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Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: Sammy - Daydream - Nightmare Forum: ~ Asalun ~ aus dem Unterforum: Rollenspiele Antworten: 51 Forum gestartet am: Dienstag 24.02.2009 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Alagaësia. Letzte Antwort: vor 8 Jahren, 10 Monaten, 26 Tagen, 23 Stunden, 35 Minuten
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Re: Alagaësia.
Sammy - 24.02.2009, 22:43Alagaësia.
Die Geschichte.
Unser RS spielt in der Welt von Eragon, vorzugsweise in dem Lande Alagaësia. Dort herrschten viele Jahrhunderte lang Drachenreiter für Recht und Ordnung. Doch dann geschah das Unaufhaltsame - ein junger, mächtiger Drachenreiter namens Galbatorix verlor seinen Drachen und verfiel dem Wahnsinn. Er wollte sich an all den anderen Reitern rächen und erlangte die Macht über ganz Alagaësia. Fortan war der einzig existente Drache Shruikan, Glabtaorix' neuer Drache. Allerdings, und an diese Hoffnung hielten die Rebellen fest, gab es noch ein paar Dracheneier, die in der Gewalt von Galbatorix waren. Nun schafften es seit vielem Jahren des Wartens endlich ein paar Elfen, an die Dracheneier heran zu kommen. Doch sie wurden tragischerweise geschnappt und getötet. Vor ihrem Tod jedoch schafften sie es noch, die Eier wegzuzaubern. Doch dieser Zauber ging fürchterlich schief - zwar waren die Dracheneier nicht mehr in Galbatorix' Burg, dafür aber in ganz Alagaësia verstreut! Ahnunglose Mädchen und Jungen fanden sie und wurden zu Drachenreitern. Außerdem kamen nun drei Drachenreiter, die schon vor der Zeit des Verrats gelebt hatten und längst tot geglaubt waren, zum Vorschein...
Re: Alagaësia.
Sammy - 01.03.2009, 03:03
„Gut. Dann wäre ich für rechts, schließlich spricht man auch vom „rechten Weg“, nicht wahr?“, sagte Sed und zwinkerte der Elfe Kyana zu. Daraufhin wandte er sich auch nach rechts und schlug und eine gerade Linie ein. Vor ihnen lag zwar weiterhin nur Leere, gespickt mit ein paar der toten Bäume, aber da man hier sowieso nicht sehr weit schauen konnte… könnte womöglich schon nach ein paar Metern irgendetwas spezielles vor ihnen auftauchen. Irgendetwas wie ein großes Pfeil auf dem „Dieser Weg“ stand und daneben eine Tür, hinter der sich eine wunderschöne Landschaft in Alagaesia ausbreitete und zufällig wäre Galbatorix während ihrer Abwesenheit gestürzt. Na ja. Unwahrscheinlich. Aber mit Pessimismus kam man auch keinen Schritt weiter. Theoretisch hätte Sed sich schließlich einfach hier auf den Boden setzen und auf den Tod warten können… Moment, konnte man hier sterben? Schmunzelnd schüttelte Sed den Kopf. Das führt nicht wirklich zu etwas… einfach weitergehen. Ich kann mich ja auch mit etwas anderem beschäftigen… Sed wandte den Kopf zu der Elfe neben ihm und öffnete den Mund um etwas zu sagen, als die Welt um ihn herum plötzlich schwarz wurde. Oh, oh? Plötzlich wurde ihm die ganze Luft aus der Lunge gedrückt und er ring vergeblich darum, seine Lungen mit neuer zu füllen. Bitte nicht… es kann nicht sein… Nein, noch nicht…, dachte er verzweifelt. Doch dann fing es um ihn herum an zu glühen, der seltsame Druck verschwand, ja, selbst das Bedürfnis, Luft zu holen, war verschwunden. Es war, als hätte er keinen Körper mehr und schwebte als Geist umher. So ein Quatsch. Es gibt keine Geister. Obwohl, vielleicht jetzt? Das Glühen war nun kein Glühen mehr, sondern bildete vor ihm eine Szene an einem ihn bekannten Ort. Dem Schlachtfeld. Suchend sah er sich um. Wo ist sie… Kyana? Fast erwartete er, nun das Gefühl seines Körpers wieder zu gewinnen und zu bemerken, dass er sich nur den Kopf gestoßen hatte und all das mit der toten Welt nicht geschehen war. Aber es war anders. Er war wirklich nicht in seinem Körper. Er schwebte über einer Szene kämpfender Wesen, Urgals, Elfen, Zwerge, Soldaten. Es war wie eine Art Zeitraffer… Alles bewegte sich viel schneller als es normalerweise sollte. Sed bemerkte, dass die Kämpfer auf seiner Seite immer weniger wurden, erhaschte zeitweise auch einen Blick auf seinen eigenen Körper, der in der Menge kämpfte. Es ist, als würde ich hinter einer Glasscheibe sitzen und das hier vorspulen. Schreckliche Szenen taten sich vor ihm auf. Blut. Leichen. Abgetrennte Körperteile. Sie verloren immer mehr Leute und es waren so furchtbar viele Soldaten auf Galbatorix’ Seite übrig…Dann ging alles noch viel schneller. Die Menschen, die überlebt hatten, wurden festgenommen. Diejenigen, die sich wehrten, kaltblütig umgebracht. Bei den Elfen gab es mehr Probleme, von ihnen hielten sich am längsten noch ein paar… Doch alles war vergebens. Dann erblickte er sich. Blutüberströmt, seine Augen geweitet. Er konnte sie genau sehen, seine grünen Augen, und das war er darin sah, entsetze ihn… diese Leere. Dieser andere Sed, der da vor ihm stand, hatte aufgeben. Soldaten nahmen ihn fest und er fügte sich… Dann war dort nicht mehr die Wüste. Einzelne Bilder flackerten kurz auf. Elfen, Menschen, Urgals, Zwerge in überfüllte Kerker gesperrt. Gefoltert. Dann ein paar Dörfer. Die Ernte war nur karg. Die Böden nicht mehr fruchtbar. Die Menschen in jedem Teil des Landes unterdrückt, lebten in ständiger Angst… Drachenreiter und ihr Drachen – neue Drachenreiter. Sie lebten vollkommen nach Galbatorix’ Regeln und ihre Blicke verrieten – Boshaftigkeit. –
Eine Reihe Männer, zusammengesunken, festgekettet. Vor ihnen waren einige Soldaten postiert, ein Soldat mit höherer Position sprach zu den Gefangenen. „Name?“, ertönte seine raue Stimme. Ein Junge von nur etwa zehn Jahren sagte zittrig: „Takin.“
„Hast du dir die Formel eingeprägt?“ Der Junge nickte. „Dann los.“ Und er sprach Worte in der alten Sprache, deren Bedeutung er sich selber vermutlich gar nicht klar war. Ein Soldat schickte ihn raus. Dann kam der nächste an die Reihe… so ging es, bis Sed an vorderster Stelle stand. „Name?“
„Sed.“ Der Soldat runzelte die Stirn, vermutlich glaubte er nicht, dass das sein wahrer Name war, aber er kritzelte trotzdem etwas auf eine Liste. Eine Weile herrschte Schweigen. „Na los, mach schon!“, bellte der Mann Sed an. Dieser sah daraufhin auf seine Hände hinab. Dann blickte er wieder hoch und sagte mit fester Stimme: „Nein.“
„Was?!?“, rief der Mann verwundert und seine Stimme rutschte dabei eine Oktave hoher. Es war das erste Mal, dass sich jemand verweigerte – schließlich wussten alle, was das bedeutete.
Dann hatte der Mann sich wieder gefasst und gab einem anderen Soldat ein Zeichen. Der körperlose Sed betrachtete die Szene verwundert und gespannt. Das hatte sich nie abgespielt. Würde es das vielleicht? War er jetzt eine Art Hellseher geworden und das war eine Vision?
Sein Körper drehte sich auf jeden Fall zu der Reihe von Männern hinter sich um. „Und ihr solltet das auch nicht tun! Mit dieser Formel schwört ihr diesem dreckigen Wurm von Herrscher“ - Hab ich da gerade wirklich „dreckiger Wurm“ gesagt? Kann mir in so einer Situation nichts besseres einfallen? Sed hätte den Kopf geschüttelt, hätte er gekonnt. – „eure Treue! Jeder von euch wird ihm nur noch mehr Macht verleihen, ihn nur noch mehr stärken. Und dabei wird euch ein erbärmliches Leben als Sklave bevor stehen… Widersetzt euch! Ich weiß, es bedeutet den Tod, aber ich sterbe lieber, als mich Galbatorix zu fügen!“ Zustimmendes Gebrüll. „Wir alle, ja wir alle sind wohl schon verloren, doch ich bin mir sicher, dass einige entkommen sind. Und die werden irgendwann kommen und Galbatorix und all seine Gefolgleute töten. Sie werden die Welt wieder schön machen… dann wird alles wieder gut…“ Seds Stimme versagte. Grimmig lachend stach ihm ein Soldat leicht mit seinem Speer in den Rücken, so dass er nach vorne Richtung Tür stolpern musste. „Wollt ihr als Märtyrer für die Varden sterben oder später als Verräter von ihnen umgebracht werden? Ihr müsst kein Leben voller Grausamkeit führen! Es ist eure Entscheidung!“, schrie er, während er weg eskortiert wurde. Der wahre Sed sah ihm erstaunt nach. Das… das war mutig gewesen. Ist es das? Werde ich als Märtyrer sterben?
Die Antwort gab ihm die letzte Szene, die er sah. Ein Hinrichtungsplatz, mehrere Galgen. Viele Männer, die hinter ihnen standen und auf den Tod warteten. Einige von ihnen glaubte Sed wiederzuerkennen. Aber diese Hinrichtung war ganz anders als die, von denen Sed schon gehört hatte. Niemand verließ Anklagen. Und es gab zwar schon ein großes Publikum, doch niemand jubelte, verspottete die Angeklagten oder weinte gar. Nein. Dieses Publikum zeigte überhaupt keine Regung. Sie freuten sich nicht, es waren ihre Leute, die dort hingerichtet wurden… doch niemand wagte es, Trauer zu zeigen. Die erschlafften Körper von fünf Männern wurden gerade von den Galgen genommen und weiter fünf traten vor. In der Mitte von ihnen stand Sed. Sein Blick zeigte Entschlossenheit. Die Soldaten legten den Angeklagten die Stricke um den Hals. „Für Alagaesia! Für die Freiheit!“, schrie Sed laut und heiser, dann wurde die Platte unter seinen Füßen weggezogen…
Sed schlug die Augen auf. Seine Sicht war seltsam getrübt… und es war so nass. Oh… ah. Er war im Wasser. Warum auch immer… Etwas panisch schlug er um sich. Wo war oben? Wo war die verdammte Wasseroberfläche? Die eigene Kleidung und sein Schwert zogen ihn nur noch weiter herunter. Seine Lungen schrien nach Luft. Wo…?!? Dann durchstieß er die Wasseroberfläche und schnappte hörbar nach Luft. Warum war er denn im Wasser? Oh, auf jeden Fall… war er wieder in seinem Körper. Sed drohte wieder unterzugehen und hielt sich mit nicht sehr eleganten Bewegungen über Wasser. Was war hier los? Eben war er noch… ja, wo? Da durchzuckte ihn ein Gedanke und er blickte sich immer noch um sich schlagend um. „Kyana…?“
Re: Alagaësia.
Daydream - 03.03.2009, 18:30
Jakira tauchte nun auch wieder aus der Schneewehe auf und das erste, was ihr einzufallen schien, war die Frage, ob sie ihm wehgetan habe. Dieses Mädchen wurde einem ja fast schon unheimlich.
„Halb so wild“, murmelte Kai geistesabwesend und blickte sich um, während er mal wieder versuchte, Riya zu erreichen – was natürlich nicht klappte. Ganz kurz kam ihm das Bild seines toten Drachen in den Sinn, das er vorhin gesehen hatte, aber das verdrängte er schnellstens wieder. Wenn Riya tot wäre, würde sich das bestimmt anders anfühlen. Jedenfalls würde er es wissen. Vermutlich waren diese ganzen Bilder sowieso nur Halluzinationen gewesen, die Bilder von der verlorenen Schlacht, seiner Flucht, den Hinrichtungen und Kerkern… Halluzinationen, die ihm eine Zukunft zeigten, die theoretisch sogar wirklich eintreten konnte.
Ruckartig stand Kai auf, um sich auf andere Gedanken zu bringen, und klopfte sich das weiße Zeug von der Kleidung, wobei ihm endlich klar wurde, was dieses ‚Zeug’ überhaupt war: Schnee. Dadurch, dass er den Großteil seines Lebens in der Wüste verbracht hatte, hatte er natürlich noch nie welchen gesehen, nur davon gehört. Und jetzt, wo mehr als genug Schnee in der Gegend herumlag, musste Kai zwar zugeben, dass er recht hübsch aussah, wie er so die Berggipfel bedeckte, seiner Meinung nach konnte man jedoch gut auf ihn verzichten. Seine Füße waren jetzt schon eisig kalt und in ihrer Kleidung, die für die Schlacht in der Wüste gedacht war, würden sie hier mit Sicherheit in Null Komma Nichts erfrieren (die Todesursache, die Kai sich am wenigsten wünschte. Überhaupt hatte es nicht so kalt zu sein, schon gar nicht tagsüber.)
Man konnte also sagen, dass die Situation mehr als ungünstig war, um nicht zu sagen absolut bescheiden. Ihnen blieb vermutlich nichts anderes übrig als zu versuchen, von diesem Berg herunterzusteigen, schon um in Bewegung zu bleiben. Vielleicht konnten sie auch unterwegs etwas auftreiben, womit sich ein Feuer machen ließ.
Aus diesem Grund watete Kai durch den gut kniehohen Schnee auf den Abhang zu, an dem es auf den ersten Blick einfach nur steil bergab ging. Als Kai genauer hinsah, glaubte er allerdings, so etwas wie einen schmalen (zugeschneiten) Pfad zu erkennen oder zumindest etwas, was man als solchen verwenden konnte. Das Ganze würde vermutlich trotzdem eine ziemliche Klettertour werden, aber es war sowieso die einzige Möglichkeit.
„Hier könnten wir runter“, sagte Kai also, sich halb zu Jakira umdrehend. „Ist wahrscheinlich besser als hier oben zu versauern.“ Oder auch zu erfrieren, fügte er in Gedanken hinzu.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 05.03.2009, 00:20
Halb so wild.
Zum Glück. Erleichtert atmete Jakira aus, und kalter, weißer Dampf bildete sich vor ihrem Gesicht, der jedoch fast sofort wieder verschwand.
Bei jedem ihrer Atemzüge bildeten sich diese kleinen Nebelwolken, und so faszinierend die Reiterin das auch fand, sie hätte gerne darauf verzichten können, wenn es etwas wärmer wäre.
Kai war inzwischen aufgestanden und hatte sich ebenfalls den Schnee von der Kleidung geklopft, während er nun durch den Schnee auf einen Abhang zu stapfte.
Jakira wollte ihm folgen, als sie jedoch einen Fuß vor den anderen setzen wollte, bemerkte sie, dass sie schon fast eingefroren war und sie ihre Gliedmaßen nur noch schwer bewegen konnte. Sie schüttelte sich und machte sich dann daran, so schnell wie nur möglich hinter dem Jungen herzulaufen - allein schon, um sich überhaupt irgendwie zu bewegen. Die Kälte schmerzte in den Knochen, und das Mädchen wusste nicht, wie lange es das durchhalten würde.
Hier können wir runter. Ist wahrscheinlich besser als hier oben zu versauern, meinte Kai, und Jakira konnte aus seiner Stimme hören, dass es ihm auch nicht viel besser ging als ihr.
"Hmmhmm", nickte die Reiterin und hauchte sich in die kalten Hände, rieb sie gegeneinander, was allerdings nicht wirklich etwas brachte - außer Schmerzen. Aber Schmerzen zeugten immerhin davon, dass sie noch lebte und noch nicht vollständig zu Eis erfroren war. Das war gut. Denn sie hatte wirklich keine Lust auf abgebrochene Finger oder...
Nein. Nicht dran denken, fuhr sie sich an und machte sich, so schnell das bei dieser hohen Schneedecke möglich war, an den Abstieg. Hoffentlich stolperte sie nicht irgendwann und fiel hin. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passieren würde, war allerdings ziemlich hoch. Eigentlich wäre es ja nicht so schlimm, schließlich passierte ihr das ständig - aber sie bezweifelte, dass sie die Kraft besitzen würde, wieder aufzustehen und weiter zu gehen.
Re: Alagaësia.
Daydream - 07.03.2009, 23:12
Kyana folgte Sed nach rechts, da es, wie gesagt, sowieso egal war, wo sie langgingen. So liefen sie eine ganze Weile schweigend durch den Nebel, während Kyana weiter darüber nachdachte, was das für ein merkwürdiger Ort war und wie sie hier bloß wieder wegkommen sollten. Ob noch mehr Leute außer Sed und ihr hier gelandet waren?
Die Elfe warf einen Blick zu ihrem Begleiter hinüber, der gerade dazu anzusetzen schien etwas zu sagen –
Dann ging plötzlich alles ganz schnell.
Hinter Sed wurde es auf einmal dunkler, die Nebel schienen sich zu verdichten und wurden zu einem Wirbel, der ihn ansaugte, schneller als er überhaupt merken konnte, was geschah, und schneller als Kyana reagieren konnte: Ihre blitzschnell zupackende Hand schloss sich nur noch um Luft. Im nächsten Moment verlor sie selbst den Boden unter den Füßen und wurde kopfüber in das schwarze Loch hineinkatapultiert.
Wie schon zuvor fiel sie durch ein vollkommenes Nichts, raste einem imaginären Abgrund entgegen. Doch schon kurze Zeit später verschwand die Schwärze um sie herum, die Stille wurde zum Lärm einer Schlacht, die Dunkelheit zum gleißenden Licht der Sonne, die hoch über den Kämpfenden stand.
Kyana erwartete schon, sich gleich im Sand wiederzufinden – vielleicht hatte sie einen Sonnenstich bekommen und halluziniert? – aber stattdessen sah sie… sich selbst.
Eine blonde Elfe, die mitten zwischen den feindlichen Soldaten mir ihrer blauen Klinge einen Kreis des Todes um sich zog.
Das Bild verschwand. Stattdessen sah sie jemanden auf dem Boden liegen, tot – Königin Islanzadi.
So plötzlich es aufgeblitzt war, so plötzlich war es erneut einer anderen Szene gewichen, die der ersten ähnelte, aber doch anders war. Kyana konnte von weit oben fast das gesamte Schlachtfeld überblicken, das von Leichen nur so übersäht war. Kaum noch Elfen standen auf den Beinen, die wenigen hatten sich in kleinen Gruppen zusammengefunden, die nur noch um ihr Überleben kämpften.
Eine dieser Gruppen wurde nun größer gezeigt und da erkannte Kyana wieder sich, einen Kreis Rücken an Rücken mit vielleicht zehn anderen bildend. Die andere Kyana warf einen kurzen Blick zum Himmel, aus dem sich Shuran mit Zähnen und Klauen auf die Soldaten hinabstürzte. Gleichzeitig begannen die Elfen zu rennen, Kyana als letzte.
Diesmal ein ganz anderer Anblick. Sie hockte auf dem Boden, neben sich Jakira, und hielt die Hand mit der Gedwey Ignasia über eine schreckliche Verletzung Yades. Dem kleinen, silber-weißen Drachen fehlte ein Bein.
Gitterstäbe, Kerkerwände, leises Stöhnen. Dutzende von Gefangenen, deren Schicksal nur Folter und Tod sein konnte.
Wie um ihre Vermutung zu bestätigen, ein Hinrichtungsplatz mit mehreren Galgen, von denen gerade Tote heruntergenommen wurden. Die Schlange der Wartenden schien gar kein Ende zu nehmen…
Rasch darauf grausige Schreie. Folterinstrumente und gefühlskalte Personen, die sie benutzten. Blut, überall…
Für einen Sekundenbruchteil glaubte Kyana Comorels Gesicht aufblitzen zu sehen, schmerzverzerrt, und das hämische Grinsen eines Schatten. Sie wollte die Hand ausstrecken, um ihm zu helfen, aber da war das Bild schon wieder verschwunden.
Feuer. Prasselnde Flammen, überall, sie fraßen sich in das Holz der stolzen Kiefern, die einmal Ellesméra dargestellt hatten.
Wieder sie selbst, diesmal auf Shuran, und neben ihr Tera auf Zarion und Lucy auf Lune. Anscheinend berieten die drei Reiterinnen sich über irgendetwas und deuteten zwischendurch immer mal auf die Stadt im Hintergrund, Uru’baen.
Dann kämpften sie – und zwar gegen niemand Geringeren als Galbatorix. Das Geschehen schien schneller abzulaufen als normal, deswegen konnte Kyana nicht sagen, was genau geschah, aber plötzlich schleuderte Galbatorix Zarion mit einer magischen Attacke weg von sich und seinem Drachen und dieser stürzte zu Boden, regelrecht zerfetzt…
Kyana sah nicht, wie Lucy und Tera davonkamen, aber sie selbst klammerte sich bei der Flucht an eine von Shurans Rückenzacken, während dieser mit merkwürdig holprigen, unkoordinierten Flügelschlägen davonflog. Steckte da nicht irgendetwas in seinem linken Flügel…?
Sie hockte auf dem Boden, eine Hand auf Shurans Stirn, der selbst lag und sie aus seinen gelben Augen traurig anblickte. Ein Elf machte sich an seinem Flügel zu schaffen. Und nun hörte sie seine Stimme, so laut als hätte er ihr ins Ohr gebrüllt, und seine Worte waren wie ein Schlag ins Gesicht. „Ich glaube nicht, dass er je wieder fliegen wird“, sagte der augenscheinliche Heiler. „Und wenn die Ausbreitung nicht aufgehalten werden kann, wird er sterben. Es tut mir Leid.“
Gejagte Elfen, gequälte Zwerge, vollkommen unterdrückte Menschen. Freiheit gab es keine mehr in Alagaësia.
Alte Asche bedeckte immernoch den Waldboden, die Bäume waren tot. Die Kyana, die sie hier sah, unterschied sich sehr von ihr und das nicht, weil ihre Haare ein gutes Stück kürzer waren oder weil ihre Haltung irgendwie erwachsener wirkte – Es waren ihre Augen, die nur Trauer, Mut- und Hoffnungslosigkeit ausstrahlten, auch, als sie vorsichtig den winzigen Schössling einer Kiefer ausgrub und an eine Stelle pflanzte, die von der Sonne besser erreicht wurde. In der Nähe befand sich ein provisorisch zusammen gezimmerter Unterschlupf, in dem sie umrissartig noch jemanden erkannte, und in einer Höhle lagen nebeneinander Shuran und Yade.
Andere Drachen kreisten am Himmel, jung und stark, aber mit kalten Augen, auf ihnen Reiter, die pure Grausamkeit ausstrahlten -
Der plötzliche Aufprall auf einer Oberfläche trieb Kyana die Luft aus den Lungen und sie merkte, wie ihre Kleidung und Waffen sie nach unten zogen. Sie befand sich unter Wasser.
Luft. Ich brauche Luft, dachte sie einigermaßen panisch und unterdrückte den Drang, ziellos um sich zu schlagen. Stattdessen begann sie mit kräftigen Zügen in die Richtung zu schwimmen, von der sie glaubte, dass dort oben war.
Endlich stieß ihr Kopf durch die Wasseroberfläche und die Elfe schnappte nach Luft, auch wenn gleich darauf wieder eine Welle über sie hinwegschwappte.
Prustend und wassertretend versuchte Kyana sich umzublicken. Nach dem salzigen Geschmack auf ihren Lippen zu urteilen, befand sie sich im Meer. Und nun entdeckte sie einen braunen Haarschopf zwischen den Wellen, in dessen Richtung sie versuchte zu paddeln.
„Sed! Hier drüben!“
Re: Alagaësia.
Daydream - 15.03.2009, 13:46
Jakira gab ein zustimmendes Geräusch von sich, wobei sie in etwa genauso zu frieren schien wie er. Also machte Kai sich an den Abstieg. Dieser stellte sich als etwas schwieriger heraus als erwartet, da man sich nirgendwo festhalten konnte und die ganze Zeit durch diese elend hohe Schneedecke waten musste. Außerdem wurde der Hang nach einer Weile noch etwas steiler; es war letztendlich ein großes Glück, dass Kai jegliche Höhenangst verloren hatte, seit er regelmäßig mit Riya flog.
Auf einmal gab etwas unter seinem Fuß nach, er landete im Schnee und schlitterte das letzte Stück nach unten, wo er unsanft aufkam. Verdammte Berge. Verdammter Schnee. Scheiß Kälte.
Genervt rappelte er sich wieder hoch und sah sich um. Sie befanden sich in einer Art kleiner Talsenke. Auf den ersten Blick war alles nur weiß, schließlich waren sie von schneebedeckten Hängen umgeben, aber dann entdeckte Kai etwas Dunkles am Fuß eines dieser Hänge: eine kleine Höhle. Wenn sie nun noch etwas fanden, womit sich ein Feuer machen ließ, würden sie möglicherweise doch nicht erfrieren - zumindest nicht gleich.
