihr mehr die Sicht und es war gut, dass niemand sie angriff, denn sie konnte nur wie erstarrt dastehen und ungläubig die Szene anstarren, die sich hier abspielte.
Soeben zog Tera ihr Schwert wieder aus der Brust ihres Vaters, der nun in die Knie ging und die Hand auf die tödliche Verletzung presste. Blut quoll zwischen seinen Fingern hervor, während das Leben aus den vertrauten Zügen wich und Kyana jetzt doch auf ihn zu rannte. Wie hatte Tera das nur tun können? Sie hatte ihn getötet, einfach so! Wie hatte sie das nur tun können? Es machte keinen Sinn. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass gerade ihr Vater, der ihr so viel bedeutete und den sie auf eine irrationale Art und Weise immer für unbesiegbar gehalten hatte, hier in der Wüste sein Leben verlor.
Kyana stöhnte leise und brauchte diesmal wesentlich länger, um zurück in die Realität zu finden – vor allem, da zumindest eine Erinnerung komplett der Wahrheit entsprach und das letzte Ereignis vor gar nicht so langer Zeit stattgefunden hatte. Trotzdem hatte sie gedacht, dass sie es erfolgreich verdrängt hatte, für immer weggeschlossen. Und was war mit den anderen Erinnerungen…?
Mühsam versuchte sie sich darüber klar zu werden, was denn nun eigentlich wirklich passiert und was Cail verdreht oder neu erfunden hatte, aber sie konnte es nicht so recht sagen und kurz glaubte sie, keine Luft mehr zu bekommen. Was war, wenn…?
Sie wurde in ihren Gedanken unterbrochen, von einer Stimmte, die wie durch einen dichten Nebel zu ihr durchdrang. Die Worte, die ihr irgendwie wichtig vorkamen, ergaben für sie keinen Sinn, veranlassten sie aber, mühsam die Augen zu öffnen und ihren Kopf in die Richtung zu drehen, aus der die Stimme gekommen waren.
Abwesend starrte sie die Gestalt an, die dort im Zelteingang stand und brauchte einen Moment, um sie überhaupt zu erkennen. Tera. Das war Tera. Die Tera, die gerade ihren Vater umgebracht hatte.
Nein, halt…, dachte Kyana verwirrt. Das war nicht gerade passiert, sondern schon eine Weile her. Doch andererseits stellte sich die Frage, wie, um alles in der Welt, Tera in dieses Zelt kam.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 27.07.2009, 00:33
Ziemlich erschöpft, aber dennoch zufrieden mit sich selbst betrachtete er sein nunmehr nahezu vollendetes Werk. Während er sich mit halber Aufmerksamkeit die Szenen, die er so eben konstruiert hatte, nochmal anschaute, betrachtete er dabei die vor sich liegende Elfe. Schon bei der ersten Erinnerung, der mit ihren gefolterten Freunden, brach sie in Tränen aus. Ein wohliger Schauer durchfuhr den Halbelf.
Im Laufe der ganzen Arie weinte sie noch mehr, zitterte am ganzen Leib und murmelte ein paar mal etwas von 'Nein' und 'Aufhören'. Als sie schließlich wieder zu sich kam - oder zumindest die Erinnerungen aufgehört hatten, denn richtig klar im Kopf schien sie (zu seiner Freude) nicht mehr zu sein, war Cail ziemlich fertig, aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis seiner Foltersitzung. Die Elfe war wahrscheinlich auch ziemlich fertig, aber im Gegensatz zu ihm wohl nicht besonders zufrieden. Nun, nicht mehr lange, denn jetzt kam die Krönung des ganzen. Jetzt würde er ihr ein für alle mal das Leben aushauchen.
Dachte er zumindest.
Denn als er gerade dabei war, sich eine schöne Todesart für sie auszudenken, unterbrach eine Stimme seine Gedanken. Mit einer Mischung aus Überraschung, Entsetzen und Wut im Gesicht, wobei die Wut am deutlichsten zu erkennen war, drehte er sich um - und sah eine Person im Zelteingang stehen. Es war ein Mädchen, ungefähr so groß wie er, mit langen, dunklen Haaren, die zu einem Zopf gebunden waren. Sie trug einen langen, ebenfalls dunklen Umhang und hatte ein selbstsicheres Grinsen im Gesicht. Die spitzen Ohren, die aber etwas anders aussahen als die der Elfen, ließen sie ihn als Drachenreiterin erkennen.
Cails Hochstimmung war verflogen.
Was haben wir denn da? Ein Spitzohr, dass seine eigenen Stammesangehörigen foltert, interessant. Zu Schade, dass ich ihm wohl den Spaß verderben muss., säuselte sie in einem Überlegenen Tonfall.
Wie er ihr den Hals umdrehen könnte.
Der Halbelf blieb stumm stehen, während die Reiterin ins Zelt trat und sich betont gelangweilt einige seiner Gerätschaften besah. Kam sich wohl sehr toll dabei vor.
Jetzt bloß keinen Fehler machen. Nichts unüberlegtes tun. Er hatte seine ganze Kraft auf die Folter verwendet, er musste sich dringens ausruhen. Er würde kaum die Energie für einen Kampf mit einer ausgeruhten Drachenreiterin aufbringen können. Allerdings wäre es sehr unklug, ihr das zu zeigen.
Wie war sie überhaupt hier her gekommen? Er war sich sehr sicher, seine zweite Unterkunft so weit in der Wüste platziert zu haben, dass niemand mit gesundem Menschenverstand sie finden würde, da niemand auf die Idee kam, sich so weit in die Wüste vorzuwagen. Vielleicht hatte Kyana irgendwie Hilfe gerufen? Nein. Ausgeschlossen. Die Zauber, mit denen er sie belegt hatte, waren alle nicht gebrochen worden, und vergessen hatte er keinen. War sie von sich aus aufgebrochen, um sie zu suchen? Wie war sie dann auf die Idee gekommen, gerade hier...?
"Hast sie ja ganz schön zugerichtet", sagte die Reiterin kühl. Sie stand auf der andern Seite des Tisches und betrachtete die Elfe - Cail konnte nicht genau sagen, ob die Besorgnis in ihrem Blick echt oder nur gespielt war.
Er holte noch einmal tief Luft und setzte dann zu einer Antwort an.
"Gut, nicht war?", entgegnete er betont ruhig. "Allerdings hast du mir gerade die Krönung vermiest. Das ist nicht besonders nett von dir. Allerdings... Wenn du gedenkst, noch etwas länger zu bleiben, habe ich gleich zwei krönende Abschlüsse vor mir." Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Jetzt musste er alles auf eine Karte setzen.
Er begann, eine Formel aufzusagen, eine recht komplizierte Formel. Gleich nach dem letzten Wort spürte er, wie die benötigte Energie seinem Körper entwich, und er wäre beinahe in die Knie gegangen. Aber nur beinahe.
Als kleine Belohnung starrte ihn die Reiterin verstört an. Ja, sie konnte sich nicht mehr Bewegen. Und jetzt musste er schnell machen, denn er spürte schon, wie seine Gegnerin mit aller Kraft versuchte, die unsichtbaren Fesseln zu zerstören. Mit einer schnellen Bewegung zog er eines der Messer aus Kyanas Bein und trat um den Tisch herum auf die erstarrte Reiterin zu. Er lächelte.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 28.07.2009, 04:41
Betont gelassen trat Tera in das Zelt und ging, an dem Elf vorbei, an den Tischen und Kisten entlang, die überall herumstanden. Auf ihnen lagen diverse Dinge, die die Reiterin noch nie gesehen hatte, deren Zweck aber wahrscheinlich war, jemandem Schmerzen zuzufügen.
