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Re: Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?

Sybill - 04.08.2007, 10:29
Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?
Hallo,

Maja hat im Thread Belegstellen in heutiger Zeit Sinn, oder bereits Unsinn? folgendes geschrieben:

Maja hat folgendes geschrieben:
Es ist (zumindest in Deutschland) fünf vor 12. Die Imkerschaft ist hoffnungslos überaltert, in den Imkervereinen dominieren Pensionäre und bringen das Durchschnittsalter der Mitglieder auf 60, 70 Jahre. Es werden zu wenig neue Imker gewonnen, also wird in absehbarer Zeit auch niemand die Völker der Altimker übernehmen. Die Zahl der gehaltenen Bienenvölker sinkt, mit allen Folgen für Natur und Landwirtschaft.
Neben den widrigen gesellschaftlichen Umständen, die die jüngeren Leute zwingen, "Wanderarbeiter" zu werden, trägt nicht zuletzt die unnötige Verkomplizierung der Bienenhaltung dazu bei, potentielle Jungimker abzuschrecken. Unsere Nachbarskinder finden Bienen äußerst "uncool" weil schwierig zu handhaben.
Sicher ist die Bienenhaltung nicht so einfach wie die von Kaninchen und Hühnern und man muß anfänglich mehr lernen.

*Vorsicht, satirische Übertreibung!*
Aber was blüht dem angehenden kleinen Imker, wenn er in einen Verein mit älteren Herren gerät, die gern schöne graue Bienen züchten und darüber unter Zuhilfenahme vieler Fremdwörter heftig streiten? Er ist maßlos überfordert und läuft gleich wieder davon.

So gewinnt man keinen Nachwuchs.
Ich bin froh, die Imkerei bei meinem Vater (wie ich noch nie vereinsgebunden gewesen) gelernt zu haben. Kurz, schmerzlos und pragmatisch, ohne dabei das Grundlagenwissen über das Leben und die Entwicklung der Bienen zu vernachlässigen. Genauso erfolgt bei ihm und mir die Auslese der nachzuchtwürdigen Königinnen. Nennenswerte Völkerverluste im Winter hatten wir daher noch nie zu beklagen.
Maja
Maja hat folgendes geschrieben:
Den angehenden Imkern muß man ein solides Basiswissen und eine einfache zeitsparende Arbeitsweise - sei es im Bienenhaus oder Magazin - vermitteln, die Erfolgserlebnisse bringt.
Maja

Ich finde das Thema ganz toll ! Auch ich bin hier ganz der Meinung von Maja, wenn sich ein "Jungimker" mal für die Bienenwirtschaft interessiert, wird er von den alten Imkern mit Fachausdrücken und Panikmache vor der Varroa niedergemäht. Nach einigen Minuten ist das Thema für den Interessenten meist vorbei, denn wer lässt sich schon auf so eine arbeitsintensive, gefährliche und wegen der Varroa eh sinnlose Arbeit ein ?
Wie schon unser Obmann des Landesverbandes der Bienenzüchter von NÖ treffend gesagt hat, welcher "Altimker" will den schon Nachwuchs und damit potenzielle Konkurenz ?

Früher hatte jeder Dorflehrer oder Dorfpfarrer ein paar Bienenstöcke, die Bestäubung und der Honig war damit gesichert - wie heil doch die Bestäubungswelt damals noch war !

Heute gibt es schon viele Gemeinden die nur 1 oder 2 Imker vorweisen, und diese sind meist jenseits dem Pensionsalter. Wenn man noch Glück hat gibt es in der Umgebung einen Erwerbsimker, der statt dessen einige hunderte Völker auf engsten Raum aufgestellt hat ( habe zwar keine hundert Völker, zähle mich aber doch zu dieser Gruppe). Für den Imker ok, für unsere Umwelt ein Problem. Dies ist auch meisten die jüngere Generation, die für Ihre Mühe auch die nötige Belohnung in Form des Honigertrages und dessen Verkauf immer im Auge behalten.

