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Der kleine Philosoph


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tobias
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Geschlecht: Geschlecht:männlich
Anmeldungsdatum: 19.06.2006
Beiträge: 1593
Wohnort: ein Rheinländer in Bayern

BeitragVerfasst am: 20.06.2007, 17:43    Titel: Der kleine Philosoph Antworten mit Zitat

Heute bin ich ein wenig ins philosophieren geraten...
Um meinen nächsten Satz zu schreiben, komme ich schon in Formulierungsnot!
Soll ich schreiben, Satz, These, Gedanke - was ist genau das Wort, was es auf den Punkt trifft...
Eine These ist ein Gedanke oder Satz, dessen Wahrheitsinhalt eines Beweises bedarf. Der Verfasser einer These behauptet die Wahrheit. Ist die These nicht haltbar, muss sie verworfen werden. Andernfalls kann an der These festgehalten werden. Eine These ist allgemein aufgefasst eine Aussage, deren Aufgabe darin besteht, das Wesentliche aus dem Komplex von Aussagen in pragmatisch wirksamer Weise zur Geltung zu bringen.
Bevor es zu kompliziert ist, komme ich zum Punkt:
"Das Leben ist eine Baustelle!"
Dieser Satz kam mir heute unter und gefiel mir sehr gut.
Wäre das Leben perfekt, wie langweilig wäre es doch. Ein halbfertiges Zimmer weckt Ideen, macht neugierig, was kann ich machen, ich kann (um)gestalten, verändern, es ist nicht steril, es ist nicht langweilig, ich kann kreativ sein.
Perfektionismus ist nur für einen kleinen Moment schön. Ich habe mich jedenfalls schon ganz schnell "leer" gefühlt, wenn ich lange auf etwas hingearbeitet habe und dann war es auf einmal da oder fertig. Ich weiß nicht, ob Ihr das kennt...?
Ich brauche immer etwas, woran ich arbeiten, basteln kann (sei es wirklich praktisch oder auch eher gedanklich).
Außerdem finde ich es schön, wenn mein Leben eine Baustelle ist. Denn das heißt, daß ich immer wieder etwas verändern kann, eine Baustelle gibt mir mehr Impulse, etwas zu verändern und nicht einfach zu lassen.
Dazu passend bin ich heute auf das "Unperfekthaus" in Essen gestoßen. (Schade, daß Hebina nicht mehr dort in der Nachbarschaft wohnt, sonst hätten wir sie einmal hinschicken können, um uns hinterher zu berichten...).
Ein Artikel beschreibt das Unperfekthaus folgendermaßen:

"Essen Unperfekt''

Wo sich Künstler die Klinke in die Hand geben. Ein Besuch im Unperfekthaus.

Erst seit 2004 gibt es in Essen das Unperfekthaus. Dort kann jeder den sogenannten "Kreativen" über die Schulter schauen, an Veranstaltungen teilnehmen oder selbst etwas anbieten. Einzige Bedingung: Im Unperfekthaus muss alles offen sein, jeder darf zuschauen, mitfeiern oder mitessen. Das Haus ist ein Treffpunkt, wie es ihn noch nie gegeben hat: Es gibt Musik, Bühnen, Labors, Internet, Ateliers und noch vieles mehr.

Um was geht es?

Ein verregneter Nachmittag, ein netter Mitbewohner. Wir wollen ins Unperfekthaus. Was das ist? Keine Ahnung. Jemand hat uns eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. Also haben wir auf der Homepage des Unperfekthauses nachgeschaut, dort heißt es: "Keine Kirche. Keine Sekte. Nicht staatlich. Einfach nur eine Privatperson, die das Gebäude bereitstellt, an Eintrittspreisen und Gastronomie verdienen will und ansonsten jeden machen läßt, was er will." Das Ganze klingt vielversprechend, aber vorstellen kann ich mir darunter nicht viel - trotz Browsen auf deren Internetpräsenz. Ich kann jedem nur empfehlen, selbst einmal nachzuschauen.

Es geht los!