Beinahe fasziniert nahm sie ein besonders seltsam aussehendes Gerät in die Hand und drehte es. Seinen genauen Zweck konnte sie nicht herausfinden, aber sie war versucht, es einzustecken. Vielleicht war es ja was wert.
Schade nur, dass sie gerade besseres zu tun hatte, als sich eine Sammlung von Folterwerkzeugen anzuschauen. Da der Elf augenscheinlich zu erschöpft war, um noch viel ausrichten zu können, konnte sie sich immerhin Zeit lassen. Wobei... ob Kyana wohl noch lange durch hielt?
Tera trat an den Tisch heran und betrachtete die Elfe genauer. Sie schien nicht mehr richtig bei Bewusstsein zu sein, was auch nicht allzu verwunderlich war. Über ihren ganzen Körper erstreckten sich Brand - und Schnittverletzungen, in ihren Beinen steckten Messer, ihre Knie und Finger sahen ziemlich zertrümmert aus, auf ihre Stirn war der blutige Schriftzug Cail geritzt und man hatte ihr ein Lächeln ins Gesicht geschnitten. Insgesamt sah sie wirklich nicht besonders gut aus. Der Tisch, auf dem sie lag, im übrigen auch nicht.
"Hast sie ja ganz schön zugerichtet", sagte sie kühl. Dennoch war sie etwas beunruhigt. Sie sollte sich wohl doch etwas ranhalten.
"Gut, nicht war? Allerdings hast du mir gerade die Krönung vermiest. Das ist nicht besonders nett von dir. Allerdings... Wenn du gedenkst, noch etwas länger zu bleiben, habe ich gleich zwei krönende Abschlüsse vor mir", antwortete der Halbelf mir ruhiger, gefasster Stimme. Gerade, als sie ihm etwas entgegensetzen wollte, spürte sie, wie mit einer doch ziemlich beachtlichen Kraft ein Zauber auf sie einwirkte.
Sie war unfähig, sich zu bewegen, und konnte nur stumm mit ansehen, wie der Elf ein Messer aus Kyanas Bein zog und lächelnd auf sie zu trat.
Was war sie denn auch so furchtbar unvorsichtig gewesen? Das Im-Raum-Rumlaufen-Und-Gelassen-Wirken hätte sie sich wohl doch besser sparen sollen. Egal. Was passiert war, war passiert, und jetzt sollte sie sich schleunigst befreien. Dieser Elf war einfach ein Verrückter. Zum Glück ein momentan recht schwacher Verrückter.
Tera sammelte ihre Energie und kämpfte gegen den Zauber an, der sie fest hielt. Der Schwarzhaarige stand vor ihr. Holte aus. Die Klinge sauste auf sie zu, rot von Kyanas Blut, kam immer näher...
Jetzt!
Mit einem Ruck lösten sich die Fesseln, und die Reiterin drehte sich zur Seite, sodass das Messer sie nur streifte. Aus der Bewegung heraus zog sie einen Dolch aus ihrem Gürtel, packte den Elf, der von ihrer Befreiung ziemlich überrascht zu sein schien, am Hals, drückte ihn mit dem Rücken gegen eines der Regale, sodass einige Bücher heraus fielen und hielt ihm die Klinge an die Kehle.
"Kein Wort mehr", zischte sie ihn an. Er blickte sie aus seinen dunkelroten Augen mit einer Mischung aus Entsetzen und etwas, was sie nicht recht definieren konnte, an. War es Schadenfreude? Oder einfach sein kranker Geist?
"Du bist ga -" Er verstummte, als sie ihm den Dolch in den Hals drückte und etwas Blut über die Klinge lief.
"Ich wiederhole mich nur ungern. Aber bevor ich dich umbringe, habe ich noch ein paar Fragen an deinen Geist."
Einige Momente standen sie einfach nur da, trugen einen Kampf auf der geistigen Ebene aus. Keiner der beiden sagte ein Wort.
Tera liefen Schweißtropfen über die Stirn, und sie spürte, wie immer mehr Blut aus der Schnittwunde floss, die der Elf ihr zugefügt hatte. Aber dafür, dass dieser schon so gut wie tot war, leistete er noch erstaunlich viel Widerstand. Mit einer plötzlichen Kraftanstrengung gelang es ihr, ihn zu brechen, und sein Geist lag offen vor ihr. Was sie dort sah, verwirrte sie zutiefst. Sie konnte keine klare Struktur erkennen, nur verschiedene Bilder, Gedankenfetzen, Erinnerungsbruchstücke.
Blut Schreie Schmerzen Qual Folter Allein Einsam Verstoßen Folter Aufhören
Aufhören.
Raus! Raus aus meinem Geist!
Seine Stimme hallte in ihrem Kopf wider, laut und deutlich, mit einer winzigen Spur von Verletztheit.
Genug. Dieses mal hast du gewonnen. Ich war zu geschwächt. Nächstes mal bist du tot!, fauchte die Stimme, dann wurde sie zurückgestoßen und wieder in die unmittelbare Realität befördert. Sie hörte gerade noch, wie der Elf einige Worte sagte, dann war er verschwunden. Zurück blieb nur ein wenig Asche. Vor Überraschung aus dem Gleichgewicht gebracht kippte sie gegen das Regal, wobei noch mehr Bücher hinunter fielen. Langsam beruhigte sich ihr Puls wieder. Sie wusste nicht recht, was sie von dieser Erfahrung halten sollte. Was sie aber mit Sicherheit wusste, war, dass dieser Kerl einfach nur verrückt war. Komplett verrückt.
Tera riss sich ein Stück von ihrem Umhang ab und wickelte es um die Schnittwunde an ihrem Arm, zog es dann mit den Zähnen fest. Wie primitiv. Aber ihre Energie würde sie jetzt wohl für Kyana brauchen. Die Reiterin drehte sich wieder zu dem Tisch um.
Mit einigen Handgriffen löste sie zuerst die Fesseln, mit denen die Elfe an den Tisch gebunden worden war.
Als nächstes riss sie den Elfenkopf von der Decke. Nicht, dass sein Anblick sie gestört hätte, allerdings nervte es fürchterlich, wenn einem so ein Ding im Weg rumhing. Wie hatte der das beim Foltern nur ausgehalten?
Fest stand auf jeden Fall, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie das alles heilen sollte. Sie kannte nicht die richtigen Worte, wusste nicht, wie genau sie die Magie anwenden musste, um zertrümmerte Knochen wieder richtig zusammen zu setzen. Und Kyana würde ihr wohl eher keine große Hilfe darstellen.
Also musste sie sie irgendwie ins Lager schaffen und sie dort abgeben - die gröbsten Sachen konnte sie ja vorher schon noch machen, damit sie nicht unterwegs verblutete.
Stellte sich nur die Frage, wie man sie am besten zurück beförderte. Sie entschied sich für den einfachsten und praktischsten Weg.
Shuran.
Tera schickte ihren Geist aus auf der Suche nach dem blauen Drachen, und sie brauchte nicht lange, bis sie ihn gefunden hatte. Er schien ziemlich beunruhigt zu sein.
//Du solltest besser auf deine Reiterin aufpassen, Shuran//, sprach sie ihn an. //Sie kommt nur in Schwierigkeiten, wenn du nicht da bist.//
Zusammen mit diesen Worten schickte sie ihm ein Bild von dem Zelt, in dem sie sich befand, dazu noch ein Bild von Kyana. Als kleiner Ansporn, sich zu beeilen, sozusagen. Sie hatte keine Lust, hier noch die ganze Nacht zu verbringen.