Aber funktioniert dieses System auf Dauer ?

Und wie findet man neue Imkermitglieder? Soll man im Schulen aktiv werden ( Kinder interessieren sich ja noch dafür, aber mit der Pubertät geht dies meist verloren), soll man Mitdreißiger und -vierziger ansprechen, damit diese nebenbei ein paar Völker betreuen, oder wieder Pensionisten ? Oder soll man speziell Landwirte, Jäger ansprechen ?

Und welche Argumente für die Betreuung der Biene hat man den wirklich ?

Um jetzt nicht zu lange auszuholen, hoffe ich zu diesem Punkt um eine rege Diskussion, da das Thema Zukunft der Imkerei immer aktuell sein sollte !

Re: Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?

drohne - 05.08.2007, 15:22

Hier meine Einschätzung der Lage, warum Imker tatsächlich eine beinahe aussterbende Rasse war. Aber die Situation hat sich nunmehr gottlob deutlich verbessert.

Imker waren in den 70er und 80er Jahren tatsächlich arme Schlucker und wirtschaftlich sehr stark benachteiligt. Gründe dafür gab es mehr als genug, einerseits wurden Schulen und Kirchen zusammengelegt, so daß die eigentlichen Leithammel wie Lehrer und Priester in den kleinen Gemeinden gänzlich fehlten. Zusätzlich kamen in dieser Zeit vermehrt Honigimporte ins Land. Diesen Importen hatten unsere heimischen Imker natürlich nichts gleichwertiges entgegenzusetzen, denn bei uns gab es lediglich Blütten- und nur fallweise etwas Waldhonig. Es gab noch keinen Cremehonig, kein Propolis, kein Gelee Royal, keinen Blütenpollen, keinen Met und diverse andere heute wichtige Nebenprodukte in der Imkerschaft. Noch dazu fiel der Honigpreis durch aufstrebende Firmen -Darbo usw.- ins Bodenlose. Im Gegensatz dazu wurden Betriebsmittel wie Edelstahlgeräte, HACCP Verordnung und der damit erforderlichen Umbauten der Räumlichkeiten, Treibstoffkosten usw. exorbitant teuer. Wenn nun der damalige arme Imker immer wieder in die Haushaltskasse greifen musste um so la la la über Rand zu kommen, darf man sich nicht wundern, wenn Familienmitglieder in einer Imkerei einen Betrieb mit Faß ohne Boden sahen und imkerlicher Nachwuchs fehlte.

Soeben habe ich mir die Mühe gemacht und das Durchschnittsalter meiner Ortsgruppenmitglieder eruiert, es beträgt exakt 44,87 Jahre! Unser Senior ist 77 und seine Enkelkinder betreuen bereits gemeinsam mit ihm die Bienenvölker. Unser 44 er Wert kann in den nächsten Monaten sogar noch beträchtlich fallen, wenn sich tatsächlich zwei junge Imker im Ort -andere als die Enkel unseres Seniors- ebenfalls meiner Ortsgruppe anschließen.

Mit dem auftauchen des rumänischen Arztes Prof. Dr. Stefan Stangaciu und der schwedischen Firma Aagaard, änderte sich Mitte der achtziger Jahre die Situation schlagartig zu unseren Gunsten. Plötzlich redete alles über Propolis, Blüttenpollen & Co. Natürlich wollten Kunden diese Produkte unter allen Umständen direkt von uns Imkern haben. Flugs kamen Propolisgitter in die Völker, Pollenfallen vor die Fluglöcher und Gelee Royal aus den Weiselzellen wurden verwertet. Auch die aufkeimende BIO Welle kam uns zugute und viele Imker schafften tatsächlich den umstieg von konventionell auf Bio. Nicht was der Imker will, sondern Kunden zeigen auf was gewünscht und begehrt ist.

