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Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Adminette - 19.11.2010, 00:12Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
"Love, I am told, hightens our senses, but lowers our perception."
BAUSTELLE für später...
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Tinka - 20.11.2010, 15:52
:lshow: Ich liebe diesen Film! Einfach alles ist bezaubernd daran, die ganze Atmosphäre, die wundervollen Darsteller, die Ausstattung, einfach alles...
Viele finden Onegin ja langweilig, aber ich steh' auf so melodramatischen Kram. Und dann noch in Russland (zumindest der Beschreibung nach)!
*seufz*
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Adminette - 21.11.2010, 20:39später
"Love, I am told, hightens our senses, but lowers our perception." - sagt eugen, der hochwohlgeborene...
und es geht auch in der einhundertundömzigsten verfilmung (nagut, eine von zehnen zumindest) von puschkins versepos onegin - wie sollte es anders sein um
liebe?
nein.
und die blaue blume, die er bricht.
der film ist ganz unverkennbar ein herzensprojekt von ralph fiennes. nicht nur, weil er offenbar die produktion nicht in hände außerhalb der familie fallen lassen wollte (regisseurin ist seine eine schwester, komponist sein einer bruder, ganz zu schweigen von ihm selbst in der hauptrolle), sondern weil er durch und durch angereichert ist mit details, die dokumentieren, dass man sich eingehend mit onegin und mit puschkin beschäftigte. zum beispiel die schnellen federskizzen, mit denen jewgeni hier und da die zeit überbrückt und das gesellschaftliche treiben gallig einfängt, die erinnern stark an zeichnungen von puschkin selbst. und beim anblick von diesen handgezeichneten ennui-pornos fiel mir die anekdote vom dreh der "duchess" wieder ein. da hatte es herrn fiennes nämlich gefallen, sich auf die rolle des herzoglichen gatten vorzubereiten, in dem er seinen wohnwagen mit mehr als schlüpfrigen rokoko-grafiken tapezierte.
es scheint also eine menge fiennes in diesem onegin zustecken. und der ist ein fürchterlich zerlangweilter snob. zu übersättigt und abgeklärt selbst, um ein reiner wüstling zu sein. ganz gefährlich. man möchte ihn schütteln. und trotzdem ist fiennes in der rolle zugänglicher, ja umwerfender und anziehender, als ich ihn je erlebt habe. wohl gerade, weil er so viel frei legt. ich saß jedenfalls auch beim zweiten gucken quasi mit offenem mund vor dem bildschirm und war bestimmt nicht weniger hingerissen als die bezaubernde liv tyler mit dem hang zu romantischen büchern :engel: . obwohl ich zugegebenermaßen ja eine ganz große schwäche für fiennes faulmauligen gangster harry "in bruges" – der mit them f*ckung swans – habe. vielleicht, weil er das passend verquere gegenstück zum poetischen onegin ist.
"And then you'll shoot me? - Only, if you're dull!"
vor allem die erste hälfte des durchweg stark gespielten und exquisit bebilderten filmes ist in eine so mitreißend winterlich-melancholische doch ruhige, undramatische stimmung getaucht. jedes wort und viele gesten scheinen das unglück vorwegzunehmen - gleich vom allerersten augenblick an - und dadurch die erwartung schwer erträglich zu machen. wie so viele geschichten fällt dann auch diese nach eintritt des tragischen knalls etwas ab, weil das drehbuch den langen schnitt der 6 jahre unmöglich ausfüllen kann und erklären will. es bleibt der geschichte aber treu und wesentlich konsequenter zum beispiel in der darstellung der... eitelkeit des protagonisten, als andere filme und erstrecht buchverfilmungen. ich werde mir jedenfalls zum nächstmöglichen zeitpunkt mal das epos in schwarz auf weiß zu gemüte führen, um zu sehen, wie dort episch ausgebreitet wird, was hier nur angedeutet werden konnte.
