Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

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    Re: Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

    haheko - 22.09.2008, 12:34

    Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!
    Sardinien 2008 – Ein Tourenbericht

    Flug nach Olbia, dort haben wir den Mietwagen in Empfang genommen. Einen Nissan Micra – na ja, dachte ich, der Renner ist das ja nicht gerade. Aber bald wurden wir eines Besseren belehrt: zwar war das Auto nicht gerade übermotorisiert, aber doch ausreichend schnell und spritzig – und vor allem wendig! Allerdings hatte das Auto bereits 40.000 km gelaufen. Das merkte man deutlich an den diversen Quietsch- und Klappergeräuschen.

    Von Olbia ging es zunächst bis Fonni, einem Ort südlich von Nuoro, ca. 140 km von Olbia entfernt. Dort am Lago di Gusana war unser Zwischenquartier gebucht.

    Die Strassen um Olbia und bis Nuoro sind gut ausgebaut. Von Nuoro gen Süden beginnt dann der Spass am Fahren: Kurven, Kurven, Kurven und dazu bergauf und bergab – kurz alles, was das Autofahrerherz begehrt.

    Das Hotel Taloro, direkt am Lago di Gusana gelegen, hat wohl seine besten Zeiten bereits hinter sich. Trotzdem liess es sich dort für eine Nacht gut leben, und das Essen dort war auch wohlschmeckend, allerdings nicht gerade günstig.

    Am nächsten Morgen ging es weiter gen Süden in Richtung Villaputzu. Teilweise auf gut ausgebauter Strasse, auf der Tunnel und Viadukte sich abwechselten. Enorm, welchen Aufwand die Sarden beim Strassenbau treiben! Streckenweise war allerdings die ausgebaute Strasse noch nicht fertiggestellt, so dass wieder Kurven ohne Zahl zu fahren waren. Auf den ausgebauten Strecken sind Restaurants, Hotels und Tankstellen Mangelware. Und auf den alten Strassen, die bereits Nebenstrecke sind oder es demnächst werden, werden diese Betriebe mangels Kunden zum Verkauf angeboten oder sind geschlossen.

    Die Fahrweise der meisten Sarden kam mir sehr entgegen: Tempolimits und Überholverbote wurden in aller Regel ebenso ignoriert wie durchgezogene Linien. Grundsätzlich galt: wer zuerst bremst, hatte verloren. Sehr schnell und sehr gern gewöhnte ich mich an die Fahrweise und konnte mit dem kleinen Micra ganz gut mitschwimmen. Radarkontrollen scheint es auf der Insel nicht zu geben. Die Beschilderung ist lustig: Überholverbote werden aufgehoben, obwohl auf der Strasse eine durchgezogene Linie bleibt. Vor Ein- und Ausfahrten wird die Geschwindigkeit teilweise auf 50 km/h limitiert und das Überholen verboten. Daran hält sich aber niemand. Und wenn wirklich einmal am Strassenrand ein Polizeiwagen stehen sollte, dann wird man von vielen Entgegenkommenden schon lange zuvor per Lichthupe gewarnt.

    Übrigens: trotz – oder gerade wegen?- der Fahrweise der Sarden habe ich in der ganzen Zeit nur einen einzigen Unfall gesehen, und das auf einer Bergstrecke.

    Bei Villaputzu bezogen wir dann unser Ferienquartier. Ein Reihenhäuschen in einer grossen Ferienanlage, aber recht ruhig gelegen und mit ungestörtem Blick auf das Mittelmeer. Mit drei Schlafzimmern und zwei Bädern wäre dieses Haus sogar durchaus geeignet für drei Parteien. Und wenn man als Reisezeit September oder Oktober wählt, dann sind die Kosten für dieses Haus geringer als ein preiswertes Hotelzimmer ohne Frühstück.

    Täglich erkundeten wir die nähere und etwas weitere Umgebung unseres Feriendomizils. Und schnell stellte sich heraus, dass die Wahl des Mietwagens genau richtig war.