Dann begann sie damit, die Elfe zu verarzten. Sie war schwach, aber noch am Leben - es war schon erstaunlich, wie viel Durchhaltevermögen sie besaß. Musste höllisch weh tun.
Tera zog ihr also die Messer aus den Beinen, schnitt die Kleidung rund um die größeren Verletzungen auf - hätte sie das bei allen getan, hätte Kyana hinterher nichts mehr angehabt (und der Elf hatte sowieso nicht viel von ihrer Kleidung ganz gelassen) - , wusch sie aus und begann dann, sie zu heilen. Was sich auf Dauer gesehen als sehr anstrengend erwies.
So stand sie also da, in einem Zelt voller grausamer Werkzeuge, die Hände über eine halbtote Elfe gestreckt, deren Verletzungen jetzt langsam verheilten.
Und wartete auf Shuran.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 18.08.2009, 21:31
Erschöpft ließ Shuran sich ein Stück in Richtung Boden sinken und flog so dicht über der Erde weiter, dass er massenweise Sand aufwirbelte. Vielleicht lag sie hier irgendwo verletzt herum… oder sollte er doch nochmal aus größerer Höhe suchen, so dass er weitersehen konnte?
Wäre er einer von diesen Zweibeinern gewesen, hätte er sich die Augen gerieben oder die vom stundenlangen Fliegen schmerzenden Muskeln massiert, schließlich hatte er auch schon einen Tag Schlacht hinter sich. Aber er war nun mal ein Drache – ein momentan ziemlich erschöpfter und nervöser Drache.
Seit gefühlten Ewigkeiten suchte er jetzt nach Kyana und versuchte ständig, sie zu erreichen, erfolglos. Andererseits war ihre geistige Verbindung auch nicht vollständig gekappt (Shuran bezweifelte, dass das überhaupt möglich war – sie waren zwei Hälften eines Ganzen) und seit längerem spürte er ein Ziehen und Stechen am ganzen Körper, von dem er nicht glaubte, dass es einfach auf seine Erschöpfung zurückzuführen war.
Nein, er musste Kyana so schnell wie möglich finden und ihr aus der Klemme helfen – aus welcher Klemme auch immer. Wenn nur nicht Galbatorix…
Jemand berührte seinen Geist und riss ihn so aus den Gedanken.
Du solltest besser auf deine Reiterin aufpassen, Shuran, sagte Tera und entlockte ihm ein gereiztes Knurren, auch wenn sie dieses gar nicht hören konnte. Sie kommt nur in Schwierigkeiten, wenn du nicht da bist.
Auf diese vage Aussage hin (der er nicht widersprechen konnte) folgte das Bild eines Zeltes, das mitten in der Wüste herumstand und kurz darauf ein Bild von Kyana.
Die Elfe lag auf einem Tisch, übersäht mit Brand-, Stich- und Schnittwunden, außerdem schienen mehrere Knochen gebrochen oder zertrümmert zu sein. Überall war Blut.
Alle Erschöpfung war vergessen. Ohne sich mit einer Antwort aufzuhalten, wirbelte der blaue Drache eine ganze Sandfontäne in die Luft, während er mit kraftvollen Flügelschlägen an Höhe gewann. In einer nun schnurgeraden Linie schoss er in die Richtung, in der er Teras Geist spüren konnte, bis schließlich das Zelt in Sicht kam, das sie ihm gezeigt hatte.
Über die Eleganz seine Landung ließe sich streiten, aber das war jetzt auch vollkommen unwichtig. Mit seinem hin- und herpeitschenden Schwanz riss Shuran das jämmerliche Schild, das ihm befahl, draußen zu bleiben, einfach nieder und hielt erst in der Bewegung inne, als das ganze Zelt anfing, bedrohlich zu schwanken. Statt das ganze Ding ebenfalls dem Erdboden gleichzumachen, riss er sich jedoch zusammen und schob nur den Kopf durch die winzige Öffnung, die sich Eingang schimpfte, hinein.
Drinnen fand er, neben einem Haufen merkwürdiger Gegenstände, die er nicht näher beachtete, das Bild vor, das Tera ihm schon gezeigt hatte: Kyana, kaum noch bei Bewusstsein und von oben bis unten mit Verletzungen übersäht. Sie musste sich schon am Rand des Todes befinden.
Wütend, doch mangels eines Gegenstandes – oder einer Person – den oder die er auseinander nehmen konnte, wühlte er sich mit seinen Klauen tiefer in den Sand und richtete dann seine gelben Augen und seinen Zorn auf die einzige andere Person im Zelt: Tera.
Was ist passiert?, fauchte er angriffslustig und bleckte die Zähne, als ihm ein weiterer Gedanke kam. Wer war das!?
Für einen Moment stellte er sich vor, wie er den Übeltäter in die Enge trieb und dann seine Zähne und Klauen in ihn hinein bohrte, dann huschte sein Blick wieder zu Kyana hinüber und kurz flackerte Sorge zwischen all der Wut auf. Sie sah wirklich nicht gut aus. Warum musste sie sich auch immer in Schwierigkeiten bringen? Es war wirklich unglaublich!
Warum hast du sie noch nicht geheilt?, fauchte er wieder in Richtung der anderen Reiterin, der es doch offensichtlich prächtig ging. Also warum tat sie nichts? Wollte sie Kyana einfach so liegen lassen?
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 02.10.2009, 23:51
Nachdem noch scheinbar endlos viele Minuten kriechend langsam verstrichen waren, find plötzlich der Boden unter Teras Füßen an zu beben. Sich schon über die Ursache dieser Erschütterung im Klaren blickte sie besorgt zu dem Zelt über ihrem Kopf auf, was bedohlich schwankte, doch ihre Erwartung, gleich einen Sternenhimmel über ihrem Kopf zu sehen, wurde enttäuscht.
Stattdessen kam im Eingang ein großer, blauer Drachenkopf zum Vorschein, dessen gelbe Augen sie zornig anfunkelten.
Da sie inzwischen doch schon etwas erschöpft war - dabei hatte sie nicht einmal annähernd alle Verletzungen geheilt, die auf den zweiten Blick noch zahlreicher waren, als man anfangs vermutet hatte - ließ sie die Hände sinken um sich eine kleine Pause zu gönnen.
"Das hat aber ganz schön gedauert", meinte sie, sich Shuran zuwendend, doch der schien sie vollkommen zu ignorieren.
Was ist passiert? Wer war das? , fauchte er sie wütend an und ließ dabei seine weißen Zähne aufblitzen. Er schien ziemlich wütend zu sein.
Ohne eine Antwort abzuwarten, redete er weiter, nicht ohne vorher einen besorgten Blick zu seiner Reiterin zu werfen.
Warum hast du sie noch nicht geheilt?
Das war ja nun der Gipfel aller Frechheit. Anstatt sich zu bedanken, dass sie ihn überhaupt gerufen hatte, sich überhaupt um diese dumme Elfe gekümmert hatte, fragte er sie - vollkommen zu unrecht - warum er sie noch nicht geheilt hatte. Ihre Hilfsbereitschaft hätte sie sich auch sparen können.
"Krieg dich wieder ein", meinte sie und sah den Drachen aus zusammengekniffenen Augen an.
"Und stell nicht so viele Fragen auf einmal. Abgesehen davon könntest du dich ruhig etwas dankbar zeigen, immerhin wäre deine Reiterin ohne mich nur noch Geschichte. Du im übrigen auch.