Als wir ankommen, bin ich total nass und ein bisschen aufgeregt. Wir sind extra eine Stunde vor der offiziellen Führung gekommen, um uns einen Eindruck verschaffen zu können. Nachdem wir den Eintritt gelöhnt haben, teste ich zuerst die "Erste-Angezogen-Sauna-Der-Welt" aus. Es handelt sich um einen Holzkasten, in dem 90 Grad Celsius herrschen. Empfohlen sind nicht mehr als zwei Minuten. Obwohl ich das berücksichtige, sind meine Klamotten danach schon ein bisschen trockener. Weiter gehts. Wir schauen uns Bilder an. Mein Mitbewohner ist Grafik-Designer und ist nur selten zu begeistern: "Nicht jeder, der sich für einen Künstler hält, ist auch einer." Ich mag eigentlich alles. Selber malen kann ich sowieso nicht besonders. Nur die Kunst des "Stadtgeistes", die irgendwie mit Terror und einer Menge - meines Erachtens nach - sinnlos aneinander gereihter Phrasen zu tun hat, verwirrt mich.

Begegnungen

Unsere erste "Kreative" sitzt am Rand unseres Weges. Mit einer wahnsinnig sympathischen dicken Hornbrille konzentriert sie sich auf ihre Tiffany-Glaskunst. Sie erzählt uns ein bisschen mehr über das Haus. Andere sitzen um einen großen Tisch und trinken Kaffee. Man kann Parties feiern im Unperfekthaus. Eintritt für bis zu 20 Gäste ist frei, aber dafür muss man jeden mitfeiern lassen. Wichtig zu wissen ist auch, dass sich die Konditionen des Hauses ständig ändern, weil es sich noch in der Entwicklungsphase befindet. Nachfragen muss immer sein. Plastiken und weitere Malereien säumen unseren Weg. Schließlich landen wir bei einem Künstler aus Sri Lanka, der inzwischen damit bekannt wird, dass er das Ruhrgebiet in seiner Phantasie ein bisschen umbaut und es dann malt. Sieht fantastisch aus! Nett ist er auch. Beantwortet alle neugierigen Fragen zu seiner Kunst und seinen Austellungsplänen. Dann muss er weg. Die "Kreativen" kennen keine Zeit. Abhängig davon, wann man kommt, kann man schrecklich viele Leute treffen...oder niemanden. Vorher weiss man es nie. Im nächsten Raum singt jemand. Wie sich herausstellt, ein Kabarettist mit ausgesprochen bissigen Liedtexten. Prompt lädt er uns zu seinem nächsten Konzert ein und gibt ein bisschen Schimpf auf die Regierung zum Besten.

An die Hand genommen

Die Führung beginnt. Hier gibt es ein paar Hard Facts zu den Räumlichkeiten. Wir sehen diverse Ateliers, einen Kinderraum, eine Küche im Aufbau, einen Yoga Raum, eine WG für kreative Gastspieler und werden dazu eingeladen, selbst etwas zu machen. Gratis-Proberäume für Bands gibt es auch. Doch auch hier gilt: Jeder darf zusehen. Ich beginne mich für die Idee zu begeistern und brainstorme, was ich hier alles machen könnte. Irgendwo treffe ich auch noch eine Feuertänzerin mit schrecklich schönen wilden Haaren. Sie motiviert mich zusätzlich und lädt mich zu einem Konzert in der kommenden Woche ein. Perfekt! Nein...unperfekt. Die Idee lautet, dass nichts vollkommen, nichts perfekt ist und man darum ständig an allem weiterentwickelt und arbeitet. Am Ausgang sehe ich dann, dass es sogar Aufkleber in der Optik eines Strassenschildes gibt. "Essen" ist schwarz auf gelb die Stadt, "Unperfekt" der Stadtteil.

Wehmutstropfen

Ob man Spaß in diesem angedachten "zweiten Wohnzimmer" hat, ist sicher sehr individuell. Es bedarf manchen sicher einiger Überwindung, wirklich hinzugucken und auf Leute zuzugehen. Schließlich ist Starren normalerweise unhöflich. Reine Glückssache ist auch, ob man zu guten Zeitpunkten kommt. Eine gute Hilfe dabei ist wohl der Veranstaltungskalender. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, weil in der Aufbauphase für nichts garantiert werden kann. Beispielsweise fällt bei Krankheit eines Kreativen natürlich die Veranstaltung ersatzlos aus. Einige müssen auch ihren Lebensunterhalt mit ihrer Tätigkeit bestreiten, so dass oft der Wunsch etwas zu verkaufen dahinter steht. Beim Yoga zum Beispiel darf man zwar zusehen, jedoch nur gegen Bares mitmachen.

