Verfügbare Informationen zu "Das kleine Land am anderen Ende der Welt"
Qualität des Beitrags: Beteiligte Poster: SoBen Forum: Jubewo.de Forenbeschreibung: Forum von Jubewo.de aus dem Unterforum: Liebe Worte Antworten: 1 Forum gestartet am: Sonntag 12.11.2006 Sprache: deutsch Link zum Originaltopic: Das kleine Land am anderen Ende der Welt Letzte Antwort: vor 14 Jahren, 1 Monat, 8 Tagen, 1 Stunde, 14 Minuten
Alle Beiträge und Antworten zu "Das kleine Land am anderen Ende der Welt"
Re: Das kleine Land am anderen Ende der Welt
SoBen - 17.02.2009, 16:16Das kleine Land am anderen Ende der Welt
Das kleine Land am anderen Ende der Welt
Das Land am anderen Ende der Welt war so klein, daß ein Elefant, wenn er darüberpinkelte, eine komplette Überschwemmung verursacht hätte. Zum Glück gab es aber dort kaum Lebewesen, die größer waren als Ameisen. Die kleine Bevölkerung bestand hauptsächlich aus bunt schillernden klitzekleinen Sandflöhen, die emsig hin und her und wieder hin und her sprangen. Recht viel mehr hatten sie nicht zu tun und zu mehr waren sie auch nicht zu gebrauchen. Der restliche Teil der Bewohner waren Schuhfische, Luchsnattern, dreischwänzige
Eidechsenkröten und fliegende Stachelaffen. Die kleinen Städte, in denen sie wohnten, waren Ansammlungen von Schneckenhäusern, die noch aus der Mahlzeit übrig geblieben waren. Fortbewegungsmittel waren Käfer, sogenannte Verschwindibusse. Und wenn man wirklich mal weiter weg auf Urlaub wollte, nahm man die Libellenairline, ein exklusives Transportmittel übrigens, wenn man es sich leisten konnte, denn ein Flug kostete mindestens eins der 34 Leben, die man hier zur Verfügung hatte.
Die Schuhfische, die es in diesem Land gab, hatten praktischerweise statt der Schwanzflosse einen Schuh, mit dem sie sich sowohl im Wasser als auch auf dem Land fortbewegen konnten. Das einzige Problem, das sie auf dem Trockenen hatten, war, daß ihnen beim Sprechen immer wieder bunte Blasen aus dem Mund aufstiegen. Das sah dann so komisch aus, daß die, mit denen sie sich unterhielten, vor lauter Lachen kaum verstanden, um was es ging. Es war ein fröhliches Volk in dem kleinen Land am anderen Ende der Welt.
Eine Woche hatte dort glücklicherweise nur vier Tage, wovon zwei Tage Arbeitstage und die anderen zwei Tage Wochenende waren. So gab es den Mondtag, den Sterntag, den Komettag und den Sonnentag.
Eines Sterntags in der Früh passierte etwas wirklich merkwürdiges. Als gerade Mister Frischfisch so über die Straßen hüpfte und ihm beim vor sich hin singen die lustigen bunten Bläschen aus dem Mund blubberten, fiel eine kleine Walnuß aus heiterem Himmel direkt vor seine Füße und zerbrach. Als sich der silberne Rauch, der daraus hervorqualmte, endlich verzogen hatte, sah Mister Frischfisch, daß ein klitzekleines Taschentuch darin lag, wo "Bitte Schütteln" draufstand. Dazu mußte er erstmal eine der dreischwänzigen Eidechsenkröten herbeirufen, denn Schuhfische haben ja bekanntlich keine Hände. Also fragte er schnell die nette Dame am Imbißstand, die gerade mit der Schönheitspflege ihres dritten Schwanzes beschäftigt war.