Besorgt rieb Kai sich die steifen Finger, die langsam eine bläuliche Färbung annahmen, was ihm nur mit Schmerzen quittiert wurde (was aber immerhin bedeutete, dass sie noch nicht abgefroren waren). Dann wartete er, dass Jakira ebenfalls unten ankam. Er wollte noch nicht darüber nachdenken, wie sie überhaupt hier wegkommen sollten...
Re: Alagaësia.
Sammy - 15.03.2009, 22:08
Die Drachenreiterin neben dem Elf machte eine nicht sehr ernst klingende Bemerkung, dass sie ihn schon richtig vermisst hätte. Kleophas war etwas enttäuscht über den sarkastischen Tonfall, doch er versicherte sich, dass dieser auch nur aufgrund ihrer schlechten Situation und der entsprechenden Laune so ausgefallen sein könnte.
Interessiert fragte er sich, ob sie dieselben Bilder wie er gesehen hatte und wenn nicht, ob sie überhaupt etwas in der Art erlebt hatte. Falls sie dasselbe gesehen haben sollte, wäre das ihm allerdings ziemlich unangenehm.
Diese Vision, diese Bilder hatten ihn gezeigt – wie er feige davonlief und alle im Stich ließ.
Wie er zusammenbrach.
Wie er weinte.
Er erschauderte leicht, dann sprach Tera wieder zu ihm: "Da du wahrscheinlich auch keine Ahnung hast, wo wir uns befinden, werde ich mich jetzt ein wenig umschauen. Was du machst, ist deine Sache."
Und wie gesagt so getan, sie trat aus der Gasse auf die dahinterliegende Straße hinaus. Hastig zog Kleophas sich seine Kapuze tief ins Gesicht und folgte ihr so lautlos, wie es eines Elfen würdig war. Vor ihnen breitete sich eine sehr belebte Straße aus, auf der einige Menschen verkehrten. Der Elf betrachtete eingehend jedes Detail, dass er von seinem Standpunkt aus erkennen konnte. Es war eine ziemlich normale Stadt, die sich wie es schien durch nichts Besonderes auszeichnete. Vielleicht war er schon einmal hier gewesen, vielleicht auch nicht. Das war schwer zu sagen. Einige Einzelheiten allerdings störten ihn – sie schienen nicht ganz hierher zu passen. Oder sie waren ihm schlicht nicht vertraut.
Vielleicht ist es das. Das hier ist die Zukunft. Manche Dinge haben sich weiterentwickelt. Die einzigen Elemente, die hier nicht reinpassen, sind wir. Kopfschüttelnd folgte er der Reitern, die sich nun einer Hauswand näherte. Er hoffte inständig, keine allzu große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – man erkannte zwar sein Gesicht und ganz besonders seine Ohren unter der Kapuze nicht, aber eben diese Vermummtheit erschien bestimmt nicht sehr vertrauensselig.
Was soll’s. Das hier ist höchstwahrscheinlich eine größere Stadt unter Galbatorix’ Regime und ich muss verdammt vorsichtig sein, aber düstere Gestalten wandeln halt von Zeit zu Zeit umher… Sie müssen nicht unbedingt gleich rebellisch sein. Eher kann ich mir vorstellen, dass ihrer dunklen Seele entsprechend auch ein paar der höheren Tiere unter Galbatorix solch einem Äußeren zusprechen.
Kleophas lenkte seine Aufmerksamkeit auf das Objekt vor ihm, dem sich auch Tera zugewandt hatte – einer mit Zetteln beklebten Wand. Die großen, schwarzen Lettern, die wieder und wieder das Wort ‚WANTED’ formten, stachen ihm sofort ins Auge. Es war jedes Mal das gleiche Schema – die große, schwarze Überschrift, darunter variierende Geldbeträge und dann Skizzen von irgendwelchen Personen, unter denen die Vergehen dieser aufgelistet waren. Kleophas erstarrte, während zwei der Bilder seinen Blick auf sich zogen. Auf dem einen, abgebildet unter einer irrwitzig hohen Geldsumme, war das Gesicht von Tera, der Drachenreiterin, zu erkennen. Das Bild entsprach nicht ganz der Realität, aber stellte ganz klar sie dar. Dann, auf der anderen Skizze – wären da nicht die stark schattierte Haut und die unverkennbaren Augen gewesen, hätte er es nicht sofort erkannt – war er selbst abgebildet. Oder so was in der Art, denn das Bild zeigte eben jenen Kleophas mit den kurzen Haaren, den er in der Vision gesehen hatte. Sein Blick war ziemlich grimmig und die Gesichtszüge sahen eher menschlich als elfisch aus – was wohl daran lag, dass der Zeichner anscheinend nicht genau wusste, wie Elfen aussahen. Aber er war es. Und die Gefahr, in der sie schwebten, machte sich just in dem Moment bemerkbar, in dem Kleophas sich erkannt hatte.
Schwere Schritte erklangen, begleitet von dem metallischen Klappern von Rüstungen. Tera reagierte sofort und wirbelte herum, Kleophas blieb aus voller Absicht reglos stehen.
„Hey, ihr da, was glotzt ihr denn so? Wenn ihr die Typen schon mal gesehen habt, müsst ihr…“ Der Soldat, dem die Stimme gehörte, verstummte. Kleophas merkte, dass es keinen Sinn mehr hatte, mit dem Gesicht zu der Wand stehen zu bleiben. Mit einer schnellen, fließenden Bewegung wandte er den Blick in dieselbe Richtung wie die Drachenreiterin neben ihm. Der Blick des Sprechers wanderte leicht irritiert von den Postern in die Gesichter der vermeintlichen Verbrecher. Die anderen hielten ihre Aufmerksamkeit nur auf sie gerichtet. Kleophas sah das Erkennen in dem Gesicht des Mannes, der eben die Stimmte erhoben hatte.
Trotzdem schaute dieser noch einige Male zu den Postern hinüber – vermutlich konnte er sein „Glück“ und die Dummheit der vor ihm Stehenden nicht fassen. Eine Kralle seines Drachens bohrte sich schmerzhaft in seinen Hals.
Kleophas schluckte.
Es waren mehr, als er erwartet hatte.[/i]
Re: Alagaësia.
Nightmare - 21.03.2009, 16:49
Natürlich stolperte sie doch. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern gefühlte fünfzig mal.
Durch den vielen Schnee konnte Jakira nicht sehen, wo genau sie hintrat - und irgendwie trat sie immer genau da hin, wo Steine unter der hohen Schneeschicht verborgen waren.
Der einzige Grund, aus dem sie immer wieder aufstand, war der vor ihr herlaufende Kai, den sie unter keinen Umständen aus den Augen verlieren wollte. Alles war besser, als hier alleine zu sein.
Viel mehr als das ständige Hinfallen machte ihr jedoch die Aussicht zu schaffen.
Anfangs war noch alles in Ordnung gewesen, aber nach einiger Zeit war der Hang steiler geworden, und zwar so steil, dass es ziemlich tief bergabging. Somit war die Reiterin nicht nur damit beschäftigt, nicht hinzufallen, sondern viel eher damit, den Blick nicht von der weißen Schneefläche oder von Kais Rücken abzuwenden. Noch nicht mal etwas zum Festhalten gab es hier.
Und egal mit welchen Dingen sie auch versuchte, sich abzulenken, ihr kamen immer wieder Bilder von eingefrorenen Leichen, Körpern mit verdrehten Gliedmaßen oder von Händen ohne Finger in den Kopf.
Nach einer scheinbar unendlich langen Zeit rutschte Kai ein paar Schritte vor ihr die letzten Meter in eine kleine Talsenke hinunter.
Vorsichtig, damit sie nicht schon wieder ausrutschte, folgte sie ihm, bis sie dann - endlich, endlich! - neben ihm stand.
Der Reiter sah sich um, und sein Blick schien an etwas hängen zu bleiben. Kurz darauf sah auch sie es: Eine kleine Höhle am Fuße eines Hanges.
Konnte das etwas wie eine Rettung für sie sein?
Nein, nicht wirklich. Sie brauchten Holz, denn ohne Holz konnten sie kein Feuer machen. Aber wo sollten sie das her bekommen?
Jakira ließ den Blick schweifen, und in einiger Entfernung sah sie einige wenige zugeschneite Tannen. Sie hatten wohl die Baumgrenze erreicht.
"W-wir sollten Holz holen... oder?", meinte sie, erschrocken, wie seltsam ihre eigene Stimme klang, und sah fragend zu ihrem Gefährten.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 09.05.2009, 22:02
Der Elf war schlauer gewesen. Er war einfach stehen geblieben und hatte sich nicht gerührt, wahrscheinlich in der Hoffnung, die Soldaten würden sie gar nicht erst bemerken. Das ärgerte Tera doch ziemlich, und sie verfluchte sich für ihre übereilige Reaktion, als sie die vielen Männer sah, die ihr jetzt gegenüberstanden.
Sie hätten sich sowieso bald gefragt, warum da ein Drache auf der Schulter von dem Kerl sitzt, tröstete sie sich und starrte den Soldaten an, der, nachdem er erkannt hatte, wer da vor ihm stand, noch ein paar mal ungläubig von der Plakatwand zu ihnen und wieder zurück schaute, bis sich ein breites, dreckiges Grinsen auf seinem Gesicht breit machte.
"Wen haben wir denn da...", sagte er in einem spöttischen Tonfall und baute sich breitbeinig vor ihnen auf, anscheinend vollkommen von seiner Überlegenheit überzeugt. Lange würde er das nicht mehr sein, dafür würde sie schon sorgen. Insgesamt waren es vielleicht zwanzig Soldaten - mit denen wurde sie doch spielend fertig, selbst wenn sie keine Unterstützung von Kleophas bekam - wovon sie ausging. Eher würde der kleine Drache ihr zur Hilfe kommen.
"Ihr seid festgenommen. Wenn ihr euch kampflos ergebt, wird euch nichts passieren", grinste er sie an, und man hörte am Klang seiner Stimme, dass in diesen Worten kein Funken Wahrheit steckte. Natürlich würde ihnen etwas passieren - sie würden zu Galbatorix gebracht werden, verhört, gefoltert und dann irgendwann, wenn sie zu nichts mehr nützlich waren, umgebracht werden. Vielleicht. Tss. Das der Kerl es überhaupt wagte, ihr so ein Angebot zu machen..!
"Natürlich", sagte sie mit einer Portion Sarkasmus in der Stimme. "Ich glaube, du hast sie nicht mehr alle. Warum sollte ich mich ergeben, wenn es viel einfacher ist, euch einfach umzubringen?"
Mit diesen Worten zog sie ihr Schwert aus der Scheide - die schwarze Klinge war immer noch befleckt vom Blut der Schlacht - und griff den Mann, der eben gesprochen hatte, an. Zu ihrer Verwunderung prallte der Angriff an einer Blockade ab. Magie. Scheiße.
Der Soldat hatte in der Zwischenzeit selbst sein Schwert gezogen, genau wie einige seiner Gefolgsleute, und begann jetzt seinerseits mit den Worten "Wie du willst!" sie zu attackieren - und wahrscheinlich auch den Elfen, doch davon bekam sie nicht mehr allzu viel mit, denn sie war bereits umstellt. Während sie versuchte, den Angriffen der Männer auszuweichen, was an sich schon ein Problem war, da sie nie sehr viel an ihrer Verteidigung geübt hatte, und ihren eigenen Schutzzauber aufrecht zu erhalten, suchte sie mit dem Geist die Soldaten nach einem Magier ab. Es dauerte etwas, bis sie ihn gefunden hatte, doch dann begann sie mit Versuchen, seinen geistigen Schutzwall zu durchbrechen. Der Magier war erstaunlich stark, genau wie die Soldaten - hier hatte sie es nicht mit den einfachen Männern aus der Schlacht zu tun, von denen die meisten zum ersten mal eine Waffe in den Händen hielten - das hier waren Elitesoldaten. Und das war ein Problem. Nach den vielen Kämpfen, bei denen es ihr ziemlich einfach gefallen war, ihre Gegner zu töten und bei denen die einzige Schwierigkeit darin lag, dass recht viele auf einmal kamen, hatte sie hier das Problem, dass sie stark waren. Leider waren es auch viele. Und sie hatten einen Magier dabei. Also praktisch alle ungünstigen Faktoren, die man sich nur wünschen konnte, es fehlte nur noch, dass Galbatorix selbst auftauchte. Das alles machte die Sache zwar interessant, aber zugleich auch verdammt gefährlich. Trotzdem war sie noch recht optimistisch, den Kampf für sich zu entscheiden, sie war ja nun wirklich keine blutige Anfängerin mehr. Ein paar leichte Treffer hatte sie schon einstecken müssen, aber noch hielt ihr Schutzzauber und in der geistigen Mauer des Magiers schien sie eine kleine Schwachstelle gefunden zu haben, die sie jetzt bearbeitete. Wenn sie den erstmal tot hatte, würde der Rest ein Kinderspiel werden.
Nun ja, nicht ganz, die Soldaten konnten recht gut kämpfen, aber die Chancen standen gut.
Re: Alagaësia.
Sammy - 02.06.2009, 20:46
Auf seinen Ruf hin schien eine Stimme zu antworten, doch Sed verstand weder, was sie sagte, noch war er sich sicher, ob er sie sich nicht nur einbildete – es war einfach zu laut und er hatte Wasser in den Ohren.
Der braunhaarige Junge befand sich nämlich, so viel wusste er im Moment, in einem salzigen Gewässer, einem sehr stürmischen Gewässer. Um ihn herum war alles irgendwie grau, das Wasser war grau, der Himmel war grau und überhaupt konnte er nicht recht zwischen diesen beiden unterschieden.
Sein schweres Kettenhemd und sein Schwert zerrten ihn immer mehr in die Tiefe, je intensiver desto stärker er versuchte, sich an der Wasseroberfläche zu halten.
Immer wieder schwappten Wellen über seinen Kopf hinweg, so dass er Sekunden lang glaubte, er würde endgültig in die Tiefe gezerrt. Der Angstfaktor spielte auch eine große Rolle, denn anstatt sich mit gleichmäßigen Zügen an der Oberfläche zu halten, trat und schlug er unkoordiniert auf das Wasser ein und versuchte prustend, genug Luft in seine Lungen zu bekommen.
Verdammt… oben bleiben! Argh, Sed, reiß dich- nein, nach oben, oben!
Unkontrolliert schossen die Gedanken durch seinen Kopf und in seiner Panik machte Sed die Situation nur noch schlimmer. Er spürte schon, dass seine Kräfte nachließen - viel schneller, als sie es sollten. In einem Moment der Klarheit schaffte er es, seine Bewegungen einigermaßen zu ordnen, um sich umzuschauen.
Tatsächlich verhängten viele graue Wolken den Himmel und ließen das Wasser ebenso trüb erscheinen. Verzweifelt warf Sed seinen Kopf hin und her, bis er tatsächlich eine Gestalt im Wasser erkannte – es war Kyana, die allem Anschein nach auf ihn zu schwamm.
„Hey, Kyana!“, rief Sed von Freude erfüllt, immer noch wassertretend.
Doch ehe er zu einer weiteren Tat fähig war, brachte die nächste Welle ein Stück Treibholz mit, dass ihn hart an der Schläfe traf. Bevor er sich noch darüber wundern konnte, woher das Holzstück kam, wurde ihm schwarz vor Augen und er verlor sein Bewusstsein...
Re: Alagaësia.
Daydream - 06.06.2009, 22:33
Sed rief ihr irgendetwas zu, was sie über das Tosen des Meeres hinweg nicht verstand. Statt darüber nachzudenken, konzentrierte sie sich lieber darauf, sich irgendwie weiter in seine Richtung zu bewegen, auch wenn sie den Eindruck hatte, dass die Wellen sie immer genau in die andere Richtung schubsten. Gleichzeitig wurde sie unerbittlich nach unten gezogen, vor allem von Schwert und Kettenhemd, die alles andere als zum Schwimmen geeignet waren.
Eine weitere Welle schlug über Kyanas Kopf zusammen und als sie keuchend wieder an der Oberfläche auftauchte, war der braune Haarschopf, an dem sie sich orientiert hatte, verschwunden. An seiner Stelle trieb nur noch ein Stück Holz auf dem Wasser, das sich nun wieder rasch von ihr entfernte.
Nicht in Panik geraten. Nicht in Panik geraten. Nicht in Panik geraten!
Ohne weiter nachzudenken – denn das hätte sie unweigerlich zu der Erkenntnis geführt, dass sie beide jämmerlich ertrinken würden – holte Kyana noch einmal tief Luft und tauchte unter, hielt im aufgewühlten Wasser Ausschau nach Sed und entdeckte ihn tatsächlich. Nur ein paar Meter von ihr entfernt sank er langsam Richtung Grund, offensichtlich bewusstlos. Hiermit sanken ihre Chancen zu überleben also gegen Null. Welch Ironie, von einer gigantischen Menge Wasser getötet zu werden, nachdem man kurz vorher noch halb ausgtrocknet in der Wüste gekämpft hatte.
Trotzdem tauchte die Elfe auf ihn zu, packte den Bewusstlosen unter den Achseln und schwamm, jetzt nur noch mithilfe ihrer Beine, zurück Richtung Oberfläche. Schon bald schrie ihre Lunge nach Luft, obwohl sie immernoch das Gefühl hatte, kein Stück von der Stelle gekommen zu sein. Komm schon, du schaffst das, redete sie sich ein, während ihre Bewegungen bereits langsamer wurden. Und als sie gerade dachte, dass sie es jeden Moment nicht mehr aushalten würde, brach sie doch noch durch die Wasserobefläche, woraufhin sie gleich von einer neuen Welle herumgeschleudert wurde.
Keuchend und prustend schnappte Kyana nach Luft, trat, schon längst über die Panik hinaus, Wasser und hielt Sed dabei krampfhaft fest, eine Hand unter seinem Kinn, um Mund und Nase über Wasser zu halten, wobei sie natürlich nicht verhindern konnte, dass immer wieder welches über ihre Köpfe hinwegschwappte.
Land… wo ist Land?
Verzweifelt drehte sie sich im Kreis, aber überall war nur aufgewühlte See und grauer Himmel - doch nein, halt. An einer Stelle glaubte sie vor dem Grau einen dunkleren Streifen zu sehen, der entweder eine Halluzination oder ein Ufer war.
In der Hoffnung auf letzteres schwamm Kyana in diese Richtung, auf dem Rücken, um Sed weiterhin oben halten zu können.
Eine ganze Weile später zwang Kyana ihre verkrampften Muskeln zu einem weiteren Schwimmzug und fragte sich, wie lange sie das noch durchhalten konnte. Sie wusste, dass dasLand ein ganzes Stück näher gekommen war, da sie sich immer wieder umdrehte, um sicherzugehen, dass sie noch in die richtige Richtung schwamm, aber das letzte Mal hatte sie festgestellt, dass vor ihren Augen die ganze Umgebung verschwamm. Auch jetzt tanzten dunkle Flecken durch ihr Gesichtsfeld und sog ein weiteres Mal hektisch Luft in sich hinein, bevor der nächste Schwall Salzwasser, den sie unfreiwillig schluckte, sie erneut zum Husten brachte. Nur der pure Selbsterhaltungstrieb und der Wunsch, diesen jungen Krieger zu retten, den sie eigentlich kaum kannte, brachten sie dazu, weiterhin gegen die Naturgewalten anzukämpfen.
Da spürte sie plötzlich Grund unter ihren Füßen.
Im ersten Moment konnte sie es kaum fassen, doch dann stand sie aufrecht imWasser und hätte vor ungläubiger Freude gelacht, hätte sie nur mehr als ein gequältes Husten herausgebracht. Immernoch reichte ihr das Wasser bis zur Brust, weshalb sie weiterwatete, Sed hinter sich herziehend.
Als sie dann endlich am Ufer angekommen war, konnte sie nichts mehr tun als Sed auf dem Sand abzulegen, sich dann selbst auf den Boden fallen zu lassen und die Augen zu schließen.
Immernoch schwappte ab und zu eine Welle über ihre Füße, aber das bemerkte sie gar nicht.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 07.06.2009, 00:17
Es war kalt und windig, aber immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Das Feuer, das sie angezündet hatte, brannte nur aufgrund ihrer Magie noch, und Tera fragte sich, warum sie sich nicht einen anderen Platz zum Rasten gesucht hatte. Aber aus irgendeinem Grund hatte das Meer sie angezogen.
Sie war aufgestanden und hatte beschlossen, den Strand entlang zu laufen. Wasserspritzer der hohen, ans Ufer brandenen Wellen spritzten ihr ins Gesicht, und der Wind wehte ihr die Haare im den Kopf. Es war in gewisser Weise schön, die Gewalt des Wetters zu spüren, aber seit seinem Tod hatte es nichts mehr gegeben, was sie wirklich mit Freude erfüllt hatte. Seitdem war das ganze Leben grau und trist geworden, und sie fühlte sich so einsam wie noch nie zuvor.
Seit so vielen Tagen, Woche, Monaten, ja seit Jahren reiste sie ziellos umher, ohne einen wirklichen Grund, und dennoch ständig verfolgt. Warum sie überhaupt noch lebte, wusste sie selber nicht genau. Aber sie glaubte, dass sie noch nicht Selbstmord begangen hatte, weil das aussehen würde, als ob sie davon laufen würde. Davon laufen würde vor Galbatorix, vor seinen Leuten, ja vor dem gesamten Leben. Und das wollte sie nicht. Sie wollte nicht sterben und dann so in Erinnerung bleiben.
Gerade zog sie es in Erwägung, wieder umzukehren und zum Feuer zurück zu kehren, um sich dann schlafen zu legen, als sie glaubte, menschliche Gestalten zu erkennen. Automatisch stellte sich ihr Körper auf Kampf ein - wie lange war es nun schon her, dass sie gegen einen richtigen Gegner gekämpft hatte? - doch ihr Verstand sagte ihr, dass das nicht sein konnte. Schließlich kamen die Gestalten aus dem Meer. Soweit sie das erkennen konnte, waren es zwei, die eine zog die andere durch die Wellen, schien aber auch schon ziemlich am Ende ihrer Kräfte zu sein. Tera überlegte kurz, ob sie helfen sollte, entschied sich aber dagegen. Was für einen Sinn hatte das? Wahrscheinlich waren es gewöhnliche Schiffsbrüchige, die sowieso nach wenigen Tagen an einer Lungenentzündung verrecken würden. Aber spaßeshalber beschloss sie, stehen zu bleiben und zu sehen, wie weit sie kamen. Vielleicht schafften sie es ja sogar an den Strand und fingen dann an, sie um Hilfe anzubetteln...
Durch den Wind und die hohen Wellen waren die beiden schon ziemlich nah am Strand, als Tera endlich erkannte,wer die beiden waren. Die bekannten Gesichter ließen einen Adrenalinschub durch ihren Körper fahren. Zuerst fragte sie sich, ob sie nicht halluzinierte - konnte bei so viel Einsamkeit ja durchaus sein, dass sie mittlerweile verrückt geworden war -, aber sie war sich doch sehr sicher, dass das da Kyana war, die sich an den Strand schleppte. Aber wer war der andere, den, den sie mit sich trug...?
Die Elfe schien sie nicht zu bemerken, stattdessen brach sie zusammen, sobald sie den ersten Fuß auf festen Boden gesetzt hatte. Der Mann, der jetzt neben ihr lag, kam ihr auch irgendwie bekannt vor, sie wusste nur noch nicht ganz, woher.
Eine Weile lang stand sie einfach da und starrte die beiden auf dem Boden liegenden Personen an, ehe sie sich entschloss, doch zu handeln. Sie hievte die beiden auf ihre Schultern - scheinbar waren beide bewusstlos und schienen auch nicht so bald wieder aufzuwachen - und ging den Weg, den sie gekommen war, wieder zurück. Glücklicherweise konnte sie einfach ihren Fußspuren zurück folgen.
Dank der Magie brannte ihr Feuer immer noch, als sie wieder an ihrem Lagerplatz ankam. Sie hatte sich etwas entfernt vom Strand unter ein paar Bäumen nieder gelassen, wo es glücklicherweise recht trocken war.
Sie legte die beiden, die auf Dauer doch recht schwer geworden waren, nebeneinander auf dem Boden ab und legte etwas Holz nach, sodass das Feuer wieder aufloderte. Sie untersuchte die beiden kurz auf äußerliche Verletzungen, atmen taten sie ja anscheinend. Der Mann hatte eine ziemlich große Platzwunde am Kopf - nicht tief, aber wahrscheinlich der Grund dafür, dass er bewusstlos geworden war. Als sie die Verletzung heilte - schwer war das glücklicherweise nicht - kam ihr plötzlich eine Erinnerung in den Kopf. War das nicht...? Nein, das konnte nicht sein. Sed war schon vor längerer Zeit gestorben. Aber je länger sie das Gesicht des Mannes betrachtete, desto sicherer wurde sie sich, dass er es war. Sie hatte ihn nicht gut gekannt, nur vom Namen her, aber sie war sich sicher, dass er irgendwann hingerichtet worden war. Wieso lebte er dann noch? Oder war er es doch nicht?
Und überhaupt, Kyana sah auch anders aus, als sie sie in Erinnerung hatte. Auch wenn Elfen nicht sichtlich alterten, sah sie doch irgendwie jünger aus. Nicht viel, aber doch so, dass sie es bemerkte. Bildete sie sich das doch alles ein?
Sie sollte erstmal etwas zu Essen besorgen. Dabei konnte sie ja weiter nachdenken.