Fazit

Wir hatten richtig viel Spaß. Solch ein Ort ist wirklich einzigartig und nie dagewesen. Außerdem bietet er so unendlich viele Möglichkeiten. Toll ist auch, dass junge Künstler eine Plattform bekommen, um Netzwerke zu knüpfen und potentielle Käufer anzusprechen. Ich gehe wieder hin...


Hier ist übrigens der Link zur Homepage von Essen Unperfekt:
http://www.unperfekthaus.de/macher/ oder
http://www.unperfekthaus.de/

Tobias
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"Meglio sdrucciolare con i piedi che con la lingua."
("Lieber mit den Füßen ausrutschen als mit der Zunge.")
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BeitragVerfasst am: 20.06.2007, 17:43    Titel: Anzeige

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Hospes




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Beiträge: 1856
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BeitragVerfasst am: 25.06.2007, 19:22    Titel: Philosophieren Antworten mit Zitat

Lieber tobias,

hier hast Du wirklich eine anregende Baustelle aufgemacht.

Ich liebe ja schon das schöne Wort Philosoph:
griechisch "philein" lieben
griechisch "sophia" Weisheit.
Wer in Istanbul war kennt die "Heilige Weisheit" (Ἅγια Σοφία), die ehemalige Kirche Hagia Sophia (türkisch Ayasofya).

Wer die Wahrheit sucht, wird wohl immer feststellen dürfen und müssen, dass es nichts Endgültiges gibt, dass es für jeden unterschiedliche Wahrheiten gibt und dass Wahrheiten süß, bitter und schmerzlich sein können.

Und weil wir im Buffet sind ein kleines Zitat aus Platons Gastmahl: "Aber den ... Bürgerlichen soll man mit Vorsicht anregen, wenn man ihn anregt, damit man seine Lust ernte, aber keine Ausschweifungen erzeuge, gerade wie es in unsrer Kunst eine große Mühe ist, die auf die Kochkunst bezogenen Begierden richtig zu benutzen, so dass man ohne Krankheit die Lust ernte."

Hospes
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Dum spiro, spero. (Solange ich atme, habe ich Hoffnung.)
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Sennesand




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BeitragVerfasst am: 25.06.2007, 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Tobias,



die Aussage *das Leben ist eine Baustelle* gefällt mir außerordentlich gut. Es ist sogar sehr tröstlich, sich nicht immer mit dem Ist-Zustand abfinden zu müssen. denn dieser Gedanke wäre zumindest doch wohl oft unerträglich. Ein schöner Gedanke sich in andere
Ebenen katapultieren zu können, wenn auch nur gedanklich. Es hilft.



Gracias

Sennesand
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Luca




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BeitragVerfasst am: 26.06.2007, 15:39    Titel: Re: Philosophieren Antworten mit Zitat

Die Weisheit lieben.
Ich wußte gar nicht, daß man Philosophie so übersetzt. Das gefällt mir sehr gut!

Zitat:
Wer die Wahrheit sucht, wird wohl immer feststellen dürfen und müssen, dass es nichts Endgültiges gibt, dass es für jeden unterschiedliche Wahrheiten gibt.


Darüber ließe sich jetzt wirklich philosphieren (oder besser diskutieren...?). Gibt es mehrere Wahrheiten oder kann es nicht einfach nur eine Wahrheit geben? Das frage ich mich gerade wirklich... Oder kommt es darauf an, welche Frage man sich gestellt hat?

Zitat:
Es ist sogar sehr tröstlich, sich nicht immer mit dem Ist-Zustand abfinden zu müssen. denn dieser Gedanke wäre zumindest doch wohl oft unerträglich.


Das gibt einem auf jeden Fall die Möglichkeit, sich immer weiter zu entwickeln und nicht in irgend etwas zu verharren. Es ist eine Chance.

Luca
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Hospes




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BeitragVerfasst am: 26.06.2007, 18:47    Titel: Wahrheit? Antworten mit Zitat

Lieber Luca,

die Frage nach den Wahrheiten in allen Bereichen ist wohl die schwierigste aller Fragen.