Um zu deinen Fragen zu kommen: Genau kann ich es natürlich nicht sagen, aber anscheinend hat jemand deine schwächliche Reiterin überwältigt, hier her gebracht und seinen Spaß mit ihr gehabt. Dieser jemand, um auf deine zweite Frage zu kommen, war ein Elf", Tera schickte dem Drachen das Bild des Spitzohrs, "und um deine dritte Frage, wo er ist, vorwegzunehmen: Er ist geflohen."
Die Reiterin fuhr sich durch das dunkelbraune Haar und warf einen Blick auf die Elfe. "Und was das heilen betrifft, so mag es dir vielleicht entgangen sein, aber ich habe bereits angefangen sie zu heilen. Allerdings fehlt mir das Wissen, wie man einen Körper wieder komplett zusammen flickt, deswegen wirst du sie wohl ins Lager bringen müssen und hoffen, dass sie dir unterwegs nicht verreckt. Und du mit ihr. Nebenbei gesagt solltest du deinen Zorn an etwas anderem als an mir auslassen. Das würde dir auf Dauer nicht gut bekomen", schloss sie ihren Bericht und sah Shuran herausfordernd an, in der Hoffnung, dass er ihr ihre Erschöpfung nicht anmerkte. Die Wahrscheinlichkeit, dass er das tat, war allerdings sehr gering, bestimmt hatte er in seiner Wut nichteinmal den Elfenkopf bemerkt, der direkt vor seiner Schnauze lag.
Die Drachenreiterin gestattete sich ein kleines Lächeln.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 04.10.2009, 20:33
Anstatt sofort gehorsam all seine Fragen zu beantworten, meinte Tera, er solle sich wieder einkriegen, und hielt ihm einen Vortrag darüber, dass er nicht so viele Fragen auf einmal stellen solle und sich ruhig etwas dankbar zeigen könne. Shuran ließ ein leises Knurren hören. Er war absolut nicht in der Stimmung, sich irgendwem gegenüber dankbar zu zeigen, jedenfalls nicht, bevor nicht all seine Fragen beantwortet und Kyana gesund war. Sowieso war es normalerweise Kyanas Aufgabe, sich zu bedanken, wenn sie sich für etwas bedanken mussten. Und davon einmal abgesehen sah er nicht ein, warum er seine Fragen nicht alle auf einmal stellen konnte, so ein schlechtes Gedächtnis hatte Tera ja wohl nicht. Obwohl man das bei diesen Zweibeinern auch nie so genau wissen konnte.
Shuran grübelte gerade, ob er Tera die Fragen noch einmal einzeln stellen sollte, als diese schon anfing, sie zu beantworten. Na, ging doch.
„Genau kann ich es natürlich nicht sagen, aber anscheinend hat jemand deine schwächliche Reiterin überwältigt, hier her gebracht und seinen Spaß mit ihr gehabt. Dieser jemand, um auf deine zweite Frage zu kommen, war ein Elf", erklärte die Reiterin und schickte ihm ein Bild eben jenes Elfen, das Shuran sich genau einprägte, um diesem irgendwann seine Klauen in den Leib rammen zu können. Der Gedanke, ihm einfach sämtliche Organe herauszureißen, war verlockend, aber andererseits würde es vielleicht befriedigender sein, ihn langsam ausbluten zu lassen. "Und um deine dritte Frage, wo er ist, vorwegzunehmen“, fuhr Tera fort. „Er ist geflohen.“
Der Feigling. Aber er würde nicht ewig davonlaufen können. Hoffentlich ließ er sich nicht einfach in der Schlacht umbringen.
„Und was das Heilen betrifft, so mag es dir vielleicht entgangen sein, aber ich habe bereits angefangen sie zu heilen. Allerdings fehlt mir das Wissen, wie man einen Körper wieder komplett zusammen flickt, deswegen wirst du sie wohl ins Lager bringen müssen und hoffen, dass sie dir unterwegs nicht verreckt. Und du mit ihr.“
Warum musste Tera immer wieder darauf herumreiten, dass er im Falle von Kyanas Tod ebenfalls sterben würde? Irgendwie konnte man ja verstehen, dass Kyana sich in letzter Zeit andauernd mit ihr herumstritt. Ihre Erklärung war allerdings recht nachvollziehbar – Shuran hatte jedoch nicht vor, ihren Plan genau so in die Tat umzusetzen.
Er ließ sie ausreden – sie faselte noch etwas davon, dass er seinen Zorn an etwas anderem als an ihr auslassen solle, weil ihm das auf Dauer nicht gut bekommen würde, was ihm ein abfälliges Schnauben entlockte – und kam dann gleich zur Sache.
Ich denke überhaupt nicht daran, sie in diesem Zustand irgendwo hinzubringen, knurrte er und fixierte Tera mit einem durchdringenden Blick aus gelben Augen. Im Gegensatz zu dir ach so toller Drachenreiterin weiß ich nämlich, ‚wie man einen Körper wieder komplett zusammenflickt’, zumindest in der Theorie. Ich werde dir sagen, was du tun musst, bestimmte der Drache schlichtweg.
Er würde es ja auch selber machen, aber Drachen waren nun einmal nicht in der Lage, ihre Magie zu kontrollieren. Daran konnte er auch nichts ändern.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 05.10.2009, 00:01
Während ihres Vortrages über bessere Manieren - von dem sie allerdings nicht glaubte, dass er irgendeinen Nutzen haben würde - ließ Shuren desöfteren ein Knurren oder Schnauben vernehmen. Schien so, als wäre er nicht sehr angetan von ihren Redekünsten.
Verdammter Arsch.
Da machte man sich schonmal die Mühe, seinen Gegenüber nicht mit zwei Worten der Erklärung abzufertigen, und was bekam man als Dank? Nichts als ein abfälliges Schnauben. Tss.
Ich denke überhaupt nicht daran, sie in diesem Zustand irgendwo hinzubringen, knurrte er sie an, während seine gelben Augen sie anstarrten. Bedrohlich.
Im Gegensatz zu dir ach so toller Drachenreiterin weiß ich nämlich, wie man einen Körper wieder komplett zusammenflickt, zumindest in der Theorie. Ich werde dir sagen, was du tun musst.
Tera musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. Wusste dieser Drache eigentlich, was er da gerade von ihr verlangte? Wusste er, was mit seiner Reiterin passieren konnte, wenn ausgerechnet sie versuchte, die Elfe zu heilen?
Sie könnte ernsthafte bleibende Schäden behalten. Aber gut, ihr sollte es nicht stören. Dennoch war sie nicht begeistert davon, wie der Drache mit ihr umsprang.
Sie war es gewohnt, schlecht behandelt zu werden, aber nur, wenn es einen Grund dafür gab. Den gab es hier definitiv nicht. Oder etwa doch?
Nein.
"Wie du meinst. Ich habe hinterher keine geistesgestörte, verkrüppelte Reiterin am Hals. Du weißt hoffentlich, wie schlecht ich bin, wenn es darum geht, Verletzungen zu heilen", sagte sie trocken und erwiderte dabei den Blick des Drachen.
"Dennoch werde ich rein gar nichts tun, wenn du weiter so furchtbar nett zu mir bist. Glaub mir, ich habe auch besseres zu tun, als diese Elfe vor dem Tod zu retten und mich dabei mit einem dummen Drachen herumzustreiten. Mir ist es egal, wenn sie draufgeht."
Was die Frage anschloss, warum sie ihr überhaupt half.
Tera kannte die Antwort nicht.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 20.10.2009, 00:03
Tera fand diese Idee offensichtlich nicht so grandios. Ebenso wenig ließ sie sich einschüchtern, was Shuran allerdings auch nicht wirklich erwartet hatte.