Mit einem Reh auf der Schulter und ein paar Äpfeln und Beeren in den Taschen kehrte sie schließlich zum Feuer zurück. Sie hatte sich gerade noch daran erinnert, dass Kyana ja kein Fleisch aß, und diese Gewohnheit wahrscheinlich auch nicht eingestellt hatte, nachdem sie gerade das Reh geschossen hatte und schon wieder umkehren wollte. Anstatt mit Magie zu jagen, was viel einfacher gewesen wäre, war sie schon seit längerem wieder zur traditionellen Methode mit Pfeil und Bogen zurück gekehrt. Schlicht und einfach aus dem Grund, dass es interessanter war.
Sie legte das Grünzeug neben der Elfe ab und begann dann damit, das Tier auseinander zu nehmen. Als sie dabei wieder zu den beiden, immer noch bewusstlosen Gestalten hinüber sah, war sie sich sicher, dass es die waren, für die sie sie hielt. Wahrscheinlich hatte sie nur irgendwas falsch in Erinnerung, und dieser Sed war gar nicht gestorben.
Schließlich hängte sie das Fleisch an einem improvisierten Gestell zum Braten über das Feuer, den unbrauchbaren Rest ließ sie mit einem kurzen Wort in Flammen aufgehen, sodass nur etwas Ruß auf dem Boden zurück blieb. Seit wann war sie eigentlich so überaus hilfsbereit geworden?
Seit Zarion nicht mehr bei ihr war. Sein Tod und die immerwährende Einsamkeit hatten sie scheinbar grundlegend verändert.
Tera schnallte sich ihr Messer wieder an den Gürtel und starrte gedankenverloren in die Flammen, wartend, das das Fleisch fertig wurde und die beiden aufwachten. Aufwachten und ihr erklärten, was das ganze zu bedeuten hatte.
Re: Alagaësia.
Daydream - 07.06.2009, 01:18
Das erste, was Kyana wahrnahm, als sie langsam wieder zu Bewusstsein kam, war die Wärme, die von einem Fleck irgendwo rechts von ihr ausging, und als sie die Augen aufschlug, blickte sie direkt in die Flammen eines kleinen Lagerfeuers. Kurz darauf stieg ihr zusätzlich der unverkennbare Geruch nach bratendem Fleisch in die Nase, und die Elfe verzog leicht das Gesicht. Wo war sie? Was war überhaupt passiert?
Während sie sich langsam hochstemmte, erinnerten ihre immernoch schmerzenden Muskeln sie an letzteres. Richtig, sie und Sed waren irgendwie im Meer gelandet und sie hatte versucht, sich und den Bewusstlosen ans Ufer zu bringen. Aber was war dann passiert?
Leicht desorientiert ließ die Elfe den Blick schweifen, über das Feuer, über dem tatsächlich etwas gebraten wurde, über einen kleinen Haufen Äpfel und Beeren, der neben ihr lag, über den nach wie vor bewusstlosen Sed, der äußerlich aber unverletzt schien (die Person, die sie hergebracht hatte, musste seine Kopfverletzung geheilt haben), und schließlich hin zu der Gestalt, die auf der anderen Seite des Feuers saß.
Kyana brauchte ein paar Sekunden, um zu realisieren, wer diese Gestalt war, und noch ein paar, um sicherzugehen, dass sie nicht doch halluzinierte.
„Tera?“, fragte sie verdutzt und musterte ihr Gegenüber noch einmal genauer.
Das erste, was ihr auffiel, war, dass Tera die Haare offen trug. Sie hatte Tera noch nie mit offenen Haaren gesehen und das hätte sie schon genug gewundert, aber das war nicht das einzig Merkwürdige. Erst einmal waren da die vielen Narben, von denen Kyana sich sicher war, dass sie das letzte Mal, als sie Tera gesehen hatte, noch nicht dagewesen waren. Und dazu kam, dass die Reiterin auf irgendeine Art und Weise… älter wirkte. Es war nicht ihr Äußeres, das sich in dieser Hinsicht verändert hatte, es kam Kyana eher so vor, als hätte Tera in der Zwischenzeit eine Menge durchgemacht, durch das sie innerlich gealtert war – mehr durchgemacht als in den Jahrhunderten, die sie vorher schon gelebt hatte.
War etwa so viel Zeit vergangen, während sie in dieser seltsamen… Zwischenwelt umhergeirrt waren? War die Schlacht etwa schon vorbei, dass Tera sich so weit von der Wüste weg aufhielt? Oder war sie vielleicht auch irgendwie hierher befördert worden?
Kyana wusste nicht recht, welche Frage sie als erstes stellen sollte.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 07.06.2009, 02:41
Tera war so in ihren Gedanken versunken, dass sie fast nicht bemerkt hatte, dass eine der beiden Personen sich aufgesetzt hatte.
Es war Kyana, die sie nun noch etwas benommen ansah. Schließlich blitzte ein Erkennen in den Augen der Elfe auf - hatte sie sich so sehr verändert oder war sie einfach noch zu weggetreten? - und Kyana brachte ein "Tera?" hervor. Sie schien noch ganz die alte zu sein.
"Nein, bloß ihr Geist", sagte sie kühl und mit einer Spur Sarkasmus in der Stimme, während sie das Fleisch über dem Feuer wendete.
"Wie kommst du auf die idiotische Idee, bei dem Wetter schwimmen zu gehen? Und der Kerl da... Ist das nicht dieser Sed? Ich war der Meinung, er wurde hingerichtet. Seid ihr zusammen, oder warum schleppst du ihn mit dir durch die Gegend? Ach ja, da liegt was zu Essen für dich", sagte sie und bemerkte erst hinterher, wie tonlos und trocken ihre Stimme klang. Sie hatte seit langem mit niemandem mehr geredet, daran musste es liegen. Wahrscheinlich war es die Einsamkeit, durch die sie plötzlich so nett geworden war. Und so schrecklich redselig.
Wie lange trieb sie sich nun schon so durch die Gegend? Zehn Jahre? Noch länger? Es grenzte wirklich an ein Wunder, dass sie noch klar im Kopf war und noch nicht angefangen hatte, wie irgendeine Irre Selbstgespräche zu führen.
In ihrem Kopf taten sich noch so viele andere Fragen auf, die sie Kyana stellen wollte - Was war mit Shuran? Mit den anderen? Wo hatte sie gesteckt? - aber die wichtigen Dinge hatten erst einmal Vorrang. Vielleicht sollte sie doch wieder nach den anderen, verbliebenen Reitern suchen und irgendwie mit ihnen in Kontakt treten. Irgendetwas musste sie ja tun. Schließlich konnte sie nicht den Rest ihres Lebens damit verbringen, durch Alagaësia zu streifen und vor Galbatorix davon zu laufen.
Tera sah der Elfe über das Feuer hinweg an und wartete auf eine Antwort. Oder auf mehrere Antworten.
Re: Alagaësia.
Sammy - 07.06.2009, 03:17
Schneller als es ihm lieb war, stürzten die Soldaten auf Tera und ihn zu. Bei dem kurzen Wortwechsel der Drachenreiterin mit dem Wortführer der Soldaten war es Kleophas möglich gewesen, seine Armbrust zu laden und er schoss, nur um Zeit zu gewinnen, auf seine Gegner ein. Die Bolzen prallten an einem unsichtbaren Schutzwall ab, sowie es auch die Schwerthiebe der Soldaten an seinem taten.
Innerlich fluchte Kleophas eine ganze Reihe unanständiger Wörter vor sich hin, denn er hatte nicht nur kein Schwert, nein – die Soldaten wurden auch noch von einem recht starken Magier geschützt. Seine Offensive erstmal ruhen lassend steckte Kleophas noch mehr Kraft in seinen Schutzzauber und suchte mit seinem Geist unter der Menge vor ihm einen Magier.
Glücklicherweise war es auch nur einer und dieser war, nach Kleophas erstem Eindruck, auch nicht unbedingt stärker als er selbst. Tera selbst hatte schon angefangen, den Magier zu attackieren, und Kleophas eilte ihr seinerseits mit Angriffen auf dessen Geist zur Hilfe. Nach einigen mentalen Schlägen, die der Schutzwall noch aushielt, brach er schließlich zusammen und die beiden Drachenreiter konnten den Mann ohne weitere Hindernisse ausschalten.
Den zusammenbrechenden, außenstehenden Magier schienen die Soldaten nicht zu bemerken, sie hieben zumindest unbeirrt mit ihren Schwertern weiter auf die Gesuchten ein. Da er nun freie Bahn auf die ungeschützten Männer hatte, packte Kleophas auf der Suche nach einer Waffe eilig in eine seiner Jackentaschen. Seine Finger trafen auf etwas Hartes und er warf drei der willkürlich ausgewählten Waffen in die Luft. Die kleinen Gegenstände erfasste er mit seiner Magie und ließ sie in einer für Menschen kaum mehr verfolgbaren Schnelligkeit auf die Angreifer zusausen. Mit einem weiteren Fluch erkannte er, dass es Goldmünzen waren, die wohl eines früheren Beutezugs entstammten, doch ihr Flug war nicht mehr aufzuhalten und es war so oder so im Moment wichtiger, erstmal die Soldaten auszulöschen. Da es nun, wo sie magisch ungeschützt waren, kein allzu schweres Problem mehr sein sollte, sie zu töten, würde er vielleicht später noch die Gelegenheit haben, sie wieder einzusammeln.
Aber verdammt, es waren schon echt wertvolle Münzen gewesen. Seltene obendrein.
Sie trafen die Soldaten zwischen den Augen, genau dahin, wo sie es sollten, und zwar mit solch einer Wucht, dass es den Männern fast die obere Schädeldecke wegriss. Bevor noch mehr allzu wertvolle Gegenstände in Mitleidenschaft gezogen wurden, wollte Kleophas zu subtileren Mitteln greifen und sprach eine Todesformel, die die Soldaten schnell dahinraffen sollte.
Doch sein Zauber traf mit voller Wucht gegen einen neuen Schutzschild und er löste ihn auf, bevor er ihm all seine Kraft entziehen konnte. Voller Verwunderung stellte Kleophas erstmal seine Angriffe ein und sah sich, den schwertschwingenden Soldaten weiterhin so gut es ging ausweichend, um.
Auf der Straße waren rechts und links weitere Soldaten hinzugekommen – und allem Anschein nach in Begleitung von Magiern. Diese waren wahrscheinlich die schwarzgewandeten, als passive Zuschauer auftretenden zwei Männer, von denen jeweils einer von jeder Seite hergekommen war.
„Scheiße“, murmelte Kleophas zähneknirschend, „verdammte Scheiße.“
Re: Alagaësia.
Nightmare - 07.06.2009, 17:29
Viel fehlte nicht mehr, nur noch ein kleines bisschen, dann hatte sie den Magier fertig.
Da kam ihr jemand zur Hilfe - der Elf, nahm sie an - und somit war es wirklich nicht mehr schwer, in den Geist des Mannes einzudringen und ihn schließlich zu töten.
Ein siegessicheres Grinsen breitete sich auf dem Gesicht der Drachenreiterin aus, als sie anfing, die nun ungeschützten Soldaten richtig anzugreifen. Drei erschlug sie mit ihrem Schwert, zwei weitere ermordete sie mit Magie, als sie plötzlich etwas am Kopf traf. "Au!", fluchte sie und sah aus dem Augenwinkel etwas goldenes auf den Boden fallen, was ein helles Klingen von sich gab. Beim nächsten, schnellen Blick erkannte sie, dass es eine Goldmünze war, eine ziemlich wertvolle sogar, und von denen flogen noch ein paar mehr durch die Gegend.
Wer kommt denn verdammt nochmal auf die dämliche Idee, uns mit Münzen zu beschmeißen!?, fluchte sie innerlich, während sie den Angriff eines weiteren Soldaten mit ihrer Klinge abwehrte um ihm dann einen Tritt in die Magengegend zu verpassen.
Sie holte zum nächsten Schlag aus, mit dem sie einem ihrer Gegner den Kopf vom Hals trennen wollte, als sie hart zurückgestoßen wurde und durch den Aufprall ihres Schwertes fast hingefallen wäre. Verdammt, was sollte das denn jetzt schon wieder? Wohl ein neuer Schutzschild.
Aber wo...?
Sie machte einen Satz heraus aus der Soldatenmenge, bei dem sie ihre halbwegs gute Angriffsposition leider vollständig aufgeben musste, und erfasste mit einem schnellen Blick die Lage, als die Soldaten sie auch schon wieder angriffen. Ein neuer Trupp war gekommen, und er hatte gleich zwei Magier im Schlepptau, welche jetzt wohl die Kämpfer mit Schutzzaubern belegten. Scheiße. So eine Scheiße aber auch.
Sie hatte nicht damit gerechnet, noch mehr Gegner zu bekommen, und ihre Kräfte so aufgeteilt, dass sie für diesen Trupp reichte - aber nicht für einen zweiten von der gleichen Größe. Und keinesfalls noch mit zwei Magiern dazu. Wieso war auch Zarion nicht hier? Immer, wenn man ihn wirklich dringend mal brauchte, dann - ein Schlag traf sie hart an der rechten Schulter, sodass sie beinahe ihr Schwert verloren hätte. Ihr eigener Schutz begann bereits zu bröckeln. Sie prüfte kurz, wie viel Energie noch in ihrem Schwert steckte - viel war es nicht, sie hatte die nahezu alle Energie für die Schlacht benötigt.
Sie steckte wirklich in der Scheiße. Und auch wenn dieser Kleophas doch besser kämpfen konnte, als sie vermutet hatte - vor allem Magie schien er gut zu beherrschen - , musste sie wohl wirklich alles geben, um hier wieder lebend rauszukommen. Denn auf die Hoffnung, dass das alles doch nur eine Halluzination war, wollte sie sich lieber nicht verlassen.
Weglaufen sah leider auch schlecht aus. Am besten, sie versuchte, sich zu den beiden Magiern vorzukämpfen, dann konnte sie die beiden vielleicht irgendwie in ihrer Konzentration stören. Denn mittlerweile hatte zumindest einer von beiden schon begonnen, ihren Geist anzugreifen; der andere war wahrscheinlich mit dem Elf beschäftigt. Ihr Gegner war zwar nicht allzu stark, aber unglaublich ausdauernd. Zudem hatte er den Vorteil, dass er sich nicht nebenher noch mit Soldaten herumschlagen musste. Tera erkannte jedoch schnell, dass sich dieses Unterfangen als schlecht umzusetzen herausstellte. Ihre Gegner waren wirklich stark, und vor allem waren es jetzt noch mehr als am Anfang. Sie konnte ihren Schutzwall kaum noch aufrecht erhalten und musste deshalb den meisten Angriffen ausweichen, was Zeit und Kraft kostete. Nebenbei noch die Angriffe des Magiers abzuwehren war eine wirklich harte Aufgabe, und ihr wurde schmerzlich bewusst, wie sehr sie aus der Übung gekommen war, was richtige Kämpfe anging.
Und dann pasierte das, was sie die ganze Zeit versucht hatte, zu vermeiden. Sie war einen kleinen Moment unaufmerksam gewesen, und einer der Soldaten hatte es geschafft, ihren Schild mit einem heftigen Schlag zu durchbrechen. Noch bevor sie ihn wieder herstellen konnte, spürte sie, wie eine Klinge einen langen Riss in ihren Rücken schnitt. Der Schmerz fuhr wie Feuer durch ihren Körper, doch die Reiterin schaffte es, ihn weitgehend zu ignorieren.
Verdammt! Verdammt, verdammt, verdammt!, schoss es ihr durch den Kopf. Ihre Bewegungen wurden hektischer, was nur dazu führte, dass bei jeder ihrer Bewegungen ein noch schärferer Schmerz durch ihren Oberkörper fuhr.
Ruhig bleiben. Ganz ruhig.
Tera versuchte, sich wieder zu sammeln, ihre Konzentration aufrecht zu erhalten und den Schild wieder vollständig aufzubauen. Doch eine heftige, plötzliche Attacke des Magiers auf ihren Geist ließ ihren Schutzschild nun komplett zusammenbrechen. "Scheiße!", fluchte sie, entschloss sich dann aber, die Sache mit dem Schild sein zu lassen und sich stattdessen mehr auf das Kämpfen zu konzentrieren. Jetzt bekam sie erst wirklich die Stärke der Männer zu spüren. Schon nach wenigen Atemzügen hatte sie etliche Kratzer und ein recht heftig blutendes Knie.
Aber noch hatte sie nicht verloren. Sie hatte schon heftigere Situationen überstanden. Eine schnelle Orientierung sagte ihr allerdings, dass sie kein Stück näher an die beiden Magier herangekommen war. Wo Kleophas war, konnte sie nicht ausmachen, aber sie schätzte, dass er auch ziemliche Probleme hatte - sofern er nicht schon längst als Leiche auf dem Boden lag. Zutrauen würde sie es ihm.
Langsam schien sich ihre Lage wieder zu bessern. Tera konnte den meisten der Angriffe ausweichen und arbeitete sich langsam, aber beständig auf die Männer mit den schwarzen Umhängen zu, auch wenn ihre Kräfte sich dem Ende entgegen neigten. Doch ihre Verteidigung war noch nie gut gewesen. Und das war sie auch heute nicht.
In ihrem Rücken war plötzlich ein großer, hochgewachsener Mann, und noch ehe sie sich umdrehen konnte, stach er zu. Erschrocken sah Tera, dass eine Klinge aus ihrer rechten Schulter ragte. Noch ehe sie wirklich begreifen konnte, was das bedeutete, wurde sie auch schon wieder heraus gezogen, und dann kam der Schmerz. Die Drachenreiterin schrie auf, ihr Schwert fiel klirrend zu Boden und sie war entwaffnet. Fast betäubt von dem Schmerz - hatte die Klinge wiederhaken gehabt!? - bückte sie sich reflexartig nach ihrer Waffe, bekam dabei aber einen Tritt in die Seite und landete auf dem Rücken. Sie tastete nach ihrer Waffe, spürte den kühlen Griff und wollte zupacken - doch ihre Finger gehorchten ihr nicht mehr. Scheiße, Tera, was soll das? Tu was! Tu was...!
Der Magier griff immer noch unermüdlich ihren Schutzwall an. Die Soldaten hatten ein überlegenes Grinsen auf dem Gesicht, gleich würden sie zustechen. Dann war sie tot. Nein. Nein, das konnte doch nicht..!
"Garjzla", fauchte sie den Männern entgegen und kniff die Augen zusammen. Als sie sie wieder auf machte, hielten sich die Soldaten fluchend die Hände vor ihre Gesichter, was ihr genug Zeit verschaffte, sich wieder aufzurichten und mit ihrer linken Hand ihr Schwert zu packen. Allerdings hatte sie jetzt riskiert, dass man das Licht von weiter her gesehen hatte. Wenn jetzt noch mehr Soldaten kamen, war das wirklich das Ende. Aber sie durfte jetzt nicht verzweifeln. Sie musste weiter kämpfen, auch wenn es alles andere als gut um sie stand. Sie musste einfach.
Re: Alagaësia.
Daydream - 07.06.2009, 19:50
Reges Treiben herrschte auf den Straßen Teirms, schließlich war es ein Markttag und die Menschen wollten alle noch letzte Besorgungen erledigen, bevor die Sonne unterging, was aufgrund der späten Jahreszeit nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Die Schatten der Häuser waren bereits ein gutes Stück länger geworden und ein kühler Windhauch strich um die Ecken.
Für die Bewohner Teirms schien es ein ganz normaler Tag zu sein, doch einem wirklich aufmerksamen Beobachter mochte die einzelne Gestalt auffallen, die langsam und scheinbar gelangweilt die Straße entlang schlenderte, die Blicke mal zu diesem, mal zu jenem Stand wendend, die Waren jedoch nicht wirklich ansehend.
Die Gestalt war genau genommen eine junge Frau mit rückenlangen, leicht gewellten und an den Spitzen schließlich gekringelten dunkelblonden Haaren, die von einem schlichten schwarzen Stirnband aus dem Gesicht gehalten wurden, und wachen blauen Augen. Ihr brauner Umhang war an der rechten Schulter befestigt, so dass man das Schwert an ihrer Hüfte nur durch eine leichte Beule unter dem Stoff erahnen konnte, außerdem trug sie ein Oberteil in hellerem Braun, eine schwarze Hose und Stiefel.
Kyana glaubte, relativ unauffällig auszusehen. Ihre spitzen Ohren wurden wie zufällig vom Stirnband verdeckt, die Gedwey Ignasia von den fingerlosen Handschuhen, sogar das Schwert hatte sie vorsichtshalber noch in eine schlichte Scheide gesteckt und den Griff mit Stoff umwickelt. Auf diese Weise war bisher immer alles gut gegangen, wenn sie einen Ort betreten hatte – und auch jetzt hatte alles ganz gut funktioniert, seit sie ihr Versteck in Du Weldenvarden verlassen hatte, um der Spur zu folgen, die sie hoffentlich zu einem Gegenmittel für Shurans Vergiftung führen würde.
Noch hatte sie nicht aufgegeben, auch wenn sie schon fast fünfzehn Jahre lang auf der Suche war. Jeden, der auch nur ein bisschen was von Heilkunst verstand, hatte sie um Hilfe gebeten. Jeden, den sie kannte, hatte sie um Rat gefragt. Alles, was ihr auch nur geringe Hoffnung versprach, hatte sie vergebens ausprobiert – Aber noch hatte sie ihren geliebten Drachen nicht aufgegeben. Auch wenn die Lähmung inzwischen nicht nur seinen Flügel, sondern auch Shurans Vorderbein befallen hatte und das hintere ebenfalls begann, steif zu werden…
Ein Geräusch ließ die Elfe aus ihren Gedanken aufschrecken, und zwar die gleichmäßigen Schritte und das leise Waffengeklirr einer Patrouille. Die Menschen hatten es noch gar nicht gehört, darum dachte sich wohl selbst jemand, der sie überhaupt beachtete, nichts dabei, als sie sich in den Schatten einer schmalen Seitengasse zurückzog.
Sie musste nicht allzu lange warten, bis der Trupp an ihr vorüber zog, alle im Gleichschritt und begleitet von einem schwarz gewandeten Magier, der anscheinend völlig von seiner Überlegenheit jeglicher Lebensform gegenüber überzeugt war – nun gut, vielleicht ausgenommen Galbatorix persönlich.
Kyana widerstand der Versuchung, den hochnäsigen Kerl auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, und wartete, bis die Soldaten vorbei waren, dann schlenderte sie in aller Seelenruhe wieder auf die Straße. Gerade wollte sie sich wieder der Richtung zuwenden, in die sie vorhin gegangen war, als sie auf einmal glaubte, in einiger Entfernung schon wieder Waffengeklirr zu hören. Doch diesmal war es nicht das Waffengeklirr eines marschierenden Trupps Soldaten, sondern das Klirren von Schwertern auf anderen Schwertern – Kampfgeräusche.
Einen Momentlang fühlte sie sich hin- und hergerissen, aber dann schaffte sie es doch nicht, das einfach zu ignorieren und wandte sich in die Richtung des Kampfes, jetzt etwas schneller laufend, wagte es allerdings nicht zu rennen, sondern ging noch einmal kurz in Deckung, als ein neuer Trupp Soldaten an ihr vorbeieilte, ebenfalls auf die Quelle der Geräusche zu, die nun immer lauter wurden.
Kyana fluchte leise und schlängelte sich durch ein paar Seitengassen, in die die Soldaten bestimmt keinen zweiten Blick werfen würden, bis ganz in der Nähe ein heller Lichtblitz in den Himmel schoss. Magie, das brauchte sie jetzt auch noch. Wenn das jetzt irgendwer war, den sie retten musste…
Es war irgendwer, den sie retten musste.
Endlich war Kyana am Schauplatz des Kampfes angekommen und konnte nicht fassen, was sie da sah. Umgeben von einem ganzen Haufen Soldaten kämpften zwei Gestalten um ihr Leben, von denen sie eine wegen der vielen Soldaten im Weg kaum erkennen konnte, doch die andere Gestalt war sehr gut auszumachen. Und es war Tera, die sich gerade wieder aufrichtete und ihr Schwert aufhob, jemand, den sie überhaupt nicht hier erwartet hatte. Es schien schlecht um sie zu stehen, sie blutete stark aus mehreren Verletzungen. Hatte sie nach Zarions Tod jetzt doch ihren Verstand verloren? War sie auf einer Art Selbstmordtrip nach dem Motto Wenn ich mich schon umbringe, dann will ich wenigstens noch möglichst viele Soldaten mitnehmen? Aber für die Antwort auf diese Frage war später Zeit.
Ohne noch weiter darüber nachzudenken fing Kyana jetzt doch an zu rennen und zog im Laufen ihr Schwert, während sie gleichzeitig den Geist eines der beiden Magier attackierte, der passiv am Rand des Kampffeldes stand. Jemand anders kämpfte auch schon mit ihm und dass sie ihn, als sie an ihm vorbeistürmte, nebenbei gegen eine Wand stieß, brachte ihn so aus der Konzentration, dass er im nächsten Moment überwältigt zusammenbrach.
Bereits den Geist des zweiten Magiers angreifend, blieb Kyana erst einmal nichts anderes übrig, als die Attacken der Soldaten abzuwehren oder sie zur Seite zu stoßen, da ihre eigenen Schwerthiebe noch von dem Schutzschild abprallten. Jedoch hatte sie sich bald bis zu Tera durchgekämpft, die in der Tat reichlich angeschlagen aussah.