    Die Strecke von S. Priamo nach Burcei ist die wahre Wonne für Kurvenräuber. Und wenn man, statt rechts nach Burcei abzubiegen, nach links abbiegt, dann wird diese Wonne noch einmal enorm gesteigert. Etwa 15 km herrlichste Strecke vorbei an Korkeichen – bis die Strasse für normale PKW an einem Flussbett endet. Hier spielte der Micra seinen Haupttrumpf aus: er liess sich praktisch auf der Stelle drehen. Mit einem Mittelklassewagen hätte man die einspurige und kurvige Strasse etwa 800m rückwärts fahren dürfen, bevor man hätte mit dem Auto wenden können. Die 15km sind dann natürlich auch wieder zurück zu befahren.

    Wenn man die alte Strasse S125 von Villaputzu nach Tortoli wählt, dann benötigt man zwar mehr Zeit als auf der neuen S125, kann aber das Fahren weit mehr geniessen. Bei Cardedu gibt es eine Strasse zum Monte Ferru. Auch hier eine herrliche Strecke mit diversen Spitzkehren und mächtigen Steigungen. Oben auf dem 875m hohen Monte Ferru hat man eine grandiose Aussicht weit über Land und Meer. Und die Abfahrt macht dann natürlich auch wieder Riesenspass.

    Von Tertenia geht der Weg nach Marina di Tertenia, dem Hafen des Ortes. Man meint, das könne gar nicht sein, denn zunächst fährt man bergauf. Dann aber führt die Strasse doch ans Meer. Und wer von dort weiter nach Malisenda und die Strecke Richtung Monte is Crobus nimmt, kann wieder eine wirklich herrliche Fahrt geniessen.

    Eine weitere Supertour: zwischen Muravera und Tertenia führt irgendwann ein Hinweisschild auf die Strasse nach Perdasdefogu, ca. 20 km weit. Von dort fährt man in Richtung Escalaplano, biegt vor dem Ort nach rechts ab in Richtung Esterzili. Weiter geht es in Richtung Villanova Tulo, wobei man auf einer Brücke den Lago Medio del Flumendosa überquert. Man fährt dann in Richtung Nurri, weiter nach Orroli und wieder nach Escalaplano. Im Ort rechts abbiegen nach Ballao, von dort nach San Vito. Entfernung etwa 145 km. Man sollte ohne Pausen mindestens drei Stunden für die Tour einplanen. Und wer sich an grandiosen Aussichten nicht sattsehen kann, sollte wenigstens weitere zwei Stunden hierfür rechnen. Dass der Fahrspass dabei nicht zu kurz kommt, zeigt schon die Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 50 km/h, die trotz zügiger Fahrweise lediglich erreicht wurde.

    Übrigens habe ich auf dieser Tour das Blechdach des Micra schätzen gelernt. Bei Temperaturen von 36°C im Schatten wäre eine Cabriotour eine Tortur… Leider zeigten sich auch die Grenzen der Klimaanlage des Micra, die bei den Temperaturen wohl überfordert war und nur noch laukühle Lüftchen lieferte. Und dennoch: allein die grandiose Landschaft und die zum Teil atemberaubenden Aussichten entschädigten für die unzähligen Schweisstropfen.

    Man meint bei jeder Supertour, sie könne eigentlich nicht mehr überboten werden. Und doch…: Die Strecke von Tortoli nach Dorgali führt mehr als 50 km durch das Paradies für Kurvenräuber. Links und rechts und rauf und runter – die helle Freude! Man sollte für die Fahrzeit mehr als eine Stunde einplanen, für Pausen für wundervolle Panoramaaussichten am Besten noch einmal zwei Stunden. Auf der Karte sieht die Strecke gar nicht so interessant aus, aber dagegen ist die Strecke nach Cala Gononi (vor Dorgali rechts abbiegen) eine reine Spazierfahrt, obwohl dort laut Karte und auch real diverse Spitzkehren zu befahren sind. Übrigens wurden auch die Temperaturen wieder extrem: 39°C!!! Die Klimaanlage kämpfte zwar tapfer, aber recht erfolglos dagegen an.