Als sich Frau Schillerschuppe endlich von ihrem Lachanfall erholt hatte, schüttelte sie kräftig das klitzekleine Taschentuch. Plötzlich wirbelte ein derartiger Sturm glitzernder Marmeladenstückchen durch das Dorf, daß alle Häuser durcheinandergerieten und sämtliche Bewohner kreuz und quer durch die Luft flogen. Mittendrin jedoch stand ein Marmeladenstück ganz ruhig einen Meter über dem Boden und fing an zu leuchten. So hell... und schön, daß Mister Frischfisch alles um sich herum vergaß. Er sah nur auf das grelle Licht, daß in Glanz und Pracht einem dreiundzwanzigfarbigen Regenbogen gleichkam. Als er genauer hinsah, konnte er in der Mitte des Lichtes ein kleines buntes Wesen erkennen, daß langsam zur Größe eines Fingerhutes heranwuchs. Der durchsichtige Körper des Wesens war mit wundervollen verschnörkselten Mustern übersäht und die Flüssigkeit, die durch diese Verzierungen lief, war die Ursache für das phantastische Leuchten. Aus dem Kopf wuchs ihm eine Art Pilz, der wohl vor Regen und Sonne schützen sollte. Es konnte aber auch eine Art Lampe sein, um nachts nicht an liegengebliebene fünfäugige Robbenamöben zu stoßen. Tatsache war jedenfalls, daß das Wesen einen Namen brauchte, denn in dem kleinen Land am anderen Ende der Welt, war es die Regel, daß Dinge oder Wesen, die keinen Namen hatten, schlichtweg einfach nicht existierten. Da Mister Frischfisch auf Anhieb keine Idee hatte, rief er die Versammlung ein, um sich Rat zu holen. Die Versammlung bestand aus einer Truppe halbgesichtiger Luchsnattern, die sich normalerweise mit so banalen Problemen wie Schneckenhausbalkonanbauwünschen beschäftigten. Als sie von Mister Frischfisch aufgesucht wurden, der das glänzende durchsichtige Wesen an einem Ärmel hinter sich herzog, mußten sie die nächsten zwei Arbeitstage so sehr überlegen, daß der Rauch, der aus ihren Köpfen qualmte den ganzen
Versammlungsraum niederbrannte. Schließlich verkündete der Luchsnatternversammlungsvorsitzende, daß es ja schließlich nicht ihre Aufgabe sei, einen Namen zu finden, da ja Mister Frischfisch das Wesen gefunden habe. Es sei also an ihm, einen Namen zu finden, und bis es so weit sei, würde das Wesen ja eh nicht für sie existieren.
Also machte sich Mister Frischfisch auf Richtung Schubladenwald, denn ihm wurde nachgesagt, daß in jedem Baum der dort stand, eine Schublade sei, die einen schlauen Rat wüßte. Ebensoviele Schubladen liefen allerdings auch barfüßig kreuz und quer durch die Bäume und erzählten so viel Unsinn, daß schon so mancher tapferer Krieger sein Ende dort gefunden hatte. Als Mister Frischfisch also den gelben Schubladenwald betrat, hüpfte eine Schublade singend vorbei und rief: "Wenn ihr Husten Sonnenbrand hat, sollten sie lieber dem Therapeuten einen fünfkarätigen Holzklumpen durchs Ohr ziehen", worauf eine andere meinte "Seit meine Orangen mit Gummistiefeln gefüttert werden, reimt sich auch wieder der Mond". Aber Mister Frischfisch ließ sich nicht beirren und zog tapfer sein Wesen hinter sich her, bis er eine alte Blaubeerbuche fand und eine der Schubladen herauszog. "Wie kann ich dir helfen?" tönte es aus der Tiefe der Lade. Ich muß einen finden, dessen Schwester den Namen des Wesens kennt, das ich hinter mir herziehe, war die misteriöse Frage von Mister Frischfisch. "Geh und finde den blauäugigen Grashalm" schrie die Schublade und knallte beleidigt zu. Die Antwort, die die Lade gab, verirrte ihn dermaßen, daß Mister Frischfisch erst einmal stundenlang im Kreis hüpfte und vor lauter Aufregung nur blaue Blasen herausblubberte. Grashalme gab es eigentlich nur im Reich der glücklichen Tränen. Also machte sich das seltsame Paar auf die lange Reise. Sie starteten mit einem Verschwindibus, der so schnell weg war, daß sie kaum hinterherkamen. Es war ein beschwerlicher Weg, da die damaligen Busse nicht mit klimatisierten Hinterläufen ausgestattet waren und als sie auf halber Strecke aprupt anhielten, murmelte der Käfer nur, daß die Zeit im Dreieck hüpfe und verschwand auf einmal. Da standen sie nun im finsteren Tal der fliegenden Stachelaffen deren hartnäckige Blicke einem vier bis fünf Schauer über die Schuppen malten. In diesem Teil des Landes ging die Sonne nur unter und nie auf. In den Flüssen wabbelte überflüssige Energie und die Pflanzen teilten das Sorgerecht für die Übriggebliebenen. Kurz: Kein Ort, um Urlaub zu machen. Daher nahm Mister Frischfisch einen Schuh dermaßen in die Hand, die er nicht hatte, daß er kopfüber den Berg des Vergessens herunterkullerte und dreieinhalb Tage dort liegenblieb bis er sich wieder an seine Aufgabe erinnern konnte. Zum Glück war nicht weit entfernt ein Libellenairport, den er mitsamt seiner leuchtenden Begleitung sofort aufsuchte. Das Fliegen an sich war eine sehr komfortable Sache. Da man mit dem Gesicht nach unten am Bauch der Libelle festgezurrt wurde, konnte man schön das Land betrachten. Es war eine atemberaubende Aussicht. Lediglich bei Start und Landung verlor man das ein oder andere Leben. Na ja.