„Folgt mir!“, rief sie so laut, dass hoffentlich auch der andere Kämpfer es mitbekam und versetzte dem zweiten Magier gemeinsam mit wem-auch-immer den Gnadenstoß, woraufhin der Schutz der Soldaten zusammenbrach.
Endlich schnitt ihre blaue Klinge durch Fleisch und Knochen, löschte mal wieder ein Leben nach dem anderen aus, dann hob die Elfe die freie Hand und rief: „Thrysta!“
Ein halbes Dutzend Soldaten, die ihr im Weg standen, brachen zusammen und sie fing an, loszulaufen, bewusst langsam, damit die anderen auf jeden Fall mithalten konnten.
Re: Alagaësia.
Sammy - 07.06.2009, 22:52
Als der braunhaarige Krieger aufwachte, schnappte er erstmal etwas panisch nach Luft, bis er bemerkte, dass er sich gar nicht mehr dabei war, zu ertrinken. Komisch.
Nachdem er das erkannt hatte, nahm er auch die Wärme wahr, die von irgendeinem Lagerfeuer auszugehen schien. Sed öffnete blinzelnd vorsichtig die Augen und blickte in einen sternenlosen Himmel – eindeutig derselbe, unter dem er noch vor Kurzem im Meer um sein Leben gerungen hatte. Oder wann auch immer das gewesen war.
Er wollte sich aufsetzen, doch bei dem Versuch schoss ein stechender Schmerz durch seinen Kopf und er fasste sich instinktiv an die Schläfe.
War da nicht etwas gewesen…? Achja, ihn hatte ein Stück Holz am Kopf getroffen. Seine vorsichtig tastenden Finger befühlten allerdings nur gesundes Gewebe, obwohl Blut an ihnen hing, als er sie anschließend betrachtete. Nun noch verwirrter als zuvor sah er sich um und erkannte zwei weibliche Personen links von sich. Eine saß auf der anderen Seite des Feuers, über dem Fleisch briet, und er meinte in ihr eine ihrer Drachenreiterinnen zu erkennen. Die andere saß gleich neben ihm und es war – Gott sei Dank! – Kyana.
Sed ließ seinen Blick eine Weile auf ihr ruhen.
Zum Glück scheint es ihr gut zu gehen. Halbwegs zumindest. Aber wie kommen wir hier eigentlich her? Hat sie mich etwa mitgezogen, als ich weggetreten war?
Der Gedanke war sonderlich und rührte in ihm gemischte Gefühle. Einmal war es ein wenig beschämend, denn schließlich war er von ihnen beiden eigentlich der „starke Krieger“ und es war auch erstaunlich, dass sie das überhaupt durchgehalten hat.
Nun gut, sie ist eine Elfe. Elfen sind sehr viel zäher und stärker als normale Menschen. Trotz allem hat sie mich gerettet. Sie hätte mich auch einfach zurücklassen können.
Nach dem er ein wenig Klarheit über seine Situation gebracht hatte, bemerkte er auch, dass die andere Drachenreiterin – sie hieß, so meinte er, Tera - redete. Allem Anschein nach waren die Worte jedoch nicht an ihn gerichtet, denn keiner der Frauen schien sein Aufwachen bisher mitbekommen zu haben.
„…die idiotische Idee, bei dem Wetter schwimmen zu gehen? Und der Kerl da, ist das nicht dieser Sed? Ich war der Meinung, er wurde hingerichtet. Seid ihr zusammen, oder warum schleppst du ihn mit dir durch die Gegend?“ Die letzte Frage von Tera (wenn sie denn so hieß) löste ihn Sed ein komisches Gefühl aus. Überhaupt. Ein Komischer Gedanke, dass er und die hübsche Elfe ein Paar sein könnten… zu allererst war er ein Mensch, also war das sowieso absurd. Aber da war noch etwas, das sie gesagt hatte, was ihn störte. Es wäre angeblich hingerichtet worden? Dafür fühlte er sich eindeutig zu lebendig. Diese Aussage stimmte allerdings mit dem überein, was er in dieser seltsamen Vision gesehen hatte. Wo war er hier nur hinein geraten?
Er räusperte sich kurz, damit die Drachenreiterinnen sein Erwachen bemerken konnten und sagte dann, unsicher, wie viel er erzählen sollte und ob er in dem Gespräch nicht nur störte: „Also… eh, dass wir im Wasser waren, war im Prinzip nur ein Unfall.“ Daraufhin warf er noch einen Blick zu Kyana.
Re: Alagaësia.
Daydream - 08.06.2009, 20:54
Bevor Kyana dazu kam, irgendeine Frage zu stellen, überschüttete Tera sie mit einem kleinen Redeschwall. Seltsam, wie redselig die auf einmal war – aber andererseits klang ihre Stimme leicht heiser, als hätte sie sie lange nicht benutzt. Seltsam, alles.
Wie sie auf die idiotische Idee kam, bei dem Wetter schwimmen zu gehen, wollte Tera wissen. Haha. Natürlich war es ihr neuestes Hobby, in voller Kampfmontur zu schwimmen, ganz klar. Dann fragte sie, ob das da Sed sei (wieso auch immer sie ihn kannte), faselte etwas, dass der doch hingerichtet worden wäre (die Frage erübrigte sich wohl) und wollte dann noch wissen, ob sie zusammen seien oder warum sie den Kerl sonst mitschleppte.
Kyana hob eine Augenbraue. Wie kam Tera denn auf die Idee? Dachte sie, Kyana würde sich, sobald ein paar Meilen zwischen ihr und Comorel lagen, gleich dem nächsten an den Hals werfen, oder was? Sie musste dringend in Erfahrung bringen, was hier eigentlich gespielt wurde.
Die bissige Antwort der Elfe wurde allerdings im Keim erstickt, nämlich durch die Stimme von Sed, der inzwischen anscheinend ebenfalls aufgewacht war. Zum Glück schien es ihm wieder verhältnismäßig gut zu gehen.
Also… eh, dass wir im Wasser waren, war im Prinzip nur ein Unfall, sagte er nämlich und sah dann zu ihr hinüber, woraufhin sie schief lächelte. So konnte man es auch ausdrücken.
„Ja, so eine Art Unfall“, stimmte sie also zu. „Es war… ehm, ziemlich verrückt. In einem Moment waren wir noch in der Schlacht, dann plötzlich in so einer seltsamen, verdrehten Zwischenwelt und dann waren wir auf einmal im Meer.“
Kyana zuckte mit den Achseln, um ihre eigene Verwirrung zu verdeutlichen, setzte dann aber noch einmal zum Sprechen an. „Und nein, wir sind nicht zusammen“, sagte sie, nur, um das mal klar zu stellen. Aber ich konnte ihn ja trotzdem nicht einfach ersaufen lassen. „…Danke übrigens für das Essen“, fügte sie anschließend leicht verspätet hinzu, nochmal zu den Äpfeln und Beeren schielend, die neben ihr auf dem Boden lagen. Eigentlich war das wirklich eine nette Geste von Tera – sie hätte eher erwartet, dass diese einfach vergaß (oder es ignorierte), dass Elfen kein Fleisch aßen.
Nicht, dass Teras seltsames Verhalten ihr größtes Problem wäre. Wenn sie den in die Finger bekam, der das ganze angezettelt hatte, würde der diese Begegnung nicht gerade unbeschadet überstehen. Und Shuran konnte sie natürlich auch nicht erreichen - kein Wunder, der war bestimmt noch in der Wüste... oder nicht? Sie wusste immer noch nicht, wie viel Zeit eigentlich vergangen war. Hoffentlich machte er sich keine allzu großen Sorgen und tat irgendetwas Dummes (wobei sie es Shuran eigentlich nicht zutraute, etwas allzu Dummes zu tun). Comorel dachte sich vermutlich auch seinen Teil, dass sie andauernd auf mysteriöse Weise verschwand... Kyana hoffte, dass es auch ihm gut ging. Er kämpfte vermutlich immernoch in der Schlacht, während sie hier in aller Seelenruhe herumsaß.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 08.06.2009, 21:42
Im Prinzip ein Unfall. Soso.
Der Kerl, den sie für Sed hielt (und der wahrscheinlich auch Sed war, sonst hätte einer der beiden wohl protestiert) war inzwischen aufgewacht und schien noch etwas weggetreten zu sein. Und wahrscheinlich hatte er Kopfschmerzen, oder zumindest sowas in der Richtung.
Kyana stimmte ihm zu, faselte dann etwas von der Schlacht - welcher Schlacht? -, einer Zwischenwelt und dem Meer. Tera sah sie skeptisch an. Ob sie wohl auch etwas gegen den Kopf bekommen hatte...? Eigentlich hatte sie keine Verletzung gehabt, nein. aber irgendwas schien mit ihrem Verstand noch nicht wieder ganz richtig zu funktionieren.
Und nein, wir sind nicht zusammen, meinte sie noch. Hmm. Hätte ja sein können, dass sie über Comorels Tod hinweg gekommen war und sich nen neuen gesucht hatte... Was war denn daran so abwegig? Nun gut, sie sollte sich da lieber nicht einmischen. Schließlich verstand sie von Dingen wie Liebe nicht wirklich viel.
Immerhin bedankte sie sich. Hatte wohl ihre alten Manieren noch nicht ganz verloren..
"Wovon redest du eigentlich?", fragte die ehemalige Drachenreiterin sie dennoch. "Was für eine Schlacht? Und was für eine.. Zwischenwelt? Ich glaube, du bist nicht mehr ganz klar im Kopf...", kommentierte sie, wobei sie den Menschen vollkommen außer Acht ließ. Stattdessen holte sie das Fleisch, welches mittlerweile ziemlich fertig aussah, vom Feuer und legte wieder etwas Brennholz nach. Dann teilte sie die Mahlzeit in zwei gleich große Teile und warf eines davon etwas achtlos Sed zu, während sie selbst in das andere hineinbiss. Es schmeckte sogar recht gut, besser, als sie erwartet hatte. Trotzdem sollte sie sich doch mal wieder irgendwo ein paar Gewürze klauen gehen.
Re: Alagaësia.
Daydream - 09.06.2009, 21:49
Schließlich kam Jakira neben ihm an und stammelte, dass sie Holz holen sollten, wobei das Mädchen sich anhörte, als wäre es bereits halb erfroren – allerdings hatte Jakira Recht, sie brauchten wirklich Holz.
Da Kai vermutete, dass seine eigene Stimme sich auch nicht viel besser anhören würde, nickte er erst einmal nur und sah zu den verschneiten Tannen ein Stückchen weiter hinüber. Hoffentlich lagen da schon vernünftige Äste auf dem Boden, er hatte keine Lust welche mit seinem Schwert von den Bäumen abzuhacken, obwohl ihm dabei vielleicht ein kleines bisschen wärmer werden würde.
„Los, g-gehen wir… b-bevor uns irgendwas abfriert, w-was wir noch brauchen könnten“, entgegnete er dann doch noch in einem kleinen Anflug von Galgenhumor (Ja, er hörte sich grausig an. Hatte er schon einmal erwähnt, dass er Kälte nicht ausstehen konnte…?).
Ohne auf eine Antwort zu warten setzte Kai sich in Bewegung und stellte fest, dass er seine Füße nicht mehr wirklich spürte. Das wurde ja immer besser hier. Sie brauchten ein Feuer, und zwar dringend.
Während der Junge so auf die Bäume zustapfte, fragte er sich außerdem mal wieder, wie sie überhaupt hierher gekommen waren. Magie? Es war eigentlich zu viel Aufwand, sie hierher zu bringen, nur, damit sie erfroren.
Kai seufzte leise und warf einen kurzen Blick zu seiner Begleiterin, die anscheinend gerade Mühe hatte, auf dem teilweise glatten Boden ihr Gleichgewicht zu halten, und sich ein paar Mal fast auf die Nase legte, dann waren sie bei den Bäumen angekommen.
Gott sei Dank lagen wirklich Äste darunter (wenn sie auch halb oder ganz zugeschneit waren), die sie aufheben und mit denen sie nun Richtung Höhle gehen konnten, wo sie das Holz sorgfältig aufschichteten und einen Teil zum Nachlegen zur Seite taten. Das alles erledigten sie schweigend, bis Kai einfiel, dass er seine Taschen ja gar nicht nach Feuersteinen zu durchwühlen brauchte, weil sie ja auch Magie benutzen konnten.
„…Brisingr“, sagte der Drachenreiter also so deutlich wie möglich, woraufhin das Holz tatsächlich in Flammen aufging – allerdings spürte er auch gleich den Energieverlust, weshalb ihm für einen kurzen Moment noch kälter wurde, als ihm ohnehin schon war. Doch nun hatte er zum Glück ein Feuer, welches langsam größer wurde, über das er seine Hände halten konnte.
Re: Alagaësia.
Sammy - 12.06.2009, 01:32
Kyana nahm Seds vorsichtige Formulierung nicht auf, sondern schilderte ihre Geschehnisse auf direktem Wege. Zuvor schenkte sie ihm noch ein schiefes Lächeln – wow, sie ist echt verdammt hübsch. Sogar für eine Elfe, die ja alle nicht von schlechten Eltern zu sein scheinen.
Um seine Befürchtung zu bestätigen, dass das ganze auf Tera ziemlich verwirrend wirken würde – er selbst fand das alles ja schier unglaublich -, fragte sie erstmal nach Kyanas Geistesklarheit. Daraufhin wurde ihm ein Stück des Fleisches – es sei anzumerken, dass es genau die Hälfte war – recht grob hingeworfen.
Die Früchte waren allem Anschein nach für Kyana bestimmt.
Elfen essen kein Fleisch, richtig? Wieder etwas, was sie vom Menschen unterscheidet.
Die Drachenreiterin Tera fing an zu essen, doch bevor Sed ihr das nachtat, wollte er noch etwas klarstellen.
„Sie ist schon klar im Kopf“, erwiderte er, dass mal stark annehmend, „ich kann die Geschichte bestätigen. Zugegeben, es muss sehr unglaublich klingen, besonders weil du es nicht selbst miterlebt hast.“ Bei dem letzten Satz lächelte er der zynischen Reiterin ermutigend zu.
Den Geruch des Bratens in der Nase wurde sich Sed nun seines leeren Magens unangenehm bewusst und biss vorsichtig hinein. Das Fleisch war wie erwartet sehr heiß und Sed verbrannte sich trotz seiner Vorsicht leicht die Lippen, doch nun völlig seine Selbstbeherrschung verlierend wartete Sed nicht noch ein wenig, sondern schlang den Rest seines Stücks in einem recht schnellen Tempo herunter.
Es war nicht der beste Braten, den er je gegessen hatte, aber auch nicht der schlechteste und so oder so war ihm im Moment der Geschmack relativ egal.
Nachdem er sein Mahl also beendet hatte, schaute er, hoffend, dass er besonders für die anscheinend gut erzogene Elfe nicht völlig wie ein Bauerntölpel ohne Manieren ausgesehen hatte, wieder zu den beiden Drachenreiterinnen auf.
Warum war er eigentlich ausgerechnet bei zwei Drachenreiterinnen gelandet? Sein ganzes Leben lang waren Drachen, Elfen, Zwerge und dieses ganze Magiezeugs für ihn nur Aberglaube gewesen, und jetzt in den letzten Monaten waren sie andauernd um ihn herum. Das brachte ihn auf einen Gedanken: Wo waren denn dann eigentlich die Drachen von Tera und Kyana?
Erst als es schon geschehen war bemerkte er, dass er den Gedanken laut ausgesprochen hatte.
Re: Alagaësia.
Daydream - 13.06.2009, 22:22
Kyana hatte sich ja gedacht, dass Tera ihr das nicht gleich abnehmen würde, aber die Verwirrung der anderen Drachenreiterin war doch größer als sie erwartet hatte – diese fragte doch ernsthaft, von was für einer Schlacht sie redete. Als hätten sie in letzter Zeit in so vielen verschiedenen Schlachten gekämpft, dass man da nachhaken musste…
Teras Äußerung, dass Kyana wohl nicht mehr ganz klar im Kopf sei, wurde allerdings gleich von Sed entkräftet, der ihre Geschichte bestätigte, nachdem Tera ihm die Hälfte des anscheinend fertigen Bratens hingeworfen hatte.
„Also, ich bin bisher eigentlich auch davon ausgegangen, dass ich relativ klar im Kopf bin“, erklärte sie trocken. „Und ich rede natürlich von der Schlacht in der Hadarac Wüste. Gegen Galbatorix. Nebenbei, wie kommst du eigentlich hierher?“, fügte sie außerdem hinzu, um mal wenigstens eine ihrer Fragen beantwortet zu bekommen.
Kopfschüttelnd warf sie noch einen Blick zu Sed hinüber, der anscheinend ziemlichen Hunger hatte und somit intensiv mit Essen beschäftigt war. Richtigen Appetit hatte sie ja nicht, aber als sie das so sah, spürte sie doch, dass ihr Magen nach der vielen Anstrengung langsam rebellierte, also nahm sie sich einen Apfel und begann ebenfalls zu essen.
Die Früchte schmeckten ganz gut, einige waren vielleicht etwas überreif, aber man wollte, nachdem man fast ertrunken war, ja keine allzu hohen Ansprüche stellen.
Sie war noch nicht ganz fertig, da fragte Sed, wo eigentlich ihre beiden Drachen seien, und sie sah wieder zu ihm auf. Ja, wo Shuran war, fragte sie sich auch. Jedesmal, wenn sie von ihm getrennt war, machte sie sich größere Sorgen um ihn als das Mal davor, was auf Dauer ziemlich nervenaufreibend war – und jetzt wusste sie nicht einmal, wie lange sie eigentlich wirklich schon getrennt waren.
Kyana riss sich von diesen Gedanken los und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, ich wüsste auch gerne, wo er ist. Wahrscheinlich immer noch in der Wüste.“
Daraufhin sah sie zu Tera hinüber und wartete auf deren Antwort.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 14.06.2009, 14:09
Der Kerl meinte, Kyana sei schon klar im Kopf, und er könne das bestätigen. Tera bezweifelte das doch etwas. Immerhin hatte er wirklich eine Verletzung am Kopf gehabt, dass er da komische Sachen dachte, war ihr schon klar. Aber Kyana? Und überhaupt, warum dachten beide das gleiche? Waren sie beide gegen den selben Stein, und...?
Aber die Elfe behauptete felsenfest, sie sei klar im Kopf. Aber das beste kam noch: Und ich rede natürlich von der Schlacht in der Hadarac Wüste. Gegen Galbatorix. Nebenbei, wie kommst du eigentlich hierher?
Tera antwortete nicht sofort auf diese Frage, sondern kaute auf ihrem Braten herum und überlegte sich ernsthaft, was genau den beiden wohl zugestoßen war. Die Schlacht in der Hadarac Wüste war eine Ewigkeit her, ungefähr zwanzig Jahre - es konnten aber auch mehr sein. Oder hatte sie was verpasst? Hatte es zwischendurch eine neue Schlacht...?
Nein. Das hätte sie mitbekommen. Außerdem hätte Kyana wahrscheinlich ohne Shuran nicht daran teilgenommen. Aber warum zum Teufel redete sie dann so einen Unsinn? Hatte sie eine Gedächtnislücke? Oder waren das im Endeffekt gar nicht Kyana und Sed? Das würde auch erklären, warum Sed noch am leben war. Allerdings gab es auch keinen Grund, warum sie es nicht waren...
Sie kaute nur noch auf einem Knochen herum, da unterbrach der Mensch sie in ihren Überlegungen und fragte, wo eigentlich ihre Drachen waren. Ein Schatten legte sich auf Teras Gesicht. Die Erinnerungen an ihren Drachen schmerzten immer noch, als hätte sie ihn erst gestern verloren. Was sie dann aber doch verwunderte, war Kyanas Antwort: In der Wüste. In der Wüste? Das konnte nicht stimmen. Shuran konnte nicht mehr fliegen, und Kyana hätte ihn niemals in der Wüste zurückgelassen. Nie.
Und was noch unwahrscheinlicher war, dass sie nicht genau wusste, wo sich ihr blauer Freund aufhielt. Sie sah erst Sed an, dann Kyana und schließlich beide zusammen. Es sah so aus, als würden sie es wirklich nicht wissen. "Eins nach dem anderen", sagte sie, und merkte, dass ihre Stimme leicht schwankte. Scheiße. Gleich würde sie noch vor diesen beiden Idioten in Tränen ausbrechen. Sie schluckte und fasste sich wieder.
"Erstmal ist die Schlacht in der Hadarac Wüste schon lange vorbei. Das ist jetzt zwanzig Jahre her, Galbatorix hat gewonnen und wir mussten fliehen. Habt ihr das wirklich vergessen?" Sie schüttelte leicht ungläubig den Kopf. Irgendwas konnte hier nicht stimmenn.
"Kyana, dein Drache ist ganz bestimmt nicht in der Wüste", fügte sie noch hinzu, die Frage, wie sie hier her gekommen war, bewusst ignorierend. "Und mein Drache ist tot. Das müsstest zumindest du noch sehr gut wissen", meinte sie und sah der Reiterin in die Augen, in der Hoffnung, dort den Anflug einer Lüge zu erkennen. Irgendwas, was ihr sagte, dass sie nicht vollständig den Verstand verloren hatte. Denn sie wollte nicht glauben, dass sie es war, die hier gerade vorgeführt wurde und im Grunde genommen schon längst vollkommen wahnsinnig war und keine Ahnung mehr hatte, was sich in der Realität abspielte.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 24.06.2009, 20:23
Sie hatte schon jegliches Zeitgefühl verloren und konnte nicht sagen, wie lange sie gebraucht hatten, um zu den Bäumen zu gelangen. Auch konnte sie nicht sagen, wie lange sie gebraucht hatten, um das Holz aufzusammeln, welches unter den Bäumen verstreut lag, und genausowenig wusste sie, wie sie es überhaupt fertig gebracht hatte, es hochzuheben und dann auch noch zu der Höhle zu tragen, in der sie jetzt saßen. Das gefundene Holz hatten sie aufgeschichtet und Kai hatte ihnen ein Feuer angezündet.
Langsam spürte Jakira, wie die Wärme begann, sie wieder aufzutauen, und damit kehrten auch ihr Denkvermögen zurück. Während sie davor nur gehandelt hatte, nicht aber darüber nachgedacht hatte, was sie tat, tat sie jetzt nichts - und musste nachdenken. Schon die ganze Zeit davor hatten sie geschwiegen, und das Mädchen fragte sich allmählich, ob sie überhaupt noch eine Chance hatten, hier zu überleben. Sie hatten nichts zu essen, der Schnee lag metertief, sie wussten nicht, wo sie sich überhaupt befanden - wahrscheinlich aber auf einem Berggipfel irgendwo in der Wallachei - und zuguterletzt war es mindestens minus zwanzig Grad kalt. Wenn nicht noch kälter, so genau konnte man das nicht wirklich bestimmen. Es sah also denkbar schlecht aus... Aber was sollten sie jetzt tun? Warten und darauf hoffen, dass sie jemand rettete? Das würde bestimmt nicht passieren. Wer kam denn auch auf so einen Berg? Trotz des wärmenden Feuers fing Jakira wieder an zu zittern. Sie wollte noch nicht sterben, nicht jetzt und vor allem nicht hier...!
Sie schlang die Arme um ihre Knie und versuchte, tapfer zu bleiben und nicht zu weinen. Was nicht gerade einfach war, wenn die Situation so aussichtslos erschien. Die Reiterin schielte aus den Augenwinkeln zu Kai hinüber - es sah nicht so aus, als würde er viel mehr Hoffnung haben als sie. Was sollte das denn alles? Warum war sie hier gelandet? Warum passierten solche Sachen immer ihr?
Jakira vergrub den Kopf in den Armen und begann leise zu schluchzen. Sie wollte einfach nicht mehr. Sie wollte nur noch wieder zurück nach Ellesmera, wollte zu Kyana und den anderen Elfen, wollte zu Yade. Aber sie musste ja in dieser Höhle festsitzen...
Re: Alagaësia.
Sammy - 10.07.2009, 02:03
Der dunkelhäutige Elf duckte sich unter dem weiteren Schlag eines Soldaten weg und versuchte verzweifelt, einen durchführbaren Plan zu fassen. Dieses Unterfangen gestaltete sich allerdings als nicht sehr leicht, da sein Schutzschild und seine Versuche, auszuweichen, seine volle Konzentration beanspruchten.
Was, in Gottes Namen, wäre denn so schlimm daran gewesen, sie einfach diese paar Soldaten niederstrecken zu lassen und es damit zu belassen!? Nein, es mussten natürlich - nicht einer, sondern zwei! – neue Magier dahergelaufen kommen, die selbst noch ein paar ihrer Soldaten-Freunde mitbrachten.
Warum passierte das ausgerechnet noch mal ihm, einem unschuldigen, kleinen Elf, der gar nichts Böses im Sinn hatte?
Achja, vielleicht weil ich stehle, lüge, betrüge, davonlaufe, schnorre, niemandem etwas Gutes bringe und… habe ich noch etwas vergessen?
Kleophas sah ein, dass er in dieser Situation vielleicht besser nicht über so etwas nachdenken sollte und schob den Gedankengang eilig beiseite – was seine Laune trotzdem nicht besserte. Das war auch nicht sehr einfach, denn die Attacken der Soldaten wurden nun noch aggressiver, da sie ihm bisher noch keinen einzigen Kratzer zufügen konnten.