Plötzlich waren Bienenzüchter wieder wer und imkern wurde ökonomisch wieder sehr attraktiv. Dazu eine wahre Begebenheit: ein sehr lieber Freund von mir war der Imker Ing. Gotsch. Dieser Ing. Gotsch war der erste der mir seinen selbst gesammelten Blütenpollen zeigte und zum verkosten übergab. Ich, als damaliger Semiprofi Imker, habe die Zeichen der Zeit sofort erkannt und bereits im darauffolgenden Jahr Blüttenpollen, Propolis & Co im Verkaufsprogramm gehabt. Wenn ich am Abend mit gefüllter Börse nach Hause kam, war für meine Dame des Hauses plötzlich die Imkerei wieder besonders wichtig.

Wie äußerst schwierig es für manche Imker war Vertrauen in diese neuen und innovativen Produkte zu haben, zeigt folgende wahre Geschichte: die Mitglieder meiner Vorgängerortsgruppe hatten permanent Absatzprobleme mit ihrem Honig, deshalb wurde vom Vorstand beschlossen, die lokale Frühjahrsmesse für landwirtschaftliche Produkte mit einem gemieteten Verkaufsstand unsere imkerlichen Produkte –eh nur Blüten- und etwas Waldhonig- zu besuchen. Auch etwas Propolis hatte man bereits mit dabei, aber verkaufen traute sich dies noch niemand, deshalb wurde es vorsorglich unter der Verkaufspudel versteckt und nur dann, wenn jemand konkret danach fragte, dieses mit rotem Kopf vor Scham, zum Kauf angeboten. Übrigens, der Vorstand dieses Vereins bestand damals aus lauter besser wissenden Greisen und garantiert war keiner unter 75 Lenze.

Wenn ich nun nochmals unsere Vereinsmitglieder hernehme, hat sich die Situation erheblich geändert. Da fährt der eine mit einem Merzedes Transporter mit der Aufschrift „Imkerei und Meterzeugung", der andere mit einen 4x4 Gelände tauglichen VW Transporter mit der Aufschrift "Imkerei & Brennerei", ein weiterer ebenfalls mit einem riesigen Transporter und Aufschrift "Weingut & Imkerei", eine höchst erfolgreiche Dame mit einer stattlichen Anzahl von Bienenvölkern fährt mit einem riesigen Nissan Navara und einem nicht minder großen Anhänger ihre Bienen quer durch ganz Ostösterreich, usw. und so fort.

Also liebe Sybill, jene Imker, die in der damals wirklich schwierigen Zeit die Zeichen der Zeit erkannt haben und auf innovative und vor allem gefragte Produkte setzten, sind heute in der Imkerei höchst erfolgreich unterwegs.

Pardon bitte, wenn es etwas länger als gewollt wurde, aber dies war lediglich ein Versuch zu erklären, warum es in der Bienenwirtschaft nicht immer so rosig wie heute war.

LG Josef

Re: Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?

Trophallaxis - 05.08.2007, 16:37

Drohne meinte:

Gründe dafür gab es mehr als genug, einerseits wurden Schulen und Kirchen zusammengelegt, so daß die eigentlichen Leithammel wie Lehrer und Priester in den kleinen Gemeinden gänzlich fehlten."

Diesen Zusammenhang mit der Imkerei verstehe ich nicht ganz. Bitte um Erläuterung...

Re: Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?

drohne - 05.08.2007, 17:39

Trophallaxis hat folgendes geschrieben: Drohne meinte:

Gründe dafür gab es mehr als genug, einerseits wurden Schulen und Kirchen zusammengelegt, so daß die eigentlichen Leithammel wie Lehrer und Priester in den kleinen Gemeinden gänzlich fehlten."

Diesen Zusammenhang mit der Imkerei verstehe ich nicht ganz. Bitte um Erläuterung...

Darauf kann ich natürlich sehr gerne etwas näher eingehen.

Bis in die siebziger Jahre hatte jedes noch so kleine Dorf seinen eigenen Bürgermeister, den Dorfgendarm, eine eigene Schule und natürlich seinen eigenen Pfarrer. Diese Personen waren so etwas wie die Leithammel einer Gemeinde. Für Ruhe und Ordnung sorgten der Bürgermeister und der Gendarm, für die Bildung, Religion und der landwirtschaftlichen Entwicklung waren eben der Lehrer und der Pfarrer zuständig.