"Wie du meinst. Ich habe hinterher keine geistesgestörte, verkrüppelte Reiterin am Hals. Du weißt hoffentlich, wie schlecht ich bin, wenn es darum geht, Verletzungen zu heilen“, erklärte sie, was ja aber zumindest kein direktes Widersprechen war. Glaubte er zumindest. Und natürlich wollte er wirklich keine… nunja ‚geistesgestörte, verkrüppelte Reiterin am Hals’ haben, aber das ließ sich bestimmt vermeiden, indem er ganz genau aufpasste, was Tera da machte. Wenn sie seine Anweisungen genau befolgte, konnte nicht so viel schief gehen – hoffte er. So unfähig war sie bestimmt nicht. Oder?
„Dennoch werde ich rein gar nichts tun, wenn du weiter so furchtbar nett zu mir bist“, fuhr sie fort und Shuran unterdrückte mit Mühe ein weiteres Knurren. Erst einen Moment später fiel ihm auf, dass er erneut ein wenig die Zähne gebleckt hatte.
Ups.
„Glaub mir, ich habe auch besseres zu tun, als diese Elfe vor dem Tod zu retten und mich dabei mit einem dummen Drachen herumzustreiten. Mir ist es egal, wenn sie draufgeht."
Dummer Drache. Dummer Drache?
Nicht aufregen. Nicht aufregen, sagte Shuran sich und versuchte, sich lieber auf den Rest der Botschaft zu konzentrieren. Schließlich wollte er, dass Tera etwas für ihn tat. Wenn sie das erledigt hatte, konnte er seine schlechte Laune – seine äußerst schlechte Laune – immer noch an ihr auslassen.
Ich wage zu behaupten, dass ich doch noch ein bisschen weniger dumm bin als du, entgegnete er also nur gereizt und war einigermaßen stolz auf seine Selbstbeherrschung. Ich passe einfach auf, dass du keinen Fehler machst. Und wenn es dir so egal ist, warum hast du ihr dann überhaupt geholfen?, fügte er hinzu und hätte wohl leise gelacht, hätte seine momentane Stimmung das zugelassen. Tera war schon ein merkwürdiger Zweibeiner. Alle Zweibeiner waren zwar auf eine gewisse Art merkwürdig, aber sie tanzte noch mehr aus der Reihe, in diesem Moment vor allem dadurch, dass das, was sie sagte, in solchem Gegensatz zu ihren Handlungen stand – entweder wusste sie einfach nicht, was sie eigentlich wollte, und redete sich selbst etwas anderes ein oder sie wollte verbergen, was sie eigentlich wollte. Beides würde bei einem Drachen nicht passieren. Drachen wussten immer, was sie wollten, und standen dazu. Die Zweibeiner verkomplizierten ihr Leben so unnötig…
Also los, unterbrach Shuran seine eigenen Gedanken, ohne eine Antwort Teras abzuwarten, denn eine vernünftige würde er vermutlich sowieso nicht bekommen. Wir fangen mit den Brandverletzungen an, die sind nicht so schwer zu heilen.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 06.12.2009, 00:56
Er meinte doch tatsächlich, er sei weniger dumm als sie.
Tera zog nur die Augenbrauen hoch. Er klüger als sie? Dieser nicht mal zweijährige Drache sollte klüger sein als sie, eine jahrhunderte alte Drachenreiterin?
Den Rest von dem, was der Drache sagte, nahm sie zwar zur Kenntnis, ging aber nicht weiter darauf ein.
„Ich an deiner Stelle wäre vorsichtig mit dem, was du sagst“, entgegnete sie stattdessen.
„Du willst immerhin etwas von mir, abgesehen davon bist du ein verdammt kleiner und unerfahrener Drache.
Aber egal.
Ich helfe Kyana, unter der Bedingung, dass du mich mit zurück zum Lager nimmst. Ich bin müde und habe wenig Lust, den ganzen Weg zu Fuß zu gehen.
Da du dieses Angebot wohl kaum ablehnen wirst – gut, fangen wir an.“
Tera konnte den Widerwillen spüren, mit dem Shuran ihr schließlich seinen Geist öffnete und ihr zeigte, was genau sie tun musste. Es war sogar mehr als das; während sie ihre Hand erneut über die Elfe streckte und die Worte in der Alten Sprache sagte, fühlte sie, wie der Drache ihre Magie lenkte, wenn sie einen Fehler machte – was leider verdammt oft geschah.
Dennoch verfügte Shuran über ein erstaunlich großes Wissen, größer, als sie es von einem so jungen Geschöpf erwartet hatte. Was es nicht weniger demütigend machte, dass sie es selbst nicht geschafft hätte.
Nachdem die Brandwunden größtenteils geheilt waren, kamen nun die schwereren Dinge – zersplitterte Knochen, zerrissenes Gewebe. Immer öfter musste Shuran sie korrigieren, und je länger sie da stand und versuchte, die Elfe am Leben zu halten, desto schwächer wurde sie.
Wie lange dauerte das jetzt schon? Eine Stunde? Zwei?
Tera merkte, wie ihre Arme begannen leicht zu zittern und ihre Konzentration merklich nachließ.
Irgendwann, es schien eine halbe Ewigkeit vergangen zu sein, hatte sie es geschafft. Nicht vollständig geschafft, ein paar Verletzungen hatte die Elfe immer noch, aber sie hatte nicht mehr die Kraft, um auch die kleineren Wunden zu heilen. Das heißt – gehabt hätte sie sie, aber sie wusste, dass sie in wenigen Stunden wieder auf dem Schlachtfeld stehen würde. Und dort würde sie ihre Energie brauchen.
Die Drachenreiterin ließ ihre Hände sinken, atmete tief durch und warf einen Blick zu Shuran.
Sie mussten zurück. Kyana musste zu einem richtigen Heiler – trotz der Hilfe des Drachens war sie sich nicht sicher, alles richtig gemacht zu haben – und sie brauchte Schlaf.
Ohne ein weiteres Wort hob sie die Elfe hoch und trat aus dem Zelt. Die Luft war schneidend kalt, was allerdings nicht unbedingt schlecht war, da das ihre Müdigkeit etwas verscheuchte.
Tera platzierte die andere Drachenreiterin auf Shurans Sattel und betrachtete sie. Ihre Kleidung war fast vollkommen kaputt, und wenn sie Pech hatte, starb sie während des Fluges an Unterkühlung. Das wollte sie eigentlich nicht unbedingt riskieren, nachdem es sie schon so viel Kraft gekostet hatte, sie wieder zu heilen.
Die Reiterin nahm ihren Umhang von den Schultern und legte ihn über die schlafende Elfe.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 12.12.2009, 00:05
Um sich weiteren Ärger zu ersparen, ignorierte Shuran Teras erstes Gefasel und konzentrierte sich nur auf den wichtigen Teil. ‚Kleiner und unerfahrener Drache’. Tz.
„Ich helfe Kyana, unter der Bedingung, dass du mich mit zurück zum Lager nimmst. Ich bin müde und habe wenig Lust, den ganzen Weg zu Fuß zu gehen. Da du dieses Angebot wohl kaum ablehnen wirst – gut, fangen wir an.“
Leise grummelte Shuran vor sich hin, öffnete dann aber seinen Geist so weit, dass er Tera erklären konnte, was sie zu tun hatte. Besser, das Ganze schnell hinter sich zu bringen. Gehorsam hielt Zarions Reiterin ihre Hand über Kyanas Verletzungen und sprach die notwendigen Sätze in der Alten Sprache. Er beobachtete das Ganze und griff, als er merkte, dass Tera drauf und dran war, einen Fehler zu machen, vorsichtig ein. Und trotz der genauen Anweisungen waren das, wie Shuran für sich registrierte, nicht unbedingt wenig Fehler, vor allem als sie zum Heilen der Knochen kamen. Nun gut, das war auch wirklich nicht sehr einfach und er hoffte, dass er selbst alles richtig behalten hatte, was sie darüber gelernt hatten…
Nun, da er seinen Willen bekam, sogar sehr geduldig, leitete der Drache Tera durch die Heilung der zahlreichen Verletzungen und spürte, wie deren Konzentration gemeinsam mit ihrer Energie dahinschwand – aber er enthielt sich jeglichem Kommentars, der ihm auf der Zunge lag, bevor Tera sich die Sache doch noch anders überlegte.