Der kleine Elf ließ eine Menge Kraft in sein Schild fließen, um ihn möglichst stark zu halten, was auch seine Wirkung zeigte. Das Problem an der Sache war allerdings, das ihm kein unendliches Kräftereservoir zur Verfügung stand und sich daran, dass er in der Mitte einer Horde von wütender Elite-Soldaten stand, die auf ihn eindreschten, so schnell nichts ändern würde.
Einer der Magier schien sich seiner Person annehmen zu wollen und steigerte seine anfänglich erst leichten, testenden Attacken auf seinen Geist zu immer stärkeren Schlägen. Dieser Magier war stärker als der zuvor. Und zwar nicht unerheblich. Wenigstens kümmerte sich der andere noch nicht um ihn – er attackierte höchstwahrscheinlich Tera.
Wieso hab ich eigentlich kein Schwert? Verdammt, ich brauche ein Schwert, kann das denn so schwer sein?!
Schon fing der Schild um ihn an zu wanken. Zuviel Energie. Er hatte zuviel Energie in den Schild gesteckt, sie nicht gut eingeteilt. Irgendwas musste er doch tun, er musste hier raus…
Hektisch sah sich Kleophas am Boden um. Vielleicht könnte er durch eine Lücke zwischen den auf ihn einschlagenden Soldaten einfach durchschlüpfen und sie würden es erst merken, wenn er schon aus der Menge heraus war…?
Quatsch, du bist das Ziel, auf dich schlagen sie da mit ihren riesenhaften Schwertern ein, ganz genau auf dich, natürlich würden sie es sofort merken! Sie- Schwerter! Natürlich! Sie haben alle Schwerter! Vielleicht kann ich einem eins abluchsen – oder nein, besser nicht. Aber vielleicht schaffe ich es, eine der Leichen zu erreichen…
Noch einmal sammelte Kleophas all seine Kraft, stärkte seinen Schild und versuchte, zu einem der toten Soldaten zu kommen. Er duckte sich, ließ sich zur Seite fallen, wenn nötig, tat sein Bestes, auszuweichen - aber trotzdem trafen die Soldaten ihn, der waffenlos war, oft genug. Sein Schild, vorher eine massive Wand, wurde zu einer hauchdünnen Blase (um es mal visuell zu darzustellen). Der nächste Schlag zielte auf seinen Rücken und sein Schild konnte zwar das schlimmste aufhalten, brach aber mit diesem Schwertstreich zusammen. Von dem Hieb nach vorne geworfen landete Kleophas auf seinen Knien und fand sich nun völlig schutzlos auf dem Boden wieder, inmitten von Soldaten, die alle viel größer waren als er und nach seinem Leben lechzten.
Er hörte den Luftzug, den das Schwert machte, mit dem irgendeiner der Soldaten über ihm ihn enthaupten wollte und warf sich – viel langsamer, als er es sonst konnte – auf die Seite. Knapp neben seiner Nase traf das Schwert auf den Boden. Kleophas sah, wie der Arm des Soldaten von der Kraft, mit dem die Klinge auf den Stein schlug, vibrierte. Und er sah noch etwas anderes. Neben ihm auf dem Boden – der Knauf eines Schwertes. Er packte nach dem Griff und rappelte sich eilig auf, nur Sekunden bevor abermals ein Schwert an ihm vorbeizischte und die Stelle traf, an der sich zuvor seine Kehle befunden hatte. Er hob das Schwert, das wirklich einem der toten Soldaten zu gehören schien, und bemerkte unwohl, wie sehr sein Arm vor Erschöpfung schon zitterte.
Unbeholfen griff er einen der Soldaten an, der diesen Schwertstreich ohne große Probleme parierte. Es war lächerlich, mit roher Gewalt würde er überhaupt nirgendwohin mehr kommen.
Irgendwie kam ihm in den Sinn, dass er zu den Magiern musste. Er musste… sie zuerst ausschalten, weil…
Kleophas kam im Moment nicht auf die Antwort, vertraute aber seinem Instinkt und versuchte sich zu den schwarzgewandeten Männern vorzukämpfen. Es war das gleiche Spiel wie eben, er übernahm nur die Rolle des Ausweichenden – jetzt war es aber etwas einfacher, da er sich zusätzlich mit dem Schwert verteidigen konnte. Aber um vieles gefährlich, denn ohne seinen Schutzschild, seinen geliebten Schutzschild, verletzte ihn auch wirklich jeder der Schläge, denen er nicht ausweichen konnte.
Er hatte etwa die Hälfte seines Weges geschafft, rang um Atem und blutete aus etlichen, doch nicht zu tragischen Wunden.
Es ist ein richtiger Kampf, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. Ein richtiger Kampf. Kein Vergleich zu den Kämpfen in der Schlacht, mit nichtausgebildeten, erschöpften Männern in der sengenden Wüstenhitze. Viel schwieriger. Viel schwieriger. Ein richtiger Kampf.
Dein schwierigster Kampf. Aber, verdammt, Kleophas, den wirst du auch überleben! Er motivierte sich selbst mit diesem Gedanken und raffte sich nochmals auf.
Sein Sichtfeld war merkwürdig klein und weit entfernt, als würde er durch einen Tunnel blicken. Ganz nebenbei durchzuckte ihn der Gedanke von irgendeinem Drachen.
Seinem Drachen? Stimmt ja, sein Drache… ob er auch verletzt war? Wo war er überhaupt? Er war sich nicht sicher, ob er noch das Gewicht des Drachens auf seinem Rücken spürte – es könnte sein, aber sein ganzer Körper schmerzte und ließ ihn das nicht genau feststellen.
Er verlor den Gedanken wieder, denn einer der Kämpfer wollte ihm in den Bauch stechen und Kleophas musste abermals ausweichen. Vor Erschöpfung war er so langsam geworden, dass das Schwert ihn trotzdem noch an der Seite traf. Der Schmerz entrang seiner Kehle ein Stöhnen, doch er konnte es sich nicht leisten, sie die Wunde anzusehen.
Die Zeit lief ihm davon, je länger er brauchte, desto schwächer wurde er und es sah alles so schrecklich aus, es war so schrecklich, so schwach, schmerzt… Wo war Tera? Wo war denn überhaupt Tera? Sie musste doch hier irgendwo noch sein, in seiner Nähe. Genau. Sie hatte bestimmt schon den einen Magier erledigt und dann würde sie bestimmt bald auch noch den anderen niederstrecken und die ganzen Soldaten töten. Das musste sie einfach – es war so was wie ihre Pflicht! Herrgott, sie war eine Drachenreiterin!
Plötzlich rief irgendwer etwas, aber Kleophas war zu benommen, um es zu verstehen, und im nächsten Moment wurde es gellend weiß um in herum. Licht erfüllte alles um ihn herum, erfüllte ihn, jede Faser seines Körpers war Licht, er wurde von dem Licht verschlungen…
Nein, es ist ein Zauber, erkannte mit neu zusammen gerungener Klarheit. Er erkannte auch, dass die Soldaten ihn nicht mehr angriffen und er nutzte diesen kurzen Augenblick, um etwas zu Atem zu kommen. Auch er war kurze Zeit geblendet und konnte gar nichts mehr erkennen, doch dieses Problem schien die Soldaten länger zu belasten als ihn. Es war erstaunlich, wie viel leichter es ging, als die Soldaten erneut angriffen – ja, er war immer noch verdammt erschöpft, aber er hatte sich eigentlich gar keine Wirkung erhofft.
Plötzlich fiel der Schutzwall des Magiers, der ihn attackierte, herunter und Kleophas war zwar mehr als überrascht, agierte aber sofort und richtete den Mann.
„Folgt mir“, rief irgendeine weibliche Stimme vor ihm und Kleophas ging dieser Aufforderung sofort nach - völlig egal, wer das war, aber er musste hier raus.
Der Schutzwall der Soldaten war verschwunden, was trotzdem nichts an Kleophas Erschöpfung änderte, so dass er sich weiterhin mehr ausweichend als kämpfend durch die Menge, die viel kleiner geworden war, bewegte. Eine Hand voll Soldaten tötete er trotzdem bei seinen federleichten Schlägen, nahm er an. Plötzlich standen vor ihm keine feindlichen Männer mehr und er lachte fast auf vor der Freude, mit der ihn diese Tatsache erfüllte. Irgendwie hatte er sich ja schon ziemlich klaustrophobisch gefühlt zwischen den ganzen hochgewachsenen Männern (- ob Galbatorix sie magisch veränderte, damit sie so eine Figur bekamen?).
In der Besitzerin der Stimme von eben erkannte er eine schlanke, blonde Frau, bestimmt Elfe oder zumindest Drachenreiterin, wie er durch ihr Auftreten annahm. Da er sie ja nur von hinten sah, konnte er nicht sagen, ob er sie kannte oder nicht – ganz egal, sie war da, um ihn zu retten und das sollte erstmal an Information genügen. Der Elf wollte auch in einen Laufschritt verfallen, doch seine Seite protestierte stark bei der Bewegung, so dass er vom Schmerz überwältigt aufstöhnte und fast hingefallen wäre. Eilig steckte er das Schwert in seinen Gürtel – jetzt konnte er damit unter keinen Umständen weiter kämpfen, aber es wäre später bestimmt noch nützlich – und versuchte den Schmerz so gut es ging zu ignorieren, während er der Frau vor ihm hinterher humpelte.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 24.07.2009, 18:14
Die Wirkung des plötzlichen Lichtes ließ leider schneller nach, als sie geplant hatte. Noch ehe sie einen neuen Angriff starten konnte, hatten sich ihre Gegner schon wieder halbwegs gefangen und waren wieder bereit, sie erneut zu attackieren.
Mehr schlecht als recht wich sie den Schlägen aus, als sie plötzlich eine Stimme hörte. Eine Stimme, die ihr sehr bekannt vor kam.
"Folgt mir!", rief sie.
Was machte Kyana denn bitteschön hier? War sie auch...?
Nein, jetzt war beim besten Willen keine Zeit für solche Überlegungen. Tera spürte, wie ihr der Geist der Elfe zur Hilfe kam, und gemeinsam hatten sie den feindlichen Magier schnell besiegt - auch wenn Kyana wohl einen weitaus größeren Teil dazu begetragen hatte als sie, wie sie im Nachhinein widerwillig feststellen musste.
Die Drachenreiterin sammelte ihre letzte Kraft und begann, sich schwertschwingend und mit einigen magischen Formeln einen Weg in die Richtung zu bahnen, aus der der Ruf gekommen war. Was trotzdem nicht gerade leicht war. Das sie zwischen den ganzen hochgewachsenen Männern nicht erkennen konnte, wo genau sie hin musste, war dabei noch das kleinste Problem. Schwerwiegender war da, dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte und bei jedem ihrer Schritte fast hingefallen wäre. Die Magie kostete sie ihre letzte Kraft, und bei jeder Formel fühlte sie sich, als hätte sie gerade einen Sprint von 500 Metern zurück gelegt.
Das wäre alles immer noch nicht so schlimm gewesen, hätte sie wenigstens noch beide Arme zum Kämpfen benutzen können. Konnte sie aber nicht. Und obwohl sie natürlich trainiert hatte, auch mit links zu kämpfen, war das dennoch ungewohnt und fühlte sich auf Dauer falsch an. Ganz abgesehen von den höllischen Schmerzen, die bei der kleinsten Bewegung durch ihren gesamten Körper zuckten. Sie musste wirklich ein jämmerliches Bild abgeben.
Irgendwie schaffte sie es dann schließlich doch, sich aus der Masse zu schlagen, wobei sie mir ihren nicht gerade präzise geführten Schlägen aber bestimmt noch ein paar von ihnen zumindest verletzt hatte. Leider kam sie genau auf der falschen Seite heraus, sodass sie die Soldaten noch einmal halb umrunden musste, bis sie endlich die Gestalt der Elfe entdeckte. Im Gegensatz zu ihr sah sie noch ziemlich fit aus, allerdings trug sie etwas seltsame Kleidung, die sie noch nie bei ihr gesehen hatte. Oder war es ihr einfach nicht aufgefallen? Egal.
Die Reiterin versuchte so gut wie möglich, ihre Schmerzen zu ignorieren und noch halbwegs gesund zu erscheinen, dieses Vorhaben scheiterte jedoch, als ihr Bein wegknickte, kurz bevor sie bei Kyana angekommen war. Unsanft landete sie auf den Knien und musste die Zähne zusammen beißen, um einen Schrei zu unterdrücken. Wer auch immer von diesen Idioten ihr das Knie zerschlagen hatte, den hatte sie hoffentlich noch eben zur Strecke gebracht. Wenn nicht, dann sollte ihn ein Fluch treffen.
Mühsam versuchte sie, wieder auf die Beine zu kommen, doch die gaben schon wieder nach. Sie hätte sich schlagen können, würde sie nicht sowieso schon fertig genug sein. Und das vor diesen beiden Elfen. Eine Schande war das. "Verdammte scheiße", fluchte sie und versuchte ein drittes Mal, sich aufzurichten.
Re: Alagaësia.
Daydream - 10.08.2009, 21:37
Kyana widerstand der Versuchung, einfach weiterzulaufen und davon auszugehen, dass die beiden ihr folgten, und blickte über die Schulter zurück. Direkt hinter ihr humpelte zu ihrer Überraschung ein schwarzhaariger und sehr gebräunter Elf, der ihr vage bekannt vorkam. Gut möglich, dass sie ihn schon einmal gesehen hatte – aber das interessierte sie gerade auch gar nicht, denn an die Fersen des Elfen hatte sich ein kleiner schwarzer Drache geheftet.
Einen Moment lang konnte Kyana ihn nur anstarren und sich fragen, was in aller Welt hier vor sich ging. Galbatorix hatte alle Dracheneier sorgfältig weggeschlossen, das wusste sie, also wie kam dieser Elf zu einem Jungdrachen? Und wie konnte man außerdem so dämlich sein, mit diesem Drachen mitten durch eine Stadt zu spazieren? Eigentlich war es erstaunlich, dass sie überhaupt so weit gekommen waren.
Kyana wurde schlagartig ins Hier und Jetzt zurückgeholt, als sie, weil sie nicht mehr auf den Weg geachtet hatte, über einen Stein stolperte und sich beinahe auf die Nase gelegt hätte. Außerdem schlug sich in diesem Moment Tera aus der Masse der Soldaten heraus und lief ihnen ebenfalls hinterher – jedenfalls bis plötzlich ihr Bein wegknickte und sie nicht wieder vom Boden hochkam. Fluchend blieb sie erst stehen, drehte sich dann ganz um und lief das kleine Stück zurück.
Die Soldaten machten schon wieder Anstalten, sie anzugreifen, weshalb Kyana erneut die Hand hob und ein Wort in der Alten Sprache rief, woraufhin die vordersten Kämpfer zurück und gegen ihre Kameraden geschleudert wurden, welche deshalb ebenfalls zu Boden gingen. Noch fielen diese Zauber ihr leicht, aber sie wollte es nicht riskieren abzuwarten, bis Verstärkung kam, die vermutlich auch noch weitere Magier im Schlepptau haben würde.
Eilig schob die Reiterin ihr Schwert, das sie immer noch in der Hand gehabt hatte, zurück in die Scheide und ging vor der fluchenden Tera in die Hocke.
„Auf meinen Rücken, ich trage dich“, sagte sie hektisch und weitete währenddessen ihren Schutzzauber auf die anderen beiden und den kleinen Drachen aus, für den Fall, dass die Soldaten noch auf dumme Ideen wie Pfeile kamen. „Tera, jetzt mach schon“, fauchte sie, als diese ihre Aufforderung nicht gleich befolgte und streckte demonstrativ ihre Arme nach hinten, mit denen sie Teras Beine festhalten würde. Jetzt spürte sie doch Hände an ihren Schultern und kurz darauf rannte sie wieder los, diesmal mit einer zusätzlichen Last auf dem Rücken. Tera grummelte irgendetwas, das ignorierte sie allerdings und konzentrierte sich stattdessen darauf, ihren Mitflüchtling einzuholen, der wegen seiner Verletzungen ja nicht allzu schnell vorwärts kam.
Schließlich war sie mit ihm wieder gleichauf und entschied sich spontan für eine schmale Straße, durch die sie vorher schon gekommen war. „Nach rechts!“, kommandierte sie also und kam ihrer eigenen Anweisung gleich darauf nach, wobei sie noch einen Blick nach hinten warf. Die Menschen waren ein gutes Stück zurückgefallen, aber bald würden bestimmt aus allen Richtungen Neue kommen.
„Da rein“, entschied sie, lief halb, sprang halb eine Treppe herunter und trat wegen Mangel an freien Händen mit dem Fuß eine Tür auf, die glücklicherweise nicht abgeschlossen war.
Kurz darauf fand sie sich in einer Art Gerümpelkeller wieder, in den nur durch ein Fenster knapp unter der Decke ein schmaler Lichtstreifen fiel. Sie beachtete die teilweise kaputten Tische, Stühle, Besen, Regale, Flaschen und Bücher, um nur ein paar Beispiele zu nennen, nicht weiter, ließ Tera mehr oder weniger vorsichtig herunter und lehnte sich, nachdem der Elf und sein Drache ebenfalls angekommen waren, direkt unter dem Fenster an die Wand, lauschend.
Bei den verwinkelten Straßen hier würden die Soldaten hoffentlich einfach davon ausgehen, dass sie bereits um die nächste Ecke gebogen waren – es war eher unwahrscheinlich, dass sie hinter jede Tür sahen, um zu kontrollieren, ob sie sich nicht doch irgendwo versteckten.
Re: Alagaësia.
Sammy - 30.08.2009, 02:58
Kyana erklärte auf Seds Frage hin, dass ihr Drache wahrscheinlich immer noch in der Wüste sei. Sie wandte ihren Blick zu Tera und Sed tat es ihr nach. Während sie auf eine Antwort warteten beobachtete er das Mienenspiel der Drachenreiterin – sie war anscheinend immer noch ziemlich verwirrt. Na ja, damit war sie hier zumindest nicht allein. Als sie dann anfing zu sprechen, meinte Sed, ein leichtes Schwanken in ihrer Stimme zu hören.
Oder irre ich mich da? Ich kenne sie ja nicht wirklich gut…
"Eins nach dem anderen", sagte die Drachenreiterin und schluckte – eine weitere Geste, die Sed aufhorchen ließ. Dann erklärte sie mit fester Stimme, dass die Schlacht in der Hadarac-Wüste schon lange vorbei sei – angeblich ganze zwanzig Jahre. Galbatorix habe gewonnen. Und sie hatten fliehen müssen.
Sed erstarrte und blickte die junge Frau mit großen Augen an. Vor seinem inneren Auge zerbrach etwas und plötzlich sah er ihre ganze Situation in einem anderen Licht. Puzzleteile fügten sich zu einer Wahrheit zusammen, zu einer Wahrheit, die alles erklären könnte… Aber es war unmöglich. Das konnte nicht sein. Zwanzig Jahre? Unsinn, es ist doch höchstens einen Tag her, da hab ich noch selbst in dieser Schlacht gekämpft! Er öffnete seinen Mund, schloss ihn im nächsten Moment jedoch wieder. Es konnte doch nicht wirklich sein, dass sie…?
"Kyana, dein Drache ist ganz bestimmt nicht in der Wüste“, sprach Tera nun weiter. "Und mein Drache ist tot. Das müsstest zumindest du noch sehr gut wissen."
Sed, der innerlich immer noch ganz durcheinander war, schaute Kyana verwirrt an und versuchte erstmal, das Gesagte zu ordnen. Der vertraute Anblick der attraktiven Elfe half dabei sogar irgendwie. Tot, Teras Drache war anscheinend tot.
Achso, das würde auch erklären, warum sie eben so komisch auf meine Frage reagiert hatte… Oh, verdammt. Ich Vollidiot! Das ist ja nicht besonders taktvoll von mir gewesen.
Außerdem behauptete Tera, dass Kyana von dem Tod ihres Drachens wissen sollte. Aber sie war ja auch der Meinung gewesen, er wäre tot… und das war er ja nun eindeutig nicht. Nahm er zumindest an. Es würde alles allerdings Sinn machen, wenn sie wirklich… nun ja, aus irgendeinem Grund in der Zeit zwanzig Jahre nach der Schlacht sein würden. Demnach war es wirklich so was wie die Zukunft, die er gesehen hatte, kurz bevor er sich im Wasser wiedergefunden hatte. Oder nein – jetzt war es wohl die Vergangenheit. Oder nicht? Es müsste dieser These nach die Zeit gewesen sein, die von dem Zeitpunkt, an dem er in der Zwischenwelt gelandet war, bis zu dem jetzigen vergangen war. Aber er war ja offensichtlich nicht gealtert und überhaupt sowieso schon ‚tot’ – folglich waren Kyana und er Kyana und Sed aus der Zeit der Schlacht, die einfach nur in die Zukunft gereist waren. In dieser Zukunft gab es also auch zukünftige Versionen von ihnen…
Nein, Moment, ich bin doch irgendwann gestorben. Also würde alles Sinn ergeben. Aber das ist doch unmöglich – Zeitreisen! Geht so etwas überhaupt?
Gerade wollte er seine Überlegungen mit Kyana teilen, als ihm einfiel, dass er ja gerade in einer Unterhaltung mit Tera steckte. Diese wandte sich zwar die ganze Zeit fast nur an Kyana, aber er hatte ihr immerhin die letzte Antwort entlockt – und zwar durch seine taktlose Frage.
„Das tut mir leid“, sagte Sed sanft und entschuldigte sich damit gleichzeitig für seine gedankenlose Frage so wie für den Tod ihres Drachen. Er wartete aus Höflichkeit einen kurzen Moment, bis er wieder anfing zu sprechen. Ihm war nicht klar, wie die anderen beiden auf seine wilde Vermutung reagieren würden – er glaubte schließlich selbst nicht wirklich daran! Sie würde nur alles erklären, was ihn so verwirrte und das war immerhin schon etwas.
„Könnte es – rein theoretisch – passieren, dass Personen irgendwie in der falschen Zeit landen, dass sie… durch die Zeit reisen?“, begann er vorsichtig und schaute die beiden Drachenreiterinnen abwechselnd an.
Re: Alagaësia.
Daydream - 06.09.2009, 21:52
Kyana konnte nicht anders, als Tera entgeistert anzustarren. Sie suchte nach Anzeichen der Lüge, konnte aber keine finden. Im Gegenteil schien Tera die Erinnerung an das Gesagte zu schmerzen.
Aber zwanzig Jahre sollten vergangen sein? Das war unmöglich. Und dann behauptete sie auch noch, dass sie die Schlacht verloren hatten und hatten fliehen müssen. Das kann nicht sein, dachte Kyana und war gefährlich nahe daran, hysterisch aufzulachen. Möglicherweise würde sie gleich einfach aufwachen und feststellen, dass das alles nur ein weiterer verrückter Albtraum gewesen war. Das würde sogar Sinn machen: Bei dieser hohen Wahrscheinlichkeit, dass sie wirklich verloren, waren solche Träume ja wohl nachvollziehbar.
„Kyana, dein Drache ist ganz bestimmt nicht in der Wüste. Und mein Drache ist tot. Das müsstest zumindest du noch sehr gut wissen.“
Ein zweites Mal blieben Kyana die Worte im Hals stecken. Auf einmal wurde ihr klar, warum Tera so anders wirkte. Niemand überstand den Tod seines Drachen unbeschadet. Niemand. Und was die Elfe aufhorchen ließ, war nicht einmal die Äußerung, dass sie von Zarions Tod wissen sollte – sie sollte hier schließlich angeblich von allem möglichen wissen – sondern die Erwähnung von Shuran. Woher wollte Tera wissen, dass er nicht trotzdem in der Wüste war?
Kyana wurde kalt, und das lag sicher nicht an den herbstlichen Temperaturen. Ein Bild kam ihr wieder in den Sinn.
Sie hockte auf dem Boden, eine Hand auf Shurans Stirn, der selbst lag und sie aus seinen gelben Augen traurig anblickte. Ein Elf machte sich an seinem Flügel zu schaffen. „Ich glaube nicht, dass er je wieder fliegen wird“, sagte der augenscheinliche Heiler. „Und wenn die Ausbreitung nicht aufgehalten werden kann, wird er sterben. Es tut mir Leid.“
Eins von den Bildern, die sie gesehen hatte, kurz bevor sie ins Meer gestürzt war. Die hatte sie bisher vollkommen vergessen, schließlich hatte sie sich anschließend mehr darauf konzentrieren müssen, am Leben zu bleiben.
Jetzt, wo sie darüber nachdachte, fiel ihr auch der Rest wieder ein. Die Bilder, wie sie die Schlacht verloren hatten. Yades Verletzung. Der brennende Wald. Der letzte verzweifelte Angriff auf Galbatorix und Zarions Tod. All die Angst, all der Schmerz. War das wirklich passiert? Waren diese Bilder vielleicht nur eine Projektion ihres Unterbewusstseins, weil sie das Gedächtnis verloren hatte? Sie wollte den Gedanken nicht zu Ende führen. Glücklicherweise wurde sie darin sowieso unterbrochen.
„Das tut mir Leid“, sagte Sed und erinnerte Kyana so an seine Anwesenheit. Sie sah zu ihm herüber, eigentümlich erleichtert, dass sie in dieser Situation nicht vollkommen allein war. Doch gleichzeitig fiel ihr auf, dass etwas an der Sache nicht stimmen konnte. Denn Tera und sie selbst wären in zwanzig Jahren vielleicht nicht sichtbar gealtert, aber bei einem normalen Menschen sah das ganz anders aus.