und wie aus dem so formvollendeten beau und "nutzlosen menschen" der vorzeitig gealterte mann mit grauem wollschal werden mußte, der bei der matrone mit der teetasse harrt, während selbst die olle jungfer der geschichte fröhlich dem eislaufen fröhnt.
senf zum nachschlag die traurige prinzessin dem rang und altjungfer dem titel nach bekam übrigens ihren eugen 2008 - widerum in bruges bzw. london. - endete aber auch nur als "inanimate f***ing object" und witwe :eek:
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und zwei auffällige bildzitate von einem tollen film zum nächsten: onegin - bright star
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Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Adminette - 21.11.2010, 22:28
Tinka hat folgendes geschrieben: :lshow: Ich liebe diesen Film! ... Viele finden Onegin ja langweilig, aber ich steh' auf so melodramatischen Kram.
ich auch. aber ich finde ihn weder langatmig (geschweige denn -weilig) noch wirklich melodramatisch. das's ja das schöne daran. man leidet so leise vor sich hin.
ganz prima finde ich auch die formelle darstellung der zwei liebenden. so werden sie oft in ähnlicher oder gleicher pose gezeigt um die gemeinsamkeit zu verdeutlichen. aber da, wo der abgeschattete jewgeni so "verzivilisiert" ist, dass er geradezu krank wird und bei wachem verstand doch an verzerrter (selbst)wahrnehmung leidet, wird tatjana zum naturkind und zur fiebrigen lichtgestalt. quasi wie yin und yang. das wird auch deutlich an den gebäuden bzw. den bühnenbildern, in denen die beiden agieren. jewgenis ist ein palladianisches landhaus, das von fremdem stil geprägt, streng geometrische formen so kollossal überzogen und kalt verbaut, dass der mensch darin zwischen dem bröckelnden putz erdrückend klein wird - und ziemlich im dunkeln steht. wie oben im mittleren bilderblock: jewgeni bzw. eugen guckt halbverdeckt aus der dunklen höhle hervor, tatjana tritt aus ihr in gleißendes licht hinaus.
anders tatjanas rückzugshort: der pavillon im garten des eher traditionell russisch aussehenden elternhauses. ebenso alt und abgewittert, wie das landhaus. aber gemütlich, beseelt, verträumt, nicht verklärt sondern über die fensterwände untrennbar mit der außenwelt/natur verbunden. selbige ist kein gezupfter und kultivierter garten, eher ein (nicht gänzlich wild)gewachsenes wäldchen.
dagegen das ende: tatjanas leseraum im palais ist immernoch - oder mehr als je zuvor, also in geradezu übernatürlichem maße - lichtdurchflutet, aber in künstliche landschaft (stadt) gesetzt. es ist größer, teurer, aufgeräumter, zivilisierter - aber glattgeschliffen, eisekalt, zugig und möbliert in/eingerichtet mit trauer. und der ausblick: vergittert.
in diesem gefängnis tritt jewgeni nun endgültig als dunkler schattenriss seiner selbst auf, als der er auch bis zum ende durch die straßen wandelt. deutlicher als mit einem beistehenden, frisch gezimmerten sarg, braucht man den tod dann auch nicht mehr anzudeuten :flenn:
und als krönender abschluss: der affektierte (unnatürliche) französische modelehrer, den mama für die töchter engagiert, um ihnen gesellschaftlichen schliff zu verpassen. unnötig zu erwähnen, dass unter der wahren in-crowd höf(l)i(s)ch-französische prägungen gerade gar nicht angesagt waren. und naja. autor puschkin seien die vorbehalte gegenüber den französischen mitbürgern verziehen. ganz haltlos kann man sie in seinem falle ja nicht nennen :eek:
Tinka hat folgendes geschrieben: Und dann noch in Russland (zumindest der Beschreibung nach)!
aber es wurde zum teil doch wirklich in russland gedreht? zwar sind einige drehorte seeehhr englisch. aber zum beispiel die schlittschuhszene fand ich prima zusammengetrickst. mir wäre nienicht aufgefallen, dass es eigentlich auf einer sommerlich grünen wiese in kent gedreht wurde. und um noch einmal auf "in bruges" zurück zukommen: they were filming midgets! die kleinwüchsigen mußten nämlich die fehlende tiefe des nicht ganz so weitläufigen sets ausgleichen. :grommit:
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Tinka - 22.11.2010, 21:57
Diese Licht und Schatten Beobachtung gefällt mir sehr!