So ist es kein Zufall, dass gerade die Priester und Lehrer versuchten der heimischen Bevölkerung die Bienenzucht und den Obstbau schmackhaft zu machen. Ich erinnere mich noch, als bei uns im Burgenland Lehrer eigene Kurse für Obstanbau ins Leben ruften. Heute sagt man dazu scherzhaft "bist a in a Bamschul gangan"! Aus diesen Baumschulen gingen in der Folge die Streuobstwiesen hervor.

Wenn nun der gute Pfarrer am Sonntag von der Kanzel predigte, dass Bienen zur Bestäubung notwendig seien, war dies eben Gebot. Im übrigen waren auch die Klöster als Ausbildungsstätte für angehende Priester bemüht, den jungen Dechanten die Bienenzucht nahe zu bringen. Es ist erwiesen, dass damals nahezu jeder Pfarrer und Lehrer mit gutem Beispiel voran ging und selbst auch Bienen betreute.

Leider ging diese an sich sehr gute Infrastruktur gänzlich verloren. Heute gibt es nur mehr Dekanate die ihre Priester an Sonntagen zum pendeln ausschicken und Schulen gibt es leider nur mehr in Groß- und keine mehr in Katastralgemeinden.

Falls hier bitte noch Fragen offen wären, ersuche ich um Benachrichtigung.

LG Josef

Re: Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?

Sybill - 06.08.2007, 15:17

Hallo,

@ Trophallaxis:
man sieht auch sehr oft auf alten Holz-bzw. Kupferstichen wie der Dorfpfarrer hinter seiner kleinen Kirche ein paar Bienenvölker stehen hat !
Auch in alten Büchern sind immer wieder wunderschöne Motive zu diesem Thema zu sehen.

@ Drohne:
drohne hat folgendes geschrieben:
Dazu eine wahre Begebenheit: ein sehr lieber Freund von mir war der Imker Ing. Gotsch. Dieser Ing. Gotsch war der erste der mir seinen selbst gesammelten Blütenpollen zeigte und zum verkosten übergab. Ich, als damaliger Semiprofi Imker, habe die Zeichen der Zeit sofort erkannt und bereits im darauffolgenden Jahr Blüttenpollen, Propolis & Co im Verkaufsprogramm gehabt.

also, hier hast Du aber echt Glück gehabt. Heutzutage wird ein motiverter Jungimker von den ältern Kollegen entweder schief angesehen ( " Was der bei uns wieder will !") oder mit Horrermeldungen zur Verzweiflung gebracht ( Kennst Du eigentliche die Amerik. Faulbrut" - "Nein " - Na dann kannst ja nur Hoffen !").
Leider ist der typische Imkerton meistens pessimistischer ("Nix wird besser, alles schlechter und komplizierter ", "von den Amis kommt sowieso nur Böses ", " ah geh Biohonig- mir kannst nix erzählen, weißt ja eh nicht wo die Bienen hinfliegen ",...), ausser es geht um den eigenen Stand, da hört man nur Rekordmeldungen ( "Ausfälle - bei schon seit 10 Jahren nicht", " Meine letzte Ernte war gigantisch, heuer habe ich schon sooooo viel Honig geschleudert ",...) . Und auch in den Medien hört man meistens nur negatives, wie die Meldungen zum aktuellen Bienensterben - Wer will den gerne in so ein Hobby investieren ?

drohne hat folgendes geschrieben:
Wenn ich nun nochmals unsere Vereinsmitglieder hernehme, hat sich die Situation erheblich geändert. Da fährt der eine mit einem Merzedes Transporter mit der Aufschrift „Imkerei und Meterzeugung", der andere mit einen 4x4 Gelände tauglichen VW Transporter mit der Aufschrift "Imkerei & Brennerei", ein weiterer ebenfalls mit einem riesigen Transporter und Aufschrift "Weingut & Imkerei", eine höchst erfolgreiche Dame mit einer stattlichen Anzahl von Bienenvölkern fährt mit einem riesigen Nissan Navara und einem nicht minder großen Anhänger ihre Bienen quer durch ganz Ostösterreich, usw. und so fort.