Wenn er so alt ist, wie er aussieht, hat er vor zwanzig Jahren noch nicht einmal gelebt. Und… hat Tera nicht gesagt, dass sie ihn für tot gehalten habe…?
Gerade wünschte Kyana sich zum x-ten Mal, Shuran wäre hier, damit sie sich mit ihm beraten konnte, als Sed wieder zu sprechen anfing. „Könnte es – rein theoretisch – passieren, dass Personen irgendwie in der falschen Zeit landen, dass sie… durch die Zeit reisen?“
Diesmal war er an der Reihe, verblüfft angestarrt zu werden. Mit dieser Erklärung würde alles einen Sinn ergeben. Wenn sie irgendwie durch diese Zwischenwelt in die Zukunft gelangt waren, war es nicht verwunderlich, dass sie sich nicht erinnerten – außerdem hatten auch die quasi-Erinnerungen, die sie gesehen hatte, nicht so viel mit Erinnerungen gemeinsam. Vielmehr war sie eine Art außenstehender Beobachter gewesen… als wäre die Zeit an ihr vorbeigezogen.
Barzûln, vielleicht ist sie das. Das heißt aber, dass es hier theoretisch auch eine… eine zukünftige Version von mir geben müsste. Aber kann dieselbe Person zweimal existieren?
Und, vielmehr… wie kommen wir zurück?
Eigentlich war sie sich nicht einmal sicher, was ihr lieber war: dass zwanzig Jahre ihrer Erinnerung ausradiert waren oder ob all dies noch auf sie zu kommen würde.
Es hat noch kaum jemandem gut getan, die Zukunft zu kennen. Und wir sind mitten drin.
„Ich… ich weiß nicht“, sagte sie, als ihr klar wurde, dass Sed schon eine Weile auf eine Antwort warten musste. Wahrscheinlich hielt er sie jetzt für etwas unterbelichtet. Nicht, dass das gerade ihr größtes Problem gewesen wäre.
„Noch vor ein paar Stunden hätte ich gesagt, dass das nicht möglich ist. Auf jeden Fall geht es über die Grenzen der Magie, wie wir sie kennen, hinaus“, fuhr sie fort und hoffte, dass ihre Stimme nicht so nervös klang, wie sie den Eindruck hatte. „Aber in dieser… in dieser Situation würde es eine Menge erklären.“
Aber was es alles für Konsequenzen haben würde! Was würde passieren, wenn wir nicht zurück können? Mein zukünftiges – jetziges – Ich müsste verschwinden. Die ganze Zeitordnung müsste auf dem Kopf stehen. Und die anderen…
Bei diesem Gedanken wandte Kyana sich wieder Tera zu und bemühte sich noch mehr als zuvor um eine feste Stimme. „Es tut mir Leid, dich an alles erinnern zu müssen“, sagte sie ehrlich. „Aber erzähl uns bitte, was in den letzten zwanzig Jahren passiert ist. Wie es allen… ergangen ist.“
Wer überhaupt noch am Leben ist, fügte sie hinzu, sprach es aber nicht aus.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 07.09.2009, 21:42
Keine Spur der Lüge. Nicht die kleinste. Das einzige, was Tera in ihren Augen erkennen konnte, war Verwirrung. Verwirrung, Unsicherheit und Zweifel.
Nachdem sie geredet hatte, herrschte einige Sekunden lang Stille, bis der Mensch anfing zu reden. Der Mensch. Im Grunde genommen war sie jetzt selbst nichts weiter als ein gewöhnlicher Mensch.
"Das tut mir Leid", sagte er, und Tera verabscheute ihn für diese Worte. Diese unerlichen, nur aus Höflichkeit gesagten, unbedachten Worte, die doch so weh taten.
Ihr tat es auch Leid.
"Könnte es, rein theoretisch, passieren, dass Personen irgendwie in der falschen Zeit landen, dass sie... durch die Zeit reisen?", redete er nach einer kurzen Kunstpause weiter. Durch die Zeit reisen. Tera ließ die Worte in ihrem Kopf nachklingen und warf einen schnellen Blick zu Kyana, die genau so verwirrt zu sein schien wie sie.
Ja, könnte das sein? War das die Erklärung dafür, dass die beiden nichts wussten, dass Sed überhaupt noch am Leben war? Waren das Versionen aus der Vergangenheit?
Nein. Nein, das konnte nicht sein. Entweder, die beiden waren verrückt, oder sie war es. Ein Gedanke zuckte ihr durch den Kopf - was, wenn die beiden gar nicht da waren, wenn sie sich das alles nur einbildete? Wenn sie in Wahrheit mit der Luft sprach? Waren die langen Jahre im Wald, allein, ohne jeglichen Kontakt, ihr so auf den Kopf geschlagen?
Es dauerte eine Weile, doch schließlich ergriff Kyana das Wort. Sie selbst war viel zu perplex, um etwas zu sagen.
"Ich... ich weiß nicht", sagte sie, Nervosität spielte in ihrer Stimme mit. "Noch vor ein paar Stunden hätte ich gesagt, dass das nicht möglich ist. Auf jeden Fall geht es über die Grenzen der Magie, wie wir sie kennen, hinaus. Aber in dieser Situation würde es eine Menge erklären."
Bisher hatte die Elfe Sed angeschaut, doch jetzt wandte sie sich wieder ihr zu. Tera zuckte unmerklich zusammen. "Es tut mir Leid, dich an alles erinnern zu müssen, aber erzähl uns bitte, was in den letzten zwanzig Jahren passiert ist. Wie es allen... ergangen ist."
Tera wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Die so sorgfältig verbannten Erinnerungen der vergangenen Jahre bahnten sich ihren Weg aus den hintersten Ecken ihres Geistes, drängten sich in ihr Bewusstsein. Die ehemalige Drachenreiterin fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. All die Jahre lang hatte sie sich verzweifelt an die Realität geklammert, hatte ihre Zeit mit Jagen, Trainieren und ziellosem Umherstreifen verbracht, hatte alles getan, um nicht an ihren Erinnerungen zu zerbrechen. Und jetzt tauchten diese beiden auf und behaupteten, sie würden aus der Vergangenheit kommen. Und wollten, dass sie all das erzählte, was sie die Jahre über verdrängt hatte, um sich vor dem Wahnsinn zu bewahren. Und waren vielleicht nur eine Ausgeburt eben dessen.
Aber gut, was habe ich denn noch zu verlieren, dachte sie. Schlimmer, als es jetzt ist, kann es kaum noch werden. Also versuchen wir es mal mit dem Wahnsinn. Vielleicht ist er ja gar nicht so schlimm, wie ich gedacht habe...
Tera holte tief Luft und begann zu sprechen. Ihre Stimme klang etwas hohl, aber ruhig.
"Was eure Zeitreise-Theorien betrifft: Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Jedenfalls hat es meines Wissens nach noch niemand geschafft, die Gesetze von Raum und Zeit zu brechen, nicht mit der Magie, die wir beherrschen. Oder auch nicht beherrschen", sagte sie mit einem Blick zu dem Menschen, von dem sie nicht annahm, dass er auch nur den kleinsten Funken Magie beherrschte. Sonst hätte er sich wohl kaum von Kyana retten lassen müssen.
Es dauerte eine Weile, bis sie sich überwinden konnte, weiter zu reden und die Geschichte zu erzählen. Ihre Geschichte.
"Von Anfang an sah es nicht gut für uns aus, wie ihr sicher wisst", begann sie tonlos. "Wir waren in der Unterzahl und Galbatorix hatte fähige Magier. Im Grunde genommen war es sogar ziemlich aussichtslos. Wir kämpften, Tag für Tag, wir erlitten schwere Verluste, aber wir schafften es dennoch, auch unseren Gegnern großen Schaden zuzufrügen. Doch... Dann passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte. Rechnen konnte. "
Sie machte eine kleine Pause, verscheuchte die Bilder, die ihr unweigerlich in den Kopf kamen.
"Etwas tauchte auf. Genau sagen, was es war, kann ich nicht, aber es ähnelte einem großen, schwarzen Loch. Ich weiß nicht, woher es kam und wer dafür verantwortlich war, jedenfalls wirkten auch Galbatorix Leute ziemlich überrascht. An sich nichts schlimmes, nur sind Elfen ja so furchtbar sensibel. Von dem Ding ging etwas aus, eine Art Aura. Ich kann nur so viel sagen, dass ich höllische Kopfschmerzen bekommen habe und kaum noch klar denken konnte. Wie es den Elfen ergangen ist, könnt ihr euch vielleicht vorstellen. Die Menschen können von Glück reden, dass sie so unsensibel sind.
Aber das war nicht alles. Während der Großteil unserer Leute sowieso schon nahezu kampfunfähig war, kamen aus diesem Loch... Wesen. Ich weiß nicht, was sie waren, aber sie griffen uns an. Das war so ziemlich das Ende. Was danach passiert ist?" Tera lachte kurz auf. "Na was schon. Elfen und Menschen wurden versklavt, eingesperrt, umgebracht. Nur einige wenige konnten fliehen. Wir beide gehörten dazu, Kyana, ebenso dein kleines Anhängsel, Lucy, Kai und Kleophas. Comorel wurde gefangen genommen und wahrscheinlich getötet, und du", Tera wandte sich an Sed,
"wurdest meines Wissens nach hingerichtet. Was mit den anderen passiert ist, weiß ich nicht.
Kurz nach unserer Niederlage starteten wir beide", jetzt blickte sie wieder zu der Elfe, "zusammen mit Lucy einen Angriff auf Galbatorix. Eine Verzweiflungstat, vollkommen idiotisch und sinnlos. Mein Drache ging drauf, und deiner, Kyana, wurde so schwer verletzt, dass er nicht mehr fliegen konnte und sterben wird, falls er nicht schon längst tot ist. Heißt im Klartext, wir scheiterten. Danach gingen wir auseinander. Du bist zusammen mit dem kleinen Mädchen irgendwo in den Norden gezogen, Lucy auch, allerdings in eine etwas andere Richtung. Und ich... Nun, ich landete wieder hier, im Buckel."
Teras Blick wanderte ins Feuer, sie schaffte es nicht mehr, die beiden anzusehen.
"Reicht das?", fragte sie trocken.
So lange hatte sie seit Jahrzehnten nicht mehr geredet. Und dabei konnte es genau so gut sein, dass die beiden nur ein Produkt ihrer kranken Fantasie waren. Wobei sie für eine Illusion verdammt echt wirkten.
Seltsamerweise fühlte sie sich ein kleines bisschen besser als zuvor. Der Wahnsinn schien ihr gut zu tun.
Re: Alagaësia.
Sammy - 20.12.2009, 23:37
Sed bereute, seine Theorie ausgesprochen zu haben, als er nur verwunderte Blicke zugeworfen bekam und beide Drachenreiterinnen verneinten, dass sie jemals zuvor von solch einem Phänomen gehört hatten. Doch scheinbar bewertete er die Abwegigkeit seiner eigenen Aussage über, denn zumindest Kyana wurde sichtlich nervös und schien diese Theorie in Erwägung zu ziehen. Schließlich wandte die Elfe sich Tera zu und bat sie, die Geschehnisse der letzten zwanzig Jahre zu erläutern, die angeblich seit der Schlacht vergangen waren. Das Reden fiel ihr sichtlich schwer, doch sie überwand sich und erzählte die ganze Geschichte von Anfang bis Ende. Die Geschichte ihrer Niederlage.
Dass ihre Seite verlor war immer eine Möglichkeit gewesen, die die Anderen erwogen hatten, doch er selbst war immer der Meinung gewesen, dass sie letzten Endes gewinnen würden. Aber wenn er ehrlich zu sich war, war diese Wendung alles andere als abwegig und die Art, wie Tera sprach, vertrieben alle seine Zweifel, dass sie lügen könnte. Ihr Schmerz konnte nicht gespielt sein.
Der Grund für den Sieg ihrer Gegner war jedoch anders als erwartet nicht einfach ihre zahlenmäßige Überlegenheit, sondern angeblich irgendein schwarzes Loch, von dem die Elfen Kopfschmerzen bekommen hatten und aus dem Kreaturen herausgekrochen waren. Ganz verstanden hatte Sed es nicht wirklich, aber es handelte sich wohl wieder um irgendwas mit Magie.
Sein Herz zog sich zusammen von den Grausamkeiten, von denen Tera erzählte, und doch war er unsicher, wie er auf sie reagieren sollte, die Versklavungen, die Morden. Waren sie nun geschehen, war all das diesen Personen zugestoßen – oder würde es das erst noch? Ganz egal wie er davon dachte, es war einfach nur furchtbar zu hören, wie sich ihre Welt seit der Schlacht entwickelt hatte. Entwickeln würde…?
Die Drachenreiterin zählte ein paar Namen auf, die Sed allesamt nicht bekannt vorkamen, als plötzlich einer fiel, dessen Klang ihn aufhorchen ließ. Hat sie… sie hat gerade doch nicht wirklich Lucy gesagt, oder? Der Braunhaarige öffnete überwältigt den Mund, um nachzufragen, doch er kam gar nicht zu Wort, da Tera inzwischen weiter gesprochen hatte. Jetzt kam sie zu dem Punkt, dass er angeblich hingerichtet worden war. Und jetzt, im Lichte ihrer neuen Erkenntnis, ergab er auch Sinn. Vorher war der Gedanke irgendwie seltsam gewesen, doch jetzt, ausgesprochen, wurde Sed das ganze Ausmaß von ihm klar. Ihm drehte sich der Magen um und er hatte fast das Gefühl, sich gleich übergeben zu müssen. Er sollte nicht mehr hier sein. Tot. Er war eigentlich schon längst tot. Mit tiefen Atemzügen versuchte er, seinen Körper wieder zu beruhigen und die Übelkeit nieder zu kämpfen. Sein Leben würde also enden in – wie lange? Ein paar Monaten? Das war so wenig Zeit. Und nun war er hier und das war alles so falsch, falsch.
Oh mein Gott. Ich bin tot! Sed starrte auf das nächstbeste, was es wert war, angestarrt zu werden, und versuchte abermals, sich zu beruhigen. Er wollte sich nicht selbst bejammern – nicht hier, nicht vor diesen beiden Damen. Die angestarrte Sache entpuppte sich als eine Locke Kyanas, was ihm beschämt Röte ins Gesicht trieb. Hoffentlich hatte sie das nicht gemerkt – er wusste nicht, wie oft er sie während dieser Konversation schon angestarrt hatte und er musste schon so ziemlich unterbelichtet auf sie gewirkt haben. Sed wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er plötzlich wieder auftauchte, nun ganz klar. Ein Name: Lucy. Seine Augen weiteten sich, als er, nun wieder Tera anstarrend, erfuhr, dass jene zusammen mit Lucy und Kyana einen Angriff auf Galbatorix höchstpersönlich gestartet hatte, nachdem sie die Schlacht schon verloren hatten. Dabei sei Teras Drache getötet und Kyanas verletzt worden.Lucy… ist sie es wirklich?
Als er sprechen wollte, merkte er, dass sein Mund plötzlich sehr trocken war.
„Lu… Du sagtest >Lucy<?“, wiederholte er ungläubig.
Re: Alagaësia.
Daydream - 22.12.2009, 17:47
Wie erwartet hatte auch Tera noch nie davon gehört, dass Zeitreisen möglich waren. Es dauerte eine Weile, bis sie anfing zu erzählen. Selbstverständlich fiel es ihr schwer, darüber zu reden – und die Frage, ob sie vielleicht doch log, wurde durch ihren offensichtlichen Schmerz komplett ausgeräumt. Das konnte sie nicht spielen. Aber trotzdem klang ihre Stimme, als sie schließlich redete, erstaunlich gefasst.
Anscheinend war aus dem Nichts eine Art schwarzes Loch aufgetaucht, welches verheerende Folgen auf die viel sensibleren Elfen gehabt hatte, während es den gewöhnlichen Menschen wohl kaum etwas ausgemacht hatte. Anschließend waren „Wesen“ aus dem Loch gekommen, die sie angegriffen hatten.
Kyana starrte nachdenklich auf ihre Hände. Sie hatte die überlegenen Sinne der Elfen immer als ihren Vorteil gesehen und nicht in Betracht gezogen, dass ausgerechnet diese Stärke die Ursache für ihre Vernichtung sein konnte. Aber es war durchaus plausibel.
„Elfen und Menschen wurden versklavt, eingesperrt, umgebracht“, fuhr Tera fort. „Nur einige wenige konnten fliehen. Wir beide gehörten dazu, Kyana, ebenso dein kleines Anhängsel, Lucy, Kai und Kleophas. Comorel wurde gefangen genommen und wahrscheinlich getötet.“
Jakira geht es gut, dachte Kyana erleichtert. Die meisten von uns sind entkommen. Dann erst realisierte sie den nächsten Satz. Comorel wurde gefangen genommen und wahrscheinlich getötet. „Comorel“, flüsterte sie so leise, dass die beiden anderen es wohl gar nicht mitbekamen. Kyana spürte, wie ihre Augen feucht wurden. Comorel ist tot. Das kann nicht sein. Nein!
Mühsam versuchte die Elfe, ihre Konzentration wieder auf Tera zu richten, die bereits weitergeredet hatte. Sie erzählte gerade, dass Zarion bei einem Angriff von ihnen beiden und Lucy auf Galbatorix gestorben war, während Shuran sich dabei die Verletzung zugezogen hatte, die sie in der ‚Vision’ gesehen hatte. Nach diesem Scheitern waren sie anscheinend auseinander gegangen.
Kyana verbarg ihr Gesicht in den Händen. Comorel ist tot. Und Shuran auch, oder zumindest so gut wie. Oder würde das alles erst noch geschehen? Es war zu verwirrend und außerdem schwer zu sagen, welche der beiden Optionen jetzt eigentlich besser war. Wenn sie in ihre Zeit zurückkehrte, dann… ja, was dann? Konnte sie mit dem Wissen, dass sie hier bekam, irgendetwas verändern? Oder was das schlicht unmöglich? Möglicherweise würde gerade das, was sie versuchte, um das alles zu verhindern, zum Eintreten dieser Dinge führen.
Es ist einfach nur ein Albtraum. Es muss ein Albtraum sein. Ich wurde in der Schlacht verletzt und fantasiere. Es war alles einfach so… irreal. Einerseits fühlte es sich an, als wäre sie wirklich hier, aber andererseits konnte, wollte sie es nicht glauben.
Leicht verspätet fiel ihr auf, dass Sed etwas gesagt hatte, irgendetwas von Lucy. Sed… auch er schien dem Tode geweiht zu sein. Vielleicht wäre es einfacher, wenn sie ebenfalls sterben würde, anstatt den Untergang ihres Volkes miterleben zu müssen. Aber sie wusste, dass sie Shuran zuliebe weiterkämpfen würde.
Sie hatte das Gefühl, dass sie entweder jeden Moment einfach aufspringen und davonlaufen oder zusammenbrechen und weinen würde. Beides waren keine unbedingt guten Alternativen, also zwang sie sich, den Kopf wieder zu heben und zwischen Sed und Tera hin- und herzuschauen. Schließlich blieb ihr Blick wieder bei Tera hängen, welche ins Feuer schaute.
„Bist du sicher, dass… Comorel…“, begann sie, brach aber ab und schüttelte den Kopf. Tera hatte ihr vermutlich erzählt, soviel sie wusste. „Was genau fehlt Shuran?“, stellte sie stattdessen die nächste Frage, die ihr in den Sinn kam, obwohl sie wusste, dass die Antwort sie keineswegs erleichtern würde.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 24.12.2009, 01:07
Beide schienen einigermaßen schockiert von dem, was sie erzählte.
Sed starrte die ganze Zeit Kyana an - oder durch Kyana hindurch - während diese erst sie anstarrte und schließlich die Hände vors Gesicht schlug.
"Lu... Du sagtest Lucy?", fragte der Mensch schließlich, nachdem sie geendet hatte. Seine Stimme klang blechern, sein Blick war ungläubig.
Lucy. Der Name war kaum noch mehr als eine Erinnerung.
"Ja", entgegnete sie knapp. "Lucy. Klein, blond, blauäugig. Kennst du sie?"
Schemenhafte Erinnerungen von längst vergangenen Tagen schlichen sich in ihren Kopf.
Ihre Zeit in Ilirea. Ihre Ausbildung zum Drachenreiter. Dann der Krieg...
"Bist du sicher, dass... Comorel...", begann die Elfe und unterbrach sie damit in ihren Gedanken, wofür sie ausnahmsweise einmal dankbar war. Gleich darauf schüttelte sie jedoch den Kopf und entschied sich für eine andere Frage.
"Was genau fehlt Shuran?"
Tera überlegte kurz, bevor sie antwortete.
"Was genau ihm fehlt, weiß niemand. Ich weiß nur, dass er vergiftet wurde und sein linker Flügel... Gelähmt ist. War. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Die Lähmung breitet sich immer weiter aus, bis er irgendwann stirbt. Ein langsamer und qualvoller Tod."
Das Feuer war kurz davor, auszugehen. Tera hatte die Dunkelheit, die so über sie kam, kaum mitbekommen. Sie nahm ein paar Äste, die neben ihr lagen, und warf sie ins Feuer.
Die Flammen loderten auf, Funken sprühten. Wärme breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Doch selbst das heißeste Feuer hätte die Kälte, die sich in ihr ausgebreitet hatte, nicht vertreiben können.
Re: Alagaësia.
Sammy - 24.03.2012, 04:57
Lucy. Klein, blond, blauäugig. Kennst du sie?
Die Worte der verbitterten Kriegerin hallten in Seds Kopf wider.
Ja, so hatte sie ausgesehen, seine Kindheitsfreundin.
Es war eine Ewigkeit her, seit er sie das letzte Mal gesehen hatte. Das kleine Mädchen aus Carvahall. Das war in einem anderen Leben gewesen.
Wer wusste denn schon, ob sie hier und jetzt, angebliche 20 Jahre später, noch am Leben war?
Und wenn, dann hatte sie ihn sicher schon vergessen.
Dass er es nie geschafft hatte, sie nach Hause zu bringen, versetzte ihm einen Stich ins Herz.
Dass er es nicht geschafft hatte, irgendeinen von ihnen zu retten.
Und eigentlich sollte ich selbst auch überhaupt nicht mehr hier sein...
Ein Anflug von Schmerz huschte über sein Gesicht, nur einen Moment lang. Rasch überspielte er es, indem er mit seinen Händen durch sein Haar fuhr.
Er durfte jetzt nicht anfangen sich selbst zu bemitleiden, nicht hier, nicht vor Kyana und Tera. Was war denn mit ihrem Schmerz?
Kyana fragte zunächst nach irgendeinem Comorel nach.
Der Name kam Sed irgendwie bekannt vor, aber er konnte keine eindeutige Person damit verbinden. Zumindest schien es irgendwer gewesen zu sein, dem Kyana nahe gestanden hatte.
Dann sprachen sie über Shuran, der offensichtlich Kyanas Drache war. Er starb. "Ein langsamer und qualvoller Tod."
Sed sog scharf die Luft ein bei diesen Worten. Er bereute diese Reaktion umgehend, da er das Gefühl hatte, dass es ihm nicht zustand, auf diese Worte zu reagieren. Es war nicht sein Drache. Es war nicht seine Geschichte. Es war nicht sein Schmerz. Es war Kyanas.
Da dem offensichtlich nichts mehr zuzufügen war und er Tera noch eine Antwort schuldig war, räusperte sich und sagte in einem sanften Ton: "Ja, ich kenne... kannte sie. Wir sind zusammen aufgewachsen, Lucy und ich."
Re: Alagaësia.
Sammy - 30.03.2012, 13:53
Erschöpft ließ Kleophas sich an der Wand heruntergleiten. Seine Arme ließ er an den Seiten seines Koerpers herunterhängen, während er versuchte, wieder Atem zu fassen. Unmittelbar neben ihm befand sich ein Stapel zerfledderter Bücher, die, von einer dicken Staubschicht umhüllt, offensichtlich schon ein ganzes Weilchen hier so lagen.
Bei dem ganzen Raum schien es sich um eine Art Gerümpelkeller zu handeln, bei dem "Gerümpel" wirklich wörtlich genommen wurde, wie die Menge an mehr oder weniger unbrauchbarem Kram vermuten ließ.
Für's erste schien er hier sicher zu sein.
Halt, Moment, nein - sie.
Erst jetzt, wo sich sein Puls wieder beruhigt hatte - natürlich viel schneller, als es bei einem Menschen der Fall gewesen wäre - hatte er Gelegenheit, seine Gedanken zu ordnen.
Ungefähr alles an seinem Koerper schmerzte, aber immernoch beflügelt von der ganzen Aufregung und der unglaublichen Tatsache, dass sie es tatsächlich das raus geschafft hatten, wurde alles zu einem erträglichen Hintergrundgefühl.
Verschüchtert huschte sein kleiner schwarzer Drache zu ihm herüber und machte es sich in seiner Armbeuge gemütlich.
Er schien etwas verängstigt aber im gleichen Augenblick auch berauscht, wie ein Blick in seine vor Erregung leuchtenden blauen Augen verriet.
Nun hatte er das erste Mal Gelegenheit, seine vermeintliche Retterin richtig zu erkennen, und er stellte mit Erstaunen fest, dass er sie kannte.
Es war Kyana. Ja, Kyana die Drachenreiterin, die gerade nur wenige Meter von ihm entfernt unter einem Fenster an der Wand lehnend versuchte, das Treiben auf der Strasse draußen mitzuverfolgen.