    Auf der Rückfahrt fuhren wir dann von Lanusei nach Barisardo. In Loceri haben wir wohl ein Abbiegen verpasst. Kein Problem, denn wir haben ja ein Navi. Es führte uns dann auf die richtige Strasse zurück – aber wie…! Wir befuhren enge Gassen, die immer enger wurden, so dass man nur mit Mühe an geparkten Autos vorbeikam. Ein alter Fiat 500 vor uns hatte damit weit weniger Probleme. Dann flutschte der Fiat durch einen Torbogen – und wir standen davor. Spiegel eingeklappt, und dann Zentimeter für Zentimeter vorgetastet. Immerhin verblieben auf jeder Seite des Autos noch etwa zwei Fingerbreiten. Als wir uns dort durchgekämpft hatte, kam das nächste Problem. Die Gasse mündete auf eine enge Einbahnstrasse, es war eine 270°-Rechtskurve zu befahren. Zur Belustigung und schliesslich auch Anerkennung der am Strassencafe sitzenden Dorfbewohner schafften wir es aber mit mehrfachen Rangieren, auch diese Hürde zu meistern.

    Auch hier zeigte sich wieder der Vorteil des kleinen Autos. Mit einem grösseren Fahrzeug wäre man bereits in den engen Gassen hoffnungslos steckengeblieben. Und dann dort rückwärts wieder hinaus zu rangieren, das hätte sehr viel Zeit und noch viel mehr Nerven gekostet!

    Vorletzter Urlaubstag. Meine bessere Hälfte war bislang bei jeder Fahrt tapfere Beifahrerin, auf die ich aber doch stets ein wenig Rücksicht bei der Fahrweise genommen habe, da ich weiss, dass sie auf allzu heftige Fahrzeugbewegungen mit Übelkeit reagiert. Heute sagte sie, sie wolle nachmittags noch einmal an den Strand, ich solle lieber allein fahren.

    Gesagt, getan – wer wagt es schon, seiner Angetrauten zu widersprechen… Ich wählte die Strecke von Muravera auf der alten S125 nach Cagliari und konnte mich und den Micra einmal richtig austoben. Und weil die Strecke so schön war, ging es den gleichen Weg noch einmal zurück. 10 Minuten lang zählte ich mal die Kurven und kam auf die Zahl 100! Also durchschnittlich alle sechs Sekunden eine Kurve… Dazu natürlich auch hier atemberaubende Landschaften.

    Auch am letzten Urlaubstag wollte meine beste Ehefrau den Nachmittag am Strand verbringen, ich „musste“ also wieder solo fahren. Ich wählte die Strecke nach Balao, bog aber einige Kilometer hinter San Vito schon rechts ab in eine geteerte Strasse. An einer Weggabelung wählte ich zunächst die rechte Strasse, die mich über Serpentinen immer höher führte. Es war herrlich zu fahren, die Gegend und die Aussicht waren es ebenso. Plötzlich stand ein mir unbekanntes Verkehrsschild, kurz dahinter führte die Strasse durch ein – zum Glück derzeit trockenes – Flussbett und endete einige Kilometer später in einem Feldweg. Das Verkehrsschild, das wurde mir dabei klar, sollte davor warnen, dass der Fluss plötzlich Wasser führen könnte. Zum Glück war das bei dem trockenen und warmen Wetter höchst unwahrscheinlich.

    Ich fuhr die Strecke zurück und bog an der Weggabelung nach links ab. Hier war die Strasse weit ebener, aber ebenfalls sehr schön zu befahren. Auch hier durchquerte ich ein trockenes Flussbett, auch hier drehte ich nach insgesamt etwa 15 km vor einem Feldweg wieder um.

    Bei der Abreise mussten wir von Villapuztu nach Olbia zum Flughafen fahren, um dort den Mietwagen abzugeben und in das Flugzeug nach hause zu steigen. Etwa 250 km Fahrweg, davon erneut wenigstens 50 km Fahrspass.