Das gefällt mir dich gleich sehr gut - nochdazu da ich die Dame mit dem Navara gut kenne :lol: .
Aber die Präsentation ist die richtige, wir sind Imker und auch stolz darauf ! Das merken sowohl unsere Kunden, als auch potentielle Neueinsteiger. Diese Aussenwerbung wiederspricht sich mit dem negativen Gerede und die Interesseten überlegen es sich vielleicht doch es einfach einmals selber zu probieren.
Ausserdem sollten wir alle anfangen in dem Imkernetzwerk, in dem wir uns bewegen, ehrlicher zu werden. Rekordmeldungen kann eh keiner mehr höhren, warum nicht mal eingestehen: "Der Winter war echt hart, aber es wird schon wieder"! oder "AMF - kein Problem, dafür gibt es gute und leichte Lösungen !" etc.
Damit fällt es Neueinsteiger leichter mitzureden bzw. zu hinterfragen bzw. überhaupt dem Mut zum Einstieg zu haben.

Ich glaube, beides, positive Aussenpräsentation als auch ehrliches Miteinander, ist sehr wichtig um die Imkerei wieder zu einem wünschenwerten Beruf bzw. Hobby zu machen.

Re: Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?

Maja - 07.08.2007, 14:38

Zitat: Ich glaube, beides, positive Aussenpräsentation als auch ehrliches Miteinander, ist sehr wichtig um die Imkerei wieder zu einem wünschenwerten Beruf bzw. Hobby zu machen.

Das ehrliche Miteinander ist eine Sache, die scheinbar vielen Imkern schwer fällt. Neulinge werden nicht nur durch das von den Medien unterstützte permanente Gejammer abgeschreckt, sondern auch von denjenigen Imkern, für die der Jungimker nur ein weiterer lästiger Konkurrent ist. Da werden den Neulingen alte Beuten mit Maßen übergeben, für die es kaum noch Mittelwände gibt und darin gleich noch die „Lieblinge“ des Standes einquartiert - diejenigen, die mit dem Stachel voran fliegen.

Honig zu verkaufen ist derzeit bei uns nicht einfach, am besten klappt es immer noch in der unmittelbaren Nachbarschaft. Durch Billigangebote in Discountern und die Verflachung von Qualitäts- und Geschmackssinn der potentiellen Kunden durch Industrie-Einheitsfraß zählt scheinbar nur noch der Preis. Die wenigen Nischen (Biohonig, Slow-Food-Bewegung) sind besetzt bzw. für Privatanbieter nicht zugänglich. Dazu kommen die immer abstruser werdenden Ansprüche an den Honig: seit man alles analysieren und messen kann (Stichwort HMF-Gehalt) zählen neuerdings nicht mehr nur Naturbelassenheit, guter Geschmack, Sauberkeit und ehrliche Sortenbezeichnung, sondern irgendwelche exotischen Meßwerte. Statt sich gegen solches Tun zur Wehr zu setzen, hauen Imkervereinigungen bei Honigbewertungen kräftig mit in diese Kerbe. Die Labore freut es, die Kasse klingelt, und der arme Neuimker hat wieder einmal den Punkt erreicht, wo ihm alles zu kompliziert wird. Zumal er mit einer Menge gesetzlicher Vorschriften beim Honigverkauf schon genug geplagt ist.