Aristoteles ist hier durchaus skeptisch:

"Schwer ist zu erkennen, ob man weiß oder nicht. Denn schwer ist es zu erkennen, ob wir dies oder das aus den wahren Grundsätzen eines Dinges wissen oder nicht - doch das gerade heißt wissen.
Wir glauben vielmehr, wenn wir aus irgendwelchen wahren ... Sachverhalten zu einem Schluss gekommen sind, das Betreffende zu wissen.
Das ist nicht der Fall ..."

Oft nehmen wir ja den Schein für das Sein.

Hospes
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Luca




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Beiträge: 677
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 27.06.2007, 14:26    Titel: Re: Wissen? Antworten mit Zitat

Zitat:
"Schwer ist zu erkennen, ob man weiß oder nicht. Denn schwer ist es zu erkennen, ob wir dies oder das aus den wahren Grundsätzen eines Dinges wissen oder nicht - doch das gerade heißt wissen.
Wir glauben vielmehr, wenn wir aus irgendwelchen wahren ... Sachverhalten zu einem Schluss gekommen sind, das Betreffende zu wissen.
Das ist nicht der Fall ..."

Oft nehmen wir ja den Schein für das Sein.


Wie wahr, wie wahr und mehr als lohnenswert, darüber nachzudenken.

Ich fürchte nur, man kommt zu keiner Antwort...
So langsam stelle ich mir die Frage, glaube ich nur, oder weiß ich es...

Halte ich mich in dem Falle besser an Sokrates:
"Ich weiß, daß ich nichts weiß."

Luca
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la-piccola




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BeitragVerfasst am: 29.06.2007, 10:20    Titel: Wahrheit ? Antworten mit Zitat

Soviele schlaue Menschen haben sich schon damit auseinandergesetz :Voltaire meinte,es gibt keine unbestrittene Wahrheit !!??

und da hab ich auch noch was nettes gefunden:
Es ist fast unmöglich,die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen,ohne jemandem den Bart zu versengen . Lichtenberg
Man könnte bestimmt viele Abende füllen,wenn man sich darüber unterhalten würde und wohl immer auf neue Gedanken und Wahrheiten stossen.... Geschockt
grübelnde Grüße....
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Grüßles la-piccola
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Hospes




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BeitragVerfasst am: 29.07.2007, 14:54    Titel: Künstler Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Lieben,

ich möchte die "Philosophische Ecke" wieder etwas aufleben lassen.

So ganz allgemein passen hier verschiedene Gedanken und Überlegungen herein.

Heute las ich einen Ausspruch von Arthur Schnitzler:

"Künstler sein, das heißt: verstehen, die rauhen Flächen der Wirklichkeit so glatt zu schleifen, daß sie die ganze Unendlichkeit von den Höhen des Himmels bis zu den Tiefen der Hölle widerzuspiegeln vermag."

Versteht ein Künstler wirklich alles oder hat er nur viel Verständnis?

Wenn sich ein Künstler darauf versteht, die Wirklichkeit zu verformen, was bleibt dann noch von der Realität übrig?
Oder macht es gerade das "Künstliche" aus, das über die Wirklichkeit Hinausgehende, dass ein Werk alle Höhen und Tiefen zeigen kann?
Weiter gefragt: Muss jedes Werk an diesem Anspruch gemessen werden, oder kann Kunst auch nur einen kleinen Ausschnitt abbilden?

Bin auf Eure Antworten gespannt!

Hospes
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Luca




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BeitragVerfasst am: 29.07.2007, 19:28    Titel: Re: Künstler Antworten mit Zitat

Ich mußte Deine Zeilen erst ein paar Mal lesen und auf mich wirken lassen...

Was mir dann aber auffiel bzw. widersinnig vorkam war folgendes:

"... die rauhen Flächen der Wirklichkeit so glatt zu schleifen, daß sie die ganze Unendlichkeit von den Höhen des Himmels bis zu den Tiefen der Hölle widerzuspiegeln vermag."