Schließlich ließ sie die Hände sinken und warf einen Blick zu ihm hinüber, dann hob sie Kyana schweigend hoch, trug sie aus dem Zelt und hob sie auf seinen Rücken. Überrascht beobachtete Shuran, wie sie der bewusstlosen Elfe daraufhin sogar ihren Umhang umlegte.
Sehr aufmerksam, brach Shuran jetzt doch das Schweigen und sah zu, wie die Reiterin hinter Kyana auf seinen Rücken kletterte. Als sie fertig zu sein schien, stieß er sich kraftvoll vom Boden ab und wollte sich schon in Richtung Lager wenden, flog dann aber kurzentschlossen noch eine Schleife über dem Zelt, während der er einen Feuerball auf dieses hinabspie. Zufrieden betrachtete der Drache, wie der trockene Stoff sofort lichterloh in Flammen aufging. Dann machte er sich doch auf den Rückweg. Währenddessen stupste er immer wieder leicht Kyanas Geist an, für den Fall, dass sie aufwachen würde.
Im ersten Moment war alles einfach dunkel. Dann wurde es schneidend kalt.
Kyana spürte den Wind, der eisig gegen jede Stelle Haut peitschte, die er finden konnte, spürte das Auf- und Ab, an das sie sich so gewöhnt hatte, hörte die Flügelschläge. Shuran, dachte sie und fragte sich, ob das alles nur ein furchtbarer Albtraum gewesen war. Bei diesem Gedanken brachen die Bilder wieder über sie herein. Blut. Flammen. Schreie. Hass. Tod.
Kyana.
Und dann hallte Cails Stimme in ihrem Kopf wieder, sie sah ihn vor sich, wie er grinsend auf sie zukam –
Kyana. Alles ist gut.
Zitternd schlug sie die Augen auf und starrte direkt auf blaue Schuppen, die das Sternenlicht widerspiegelten. Sie saß in Shurans Sattel, um sich herum nur den Himmel und die leere Wüste.
„Shuran… was…?“, sagte sie in ihrer Verwirrung versehentlich laut, richtete sich langsam auf und zog sich den Umhang enger um die Schultern. Moment mal – Umhang? Sie hatte keinen getragen und überhaupt war das hier gar nicht ihrer.
Schau mal nach hinten, meinte Shuran mit dem Anflug eines Lachens. Aber sie spürte deutlich, dass er sich Sorgen um sie machte.
Gehorsam drehte sie sich um und blickte direkt in Teras Gesicht. Diese hatte die Augen geschlossen, schien halb zu schlafen. Eine Erinnerung blitzte auf: Tera, die unerklärlicherweise im Zelteingang gestanden hatte. Hatte sie sie da raus geholt…?
In der Tat, kam prompt die Zustimmung. Außerdem habe ich sie davon überzeugt, deine schlimmsten Verletzungen zu heilen, auch wenn du trotzdem noch einmal zu einem richtigen Heiler gehen solltest. Du kannst dir wahrscheinlich denken, wie du ausgesehen hast… Erneut schwang Sorge in seiner Stimme mit und Kyana wusste, dass ihr blauer Freund drauf und dran war, noch etwas zu sagen, dies aber unterließ, weil er spürte, dass sie noch nicht über das reden wollte, was passiert war. Genau genommen musste sie ja selbst erst einmal ihre Gedanken ordnen – bislang konnte sie nicht mit Sicherheit sagen, was von ihren verworrenen Erinnerungen nun eigentlich wirklich passiert war. Sie wusste nur, dass sie vollkommen fertig war. Und dass Tera ihr wohl mal wieder das Leben gerettet hatte.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 13.12.2009, 02:21
Sehr aufmerksam, kommentierte Shuran ihre Handlung.
Tera war drauf und dran, sich irgendwie zu rechtfertigen, zu erklären, dass sie das nicht tat, weil sie Kyana mochte oder etwas derartiges, entschied sich dann aber dafür, den Drachen einfach zu ignorieren und so zu tun, als hätte er nichts gesagt.
Müde kletterte sie also ohne ein weiteres Wort auf den Drachen, setzte sich hinter Kyana und lehnte sich an einen der Zacken.
Es fühlte sich seltsam an, auf einem anderen Drachen als auf Zarion zu sitzen. Shuran war sehr viel kleiner und entsprechend schmaler als ihr Drache, und auch die Bewegungen, als er sich in die Luft erhob, waren anders, schneller, eine Spur hektisch.
Sie hatte gerade die Augen geschlossen, als ihr eine Hitzewelle entgegen schlug. Erschrocken riss die Reiterin sie wieder auf - und sah das Zelt unter ihnen in Flammen stehen. War das wirklich nötig gewesen? Diese sinnlose Zerstörung hatte ihn nur wichtige Kraft gekostet.
Wahrscheinlich hatte dieser verrückte Elf noch andere Plätze, an denen er seine Tätigkeit ausführte. Das Zelt sah eher provisorisch eingerichtet aus, als hätte er es nur errichtet, um auch während der Schlacht Foltern zu können.
Aber Tera hatte weder Lust noch Kraft, sich jetzt deswegen mit Shuran auseinander zu setzen. Sie schloss die Augen und versuchte zu schlafen.
Gerade war sie in eine Art Halbschlaf gefallen, da hörte sie eine vertraute Stimme vor sich.
"Shuran... was...?"
Sie war also wach. Tera hielt die Augen noch etwas geschlossen, zu erschöpft, um sich irgendwie zu bewegen, eigentlich wollte sie nur noch schlafen - und öffnete sie schließlich trotzdem.
Sie blickte direkt in Kyanas verwirrtes Gesicht und zwang sich zu einem schwachen Lächeln.
"Idiot", sagte sie leise.
"Du bist ein verdammter Idiot. Lässt dich von einem Elfen gefangen nehmen und verstümmeln. Und bist dann zu schwach, dich selbst zu befreien. Er hat sein Werk wirklich gut gemacht. Aber ehrlich, ohne mich wärst du tot. Gehst du immer so unvorsichtig mit deinem Leben um?"
Ein kalter Wind fuhr durch ihre Kleidung und ließ sie frösteln.
Hoffentlich waren sie bald am Lager.
Lange konnte es nicht mehr dauern.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 20.12.2009, 01:05
Auf einmal öffnete Tera die Augen – entweder hatte sie doch nicht geschlafen oder war zufälligerweise genau jetzt aufgewacht, was eher unwahrscheinlich war – und lächelte etwas.
„Idiot. Du bist ein verdammter Idiot“, erklärte sie. Kyana sah sie verdutzt an. Sie hatte gedacht, ihre Gedanken wieder halbwegs beisammen zu haben, aber mit so etwas hatte sie jetzt doch nicht gerechnet… aber vielleicht konnte man von Tera nicht anderes erwarten. „Lässt dich von einem Elfen gefangen nehmen und verstümmeln“, fuhr diese fort. „Und bist dann zu schwach, dich selbst zu befreien. Er hat sein Werk wirklich gut gemacht. Aber ehrlich, ohne mich wärst du tot. Gehst du immer so unvorsichtig mit deinem Leben um?"