Das mit den midgets versteh ich jetzt aber nicht.. Wo haben sie die gefilmt? In Onegin oder In Bruges? (seit dem Film find ich übrigens Colin Farrell toll :cool: ).
Wegen der "Beschreibung": Ich hatte keine Ahnung wo der Film gedreht wurde und habe deshalb vorsichtshalber eine Einschränkung gemacht. Denn man weiß ja nie. Da gerät man ins Schwärmen und am Ende ist alles irgendwo in Pinewood oder sonstawo gedreht worden. Hach, ich liebe alles kostümig-russische, momentan bin ich wieder auf dem Trip. Habe mir gestern für 60 Euronen den russischen Import der sowjetischen Krieg und Frieden Verfilmung gekauft, die auf Amazon erhältliche deutsche Ausgabe soll nicht so gut sein. Und an Weihnachten zieh ich mir dann die einstündige Schlacht von Borodino auf Dauerschleife rein... :sauber:
Um auf Onegin zurückzukommen, ich finde da passt einfach alles. Ich kenne ja die Literatur auch nicht, aber so eine Geschichte muss man zwangsläufig mit einer gewissen Erhabenheit und einem Hang zur Tragik erzählen, den die Fiennes Family definitiv hat.
Und Liv Tyler war so perfekt gecastet, die hatte wirklich eine geradezu strahlende, glühende, so ganz still vor sich hin bebende Energie. Ganz bezaubernd.
Tinka
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Adminette - 22.11.2010, 22:08
"in bruges" rennt colin farrels charakter doch das erste mal überhaupt aufgeregt wie ein schuljunge durch brügge - zum filmset. weil er sieht "they're filming midgets". witziger nebenfakt: dabei trifft er clemence poesy, die ein jahr zuvor in einer verfilmung eines anderen wenn nicht des hier als solchen wahrgenommenen großen russischen klassikers schlechthin die natasha rostova spielte?
na, jedenfalls hat man in den eislaufszenen in "onegin" kleinwüchsige darsteller zwischen vordergrund und reingetrickster petersburger stattsilhouette aufs eis geschickt, um die perspektive durch die größenverhältnisse zu strecken. denn die wiese, auf der man die darsteller eislaufen ließ, war nicht so weitläufig, wie der petersburger prospekt es verlangte und im film glauben macht. so wird es zumindest im making-of auf der DVD erklärt :wink:
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Tinka - 22.11.2010, 22:13
Ahhh, verstehe. Muss ich mir gleich nochmal anschauen. Ist ja witzig. Wie auch übrigens der Ausschnitt aus In Bruges. :rofl: Hach, den muss ich mir auch nächstens nochmal genehmigen.
Tinka
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Adminette - 22.11.2010, 22:16
den mußte ich mir schon wieder zur gänze angucken, als ich nur das bild mit harrys ehefrau rausziehen wollte. kann einfach nicht aufhören, wenn ralph fiennes bzw. harry seinem schandmaul so richtig zucker gibt :engel: besonders die szene zwischen ihm und brendan gleeson im straßencafé ist zu göttlich. :rofl: v.a. im o-ton, da hat man sich ja im deutschen nicht so recht getraut.
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Tinka - 22.11.2010, 22:23
Ja, ich hab den damals im Kino in OMU gesehen und dachte auch ich hör nicht richtig, echt eine der besten Rollen von ihm. Ich kann mir ungefähr vorstellen, wie Spaß sowas macht als Schauspieler. Vor allem wenn man sonst vornehmlich als sophisticated Liebhaber-Type gecastet wird.
