Geschichte 10

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    Re: Geschichte 10

    Angel - 02.08.2004, 07:50

    Geschichte 10
    Warum???

    Bitte Herr, ich möchte nicht mehr verletzt werden. Wusstest Du, dass ich nur wollte, dass Du mich liebst und dass Du mir viel Lob und Zuneigung gibst? Warum hast Du mich angeschrieen und angebrüllt, als ich mich schlecht benahm? Manchmal hast Du mich auch misshandelt. Erinnere Dich, Du warst es, der beschloss, mich nach Hause zu nehmen.

    Warum hast Du Deine Meinung geändert, nachdem Du mich von meiner Mutter und meinen Geschwistern getrennt hast? War ich nicht mehr der gleiche, weiche, liebenswerte und kuschelige Welpe? War es falsch von mir zu erwarten, dass Du meine neue Familie bist?

    Als ich in Dein Heim machte, war ich nicht so dumm wie Du brüllst. Es war für mich einfach natürlich, überall und zu jederzeit irgendwo hinzumachen. Glaubst Du wirklich ich wollte versuchen, Dir zu missfallen? Ich verstand einfach nicht, was Du von mir erwartest. Kannst Du Dir vorstellen, wie gedemütigt und bedrückt ich war, als Du mein Gesicht in den Dreck gestoßen und mich hinausgeworfen hast? Oder wie Du mich durch das Zimmer getreten hast und mich einen blöden, dummen Köter genannt hast? Ich habe, genau wie Du, empfindliche und starke Gefühle. Wie konnte ich wissen, dass Deine neuen Stiefel kein Spielzeug waren? Es war so langweilig ganz allein zu Hause zu sein und nichts zu tun zu haben. Ich wollte nur etwas zum Spielen und zum darauf rumkauen. Wusstest Du, dass mein armer Körper mich noch Tage danach schmerzte? Und doch hast Du Dich gewundert, warum ich wimmerte und bei jeder Berührung zurückschreckte.

    An jenen kalten Winternächten, an denen ich zitternd mit an das Glas gepresster Nase dastand und leise wimmerte, um hereingelassen zu werden, hast Du mich einfach ignoriert. Vor langer Zeit lernte ich, nicht zu bellen. Ich fühle immer noch Deine Schläge auf meinem Kopf, als Du mich anschriest, still zu sein. Dort drin hast Du gesessen, warm und gemütlich an Deinem Feuer hast Du Wein getrunken und Dein Lieblingsbuch gelesen. Oh, wie habe ich mich nach Deiner Gesellschaft gesehnt. Nur an Deiner Seite zu liegen oder vielleicht zusammengerollt zu Deinen Füßen, wo Du mich ab und zu berühren konntest. Konntest Du nicht verstehen, dass ich Deine Liebe und Zuneigung brauchte, genau wie ich Dir meine geben wollte? Vielleicht war es Dir einfach egal. Erinnerst Du Dich, wie Du Dich über meine Haare aufgeregt hast, mir gesagt hast, ich sei ein stinkender, verwahrloster Hund? Glaubst Du nicht, ich würde es geschätzt haben, gebadet und gebürstet zu werden? Mein Aussehen ist wichtig für mein Selbstbewusstsein - genau wie für Dich.

    Du nahmst mich nicht einmal mit, um Spaß zu haben. Immer, wenn Du in die Berge wandern gingst, ließest Du mich alleine Zuhause. Hast Du Dir nie gedacht, dass es mir gefallen würde zu rennen und neue Sachen zu erkunden? Ich wäre schon glücklich gewesen, wenn Du nur Ball mit mir gespielt hättest. Aber nein, Du hattest keine Zeit für mich, ich fühlte mich, als ob ich ein Mühlstein an Deinem Hals wäre. Wie würde es Dir gefallen, alleine zu leben, ohne Sozialkontakte, aus dreckigem Geschirr zu essen und zu trinken? Kannst Du mein Bett riechen? Es hätte schon vor Monaten gewaschen werden müssen.

    Nun sie mich an! Erst 18 Monate und zum Sterben verurteilt. Sie sagen, dass ich unberechenbar bin, dass ich gefährlich und bösartig sein könnte. Das ist nicht wahr! Ich bin nicht so gemein wie sie sagen. Es ist nur, dass ich so viel Angst habe, dass mir wieder wehgetan wird und dann ohne zu Denken reagiere. Später tut mir mein Verhalten leid und ich bedauere, dass ich mich nicht beherrschen kann.

    Wenn nur jemand versuchen würde, mich zu verstehen und mir helfen würde, meine Ängste zu überwinden! Ich brauche nur jemand, bei dem ich mich sicher fühlen kann, dem ich vertrauen kann. Jemanden, der mir vertrauen will. Ich bin immer noch der spaßliebende liebevolle Welpe, der ich war. Ich brauche Hilfe, um diese Gefühle noch einmal ausdrücken zu können.



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