Einen Moment lang wandte Kyana den Blick ab und biss sich auf die Unterlippe. Erst nach einer Weile bemerkte sie, dass sie Shurans Rückenzacken, an dem sie sich festgehalten hatte, so fest umklammerte, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten, und zwang sich, den Griff etwas zu lockern.
Teras Worte ließen sie erst wirklich realisieren, was passiert war. Bis zu einem gewissen Punkt hatte sie es als Albtraum abgetan, aber nun waren die Erinnerungen wieder klar und deutlich. Und sie wollte nicht über sie nachdenken. Nicht hier, nicht jetzt.
Dann lass es, sagte Shuran ruhig, und seine Gelassenheit war wie ein Anker, an dem sie sich in der Gegenwart halten konnte.
Gut.
„Also… streng genommen“, sagte Kyana und sah Tera nun, wo sie sich mehr oder weniger gefangen hatte, wieder ins Gesicht. „War es ein Halbelf. Und eigentlich versuche ich es zu vermeiden, mich gefangen nehmen und… verstümmeln zu lassen.“ Sie schluckte und brauchte ein wenig, um sich daran zu erinnern, was Tera noch gesagt hatte. Ohne mich wärst du tot. Unglaublich, wie oft diese Reiterin ihr das Leben rettete.
„Na ja, jedenfalls… danke“, fügte sie schließlich hinzu und betrachtete daraufhin intensiv den Teil des Schlachtfeldes, über den sie gerade hinwegflogen.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 26.12.2009, 00:50
Kyana antwortete nicht sofort, sondern wandte nur den Blick ab. Anscheinend hatte sie die ganze Sache mit der Folter ziemlich mitgenommen, zumindest mehr, als sie erwartet hatte.
Beinahe hätte Tera Mitleid mit der anderen Reiterin bekommen. Aber nur beinahe.
"Also… streng genommen war es ein Halbelf", antwortete die Elfe schließlich, sie schien sich so weit gefangen zu haben, dass sie ihr wieder in die Augen blicken konnte.
"Und eigentlich versuche ich es zu vermeiden, mich gefangen nehmen und… verstümmeln zu lassen."
Tera nickte nur knapp als Antwort. Ein Halbelf? Sie hatte nicht gewusst, dass es so etwas wie Halbelfen gab. Welcher Mensch war so dumm und ließ sich mit einem Elfen ein? Der konnte ja nicht mehr ganz dicht sein. Wahrscheinlich lag es daran, dass der Kerl so seltsam war und solche abstrusen Lieblingsbeschäftigungen hatte.
Sie war so in Gedanken über diesen Mann, über das, was sie in seinem Kopf gesehen hatte, dass sie fast die nächsten Worte Kyanas überhört hatte.
"Na ja, jedenfalls... danke."
Danke. Sie hatte sich doch tatsächlich bedankt, auch wenn sie sie nicht angesehen hatte. Ein kleines, selbstgefälliges Lächeln schob sich auf Teras Gesicht.
"Erzähl doch mal - was hat er so gemacht?", fragte sie, den Blick ebenfalls auf das Schlachtfeld unter ihnen gerichtet, damit Kyana ihr Lächeln nicht sah. Ihre Stimme war ruhig, und vielleicht schwang auch eine Spur Mitgefühl in ihr mit.
In der Ferne konnte sie die kleinen Feuer erkennen, die im Lager der Elfen brannten. Bald waren sie da.
Nur noch wenige Minuten.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 28.12.2009, 16:08
„Erzähl doch mal - was hat er so gemacht?", sagte Tera ruhig und Kyana blickte sie ungläubig an. Hatte sie das gerade ernsthaft gefragt? Erwartete sie jetzt, dass sie ihr in allen Einzelheiten von der Folter erzählte!?
Erneut schlossen Kyanas Finger sich fester um Shurans Rückenzacken, als sie versuchte, die Bilder zu verdrängen, die ihr unweigerlich in den Sinn kamen. Die Schmerzen. Die Hilflosigkeit. Das widerwärtige Gefühl, als Cail in ihren Geist eindrang…
Sie will nicht darüber reden, fauchte Shuran und die Elfe brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass ihr Drache nicht mit ihr, sondern mit Tera redete. Dankbar strich sie ihm über die Schuppen und konzentrierte sich weiterhin auf das Schlachtfeld, bis sie in der Ferne kleine Lichter erkennen konnte, die Feuer, welche im Lager brannten.
Shuran flog zielgerichtet auf diese Lichter zu und begann langsam abzusinken. Erst jetzt, als sie so kurz vor der Ankunft standen, merkte Kyana, wie kalt ihr eigentlich war, und sie zog sich den Umhang – Teras Umhang – fester um die Schultern. Unwillkürlich fragte sie sich, was sie eigentlich erzählen sollte, wenn man sie fragte, was passiert war. Wie Shuran so treffend gesagt hatte, wollte sie nicht darüber reden, ja nicht einmal darüber nachdenken. Mit ihm würde sie die Geschehnisse wohl teilen, aber sonst… selbst Comorel würde sich wahrscheinlich nur unnötig im Nachhinein Sorgen machen. Aber die Heiler stellten normalerweise keine Fragen, was hieß, dass es vielleicht niemand mitbekam, wenn sie sich anschließend unauffällig in ihr Zelt schlich. Sofern Tera die Sache nicht herumerzählte, aber das glaubte sie eigentlich nicht.
Inzwischen waren die vom Mondlicht und flackernden Schein der Feuer beleuchteten Zelte deutlich zu erkennen. Shuran flog dicht über die ersten Zelte hinweg, dann drehte er in einen Kreisbogen ab, um zur Landung anzusetzen.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 21.02.2010, 20:25
Eine kurze Zeit lang herrschte Schweigen, dann hörte sie eine laute Stimme in ihrem Kopf fauchen: Sie will nicht darüber reden!, und dann war wieder Stille.
Erst war sie versucht, darauf einzugehen, dem Drachen zu sagen, dass das ja wohl nicht seine Entscheidung war und Kyana wohl selber sprechen konnte, doch sie kam zu der Erkenntnis, dass es vielleicht besser war, nicht weiter darauf einzugehen. Wahrscheinlich war die Elfe wirklich ziemlich fertig und nicht in der Lage, jetzt mit ihr zu reden.
Nun ja, wirklich interessiert hatte sie es eh nicht.
Die flackernden Lichter der kleinen Feuer, die im Lager brannten, kamen immer näher, bis sie schließlich deutlich zu erkennen waren und Shuran zur Landung ansetzte. Mit langsamen Flügelschlägen ließ der Drache sich hinabsinken, bis er schließlich sanft am Boden aufsetzte.
Kaum hatte er die Flügel zusammengefaltet, sprang Tera auch schon von seinem Rücken - und musste ziemlich in die Knie gehen, um den Aufprall abzufedern. Dieser Drache war einfach viel zu klein, um sich Drache nenne zu dürfen. Wie hielt Kyana das aus?