Vielleicht war es auch nicht zu verwunderlich - wenn ihn schon jemand retten musste, dann war es auch angemessen, dass es eine Drachenreiterin war.
Sie schien keine grossen äußerlichen Verwundungen aufzuweisen. Ganz im Gegenteil zu Tera, die - kurz gesagt - so ziemlich am Arsch war.
Neben einer bedrohlichen Wunde an der Schulter - OhmeinGotthattejemandeinSchwertinsiehineingesteckt?! - sah auch ihr Knie nicht gerade gut aus.
Aber was soll's, immerhin hatten sie es tatsächlich geschafft, diesem Soldatenmeer zu entkommen. Vorerst.
"Danke, Kyana. War wohl doch etwas knapp", liess Kleophas grinsend seine Retterin wissen.
Warum nochmal waren sie von Soldaten verfolgt wurden? Klar, seinen Kopf hatten schon viele gewollt - Räuberbanden, hauptsächlich, die er seinerseits um ihr Raubgut erleichtert hatte. Aber bis jetzt war er zumindest nicht der Regierung aufgefallen.
Natürlich gab es da diese ganze Elfen-sind-der-Feind-Sache, aber dieser Steckbrief hatte ganz klar ihn dargestellt, wenn auch etwas verändert.
Darüber hatte er auf jeden Fall noch ein Wörtchen zu Reden mit Tera - aber ihr Ueberleben war im Moment wichtiger.
Kleophas drehte seinen Kopf und horchte nun ebenfalls in dieselbe Richtung wie Kyana nach draußen. Durch sein sensibles Elfengehoer konnte er klar die Geraeusche, die von außen hereindrangen, differenzieren.
Das unverkennbare Rasseln und Scheppern der Rüstungen der Soldaten sowie lautes Atmen und vereinzelte Rufe verlauteten das Näherkommen ihres Verfolgertrupps.
Einen Moment hielt Kleophas den Atem an, lauschte nur dem Getöse der einer Welle gleich vorbeirauschenden Lakaien.
Ihr Plan ging auf - anstatt in den Keller herunterzusteigen liefen diese nämlich einfach weiter die Straße entlang.
Kleophas hörte, wie sie sich immer weiter von ihrem Versteck entfernten.
Gut, fuer den Moment waren sie hier also sicher, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis die Soldaten erkannten, dass sie mittlerweile nur einem Geist hinterherjagten.
Bald würden sie wohl beginnen, die umliegenden Gebäude zu durchsuchen.
Immerhin - Zeit zum Verschnaufen, dachte Kleo sich also und begann erstmal, provisorisch seine Wunden zu versorgen.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 04.04.2012, 18:26
Tera wusste nicht, ob sie nun von Glück reden sollte, dass Elfen stets aufrichtig und hilfsbereit waren, oder, ob sie es als eine Herabwürdigung aller erster Güte einstufen sollte.
Kyana war doch tatsächlich vor ihr in die Hocke gegangen und meinte, sie würde sie tragen. Eine Elfe. Sie. Tragen.
"Geht's dir noch ganz gut? Ich kann selber - " Bei diesen Worten hatte sie zum wiederholten Male versucht, auf die Beine zu kommen, war aber wieder zusammengebrochen. Die Drachenreiterin konnte das überhaupt nicht verstehen. Warum tat ihr Körper nicht das, was sie ihm befahl? Warum war sie so am Ende?
"Tera, jetzt mach schon", drängte Kyana sie. Ein flüchtiger Blick nach hinten sagte ihr, dass sie keine Wahl hatte. Entweder, sie nahm die Hilfe der Elfe an, oder, sie würden hier alle drei abgeschlachtet werden.
"Ach, scheiße", murmelte die Braunhaarige und zog sich an Kyanas Schultern hoch auf deren Rücken. Blitzschnell richtete sich die Elfe wieder auf und rannte los. Es war seltsam, so unglaublich seltsam, einer anderen Person derart nahe zu sein und sich ihr vollständig ausgeliefert zu sehen. Tera behagte das Gefühl nicht, am liebsten wäre sie sofort wieder abgesprungen - doch sie musste sich auf die Elfe verlassen. Tera spürte die Anspannung im Körper der anderen Drachenreiterin, spürte aber auch die Kraft, mit der sie ihr eben noch das Leben gerettet hatte - und es ihr immer noch rettete. Aber vor allem spürte sie jetzt, wo die unmittelbare Gefahr nicht mehr da war, die Schmerzen ihrer Verletzungen umso deutlicher. Und, verflucht nochmal, sie würde nicht einmal mehr die Kraft haben, sie zu heilen. Darum musste sie Kyana auch noch bitten, wenn sie nicht jämmerlich verbluten wollte.
Selten hatte sich Tera so hilflos und ausgeliefert gefühlt, obwohl sie sich jetzt, wo sie diese unerwartete Unterstützung bekommen hatte, eigentlich sicherer hätte fühlen müssen.
"Ich hasse Elfen", war ihr gemurmelter Kommentar dazu, während sie sich erneut umblickte, um zu schauen, wo ihre Verfolger waren. Kyana war gerade in eine schmale Straße gelaufen, die Soldaten waren noch nicht zu sehen. Die Elfe trat eine Tür ein und bugsierte sie und den Schwarzhaarigen in einen kleinen, zugestopften Keller, in dem sie sie dann endlich - endlich - absetzte.
Tera hatte nicht mehr die Kraft mitzuverfolgen, ob die Soldaten wirklich vorbeiliefen, aber als Kleophas sich bei ihrer Retterin bedankte, ging sie davon aus, dass sie vorerst in Sicherheit waren.
"Tss. Seit wann ist Galbatorix eigentlich auf die Idee gekommen, Steckbriefe aufhängen zu lassen? Steckbriefe? Ich meine, von so einem komischen Elfen, bitte, aber mich erkennt man doch spätestens daran, dass ein großer, schwarzer Drache neben mir rumfliegt. Wozu dann bitte ein Steckbrief? Von mir?", fluchte Tera, wenn auch nicht mit so viel Elan, wie sie es gern getan hätte, und überging damit Kleophas' Aussage. Dabei drückte sie eine Hand auf die Verletzung an ihrer Schulter, als der immer noch Blut floss, und versuchte vorsichtig, ihr angeschlagenes Bein zu bewegen, was sie doch sogleich mit einem unterdrückten Schmerzenslaut wieder sein ließ. Hoffentlich kam Kyana nochmal alleine auf die Idee, ihr zu helfen - denn darum bitten würde sie nicht, das hatte sie soeben beschlossen. Ein klein wenig Stolz war ihr immer noch geblieben.
Re: Alagaësia.
Daydream - 07.04.2012, 14:19
Kyana ignorierte vorerst die Äußerung des ihr vage bekannt vorkommenden Elfen, blieb in der gleichen Haltung stehen – unbewegt, wachsam, angespannt -, bis sie sich absolut sicher war, dass sämtliche Soldaten (auch die Nachzügler, auf die man leicht vergaß zu achten) vorbei gelaufen waren, bevor sie ihre Aufmerksamkeit auf Tera und den Elfen richtete.
Mal abgesehen von ihren Wunden sah die ältere Drachenreiterin in Anbetracht von allem, das sie durchgemacht hatte, erstaunlich gut aus – tatsächlich schien sie sich von dem Trauma, das Zarions Tod für sie bedeutet hatte, erholt zu haben, sie wirkte mehr wie die Tera, die Kyana vor vielen Jahren kennen gelernt hatte. Andererseits hatte die Elfe das Gefühl, das irgendetwas mit ihr nicht stimmte. Die Narben, die sie gehabt hatte, als sie sie zuletzt gesehen hatte, hatte sie vielleicht mit Magie entfernt, aber andererseits... und warum trug sie Kleidung, die nicht zur Jahreszeit passte? Vielmehr sah sie aus, als wollte sie erneut zur Schlacht in die Wüste aufbrechen. Genau wie ihr elfischer Begleiter, nebenbei bemerkt.
Dieser war ungewöhnlich dunkelhäutig, hatte schwarzes Haar, eisblaue Augen und eine eher schmale, kleine Statur. Genau genommen wies er eine verblüffende Ähnlichkeit zu Kleophas auf, dessen schwarzer Drache damals während der Großen Schlacht geschlüpft war. Das war wohl auch der Grund, aus dem er ihr bekannt vorkam... doch Kleophas Drache musste inzwischen natürlich wesentlich größer sein und er selbst ein wenig älter wirken (nach elfischen Maßstäben „älter“, selbstredend). Und der Jungdrache... wie in aller Welt war Kleophas Doppelgänger an ein Drachenei gekommen?
Tera riss sie aus diesen Grübeleien, indem sie anfing, in echter Tera-Manier herumzumosern. "Seit wann ist Galbatorix eigentlich auf die Idee gekommen, Steckbriefe aufhängen zu lassen? Steckbriefe? Ich meine, von so einem komischen Elfen, bitte, aber mich erkennt man doch spätestens daran, dass ein großer, schwarzer Drache neben mir rumfliegt. Wozu dann bitte ein Steckbrief? Von mir?", fluchte sie, gefolgt von einem unterdrückten Schmerzenslaut, der doch für Elfenohren nicht zu überhören war.
Für einen Moment hob Kyana überrascht die Augenbrauen, aber kurz darauf wandelte sich diese Überraschung in Mitleid. Offensichtlich ging es Tera doch nicht so gut, wie sie gedacht hatte, vielmehr schien sie momentan der Illusion erlegen zu sein, dass Zarion noch am Leben war. Kyana war zwar nie sonderlich gut mit Tera zurecht gekommen (wer war das schon?), aber die früher scheinbar unverwüstliche Drachenreiterin in diesem Zustand zu sehen, zerriss ihr das Herz. Sie brachte es nicht über sich, die Ärmste jetzt eines Besseren zu belehren, verließ stattdessen nur ihren Platz an der Wand und ging neben Tera in die Hocke, ihre Wunden betrachtend. Am bedrohlichsten wirkte die Verletzung an der Schulter, und dann war da natürlich noch das Knie, das immer kompliziert zu heilen war. Sie glaubte aber, es hinbekommen zu können.
Einen Augenblick lang war sie versucht, die beiden anzuschnauzen für ihre pure Dummheit, auf diese Art in die Stadt zu marschieren, noch dazu mit einem Jungdrachen, damit ihr aller Leben zu gefährden und Kyana die Möglichkeit zu verbauen, die Stadt in naher Zukunft wieder zu betreten (wenn sie überhaupt hinauskamen, hieß das)... doch dann entschloss sie sich, dies auf später zu verschieben und sich erst einmal aufs Heilen zu konzentrieren. Eins nach dem anderen.
„Ich habe leider nichts hier, um deine Verletzungen vor dem Heilen zu reinigen“, sagte sie in einem milden Tonfall, der nichts von ihren Gefühlen verriet. „Aber wenn ihr auch nichts dabei habt -“ Ihr Blick huschte zu dem dunklen Elfen, fragend. „- muss es wohl so gehen.“
Re: Alagaësia.
Sammy - 19.07.2012, 23:24
Über den Rand hinweg erhebt sich, träge und schläfrig,
die Helle.
Emporgestiegen um zu entflammen
den Geist des Dunkeln.
Brennend. Lodernd.
So dass er dem Schein, dem Schönen
entrissen wird.
Dem Unangenehmen entgegnen, das sich
Wirklichkeit nennt.
Er wachte mit dem Geruch von Blut in der Nase auf. Das war etwas sehr Wünschenswertes und so hätte er nie damit gerechnet, bei dem Eintritt dieser Situation Unbehagen zu verspüren.
Doch nun war dies der Fall. Geronnenes Blut. Überall. So war zumindest der erste Eindruck des Schattens. Seine Augen, die er nun nach dem Erwachen das erste Mal öffnete, fühlten sich schwer und etwas wund an und eröffneten ihm die ganze Lage seiner Situation. Er, Boraas, befand sich in einem Zelt und es war heiß und hell und stank nach altem Blut und sowieso fühlte er sich recht beschissen. Sein rechter Arm tat weh.
Nach einer Weile, in der er weiterhin regungslos auf seiner Liege blieb, entschied er sich, etwas an seiner Situation zu ändern. Also sich aufrichten und nachdenken. Boraas vollführte mit einem leisen Ächzen eine mehr oder weniger elegante Bewegung, nach der er aufrecht und mit von der Liege herunterbaumelnden Beinen da saß. Sein Kreislauf – der anscheinend auch am Arsch war – beschwerte sich und den Schatten überkamen Schwindel. Menschenskinder. Tztztz. Haben Schatten überhaupt Kreislaufprobleme? Das ist doch völliger Humbug!
Erinnerungen blitzten vor seinem inneren Auge auf. Gedankenfetzen. Er war in einen Kampf verwickelt gewesen. Diese junge Drachenreiterin… richtig. So war es passiert. Er hatte sie erledigt, natürlich. Aber da war noch mehr. Bevor er sie zur Strecke gebracht hatte-
Sein Blick fiel auf seinen rechten Arm, mit dem er sich auf der Liege abstützte. Das blasse Fleisch endete an seinem Handgelenk. Statt einer Hand befand sich dort eine mechanische Apparatur aus Silber.
Dieses. MISTSTÜCK.
Sie hatte ihm die Hand abgeschlagen. Kurz bevor er es zu Ende bringen konnte.
Boraas spürte den Hass in sich auflodern. Großartig, man hatte ihn um seine Schwerthand gebracht und was sollte DAS hier eigentlich sein?
Er hob den Arm und musterte die Silberhand. Sie war einer echten Hand nachempfunden und bestand aus mehreren Gliedern, ein paar Ölflecken und Tropfen getrockneten Blutes befleckten die ansonsten glänzende Oberfläche.
Er konnte sie nicht bewegen. Wie auch, es bestand keine Nervenverbindung.
Was soll das bitte für ein erbärmlicher Ersatz sein?!
Die Zeltplane wurde zurückgeschlagen und das grelle Licht der Wüstensonne fiel in sein Zelt. Ein großgewachsener, muskulöser Mann mit sonnengegerbter Haut trat unbeirrt ein und schlenderte auf den Schatten zu.
„Na, aufgewacht?“, nuschelte er, seine Aussprache davon beeinträchtigt, dass er offensichtlich Kautabak im Mund hatte.
Nein, nein, nein. Nicht jetzt auch noch so ein Vollidiot.
Boraas‘ Laune hatte schon bessere Tage erlebt, er verspürte das erste Mal seit Jahren, vielleicht das erste Mal überhaupt, wahren Schmerz, die Wüstensonne brannte viel zu heiß und der hatte seine verdammte Hand verloren.
„Hat dich janz schön erwischt, die Kleine. War nichts mehr zu machen“, quasselte der Kerl weiter daraufhin, vollkommen unbeeindruckt von der Gestalt des Schattens.
Als Boraas keinerlei Reaktion zeigt, zog der Mann irritiert eine Augenbraue hoch. „Is‘ meine Arbeit“, meinte er, mit einer Geste auf Boraas‘ falsche Hand.
Ah. So ist das also.
„Wie…“, zischte der Schatten hervor. Seine Stimme klang ungewöhnlich heiser. Erst dann wurde ihm bewusst, wie trocken sein Hals war. Als hätte er 3 Liter Sand geschluckt. Was, zugegenermaßen, tatsächlich passiert sein konnte.
Dieser Tag. Dieses MÄDCHEN.
Was sollte er jetzt tun? Einhändig? Mitten in der größten Schlacht des Jahrhunderts?
Seine Wut stieg weiter, sein Haar hatte mittlerweile eine tiefrot leuchtende Farbe angenommen und ihm stellten sich die Haare im Nacken auf.
Verdammtes Gesindel, verdammte Elfenfreunde…
„Wie dat Ding funktioniert? Ha. Magie, mein Freund. Das wird mit Magie bewegt.“
Ah. Natürlich.
Das müsste funktionieren.
Der Kerl, offensichtlich ein Ingenieur, griff an seinen Gürtel, an dem, wie Boraas nun auffiel, einige Werkzeuge hingen, und holte ein kleines Kännchen Öl hervor.
Magie… Los, komm schon, das schaffst du.
Boraas tastete sich vorsichtig an das fremde Objekt an. Es war ein seltsames Gefühl, aber er schaffte es, seinen neuen Zeigefinger einzuknicken. Dann versuchte er auch die anderen Finger zu bewegen.
Der Schatten fletschte verärgert die Zähne. Das war gar nicht so einfach.
„Braucht Übung“, merkte der Ingenieur an und griff ganz unbeirrt nach Boraas‘ falscher Hand, um ein wenig Öl aufzutragen.
Das war zu viel.
„Ach“, zischte Boraas und seine Augen blitzten gelb auf. „Etwa so?“
Sein Arm schnellte hervor und er schloss die Finger seiner neuen Hand um die Kehle des Mannes. Er drückte zu.
„So?“
Die Augen des Mannes traten hervor, als sich die kalte, metallene Hand um seinen Hals schloss. Mit den Händen zerrte er vergeblich daran herum, um den Griff zu lösen.
Ohne los zu lassen stand der Schatten auf und hob den Mann von seinen Beinen.
Dieser wimmerte und zappelte in seinem Griff. Erbärmlich.
„Ah, vielleicht wird ja doch noch was aus dir und mir“, sagte der Schatten grinsend, ein unheimliches Leuchten in seinen Augen.
Der Mann in seinem Griff verzog hoffnungsvoll die Augenbrauen.
„Oh, nein. Nicht du. Ich meine die Hand und mich. Aus dir“ - der Schatten drückte noch einmal zu und spürte wie das Leben aus dem Körper des Mannes wich - „wird leider gar nichts mehr.“
Mit einer schwungvollen Bewegung schleuderte er den Körper weg und schlenderte pfeifend aus dem Zelt heraus.
Da gab es ein paar Leute, an denen er sich rächen musste.
Re: Alagaësia.
Sammy - 20.07.2012, 00:19
Er starrte zu dem rotgefärbten Schnee unter seinen Füßen hinab. Keuchender Atem, eisige Luft brannte wie Feuer. In den weit aufgerissenen Augen spiegelte sich Angst und Schmerz und Ungläubigkeit, und seine Finger suchten in den dicken Fellhandschuhen verzweifelt nach Halt auf den zitternden Knien, auf die sie sich stützten.
Das Rauschen des Windes in seinen Ohren erklang ihm fast wie ein höhnisches Gelächter, das auf ihn herab stürzte und ihn verspottete.
Nach ein paar Augenblicken hatte er sich wieder gefasst, richtete sich auf und führte eine zitternde Hand zu seinem Gesicht, um das lange, blutverklebte Haar aus diesem zu streichen.
Dann verzog er die Mundwinkel zu einem schmerzverzerrten Lächeln.
„Da haben wir uns ja einen ganz schönen Schlamassel eingebrockt“, meinte Kleophas mit schwacher Stimme und begann, frischen Schnee auf die zwei leblosen Körper vor sich zu häufen: den eines Menschen und den eines Drachen.
Als der Elf die Spuren des Massakers weitestgehend entfernt hatte, schnappte er sich das riesige, weiße Laken, das etwas abseits im Schnee lag, und ging damit auf die nachtschwarze Gestalt zu, die neben ihm im Schnee scharrte . Sein Drache ließ ihn unkommentiert besagtes Laken um seinen Körper hüllen, während er den Kopf abgewandt in die Ferne starrte.
Kleophas seufzte. So war sie immer.
„Hör zu, Chiko, wir haben höchstens 5 Tage Zeit, dann tauchen die hier auf. Mit dem hier hatten wir noch Glück, das nächste Mal wird es nicht so einfach.“
Kleophas redete nur, um seine eigene Aufgewühltheit zu lindern und das gerade Geschehen zu verarbeiten, Chiko wusste das natürlich selbst schon gut genug.
„Hier können wir zumindest nicht bleiben“, sagte er. Er sagte nicht, dass dieser Gegner ihn fast schon gehab t hätte. Dass sie es niemals mit mehr als einem feindlichen Drachenreiter aufnehmen könnten. Er sagte auch nicht, dass sie keinen anderen Ort hatten, an den sie gehen konnten. Dass er nicht weiter wusste.
Verdammt. Verdammt! Natürlich war mir klar, dass wir hier nicht ewig sicher sein können… Er holt sich uns eben doch noch alle irgendwann.
Die beiden in Weiß gehüllten Gestalten begannen, den verschneiten Weg zurück zu ihrer Höhle herunter zu trotten.
Etwa auf der Hälfte der Strecke übernahm die Verzweiflung in Kleophas Überhand und er brach zusammen.
Für eine gefühlte Ewigkeit konnte er nichts anderes tun, als an seinen Drachen geschmiegt nur da zu liegen und zu weinen.
Früh am nächsten Morgen brachen sie auf. Sie hatten keine Zeit zu verlieren, aber sie beide waren am gestrigen Tag zu geschwächt von dem Kampf gewesen, um direkt loszuziehen.
Sie wussten nicht, ob der Drachenreiter, der ihnen aufgelauert hatte, allein in dieser Gegend unterwegs gewesen war oder ob er sich nur gerade von seiner Gruppe abgesetzt hatte.
Sollte Zweiteres der Fall sein, hatten sie noch weniger Zeit. Aber Tatsache war, dass die anderen schon Bescheid wussten. Galbatorix´ neue Armee stand immer in direktem Kontakt miteinander, soweit Kleophas das mitbekommen hatte. Sie verhielten sich mehr und mehr wie eine Einheit, keine Individuen.
So oder so zählte seit der verheerenden Schlacht in der Wüste im ganzen Land nur noch eine Wille: der des Königs.
Falls die Verhältnisse vor der Schlacht schon katastrophal gewesen waren, so war das kein Vergleich zu jetzt.
Es gab keinen Widerstand mehr…
Sie wagten es nicht, zu fliegen. Viel zu offensichtlich würde sich Chikos schwarzer Körper vor den weißen Hängen abzeichnen. Es war eine Ewigkeit her, seit sie das letzte Mal geflogen war.
Kleophas verbrachte trotzdem die meiste Zeit auf ihrem Rücken, da er zu Fuß nicht sehr schnell war. Damals, auf seiner Flucht, hatte er sich eine Verletzung an seinem rechten Bein zugezogen und hinkte seit dem.
Am Abend erreichten sie den Fuß des Berges. Chiko machte es sich im Schnee gemütlich – Kälte macht ihr nichts aus – während Kleophas nach einem guten Rastplatz Ausschau hielt.
Es war still hier, wie immer. Die meiste Zeit waren die einzigen Geräusche, die der Elf hörte, sowieso nur seine eigene Stimme und das Rauschen des Windes.
„Wer weiß, ob überhaupt sonst noch jemand lebt… all die Zeit… wie lange?“, murmelte er vor sich hin, als er durch den Schnee stapfte. Mit sich selbst reden – das war auch eine dieser Sachen, die er sich angewöhnt hatte.
Plötzlich verharrte Kleophas mitten im Schritt, als ihm in etwas Entfernung ein goldener Schein auffiel, der aus einer kleinen Höhle herzukommen schien. Was war das, ein Feuer? Hier?
Verdammt, ich bin ihnen doch nicht mitten in die Falle gelaufen?!
Doch sein Gefühl sagte ihm etwas anderes. Einen feindlichen Drachen – zumindest einen von bedeutender Größe – hätte er längst bemerken müssen, also konnte es sich dort nicht um seine Verfolger handeln.
Kleophas hätte umdrehen und sich verstecken müssen. Hier verschwinden, noch bevor jemand aus der Höhle seine Gegenwart überhaupt bemerkt hatte. Aber er hatte das Versteck-spielen so satt.
Seine Hand wanderte zu dem Griff seiner Axt. Und wenn ich hier jetzt sterbe – vielleicht soll es ja so sein…
In dem Moment konnte man sagen, dass die Einsamkeit ihn wirklich hatte verrückt werden lassen, als er plötzlich, so schnell es sein Bein erlaubte, auf die Höhle zu lief.
Re: Alagaësia.
Daydream - 02.10.2012, 22:34Kai
Er wusste nicht weiter.
Er wollte es nicht, aber er konnte nicht anders als zu denken, dass die Situation vollkommen hoffnungslos war, während er seine Hände so dicht an die Flammen hielt wie er konnte, ohne sich Verbrennungen zuzuziehen. Die Schmerzen, die er dabei hatte, waren vermutlich ein gutes Zeichen - die Finger waren noch nicht erfroren - aber was würde ihnen das auf lange Sicht nützen? Früher oder später würden sie wieder hinausgehen müssen, um neues Holz zu holen oder etwas zu essen aufzutreiben, doch draußen würden sie mit ihrer wüstengeeigneten Kleidung nicht lange überleben. Er war bei weitem kein pessimistischer Mensch, aber es war wohl unmöglich abzustreiten, dass es schlecht aussah.
Ein leises Schluchzen riss Kai aus seinen Gedanken und veranlasste i hn, seinen Blick von den tanzenden Flammen abzuwenden und stattdessen zu Jakira hinüber zu sehen. Diese hatte ihre Knie an den Körper gezogen und ihr Gesicht in den Armen vergraben. Als er genauer hinsah, stellte er fest, dass die außerdem am ganzen Körper zitterte, ganz davon abgesehen, dass sie offensichtlich weinte.
Kai starrte für einen Moment. Ein weinendes Mädchen war etwas, womit niemand sich auseinandersetzen müssen sollte. Aber offenbar musste er, Kai, sich jetzt damit auseinandersetzen.