Wie kann etwas die Wirklichkeit widerspiegeln, und dazu noch mit der Unendlichkeit von Höhen und Tiefen, wenn man ihre Flächen zuvor glatt geschliffen hat? Wenn man etwas bearbeitet hat, geht dann nicht die Authentizität verloren? Gibt man der Wirklichkeit dann nicht eine eigene, persönliche und somit gefärbte Richtung?
Und wenn etwas glatt geschliffen ist, sind dann nicht sozusagen die Spitzen genommen worden, kann es dann überhaupt noch (Unendlichkeiten) von Höhen und Tiefen haben...?

...oder kann Kunst auch nur einen kleinen Ausschnitt abbilden?

Also, das denke ich auf jeden Fall. Ich bin zwar kein Künstler und in dieser Hinsicht auch wenig begabt, aber ich finde, gerade die Kunst ist prädistiniert dazu, kleine Ausschnitte zu zeigen, auf etwas hinzuweisen, die Wirklichkeit zu karrikieren oder Bestimmtes zu verdeutlichen. Ich würde das manchmal sogar ein bißchen als die Aufgabe der Kunst betrachten. Oder lehne ich mich damit von meinem Anspruch her etwas zu weit aus dem Fenster?

Luca
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Hoffnung ist nicht die Überzeugung,
dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit,
dass etwas sinnvoll ist,
egal, wie es ausgeht.

(Vaclav Havel)
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karl




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BeitragVerfasst am: 29.07.2007, 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

eujeujeu, wat fürn Thema.
Hei, ich möcht mich auch mal wieder melden.
In der Firma werde ich auch öfters als Künstler bezeichnet.
Jetzt weiß ich auch, warum ich ungern als Künstler bezeichnet werden möchte. (Ich verstehe nämlich nüscht !!!)
Meine Kalligrafie ist für mich keine Kunst, das kann man lernen.
Die Arbeiten von Elli sehe ich als wirkliche Kunst. Schrift und farblichen Hintergrund in Einklang bringen, da gehört schon mehr dazu.
Meine Zeichnerei ist auch keine Kunst. Ich zeichne nur meine Gedanken ab und mache mich über aufgenommene Situationen und Momente lustig. Die Arbeit und das Leben sind schon ernst genug und nach getaner Arbeit soll man ruhig schmunzeln oder lachen.
Ebenso, wenn ich höre wer alles als Künstler bezeichnet wird, da bleibe ich doch lieber Handwerker und Arbeiter und bleibe weiter unwissentlich.
Eines ist jedoch gewiss: ich werd wohl noch einmal über dieses Thema nachdenken.
Grüße aus dem Norden, von der Heulboje Karl
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Fange niemals an aufzuhören, höre niemals auf anzufangen.
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Hospes




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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 1856
Wohnort: ohne Zorn nahe München

BeitragVerfasst am: 29.07.2007, 19:58    Titel: Kunst Antworten mit Zitat

Lieber Luca,

Du bist über dieselbe Stelle gestolpert wie ich:

Zitat:
Und wenn etwas glatt geschliffen ist, sind dann nicht sozusagen die Spitzen genommen worden, kann es dann überhaupt noch (Unendlichkeiten) von Höhen und Tiefen haben...?


Das macht doch gerade ein bewegtes Leben aus, dass es Höhen und Tiefen, Licht und Dunkel, Freude und Verzweiflung beinhaltet.
Wenn ich nun alles glattpoliere, dann gehen auch für mich viele Facetten verloren.
Und ist es nicht gerade Aufgabe der Kunst, die subtilen Aspekte des Lebens aufzuzeigen, die sonst nicht beachtet werden würden?



Man sollte auch Künstler und Experten hinterfragen dürfen, nein müssen.
So habe ich, wie viele Jahrgänge vor mir, mitbekommen, dass die antiken Statuen edel, weiß und aus Marmor waren. Eine Ausstellung in der Glyptothek in München zeigte, dass die Antike bunt war.

Zitat:
Ich bin zwar kein Künstler und in dieser Hinsicht auch wenig begabt, aber ich finde, gerade die Kunst ist prädistiniert dazu, kleine Ausschnitte zu zeigen, auf etwas hinzuweisen, die Wirklichkeit zu karrikieren oder Bestimmtes zu verdeutlichen. Ich würde das manchmal sogar ein bißchen als die Aufgabe der Kunst betrachten. Oder lehne ich mich damit von meinem Anspruch her etwas zu weit aus dem Fenster?