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Ulli - 24.11.2010, 17:11
Tinka hat folgendes geschrieben: :lshow: Ich liebe diesen Film! Einfach alles ist bezaubernd daran, die ganze Atmosphäre, die wundervollen Darsteller, die Ausstattung, einfach alles...
Viele finden Onegin ja langweilig, aber ich steh' auf so melodramatischen Kram. Und dann noch in Russland (zumindest der Beschreibung nach)!
*seufz*
Auweih, bei mir hat der Film damals so gar keinen tieferen Eindruck hinterlassen. Habe mir nur Toby Stephens gemerkt. Muß mir den Film scheinbar nochmal ansehen...
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Adminette - 27.11.2010, 16:56
Ulli hat folgendes geschrieben: Muß mir den Film scheinbar nochmal ansehen...
die chance sei dir gegeben, denn der film läuft - so'n zufall - am 16.12. bei 3SAT.
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Adminette - 04.01.2011, 18:58
Tinka hat folgendes geschrieben: Hach, ich liebe alles kostümig-russische, momentan bin ich wieder auf dem Trip. Habe mir gestern für 60 Euronen den russischen Import der sowjetischen Krieg und Frieden Verfilmung gekauft
auweia. die deutsche fernsehversion des bondartschuks rottet noch ungesehen auf band in meinem schrank vor sich hin. aber neulich lief auch sein "wateroo" im TV. muss mal gucken, ob meine aufnahme gelungen ist, und dann ließe sich im falle der arbeitslosigkeit im sommer (was soll man auch sonst nachm studium anstellen :roll:) ließe sich ja mal über tiefschürfendes nachdenken ;D
leider kommt ja sonst immer nur sehr sporadisch russisches gewerk in die hiesigen kinos oder TVs, was natürlich am auch politischen "state of the art" drüben liegen mag. aber hast du mal "the russian ark" gesehen? immerhin auch mit kostüm. aber als ich den gesehen habe, war mein kunstsinn noch nicht ganz so geschärft. oder der film einfach tatsächlich nur anstrengend und capriziös. könnte man direkt mit auf den oben angedachten sichtungsstapel packen.
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Ulli - 10.01.2011, 17:33
Anna hat folgendes geschrieben: Tinka hat folgendes geschrieben: Hach, ich liebe alles kostümig-russische, momentan bin ich wieder auf dem Trip. Habe mir gestern für 60 Euronen den russischen Import der sowjetischen Krieg und Frieden Verfilmung gekauft
auweia. die deutsche fernsehversion des bondartschuks rottet noch ungesehen auf band in meinem schrank vor sich hin.
Die Vision würde ich auch gern mal wieder sehen, aber auf russisch (mit dt. UT). Seit ich die Sprache nicht mehr lernen muß, höre ich sie ganz gerne.
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Tinka - 13.01.2011, 00:40
Ulli hat's gesagt: Unbedingt auf russisch gucken.
Deutsche Version auf VHS? Hmm, lass sie vielleicht besser für immer ungesehen im Regal stehen. TV Version und Synchro kann ich mir hier nur katastrophal vorstellen. Der Film lebt ja ausdrücklich von seinen Längen und Mammuteinstellungen.
Re: Alexander Puschkin - Jewgeni Onegin
Adminette - 13.01.2011, 20:22
Tinka hat folgendes geschrieben: Der Film lebt ja ausdrücklich von seinen Längen und Mammuteinstellungen.
noch länger, als in sechs stunden zu bewundern ist? naja. zwecks verständnis und weil ich nicht vorhabe, mit meinem sauer gesparten der - mit verlaub - schweineteuren originalversion hinterherzurennen, wirds die VHS doch fürs erste tun. ich hab da ja so meine schwierigkeiten mit ollen 60ies movies. und ich könnte mir vorstellen, dass die gesamte russische militär-kavalkade in all ihrer pracht nix dran ändern kann. :anonym:
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