Zögerlich rückte er nah genug an Jakira heran, so dass er ihr die Hand auf die Schulter legen konnte, ohne dass es albern aussah, und öffnete gerade den Mund, um etwas zu sagen, von dem er hoffte, dass es tröstend war, als er auf einmal ein Geräusch von draußen hörte... Ein leises Knirschen, so wie Schritte im Schnee. Oder bildete er es sich nur ein?
"Jakira", sagte Kai trotz dieser Zweifel und stellte erleichtert fest, dass er inzwischen wieder normal reden konnte, auch, wenn seine Stimme etwas heiser klang. "Ich glaube, da ist jemand."
Re: Alagaësia.
Nightmare - 09.10.2012, 16:26Jakira
Durch die eisige Wand aus Kälte spürte Jakira, wie sich sanft eine Hand auf ihre Schulter legte. Kai hatte sich neben sie gesetzt, versuchte wohl, sie zu trösten. Doch nicht diese Geste war es, die das Mädchen aus seiner Starre riss, sondern vielmehr das, was der andere Drachenreiter daraufhin sagte.
"Jakira", sagte er, "ich glaube, da ist jemand."
Erschrocken fuhr sie hoch, lauschte. Tatsächlich, da war etwas. Das leise Geräusch von knirschendem Schnee, so, als würde sich jemand draußen fortbewegen. Und zwar in Richtung der Höhle, in der sie gerade saßen.
Panisch sprang Jakira auf, stolperte, fiel beinahe wieder hin und brachte sich mehr oder weniger in Kampfposition. Sie wusste immer noch nicht, wo sie waren, geschweigedenn, wer das da draußen sein könnte, aber bei einer Sache war sie sich sicher: Sie waren durch Magie an diesen Ort gelangt, wahrscheinlich durch feindliche Magie, und wer auch immer gleich im Höhleneingang erscheinen würde, er oder sie hatte bestimmt nichts Gutes im Sinn.
Neben ihr rappelte sich auch Kai auf, wenn auch etwas eleganter als sie selbst, und zog sein Schwert, wohl, um einen möglichen Angreifer gleich abwehren zu können. Jakira tat es ihm gleich, und so stand sie dann da: schweigend, zitternd, mit verweintem Gesicht und Angst in jeder Faser ihres Körpers, wartend, dass gleich jemand kam und sie angriff. Sie hatte das Gefühl, dass die Zeit sich ewig dehnte, einfach nicht verstreichen wollte. Es war, als wäre sie für immer in diesem einen Moment des Wartens gefangen, als würde diese wachsende Anspannung niemals aufhören.
Und gerade, als sie zu zerspringen drohte, erschien die Gestalt eines Mannes im Höhleneingang. Er war etwas kleiner als Kai und hatte dunkle, lange, lockige Haare, die ihm wirr ins Gesicht fielen. Seine Züge waren weich, doch schienen sie vom Kampf gezeichnet und der Ausdruck auf seinem Gesicht war gehetzt und ernst.
Ein paar Sekunden lang starrten sie sich nur an, unfähig, die Situation oder den Gegenüber richtig einzuschätzen. Er hatte sie nicht sofort angegriffen. Er schien allein zu sein. Und doch machte Jakira dieser Mann mit den Narben im Gesicht Angst, so viel Angst, dass ihr schon wieder Tränen über das Gesicht liefen und ihre Hände so stark zitterten, dass sie Mühe hatte, ihr Schwert festzuhalten.
"W-wer -", begann sie, doch ihre Stimme war so leise, dass man sie kaum hören konnte. Also versuchte sie es noch einmal.
"Wer bist du?"
Re: Alagaësia.
Sammy - 02.11.2012, 00:51Present!Kleo
Kleophas brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass er angesprochen worden war. Irritiert schaute er von der Wunde an seinem Bein auf, mit deren Heilung er gerade beschäftigt war.
„Äh… nein, tut mir leid“, antwortete er auf die Frage der Elfe hin.
Kyana versorgte offensichtlich gerade Teras Wunden, die dafür selbst eindeutig zu ramponiert war. Tera schien die ganze Sache allerdings nicht sehr recht zu sein.
Dabei störe ich sie jetzt besser mal nicht, dachte Kleophas sich und ließ seinen Kopf gegen die Wand zurückfallen.
Sein Körper hatte sich von dem kürzlichen Aufruhr wieder weitestgehend erholt, doch es steckte eine tiefere Erschöpfung in seinen Knochen, deren er sich nun, da er endlich ein wenig Ruhe hatte, bewusst wurde.
Warum Galbatorix Steckbriefe von ihnen aufhängen ließe, hatte Tera gefragt.
Ja, verdammt. Das würde ich auch gerne wissen.
Erst waren sie vom Schlachtfeld in dieser verdrehten Welt gelandet und dann hatten sie sich plötzlich von Soldaten verfolgt in dieser Stadt wiedergefunden – mit Kyana. Die Welt machte zusehends weniger Sinn.
Aber solange du bei mir bist, ist das alles auch nur halb so schlimm, dachte er und zwinkerte dem kleinen schwarzen Drachen neben sich zu.
Nach einer kurzen Weile nahmen die Fragen, die in seinem Kopf herumschwirrten, überhand und er konnte sein selbst auferlegtes Schweigen nicht mehr aufrecht erhalten.
„Kyana… warum haben uns diese Soldaten da eben verfolgt? Ganz ehrlich gesagt sollten die nicht mal meinen Namen kennen und jetzt bin ich Staatsfeind Nummer 1 oder was? Und überhaupt – wo sind wir hier eigentlich?!“
Re: Alagaësia.
Nightmare - 15.11.2012, 05:18Tera
Tera hatte Glück. Kyana kümmerte sich tatsächlich ungefragt um ihre Verletzungen, auch, wenn sie sie nicht desinfizierte - aber das war ihr im Moment herzlich egal. Hauptsache, die Schmerzen hörten auf, sodass sie nicht mehr auf die Hilfe der Elfe angewiesen war.
Es kribbelte und juckte, als die Drachenreiterin ihre Hände ausstreckte und begann, die Verletzung an ihrer Schulter zu heilen. Tera wandte den Blick ab, lehnte ihren Kopf gegen die Wand und starrte ein verstaubtes Regal an, während die Schmerzen langsam nachließen und sie sich ein wenig entspannte. Kyana war eine gute Heilerin, eine bessere als sie, das musste sie zugeben, und so konnte sie ihren Arm bald wieder normal bewegen. Auch ihr Knie war kurz darauf wieder in Ordnung, sodass die Elfe sich wieder aufrichtete und gegen eines der herumstehenden Regale lehnte. Tera wusste, dass die Heilung sie Kraft gekostet haben musste, aber wenn Kyana erschöpft war, so ließ sie es sich nicht anmerken. Auch Tera überlegte für einen Moment, wieder aufzustehen, doch angesichts ihrer Erschöpfung entschied sie sich vorerst dagegen. Stattdessen beugte sie vorsichtig ihr nun geheiltes Knie, stellte fest, dass es wieder funktionierte und fuhr sich mit der Hand durch die Haare, die in ihr Gesicht fielen. Dann blickte sie zu Kyana, schaute wieder weg und blickte sie schließlich wieder an. Sie öffnete den Mund - und schloss ihn wieder, als Kleophas, welcher inzwischen seine Verletzungen selbst geheilt hatte, sich zu Wort meldete.
"Kyana, warum haben uns diese Soldaten da eben verfolgt? Ganz ehrlich gesagt sollten die nicht einmal meinen Namen kennen, und jetzt bin ich plötzlich Staatsfeind Nr. 1, oder was? Und überhaupt - wo sind wir hier eigentlich?"
Tera war ihm sehr dankbar für diesen Einwurf, denn er bewahrte sie davor, sich bei der Elfe bedanken zu müssen. So wandte sie sich jetzt auch den Gedanken des Dunkelhaarigen zu.
"Das stimmt, nicht einmal ich kannte den Kleinen bis eben, und eine große Gefahr - das hat er eben erfolgreich unter Beweis gestellt - ist er wirklich nicht. Es ist ziemlich anmaßend, ihn mit mir auf eine Stufe zu stellen. Aber die andere Frage ist berechtigt - wo zur Hölle sind wir hier gelandet? Die Stadt kommt mir bekannt vor, aber irgendwie auch wieder nicht. Also, wo sind wir? Und hast du zufällig eine Ahnung, wie wir hier hin gekommen sind?"
Re: Alagaësia.
Sammy - 27.12.2012, 02:22Future-Kleophas
Kleophas blieb im Höhleneingang stehen, den Arm mit der Axt immer noch erhoben. Er kniff die Augen zusammen. Er zuckte mit dem Arm, als wollte er zum Schlag ausholen, ließ diesen dann aber doch wieder sinken. Er starrte noch immer.
Was zum…?
Es war so lange her gewesen, dass es ihm schwer fiel, diese Kinder zu erkennen, doch die vor Kälte geröteten Gesichter der Zwei, die dort vor ihm standen, riefen etwas in ihm hervor.
„Heilige Scheiße“, hauchte Kleophas, als er sich davon überzeugt hatte, dass das, was gerade passierte, kein Traum oder eine Halluzination war – was, gegeben der Umstände, gar nicht so abwegig wäre. Jakira. Kai.
Niemand sonst war in der Nähe, mit Sicherheit keine anderen Drachen, und die beiden waren dem Tod näher als dem Leben – als sich Kleophas dessen überzeugt hatte, zerbrach der gehetzte Ausdruck auf seinem Gesicht und seine Mundwinkel schoben sich zu einem leicht irren Grinsen hoch, zögerlich, als hätte er es verlernt.
Er tat einen Schritt nach vorne, entschied sich dann aber dagegen, als ihm klar wurde, dass die beiden selbst nicht wussten, wer er war – daher die Frage.
„Kle…“, er räusperte sich, „ich bin Kleophas. Kleophas.“ Er wiederholte sich, als würde dies seine Aussage irgendwie wahrer machen.
Er war Kleophas, der Drachenreiter, nämlich jener, welcher sich feige aus dem Staub gemacht hatte, als die Schlacht ihm damals als aussichtslos erschien.
„Jakira… Kai…“, murmelte er und verfiel dann in ein abgehacktes, manisches Kichern. Freude, Überraschung, Angst und Misstrauen rangen gerade in ihm miteinander.
So viele Fragen rief das Auftauchen der beiden Drachenreiter, gerade hier, gerade jetzt, in ihm hervor – warum waren sie hier? Waren sie gekommen, um ihn zu holen? Waren sie selbst auf der Flucht? Aber ihr Anblick sagte ihm, dass, wenn er nicht bald irgendwas unternehmen würde, die beiden kaum mehr in dazu in der Lage sein würden, ihm irgendwas zu beantworten – sie sahen nämlich so aus, als würden sie die Kälte nicht mehr lange mitmachen.
Dass ihm das erst bewusst wurde, nachdem er schon eine ganze Weile in dem Höhleneingang verharrt hatte, beschämte ihn. Er stieß ein Geräusch, das einem Eulenschrei glich, aus, und hörte nur Augenblicke später das Knirschen von Schnee hinter sich, als Chiko in seinem Rücken auftauchte.
Im nächsten Moment eilte er mit Decken auf Jakira und Kai zu, während Chiko den Raum mit ihrem heißen, rauchigen Atem ausfüllte.
Dies alles tat er, während er weiter vor sich hin murmelte, ohne sich dessen selbst kaum bewusst zu werden.
Nachdem er den beiden Decken übergeworfen und ihr eigenes, kümmerliches Feuer etwas angestachelt hatte, setzte er sich zurück, die Axt auf seinem Schoß und seine Hände auf dieser ruhend. Mit weiten Augen starrte er die beiden Drachenreiter an, abwartend, dass etwas Leben in diese zurückkehrte.
Re: Alagaësia.
Daydream - 29.12.2012, 23:19Future-Kyana
Kyana sah von ihrem Platz am Regal amüsiert zu, wie Tera ein paar Mal zu ihr hin und gleich darauf wieder weg schaute, dann den Mund öffnete und wieder schloss. Zumindest in dieser Hinsicht hatte sie sich offensichtlich kein Stück verändert. Und dann bewahrte der junge Elf, der Kleophas so ähnlich sah, sie davor, sich tatsächlich bedanken zu müssen.
Als Kyana aber hörte, was er da zu sagen hatte, schossen ihre Augenbrauen in die Höhe. Was zum…? Dass Tera durcheinander war, konnte sie ja noch nachvollziehen, aber dieser Elf – dieser Drachenreiter – schien entweder geistig schwer unterbelichtet oder ebenfalls etwas durch den Wind zu sein.
Einen Moment lang starrte sie den Elfen ungläubig an, wandte dann den Blick zu Tera, um vage aufzunehmen, was diese zu sagen hatte, und starrte noch etwas länger zwischen den beiden hin und her.
„…Wir sind in Teirm“, antwortete sie schließlich, während sie noch darüber nachgrübelte, ob das Ganze ein schlechter Scherz, eine Verschwörung oder ein schräger Traum war. Alle drei Varianten erschienen Kyana nicht ganz unwahrscheinlich. Sie beschloss, Tera Frage, wie sie hierhin gekommen waren, vorübergehend zu ignorieren, da sie ja offensichtlich unter einer Art Gedächtnisverlust litt und sich davon sicher (hoffentlich) bald erholen würde. Doch als ihr Blick wieder auf den kleinen schwarzen Drachen neben dem dunkelhäutigen Elfen fiel, konnte sie sich nicht mehr zusammen reißen, stieß sich vom Regal, gegen das sie lehnte, ab, und lief in dem kleinen Raum auf und ab, so gut es ging.
„Warum die Soldaten euch verfolgt haben? Vielleicht, weil ihr die idiotische Idee hattet, mit einem Jungdrachen durch die Stadt zu laufen!?“, sagte sie, sehr darum bemüht, nicht so zu klingen, als würde sie gleich anfangen, laut zu schreien und die beiden, die sie gerade erst gerettet hatte, mit einem Stuhlbein zu vermöbeln, aber kläglich scheiternd. Zumindest schaffte sie es, ihre Stimme in einer geringen Lautstärke zu halten, da sie sich schließlich immer noch versteckten.
Sie musste wirken wie eine Verrückte. Was sehr ironisch war.
Re: Alagaësia.
Sammy - 30.12.2012, 23:27Kleophas
Auf Teras Beleidigung hin warf Kleophas ihr erst mal einen entrüsteten Blick zu. Viel Zeit, um verletzt zu sein, hatte er allerdings nicht, da Kyana nun endlich auf ihre Fragen einging.
Auf ihren, musste man schon fast sagen, Ausbruch, reagierte Kleophas mit einem dem Ernst der Lage nicht ganz angemessenen Grinsen – was wahrscheinlich nicht so unbedingt klug war, da die Elfe sowieso schon gereizt wirkte – aber er konnte es sich nicht verkneifen.
Wenn er durch die Tatsache, mit einem Drachen durch die Stadt zu laufen, angegriffen worden wäre – das wäre schon verdammt komisch. Seine neue Lage hörte einfach nicht auf, ihn zu erstaunen.
Zumindest hatte er sich dahingehend keine Vorwürfe zu machen.
„Nein, also, ihn hier hatte ich verborgen gehalten“, sagte er und fuhr dem schwarzen Jungdrachen mit dem Zeigefinger über die Stirn, woraufhin dieser ein zufrieden klingendes Schnurren abgab.
„Das Problem waren eher diese Steckbriefe von uns“ – er schaute zu Tera hinüber – „die in der Stadt hängen.“
Genau, nämlich eben auch einer von ihm, also musste das ja wohl heißen, dass er in irgendeiner Art und Weise in derselben Kategorie wie Tera steckte.
Kleophas fuhr sich durch die schwarzen Locken und seufzte leise. „Ich habe leider nicht den geringsten Schimmer, wie wir in Teirm gelandet sein sollen. Dafür müssten wir schon arg vom Weg abgekommen sein.
Und überhaupt, wie kommt es, dass sich noch so ein großes Soldaten-Kontigent in der Stadt befindet…?“
Re: Alagaësia.
Daydream - 01.03.2013, 20:55Kai
Kai stand, immer noch vor Kälte zitternd, neben Jakira und versuchte, zumindest die Hand, mit der er den Griff seines Schwertes umklammerte, ruhig zu halten. Dies gestaltete sich als wesentlich schwieriger, als es sollte, unter anderem, da er seine Finger nach dem viel zu kurzen Aufwärmen überm Feuer schon wieder taub wurden.
Er und Jakira mussten einen erbärmlichen Eindruck abgeben, doch nichtsdestotrotz versuchte Kai möglichst bedrohlich auszusehen, als schließlich eine Gestalt im Höhleneingang auftauchte – eine Gestalt mit einer Axt in der Hand.
Heilige Scheiße, dachte Kai und musste fast lachen, als der mutmaßliche Axtmörder genau diese Worte aussprach. Dieser war etwas kleiner als er und ebenfalls dunkelhäutig. Und als Kai etwas genauer hinschaute, stellte er fest, dass es sich ganz offensichtlich um einen Elfen handelte.
Er wollte sich gerade freuen, dass sie wohl doch nicht jeden Moment gemeuchelt werden würden, als der Fremde anfing, manisch zu grinsen. Er stellte sich als ‚Kleophas‘ vor – was Kai nichts sagte – murmelte ihre Namen und kicherte wie ein Irrer.
Unwillkürlich bewegte Kai sich ein wenig zur Seite, so dass er Jakira halb verdeckte und versuchte, seinen durch die Kälte träge gewordenen Gedanken einen Plan abzuringen, wie sie nach monatelanger Schlacht in der Wüste nicht auf einem verschneiten Berg durch einen irren axtschwingenden Elfen ihr Ende finden konnten.
Damit war er so beschäftigt, dass er zusammenzuckte, als Kleophas eine Art Eulenschrei ausstieß. Und als hinter ihm daraufhin ein schwarzer Drache auftauchte, konnte er nichts anderes tun als starren.
Bevor er entscheiden konnte, was diese überraschende Wendung nun zu bedeuten hatte, saßen er und Jakira schon in Decken gewickelt am Feuer, und Gefühl begann in seine Gliedmaßen zurückzukehren, wenn auch Gefühl im Sinne von tausenden winziger Nadeln, die auf ihn einstachen.
Er starrte den Elfen, welcher sie mit großen Augen beobachtete, mit einem vermutlich etwas dümmlichen Gesichtsausdruck an, bevor sein Blick zu dessen Drachen huschte und er das erste aussprach, was ihm einfiel: „Du bist ein Drachenreiter?“
Zu seiner Verteidigung musste gesagt sein, dass er gerade knapp dem Erfrierungstod entgangen und noch nicht wieder ganz auf der Höhe war.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 21.03.2013, 21:04Jakira
Als der Mann plötzlich anfing zu lachen, war Jakira immer noch wie gelähmt, hatte aber plötzlich nicht mehr so große Angst. Und als er dann seine Axt sinken ließ, einen seltsamen Ruf ausstieß und plötzlich ein Drache - ein Drache! - hinter ihm im Schnee auftauchte, kam ihr die ganze Situation langsam immer absurder vor.
Dass der Mann sich als Kleophas vorstellte machte es nicht besser, denn sie hatte diesen Namen schon einmal gehört, wenn sie auch nicht mehr wusste, zu wem er gehört hatte.
Ehe sie sich noch mehr wundern konnte, hatte der Mann ihr schon eine Decke um die Schultern gelegt und sie neben das nun etwas wärmendere Feuer gesetzt. Jakira fühlte, wie ihre Gliedmaßen anfingen zu brennen, ein Zeichen dafür, dass sie wohl doch noch nicht erfroren war. Es tat höllisch weh, besonders in den Händen, und doch war sie zu verwirrt, um es bewusst warzunehmen.
Kleophas hatte sich ihnen inzwischen gegenüber gesetzt, und jetzt hatte sie Zeit, ihn noch einmal in Ruhe zu betrachten. Nun, wo sein Gesichtsausdruck nicht mehr so gehetzt war, wirkte er gleich etwas freundlicher, doch insgesamt machte er den Eindruck von jemandem, der nah an der Grenze des Wahnsinns stand - oder diese womöglich schon überschritten hatte. Jakira zog sich die Decke etwas enger um die Schultern und umklammerte dann ihre Knie. Sie zitterte immer noch unkontrolliert, und sie schaffte es nicht, sich daran zu hindern. Und es war nicht nur die Kälte, die sie zittern ließ. Es war auch dieser Mann. Ihr fiel auf, dass er spitze Ohren hatte - ein Elf war er also. Was das ganze noch viel seltsamer machte. Wie um alles in der Welt bekam man einen Elfen dazu, so zu werden? Was musste er durchgemacht haben?
Sie wollte es sich gar nicht ausmalen.
Ihr Blick wanderte zu dem Drachen, der nun hinter Kleophas lag und die drei aufmerksam beobachtete. Er sah, zumindest für einen Drachen, eher freundlich aus, doch Jakira traute sich nicht, die Mauer um ihren Geist fallen zu lassen und sich an das Bewusstsein des Drachens heranzutasten.
"Du bist ein Drachenreiter?", fragte Kai, der wohl mindestens genauso verwirrt war wie sie. Dennoch war sie sehr dankbar, dass sie nicht allein mit diesem Elfen hier saß.
Jakira wandte ihren Blick wieder dem Elfen zu, wartete auf eine Antwort. Eine Antwort, die hoffentlich erklären würde, was hier eigentlich vor sich ging.
Re: Alagaësia.
Nightmare - 06.10.2013, 16:56Tera
„Wir sind überhaupt nicht vom Weg abgekommen“, entgegnete Tera trocken und ohne Kleophas anzusehen.
„Weil wir nämlich auf keinem Weg waren. Bis vor einer Stunde waren wir noch in der Hadarac-Wüste und haben in der Schlacht gekämpft, dann waren da diese Löcher im Boden, diese seltsame Welt ...“
Sie erinnerte sich wieder an die Bilder, die sie gesehen hatte, beschloss aber, sie nicht weiter zu erwähnen. Was auch immer das gewesen war, gng die anderen nichts an.
„... Es muss also mit Magie zu tun haben, dass wir plötzlich in Teirm sind. Irgendwie müssen Galbatorix' Magier, oder sogar er selbst, es geschafft haben, uns hier her zu bringen. Und dabei alle unsere Abwehrzauber zu umgehen … Eine beachtliche Leistung. Die Soldaten waren dann wohl Teil des Plans, uns voneinander zu trennen und unschädlich zu machen“, schlussfolgerte sie. Das war immerhin die einzig logische Erklärung für die ganze Sache – wobei sie nicht die Bilder erklärte, aber das ignorierte Tera erst einmal. Auch die würden wohl irgendwie mit Magie zusammen hängen, da war sie sich ziemlich sicher.
„Was aber viel interessanter ist,“ fuhr die Drachenreiterin fort, jetzt an Kyana gewandt, „ist, was sie mit dir angestellt haben. Ich nehme an, dass dir das gleiche passiert ist wie uns“, dabei nickte sie kurz in Richtung des Elfen, „allerdings scheinst du dich nicht daran erinnern zu können. Was also haben sie mit dir gemacht? Und warum?“
Tera musterte die Elfe mit einem durchdringenden Blick. Sie trug keine Wüstenkleidung mehr, und auch, wenn sie nichts genaueres sagen konnte – so gut kannte sie Kyana immerhin nicht – irgendwie wirkte sie anders als sonst. War es nur die Kleidung? Oder ihr gesamtes Auftreten? Tera konnte sich das alles noch nicht so genau erklären, wie sie gern wollte.
Re: Alagaësia.
Daydream - 01.05.2014, 16:46Future-Kyana
Kyana war auf eine morbide Art uns Weise fasziniert von Teras Gefasel. Offenbar dachte sie tatsächlich, vor kurzem noch in der Hadarac-Wüste gekämpft zu haben, und erzählte außerdem irgendetwas von Löchern im Boden und einer 'seltsamen Welt'. Das wirklich Schräge war allerdings, dass der dunkelhäutige Elf unter der gleichen Illusion zu stehen schien... der Elf, der aussah wie Kleophas und einen kleinen schwarzen Drachen hatte.
Vielleicht wurde auch sie verrückt. Es würde sie nicht übermäßig überraschen.
"Hört zu", sagte sie, und lehnte sich leicht nach vorn, um die beiden eindringlich anzusehen. "Niemand hat etwas mit mir gemacht, und ich bezweifle, dass ihr zuletzt in der Hadarac-Wüste wart. Es ist zwar theoretisch möglich, dass ihr von dort hierher gebracht wurdet, aber ich glaube zu wissen, dass du -" Sie deutete auf Tera. "- dich in den Buckel zurückgezogen hast. Es gibt keine Schlacht. Es hat seit fünfzehn Jahren keine Schlacht gegeben. Wenn Galbatorix wüsste, wo wir sind, würde er sicher keine Magie darauf verschwenden, uns zu trennen, sondern uns gleich einen Trupp seiner Drachenreiter auf den Hals jagen. Wo wir davon sprechen, weiß er inzwischen wahrscheinlich sogar, wo wir sind, was heißt, dass wir die Stadt so schnell wie möglich verlassen sollten."
Ihr Gesichtsausdruck verfinsterte sich. Sie war shcließlich nicht grundlos hieher gekommen... aber sie hatte Shuran versprochen, bei den kleinsten Schwierigkeiten zu verschwinden, und diese Schwierigkeiten waren alles andere als klein.
"Ich werde frühestens in einem Jahr wieder herkommen können."
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