Da hast Du meineserachtens sehr recht. Man muss kein Künstler sein, um über Kunst sprechen zu können. Ich bin etwa kein Musiker, aber ich habe ein gewisses Grundwissen, um Musik etwas einordnen zu können.
Ich möchte aber niemandem meinen persönlichen Musikgeschmack aufdrängen. So wie beim Essen bestimmte Geschmäcker eben gelernt werden müssen, so kann man auch in der Kunst einiges lernen. Ich muss doch kein Koch sein, um sagen zu können, dass ein bestimmtes Gericht nicht gut war.
Allerdings - und das ist wie bei der Kunst so - sollte man seine Meinung gut begründen können.

So, und jetzt könnten wir uns lange darüber unterhalten, ob die Kunst Aufgaben hat, wie diese aussehen könnten und sollten und wer sagt, dass es solche Aufgaben überhaupt gibt.

Lieber karl,

Zitat:
Meine Zeichnerei ist auch keine Kunst. Ich zeichne nur meine Gedanken ab und mache mich über aufgenommene Situationen und Momente lustig. Die Arbeit und das Leben sind schon ernst genug und nach getaner Arbeit soll man ruhig schmunzeln oder lachen.
Ebenso, wenn ich höre wer alles als Künstler bezeichnet wird, da bleibe ich doch lieber Handwerker und Arbeiter und bleibe weiter unwissentlich.


was Du da beschreibst: Warum ist das keine Kunst?

Hat Kunst nicht mit 95% Können + Arbeit zu tun und die letzten paar Prozent sind das Können, etwas in einem neuen Zusammenhang, also erstmal und anders zu zeigen?

Kannst Du uns einmal einige Deiner Zeichnungen zeigen? Deine Beschreibung macht mich sehr neugierig.

Hospes
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la-piccola




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BeitragVerfasst am: 29.07.2007, 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo erst mal in die Männerrunde,
(schön,du lieber Nordlichtkarl,dass du mal wieder da bist,dachte schon,du wärst ausgewandert... Lachen )
Da habt ihr euch ein ganz schön komplexes Thema ausgesucht...
Seit wann gibt es eigentlich den Begriff "Kunst" ?
Ich denke,früher,also ganz früher,war Malerei,Bildhauerei, und was so alles dazugehört,einfach nur ein Handwerk oder die Fähigkeit,etwas von der Natur gegebenes "künstlich" nachzubilden, und je nach"Können" so naturgetreu wie möglich,darzustellen.
Oder aber ,es war ein Mittel, um Szenen und Bilder für die Nachwelt festzuhalten ,oder es diente dazu,etwas banales,alltägliches einfach nur zu "verschönern".Erst als die Fotografie sich so langsam entwickelte und die Maler keine Auftragsarbeiten mehr bekamen,entwickelte sich der Ex-und Impressionismus,das heißt,die Maler und Bildhauer begannen,ihre Werke mit Gefühlen,Stimmungen und auch mit Experimenten zu gestalten.
Natürlich lässt sich über "Kunst" herrlich streiten...und ich bezweifle ja auch,ob sich manche Künstler der Moderne wirklich sooo viel beim Malen ihrer Werke gedacht haben,wie ihnen immer von hochgestochenen Kunstkritikern in den Mund gelegt wird.Hospes,wir hattens ja schon mal davon:Man malt von innen heraus und manchmal spiegelt das fertige Bild die momentane Gefühlslage wieder...aber ob der jeweilige Künstler wirklich das alles so empfunden hat,wie ihm oder seinem Werk nachgesagt wird???
Ich war vor kurzem in Bern im Paul Klee Haus und war ziemlich enttäuscht über die meisten Bilder,die dort hingen...naja,sie waren halt von Paul Klee....und, es tut mir leid,aber ein dunkelbraungrauolives Dreieck auf hellbeigeockerviolettem Grund find ich halt einfach nicht schön !Und sowas gabs in allen Variationen,nicht nur von Klee,sondern von einigen seiner Zeitgenossen.
Gottseidank sind ja die Geschmäcker verschieden und mir persönlich muss ein Bild einfach auf Anhieb gefallen oder mich irgendwie berühren,da kann ein Kunsthistoriker mir erzählen,was er will.Manchmal habe ich nämlich das Gefühl.ich bin gerade ver...honepiepelt worden...
Kunst muss doch nicht immer etwas verdeutlichen -sie kann doch einfach nur schön sein und da das Schönheitsempfinden jedes Menschen anders ist,ist auch die Kunst so vielfältig...oder nicht ?
...und Karl,eigene Gedanken abzuzeichnen und überhaupt Zeichnen können,ist auch eine "Kunst",auch wenn der überwiegende Teil gelernt ist,(das ist meine Schreiberei auch!) ,denn wenn man nicht die Grundvoraussetzungen im Kopf und in den Händen hat,nutzt die ganze Büffelei nix....(ich würd sagen,wir einigen uns darauf,dass wir Kunsthandwerker sind,oder was meinste ??)
_________________
Grüßles la-piccola
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karin