    Da wir vorsichtshalber viel Zeit eingeplant hatten und fast am Ende der Reise feststellten, dass wir noch zwei Stunden zur Verfügung hatten, fuhren wir von Olbia noch einmal in Richtung Costa Smeralda. Plötzlich schien man es mit anderen Autofahrern zu tun zu haben: hier wurde die maximal erlaubte Geschwindigkeit eher unter- als überschritten, auch Überholverbote und durchgezogene Linien wurden plötzlich beachtet. Und das, obwohl von Verkehrsüberwachung nichts zu sehen war. Es kostete einige Überwindung, aber schnell (und ungern…) gewöhnte ich mich auch an diese Fahrweise wieder.

    Dann, nach 2.750 km überwiegenden Fahrspass mit dem kleinen Micra, gaben wir ihn an der Mietstation wieder ab. Wie im Urlaub auf Mallorca 2007 wollte man auch hier sich das Auto gar nicht ansehen. Man nahm nur den Schlüssel entgegen, das war alles.

    Übrigens: einige Fotos gibt es bei www.picasaweb.google.de/haheko



    Re: Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

    michaO - 22.09.2008, 13:29

    Sardinien
    Willkommen daheim! :win:

    Hoher, .... sehr hoher Neidfaktor! :lol: :lol:

    Grüße, HM



    Re: Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

    Spüli - 22.09.2008, 17:41


    Toller Bericht! :top:
    Scheint wirklich mal eine Wert zu sein, aber wo bleiben die Bilder? 8)

    Gruß Ingo



    Re: Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

    Cujo - 23.09.2008, 12:40


    wooooowww !!! Was für ein Bericht. Einfach genial.
    Ich wünschte ich würde auch endlich mal Zeit finden unsere 3500km in Wort und Bild zu schaffen.

    Also Henning Hut ab und danke für so einen ausführlichen Bericht. Da bin ich mal auf Bilder gespannt.

    Grüße
    Thomas



    Re: Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

    haheko - 23.09.2008, 13:13


    Ein paar Fotos gibt es unter www.picasaweb.google.de/haheko zu sehen. Ich habe die Beschreibung bereits nachgebessert.

    Fotos vom Strassenverlauf habe ich leider kaum, da ich die Strecken lieber gefahren bin, als jeweils anzuhalten und zu fotografieren...



    Re: Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

    Anonymous - 23.09.2008, 18:22


    Schöner Bericht, danke.

    Ja, Sardinien ist ein Traum. Wir haben uns im Sommer 2007 - trotz der Mondpreise für Mietwagen - ein Smart Cabrio gegönnt.
    Der hat glatt 90 Euro am Tag gekostet (bei Einzeltag-Miete)!
    Aber das wars wert, ein geschlossener Kleinwagen hätte auch 60 gekostet...

    Ich muss mal bei Gelegenheit auch ein paar Bilder nachliefern.
    Und für 2009 meine Frau überreden, hinzufahren statt zu fliegen...

    Martin



    Re: Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

    oswald - 23.09.2008, 18:55


    Moin Henning,

    super Bericht, da bekommt man sofort fernweh :top:

    P.S. was du in einem Bericht schreibst, dafür brauch ich ein ganzes Jahr :)



    Re: Sardinien - ein Traum für Kurvenräuber!

    haheko - 23.09.2008, 23:51


    Ich bin ja in diesen zwei Wochen auch so viele Kurven gefahren, habe gekuppelt, geschaltet, gebremst und wieder Gas gegeben wie sonst das ganze Jahr hindurch...

    Übrigens: der "micrige" Mietwagen hat für die zwei Wochen nur so um die 300€ gekostet. Gewiss wäre bergauf ein stärkeres Motörchen nett gewesen. Aber mit fleissigem Schalten und auf Drehzahl halten liess sich das ein wenig kompensieren. Und bergab war die Beschleunigung gar nicht so schlecht.

    Ich bin sicher, dass ich nicht das letzte Mal auf Sardinien war!



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