Die Werbung von neuen Imkern sollte meiner Meinung nach schon bei Kindern anfangen, sie lernen schnell und sind begeisterungsfähig. Je eher umso besser, damit sie gar nicht erst mitkriegen, was ein Gameboy ist. :-) Hier sind auch die Vereinigungen der Imker gefragt, es muß mehr Öffentlichkeitsarbeit in dieser Richtung geleistet werden, statt sich auf Versammlungen mit der Verleihung von Ehrenabzeichen und -titeln, Geburtstagsfeiern und Gedenkstunden für die Großen der Imkerei zu beschäftigen - so wichtig wie das für die Vereinskultur der älteren Generation auch sein mag.
Ideal ist es, wenn die Eltern selbst Imker sind, damit die Kinder ständig die Bienen vor Augen haben und weil nicht erst Imkereigerät angeschafft werden muß. Der einmalige Besuch beim Imker mit der Schulklasse ist weniger sinnvoll, da viele Informationen im Massenbetrieb untergehen. Ein Bienenstand im Schulgarten mit entsprechender Arbeitsgemeinschaft wäre schön, aber welcher Lehrer ist noch Imker? Zudem verhindern Versicherungsgründe oder hysterische Eltern meist erfolgreich so etwas.

Junge Leute in der Ausbildung oder beim Start in den neuen Beruf wird man kaum als Imker gewinnen können. Sie müssen sich erst orientieren, sind noch nicht „seßhaft“ und wissen nicht, wo sie nächstes Jahr wohnen und arbeiten.

Wer so zwischen 30 und 40 ist und sich beruflich und familiär etabliert hat, könnte eigentlich ganz gut Bienen halten, vor allem, wenn er ein Haus mit Garten hat. Hier sehe ich neben den Leuten, die gerade in Rente gegangen sind, die größten Chancen, Nachwuchsimker anzuwerben. Ein gutes Argument ist oft, daß man mit - gegenüber anderer Tierhaltung - wenig Zeitaufwand ein hochwertiges und gesundes Nahrungsmittel für die ganze Familie selbst erzeugen kann. Mit Naturschutz und der Wichtigkeit der Bestäubungsleistung der Bienen für die Imkerei zu argumentieren, bringt nämlich bei den heutigen Egoisten meist überhaupt nichts.
Zum Erlernen der Bienenhaltung braucht man zunächst einen Ansprechpartner, der selber Bienen hat und bereit ist, sich um seinen Jungimker zu kümmern.

Nimmt man als Imker einen „Lehrling“ (egal wie alt) an, so ist es gut, wenn dieser gleich von Anfang an „sein“ Bienenvolk auf dem Stand des Lehrimkers erhält. Das ist sehr motivierend und hilft dabei, daß der Lehrling regelmäßig zur Bearbeitung der Völker erscheint. Dieses Volk wird zunächst mit den entsprechenden Erläuterungen zu Theorie und Praxis vom Imker selbst bearbeitet, der Lehrling sieht zu und lernt die Bienenwesen, ihr Verhalten und den Volksaufbau kennen. Dann muß er mehr und mehr allein arbeiten und wird nur noch zwischendurch gefragt, warum er gerade jetzt diesen Arbeitsschritt tut, um ihm bei Fehlern helfen zu können. Der Höhepunkt der Sache ist neben der erfolgreichen Auswinterung natürlich die Honigernte, bei der der Lehrling „seinen“ Honig erhält. Hier ist das Ergebnis (m)eßbar! Wenn er sich nach einiger Zeit fit genug fühlt, beginnt der Lehrling mit seiner eigenen Bienenhaltung.

Dieser Weg der Nachwuchswerbung ist zugegeben aufwendiger, als die oft abgehaltenen Kurse für Neuimker mit Vorführungen am Lehrbienenstand, hat aber den Vorteil, daß der Neuimker immer einen Ansprechpartner bei Problemen findet und weiß, wer ihm auch mal aushelfen kann, wenn auf seinem eigenen Stand anfänglich was schiefgeht.

Viele Grüße

Maja

Re: Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?

Trophallaxis - 08.08.2007, 19:54

Danke für Eure Antworten.

Re: Imker - eine aussterbende Rasse ? Und was tun ?

drohne - 08.08.2007, 21:55

Trophallaxis hat folgendes geschrieben: Danke für Eure Antworten.

Ist wirklich sehr gerne geschehen.

LG Josef
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