Anmeldungsdatum: 19.06.2006
Beiträge: 755

BeitragVerfasst am: 29.07.2007, 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

Bravo la-piccola, Du sprichst mir aus dem Herzen, vielen Dank.

big_applaus.gif

LG Karin Smilie
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Rheinperle





Anmeldungsdatum: 19.06.2006
Beiträge: 1079

BeitragVerfasst am: 29.07.2007, 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mich fast nicht mehr getraut in dieses Thema einzusteigen, aber piccoletta, Du hast es auf den Punkt gebracht.

Rheinperle
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karl




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Anmeldungsdatum: 03.03.2007
Beiträge: 10
Wohnort: Ratzeburg

BeitragVerfasst am: 30.07.2007, 16:25    Titel: Antworten mit Zitat

Moin moin alle zusammen,
ja, Elli, mit dem Kunsthandwerker kann ich mich auch anfreunden.
Wenn ich mir recht überlege, ist das zu Papier gebrachte ein künstliches Aufzeichnen der Gedanken oder der Erinnerungen. Es ist dann wohl ein künstliches Abbild der Realität.

Zu meiner längeren Abwesenheit, ich war etwas außer Betrieb genommen. Ein kleiner Schlaganfall ist über mich hergefallen. Da ich ihn aber rechtzeitig bemerkte und gleich ins Krankenhaus fuhr, konnte ich dem Schlag nochmal ein Schnippchen schlagen. big_applaus.gif

Noch mal zurück zu dem, was mich zum Schreiben veranlasste:

"Künstler sein, das heißt: verstehen, die rauhen Flächen der Wirklichkeit so glatt zu schleifen, daß sie die ganze Unendlichkeit von den Höhen des Himmels bis zu den Tiefen der Hölle widerzuspiegeln vermag."

Das hab ich beim Überfliegen der Zeilen natürlich erstmal nicht verstanden. Nachdem ich ewas in meinen Erinnerungen gewühlt habe, kam mir der Gedanke, ob nicht folgendes gemeint sein könnte:

In meiner Seefahrtzeit schaute ich bei schönem Wetter gern auf die spiegelglatte See. Das Wasser kann so ruhig und sanft sein, dass sich alles was über der Wasseroberfläche ist, sich in ihr spiegelt. Bis zum Horizont herrscht eine Ruhe und Stille.
Je länger ich auf das Wasser gesehen habe, um so deutlicher wurde mir, welche Gewalt von dieser Ruhe ausgehen kann. Das große Schiff war ein Spielball der Wellen die wie riesige Mauern auf uns zukamen, uns jede Sicht nahmen und mit gewaltigem Getöse über das Deck des Schiffes schlugen. Regen und Sturm peitschten um die Aufbauten und nahmen uns die Luft zum Atmen. Nur durch Schreien konnten wir uns mit unserem Nebenmann verständigen.

Hier ist der eigentliche Künstler wohl die Natur. Sie vermochte es, ein aufgewühltes Meer so glatt zu schleifen, dass sich für mich die Höhen und Tiefen in ihm widerspiegelten. Wenn ich jetzt verstehen würde, das ruhige Meer in einem Bild so umzusetzen, dass auch der Betrachter die Urgewalten erkennen würde die von diesem Meer ausgehen können, dass wäre dann wohl „KUNST“.

Mit dem Aufladen von Zeichnungen werde ich mich nächstes mal beschäftigen.
Gruß, Karl
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