Als die zwei sich wieder zusammengefunden hatten und die Libelle mit krächzendem Flügel das Weite gesucht hatte, stellte Mister Frischfisch fest, daß es in diesem Teil des Landes ungefähr eine Million braunäugige Grashalme gab, aber von einem blauäugigen war weit und breit nichts zu sehen. Die Überlegung, ob die Schublade wohl chinesisch war und kein "R" aussprechen konnte, half ihm dabei auch nicht weiter. Er ging also auf die kleine Anhöhe in der Mitte des glücklichen Tränenmeeres zu und stellte fest, daß die Anhöhe etwas Ähnlichkeit mit einem Vulkan hatte. Aus der Öffnung ganz oben kamen in unregelmäßigen Abständen ziemlich regelmäßige Luchsnatternköpfe herausgeschossen, die ein solches Tempo hatten, daß sie die darübergleitenden Wolken trafen und so einen Dauerregen verursachten. Darum war dies auch der einzige Ort, wo Grashalme wuchsen. Und direkt neben der Vulkanöffnung stand er da: Der blauäugige Grashalm. Mit sinnlich geschlossenen Augen träumte er vor sich hin und sang ab und zu Brocken eines uralten Seemannsliedes, was Mister Frischfisch wehmütige Tränen vergangener Zeiten die Wangen herunterlaufen ließ.
Der Pegel des glücklichen Tränenmeeres stieg dadurch schlagartig an und erreichte die Höhe, die die Hab-Acht-Glocke aktivierte. Ein bizarres undefinierbares Brüllen tönte über die Wasserebene und der Grashalm erwachte aus seiner Meditation. "...stört den Schlaf der unendlichen Weite" sprach er mit einer merkwürdigen Singsangstimme, die einem im Herzen wehtat und ohne daß Mister Frischfisch fragen mußte, kam die Antwort des Grashalms: "Findet Euch selbst in euren Erzählungen." Bei diesen Worten fing das leuchtende Wesen, das bisher keine Regung gezeigt hatte auf einmal an, sich wie wahnsinnig um sich selbst zu drehen und wurde zu einem grellen Lichtkegel der langsam in die Luft aufstieg. Mister Frischfisch konnte sich gerade noch am Ärmel des Wesens festhalten und so ging es ab in die unendliche Weite des Himmels. Als nicht einmal mehr das kleine Land am anderen Ende der Welt in Sicht war, hielten sie plötzlich an und hatten um sich herum so ziemlich nichts. Über ihnen nichts, unter ihnen nichts und drumherum rein gar nichts. Hier oben in den Gefilden der freien Gedanken, wo man sich selbst findet, weil es sonst nichts gibt, hier oben am Ende des Gehirns, und in der Weite des Bewußtseins.
[leise einsetzende noch sphärische Technomusik :cool: ]
Als Mister Frischfisch endlich einmal Zeit hatte, über sich selbst nachzudenken, fiel ihm plötzlich der Name des Geschöpfes ein, das ihn so weit hier rauf gebracht hatte. Denn es mußte ein Name sein, der für Mögliches und Unmögliches stand, für Schönes und Trauriges, für alles Häßliche und Wundersame. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen, wie dieses Wesen heißen sollte. Und jeder, der diese Geschichte hört, und nicht weiß wie der Name des Geschöpfes ist, sollte sich auf die Suche in seinem Kopf begeben. Auf die Suche nach seiner....
Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken
Weitere Beiträge aus dem Forum Jubewo.de
Geburtstagsgruß an NBarbier - gepostet von Daniel am Samstag 26.05.2007
Fotos vom Jugendchor - gepostet von Daniel am Montag 26.02.2007
Aktuelle Situation der HP - gepostet von NBarbier am Montag 09.04.2007
Sprüche - gepostet von sorrow am Dienstag 09.01.2007
Neues Forum Kritik - gepostet von SoBen am Donnerstag 03.04.2008
Fundstücke im WWW, Kurioses und was zum Nachdenken - gepostet von isnogod am Dienstag 01.04.2008
Feedback JT07 - gepostet von SoBen am Montag 10.09.2007
Ähnliche Beiträge wie "Das kleine Land am anderen Ende der Welt"
Eldyr - Warrior - gepostet von Eldyr am Dienstag 23.05.2006
Patch- Dach - gepostet von Terliana am Dienstag 20.06.2006
13.06.06 Server down Innovation - gepostet von Gibsche am Dienstag 11.07.2006