Die Drachenreiterin richtete sich wieder auf und blickte zu der Elfe hoch. Im flackernden Schein der Feuer sah sie nur noch erbärmlicher aus. Die Kleidung zerrissen, ihren Umhang um sich gezogen und ein Ausdruck der Erschöpfung auf dem Gesicht. Wie lange es wohl dauern würde, bis sie sich von diesem Ereignis erholt hatte? Wie sie Kyana kannte, würde sie schon sehr bald wieder kämpfen. Wenn nicht morgen, dann spätestens übermorgen. Äußerlich würde man ihr die Geschehnisse dieser Nacht nicht mehr anmerken, und wahrscheinlich würde auch nie jemand davon erfahren. Ihre Gedanken wanderten zu dem Halbelf. Was wohl mit ihm war? Ob er noch lebte? Wahrscheinlich. Und auch er würde wieder auf dem Schlachtfeld stehen, wenn nicht morgen, übermorgen. Wahrscheinlich würde er sich ein neues Opfer suchen, und wahrscheinlich würde dieses nicht so viel Glück haben wie Kyana und am Leben bleiben. Aber das konnte ihr egal sein, solange er sie nicht zu fassen bekam. Und das würde er nicht. Eher würde sie ihm persönlich die Kehle aufschlitzen. Dieses Mal hatte sie ihn entkommen lassen, aber das nächste Mal, wenn sie aufeinander trafen, würde einer von ihenn sterben.
Hatte der Typ nicht etwas ähnliches gesagt? Tera musste an die Bilder denken, die sie in seinem Kopf gesehen hatte. Keine schönen Bilder waren es gewesen, aber sie hatte sie in keinen Zusammenhang bringen können. Aber konnte ihr das nicht auch egal sein?
"Nun, ich nehme an, zu den Heilern wirst du es gerade noch allein schaffen", sagte sie und wandte sich um.
"Ach ja, den Umhang kannst du behalten", fügte sie noch im Weggehen hinzu. "Wenn du ihn nicht haben willst, wirf ihn weg. Ich will ihn jedenfalls nicht nochmal anziehen. Gute Nacht."
Tera hob noch kurz die Hand zum Gruß, dann verschwand sie zwischen den Zelten und trat aus dem Licht der Lagerfeuer in die Dunkelheit der Nacht.
Re: Alagaësia-Outtakes
Daydream - 28.03.2010, 22:41
Shuran schien sich mit seiner Landung ziemliche Mühe zu geben, zumindest war diese im Vergleich zu sonst sehr erschütterungsfrei. Kaum hatte er auf dem Boden aufgesetzt, da sprang Tera schon von seinem Rücken, erklärte Kyana, dass sie den Umhang behalten könne und machte sich nach einer knappen Verabschiedung davon.
„Gute Nacht“, entgegnete Kyana leicht verspätet, als Tera bereits auf die Zeltreihen zuging, um zwischen ihnen zu verschwinden. Sie war drauf und dran, ebenfalls abzusteigen, doch ihr Drache hatte da andere Vorstellungen: Mit eng angelegten Flügeln schlängelte er sich vorsichtig an breiteren Stellen zwischen den Zelten hindurch und trug sie so bis vor den Eingang eines der großen Zelte, in denen die Heiler sich um die Verwundeten kümmerten.
Anstatt wie sonst abzuspringen hielt sie sich weiterhin an Shurans Zacken fest, während sie vorsichtig herunterkletterte – und diese Vorsicht war berechtigt, denn als sie ihre Beine nun wieder belastete, spürte sie einen stechenden Schmerz im linken Knie. Da hatte wohl beim Heilen etwas nicht ganz hingehauen.
Leise vor sich hin fluchend verlagerte Kyana den Großteil ihres Gewichtes auf das andere Bein, dann zog sie Teras Umhang fröstelnd fester um sich und humpelte in das Zelt hinein.
Einige Zeit später lag sie, wieder komplett zusammengeflickt und sauber, in ihrem Zelt und starrte an die Decke. Sie wusste, dass sie schlafen sollte – nur noch wenige Stunden bis es wieder Zeit war in die Schlacht zu ziehen – aber es wollte ihr nicht gelingen. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, glaubte sie, wieder dort zu sein, und riss sie wieder auf, um sich zu überzeugen, dass dem nicht so war. Und wenn sie dies tat, glaubte sie manchmal, um Dunkeln eine Gestalt zu erkennen.
Reiß dich doch zusammen, schimpfte die Elfe mit sich selbst, aber es half alles nichts. Letztendlich stand Kyana wieder auf, wickelte sich in ihre Decke und tappte durch den Zelteinganz nach draußen, wo Shuran friedlich vor sich hin döste. Er beobachtete sie aus nur halb geöffneten Augen und hob, wortlos verstehend, seinen Flügel ein wenig an, so dass sie sich an seinen warmen Bauch lehnen konnte.
Dann breitete er den Flügel über sie wie ein schützendes Dach.
Re: Alagaësia-Outtakes
Nightmare - 30.03.2010, 22:55
Ein paar Meilen von dem Zelt, in dem gerade noch eine Elfe fast zu Tode gefoltert worden war stob plötzlich der Sand auf und eine blutbefleckte, mitgenommen aussehende Gestalt erschien aus dem Nichts.
Sofort, nachdem sie sich materialisiert hatte, brach sie keuchend in sich zusammen.
Wie konnte das passieren?, schoss es Cail durch den Kopf. Wie konnte das passieren? Wie? Wie war es möglich, dass eine Drachenreiterin es fast geschafft hatte, ihn umzubringen? Er konnte es nicht verstehen. Das hätte er sich nicht erlauben dürfen. Unter keinen Umständen. Noch schlimmer allerdings war, dass es ihr gelungen war, in seinen Geist einzudringen. Was sie dort gesehen hatte, würde ihr wahrscheinlich nicht viel sagen, dennoch fühlte der Halbelf sich, als hätte man sein Innerstes vor aller Welt öffentlich gemacht. Es war ein schreckliches Gefühl.
Wut stieg in ihm auf. Diese verdammte Drachenreiterin! Sie würde es bereuen. Sie würde es bereuen, dass sie es gewagt hatte, ihm das anzutun. Zornig schrie er auf und schleuderte eine handvoll Wüstensand in die Nacht. Er konnte jetzt nicht einfach hier sitzen bleiben. Er musste etwas tun. Mühsam versuchte er aufzustehen - und brach in sich zusammen. Der letzte Zauber hatte ihn einfach zu viel Kraft gekostet. Wütend ballte er die Hände zu Fäusten. Mit letzter Kraft schleppte er sich zu einem Felsen, gegen den er sich lehnen konnte. War das nicht erbärmlich? Er, einer der größten Magier aller Zeiten, saß vollkommen entkräftet irgendwo in der Wüste und konnte sich kaum noch von der Stelle bewegen. Er wusste nicht wo er war - er hatte sich einfach irgendwo hin gezaubert, irgendwo weg von dem Zelt. Und das nur, weil er sich beim Foltern verausgabt hatte und ihm jemand in die Quere gekommen war.
Wie er sie hasste. Wie er sie umbringen wollte. Foltern und dann umbringen. So schmerzhaft wie möglich.
Und das würde er auch tun. Er würde sie finden, und er würde ihr das schrecklichste Ende bereiten, das er sich nur ausmalen konnte. Sie würde es bereuen, sich ihm in den Weg gestellt zu haben. Und auch die Elfe würde er wieder finden. Am besten, er nahm gleich beide auf einmal, und seine Rache würde furchtbar werden. Der Gedanke daran, die Aussicht auf Vergeltung beruhigten ihn etwas. Morgen, sobald er wieder zu kräften gekommen war, würde er wieder an der Schlacht teilnehmen. Und er würde sie suchen. Er würde das ganze Schlachtfeld nach ihnen absuchen, er würde eine gute Gelegenheit abpassen und sie finden, sie finden und beide mitnehmen und so lange Foltern, bis sie elendig verrecken würden. Cail legte den Kopf in den Nacken und blickte hinauf zu den Sternen.
Ein Lächeln lag auf seinem Gesicht.
The End of the first Outtake
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